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Script zum Modul Quantitative Methoden

Analysis

Berthold Halbmann
Stand: WiSe 2021/2022

© Nachdruck und Vervielfältigungen nur mit vorheriger Zustimmung des Autors


© Berthold Halbmann Hochschule Bremen Seite |I
Quantitative Methoden Analysis Inhalt

Inhalt

Kapitel I: Einführung/Grundlagen............................................................................... - 1 -
1.1 Mathematik und Ökonomie. Modellbildung ............................................................................ - 2 -
1.2 Mengen und Zahlbereiche (Selbststudium) ............................................................................... - 7 -
1.2.1 Durchschnitt und Vereinigung von Mengen/Teilmengen ......................................................................... - 8 -
1.2.2 Zahlenmengen ................................................................................................................................... - 9 -
1.2.3 spezielle Mengen reeller Zahlen ........................................................................................................ - 9 -

1.3 Lösen von Gleichungen (Selbsstudium) .............................................................................. - 12 -


1.3.1 Intervallschachtelung .................................................................................................................................. - 16 -
1.3.2 Newton-Verfahren ........................................................................................................................... - 18 -
1.3.3 Polynomdivision ............................................................................................................................... - 19 -

Kapitel II: Funktionen . ....................................................................................... …. - 20 -


2.1 Zuordnung, Funktion und Umkehrfunktion .......................................................................... - 20 -
2.2 ausgewählte Eigenschaften von Funktionsgraphen (Selbsstudium) ........................................ - 28 -
2.2.1 Monotonie ........................................................................................................................................ - 28 -
2.2.2 konvex/konkav .............................................................................................................................................. - 28 -
2.2.3 Symmetrien ...................................................................................................................................... - 29 -
2.2.4 Beschränktheit .............................................................................................................................................. - 30 -
2.2.5 Transformation von Funktionsgraphen ............................................................................................ - 31 -

2.3 Nullstellen und Schnittpunkte von Funktionen ..................................................................... - 32 -


2.4 analytische Bestimmung von Nullstellen einer Funktion ...................................................... - 33 -
2.5 Grenzwertbetrachtungen ..................................................................................................... - 35 -
2.5.1 Rechenregeln für Grenzwerte .................................................................................................................... - 40 -
2.2.5 Regeln von d L´Hôspital ................................................................................................................. - 41 –

2.6 elementare Funktionen ....................................................................................................... - 42 -


2.6.1 ganzrationale Funktionen n-ten Grades .................................................................................................... - 42 -
2.6.2 konstante und lineare Funktion ................................................................................................................... - 43 -
2.6.3 quadratische Funktion .................................................................................................................................. - 44 -
2.6.4 Potenz- und Wurzelfunktion ....................................................................................................................... - 47 -
2.6.5 Exponentialfunktion ...................................................................................................................................... - 50 -
2.6.6 gebrochenrationale Funktionen/Asymptoten ........................................................................................... - 53 -

Kapitel III: Einführung in die Differentialrechnung . ............................................... - 58 -


3.1 Das Tangentenproblem ....................................................................................................... - 58 -
3.2 Differenzenquotient und Differentialquotient ........................................................................ - 60 -
3.3 Ableitung als Tangentensteigung und Differentialquotient ................................................... - 61 -
3.4 Das Differential einer Funktion ............................................................................................ - 63 -
3.5 Ableitungsregeln ................................................................................................................. - 66 -
3.6 Kurvendiskussion ................................................................................................................ - 68 -
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Quantitative Methoden Analysis Inhalt

Kapitel IV: mathematische Funktionen in ökonomischer Anwendung . ............... - 71 -


4.1 Allgemeine Grundlagen ....................................................................................................... - 71 -
4.2 Funktionen in ökonomischer Anwendung (Auswahl) .................................................................. - 74 -

Kapitel V: Elastizitäten .............................................................................................. - 80 -


5.1 Vorbemerkung .................................................................................................................... - 80 -
5.2 Bogenelastizität....................................................................................................................... - 82 -
5.3 Punktelastizität .................................................................................................................... - 83 -
5.4 Preiselastizität der Nachfrage ................................................................................................ - 86 -
5.5 Preiselastizität des Angebotes .............................................................................................. - 99 -
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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

I Einführung/Grundlagen
Vorbemerkung:
In den Wirtschaftswissenschaften werden vielfach mathematische Modelle zur Beschreibung und
Analyse ökonomischer Prozesse eingesetzt. Mathematische Modelle werden benutzt, um
Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen z.B. zwischen Konsum und Einkommen oder
Preis- und Absatzmenge abzubilden und damit analysieren zu können. Solche ökonomischen
Zusammenhänge werden durch Funktionen möglichst einfachen Typs beschrieben und häufig aus
empirischen Daten gewonnen (siehe Statistik, Regression). Modellhaft wird vielfach von stetigen
Funktionen ausgegangen auch wenn es sich beispielsweise um Stückzahlen handelt.

Ein Standardwerkzeug in der Ökonomie ist dabei die Differentialrechnung, weil

(1) es in der Ökonomie vielfach um die Ermittlung optimaler Zustände geht – mathema-
tisch gesprochen – um Extrema.

(2) in der ökonomischen Theorie nach Zusammenhängen zwischen zwei Größen x und f
gesucht wird, mathematisch gesprochen: Wie verändert sich die Variable f wenn die
Variable x verändert wird.

Mathematisch schreibt man das so: f:x f(x)

f heißt abhängige Variable („endogene Variable“)


x heißt unabhängige Variable („exogene Variable“)

konkrete Abhängigkeiten von f:

f:x a bx oder f(x) a bx


kx kx
f:x a e oder f(x) a e

aber auch

f (x) 0
df was dasselbe ist
(x) 0
dx
df nach dx, „Differentialquotient“ oder erste Ableitung

Auch für das Studium der Wirtschaftswissenschaften führt daher kein Weg an der Mathematik
vorbei. Wichtige mathematische Grundbegriffe wie Gleichungen, Funktionen, Differentiation
müssen erlernt bzw. wiederholt werden.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.1. Mathematik und Ökonomie. Modellbildung.

Definition 1.1.1: Modell


Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild eines realen Problems, das wesentliche Teilaspekte
des Realproblems berücksichtigt und durch Abstraktionsvorgänge aus dem realen Problem
abgeleitet wird. Ein Modell ist daher stets ein Abbild der Realität und nicht die Realität selbst.

Die Herstellung eines formalen Abbilds dieser Teilaspekte des realen Problems wird Modellierung
genannt. Verwendet man zur Modellierung mathematische Begriffe wie Funktion, Grenzwert etc.,
spricht man von einem mathematischen Modell.

Schematische Darstellung des Modellierungsprozesses:

1
ökonomische Fragestellung
(reales Problem)

4 2
Anwendung der mathematischen Lösung auf Umsetzung in mathematische Problem
ökonomisches Fragestellung (Abstraktion)

3
Lösen des mathematischen Problems

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel 1: Gewinnmaximierung eines Monopolisten (Monopolpreisbildung)

1 Ökonomische Fragestellung: (reales Problem)


Bei welcher Produktionsmenge x eines Monopolisten ist der Gewinn maximal?

2 Umsetzung in mathematisches Problem: (Abstraktion)

Ermitteln der Gewinnfunktion G(x). Für welche x hat G(x) ein Maximum?
G’(x)
Wie findet man die Gewinnfunktion?

Erlös ( = Umsatz) - Kosten

G’(x), G’(x) = D, die Gleichung lösen, ergibt d

Hinweis: Für alle Funktionen sei vorausgesetzt, dass sie mindestens zweimal differenzierbar
seien. Aus ökonomischen Gründen sei ihr Definitionsbereich auf x 0 beschränkt.

3 Lösen des mathematischen Problems:


Maximum einer Funktion bestimmen.

Notwendige Bedingung für ein Maximum: G (xE ) 0


Hinreichende Bedingung für ein Maximum: G (xE ) 0

4 Anwendung der mathematischen Lösung auf ökonomische Fragestellung.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel 2: Trendermittlung (Statistik)


Eine Analyse der Hotelübernachtungen im Lande B ergab folgendes Bild.
Jahr Übernachtungen (in (1000)
2020 12
2021 16
2022 14
2023 25
2024 22

1 Ökonomische Fragestellung: (reales Problem)


Mit welcher Anzahl von Übernachtungen ist im Jahre 2026 zu rechnen?

2 Umsetzung in mathematisches Problem: (Abstraktion)


Gibt es eine mathematische Funktion, mit deren Hilfe man die Zahl der Übernachtungen
prognostizieren kann? Wenn ja, wie findet man diese Funktion?

3 Lösen des mathematischen Problems:


Stichworte: Korrelation/Regression (siehe Statistik)

30

25

20

15

10

0
2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025

4 Anwendung der mathematischen Lösung auf ökonomische Fragestellung.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel 3: Theoriebildung in der VWL

Betrachtet werden die Variablen Konsum – Einkommen.

Was ist die abhängige, was die unabhängige Variable?

unabhängige Variable: Einkommen x


abhängige Variable: Konsum f(x)

Notation in VWL:

Konsum C: Consumption
Einkommen Y: Yield (income)

Klar ist: Mit steigendem Einkommen, steigt der Konsum

vielleicht realistischer:

C(y) beschränktes Wachstum

C’(y) > 0: die Zunahme des Konsums steigt


Grenze mit zunehmendem Einkommen.

C“(y) < 0: die Zunahme des Konsums ist zwar


immer positiv, nimmt aber mit zunehmendem
Einkommen ab.

mathematisch: „die Steigung der Steigung


nimmt ab“.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel 4: Pandemien

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.2. Mengen und Zahlbereiche (Selbststudium)


Für die Mathematik ist der Mengenbegriff von grundlegender Bedeutung. So wird der für die
Analysis zentrale Begriff der Funktion als Zuordnungsvorschrift zwischen zwei Mengen D und W
definiert, die gewisse Bedingungen erfüllen müssen. Zum Beispiel wird die Kostenfunktion als
(eindeutige) Zuordnung der Produktionsmenge zu den Produktionskosten modelliert. Im Folgenden
werden daher die wichtigsten Begriffe der Mengenlehre wiederholt.
Eine ausführliche Version dieser Ausführungen finden Sie in meinem Script zum Propädeutikum
Mathematik.

Definition1.2.1: Menge
Eine Menge ist eine nach bestimmten Kriterien vorgenommene Zusammenfassung
wohlunterschiedener Objekte zu einem Ganzen.
Die Objekte a einer Menge A heißen Elemente der Menge und gehören zu einer Grund-
menge G, beispielsweise G = die Menge aller Lego - Steine und A = die Menge der blauen
Lego – Steine.

Schreibweise:

a A bedeutet: das Element a gehört zur Menge A

a A bedeutet: das Element a gehört nicht zur Menge A

Für jedes Element a gilt entweder a A oder a A .

Mengen können durch Aufzählen ihrer Elemente beschrieben werden. Auf die Reihenfolge der
Elemente kommt es dabei nicht an. Mehrfach vorkommende Elemente werden nur einmal gezählt,
also zum Beispiel

A a,b,c b,a,c
A a,b,b,c a,b,c

Beispiele:

(1) Die Menge B aller Ziffern im Zahlensystem

B 0 , 1, 2 , ... , 9

(2) Die Menge T aller ganzzahligen Teiler von 12

T 1, 2 , 3 , 4 , 6 , 12

mathematische Schreibweise: T x x ist Teiler von 12

Hinweis: x x wird gelesen als: x für das gilt

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.2.1 Durchschnitt und Vereinigung von Mengen/Teilmenge


Definition 1.2.1: Durchschnittsmenge
Die Durchschnittsmenge (Schnittmenge) A B zweier Mengen A und B ist die Menge aller
Elemente, die sowohl in A als auch in B enthalten sind.

Schreibweise: A B x x A und x B

Definition 1.2.2: Vereinigungsmenge


Die Vereinigungsmenge A B zweier Mengen A und B ist die Menge aller Elemente, die
entweder in A oder in B oder in beiden enthalten sind.

Schreibweise: A B x x A oder x B

Definition 1.2.3: Teilmenge


Eine Menge A heißt Teilmenge der Menge B, wenn jedes Element von A auch Element von
B ist.

Schreibweise: A B: (für jedes a gilt:a A a B)

Definition 1.2.4: disjunkte Mengen


Zwei Mengen, die kein gemeinsames Element besitzen, heißen disjunkt (elementfremd).

Schreibweise: A , B disjunkt A B

Definition 1.2.5: Komplementärmenge


Gegeben sei die Menge A. Die Komplementärmenge A (gelesen „A quer“) ist dann die
Menge, die aus allen Elementen besteht, die zu A gehören, aber nicht zu A.

Satz 1.2.1:

Für jede Menge M gilt: symbolisch

Die leere Menge ist Teilmenge jeder Menge: M

Jede Menge ist Teilmenge von sich selbst: M M

Beispiel: Gegeben seien die Mengen A 3,4,6,7 , B 3,5,6 und C 4,2,1 .


Bestimmen Sie die Schnittmengen A B und B C sowie die Vereinigungsmenge
A B

Lösung: A B 3;6

B C
A B 3;4;5;6;7

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.2.2 Zahlenmengen

Menge der natürlichen Zahlen ,

IN 1,2,3, ...

Menge der ganzen Zahlen

... 2, 1, 0 ,1,2,3,...

Menge der rationalen Zahlen (Bruchzahlen)

p
p und q ,q 0
q

Menge der reellen Zahlen (Punkte auf der Zahlengeraden)

Menge der komplexen Zahlen (Punkte der Ebene)

Es gilt:

1.2.3 spezielle Mengen reeller Zahlen


Intervalle

Ein Intervall ist eine spezielle Teilmenge der reellen Zahlen IR.

Algebraisch: Für a b nennt man die Zahlenmenge I a;b x a x b ein


abgeschlossenes Intervall von a bis b.

Geometrisch: Alle Zahlen, die auf der Zahlengeraden zu der Strecke von a nach b
gehören.

anschaulich: Zahlengerade
a b

untere obere

Intervallgrenze

Will man die obere Intervallgrenze nicht mit in die Zahlenmenge nehmen, schreibt man a;b
oder a ; b . Will man dagegen die untere Intervallgrenze nicht mit in die Zahlenmenge nehmen,
schreibt man a ; b oder a;b .

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Die Zahlenmenge

I a; b x a x b heißt abgeschlossenes Intervall von a bis b

I a; b x a x b heißt rechtsoffenes Intervall von a bis unter b.

I a; b x a x b heißt linksoffenes Intervall von über a bis b

I a; b x a x b heißt offenes Intervall von über a bis unter b

Zahlengerade
anschaulich:
a b

b gehört zum Intervall

Zahlengerade
a b

b gehört nicht zum Intervall, wird aber


beim Rechnen mitgerechnet.

Intervalllänge xi : xi b a gelesen: „delta xi “ ,

1
Intervallmitte mi : mi (a b)
2

Beispiel: Das Intervall 3 ; 8 hat die Intervalllänge xi b a 8 3 5 und die Intervallmitte


1 1
mi (a b) (3 8) 5,5
2 2

cartesisches Produkt

Die Produktmenge der reellen Zahlen besteht aus allen geordneten Zahlenpaaren
( x , y ) , die geometrisch als Punkte der Ebene dargestellt werden können.

2
Schreibweise: (x, y) x und y

waagrechte Achse: x-Achse (Abszisse)

senkrechte Achse: y-Achse (Ordinate)

2
Das Zahlenpaar (x , y) IR entspricht genau einem Punkt der Ebene.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Das Cartesische Koordinatensystem:

In nachstehender Skizze ist x = 2 und y = 1.

y - Achse

4
2. Quadrant 1. Quadrant
3

1 P(2;1)

x - Achse
-4 -3 -2 -1 1 2 3 4
-1

3. Quadrant -2 4. Quadrant

-3

-4

Geschichtliches:

Benannt wurde das kartesische Koordinatensystem nach dem französischen Philosophen (und
Mathematiker) René DESCARTES (1596-1650), der in seinem 1637 erschienenen berühmten
»Discours de la Méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences« 1,
eine neue mathematische Methode zur Lösung geometrischer Probleme vorstellt. Dazu führt
DESCARTES einen Bezugspunkt O (Koordinatenursprung) und zwei senkrecht aufeinander
stehende Koordinatenachsen ein und ordnet eineindeutig jedem Punkt der Ebene Zahlen zu: Das
(cartesische) Koordinatensystem war geboren!

Als Philosoph prägte er den Satz: „Cogito ergo sum“ (= ich denke, also bin ich).

1 »Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut (richtig) zu führen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu
suchen«

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.3. Lösen von Gleichungen (Selbststudium)


Ein zentrales Problem der Analysis ist das Lösen von Gleichungen, sei es in Form der
Nullstellenbestimmung einer Funktion, der Schnittpunktbestimmung zweier Funktionen oder der
Bestimmung von Extremstellen. Deshalb im Folgenden eine kurze Wiederholung zum Lösen von
Gleichungen:
Eine ausführliche Version dieser Ausführungen finden Sie wiederum in meinem Script zum
Propädeutikum Mathematik.

Definition 1.3.1: Gleichungen


Verbindet man zwei Terme T1 und T2 durch das Gleichheitszeichen, so entsteht eine Gleichung.

T1 T2

Jede Gleichung lässt sich umformen zu T1 T2 0.

Definition 1.3.2: Grundmenge/Definitionsmenge

Die Menge der Zahlen, die zum Einsetzen für die Variable x zur Verfügung stehen, heißt
Grundmenge G (z.B. G oder G ). Die Menge der Zahlen aus der Grundmenge, die für
die Variable x eingesetzt werden dürfen, heißt Definitionsmenge D.

Definition 1.3.3: Lösung/Lösungsmenge

Diejenigen Elemente einer Grundmenge G, die beim Einsetzen für x in die Gleichung zu einer
wahren Aussage führen, heißen Lösungen der Gleichung. Sie werden zusammengefasst zur
Lösungsmenge .

Grundprinzipien beim Lösen von Gleichungen:

(1) Was auf der linken Seite einer Gleichung verändert wird, muss gleichzeitig auch auf der
rechten Seite verändert werden.

(2) Multipliziert/Dividiert man eine Gleichung mit einer x-beliebigen Zahl k 0 , dann muss man
beide Seiten der Gleichung mit dieser Zahl multiplizieren/dividieren!

Dabei muss jeder Summand mit der Zahl multipliziert werden!

(3) Bei Gleichungsumformungen niemals mit der Variablen multiplizieren/dividieren, da die


Variable gleich Null sein könnte, es sei denn, man ist sich sicher, dass die Variable nicht Null
ist.

(4) Kommen Brüche in der Gleichung vor, muss zunächst mit dem Produkt der Nenner (= Haupt-
nenner) multipliziert werden. Dabei müssen die Zahlen, die den Nenner zu Null machen,
ausgeschlossen werden!

(5) Ist eine Produktgleichung T1(x) T2 (x) Tn (x) 0 gegeben oder kann man durch Aus-
klammern der Variablen eine Gleichung in eine Produktgleichung umformen, dann findet
man alle Lösungen dieser Gleichung durch Nullsetzen der einzelnen Faktoren.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Definition 1.3.4: algebraische Gleichung n-ten Grades

Eine Gleichung der Form

an x n a n 1x n 1 an 2 x n 2 a2x 2 a1 x a0 0

mit a0 ; a1 ; ; an und n heißt algebraische Gleichung n-ten Grades.

n heißt Grad der Gleichung


ak , k 1, ,n heißen Koeffizienten der Gleichung

Beispiel:

15 5
4x 2x 3x 17 0 ist eine algebraische Gleichung 15ten Grades.

Sonderfälle:

n algebraische Form Name


1 ax b 0* lineare Gleichung

2 ax 2 bx c 0 quadratische Gleichung

3 ax 3 bx 2 cx d 0 kubische Gleichung

4 ax 4 bx 2 c 0 (rein) biquadratische Gleichung

Hinweis:
Die Lösungen dieser Gleichungen sind die Nullstellen folgender ganzrationaler
Funktionen n-ten Grades:

Funktionsgleichung: Name:

f(x) ax b lineare Funktion

f (x) ax 2 bx c quadratische Funktion

f (x) a x3 b x2 cx d kubische Funktion

f(x) ax 4 bx 2 c biquadratische Funktion

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Lösen von Gleichungen:

l i n e a r e G l ei c h u n g en :

Eine Gleichung hei ßt lineare Gleichung (oder algebraische Gleichung erstenn Grades), wenn
die Gleichungsvariable in erster Potenz auftritt.
ax b c „auflösen nach x“:

q u a d r a t i s c h e G l ei ch u n g e n :

Eine Gleichung hei ßt quadratische Gleichung (oder algebraische Gleichung zweiten Grades),
wenn die Gleichungsvariable in zweiter Potenz auftritt.

Hauptform einer quadratischen Gleichung:


2
Die Form a x bx c 0 ( a 0 ) nennt man Hauptform der quadratischen Gleichung

Normalform einer quadratischen Gleichung:


2
Die Form x px q 0 nennt man Normalform der quadratischen Gleichung.

p/q – Formel:

Für und nur für (!) quadratische Gleichungen der Form


2
x px q 0 (Normalform)

!! gilt für die Lösung die p/q-Formel:

p p
2 !!
x1;2 q
2 2

Man kann jede quadratische Gleichung auf Normalform bringen, indem die gesamte
Gleichung durch den Faktor a dividiert wird.

„ M i t t er n a c h t sf o r me l “ ( a b c - F o r m e l )

2
Die quadratische Gleichung a x b x c 0 ( a 0 ) lässt sich auch mit Hilfe folgender
Formel lösen, ohne sie auf die Normalform bringen zu müssen:

2
b b 4ac
x1;2
2a

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel: 2x
2
8x 10 10
2
2x 8 x 10 0 :2
2
x 4x 5 0

Es ist also p 4 und q 5 . Damit ergeben sich mit Hilfe der p/q-Formel die
Lösungen zu:

2
p p
x1;2 q
2 2
2
( 4) 4
( 5)
2 2

2 4 5

Lösung: x1 2 9 2 3 1 oder x 2 2 9 2 3 5

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1.3.1 Intervallschachtelung:

In der Praxis lassen sich Nullstellen einer Funktion nur selten explizit, d.h. durch Auflösen
der Gleichung f(x) = 0 nach der Variablen x, berechnen.

Die Numerische Mathematik bietet iterative Verfahren an, mit denen die Nullstellen
näherungsweise berechnet werden können. Iterativ heißt hierbei, sich (ausgehend von ersten
Schätzwerten für eine Nullstelle) schrittweise in wiederholenden Rechnungen der exakten Lösung
annährend. Mathematisch formuliert, ausgehend von ersten Schätzwerten für eine Nullstelle
eine Folge zu definieren, deren Grenzwert die gesuchte Nullstelle ist.

Ein solches Verfahren ist die so genannte Intervallschachtelung, Mathematische


Grundlage für das Verfahren ist der Nullstellensatz bzw. in seiner Verallgemeinerung der
Zwischenwertsatz.
Inhaltlich besagten Zwischenwert- bzw. Nullstellensatz, dass eine reelle Funktion f, die auf
einem abgeschlossenen Intervall [a,b] stetig ist, jeden Wert zwischen f(a) und f(b) annimmt
(Zwischenwertsatz). Haben insbesondere f(a) und f(b) verschiedene Vorzeichen, so garantiert
der Zwischenwertsatz die Existenz von mindestens einer Nullstelle von f im Intervall [a,b].
Dieser Sonderfall ist als Nullstellensatz von Bolzano bekannt und nach Bernard Bolzano
benannt 2.

Mathematische Form des Nullstellen- und Zwischenwertsatzes:

Nullstellensatz:
Ist die Funktion f auf dem Intervall [a , b] stetig und gilt, f(a) < 0 und f(b) > 0 (oder
umgekehrt), dann gibt es mindestens eine reelle Zahl x 0 a ,b mit f ( x 0 ) 0.

Ist f im Intervall [a , b] außerdem streng monoton, so liegt in diesem Intervall


genau eine Nullstelle.

Zwischenwertsatz:
Ist die Funktion f auf dem Intervall [a , b] stetig, dann tritt jeder Wert zwischen
f(a) und f(b) als Funktionswert auf, d.h.

aus y 0 f (a) , f (b) folgt, es gibt ein x 0 a ,b mit f (x 0 ) y0

2
: Bernardus Placidus Johann Nepomuk Bolzano (* 05.10.1781 in Prag; † 18.12.1848 in Prag) war ein katholischer
Priester, Philosoph und Mathematiker.

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

Beispiel:
500 000
Gesucht ist die Nullstelle der Funktion f(x) x 150 ; x 0 also
x2

500 000
x 150 0 ; x 0
x2

Zum schnelleren Rechnen lässt sich diese Gleichung umformen zu x 2 ( x 150 ) 500 000 .
Jetzt weiß man, dass x größer als 150 sein muss!
Wir tippen (raten) beispielsweise x 0 200 und erhalten 200 2 50 2 000 000 und damit
einen viel zu großen Wert. Wir tippen beispielsweise x 1 160 und erhalten
160 2 10 256 000 , also einen Wert, der zu klein ist.

Was wir jetzt allerdings wissen ist, dass die Lösung zwischen x 0 200 und x 1 160 liegen
muss (siehe Zwischenwertsatz). Mathematisch formuliert, muss die Lösung also im Intervall
160 , 200 liegen.

Die Idee ist nun, schrittweise das Intervall zu verkleinern ohne die Eigenschaft der
unterschiedlichen Vorzeichen der Funktionswerte zu verlieren.

Tippen wir also beispielsweise x 2 170 . Wir erhalten dann 170 2 20 578 000 , also einen
Wert, der etwas zu groß ist. Was wir jetzt allerdings wiederum wissen ist, dass die Lösung
zwischen 160 und 170 liegen muss und wenn wir die Ergebnisse genauer betrachten, näher
bei 170 als bei 160.

Je nach gewünschter Genauigkeit, lässt sich diese Vorgehensweise beliebig oft


wiederholen.

Aber Achtung:

Sie können sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode rechnen, nämlich dann, wenn
die Lösung eine irrationale Zahl ist!

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1.3.2 Newton-Verfahren:

Das Newton-Verfahren ist eine weitere numerische Möglichkeit, Nullstellen einer Funktion zu
bestimmen. Dazu benutzt man die (iterative) Formel
f (x n )
xn 1 xn
f (x n )
f(xo )
Für n 0 ergibt sich die erste Näherung x1 zu x1 x0 . Dabei ist x 0
f (x0 )
der Startwert.

Beispiel:
Bestimmen Sie auf zwei Nachkommastellen genau die Nullstellen der Funktion f mit
f (x) x3 x 1 . Zu lösen ist also die Gleichung x 3 x 1 0.

Schritt 1: Startwert festlegen:


Wertetabelle: x -1 0 1
f(x) -1 1 3

Nach dem Nullstellensatz muss also zwischen x 1 und x 0 eine Nullstelle


liegen. Als Startwert x 0 bietet sich daher x 0 0,5 an.

Schritt 2: Ableitungen

f (x) x3 x 1 und damit f ( x ) 3x 2 1

Schritt 3: Näherungsrechnungen:

f(x o ) f ( 0,5)
x1 x0 0,5 0,714 .
f (x 0 ) f ( 0,5)

Es ist f ( 0,714 ) 0,078 , also noch etwas zu ungenau. Die nächste Näherung ergibt

f ( x1 ) f ( 0,714 )
sich mit x 2 x1 0,714 zu
f ( x1 ) f ( 0,714 )

0.078
x2 0,714 0.714 0,0308 0,6832
2,53

Es ist f ( 0,6832) 0,0021. Sie haben also auf zwei Nachkommastellen genau die
Nullstelle bestimmt.

(Hinweis: Je nach Taschenrechner ergeben sich etwas andere Ergebnisse)

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Quantitative Methoden Analysis Einführung/Grundlagen

1.3.3 Polynomdivision:
Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung von Nullstellen einer Funktion wäre die Polynom-
division.

Satz: Sei x1 eine Nullstelle eines Polynoms f(x) . Dann gilt: f(x) (x x1 ) g(x) . x heißt
Linearfaktor von x.

f(x)
Idee der Polynomdivision: Bestimme g(x) . Es ist g(x)
(x x1 )

Da die Polynomdivision zur Bestimmung der Nullstelle ungeeignet ist, weil man hier eine Nullstelle
exakt erraten oder die Nullstelle bekannt sein muss, wird sie an dieser Stelle nicht weiter
behandelt. Die Polynomdivision benötigt man aber zur Bestimmung von Asymptoten-Funktionen
(siehe Kapitel 2.2.6). Genaueres zur Polynomdivision siehe Script zum Propädeutikum.

Ein weiteres Verfahren zur Nullstellenbestimmung ist das sogenannte Horner Schema. Auch hier
hat man das Problem, dass zur Ermittlung von Nullstellen eine Nullstelle bekannt oder erraten
werden muss.

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Quantitative Methoden Analysis Funktionen

II Funktionen
Funktionen bzw. Abbildungen sind ein grundlegendes Hilfsmittel zur mathematischen Beschrei-
bung von Zusammenhängen verschiedener Größen, z.B. zwischen Umsatz und Preis einer Ware.

2.1. Zuordnung, Funktion und Umkehrfunktion

Definition 2.1.1: Zuordnung

Eine Z u o r d n u n g ist eine Vorschrift ('Spielregel'), die den Elementen einer


Menge D Elemente einer Menge W zuordnet.

Beispiele:
(1) Name der Mutter Name des Kindes
(2) Die Versandkosten V hängen vom Gewicht der Sendung ab
(3) der Konsum vom Einkommen

Definition 2.1.2: Funktion = Abbildung

Eine Zuordnung f, die jedem Element x aus einer Menge D (in Zeichen: x D )
genau ein Element y aus einer Menge W (in Zeichen: y W ) zuordnet, hei ßt
Funktion oder Abbildung. Man schreibt dafür: f : D W

reelle Funktionen:
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hat man es meist mit Funktionen zu tun, bei denen
die Mengen D und W reelle Zahlen oder Teilmengen davon sind. Solche Funktionen heißen
reelle Funktionen. Man schreibt dann f : Df , wobei der Definitionsbereich Df eine
Teilmenge von oder ganz ist (in Zeichen: f : Df ).

Die Menge Df heißt Definitionsbereich (Definitionsmenge) von f,


Die Menge Wf heißt Wertebereich (Wertemenge) von f.

Definitionsbereich:
Ist f : Df eine reelle Funktion, dann ist der Definitionsbereich Df die Menge aller
Zahlen, für die (je nach Zusammenhang) die Funktion f definiert ist.

Salopp gesagt:
Der Definitionsbereich ist die Menge aller Zahlen, die in die Funktionsgleichung eingesetzt
werden dürfen, nicht können!

Sie können nämlich bei Rot über die Ampel fahren, dürfen aber nicht.

Wertebereich:
Der Wertebereich ist die Menge aller möglichen Funktionswerte

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Quantitative Methoden Analysis Funktionen

Darstellungsweisen des Definitionsbereichs:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Definitionsbereich anzugeben:

Mengenschreibweise:

D x x 13 : Der Definitionsbereich besteht aus allen Zahlen kleiner 13


D \ x1 : Der Definitionsbereich besteht aus allen reellen Zahlen außer der Zahl x1

Intervallschreibweise:
D ; x1 : Der Definitionsbereich besteht aus allen reellen Zahlen von bis zu x1 .
D \ x1 ; x 2 : Der Definitionsbereich besteht aus allen reellen Zahlen außer den Zahlen
zwischen x1 und x 2 .

Bestimmung des Definitionsbereichs:


Um den Definitionsbereich zu bestimmen, muss herausgefunden werden, für welche Zahlen die
gegebene Funktion nicht definiert ist. Diese Zahlen müssen dann aus der Definitionsmenge ausge-
schlossen werden. Das Vorgehen zur Bestimmung des Definitionsbereichs einer Funktion hängt
vom Funktionstyp ab.

Beispiele von Funktionen, die nicht auf ganz definiert sind:

u(x)
gebrochen-rationale Funktionen f(x)
v(x)

Wurzelfunktionen mit geradem Wurzelexponenten f(x) 2n u(x)

Logarithmusfunktionen f(x) ln u(x)


Radikant

Aufgabe 1:
Bestimmen Sie den Definitionsbereich folgender Funktionen:
x 1
1. f(x) 2
x 9
4
2. f(x) x 5

3. f(x) ln(3 x)

4. Preis – Absatz – Funktion:


Der Preis p einer Ware A hängt linear von der der Verkaufsmenge x ab und wird durch die
Funktionsgleichung p(x) 5 2,5x wiedergegeben.
2
5. f(x) ln(x 4)

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Lösungen zur Aufgabe 1:

zu 1:

2
zu 5. Definitionsbereich der Funktion der Funktion f(x) ln(x 4)
2
Die innere Funktion u(x) x 4 muss Werte größer als 0 liefern. Dazu berechnet man
zunächst die Nullstellen von u(x) .
2
x 4 0 x1 2 oder x 2 2.
2
Jetzt muss noch überprüft werden, in welchen Bereichen der Funktionsterm x 4 positiv
ist. Berechnet man beispielsweise den Funktionswert der inneren Funktion an der Stelle
x 0 , ergibt sich
2
u(1) 1 4 3 0

Damit weiß man, dass die innere Funktion zwischen -2 und +2 negativ oder gleich Null ist.
Diese Zahlen müssen also ausgeschlossen werden. Demnach besteht der Definitionsbereich
aus allen reellen Zahlen außer den Zahlen zwischen -2 und 2.

In Zeichen: D \ 2;2

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mathematische Konvention:

unabhängige Variable: Die unabhängige Variable (auch Argument genannt) wird mit dem Buch-
staben x bezeichnet.

abhängige Variable: Die von x abhängige Variable wird mit f(x) – gesprochen „f von x“ – be-
zeichnet.

Hinweis: Mathematisch ist es allerdings unerheblich, welche Bezeichnungen man für die
Variablen wählt, denn die funktionale Zuordnung

(1) C(Y) 2 Y 1

bedeutet mathematisch dasselbe wie die Zuordnung

(2) Y(C) 2 C 1

oder die Zuordnung (3) f(x) 2 x 1.

Inhaltlich ergeben sich natürlich gravierende Unterschiede, denn wenn die Bezeichnung C
für Konsum steht und Y für Einkommen, dann macht die Zuordnung (2) keinen Sinn, denn
dann würde man das Einkommen abhängig vom Konsum betrachten!

Funktionswert:
Die einer Zahl a aus Df eindeutig zugeordnete Zahl f(a) heißt Funktionswert der Funktion an
der Stelle a.

Graph einer Funktion

Als Graph G (oder Schaubild) einer Funktion f bezeichnet man die Menge aller geordneten
Zahlenpaare ( x, y) mit x D und y W

in Zeichen: G (x , y x D und y W

Für eine reelle Funktion gilt

Als Funktionsgraph Gf einer reellen Funktion f bezeichnet man die Menge aller geordneten
Zahlenpaare ( x,f(x)) aus den Zahlen x der Definitionsmenge und den zugehörigen Funktions-
werten f(x).

In Zeichen: Gf (x ,f(x) x D

Der Graph einer Funktion f : Df mit Df ist eine Teilmenge des cartesischen
2
Produktes und kann somit als Punktmenge in der Ebene aufgefasst werden.

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Definition 2.1.3: eindeutige und eineindeutige Zuordnungen:

eindeutig: Jedem Element der Menge D f wird genau ein Element der Menge Wf
zugeordnet.

eineindeutig Jedem Element der Menge D f wird genau ein Element der Menge Wf
zugeordnet und umgekehrt wird auch jedem Element der Menge Wf
genau ein Element der Menge D f zugeordnet.

Aufgabe 2:
Welche der folgenden Zuordnungen ist eine Funktion, welche eine eineindeutige Funktion?

Fazit:
Zur präzisen Angabe einer Funktion f gehören Definitionsbereich, Wertebereich und
Zuordnungsvorschrift. Dies geschieht oft in der folgenden Schreibweise:
f: X Y mit x f(x) (oder y = f(x) )
Die Zuordnungsvorschrift wird meistens durch eine Funktionsgleichung beschrieben, kann aber
auch durch eine Wertetabelle oder ein Pfeildiagramm angegeben werden.

Schreibweisen: allgemein Beispiel:


f : IR IR f : IR IR0
x f(x) x x2
y f(x) f(x) x2

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Vielfach ist eine geschlossene Darstellung der Funktion mit Hilfe einer einzigen Funktions-
gleichung nicht möglich, sondern muss auf Intervalle begrenzt werden. Solche Funktionen heißen
abschnittsweise definierte Funktionen.

Definition 2.1.4: abschnittsweise definierte Funktionen:

Funktionen, die sich aus mehreren Funktionen für bestimmte Definitions-


bereiche zusammensetzen, heißen abschnittsweise definierte Funktionen.

Beispiel:
Die Versandkosten V für ein Post-Paket hängt vom Gewicht G des Pakets ab (fiktive Zahlen):

Gewicht in kg Versandkosten in Euro


bis zu 2 7,50
über 2 bis 5 3x+1,5
über 5 und mehr 18

Wie sieht der Graph dieser Funktion aus?

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Definition 1.1.3: Umkehrfunktionen

Eine Funktion f heißt umkehrbar, wenn sie eineindeutig ist,

d.h. wenn jedem Element x aus dem Definitionsbereich genau ein Wert y aus
dem Wertebereich und umgekehrt jedem Element y aus dem Wertebereich
genau ein Element x aus dem Definitionsbereich zugeordnet ist.

1
Die Umkehrfunktion einer Funktion f wird mit f bezeichnet.

Es gilt:

Jede eineindeutige Funktion f ist umkehrbar. Dabei muss gelten: Df 1 Wf .


Jede streng monotone Funktion ist umkehrbar.
1
Die graphische Darstellung der Umkehrfunktion f ergibt sich durch Spiegelung von f an
der Winkelhalbierenden y = x.

Beispiele:
(1) aus der Schule bekannt:

Funktion: Umkehrfunktion:

Quadratische Funktion Wurzelfunktion


f: f: 0 0
2
f(x) x f(x) x

Exponentialfunktion Logarithmusfunktion

f: f: 0
x
f(x) e f(x) ln(x)

(2) ökonomisches Beispiel: Produktions- und Kostenfunktion


Die Produktionsfunktion gibt an, wie viel Output x = x(r) durch Einsatz einer bestimmten Menge
Input r erzeugt werden kann. Umgekehrt kann man sich auch überlegen, wie viel Input man für
eine festgelegte Menge Output braucht. Das ist dann die Funktion r = r(x), was mathematisch
die Umkehrfunktion der Produktionsfunktion darstellt. Aus der Umkehrfunktion r = r(x) lässt
sich dann die Kostenfunktion K(x) bestimmen.

K(x) p r(x) p Preis pro Inputfaktor r

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Berechnung von Umkehrfunktionen:

Ob eine Funktion umkehrbar ist, ist schnell feststellbar. Lässt sich y f(x) eindeutig nach x
auflösen, dann ist f umkehrbar!

Vorgehen:

Setze y f(x) und löse die Gleichung nach x auf


Vertausche die Variablennamen x und y
1
Setze f (x) y

Bemerkung: Haben die Variablen feste Bedeutungen, darf nach Bildung der Umkehrfunktion kein
Variablentausch durchgeführt werden.

Aufgabe 3:

Bestimmen Sie die Umkehrfunktion der Funktion f(x) 2 0,25 x 2 6 .

1
Lösung: f (x) x2 24

auflösen nach x

Aufgabe 4:
x
Bestimmen Sie die Umkehrfunktion der Funktion f(x) .
x 1

Lösung:

x
y
x 1
y (x 1) x

yx y x
yx x y
x(y 1) y

y
x
y 1

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2.2. ausgewählte Eigenschaften von Funktionsgraphen (Selbststudium):


2.2.1 Monotonie
Der Graph einer Funktion steigt oder fällt streng monoton, wenn er ununterbrochen steigt oder
ununterbrochen fällt. Gibt es Intervalle, in denen die Steigung Null ist, der Graph aber außerhalb
dieser Intervalle steigt oder fällt, spricht man nur von Monotonie.

Mathematisch notiert man das wie folgt:

Definition 2.2.1: Monotonie

Eine Funktion f heißt in einem Intervall

steigend, wenn gilt: f (x) 0 für alle x.


streng monoton
fallend, wenn gilt: f (x) 0 für alle x

streng monoton steigend streng monoton fallend

2.2.2 konvex/konkav
Definition 2.2.2a: konvex/konkav

Eine Funktion f heißt in einem Intervall


konvex, wenn in diesem Intervall alle Verbindungsgeraden zwischen zwei Punkten der
Funktion (Sekanten) oberhalb des Graphen der Funktion liegen, bzw. wenn gilt:
f (x) 0 . Man spricht dann von Linkskrümmung (Linkskurve).

konkav, wenn in diesem Intervall alle Verbindungsgeraden zwischen zwei Punkten der
Funktion (Sekanten) unterhalb des Graphen der Funktion liegen, bzw. wenn gilt:
f (x) 0 .Man spricht dann von Rechtskrümmung (Rechtskurve).

konvex konkav

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2.2.3 Symmetrien
Betrachtet werden zwei Arten von Symmetrien von Funktionsgraphen: die Achsensymmetrie und
die Punktsymmetrie.

Definition 2.2.3a: Symmetrie zur y-Achse

Der Graph einer Funktion f : x f(x) ; x Df ist symmetrisch zur y-Achse, falls für alle
Zahlen x Df gilt:
f( x) f (x)
Solche Funktionen heißen gerade Funktionen.

graphisches Beispiel:
5

0
-2 0 2

-5

Definition 2.2.3b: Symmetrie zum Ursprung

Der Graph einer Funktion f : x f(x) ; x Df ist punktsymmetrisch zum Ursprung O, falls
für alle gilt: x Df gilt:
f( x) f (x)

Solche Funktionen heißen ungerade Funktionen.

graphisches Beispiel:
1

0
-1 0 1

-1

Bemerkungen:
zu (1): Der Graph einer ganzrationalen Funktion, die nur gerade Exponenten hat, ist
symmetrisch zur y-Achse.
zu (2): Der Graph einer ganzrationalen Funktion, die nur ungerade Exponenten hat und kein
absolutes Glied, ist punktsymmetrisch zum Ursprung O.

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Definition 2.2.3c: allgemeine Achsensymmetrie:

Der Graph einer Funktion f heißt achsensymmetrisch zur Spiegelachse x = a, wenn für alle
Zahlen x Df gilt:
f(a x) f (a x)

Definition 2.2.3d: allgemeine Punktsymmetrie:

Der Graph einer Funktion f ist punktsymmetrisch zu einem Punkt P(a ; b) , wenn für alle
Zahlen x Df gilt:
f(a x) b f(a x) b

2.2.4 Beschränktheit
Definition 2.2.4a: nach oben beschränkt

Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt nach oben beschränkt, wenn es eine reelle Zahl
S Df gibt, so dass für alle x Df gilt:
f(x) S
Die kleinste aller möglichen oberen Schranken heißt Supremum.

Definition 2.2.4b: nach unten beschränkt

Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt nach unten beschränkt, wenn es eine reelle Zahl
s Df gibt, so dass für alle x Df gilt:
f(x) s
Die größte aller möglichen unteren Schranken heißt Infimum.

Definition 2.2.4c: beschränkt

Eine Funktion f : x f(x) ; x Df heißt beschränkt, wenn sie sowohl nach oben als auch
nach unten beschränkt ist.

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2.2.5 Transformationen von Funktionsgraphen

Verschiebung in y-Richtung (nach oben/unten):


Gegeben sei die Funktion g(x) f(x) a . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um a in Richtung der y- Achse verschoben. a < 0 bedeutet eine Verschiebung nach
unten, a > 0 eine Verschiebung nach oben entlang der y-Achse,

Verschiebung in x-Richtung (nach links/rechts):


Gegeben sei die Funktion g(x) f(x a) . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um a in Richtung der x- Achse verschoben. a 0 bedeutet eine Verschiebung nach
links, a 0 eine Verschiebung nach rechts entlang der x-Achse.

Streckung/Stauchung in x - Richtung:
Gegeben sei die Funktion g(x) f(k x) . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um den Faktor k in x-Richtung gestaucht oder gestreckt. k 1 bedeutet eine Stauchung,
k 1 eine Streckung.

Streckung/Stauchung in y - Richtung:
Gegeben sei die Funktion g(x) k f(x) . Dann ist der Graph von g gegenüber dem Graphen
von f um den Faktor k in y-Richtung gestaucht oder gestreckt. k 1 bedeutet eine Stauchung,
k 1 eine Streckung.

Spiegelung an der x-Achse:


Möchte man den Graphen von f(x) an der x-Achse spiegeln, muss der Funktionsterm von f(x)
mit dem Faktor – 1 multipliziert werden.

Spiegelung an der y-Achse:


Möchte man den Graphen von f(x) an der y-Achse spiegeln, muss die Variable x durch die
Variable –x ersetzt werden.

Spiegelung am Ursprung:
Möchte man den Graphen von f(x) am Ursprung spiegeln, muss im ersten Schritt der
Funktionsterm mit dem Faktor -1 multipliziert werden und im zweiten Schritt die Variable x
durch die Variable –x ersetzt werden.

Lehrreiche Videos mit Beispielen:

Verschieben/Spiegeln:
[Link]

Verschieben: [Link]

Strecken und Stauchen: [Link]

Spiegelung an x-Achse: [Link]

Spiegelung am Ursprung: [Link]

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2.3 Nullstellen und Schnittpunkte von Funktionen


Nullstellen:
geometrisch: Nullstellen xN sind geometrisch die Schnittpunkte des Funktionsgraphen mit
der x – Achse.

algebraisch: die Stellen, an denen der Funktionswert f(xN ) gleich Null ist.
Bedingungsgleichung: f(xN ) 0

Skizze:
f(x)

Nullstelle

Nullstelle Nullstelle

Schnittstelle:
Zwei Funktionen f(x) und g(x) schneiden sich an einer Stelle xS , wenn sie dort denselben
Funktionswert haben, wenn also gilt: f(xS ) g(xS )
Bedingungsgleichung: f(x S ) g(x S )

f(x)
Schnittpunkt

f(xS)
P
f(xS) = g(xS)

g(xS)
X
XS

Schnittstelle

Achtung:
Beachten Sie allgemein den Unterschied zwischen Stelle und Punkt.

Stelle: x0

Punkt P: P(x 0 ; y0 ) mit y0 f(x 0 )

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Anwendungsbeispiel aus der VWL:

Angebots- und Nachfragefunktion


Marktgleichgewicht (Gleichgewichtspreis, Gleichgewichtsmenge)

Preis

Marktgleichgewicht

Angebot

Gleichgewichtspreis

Nachfrage
Menge x

Gleichgewichtsmenge

2.4 analytische Bestimmung von Nullstellen einer Funktion


Das Vorgehen zur analytischen Bestimmung der Nullstellen einer Funktion hängt von der
jeweiligen Funktion ab.

lineare Funktionen: f(x) a bx


„auflösen nach x“

quadratische Funktionen der Form: f(x) x2 px q

2
p p
x1;2 q (p/q – Formel)
2 2

quadratische Funktionen der Form: f(x) ax 2 bx c

b b 2 4ac
x1;2 „ M i t t er n a c h t sf o r me l “
2a

Für Funktionen höheren Grades gibt es – bis auf Sonderfälle - keine Lösungsformeln mehr. Zur
Lösung benötigt man daher numerische Verfahren wie zum Beispiel die

Intervallschachtelung

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Rechenbeispiel:
Gegeben sind die Funktionen f(x) x2 7x 8 und g(x) x 1
a) Berechnen Sie – falls vorhanden – die Schnittpunkte der Funktionen.
b) Ziehen Sie Folgerungen aus dem Rechenergebnis aus a.
c) Wie viele Schnittpunkte kann es zwischen einer linearen und einer quadratischen
Funktion geben?

Lösung:

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2.5 Grenzwertbetrachtungen
Grenzwert einer Funktion f für x x0 :
Nähern sich für x gegen einen Wert x 0 die zugehörigen Funktionswerte
einer Funktion f(x) immer mehr einem konstanten Wert g , (egal auf welche
Weise x gegen x0 strebt), so sagt man, g ist der Grenzwert der Funktion f für x
gegen x 0 .

Schreibweise für „x gegen x0 “ : x x0

Schreibweise für den Grenzwert: lim f(x) g


x x0

gelesen: Der Limes (Grenzwert) von f(x) für x gegen x0 ist gleich g. Man sagt auch:
f(x) konvergiert für x x 0 gegen den Grenzwert g.

Grenzwert einer Funktion f für x :


Nähern sich für immer größer oder kleiner werdende x die zugehörigen
Funktionswerte einer Funktion f(x) immer mehr einem konstanten Wert
g , so sagt man, g ist der Grenzwert der Funktion f für x gegen
plus/minus unendlich.

Anschaulich formuliert bedeutet Grenzwertbetrachtung:


Wie verhalten sich die Funktionswerten f(x), wenn die unabhängige Variable x

sich immer mehr einer Stelle (Zahl) x0 annähert (symbolisch: x x0 )

oder aber

über alle Schranken wächst (symbolisch: x ) bzw. unter jede Grenze fällt
(symbolisch: x ).

Hinweis: Wächst oder fällt f(x) über alle Grenzen, spricht man von einem uneigentlichen
Grenzwert.

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exakte mathematische Definition:

Grenzwert einer Funktion:


Eine in einer Umgebung einer festen Stelle x0 definierte Funktion besitzt an
dieser Stelle x0 den Grenzwert g, falls folgende Bedingung erfüllt ist:

Für jede gegen x0 konvergente Punktfolge xn aus dem Definitions-


bereich konvergiert die Folge der Funktionswerte f(xn) gegen den
gleichen Wert g.

Symbolisch: Aus l i m (xn ) x 0 folgt also l i m f(xn ) g


n n

Für diesen Sachverhalt schreibt man:


l i m f(xn ) g
n

was gleichbedeutend ist mit


l i m f(x 0 h) g
h 0

Es ist also

l i m f(xn ) g l i m f(x 0 h) g
n h 0

Hinweis: In der angegebenen Bedingung ist darauf zu achten, dass die Folge f(xn ) der
Funktionswerte für jede beliebige gegen x0 konvergierende Punktfolge xn denselben
Grenzwert g hat.

Beispiel 1:
Bestimme folgende Grenzwerte:

1
a) lim
x x

1
b) lim
x 0 x

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Lösung:

Beispiel 2:
x2 3x 2
Sei f(x) , (x 2 ).
x 2

An der Stelle x 0 2 ist f(x) nicht definiert. An dieser Stelle stellt sich daher die Frage, wie sich
die Funktionswerte verhalten, wenn sich x beliebig nahe der Stelle x 0 2 nähert.

Man kann sich der Stelle x 0 2 von links und rechts beliebig genau nähern:

von links von rechts

Für die Funktionswerte gilt dann, wie folgende Rechnungen zeigen:

x 2 (von links) x 2 (von rechts)

f(1,9) 0,9 f(2,1) 1,1


f(1,99) 0,99 f(2,01) 1,01
f(1,999) 0,999 f(2,001) 1,001

Was vermuten Sie hinsichtlich des Grenzwertes dieser Funktion für x x0 2?

x2 3x 2
Vermutung: l i m ( )
x 2 x 2

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Das ist natürlich noch kein mathematischer Beweis für die Richtigkeit Ihrer Vermutung

Beweis: „h – Methode“

Es ist lim f(xn ) g lim f(x0 h) g


n h 0

Vorgehen:

Setze für x den Wert (x 0 h) in die Funktionsgleichung ein und berechne den Grenzwert

lim f(x 0 h) g.
h 0

Hier ist x 0 2 , daher muss für den Term x der Term (2 h) in die Funktionsgleichung
eingesetzt werden:

x2 3x 2 (2 h)2 3 (2 h) 2
lim lim
x 2 x 2 h 0 (2 h) 2

(2 h)2 3 (2 h) 2
lim
h 0 h

Versuche nun so umzuformen, damit sich der Term h aus dem Nenner kürzt:

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Weitere Grenzwertüberlegungen:

lim (5x3 2x 2 4)
x

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2.5.1 Rechenregeln für Grenzwerte:


Gegeben seien die für x x 0 (bzw. x ) konvergierenden Funktionen f(x) und g(x) mit
den jeweiligen Grenzwerten a und b

– in Zeichen – lim f(x) a und lim g(x) b


x x0 x x0

sowie eine Konstante c IR . Dann existieren auch die folgenden Grenzwerte und es gilt:

(1) lim c c

(2) lim (f g)(x) lim f(x) lim g(x) a b

(3) lim (f g)(x) lim f(x) lim g(x) a b

f lim f(x) a
(4) lim (x) sofern lim g(x) b 0
g lim g(x) b

Hinweis: Die Regeln (1) bis (4) besagen, dass der Grenzwert einer Summe (Produkt oder
Quotient) von Funktionen gleich der Summe (Produkt oder Quotient) der
Grenzwerte der einzelnen Funktionen ist.

weitere Rechenregeln für Grenzwerte:

(5) lim f n (lim f )n an , n IN

(6) lim n f n
lim f n
a , n IN ; f , a 0

(7) lim ef e lim f ea

(8) lim(ln f ) ln(lim f ) ln a sofern f , a 0

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2.5.2 Regeln von de L´Hôspital:


a) Die beiden Funktionen f(x) und g(x) seien in x0 (stetig) differenzierbar mit g (x 0 ) 0.
Außerdem gelte: f(x0) = g(x0) = 0.

f (x) f(x)
Wenn dann der Grenzwert lim existiert, so existiert auch der Grenzwert lim
x g (x) x g(x)
und beide sind gleich d.h. es gilt:

f(x) f (x) f (x 0 )
lim lim
x g(x) x g (x) g (x 0 )

Hinweis: Diese Regel lässt sich mehrfach hintereinander anwenden, falls immer noch
f (x)
f (x 0 ) g (x 0 ) 0 und der Grenzwert lim existiert.
x g (x)

b) Die Regel von de L`Hôspital gilt auch für x :

Die Funktionen f(x) und g(x) seien (stetig) differenzierbar mit f(x) und g(x) für
x .

f (x)
Wenn dann der Grenzwert lim existiert, so existiert auch der Grenzwert
x g (x)
f(x)
lim und beide sind gleich d.h. es gilt:
x g(x)

f(x) f (x)
lim lim
x g(x) x g (x)

Hinweis: Mit Hilfe der Regel von de L´Hôspital lassen sich – wenn die Voraussetzungen
gegeben sind – Grenzwerte von gebrochenrationalen Funktionen einfacher ermitteln.

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2.6 elementare Funktionen:


2.6.1 ganzrationale Funktionen n-ten Grades:

Eine Funktion f von der Form

f(x) an x n an 1x n 1
a2 x 2 a1 x a0

mit a0 ; a1 ; ; an IR und n IN ,

heißt ganzrationale Funktion n-ten Grades (oder Polynom).

n heißt Grad der ganzrationalen Funktion (des Polynoms)


Der Grad der Funktion hängt nur von der höchsten Potenz ab!

ak , k 1, ,n heißen Koeffizienten der ganzrationalen Funktion (des Polynoms).

a0 heißt absolutes Glied der Funktion und bedeutet geometrisch eine


Verschiebung der Funktion parallel zur y-Achse.

Übersicht:

n algebraische Form Graph (geometrisch)


0 f(x) a0 * Parallele zur x-Achse

1 f(x) a1x1 ao ** Gerade

2 f(x) a2 x 2 a1x a0 *** Parabel

3 f(x) a3 x 3 a2 x 2 a1x a0 **** kubische Parabel

4 f(x) a4 x 4 a2 x 2 a0 ***** no name

7 f(x) a 7 x 7 a4 x 4 a3 x 3 a0 no name

Früher: * f(x) c konstante Funktion


** f(x) mx b lineare Funktion
*** f(x) ax 2 bx c quadratische Funktion
3 2
**** f(x) ax bx cx d kubische Funktion
***** f(x) ax 4 bx 2 c biquadratische Funktion

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2.6.2 konstante und lineare Funktionen


konstante Funktion:
Die Funktion f mit f(x) a0 für alle x heißt konstante Funktion. Ihre
Steigung ist gleich Null.

Der Graph dieser Funktion ist eine Parallele zur x – Achse oder die
x – Achse selbst

affin - lineare Funktionen:

Die Funktion f mit f(x) a bx für alle x heißt lineare Funktion. Der
Graph dieser Funktion ist eine Gerade.

b heißt Steigung der linearen Funktion

a heiß y-Achsenabschnitt oder (Ordinate)


und gibt den Schnittpunkt mit der y – Achse an, d.h. x 0

Skizze:

Parallelität: Zwei Geraden mit den Steigungen m1 und m2 sind genau dann parallel zueinander,
wenn sie die gleiche Steigung haben, wenn also m1 m2 ist.
Orthogonalität: Zwei Geraden mit den Steigungen m1 und m2 sind genau dann orthogonal (senkrecht
zueinander) zueinander, wenn m1 m2 1 ist.

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2.6.3 quadratische Funktionen


Die Funktion f mit f(x) ax 2 bx c für alle x heißt quadratische
Funktion. Der Graph dieser Funktion ist eine Parabel.

Wichtige Eigenschaften:

keine
Sie hat eine Nullstellen.
zwei

Am Faktor a vor x 2 erkennt man, ob sie ein Maximum oder Minimum hat.

a 0 Max
a 0 Min

Sie ist symmetrisch zum Extrempunkt (Scheitelpunkt).

Hat sie zwei Nullstellen, dann liegt die Extremstelle xE in der Mitte der Nullstellen
und es gilt:
xN1 xN2
xE
2

Skizze:

160

120

80

40

0
-1 -0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 5,5 6
-40

Der Skizze ist zu entnehmen, dass die Funktion an den Stellen xN 1


0 und xN2 5
Nullstellen hat. Die Extremstelle xE ergibt sich daher zu

xN1 xN2 0 5
xE 2,5
2 2

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Beispiel:
Bei einer Verkaufsmenge von zwei ME (Mengeneinheiten) erzielt man einen Preis von
vier GE (Geldeinheiten) und bei einer Verkaufsmenge von vier ME einen Preis von 3 GE.
a) Bestimmen Sie die lineare Preis-Absatz-Funktion (Nachfragefunktion) p(x) mx b
b) Bestimmen Sie Df und Wf .
c) Interpretieren Sie m.
d) Bilde die Umkehrfunktion x(p)
e1) Welcher Preis wird bei einer Menge von 6 ME erzielt?
e2) Welche Menge kann zu einem Preis von 2,50 GE verkauft werden?
f1) Bestimmen Sie mit Hilfe der Nullstellen die umsatzmaximale Produktionsmenge.
f2) Wie groß ist der maximale Umsatz?

Lösung:

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2.6.4 Potenz- und Wurzelfunktionen

Potenzfunktionen:

Funktionen f der Form f(x) a xb , a 0 , b IR heißen Potenzfunktionen.

Wurzelfunktionen:

1
Ist a 1 und b (n 2 , 3 , . . . ) , so nennt man die Funktionen f der Form
n
1
n
f(x) x n x , x 0 auch Wurzelfunktion.

Hinweis: Wurzelfunktionen sind die Umkehrfunktionen von Potenzfunktionen

In der Ökonomie wird sie als Cobb-Douglas-Funktion 1 bezeichnet.

Abb.: Cobb-Douglas-Funktionen

1
Ein gutes Video zu Cobb-Douglas-Funktionen findet sich auf youtube:

[Link]

1 nach Paul H. Cobb und Charles W. Douglas, amerikanische Ökonomen.

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Ökonomische Interpretationsmöglichkeiten von


Cobb-Douglas-Funktionen:

b 1: f ist streng konvex.


In der Ökonomie spricht man auch von überproportionalem oder
progressivem Wachstum.

b 1: f ist linear.
In der Ökonomie spricht man auch von proportionalem Wachstum.

0 b 1 : f ist streng konkav.


In der Ökonomie spricht man auch von unterproportionalem oder
degressivem Wachstum

b 0: f ist streng monoton fallend.


In der Mathematik spricht man für b 0 von Hyperbeln. Hyperbeln sind
spezielle gebrochenrationale Funktionen. Eine einfache Hyperbel ist die
1
Funktion f ( x )
x

In der Ökonomie spricht man vielfach von einer Indifferenzkurve1, oder von
Isoquanten.

25

20

15

10

0
0 10 20 30 40 50 60 70

1: lat. indifferens: „sich nicht unterscheidend“

In der Theorie des Haushaltes spricht man von Indifferenzkurven,


In der Theorie der Unternehmung dagegen von Isoquanten.

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Mathematisch sind

Indifferenzkurven und Isoquanten

dasselbe, nämlich Funktionen, bei denen das Produkt

x f(x)

konstant ist.

Anwendungsbeispiel:

Bekanntlich ist der Umsatz U das Produkt aus Preis p mal Menge q:

U p q constant

Der Preis in Abhängigkeit von q ergibt sich daher zu

U
p(q)
q

Will man beispielsweise einen konstanten Umsatz von 120 GE erreichen, ergibt sich

120
p(q)
q

Um dies zu erreichen, muss man bei einer Verkaufsmenge von q = 5 ME beispielsweise


einen Preis von 24 GE verlangen, bei einer Verkaufsmenge von q = 20 ME beispiels-
weise einen Preis von 6 GE.

Nachstehende Tabelle zeigt die Abhängigkeit des Preises von der Verkaufsmenge q,
wenn der Umsatz konstant 120 € sein soll:

Menge q 5 20 40 50 60
p(q) 24 6 3 2,4 2

Der Graph dieser Funktion ist eine Hyperbel und hat folgendes Aussehen:

25
20
15
10
5
0
0 10 20 30 40 50 60 70

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2.6.5 Exponentialfunktionen

Funktionen f der Form


f(x) a bx , a 0 , b 0, b 1

heißen Exponentialfunktionen zur Basis b.

Eigenschaften:

(1) f(x) 0 für alle x IR und f(0) a

wachsend für b 1
(2) f ist streng monoton
fallend, für 0 b 1

(3) Grenzwertbetrachtungen:

l i m (a b x )
x

1
l i m (a b x ) l i m (a b x
) l i m (a ) 0
bx
x x
x

Skizze:

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Besondere Exponentialfunktion:
Eine besondere Exponentialfunktion ist die Exponentialfunktion zur Basis e:

f(x) ex

Es gilt der Satz:

Jede Exponentialfunktion lässt sich in eine


Exponentialfunktion zur Basis e umrechnen.

Beweis: Zu zeigen ist: f(x) a bx a ek x

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Anwendung Exponentialfunktion

siehe Finanzmathematik.
Zur Wiederholung:
Die Basis b der Exponentialfunktion f(x) a b x wird in der Anwendung als
Wachstumsfaktor bezeichnet und mit dem Buchstaben q abgekürzt.

Ist b 1 spricht man von Zunahme des Anfangsbestandes,


Ist 0 b 1 spricht man von Abnahme des Anfangsbestandes

Wachstumsfaktor q:
Der Wachstumsfaktor q berechnet sich nach den Formeln

yt
(1) q n oder (2) q 1 i
y0

Dabei ist y0 Wert zur Basisperiode


yt Wert zur Berichtsperiode
i die Wachstumsrate
n Anzahl der Zeiteinheiten zwischen y t und y 0

Wachstumsrate i:
Die Wachstumsrate p (in %) lässt sich aus dem Wachstumsfaktor q mit Hilfe der
Formel i q 100 100 berechnen.

Anwendungen:

diskrete Verzinsung: Kn K0 qn

stetige Verzinsung: K(t) K0 e i t

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2.6.6 gebrochenrationale Funktionen/Asymptoten

Definition:

Eine Funktion, deren Funktionsterm f(x) als Bruch zweier ganzrationaler


Funktionen u(x) und v(x) geschrieben werden kann, heißt gebrochenrationale
Funktion.

u(x)
f(x) mit v(x) 0
v(x)

Definitionsbereich:

Die reellen Zahlen x, bei denen das Nennerpolynom v(x) den Wert Null
annimmt, müssen aus dem Definitionsbereich Df der Funktion ausgeschlossen
werden (Niemals durch Null teilen!).

Man findet diese Zahlen, indem man das Nennerpolynom gleich Null setzt und dann
diese Gleichung löst.

Beispiel:

4
Bestimme den Definitionsbereich der Funktion f mit f(x) 2
x 4x 5

Es ist v(x) x2 4x 5 .

Ansatz: x2 4x 5 0.

Lösung: x1 1 oder x 2 5

Der Definitionsbereich der Funktion besteht demnach aus allen reellen Zahlen außer
den Zahlen x1 1 oder x 2 5 .

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Definitionslücken

Definitionslücken sind die Nullstellen des Nennerpolynoms v(x) .

Man unterscheidet zwischen hebbare Definitionslücke und Pole

hebbare Definitionslücke: Sind die Nullstellen der Nennerfunktion auch


Nullstellen der Zählerfunktion, dann nennt man
die Definitionslücke behebbar.

Pole sind nichtbehebbare Definitionslücken,

also Stellen, an denen das Nennerpolynom den Wert Null hat und
gleichzeitig das Zählerpolynom einen Wert ungleich Null annimmt.

Verhalten der Funktionswerte an der Polstelle:

Ist x 0 Polstelle, so gilt: für x x 0 geht f(x)

Man nennt die Gleichung x x 0 senkrechte Asymptote.

Beispiele:

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Graphen ausgewählter gebrochenrationaler Funktionen:

x x2 1 x3 1
(1) f(x) 2
(2) f(x) (3) f(x)
x 1 x2 1 x2 1

x x2 x2 1
(4) f(x) (5) f(x) (6) f(x)
x2 1 x 1 x 1

x3 2 x3 2 x4 2
(7) f(x) (8) f(x) (9) f(x)
x 1 x2 1 x2 1

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Quantitative Methoden Analysis elementare Funktionen

Asymptoten:
u( x )
Gegeben sei die Funktion f ( x ) .
v( x )

Die Funktion A( x ) heißt Asymptote zu f ( x ) für x , wenn die


Differenz zwischen f ( x ) und A( x ) gegen Null geht, d.h. wenn gilt:
lim f (x) A(x) 0
x

Hinweis: Bei gebrochenrationalen Funktionen lassen sich


Asymptoten dadurch ermitteln, dass man f ( x )
durch Polynomdivision in ein Polynom A( x ) plus
einen Rest R( x ) zerlegt.

Beispiel: Bestimme die Asymptotenfunktion A( x ) der Funktion f mit

x3 x2 x 1
f (x)
x 1

Lösung: A( x ) x2 2x 3

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Quantitative Methoden Analysis elementare Funktionen

Funktion und Asymptotenfunktion:

x3 x2 x 1
f (x )
x 1

A( x ) x2 2x 3

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

III Einführung in die Differentialrechnung


3.1 Das Tangentenproblem

Der Zusammenhang zwischen den Produktionskosten K und der produzierten Menge x eines
Gutes wird beschrieben durch die Funktion K mit

K K(x)

Aktuell werden x 0 Einheiten produziert, so dass Gesamtkosten in Höhe von K(x 0 )


entstehen.

Geplant ist eine Produktionserhöhung von

x 0 um x auf x1 (x 0 x)

Dann ändern sich die Kosten K von

K(x 0 ) auf K(x 0 x)


Insgesamt also um

K(x) K(x 0 x) K(x o )

Von Interesse: Wie groß ist die Kostensteigerung pro zusätzlich


gefertigter Einheit?

Teilt man die Kostenänderung K durch die Mengenänderung x , erhält man die
durchschnittlichen Kosten einer zusätzlich produzierten Einheit.

K K(x0 x) K(x0 )
m ; x 0
x x

Hinweis: x Mengenänderung

K absolute Kostenänderung, hängt im Allgemeinen nicht nur


von x ab, sondern auch von der
Ausgangsmenge x 0

Warum?

Problem:

Unter welcher Voraussetzung sind das tatsächlich die durchschnittlichen


Kosten einer zusätzlich produzierten Einheit ?

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

Zahlenbeispiel:

Die Produktionsmenge wird von x 0 10 auf x1 15 erhöht. Dadurch erhöhen sich


die Kosten von bisher K(10) 20 auf K(15) 30 .

Es ist also x x1 x0 15 10 5

und K K(x 0 x) K(xo ) 30 20

Daraus ergeben sich die durchschnittlichen Kosten pro zusätzlich produzierter Einheit
zu

K 30 20
2
x 5

Graphik:

Die oben berechneten Kosten sind nur dann die durchschnittlichen Kosten pro zusätzlich
produzierter Einheit, wenn der Kostenzuwachs linear ist.

Was aber, wie üblich, wenn der Kostenzuwachs nicht linear ist?

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3.2 Differenzenquotient und Differentialquotient

Der Differenzenquotient (Sekantensteigung):

Der Ausdruck

K K(x0 x) K(x0 )
m ; x 0
x x

heißt Differenzenquotient (auch mittleren Änderungsrate genannt).

Er gibt an, welche Kosten für die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit im
Durchschnitt entstehen, wenn die Produktion von

x 0 um x auf x1 (x 0 x)
erhöht wird.

geometrische Deutung des Differenzenquotienten:

Der Differenzenquotient gibt die Steigung ms der Sekante durch zwei Punkte
x0 f(x0 ) und x0 x f(x0 x) an.

f f(x0 x) f(x0 )
ms ; x 0
x x

Q Sekante

P
x
y = f(x)
x

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

3.3 Ableitung als Tangentensteigung und Differentialquotient

Der Differentialquotient:
Der Grenzwert des Differenzenquotienten für x gegen Null , heißt Differentialquotient
oder Ableitung von f an der Stelle x 0 oder momentane Änderungsrate.

In Zeichen:

f f(x0 x) f(x0 )
lim lim f (x0 ) ; x 0
x 0 x x 0 x

df dy f
andere Schreibweisen: f (x 0 ) (x 0 ) (x 0 ) (x 0 )
dx dx x

geometrische Deutung des Differentialquotienten:

Der Differentialquotienten, also die Ableitung, gibt die Steigung der Tangente
an der Stelle x 0 an. Die Steigung der Tangente an der Stelle x 0 ist identisch
mit der Steigung der Funktion f an der Stelle x 0 .

.
Q Sekante

Tangente in P
f

P df

x
(= dx)
y = f(x)
x

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Interpretation der ersten Ableitung einer Funktion

Der Wert der Ableitungsfunktion f an der Stelle x 0 kann als näherungsweisen


Funktionszuwachs (Abnahme) interpretiert werden, wenn man von einer Stelle x 0 aus
die unabhängige Variable um eine Einheit erhöht.

Merke: Da der Graph einer nichtlinearen bzw. nicht konstanten Funktion an jeder Stelle
eine andere Steigung hat, hängt die Veränderung der Funktionswerte nicht nur
von x ab sondern auch von der Stelle x 0 .

Beispiel: Gegeben sei die Kostenfunktion K mit

K( x ) 0,01 x 3 1,5 x 2 50 x 1500

Berechnen Sie K (x) an den Stellen x 0 10 und x 0 20 und interpretieren Sie


ihre Ergebnisse.

Lösung: K (x) 0,03 x 2 3 x 50

K (10) 23 und K (20) 2

Interpretation: Wird die Produktionsmenge von x 0 10 ME um eine Einheit erhöht,


erhöhen sich die Produktionskosten um näherungsweise 23 GE.

Wird die Produktionsmenge dagegen von x 0 20 ME um eine Einheit


erhöht, erhöhen sich die Kosten um näherungsweise 2 GE.

Grenzfunktionen:
Die erste Ableitung f einer ökonomischen Funktion f heißt Grenzfunktion
(Marginalfunktion). Grenzfunktionen messen näherungsweise die Zunahme oder
Abnahme von f bei Erhöhung/Senkung von x 0 um eine „Einheit“.

Grenzkostenfunktion K (x)
Grenzgewinnfunktion G (x)
Grenzerlös E (x)

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3.4 Das Differential einer Funktion

Definition: Gegeben sei eine in x 0 differenzierbare Funktion f. Dann heißt

df(x 0 ) f (x 0 ) dx

D i f f e r e n t i a l der Funktion f an der Stelle x 0 zum Zuwachs dx.

Interpretation:

Das Differential gibt für jede Stelle x an, um wie viele Einheiten sich f(x)
näherungsweise ändert, wenn die unabhängige Variable x um dx Einheiten geändert
wird.

Je kleiner die Änderung von x ist, desto mehr entspricht das Differential df den
exakten Differenzen f der Funktionswerte.

Es gilt: f df

exakte Änderung näherungsweise


Funktionswerte Änderung
Funktionswerte

Sonderfall: Wenn dx x 1 , dann stimmen das Differential und die erste Ableitung an
der Stelle x 0 überein. Es ist dann df(x 0 ) f (x0 ) dx f (x 0 ) 1

Das Differential:

f df f
df

x
(= dx)
x

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Beispiel:
Gegeben sei die Kostenfunktion K(x) 0,04x 3 9,6x 2 984x 30 000 .

Zu berechnen sind – ausgehend von einem Output von 10 ME –

a) näherungsweise die Kostenänderungen, wenn die Produktionsmenge um


(1) zwei ME erhöht
(2) eine ME verringert wird.

b) die exakten Kostenänderungen.


c) die Grenzkosten an der Stelle x 0 20 ME

Lösung:

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3.5 Ableitungsregeln:

Faktorregel: Die Funktion f (x ) k u (x ) hat die Ableitungsfunktion

f (x ) k u (x ) .

Summenregel: Die Funktion f (x ) u(x ) v(x ) hat die Ableitungsfunktion

f (x ) u (x ) v (x )

„Potenzregel“: Die Funktion f (x ) ax n c hat die Ableitungsfunktion

f ' (x ) n a xn 1

Produktregel: (u v) ' u' v v' u

u u' v v' u
Quotientenregel: 2
v v

Kettenregel: Die Funktion A i(x ) hat die Ableitungsfunktion

A i(x ) A (x ) i (x )
(Äußere Ableitung mal innere Ableitung).

df f
Schreibweisen: f (x)
dx x

Ableitung besonderer Funktionen:

Ableitung der e - Funktion:


Gegeben ist eine Funktion der Form f ( x ) e u ( x ) . Dann ergibt sich die Ableitung f ( x ) zu

f (x ) u (x ) e u( x )

Ableitung der Logarithmus - Funktion:


Gegeben ist eine Funktion der Form f ( x ) Ln u( x ) . Dann ergibt sich die
Ableitungsfunktion f ( x ) zu

1
f (x ) u (x )
u(x )

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

Ableitungen der Wurzelfunktion:

n
u( x ) m lässt sich auf die Form f ( x )
m
Die Funktion f ( x ) u( x ) n bringen (siehe Potenz-
m
gesetze). Die Ableitungsfunktion der Funktion f ( x ) u( x ) n ergibt sich zu

m m
1
f (x ) u(x ) n u (x )
n
1
Besonders einfach ist die Ableitung der Quadratwurzelfunktion f ( x ) u( x ) u( x ) 2 . Hier
ergibt sich die Ableitungsfunktion f ( x ) zu

1
f (x ) u (x )
2 u(x )

a
Ableitung der Funktion f ( x ) :
xn
a
Die Funktion f ( x ) lässt sich auf die Form f ( x ) a x n bringen. Für die Ableitung
xn
dieser Funktion lässt sich die Potenzregel anwenden und es ergibt sich die Ableitungs-
funktion:

f ' (x ) n a x n 1

Ableitung trigonometrischer Funktionen:

Ableitung der Cosinus - Funktion:


Gegeben ist eine Funktion der Form f ( x ) cos u( x ) . Dann ergibt sich die Ableitung zu

f (x ) u (x ) sin u(x )

Ableitung der Sinus - Funktion:


Gegeben ist eine Funktion der Form f ( x ) sin u( x ) . Dann ergibt sich die Ableitung zu

f (x ) u (x ) cos u(x )

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3.6 Kurvendiskussion (Selbststudium):

3.61 Schnittpunkte mit den Achsen:


Ordinate: Bedingungsgleichung: f (0 ) (y-Achsenabschnitt)
Nullstellen: Bedingungsgleichung: f ( xN ) 0

3.62 Extremstellen:

Kriterium 1: Vorzeichenwechselkriterium (VZW)


(1) Ist f ( x e ) 0 und hat f an der Stelle x e einen Vorzeichenwechsel von
plus nach minus, dann hat der Graph der Funktion an der Stelle x e ein
(relatives) Maximum (Max).
(2) Ist f ( x e ) 0 und hat f an der Stelle x e einen Vorzeichenwechsel von
minus nach plus, dann hat der Graph der Funktion an der Stelle x e ein
(relatives) Minimum (Min).
(3) Ist f ( x e ) 0 und hat f an der Stelle x e keinen Vorzeichenwechsel,
dann hat der Graph der Funktion an der Stelle x e einen Sattelpunkt (SP).

Kriterium 2: mit Hilfe der zweiten Ableitung

(1) Ist f ( x e ) 0 und f ( x e ) 0 , dann hat der Graph der Funktion an der
Stelle x e ein (relatives) Maximum.

(2) Ist f ( x e ) 0 und f ( x e ) 0 , dann hat der Graph der Funktion an der
Stelle x e ein (relatives) Minimum.

(3) Ist f ( x e ) 0 und f ( x e ) 0 , dann ist keine Entscheidung möglich.

3.63 Wendestellen:

Kriterium 1:
(1) Ist f ( x w ) 0 und zugleich f ( x w ) 0 , dann hat der Graph der
Funktion an der Stelle x w einen Wendepunkt (WP).
Kriterium 2:
(2) Ist f ( x w ) 0 und hat f an der Stelle x w einen Vorzeichenwechsel,
dann hat der Graph der Funktion an der Stelle x w einen Wendepunkt
(WP).

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

3.64 Beispiel:

x2
Gegeben sei die Funktion f mit f(x) e .

a) Untersuchen Sie das Grenzwertverhalten dieser Funktion für x , berechnen


Sie f(0) und skizieren Sie mit diesen Informationen den Graphen der Funktion.
b) Begründen Sie, warum der Graph der Funktion zwei Wendepunkte haben muss.
c) Berechnen Sie – falls vorhanden - die Extrem- und Wendestellen der Funktion.

Lösung:

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Quantitative Methoden Analysis Einführung Differential

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Quantitative Methoden Analysis ökonomische Funktionen

IV mathematische Funktionen in ökonomischer Anwendung:


4.1 Allgemeine Grundlagen: (Selbststudium)

Allgemeines 1:
Mathematische Funktionen finden ihre Anwendung insbesondere in der Ökonomie, um
Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen darzustellen und zu analysieren. Die
Funktion ist das mathematische Modell des zugrunde gelegten ökonomischen
Sachverhaltes.

Unterstellt man beispielsweise einen funktionalen Zusammenhang zwischen Konsum C und


verfügbarem Einkommen Y, wobei aus logischen Gründen der Konsum C vom Einkommen Y
abhängt und (leider) nicht umgekehrt, dann hat man eine Funktion C mit C C( Y ).

Spezifizieren Sie den funktionalen Zusammenhang zwischen Konsum C und verfügbarem


Einkommen Y dahingehend, dass Sie einen linearen Zusammenhang zwischen Konsum C
und verfügbarem Einkommen Y unterstellen, dann haben Sie die lineare Konsumfunktion C
in Abhängigkeit des verfügbaren Einkommens Y, also die Funktion

C( Y ) co c1 Y .

Als mathematisches Modell kennen Sie eine lineare Funktion in der Form f ( x ) m x b ,
wobei der Faktor m die Steigung und der Summand b den Schnittpunkt mit der y-Achse
angibt. Auf die Konsumfunktion C mit C( Y ) c o c 1 Y übertragen, sehen Sie sofort, dass
m c 1 ist und b c 0 . Wie m und b mathematisch zu interpretieren sind, wissen Sie. Wie
aber werden c 0 und c 1 in der Anwendung also in VWL oder BWL interpretiert?
Grundsätzlich müssen Sie sich bei jeder ökonomischen Funktion immer wieder nur
klarmachen, dass diese Funktionen mathematische Funktionen sind, die Sie als
mathematische Funktionen aus der Schule (oder woher auch immer) schon kennen, also
beispielsweise ganzrationale Funktionen oder Exponentialfunktionen oder gebrochen-
rationale Funktionen etc.
Wichtig ist, dass Sie sich immer wieder klarmachen, welche Variable die abhängige und
welche Variable die unabhängige Variable ist. Dies ist aus der Sachlogik der Aufgaben-
stellung zu erkennen!

Mathematisch ist das kein Problem, den die „science community Mathe“ hat ein für allemal
festgelegt, dass bei einer Funktion die unabhängige Variable mit dem Buchstaben x und
die von x abhängige Variable mit dem Buchstaben y bzw. f( x ) bezeichnet wird.

Ökonomisch hat die „science community Öko“ beschlossen, folgende Variablennamen zur
Bezeichnung ökonomischer Größen zu verwenden (Auswahl):

C: für Konsum K: für Kosten


Y: für Einkommen k oder KD : für Stückkosten
p: für Preis (oder Zinssatz) G: für Gewinn
r für Input/Produktionsfaktoren GD oder g: für Stückgewinn
x: für Output/Absatz/Menge S für Sparquote

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Mathematische und inhaltliche Zuordnung:


Mathematisch ist es unerheblich, welche Bezeichnungen man für die Variablen wählt, denn
die funktionale Zuordnung (1) C Y 1 bedeutet mathematisch dasselbe wie die Zuordnung
(2) Y C 1 oder die Zuordnung (3) f ( x ) x 1. Inhaltlich ergeben sich natürlich deutliche
Unterschiede.
Versteht man beispielsweise unter C die „Konsumausgaben“ und unter Y das „verfügbare
Einkommen“ so unterscheiden sich inhaltlich die Zuordnungen wesentlich!
Zwar sind die bei den drei Zuordnungen auftretenden Wertepaare identisch (z.B 4 3 oder
3 2 ), aber im Fall (1) bedeutet die links stehende Zahl Einkommenswerte (zum
Einkommen 4 gehört der Konsum 3), während es im Fall (2) gerade umgekehrt ist (zum
Konsum 3 gehört das Einkommen 2, also nicht – wie zuvor – das Einkommen 4!)

Allgemeines 2:
Bei mathematischen Funktionen in ökonomischer Anwendung sind gewisse Einschränkung-
en zu beachten.

Der ökonomisch sinnvolle Definitionsbereich ist in der Regel wesentlich kleiner als der
mathematisch mögliche.
In der Regel können ökonomische Variable nur natürliche Zahlen einschließlich der Null als
Werte annehmen (Beispiel: Kostenfunktion für eine nichtteilbare Menge (Output) wie z.B. Computer),
wogegen mathematische Variable reelle Zahlen als Werte annehmen können. Man spricht
im ersten Fall von diskreten Variablen, im zweiten Fall von stetigen Variablen.
Um aber die Methoden der Mathematik anwenden zu können, werden Zusammenhänge
zwischen diskreten ökonomischen Größen in der Wirtschaftstheorie meist durch stetige
Funktionen beschrieben.
In vielen Fällen ist bei vermuteten funktionalen Zusammenhängen zwischen ökonomischen
Variablen eine exakt definierte Funktion nicht vorgegeben. Man muss daher z.B. mit Hilfe
statistischer Methoden (Regression) eine zutreffende Funktionsgleichung konstruieren.
Funktionale Zusammenhänge zwischen ökonomischen Größen sind in der Regel meist nicht
als kausale Ursachen/Wirkungs-Zusammenhänge zu interpretieren. So ist zwar ein formaler
statistischer Zusammenhang zwischen Haarausfall und steigendem Einkommen
konstruierbar, ohne dass ein inhaltlich erklärbarer Zusammenhang bestehen dürfte.
Ökonomische Funktionen haben keine generelle Gültigkeit, sondern sind zeitlich, örtlich, auf
Personengruppen etc. begrenzt.
In der Regel ist eine abhängige ökonomische Variable von mehreren unabhängigen
Variablen beeinflusst. Man hat daher in der Praxis meist Funktionen mit mehreren unab-
hängigen Variablen zu untersuchen und beispielsweise Extrema solcher Funktionen zu
berechnen.

In diesem Zusammenhang stößt man dann häufig auf die ceteris-paribus-


Bedingung. Darunter versteht man das Variieren einer ausgewählten Variablen
bei gleichzeitiger Konstanthaltung aller übrigen Variablen. Man erhält so
Funktionen von nur einer unabhängigen Variablen.

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Allgemeines 3:
Bei der Untersuchung mathematischer Funktionen in ökonomischer Anwendung sind unter
anderen Fragen folgende Fragen von Interesse:

ökonomisch: mathematisch:
Bestimmung des Marktgleichgewichts Schnittpunktbestimmung

Bestimmung des break-even-point Schnittstellenbestimmung von Erlös- und


Kostenfunktion

gleichbedeutend mit

Nullstellenbestimmung der Gewinnfunktion

Bestimmung des Betriebsoptimums jeweils Bestimmung von Extremwerten


Betriebsminimums
Gewinnmaximums
Kostenminimums

Hinweis:
Grundsätzliches analytisches Problem ist auch hier das Finden von Nullstellen
mathematischer Funktionen. Die Ableitung einer Funktion ist wieder eine Funktion! Zum
Finden eventuell vorhandener Extrema muss diese Ableitungsfunktion gleich Null gesetzt
werden usw.

Für ganzrationale Funktionen dritten und höheren Grades gibt es bis auf Sonderfälle
keine Formel zur Berechnung der Nullstellen. In solchen Fällen führen nur numerische
Verfahren wie Intervallschachtelung oder das Newton – Verfahren zu befriedigenden
Lösungen.

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4.2 Funktionen in ökonomischer Anwendung (Auswahl):


Nachstehend sind wichtige ökonomische Funktionen erklärt. Dabei wird stillschweigend von der in
den Wirtschaftswissenschaften üblichen ceteris-paribus-Prämisse ausgegangen.
Darunter versteht man das Variieren einer ausgewählten Variablen bei gleichzeitiger Konstant-
haltung aller übrigen Variablen. Man erhält so Funktionen von nur einer unabhängigen Variablen.

Produktionsfunktion x(r) :
Die bei der Produktion eines Gutes eingesetzten Arbeitskräfte, Rohstoffe, Maschinen etc.
werden als Produktionsfaktoren r bezeichnet. Eine Produktionsfunktion x(r) stellt dann
sowohl bei makroökonomischen (gesamtwirtschaftlichen) als auch bei mikroökonomischen
(einzelwirtschaftliche) Produktionsprozessen die Abhängigkeit der Produktionsmenge x eines
Gutes (Output) von den Einsatzmengen r i dar.
Zwar hängt der Funktionswert der Produktionsfunktion in der Regel von mehreren
Produktionsfaktoren ab, aber unter ceteris-paribus-Prämisse gilt:

x x(r) ; r 0.

Beispiele:

ertragsgesetzliche Produktionsfunktion, z.B. x (r) r3 12r 2 60 r

neoklassische Produktionsfunktion, z. B. x (r) 0, 4 r

0, 4 r für r 10
limitationale Produktionsfunktion, z.B. x (r)
4 für r 10

Kostenfunktion Kges (x) :


Bei den Kosten unterscheidet man zunächst zwischen fixen Kosten K f , variablen Kosten K v
und Gesamtkosten K ges . Fixe Kosten sind die Kosten, die bei einer Produktionsmenge von
x 0 entstehen. Zu diesen Kosten gehören z.B. die Wartung der Maschinen. Variable Kosten
sind Kosten, die bei der Produktion entstehen.

Die Kostenfunktion K ges gibt die Abhängigkeit der gesamten Kosten einer Periode von der
innerhalb dieser Periode produzierten Menge x eines Gutes an:

Kges (x) Kf K v (x)

Hinweis: Die Kostenfunktion ist die Umkehrfunktion der Produktionsfunktion mal


Preis für den Produktionsfaktor r.

Preis – Absatz - Funktion p(x) :


wird vielfach als konstante oder lineare Funktion angesetzt.

p(x) c oder p(x) a b x

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Umsatz– oder Erlösfunktion E(x) :


Unter dem Erlös (Umsatz) versteht man das Produkt aus dem Preis p des Gutes und der zu
diesem Preis verkauften Menge x, kurz: Erlös gleich Preis mal Menge. Die Erlösfunktion
beschreibt die Abhängigkeit des Erlöses E von der abgesetzten Menge x.

E(x) x p(x) ( auch: U(x) x p(x) )

Gewinnfunktion G(x) :
Unter dem Gesamtgewinn versteht man die Differenz aus dem Erlös (Umsatz) und den
Kosten. Daher lautet die Funktionsgleichung für die Gewinnfunktion

G(x) E(x) K(x)

Zur Gewinnfunktion:

Gewinnschwelle:
Die Gewinnschwelle liegt dort, wo der Erlös (Umsatz) gerade die Gesamtkosten
deckt, denn dort ist der Gewinn gleich Null. Für die Gewinnschwelle muss daher
gelten:

E(x) K(x) bzw. G(x) E(x) K(x) 0

Die Gewinnschwelle wird auch als Nutzenschwelle oder break-even-point bezeichnet.

Cournotscher Punkt1:

Der zur gewinnmaximalen Produktionsmenge x G,max gehörige Punkt auf der Preis –
Absatz-Funktion p(x) eines Monopolunternehmens heißt Cournotscher Punkt C.

Der Cournotscher Punkt C liegt dort, wo die Grenzkosten gleich dem Grenzumsatz sind.

Beispiel:

Gegeben sei die Gewinnfunktion G(x) 10x 2 300x 500 sowie die Preis-Absatz-
Funktion p(x) 300 4x . Bestimmen Sie den Cournotschen Punkt.

Lösung:

Die gewinnmaximale Produktionsmenge x G,max beträgt x G,max 15 . Der Cournotsche


Punkt C ergibt sich zu p(x G,max ) p(15) 240 .

1 nach Antoine-Augustin Cournot, (1801 – 1877) französischer Mathematiker und Wirtschaftstheoretiker.

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Grenzfunktionen:
Die erste Ableitung f einer ökonomischen Funktion f heißt Grenzfunktion (Marginal-
funktion). Grenzfunktionen messen näherungsweise die Zunahme oder Abnahme von f bei
Erhöhung/Senkung von x 0 um eine „Einheit“.
Beispiele:
Grenzkosten K (x)
Grenzgewinn G (x)
Grenzerlös E (x)

So gibt beispielsweise K (13) 91 € an, dass die Kosten näherungsweise um 91 € steigen,


wenn die Produktion – ausgehend von 13 – um eine Mengeneinheit erhöht wird.

Durchschnittsfunktionen:
f(x)
Gegeben sei die Funktion y f(x) mit Df x x 0 . Die Funktion y heißt
x
Durchschnittsfunktion der Funktion y.

y gibt den auf eine Einheit von x bezogenen durchschnittlichen Funktionswert an.

Hinweise:

Funktion und deren Durchschnittsfunktion schneiden sich immer an der Stelle 1, dort sind z.B.
Gesamtkosten und Durchschnittskosten (Stückkosten) gleich.

Die Werte der Grenzfunktion und der Durchschnittsfunktion sind in den Extrempunkten der
Durchschnittsfunktion gleich groß, z.B. sind die Grenzkosten im Punk mit maximalen/minimalen
Durchschnittskosten gleich.

Beispiele Durchschnittsfunktionen:

Stückkostenfunktion k(x) :
Dividiert man die Gesamtkostenfunktion K ges durch die produzierte Menge x, erhält
man die Stückkosten- oder Durchschnittskostenfunktion k. Die Durchschnittskosten-
funktion gibt die auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Kosten an.
Kges (x)
k(x)
x
– Betriebsoptimum:

Wenn die Stückkosten minimal sind, arbeitet ein Betrieb in seinem Optimum.
Das Betriebsoptimum ist also das Minimum der Stückkostenfunktion.

– Betriebsminimum:

Das Betriebsminimum ist definiert als das Minimum der variablen


Stückkostenfunktion.

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Stückgewinnfunktion g(x) :
Dividiert man die Gewinnfunktion durch die produzierte Menge x, erhält man die
Stückgewinn- oder Durchschnittsgewinnfunktion GD . Die Stückgewinnfunktion gibt
den auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Gewinn an.

G(x) E(x) K(x)


g(x)
x x x

Deckungsbeitrag D(x):

Die Differenz zwischen Erlös und variablen Kosten heißt Deckungsbeitrag D(x).

D(x) E(x) K v (x)

Ist D(x) 0 deckt der Erlös die variablen Kosten.

Stückdeckungsbeitrag d(x):

Teilt man den Deckungsbetrag durch die Menge x, erhält man den Stückdeckungsbeitrag d(x)
(Deckungsbeitrag pro ME).

D(X)
d(x)
x

Zwischen Gewinnschwellen, Stückdeckungsbeitrag und Fixkosten besteht folgender


Zusammenhang:

Gewinn = Stückdeckungsbeitrag minus Fixkosten

G(x) d(x) Kf

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Quantitative Methoden Analysis ökonomische Funktionen

grundlegende Marktformen:
Im Zusammenhang mit der Preisbildung unterscheidet man je nach Anzahl der Anbieter und
Nachfrager drei Grundformen von Märkten:
Viele Anbieter Wenige Anbieter Ein Anbieter
Viele Nachfrager Polypol Oligopol Monopol
Angebot und Nachfrage Monopolist bestimmt den
bestimmen den Preis Preis
starker Wettbewerb kein Wettbewerb

Polypol Monopol

Preisfunktion p(x) a Preisabsatzfunktion p(x) a bx ; b 0

Ökonomischer Definitionsbereich: Ökonomischer Definitionsbereich:

Dök 0 , xKap Dök 0 , x Sätt

xKap : Kapazitätsgrenze x Sätt : Sättigungsgrenze

Erlösfunktion E(x) a x Erlösfunktion E(x) a x bx 2 : b 0

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Quantitative Methoden Analysis ökonomische Funktionen

Angebots- und Nachfragefunktionen:


Wichtigste Einflussgröße für Angebots- und Nachfragefunktionen ist der Preis. Die Funktionen geben den
Zusammenhang zwischen Preis p (unabhängige Variable) und nachgefragter bzw. angebotener Menge x
(abhängige Variable) wieder. Man muss daher unterscheiden zwischen Nachfrager und Anbieter.
Betrachtet man ein vorliegendes Problem aus Sicht des Anbieters, spricht man von einer Angebots- oder
Preisabsatzfunktion, aus Sicht des Nachfragers von einer Nachfragefunktion.

Bei Angebots- und Nachfragefunktionen ist zu beachten, dass die abhängige Variable (Menge) mit x, die
unabhängige Variable (Preis) mit p bezeichnet wird. Man hat also eine Funktionsgleichung der Art:
x x (p) ...

Nachfragefunktion xN ( p ) :
Bezüglich des Verlaufs einer Nachfragefunktion lässt sich vermuten, dass mit sinkenden Preisen die
nachgefragte Menge steigt, so dass die Nachfragefunktion von links oben nach rechts unten (streng?)
monoton fallend verlaufen dürfte. Ob linear oder gebrochen rational hängt vom Einzelfall ab.

Angebotsfunktion xA ( p ) :
Bezüglich des Verlaufs einer Angebotsfunktion lässt sich dagegen vermuten, dass mit steigenden
Preisen die angebotene Menge ebenfalls steigt, weil immer mehr Produzenten (Hersteller) bereit sein
werden, dieses Produkt zu produzieren. Die Angebotsfunktion dürfte daher von links unten nach
rechts oben (streng?) monoton steigend verlaufen. Ob linear oder gebrochen rational hängt ebenfalls
vom Einzelfall ab.
Stellt man lineare Angebots- und Nachfragefunktion in einem gemeinsamen Koordinatensystem dar,
ergibt sich folgende Graphik:

PG

N
X
XG
Marktgleichgewicht:
Der Skizze ist zu entnehmen, dass sich Angebots- und Nachfragefunktion im Punkt (PG ; XG)
schneiden. Dieser Schnittpunkt wird als Marktgleichgewichtspunkt oder einfach nur als Marktgleichge-
wicht bezeichnet.
Mathematisch betrachtet ist das Marktgleichgewicht der Schnittpunkt zweier Funktionen und damit
letztendlich nichts anderes als das schon bekannte Problem des Findens von Nullstellen einer
Funktion.

Hinweise:
(1) Nachfrage- und Angebotsfunktion sind zueinander inverse Funktionen.
(2) Aufgrund einer Konvention wird der Preis, obwohl unabhängige Variable, auf der Ordinate abgetragen
und die nachgefragte/angebotene Menge auf der Abszisse.

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Quantitative Methoden Analysis ökonomische Funktionen

Zusammenfassung:

Funktionen in ökonomischer Anwendung


Produktionsfunktion x x(r ) :
gibt die Abhängigkeit der Produktionsmenge x eines Gutes (Output) von den
Produktionsfaktoren r i an.

Preis-Absatz-Funktion p p(x ) :
gibt die Abhängigkeit des Preises eines Gutes (Output) von der Verkaufs-
menge x dar.

Kostenfunktion K ges (x ) : K ges (x ) Kf K v (x )


gibt die Abhängigkeit der Kosten von der produzierten Menge an.
mit Kf Fixkosten und K v var iable Kosten

K ges (x)
Stückkostenfunktion k(x) : k(x)
x
Die Stückkostenfunktion gibt die auf eine produzierte Einheit durchschnittlich
anfallenden Kosten an.

Erlösfunktion E E(x ) : E(x ) x p(x )


gibt die Abhängigkeit des Erlöses von der verkauften Menge x an.

Gewinnfunktion G(x ) : G(x ) E(x ) K( x )


gibt die Abhängigkeit der Gewinns von der verkauften Menge an.

G(x)
Stückgewinnfunktion g(x) : g(x)
x
gibt den auf eine produzierte Einheit durchschnittlich anfallenden Gewinn an.

Grenzfunktionen:
die Grenzfunktion einer ökonomischen Funktion f kann durch ihre erste
Ableitung f beschrieben werden.

f (x 0 ) gibt näherungsweise den Funktionszuwachs an, der durch die nächste


Einheit der unabhängigen Variablen hervorgerufen wird.

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

V Elastizitäten:
5.1 Vorbemerkung:

Von ökonomischem Interesse ist die Frage, wie sich das Änderungsverhalten
ökonomischer Größen sinnvoll und aussagekräftig beschreiben lässt, beispielsweise

wie sich das Nachfrageverhalten nach einem Gut verändert, wenn der Preis
dieses Gutes um 1% erhöht wird
oder
welche Auswirkung eine 1% ige Preiserhöhung auf den Umsatz hat
oder

welche Auswirkung eine 1% ige Erhöhung des Werbeetats auf den Umsatz hat

Allgemein: um wieviel Prozent ändert sich die abhängige Variable,


wenn die unabhängige Variable um ein Prozent zunimmt.

Auskunft über dieses Reaktionsverhalten gibt der Elastizitätskoeffizient .

Elastizitätskoeffizient :

Der Elastizitätskoeffizient (gelesen „epsilon“) ist eine Maßzahl, die angibt, wie
die relative (prozentuale) Veränderung einer abhängigen Variable f (x) auf
eine relative Veränderung der unabhängigen Variable x reagiert.

Man unterscheidet zwischen

Bogenelastizität, wenn man nur zwei Punkte kennt und


Punktelastizität, wenn man die Funktion kennt

Einführungsbeispiel:
Gegeben ist die lineare Nachfragefunktion

x(p) 40p 560 ; x in kg ; p in € pro kg

Frage: Wie ändert sich prozentual die Nachfragemenge x, wenn der Preis – ausgehend
von einem Preis von p0 10 – um 1% erhöht wird?

Achtung: Hier ist der Preis p die unabhängige, die verkaufte Menge x die
abhängige Variable.

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Lösung:

bisheriger Preis: p0 10

Preisänderung: p 0,1 (1% von 10 = 0,01 10)

neuer Preis: p0 p 10,1

p 0,1
relative Preisänderung: 0,01
p0 10

Auswirkung der Preisveränderung auf die Verkaufsmenge:

alte Menge: x 0 (10) 40 10 560 160

neue Menge: x1(10,1) 40 10,1 560 156

Änderung: x x1 x 0 4 (= absolute Mengenänderung)

x 4
relative Mengenänderung: 0,025
x0 160

Der Quotient

relative Mengenänderung 0,025


2,5
relative Preisänderung 0,01

gibt an, um wieviel Prozent sich durchschnittlich die Menge (= die abhängige
Variable) verändert, wenn sich der Preis (die unabhängige Variable) um 1%
erhöht.

Interpretation:

Wird – ausgehend von 10 GE – der Preis um 1% erhöht, sinkt die Nachfrage-


x 160 156
menge durchschnittlich um 2,5%. (relative Mengenänderung: 0,025 )
x0 160

Hinweis:

Neue Menge alte Menge x1 x 0 x


Relative Mengenänderung:
alte Menge x0 x0

Neuer Preis alter Menge p1 p0 p


Relative Preisänderung:
alter Preis p0 p0

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

5.2 Bogen-Elastizität:

Der Quotient

f f(x x) f(x)
f f(x) relative Veränderung abhängige Variable
f,x
x x relative Veränderung unabhängige Variable
x x

heißt Elastizität von f bezüglich x im Intervall x ; x x

Er lässt sich umformen zu

f(x x) f(x)
f(x) f(x x) f(x) x f x
f,x
x x f(x) x f(x)
x

Interpretation:

gibt an, um wie viel % sich die abhängige Variable f durchschnittlich


f ,x

ändert, wenn die unabhängige Variable – ausgehend von einer Stelle x – um


1% geändert wird.

Hinweis:
f(x x) f(x)
Der erste Faktor des Elastizitätskoeffizienten ist der bekannte Differenzenquotient
x
und gibt die Steigung einer linearen Funktion an.

Skizze:

1. Punkt
f
2. Punkt
x

Die Definition der Bogenelastizität ist für das praktische Rechnen recht unhandlich.

Verwendet man statt den Differenzen f und x die Differentiale df und dx , erhält man
den in der Ökonomie gebräuchlichen und rechentechnisch einfacheren Elastizitätsbegriff:
die Punktelastizität:

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

5.3 Punkt-Elastizität:

Sei f eine stetig differenzierbare Funktion der unabhängigen Variablen x. Dann


df dx
heißt das Verhältnis f,x der relativen Änderungen und Elastizität von f
f x
bezüglich x (an der Stelle x):

df
f
f,x (x 0;f 0)
dx
x
Durch die Umformungen

df
f df x df x x f (x)
f,x f (x) x
dx f dx dx f (f(x) f(x)
x

ergibt sich die Berechnungsformel für die Elastizität zu

Berechnungsformel Punktelastizität:

f (x)
f,x x
f(x)

Interpretation:

f,x gibt näherungsweise an, um wie viel Prozent sich die abhängige
Variable f ändert, wenn die unabhängige Variable x – ausgehend von einer
Stelle x – um ein Prozent geändert wird.

Beispiel 1:
Für das Einführungsbeispiel mit der Nachfragefunktion x(p) 40p 560 ergibt sich
– ausgehend von einem Preis p0 10 – der Elastizitätskoeffizient ebenfalls zu:

x (p) 40
x,p p 10 2,5
x(p) 160
Interpretation:
Wird – ausgehend von 10 GE – der Preis um 1% erhöht, sinkt die
Nachfragemenge durchschnittlich um 2,5%.

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Beispiel 2:
3
Gegeben sei die Kostenfunktion K mit K(x) x 10x 2 50x 20 . Berechnen Sie die
relative Kostenänderung bei einem Output von x 30 ME .

K (x) 3x 2 20x 50
Elastizitätsfunktion: K,x x x
K(x) 3 2
x 10x 50x 20

Setzt man in diese Elastizitätsfunktion den Output 30 ein, ergibt sich:

2150
Elastizitätskoeffizient: K,x(30) 30 3,3
19520

Interpretation: Erhöht man – ausgehend von 30 – den Output um 1%, so erhöhen


sich die Kosten um näherungsweise 3,3%.

Die Begriffe elastisch, unelastisch, fließend:

Die Elastizitätsfunktion (x) heißt

elastisch, wenn x 1, d.h. (x) 1 oder (x) 1


unelastisch, wenn x 1 , d.h. 1 (x) 1
fließend, wenn x 1 , d.h. (x) 1 oder (x) 1
(proportional elastisch)

Sonderfälle:
vollkommen elastisch, wenn x , d.h. x oder x

vollkommen unelastisch, wenn x 0

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Hinweise:
1. Der erste Index in der Formel f,x gibt immer die abhängige, der zweite Buchstabe immer
die unabhängige Variable an.

abhängige unabhängige
Variable Variable

2. Die relative (prozentuale) Veränderung der abhängigen Variablen muss stets im Zähler, die
der unabhängigen Variablen stets im Nenner von f,x stehen.

3. Ebenso wie die Ableitung einer Funktion wieder eine Funktion von x ist, ist auch die
Elastizität einer Funktion wieder eine Funktion. Man spricht deshalb bei ( x ) von der
Elastizitätsfunktion und muss wie bei den Ableitungsfunktionen zwischen Funktion und
dem Wert der Funktion hier: der Elastizität an der Stelle x a unterscheiden.
Der an einer Stelle x a ausgerechnete Funktionswert (a) nennt man Elastizitäts-
koeffizient.

4. Sowohl Bogenelastizität als auch Punktelastizität ändern – im Gegensatz zur 1. Ableitung –


ihren Wert nicht, wenn neue Maßeinheiten für die Variablen eingeführt werden.

5. Die Punktelastizität nähert die Bogenelastizität umso besser an, je kleiner x gewählt wird
und stimmt im Grenzfall x 0 mit ihr überein.

Exakte relative Änderung näherungsweise relative Änderung


der Funktionswerte der Funktionswerte
Bogenelastizität Punktelastizität

6. Ist eine lineare Funktion gegeben, dann sind Punkt- und Bogenelastizität gleich groß (siehe
Einführungsbeispiel). Warum wohl?

7. Die Elastizität hat keine Einheit, lässt sich aber als prozentuale Veränderung der abhängigen
Variablen interpretieren, wenn die unabhängige Variable um 1% erhöht wird.

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5.4 Preiselastizität der Nachfrage


Gegeben sei die Nachfragefunktion x = x(p). Hier ist die unabhängige Variable der
Preis p, die davon abhängige Variable die Verkaufsmenge x.

Dementsprechend lautet die Preiselastizität der Nachfrage

x
relative Mengenänderung x
Bogenelastizität: x,p
relative Preisänderung p
p

x (p)
Punktelastizität: x,p p
x(p)

Interpretation der Begriffe elastisch, unelastisch und fließend am Beispiel der


Nachfragefunktion x(p):

In der Regel ist die Preiselastizität der Nachfrage negativ, da sich bei
Preissteigerungen die Nachfrage verringert. Das negative Vorzeichen des
Elastizitätskoeffizienten gibt daher nur an, dass die relative Mengenänderung
gegenläufig zur relativen Preisänderung verläuft, d.h. erhöht sich der Preis,
verringert sich die Menge und umgekehrt.

x,p 1 : Die Nachfrage ist elastisch:


Eine 1% ige Preisänderung führt zu mehr als einer 1% igen
Mengenänderung, d.h. die Nachfrage reagiert relativ stark auf
eine Preisänderung.
Beispiel: nicht lebensnotwendige, substituierbare Güter, wie z.B.
Butter, Zigaretten

x,p 1: Die Nachfrage ist unelastisch:


Eine 1% ige Preisänderung führt zu weniger als einer 1% igen
Mengenänderung, d.h. die Nachfrage reagiert relativ schwach
auf eine Preisänderung.
Beispiel: lebensnotwendige, kaum substituierbare Güter wie z.B.
Brot, Milch, Medikamente

x,p 1: Die Nachfrage ist fließend:


Eine 1% ige Preisänderung führt zu einer 1% igen Mengen-
änderung, d.h. die Nachfrage reagiert 1:1 auf eine Preis-
änderung.

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Beispiele:
1) Eine 20%ige Preiserhöhung hat eine 40%ige Mengenreduzierung zur Folge.
Berechnen Sie die Preiselastizität der Nachfrage und interpretieren Sie Ihr
Ergebnis:
Lösung:
relative Mengenänderung 40%
x,p 2
relative Preisänderung 20%

Eine 1% ige Preiserhöhung führt zu einem durchschnittlichen Nachfragerückgang von 2%.

Da x,p 2 2 1 reagiert die Nachfrage elastisch.

2) Der Preis einer Ware wird von 5 GE auf 8 GE erhöht. Daraufhin verringert sich die
Nachfrage von 10 ME auf 4 ME. Berechnen Sie die Preiselastizität der Nachfrage
und interpretieren Sie Ihr Ergebnis:
Lösung:
Neue Menge alte Menge 4 10
Relative Mengenänderung: 0,6
alte Menge 10

Neuer Preis alter Menge 8 5


Relative Preisänderung: 0,6
alter Preis 5

relative Mengenänderung 60%


Daher x,p 1
relative Preisänderung 60%

Eine 1% ige Preiserhöhung führt zu einem durchschnittlichen Nachfragerückgang von 1%.

Da x,p
1 1 reagiert die Nachfrage fließend.

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5.5 Preiselastizität des Angebotes


Gegeben sei die Nachfragefunktion p = p(x). Hier ist die unabhängige Variable die
Menge x, die davon abhängige Variable der Preis p.

Dementsprechend lautet die Preiselastizität des Angebotes

relative Preisänderung
Bogenelastizität: p,x
relative Mengenänderung

p (x)
Punktelastizität: p,x x
p(x)

Analoge Interpretation der Begriffe elastisch, unelastisch und fließend wie bei
der Nachfragefunktion:

Problem:
Wie bestimmt man aus einer gegebenen Angebotsfunktion p(x) die
Preiselastizität der Nachfragefunktion x(p)?

Beispiel 1:
Gegeben ist die Angebotsfunktion p(x) 10 0,5x . Gesucht ist die Preiselastizität der
Nachfragefunktion x(p) bezüglich des Preises p = 6.

x (p)
Zu berechnen ist also x,p p
x(p)

Zur Lösung gibt es zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Die Umkehrfunktion von p(x) bilden, also x(p) und dann x,p direkt
ausrechnen.

Möglichkeit 2: Die zum Preis p = 6 gehörige Nachfragemenge x berechnen, dann


p,x berechnen und folgende Rechenregel anwenden.

Rechenregel für Elastizitäten:

1
Allgemein gilt: f,x
x,f

1
Insbesondere: x,p
p,x

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Lösung Beispiel 1, Möglichkeit 2:

Es ist p(x) 10 0,5x


und p (x) 0,5

Lösen der Gleichung 6 10 0,5x führt zu x = 8.

p (x) 0,5 0,5 2


Damit p,x x x und p,x 8
p(x) 10 0,5x 10 0,5 8 3

1 3
Anwendung der Regel x,p ergibt: x,p 1,5
p,x 2

Lösung Beispiel 1, Möglichkeit 1:

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Beispiel 2:
0,01x
Gegeben ist die Angebotsfunktion p(x) 800 e . Berechnen Sie die Preiselas-
tizität der Nachfrage x,p bei einer Nachfrage von 10 ME.

Lösung:

Es ist p (x) 8 e 0,01x .

Damit ergibt sich die Elastizitätsfunktion A p,x zu

0,01x
p (x) 8 e 8
A p,x x x x 0,01x
p(x) 0,01x 800
800 e

und damit der Elastizitätskoeffizient p,x

p,x (10) 0,01 10 0,1.

1
Gesucht ist allerdings x,p (10) . Mit x,p ergibt sich die gesuchte
p,x
1
Preiselastizität der Nachfrage zu x,p (10) 10 .
p,x

Interpretation: Wenn der Preis ausgehend von 10 ME um 1% steigt, so sinkt die


Nachfrage um näherungsweise 10%.

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Quantitative Methoden Analysis Elastizitäten

Häufig verwendete Elastizitätsbegriffe in der VWL:

Ökonomische Funktion: Elastizitätsbegriff:

Nachfragefunktion x(p) : Preiselastizität der Nachfrage:


(Nachfragemenge x in Abhängig-
keit vom Preis p) x (p)
x,p p
x(p)

Angebotsfunktion p(x) : Preiselastizität des Angebotes:


(Angebotspreis p in Abhängigkeit
von der Verkaufsmenge x) p (x)
p,x x
p(x)

Kostenfunktion K(x) : Kostenelastizität der Produktionsmenge:


(Kosten K in Abhängigkeit von der
Produktionsmenge x) K (x)
K ,x x
K(x)

Produktionsfunktion x(r) : Elastizität des Outputs:


(Produktionsmenge x in Abhängig-
keit vom Einsatzfaktor r) x (r)
x,r r
x(r)

Konsumfunktion C(Y) : Einkommenselastizität des Konsums:


(Konsum C in Abhängigkeit vom
Einkommen Y) C (Y)
C,Y Y
C(Y)

Engelfunktion N(Y): Einkommenselastizität der Nachfrage:


(Nachfrage nach einem Gut in Ab-
hängigkeit vom Einkommen Y) N (Y)
C,Y Y
N(Y)

Hinweis:
Auf youtube finden Sie eine Vielzahl von Lernvideos (nicht nur) zum Begriff der Elastizität. Die Elastizität
entlang einer linearen Nachfragekurve wird sehr gut erklärt im Video:
[Link]

Die Einheitselastizität und Nachfragekurven mit konstanten Elastizitäten (isoelastisch) wird sehr gut erklärt
im Video:
[Link]

Ein weiteres sehr gutes Video zu Elastizitäten:


[Link]

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