Verbindungen Mit Geneigt Angeordneten Schrauben: 1 Einleitung
Verbindungen Mit Geneigt Angeordneten Schrauben: 1 Einleitung
1 Einleitung
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1
Diese Arbeiten wurden gefördert im Rahmen des Forschungsprojektes "Standardisierung und Typi-
sierung von Anschlüssen und Verbindungen zur Rationalisierung der Planung und Fertigung im Holz-
Wohnhausbau" durch die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung e.V. mit Mitteln des Bundesminis-
teriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (Aktenzeichen: BS 34 - 5 80 01 98 - 18).
2
Univ.-Prof. Dr.-Ing. H.J. Blaß ist Inhaber des Lehrstuhls für Ingenieurholzbau und Baukonstruktionen,
Universität Karlsruhe; Dipl.-Ing. I. Bejtka ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am gleichen Lehrstuhl
Seite 2
In Bild 1 rechts ist eine entsprechende Verbindung nach einem Versuch zur Trag-
lastermittlung mit einem Einschraubwinkel von 45 % zwischen Schraubenachse und
Kraftrichtung dargestellt.
F/2 F/2
s1 s2
In [2] wurde ein Rechenmodell vorgestellt, mit dessen Hilfe die Tragfähigkeit von
Verbindungen mit geneigt angeordneten Schrauben sehr genau, aber relativ auf-
wendig ermittelt werden kann. In diesem Rechenmodell wird die Tragfähigkeit bei
Abscheren und Herausziehen sowie ihre gegenseitige Wechselwirkung berücksich-
tigt. Außerdem wird die traglaststeigernde Wirkung der Reibung in der Fuge zwi-
schen den Bauteilen berücksichtigt. In [3] wurde ein einfacheres Rechenmodell vor-
gestellt. Hierbei wird im Vergleich zu dem Rechenmodell nach [2] die Abscherkom-
ponente vernachlässigt.
Im Folgenden wird auf der Grundlage von [2] und [3] ein konservatives Rechenmo-
dell vorgeschlagen, in dem der Beitrag der Beanspruchung der Schraube auf Ab-
scheren vernachlässigt wird. Damit sind der charakteristische Wert des Ausziehpa-
rameters f1,k sowie der Reibbeiwert µ die einzigen notwendigen Materialparameter
zur Bestimmung des charakteristischen Wertes der Tragfähigkeit von Verbindungen
mit geneigt angeordneten Schrauben.
Bei Verbindungen mit geneigt angeordneten Schrauben sind grundsätzlich zwei Fälle
zu unterscheiden: Verbindungen mit ausschließlich parallel zueinander angeordneten
Schrauben und Verbindungen, bei denen zwei unterschiedliche Neigungen der
Schrauben auftreten. Im letzteren Fall sind die Schrauben in der Regel gekreuzt oder
abwechselnd geneigt (siehe Bild 2).
s1 s2 s1 s2
β β
F F
Bild 2: Verbindung mit parallel zueinander angeordneten Schrauben (links) und ge-
kreuzt angeordneten Schrauben (rechts)
zwischen den beiden Bauteilen. Diese Druckkraft bewirkt eine günstig wirkende Rei-
bungskraft.
Der charakteristische Wert der Tragfähigkeit einer unter einem Winkel β zwischen
Schraubenachse und Kraftrichtung angeordneten, überwiegend auf Zug bean-
spruchten Schraube beträgt:
R β,k = R ax,β,k ⋅ (cos β + µ ⋅ sin β ) ( 1)
mit
f1,k ⋅ d ⋅ l ef
R ax,β,k = min sin 2 β + 4 ⋅ cos 2 β mit 30° ≤ β ≤ 90°
3
R t,u,k
Hierin bedeuten:
In Bild 3 ist die dem Rechenmodell zugrunde liegende Beanspruchung der Schraube
auf Herausziehen dargestellt.
Rβ,k
s1 s2
sinβ Rax,β ,k µ sinβ Rax,β ,k
β
µ sinβ Rax,β ,k
sinβ Rax,β ,k
β
Rax,β ,k l ef,2
Rax,β ,k
l ef,1
Rβ,k
Für sägeraue Oberflächen bei Fichtenholz mit einer Holzfeuchte zwischen 10 % und
17 % beträgt nach [4] der mittlere Reibbeiwert µmittel = 0,489 (µmin = 0,317; µmax =
0,557), für gehobelte Oberflächen bei Fichtenholz mit Holzfeuchten zwischen 10 %
bis 20 % beträgt µmittel = 0,300 (µmin = 0,223; µmax = 0,675). Zur Überprüfung der Glei-
chung (1) wurden Zugscherkörper mit unterschiedlichen Einschraubwinkeln und 182
mm langen, ausschließlich parallel zueinander angeordneten Schrauben (d = 7,5
mm) bis zum Versagen belastet. Die Einschraubwinkel zwischen der Schraubenach-
se und der Kraftrichtung wurden zwischen 45° und 90° in 15°-Schritten variiert. Der
Schraubentyp, die Anzahl der Schrauben und die Holzdicken wurden konstant
gehalten. Die Versuchskörpergeometrie mit parallel zueinander angeordneten
Schrauben ist in Bild 4 dargestellt. Die Versuchskörper aus BS-Holz enthielten pro
Anschluss acht selbstbohrende Vollgewindeschrauben. Ein Teil der Prüfkörper wurde
mit Folien in den Scherfugen hergestellt, um die Reibung zwischen dem Seiten- und
Mittelholz zu minimieren.
F F
SCHNITT SEITENANSICHT
200
200
170
170
980
240
980
240
170
170
b
45 50 45
Brettschichtholz
200
200
140
80 200 80
F F
Die in den Versuchen erreichten Traglasten für Versuche mit und ohne Folie sowie
die mit einem mittleren Reibbeiwert µ = 0,30 (mittlerer Reibbeiwert nach [4] für Fich-
tenholzproben mit gehobelter Oberfläche) und mit einem charakteristischen Wert des
Ausziehparameters f1,k = 14,4 N/mm2 nach Gleichung (1) theoretisch bestimmten
charakteristischen Werte der Tragfähigkeit sind in Bild 5 dargestellt. In Bild 5 sind
ferner die mit einem mittleren Reibbeiwert µ = 0,30 und mit einem mittleren Wert des
Ausziehparameters theoretisch bestimmten mittleren Werte der Tragfähigkeit darge-
Seite 6
stellt. Der für die Ermittlung der mittleren Tragfähigkeit notwendige mittlere Auszieh-
parameter f1,mittel für einen Einschraubwinkel von β = 90° wurde in Vorversuchen zu
f1,mittel = 20 N/mm2 bestimmt. Für einen Einschraubwinkel von β = 90° beträgt der
theoretisch bestimmte mittlere Wert der Tragfähigkeit nur 40% der mittleren Traglast
für die entsprechenden Prüfkörper. Die Vernachlässigung der Abscherkomponente in
Gleichung (1) ist der Grund für die große Diskrepanz zwischen den theoretisch be-
stimmten mittleren Werten der Tragfähigkeit und den Versuchsergebnissen. Mit ab-
nehmendem Winkel β nimmt der Unterschied zwischen den theoretisch bestimmten
Werten und den Versuchsergebnissen ab. Da der Einfluss der Abscherkomponente
mit abnehmendem Winkel β sinkt, beträgt die Abweichung zwischen den theoretisch
bestimmten mittleren Werten und den Versuchsergebnissen für einen Einschraub-
winkel β = 45° nur noch 31%.
Für einen Einschraubwinkel von β = 60° zwischen der Schraubenachse und der
Kraftrichtung erreichten die Traglasten ein Maximum. Der Wert für β = 60° ist etwa
50% höher als der Wert für rechtwinklig zur Kraftrichtung angeordnete Schrauben.
Da die Schraubenlänge konstant war, nahm die Einschraubtiefe im Mittelholz mit ab-
nehmendem Winkel β ab. Dadurch konnten bei kleineren Winkeln geringere Auszug-
kräfte aufgenommen werden. Ein stetiger Anstieg der Traglast bis β = 45° ist mit län-
geren Schrauben ohne weiteres möglich.
Außer der Traglast stieg auch die Steifigkeit der Verbindung mit abnehmendem Win-
kel β deutlich an (Bild 6). Die Steifigkeit der Verbindungen mit einer Neigung der
Schrauben von β = 45° betrug mehr als das 12-fache der Verbindungen mit recht-
winklig zur Faser eingedrehten Schrauben. Geneigt angeordnete Schrauben sind
daher außer für Anschlüsse insbesondere auch für Verbindungen zwischen den
Querschnittsteilen nachgiebig verbundener Biegestäbe geeignet.
Seite 7
120
ρk = 380 kg/m3
2
f1,k = 14,4 N/mm
100 f1,mittel = 20 N/mm2
µ = 0,30
80
Traglast [kN]
60
40
Versuche ohne Folie - Mittelwerte
Versuche mit Folie - Mittelwerte
20
charakteristische Tragfähigkeit
mittlere Tragfähigkeit
0
45 50 55 60 65 70 75 80 85 90
Winkel β zwischen Schraubenachse und Kraftrichtung [°]
120
100
Verschiebungsmodul [kN/mm]
80
60
40
20
0
45 50 55 60 65 70 75 80 85 90
Winkel β zwischen Schraubenachse und Kraftrichtung [°]
3 Nebenträger-Hauptträger-Anschlüsse
Untersucht wurden Anschlüsse mit und ohne Beplankung zwischen Neben- und
Hauptträger. Da eine Aussage über die Lagerungsart dieser Anschlüsse in der Praxis
oft schwierig ist (Nebenträger an Hauptträger, Hauptträger an Pfosten), wurden im
Rahmen dieser Versuche sowohl eine gelenkige Lagerung als auch eine Einspan-
nung des Hauptträgers untersucht. Ein weiterer Parameter war die Anordnung der
Vollgewindeschrauben. Hierbei wurden Winkel zwischen Schraubenachse und
Holzfaserrichtung des Nebenträgers von 30°, 45° und 60° gewählt. Außerdem wurde
die Anzahl der Vollgewindeschrauben je Anschluss variiert. Es wurden Prüfkörper mit
einer von unten eingedrehten Vollgewindeschraube und Prüfkörper mit jeweils einer
von unten und einer von oben in den Nebenträger eingedrehten Schraube geprüft.
Hauptträger
Nebenträger Pfosten
System A: Anschluss mit einer von unten in den Nebenträger eingedrehten, auf
Herausziehen beanspruchten Schraube sowie einem eingespannten
Hauptträger.
System B: Anschluss mit einer auf Herausziehen (untere Schraube) und einer
auf Hineindrücken (obere Schraube) beanspruchten Schraube sowie
einem eingespannten Hauptträger.
B B
Hauptträger Hauptträger
D
h H
D α α
F ax
F ax y
V
z V
Bild 8: Schnittgrößen in der Fuge bei einer eingespannten (links) und einer gelenki-
gen (rechts) Hauptträgerlagerung
Unabhängig von der Lagerungsart des Hauptträgers wird bei Anschlüssen mit nur ei-
ner Schraube (System A und C) diese vorwiegend auf Zug beansprucht. Diese Zug-
kraft in der Schraube verursacht eine Druckkraft in der Fuge zwischen den beiden
Bauteilen und damit eine günstig wirkende Reibungskraft (in Bild 8 nicht dargestellt).
Die aufnehmbare Querkraft bei Anschlüssen mit einer auf Herausziehen bean-
Seite 10
H− y H− y
α > arctan α < arctan
z z
klaffende
Fuge
Kontakt
in der
Fuge α
α
Bild 9: Anschlüsse mit jeweils einer auf Herausziehen beanspruchten Schraube so-
wie gelenkig gelagertem Hauptträger
Es ist daher von Wichtigkeit, dass nur für eingespannte Hauptträger und für gelenkig
H− y
gelagerte Hauptträger mit α ≤ arctan die Zugkraft Fax in der Schraube eine
z
Druckkraft D in der Fuge zwischen dem Haupt- und dem Nebenträger und somit eine
günstig wirkende Reibungskraft in der Fuge auslöst (siehe Bild 10).
Seite 11
B B
Hauptträger Hauptträger
µ cos α Rax,α ,k
VE,1,k
z VG,1,k
Die aufnehmbare Querkraft kann daher für System A und für System C mit
H− y
α ≤ arctan wie folgt ermittelt werden:
z
VE,1,k = R ax,α,k ⋅ (sinα + µ ⋅ cosα ) (2a)
H− y
VG,1,k = R ax,α,k ⋅ (sinα + µ ⋅ cosα ), vorausgese tzt dass α ≤ arctan (2b)
z
Unabhängig von der Lagerungsart des Hauptträgers wird bei Anschlüssen mit zwei
gekreuzt angeordneten Schrauben (System B und D) die untere Schraube vorwie-
gend auf Zug und die obere Schraube vorwiegend auf Druck beansprucht. Daher
kann bei diesen Systemen keine Druckkraft und somit keine günstig wirkende Rei-
bungskraft in der Fuge übertragen werden.
Damit kann die Traglast von Anschlüssen mit zwei gekreuzten Schrauben und ein-
gespanntem Hauptträger (System B) nach einem einfachen Fachwerkmodell nach
Gleichung 2c ermittelt werden:
VE,2,k = 2 ⋅ R ax,α,k ⋅ sin α (2c)
Im Gegensatz zum System B müssen bei System D (Anschluss mit zwei gekreuzt
angeordneten Schrauben und gelenkig gelagertem Hauptträger) die Schrauben zu-
sätzlich zu ihrer Beanspruchung aus der Querkraft V eine Momentenbeanspruchung
aufnehmen, die infolge der gelenkigen Lagerung des Hauptträgers und der Ausmitte
der Querkraft V zum Kreuzungspunkt der Schrauben entsteht (siehe Bild 11.1 und
11.3).
Seite 12
D D D
1 2 3
α α α
h M h yoben h M
α α α
Z yunten Z
Z
z V z V z V
Aus dem Kräftegleichgewicht in Bild 11 erhält man für die aufnehmbare Querkraft:
V = (D + Z) ⋅ sin α (2d)
sowie in Bild 11.2 aus dem Momentengleichgewicht um den Angriffspunkt der Quer-
kraft V:
Z ⋅ [y unten + z ⋅ tan α ] = D ⋅ [y oben − z ⋅ tan α ] (2e)
Nur für diesen Winkel schneiden sich die Kraftvektoren aus den Beanspruchungen
D, Z und V in einem Punkt (siehe Bild 11.2). Da die Tragfähigkeit von Schrauben auf
Herausziehen und Hineindrücken gleich ist, entspricht somit Gleichung 2d für
h
α = arctan mit Rax,α,k = Z = D der Gleichung 2c für Anschlüsse mit zwei Schrau-
2⋅z
ben und eingespanntem Hauptträger.
h
Nur für α ≠ arctan (siehe Bild 11.1 und 11.3) entsteht das zusätzliche Moment,
2⋅z
welches die Tragfähigkeit der Verbindung reduziert. Daher sollten Nebenträger-
Hauptträger-Anschlüsse mit gelenkig gelagerten Hauptträgern sowie zwei Schrauben
möglichst so ausgeführt werden, so dass der Einschraubwinkel zwischen der
h
Schraubenachse und der Faserrichtung des Nebenträgers α = arctan beträgt.
2⋅z
Damit kann die Traglast von Anschlüssen mit zwei gekreuzt angeordneten Schrau-
ben und gelenkig gelagertem Hauptträger (System D) ebenfalls nach einem einfa-
chen Fachwerkmodell nach Gleichung 2f ermittelt werden:
h
VG,2,k = 2 ⋅ R ax,α,k ⋅ sin α mit α = arctan (2f)
2⋅z
Seite 13
Nachfolgend sind die Gleichungen zur Ermittlung des charakteristischen Wertes der
Tragfähigkeit von Nebenträger-Hauptträger-Verbindungen zusammengestellt.
Für Anschlüsse mit eingespannten Hauptträgern und einer Schraube beträgt der
charakteristische Wert der aufnehmbaren Querkraft:
VE,1,k = R ax,α,k ⋅ (sinα + µ ⋅ cosα ) (2g)
Für Anschlüsse mit gelenkig gelagerten Hauptträgern und einer Schraube gilt:
H− y
VG,1,k = R ax,α,k ⋅ (sinα + µ ⋅ cosα ), vorausgese tzt dass α ≤ arctan (2h)
z
Für Anschlüsse mit gelenkig gelagerten Hauptträgern und zwei gekreuzt angeord-
neten Schrauben kann der charakteristische Wert der aufnehmbaren Querkraft nur
h
für den Fall α = arctan nach folgender Gleichung (2j) ermittelt werden:
2⋅z
h
VG,2,k = 2 ⋅ R ax,α,k ⋅ sin α mit α = arctan (2j)
2⋅z
mit
f1,k ⋅ d ⋅ l ef ,1
4
sin 2 α + ⋅ cos 2 α
3
R ax,α,k = min und α ≥ 30°
f1,k ⋅ d ⋅ l ef ,2
R t,u,k
B
lef,1
B
a
lef,2
l ef,2
H h
H l ef,1
a y a
z V G/E,1,k z V G/E,2,k
Bild 12: Deckenbalkenanschluss mit einer (links) und mit zwei Schrauben (rechts)
Seite 14
H Nebenträgerhöhe
y siehe Bild 12
Zur Überprüfung der vorgestellten Gleichungen wurden Versuche mit mehr als 100
Deckenbalkenanschlüssen durchgeführt, wobei folgende Einflussgrößen variiert wur-
den:
(α = αoben = αunten).
Folgende Einflussgrößen waren für alle Deckenbalkenanschlüsse konstant:
Seite 15
Die in den Versuchen erreichten Traglasten für Versuche mit und ohne Beplankung
sowie die mit einem mittleren Reibbeiwert µ = 0,3 und mit einem mittleren Wert des
Ausziehparameters f1,mittel = 20 N/mm2 (für α = 90°) theoretisch bestimmten mittleren
Werte der Tragfähigkeit für Deckenbalkenanschlüsse mit eingespannten Hauptträ-
gern sind in Bild 13 dargestellt.
35
Versuche ohne Beplankung mit 1 Schraube
Versuche ohne Beplankung mit 2 Schrauben
30
Versuche mit Beplankung mit 1 Schraube
Versuche mit Beplankung mit 2 Schrauben
25 rechnerische Traglast - 1 Schraube
rechnerische Traglast - 2 Schrauben
Traglast [kN]
20
15
10
2
f1,mittel = 20 N/mm
lef,1 = 110 mm
5 lef,2 = 100 mm
µ = 0,3
0
25 30 35 40 45 50 55 60 65
Winkel α zwischen Schraubenachse und Holzfaserrichtung des Deckenbalkens [°]
Die in den Versuchen erreichten Traglasten sind als Einzelwerte dargestellt, die theo-
retisch bestimmten mittleren Werte als Linienzüge. Wie man Bild 13 entnehmen
kann, sind die mittleren Tragfähigkeiten, die ausschließlich auf der Tragwirkung
druck- und zugbeanspruchter Schrauben basieren, nur geringfügig kleiner als dieje-
nigen, die in den Versuchen ermittelt wurden. Für einen Winkel α = 30° ist die Dis-
krepanz zwischen den theoretisch bestimmten Werten und den Versuchsergebnis-
sen am größten (14% und 18%). Da der Einfluss der Abscherkomponente mit zu-
nehmendem Winkel α zwischen Schraubenachse und Faserrichtung des Nebenträ-
gers sinkt, beträgt die Abweichung zwischen den theoretisch bestimmten mittleren
Seite 16
Werten und den Versuchsergebnissen für einen Einschraubwinkel α = 60° nur noch
6,4% bzw. 1,8%.
In Bild 14 sind die in den Versuchen erreichten Traglasten den theoretisch bestimm-
ten mittleren Werten der Tragfähigkeit (mit µ = 0,3 und f1,mittel = 20 N/mm2 für α = 90°)
für Anschlüsse mit gelenkig gelagerten Hauptträgern gegenübergestellt.
25
Versuche ohne Beplankung mit 1 Schraube
f1,mittel = 20 N/mm2
Versuche ohne Beplankung mit 2 Schrauben
lef,1 = 110 mm
Versuche mit Beplankung mit 1 Schraube lef,2 = 100 mm
Versuche mit Beplankung mit 2 Schrauben µ = 0,3
20
rechnerische Traglast - 1 Schraube
rechnerische Traglast - 2 Schrauben
15
Traglast [kN]
10
0
25 30 35 40 45 50 55 60 65
Winkel α zwischen Schraubenachse und Holzfaserrichtung des Deckenbalkens [°]
Die in den Versuchen erreichten Traglasten sowie die theoretisch bestimmten Trag-
lasten für Anschlüsse mit einer Schraube sind als Dreiecke, für Anschlüsse mit zwei
Schrauben als Kreise dargestellt. Theoretisch bestimmte Traglasten für Anschlüsse
mit einer Schraube konnten wegen der in Gleichung (2h) geforderten Randbedin-
H− y
gung α ≤ arctan nur für Einschraubwinkel α = 30° und α = 45° ermittelt werden.
z
h
Für Anschlüsse mit zwei Schrauben kann Gleichung (2j) mit α = arctan nur für
2⋅z
einen Einschraubwinkel α = 30° eingehalten werden. Wie man Bild 14 entnehmen
kann, sind für diese Einschraubwinkel die mittleren Tragfähigkeiten, die ausschließ-
lich auf der Tragwirkung druck- und zugbeanspruchter Schrauben basieren, praktisch
identisch mit den Versuchsergebnissen. Für Anschlüsse mit einer Schraube und ei-
nem Einschraubwinkel α = 60° sind die Traglasten jedoch viel kleiner als die Trag-
lasten für einen Einschraubwinkel von α = 30° und α = 45°. Für einen Winkel α = 60°
kann keine Druckkraft in der Fuge übertragen werden. Das System wird instabil (sie-
he Bild 9 links). Für Anschlüsse mit zwei Schrauben kann die Traglast mit zuneh-
Seite 17
mendem Winkel ebenfalls nicht mehr gesteigert werden. Für einen Winkel α ≠ 30°
h
(siehe Bild 15 links) kann die geforderte Randbedingung α = arctan nach Glei-
2⋅z
chung (2j) nicht eingehalten werden.
h
α > arctan h
2⋅z α ≅ arctan
2⋅z
α
α
V V
Bild 15: Schnitt durch zwei Anschlüsse mit jeweils zwei gekreuzt angeordneten
Schrauben und gelenkig gelagertem Hauptträger für unterschiedliche Einschraub-
winkel
4 Zusammenfassung
Ist darüber hinaus der Reibbeiwert bekannt, können für Zugscherverbindungen und
Nebenträger-Hauptträger-Anschlüsse mit geneigten, ausschließlich parallel zueinan-
der angeordneten Schrauben noch höhere charakteristische Werte der Tragfähigkeit
erreicht werden.
Die vorgestellten Gleichungen (1) bis (2j) ermöglichen eine einfache Bemessung sol-
cher Anschlüsse und Verbindungen mit geneigt angeordneten Schrauben.
5 Literatur
[1] Blaß, H.J.; Bejtka, I. "Standardisierung und Typisierung von Anschlüssen und
Verbindungen zur Rationalisierung der Planung und Fertigung im Holz-
Wohnhausbau - Teil A" Forschungsbericht 2002. Versuchsanstalt für Stahl, Holz
und Steine, Universität Karlsruhe.
[2] Bejtka, I.; Blaß, H.J. (2002). Joints with Inclined Screws. CIB-W18, paper 35-7-4,
Kyoto, Japan.
[3] Kevarinmäki, A. (2002). Joints with Inclined Screws. CIB-W18, paper 35-7-3,
Kyoto, Japan.
[4] Möhler, K; Maier, G. "Der Reibbeiwert bei Fichtenholz im Hinblick auf die Wirk-
samkeit reibschlüssiger Holzverbindungen" - Sonderdruck aus "Holz als Roh- und
Werkstoff" Bd. 27 (1969) S. 303 - 307, Springer-Verlag