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DATIV

Deutsch Grundfach alsFernstudium

DATIV

Der Dativ wird nur als Objekt gebraucht. Man unterscheidet zwischen dem erwarteteten Dativ (von
einem Verb oder Adjektiv regiert und deshalb erwartet) und dem nicht-erwarteten oder freien Dativ. Die
Grenze zwischen den beiden Typen ist manchmal schwer zu ziehen. Zum Teil kann man sagen, dass der
erwartete Dativ in Verbindung mit gewissen Bedeutungsgruppen von Verben auftritt (siehe unten).
A Dativobjekt, von einem Verb regiert

1 Dativobjekt neben einem Akkusativobjekt (d.h. bei transitiven Verben)

Sehr viele Verben regieren Od + Oa. Dies ist wohl die häufigste Zweierkombination von
Objekten im heutigen Deutsch. Es handelt sich in erster Linie um die Verben desGebens/des
Nehmens und des Mitteilens/Verschweigens. Das Od ist bei diesen Verben indirektes Objekt
und bezeichnet den Empfänger (im weitesten Sinne) , fast immer eine Person. Das Oa ist
direktes Objekt und bezeichnet in der Regel eine Sache oder etwas Abstraktes, seltener eine
Person.

a Verben des Gebens/Nehmens:

*Gewöhnliche Verben des Gebens sind u.a.: geben, schenken, reichen, überreichen,
verleihen, mitbringen, schulden, bezahlen, überlassen, verkaufen, verschaffen, zumuten,
zutrauen, senden, schicken, schreiben.

Er schenkte dem Sohn einen Computer


Peter schrieb mir eine Karte
(Für weitere Beispiele hier und im Folgenden siehe Reiten S. 169ff.)

* Bei einigen Verben des Gebens wird häufig statt Od ein Op mit an gebraucht, z.B. bei
schicken, schreiben, verkaufen, weiter etwa bei abtreten, vermieten, zahlen, ausliefern,
verraten u.a. Wenn der Empfänger keine Person ist, sondern eine Behörde, Firma oder
Institution, wird das Op vorgezogen (das letzte Beispiel unten):

Er schickte einen Brief an die Eltern


Der Bauer vermietet Hütten an die ausländischen Touristen
Judas verriet Jesus an Kaiphas

*Gewöhnliche Verben des Nehmens (Gegenstück zu Verben des Gebens, aber kleinere Gruppe) sind
u.a.: nehmen, wegnehmen, rauben, stehlen, entziehen, klauen (salopp):
Das nahm ihm jede Hoffnung
Jemand hat mir die Jacke geklaut/gestohlen

b Verben des Mitteilens/Verschweigens (im weitesten Sinne)


* Gewöhnliche Verben des Mitteilens sind u.a.: sagen, antworten, erzählen, berichten,
mitteilen, befehlen, gestatten, erlauben, verbieten, zeigen, glauben,
versprechen,verweigern, verzeihen, anbieten, einreden, vorlesen, vorschlagen, vorstellen,
vorwerfen, zurufen, zuschreiben.

Er teilte mir die Wahrheit mit


Der Vater versprach seiner Tochter ein neues Fahrrad
Man gestattete mir diese Freiheit
* Einige von diesen Verben sind auch von der Bedeutung her verwandt mit den Verben
des Gebens, z.B. antworten (vgl. jmdem eine Anwort geben), erlauben (vgl. jmdem die
Erlaubnis geben), versprechen (vgl. jmdem ein Versprechen geben/machen). Aber es
handelt sich bei diesem Verben immer um etwas Mitgeteiltes.

* Bei einigen von diesen Verben (z. B. vorlesen, vorschlagen, vorstellen) entspricht dem Dativobjekt im
Norwegischen ein Präpositionalgefüge mit for. Im Deutschen ist kein Präpositionalgefüge bei diesen
Verben möglich.
* Bei sagen kann das Dativobjekt durch ein Präpositionalgefüge mit zu ersetzt werden,
besonders dann, wenn direkte Rede (= Oa) vorliegt: Dann sagte er zu mir: Ich bleibe
hier. Wir sagten nur Major zu ihm.

* Bei berichten und erzählen kann neben dem Dativobjekt ein Präpositionalgefüge mit
über oder von stehen, meistens statt des Oa, mitunter aber auch zusätzlich zum Oa: Er
berichtete mir über seine Italienreise. Kannst du mir von deinen Erlebnissen etwas
erzählen? Auch bei antworten kann ein Präpositionalgefüge mit auf (+ Akk.) neben
Dativ- und Akkusativobjekt stehen: Was hat sie dir auf deine Frage geantwortet?

* Es gibt nur wenige Verben des Verschweigens (Gegenstück zu den Verben des
Mitteilens). Die wichtigsten sind: verbergen, verheimlichen, verschweigen: Sie
verschweigen mir etwas! Sie verbarg ihm den wahren Grund.

c Bei einigen Verben wie z. B. stellen, machen, bereiten gibt es oft eine enge Verbindung zwischen Verb
und Akkusativobjekt.( Es kann deshalb oft auch als PT gesehen werden.) Ein zusätzliches Objekt steht
im Dativ (in der Regel eine Person):
Das bereitete ihm heftige Schmerzen
Sein Zustand macht mir Sorge
Wir stellten ihm eine Frage
d Bei vielen Verben, die ein Od und ein Oa regieren, kann das Oa durch eine IK oder durch einen
Nebensatz vertreten werden:
Er versprach mir, rechtzeitig zu kommen
Sie antwortete mir, dass sie keine Zeit habe
* jmdem etwas anhören/ansehen = höre/se noe på en. sich etwas anhören/ansehen =höre på/lytte til
noe// se på/betrakte noe.

* Bei vielen Verben, die ein Od und ein Oa regieren, kann eines von den beiden
Objekten fehlen. Das hat keinen Einfluss auf den Kasus desjenigen Objekts, das
stehen bleibt: Glaubst du mir nicht? Glaubst du das nicht? Vgl. Glaubst du mir das nicht?
Eine Ausnahme ist aber bezahlen, wo bei einem Objekt immer der Akkusativ
gebraucht wird: Er bezahlte den Taxifahrer.

* Bei einigen echten reflexiven Verben steht das Reflexivpronomen im Dativ: sich etwas
anhören, sich etwas ansehen, sich etwas denken, sich etwas vorstellen, sich etwas
einbilden, sich etwas überlegen, sich etwas verbitten.

* Bei einigen wenigen Verben, die ein Od und ein Oa regieren, ist das Oa in der Regel
ein Reflexivpronomen, so etwa bei aussetzen, unterwerfen, unterziehen. Bei diesen
Verben bezeichnet das Od in der Regel keine Person: Ich setzte mich einer grossen
Gefahr aus. Du musst dich dieser Prüfung unterziehen. Ich unterwerfe mich deinem
Befehl.

2 Dativobjekt bei intransitiven Verben


a Dativobjekt neben einem Präpositionalobjekt bei u.a. folgenden einfachen und untrennbaren Verben:
danken (für), drohen (mit), fehlen (an), gratulieren (zu), helfen (bei), raten (zu), verhelfen (zu).
* Nur bei fehlen und verhelfen ist das Op obligatorische Ergänzung.

* Bei raten kann das Op durch ein Oa ersetzt werden, wenn ein neutrales Pronomen vorliegt: Was (=
wozu) rätst du mir? Das rate ich dir.

* Einige Verben mit Od und Oa kann mit dem Präfix be- oder ver- transitiv werden:
jmden bedrohen, jmden beraten, einem etwas verdanken, sich (Akk.!) bei jmdem
bedanken. NB! verhelfen steht mit dem Dativ!

b Dativobjekt als einziges Objekt. Die wichtigsten Verben sind: ähneln, applaudieren, begegnen, dienen,
fehlen, folgen, gefallen, gehorchen, gehören, gelingen, gelten, geschehen, gleichen, huldigen,
imponieren, misslingen, nützen, passen, passieren, schaden, schmecken, schmeicheln, trauen, trotzen,
vergehen, vertrauen, weichen.
* Bei den Verben fehlen, gefallen, gelingen. misslingen, schmecken, vergehen steht die
Person im Dativ , die Sache als Subjekt. Das ist zum Teil anders im Norwegischen: Das
Haus gefällt mir Jeg liker huset; Ihm fehlt jeder Sinn für Humor Han mangler enhver
sans for humor.

*fehlen kann auch (im Sinne von mangle, ha for lite av) zwei Objekte regieren: Od + Op (an). Das
Subjekt ist in diesem Gebrauch unpersönlich: Es fehlt mir an Geld.
*vertrauen kann statt Dativ auch ein Op (auf) regieren: Ich vertraue dir/auf dich.
* Einige von den Verben mit Dativ als einzigem Objekt kann durch die Vorsilben be-
und ver- transitiviert werden: so etwa bedienen, verdienen, befolgen, begleichen (=
betale), verfolgen, vergleichen, die alle den Akkusativ regieren. (vertrauen regiert aber
den Dativ, vgl. oben!)

* Bei einigen unpersönlichen Verben kann ein Dativobjekt stehen, zum Teil in
Konkurrenz mit dem Akkusativ: Es ahnt mir, dass ; Es ekelt mir (/mich); Es graut
mir(/mich); Es schaudert mir (/mich). Aber nur: Es schwindelt mir.

*Intransitive Bewegungsverben mit ent- als Vorsilbe regieren dem Dativ: entfliehen, entgehen,
entfallen, entkommen, entlaufen, entschlüpfen u.a. Beispiele: Er entfloh den Verfolgern; Sie ist der
Gefahr entgangen. In einigen Fällen kann in der Umgangssprache statt Dativ auch ein
Präpositionalgefüge mit aus gebraucht werden: Sie entflohen dem Lager/aus dem Lager. Auch das Verb
entsprechen (=tilsvare) regiert den Dativ: Das hat alles meinen Erwartungen entsprochen.
*Einige untrennbare Verben mit unter- und wider- als Vorsilben regieren den Dativ: unterliegen, sich
widersetzen, widersprechen, widerstehen: Das unterliegt keinem Zweifel; Er widersetzte sich dem
Befehl.
* Ein Dativobjekt kann von einem zusammengesetzten Prädikat bestehend aus Verb +
Prä[Link]üge regiert sein: zu Hilfe kommen, zur Last fallen, zur Verfügung stehen, zum
Opfer fallen u.a. Er ist mir zu Hilfe gekommen. Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung.

c Einige einfache oder untrennbare Verben regieren den Dativ nur in Verbindung mit einem Prädikativ
oder einem modalen Adverbial. Beispiele: Die Erklärung erscheint mir unglaubhaft. Das scheint mir eine
gute Lösung (zu sein). Es tut mir leid. Wie geht es dir? Der Urlaub hat ihm wohl/gut getan. Die Arbeit ist
ihr leicht/schwer gefallen. (In den beiden letzten Beispielen wird nach der alten Rechtschreibung
zusammengeschrieben: wohl-/gutgetan, leicht-/schwergefallen, nicht aber nach der neuen!)

d Auch einige trennbare Verben regieren den Dativ als einziges Objekt: angehören, auffallen, aufwarten,
ausweichen, beitreten, beiwohnen, einfallen, einleuchten, vorbeugen, vorstehen, zuhören, zusehen,
zustimmen, zuvorkommen: Er gehörte der Gruppe 47 an. Da ist mir eine gute Idee eingefallen. Das wird
einem jeden einleuchten. Wie kann man dieser Krankheit vorbeugen? Wir stimmten dem Vorschlag zu.
Jemand ist ihr zuvorgekommen.
* Intransitive Verben, die mit nach- zusammengesetzt sind, regieren den Dativ: nacheilen, nachjagen,
nachlaufen, nachgehen, nachkommen etc. : Er lief mir nach. Die beiden letztgenannten Verben werden
häufig in übertragener Bedeutung gebraucht: Er geht seinen Interessen, seiner Arbeit nach. Sie kam
meiner Bitte nach.
* Verben, die mit entgegen- zusammengesetzt sind, regieren fast immer den Dativ: entgegenlaufen,
entgegenkommen, entgegensehen, entgegenwirken etc.: Die Kinder liefen ihr entgegen. Wir sehen Ihrer
baldigen Antwort entgegen. Man sollte der Korruption entgegenwirken. Eine wichtige Ausnahme ist aber
entgegennehmen, das den Akkusativ regiert : Ich nahm die Sendung entgegen.
* Die mit an- zusammengesetzten reflexiven Verb sich anpassen und sich anschließen regieren den
Dativ: Man muss sich der Umgebung(/an die Umgebung) anpassen. Ich schloss mich der Gruppe (/an
die Gruppe) an. Das Dativobjekt kann bei diesen Verben oft durch ein Prä[Link]üge mit an + Akk. ersetzt
verden, wie oben angedeutet.
* abraten regiert den Dativ neben einem Op: Ich rate dir von diesem Kauf ab. - Wenn das Op ein
neutrales Pronomen ist, kann mitunter auch der Akkusativ stehen: Davon (/das) rate ich dir ab. - Vgl.
auch zu raten unter A 2 a oben, sowie zu den Verben fragen und bitten bei der Behandlung des
Akkusativs.

* vorkommen regiert den Dativ, wenn es zusammen mit einem Prädikativ steht: Das kommt mir
komisch vor.

B Dativobjekt, von einem Adjektiv regiert

1 Viele Adjektive, die den Dativ regieren, sind von Dativverben abgeleitet. Einige wenige von diesen
Adjektiven regieren zusätzlich ein Präpositionalobjekt genau so wie das zugrundeliegendeVerb: Er war
mir bei der Arbeit behilflich. Er half mir bei der Arbeit; Ich bin Ihnen dankbar für die Hilfe. Ich danke
Ihnen für die Hilfe.

2 Andere regieren wie das zugrundeliegende Verb ein Dativobjekt als einziges Objekt: ähnlich, dienlich,
gehorsam, gleich, nützlich, schädlich, schwind(e)lig, nahe: Das ist unserer Sache nicht dienlich. Nikotin
ist der Gesundheit schädlich. Es wurde ihm schwind(e)lig. Sie war der Verzweiflung nahe.
* Bei schädlich kann man auch Präpositionalgefüge mit für verwenden.
* Einige Adjektive auf bar oder lich , von transitiven Verben abgeleitet, regieren den Dativ. Haufig treten
sie mit dem Negationspräfix un- auf: (un)begreiflich, (un)erklärlich, (un)fassbar, (un)verständlich u.a.
Das Dativobjekt entspricht bei diesen Verben dem logischen Subjekt des zugrundeliegenden Verbs: Das
ist mir unbegreiflich /unerklärlich (= ich kann das nicht begreifen/erklären). Bei förderlich entspricht das
Dativobjekt aber dem logischen Objekt: Dieses Vorkommnis war unserer Sache (/für unsere Sache)
wenig förderlich (= förderte unsere Sache wenig). Mitunter wird bei diesen Adjektiven auch
Präpositionalgefüge mit für verwendet, wie im Beispiel mit förderlich angeführt.
* schuldig regiert wie das Verb schulden Dativobjekt und Akkusativobjekt : Er ist mir eine große Summe
Geld schuldig.

3 Weitere Adjektive, die den Dativ regieren, sind u.a.: (un)bekannt, egal, fremd, gewachsen, klar, lieb,
neu, recht, treu, wichtig: Ist dir das schon bekannt? Du bist mir sehr lieb. Sein Benehmen war mir (/für
mich) peinlich. Das war ihm alles ganz neu. Nichts war ihm (/für ihn) wichtiger als das Geld.
* Das Dativobjekt bei einem deutschen Adjektiv entspricht oft einem Präpositionalgefüge mit for im
Norwegischen. Auch im Deutschen gibt es mitunter diese Alternative, z.B. bei peinlich und wichtig, -
siehe die Beispiele oben!
* Bei den Adjektiven ebenbürtig und überlegen steht neben dem Dativ ein Präpositionalgefüge mit an:
Sie war ihm an Ausdauer ebenbürtig. Die meisten sind ihm an Fleiß überlegen. Bei persönlichem Subjekt
steht bei klar ein reflexives Dativobjekt und ein Präpositionalobjekt mit über: Ich bin mir darüber klar/im
klaren.
* Beim Adjektiv böse alterniert das Dativobjekt mit einem Präpositionalobjekt mit auf: Wir sind ihm
böse/böse auf ihn.
* Es ist mir warm/heiß/kalt/schlecht/übel/schwind(e)lig. Diese Adjektive regieren den Dativ, wenn sie in
unpersönlichen Wendungen stehen. Das unpersönliche es steht dabei in der Regel nicht im Satzinnern:
Mir ist warm/ heiß etc.

C Freier (Nicht-erwarteter) Dativ

Ein freier Dativ ist nicht von einem Verb oder einem Adjektiv regiert. Er bezeichnet fast immer eine
Person. Der Unterschied zwischen dem freien und dem regierten Dativ ist aber gar nicht immer klar,
besonders beim Dativ des Interesses (siehe unten!) ist der Unterschied oft schwer zu erkennen.
Wir unterscheiden zwischen vier Typen des freien Dativs: 1 Dativ des Interesses, 2 Possessiver Dativ, 3
Dativ des Richters, 4 ethischer Dativ.

1 Dativ des Interesses

Der Dativ des Interesses bezeichnet eine Person , zu deren Vorteil oder Nachteil etwas passiert/getan
wird. Im ersten Fall kann der Dativ des Interesses durch ein Präpositionalgefüge mit für ersetzt werden.
Im Norwegischen entspricht er einem Präpositionalgefüge mit for, mitunter auch mit til. - Vgl. die
Beispiele unten!

Peter öffnete mir die Tür - Peter öffnete die Tür für mich
Der Vater baute der Tochter ein Haus Der Vater baute ein Haus für die Tochter
Ihnen scheint immer die Sonne Für sie scheint immer die Sonne
Die Wohnblocks versperren ihnen die Aussicht ( Zum Nachteil, für nicht möglich!)
Er zerriss ihr die Puppe (Zum Nachteil, für nicht möglich!)

* Der Bauer baute einen Stall für das Vieh. Hier wird Präpositionalgefüge mit für verwendet, weil kein
Personenobjekt vorliegt.
* Das ist mir ein Vergnügen. Das ist mir heute noch ein Rätsel. Er war mir immer ein guter Freund. Der
Dativ bei unselbständigen Verben mit substantivischem Prädikativ kann als Dativ des Interesses
betrachtet werden.

2 Possessiver Dativ

a Bei diesem Dativ besitzt die durch das Dativobjekt bezeichnete Person irgend-etwas, was im Subjekt,
im Akkusativobjekt oder in einem Präpositionalgefüge genannt wird. Dieses Etwas ist in der Regel ein
Körperteil. Im Norwegischen verwenden wir in entsprechenden Fällen oft ein Präpositionalgefüge mit på,
mitunter passt aber ein Possessivpronomen oder ein Genitivattribut (Genitiv der Zugehörigkeit!) besser.
Vgl. die folgenden Beispiele:
Ich drückte ihm die Hand (Vgl.: Ich drückte seine Hand)
Dem Alten zitterten die Hände (Vgl.: Die Hände des Alten/Seine Hände zitterten)
Das Blut stieg ihm ins Gesicht (Vgl.: Das Blut stieg in sein Gesicht)
Sie flog mir um den Hals (Vgl.: Sie flog um seinen Hals)
Er sah ihr in die Augen (Vgl. Er sah in ihre Augen)
* Wie aus den oben stehenden Beispielen ersichtlich, kann auch im Deutschen ein Possessivpronomen
oder ein Genitiv der Zugehörigkeit als Ersatz gebraucht werden. Der possessive Dativ ist aber die
gewöhnliche Form und klingt persönlicher als die nüchternen Ersatzkonstruktionen.
* Der Hund zerbiss ihm die Hose. Der Hund zerbiss seine Hose. Der possessive Dativ kann auch
gebraucht werden in Verbindung mit Kleidungsstücken, die eine Person trägt. Possessivpronomen oder
Genitiv der Zugehörigkeit wird nur dann verwendet, wenn die betr. Person das Kleidungsstück nicht
anhat.

b Bei einigen wenigen transitiven Verben (mit der Bed. (eine Person) berühren kann man sowohl ein
Akkusativobjekt wie einen possessiven Dativ verwenden, wenn ein Präpositionalgefüge vorliegt, das
einen Körperteil enthält. Die Präposition (in der Regel auf oder in) regiert in diesen Fällen den Akkusativ.
Die wichtigsten Verben sind: beißen, klopfen, kneifen, schlagen, schneiden, stechen, treten.
Er hat ihm/ihn auf die Schulter geklopft
Ich habe mir/mich in den Finger geschnitten
Er hat ihr/sie auf den Fuß getreten

*In übertragener Bedeutung wird in entsprechenden Fällen nur der possessive Dativ gebraucht: Das
sticht mir in die Augen. Das schneidet mir ins Herz.

3 Dativ des Richters


Der Dativ des Richters bezeichnet eine Person, nach deren Meinung ein Sachverhalt so oder so ist, sie
fällt ein Urteil. Siehe die folgenden Beispiele.
Als Ersatz kann man u.a. Präpositionalgefüge mit nach (+ ein passendes Substantiv wie Ansicht,
Meinung u a.) verwenden: Nach meiner Meinung spricht er zu viel. Vgl. auch mit entsprechendem Verb:
Ich meine/finde, er spricht zu viel.

Er spricht mir zu viel


Der Rock ist ihr zu kurz
| Die Wohnung ist meiner Frau nicht mehr fein genug
Du bist mir schon reich genug

Der Dativ des Richters kommt häufig vor in Sätzen mit prädikativem Verb und Adjektiv als Prädikativ,
das durch zu, allzu, genug, nicht genug modifiziert ist. Vgl. die entsprechenden Beispiele oben.

*Der Rock ist zu kurz für sie. Der Dativ kann durch ein Präpositionalgefüge mit für ersetzt werden. Dabei
ändert sich aber die Bedeutung ein wenig: Es handelt sich nicht mehr unbedingt um die Auffassung der
betreffenden Person.

* Die Garage ist zu klein für das Auto. Bei Sachen kann dieser Dativ nicht gebraucht werden, sondern
nur Päpositionalgefüge mit für.

4 Ethischer Dativ

Der ethische Dativ wird in gefühlsgeladenenen Ausdrücken (meistens in Ausrufesätzen) gebraucht. Es


handelt sich immer um ein Personalpronomen der 1. , seltener auch der 2. Person, meist im Singular.
Das Pronomen der 1. Person (mir/(uns)) hebt hervor, von wem die Aussage stammt, das Pronomen der
2. Person (dir/(euch)), an wen die Aussage gerichtet ist.
Eine entsprechend gebrauchte Objektsform gibt es im Norwegischen nur in der 1. Pers. Sg. (mir/meg).

Du bist mir der Rechte!


Geh mir bloß nicht ans Wasser!
Das war dir ein Kerl!

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