Dr.
Tobias Growe
Fachbereich Rechtswissenschaft
Wintersemester 2024/2025
Einführung in die Rechtsordnung der BRD
1. Termin
1
Allgemeine Hinweise zur Vorlesung
• Teilnahmepflicht (max. 3 versäumte Termine)
• Materialien im Blackboard
• Gesetzestexte im Öffentlichen Recht:
Basistexte Öffentliches Recht, dtv, 35. Auflage 2024 oder
Kirchhof/Kreuter-Kirchhof (Hrsg.), Staats- und Verwaltungsrecht Bundes-
republik Deutschland, C.F. Müller, 64. Auflage 2024 oder
NomosGesetze Öffentliches Recht, Nomos, 33. Auflage 2024
• Abschlussklausur:
Wissensfragen
Kleine Fälle
• Kontakt bei inhaltlichen oder organisatorischen Fragen:
Mentoringreferat, Boltzmannstraße 3, Raum 1111
[Link]@[Link]
2
Literaturempfehlungen
• Steffen Detterbeck, Öffentliches Recht im Nebenfach, 6. Aufl. 2021
• Mathias Hütwohl, Einführung in das Recht, 2. Aufl. 2022
• Gilbert H. Gornig / Hans-Detlef Horn, Deutsches Recht. Eine Einführung, 2016
• Gerhard Robbers, Einführung in das deutsche Recht, 8. Aufl. 2023
3
Konditionaler Normaufbau
• Eine Rechtsnorm besteht typischerweise aus einem Tatbestand und einer
Rechtsfolge.
• Vereinfacht gesagt bedeutet dies: In der Rechtsnorm ist festgelegt, welche
Voraussetzungen (= Tatbestandsmerkmale) vorliegen müssen, damit eine
bestimmte Konsequenz (= Rechtsfolge) eintritt.
• Beispiele für ein solches Wenn-dann-Schema:
§ 74 I BauO NRW: „Die Baugenehmigung ist zu erteilen, wenn dem Vorhaben
keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften entgegenstehen“
§ 223 I StGB: „Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der
Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geld-
strafe bestraft“
Art. 38 II Hs. 1 GG: „Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr voll-
endet hat“
4
Subsumtionstechnik
• Unter der Subsumtion versteht man die Prüfung, ob ein konkreter Lebenssach-
verhalt unter eine bestimmte Rechtsvorschrift fällt.
• Jedes Tatbestandsmerkmal ist Schritt für Schritt mit dem Lebenssachverhalt
abzugleichen, wozu es teils einer Definition bedarf.
• Beispiel: A verpasst B eine „schallende“ Ohrfeige. Liegt eine Körperverletzung
nach § 223 I StGB vor?
A müsste eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit
geschädigt haben.
B ist eine andere Person.
Eine körperliche Misshandlung meint eine üble, unangemessene Behandlung,
durch die das körperliche Wohlbefinden nicht nur unerheblich beeinträchtigt
wird. Eine Ohrfeige ist für das Opfer zumindest mit einem kurz anhaltenden
Schmerz verbunden. Dies gilt umso mehr, wenn sie wie beim Schlag des A
„schallend“ ist. A hat B also körperlich misshandelt.
Eine Gesundheitsschädigung ist das Hervorrufen oder Steigern eines krank-
haften Zustands. Anhaltspunkte liegen hierfür im Sachverhalt nicht vor. Eine
bloße Wangenrötung reicht nicht aus.
5
Kollisionen zwischen Rechtsnormen
• Erfüllt ein Sachverhalt den Tatbestand zweier (oder mehrerer) Rechtsnormen,
liegt eine Normenkonkurrenz vor.
• Um eine Normenkollision handelt es sich, wenn die Rechtsfolgen dieser Normen
nicht miteinander vereinbar sind. Anhand von Kollisionsregeln muss dann
bestimmt werden, welche Norm die andere verdrängt.
• Kollisionsregel des Ranges – lex superior derogat legi inferiori
• Kollisionsregel der Spezialität – lex specialis derogat legi generali
Eine Rechtsnorm ist die speziellere Vorschrift, wenn ihr Tatbestand über alle
Merkmale der allgemeinen Norm und zusätzlich noch über mindestens ein
weiteres Merkmal verfügt.
Bsp.: § 224 StGB als lex specialis zu § 223 StGB
• Kollisionsregel der Zeitfolge – lex posterior derogat legi priori