Script Finanzmathe
Script Finanzmathe
Finanzmathematik
Berthold Halbmann
Stand: WiSe 2021/2022
Hinweis:
Inhaltsverzeichnis:
I Mathematische Grundlagen
1.1 Einführung
Was ist Zins:
• Sie wollen eventuell ein Haus (Auto o.ä.) kaufen und stehen daher vor der Frage, wie
Sie den Hauskauf finanzieren sollen
oder
• Sie haben irgendwann vielleicht Kinder und wollen bei der Geburt des Kindes ein
mögliches Studiums des Kindes oder den Führerschein etc. schon bei der Geburt
des Kindes finanziell absichern und stehen daher vor der Frage, welchen
Geldbetrag Sie heute regelmäßig (jährlich) einzahlen müssen, damit in 20 Jahren
ein Betrag von 70.000 € zustande gekommen ist
oder
• Sie gewinnen in einem Preisausschreiben einen Betrag, sagen wir 10.000 €, der
Ihnen in zehn Jahren ausbezahlt wird. Sie benötigen das Geld aber – warum auch
immer – sofort und wollen daher eine sofortige einmalige Zahlung. Wie hoch wird
diese Zahlung sein?
und
Finanzmathematik
• zu vergleichen
• zusammenzufassen
• zu bewerten
„ Zinses „
Definition: Zins
Der Zins ist der Preis, den man dafür bezahlen muss, dass man von
einem anderen Geld geliehen bekommt.
• Folgen und
• Reihen
insbesondere die
Einführungsbeispiel 1:
Sie haben sich folgenden monatlichen Sparplan überlegt: Sie starten im ersten Monat
mit 100 € und zahlen dann jeden weiteren Monat 3 € mehr ein als im vorhergehenden
Monat. Welchen Betrag müssen Sie dann zu Beginn des 11ten Sparjahres (10 Jahre plus
ein Monat = 121 Monate.) einzahlen?
Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Höhe der monatlichen Sparbeträge.
Bezeichnen Sie dabei die Höhe des Sparbetrages im n-ten Monat mit an .
Lösung:
Einführungsbeispiel 2:
Eine Firmen bietet Ihnen ein Jahresanfangsgehalt von 27.000 € Netto an und garantiert
Ihnen eine jährliche Gehaltserhöhung von 8% des jeweils letzten Jahresgehalts an. Wie
hoch ist in dieser Firma Ihr Jahresgehalt im 10. Jahr?
Bezeichnen Sie dabei die Höhe Ihres Jahreslohnes im n-ten Jahr mit K n .
Hinweis:
p
• p % von K bedeutet K • , z.B.: 19% von K bedeutet: 0,19 ⋅ K
100
Lösung:
Eine solche „geordnete Menge“ von Zahlen, wie sie sich in den Einführungsbeispielen
ergaben, nennt man eine (reelle) Zahlenfolge. Mathematisch exakt ist eine Folge wie folgt
definiert:
Definition Folge:
Eine Folge a ist eine Funktion, die jeder natürlichen Zahl n eine reelle Zahl an
zuordnet.
kurz: a:
a : n an
Die Funktionswerte a1 , a2 , a3 ,. . . heißen Glieder der Folge, der Wert an heißt n−tes
Folgenglied dieser Zahlenfolge.
Bemerkung: Für eine Folge schreibt man oft (an ) n ≥ 1 oder kurz (an ) oder einfach nur an
• rekursiv durch Angabe einer Gleichung, mit der man aus einem Folgeglied das
darauffolgende Folgeglied berechnen kann, z.B. an+=
1 an + 1
aufzählend: a1 1,=
= a2 4= a4 10, . . . kurz: (an )n ≥ 1 = 1, 4 , 7 , 10 , . . .
, a3 7,=
rekursiv: an + 1 =
an + 3 mit a1 =
1
explizit: a=
n 3n − 2
aufzählend: a1 1,
= = , a3 3, . . . kurz: (an )n ≥ 1 = 1, 2 , 3 , . . .
a2 2=
rekursiv: an + 1 =
an + 1 mit a1 =
1
explizit: an = n
Beispiel 3: Fibonacci - Zahlen (Leonard von Pisa, geb. um 1170 in Pisa, gest. nach 1240)
Eine interessante Folge sind die rekursiv definierten Fibonacci – Zahlen, benannt nach
Leonardo Fibonacci (Leonardo da Pisa), der damit das Wachstum einer Kaninchenpopulation
beschrieb. Die Fibonacci-Folge beschreibt viele Wachstumsvorgänge von Pflanzen und
scheint eine Art Wachstumsmuster in der Natur zu sein.
an =
an−2 + an−1 mit a1 =
a2 =
1
a3 =a2 + a1 = 1 + 1 = 2
a 4 = a3 + a 2 = 2 + 1 = 3
a5 = a 4 + a3 = 3 + 2 = 5
a 6 = a5 + a 4 = 5 + 3 = 8
Fibonacci-Folge: (an )n ≥ 0 = 1, 1, 2 , 3 , 5 , 8 , 13 , . . .
Wie zu erkennen ist, ergibt sich ab dem dritten Glied das nächste Folgeglied aus der
Addition der beiden vorausgegangenen Glieder.
Die n-te Fibonacci-Zahl lässt sich explizit mit folgender Formel berechnen:
1 + 5 n n
1 1− 5
an =⋅ −
5 2 2
Das Interessante an der Formel ist, dass sie die irrationale Zahl Wurzel 5 enthält, aber
trotzdem nur natürliche Zahlen als Ergebnis liefert.
n −1 1 2 3
Beispiel 4: an = liefert die Zahlenfolge 0 ; ; ; ;
n 2 3 4
1 1 1 1
Beispiel 5: an = liefert die Zahlenfolge 1; ; ; ; . Sie heißt Nullfolge.
n 2 3 4
Bemerkung: Manchmal wird das erste Glied einer Folge auch mit a0 bezeichnet,
d.h. die Nummerierung der Folgeglieder beginnt bei der Zahl 0.
Lösung:
1
a) rekursiv:
= an + 1 2a
=n mit a1
2
n
b) explizit: an = 2 wenn n = 0, 1, 2 , ...
n−1
oder an = 2 wenn n = 1, 2 , 3 , ...
Hinweis: Wird eine Folge durch Aufzählen der Folgeglieder vorgegeben, so ist deren
Bildungsgesetz nicht unbedingt eindeutig oder identisch!
Betrachtet man die Differenz der Folgeglieder, ergibt sich die Zahlenfolge
3 , 5, 7 , ... . Zu jedem Folgeglied an wird die nächstfolgende ungerade Zahl
addiert. Die weiteren Folgeglieder wären dann
0 , 3 , 8 , 15 , 24 , 35 , 48,...
(1)
= an 2n ; (n ∈ ) Sie liefert alle geraden Zahlen
(2) an =
2n − 1 ; (n ∈ ) Sie liefert alle ungeraden Zahlen
Reihen:
Addiert man die Glieder einer gegeben Zahlenfolge an , so ergeben sich sogenannte
Partialsummen („Teilsummen“) Sn , die wiederum eine Zahlenfolge bilden. Die Folge dieser
Partialsummen wird Reihe genannt.
S1 = a1
S2 = a1 + a2
S3 = a1 + a2 + a3
Sn = a1 + a2 + + an
Definition Reihen:
Eine Reihe Sn ist die Summe der Folgeglieder einer Folge an .
Sn = a1 + a2 + . . . + an
n− Summanden
Mit Hilfe des Summenzeichens lässt sich diese Summation kürzer schreiben:
n
Sn = ∑ ai = a1 + a2 + . . . + an für alle n ∈
i =1
Beispiel 1:
Gegeben ist die Folge an= 2 ⋅ n , ( n = 1, 2 , ...) , also die Folge der geraden Zahlen. Berechnen Sie
die 4te Partialsumme, also die Summe der ersten vier geraden Zahlen S4 .
S4 = 2 + 4 + 6 + 8 = 20
Beispiel 2:
In einem Saal befinden sich in der ersten Reihe 30 Stühle. In jeder weiteren Reihe vermehrt sich
die Anzahl der Stühle um 5. Wie viele Stühle befinden sich in den ersten 5 Reihen?
Folgeglieder: a1 = 30 , a2 = 35 , a3 = 40 usw.
5
S5 = ∑ ai = a1 + a2 + a3 + a4 + a5
i=1
= 30 + 35 + 40 + 45 + 50
Aufgabe:
Berechnen Sie die Summe der ersten 100 natürlichen Zahlen S100 , also die Summe
100
S100 = a1 + a2 + a3 + . . . + a100 = ∑a
i =1
i
= 1 + 2 + . . . + 100 = ?
Lösung:
Diese spezielle Reihe ist eng mit dem Namen Carl Friedrich Gauß
verbunden.
Der Legende nach hat der junge Carl Friedrich Gauß (1775 - 1855) im
Alter von neun Jahren diese dann nach ihm benannte Summenformel
wiederentdeckt, als er in der Grundschule die Aufgabe zu lösen hatte,
die Zahlen von 1 bis 100 zu addieren. Kaum gestellt, gab Gauß die
richtige Antwort und erhielt – der Legende nach – dafür als Belohnung
Carl Friedrich Gauß:
eine „Watschen“ (bayrisch: Ohrfeige). (1775 – 1855)
Die für die Finanzmathematik wichtigsten Folgen und Reihen sind die arithmetische sowie
die geometrische Folge bzw. Reihe. Betrachten Sie nochmals die Einführungsbeispiele 1
und 2.
Bei Beispiel 1 ist die Different zweier benachbarter Folgeglieder konstant, bei Beispiel 2 der
Quotient zweier Folgeglieder.
29 160 31 492,80
zu Beispiel 2: = = 1,08
=
27 000 29 160
arithmetische Folge:
Eine Folge a n heißt arithmetische Folge, wenn die Differenz d zweier
aufeinander folgender Glieder konstant ist, wenn also gilt:
d= (an + 1 − an )= const.
an = a1 + (n − 1) ⋅ d , n ∈
Eigenschaften:
(1) Ein Folgeglied an lässt sich als arithmetisches Mittel der beiden Nachbarglieder
berechnen. Vermutlich stammt daher auch der Name: arithmetische Folge.
an−1 + an+1
an =
2
(2) Zwischen zwei Gliedern ar und as einer arithmetischen Folge besteht die
Beziehung
as = ar + (s− r) ⋅ d
arithmetische Reihe:
Eine Reihe ist die Summe der Folgeglieder. Für die (endliche) arithmetische Folge
ergibt sich daher die arithmetische Reihe Sn zu
n ⋅ [ 2 ⋅ a1 + (n − 1) ⋅ d ]
Summenformel: Sn = (Formel 1)
2
n ⋅ (a1 + an )
bzw. Sn = (Formel 2)
2
Beispiel 1: Berechnen Sie die Summe der natürlichen Zahlen von 1 bis 100
100
S100 = 1 + 2 + . . . + 100 = ? = ∑i
i=1
Lösung:
Ein Spezialfall der Formeln (1a) bzw. (1b) bildet die Formel („Kleiner Gauß“)
n n ⋅ [ n + 1]
1 + 2 + 3 + . . . + n= ∑=
i
2
i=1
Sie war bereits den Babyloniern bekannt und wurde vom 9-jährigen C. F. Gauß bei der
Schulaufgabe, die natürlichen Zahlen von 1 bis 100 zu addieren, wiederentdeckt.
n
• die Summe der ersten n ungeraden Zahlen: 1 + 3 + 5 + . . . + (2n − =
1) ∑ (2i −=
1) n2
i=1
n
1
• die Summe der ersten n Kubikzahlen: 13 + 23 + . . . + n3 )= ∑ (i)3 = ⋅ n2 ⋅ (n + 1)2
i=1 4
Beispiel 2:
Die Sparerin 1 aus dem Einführungsbeispiel 1 möchte wissen, welchen Betrag sie
insgesamt angespart hat, wenn Sie mit 100 Euro beginnt und dann jeden weiteren Monat
3 € mehr einzahlt als im vorhergehenden Monat. Ihr Sparplan sieht wie folgt aus:
Sparplan:
a1 = 100 (1. Monat)
a3 = 106
an= 100 + (n − 1) ⋅ 3 (Sparrate im n-ten Monat)
Das ist eine arithmetische Folge, da die Differenz zweier Folgeglieder konstant ist.
d = (a − a ) = (a − a ) = 103 − 100 = 3
n +1 n 2 1
n ⋅ [ 2 ⋅ a1 + (n − 1) ⋅ d ]
S121 = a1 + a2 + a3 + + a121 =
2
121 ⋅ [ 2 ⋅ 100 + 120 ⋅ 3 ]
=
2
= 33.880 €
n ⋅ (a1 + an )
Mit der Formel Sn = ergibt sich ebenfalls
2
n ⋅ (a1 + an ) 121
Sn = = ⋅ 560 = 33.880
2 2
1 Mit der weiblichen Form ist natürlich immer auch der männliche Sparer mitgemeint.
geometrische Folge:
an + 1
q
= = const q∈ ; q ≠ 0
an
Mit dem Anfangsglied a1 und dem konstanten Quotienten q für alle n lässt sich
die geometrische Folge darstellen in der aufzählenden Form
a1 ; a1 ⋅ q ; a1 ⋅ q2 ; a1 ⋅ q3 ; . . . ; a1 ⋅ qn−1 ; . . .
a1 ⋅ qn−1 , n =
an = (1 , 2 , 3 , ...)
Eigenschaften:
(1) ist q < 0 wechseln die Folgeglieder ständig das Vorzeichen und sind damit eines
der wichtigsten Beispiele für eine sogenannte alternierende Folge.
(2) für 0 ≤ q ≤ 1 werden die Folgeglieder immer kleiner und konvergieren gegen Null.
Diese geometrischen Folgen sind das Paradebeispiel für eine Nullfolge (siehe 1.3
Grenzwerte von Folgen).
(3) Ein Folgeglied an an lässt sich als geometrisches Mittel der beiden
Nachbarglieder berechnen. Daher vermutlich der Name: geometrische Folge.
an
= an−1 ⋅ an+1
geometrische Reihe:
Die Summe
n
Sn = 1 + q + q2 + q3 + . . . + qn−1 = ∑ q k −1
k=1
1 − qn qn − 1
Sn = bzw. Sn = jeweils für q ≠ 1
1− q q−1
Hinweis: es ist zweckmäßig, die erste Formel für 0 < q < 1 und die zweite für q > 1 zu verwenden.
Beweis:
Sn = 1 + q + q2 + q3 + . . . + qn−1
− q ⋅ Sn = − q − q2 − q3 − . . . − qn−1 − qn
Sn − q ⋅ Sn = 1 − qn
Es ist Sn − q ⋅ Sn = 1 − qn
⇔ Sn ⋅ (1 − q) = 1 − qn
1 − qn
⇔ Sn =
1− q
Hinweis 1: Die zweite Formel ergibt sich aus der ersten, indem man Zahler und Nenner des
Bruches jeweils mit (– 1) multipliziert, d.h. den Bruch mit der Zahl „Eins“ erweitert:
1 − qn −1 qn − 1
⋅ =
1− q −1 q −1
Hinweis 2: Für die spezielle geometrische Reihe muss die Summe mit 1 beginnen. Falls der
Summand 1 fehlt, die Reihe also mit q beginnt, muss der Faktor q ausgeklammert
werden.
qn − 1
q + q2 + q3 + . . . + qn = q ⋅ (1 + q + q2 + q3 + . . . + qn−1 ) = q ⋅
q −1
n
Hinweis 3: Für den Sonderfall q = 1 ist Sn =1 + 1 + 12 + 13 + . . . + 1n−1 =∑ 1 =n ⋅ 1
k =1
Sn = a1 + a1 ⋅ q + a1 ⋅ q2 + a1 ⋅ q3 + . . . + a1 ⋅ qn−1
gilt:
1 − qn qn − 1
S=
n a1 ⋅ bzw. S=
n a1 ⋅ jeweils für q ≠ 1
1− q q−1
Hinweis: Es spielt keine Rolle, ob der Faktor vor dem Bruch mit a oder a1 bezeichnet wird.
Beweis:
Sn = a1 + a1 ⋅ q + a1 ⋅ q2 + a1 ⋅ q3 + . . . + a1 ⋅ qn−1
= a1 ⋅ (1 + q + q2 + ⋅ q3 + . . . + ⋅ qn−1 )
spezielle geometrische Reihe
qn − 1
= a1 ⋅
q −1
geometrische Reihe:
an + 1
Sei (an ) eine geometrische Folge mit q = (also mit a=
n a1 ⋅ qn−1 ).
an
Dann gilt für die (allgemeine) geometrische Reihe Sn :
qn − 1
a
1
n ⋅ falls q ≠ 1
Sn ∑
= = ak q−1
k=1
n ⋅ a1 falls q =
1
Lösung:
Reelle Zahlenfolgen lassen sich als Punkte auf dem Zahlenstrahl oder als Punkte der Ebene
in einem Koordinatensystem darstellen.
Darstellung im Koordinatensystem:
20
15
10
5
0
0 2 4 6 8 10
-5
Hinweis:
125 16
120 14
12
115 10
110 8
6
105
4
100 2
95 0
0 1 2 3 4 5 6 -1 1 3 5
Schlussbemerkung:
In manchen Büchern beginnt man beim Abzählen der Folgenglieder nicht mit 1 sondern mit
0. Die Bildungsgesetze und Summenformeln für die arithmetische Folge und Reihe bzw.
geometrische Folge und Reihe lauten dann
(n + 1) ⋅ [ 2 ⋅ a0 + n ⋅ d ]
Sn = (Formel 3a)
2
(n + 1) ⋅ (a0 + an )
bzw. Sn =
2
qn+1 − 1
Sn =
a0 ⋅ (für q ≠ 1) (Formel 3b)
q −1
Der Unterschied besteht „nur“ darin, dass in den Formeln (1) und (2) das erste Glied der
Folge mit a1 bezeichnet wurde, in den Formeln (3a) und (3b) dagegen mit a0 .
Sn = a0 + a1 + a2 + . . . + an
(n+1)−Summanden
Sn = a1 + a2 + . . . + an
n−Summanden
Damit man mit Formel (3b) auf das gleiche Ergebnis kommt wie mit Formel 1b) muss man
also von i = 0 bis i = (n - 1) aufsummieren, um die gleiche Anzahl von Summanden zu
erhalten. Um für die Sparerin aus Beispiel 2 auf das gleiche Ergebnis zu kommen, muss
daher mit n = 120, d = 3 gerechnet werden.
(n + 1) ⋅ [ 2 ⋅ a0 + n ⋅ d ]
S121 = a0 + a2 + a3 + + a120 =
2
Hier zeigt sich, dass die sture Anwendung einer Formel nicht sinnvoll ist und Sie immer vor
Anwendung einer Formel deren Voraussetzung überprüfen müssen.
Anschaulich formuliert:
Eine Folge hat den Grenzwert a, wenn sich die Folgeglieder immer mehr
dieser festen Zahl a annähern.
lim (an ) = a
n →∞
Beispiel:
1
Gegeben sei die Folge
= an , n ∈ . Setzt man in diese explizite Form der Reihe nach
n
die Zahlen n = 1, 2 , 3 , ... ein, ergeben sich die Folgeglieder
1 1 1
1, , , , ...
2 3 4
Begründen Sie inhaltlich, warum der Grenzwert dieser Folge die Zahl a = 0 ist.
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8
Begründung:
Mathematisch exakt definiert ist der Grenzwert einer Folge wie folgt:
Ein solches (offenes) Intervall um a wird in der Mathematik ε-Umgebung von a genannt
und mit Uε (a) bezeichnet. (ε = Epsilon)
ε ε
a-ε a a+ε
Bemerkung: Die ε-Umgebung von a besteht daher aus allen Zahlen, deren Abstand von a
kleiner als ε ist.
Man könnte auch sagen:
Die ε-Umgebung von a sind genau die Lösungen der Betragsgleichung
x−a <ε ,
denn x − a ist ja gerade der Abstand von x zu a.
oder
Die ε-Umgebung von a sind genau die Lösungen der Ungleichung
a−ε< x<a+ε
Anschaulich bedeuten beide Definitionen einfach nur, dass sich die Folgeglieder immer
mehr dem Grenzwert a annähern.
1 1 1 1
Betrachtet man die Folgeglieder 1, , , , ... der Folge
= an , n ∈ gilt z.B. ab dem
2 3 4 n
fünften Folgeglied a5 , dass alle weiteren Folgeglieder um weniger als 0,2 von a = 0 ab-
weichen, d.h. an − 0 < 0,2 für n > 5.
Ab dem 10ten Folgeglied a10 weichen alle weiteren Folgeglieder (unendlich viele) um weniger
als 0,1 von Null ab, d.h an − 0 < 0,1 für n > 10.
1
0,9
0,8
0,7
0,6
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0
-0,1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
-0,2
-0,3
-0,4
-0,5
-0,6
Zur Erinnerung: Der Abstand zweier reeller Zahlen ist der Betrag ihrer Differenz a − b
1
Für die Folge=an , n ∈ lässt sich daher der Abstand von der Zahl a = 0 formal
n
schreiben:
Skizze:
ε ε
a-ε a a+ε
- 0,2 0 + 0,2
1
Lässt sich für die Folge
= an , n ∈ zu jeder noch so kleinen Zahl ε > 0 ein bestimm-
n
tes Folgeglied an finden, d.h. einen Index m = m(ε ) so dass für alle n, die größer/gleich m
sind, also für n = m ; n = m+1 ; n = m+2 … gilt:
Antwort: ja, so einen Index m (Zahl) lässt sich für diese Folge ganz allgemein finden!
Ab welcher Zahl m diese Bedingung erfüllt ist, hängt natürlich von ε (= Epsilon) ab.
Beweis:
Gegeben sei ε > 0 . Gesucht ist eine Zahl m, so dass für alle n ≥ m gilt: an − 0 < ε .
1 1 1
Es ist an = und daher 0
−= < ε
n n n
Da alle Folgeglieder positiv sind, kann man auf die Betragsstriche verzichten. Es ist dann
1
< ε ⋅n
n
⇔ 1 < n⋅ε :ε
1
⇔ < n
ε
1
Ab n > – egal wie klein ε gewählt wird – weichen alle Folgeglieder um weniger als ε
ε
von Null ab.
1 1
Für unser Beispiel ergibt sich für ε =0,2 daher n > = = 5 , d.h. ab dem sechsten
ε 0,2
Folgeglied a6 weichen alle Folgeglieder um weniger als ε =0,2 von Null ab.
1 1
Für z.B. ε =0,003 muss n > = = 333,33... also größer/gleich m = 334 sein, d.h. ab
ε 0,2
dem 334igsten Folgeglied a334 weichen alle Folgeglieder um weniger als ε =0,003 von
Null ab.
Hinweis: Zur Überprüfung der Grenzwertbedingung ist es nicht nötig, ein konkretes m
anzugeben — erst recht nicht das kleinste (also „beste“) mögliche m. Es ist nur
zu zeigen, dass es eine solche Zahl gibt.
Zusammenfassung:
Eine etwas anschaulichere Definition des Grenzwertes gelingt mit Hilfe der sogenannten
ε-Umgebung von a:
Für eine reelle Zahl a und ε > 0 heißt das offene Intervall um a
Damit lässt sich der Grenzwert einer Folge wie folgt definieren:
Die mathematische Sprechweise „fast alle“ meint: „alle bis auf endlich viele“. Anschaulich
bedeutet das einfach nur, dass ich die Folgeglieder immer mehr dem Grenzwert a annähern.
Beispiel:
n
Bestimmen Sie den Grenzwert der Folge an = . Setzt man der Reihe nach n = 10 ,
n +1
n = 100 und n = 1000 ergeben sich die Folgeglieder zu
=a10 0,90909...
= ; a100 0,99...
= ; a1000 0,999...
Beweis:
Um zu ε > 0 eine Zahl m(ε) zu finden, rechnet man oft versuchsweise rückwärts, indem
man an − a < ε nach n auflöst und dann den Beweis vom Ergebnis her aufbaut.
n n n +1
a=
n −a −1 < ε ⇔ − <ε
n +1 n +1 n +1
n − (n + 1)
⇔ <ε
n +1
−1
⇔ <ε
n +1
1
⇔ <ε
n +1
1
⇔ n + 1<
ε
1
⇔ n< −1
ε
1
Wähle zu ε > 0 nun =
m − 1. Dann gilt:
ε
1
n>m ⇒ n> −1
ε
1
⇒ n + 1>
ε
1
⇒ <ε
n +1
n
⇒ −1 < ε
n +1
n
Damit ist bewiesen, dass lim =1
n→∞ n + 1
konvergiert genau dann gegen eine Zahl S, wenn q < 1 ist. Für die Summe S
der Reihe gilt:
1
S
= lim S= n a1 ⋅ (*)
n→∞ 1− q
Bemerkung:
In Formelsammlungen findet man auch häufig die Formeln
∞
q ∞
1
S = ∑ a1 ⋅ qn = a ⋅ und S = ∑ a0 ⋅ qm = a0 ⋅
n= 1 1− q m= 0 1− q
Diese Formeln erhält man aus (*) durch Multiplikation beider Seiten mit q bzw. durch Indexverschiebung mit
m= k − 1
Der griechische Philosoph ZENON von Elea (490 bis 439 v.u.Z.) behauptete, dass Achilleus
(latinisiert Achilles), der schnellste Läufer der Antike, eine Schildkröte, die einen gewissen
Vorsprung hat, niemals wird einholen können, egal wie schnell er läuft.
Seine Begründung: Immer dann, wenn ACHILLES dort ankommt, wo die Schildkröte zuvor
war, ist diese schon wieder an einem neuen Ort. Ihr Vorsprung verringert
sich zwar immer mehr, verschwindet aber nie.
Zahlenbeispiel:
Angenommen, die Schildkröte hat 2 Meter Vorsprung und Achilles ist doppelt so schnell als die
Schildkröte. Ist Achilles also 2 Meter gelaufen, ist die Schildkröte 1 Meter gelaufen. Läuft er 1 Meter
läuft die Schildkröte einen halben Meter weiter usw. Betrachtet man die Einzelstrecken, die Achilles
zurücklegt, so ergibt sich für deren Summe
1 1 1 1
Sn = 2 + 1 + + + + +
2 4 8 16
Diese Summe beschreibt eine unendliche geometrische Reihe mit a = 2 und q = 0,5 und hat den
Grenzwert S:
n −1
∞
1 ∞
1 1 1 1
S = ∑ a⋅q = ∑ 2⋅ n −1
= 2 + 1+ + + + +
= n 1= n 1 2 2 4 8 16
1 1 1 1
= 2 ⋅ (1 + + + + + )
2 4 8 16
1
= 2⋅ =4
1 − 0,5
Achilles wird die Schildkröte also nach 4 Metern eingeholt haben.
Obwohl hier unendliche viele Zahlen addiert werden, ist die Gesamtsumme endlich!
Das muss nicht immer sein!
n
9 9 9 ∞
1
0,999
=
10
+
100
+
1000
+ ... =
+ ∑ 9 ⋅ 10
n =1
9 1
Das ist eine unendliche geometrische Reihe mit a = und q = .
10 10
9 1 9 1 9 10
Folglich ist 0,999 = ⋅ = ⋅ = ⋅ = 1
10 1 10 9 10 9
1−
10 10
Bemerkung: Allgemein kann jede Zahl als Reihe dargestellt werden, z.B. lässt sich eine
Dezimalzahl mit einer Vorkommastelle und der Ziffernfolge (zn ) mit
(zn ∈ 0 ; 1; 2 ; ; 9) als Reihe darstellen:
z1 z z z ∞
z
z1,z 2 z3 z 4 z5 =
10 0
+ 21 + 32 + 44 + =
10 10 10
∑ 10nn−1
n= 1
2 7 1 8 2
z.B. die Eulersche Zahl e = 2,7182 = 0
+ 1 + 2 + 3 + 4 + oder
10 10 10 10 10
Hinweis: Die Basis 10 ist übrigens willkürlich. Jede ganze Zahl b ≥ 2 eignet sich als Basis für ein
Stellenwertsystem, z.B. das Dualsystem mit b = 2 oder das Sexagesimalsystem mit b = 60
Beschränktheit:
Definition 1: Eine Folge (an ) heißt nach oben beschränkt, wenn es für alle Werte der Folge
eine Zahl S gibt, für die gilt: an ≤ S
Definition 2: Eine Folge (an ) heißt nach unten beschränkt, wenn es für alle Werte der Folge
eine Zahl s gibt, für die gilt: an ≥ s
Definition 3: Eine Folge (an ) heißt beschränkt, wenn die Folge nach oben und nach unten
beschränkt ist.
1
Beispiel: Die Folge
= an n ∈ ist beschränkt, denn die Folgeglieder können nicht
n
größer eins sein und kleiner Null werden.
Monotonie:
Definition 1: Eine Folge (an ) heißt monoton wachsend, wenn für alle Werte der Folge gilt:
an+1 ≥ an
Definition 2: Eine Folge (an ) heißt monoton fallend, wenn für alle Werte der Folge gilt:
an+1 ≤ an
Definition 3: Wenn jedes Folgeglied echt größer (kleiner) als sein Vorgänger ist, so spricht
man von streng monoton wachsenden (fallenden) Folgen.
Gegeben seien zwei konvergente Folgen (an )n ∈ und (bn )n ∈ mit lim an = a und lim bn = b .
n →∞ n →∞
Satz 2: Für den Grenzwert der Summe der Folgen gilt: lim (an + bn )= lim an + lim bn
n→∞ n→∞ n→∞
Satz 3: Für den Grenzwert des Produktes Folgen gilt: lim (an ⋅ bn )= lim an ⋅ lim bn
n→∞ n→∞ n→∞
an lim an
lim
= n→∞
wenn bn ≠ 0 für alle n ∈
n→∞ b lim bn
n
n→∞
Die Regeln (2) bis (4) besagen, dass der Grenzwert einer Summe (Produkt/Quotient) von Folgen
gleich der Summe (Produkt/Quotient) der Grenzwerte der einzelnen Folgen ist.
Beispiele:
Frage: Mit welcher Zahl x muss die Basis b = 2 potenziert werden, um 8 zu erhalten?
Antwort: Mit x = 3, denn 23 = 2 ⋅ 2 ⋅ 2 = 8
oder
Frage: Mit welcher Zahl x muss die Basis b = 3 potenziert werden, um 81 zu erhalten?
Antwort: Mit x = 4, denn 34 = 3 ⋅ 3 ⋅ 3 ⋅ 3 = 81
Für einfache Gleichungen – so man noch das „Ein-mal-Eins“ beherrscht – ist es daher kein Problem,
x
solche Exponenten zu finden. Nicht mehr im Kopf zu rechnen ist natürlich beispielsweise 3 = 28 .
Um solche Gleichungen zu lösen, braucht man eine neue Rechenart, die logarithmieren genannt
und mit log abgekürzt wird.
x
Dafür lässt sich abkürzend schreiben: b =y
Beispiele:
(1) log3 81 bedeutet: Mit welcher Zahl x muss die Basis b = 3 potenziert werden, um 81
zu erhalten? Es ist also log3 81 = 4
(2) log2 1024 bedeutet: Mit welcher Zahl x muss die Basis b = 2 potenziert werden, um
1024 zu erhalten? Diese Zahl ist gleich 10, denn 210 = 1024 . Es
ist also log2 1024 = 10 .
3) loga (a) bedeutet: Mit welcher Zahl x muss die Basis a potenziert werden, um a zu
erhalten? Diese Zahl ist gleich 1, denn a1 = a , egal zu welcher
Basis. Es ist also loga (a) = 1
Definition: Logarithmus
Gegeben sind zwei positive Zahlen y und b (b ≠ 1). Dann versteht man
unter dem Logarithmus von y zur Basis b diejenige Zahl x, mit der man
b potenzieren muss, um y zu erhalten:
x
in Zeichen: x logb y
= ⇔ b= y
logb y bedeutet: Mit welcher Zahl x muss man die Basis b potenzieren, um y
zu erhalten
Besondere Basen:
Eine besondere Basis ist die Eulersche Zahl2:
e ≈ 2,7182818...
Warum sie so besonders ist, zeigt sich bei der Exponentialfunktion f(x) = e x . Diese
Funktion ist die einzige Funktion, deren Ableitung wieder die Ausgangsfunktion ergibt.
x
Es gilt daher e =y ⇔ x = ln y (= loge y)
Die Zahl e:
n
1
mathematisch exakt definiert ist die Zahl e als Grenzwert der Folge a=
n 1 + n für n → ∞:
n
1
lim 1 + =
e
n→∞ n
2 Leonard Euler (1707 – 1783), Schweizer Mathematiker und Physiker. Ob Euler, der sich sehr intensiv mit dieser Zahl
beschäftigt hat, sie auch mit „e“ abkürzte, ist nicht bekannt.
ausgewählte Folgeglieder:
n an
1
1 1
1 1 + 1 =2 =2
10
1 10
10 1 + 10 =
1,1 ≈ 2,5937
100
1 100
100 1 + 100 1,01
= ≈ 2,7048
1000
1 1000
1000 1 + 1000 1,001
= ≈ 2,7169
100.000
1 100.000
100.000 1 + 100.000 1,00001
= ≈ 2,71829
0 1
Wegen e = 1 und e = e gilt für den natürlichen Logarithmus
• ln(1) = 0
• ln(e) = 1
Logarithmengesetze:
Da für jede beliebige Basis b folgende Rechenregeln gelten, werden sie hier für den natürlichen
Logarithmus ln zur Basis e notiert:
u
2. ln=
ln(u) − ln(v)
v
n
3. ln(u )= n ⋅ ln(u)
n
1. Lösen Sie die Gleichung 1000 ⋅ 1,04 =
1800,9435
2
x 2
2. Lösen Sie die Gleichung 500 ⋅ e 500e
=
Lösung:
Definition: Exponentialfunktion
a ⋅ bx , a > 0 , b > 0 , b ≠ 1
f(x) =
Anwendung Exponentialfunktion:
x
Die Basis b der Exponentialfunktion f(x)= a ⋅ b wird in der Anwendung als Wachstumsfaktor
bezeichnet und mit dem Buchstaben q abgekürzt. Die Variable x wird mit t bezeichnet (t für
tempo = Zeit).
Die Funktionsgleichung
a ⋅ qt , a > 0, q ≠ 1
f(t) =
beschreibt daher ebenfalls exponentielles Wachstum. Der Unterschied besteht darin, dass die Folge
an= a ⋅ qn diskretes, die Funktion f(t)= a ⋅ b x dagegen stetiges Wachstum beschreibt.
Wachstumsfaktor q:
q= 1 + i
i heißt Wachstumsrate.
Anwendungen:
diskrete Verzinsung: K=
n K0 ⋅ qn
stetige Verzinsung: = K0 ⋅ e i ⋅ t
K(t)
(2) Monotonie:
wachsend für b > 1
f ist streng monoton
fallend, für 0 < b < 1
Skizze:
• Ist c < 0 , verschiebt sich der Graph um c Einheiten nach rechts, was einer
c
1
Stauchung des Graphen mit den Faktor bedeutet.
b
• Ist c > 0 , verschiebt sich der Graph um c Einheiten nach links, was einer
Streckung des Graphen mit dem Faktor bc bedeutet.
Im Prinzipiell verhalten sich alle Exponentialfunktionen gleich. Wie bei Wachstum üblich, wird
im Weiteren die Variable mit t bezeichnet. Es ist dann f(t)= a ⋅ bt gleich, wie man am Beispiel
f(t) = 2t und g(t) = 4t sieht. Exponentielles Wachstum ist und bleibt immer exponentielles
Wachstum, wenn die Basis b > 1 ist. Die Basis b entscheidet nur darüber, wie schnell die
Funktionswerte wachsen.
Skizze 1:
60000
50000
40000
30000
20000
10000
0
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18
2^t 4^t
4 = 2t ⇔ t = log2 4 = 2 , denn 22 = 4
2 )
(=
t
4t
= 2
22⋅t
Das bedeutet:
g(t) = 4t erreicht dieselben Funktionswerte wie f(t) = 2t ebenfalls exponentiell, nur 2-mal so
3 6
schnell. g(3)
= 4= 2= 64
= f(6)
In Skizze 2 sehen Sie die Funktionsgraphen der Funktionen f(t) = 2t (blaue Kurve) und
g(t) = 0,25 * 2t (rote Kurve). Wie man der Skizze entnehmen kann, sind beide Graphen identisch.
Der rote Graph ist nur nach rechts verschoben, d.h. die Werte der roten Kurve entsprechen 25%
der Werte der darüber liegenden blauen Kurve nur zu einem späteren Zeitpunkt.
Skizze 2:
2000
1600
1200
800
400
0
0 5 10 15
2^t 0,25*2^t
4 6
Zahlenbeispiel: f(4)
= 2= 16
= g(6)
= 0,25 * 2= 16
Das bedeutet:
g(t) 0,25 ⋅ 2t erreicht dieselben Funktionswerte wie f(t) = 2t ebenfalls exponentiell, nur
=
zeitversetzt um 2 Zeiteinheiten.
1 1 1 1
2t ⇔
= t=
log2 = −2
−2 , denn 2= =
4 4 22 4
1 t
⋅ 2 = 2−2 ⋅ 2t = 2t −2
4
= 2t
0,1 ⇔=t log2 0,1 ≈ −3,3 , denn 2−3,3 ≈ 0,1
0,1⋅ 2t ≈ 2−3,3 ⋅ 2t =
2t −3,3
Wie man an diesem Beispiel sieht, bewirkt ein Vorfaktor a zwischen 0 und 1 ( 0 < a < 1 ) eine
Verschiebung des Graphen der Funktion um log b a (hier: log 2 0,1) nach rechts.
weiteres Beispiel:
Und was hat das alles mit dem Corona-Virus (SARS-CoV-2) zu tun?
Siehe dazu das sehr lehrreiche Video von Prof. Dr. Edmund Weitz, Prof. für Mathematik
und Informatik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der Hochschule
Hamburg (HAW Hamburg)
1
• 1% =
100
p
p%
•= = i
100
p
• p % von K bedeutet K • , z.B.: 19% von K bedeutet: 0,19 ⋅ K
100
Partei X hat bei der letzten Wahl ihren Stimmenanteil um sage und schreibe
60%
steigern können.
steigern konnte, damit aber beispielsweise gar nicht in den Deutschen Bundestag
gekommen wäre? Es könnte natürlich auch sein, dass die Partei ihren Stimmenanteil
steigern konnte und damit die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag erreicht
hätte.
Bei Prozentangaben müssen Sie immer sofort nach der Basis bzw. der Bezugsgröße
fragen.
Hinweis: Wie man an den Beispielen sieht, führen bei einer kleinen Basis kleine absolute
Veränderungen sehr schnell zu großen prozentualen Veränderungen.
Wenn z.B. 5 von 20 Studierenden grüne Haare haben, dann sind das
5 1
=
20 4
der Studierenden. Ein Viertel von 100 sind 25. Folglich haben 25% der Studierenden
grüne Haare.
Beispiel 1: Der Preis einer Ware A wird zunächst um 10 % erhöht und kurze Zeit später
nochmals um 10 %. Um wieviel Prozent hat sich der Preis der Ware insgesamt
erhöht?
Lösung:
Beispiel 2: Der Preis einer Ware A wird zunächst um 20 % erhöht und kurze Zeit später
um 20 % verringert. Ist die Ware jetzt wieder genauso teuer wie vor der
Preiserhöhung?
Lösung:
Beispiel 4: Mehrwertsteuer
2007 wurde die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% erhöht. Um wieviel % wurden die
Produkte teurer?
Lösung:
Beispiel 5: Rabattveränderung
Ein Geschäft gibt zunächst 50% Rabatt auf seine Produkte, senkt diesen Rabatt
danach aber auf 40%. Welche Auswirkung hat diese Rabattveränderung auf den
Preis?
Lösung:
Beim stetigen Wachstum wird die Zeit t als stetige Variable (t ∈ ) betrachtet. Das bedeutet,
dass in jedem Moment etwas hinzukommt (Beispiel: stetige Verzinsung).
y t −1 ⋅ w t =
yt
yt
(1) Wachstumsfaktor w t : wt =
yt −1
Die absolute Änderung zwischen dem Zeitreihenwert y t und seinem Vorgängerwert y t −1 ist
deren Differenz ∆y = y t − y t −1 . Daraus ergeben sich für die Wachstumsrate:
(2) Wachstumsrate rt : yt − yt −1 yt
(Zuwachsrate)
rt = = − 1= w t − 1
yt −1 yt −1
w t= 1 + rt
(3)
rt
= wt − 1
Beispiel: Eine Aktie hat heute einen Wert von 110 € und morgen einen Wert von 99 €. Um
wieviel % ist der Wert der Aktie gefallen?
yt 99
Wachstumsfaktor:=
wt = = 0,9
y t −1 110
Wachstumsrate rt in % =
w t ⋅ 100 − 100 =⋅
0,9 100 − 100 =
−10%
13% Zunahme wt =
1 + 0,13 =
1,13
Hinweise:
• Wachstumsfaktoren sind immer positive Werte. Wachstumsraten dagegen können
positive und negative Werte annehmen.
• Wie man sieht, sind die Wachstumsfaktoren größer als 1, falls positives Wachstum
vorliegt, bei negativem Wachstum dagegen ist der Wachstumsfaktor eine Zahl
zwischen Null und Eins.
• Ist beim Wachstumsfaktor die Zahl vor dem Komma Eins oder größer, dann hat man
positives Wachstum, ist beim Wachstumsfaktor die Zahl vor dem Komma gleich Null,
dann hat man negatives Wachstum.
• Steht eine Eins vor dem Komma – aber nur dann – kann man die Wachstumsrate direkt
an den Nachkommazahlen erkennen. Ein Wachstumsfaktor von beispielsweise
w t = 1,1347 bedeutet eine Wachstumsrate rt von rt = 13,47%
• Steht eine Null vor dem Komma, ergibt sich die negative Wachstumsrate durch
Ergänzung des Faktors zu 1. Ein Wachstumsfaktor von beispielsweise w t = 0,875
bedeutet eine Wachstumsrate rt von rt = −12,5% .
• In der Praxis werden Wachstumsraten meist in Prozent angegeben. Dazu muss die
Rate rt mit 100 multipliziert werden.
• Sei pt die mit 100 multiplizierte Wachstumsrate (=
pt 100 ⋅ rt ).
pt
Dann gilt: w t = 1+
100
• Wachstumsraten sind immer Wachstumsraten je Zeiteinheit, also z. B. Wachstums-
raten pro Jahr, pro Monat. Ohne Angabe dieser Zeiteinheit macht die Angabe einer
Wachstumsrate keinen Sinn. Meistens wird als Zeiteinheit ein Jahr genommen. Man
spricht dann von einer jährlichen Wachstumsrate.
Bemerkung:
Werden zwei gleichartige, aber zeitlich oder räumlich unterschiedliche Größen ins Verhältnis
gesetzt, spricht man in der Statistik statt von einem Wachstumsfaktor allgemein von einer
Messzahl.
Eine Messzahl gibt an, um das wievielfache die Größe im Zähler kleiner/größer ist als die
Größe im Nenner.
Definition Messzahl:
Wert derBerichtszeit yt
=m0t = ; y0 ≠ 0
Wert der Basiszeit y0
Messzahlen werden meist zur Beschreibung der zeitlichen Entwicklung eines Merkmals wie
Preis, Umsatz etc. benutzt. Ausgangspunkt ist dabei eine sogenannte Zeitreihe.
Zeitreihe: Eine Zeitreihe ist eine zeitlich geordnete Folge von Beobachtungswerten eines
Merkmals Y, die zu verschiedenen Zeitpunkten erhoben wurden.
Die Werte der Zeitreihe werden mit y t bezeichnet.
Zeitreihe: ( y0 , y1 , y2 , , yT )
Beispiel: Nachstehende Tabelle zeigt die Benzinpreise (in Cent) an vier aufeinander-
folgender Tage an einer Tankstelle.
Tag t 0 1 2 3
Preis y t 100 130 182 327,6
yt
(4) r0t
= −1
y0
Sind nur die einzelnen Wachstumsraten ( r1 , r2 , r3 , , rT ) gegeben, lässt sich mit Hilfe des
Gesamtwachstumsfaktors w 0t die Gesamtwachstumsrate r0t auch aus den T verschie-
denen Wachstumsfaktoren ( w1 , w 2 , , w T ) berechnen:
(4‘) r0t
= w1 ⋅ w 2 ⋅ w 3 ⋅ ⋅ ⋅ w T − 1
Man kann also eine Gesamtwachstumsrate berechnen, indem man das Produkt aus allen
Wachstumsfaktoren w t = 1 + rt bildet und davon Eins subtrahiert.
Konstante Wachstumsrate
Sind alle Wachstumsraten konstant gleich r ( rt = r für alle t = 0 , 1, 2 , , T ) gilt für die
Gesamtwachstumsrate:
r0t = (1 + r) ⋅ (1 + r) ⋅ (1 + r) ⋅ ⋅ ⋅ (1 + r) − 1 = (1 + r)t − 1
kurz: r=
0t wt − 1
Eine konstante Wachstumsrate über mehrere Perioden ist also nicht die Summe der
einzelnen Wachstumsraten, sondern das Produkt der einzelnen Wachstumsfaktoren
minus 1!
Beispiel 1:
Wächst z.B. ein Kapital, ausgehend von einem Anfangswert von 100 € um konstant 10% pro
Jahr, dann ist es nach zwei Jahren nicht um 20%, sondern um 21% gestiegen. Im ersten Jahr
um 10% von 100€, also auf 110 € und im zweiten Jahr um 10% von 110€, also um 11€ auf
121€. In zwei Jahren ist das Kapital von 100€ auf 121 € gestiegen, also um (1 + 0,1)2 − 1 =0,21,
d.h. 21 %.
Beispiel 2:
Ein Monatszins von 2% entspricht nicht einer Jährlichen Verzinsung von 24%, sondern ergibt
einen Jahreszins von etwa 26,8% (1 + 0,02)12 − 1 ≈ 0,268) .
y=
t y0 ⋅ w n
yt
(5) durchschnittlicher Wachstumsfaktor w : w=n
y0
Der durchschnittliche Wachstumsfaktor lässt sich auch aus den n gegebenen Wachs-
tumsfaktoren ( w1 , w 2 , , w n ) berechnen. Es ist dann
n
(5‘) durchschnittliche Wachstumsfaktor w : w
= w1 ⋅ w 2 ⋅ ⋅ wn
Aus dem durchschnittlichen Wachstumsfaktor lässt sich dann wieder die durchschnittliche
Wachstumsrate r berechnen mit Hilfe der Formel
Geometrisches Mittel xgeo : xgeo = n-te Wurzel aus dem Produkt von n Zahlen x1 , x 2 ,, xn
n
= x1 ⋅ x 2 xn
wichtiger Hinweis:
Ein häufig gemachter Fehler bei der Berechnung durchschnittlicher Wachstumsraten ist
die Verwendung des arithmetischen Mittels zu deren Berechnung. Warum das
arithmetische Mittel nicht anwendbar ist, zeigt folgendes Beispiel:
Würde man jetzt die durchschnittliche Wachstumsrate mit Hilfe des arithmetischen Mittels
aus den Wachstumsraten berechnen, würde sich
0 + 150 + ( −60) 90
= = + 30 %
3 3
3 3
Mit dem geometrischen Mittel ergibt sich dagegen w = 1⋅ 2,5 ⋅ 0,4 = 1 = 1, was
einer Wachstumsrate von 0 % entspricht.
Beispiel:
a) Eine Aktie hatte 2014 einen Wert von 250 € und 2018 einen Wert von 400 €. Wie groß
war die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate?
b) Sie erhalten innerhalb von 5 Jahren Lohnerhöhungen von 11%, 5% und 3%. Wie groß
ist Ihre durchschnittliche Lohnerhöhung?
Lösung:
Beispiel:
Steigt der Stimmenanteil einer Partei von 5% auf 8%, dann haben Sie eine Steigerung
von 3 Prozentpunkten aber eine Steigerung von 60 Prozent!
In der Finanzmathematik hat man es meist mit konstanten Wachstumsraten zu tun, d.h. es
pt p
ist rt = r für alle t = 0 , 1, 2 , , T . Für w t = 1 + ergibt sich dann w = 1 + . Setzt
100 100
p n
man w = q und = i , dann ergibt sich die bekannte „Zinseszins-Formel“ K= n K0 ⋅ q
100
mit dem Wachstumsfaktor q= 1 + i für die diskrete exponentielle Verzinsung (genaueres
dazu: Kapitel III).
Rechenbeispiel:
Über sechs Jahre wurden die Umsatzzahlen zweier Unternehmen A und B ermittelt. Nachstehende
Tabelle zeigt das Ergebnis:
Umsatz in Tsd. € Messzahlen (in %)
Jahr Periode A B A B
2013 0 50 120 100 100
2014 1 60 132 120 110
2015 2 46 144
2016 3 74 150 148 125
2017 4 68 156 136 130
2018 5 70 162 140 135
a) Beurteilen Sie für das Jahr 2015 die Umsatzentwicklung beider Unternehmen zum Basisjahr
2013. Berechnen Sie dazu eine Messzahl und interpretieren Sie Ihr Ergebnis.
b) Geben Sie für das Unternehmen A für das Jahr 2017 das Umsatzwachstum in Prozent und in
Prozentpunkten zum Basisjahr 2013 an.
c) Geben Sie bezüglich Unternehmen A die durchschnittliche Umsatzänderung an.
Lösung Rechenbeispiel:
Zum Selbststudium:
Beispiel:
An fünf Tagen wurden an einer Tankstelle folgende Benzinpreise (in Cent)
beobachtet:
Tag Preis in Cent
1 128
2 130
3 135
4 134
5 134
Setzt man die Preise der einzelnen Tage zu einander ins Verhältnis, erhält man
den Wachstumsfaktor q:
130
=q = 1,015625 ≈ 1,0156
128
135
=q = 1,03846 ≈ 1,0385
130
Die Preissteigerungen von Tag zu Tag sind – wie man sieht – nicht konstant.
Deshalb ist die Folge der Preise keine geometrische Folge.
Es lässt sich aber sinnvoll eine geometrische Folge definieren, indem man eine
durchschnittliche Zuwachsrate berechnet.
durchschnittliche Zuwachsrate:
128 ⋅ q5 =
134
128 ⋅ q5 =
134
134
=q 5= 1,009204 ≈ 1,0092
128
i = 0,92 %
Zins:
Der Zins ist der Preis, den man dafür bezahlen muss, dass man von einem anderen
Geld geliehen bekommt.
Zinssatz p:
Der Zinssatz wird in Prozent ausgedrückt und meist mit p bezeichnet. Er gibt den
Prozentsatz vom überlassenen Kapital an, der als Zins zu entrichten ist.
Zinsrate i:
Bei Berechnungen wird statt des Zinssatzes p die Zinsrate i verwendet. Zwischen dem
Zinssatz p und der Zinsrate i besteht folgender Zusammenhang:
p
i =
100
Beispiel:
Ein Zinssatz von p = 2,75 % bedeutet, dass von jeweils 100 € des überlassenen
Kapitals 2,75 € als Zins zu bezahlen sind.
2,75
Die entsprechende Zinsrate
= i = 0,0275 gibt an, was für jeweils 1 € Kapital
100
an Zins zu zahlen sind.
Achtung: Ist ein Zinssatz von z.B. 3% gegeben, dann ist p = 3 und nicht p = 3 % ,
d.h. für die Rate i gilt:
p 3 3%
=i = = 0,03 und nicht i =
100 100 100
3%
denn das ergäbe = 0,0003 .
100
Zinsperiode:
Die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgender Zinszuschlagstermine wird
Zinsperiode genannt.
Man unterscheidet:
jährliche Verzinsung: Zinsperiode ist das Jahr.
Modellannahme:
Bei allen weiteren Ausführungen wird – wenn keine andere Zinsperiode
angegeben wird – stets von einem Jahr als Zinsperiode ausgegangen.
Notation:
K0 Anfangskapital
p = Zinssatz
p
i = Zinsrate i =
100
q = Wachstumsfaktor ( q = 1 + i )
Zn =i ⋅ n ⋅ K 0
Kn= K0 + Zn= K0 + i ⋅ n ⋅ K0
Durch Ausklammern von K 0 ergibt sich die Grundformel der linearen Verzinsung:
Kn = (1 + i ⋅ n) ⋅ K0 ; n∈
Dies ist eine Gleichung mit den Unbekannten K0 , Kn , Zinssatz i und Laufzeit n. Sind drei
der vier Unbekannten gegeben, dann lässt sich die vierte Unbekannte durch Umstellen der
Gleichung nach der gesuchten Variablen berechnen.
Hinweis: Stellt man die Entwicklung des Endkapitals in Abhängigkeit von der Laufzeit graphisch
dar, so erhält man – bei einfacher Verzinsung – eine lineare Funktion.
Barwert:
K 0 wird auch Barwert genannt. Der Barwert gibt den heutigen Wert einer zukünftigen
Zahlung bei vorgegebenem Zinssatz an.
Durch Auflösen der Formel K n = (1 + i ⋅ n) ⋅ K 0 nach K 0 erhält man für den Barwert die Formel
Kn
Barwert: K0 =
(1 + i ⋅ n)
Beispiel:
Wie lange muss ein Kapital von 1000 € bei einfacher Verzinsung zu 25% angelegt
werden, damit sich ein Endkapital von 1100 € ergibt?
Lösung:
Hier muss die Gleichung K n = (1 + i ⋅ n) ⋅ K 0 nach n aufgelöst werden:
⇔ 1,1 1 0,25 ⋅ n
=+ ( −1)
⇔ n 0,4 Jahre
=
Geht man von 360 Zinstagen im Jahr aus, muss das Kapital daher 0,4 ⋅ 360 =
144 Tage
angelegt werden.
K n = (1 + i ⋅ n) ⋅ K 0
gilt auch für nichtganzzahlige Laufzeiten, wenn also n keine natürliche Zahl ist,
beispielsweise, wenn ein Kapital 4 Jahre und 3 Monate linear verzinst wird.
Beispiel:
100 € werden jährlich mit 3% verzinst (ohne Zinseszins). Wie viel Geld liegt nach
a) 4 Jahren,
b) 4 Jahren und 3 Monaten
auf dem Konto?
Lösung:
a) Es ist n = 4 , i = 0,03 also K 4= (1 + i ⋅ n) ⋅ K 0
Die lineare Verzinsung ist vor allem bei unterjähriger Verzinsung von Bedeutung, wenn
also die Zinsperiode ein Teil des Jahres ist.
1 Monat = 30 Zinstage
1 Quartal = 90 Zinstage
1 Halbjahr = 180 Zinstage
1 Jahr = 360 Zinstage
Ausgangspunkt der linearen Verzinsung ist die Laufzeit in Jahren. Berechnungsformel der
Zinsen bei
M
• monatliche Laufzeit: ZM =
i⋅ ⋅ K0 , M = Anzahl Zinsmonate
12
t
• tägliche Laufzeit: Zt =
i⋅ ⋅ K0 , t = Anzahl Zinstage
360
M
KM = (1 + i ⋅ ) ⋅ K0
12
t
K t = (1 + i ⋅ ) ⋅ K0
360
Beispiel 1:
Auf einem Sparbuch befinden sich zu Jahresbeginn 600 €. Der Zinssatz betrage 3%.
Wie viel Zinsen (in €) erhält man, wenn man das Geld
a) nach einem dreiviertel Jahr
b) nach 257 Tagen
abhebt?
Lösung:
Beispiel 2:
Ein am 11. März eines Jahres eingezahlter Betrag von 3000 € wird am 16. August
desselben Jahres wieder abgehoben. Wie viel Zinsen erbringt er bei einer jährlichen
Verzinsung von 5%?
Lösung:
anders gefragt:
Verallgemeinerung:
i
vorschüssig: R vor = r ⋅ m + ⋅ (m + 1) mit m = Anzahl der Raten pro Jahr
2
i
nachschüssig: Rnach = r ⋅ m + ⋅ (m − 1) mit m = Anzahl der Raten pro Jahr
2
IV exponentielle Zinsrechnung:
4.1 jährliche Verzinsung (einmalige Einzahlung, diskret, Laufzeit n ganzzahlig)
Bei der exponentiellen Verzinsung werden – im Gegensatz zur linearen Verzinsung – die
am Ende einer Zinsperiode (z.B. nach einem Monat oder einem Jahr) angefallenen Zinsen wieder
mitverzinst. Der Zinsbetrag ist daher nicht konstant.
Für den Zinsbetrag Zn , der am Ende der n-ten Periode dem Kapital zugeschlagen wird
und damit am Ende der nächsten Zinsperiode wieder mitverzinst wird, gilt:
Z n Kn − 1 ⋅ i
=
Beispiel:
Ein Anfangskapital von 1000 € wird zu einem Jahreszinssatz von 10 % exponentiell
verzinst. Dann ergeben sich der Reihe nach folgende Zinszuschläge:
Startkapital: K 0 = 1000
Zins nach einem Jahr: Z1= K 0 ⋅ =i 1000 ⋅ 0,1= 100
Kapital nach einem Jahr: K1 = 1100
Die Zinsen im dritten Jahr betragen 10% von 1210 = 121, im vierten Jahr 133,1 usw.
Es handelt sich hier um eine geometrische Folge, denn die Division zweier aufeinander
folgender Folgeglieder ergibt immer q = 1,1.
Das jeweilige Endkapital K n bei exponentieller Verzinsung berechnet sich nach der
Formel:
n n
K=
n K 0 ⋅ q bzw. Kn = K 0 ⋅ (1 + i)
mit K 0 Anfangskapital
Kn Kapital am Ende der n-ten Zinsperioden (Endkapital)
i Jahreszinsrate
q Aufzinsungsfaktor (q = 1 + i)
n Anzahl der Zinsperioden (Laufzeit)
K n = K 0 ⋅ qn
Abzinsung / Barwertbestimmung:
Die Abzinsung (Abzinsung) beantwortet die Frage, welcher Wert eine in n – Jahren
fällige Zahlung heute hat, also z.B. wie viel 10.000 €, die man in 5 Jahren erhält, heute
wert sind, wenn man einen Zinssatz von z.B. 1% unterstellt?
Man bezeichnet den auf den Zeitpunkt Null abgezinsten Endwert als Barwert (oder
Gegenwartswert) einer zukünftigen Zahlung. Der dabei unterstellte Zinssatz wird als
Kalkulationszinssatz bezeichnet.
Abzinsungsformel:
Die Abzinsungsformel ergibt sich durch Auflösen der Grundformel nach K 0 zu
n
Kn 1 1
K 0 = n = n ⋅ K n = ⋅ K n
q q q
n
1
Hinweis: Der Faktor heißt Abzinsungsfaktor
q
Beispiel:
Sie gewinnen in einem Preisausschreiben einen Betrag von 10.000 €, der Ihnen in fünf
Jahren ausbezahlt wird. Sie benötigen das Geld aber – warum auch immer – sofort
und wollen daher eine sofortige einmalige Zahlung.
Wie hoch wird diese einmalige Zahlung sein, wenn man einen Kalkulationszinssatz
von 1% annimmt?
Lösung: Kn 10.000
K0
= =n 5
≈ 9514,66 €
q 1,01
Begründung:
Würden Sie heute 9514,66 € zu einem Zinssatz von 1% fünf Jahre anlegen, würden Sie nach
5 5
fünf Jahren K 5 = K 0 ⋅ q = 9514,66 ⋅ 1,01 = 10.000 € erhalten.
Beispiel:
Ein Investor soll in ein Projekt eine Summe von 100.000 Euro investieren. Versprochen
wird ihm, dass er ein Jahr später eine erste Zahlung in Höhe von 40.000 € erhält, im
darauffolgenden Jahr wieder 40.000 € und im dritten Jahr nach seiner Investition
nochmals 40.000 €. Danach ist das Projekt beendet.
Lohnt sich die Investition für den Investor? Der Kalkulationszinssatz sei 5%.
Lösung:
Für die Berechnung des Barwerts der Zahlungsreihe wird jede der drei Zahlungen
entsprechend abgezinst und die jeweiligen Barwerte dann addiert:
1 1 1
40.000 ⋅ + 40.000 ⋅ + 40.000 ⋅
1,05 1,052 1,053
≈ 108.929 €
Alternative Lösung:
Häufig wählt man als Zeitpunkt, auch Bezugspunkt genannt, den Zeitpunkt 0, d.h. von allen
Zahlungen wird der Barwert berechnet. Es ist aber auch jeder andere Bezugspunkt für die
Auf- oder Abzinsung wählbar.
Der dabei verwendete Zinssatz i wird Kalkulationszinssatz oder bei Äquivalenz effektiver
Zinssatz genannt.
Hinweis: Um die Äquivalenz zweier Zahlungen zu überprüfen, genügt es, beide Zahlungen
auf einen beliebigen, aber gemeinsamen Stichtag auf- oder abzuzinsen.
Beispiel:
Sind die beiden Zahlungen K = 1500 € , fällig am 01.01.2019 und K * = 1996,50 € ,
fällig am 01.01.2022 bei einem Jahreszinssatz von 10% äquivalent?
Lösung:
Zinst man beide Zahlungen auf den gemeinsamen Zeitpunkt 01.01.2025 auf, dann
ergibt sich für die erste Zahlung K 25 = K 0 ⋅ qn = 1500 ⋅ 1,16 = 2657,3415 . Für die zweite
Zahlung ergibt sich K * 25 = K 0 ⋅ qn = 1996,5 ⋅ 1,13 = 2657,3415 .
Hinweis: Man hätte natürlich auch einen anderen Bezugspunkt wählen können, z.B. den
01.01.2020. Dann hätte man die erste Zahlung einmal aufzinsen, die zweite
Zahlung dagegen zweimal abzinsen müssen.
Die bisherigen Formeln der exponentiellen Verzinsung bezogen sich immer auf eine
jährliche Verzinsung zum Jahreszinssatz i. Es ist natürlich auch möglich, bei gegebenem
Jahreszinssatz i nicht nur jährlich, sondern auch z.B. monatlich oder wöchentlich usw. zu
verzinsen, d.h. der Jahreszins i muss dann auf die jeweiligen Jahresteilabschnitte aufgeteilt
werden.
Beispiele:
Grundformel: n⋅m
i
Kn = K 0 ⋅ 1 +
m
n⋅m n⋅1
i i
Kn = K 0 ⋅ 1 + = K0 ⋅ 1 + = K0 ⋅ ( 1 + i )n
m 1
n⋅m n ⋅ 12
i i
Kn = K 0 ⋅ 1 + = K0 ⋅ 1 +
m 12
Einführungsbeispiel:
Ein Kapital von 100 € wird zu einem (nominalen) Jahreszins von z.B. i = 6% verzinst.
Die Bank bietet an, dass die Zinszuschläge nicht jährlich, sondern am Ende eines
Quartals, also unterjährig erfolgen. Welches Endkapital ergibt sich nach einem Jahr?
Lösung:
Hier muss der Jahreszinssatz i zunächst proportional auf die Quartale umgerechnet
werden. 6% Jahreszins entspricht daher einem Quartalszinssatz von 1,5% (das Jahr hat
4 Quartale).
Am Ende des 1. Quartals ergibt sich ein Endkapital von
1
K 1= (1 + i ⋅ n) ⋅ K 0 = (1 + i ⋅ ) ⋅ 100
4
4
(1 + 0,015) ⋅ 100
=
= 101,50 €
Nun wird dieses Kapital mitverzinst und zwar nach jedem Quartal. Man erhält so eine
exponentielle Verzinsung mit dem Zinsfaktor q = 1,015 .
Besteht das Zinsjahr aus m gleichlangen unterjährigen Zinsperioden und erfolgt der
1
Zinszuschlag nach je Jahr , so besteht zwischen relativem Zinssatz irel und
m
nominellem Jahreszinssatz i = inom die Beziehung
inom
irel = bzw. inom= m ⋅ irel
m
100 € wurden zu einem nominellen Jahreszins von 6% vierteljährlich verzinst. Nach einem
Jahr ergab sich dadurch ein Endkapital von
Antwort:
Effektiv wird ein höherer Zins zugeschlagen als die angegebenen jährlichen Zinsen
von 6 %, nämlich ungefähr 6,136%! Dieser Zinssatz wird daher effektiver Zinssatz
genannt.
Beispiel:
Auf welchen Betrag wächst bei einer Laufzeit von n = 10 Jahren und einem nominellen
Jahreszins von 6% eine Schuld von z.B. 10.000 €, wenn quartalsweise verzinst wird?
Lösung:
0,06
irel
Mit n = 10 Jahren, m = 4 Quartale und inom = 6% bzw.= = 0,015 ergibt sich
4
bei quartalsweiser Verzinsung eine Schuld von
n⋅m 10 ⋅ 4
i 0,06
K10 = K0 ⋅ 1 + = 10.000 ⋅ 1 + ≈ 18 140,18 €
m 4
Hinweis: Hätte man die Schuld zum nominellen Jahreszinssatz von 6% bei jährlichem Zinszu-
schlag verzinst, ergäbe sich ein Betrag von
Damit sich aus gleichen Anfangswerten gleiche Endwerte ergeben, muss zwischen
nominellem Jahreszinssatz und unterjährigem Zinssatz folgende Beziehung gelten:
(1 + i rel )m =
1 + i nom
Wird auf diese Weise Äquivalenz zwischen jährlicher und unterjähriger Verzinsung
hergestellt, bezeichnet man den nominellen Jahreszins und unterjährigen Zins mit eigenen
Begriffen.
Der effektive Zinssatz i eff ist derjenige Zinssatz pro Jahr, der zum selben Endkapital
führt, wie die m-malige unterjährige Verzinsung mit dem relativen Zinssatz irel .
Der effektive Jahreszinssatz gibt an, wie hoch die Jahresverzinsung sein muss, damit
das mit diesem Zinssatz berechnete Endkapital mit jenem übereinstimmt, welches sich
aus der unterjährigen Verzinsung mit dem relativen Zins ergibt.
Salopp gesagt:
i eff ist der Zinssatz, bei dem es egal ist, ob unterjährig oder jährlich
exponentiell verzinst wird.
In Formeln: Wie groß muss i eff sein, so dass gilt: K 0 ⋅ (1 + ieff ) = K 0 ⋅ (1 + irel )m
Daher besteht zwischen dem effektiven Jahreszins und dem relativen Zinssatz folgende
Beziehung:
(1 + i rel )m =
1 + i eff ⇔ (1 + i rel )m − 1
i eff =
Der konforme Zinssatz i kon ist derjenige relative (unterjährige) Zinssatz, der zum selben
Endkapital führt, wie die jährliche Verzinsung mit dem nominelle Jahreszinssatz inom ,
also mit einer vorgegebenen (nominellen) Verzinsung konform geht.
i kon =
m 1+ i
nom − 1
i kon =m 1 + i eff − 1
Beispiel 1:
Bei vierteljährlicher Verzinsung zu 1,5% pro Quartal ergibt sich der (zur Äquivalenz der
Endwerte führende) effektive Jahreszins zu i eff = 6,136% .
Somit ist der relative Zins von 1,5% konform zum effektiven Jahreszins von 6,136% und
relativ zum nominellen Jahreszins von 6%.
b) Umgekehrt:
Ist ein effektiver Jahreszins von i eff = 6,136% vorgegeben, ergibt sich ein konformer
relativer Zins von i kon = m 1 + i eff − 1= 4 1 + 0,06136 − 1 = 0,015 , also 1,5%.
Der daraus resultierende Jahreszins ergibt sich durch Multiplikation mit 4 zu 6% und ist
der zum konformen relativen Zinssatz nominelle Jahreszins.
Beispiel 2:
Bestimmen Sie den nominellen Jahreszins, wenn eine Effektivverzinsung von 2% erreicht
werden soll und quartalsweise verzinst wird.
Lösung:
Der zum effektiven Zinssatz von 2% konforme (relativen) Zinssatz beträgt bei quartals-
weiser Verzinsung (m = 4)
Damit ergibt sich der nominelle Jahreszins durch Multiplikation mit vier (4 Quartale!) zu
i nom = 1,9852%
0,019852 4
Probe: i eff = (1 + i rel )m − 1 = (1 + ) − 1 = 0,02
4
Beispiel 3:
Bestimmen Sie zu einem nominellen Zinssatz von 3% den effektiven Zinssatz, wenn
monatlich verzinst wird.
Lösung:
Der zum nominellen Zinssatz von 3% relativen Zinssatz beträgt bei monatlicher
Verzinsung (m = 12)
inom 0,03
irel
= = = 0,0025
m 12
100€ monatlich verzinst mit 0,0025 ergibt nach 12 Monaten ebenfalls 103,04 €
n⋅m
i
K1 = K 0 ⋅ 1 + = 100 ⋅ ( 1 + 0,0025 ) 12 ≈ 103,04 €
m
Beispiel 4:
Sie erhalten folgende Angebote zur Anlage eines Kapitals:
Lösung:
Zur Beantwortung dieser Frage wird für jedes Angebot die Effektivverzinsung berechnet:
Angebot 1: Der zum nominellen Zinssatz von 2% gehörende relativen Zinssatz beträgt
i 0,02
bei quartalsweiser Verzinsung= irel nom= = 0,005 und führt damit zu
m 4
einem effektive Zinssatz von i eff = (1 + i rel ) − 1 = (1 + 0,005)4 − 1 ≈ 0,02015 ,
m
also 2,015%.
Angebot 2: Der relative Zinssatz von 0,2% pro Monat führt zu einem effektive Zinssatz
von i eff = (1 + i rel )m − 1 = (1 + 0,002)12 − 1 ≈ 0,0243 , also 2,43%
gemischte Verzinsung:
wenn lineare und exponentielle Verzinsung gleichzeitig angewandt
werden, spricht man von gemischter Verzinsung.
Gemischte Verzinsung wird in der Bankenpraxis dann angewandt, wenn die Laufzeit n
keine natürliche Zahl ist, wenn also ein Kapital beispielsweise
n1 ist die unterjährige Laufzeit vor Beginn eines vollen Jahres und
wird linear verzinst.
n3 ist die unterjährige Laufzeit nach Ende eines vollen Jahres und
wird linear verzinst.
Kn = K0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2 ⋅ (1 + n3 ⋅ i)
Hinweis: Hat man nur eine unterjährige Laufzeit, vereinfacht sich obige Formel zu:
Kn = K0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2
Beispiel 1:
Sie legen 400 € für 4 Jahre und 6 Monate auf ein Sparbuch, das zu 10% p.a. verzinst
wird. Wie hoch ist das Endkapital?
Lösung:
Hier ist n = 4,5 Jahre , also nichtganzzahlig.
Mit n 1 = 0,5 (6 Monate = 0,5 Jahre !) und n 2 = 4 ergibt sich das Endkapital zu
Kn = K 0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2
= 400 ⋅ (1 + 0,5 ⋅ 0,1) ⋅ 1,14
= 614,92 €
Hinweis: Hätte man die Gesamtlaufzeit n = 4,5 Jahre direkt in die Zinseszinsformel
eingesetzt, ergäbe sich K n = K 0 ⋅ (1 + i)n2 = 400 ⋅ 1,14,5 = 614,22 € .
Beispiel 2:
Ein Betrag von 5000 € wird vom 31.05.2016 bis zum 31.03.2019 verzinst. Der
Jahreszins betrage 2%. Wie hoch ist der Endwert, wenn gemischt verzinst wird?
Lösung:
7
Vom 31.05.2016 bis 31.12.2016 sind es 7 Monate, also n 1 = Jahre.
12
3
Vom 01.01.2019 bis 31.03.2019 sind es 3 Monate, also n 3 = Jahre.
12
Kn = K 0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2 ⋅ (1 + n3 ⋅ i)
7 3
= 5000 ⋅ (1 + ⋅ 0,02) ⋅ (1 + 0,02)2 ⋅ (1 + ⋅ 0,02)
12 12
≈ 5289 €
Lösung:
Hier muss die Gleichung
K n = K 0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2
⇔ K 0 ⋅ (1 + n1 ⋅ i) ⋅ (1 + i)n2 − K n =
0
gelöst werden. Für das Beispiel ergibt sich 100 ⋅ (1 + 0,25 ⋅ i) ⋅ (1 + i)4 − 150 =
0
Mathematisch ausgedrückt:
Bei stetiger Verzinsung wächst die Anzahl m der Zinsperioden über alle Grenzen, geht
also gegen unendlich.
Der Kontostand K(t) kann daher bei stetiger Verzinsung zu jedem Zeitpunkt t berechnet
werden mit der Formel;
Grundformel: = K0 ⋅ e i ⋅ t oder B ( t ) = B 0 ⋅ e i ⋅ t
K(t)
diskret: n⋅m
i
Kn = K 0 ⋅ 1 +
m
stetig: = K0 ⋅ e i ⋅ t
K(t)
Konvention:
Wird in einer Aufgabe nichts über die Art der Verzinsung gesagt, wird immer
diskrete jährliche Verzinsung als Modellannahme vorausgesetzt!
Ist die Laufzeit kleiner als ein Jahr muss linear verzinst werden.
Ist die Laufzeit größer als ein Jahr, aber nicht ganzzahlig, dann muss gemischt
verzinst werden.
Lösung:
Lösung:
V Rentenrechnung:
5.1 Grundbegriffe der Rentenrechnung:
Rentenrechnung ist angewandte Zinseszinsrechnung und hinter der Zinseszinsrechnung
verbirgt sich mathematisch die geometrische Reihe.
Sn = a + a ⋅ q + a ⋅ q2 + a ⋅ q3 + . . . + a ⋅ qn−1
=a ⋅ (1 + q + q2 + q3 + . . . + qn−1 )
qn − 1
= a⋅
q−1
Renten:
Hinweis: Eine weitere Bezeichnung für gleich hohe Raten, die sogenannte „Annuität“, stammt aus dem
Darlehensgeschäft. Eine Annuität setzt sich aus Zins und Tilgung zusammen, ist also eine zu
zahlende Rate.
Hinweis: Es gibt noch weitere Unterscheidungen, die den Rahmen dieses Modulteiles „Finanzmathematik“
zeitlich sprengen würde.
Im Folgenden werden „nur“ Raten r in konstanter Höhe mit identischer Raten- und
Zinsperiode von einem Jahr betrachtet.
Kurz gesagt:
Modellannahme:
Am Ende eines jeden Jahres wird das Kapital verzinst, das am
Anfang des Jahres auf dem Konto war.
nachschüssig: vorschüssig:
= Rentenendwert = Rentenendwert
= Rentenbarwert = Rentenbarwert
= (gleich hohe) Rate = (gleich hohe) Rate
= Rentenbarwertfaktor = Rentenbarwertfaktor
= Rentenendwertfaktor = Rentenendwertfaktor
Einzahlung:
Jahr:
Um den Endwert einer nachschüssigen jährlichen Rente zu erhalten, müssen die einzelnen
Raten rt auf den Stichtag aufgezinst und anschließend addiert werden.
r=
1 r=
2 = rn= r ,
vereinfacht sich R n zu
R n = r + r ⋅ q + r ⋅ q2 + + r ⋅ qn− 2 + r ⋅ qn−1
= r ⋅ (1 + q + q2 + + qn− 2 + qn−1 )
geometrische Reihe
R n = r ⋅ (1 + q + q2 + q3 + . . . + qn−1 )
qn − 1
= r⋅
q−1
Rentenendwertformel nachschüssig:
qn − 1
R n= r⋅
q−1
qn − 1
Sn = wird als nachschüssiger Rentenendwertfaktor bezeichnet.
q−1
Rentenbarwertformel R 0 :
Um den Rentenbarwert zu berechnen, muss der Rentenendwert um n Jahre abgezinst
werden, denn für das Verhältnis von Rentenendwert und Rentenbarwert gilt (siehe
Zinseszinsrechnung):
R=n R 0 ⋅ qn
1
Es ist daher R=
0 ⋅ Rn und damit
qn
Rentenbarwertformel nachschüssig:
1 qn − 1
R0 = r ⋅ ⋅
qn q − 1
1 qn − 1
an = n ⋅ wird als nachschüssiger Rentenbarwertfaktor bezeichnet.
q q−1
q−1
Ratenhöhe r: r = Rn ⋅
qn − 1
ln r − ln [ r − R 0 ⋅ (q − 1)]
Laufzeit n: n =
ln q
qn − 1
Rn = r⋅
q −1
qn − 1
⇔ r⋅ − Rn= 0 ⋅ (q − 1)
q −1
⇔ r ⋅ (qn − 1) − Rn ⋅ (q − 1) =0 :r
Rn
⇔ qn − 1 − ⋅ (q − 1) =0
r
Rn R
⇔ qn − 1 − ⋅ q + n =0
r r
Bestimmung Zinssatz:
Rn Rn
qn − ⋅q + −1 = 0 mit q= 1 + i
r r
Beispiel 1:
Sie zahlen regelmäßig pro Jahr eine Rente von 5100 € am Ende eines Jahres auf ein
Sparkonto ein, das mit 3% verzinst wird.
a) Welchen Betrag haben Sie nach 5 Jahren auf dem Konto?
b) Welcher einmalige Beitrag müsste eingezahlt werden, damit nach 5 Jahren der
gleiche Kontostand wie bei a) erreicht wird?
Lösung:
qn − 1 1,035 − 1
a) Rn r⋅
= 5100 ⋅
= ≈ 27.076,59
q −1 0,03
1 qn − 1 1 1,035 − 1
b) R0 = r ⋅ ⋅ = 5100 ⋅ ⋅ ≈ 23.356,59
qn q − 1 1,035 0,03
Rn 27.076,59
Schneller wäre, Ergebnis aus a) 5 mal abzinsen: also R
= 0 = = 23.356,59
qn 1,035
Beispiel 2:
Wieviel müssen Sie am Ende eines jeden Jahres auf ein Konto einzahlen, wenn der Zinssatz
1% p.a. beträgt und Sie nach 4 Jahren 5000 € angespart haben wollen?
Lösung:
q −1 0,01
r =⋅
Rn n
5000 ⋅
= ≈ 1231,41
q −1 1,014 − 1
Beispiel 3:
Welchen Zinssatz muss eine Bank anbieten, damit sich nach 20 nachschüssigen Ein-
zahlungen von je 800 € ein Endkapital von 20.000 € ergibt?
Lösung:
Rn Rn
Es muss die Gleichung qn − ⋅q + −1 = 0 gelöst werden.
r r
Mit
= Rn 20.000
= , n 20
= , r 800 lautet die zu lösende Gleichung
q20 − 25 ⋅ q + 24 =0
Mit Hilfe der Intervallschachtelung ergibt sich ein Zinssatz von etwa 2,3%.
Rentenendwertformel vorschüssig:
' qn − 1
R n = r ⋅q⋅
q−1
n
' q −1
Sn= q⋅ wird als vorschüssiger Rentenendwertfaktor bezeichnet.
q−1
Rentenbarwertformel vorschüssig:
Um den Rentenbarwert zu berechnen, muss der Rentenendwert um n Jahre abgezinst
werden, denn für das Verhältnis von Rentenendwert und Rentenbarwert gilt (siehe
Zinseszinsrechnung):
'
R=n R 0' ⋅ qn
1
Es ist daher '
R=
0 ⋅ R n' und damit
qn
qn − 1
Setzt man Rn' = r ⋅ q ⋅ in obige Formel ein, ergibt sich die
q −1
Rentenbarwertformel vorschüssig:
1 qn − 1
R '0 =r ⋅ ⋅
qn−1 q − 1
1 qn − 1
an'
= ⋅ wird als vorschüssiger Rentenbarwertfaktor bezeichnet.
qn−1 q − 1
1 q−1
Ratenhöhe r: r = R 'n ⋅ ⋅ n
q q −1
R'n
Ln ⋅ (q − 1) + 1
Laufzeit n: r ⋅ q
n =
Ln (q)
qn − 1
Rn' = r ⋅ q ⋅
q −1
qn − 1 '
r ⋅q⋅ − R=
n 0 ⋅ (q − 1)
q −1
⇔ r ⋅ q ⋅ (qn − 1) − Rn' ⋅ (q − 1) =0
Rn' R'
⇔ qn+1 − q − ⋅q + n =0
r r
Rn' R'
⇔ qn+1 − q ⋅ (1 + ) + n =0
r r
Rn' R'
⇔ qn+1 − (1 + )⋅q + n =0
r r
Bestimmung Zinssatz/vorschüssig:
R'n R'
qn+ 1 − (1 + )⋅ q + n =0 mit q= 1 + i
r r
Beispiel 1:
Jemand zahlt 10 Jahre lang jeweils 5000 € auf ein Konto ein, dass jeweils zum Jahresanfang
mit 4% verzinst wird.
a) Berechnen Sie den Kontostand nach 10 Jahren.
b) Welcher einmalige Beitrag müsste eingezahlt werden, damit nach 10 Jahren der gleiche
Kontostand wie bei a) erreicht wird?
Lösung:
' qn − 1 1,0410 − 1
a) R10 = Rn ⋅ q = r ⋅ q ⋅ = 5000 ⋅ 1,04 ⋅ = 62 431,76 €
q −1 0,04
' 1 qn − 1 1 1,0410 − 1
b) R 0 =r ⋅ n−1 ⋅ 5000 ⋅
= ⋅ ≈ 42176,66 €
q q −1 1,049 0,04
Kn 62 431,76€
oder Ergebnis aus a) 10-mal abzinsen: K=
0 = = 42176,66 €
qn 1,0410
Beispiel 2:
Ihnen steht aus einer Versicherung eine vorschüssige 20jährige Jahresrente von 80.000 €
zu. Sie wollen diese Rente in eine 15jährige nachschüssige Rente umwandeln. Wie hoch
sind die neuen Jahresraten, wenn mit 6 % verzinst wird.
Lösung:
Rentenbarwert vorschüssig:
1 qn − 1 1 1,0620 − 1
R'0 =r⋅ ⋅ 80
= 000 ⋅ ⋅ 972 649,32 €
=
qn−1 q −1 1,0619 0,06
Rate nachschüssig:
q −1 0,06
r = R0 ⋅ qn ⋅ n
= 972649,32 ⋅ 1,0615 ⋅ = 100146,66 €
q −1 1,0615 − 1
Zusammenfassung:
Vor- und nachschüssige Renten unterscheiden sich also nur dadurch, dass
vorschüssige Renten einmal mehr verzinst werden als nachschüssige Renten.
Es ist Rn' = q ⋅ Rn
1 '
bzw. Rn= ⋅ Rn
q
5.3 Sparkassenformel:
Zinseszins– und Rentenrechnung lassen sich auch kombinieren.
Ist schon ein Kapital K vorhanden, das mit i % verzinst wird und wird zu diesem Kapital
jährlich die Rate r hinzugefügt, dann verzinst sich das bereits vorhandene Kapital nach der
Zinseszinsformel, während nur noch die Rentenendwerte R n (nachschüssig) bzw. R n'
(vorschüssig) zu addieren sind.
nachschüssig
vorschüssig
'
Man spricht von einem Kapitalaufbau bis zu den Werten Kges bzw. K ges .
Werden dagegen von einem bestehenden Kapital K regelmäßig die Beträge r abgehoben,
'
müssen die Rentenendwerte Rn bzw. Rn vom verzinsten Kapital subtrahiert werden.
Sind die abgehobenen Rentenendwerte größer als die jährlichen Zinsen, die das
Ausgangskapital bringt, verringert sich das Ausgangskapital. Man spricht dann von einem
Kapitalabbau.
Beispiel:
Sie legen 60.000 € zu 3% an und drei Jahre später zahlen Sie regelmäßig jedes Jahr weitere
2000 € ein, die sofort mit 2% verzinst werden. Über welches Kapital können Sie nach zehn
Jahren verfügen?
' n qn − 1
K ges = K0 ⋅ q + r ⋅ q ⋅
q −1
1,027 − 1
= 60.000 ⋅ 1,0310 + 2000 ⋅ 1,02 ⋅
0,02
≈ 95.800,91
Als ewige Rente bezeichnet man Renten, die das ursprünglich eingesetzte Kapital nicht verbrau-
chen und die deshalb keine zeitliche Begrenzung haben. Klar ist, dass der Endwert einer solchen
Rente nicht existieren kann, wohl aber der Barwert.
Beispiele sind sogenannte Stiftungsfonds, wie etwa die Nobelpreise. Ein weiterer Anwendungsfall
in der Praxis ist die Unternehmensbewertung, da Unternehmen keine „begrenzte“ Laufzeit haben.
1
Vorschüssiger Rentenbarwert einer ewigen Rente: R0 = r ⋅ q ⋅
q−1
1
Nachschüssiger Rentenbarwert einer ewigen Rente: R0 = r ⋅
q−1
1 qn − 1
R0 = r ⋅ ⋅
qn q −1
qn − 1
= r⋅
qn ⋅ (q − 1)
Für eine ewige Rente muss eine Grenzwertbetrachtung für n → ∞ durchgeführt werden,
qn − 1
d.h. der Grenzwert lim=
R0 lim r ⋅ berechnet werden.
n →∞ n →∞ qn ⋅ (q − 1)
Nebenrechnung:
qn − 1
Dividiert man beim Faktor Zähler und Nenner jeweils durch qn , also
n
q ⋅ (q − 1)
qn − 1 : qn
qn ⋅ (q − 1) : qn
qn − 1 qn 1 1
− n n
1−
q n
q q qn
= =n
=
q ⋅ (q − 1) (q − 1) (q − 1)
qn
1
n
1−
q −1 qn
Es ist also lim R0 =
lim r ⋅ lim r ⋅
=
n →∞ n →∞ qn ⋅ (q − 1) n →∞ (q − 1)
1 1
1− n
1−
q qn
Mit Hilfe eines Grenzwertsatzes ist lim r ⋅ r ⋅ lim
= .
n →∞ (q − 1) n →∞ (q − 1)
1 1 1
1− n
1− n lim (1 − n )
q q n →∞ q
lim r ⋅ r ⋅ lim
= r⋅
=
n →∞ (q − 1) n →∞ (q − 1) lim (q − 1)
n →∞
1 1 1 1
1− n
1− n lim (1 − n ) lim 1 − lim
q q n →∞ q n →∞ n →∞ qn
lim r ⋅ r ⋅ lim
= r⋅
= r⋅
=
n →∞ (q − 1) n →∞ (q − 1) lim (q − 1) lim (q − 1)
n →∞ n →∞
1
lim 1 − lim
n →∞ n →∞qn 1− 0 1
r⋅ r⋅
= r⋅
= q.e.d.
lim (q − 1) q −1 q −1
n →∞
qn − 1 1
lim R0 =lim r ⋅ n r⋅
=
n →∞ n →∞ q ⋅ (q − 1) q −1
Beispiel 1:
Der Barwert einer ewigen nachschüssigen Jahresrente von 20.000 € ergibt sich bei einem
Jahreszins von 2,3 % zu
1 1
R0 =
r⋅ 20.000 ⋅
= ≈ 869.565,22 €
q −1 0,023
Beispiel 2:
Eine Lotterie verlost eine ewige Rente in Höhe von 100.000 Euro jährlich (Zahlung jeweils zum
Jahresende am 31. Dezember), die nicht nur für den Gewinner, sondern auch für dessen Erben
in alle Ewigkeit fortgeführt wird.
Der Gewinner darf entscheiden, ob er diese Rente oder 2,2 Mio. Euro sofort und einmalig
erhalten möchte. Für welche Alternative sollte er sich entscheiden, wenn er von einem
Kalkulationszinssatz nachschüssig von 5% ausgeht?
1 1
R0 =
r⋅ 100.000 ⋅
= 2 Mio €
=
q −1 0,05
Der Barwert der ewigen Rente beträgt 2 Mio. €. Ihm werden aber 2,2 Mio. € angeboten.
Deshalb sollte er das Angebot wählen.
Hinweis:
Würde ihm alternativ zur ewigen Rente als Einmalzahlung 2 Mio. € angeboten, wären beide
Angebote, ewige Rentenzahlung von 100.000 Euro jährlich oder 2 Mio. Euro Sofortauszahlung
äquivalent (gleichwertig).