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Übersicht
Einleitung 17 Muskelrelaxanzien 23
Grundsätzliche Überlegungen 17 Benzodiazepine 24
Nichtopioid-Analgetika 20 Analgesie oder Narkoseführung
Opioide 22 in typischen Situationen 25
Sedativa und Narkotika 22
Sonderdruck für private Zwecke des Autors
tionen oder Nebenwirkungen kein Zugangsweg für Ibuprofen ist stärker wirksam als Paracetamol, hat eine
deren Behandlung zur Verfügung steht. Die erreichte hohe therapeutische Breite und liegt in unterschied-
Schmerzfreiheit oder Sedierung sollte man daher nut- lichsten Zubereitungen vor – auch als sehr gut schme-
zen, um einen venösen Zugang zu legen. ckender und von den Kindern hervorragend akzeptier-
ter Saft. Dosierung s. Tab. 1.
Weitere Applikationswege. Mit weiteren alternativen
Verabreichungsformen von Analgetika oder Sedativa Ibuprofen ist erst ab dem 6. Lebensmonat zugelassen,
wie Bukkaltabletten, Lutschern oder der inhalativen aber in der Neonatologie seit Langem im Einsatz und
Verabreichung gibt es noch keine ausreichende Erfah- im Rahmen von Studien zur Therapie eines persistie-
rung, um daraus Empfehlungen für notfallmedizinische renden Ductus arteriosus Botalli sehr gut untersucht
Indikationen bei Kindern abzuleiten. [22]. Somit würde es sich bei einer Verwendung unter
6 Monaten zwar um einen „off label use“ handeln, dem
Schmerzwahrnehmung und Schmerzerfassung. jedoch eine breite und gut dokumentierte klinische
Kindern fehlt altersabhängig die Möglichkeit zur Erfahrung gegenübersteht. Die Verordnung bei Säug-
differenzierten Wahrnehmung und Mitteilung ihrer lingen unter 6 Monaten ist daher in begründeten Aus-
Beschwerden, wobei nachweislich auch bei kleinsten nahmen vertretbar.
Kindern eine bewusste Schmerzwahrnehmung statt-
findet [19]. Zur quantitativen Beurteilung von Schmer- Absolut kontraindiziert ist Ibuprofen bei Neugebo-
zen bei Säuglingen und Kleinkindern hat die KUSS- renen, die eine duktusabhängige Kreislaufsituation
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Azetylsalizylsäure. ASS ist aufgrund der Gefahr des Auch wenn eine Agranulozytose durch Metamizol ein
Reye-Syndroms bis zum Alter von 6 Jahren nicht zuge- extrem seltenes Ereignis ist, sind genaue Daten dazu
lassen und sollte auch bei älteren Kindern nur unter bisher nicht bekannt [23, 24]. Bei einer epidemiologi-
strenger Indikationsstellung verabreicht werden. schen Untersuchung trat eine Agranulozytose in einem
von 1439 Fällen auf [25], wobei eine deutliche Über-
Ibuprofen. Diese Substanz verursacht keine relevante schätzung diskutiert wird. Dennoch ist der Stellenwert
Veränderungen der Blutungsneigung [20, 21]. Magen- der genannten Probleme mit Metamizol nicht eindeu-
schleimhautschäden sind bei einer Anwendung bis zu tig zu beurteilen, was 2009 zu einer Warnmeldung des
einer Woche sehr unwahrscheinlich. Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte
(BfArM) geführt hat [26]. Auch die Arzneimittelkom-
Eine Nierenschädigung ist bei vorgeschädigten mission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat 2011 er-
Nieren oder einer Exsikkose möglich – daher ist neut bekräftigt, dass die vom BfArM formulierten Re-
Ibuprofen bei nierenkranken und/oder exsikkierten geln bei der Verabreichung von Metamizol zu beachten
Kindern kontraindiziert. sind (Infobox 4) [24].
Infobox 4 Tabelle 1
Analgesie:
Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 2 –4 h, das Wir-
■ rektal ■ 15 –20 mg/kgKG
kungsende kommt v. a. durch eine Umverteilung zu-
■ i. m. ■ 4 –6 mg/kgKG
stande. Die Wirkung tritt bei i. v. Gabe innerhalb von
■ i. v. ■ 0,5 –1 mg/kgKG
30 s ein, nach i. m. Gabe innerhalb von 3 –5 min-typi-
■ intranasal mit Zerstäuber ■ 1 –2 mg/kgKG
scherweise an einem spontanen Nystagmus zu erken-
nen. Narkose:
■ i. m. ■ 10 –20 mg/kgKG
Ketamin hat eine ausgeprägte analgetische Wirkung ■ i. v. ■ 2 –4 mg/kgKG
ohne nennenswerte Kreislaufdepression, v. a. aufgrund
der Freisetzung endogener Katecholamine. Bei analge-
tischer Dosierung und langsamer Applikation kommt
es auch zu keiner Atemdepression. Ketamin führt aber Im Rettungsdienst sind sowohl Ketamin als auch Eske-
häufig zu einer Hypersalivation und kann eine Brady- tamin in Gebrauch. Für eine vergleichbare Wirkung ist
kardie auslösen – beide Nebenwirkungen sind mit von Ketamin die doppelte Dosis im Vergleich zum
Parasympathikolytika meist gut zu beherrschen. Als Esketamin notwendig. Bei intranasaler Verabreichung
Kontraindikationen gelten Herzinsuffizienz, Hyper- muss man aufgrund der Bioverfügbarkeit von 50% die
tonie, erhöhter Hirndruck, Augenverletzungen und doppelte der jeweils üblichen i. v. Dosis verabreichen
Glaukom. (Tab. 1).
Ketamin und Esketamin sind in 2 unterschiedlichen Morphin. Der Wirkungseintritt ist bei Morphin lang-
Konzentrationen erhältlich, weswegen man vor samer als bei Piritramid. Morphin führt außerdem zu
jeder Verabreichung sorgfältig prüfen muss, dass einer Histaminfreisetzung. Seine Verwendung in der
Substanz und Konzentration korrekt sind. Pädiatrie bietet keine Vorteile gegenüber Piritramid
[30]. Dosierung s. Tab. 2.
Bisher konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob Keta-
nest und/oder die verwendeten Konservierungsmittel Fentanyl. Synthetisches Opioid mit einer Wirkstärke,
neurotoxische Nebenwirkungen haben können [28], die der 125-fachen von Morphin entspricht. Aufgrund
weswegen man die intranasale Gabe bei Kindern noch dieser großen Potenz muss man es zur Analgesie unter
nicht pauschal empfehlen kann [4]. Dennoch stellt sie erhaltener Spontanatmung sehr vorsichtig titrieren.
in verzweifelten Lagen unter Abwägung von Alterna- Auch zur nasalen Applikation mit einem Zerstäuber ist
tiven eine mögliche Option dar. Fentanyl sehr gut geeignet. Eine Untersuchung verglich
bei Kindern mit schmerzhaften Frakturen Fentanyl
(1,7 µg/kgKG nasal) mit Morphin (0,1 mg/kgKG i. v.). Bei
vergleichbarer Analgesie setzte die Wirkung beim nasal
Opioide applizierten Fentanyl deutlich schneller ein [18]. Eine
Atemdepression wurde in dieser Untersuchung nicht
Piritramid. Bei Piritramid handelt es sich um einen beobachtet. Beim Gebrauch zur präklinischen Anal-
reinen Opioidagonist, der synthetisch hergestellt wird. gesie handelt es sich um eine nicht zugelassene An-
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Fentanyl (Ampullen mit 50 µg/ml) Da Thiopental stark alkalisch ist, kann es bei Para-
vasaten zu schweren Gewebeschäden kommen,
Analgesie:
weswegen man nur sichere venöse Zugänge zur
i. v. 0,25 –0,5 µg/kgKG
Applikation verwenden darf.
intranasal mit Zerstäuber 1,5 µg/kgKG (0,03 ml/kgKG)
Narkose (i. v.) ■ Bolus: 1 –2 µg/kgKG Bei einer Vermischung mit Säuren kommt es zum Aus-
■ Wiederholungsdosis: 0,5 –1 µg/kgKG flocken, was Zugänge und zentrale Katheter unbrauchbar
machen kann. Zugänge muss man daher vor und nach
Propofol enthält Bestandteile von Sojaöl und Hühnerei die Nebennierenfunktion sowie auf die Mortalität und
(Ovolecithin). Bei einer Sojaallergie sollte man es daher Morbidität [33], sodass auch in diesen Fällen von Eto-
nicht verwenden. Eine Hühnereiallergie beruht midat abzuraten ist.
dagegen auf Reaktionen gegen Eiweiße und ist daher
keine Kontraindikation. Propofol wirkt vagusstimulie- Der Einsatz von Etomidat bedarf daher immer einer
rend und führt zu einem Injektionsschmerz. Bei der gründlichen Abwägung und einer eindeutigen Indi-
Narkoseeinleitung bei Frühgeborenen kam eine erheb- kation.
liche Kreislaufsuppression schon bei einer Dosierung
von 1 mg/kgKG vor, sodass diese Anwendungsbeob-
achtung vorzeitig abgebrochen wurde [32]. Zugelassen
ist die Substanz zur Sedierung und Narkose erst ab
Muskelrelaxanzien
einem Alter von über einem Monat.
Succinylcholin. Succinylcholin ist das einzige heute noch
Neben einer Sojaallergie sind auch mitochondriale verwendete depolarisierende Muskelrelaxans und sollte
Stoffwechselerkrankungen eine Kontraindikation Ausnahmesituationen vorbehalten bleiben, in denen eine
gegen Propofol. sofortige Relaxierung erforderlich ist (Dosierung [Link]. 4).
Insbesondere bei Kindern mit schweren Verbrennungen,
Etomidat. Etomidat wirkt sehr schnell und zeigt kaum Lähmungen, Weichteiltraumen, Kompartment-Syndrom,
kardiozirkulatorische Nebenwirkungen. Daher wurde Sepsis sowie neuromuskulären Erkrankungen kann es zu
es typischerweise zur Einleitung bei Patienten mit ein- einer lebensbedrohlichen Kaliumausschüttung und
geschränkter kardialer Leistungsfähigkeit verwendet Herzrhythmusstörungen kommen. Weitere Kontra-
(Dosierung s. Tab. 3). Der Injektionsschmerz ist ver- indikationen bestehen bei Disposition zu maligner
gleichbar mit dem vom Propofol. Etomidat supprimiert Hyperthermie und Cholinesterasemangel.
die Nebennierenrinde und vermindert den Kortisol-
spiegel für ca. 72 h. Besonders bei kritisch kranken Vecuronium. Vecuronium wird in der Pädiatrie oft be-
Kindern und bei septischem Schock ist es daher unge- vorzugt, weil es die geringsten vegetativen Nebenwir-
eignet. Beim hämorrhagischen Schock wurde bei fast kungen hat und keine relevante Histaminausschüttung
allen Kindern eine Nebennierenrindeninsuffizienz be- verursacht. Im Rettungsdienst ist es noch aus einem
obachtet – vermutet wird ein erheblicher Einfluss auf anderen Grund beliebt, denn es liegt in Pulverform vor
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CME‑Fragen
1
Welche Aussage zu den Grundregeln A Man sollte immer individuell gewichtsbezogen dosieren.
der präklinischen Analgesie und B Es gibt altersabhängig Unterschiede bei der empfohlenen Dosis.
Sedierung bei Kindern ist falsch? C Es bestehen altersgruppenabhängige Kontraindikationen.
D In der pädiatrischen Notfallmedizin ist die rektale Gabe von Medikamenten zu bevorzugen.
E Wann immer möglich, sollte man eine Medikation titrierend verabreichen.
2
Was muss man bei der Sedierung A Säuglinge brauchen meist eine geringere Dosierung pro Kilogramm Körpergewicht als
von Säuglingen beachten? Erwachsene.
B Eine Beeinflussung von Atmung oder Kreislauf kommt bei Säuglingen kaum vor.
C Bei Frühgeborenen kommt es nach einer Initialdosis von Sedativa zu einem ausgeprägten
Wirkungsverlust durch Umverteilung.
D Die Gefahr von Medikamentenfehldosierungen ist bei Säuglingen größer als bei Erwachsenen.
E Bei Kindern ist eine intraossäre Nadel aufgrund der noch fehlenden Vaskularisierung des
Knochenmarks nicht möglich.
3
Welche Aussage zur intranasalen A Die Bioverfügbarkeit der meisten Medikamente ist nach intranasaler Gabe ähnlich wie nach
Verabreichung von Medikamenten i. v. Gabe.
mit einem Zerstäuber ist falsch? B Die Medikamente kann man mit jeder normalen Spritze in die Nase einbringen.
C Intranasal verabreichtes Fentanyl wirkt evtl. schneller als i. v. verabreichtes Morphin.
D Nach dem Wirkungseintritt der intranasalen Verabreichung sollte man einen Venenzugang legen.
E Sekrete in der Nase stören die Resorption intranasal verabreichter Medikamente.
4
Welche Aussagen zur Schmerz- A Kleinkinder können in der Regel den Schmerz genau lokalisieren und beschreiben.
wahrnehmung und -äußerung B Kleinkinder empfinden noch keine Schmerzen.
von Kindern ist richtig? C Man kann Schmerzen bei Kindern nicht messen.
D Ungefähr ab dem 5. Lebensjahr können Kinder eine modifizierte visuelle Analogskala
(Gesichterskala) zur Quantifizierung der Schmerzen verwenden.
E Numerische Ratingskalen (NRS) kann man erst bei Erwachsenen verwenden.
5
Welche Aussage zu Nichtopioid- A Paracetamol ist in den meisten Situationen als Notfall-Analgetikum ungeeignet.
Analgetika ist falsch? B Ibuprofen erhöht die Gefahr von Blutungen nicht.
C Metamizol kann einen erheblichen Blutdruckabfall verursachen.
D Die Verabreichung von Metamizol bedarf keiner Aufklärung des Patienten/der Sorgeberechtigten.
E Ketanest ist ein potentes Analgetikum und Sedativum.
CME
b
7/2012 | Notfallmedizin up2date 29
6
Welche Aussage zur Verwendung A Es gibt 2 Enantiomere von Ketamin, wobei beide gleich wirksam sind.
von Ketamin ist richtig? B Der Wirkungseintritt von Ketamin ist unabhängig von der Art der Verabreichung.
C Eine intranasale Gabe von Ketamin ist unproblematisch möglich.
D Meist tritt mit dem Beginn der Sedierung durch Ketamin ein typischer, spontaner Nystagmus auf.
E Esketamin wird in einer einheitlichen Konzentration im Handel angeboten.
7
Welche Aussage zu Opioidanalgetika A Bei Piritramid ist nicht mit einer wesentlichen Histaminfreisetzung zu rechnen.
ist falsch? B Morphin hat gegenüber anderen Opioiden keine Vorteile in der Pädiatrie.
C Fentanyl ist zur intranasalen Applikation ungeeignet.
D Die Wirkdauer der meisten Opioide ist bei Neugeborenen und Säuglingen erheblich verlängert.
E Nach der Verabreichung von Opioiden ist eine Überwachung von Vitalparametern erforderlich.
8
Welche Aussage zu den A Barbiturate binden Bilirubin und sind daher beim Neugeborenenikterus besonders günstig.
Eigenschaften von Sedativa B Wenn es bei der Verabreichung von Barbituraten zu einem Paravasat kommt, sind keine Gewe-
und Narkotika ist richtig? beschäden zu erwarten.
C Propofol ist in jeder Altersstufe in einer Dosierung von 4 mg/kgKG unproblematisch einsetzbar.
D Propofol dämpft zunächst isoliert den Hirnstamm, erst nach wenigen Minuten auch den Kortex.
E Etomidat kann nach einmaliger Gabe zu einer klinisch bedeutsamen Nebennierenrinden-
insuffizienz führen.
9
Welche Aussage zu A Succinylcholin sollte bei der Versorgung von Kindern Ausnahmen vorbehalten bleiben.
Muskelrelaxanzien ist falsch? B Mit der Gabe von Succinylcholin kann es zu erheblichen kardialen Rhythmusstörungen kommen.
C Vecuronium zeigt ein ausgeprägtes vegetatives Nebenwirkungsprofil.
D Die Wirkung von Rocuronium kann man mit Sugammadex innerhalb kürzester Zeit aufheben.
E Die Injektionslösung von Rocuronium ist stark sauer.
10
Welche Aussage zur Rolle des A Altersbezogene Schätzformeln sind im Vergleich zu anderen Methoden am präzisesten.
Körpergewichts bei der notfall- B Bei adipösen Kindern ist die längenbezogene Schätzung des Idealgewichts besonders nachteilig.
medizinischen Medikamenten- C Wenn immer möglich, sollte man zuverlässige Eltern nach dem Gewicht des Kindes fragen.
versorgung von Kindern ist richtig? D Es ist unnötig, das geschätzte Gewicht des Kindes im Notarzteinsatzprotokoll zu dokumentieren,
da das Kind in der Klinik gewogen wird.
E Bei adipösen Kindern ist die Gewichtsschätzung zu unzuverlässig, man gibt daher grundsätzlich
die Hälfte der Erwachsenendosis.
CME