Script - Analysis
Script - Analysis
Analysis
Berthold Halbmann
Stand: WiSe 2021/2022
Inhalt
Kapitel I: Einführung/Grundlagen............................................................................... - 1 -
1.1 Mathematik und Ökonomie. Modellbildung ............................................................................ - 2 -
1.2 Mengen und Zahlbereiche (Selbststudium) ............................................................................... - 7 -
1.2.1 Durchschnitt und Vereinigung von Mengen/Teilmengen ......................................................................... - 8 -
1.2.2 Zahlenmengen ................................................................................................................................... - 9 -
1.2.3 spezielle Mengen reeller Zahlen ........................................................................................................ - 9 -
I Einführung/Grundlagen
Vorbemerkung:
In den Wirtschaftswissenschaften werden vielfach mathematische Modelle zur Beschreibung und
Analyse ökonomischer Prozesse eingesetzt. Mathematische Modelle werden benutzt, um
Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen z.B. zwischen Konsum und Einkommen oder
Preis- und Absatzmenge abzubilden und damit analysieren zu können. Solche ökonomischen
Zusammenhänge werden durch Funktionen möglichst einfachen Typs beschrieben und häufig aus
empirischen Daten gewonnen (siehe Statistik, Regression). Modellhaft wird vielfach von stetigen
Funktionen ausgegangen auch wenn es sich beispielsweise um Stückzahlen handelt.
(1) es in der Ökonomie vielfach um die Ermittlung optimaler Zustände geht – mathema-
tisch gesprochen – um Extrema.
(2) in der ökonomischen Theorie nach Zusammenhängen zwischen zwei Größen x und f
gesucht wird, mathematisch gesprochen: Wie verändert sich die Variable f wenn die
Variable x verändert wird.
aber auch
f (x) 0
df was dasselbe ist
(x) 0
dx
df nach dx, „Differentialquotient“ oder erste Ableitung
Auch für das Studium der Wirtschaftswissenschaften führt daher kein Weg an der Mathematik
vorbei. Wichtige mathematische Grundbegriffe wie Gleichungen, Funktionen, Differentiation
müssen erlernt bzw. wiederholt werden.
Die Herstellung eines formalen Abbilds dieser Teilaspekte des realen Problems wird Modellierung
genannt. Verwendet man zur Modellierung mathematische Begriffe wie Funktion, Grenzwert etc.,
spricht man von einem mathematischen Modell.
1
ökonomische Fragestellung
(reales Problem)
4 2
Anwendung der mathematischen Lösung auf Umsetzung in mathematische Problem
ökonomisches Fragestellung (Abstraktion)
3
Lösen des mathematischen Problems
Ermitteln der Gewinnfunktion G(x). Für welche x hat G(x) ein Maximum?
G’(x)
Wie findet man die Gewinnfunktion?
Hinweis: Für alle Funktionen sei vorausgesetzt, dass sie mindestens zweimal differenzierbar
seien. Aus ökonomischen Gründen sei ihr Definitionsbereich auf x 0 beschränkt.
30
25
20
15
10
0
2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
Notation in VWL:
Konsum C: Consumption
Einkommen Y: Yield (income)
vielleicht realistischer:
Beispiel 4: Pandemien
Definition1.2.1: Menge
Eine Menge ist eine nach bestimmten Kriterien vorgenommene Zusammenfassung
wohlunterschiedener Objekte zu einem Ganzen.
Die Objekte a einer Menge A heißen Elemente der Menge und gehören zu einer Grund-
menge G, beispielsweise G = die Menge aller Lego - Steine und A = die Menge der blauen
Lego – Steine.
Schreibweise:
Mengen können durch Aufzählen ihrer Elemente beschrieben werden. Auf die Reihenfolge der
Elemente kommt es dabei nicht an. Mehrfach vorkommende Elemente werden nur einmal gezählt,
also zum Beispiel
A a,b,c b,a,c
A a,b,b,c a,b,c
Beispiele:
B 0 , 1, 2 , ... , 9
T 1, 2 , 3 , 4 , 6 , 12
Schreibweise: A B x x A und x B
Schreibweise: A B x x A oder x B
Schreibweise: A , B disjunkt A B
Satz 1.2.1:
Lösung: A B 3;6
B C
A B 3;4;5;6;7
1.2.2 Zahlenmengen
IN 1,2,3, ...
... 2, 1, 0 ,1,2,3,...
p
p und q ,q 0
q
Es gilt:
Ein Intervall ist eine spezielle Teilmenge der reellen Zahlen IR.
Geometrisch: Alle Zahlen, die auf der Zahlengeraden zu der Strecke von a nach b
gehören.
anschaulich: Zahlengerade
a b
untere obere
Intervallgrenze
Will man die obere Intervallgrenze nicht mit in die Zahlenmenge nehmen, schreibt man a;b
oder a ; b . Will man dagegen die untere Intervallgrenze nicht mit in die Zahlenmenge nehmen,
schreibt man a ; b oder a;b .
Die Zahlenmenge
Zahlengerade
anschaulich:
a b
Zahlengerade
a b
1
Intervallmitte mi : mi (a b)
2
cartesisches Produkt
Die Produktmenge der reellen Zahlen besteht aus allen geordneten Zahlenpaaren
( x , y ) , die geometrisch als Punkte der Ebene dargestellt werden können.
2
Schreibweise: (x, y) x und y
2
Das Zahlenpaar (x , y) IR entspricht genau einem Punkt der Ebene.
y - Achse
4
2. Quadrant 1. Quadrant
3
1 P(2;1)
x - Achse
-4 -3 -2 -1 1 2 3 4
-1
3. Quadrant -2 4. Quadrant
-3
-4
Geschichtliches:
Benannt wurde das kartesische Koordinatensystem nach dem französischen Philosophen (und
Mathematiker) René DESCARTES (1596-1650), der in seinem 1637 erschienenen berühmten
»Discours de la Méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences« 1,
eine neue mathematische Methode zur Lösung geometrischer Probleme vorstellt. Dazu führt
DESCARTES einen Bezugspunkt O (Koordinatenursprung) und zwei senkrecht aufeinander
stehende Koordinatenachsen ein und ordnet eineindeutig jedem Punkt der Ebene Zahlen zu: Das
(cartesische) Koordinatensystem war geboren!
Als Philosoph prägte er den Satz: „Cogito ergo sum“ (= ich denke, also bin ich).
1 »Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut (richtig) zu führen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu
suchen«
T1 T2
Die Menge der Zahlen, die zum Einsetzen für die Variable x zur Verfügung stehen, heißt
Grundmenge G (z.B. G oder G ). Die Menge der Zahlen aus der Grundmenge, die für
die Variable x eingesetzt werden dürfen, heißt Definitionsmenge D.
Diejenigen Elemente einer Grundmenge G, die beim Einsetzen für x in die Gleichung zu einer
wahren Aussage führen, heißen Lösungen der Gleichung. Sie werden zusammengefasst zur
Lösungsmenge .
(1) Was auf der linken Seite einer Gleichung verändert wird, muss gleichzeitig auch auf der
rechten Seite verändert werden.
(2) Multipliziert/Dividiert man eine Gleichung mit einer x-beliebigen Zahl k 0 , dann muss man
beide Seiten der Gleichung mit dieser Zahl multiplizieren/dividieren!
(4) Kommen Brüche in der Gleichung vor, muss zunächst mit dem Produkt der Nenner (= Haupt-
nenner) multipliziert werden. Dabei müssen die Zahlen, die den Nenner zu Null machen,
ausgeschlossen werden!
(5) Ist eine Produktgleichung T1(x) T2 (x) Tn (x) 0 gegeben oder kann man durch Aus-
klammern der Variablen eine Gleichung in eine Produktgleichung umformen, dann findet
man alle Lösungen dieser Gleichung durch Nullsetzen der einzelnen Faktoren.
an x n a n 1x n 1 an 2 x n 2 a2x 2 a1 x a0 0
Beispiel:
15 5
4x 2x 3x 17 0 ist eine algebraische Gleichung 15ten Grades.
Sonderfälle:
2 ax 2 bx c 0 quadratische Gleichung
3 ax 3 bx 2 cx d 0 kubische Gleichung
Hinweis:
Die Lösungen dieser Gleichungen sind die Nullstellen folgender ganzrationaler
Funktionen n-ten Grades:
Funktionsgleichung: Name:
l i n e a r e G l ei c h u n g en :
Eine Gleichung hei ßt lineare Gleichung (oder algebraische Gleichung erstenn Grades), wenn
die Gleichungsvariable in erster Potenz auftritt.
ax b c „auflösen nach x“:
q u a d r a t i s c h e G l ei ch u n g e n :
Eine Gleichung hei ßt quadratische Gleichung (oder algebraische Gleichung zweiten Grades),
wenn die Gleichungsvariable in zweiter Potenz auftritt.
p/q – Formel:
p p
2 !!
x1;2 q
2 2
Man kann jede quadratische Gleichung auf Normalform bringen, indem die gesamte
Gleichung durch den Faktor a dividiert wird.
„ M i t t er n a c h t sf o r me l “ ( a b c - F o r m e l )
2
Die quadratische Gleichung a x b x c 0 ( a 0 ) lässt sich auch mit Hilfe folgender
Formel lösen, ohne sie auf die Normalform bringen zu müssen:
2
b b 4ac
x1;2
2a
Beispiel: 2x
2
8x 10 10
2
2x 8 x 10 0 :2
2
x 4x 5 0
Es ist also p 4 und q 5 . Damit ergeben sich mit Hilfe der p/q-Formel die
Lösungen zu:
2
p p
x1;2 q
2 2
2
( 4) 4
( 5)
2 2
2 4 5
Lösung: x1 2 9 2 3 1 oder x 2 2 9 2 3 5
1.3.1 Intervallschachtelung:
In der Praxis lassen sich Nullstellen einer Funktion nur selten explizit, d.h. durch Auflösen
der Gleichung f(x) = 0 nach der Variablen x, berechnen.
Die Numerische Mathematik bietet iterative Verfahren an, mit denen die Nullstellen
näherungsweise berechnet werden können. Iterativ heißt hierbei, sich (ausgehend von ersten
Schätzwerten für eine Nullstelle) schrittweise in wiederholenden Rechnungen der exakten Lösung
annährend. Mathematisch formuliert, ausgehend von ersten Schätzwerten für eine Nullstelle
eine Folge zu definieren, deren Grenzwert die gesuchte Nullstelle ist.
Nullstellensatz:
Ist die Funktion f auf dem Intervall [a , b] stetig und gilt, f(a) < 0 und f(b) > 0 (oder
umgekehrt), dann gibt es mindestens eine reelle Zahl x 0 a ,b mit f ( x 0 ) 0.
Zwischenwertsatz:
Ist die Funktion f auf dem Intervall [a , b] stetig, dann tritt jeder Wert zwischen
f(a) und f(b) als Funktionswert auf, d.h.
2
: Bernardus Placidus Johann Nepomuk Bolzano (* 05.10.1781 in Prag; † 18.12.1848 in Prag) war ein katholischer
Priester, Philosoph und Mathematiker.
Beispiel:
500 000
Gesucht ist die Nullstelle der Funktion f(x) x 150 ; x 0 also
x2
500 000
x 150 0 ; x 0
x2
Zum schnelleren Rechnen lässt sich diese Gleichung umformen zu x 2 ( x 150 ) 500 000 .
Jetzt weiß man, dass x größer als 150 sein muss!
Wir tippen (raten) beispielsweise x 0 200 und erhalten 200 2 50 2 000 000 und damit
einen viel zu großen Wert. Wir tippen beispielsweise x 1 160 und erhalten
160 2 10 256 000 , also einen Wert, der zu klein ist.
Was wir jetzt allerdings wissen ist, dass die Lösung zwischen x 0 200 und x 1 160 liegen
muss (siehe Zwischenwertsatz). Mathematisch formuliert, muss die Lösung also im Intervall
160 , 200 liegen.
Die Idee ist nun, schrittweise das Intervall zu verkleinern ohne die Eigenschaft der
unterschiedlichen Vorzeichen der Funktionswerte zu verlieren.
Tippen wir also beispielsweise x 2 170 . Wir erhalten dann 170 2 20 578 000 , also einen
Wert, der etwas zu groß ist. Was wir jetzt allerdings wiederum wissen ist, dass die Lösung
zwischen 160 und 170 liegen muss und wenn wir die Ergebnisse genauer betrachten, näher
bei 170 als bei 160.
Aber Achtung:
Sie können sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode rechnen, nämlich dann, wenn
die Lösung eine irrationale Zahl ist!
1.3.2 Newton-Verfahren:
Das Newton-Verfahren ist eine weitere numerische Möglichkeit, Nullstellen einer Funktion zu
bestimmen. Dazu benutzt man die (iterative) Formel
f (x n )
xn 1 xn
f (x n )
f(xo )
Für n 0 ergibt sich die erste Näherung x1 zu x1 x0 . Dabei ist x 0
f (x0 )
der Startwert.
Beispiel:
Bestimmen Sie auf zwei Nachkommastellen genau die Nullstellen der Funktion f mit
f (x) x3 x 1 . Zu lösen ist also die Gleichung x 3 x 1 0.
Schritt 2: Ableitungen
Schritt 3: Näherungsrechnungen:
f(x o ) f ( 0,5)
x1 x0 0,5 0,714 .
f (x 0 ) f ( 0,5)
Es ist f ( 0,714 ) 0,078 , also noch etwas zu ungenau. Die nächste Näherung ergibt
f ( x1 ) f ( 0,714 )
sich mit x 2 x1 0,714 zu
f ( x1 ) f ( 0,714 )
0.078
x2 0,714 0.714 0,0308 0,6832
2,53
Es ist f ( 0,6832) 0,0021. Sie haben also auf zwei Nachkommastellen genau die
Nullstelle bestimmt.
1.3.3 Polynomdivision:
Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung von Nullstellen einer Funktion wäre die Polynom-
division.
Satz: Sei x1 eine Nullstelle eines Polynoms f(x) . Dann gilt: f(x) (x x1 ) g(x) . x heißt
Linearfaktor von x.
f(x)
Idee der Polynomdivision: Bestimme g(x) . Es ist g(x)
(x x1 )
Da die Polynomdivision zur Bestimmung der Nullstelle ungeeignet ist, weil man hier eine Nullstelle
exakt erraten oder die Nullstelle bekannt sein muss, wird sie an dieser Stelle nicht weiter
behandelt. Die Polynomdivision benötigt man aber zur Bestimmung von Asymptoten-Funktionen
(siehe Kapitel 2.2.6). Genaueres zur Polynomdivision siehe Script zum Propädeutikum.
Ein weiteres Verfahren zur Nullstellenbestimmung ist das sogenannte Horner Schema. Auch hier
hat man das Problem, dass zur Ermittlung von Nullstellen eine Nullstelle bekannt oder erraten
werden muss.
II Funktionen
Funktionen bzw. Abbildungen sind ein grundlegendes Hilfsmittel zur mathematischen Beschrei-
bung von Zusammenhängen verschiedener Größen, z.B. zwischen Umsatz und Preis einer Ware.
Beispiele:
(1) Name der Mutter Name des Kindes
(2) Die Versandkosten V hängen vom Gewicht der Sendung ab
(3) der Konsum vom Einkommen
Eine Zuordnung f, die jedem Element x aus einer Menge D (in Zeichen: x D )
genau ein Element y aus einer Menge W (in Zeichen: y W ) zuordnet, hei ßt
Funktion oder Abbildung. Man schreibt dafür: f : D W
reelle Funktionen:
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hat man es meist mit Funktionen zu tun, bei denen
die Mengen D und W reelle Zahlen oder Teilmengen davon sind. Solche Funktionen heißen
reelle Funktionen. Man schreibt dann f : Df , wobei der Definitionsbereich Df eine
Teilmenge von oder ganz ist (in Zeichen: f : Df ).
Definitionsbereich:
Ist f : Df eine reelle Funktion, dann ist der Definitionsbereich Df die Menge aller
Zahlen, für die (je nach Zusammenhang) die Funktion f definiert ist.
Salopp gesagt:
Der Definitionsbereich ist die Menge aller Zahlen, die in die Funktionsgleichung eingesetzt
werden dürfen, nicht können!
Sie können nämlich bei Rot über die Ampel fahren, dürfen aber nicht.
Wertebereich:
Der Wertebereich ist die Menge aller möglichen Funktionswerte
Mengenschreibweise:
Intervallschreibweise:
D ; x1 : Der Definitionsbereich besteht aus allen reellen Zahlen von bis zu x1 .
D \ x1 ; x 2 : Der Definitionsbereich besteht aus allen reellen Zahlen außer den Zahlen
zwischen x1 und x 2 .
u(x)
gebrochen-rationale Funktionen f(x)
v(x)
Aufgabe 1:
Bestimmen Sie den Definitionsbereich folgender Funktionen:
x 1
1. f(x) 2
x 9
4
2. f(x) x 5
3. f(x) ln(3 x)
zu 1:
2
zu 5. Definitionsbereich der Funktion der Funktion f(x) ln(x 4)
2
Die innere Funktion u(x) x 4 muss Werte größer als 0 liefern. Dazu berechnet man
zunächst die Nullstellen von u(x) .
2
x 4 0 x1 2 oder x 2 2.
2
Jetzt muss noch überprüft werden, in welchen Bereichen der Funktionsterm x 4 positiv
ist. Berechnet man beispielsweise den Funktionswert der inneren Funktion an der Stelle
x 0 , ergibt sich
2
u(1) 1 4 3 0
Damit weiß man, dass die innere Funktion zwischen -2 und +2 negativ oder gleich Null ist.
Diese Zahlen müssen also ausgeschlossen werden. Demnach besteht der Definitionsbereich
aus allen reellen Zahlen außer den Zahlen zwischen -2 und 2.
In Zeichen: D \ 2;2
mathematische Konvention:
unabhängige Variable: Die unabhängige Variable (auch Argument genannt) wird mit dem Buch-
staben x bezeichnet.
abhängige Variable: Die von x abhängige Variable wird mit f(x) – gesprochen „f von x“ – be-
zeichnet.
Hinweis: Mathematisch ist es allerdings unerheblich, welche Bezeichnungen man für die
Variablen wählt, denn die funktionale Zuordnung
(1) C(Y) 2 Y 1
(2) Y(C) 2 C 1
Inhaltlich ergeben sich natürlich gravierende Unterschiede, denn wenn die Bezeichnung C
für Konsum steht und Y für Einkommen, dann macht die Zuordnung (2) keinen Sinn, denn
dann würde man das Einkommen abhängig vom Konsum betrachten!
Funktionswert:
Die einer Zahl a aus Df eindeutig zugeordnete Zahl f(a) heißt Funktionswert der Funktion an
der Stelle a.
Als Graph G (oder Schaubild) einer Funktion f bezeichnet man die Menge aller geordneten
Zahlenpaare ( x, y) mit x D und y W
in Zeichen: G (x , y x D und y W
Als Funktionsgraph Gf einer reellen Funktion f bezeichnet man die Menge aller geordneten
Zahlenpaare ( x,f(x)) aus den Zahlen x der Definitionsmenge und den zugehörigen Funktions-
werten f(x).
In Zeichen: Gf (x ,f(x) x D
Der Graph einer Funktion f : Df mit Df ist eine Teilmenge des cartesischen
2
Produktes und kann somit als Punktmenge in der Ebene aufgefasst werden.
eindeutig: Jedem Element der Menge D f wird genau ein Element der Menge Wf
zugeordnet.
eineindeutig Jedem Element der Menge D f wird genau ein Element der Menge Wf
zugeordnet und umgekehrt wird auch jedem Element der Menge Wf
genau ein Element der Menge D f zugeordnet.
Aufgabe 2:
Welche der folgenden Zuordnungen ist eine Funktion, welche eine eineindeutige Funktion?
Fazit:
Zur präzisen Angabe einer Funktion f gehören Definitionsbereich, Wertebereich und
Zuordnungsvorschrift. Dies geschieht oft in der folgenden Schreibweise:
f: X Y mit x f(x) (oder y = f(x) )
Die Zuordnungsvorschrift wird meistens durch eine Funktionsgleichung beschrieben, kann aber
auch durch eine Wertetabelle oder ein Pfeildiagramm angegeben werden.
Vielfach ist eine geschlossene Darstellung der Funktion mit Hilfe einer einzigen Funktions-
gleichung nicht möglich, sondern muss auf Intervalle begrenzt werden. Solche Funktionen heißen
abschnittsweise definierte Funktionen.
Beispiel:
Die Versandkosten V für ein Post-Paket hängt vom Gewicht G des Pakets ab (fiktive Zahlen):
d.h. wenn jedem Element x aus dem Definitionsbereich genau ein Wert y aus
dem Wertebereich und umgekehrt jedem Element y aus dem Wertebereich
genau ein Element x aus dem Definitionsbereich zugeordnet ist.
1
Die Umkehrfunktion einer Funktion f wird mit f bezeichnet.
Es gilt:
Beispiele:
(1) aus der Schule bekannt:
Funktion: Umkehrfunktion:
Exponentialfunktion Logarithmusfunktion
f: f: 0
x
f(x) e f(x) ln(x)
Ob eine Funktion umkehrbar ist, ist schnell feststellbar. Lässt sich y f(x) eindeutig nach x
auflösen, dann ist f umkehrbar!
Vorgehen:
Bemerkung: Haben die Variablen feste Bedeutungen, darf nach Bildung der Umkehrfunktion kein
Variablentausch durchgeführt werden.
Aufgabe 3:
1
Lösung: f (x) x2 24
auflösen nach x
Aufgabe 4:
x
Bestimmen Sie die Umkehrfunktion der Funktion f(x) .
x 1
Lösung:
x
y
x 1
y (x 1) x
yx y x
yx x y
x(y 1) y
y
x
y 1
2.2.2 konvex/konkav
Definition 2.2.2a: konvex/konkav
konkav, wenn in diesem Intervall alle Verbindungsgeraden zwischen zwei Punkten der
Funktion (Sekanten) unterhalb des Graphen der Funktion liegen, bzw. wenn gilt:
f (x) 0 .Man spricht dann von Rechtskrümmung (Rechtskurve).
konvex konkav
2.2.3 Symmetrien
Betrachtet werden zwei Arten von Symmetrien von Funktionsgraphen: die Achsensymmetrie und
die Punktsymmetrie.
Der Graph einer Funktion f : x f(x) ; x Df ist symmetrisch zur y-Achse, falls für alle
Zahlen x Df gilt:
f( x) f (x)
Solche Funktionen heißen gerade Funktionen.
graphisches Beispiel:
5
0
-2 0 2
-5
Der Graph einer Funktion f : x f(x) ; x Df ist punktsymmetrisch zum Ursprung O, falls
für alle gilt: x Df gilt:
f( x) f (x)
graphisches Beispiel:
1
0
-1 0 1
-1
Bemerkungen:
zu (1): Der Graph einer ganzrationalen Funktion, die nur gerade Exponenten hat, ist
symmetrisch zur y-Achse.
zu (2): Der Graph einer ganzrationalen Funktion, die nur ungerade Exponenten hat und kein
absolutes Glied, ist punktsymmetrisch zum Ursprung O.
Der Graph einer Funktion f heißt achsensymmetrisch zur Spiegelachse x = a, wenn für alle
Zahlen x Df gilt:
f(a x) f (a x)
Der Graph einer Funktion f ist punktsymmetrisch zu einem Punkt P(a ; b) , wenn für alle
Zahlen x Df gilt:
f(a x) b f(a x) b
2.2.4 Beschränktheit
Definition 2.2.4a: nach oben beschränkt
Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt nach oben beschränkt, wenn es eine reelle Zahl
S Df gibt, so dass für alle x Df gilt:
f(x) S
Die kleinste aller möglichen oberen Schranken heißt Supremum.
Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt nach unten beschränkt, wenn es eine reelle Zahl
s Df gibt, so dass für alle x Df gilt:
f(x) s
Die größte aller möglichen unteren Schranken heißt Infimum.
Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt beschränkt, wenn sie sowohl nach oben als auch
nach unten beschränkt ist.
Streckung/Stauchung in x - Richtung:
Gegeben sei die Funktion g(x) f(k x) . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um den Faktor k in x-Richtung gestaucht oder gestreckt. k 1 bedeutet eine Stauchung,
k 1 eine Streckung.
Streckung/Stauchung in y - Richtung:
Gegeben sei die Funktion g(x) k f(x) . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um den Faktor k in y-Richtung gestaucht oder gestreckt. k 1 bedeutet eine Stauchung,
k 1 eine Streckung.
Spiegelung am Ursprung:
Möchte man den Graphen von f(x) am Ursprung spiegeln, muss im ersten Schritt der
Funktionsterm mit dem Faktor -1 multipliziert werden und im zweiten Schritt die Variable x
durch die Variable –x ersetzt werden.
Verschieben/Spiegeln:
[Link]
Verschieben: [Link]
algebraisch: die Stellen, an denen der Funktionswert f(xN ) gleich Null ist.
Bedingungsgleichung: f(xN ) 0
Skizze:
f(x)
Nullstelle
Nullstelle Nullstelle
Schnittstelle:
Zwei Funktionen f(x) und g(x) schneiden sich an einer Stelle xS , wenn sie dort denselben
Funktionswert haben, wenn also gilt: f(xS ) g(xS )
Bedingungsgleichung: f(x S ) g(x S )
f(x)
Schnittpunkt
f(xS)
P
f(xS) = g(xS)
g(xS)
X
XS
Schnittstelle
Achtung:
Beachten Sie allgemein den Unterschied zwischen Stelle und Punkt.
Stelle: x0
Preis
Marktgleichgewicht
Angebot
Gleichgewichtspreis
Nachfrage
Menge x
Gleichgewichtsmenge
2
p p
x1;2 q (p/q – Formel)
2 2
b b 2 4ac
x1;2 „ M i t t er n a c h t sf o r me l “
2a
Für Funktionen höheren Grades gibt es – bis auf Sonderfälle - keine Lösungsformeln mehr. Zur
Lösung benötigt man daher numerische Verfahren wie zum Beispiel die
Intervallschachtelung
Rechenbeispiel:
Gegeben sind die Funktionen f(x) x2 7x 8 und g(x) x 1
a) Berechnen Sie – falls vorhanden – die Schnittpunkte der Funktionen.
b) Ziehen Sie Folgerungen aus dem Rechenergebnis aus a.
c) Wie viele Schnittpunkte kann es zwischen einer linearen und einer quadratischen
Funktion geben?
Lösung:
2.5 Grenzwertbetrachtungen
Grenzwert einer Funktion f für x x0 :
Nähern sich für x gegen einen Wert x 0 die zugehörigen Funktionswerte
einer Funktion f(x) immer mehr einem konstanten Wert g , (egal auf welche
Weise x gegen x0 strebt), so sagt man, g ist der Grenzwert der Funktion f für x
gegen x 0 .
gelesen: Der Limes (Grenzwert) von f(x) für x gegen x0 ist gleich g. Man sagt auch:
f(x) konvergiert für x x 0 gegen den Grenzwert g.
oder aber
über alle Schranken wächst (symbolisch: x ) bzw. unter jede Grenze fällt
(symbolisch: x ).
Hinweis: Wächst oder fällt f(x) über alle Grenzen, spricht man von einem uneigentlichen
Grenzwert.
Es ist also
l i m f(xn ) g l i m f(x 0 h) g
n h 0
Hinweis: In der angegebenen Bedingung ist darauf zu achten, dass die Folge f(xn ) der
Funktionswerte für jede beliebige gegen x0 konvergierende Punktfolge xn denselben
Grenzwert g hat.
Beispiel 1:
Bestimme folgende Grenzwerte:
1
a) lim
x x
1
b) lim
x 0 x
Lösung:
Beispiel 2:
x2 3x 2
Sei f(x) , (x 2 ).
x 2
An der Stelle x 0 2 ist f(x) nicht definiert. An dieser Stelle stellt sich daher die Frage, wie sich
die Funktionswerte verhalten, wenn sich x beliebig nahe der Stelle x 0 2 nähert.
Man kann sich der Stelle x 0 2 von links und rechts beliebig genau nähern:
x2 3x 2
Vermutung: l i m ( )
x 2 x 2
Das ist natürlich noch kein mathematischer Beweis für die Richtigkeit Ihrer Vermutung
Beweis: „h – Methode“
Vorgehen:
Setze für x den Wert (x 0 h) in die Funktionsgleichung ein und berechne den Grenzwert
lim f(x 0 h) g.
h 0
Hier ist x 0 2 , daher muss für den Term x der Term (2 h) in die Funktionsgleichung
eingesetzt werden:
x2 3x 2 (2 h)2 3 (2 h) 2
lim lim
x 2 x 2 h 0 (2 h) 2
(2 h)2 3 (2 h) 2
lim
h 0 h
Versuche nun so umzuformen, damit sich der Term h aus dem Nenner kürzt:
Weitere Grenzwertüberlegungen:
lim (5x3 2x 2 4)
x
sowie eine Konstante c IR . Dann existieren auch die folgenden Grenzwerte und es gilt:
(1) lim c c
f lim f(x) a
(4) lim (x) sofern lim g(x) b 0
g lim g(x) b
Hinweis: Die Regeln (1) bis (4) besagen, dass der Grenzwert einer Summe (Produkt oder
Quotient) von Funktionen gleich der Summe (Produkt oder Quotient) der
Grenzwerte der einzelnen Funktionen ist.
(6) lim n f n
lim f n
a , n IN ; f , a 0
f (x) f(x)
Wenn dann der Grenzwert lim existiert, so existiert auch der Grenzwert lim
x g (x) x g(x)
und beide sind gleich d.h. es gilt:
f(x) f (x) f (x 0 )
lim lim
x g(x) x g (x) g (x 0 )
Hinweis: Diese Regel lässt sich mehrfach hintereinander anwenden, falls immer noch
f (x)
f (x 0 ) g (x 0 ) 0 und der Grenzwert lim existiert.
x g (x)
Die Funktionen f(x) und g(x) seien (stetig) differenzierbar mit f(x) und g(x) für
x .
f (x)
Wenn dann der Grenzwert lim existiert, so existiert auch der Grenzwert
x g (x)
f(x)
lim und beide sind gleich d.h. es gilt:
x g(x)
f(x) f (x)
lim lim
x g(x) x g (x)
Hinweis: Mit Hilfe der Regel von de L´Hôspital lassen sich – wenn die Voraussetzungen
gegeben sind – Grenzwerte von gebrochenrationalen Funktionen einfacher ermitteln.
f(x) an x n an 1x n 1
a2 x 2 a1 x a0
mit a0 ; a1 ; ; an IR und n IN ,
Übersicht:
7 f(x) a 7 x 7 a4 x 4 a3 x 3 a0 no name
Der Graph dieser Funktion ist eine Parallele zur x – Achse oder die
x – Achse selbst
Die Funktion f mit f(x) a bx für alle x heißt lineare Funktion. Der
Graph dieser Funktion ist eine Gerade.
Skizze:
Parallelität: Zwei Geraden mit den Steigungen m1 und m2 sind genau dann parallel zueinander,
wenn sie die gleiche Steigung haben, wenn also m1 m2 ist.
Orthogonalität: Zwei Geraden mit den Steigungen m1 und m2 sind genau dann orthogonal (senkrecht
zueinander) zueinander, wenn m1 m2 1 ist.
Wichtige Eigenschaften:
keine
Sie hat eine Nullstellen.
zwei
Am Faktor a vor x 2 erkennt man, ob sie ein Maximum oder Minimum hat.
a 0 Max
a 0 Min
Hat sie zwei Nullstellen, dann liegt die Extremstelle xE in der Mitte der Nullstellen
und es gilt:
xN1 xN2
xE
2
Skizze:
160
120
80
40
0
-1 -0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 5,5 6
-40
xN1 xN2 0 5
xE 2,5
2 2
Beispiel:
Bei einer Verkaufsmenge von zwei ME (Mengeneinheiten) erzielt man einen Preis von
vier GE (Geldeinheiten) und bei einer Verkaufsmenge von vier ME einen Preis von 3 GE.
a) Bestimmen Sie die lineare Preis-Absatz-Funktion (Nachfragefunktion) p(x) mx b
b) Bestimmen Sie Df und Wf .
c) Interpretieren Sie m.
d) Bilde die Umkehrfunktion x(p)
e1) Welcher Preis wird bei einer Menge von 6 ME erzielt?
e2) Welche Menge kann zu einem Preis von 2,50 GE verkauft werden?
f1) Bestimmen Sie mit Hilfe der Nullstellen die umsatzmaximale Produktionsmenge.
f2) Wie groß ist der maximale Umsatz?
Lösung:
Potenzfunktionen:
Wurzelfunktionen:
1
Ist a 1 und b (n 2 , 3 , . . . ) , so nennt man die Funktionen f der Form
n
1
n
f(x) x n x , x 0 auch Wurzelfunktion.
Abb.: Cobb-Douglas-Funktionen
1
Ein gutes Video zu Cobb-Douglas-Funktionen findet sich auf youtube:
[Link]
b 1: f ist linear.
In der Ökonomie spricht man auch von proportionalem Wachstum.
In der Ökonomie spricht man vielfach von einer Indifferenzkurve1, oder von
Isoquanten.
25
20
15
10
0
0 10 20 30 40 50 60 70
Mathematisch sind
x f(x)
konstant ist.
Anwendungsbeispiel:
Bekanntlich ist der Umsatz U das Produkt aus Preis p mal Menge q:
U p q constant
U
p(q)
q
Will man beispielsweise einen konstanten Umsatz von 120 GE erreichen, ergibt sich
120
p(q)
q
Nachstehende Tabelle zeigt die Abhängigkeit des Preises von der Verkaufsmenge q,
wenn der Umsatz konstant 120 € sein soll:
Menge q 5 20 40 50 60
p(q) 24 6 3 2,4 2
Der Graph dieser Funktion ist eine Hyperbel und hat folgendes Aussehen:
25
20
15
10
5
0
0 10 20 30 40 50 60 70
2.6.5 Exponentialfunktionen
Eigenschaften:
wachsend für b 1
(2) f ist streng monoton
fallend, für 0 b 1
(3) Grenzwertbetrachtungen:
l i m (a b x )
x
1
l i m (a b x ) l i m (a b x
) l i m (a ) 0
bx
x x
x
Skizze:
Besondere Exponentialfunktion:
Eine besondere Exponentialfunktion ist die Exponentialfunktion zur Basis e:
f(x) ex
Anwendung Exponentialfunktion
siehe Finanzmathematik.
Zur Wiederholung:
Die Basis b der Exponentialfunktion f(x) a b x wird in der Anwendung als
Wachstumsfaktor bezeichnet und mit dem Buchstaben q abgekürzt.
Wachstumsfaktor q:
Der Wachstumsfaktor q berechnet sich nach den Formeln
yt
(1) q n oder (2) q 1 i
y0
Wachstumsrate i:
Die Wachstumsrate p (in %) lässt sich aus dem Wachstumsfaktor q mit Hilfe der
Formel i q 100 100 berechnen.
Anwendungen:
diskrete Verzinsung: Kn K0 qn
Definition:
u(x)
f(x) mit v(x) 0
v(x)
Definitionsbereich:
Die reellen Zahlen x, bei denen das Nennerpolynom v(x) den Wert Null
annimmt, müssen aus dem Definitionsbereich Df der Funktion ausgeschlossen
werden (Niemals durch Null teilen!).
Man findet diese Zahlen, indem man das Nennerpolynom gleich Null setzt und dann
diese Gleichung löst.
Beispiel:
4
Bestimme den Definitionsbereich der Funktion f mit f(x) 2
x 4x 5
Es ist v(x) x2 4x 5 .
Ansatz: x2 4x 5 0.
Lösung: x1 1 oder x 2 5
Der Definitionsbereich der Funktion besteht demnach aus allen reellen Zahlen außer
den Zahlen x1 1 oder x 2 5 .
Definitionslücken
also Stellen, an denen das Nennerpolynom den Wert Null hat und
gleichzeitig das Zählerpolynom einen Wert ungleich Null annimmt.
Beispiele:
x x2 1 x3 1
(1) f(x) 2
(2) f(x) (3) f(x)
x 1 x2 1 x2 1
x x2 x2 1
(4) f(x) (5) f(x) (6) f(x)
x2 1 x 1 x 1
x3 2 x3 2 x4 2
(7) f(x) (8) f(x) (9) f(x)
x 1 x2 1 x2 1
Asymptoten:
u( x )
Gegeben sei die Funktion f ( x ) .
v( x )
x3 x2 x 1
f (x)
x 1
Lösung: A( x ) x2 2x 3
x3 x2 x 1
f (x )
x 1
A( x ) x2 2x 3
Der Zusammenhang zwischen den Produktionskosten K und der produzierten Menge x eines
Gutes wird beschrieben durch die Funktion K mit
K K(x)
x 0 um x auf x1 (x 0 x)
Teilt man die Kostenänderung K durch die Mengenänderung x , erhält man die
durchschnittlichen Kosten einer zusätzlich produzierten Einheit.
K K(x0 x) K(x0 )
m ; x 0
x x
Hinweis: x Mengenänderung
Warum?
Problem:
Zahlenbeispiel:
Es ist also x x1 x0 15 10 5
Daraus ergeben sich die durchschnittlichen Kosten pro zusätzlich produzierter Einheit
zu
K 30 20
2
x 5
Graphik:
Die oben berechneten Kosten sind nur dann die durchschnittlichen Kosten pro zusätzlich
produzierter Einheit, wenn der Kostenzuwachs linear ist.
Was aber, wie üblich, wenn der Kostenzuwachs nicht linear ist?
Der Ausdruck
K K(x0 x) K(x0 )
m ; x 0
x x
Er gibt an, welche Kosten für die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit im
Durchschnitt entstehen, wenn die Produktion von
x 0 um x auf x1 (x 0 x)
erhöht wird.
Der Differenzenquotient gibt die Steigung ms der Sekante durch zwei Punkte
x0 f(x0 ) und x0 x f(x0 x) an.
f f(x0 x) f(x0 )
ms ; x 0
x x
Q Sekante
P
x
y = f(x)
x
Der Differentialquotient:
Der Grenzwert des Differenzenquotienten für x gegen Null , heißt Differentialquotient
oder Ableitung von f an der Stelle x 0 oder momentane Änderungsrate.
In Zeichen:
f f(x0 x) f(x0 )
lim lim f (x0 ) ; x 0
x 0 x x 0 x
df dy f
andere Schreibweisen: f (x 0 ) (x 0 ) (x 0 ) (x 0 )
dx dx x
Der Differentialquotienten, also die Ableitung, gibt die Steigung der Tangente
an der Stelle x 0 an. Die Steigung der Tangente an der Stelle x 0 ist identisch
mit der Steigung der Funktion f an der Stelle x 0 .
.
Q Sekante
Tangente in P
f
P df
x
(= dx)
y = f(x)
x
Merke: Da der Graph einer nichtlinearen bzw. nicht konstanten Funktion an jeder Stelle
eine andere Steigung hat, hängt die Veränderung der Funktionswerte nicht nur
von x ab sondern auch von der Stelle x 0 .
Grenzfunktionen:
Die erste Ableitung f einer ökonomischen Funktion f heißt Grenzfunktion
(Marginalfunktion). Grenzfunktionen messen näherungsweise die Zunahme oder
Abnahme von f bei Erhöhung/Senkung von x 0 um eine „Einheit“.
Grenzkostenfunktion K (x)
Grenzgewinnfunktion G (x)
Grenzerlös E (x)
df(x 0 ) f (x 0 ) dx
Interpretation:
Das Differential gibt für jede Stelle x an, um wie viele Einheiten sich f(x)
näherungsweise ändert, wenn die unabhängige Variable x um dx Einheiten geändert
wird.
Je kleiner die Änderung von x ist, desto mehr entspricht das Differential df den
exakten Differenzen f der Funktionswerte.
Es gilt: f df
Sonderfall: Wenn dx x 1 , dann stimmen das Differential und die erste Ableitung an
der Stelle x 0 überein. Es ist dann df(x 0 ) f (x0 ) dx f (x 0 ) 1
Das Differential:
f df f
df
x
(= dx)
x
Beispiel:
Gegeben sei die Kostenfunktion K(x) 0,04x 3 9,6x 2 984x 30 000 .
Lösung:
3.5 Ableitungsregeln:
f (x ) k u (x ) .
f (x ) u (x ) v (x )
f ' (x ) n a xn 1
u u' v v' u
Quotientenregel: 2
v v
A i(x ) A (x ) i (x )
(Äußere Ableitung mal innere Ableitung).
df f
Schreibweisen: f (x)
dx x
f (x ) u (x ) e u( x )
1
f (x ) u (x )
u(x )
n
u( x ) m lässt sich auf die Form f ( x )
m
Die Funktion f ( x ) u( x ) n bringen (siehe Potenz-
m
gesetze). Die Ableitungsfunktion der Funktion f ( x ) u( x ) n ergibt sich zu
m m
1
f (x ) u(x ) n u (x )
n
1
Besonders einfach ist die Ableitung der Quadratwurzelfunktion f ( x ) u( x ) u( x ) 2 . Hier
ergibt sich die Ableitungsfunktion f ( x ) zu
1
f (x ) u (x )
2 u(x )
a
Ableitung der Funktion f ( x ) :
xn
a
Die Funktion f ( x ) lässt sich auf die Form f ( x ) a x n bringen. Für die Ableitung
xn
dieser Funktion lässt sich die Potenzregel anwenden und es ergibt sich die Ableitungs-
funktion:
f ' (x ) n a x n 1
f (x ) u (x ) sin u(x )
f (x ) u (x ) cos u(x )
3.62 Extremstellen:
(1) Ist f ( x e ) 0 und f ( x e ) 0 , dann hat der Graph der Funktion an der
Stelle x e ein (relatives) Maximum.
(2) Ist f ( x e ) 0 und f ( x e ) 0 , dann hat der Graph der Funktion an der
Stelle x e ein (relatives) Minimum.
3.63 Wendestellen:
Kriterium 1:
(1) Ist f ( x w ) 0 und zugleich f ( x w ) 0 , dann hat der Graph der
Funktion an der Stelle x w einen Wendepunkt (WP).
Kriterium 2:
(2) Ist f ( x w ) 0 und hat f an der Stelle x w einen Vorzeichenwechsel,
dann hat der Graph der Funktion an der Stelle x w einen Wendepunkt
(WP).
3.64 Beispiel:
x2
Gegeben sei die Funktion f mit f(x) e .
Lösung:
Allgemeines 1:
Mathematische Funktionen finden ihre Anwendung insbesondere in der Ökonomie, um
Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen darzustellen und zu analysieren. Die
Funktion ist das mathematische Modell des zugrunde gelegten ökonomischen
Sachverhaltes.
C( Y ) co c1 Y .
Als mathematisches Modell kennen Sie eine lineare Funktion in der Form f ( x ) m x b ,
wobei der Faktor m die Steigung und der Summand b den Schnittpunkt mit der y-Achse
angibt. Auf die Konsumfunktion C mit C( Y ) c o c 1 Y übertragen, sehen Sie sofort, dass
m c 1 ist und b c 0 . Wie m und b mathematisch zu interpretieren sind, wissen Sie. Wie
aber werden c 0 und c 1 in der Anwendung also in VWL oder BWL interpretiert?
Grundsätzlich müssen Sie sich bei jeder ökonomischen Funktion immer wieder nur
klarmachen, dass diese Funktionen mathematische Funktionen sind, die Sie als
mathematische Funktionen aus der Schule (oder woher auch immer) schon kennen, also
beispielsweise ganzrationale Funktionen oder Exponentialfunktionen oder gebrochen-
rationale Funktionen etc.
Wichtig ist, dass Sie sich immer wieder klarmachen, welche Variable die abhängige und
welche Variable die unabhängige Variable ist. Dies ist aus der Sachlogik der Aufgaben-
stellung zu erkennen!
Mathematisch ist das kein Problem, den die „science community Mathe“ hat ein für allemal
festgelegt, dass bei einer Funktion die unabhängige Variable mit dem Buchstaben x und
die von x abhängige Variable mit dem Buchstaben y bzw. f( x ) bezeichnet wird.
Ökonomisch hat die „science community Öko“ beschlossen, folgende Variablennamen zur
Bezeichnung ökonomischer Größen zu verwenden (Auswahl):
Allgemeines 2:
Bei mathematischen Funktionen in ökonomischer Anwendung sind gewisse Einschränkung-
en zu beachten.
Der ökonomisch sinnvolle Definitionsbereich ist in der Regel wesentlich kleiner als der
mathematisch mögliche.
In der Regel können ökonomische Variable nur natürliche Zahlen einschließlich der Null als
Werte annehmen (Beispiel: Kostenfunktion für eine nichtteilbare Menge (Output) wie z.B. Computer),
wogegen mathematische Variable reelle Zahlen als Werte annehmen können. Man spricht
im ersten Fall von diskreten Variablen, im zweiten Fall von stetigen Variablen.
Um aber die Methoden der Mathematik anwenden zu können, werden Zusammenhänge
zwischen diskreten ökonomischen Größen in der Wirtschaftstheorie meist durch stetige
Funktionen beschrieben.
In vielen Fällen ist bei vermuteten funktionalen Zusammenhängen zwischen ökonomischen
Variablen eine exakt definierte Funktion nicht vorgegeben. Man muss daher z.B. mit Hilfe
statistischer Methoden (Regression) eine zutreffende Funktionsgleichung konstruieren.
Funktionale Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen sind in der Regel meist nicht
als kausale Ursachen/Wirkungs-Zusammenhänge zu interpretieren. So ist zwar ein formaler
statistischer Zusammenhang zwischen Haarausfall und steigendem Einkommen
konstruierbar, ohne dass ein inhaltlich erklärbarer Zusammenhang bestehen dürfte.
Ökonomische Funktionen haben keine generelle Gültigkeit, sondern sind zeitlich, örtlich, auf
Personengruppen etc. begrenzt.
In der Regel ist eine abhängige ökonomische Variable von mehreren unabhängigen
Variablen beeinflusst. Man hat daher in der Praxis meist Funktionen mit mehreren unab-
hängigen Variablen zu untersuchen und beispielsweise Extrema solcher Funktionen zu
berechnen.
Allgemeines 3:
Bei der Untersuchung mathematischer Funktionen in ökonomischer Anwendung sind unter
anderen Fragen folgende Fragen von Interesse:
ökonomisch: mathematisch:
Bestimmung des Marktgleichgewichts Schnittpunktbestimmung
gleichbedeutend mit
Hinweis:
Grundsätzliches analytisches Problem ist auch hier das Finden von Nullstellen
mathematischer Funktionen. Die Ableitung einer Funktion ist wieder eine Funktion! Zum
Finden eventuell vorhandener Extrema muss diese Ableitungsfunktion gleich Null gesetzt
werden usw.
Für ganzrationale Funktionen dritten und höheren Grades gibt es bis auf Sonderfälle
keine Formel zur Berechnung der Nullstellen. In solchen Fällen führen nur numerische
Verfahren wie Intervallschachtelung oder das Newton – Verfahren zu befriedigenden
Lösungen.
Produktionsfunktion x(r) :
Die bei der Produktion eines Gutes eingesetzten Arbeitskräfte, Rohstoffe, Maschinen etc.
werden als Produktionsfaktoren r bezeichnet. Eine Produktionsfunktion x(r) stellt dann
sowohl bei makroökonomischen (gesamtwirtschaftlichen) als auch bei mikroökonomischen
(einzelwirtschaftliche) Produktionsprozessen die Abhängigkeit der Produktionsmenge x eines
Gutes (Output) von den Einsatzmengen r i dar.
Zwar hängt der Funktionswert der Produktionsfunktion in der Regel von mehreren
Produktionsfaktoren ab, aber unter ceteris-paribus-Prämisse gilt:
x x(r) ; r 0.
Beispiele:
0, 4 r für r 10
limitationale Produktionsfunktion, z.B. x (r)
4 für r 10
Die Kostenfunktion K ges gibt die Abhängigkeit der gesamten Kosten einer Periode von der
innerhalb dieser Periode produzierten Menge x eines Gutes an:
Gewinnfunktion G(x) :
Unter dem Gesamtgewinn versteht man die Differenz aus dem Erlös (Umsatz) und den
Kosten. Daher lautet die Funktionsgleichung für die Gewinnfunktion
Zur Gewinnfunktion:
Gewinnschwelle:
Die Gewinnschwelle liegt dort, wo der Erlös (Umsatz) gerade die Gesamtkosten
deckt, denn dort ist der Gewinn gleich Null. Für die Gewinnschwelle muss daher
gelten:
Cournotscher Punkt1:
Der zur gewinnmaximalen Produktionsmenge x G,max gehörige Punkt auf der Preis –
Absatz-Funktion p(x) eines Monopolunternehmens heißt Cournotscher Punkt C.
Der Cournotscher Punkt C liegt dort, wo die Grenzkosten gleich dem Grenzumsatz sind.
Beispiel:
Gegeben sei die Gewinnfunktion G(x) 10x 2 300x 500 sowie die Preis-Absatz-
Funktion p(x) 300 4x . Bestimmen Sie den Cournotschen Punkt.
Lösung:
Grenzfunktionen:
Die erste Ableitung f einer ökonomischen Funktion f heißt Grenzfunktion (Marginal-
funktion). Grenzfunktionen messen näherungsweise die Zunahme oder Abnahme von f bei
Erhöhung/Senkung von x 0 um eine „Einheit“.
Beispiele:
Grenzkosten K (x)
Grenzgewinn G (x)
Grenzerlös E (x)
Durchschnittsfunktionen:
f(x)
Gegeben sei die Funktion y f(x) mit Df x x 0 . Die Funktion y heißt
x
Durchschnittsfunktion der Funktion y.
y gibt den auf eine Einheit von x bezogenen durchschnittlichen Funktionswert an.
Hinweise:
Funktion und deren Durchschnittsfunktion schneiden sich immer an der Stelle 1, dort sind z.B.
Gesamtkosten und Durchschnittskosten (Stückkosten) gleich.
Die Werte der Grenzfunktion und der Durchschnittsfunktion sind in den Extrempunkten der
Durchschnittsfunktion gleich groß, z.B. sind die Grenzkosten im Punk mit maximalen/minimalen
Durchschnittskosten gleich.
Beispiele Durchschnittsfunktionen:
Stückkostenfunktion k(x) :
Dividiert man die Gesamtkostenfunktion K ges durch die produzierte Menge x, erhält
man die Stückkosten- oder Durchschnittskostenfunktion k. Die Durchschnittskosten-
funktion gibt die auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Kosten an.
Kges (x)
k(x)
x
– Betriebsoptimum:
Wenn die Stückkosten minimal sind, arbeitet ein Betrieb in seinem Optimum.
Das Betriebsoptimum ist also das Minimum der Stückkostenfunktion.
– Betriebsminimum:
Stückgewinnfunktion g(x) :
Dividiert man die Gewinnfunktion durch die produzierte Menge x, erhält man die
Stückgewinn- oder Durchschnittsgewinnfunktion GD . Die Stückgewinnfunktion gibt
den auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Gewinn an.
Deckungsbeitrag D(x):
Die Differenz zwischen Erlös und variablen Kosten heißt Deckungsbeitrag D(x).
Stückdeckungsbeitrag d(x):
Teilt man den Deckungsbetrag durch die Menge x, erhält man den Stückdeckungsbeitrag d(x)
(Deckungsbeitrag pro ME).
D(X)
d(x)
x
G(x) d(x) Kf
grundlegende Marktformen:
Im Zusammenhang mit der Preisbildung unterscheidet man je nach Anzahl der Anbieter und
Nachfrager drei Grundformen von Märkten:
Viele Anbieter Wenige Anbieter Ein Anbieter
Viele Nachfrager Polypol Oligopol Monopol
Angebot und Nachfrage Monopolist bestimmt den
bestimmen den Preis Preis
starker Wettbewerb kein Wettbewerb
Polypol Monopol
Bei Angebots- und Nachfragefunktionen ist zu beachten, dass die abhängige Variable (Menge) mit x, die
unabhängige Variable (Preis) mit p bezeichnet wird. Man hat also eine Funktionsgleichung der Art:
x x (p) ...
Nachfragefunktion xN ( p ) :
Bezüglich des Verlaufs einer Nachfragefunktion lässt sich vermuten, dass mit sinkenden Preisen die
nachgefragte Menge steigt, so dass die Nachfragefunktion von links oben nach rechts unten (streng?)
monoton fallend verlaufen dürfte. Ob linear oder gebrochen rational hängt vom Einzelfall ab.
Angebotsfunktion xA ( p ) :
Bezüglich des Verlaufs einer Angebotsfunktion lässt sich dagegen vermuten, dass mit steigenden
Preisen die angebotene Menge ebenfalls steigt, weil immer mehr Produzenten (Hersteller) bereit sein
werden, dieses Produkt zu produzieren. Die Angebotsfunktion dürfte daher von links unten nach
rechts oben (streng?) monoton steigend verlaufen. Ob linear oder gebrochen rational hängt ebenfalls
vom Einzelfall ab.
Stellt man lineare Angebots- und Nachfragefunktion in einem gemeinsamen Koordinatensystem dar,
ergibt sich folgende Graphik:
PG
N
X
XG
Marktgleichgewicht:
Der Skizze ist zu entnehmen, dass sich Angebots- und Nachfragefunktion im Punkt (PG ; XG)
schneiden. Dieser Schnittpunkt wird als Marktgleichgewichtspunkt oder einfach nur als Marktgleichge-
wicht bezeichnet.
Mathematisch betrachtet ist das Marktgleichgewicht der Schnittpunkt zweier Funktionen und damit
letztendlich nichts anderes als das schon bekannte Problem des Findens von Nullstellen einer
Funktion.
Hinweise:
(1) Nachfrage- und Angebotsfunktion sind zueinander inverse Funktionen.
(2) Aufgrund einer Konvention wird der Preis, obwohl unabhängige Variable, auf der Ordinate abgetragen
und die nachgefragte/angebotene Menge auf der Abszisse.
Zusammenfassung:
Preis-Absatz-Funktion p p(x ) :
gibt die Abhängigkeit des Preises eines Gutes (Output) von der Verkaufs-
menge x dar.
K ges (x)
Stückkostenfunktion k(x) : k(x)
x
Die Stückkostenfunktion gibt die auf eine produzierte Einheit durchschnittlich
anfallenden Kosten an.
G(x)
Stückgewinnfunktion g(x) : g(x)
x
gibt den auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Gewinn an.
Grenzfunktionen:
die Grenzfunktion einer ökonomischen Funktion f kann durch ihre erste
Ableitung f beschrieben werden.
V Elastizitäten:
5.1 Vorbemerkung:
Von ökonomischem Interesse ist die Frage, wie sich das Änderungsverhalten
ökonomischer Größen sinnvoll und aussagekräftig beschreiben lässt, beispielsweise
wie sich das Nachfrageverhalten nach einem Gut verändert, wenn der Preis
dieses Gutes um 1% erhöht wird
oder
welche Auswirkung eine 1% ige Preiserhöhung auf den Umsatz hat
oder
welche Auswirkung eine 1% ige Erhöhung des Werbeetats auf den Umsatz hat
Elastizitätskoeffizient :
Der Elastizitätskoeffizient (gelesen „epsilon“) ist eine Maßzahl, die angibt, wie
die relative (prozentuale) Veränderung einer abhängigen Variable f (x) auf
eine relative Veränderung der unabhängigen Variable x reagiert.
Einführungsbeispiel:
Gegeben ist die lineare Nachfragefunktion
Frage: Wie ändert sich prozentual die Nachfragemenge x, wenn der Preis – ausgehend
von einem Preis von p0 10 – um 1% erhöht wird?
Achtung: Hier ist der Preis p die unabhängige, die verkaufte Menge x die
abhängige Variable.
Lösung:
bisheriger Preis: p0 10
p 0,1
relative Preisänderung: 0,01
p0 10
x 4
relative Mengenänderung: 0,025
x0 160
Der Quotient
gibt an, um wieviel Prozent sich durchschnittlich die Menge (= die abhängige
Variable) verändert, wenn sich der Preis (die unabhängige Variable) um 1%
erhöht.
Interpretation:
Hinweis:
5.2 Bogen-Elastizität:
Der Quotient
f f(x x) f(x)
f f(x) relative Veränderung abhängige Variable
f,x
x x relative Veränderung unabhängige Variable
x x
f(x x) f(x)
f(x) f(x x) f(x) x f x
f,x
x x f(x) x f(x)
x
Interpretation:
Hinweis:
f(x x) f(x)
Der erste Faktor des Elastizitätskoeffizienten ist der bekannte Differenzenquotient
x
und gibt die Steigung einer linearen Funktion an.
Skizze:
1. Punkt
f
2. Punkt
x
Die Definition der Bogenelastizität ist für das praktische Rechnen recht unhandlich.
Verwendet man statt den Differenzen f und x die Differentiale df und dx , erhält man
den in der Ökonomie gebräuchlichen und rechentechnisch einfacheren Elastizitätsbegriff:
die Punktelastizität:
5.3 Punkt-Elastizität:
df
f
f,x (x 0;f 0)
dx
x
Durch die Umformungen
df
f df x df x x f (x)
f,x f (x) x
dx f dx dx f (f(x) f(x)
x
Berechnungsformel Punktelastizität:
f (x)
f,x x
f(x)
Interpretation:
f,x gibt näherungsweise an, um wie viel Prozent sich die abhängige
Variable f ändert, wenn die unabhängige Variable x – ausgehend von einer
Stelle x – um ein Prozent geändert wird.
Beispiel 1:
Für das Einführungsbeispiel mit der Nachfragefunktion x(p) 40p 560 ergibt sich
– ausgehend von einem Preis p0 10 – der Elastizitätskoeffizient ebenfalls zu:
x (p) 40
x,p p 10 2,5
x(p) 160
Interpretation:
Wird – ausgehend von 10 GE – der Preis um 1% erhöht, sinkt die
Nachfragemenge durchschnittlich um 2,5%.
Beispiel 2:
3
Gegeben sei die Kostenfunktion K mit K(x) x 10x 2 50x 20 . Berechnen Sie die
relative Kostenänderung bei einem Output von x 30 ME .
K (x) 3x 2 20x 50
Elastizitätsfunktion: K,x x x
K(x) 3 2
x 10x 50x 20
2150
Elastizitätskoeffizient: K,x(30) 30 3,3
19520
Sonderfälle:
vollkommen elastisch, wenn x , d.h. x oder x
Hinweise:
1. Der erste Index in der Formel f,x gibt immer die abhängige, der zweite Buchstabe immer
die unabhängige Variable an.
abhängige unabhängige
Variable Variable
2. Die relative (prozentuale) Veränderung der abhängigen Variablen muss stets im Zähler, die
der unabhängigen Variablen stets im Nenner von f,x stehen.
3. Ebenso wie die Ableitung einer Funktion wieder eine Funktion von x ist, ist auch die
Elastizität einer Funktion wieder eine Funktion. Man spricht deshalb bei ( x ) von der
Elastizitätsfunktion und muss wie bei den Ableitungsfunktionen zwischen Funktion und
dem Wert der Funktion hier: der Elastizität an der Stelle x a unterscheiden.
Der an einer Stelle x a ausgerechnete Funktionswert (a) nennt man Elastizitäts-
koeffizient.
5. Die Punktelastizität nähert die Bogenelastizität umso besser an, je kleiner x gewählt wird
und stimmt im Grenzfall x 0 mit ihr überein.
6. Ist eine lineare Funktion gegeben, dann sind Punkt- und Bogenelastizität gleich groß (siehe
Einführungsbeispiel). Warum wohl?
7. Die Elastizität hat keine Einheit, lässt sich aber als prozentuale Veränderung der abhängigen
Variablen interpretieren, wenn die unabhängige Variable um 1% erhöht wird.
x
relative Mengenänderung x
Bogenelastizität: x,p
relative Preisänderung p
p
x (p)
Punktelastizität: x,p p
x(p)
In der Regel ist die Preiselastizität der Nachfrage negativ, da sich bei
Preissteigerungen die Nachfrage verringert. Das negative Vorzeichen des
Elastizitätskoeffizienten gibt daher nur an, dass die relative Mengenänderung
gegenläufig zur relativen Preisänderung verläuft, d.h. erhöht sich der Preis,
verringert sich die Menge und umgekehrt.
Beispiele:
1) Eine 20%ige Preiserhöhung hat eine 40%ige Mengenreduzierung zur Folge.
Berechnen Sie die Preiselastizität der Nachfrage und interpretieren Sie Ihr
Ergebnis:
Lösung:
relative Mengenänderung 40%
x,p 2
relative Preisänderung 20%
2) Der Preis einer Ware wird von 5 GE auf 8 GE erhöht. Daraufhin verringert sich die
Nachfrage von 10 ME auf 4 ME. Berechnen Sie die Preiselastizität der Nachfrage
und interpretieren Sie Ihr Ergebnis:
Lösung:
Neue Menge alte Menge 4 10
Relative Mengenänderung: 0,6
alte Menge 10
Da x,p
1 1 reagiert die Nachfrage fließend.
relative Preisänderung
Bogenelastizität: p,x
relative Mengenänderung
p (x)
Punktelastizität: p,x x
p(x)
Analoge Interpretation der Begriffe elastisch, unelastisch und fließend wie bei
der Nachfragefunktion:
Problem:
Wie bestimmt man aus einer gegebenen Angebotsfunktion p(x) die
Preiselastizität der Nachfragefunktion x(p)?
Beispiel 1:
Gegeben ist die Angebotsfunktion p(x) 10 0,5x . Gesucht ist die Preiselastizität der
Nachfragefunktion x(p) bezüglich des Preises p = 6.
x (p)
Zu berechnen ist also x,p p
x(p)
Möglichkeit 1: Die Umkehrfunktion von p(x) bilden, also x(p) und dann x,p direkt
ausrechnen.
1
Allgemein gilt: f,x
x,f
1
Insbesondere: x,p
p,x
1 3
Anwendung der Regel x,p ergibt: x,p 1,5
p,x 2
Beispiel 2:
0,01x
Gegeben ist die Angebotsfunktion p(x) 800 e . Berechnen Sie die Preiselas-
tizität der Nachfrage x,p bei einer Nachfrage von 10 ME.
Lösung:
0,01x
p (x) 8 e 8
A p,x x x x 0,01x
p(x) 0,01x 800
800 e
1
Gesucht ist allerdings x,p (10) . Mit x,p ergibt sich die gesuchte
p,x
1
Preiselastizität der Nachfrage zu x,p (10) 10 .
p,x
Hinweis:
Auf youtube finden Sie eine Vielzahl von Lernvideos (nicht nur) zum Begriff der Elastizität. Die Elastizität
entlang einer linearen Nachfragekurve wird sehr gut erklärt im Video:
[Link]
Die Einheitselastizität und Nachfragekurven mit konstanten Elastizitäten (isoelastisch) wird sehr gut erklärt
im Video:
[Link]