8.
3 Pulmonaliskatheter
Über die bei der zentralvenösen Katheterisie- Einführtechnik
rung beschriebenen Zugänge (Kap. 8.1
(S. 158)) kann auch ein Katheter in eine Pulmo- Bei der Platzierung des Katheters orientiert
nalarterie gelegt werden (Pulmonalis-, PA- man sich an der Druckkurve, die über den dis-
oder nach ihren Entwicklern Swan-Ganz-Ka- talen Kanal abgeleitet wird (▶ Abb. 8.14). Nach
theter genannt). Er wird, bevorzugt nach Punk- vorsichtigem Aufblasen des Ballons (mit 1,0–
tion der rechten V. jugularis interna, durch 1,5 ml Luft) in der Hohlvene und Erreichen des
den rechten Vorhof und Ventrikel mit dem rechten Vorhofs wird der Katheter durch die
Blutstrom in die rechte (häufiger) oder die lin- Trikuspidalklappe in die Ausflussbahn des
ke A. pulmonalis „eingeschwemmt“. rechten Ventrikels eingeschwemmt und ge-
langt nach Passieren der Pulmonalklappe in
den Pulmonalarterienhauptstamm. Nun wird
Indikationen er so weit vorgeschoben, bis der noch auf-
Ein PA-Katheter dient in erster Linie zur Über- geblasene Ballon das Lumen eines Pulmonalar-
wachung spezieller Kreislaufgrößen terienastes (zumeist rechter Unterlappen) ver-
(▶ Abb. 8.12; Einzelheiten: Kap. 9.1 (S. 168)), schließt, was als Wedge-Position bezeichnet
ermöglicht aber über eine rechtsatriale Öff- wird und an einer charakteristischen Ver-
nung auch die Injektion oder Infusion von Me- schlussdruckkurve zu erkennen ist. Nach dem
dikamenten. Vor dem Hintergrund des nicht Entlüften des Ballons muss bei korrekter Ka-
8 Gefäßzugänge
unbeträchtlichen Komplikationsrisikos und theterlage wieder das typische Bild der pulmo-
der relativ hohen Kosten sollte die Indikation nalarteriellen Druckkurve erscheinen. Anhand
für einen PA-Katheter allerdings streng gestellt der Längenmarken auf dem Katheter kann au-
und am Einzelfall ausgerichtet werden, zumal ßerdem die Lage der Katheterspitze in Bezug
bisher keine Untersuchung eine statistisch sig- zum rechten Vorhof, Ventrikel und zur Pulmo-
nifikante Verbesserung des Outcomes durch nalarterie abgeschätzt werden (▶ Abb. 8.15).
ein PA-Katheter-Monitoring belegen konnte. Die Katheterlage muss durch eine Röntgenauf-
So sind die im Folgenden aufgezählten Indika- nahme des Thorax dokumentiert werden.
tionen empirisch begründet:
● sehr umfangreiche operative Eingriffe mit
Spezielle Komplikationen
massiven Blut- und Flüssigkeitsverlusten
(z. B. Lebertransplantation) Komplikationen können nicht nur während
● große operative Eingriffe bei Patienten mit
der Katheterisierung auftreten, sondern auch
schwerer Herzerkrankung oder in extrem danach (▶ Abb. 8.16). Während Arrhythmien,
reduziertem Allgemeinzustand die nahezu regelmäßig beim Vorschieben des
● Operationen bei Patienten mit Herzinfarkt in
Katheters zu beobachten sind, ebenso wie eine
den vorausgegangenen 6 Monaten Verschlingung oder Verknotung des Katheters
● dekompensierte oder grenzwertig kompen-
meist harmlos verlaufen, kann eine Überblä-
sierte Herzinsuffizienz hung des Ballons zu einer lebensbedrohlichen
● Verdacht auf massive oder foudroyante Lun-
Ruptur eines Pulmonalarterienastes führen. Um
genembolie dies zu verhindern, soll der Ballon nur langsam
Insgesamt ist ein Rückgang im Gebrauch des und mit so wenig Luft wie nötig geblockt wer-
PA-Katheters zu verzeichnen. Das liegt z. T. da- den. Bei Verschluss einer Pulmonalarterie auf-
ran, dass neue, weniger invasive Verfahren bei grund zu lange bestehender Wedge-Position
einigen Indikationen in Konkurrenz zum Ka- (entweder bei aufgeblasenem Ballon oder bei
theter getreten sind, so z. B. die Pulskonturana- zu weit eingeschwemmtem oder später dis-
lyse (Kap. 9.1 (S. 168)) und die transösopha- loziertem Katheter) kann sich ein Lungenin-
geale Echokardiografie (Kap. 9.1 (S. 168)). farkt entwickeln. Damit eine versehentliche
Wedge-Position unmittelbar zu erkennen ist,
muss die pulmonale Druckkurve fortlaufend
Kathetertypen auf dem Monitor dargestellt und sorgfältig
In der Standardausführung (▶ Abb. 8.13) hat überwacht werden. Da das Risiko von Herz-
der Katheter vier Lumina und wird bei Erwach- klappen- und Endomyokardläsionen wie auch
senen in der Größe 7 oder 8F (F: French; ent- von infektiösen Komplikationen mit der Liege-
spricht Charrière) über eine sog. Schleuse (8 dauer deutlich zunimmt, sollte der Katheter
bzw. 8,5F), die nach der Seldinger-Methode ge- nur so kurz wie unbedingt nötig in situ belas-
legt wird, in die Vene eingeführt. Spezielle Ka- sen werden.
thetermodelle erlauben z. B. die kontinuierli-
che Messung des Herzzeitvolumens und der
gemischtvenösen O2-Sättigung oder eine
Schrittmacherstimulation. Die Schleuse kann
auch als Volumenzugang genutzt werden.
Roewer, Taschenatlas Anästhesie (ISBN 978-3-13-240374-1), © 2017 Georg Thieme Verlag KG
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8.3 Pulmonaliskatheter
Der PA-Katheter liefert folgende Informationen:
• rechtsatrialer Druck bzw. zentralvenöser Druck (ZVD)
• pulmonalarterielle Drücke (PAP)
• pulmonalkapillarer Verschlussdruck (Wedge-Druck)
• gemischtvenöse O2-Sättigung
• Herzzeitvolumen (Thermodilutionstechnik)
Abb. 8.12 Indikationen für einen Pulmonaliskatheter.
4-lumiger PA-Katheter in situ
• proximaler Kanal mit Öffnung
im rechten Vorhof
• distaler Kanal mit Öffnung an
der Katheterspitze, die im zen-
Öffnungen für: tralen Anteil der rechten oder
8 Gefäßzugänge
linken Pulmonalarterie liegen
PAP-Messung soll
ZVD-Messung • 3. Kanal zum Aufblasen des
Thermistor Latexballons (liegt unmittelbar
Injektion/Infusion
hinter der Katheterspitze)
aufblasbarer
Ballon • 4. Kanal, der zum Temperatur-
sensor (Thermistor) einige cm
vor der Katheterspitze führt
Abb. 8.13 Pulmonaliskathetertypen.
Druck (mmHg)
20
10
0
rechter Vorhof rechter Ventrikel Pulmonalarterie Wedge-Position
Abb. 8.14 Typischer Druckkurvenverlauf während der Katheterpassage.
• Herzrhythmusstörungen
• Herzrhythmusstörungen
• Schlingen-
• Schlingen- und Knotenbildung
und Knotenbildung
Rechter Rechter Pulmonal-
Vorhof Ventrikel arterie
• Ballonruptur
• Ballonruptur (cave:
(cave: Rechts-
Rechts-
links-Shunt!)
links-Shunt!)
V. jugularis re. 20 30 45 • Lungeninfarkt
• Lungeninfarkt
interna li. 25 35 50 • Ruptur
• Ruptur eineseines
AstesAstes
der der
A. pulmonalis
A. pulmonalis
V. subclavia 10 25 40
• Schädigung
• Schädigung der Trikuspidal-
der Trikuspidal-
V. mediana re. 50 65 80 undPulmonalklappe
der Pulmonalklappe
und der
cubiti li. 55 70 85 • Myokardperforation
• Myokardperforation
V. femoralis 40 50 65 • Endokarditis
• Endokarditis
Abb. 8.15 Abstände vom Punktionsort zum rechten Vorhof Abb. 8.16 Spezielle Komplikationen
und Ventrikel während und nach der Katheterisierung.
Roewer,und zur Pulmonalarterie
Taschenatlas (in978-3-13-240374-1),
Anästhesie (ISBN cm). © 2017 Georg Thieme Verlag KG
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