Die Stadt Köln gliedert sich in 86 Stadtteile, die zu 9 Stadtbezirken
zusammengefasst sind. Die Stadt Köln nummeriert die Stadtbezirke von 1
bis 9 und die Stadtteile von 101 bis 105, 201 bis 213, 301 bis 309, 401 bis
406, 501 bis 507, 601 bis 612, 701 bis 716, 801 bis 809 und von 901 bis
909, wobei die Hunderterstelle der Nummer des Stadtbezirks entspricht.
Die Stadtteilnummer hat jedoch keinen Zusammenhang mit der
Postleitzahl.
Innerhalb der Stadtteile unterscheiden die Kölner noch zwischen
verschiedenen „Veedeln“ (Kölsch für Stadtviertel), deren Bewohner häufig
an dörfliche Gemeinschaften erinnernde soziale Bindungen und Kontakte
pflegen. Die Grenzen und Benennungen der Veedel schwanken jedoch je Stadtbezirke und -teile Kölns
nach Sichtweise der Einwohner teils erheblich. Das Amt für
Stadtentwicklung und Statistik hat für statistische Auswertungen 371
Stadtviertel – genau genommen Teile von Stadtteilen inklusive der Stadtteile selbst – definiert, die sowohl
Wohnplätze mit wenigen Einwohnern und Siedlungen als auch Gewerbegebiete umfassen.
Stadtgliederung Kölns
Einwohner[32] Fläche Einwohner
Nr. Stadtbezirk Wappen Stadtteile
31. Dez. 2021 in km² pro km²
Altstadt-Süd, Neustadt-Süd, Altstadt-Nord,
1 Innenstadt — 126.700 16,42 7.716
Neustadt-Nord, Deutz
Bayenthal, Marienburg, Raderberg,
Raderthal, Zollstock, Rondorf, Hahnwald,
2 Rodenkirchen 109.731 54,56 2.011
Rodenkirchen, Weiß, Sürth, Godorf,
Immendorf, Meschenich
Klettenberg, Sülz, Lindenthal, Braunsfeld,
3 Lindenthal — 152.706 41,77 3.656 Müngersdorf, Junkersdorf, Weiden,
Lövenich, Widdersdorf
Ehrenfeld, Neuehrenfeld, Bickendorf,
4 Ehrenfeld 109.072 23,98 4.548 Vogelsang, Bocklemünd/Mengenich,
Ossendorf
Nippes, Mauenheim, Riehl, Niehl,
5 Nippes 116.755 31,75 3.677
Weidenpesch, Longerich, Bilderstöckchen
Merkenich, Fühlingen, Seeberg,
Heimersdorf, Lindweiler, Pesch, Esch/
6 Chorweiler — 82.061 67,18 1.222 Auweiler, Volkhoven/Weiler, Chorweiler,
Blumenberg, Roggendorf/Thenhoven,
Worringen
Poll, Westhoven, Ensen, Gremberghoven,
Eil, Porz, Urbach, Elsdorf, Grengel,
7 Porz 113.572 78,94 1.439
Wahnheide, Wahn, Lind, Libur, Zündorf,
Langel, Finkenberg
Humboldt/Gremberg, Kalk, Vingst,
8 Kalk 119.966 38,17 3.143 Höhenberg, Ostheim, Merheim, Brück,
Rath/Heumar, Neubrück
Mülheim, Buchforst, Buchheim, Holweide,
9 Mülheim 148.738 52,22 2.848 Dellbrück, Höhenhaus, Dünnwald,
Stammheim, Flittard
Stadt Köln
1.079.301 404,99 2.665
(Gesamt)
63 Prozent der Einwohner Kölns wohnen linksrheinisch (Stand 2020).[33] Da das historische Stadtzentrum
linksrheinisch liegt, wird die rechte Rheinseite mundartlich herablassend als „Schäl Sick“ bezeichnet.
Flora und Fauna
Köln verfügt über ausgedehnte Grünflächen, die im städtischen Bereich als Parks gestaltet, in den
Außenbezirken zumeist bewirtschaftete Forste sind. Daneben gibt es 22
Naturschutzgebiete, beispielsweise der Worringer Bruch im äußersten
linksrheinischen Norden Kölns, ein ehemaliger, heute verlandeter
Seitenarm des Rheins. Er bietet eine Heimat für seltene Tier- und
Pflanzenarten und eine charakteristische Auen- und Waldlandschaft.
Rechtsrheinisch finden sich hauptsächlich offene Wald- und
Heidelandschaften wie beispielsweise die Wahner Heide, das
Naturschutzgebiet Königsforst und der Dünnwalder Wald. Der
Flächenerhebung von 2016 zufolge hat Köln 5406 Hektar Waldfläche, was
Worringer Bruch im Spätsommer
13,3 % des Stadtgebietes entspricht.[34]
Die Fauna weist eine sehr hohe Zahl an Kulturfolgern auf. Neben Tauben, Mäusen und Ratten, die
allgegenwärtig sind und oft als Plage wahrgenommen werden, sind Rotfüchse in bedeutender Zahl in das
Stadtgebiet eingewandert. Sie sind mittlerweile in der Innenstadt zu finden, in der sie Kleingärten und Parks
als Revier nutzen. Der durch Köln fließende Rhein ist infolge der Verbesserung der Wasserqualität wieder
Heimat vieler ehemals vorhandener und neu eingewanderter Arten geworden.
In den Kölner Grünanlagen haben sich, begünstigt durch das milde Klima, diverse nicht einheimische Tiere
angesiedelt. Größere Populationen von Halsbandsittichen und dem Großen Alexandersittich leben unter
anderem auf dem Melaten-Friedhof und dem Gelände der Riehler Heimstätten. Ursprünglich aus asiatischen
Bergregionen (Indien, Afghanistan) für die Zoo- und Wohnungshaltung nach Deutschland eingeführt, haben
sich diese Papageien/Sittiche als Neozoen etabliert. Die Angaben über die Größe der Populationen reichen von
einigen 100 Exemplaren bis zu über 1000 Stück.
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte der Stadt Köln und Tabelle der Eingemeindungen
Entwicklung des Stadtnamens
Der Name der Stadt Köln leitet sich von ihrem lateinischen Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium ab.
Aus Colonia entwickelte sich über Coellen, Cöllen, Cölln und Cöln der heutige Name der Stadt mit K. Im Kölner
Dialekt Kölsch wird die Stadt Kölle genannt. In den meisten romanischen und einer größeren Zahl anderer
Sprachen ist die lateinische Herkunft des Namens noch erkennbar (beispielsweise Italienisch und Spanisch
Colonia, Portugiesisch Colônia, Katalanisch Colònia, französisch Cologne, Polnisch Kolonia, Türkisch
Kolonya, arabisch ﻛﻮﻟﻮﻧﻴﺎ, DMG Kōlōnyā).
Antike
Der antike Name der Stadt, Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA),
geht auf die römische Kaiserin Agrippina zurück: Die Gattin von Claudius
wurde am Rhein geboren und ließ die Ubiersiedlung Oppidum Ubiorum im
Jahre 50 n. Chr. zur Stadt erheben;[35] die Stadtrechte wurden offiziell am
8. Juli 50 verliehen. In der Römerzeit war Köln Statthaltersitz der Provinz
Germania inferior.
Rekonstruktion des römischen Köln
Im Januar 69 ließ sich hier Aulus Vitellius von den lokalen römisch- (3. Jahrhundert)
germanischen Legionen zum Kaiser ausrufen, wobei er das Schwert Gaius
Iulius Caesars, das im örtlichen Marstempel aufbewahrt wurde, als Symbol
für seinen Machtanspruch erhielt. Dabei legte er sich auch den Beinamen Germanicus zu.[36] Zusammen mit
Vexillationen der britannischen Legionen marschierten danach Teile der am Rhein stationierten Truppen nach
Italien: Dieser Abzug bedeutender Truppenteile sollte noch im Bataveraufstand desselben Jahres eine für die
Römer sehr gefährliche Situation in Germanien herbeiführen.
Römische Fundmünzen legen nahe, dass die Wasserversorgung der Stadt aus dem Vorgebirge seit etwa 30
n. Chr. bestand.[37] Wahrscheinlich um etwa 80 n. Chr. erhielt die Stadt mit der Eifelwasserleitung einen der
längsten römischen Aquädukte überhaupt.[38]
Nach der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem und der damit verbundenen Zerstreuung (Diaspora)
der Juden ist eine Gemeinde im römischen Köln nachweisbar: Im Jahr 321 n. Chr. genehmigte Kaiser
Konstantin die Aufnahme von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Kölns in den Stadtrat (curia). Es wird
angenommen, dass sich die antike Synagoge in der Nähe der Marspforte innerhalb der Stadtmauer befand. Das
im Codex Theodosianus (16,8,3) überlieferte Edikt Konstantins ist das früheste dokumentierte Zeugnis für
jüdisches Leben in Deutschland.[39]
Frühmittelalter
Im Frühmittelalter war Köln eine bedeutende Stadt. Vor dem Hintergrund des
allmählichen Niedergangs des Römischen Reiches wurde sie um das Jahr 455 von
den Franken erobert. Bis Anfang des 6. Jahrhunderts war Köln Hauptort eines
selbständigen fränkischen Teilkönigreiches, ging anschließend im Reich
Chlodwigs I. auf und bewahrte sich starke Eigenständigkeit im Gebiet der
Ripuarier. Die romanische Bevölkerung lebte lange Zeit parallel zu den
fränkischen Eroberern in der Stadt. Im Laufe des 6. bis 8. Jahrhunderts kam es zu
einer vollständigen Akkulturation zwischen den beiden Bevölkerungsteilen. Die
wechselseitige Beeinflussung der fränkischen und lateinischen Dialekte ist anhand
von Quellen nachweisbar. Die Franken übernahmen rasch kulturelle
Errungenschaften der römischen Stadtbevölkerung, zum Beispiel im Bereich der
Bautechnik oder der Glasherstellung. Gegen Ende der Merowingerzeit war Köln
Residenzstadt. Spätestens ab karolingischer Zeit war der Bischof beziehungsweise Ansicht von Köln aus Die
Erzbischof von Köln eine der bedeutendsten Personen im Reich. Cronica van der hilliger Stat
van Coellen, gedruckt 1499
862 wurde Köln das erste Mal von Wikingern überfallen, die auf Schiffen durch Johann Koelhoff d. J.
anreisten. Es kam zu Verwüstungen und Plünderungen. Die Wikinger siedelten
sich nachfolgend an Waal und Lek dauerhaft an, und es entstand ein reges
Handelswesen zwischen den Normannen und den Rheinländern. Im Winter 881 endete die friedliche Zeit. Die
Wikinger fielen in das Maasgebiet ein und plünderten zahlreiche Ortschaften und Städte. Ende Dezember
tauchten mindestens drei ihrer Schiffe vor Köln auf und die nordischen Krieger verlangten Wegegeld. Im
Januar 882 zahlte Köln nach zähen Verhandlungen ein hohes Danegeld in Silber an die Normannen. Die Stadt
wurde deshalb zunächst verschont. Die Wikinger fuhren dann im Februar den Rhein aufwärts, plünderten und
brandschatzten Bonn, Andernach und Trier.
Auf der Rückreise oder während ihres Sommerfeldzuges 882 forderte die Raubhorde von den Kölnern erneutes
Danegeld, das die ausgepressten Kölner nicht aufbringen konnten. Ihre Stadt wurde daraufhin ebenfalls
gebrandschatzt. Nach der Verwüstung verstärkten die Kölner die maroden Mauern aus der Römerzeit, was sich
im folgenden Jahr, 883, beim nächsten Wikingerbesuch als sehr nützlich erwies. Denn Köln ging in diesem
Jahr, anders als die soeben wieder errichteten Städte Bonn und Andernach, nicht in Flammen auf.
Unter den Ottonen spielte Köln eine wichtige Rolle bei der Annäherung des ostfränkisch-deutschen Reichs an
das Byzantinische Reich, seit die Kaiserin Theophanu, gebürtige Griechin und Gattin Ottos II., dort als
Reichsverweserin residierte. Ab dem 10. Jahrhundert setzte eine Serie von Stiftsgründungen ein, die
romanische Kirchenbauten hervorbrachten. In der Folge errang Köln unter der Führung bedeutender und
politisch versierter Erzbischöfe einen unangefochtenen Rang als geistliches Zentrum. Der Erzbischof von Köln
war Kurfürst des Mitte des 10. Jahrhunderts gegründeten Erzstiftes und Kurfürstentums Köln. Die
Überführung der Gebeine der Heiligen drei Könige von Mailand nach Köln durch Erzbischof Rainald von
Dassel im Jahr 1164 machte die Stadt zu einem wichtigen Ziel für Pilger.
Größte Stadt im mittelalterlichen Deutschland
Köln wurde im Hochmittelalter mit etwa 40.000 Einwohnern[40] größte Stadt des deutschsprachigen Raums,
sodass ihre Stadtbefestigungen mehrfach erweitert werden mussten. Ab dem Jahre 1180 (Urkunden vom 27.
Juli und 18. August 1180) wurde die damals längste Stadtmauer mit zwölf
Torburgen und 52 Wehrtürmen in der Ringmauer, 22 Pforten und kleinen
Toren in der Rheinmauer gebaut und etwa 1250 fertiggestellt. Sie war
gewaltiger als die fast zur gleichen Zeit errichtete Mauer König Philipps II.
Augustus in Paris und 7,5 km lang. Die zwölf Tore – sieben gewaltige
Doppelturmtorburgen, (davon erhalten das Eigelsteintor und Hahnentor),
drei riesige Turmtorburgen (davon erhalten das Severinstor) und zwei
kleinere Doppelturmpforten (siehe Ulrepforte) – in die halbkreisförmige
Stadtmauer integriert – sollten an das himmlische Jerusalem erinnern.
Ein Plan von 1800 zeigt die noch
intakte Stadtmauer und nennt in der
Im Jahre 804 wird der Name „Heiliges Köln“ in einer Urkunde erstmals
Legende 16 Tore (Nr. 36–51), z. B.
erwähnt.[41] Seit dem 12. Jahrhundert führte Köln neben Jerusalem, 47: Eigelsteintor, 43: Hahnentor,
Konstantinopel und Rom die Bezeichnung Sancta im Stadtnamen: Sancta 39: Severinstor.
Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia – „Heiliges Köln von
Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter.“ Der Name „Dat
hillige Coellen“ oder die „hillige Stat van Coellen“ war ein Begriff dieser
Zeit. Noch heute heißt Köln im Volksmund „et hillije Kölle“.[42] Es wurde
beschlossen, ein unerreicht großes und beeindruckendes Gotteshaus zu
errichten, um den Reliquien – vor allem denen der heiligen drei Könige – Rest der hochmittelalterlichen
einen angemessenen Rahmen zu geben. Die Grundsteinlegung des Kölner Stadtmauer am heutigen Hansaring
Domes erfolgte 1248. (März 2005)
Spätmittelalterliches Köln
Am 7. Mai 1259 erhielt Köln das Stapelrecht, das den Kölner Bürgern ein Vorkaufsrecht aller auf dem Rhein
transportierten Waren sicherte und so zum Wohlstand der Stadt beitrug. Die jahrelangen Kämpfe der Kölner
Erzbischöfe mit den Patriziern endeten 1288 vorläufig durch die Schlacht von Worringen, bei der das Heer des
Erzbischofs Siegfried von Westerburg (1275–1297) gegen das des Grafen Adolf V. von Berg und der Kölner
Bürger unterlag. Fortan gehörte die Stadt nicht mehr zum Erzstift, und der Erzbischof durfte sie nur noch zu
religiösen Handlungen betreten. Die offizielle Erhebung zur Freien Reichsstadt dauerte allerdings noch bis
1475. Die Auseinandersetzungen zwischen dem patrizischen Rat und den nicht im Rat vertretenen Zünften
führte am 20. November 1371 zum blutigen Kölner Weberaufstand.
1396 wurde die Patrizierherrschaft in Köln durch eine unblutige Revolution
endgültig beendet. An ihre Stelle trat eine ständische Verfassung, die sich auf die
Organisation der Gaffeln stützte. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung
innerhalb des kölnischen Patriziats, bei dem die Partei der Greifen mit ihrem
Führer Hilger Quattermart von der Stesse von der Partei der Freunde des
Konstantin von Lyskirchen entmachtet wurde. Hilger Quattermarts Verwandter
Heinrich von Stave wurde am 11. Januar 1396 auf dem Neumarkt hingerichtet,
viele der Greifen wurden zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt.
Am 18. Juni 1396 versuchte Konstantin von Lyskirchen, alte patrizische Rechte
wiederherzustellen. Die dagegen protestierenden Handwerker- und
Kaufleutezünfte wurden von ihm „vom hohen Ross herab“ nach Hause geschickt.
Daraufhin nahmen die Zünfte die Freunde in ihrem Versammlungsraum
gefangen. Die Greifen wurden befreit. Am 24. Juni 1396 trat ein 48-köpfiger Gotisches Siegel der Stadt
provisorischer Rat aus Kaufleuten, Grundbesitzern und Handwerkern zusammen. Köln (1396)
Der Stadtschreiber Gerlach von Hauwe formulierte daraufhin den so genannten
Verbundbrief, der am 14. September 1396 von den 22 so genannten Gaffeln unterzeichnet und in Kraft gesetzt
wurde. Die Gaffeln sind heterogen zusammengesetzt. In ihnen sind die entmachteten Patrizier, Ämter, Zünfte
und Einzelpersonen zusammengefasst, hingegen nicht die zahlenmäßig sehr starke Geistlichkeit; jeder
kölnische Bürger musste einer Gaffel beitreten. Der Verbundbrief konstituierte einen 49-köpfigen Rat, mit 36
Ratsherren aus den Gaffeln und 13 Gebrechtsherren, die berufen wurden. Der Verbundbrief blieb bis zum Ende
der Freien Reichsstadt 1794 in Kraft.
Köln ca. 1411
Frühe Neuzeit
Ab 1500 gehörte Köln zum neu
geschaffenen Niederrheinisch-
Westfälischen Reichskreis, das Umland
(Kurköln) hingegen zum 1512 neu
geschaffenen Kurrheinischen
Köln 1531 Anton Woensam
Reichskreis. 1582 sagte sich der Kölner
Ausschnitt von der Waschpforte bis
Rekonstruktion der Stadt Köln im Erzbischof Gebhard Truchsess von zum Frankenturm
17. Jahrhundert Waldburg von der katholischen Kirche
los, proklamierte die Gleichstellung von
Katholizismus und Protestantismus in seinem Herrschaftsgebiet und
heiratete später die protestantische Stiftsdame Agnes von Mansfeld. Da er sich jedoch weigerte, die im
Augsburger Religionsfrieden von 1555 verankerte Klausel des „geistlichen Vorbehalts“ (einer Ausnahme vom
ansonsten geltenden, im Vertragswerk festgelegten Grundsatz „Cuius regio, eius religio“) auf sich anzuwenden
und somit entsprechend der Klausel auf das ihm übertragene Amt des Kölner Erzbischofs – immerhin einer
von drei mit der Kurwürde ausgestatteten Fürstbischöfen des Reichs und als solcher zugleich in Personalunion
Reichserzkanzler von Reichsitalien – zu verzichten, wurde er von Papst Gregor XIII. exkommuniziert und der
verlässliche katholische Ernst von Bayern, der bei der Wahl Gebhards zum Kölner Erzbischof unterlegen
gewesen war, zu seinem Nachfolger bestimmt. Hätte Gebhard Truchsess von Waldburg seinen Plan
verwirklichen können, wäre zudem die katholische Mehrheit im Kurfürstenkollegium gebrochen gewesen. Da
er entgegen den Reichstagsbeschlüssen auf seiner Position verharrte, kam es zum Truchsessischen Krieg (auch
Kölner Krieg), der von 1583 bis 1588 dauerte und in dessen Verlauf Deutz, Bonn und Neuss verwüstet wurden.
Der Dreißigjährige Krieg ließ die Stadt unversehrt. Das lag zum Teil daran,
dass sich die Stadt durch Geldzahlungen an heranziehende Truppen von
Belagerungen und Eroberungen freikaufte. Köln verdiente gut am Krieg
durch Waffenproduktion und -handel.[43] Die Stadt wurde zum
Fluchtzentrum für hohe Katholikenführer, die von Köln aus versuchten, die
gegen Schweden oder andere protestantische Mächte verlorenen Gebiete
zurückzuerobern. Außerdem waren reiche Kölner Geschäftsleute als
Kreditgeber an die katholischen Mächte tätig.[44]
Bis auf Deutz gehörten die rechtsrheinischen Stadtbezirke Kölns bis 1802 Unvollendeter Dom um 1665
zum Herzogtum Berg. Das Gebiet innerhalb des Bischofswegs, was in etwa
den heutigen vier Stadtteilen zu Alt- und Neustadt entspricht, bildete die
Freie Reichsstadt Köln. Die übrigen Stadtbezirke waren Teil Kurkölns.
Im Jahr 1793 endete auch die eigenständige Münzprägung Kölns. Taler
hatte die Stadt zuletzt mit dem Jahr 1742 geprägt. Dukaten wurden noch
1767 hergestellt. Danach wurde nur noch sporadisch Kupferkleingeld im
Wert von 4 und 8 Hellern und im Jahr 1792 auch noch ein Silberheller
hergestellt.[45]
Köln war die einzige große freie Reichsstadt des alten Reiches, die nicht Köln und Umgebung im Jahre 1692:
Kupferstich des Mainzer
zum evangelischen Bekenntnis überging. Auch der Humanismus konnte in
Kartographen Nikolaus Person
Köln zunächst nicht Fuß fassen und die antihumanistische Einstellung des
Kölner Klerus wurde in den Dunkelmännerbriefen 1515 parodiert. Im 18.
Jahrhundert verschloss sich Köln auch weitgehend der Aufklärung. Insbesondere bei protestantischen
Reisenden aus dem In- und Ausland geriet die Stadt zunehmend in den Ruf eines Horts des intoleranten,
obskurantistischen und fortschrittsfeindlichen Katholizismus.[46] Im
Vergleich mit rheinischen Territorien, die für aufklärerische Gedanken
aufgeschlossen waren, wirkte die Begegnung wie ein „Kulturschock“.[47]
Beispielhaft notierte Georg Forster nach seinem Besuch, gemeinsam mit
Alexander von Humboldt, 1791:
„Nirgends erscheint der Aberglaube in einer schauderhafteren Gestalt
als in Kölln. Jemand, der aus unserm aufgeklärten Mainz dahin
kommt, hat in der That einen peinigenden Anblick an der
mechanischen Andacht, womit so viele tausend Menschen den
Müssiggang zu heiligen glauben, und an der blinden Abgötterei, die
der Pöbel hier wirklich mit Reliquien treibt, welche den ächten Kölner IIII-Heller-Münze von 1789
Religionsverehrern unter den Katholiken selbst ein Ärgerniss geben.“
– GQRST FRSUVQS: Ansichten vom Niederrhein. Bd. 1. Berlin,
1791[48]
Heinrich Heine dichtete 53 Jahre später wenig vorteilhaft
„Ja, hier hat einst die Clerisey
Ihr frommes Wesen getrieben,
[…]
Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
Bücher und Menschen verschlungen;
Die Glocken wurden geläutet dabei
Und Kyrie Eleison gesungen.
Dummheit und Bosheit buhlten hier Rückseite Kölner IIII-Heller-Münze
Gleich Hunden auf freier Gasse; von 1789
Die Enkelbrut erkennt man noch heut
An ihrem Glaubenshasse.“
– HQZ[SZ\] HQZ[Q: Deutschland. Ein Wintermährchen, 1844[49]
Französische Herrschaft
Mit dem Einzug der französischen Truppen am 6. Oktober 1794 während
der Koalitionskriege endete die Geschichte der freien Reichsstadt. Die
Stadt, die versucht hatte, neutral zu bleiben, wurde kampflos an den
Befehlshaber des linken Flügels der Rheinarmee, Jean-Étienne
Championnet, übergeben.[50] Wie das gesamte linksrheinische Gebiet
wurde die Stadt Bestandteil der französischen Republik und 1798 in das
Département de la Roer eingegliedert, dessen Hauptstadt nicht Köln,
sondern Aachen wurde. Köln wurde Sitz eines Unterpräfekten des Mairiebeschlüsse der französischen
Arrondissement de Cologne. Viele Kölner Bürger begrüßten die Verwaltung, 1808, hier über den
französischen Revolutionstruppen als Befreier, am Neumarkt wurde ein ruinösen Zustand von St. Jakob
Freiheitsbaum errichtet. Die bis dahin benachteiligten Juden und
protestantischen Christen wurden gleichgestellt. Trotz der oft drückenden
Kontributionen blieben die Bürger loyal zum Kaiserreich Napoleons. Bei seinem Besuch der Stadt am 13.
September 1804 wurde er begeistert empfangen. 1812 wurde der Stadt der Titel einer Bonne ville de l’Empire
français verliehen. Das größte Bauprojekt während der zwanzigjährigen französischen Herrschaft war der seit
1811 ausgehobene Sicherheitshafen auf dem heutigen Parkgelände des Theodor-Heuss-Rings.
Preußische Herrschaft, Schreibweise „Cöln“
Zur Schreibweise von 1857 bis 1919:
→ Hauptartikel: Cöln
1815 wurde das Rheinland mit der Stadt Köln nach den Befreiungskriegen infolge des Wiener Kongresses Teil