Der Crowley-Tarot: Hajo Banzhaf Akron
Der Crowley-Tarot: Hajo Banzhaf Akron
HAJO BANZHAF
Der Crowley-Tarot
Buch
Dieses vorzüglich gegliederte Nachschlagewerk bietet eine grundle-
gende Einführung in den Umgang mit dem Crowley-Tarot. Es lie-
fert einen Schlüssel zu den Bildsymbolen der abgebildeten Karten
und erweist sich als eine praxisnahe Deutungshilfe für die verschie-
denen Ebenen einer Tarot-Befragung.
Jede Karte wird gedeutet in B ezug auf die allgemeine Aussage, auf
die Aussage zur geistigen Einstellung des Fragenden, zur beruf-
lichen Situation und zum Beziehungsleben. Die Deutungen werden
ergänzt durch Angaben zu Archetypen und Symbolen sowie zu
Assoziationen und Empfindungen, die der Botschaft der jeweiligen
Karte entsprechen.
Ein Wegweiser zu den geeigneten und erprobten Legemethoden
ergänzt das detaillierte Nachschlagewerk.
Autoren
Akron (C. F. Frey) ist Autor einer Reihe von Astrologiebüchern.
Er gab Kurse zur bewussten Willensbildung und unterhielt eine
astrologische Praxis. Im Oktober 2017 starb Akron an einer
Krebserkrankung.
Hajo Banzhaf war Astrologe und Deutschlands bekanntester Tarot-
Experte. Nach einem Studium der Philosophie und einer zwölfjäh-
rigen Banklaufbahn arbeitet er seit 1985 freiberuflich als Buchau-
tor, Seminarleiter und Astrologe. Hajo Banzhaf ist Autor und Co-
Autor von 17 Büchern über Astrologie und Tarot, die in zahlreiche
Sprachen übersetzt wurden. Im Februar 2009 starb Hajo Banzhaf
an den Folgen einer Operation.
14. Auflage
Vollständige Taschenbuchausgabe November 1998
Arkana, München in der
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
© 1991 Heinrich Hugendubel Verlag München
Umschlaggestaltung: Design Team München
Umschlagfoto: Design Team München
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck
WL · Herstellung/DTP: Martin Strohkendl
Printed in Germany
ISBN: 978-3-442-21500-3
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Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Einführung
Was ist Tarot? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Der Aufbau des Kartenspiels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Die Herkunft der Tarotkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Die verschiedenen Kartenspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Die Besonderheiten des Crowley-Tarot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Die Kabbala und der »Baum des Lebens« . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Wie kann man Kartendeuten erlernen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Von der Fragestellung bis zur Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Wie muß die Frage gestellt werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Mischen, Ziehen und Auslegen der Karten . . . . . . . . . . . . . . . 27
Die Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot und ihre Antworten . . . . . 30
Deutungsteil
Die 22 Karten der Großen Arkana
Der Narr . . . . . . . . . . . . . . . 39 Lust . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
Der Magier . . . . . . . . . . . . . 49 Der Gehängte . . . . . . . . . . 159
Die Hohepriesterin . . . . . . . 58 Tod . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
Die Kaiserin . . . . . . . . . . . . 68 Kunst . . . . . . . . . . . . . . . . 180
Der Kaiser. . . . . . . . . . . . . . 77 Der Teufel . . . . . . . . . . . . . 192
Der Hohepriester . . . . . . . . 88 Der Turm . . . . . . . . . . . . . 206
Die Liebenden. . . . . . . . . . . 98 Der Stern. . . . . . . . . . . . . . 217
Der Wagen . . . . . . . . . . . . 110 Der Mond . . . . . . . . . . . . . 227
Ausgleichung . . . . . . . . . . 120 Die Sonne . . . . . . . . . . . . . 239
Eremit . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Das Aeon . . . . . . . . . . . . . 249
Glück . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Das Universum . . . . . . . . . 260
6 Inhalt
Legesysteme
Übersicht über 9 Legesysteme nach Fragerichtung
und Schwierigkeitsgrad
1. Ankh . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 460
2. Das Beziehungsspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 462
3. Der blinde Fleck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465
4. Das Entscheidungsspiel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
5. Das Geheimnis der Hohepriesterin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
6. Das keltische Kreuz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472
7. Das Kreuz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476
8. Das Narrenspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
9. Der Weg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507
7
Vorwort
Mephistopheles:
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht, denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
Ich bin ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Faust I
8 Vorwort
Der Name Crowley wirkt nicht selten wie ein falsches Losungswort,
dessen Nennung schleunigst alle Türen verschließt. Nach bewährter
Pharisäerart werden seine Person und sein Werk gern in jenen Be-
reich menschlicher Erfahrung verwiesen, der durch unverrückbare
Vorurteile verriegelt ist. So bleibt – zumindest scheinbar – die Aus-
einandersetzung mit all den Phänomenen erspart, die gern mit sei-
nem Namen in Verbindung gebracht werden: Schwarze Magie, Sa-
tanismus, schwarze Messen, alles Schändliche, Verruchte, Unan-
ständige, Unerhörte, Widerliche; das Böse schlechthin.
Es ist nicht das erklärte Ziel dieses Buches, die bestehenden Vor-
urteile abzubauen. Es geht uns auch nicht darum, zur Arbeit am
kollektiven Schatten anzuregen, auch wenn beides sicherlich zu be-
grüßen wäre. Ebensowenig wollen wir natürlich dem Mißbrauch,
der mit Crowley und seinem Werk getrieben wird, Vorschub lei-
sten. Wenn sich heute Zirkel bilden, die sich okkult nennen, die
merkwürdigsten Theorien vertreten und obskure Rituale pflegen,
die aber eigentlich dringendst psychiatrischer Betreuung bedürften,
hat das nichts mit Crowley zu tun. Wenn in einer sterilen und see-
lisch verkümmerten Welt die Jugend aus der Abgestumpftheit töd-
licher Langeweile heraus den letzten »Kick« in schwarzen Messen
sucht und ihre nächtlichen Partys auf Friedhöfe verlegt, kann man
das Crowley selbst dann nicht anlasten, wenn dabei sein Name auf
Grabsteine geschmiert wird. Und wenn Manson und andere Wahn-
sinnige sich bei ihren Greueltaten auf Crowley berufen, sei daran
erinnert, daß Crowley selbst Zeit seines Lebens nie kriminell ge-
worden ist und daß ähnliche Taten von anderen seelisch Kranken
im Namen des Kreuzes und jeder anderen hohen Idee begangen
wurden.
Zweifellos gehört Crowleys Nachlaß – und damit auch die unter
seiner Regie entstandenen Tarotkarten – zu den bevorzugten Re-
quisiten vieler sogenannter schwarzer Messen dieser Art. Das er-
laubt aber keine Bewertung seines Werkes, denn andere, ebenso be-
liebte Requisiten sind das Kruzifix, die Bibel und die Hostie. Und
wer mit dem Hinweis auf eine möglicherweise schädliche Wirkung
die Verbreitung seines Werkes unterbinden will, sei daran erinnert,
Vorwort 9
geheuer ist, so sollte das auch nicht auf die leichte Schulter genom-
men werden. Da das Okkulte tiefenpsychologisch gesprochen mit
dem tiefsten Unbewußten gleichgesetzt werden kann, bedarf es in
der Tat eines Ichbewußtseins, das stark genug ist, diesen unbewuß-
ten Inhalten standhaft zu begegnen, ohne sich von ihnen verschlin-
gen zu lassen. Letzteres käme dem gleich, was sehr anschaulich als
geistige Umnachtung bezeichnet wird.
Auf den Tarot übertragen bedeutet das, daß der gesunde Erwach-
sene die Auseinandersetzung mit dem Kartenorakel und die Be-
schäftigung mit seiner Symbolik als eine große Bereicherung erleben
kann. Der seelisch Schwache oder Kranke aber sei gewarnt. Wenn
die in ihm aufsteigenden Bilder ihn ruhelos machen oder beginnen,
eine bestimmende Gewalt über ihn auszuüben, sollte er sich lieber
vermehrt der Bewältigung seiner Alltagsaufgaben zuwenden und
seine Beschäftigung mit okkulten Themen ruhen lassen.
Einführung
Tarot ist ein aus alter Zeit überliefertes Kartenspiel, das neben sei-
nem hohem spirituellen Aussagewert wohl immer schon einen
weitverbreiteten Gebrauch als Orakelspiel fand. Die spirituelle
Seite hatte für jene Kreise eine hohe Bedeutung, die in Mysterien-
schulen, Logen und sonstigen Geheimbünden zusammenkamen,
um alte Traditionen und Symbole zu studieren. Sie fanden in diesen
Karten die Grundstruktur des mystischen Einweihungsweges auf-
gezeichnet. Der vergleichsweise »profane« Gebrauch als Orakel
für die Fragen des Alltags war dagegen das Motiv für das breite In-
teresse, das die Karten damals wie heute fanden und finden.
Jeder dieser vier Sätze besteht aus 14 Karten, die sich zusammen-
setzen aus:
Die Herkunft der Karten liegt im dunkeln. Sicher ist nur, daß sie im
14. Jahrhundert in Europa auftauchten und sich dann sehr schnell
verbreiteten. Eine der ersten Erwähnungen geht auf den Dominika-
nermönch Bruder Johannes zurück, der in der Nähe von Basel lebte
und 1377 in seinem Tractatus de moribus et disciplina humanae
conversationis von einem Kartenspiel spricht. Die Liste uns be-
kannter früher urkundlicher Erwähnungen, aus der sich auch die
schnelle Verbreitung der Karten ablesen läßt, ist wie folgt1:
Wie alt die Karten auch sein mögen, es ist beeindruckend, daß die
Geschichte, die uns die 22 Großen Arkana erzählen, so alt ist, daß
sie bis in die Urfrühe menschlicher Bewußtwerdung zurückreicht. In
den 22 Bildern älterer Tarotkarten können wir in der eindringlichen
Schlichtheit scheinbar naiv wirkender Bilder die Grundstruktur der
Mythen, Märchen und Legenden der Völker erkennen, die als älte-
ste Geschichte der Menschheit unter dem Namen »Die Reise des
Helden« bekannt ist. Da es sich hierbei zugleich um Urbilder der
menschlichen Seele handelt, die C.G. Jung Archetypen nannte, ist es
nicht zu kühn zu behaupten, die Karten sprächen – Träumen ähn-
lich – die Bildersprache der menschlichen Seele.
den seiner Meinung nach einzig richtigen Tarot: die Oswald Wirth
Karten in der Version von Elisabeth Haich. Er kommt nun in Ana-
logie zu den »Drei tollen Tagen«, in denen wir uns seinem Weltka-
lender zufolge befinden, zu dem Schluß, daß es sich bei den fehlen-
den Karten um zwei weitere Narren handeln muß. Dennoch läßt
sich seine Grundüberlegung sehr wohl auf die drei Magier in dem
heutigen Crowley-Tarot übertragen. Die Quintessenz seiner Überle-
gungen ist stark vereinfachend verkürzt folgende: Die allen alten
Zahlensystemen innewohnende Methodik läuft auf ein 24er System
hinaus, von dem jedoch oft genug 10% unsichtbar sind. So spiegelt
zum Beispiel die astronomisch (!) exakt berechnete Dauer eines
Weltzeitalters (Fische-, Wassermannzeitalter etc.) von 2160 Jahren
nur 90% der »Wirklichkeit«. Es sind »tatsächlich« 2400 Jahre, von
denen eben 10% = 240 unsichtbar sind (2400 – 240 = 2160).
Ebenso gab es eigentlich immer schon 24 Karten der Großen Ar-
kana, von denen jedoch 10% (das sind abgerundet 2 Karten) un-
sichtbar waren. So betrachtet wäre das Auftauchen dieser zwei ver-
borgenen Karten ein Phänomen, das sehr gut in eine Zeit paßt, in
der vieles von dem, was jahrhundertelang strengster Geheimhaltung
unterlag, in das Licht der Öffentlichkeit tritt. Dabei ist es vollkom-
men gleichgültig, wie »profan« die Erklärung für den auslösenden
Schritt sein mag. Wie dem auch sei, in jedem Fall sind diese beiden
zusätzlichen Karten noch viel zu neu, um ihnen eine klare Deutung
zuzuordnen. Deshalb muß es jedem einzelnen überlassen bleiben,
damit eigene Erfahrungen zu machen, sie mit aufzunehmen oder es
bei der ursprünglichen Struktur zu belassen.
An diesen drei Karten läßt sich sehr schön die Art der Zusam-
menarbeit von Aleister Crowley und Frieda Harris nachvollziehen:
Er gab ihr das Inventar, und sie komponierte es zu einem Kunst-
werk. So weicht zwar die Art der Zusammenstellung erheblich
voneinander ab, dennoch haben alle drei Karten dieselben Be-
standteile. Aus diesem Grund haben wir auch darauf verzichtet, die
zusätzlichen Karten in den Deutungsteil aufzunehmen, da die Be-
deutung ihrer Symbole unter dem von Crowley akzeptierten Ma-
gier nachgeschaut werden kann.
Die Kabbala und »Der Baum des Lebens« 19
Weitere Veränderungen
Crowley nennt die Karten der Großen Arkana »Atu« und hat eini-
gen von ihnen einen neuen Namen gegeben: Die Gerechtigkeit
(VIII) wurde zur Ausgleichung, das Schicksalsrad (X), das im an-
gelsächsischen Sprachgebrauch schon immer Glücksrad genannt
wurde, heißt Glück, Kraft (XI) wurde zu Lust, Mäßigkeit (XIV) zu
Kunst, Gericht (XX) zu Aeon und die Welt (XXI) zu Universum.
Die einzig tiefgreifende Veränderung erfuhr aber nur die 20. Karte
(Gericht), deren altes Erlösungsthema nun der Vision eines neuen
Zeitalters (Aeon) wich.
Innerhalb der Kleinen Arkana nennt Crowley den Satz der Mün-
zen Scheiben, eine Bezeichnung, die aber auch schon in älteren Ta-
rotsätzen auftaucht. Eine einleuchtende, wenn auch unbeweisbare
Erklärung dafür liegt darin, daß der Satz der Münzen traditionell
mit dem Element Erde verbunden wurde, die im Mittelalter als
Scheibe galt. Wesentlicher und für viel Verwirrung sorgend ist da-
gegen die Neubenennung der Hofkarten. Der traditionellen Folge
König, Königin, Ritter und Bube (Page) entspricht im Crowley-
Tarot die Reihenfolge Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin.
Ursprung
Der Baum des Lebens ist die zentrale Glyphe der jüdischen Geheim-
lehre, der sogenannten Kabbala. Seit dem 12. Jahrhundert ist Kab-
bala der Name der (ursprünglich mündlich überlieferten) allmählich
zu einer eigenen Schule und Literatur ausgebildeten Geheimlehre
der Juden, deren Wurzeln aber bis zu den ersten Hochkulturen im
Mittelmeerraum zurückreichen. In Ägypten gab es die berühmten
Einweihungsstätten in die Mysterien. Auch wenn der Ursprung des
ägyptischen Wissens bis heute umstritten ist – viele Esoteriker sehen
darin das atlantische Erbe –, ist doch festzustellen, daß die führen-
den Denker aller Kulturen in die ägyptischen Lehren eingeweiht
wurden und den Geist dieser Weihen mit nach Hause nahmen. Die
20 Einführung
genug ist, um das Unfaßbare zu fassen, und daß Zahlen die größte
Annäherung an das Unfaßbare sind. Im Lebensbaum wird die
»letzte Wirklichkeit« folgerichtig durch 10 Kreise symbolisiert, die
in sich keine direkten Aussagen bilden, sondern nur allgemeine
Zyklen beschreiben, deren Begrifflichkeit sich erst durch die Hin-
zunahme und das Kombinieren mit anderen Wirkungsebenen er-
schließt. Damit ist die Kabbala nicht irgendein philosophisches
oder religiöses System, sondern ein durch die jüdische Tradition
gefärbtes Universalmodell, dessen Elemente zum erstenmal in der
pythagoräischen Harmonielehre auftauchen, dessen Grundlage
aber wohl die orientalischen Emanationslehren sind. Papus, einer
der bedeutendsten Esoteriker Frankreichs, der eines der besten
Bücher zur Kabbala und eines der umstrittensten zum Tarot verfaßt
hat, schrieb: »Die Kabbala ist die Wissenschaft von der Seele und
von Gott und allen Beziehungen, die zwischen ihnen bestehen. Sie
lehrt und beweist, daß alles in einem ist und eines in allem.«
Die 10 Sephirot
Für die Kabbalisten ist Wirklichkeit das Ergebnis eines immer-
währenden Schöpfungsprozesses, der die zehn Wirkungsebenen
wie zehn Spinnfäden unablässig miteinander verknüpft und daraus
die Webmuster des Schicksals »strickt«. Denn es sind nicht die
Menschen, die das Schicksal gestalten, sondern der kollektive Geist
im Menschen, der sich durch ihre Handlungen hindurchzieht und
gleichsam zur Straße wird, auf der sich die kollektiven Vorstellun-
gen (Zeitgeist) bewegen. Dieses Geflecht, das sich darin äußert, daß
sich die menschliche Psyche immer über die Inhalte des Alltägli-
chen hinaus auf eine übergeordnete, hinter den Dingen wirkende
Kraft bezieht, ist die der Realität angepaßte Form des Ewigen und
entspricht im kabbalistischen Lebensbaum der Sephira Kether (1).
Wir können auch sagen, daß Kether die Urkraft ist, aus der alles
hervorgeht, aber weil die Formen des Ewigen selber unsichtbar
bleiben (0) und sich in allen unseren Bildern nur die Sehnsucht aus-
drückt, den Schatten jenes Geistes zu erahnen, welcher jenseits des
Erfaßbaren thront, wollen wir uns auf die Aussage beschränken,
Die Kabbala und »Der Baum des Lebens« 23
Die 10 Zahlen
(Sephirot und Kleine Arkana)
In der Verbindung zwischen Tarot und Lebensbaum werden die 10
Sephirot nun den von 1–10 numerierten »kleinen Karten« zugeord-
net, die wiederum, entsprechend den vier Elementen (Stäbe = Feuer,
Kelche = Wasser, Schwerter = Luft, Scheiben = Erde) in vier Sätze
unterteilt werden. Damit entspricht das As der Stäbe der Formel
»Kether durch Feuer« oder auf der symbolischen Ebene »dem er-
sten Schöpfungsfunken als Vater der schöpferischen Idee«; die Zwei
der Kelche entspricht »Chokmah durch Wasser« oder »der Polari-
24 Einführung
Die 22 Pfade
(Hebräisches Alphabet und Große Arkana)
Im hebräischen Alphabet gibt es zweiundzwanzig Buchstaben. Es
ist die Zahl der Pfade im »Sepher Yetzirah« oder »Buch der Schöp-
fung«, dem Teil der Kabbala, der sich auf die Schöpfung und ihre
geheimnisvollen Gesetze bezieht. Dieses Buch erläutert die Schöp-
fung der Welt in Analogie zu den 22 Buchstaben des hebräischen
Alphabets. Es gibt drei »Mutterbuchstaben« für die Elemente, sie-
ben »Doppelbuchstaben« für die Planeten und zwölf »Einfache
Buchstaben« für den Tierkreis. Die 22 Pfade sind die Wege, die die
zehn Zahlen auf dem Lebensbaum miteinander verbinden. Gleich-
zeitig werden diese 22 Verbindungspfade im Baum des Lebens mit
den 22 Großen Arkana des Tarot verknüpft. Dadurch wird der
Baum zu einem mehrdimensionalen Bild, in dem das Verbindende
verschiedener Kulturen in einem gemeinsamen Weg zum Ausdruck
kommt. Fühlen wir uns beispielsweise in der herrschenden gesell-
schaftlichen Struktur (Hod) gefangen und unser Ziel ist der Ur-
sprung oder Neuanfang (Malkuth), müssen wir den Pfad zwischen
diesen beiden Sephirot wählen, den »Weg der Transformation«; ein
Vorgang, der im Tarot durch die Karte »Aeon« und im hebräischen
Alphabet durch den Buchstaben »Shin« verdeutlicht wird. Umge-
kehrt schildern der »Turm« und »Pé« die »Zertrümmerung fester
Strukturen«, weil sie Hod (Struktur) und Netzach (Zersetzung)
miteinander verbinden: Durch die Zerstörung alter Werte wird die
Bühne frei für ein neues Stück. Die Pfade sind die Linien, entlang
derer sich das Leben entfaltet. Es gilt, diese Linien im Sinnzusam-
menhang des Ganzen zu verstehen, in das wir eingebunden sind.
Der Mensch braucht Modelle, an die er glauben kann, und der Le-
bensbaum ist nach dem hermetischen Gesetz »wie oben so unten«
ein Spiegelbild des Kosmos überhaupt.
Wie kann man Kartendeuten erlernen? 25
Die Karten sprechen in Bildern, und Bilder sind die Sprache der
Seele. Wer die Sprache der Karten lernen will, muß – ähnlich wie
der Traumdeuter – die Sprache der Seele erlernen. Die Entwicklung
verläuft dabei ähnlich wie beim Erlernen einer neuen Sprache:
Nach Überwindung einer möglichen ersten Befangenheit ergeben
sich erste spontane Erfolgserlebnisse, die aber nur mit der auch hier
notwendigen Übung zu wachsender Sicherheit und differenzierter
Ausdrucksweise führen.
Durch die in unserer Gesellschaft gesetzten Werte sind wir als
Abendländer vor allem im begrifflichen Denken und in der kausa-
len Logik geschult, aber weniger im bildhaften Denken und im ana-
logen Schluß. Das heißt, wir können ein Problem sehr wohl in
Worte fassen oder es begreifen, wenn es uns durch Worte vermittelt
wird. Wir können das Problem auch auf die abstrakte Ebene brin-
gen, indem wir die allgemeine Formel finden, die ihm zugrunde
liegt, und wir glauben, damit auch Ursache und Wirkung erklären
zu können. All das ist die um Eindeutigkeit bemühte Sprache des
Bewußten.
Die Sprache des Unbewußten ist anders. Unsere Seele drückt sich
in Bildern aus, wie jeder aus seinen Träumen weiß. Diese Bilder las-
sen sich nicht beliebig durch Worte ersetzen: Worte unterliegen
einem dauernden Verschleiß. Sie nutzen sich ab und verlieren ihre
ursprüngliche Bedeutung. Bilder und vor allem Symbole sprechen
den Menschen dagegen seit Jahrtausenden in gleicher Weise an.
Deshalb ist es ja nicht so schwer, die Sprache der Bilder (oder auch
unserer Träume) intuitiv zu verstehen und eine Bedeutung zu erah-
nen. Was anfangs schwerfällt, ist, diese Bedeutung dem Bewußtsein
so zugänglich zu machen, daß es die Aussage in Worte faßt, die dem
Deuter wie dem Fragenden klarmachen, was die Bilder ausdrücken
wollen. Ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte. Deshalb erklärt
dieses Buch zum einen den vielschichtigen Symbolhintergrund
einer jeden Karte, gibt aber auch Deutungshilfen, damit die Karten
26 Einführung
Formal:
Sie können die Frage laut oder leise stellen, sie mehrfach wiederho-
len oder auch aufschreiben. Machen Sie das ganz nach Belieben.
Keine Methode ist besser als die andere. Wichtig ist nur, daß Sie sich
klarmachen, was Sie wissen wollen, und daß Sie sich nach der Fra-
gestellung nicht länger auf die Frage konzentrieren, sondern in aller
Ruhe und Gelassenheit die Karten ziehen, aufdecken und deuten.
Von der Fragestellung bis zur Deutung 27
Inhaltlich:
Stellen Sie die Frage so, wie sie Ihnen in den Sinn kommt. Es kommt
nicht auf eine gelungene Formulierung an, sondern nur darauf, daß
Ihnen bewußt wird, worauf Ihr Unbewußtes Ihnen gleich eine Ant-
wort geben wird. Es reicht auch, wenn Sie einfach fragen: Mich in-
teressiert, wie dies oder jenes weitergeht.
Stellen Sie keine Fragen, die sich nur mit »Ja« oder »Nein« be-
antworten lassen. Die Karten können Ihnen in Entscheidungssitua-
tionen sehr wohl helfen, Ihnen aber keine Entscheidung abnehmen.
Fragen Sie statt dessen: »Was passiert, wenn ich etwas tue, und was
passiert, wenn ich es nicht tue?« Das Entscheidungsspiel wird
Ihnen dann die jeweiligen Konsequenzen zeigen, so daß Sie leichter
Ihre Entscheidung treffen können.
Verbinden Sie nicht mehrere Themenkreise oder Alternativen
miteinander. Fragen Sie die Karten lieber einzeln zu den verschiede-
nen Bereichen. Die Frage sollte also nicht lauten: »Soll ich mich für
Hans entscheiden oder für Karl?«, sondern: »Was geschieht, wenn
ich mich für Hans entscheide, und was geschieht, wenn ich es nicht
tue?« und dann anschließend: »Was geschieht, wenn ich mich auf
Karl einlasse, und was geschieht, wenn ich es nicht tue?« Denn wenn
in beiden Fällen die Aussichten trübe sind, die Karten jedoch eine
günstige Alternative zeigen, mag diese vielleicht bei einem (un)be-
kannten Dritten liegen. Bei der ursprünglichen Fragestellung wären
Sie darauf aber gar nicht aufmerksam geworden, sondern hätten
nur festgestellt, daß Ihr Vorhaben so oder so problematisch ist.
Ebensowenig sollten Sie verschiedene Themenkreise in einer Frage
verbinden, wie etwa: »Wie wird meine Urlaubsreise verlaufen, und
werde ich mich dabei verlieben?« Fragen Sie statt dessen mit dem
Legesystem »Das keltische Kreuz«, wie der Urlaub wird, und mit
»Der Weg«, was Sie tun können, damit Sie sich wieder verlieben.
Händen auf dem Tisch oder dem Boden mischen. In allen anderen
Fällen sind die Art und Gründlichkeit des Mischens bedeutungslos.
Bilden Sie danach aus den verdeckten Karten einen großen Fächer.
Prüfen Sie zunächst anhand der Beschreibung des Legesystems, wie
viele Karten Sie brauchen. Ziehen Sie diese dann mit der linken
Hand aus dem Kartenfächer und legen Sie eine nach der anderen ver-
deckt aufeinander. Wenn Sie so alle notwendigen Karten gezogen
haben, legen Sie die übrigen beiseite. Nehmen Sie danach Ihre Kar-
ten und decken Sie diese in der gezogenen Reihenfolge (d. h. die un-
terste zuerst) auf, und legen Sie diese dabei in der Reihenfolge und
entsprechend dem Muster aus, wie es die jeweilige Abbildung zeigt.
Die Deutung
Einzelbetrachtung
Bei der Deutung müssen Sie zunächst die spezielle Bedeutung der
Karte mit der Bedeutung des Feldes verbinden, auf dem die Karte
liegt. Das geht natürlich um so leichter, je tiefer und besser Sie in die
Bedeutung einer Karte eingedrungen sind. Wenn Ihnen die Karten
aber noch weitgehend neu sind, werden Ihnen die Texte im Deu-
tungsteil zu jeder Karte eine wichtige Hilfe sein. Dort finden Sie Be-
schreibungen für die wichtigsten Bedeutungsebenen aller Karten:
Allgemein, Beruf und Partnerschaft. Die Rubrik, die die Bedeutung
der Karte auf der Ebene des Bewußtseins und bei den Kleinen
Arkana überwiegend auf der inneren Erfahrungsebene schildert,
eignet sich zur Standortbestimmung und bei Fragen der Selbster-
fahrung. Lesen Sie in jedem Fall die allgemeine Bedeutung, um das
Thema der Karte zu verstehen, und danach die spezielle Deutung.
Und wenn es Ihnen Ihre Zeit erlaubt und Sie genügend Interesse
aufbringen, lesen Sie zumindest bei den wichtigsten Karten auch
etwas über die Bedeutung der einzelnen Symbole. So wird Ihr Ver-
ständnis der Karten und damit Ihre Deutung an Tiefe gewinnen. Es
ist völlig normal, daß Sie bei dieser anfänglichen Einzelbetrachtung
der Karten noch zu holprigen, dünnen oder wenig verständlichen
Aussagen gelangen. Lassen Sie sich dadurch nicht beirren und blei-
Von der Fragestellung bis zur Deutung 29
ben Sie dort nicht stehen. Gehen Sie einfach zur nächsten Karte
über. Bei der abschließenden Zusammenschau werden Sie die Kar-
ten in der Regel schon viel besser verstehen.
Umgekehrte Karten
Manche Deuter messen den Karten eine andere Bedeutung bei,
wenn sie kopfstehend auftauchen. Einen möglichen Deutungsvor-
schlag finden Sie dafür unter der Rubrik Schatten. Wir selber ma-
chen diese Unterscheidung normalerweise nicht und drehen kopf-
gestellte Karten einfach richtigherum. Machen Sie damit Ihre eige-
nen Erfahrungen, aber entscheiden Sie sich immer vor Beginn, d. h.
noch bevor Sie die Karten ziehen oder ziehen lassen, ob Sie die Kar-
ten richtig herum drehen wollen oder auch ihre kopfgestellte Be-
deutung berücksichtigen. In diesem letzteren Fall sollten Sie die
Karten unbedingt großflächig auf dem Tisch oder dem Boden mi-
schen, damit sie sich entsprechend drehen können.
Zusammenschau
Am Ende jeder Deutung steht die Zusammenschau. Verbinden Sie
dazu die bisher gemachten Einzelaussagen zu einer einheitlichen
Aussage. Das heißt nicht, daß sie keine Widersprüche beinhalten
darf. Unser Leben und damit auch die Karten sind häufig genug
voller Widersprüche. Ihre Deutung sollte nur kein Stückwerk blei-
ben, sondern zu einer abschließenden Gesamtaussage finden. Las-
sen Sie die einzelnen Stationen in sich zu einer ganzen Geschichte
heranreifen. Bei manchen Legesystemen ist es hilfreich, die Karten
in einer bestimmten Reihenfolge zu deuten oder auf besondere Zu-
sammenhänge zu achten. In diesen Fällen finden Sie in der Be-
schreibung des Legesystems entsprechende Vorschläge zur Vorge-
hensweise bei der Deutung.
Quintessenz
Wenn Sie zum Schluß noch eine Aussage wünschen, wie der Fra-
gende sich angesichts der Thematik verhalten soll, dann ermitteln
Sie die Quintessenz. Addieren Sie dazu alle Zahlen der aufgedeck-
30 Einführung
Wie kommt es, daß uns die Karten eine bedeutsame Antwort
geben können?
Dieses Phänomen läßt sich sicher nicht hinreichend erklären. Aber
die folgenden zwei Überlegungen mögen eine Vorstellung mögli-
cher Hintergründe geben:
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot 31
Wie kann es sein, daß der Fragende die »richtigen« Karten zieht,
ohne zu wissen, was sie bedeuten oder welches Legesystem der
Deuter benutzen wird?
Die Grundregel lautet: »Der Fragende spielt immer das Spiel des
Deuters.« Während des Kartenlegens besteht auf unbewußter
Ebene Einigkeit zwischen Deuter und Fragendem, so daß der Fra-
gende die richtigen Karten für den jeweiligen Deuter zieht. Insofern
ist es auch unsinnig, eine Deutung von einem anderen Kartenkun-
digen »begutachten« zu lassen, denn für dessen Verständnis hätte
der Fragende ja andere Karten gezogen, die dennoch zur gleichen
Aussage geführt hätten.
Muß man sich auf die Frage konzentrieren, während man die Kar-
ten mischt, abhebt, zieht oder auslegt?
Nein, auf keinen Fall. Lassen Sie sich von der Überlegung leiten,
daß Ihr Unbewußtes ohnehin schon weiß, worauf es antworten
wird und was Sie fragen wollen. Also geht es nur darum, daß Ihr
Bewußtes einmal erfährt, wie die Frage lautet. Machen Sie sich zu
Beginn klar, was Sie fragen wollen, um hinterher die Antwort rich-
tig zu verstehen. Während Sie mischen, ziehen oder auslegen, kön-
nen Sie die Frage dann fast wieder vergessen (deshalb sollten Sie
Ihre Frage vielleicht doch besser aufschreiben, damit Sie sie bei der
Deutung wieder vor Augen haben).
Für welchen Zeitraum sind die Karten gültig? Für welche Zeit-
räume kann man Karten befragen?
Für den Nahzeitraum von 3 Monaten. Das heißt nicht, daß sie da-
nach ihre Bedeutung verlieren. Sie werden für uns aber immer
schwerer verständlich, so daß der Aussagewert bei Fragen, die über
12 Monate hinausgehen, bereits ungewiß ist.
Der durchschnittliche Zeitraum, auf den sich die Karten bezie-
hen, ist 4 bis 6 Wochen. Davon ausgenommen sind alle Selbster-
fahrungsspiele, für die sich keine Regel aufstellen läßt. Wenn die
Frage nach einer Entwicklungstendenz auf eine bestimmte Thema-
tik hinausläuft, heißt das natürlich nicht, daß das Thema am Ende
dieses Zeitraums abgeschlossen sein wird. Diese Karte ist eher wie
34 Einführung
eine Inschrift über einem Tor zu verstehen, durch das der Fragende
geht und das für den weiteren Weg kennzeichnend ist.
Wird der Frager durch Karten oder andere Orakel nicht zu sehr
manipuliert oder macht er eine schlechte Erfahrung vielleicht
nicht nur deshalb, weil sie ihm vorausgesagt wurde?
Nach unserer Erfahrung nimmt der Fragende nur die Antwort an,
für die er innerlich bereit ist. Erscheint sie ihm absurd oder unan-
nehmbar, verwirft er sie oder fragt ein anderes Orakel. Es kommen
immer wieder Menschen, die bei Wahrsagern waren, für die es
keine Aussagegrenze zu geben scheint und die angeblich unver-
meidliches Unglück prophezeit haben (furchtbare Tode naher An-
gehöriger, wirtschaftlicher Ruin mit anschließendem Selbstmord
usw.). Ein Gespräch darüber, daß solche Aussagen willkürlich und
unhaltbar seien, hat dann wenig Wirkung. Erst wenn der Fragende
versteht, daß er diese Prophezeiung »brauchte«, etwa um seinen
Partner wieder mit neuen Augen zu sehen, löst sich der seelische
Druck. Damit soll in keiner Weise gerechtfertigt werden, daß un-
verantwortliche Wahrsager haltlose, schreckliche und gleichzeitig
wertlose Aussagen machen. Es soll nur klar werden, daß der Fra-
gende hier wie auch bei jeder anderen Beratung oder Therapie die
Aussage bekommt und die Erfahrung macht, die er in seiner Situa-
tion braucht.
Sollen auch Linkshänder bei der Auswahl ihrer Karten mit links
ziehen?
Ja.
36 Einführung
Darf man sich die Karten auch von anderen ziehen lassen?
Ja. Wenn der Fragende innerlich sehr angespannt ist, zu festgefügte
Erwartungen im Zusammenhang mit der Frage hat oder gar außer
sich ist, dann ist es sogar günstiger, wenn er sich die Karten von
einem ihm sympathischen Menschen ziehen, legen und deuten läßt.
Die 22 Karten
der Großen Arkana
0. Der Narr 39
0. Der Narr
Grundlage
Die Karte Wir sehen eine dämonische, grüne Gestalt, die von vier
spiralförmigen Schlaufen umschlungen wird, die sich in vier Kreise
(spirituelle Ebenen) unterteilen. Auf den regenbogenfarbenen
Schlaufen sind verschiedene Symbole zu erkennen. Der grüne Narr
(Bacchus, Dionysos, April-Narr) dominiert den Raum, wobei seine
Stiefelsohlen nach außen zeigen und er damit keinen direkten Kon-
takt zur Erde aufweist. Auf den ersten Blick scheint es, als hielte er
sich mit seinen erhobenen und ausgebreiteten Armen am Firma-
ment fest (die Ecken der Karten symbolisieren den unendlichen
Raum). Der lüsterne Gesichtsausdruck wird von einem Hörner-
paar gekrönt, zwischen dem sich ein kristallener Diamantkegel er-
hebt, der die Spitze einer ihn umgebenden Lichtpyramide berührt.
Sein irrer Blick führt am Betrachter vorbei (wir können dem Nar-
ren nicht in die Augen schauen, weil seine Sehachsen leicht ver-
40 Die 22 Karten der Großen Arkana
Am Anfang Trumpf 0, die Karte des Narren, ist das Symbol eines
neuen Lebensabschnittes, der aus den tiefen Nebeln des Unbewuß-
ten allmählich in den Bereich der zu verwirklichenden Absicht
steigt. Der Narr ist wie der Keim, der ahnt, daß die fertige Blüte in
ihm schon lebendig ist, weil sie dem Ziel seines inneren Schöp-
fungsplanes entspricht, aber er bedarf noch der Dimension Zeit,
um das fertige Gebilde auszutreiben. Denn er ist nicht nur der An-
fang eines neuen, sondern auch das Ende eines alten Schöpfungs-
kreises (vgl. S. 260). Wir sehen hier, wie sich die Ursachen der Ver-
gangenheit in den zukünftigen Wirkungen widerspiegeln, weil sie
in ihren karmischen Ausschwingungen die Muster einer wahr-
scheinlichen Zukunft schon in sich tragen. Genauso wie das Erbgut
einer Mutterpflanze dem Keimling die Informationen mitgibt, wie
er die Blüte dereinst auszutreiben hat.
Narr Der Narr, der den Raum dominiert, obwohl er nicht auf dem
Boden steht, sondern im Leeren hängt, ist ein Symbol jener Ziel-
verlorenheit oder Richtungslosigkeit (Ver-rücktheit), aus der eine
Richtung erst entsteht. Der Weg ist immer der, der gerade unter den
Fußsohlen liegt, und das Ziel ist die Zielrichtung der absichtslosen
Bewegung. Der Narr symbolisiert die Absichtslosigkeit, die noch