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Happe 2011

Erholsamer Schlaf ist entscheidend für die Gesundheit und Lebensqualität, wobei Schlafstörungen im Alter häufig zunehmen, insbesondere nach dem 75. Lebensjahr. Zu den Ursachen zählen physiologische Veränderungen, somatische und psychische Erkrankungen sowie soziale Faktoren. Ansätze zur Verbesserung des Schlafes umfassen die Behandlung von Erkrankungen, Lebensstiländerungen, Lichttherapie und den gezielten Einsatz von Schlafmitteln.

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Happe 2011

Erholsamer Schlaf ist entscheidend für die Gesundheit und Lebensqualität, wobei Schlafstörungen im Alter häufig zunehmen, insbesondere nach dem 75. Lebensjahr. Zu den Ursachen zählen physiologische Veränderungen, somatische und psychische Erkrankungen sowie soziale Faktoren. Ansätze zur Verbesserung des Schlafes umfassen die Behandlung von Erkrankungen, Lebensstiländerungen, Lichttherapie und den gezielten Einsatz von Schlafmitteln.

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Leitthema: Schlaf und Gesundheit

Bundesgesundheitsbl 2011 · 54:1311–1318 S. Happe


DOI 10.1007/s00103-011-1371-5 Institut für Klinische Neurophysiologie, Klinikum Bremen-Ost,
Online publiziert: 23. November 2011
Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen, Bremen
© Springer-Verlag 2011

Schlaf und seine


Störungen im Alter

Der erholsame Schlaf ist ein wesentlicher wir sprechen dann von einem erholsamen Wiedereinschlafen nach nächtlichem Er­
Faktor zum Erhalt von Gesundheit und Schlaf (DGSM Leitlinie 2009) [5]. wachen bei 41% der Frauen und 22% der
Lebensqualität. Die Schlafqualität beein­ Die wesentlichen Veränderungen des Männer. Männer leiden im Vergleich zu
flusst das subjektive Wohlbefinden und Schlafes im Alter sind [6]: Frauen häufiger unter einer schlafbezoge­
die Lebensqualität maßgeblich. Schlaf­ F Abnahme der Gesamtschlafdauer und nen Atmungsstörung [8].
störungen sind mit einer erhöhten Mor­ der Schlafeffizienz,
talität und Morbidität assoziiert. Norma­ F Abnahme des REM-Schlafanteils und Ursächliche Faktoren
ler Schlaf ist somit eine notwendige Vo­ der REM-Latenz,
raussetzung für den Erhalt der körperli­ F Zunahme der Einschlaflatenz, Die Faktoren, die zu einer Schlafstörung
chen und geistigen Leistungsfähigkeit und F Zunahme des Leichtschlafanteils, im Alter führen können, sind mannig­
der Gesundheit. Das Lebensalter stellt die F häufigere Wachphasen,
größte Einflussgröße auf die Schlafqua­ F vermehrter Tagschlaf.
lität dar; vor allem jenseits des 75. Le­ Tab. 1 Mögliche Einflussfaktoren auf
den Schlaf im Alter
bensjahres treten gehäuft sowohl phy­ Schlafstörungen im Alter
siologische als auch pathologische Verän­ 1. Physiologische Veränderungen im Alter,
unter anderem
derungen des Schlafes mit Schlafstörun­ Epidemiologie und Verlauf
– Abnahme der Schlaftiefe
gen auf [1]. Es ist daher besonders wichtig,
– Störungen der zirkadianen Organisation
häufige Ursachen des schlechten Schlafes Die Inzidenz und Prävalenz von Schlaf­
2. Erkrankungen im Alter
im Alter zu kennen, um frühzeitig eine ge­ störungen nehmen mit steigendem Le­
– Somatische Erkrankungen, körperliche
zielte Therapie einleiten zu können. bensalter zu. Die Mortalität älterer Men­
Defizite
Im Folgenden werden die häufigsten schen mit Schlafstörungen ist im Ver­
– Psychische Erkrankungen
Schlafstörungen im Alter vorgestellt und gleich zu der von älteren guten Schläfern
3. Primäre Schlafstörungen
Ansätze zur Verbesserung des Schlafes im um etwa das 1,6- bis 2-Fache erhöht. Dies
– Zum Beispiel Schlafapnoe-Syndrom, Rest-
Alter aufgezeigt. gilt vor allem dann, wenn die Schlafstö­
less-Legs-Syndrom, nächtliche periodische
rungen erst später im Leben erstmals auf­ Beinbewegungen, psychophysiologische
Physiologische Veränderungen treten [1]. Als beste Prädiktoren für einen Insomnie
des Schlafes im Alter nicht erholsamen Schlaf finden sich bei 4. veränderte Lebensumstände im Alter
Älteren fehlende oder verminderte sozia­ – Sensorische Verarmung, Vereinsamung
Im Laufe des Lebens verändert sich nicht le Aktivitäten, eine mangelnde Lebens­ durch Verlust von Partner, Freunden oder
nur die Art, sondern auch das Ausmaß zufriedenheit und das Vorliegen somati­ Angehörigen
des Schlafes. Mit zunehmendem Alter scher oder psychischer Erkrankungen [7]. – Berufs-, Macht- und Bedeutungsverlust
wird die Schlafdauer kürzer. Dabei wird – Vermehrte Spannungen mit Lebenspartner
der Nachtschlaf häufig durch längere und Geschlechtsunterschiede. Frauen be­ – Unfähigkeit mit der ‚‚gewonnenen’‘ Freizeit
kürzere Wachabschnitte unterbrochen. richten häufiger von subjektiven Ein- und umzugehen
Das Schlafbedürfnis (Kurz- und Lang­ Durchschlafstörungen, während Männer – Unerwartete Sorgen infolge Berentung
schläfer) und der Zeitpunkt des Zubett­ häufiger objektivierbare Durchschlafstö­ – Reduzierte geistige Aktivität und Heraus-
gehens (Morgen- oder Abendmensch) rungen aufweisen. Etwa 20% der Frauen forderung
unterscheiden sich jedoch zwischen ein­ und 10% der Männer von über 75 Jahren – Verminderte körperliche Aktivität
zelnen Individuen stark. Ob ausreichend leiden unter Schlafstörungen. Gehäuftes – Verlängerte Bettliegezeiten
Schlaf gefunden wurde, entscheidet die Erwachen tritt dabei bei 27% der Frau­ – Umgebungsfaktoren (Licht, Lärm, Tempera-
Befindlichkeit am nächsten Tage [2, 3, 4]; en und 21% der Männer auf, erschwertes tur, Tagesablauf)

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Leitthema: Schlaf und Gesundheit

Tab. 2 Auswahl häufig Insomnie-indu- 1. Schlafdefizit durch fragmentierten genetischen Vorbelastung. Schlafstörun­
zierender Medikamente Nachtschlaf (wie zum Beispiel bei der gen gehen zudem mit einer erhöhten
– Stimulanzien (zum Beispiel Appetitzügler, schlafbezogenen Atmungsstörung Mortalität einher [12].
Koffein) oder bei somatischen oder psychi­
– Nootropika (zum Beispiel Piracetam) schen Erkrankungen), Diagnostik
– Durchblutungsfördernde Mittel (zum Bei- 2. Abnormalitäten des zentralen Ner­
spiel Dihydroergotamin) vensystems (wie zum Beispiel bei In der Diagnostik von Schlafstörungen
– Antibiotika (zum Beispiel Gyrasehemmer) neurologischen Erkrankungen), geht man schrittweise vor (sogenann­
– Zytostatika 3. zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmus­ te „Stufendiagnostik“) [5]. Die Basisdia­
– Migränemittel (zum Beispiel Methysergid) störungen und gnostik stützt sich hauptsächlich auf ein
– Antihypertensiva (zum Beispiel Betablocker, 4. die Einnahme sedierender Medika­ ausführliches Anamnesegespräch. Zur
Clonidin) mente. Abklärung des nicht erholsamen Schlafes
– Antiasthmatika (zum Beispiel Theophyllin, wurde ein klinischer Algorithmus erarbei­
Clenbuterol)
Es gibt viele Auswirkungen auf bezie­ tet [5]. Die übliche weitergehende Dia­
– Hormonpräparate (zum Beispiel Glukokorti-
hungsweise aufrechterhaltende Fakto­ gnostik umfasst die Erhebung von Basis­
koide, Thyroxin, Kontrazeptiva)
ren für einen gestörten Schlaf im Al­ laborwerten und ein EKG, in einigen Fäl­
– Antiparkinson-Mittel (zum Beispiel L-Dopa,
Amantadin, Selegelin)
ter (. Tab. 3). Eine aus einem gestörten len sind ein EEG und eine MRT des Schä­
– Antikonvulsiva (zum Beispiel Phenytoin,
Schlaf resultierende pathologische Tages­ dels sinnvoll. Diese ersten Schritte die­
Lamictal) schläfrigkeit kann zum Beispiel zu kogni­ nen einerseits der Bestätigung einer Ver­
– Psychopharmaka (antriebssteigernde Anti- tiven Beeinträchtigungen, begleitet von dachtsdiagnose und der differenzialdia­
depressiva, MAO-Hemmer) verminderter Aufmerksamkeit, Gedächt­ gnostischen Abklärung, andererseits der
– Chronischer Gebrauch/Abhängigkeit von nisstörungen, depressiven Störungen und Feststellung eventueller Begleiterkran­
Schlafmitteln chronischer Unfallgefahr führen [9]. Häu­ kungen und dem Erkennen von Gefah­
fig sind neurologische und psychiatrische renindikatoren. Der Schweregrad der Er­
Tab. 3 Circulus vitiosus des gestörten Erkrankungen im Alter mit Schlafstörun­ krankung kann mithilfe standardisierter
Schlafes im Alter gen und vermehrter Tagesmüdigkeit und Skalen und Verfahren abgeschätzt wer­
– Verminderte Leistungsfähigkeit Tagesschläfrigkeit verbunden [9, 10]. Viele den.
– Ängstliche Erwartung einer wieder schlech- Ältere erleben einen schlechten Schlaf als Die Diagnose einer Schlafstörung kann
ten Nacht Effekt eines veränderten oder gestörten in einer guten Anamnese mit Verifizie­
– Gedankenkreisen 24-Stunden-Rhythmus. Werden Schlaf­ rung typischer Symptome mit hoher Re­
– Minderung von Wohlbefinden und Stim- störungen nicht früh genug erkannt und liabilität getroffen werden. Zur Diagnose­
mung individuell behandelt, besteht die Gefahr sicherung ist in einigen Fällen mit thera­
– Körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen, einer Chronifizierung. Von einer unüber­ pierefraktären insomnischen oder hyper­
kalte Hände und Füße, Herzklopfen, Blut- legten, langfristigen Therapie mit Schlaf­ somnischen Symptomen und einem ent­
druckschwankungen)
mitteln ist wegen des Gewöhnungseffek­ sprechenden Leidensdruck sowie zur Ab­
– Psychische Auffälligkeiten
tes, der Gefahr einer Abhängigkeit sowie grenzung der unterschiedlichen Parasom­
– Ungestörtes ungewolltes Einschlafen, vor
einer erhöhten Sturzneigung und Atem­ nien jedoch die Untersuchung im Schlaf­
allem am Tage
suppression (bei benzodiazepinhaltigen labor erforderlich. Besteht der Verdacht
– Abendliche Anspannung und Kampf um
den Schlaf Hypnotika) abzusehen. auf ein Schlafapnoesyndrom, muss vor
– Geringe psychische und körperliche Belast- Eine begleitende Depression ist eine einer Untersuchung im Schlaflabor ein
barkeit der Hauptursachen für Schlafstörungen sogenanntes ambulantes Apnoe-Scree­
– Neigung, überschießend emotional zu im Alter. Auch kann bei Frauen die verän­ ning durchgeführt werden. Mit der Akti­
reagieren derte Hormonsituation in der Menopau­ graphie über einen piezoelektrischen Be­
se ursächlich für einen gestörten Schlaf schleunigungsaufnehmer, der einer Arm­
sein. Genetische Komponenten scheinen banduhr ähnelt und wie diese am Hand-
fach. Sie sind in der . Tab. 1 zusammen­ ebenfalls eine bedeutende Rolle zu spie­ oder Fußgelenk getragen wird, können
gefasst. Außerdem gibt es – wie . Tab. 2 len, da schlechter Schlaf häufiger bei älte­ Beinbewegungen und körperliche Aktivi­
zeigt – zahlreiche Medikamente, die eine ren Menschen auftritt, deren Eltern eben­ tät während des Tages und der Nacht ge­
Schlafstörung auslösen oder verstärken falls unter Schlafstörungen litten [11]. messen werden. Sie findet ihren Einsatz
können. Zusammengefasst besteht im Alter zum Beispiel zur ambulanten Registrie­
Neben einer Ein- und Durchschlafstö­ eine signifikante Assoziation zwischen rung periodischer Beinbewegungen oder
rung kann es im Alter sowohl zu verlän­ Schlafstörungen mit dem weiblichen Ge­ bei zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus-
gerten Bettliegezeiten als auch zu einer schlecht, mit einer geringen sozialen Ak­ Störungen [5].
vermehrten Schläfrigkeit am Tage kom­ tivität und Lebenszufriedenheit, mit de­
men. Die vier Hauptursachen einer pa­ pressiven Symptomen, Schmerzen, mit Tagesableitungen. In Fällen mit aus­
thologischen Tagesschläfrigkeit sind: der Einnahme von Hypnotika sowie einer geprägter Hypersomnie ist eine weitere

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Zusammenfassung · Abstract

Untersuchung am Tag erforderlich, um Bundesgesundheitsbl 2011 · 54:1311–1318  DOI 10.1007/s00103-011-1371-5


die Einschlaflatenz, das heißt den Grad © Springer-Verlag 2011
der Schläfrigkeit beziehungsweise des
S. Happe
Schlafdruckes, zu erfassen. Das hier am
Schlaf und seine Störungen im Alter
häufigsten angewandte Verfahren ist der
Multiple-Schlaf-Latenz-Test (Multiple­ Zusammenfassung
Sleep Latency Test, MSLT), der im Al­ Ein erholsamer Schlaf ist ein bedeutender Behandlung somatischer und psychiatrischer
ter jedoch nur selten zum Einsatz kommt Faktor zum Erhalt von Gesundheit und Le- Erkrankungen, 2) die Elimination von Fakto-
(bei Verdacht auf Hypersomnien zent­ bensqualität. Die Schlafqualität zeigt eine ren der Lebensgestaltung, die die Schlafqua-
deutliche Altersabhängigkeit; vor allem jen- lität beeinflussen, 3) den Einsatz von Licht-
ralen Ursprungs). Der Mehrfach-Wach-
seits des 75. Lebensjahres treten gehäuft therapie und anderen nichtpharmakologi-
Test (Maintenance of Wakefulness-Test, Schlafstörungen auf. Es besteht eine signifi- schen Behandlungsmethoden über längere
MWT) erfasst die Wachbleibefähigkeit. kante Assoziation zwischen Schlafstörungen Zeiträume und 4) einen kurzzeitigen und be-
Leistungs- und Vigilanztests, wie zum und weiblichem Geschlecht, geringer sozia- darfsangepassten Einsatz von Schlafmitteln.
Beispiel die Pupillographie und der Fahr­ ler Aktivität und Lebenszufriedenheit, mit de- Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Me-
simulator, sowie computerisierte Tests zur pressiven Symptomen, Schmerzen, mit der dikamente bei älteren Menschen niedriger
Einnahme von Hypnotika sowie einer gene- dosiert werden müssen.
Erfassung der geteilten Aufmerksamkeit
tischen Vorbelastung. Schlafstörungen erhö-
und Daueraufmerksamkeit sind in eini­ hen die Morbidität sowie Mortalität. Ansätze Schlüsselwörter
gen Fällen, zum Beispiel zur Beurteilung zur Verbesserung des Schlafes sollten folgen- Schlaf · Alter · Innere Uhr · Schlafmittel ·
der Fahrtauglichkeit und Arbeitsfähig­ de Maßnahmen umfassen: 1) die effektive Melatonin
keit in bestimmten Bereichen, unabding­
bar [4, 5].
Sleep and its disorders in the elderly
Wesentliche Störungen des Abstract
Schlafens und Wachens im Alter Restorative sleep is an important factor for tal disorders, (2) elimination of social life fac-
preservation of health and quality of life. tors that impair sleep quality, (3) light thera-
In der Internationalen Klassifikation der Sleep quality is associated with age, i.e., sleep py and other nonpharmacological treatment
disorders occur more frequently particularly options for longer periods, and (4) short-term
Schlafstörungen [13, 14] werden die über
after the age of 75 years. Furthermore, sleep use of sleep medication as required. For the
80 Schlafstörungen nach pragmatischen shows an association with female gender, in- latter, it should be kept in mind that lower
und empirischen Gesichtspunkten in die activity, dissatisfaction with social life, de- doses are needed in the elderly.
folgenden acht Gruppen eingeteilt: pressive symptoms, pain, intake of sedatives,
F Insomnien, genetic predisposition, and increased mor- Keywords
F schlafbezogene Atmungsstörungen, bidity and mortality in the elderly. Strategies Sleep · Elderly · Inner clock · Sleep
for improving sleep should include (1) effec- medication · Melatonin
F Hypersomnien zentralnervösen Ur­
tive treatment of organic diseases and men-
sprungs,
F zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmus-
Störungen,
F Parasomnien,
F schlafbezogene Bewegungsstörungen,
F isolierte Symptome, Normvarianten
und ungeklärte Beobachtungen,
F andere Schlafstörungen.

Im Folgenden wird auf die im Alter rele­


vanten Schlafstörungen näher eingegan­
gen.

Insomnien
Mit einer Prävalenz von etwa 10% ist die
Insomnie eines der häufigsten Gesund­
heitsprobleme, und ihr Auftreten nimmt
mit dem Alter zu: Es müssen hier nicht­
organische von Insomnien durch körper­
liche Erkrankungen unterschieden wer­
den. Letztere haben ihre Ursache in be­
stehenden somatischen oder psychischen
Erkrankungen, die im Alter vermehrt

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Leitthema: Schlaf und Gesundheit

Tab. 4 Therapieoptionen bei Insomnie F tagsüber körperlich aktiv sein (Spa­ Benzodiazepine. Benzodiazepine sind
Nichtmedikamentöse Therapieoptionen ziergang > 1 Stunde), seit den 1960er-Jahren im Handel und wa­
– Aufklärung und Beratung F täglich im Freien ins helle Licht gehen ren viele Jahre die am häufigsten verord­
– Schlafhygiene ( > 30 min), möglichst morgens, neten Schlafmittel [21]. In den vergange­
– Stimuluskontrolle F Mittagsschlaf kurz halten ( < 20 min), nen Jahren ging die Zahl der Verordnun­
– Schlafrestriktion F abends kein Koffein und kein Nikotin gen von Benzodiazepinen deutlich zu­
– Entspannungstechniken zu sich nehmen. rück, während die für sedierende Antide­
– Lichttherapie pressiva anstieg und die von Nichtbenzo­
– Akupunktur Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um diazepinhypnotika im Wesentlichen sta­
Medikamentöse Therapieoptionen die Schlafstörungen zufriedenstellend bil blieb [22]. Benzodiazepine verlängern
– Kurzfristig (4–6 Wochen) Benzodiazepine zu mindern, sollten weitere Therapieop­ die Gesamtschlafzeit und verbessern die
oder -agonisten tionen in Betracht gezogen werden. Einen Schlafeffizienz. Lang wirksame Benzodi­
– Dauerhaft sedierende Antidepressiva diesbezüglichen Überblick gibt . Tab. 4; azepine können zu einem Überhang mit
– Neuroleptika eine umfassende Übersicht über die The­ Tagesschläfrigkeit, kurz wirksame Ben­
– (Retardiertes) Melatonin rapie der Insomnie findet sich in der Leit­ zodiazepine zu einer Reboundinsom­
– Pflanzliche Mittel
linie S3 „Nicht erholsamer Schlaf “ der nie führen [23]. Bei einer längeren Ben­
Deutschen Gesellschaft für Schlaffor­ zodiazepineinnahme kommt es zu einer
schung und Schlafmedizin (DGSM) [5]. Toleranz und einem Wirkverlust, außer­
auftreten. Die Behandlung der Grunder­ dem vermehrt zu Stürzen und nächtlicher
krankung steht für die Therapie der letzt­ Therapie Verwirrtheit. Daher wird ihre Einnahme
genannten Insomnien ganz im Vorder­ auf einen kurzen Zeitraum limitiert, oder
grund. Nichtmedikamentöse es wird eine Intervalltherapie, das heißt
Bei primären Insomnien handelt es Therapieoptionen ihre Einnahme an zwei bis drei Nächten
sich meist um chronische Störungen mit Bevor die medikamentöse Therapie einer pro Woche bei gleichzeitig durchgeführ­
einer erhöhten körperlichen Angespannt­ Schlafstörung eingeleitet wird, sollten die ten kognitiv-behavioralen Maßnahmen,
heit (Hyperarousal) und einem erlernten nichtmedikamentösen Therapieoptionen empfohlen [24].
Fehlverhalten (Konditionierung), die bei­ ausgeschöpft sein. Hierzu zählen zunächst
de den Schlaf verhindern. Zusätzlich be­ die eingehende Aufklärung und Beratung Nichtbenzodiazepinhypnotika. Zu den
stehen dysfunktionale Verhaltensweisen, über den Schlaf und die Reduktion ein­ Nichtbenzodiazepinhypnotika gehören
die dem Einschlafen im Wege stehen, oh­ flussnehmender Störfaktoren. Eine Sti­ die kurz wirksamen Imidazopyridine
ne dass sie dem Patienten bewusst sind. muluskontrolle und Schlafrestriktion zei­ (Zolpidem) und Cyclopyrrolone (Zopic­
Diese Form der Insomnie dauert häufig gen die besten Effekte, Maßnahmen der lon), die als Mittel der ersten Wahl vor al­
über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte an. Schlafhygiene sind nicht anhaltend effek­ lem bei Einschlafstörungen gelten, da es
Sie wird auch als psychophysiologische tiv, wenn sie allein angewandt werden. bei ihnen (wahrscheinlich aufgrund eines
Insomnie bezeichnet. Die Behandlung al­ Alternative Therapieoptionen beinhalten anderen Rezeptorprofils) seltener zu To­
ler Insomnieformen umfasst nichtphar­ Entspannungstechniken und Lichtthe­ leranz- und Abhängigkeitsproblemen so­
makologische Strategien wie kognitiv-be­ rapie. Der Wirkmechanismus der Aku­ wie anderen Nebenwirkungen kommt als
haviorale Verfahren, eventuell verbunden punktur ist noch nicht vollständig ver­ bei Benzodiazepinen [25, 26]. Jedoch soll­
mit pharmakologischen Ansätzen [5, 14]. standen, eine Akupunkturbehandlung te auch ihre Einnahme auf einen kurzen
Schlafstörungen sind auch bei älteren kann jedoch in einigen Fällen zu einer Zeitraum begrenzt werden.
Menschen oft nur von kurzer Dauer und Konsolidierung des Schlafes führen [5, 15,
nicht therapiebedürftig. Halten sie jedoch 16, 17, 18, 19]. Sedierende Antidepressiva. Sedierende
länger an und werden sie als störend emp­ Antidepressiva werden zunehmend vor
funden, sollte eine Behandlung eingeleitet Pharmakologische Therapie allem bei chronischen Insomnien einge­
werden. Dabei steht die optimale Behand­ setzt, da sie kein Toleranz- und Abhängig­
lung einer eventuell zugrunde liegenden Freiverkäufliche Schlafmittel. Freiver­ keitsrisiko haben. Hier haben sich vor al­
Grunderkrankung an erster Stelle. Außer­ käufliche Schlafmittel wie Alkoholderiva­ lem Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin,
dem sollten Medikamente, die störend auf te und Schlafmittel auf pflanzlicher Basis, Trazodon, Mianserin und in den vergan­
den Schlaf wirken können (. Tab. 2), ab­ zum Beispiel Kava-Kava oder Bal­drian, genen Jahren auch Mirtazapin bewährt –
gesetzt oder umgesetzt werden. werden vom Hausarzt meist zuerst emp­ unabhängig davon, ob zusätzlich eine de­
Allgemeine Tipps für einen gesunden fohlen oder eigenständig ausprobiert. Bei pressive Störung vorliegt oder nicht. Bis­
Schlaf im Alter umfassen: leichten Schlafstörungen können sie ge­ lang gibt es nur wenige Studien zur Effek­
F regelmäßig Schlafengehen und Auf­ meinsam mit nichtpharmakologischen tivität von Antidepressiva bei einer In­
stehen, Maßnahmen bei geringer Toxizität den somnie; die schlaffördernde Wirkung bei
F Bettzeiten dem Alter entsprechend Schlaf konsolidieren, Studien zur Sicher­ älteren Insomniepatienten konnte vor al­
kurz halten, heit und Effektivität stehen noch aus [20]. lem für Trimipramin belegt werden [27],

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aber auch Doxepin zeigte gute schlafför­ drom (OSAS), kommen bei etwa 4% pathischen Form. Bei einer symptoma­
dernde Effekte [28]. Die Eindosierung der Bevölkerung vor, bei Männern et­ tischen Form liegen überwiegend soge­
sollte wegen möglicher unerwünschter wa achtmal häufiger als bei Frauen. Sie nannte Synukleopathien vor. Hierzu zäh­
Begleiteffekte wie Mund­trockenheit und können außer mit der meistens berichte­ len die RBD beim Morbus Parkinson, bei
vor allem Überhang am Morgen langsam ten Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrig­ der Multisystematrophie oder bei der Le­
und mit niedrigen Dosierungen erfolgen. keit auch mit einem gestörten Schlaf oh­ wy-Body-Demenz. Bei der zunächst idio­
Auch sollte die Gabe eines Antidepressi­ ne ein bewusstes Aufwachen (sogenann­ pathischen Form haben im späteren Ver­
vums als schlafanstoßendes Medikament te Arousals) einhergehen. Außerdem kön­ lauf bis zu 65% der Betroffenen Parkin­
umfangreich begründet werden, um die nen sie zu Erkrankungen wie zur arteriel­ son- oder demenzielle Syndrome entwi­
Compliance der Patienten zu fördern. len Hypertonie, koronaren Herzerkran­ ckelt. Eine Riechstörung kann ein frühes
kung und zu weiteren okklusiven zere­ Symptom eines Morbus Parkinson sein
Melatonin. Die gestörte Schlaf-Wach- brovaskulären Erkrankungen führen [5, und wird auch bei einem großen Teil
Rhythmik bei Älteren und bei Alzhei­ 32]. Ältere Menschen, vor allem ältere der Patienten mit RBD bereits früh im
mer-Patienten hängt zum Teil mit einer Männer, leiden oft unter einer OSAS; bei Erkrankungsverlauf gesehen. Diagnos­
veränderten Melatoninfreisetzung zu­ den über 70-Jährigen weist etwa ein Vier­ tisch notwendig sind die Anamnese ein­
sammen [29]. Es konnte gezeigt werden, tel einen kritischen Apnoe-Hypopnoe-In­ schließlich Fremdanamnese, die neuro­
dass die Gabe von Melatonin positive Ef­ dex von > 5 pro Stunde Schlafzeit auf. Eine logische Untersuchung auf neuropsycho­
fekte auf den Schlaf bei schlafgestörten Äl­ Assozia­tion mit einem demenziellen Syn­ logische Defizite, auf Parkinson-Symp­
teren hat [30]. Seit einigen Jahren ist ein drom ist bekannt. Eine ausreichende The­ tome und auf autonome Störungen so­
retardiertes Melatoninpräparat zur Be­ rapie verringert die Mortalitätsrate und wie die Polysomnographie. Polysomno­
handlung der Insomnie bei über 55-Jähri­ normalisiert die Tagesmüdigkeit und Ta­ graphisch finden sich im REM-Schlaf
gen in Deutschland zugelassen. Melatonin gesschläfrigkeit sowie die Blutdruckwerte Muskeltonus­erhöhungen. Die Polysom­
ist kein Schlafmittel, sondern ein Chro­ und somatische beziehungsweise psychi­ nographie dient auch dem Ausschluss an­
notherapeutikum, das immer zum selben sche Störungen. derer schlafmedizinischer Erkrankungen,
Zeitpunkt am Abend eingenommen wer­ Ein zentrales Schlafapnoe-Syndrom insbesondere einer schlafbezogenen At­
den muss, um die erwünschte Wirkung zu (ZSAS) tritt vermehrt bei zerebralen Stö­ mungsstörung. Die empfohlene Thera­
erzielen. rungen, wie zum Beispiel bei Mikroan­ pie besteht in der Gabe von Clonazepam
giopathien, Hirninfarkten, Tumoren oder (0,25 bis 2 mg) vor dem Schlafengehen.
Niedrigpotente Neuroleptika. Gera­ entzündlichen ZNS-Erkrankungen, auf. Einige Patienten profitieren von einer
de bei älteren Menschen werden vor al­ Bei Schlaganfallpatienten ist ein OSAS Therapie mit 1 bis 3 mg Melatonin, das die
lem bei aufgehobener Tag-Nacht-Rhyth­ jedoch häufiger als ein ZSAS. Auch geht Muskelatonie im REM-Schlaf wiederher­
mik und bei nächtlichen Verwirrtheitszu­ ein OSAS dem Schlaganfall in vielen Fäl­ stellen soll. Ebenfalls erfolgreich einge­
ständen auch niedrigpotente Neurolepti­ len voraus. Therapie der Wahl ist die na­ setzt wurde Pramipexol eine Stunde vor
ka eingesetzt. Diese sollten jedoch wegen sale Maskenbeatmung mit Überdruck dem Schlafengehen in einer Dosis von 0,5
des Risikos der Entwicklung von Spätdys­ (nCPAP) [5, 32]. bis 1 mg [5, 14].
kinesien mit Zurückhaltung verwendet
werden. Zu ihrem Einsatz bei chronischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung Schlafbezogene
Insomnien existieren bislang nur unzurei­ Bewegungsstörungen
chende Untersuchungen. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Bei allen medikamentösen Therapien (REM sleep behavior disorder, RBD) Das Restless-Legs-Syndrom. Das Rest­
muss bei älteren Menschen darauf geach­ zählt zu den Parasomnien, die mit dem less-Legs-Syndrom (RLS) tritt mit einer
tet werden, dass die niedrigste wirksame REM-Schlaf assoziiert sind. Bei der RBD Prävalenz von bis zu 10% vermehrt bei
Dosis über die kürzest mögliche Zeit ein­ werden dem Trauminhalt entsprechen­ Frauen und mit zunehmendem Alter
gesetzt wird, da sich die pharmakokineti­ de komplexe und zielgerichtete Bewe­ auf. Es ist neben der schlafbezogenen At­
schen Parameter (Resorption, Verteilung gungen oder laute Vokalisationen aus­ mungsstörung die häufigste Schlafstö­
und Elimination) mit dem Alter verän­ geführt. Die Störung ist streng an den rung im Alter. Die Symptome, das heißt
dern [31]. REM-Schlaf gebunden und tritt des­ der Bewegungsdrang der Beine, gehäuft
halb gehäuft in der zweiten Nachthälf­ mit Missempfindungen, die sich bei Be­
Ausgewählte Schlafstörungen te auf. Häufig kommt es zu Übergriffen wegung bessern und in Ruhe sowie am
und ihre Ursachen oder Verletzungen, es besteht eine Amne­ Abend oder in der Nacht auftreten, ge­
sie für die Ereignisse. 80 bis 90% der Be­ hen oft mit Schlafstörungen, selten mit
Schlafbezogene troffenen sind über 60 Jahre alt, zu 90% einer Tagesmüdigkeit einher [33]. Bis zu
Atmungsstörungen sind Männer betroffen. Eine RBD tritt 80% der RLS-Patienten haben periodi­
bei bis zu 0,5% der Bevölkerung in unter­ sche Beinbewegungen im Schlaf (PLMS).
Schlafbezogene Atmungsstörungen, vor schiedlicher Ausprägung auf. Etwa 50% Mit zunehmendem Alter zeigen sich je­
allem das obstruktive Schlafapnoe-Syn­ der Betroffenen leiden unter einer idio­ doch auch unabhängig von einem RLS

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 12 · 2011 | 1315


Leitthema: Schlaf und Gesundheit

gehäuft PLMS. In beiden Fällen stellen liche Diurese mit einem entsprechen­ die mit der Progression der Erkrankung
dopa­minerge Medikamente die Therapie den Anstieg der nächtlichen Miktionsra­ und der Atrophie des Nucleus caudatus
der Wahl dar [5, 14]. te sowie einem vermehrten Durstgefühl zunehmen. Choreatiforme Bewegungen
mit Flüssigkeitsaufnahme. Die Folge sind während des Schlafes können zu Arou­
Schlafbezogene Beinmuskelkrämp- Schlafstörungen: Es kommt zu einem ver­ sals und einer entsprechenden Schlaffrag­
fe. Schlafbezogene Beinmuskelkrämp­ mehrten Erwachen mit Harndrang und mentierung führen; hinzu kommt die zu­
fe, vor allem der Waden, sind besonders verzögerten Wiedereinschlafen nach dem nehmende demenzielle Entwicklung [39].
im Alter ein weit verbreitetes Problem Toilettengang. Eine Behandlung mit Des­
und treten vor allem am Abend auf. Kar­ mopressin kann die nächtliche Polyurie Neuromuskuläre Erkrankungen. Bei
diovaskuläre, metabolische und neuro­ mindern, den Schlaf verbessern und folg­ den neuromuskulären Erkrankungen ge­
logische Erkrankungen sowie periphere lich die Lebensqualität erhöhen [37]. Sie winnt im höheren Lebensalter die amyo­
Durchblutungsstörungen treten bei Pa­ sollte vor einer undifferenzierten Thera­ trophe Lateralsklerose an Bedeutung. Eine
tienten mit Muskelkrämpfen gehäuft auf. pie mit Hypnotika in Erwägung gezogen verminderte Kraft der Atemmuskulatur
Es ist davon auszugehen, dass es sich bei werden. führt vor allem in der Nacht, wenn der
initial vermuteten Muskelkrämpfen in Muskeltonus physiologisch abnimmt, zu
vielen Fällen um ein nicht erkanntes RLS Schlaf bei neurologischen Apnoen und Hypopnoen, assoziiert mit
handelt, das entsprechend behandelt wer­ Erkrankungen profunden Sauerstoffentsättigungen und
den sollte. Eine effektive Therapie gibt es einem Anstieg der Kohlendioxidkonzen­
bislang nicht. Geringe Behandlungserfol­ Bewegungsstörungen. Der Schlaf ist tration, was zu einer vermehrten Tages­
ge bei nächtlichen Wadenkrämpfen wur­ bei Bewegungsstörungen besonders gut schläfrigkeit, einer Abnahme der kogni­
den unter Membranstabilisatoren wie untersucht, insbesondere beim idiopa­ tiven Funktionen, Kopfschmerzen und
Gabapentin, Quinin und Vitamin E be­ thischen Parkinson-Syndrom und beim insgesamt zu einer reduzierten Lebens­
schrieben [3, 4, 14, 34]. RLS. Bei Patienten mit dem idiopathi­ qualität führt. Diese Symptome können
schen Parkinson-Syndrom und mit Cho­ über einen gewissen Zeitraum durch eine
Schlafstörungen bei rea Huntington treten charakteristische nächtliche Maskenbeatmung verbessert
nichtneurologischen Erkrankungen Bewegungen (zum Beispiel Tremor und werden [40].
choreatiforme Bewegungen) im Schlaf
Internistische Erkrankungen. Inter­ ebenso wie im Wachen auf. Außerdem Schlaganfall. Patienten mit einem aku­
nistische Erkrankungen, die gehäuft bei ist bei neurodegenerativen Erkrankun­ ten Schlaganfall haben neben vermehrt
schlechten Schläfern auftreten, sind vor gen ein gestörter REM-Schlaf mit erhöh­ auftretenden Ein- und Durchschlafstö­
allem Herz- und Kreislauferkrankungen, tem Muskeltonus häufig. Er geht in vie­ rungen ein fünffach erhöhtes Risiko, auch
metabolische Störungen sowie Erkran­ len Fällen einer klinisch fassbaren moto­ an einer obstruktiven Schlafapnoe zu lei­
kungen des Respirationstraktes. Schlaf­ rischen Beeinträchtigung voraus. Nahezu den, verbunden mit einer exzessiven Ta­
störungen korrelieren zum Beispiel mit jeder Parkinson-Patient berichtet im Ver­ gesschläfrigkeit. Diese sollte möglichst
dem Auftreten von Angina pectoris und lauf der Erkrankung von Ein- und Durch­ unverzüglich behandelt werden (z. B. mit
Tachykardien und führen mit einem zwei­ schlafstörungen; zahlreiche psychologi­ nCPAP oder BiPAP) [41]. Mehr als acht
fach erhöhten Risiko zu Herzinfarkten sche und physiologische Veränderun­ Stunden Schlaf und Tagesschläfrigkeit
[35]. Asthmapatienten weisen häufig eine gen sind ursächlich anzunehmen: 1) der stellen unabhängige Risikofaktoren für
Ein- und Durchschlafstörung mit vermin­ neurodegenerative Prozess selbst, 2) asso­ einen Schlaganfall dar [42].
dertem Tiefschlafanteil auf und benutzen ziierte Symptome wie Atmungsstörungen
häufiger während der Nacht stimulieren­ und motorische Restriktion, 3) die Medi­ Schmerzen. Viele ältere Menschen leiden
de Bronchodilatatoren, die den Schlaf zu­ kation und 4) assoziierte depressive Stö­ unter Schmerzen, die die Schlafkontinui­
sätzlich stören können [36]. rungen und (medikamentös induzierte) tät stören und zu Tagesmüdigkeit führen
Psychosen. Etwa 15% der Patienten lei­ können. Kopfschmerzen als eine der häu­
Erkrankungen des Bewegungsappara- den zusätzlich unter einer exzessiven Ta­ figsten schmerzhaften neurologischen
tes. Erkrankungen des Bewegungsappa­ gesschläfrigkeit (mehr als gesunde ältere Diagnosen, gehen oft mit Schlafstörun­
rates und muskuloskelettale Schmerzen Kontrollen). Plötzliches Einschlafen wäh­ gen einher. Manche Kopfschmerztypen
sind eng mit dem Auftreten von Schlaf­ rend des Tages tritt etwa siebenmal häu­ sind sogar an bestimmte Schlafstadien
störungen verbunden. Hier ist beson­ figer bei Parkinson-Pa­tienten als bei ge­ oder zirkadiane Rhythmen gebunden. Zu
ders die rheumatoide Arthritis zu nen­ sunden Älteren auf. Dies ist abhängig von den sogenannten schlafgebunden Kopf­
nen. Schmerzzustände führen allgemein der Dauer der Erkrankung und der Levo­ schmerzen zählen die Migräne, der Clus­
zu einem gestörten Schlaf [11]. dopa-Dosis, tendenziell, jedoch nicht sig­ terkopfschmerz, die chronische paroxys­
nifikant, häufiger unter Therapie mit Do­ male Hemikranie und das Hypnic-Head­
Nächtliches polyurisches Syndrom. Das paminagonisten [38]. ache-Syndrom. Kaum diagnostiziert wird
nächtliche polyurische Syndrom ist cha­ Auch Patienten mit Chorea Hunting­ die sogenannte Altersmigräne, die sich
rakterisiert durch eine vermehrte nächt­ ton klagen gehäuft über Schlafstörungen, im höheren Lebensalter erstmals mani­

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festieren kann. Das Hypnic-Headache- Schlafstörungen bei Fazit
Syndrom ist ein seltenes primäres Kopf­ psychiatrischen Erkrankungen
schmerzsyndrom des älteren Menschen. Ein erholsamer Schlaf ist für den Erhalt
Es kommt hier zu diffusen oder bilatera­ Depressive Störungen. Depressive Stö­ der Gesundheit und Lebensqualität we-
len Kopfschmerzen über eine Dauer von rungen nehmen mit dem Alter zu und sentlich. Die Schlafqualität zeigt eine
fünf bis 60 Minuten, die ein- bis zweimal sind gehäuft mit Ein- und Durchschlaf­ deutliche Altersabhängigkeit; vor allem
pro Nacht aus dem Schlaf he­raus auftre­ störungen assoziiert. Schlafstörungen tre­ jenseits des 75. Lebensjahres treten ge-
ten und den Betroffenen typischerweise ten hier vor allem während akuter depres­ häuft Schlafstörungen auf. Ansätze zur
immer zur selben Uhrzeit wecken (Alarm siver Episoden auf, können aber auch in Verbesserung des Schlafes sollten fol-
Clock Headache). Die Kopfschmerzen den Phasen der Remission anhalten. Ne­ gende Maßnahmen umfassen: 1) eine
können aber auch während eines Schla­ ben einer verlängerten Einschlafdauer, effektive Behandlung somatischer und
fes am Tage vorkommen. Eine Therapie einem vermehrten nächtlichen Erwachen psychiatrischer Erkrankungen, 2) die Eli-
mit Lithium oder Coffein tagsüber wird und einer reduzierten Schlafeffizienz tre­ mination von Faktoren der Lebensgestal-
als wirksam beschrieben. Beobachtungen ten oft lebhafte, zum Teil angstbesetzte tung, die die Schlafqualität beeinflussen,
lassen vermuten, dass das Hypnic-Head­ Träume auf. Eine antidepressive Behand­ 3) den Einsatz von Lichttherapie und an-
ache-Syndrom mit dem REM-Schlaf ver­ lung mit sedierenden Antidepressiva am derer nichtpharmakologischer Behand-
bunden ist [43, 44]. Abend (wie zum Beispiel mit einigen Tri­ lungsmethoden über längere Zeiträu-
zyklika oder mit Mirtazapin) stellt die me und 4) einen eher kurzfristigen und
Demenz. Ältere Menschen mit einer Therapie der Wahl dar. Antriebssteigern­ bedarfsangepassten Einsatz von Schlaf-
Demenz, vor allem mit einer Alzheimer- de Antidepressiva (wie zum Beispiel Sero­ mitteln. Bei Letzteren sollte berücksich-
Demenz, leiden häufig unter Schlafstö­ toninwiederaufnahmehemmer) können tigt werden, dass sie bei älteren Men-
rungen. Hier stehen vor allem eine aufge­ hingegen verstärkt zu Schlafstörungen schen niedriger zu dosieren sind als bei
hobene Tagesrhythmik, eine verminder­ führen und sollten daher nur am Mor­ jüngeren.
te Schlafeffizienz mit gehäuften nächtli­ gen eingenommen werden. Eine vorü­ Die Ursachen von Schlafstörungen im Al-
chen Wachphasen, eine verminderte Ge­ bergehende zusätzliche Gabe von Hypno­ ter sind vielfältig, eine spezifische Anam-
samtschlafzeit und ein reduzierter REM- tika muss bei stark ausgeprägten Schlaf­ nese ist häufig wegweisend. Die kardio­
Schlafanteil im Vordergrund (abhängig störungen in der akuten depressiven Epi­ respiratorische Polysomnographie mit
von der Schwere der Demenz). Als The­ sode erwogen werden [44]. Videometrie ist der diagnostische Gold-
rapie haben sich zum einen nichtmedi­ standard, sie wird jedoch nur in ausge-
kamentöse Verfahren einschließlich der Schizophrene Psychose. Bei der schizo­ wählten Fällen benötigt. Die Behandlung
Lichttherapie, tägliche körperliche Ak­ phrenen Psychose schwankt die Schlaf­ sollte sich spezifisch an den Leitsympto-
tivität und Aufklärung über schlafhy­ kontinuität, und es werden gehäuft Ein- men ausrichten. Dabei sind immer auch
gienische Maßnahmen als wirksam er­ und Durchschlafstörungen sowie ein ver­ neben einer möglichen medikamentö-
wiesen [45]. Zum anderen werden me­ minderter Tiefschlafanteil beobachtet. sen Therapie verhaltensmedizinische As-
dikamentöse Therapeutika, das heißt Die Behandlung der Grunderkrankung pekte zu berücksichtigen.
niedrigpotente Neuroleptika (zum Bei­ steht hier im Vordergrund [44].
spiel Pipamperon und Melperon), Anti­ Korrespondenzadresse
depressiva mit geringer anticholinerger Angststörungen. Angststörungen tre­ Prof. Dr. S. Happe
Komponente (zum Beispiel Mirtazapin ten bei älteren Menschen gehäuft auf. Bis Institut für Klinische Neurophysiologie,
und Trazodon) und Melatonin einge­ zu einem Fünftel der Patienten ohne eine Klinikum Bremen-Ost, Lehrkrankenhaus der
Universität Göttingen
setzt [46]. Bei bis zu 50% der Patienten Depression und etwa die Hälfte der Pa­ Züricher Str. 40, 28325 Bremen
mit Alzheimer-Demenz konnten zentra­ tienten mit einer begleitenden depressiven shappe@[Link]
le Schlafapnoe-Syndrome nachgewiesen Störung zeigen Symptome einer Angst­
werden, die die intellektuellen Leistun­ störung. Sie können mit Ein- und Durch­ Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor
weist auf folgende Beziehungen hin: Die Autorin war
gen während des Tages zusätzlich beein­ schlafstörungen, vermindertem Gesamt­
in den vergangenen drei Jahren als Referentin für fol-
trächtigen können und mit entsprechen­ schlaf und nächtlichem Angsterwachen gende Firmen tätig bzw. hat ein Beraterhonorar oder
den Beatmungsmodi behandelt werden einhergehen; der Schlaf ist subjektiv ge­ eine Reisekostenübernahme erhalten: Boehringer In-
gelheim, Janssen-Cilag, Pfizer, Hoffmann-La Roche AG,
sollten [3, 4, 34]. stört. Auch hier ist zu bedenken, dass die
UCB Pharma.
Behandlung der Grunderkrankung den
Antidementiva. Antidementiva helfen Schlaf wesentlich verbessert [47].
bei Demenz, können den REM-Schlaf Literatur
normalisieren, den Schlaf und cholinerge Substanzmissbrauch. Abhängig von der
Gedächtnisfunktionen aber auch stören. Substanz geht ein Substanzmissbrauch 1. Morgan K, Healey DW, Healey PJ (1989) Factors in-
fluencing persistent subjective insomnia in old
Aus diesem Grund sollten Präparate oh­ (bei Älteren meist von Alkohol und Me­ age: a follow up study of good and poor sleepers
ne störenden Einfluss auf diese Parameter dikamenten) vermehrt mit einem gestör­ aged 65–74. Age Ageing 2:117–122
bevorzugt werden. ten Schlaf einher [11, 34].

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Leitthema: Schlaf und Gesundheit

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Common questions

Auf Basis von KI

Schlafbezogene Atmungsstörungen, insbesondere das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, kommen bei Männern etwa achtmal häufiger vor als bei Frauen. Bei älteren Menschen, insbesondere bei Männern über 70, ist ein Viertel von einem kritischen Apnoe-Hypopnoe-Index betroffen .

Medikamentöse Schlaftherapien können bei älteren Menschen zu Gewöhnungseffekten, Abhängigkeiten, einer erhöhten Sturzneigung und Atemsuppression führen. Daher sollten Medikamente in der niedrigsten wirksamen Dosierung und über die kürzest mögliche Zeit verabreicht werden .

Das Restless-Legs-Syndrom tritt häufig mit dem Alter auf und kann durch genetische Faktoren, Eisenmangel und neurologische Erkrankungen verstärkt werden. Die Diagnose stützt sich auf typische Symptome wie Bewegungsdrang und Unruhe in den Beinen, speziell in Ruhephasen, sowie die durch Bewegungen bedingte Linderung der Beschwerden .

Melatonin wird als Chronotherapeutikum eingesetzt, um die Schlaf-Wach-Rhythmik bei älteren Menschen zu regulieren. Es hat positive Effekte auf den Schlaf bei schlafgestörten Älteren, insbesondere bei einer gestörten Melatoninfreisetzung im Alter oder bei Alzheimer-Patienten. Ein retardiertes Melatoninpräparat ist seit einigen Jahren in Deutschland zugelassen .

Schlafstörungen im Alter können zu pathologischer Tagesschläfrigkeit führen, was kognitive Beeinträchtigungen wie verminderte Aufmerksamkeit, Gedächtnisstörungen und depressive Störungen zur Folge hat. Diese kognitiven Beeinträchtigungen erhöhen das Risiko für Unfälle erheblich .

Neurologische Erkrankungen wie das idiopathische Parkinson-Syndrom und Chorea Huntington können charakteristische Bewegungen im Schlaf verursachen, zu Schlafstörungen und einer gestörten REM-Schlaf-Regulation führen. Diese Erkrankungen sind oft mit erhöhter Tagesschläfrigkeit und plötzlichem Einschlafen während des Tages verbunden, verstärkt durch die medikamentöse Behandlung und assoziierte Symptome wie Atmungsstörungen .

Die häufigsten Ursachen für Schlafstörungen im Alter sind physiologische Veränderungen wie Abnahme der Schlaftiefe und Störungen der zirkadianen Organisation, verschiedene körperliche und psychische Erkrankungen, primäre Schlafstörungen wie Schlafapnoe-Syndrom und Restless-Legs-Syndrom sowie veränderte Lebensumstände inklusive sensorischer Verarmung und Vereinsamung .

Lebensstilveränderungen wie verminderte körperliche und geistige Aktivität, verlängerte Bettliegezeiten, Vereinsamung und der Verlust von sozialen Rollen oder Machtpositionen können das Auftreten von Schlafstörungen im Alter fördern. Diese Veränderung kann den zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus stören und zusätzliche Sorgen und Depressionen auslösen .

Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus bei älteren Menschen kann zu Schlafstörungen führen, die sich häufig in Form von Insomnien und gesteigerter Tagesschläfrigkeit äußern. Diese Störungen entstehen oft durch eine verringerte Melatoninfreisetzung und können durch Interventionen wie die Gabe von Melatonin oder Änderungen in der Lichtexposition verbessert werden .

Die bevorzugte Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms bei älteren Menschen ist die nasale Maskenbeatmung mit Überdruck (nCPAP). Diese Therapieform verringert die Mortalitätsrate, normalisiert die Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit sowie die Blutdruckwerte und psychische Störungen .

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