100% fanden dieses Dokument nützlich (1 Abstimmung)
40 Ansichten40 Seiten

Der Crowley-Tarot: Hajo Banzhaf Akron

Hochgeladen von

Andre Petzold
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
100% fanden dieses Dokument nützlich (1 Abstimmung)
40 Ansichten40 Seiten

Der Crowley-Tarot: Hajo Banzhaf Akron

Hochgeladen von

Andre Petzold
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

AKRON

HAJO BANZHAF
Der Crowley-Tarot
Buch
Dieses vorzüglich gegliederte Nachschlagewerk bietet eine grundle-
gende Einführung in den Umgang mit dem Crowley-Tarot. Es lie-
fert einen Schlüssel zu den Bildsymbolen der abgebildeten Karten
und erweist sich als eine praxisnahe Deutungshilfe für die verschie-
denen Ebenen einer Tarot-Befragung.
Jede Karte wird gedeutet in B ezug auf die allgemeine Aussage, auf
die Aussage zur geistigen Einstellung des Fragenden, zur beruf-
lichen Situation und zum Beziehungsleben. Die Deutungen werden
ergänzt durch Angaben zu Archetypen und Symbolen sowie zu
Assoziationen und Empfindungen, die der Botschaft der jeweiligen
Karte entsprechen.
Ein Wegweiser zu den geeigneten und erprobten Legemethoden
ergänzt das detaillierte Nachschlagewerk.

Autoren
Akron (C. F. Frey) ist Autor einer Reihe von Astrologiebüchern.
Er gab Kurse zur bewussten Willensbildung und unterhielt eine
astrologische Praxis. Im Oktober 2017 starb Akron an einer
Krebserkrankung.
Hajo Banzhaf war Astrologe und Deutschlands bekanntester Tarot-
Experte. Nach einem Studium der Philosophie und einer zwölfjäh-
rigen Banklaufbahn arbeitet er seit 1985 freiberuflich als Buchau-
tor, Seminarleiter und Astrologe. Hajo Banzhaf ist Autor und Co-
Autor von 17 Büchern über Astrologie und Tarot, die in zahlreiche
Sprachen übersetzt wurden. Im Februar 2009 starb Hajo Banzhaf
an den Folgen einer Operation.

Von Hajo Banzhaf ist außerdem


im Goldmann Verlag erschienen:

Schlüsselworte zum Tarot (12077 )


Das Handbuch zu den Karten
von Aleister Crowley
und Frieda Harris
Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten,
so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung,
da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand
zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Penguin Random House Verlagsgruppe FSC ® N001967

14. Auflage
Vollständige Taschenbuchausgabe November 1998
Arkana, München in der
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
© 1991 Heinrich Hugendubel Verlag München
Umschlaggestaltung: Design Team München
Umschlagfoto: Design Team München
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck
WL · Herstellung/DTP: Martin Strohkendl
Printed in Germany
ISBN: 978-3-442-21500-3
[Link]

Besuchen Sie den Goldmann Verlag im Netz


5

Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Einführung
Was ist Tarot? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Der Aufbau des Kartenspiels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Die Herkunft der Tarotkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Die verschiedenen Kartenspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Die Besonderheiten des Crowley-Tarot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Die Kabbala und der »Baum des Lebens« . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Wie kann man Kartendeuten erlernen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Von der Fragestellung bis zur Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Wie muß die Frage gestellt werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Mischen, Ziehen und Auslegen der Karten . . . . . . . . . . . . . . . 27
Die Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot und ihre Antworten . . . . . 30

Deutungsteil
Die 22 Karten der Großen Arkana
Der Narr . . . . . . . . . . . . . . . 39 Lust . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
Der Magier . . . . . . . . . . . . . 49 Der Gehängte . . . . . . . . . . 159
Die Hohepriesterin . . . . . . . 58 Tod . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
Die Kaiserin . . . . . . . . . . . . 68 Kunst . . . . . . . . . . . . . . . . 180
Der Kaiser. . . . . . . . . . . . . . 77 Der Teufel . . . . . . . . . . . . . 192
Der Hohepriester . . . . . . . . 88 Der Turm . . . . . . . . . . . . . 206
Die Liebenden. . . . . . . . . . . 98 Der Stern. . . . . . . . . . . . . . 217
Der Wagen . . . . . . . . . . . . 110 Der Mond . . . . . . . . . . . . . 227
Ausgleichung . . . . . . . . . . 120 Die Sonne . . . . . . . . . . . . . 239
Eremit . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Das Aeon . . . . . . . . . . . . . 249
Glück . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Das Universum . . . . . . . . . 260
6 Inhalt

Die 56 Karten der Kleinen Arkana


– Stäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
– Kelche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317
– Schwerter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361
– Scheiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407

Die Ermittlung persönlicher Karten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 451

Legesysteme
Übersicht über 9 Legesysteme nach Fragerichtung
und Schwierigkeitsgrad
1. Ankh . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 460
2. Das Beziehungsspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 462
3. Der blinde Fleck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465
4. Das Entscheidungsspiel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
5. Das Geheimnis der Hohepriesterin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
6. Das keltische Kreuz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472
7. Das Kreuz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476
8. Das Narrenspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
9. Der Weg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480

Die Schöpfer der Karten


Aleister Crowley . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 484
Lady Frieda Harris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 494

Namen und Begriffe aus Tarot und Magie. . . . . . . . . . . . . . . . 497

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507
7

Vorwort

Mephistopheles:
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht, denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
Ich bin ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Der Herr im Himmel:


Ich habe deinesgleichen nie gehaßt.
Von allen Geistern, die verneinen,
Ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,
Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.

Faust I
8 Vorwort

Der Name Crowley wirkt nicht selten wie ein falsches Losungswort,
dessen Nennung schleunigst alle Türen verschließt. Nach bewährter
Pharisäerart werden seine Person und sein Werk gern in jenen Be-
reich menschlicher Erfahrung verwiesen, der durch unverrückbare
Vorurteile verriegelt ist. So bleibt – zumindest scheinbar – die Aus-
einandersetzung mit all den Phänomenen erspart, die gern mit sei-
nem Namen in Verbindung gebracht werden: Schwarze Magie, Sa-
tanismus, schwarze Messen, alles Schändliche, Verruchte, Unan-
ständige, Unerhörte, Widerliche; das Böse schlechthin.
Es ist nicht das erklärte Ziel dieses Buches, die bestehenden Vor-
urteile abzubauen. Es geht uns auch nicht darum, zur Arbeit am
kollektiven Schatten anzuregen, auch wenn beides sicherlich zu be-
grüßen wäre. Ebensowenig wollen wir natürlich dem Mißbrauch,
der mit Crowley und seinem Werk getrieben wird, Vorschub lei-
sten. Wenn sich heute Zirkel bilden, die sich okkult nennen, die
merkwürdigsten Theorien vertreten und obskure Rituale pflegen,
die aber eigentlich dringendst psychiatrischer Betreuung bedürften,
hat das nichts mit Crowley zu tun. Wenn in einer sterilen und see-
lisch verkümmerten Welt die Jugend aus der Abgestumpftheit töd-
licher Langeweile heraus den letzten »Kick« in schwarzen Messen
sucht und ihre nächtlichen Partys auf Friedhöfe verlegt, kann man
das Crowley selbst dann nicht anlasten, wenn dabei sein Name auf
Grabsteine geschmiert wird. Und wenn Manson und andere Wahn-
sinnige sich bei ihren Greueltaten auf Crowley berufen, sei daran
erinnert, daß Crowley selbst Zeit seines Lebens nie kriminell ge-
worden ist und daß ähnliche Taten von anderen seelisch Kranken
im Namen des Kreuzes und jeder anderen hohen Idee begangen
wurden.
Zweifellos gehört Crowleys Nachlaß – und damit auch die unter
seiner Regie entstandenen Tarotkarten – zu den bevorzugten Re-
quisiten vieler sogenannter schwarzer Messen dieser Art. Das er-
laubt aber keine Bewertung seines Werkes, denn andere, ebenso be-
liebte Requisiten sind das Kruzifix, die Bibel und die Hostie. Und
wer mit dem Hinweis auf eine möglicherweise schädliche Wirkung
die Verbreitung seines Werkes unterbinden will, sei daran erinnert,
Vorwort 9

daß das Werk eines der hervorragendsten Köpfe unseres Volkes


eine nachweislich verheerende Wirkung hatte, ohne je auf den
Index gesetzt zu werden: Als Johann Wolfgang von Goethe »Die
Leiden des jungen Werther« schrieb, traf er damit so den Nerv der
Zeit und wühlte die Gemüter seiner Leser derart auf, daß sich junge
Menschen gleich scharenweise das Leben nahmen und man von
einem »Werther-Syndrom« sprach.
Angesichts der Tatsache, daß sich Crowleys Tarot, das heißt die
Karten, die von Lady Frieda Harris gemalt wurden, einer sprung-
haft steigenden Beliebtheit erfreut, ist es das Anliegen dieses Bu-
ches, dem Interessierten die tiefgehende und vielschichtige Sym-
bolik dieser Bilder vor dem Hintergrund von Alchemie, Astrologie,
älteren Tarotdarstellungen und den Überlieferungen der abendlän-
dischen Mythologie zu erklären. Dabei liegt uns nichts an einer
Wertung, schon gar nicht in Kategorien von »gut« und »böse«.
Symbole sind aufgrund ihrer Natur immer ambivalent. Als Bil-
der der Seele spiegeln sie die Polarität unseres Unbewußten und un-
serer Wirklichkeit. In unserem tiefsten Inneren wissen wir, daß alle
Dinge ihre Licht- und Schattenseiten haben und erst beide Pole zu-
sammen ein Ganzes bilden. Es ist unser unterscheidender Verstand,
der seit annähernd drei Jahrtausenden die Aufteilung in das rein
Gute und das rein Böse versucht, heute aber – nicht zuletzt dank
der Physik – allmählich zu der Einsicht gezwungen wird, daß es
keine Eindeutigkeit gibt. Wir sollten für diese Erkenntnis wirklich
dankbar sein, denn es war und ist der Glaube an eine mögliche Ein-
deutigkeit, an den Besitz der einen und einzigen Wahrheit, der die
Menschen immer wieder zu heiligen Kriegen ermutigt und ihnen
das vermeintliche Recht, wo nicht gar den göttlichen Auftrag gege-
ben hat zu Völkermord, Vernichtungslagern, Menschenverbren-
nungen, Folterungen oder gar zu offiziellen Mordaufrufen von
höchster Stelle, wie noch jüngst im Falle des Schriftstellers Salmon
Rushdie.
Sich mit dem Okkulten zu befassen, ist nach unserer Ansicht
nicht verwerflich oder böse an sich. Wenn es aber selbst den aufge-
klärtesten unter unseren Zeitgenossen bei diesem Wort nicht ganz
10 Vorwort

geheuer ist, so sollte das auch nicht auf die leichte Schulter genom-
men werden. Da das Okkulte tiefenpsychologisch gesprochen mit
dem tiefsten Unbewußten gleichgesetzt werden kann, bedarf es in
der Tat eines Ichbewußtseins, das stark genug ist, diesen unbewuß-
ten Inhalten standhaft zu begegnen, ohne sich von ihnen verschlin-
gen zu lassen. Letzteres käme dem gleich, was sehr anschaulich als
geistige Umnachtung bezeichnet wird.
Auf den Tarot übertragen bedeutet das, daß der gesunde Erwach-
sene die Auseinandersetzung mit dem Kartenorakel und die Be-
schäftigung mit seiner Symbolik als eine große Bereicherung erleben
kann. Der seelisch Schwache oder Kranke aber sei gewarnt. Wenn
die in ihm aufsteigenden Bilder ihn ruhelos machen oder beginnen,
eine bestimmende Gewalt über ihn auszuüben, sollte er sich lieber
vermehrt der Bewältigung seiner Alltagsaufgaben zuwenden und
seine Beschäftigung mit okkulten Themen ruhen lassen.

Akron, Hajo Banzhaf,


St. Gallen München
11

Einführung

Was ist Tarot?

Tarot ist ein aus alter Zeit überliefertes Kartenspiel, das neben sei-
nem hohem spirituellen Aussagewert wohl immer schon einen
weitverbreiteten Gebrauch als Orakelspiel fand. Die spirituelle
Seite hatte für jene Kreise eine hohe Bedeutung, die in Mysterien-
schulen, Logen und sonstigen Geheimbünden zusammenkamen,
um alte Traditionen und Symbole zu studieren. Sie fanden in diesen
Karten die Grundstruktur des mystischen Einweihungsweges auf-
gezeichnet. Der vergleichsweise »profane« Gebrauch als Orakel
für die Fragen des Alltags war dagegen das Motiv für das breite In-
teresse, das die Karten damals wie heute fanden und finden.

Der Aufbau des Kartenspiels

Seit etwa 1600 ist Tarot im wesentlichen in der Form verbreitet,


wie wir es heute kennen. Es besteht aus 78 Karten, die sich in zwei
Gruppen unterteilen: 22 Karten der Großen Arkana (lateinisch =
Geheimnisse), auch Trumpfkarten genannt, und 56 Karten der
Kleinen Arkana.
Die 56 Kleinen Arkana bilden das Vierfarbspiel, wie es auch aus
anderen weitverbreiteten Kartenspielen bekannt ist. Als Farbe oder
Satz wird hier das Symbol bezeichnet, das eine jede dieser vier Se-
rien vereint. Die Symbole des Tarot entsprechen denen der heutigen
Spielkarten wie folgt:
12 Einführung

Tarot Französische Deutsche


Karten Karten
Stäbe Kreuz oder Treff Eichel
Schwerter Pik Blatt
Kelche Herz Herz
Scheiben Karo Schellen
(Münzen)

Jeder dieser vier Sätze besteht aus 14 Karten, die sich zusammen-
setzen aus:

10 Zahlenkarten: As (= eins), zwei, drei bis zehn, und 4 Hofkarten:


König, Königin, Ritter und Bube, die Crowley umbenannte zu:
Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin.

Die Herkunft der Tarotkarten

Die Herkunft der Karten liegt im dunkeln. Sicher ist nur, daß sie im
14. Jahrhundert in Europa auftauchten und sich dann sehr schnell
verbreiteten. Eine der ersten Erwähnungen geht auf den Dominika-
nermönch Bruder Johannes zurück, der in der Nähe von Basel lebte
und 1377 in seinem Tractatus de moribus et disciplina humanae
conversationis von einem Kartenspiel spricht. Die Liste uns be-
kannter früher urkundlicher Erwähnungen, aus der sich auch die
schnelle Verbreitung der Karten ablesen läßt, ist wie folgt1:

1377 Florenz 13792 Bern 1389 Zürich


1377 Paris 1379 Konstanz 1390 Venedig
1377 Basel 1380 Barcelona 1390 Holland
1377 Siena 1380 Nürnberg 13913 Sizilien
1378 Regensburg 1380 Perpignan 1391 Augsburg
1379 Viterbo 1381 Marseille 1392 Frankfurt
1379 Brabant 1382 Lille 1397 Ulm
1379 St. Gallen 1384 Valencia 1397 Leyden
Die Herkunft der Tarotkarten 13

Viele dieser urkundlichen Erwähnungen stammen aus Verboten,


mit denen die Karten auch im Laufe der folgenden Jahrhunderte
immer wieder belegt wurden. Dabei ist unklar, ob es sich um Kar-
ten handelte, die im Sinne des heutigen Tarot als Orakel genutzt
wurden, oder um einfache Spielkarten. Die neuere Forschung geht
von letzterem aus. Sie sieht guten Grund zu der Annahme, daß ein
Vierfarbspiel – die Basis unserer heutigen Spielkarten und der Klei-
nen Arkana des Tarot – im 14. Jahrhundert aus der islamischen
Welt nach Europa kam und sich hier zunächst und vor allem als
Unterhaltungsspiel verbreitete.
Völlig im dunkeln dagegen bleibt die Herkunft der im Tarot viel
bedeutsameren 22 Karten der Großen Arkana, und so nimmt es
kaum Wunder, daß hier die Vermutungen diametral auseinander-
laufen. Während die einen sicher sind, mit diesen Karten nichts Ge-
ringeres als das Weisheitsbuch der altägyptischen Priesterkaste in
den Händen zu halten, vermuten andere, daß diese 22 Karten im
Mittelalter der Fantasie eines sich langweilenden Druckermeisters
entsprungen sind, der nichts Besseres zu tun hatte, als die alten 56
Karten um 22 neue zu bereichern.
Ähnlich entgegengesetzt ist auch die Deutung des Namens
»Tarot«, der plötzlich im 16. Jahrhundert in Italien erstmals als »Ta-
rocchi« auftaucht. Weitgehende Einigkeit besteht nur darüber, daß
es sich bei Tarot um eine französische Schreibweise handelt und der
Name deshalb Taro ausgesprochen wird. Der Tarot ist gebräuchlich,
aber laut Duden ist auch das Tarot richtig. Die profanste Deutung
des Namens ist sicherlich die, die den Ursprung der Karten in Nord-
italien im Tal des Taro, eines Nebenflusses des Po, vermutet. Dem-
gegenüber bringen okkulte Kreise das Wort Taro mit der Thora in
Verbindung, der hebräischen Sammelbezeichnung für die fünf
Bücher Moses, dem Gesetz des jüdischen Volkes. Dieses Wort Thora
wurde in der Esoterik zum Synonym für das göttliche Gesetz.
1 Zitiert aus Michael Dummet, »The game of Tarot from Ferrara to Salt Lake City«,
London 1980, S. 10
2 zwischen 1367 und 1398, vermutlich 1379
3 zwischen 1377 und 1391
14 Einführung

Wie alt die Karten auch sein mögen, es ist beeindruckend, daß die
Geschichte, die uns die 22 Großen Arkana erzählen, so alt ist, daß
sie bis in die Urfrühe menschlicher Bewußtwerdung zurückreicht. In
den 22 Bildern älterer Tarotkarten können wir in der eindringlichen
Schlichtheit scheinbar naiv wirkender Bilder die Grundstruktur der
Mythen, Märchen und Legenden der Völker erkennen, die als älte-
ste Geschichte der Menschheit unter dem Namen »Die Reise des
Helden« bekannt ist. Da es sich hierbei zugleich um Urbilder der
menschlichen Seele handelt, die C.G. Jung Archetypen nannte, ist es
nicht zu kühn zu behaupten, die Karten sprächen – Träumen ähn-
lich – die Bildersprache der menschlichen Seele.

Die verschiedenen Kartenspiele

Während die frühen Kartenspiele eine sehr breit gefächerte Struktur


aufweisen, bildet sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts das noch
heute übliche Spiel heraus, das aus 78 Karten besteht. In dieser ur-
sprünglichen Form sind sie heute noch unter dem Namen »Marseil-
ler Tarot« zu erhalten. Bis zur letzten Jahrhundertwende haben ei-
gentlich nur zwei Varianten von sich reden gemacht: Der »Etteilla
Tarot«, der von einem bis heute umstrittenen Magier Alliette ge-
schaffen wurde, sich aber nicht nennenswert durchsetzte, und der
»Oswald Wirth Tarot«, ein Tarot von eher bescheidener Popularität,
der aber von einigen Kennern als der beste geschätzt wird.
Die entscheidende Erneuerung aber geht auf Arthur Edward
Waite (1857–1942) zurück, einen gebürtigen Amerikaner, der in
England lebte und dort Mitglied und zeitweise Leiter eines der ein-
flußreichsten esoterischen Orden der Jahrhundertwende war, des
»Ordens der Goldenen Morgenröte«. Waite galt als die wandelnde
Bibliothek dieses Ordens. Mit seinem außerordentlich großen Wis-
sen schuf er zusammen mit der Künstlerin Pamela Colman Smith,
einer aus Jamaica stammenden Amerikanerin, einen neuen Tarot.
Diese Karten, die 1908 erschienen, unterschieden sich von den vor-
hergehenden Tarotkarten in einem Punkt so entscheidend, daß sie
Die verschiedenen Kartenspiele 15

zu dem heute bekanntesten Tarot wurden. In den alten Karten


waren die 22 Karten der Großen Arkana illustriert, ebenso die so-
genannten Hofkarten (König, Königin, Ritter und Bube) und in
manchen Fällen die vier Asse. Alle übrigen Karten aber zeigten nur
die ihrem Wert entsprechende zahlenmäßige Wiederholung des
Symbols ihres Satzes. So zeigt die Drei der Kelche eben drei Kelche
und die Acht der Schwerter acht Schwerter. Die Deutung dieser
Karten ist genauso leicht oder schwer wie es die Deutung von Herz
3 oder Pik 8 wäre. Die wesentliche Neuerung, die Waite zusammen
mit Smith brachte, lag darin, auch diese Karten so zu illustrieren,
daß ein Bild zur Bedeutung jeder Karte führt.
Dieser heute am meisten verbreitete Tarot wurde aber leider nicht
unter dem Namen der Künstlerin Pamela Colman Smith bekannt,
obwohl ihr der Ruhm sicherlich gebührt hätte, sondern als »Rider
Waite Tarot«. Herr Rider war der Verleger von Herrn Waite.
In den 40er Jahren entstand der Tarot, der in der Bekanntheit
heute an zweiter Stelle steht und dem dieses Buch gewidmet ist. Sein
geistiger Vater war Aleister Crowley (1875–1947). Gemalt wurden
die Karten von der Künstlerin Lady Frieda Harris (1877–1962).
Sie erschienen 1944 unter dem Namen »Das Buch Thoth«, womit
Crowley den Namen aufgriff, den schon gut 150 Jahre zuvor Al-
liette für die Tarotkarten gebrauchte, da letzterer »herausgefunden«
hatte, daß damals (1783) vor 3953 Jahren und damit »genau« 171
Jahre nach der Sintflut der Tarot von 17 Magiern unter dem Vorsitz
des legendären Hermes Trismegistos (häufig mit dem ägyptischen
Weisheitsgott Thoth identifiziert) erschaffen und auf goldenen Plätt-
chen eingraviert wurde. Leider verschwieg uns Meister Alliette,
woher er diese bemerkenswerten Kenntnisse gewonnen hatte.
In den 70er Jahren setzte dann ein Boom ein, der Tarot in einem
noch nie dagewesenen Maße bekannt machte. Zugleich entstanden
überall neue Karten, so daß es heute sicherlich über 500 verschie-
dene Tarotdecks gibt. Aus dieser Fülle sind an sich nur wenige
erwähnenswert. Darunter zwei, die von bekannten Künstlern ge-
schaffen wurden: Der schön gestaltete Haindl Tarot und die Kar-
ten, die von der Hand des berühmtesten Künstlers unseres Jahr-
16 Einführung

hunderts stammen: Salvadore Dalí. Beide Künstler treten damit in


ehrwürdige Spuren: 500 Jahre zuvor hat Albrecht Dürer die Kup-
ferstichkarten des wunderschönen Tarots von Mantegna kopiert.

Die Besonderheiten des Crowley-Tarot

Während die früheren Tarotkarten in mehr oder minder schlichter


Form bildhaft erzählerisch ihr Thema veranschaulichten, »abstra-
hierte« Crowley die Motive, indem er die Bedeutung der Karten in
einer vielschichtigen Symbolik zum Ausdruck brachte, die der Welt
der Magie, der Astrologie, der Alchemie, der Kabbala, den Über-
lieferungen mediterraner Kulturen und keltischer Völker, insbeson-
dere aber auch der geheimnisvollen Mythologie des alten Ägyptens
entstammt. Dadurch gewannen seine Karten eine große Faszinati-
onskraft, wurden jedoch für den Laien schwer verständlich. Daran
änderte auch das von Crowley gleichzeitig herausgegebene Buch
nicht viel, worin er sich gern in dunklen Andeutungen zu der Sym-
bolik äußerte, damit aber oft mehr Fragen aufwarf als beantwor-
tete. Die von Arthur Edward Waite eingeführten Illustrationen der
Kleinen Arkana übernahm Crowley nicht, wie er das Werk Waites
ohnehin verwarf und gern verspottete. Statt dessen brachte er jede
Karte in engen Zusammenhang mit einer astrologischen Konstella-
tion. Da aber die Bedeutung, die er damit verband, nicht selten von
dem heute vorherrschenden Verständnis abweicht, ist auch dieser
Zugang zur Deutung für den Laien oftmals verwirrend. So gehört
dieser heute sehr beliebte Tarot zugleich zu den am wenigsten ver-
standenen.

Die drei Magier


Für besonders große Verwirrung sorgten die drei Magier, die zu
dem nunmehr aus 80 Karten bestehenden Crowley-Tarot gehören,
das 1986 als druck- und fototechnisch erheblich verbesserte Neu-
auflage erschien. Das Rätselraten über mögliche Bedeutungen und
über die geheimnisvolle Herkunft der zwei »neuen« Magier führte
Die Besonderheiten des Crowley-Tarot 17

Der Magier Die zwei »neuen« Magier

zu recht fantasievollen Erklärungen: Von den drei Magiern, die


dem Stern von Bethlehem folgten, bis zu dem schwarzen Magier,
dem weißen und dem dritten, der die Polarität in sich vereinigt.
Richtig ist eine profane und möglich ist eine tiefgründig esoterische
Erklärung: Nach Auskunft des Kartenherstellers war es ein Mann
namens Werner Ganser, der für die Neuauflage der Karten Sorge
trug. Als dieser im Warburg Institute in London die Originalzeich-
nungen betrachtete, stellte er fest, daß dort 80 Karten ausgestellt
sind. Lady Frieda Harris hatte seinerzeit drei Entwürfe für die
Karte des Magiers gemalt, von denen Crowley jedoch nur einen
akzeptierte. Da aber auch die beiden anderen von eindringlicher
Symbolkraft waren, schlug Werner Ganser vor, die zwei Karten
dem Tarotdeck als Sammlerstücke beizufügen und es dem Käufer
zu überlassen, sich seinen Magier auszuwählen. An eine Erweite-
rung des Tarotdecks auf 80 Karten hat er dabei – nach eigenem
Bekunden – nicht gedacht.
Die esoterische Betrachtung verdanken wir Harald Schulze-Thei-
ler aus Münster, der sich in seinem Buch »Judas und sein Sohn Ger«
in tiefgründigster Weise mit esoterischer Symbolik befaßt und dabei
eindrucksvoll auf das Vorhandensein von zwei unsichtbaren Tarot-
karten schließt. Zwar bezieht sich Harald Schulze-Theiler strikt auf
18 Einführung

den seiner Meinung nach einzig richtigen Tarot: die Oswald Wirth
Karten in der Version von Elisabeth Haich. Er kommt nun in Ana-
logie zu den »Drei tollen Tagen«, in denen wir uns seinem Weltka-
lender zufolge befinden, zu dem Schluß, daß es sich bei den fehlen-
den Karten um zwei weitere Narren handeln muß. Dennoch läßt
sich seine Grundüberlegung sehr wohl auf die drei Magier in dem
heutigen Crowley-Tarot übertragen. Die Quintessenz seiner Überle-
gungen ist stark vereinfachend verkürzt folgende: Die allen alten
Zahlensystemen innewohnende Methodik läuft auf ein 24er System
hinaus, von dem jedoch oft genug 10% unsichtbar sind. So spiegelt
zum Beispiel die astronomisch (!) exakt berechnete Dauer eines
Weltzeitalters (Fische-, Wassermannzeitalter etc.) von 2160 Jahren
nur 90% der »Wirklichkeit«. Es sind »tatsächlich« 2400 Jahre, von
denen eben 10% = 240 unsichtbar sind (2400 – 240 = 2160).
Ebenso gab es eigentlich immer schon 24 Karten der Großen Ar-
kana, von denen jedoch 10% (das sind abgerundet 2 Karten) un-
sichtbar waren. So betrachtet wäre das Auftauchen dieser zwei ver-
borgenen Karten ein Phänomen, das sehr gut in eine Zeit paßt, in
der vieles von dem, was jahrhundertelang strengster Geheimhaltung
unterlag, in das Licht der Öffentlichkeit tritt. Dabei ist es vollkom-
men gleichgültig, wie »profan« die Erklärung für den auslösenden
Schritt sein mag. Wie dem auch sei, in jedem Fall sind diese beiden
zusätzlichen Karten noch viel zu neu, um ihnen eine klare Deutung
zuzuordnen. Deshalb muß es jedem einzelnen überlassen bleiben,
damit eigene Erfahrungen zu machen, sie mit aufzunehmen oder es
bei der ursprünglichen Struktur zu belassen.
An diesen drei Karten läßt sich sehr schön die Art der Zusam-
menarbeit von Aleister Crowley und Frieda Harris nachvollziehen:
Er gab ihr das Inventar, und sie komponierte es zu einem Kunst-
werk. So weicht zwar die Art der Zusammenstellung erheblich
voneinander ab, dennoch haben alle drei Karten dieselben Be-
standteile. Aus diesem Grund haben wir auch darauf verzichtet, die
zusätzlichen Karten in den Deutungsteil aufzunehmen, da die Be-
deutung ihrer Symbole unter dem von Crowley akzeptierten Ma-
gier nachgeschaut werden kann.
Die Kabbala und »Der Baum des Lebens« 19

Weitere Veränderungen
Crowley nennt die Karten der Großen Arkana »Atu« und hat eini-
gen von ihnen einen neuen Namen gegeben: Die Gerechtigkeit
(VIII) wurde zur Ausgleichung, das Schicksalsrad (X), das im an-
gelsächsischen Sprachgebrauch schon immer Glücksrad genannt
wurde, heißt Glück, Kraft (XI) wurde zu Lust, Mäßigkeit (XIV) zu
Kunst, Gericht (XX) zu Aeon und die Welt (XXI) zu Universum.
Die einzig tiefgreifende Veränderung erfuhr aber nur die 20. Karte
(Gericht), deren altes Erlösungsthema nun der Vision eines neuen
Zeitalters (Aeon) wich.
Innerhalb der Kleinen Arkana nennt Crowley den Satz der Mün-
zen Scheiben, eine Bezeichnung, die aber auch schon in älteren Ta-
rotsätzen auftaucht. Eine einleuchtende, wenn auch unbeweisbare
Erklärung dafür liegt darin, daß der Satz der Münzen traditionell
mit dem Element Erde verbunden wurde, die im Mittelalter als
Scheibe galt. Wesentlicher und für viel Verwirrung sorgend ist da-
gegen die Neubenennung der Hofkarten. Der traditionellen Folge
König, Königin, Ritter und Bube (Page) entspricht im Crowley-
Tarot die Reihenfolge Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin.

Die Kabbala und »Der Baum des Lebens«

Ursprung
Der Baum des Lebens ist die zentrale Glyphe der jüdischen Geheim-
lehre, der sogenannten Kabbala. Seit dem 12. Jahrhundert ist Kab-
bala der Name der (ursprünglich mündlich überlieferten) allmählich
zu einer eigenen Schule und Literatur ausgebildeten Geheimlehre
der Juden, deren Wurzeln aber bis zu den ersten Hochkulturen im
Mittelmeerraum zurückreichen. In Ägypten gab es die berühmten
Einweihungsstätten in die Mysterien. Auch wenn der Ursprung des
ägyptischen Wissens bis heute umstritten ist – viele Esoteriker sehen
darin das atlantische Erbe –, ist doch festzustellen, daß die führen-
den Denker aller Kulturen in die ägyptischen Lehren eingeweiht
wurden und den Geist dieser Weihen mit nach Hause nahmen. Die
20 Einführung

Die 22 Verbindungswege entsprechen den 22 Buchstaben


des hebräischen Alphabets und den 22 Karten der großen Arkana
(O bis XXI)
Die Kabbala und »Der Baum des Lebens« 21

bekanntesten Vermittler, die das Wissen in fremde Kulturen trugen


und damit das Denken anderer Völker erweiterten, waren zweifels-
ohne Pythagoras und Moses. Pythagoras war vermutlich der erste,
der die Welt einen Kosmos nannte; er sah das Wesen der Dinge in
der Zahl, die Sphärenharmonie als universales Prinzip der Ordnung
und Einheit und vertrat die Lehre von der Seelenwanderung. Moses,
als Findelkind am ägyptischen Hofe erzogen, gilt als der Schöpfer
der (exoterischen) Thora, deren esoterische Seite die Kabbala ist.
Das erste der fünf Bücher des Mose beginnt so:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;


die Erde aber war wüst und wirr,
Finsternis lag über der Urflut,
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gott sah, daß das Licht gut war.
Gott schied das Licht von der Finsternis.

Zwischen Wurzel und Krone


Wenn wir das Licht als das Göttliche oder Geistige ansehen
(Kether) und die Finsternis als die Materie (Malkuth), in die der
göttliche Lichtfunken hinabfällt, dann erkennen wir in diesen von-
einander getrennten und wieder zueinander strebenden Hälften die
geistige Schöpfungsidee, die polare Spannung, auf der die physika-
lischen Gesetze beruhen, oder, moderner formuliert, ein »Wahr-
nehmungsmodell«, das es uns erlaubt, die Wirklichkeit zu interpre-
tieren. Der auf die tiefste Ebene gesunkene Lichtfunken strebt
natürlich wieder zu Gott zurück, und damit stecken wir schon mit-
ten im Lebensbaum, irgendwo zwischen Wurzel und Krone, in
deren Austausch sich der Schöpfungslauf darstellt. Für die Kabba-
listen war die Schöpfungsgeschichte weder eine bloße Fiktion, noch
haben sie sie wörtlich genommen, sie diente ihnen einfach als Land-
karte oder Fahrplan, um das Unfaßbare bewußtseinsmäßig zu ver-
ankern. Dabei gingen sie – wahrscheinlich von Pythagoras inspi-
riert – davon aus, daß nur die äußerste Abstraktion grundlegend
22 Einführung

genug ist, um das Unfaßbare zu fassen, und daß Zahlen die größte
Annäherung an das Unfaßbare sind. Im Lebensbaum wird die
»letzte Wirklichkeit« folgerichtig durch 10 Kreise symbolisiert, die
in sich keine direkten Aussagen bilden, sondern nur allgemeine
Zyklen beschreiben, deren Begrifflichkeit sich erst durch die Hin-
zunahme und das Kombinieren mit anderen Wirkungsebenen er-
schließt. Damit ist die Kabbala nicht irgendein philosophisches
oder religiöses System, sondern ein durch die jüdische Tradition
gefärbtes Universalmodell, dessen Elemente zum erstenmal in der
pythagoräischen Harmonielehre auftauchen, dessen Grundlage
aber wohl die orientalischen Emanationslehren sind. Papus, einer
der bedeutendsten Esoteriker Frankreichs, der eines der besten
Bücher zur Kabbala und eines der umstrittensten zum Tarot verfaßt
hat, schrieb: »Die Kabbala ist die Wissenschaft von der Seele und
von Gott und allen Beziehungen, die zwischen ihnen bestehen. Sie
lehrt und beweist, daß alles in einem ist und eines in allem.«

Die 10 Sephirot
Für die Kabbalisten ist Wirklichkeit das Ergebnis eines immer-
währenden Schöpfungsprozesses, der die zehn Wirkungsebenen
wie zehn Spinnfäden unablässig miteinander verknüpft und daraus
die Webmuster des Schicksals »strickt«. Denn es sind nicht die
Menschen, die das Schicksal gestalten, sondern der kollektive Geist
im Menschen, der sich durch ihre Handlungen hindurchzieht und
gleichsam zur Straße wird, auf der sich die kollektiven Vorstellun-
gen (Zeitgeist) bewegen. Dieses Geflecht, das sich darin äußert, daß
sich die menschliche Psyche immer über die Inhalte des Alltägli-
chen hinaus auf eine übergeordnete, hinter den Dingen wirkende
Kraft bezieht, ist die der Realität angepaßte Form des Ewigen und
entspricht im kabbalistischen Lebensbaum der Sephira Kether (1).
Wir können auch sagen, daß Kether die Urkraft ist, aus der alles
hervorgeht, aber weil die Formen des Ewigen selber unsichtbar
bleiben (0) und sich in allen unseren Bildern nur die Sehnsucht aus-
drückt, den Schatten jenes Geistes zu erahnen, welcher jenseits des
Erfaßbaren thront, wollen wir uns auf die Aussage beschränken,
Die Kabbala und »Der Baum des Lebens« 23

Kether sei ein dem Unfaßbaren angenähertes Wirklichkeitssymbol


oder die der Vollendung angenäherte Form des Menschen.
Der sichtbare Ursprung (1) des unsichtbaren Göttlichen (0) ent-
wickelt nun das Selbstbewußtsein »der sich erkennenden Form«
und wird dadurch zu Chokmah (2), der bewußten, unterscheiden-
den und schöpferischen Kraft. Chokmah entspricht der »Rippe
Adams«, aus der Gott »Eva« oder Binah (3) schuf. Dieser Verbin-
dung entspringt Chesed (4), die in den Raum austreibende Form
oder Frucht des geistigen Schöpfungsprinzips (1, 2 und 3). Chesed
ist die Kraft des Wachstums und der Stabilität, Geburah (5) die der
Zerstörung, denn nur durch Bewegung und Veränderung in der
Zeit kann Leben existieren. Tiphareth (6) als Vermittler zwischen
beiden ist das harmonische Gleichgewicht und seelische Spiegelbild
der geistigen Kether-Ebene. Im unteren Bereich des Lebensbaumes
verkörpern Netzach (7) und Hod (8) den Gegensatz zwischen Zer-
setzung/Auflösung und der gesetzmäßig durchorganisierten Struk-
tur. Die auf der Mittelsäule die Polaritäten verbindenden Sephirot
(6, 9, 10) sind jeweils ein Ausdruck des Göttlichen (0) auf der ent-
sprechenden Seins-Ebene. Der harmonischen Mitte des Univer-
sums entspricht Kether (1), dem Zentrum der Seele Tiphareth (6).
Den Mittelpunkt des physikalischen Weltbildes auf der untersten
Ebene aber bildet Yesod (9), und zwar als Ausdruck des Glaubens
an den Sinn der Schöpfung (1), die sich in der Wurzel oder Malkuth
(10) in der am stärksten verdichteten Form ausdrückt.

Die 10 Zahlen
(Sephirot und Kleine Arkana)
In der Verbindung zwischen Tarot und Lebensbaum werden die 10
Sephirot nun den von 1–10 numerierten »kleinen Karten« zugeord-
net, die wiederum, entsprechend den vier Elementen (Stäbe = Feuer,
Kelche = Wasser, Schwerter = Luft, Scheiben = Erde) in vier Sätze
unterteilt werden. Damit entspricht das As der Stäbe der Formel
»Kether durch Feuer« oder auf der symbolischen Ebene »dem er-
sten Schöpfungsfunken als Vater der schöpferischen Idee«; die Zwei
der Kelche entspricht »Chokmah durch Wasser« oder »der Polari-
24 Einführung

sierung der Gefühle«; die Drei der Schwerter entspricht »Binah


durch Luft« oder »der endogenen Depression«; die Vier der Schei-
ben entspricht »Chesed durch Erde« oder »der sichtbaren Form«,
usw.

Die 22 Pfade
(Hebräisches Alphabet und Große Arkana)
Im hebräischen Alphabet gibt es zweiundzwanzig Buchstaben. Es
ist die Zahl der Pfade im »Sepher Yetzirah« oder »Buch der Schöp-
fung«, dem Teil der Kabbala, der sich auf die Schöpfung und ihre
geheimnisvollen Gesetze bezieht. Dieses Buch erläutert die Schöp-
fung der Welt in Analogie zu den 22 Buchstaben des hebräischen
Alphabets. Es gibt drei »Mutterbuchstaben« für die Elemente, sie-
ben »Doppelbuchstaben« für die Planeten und zwölf »Einfache
Buchstaben« für den Tierkreis. Die 22 Pfade sind die Wege, die die
zehn Zahlen auf dem Lebensbaum miteinander verbinden. Gleich-
zeitig werden diese 22 Verbindungspfade im Baum des Lebens mit
den 22 Großen Arkana des Tarot verknüpft. Dadurch wird der
Baum zu einem mehrdimensionalen Bild, in dem das Verbindende
verschiedener Kulturen in einem gemeinsamen Weg zum Ausdruck
kommt. Fühlen wir uns beispielsweise in der herrschenden gesell-
schaftlichen Struktur (Hod) gefangen und unser Ziel ist der Ur-
sprung oder Neuanfang (Malkuth), müssen wir den Pfad zwischen
diesen beiden Sephirot wählen, den »Weg der Transformation«; ein
Vorgang, der im Tarot durch die Karte »Aeon« und im hebräischen
Alphabet durch den Buchstaben »Shin« verdeutlicht wird. Umge-
kehrt schildern der »Turm« und »Pé« die »Zertrümmerung fester
Strukturen«, weil sie Hod (Struktur) und Netzach (Zersetzung)
miteinander verbinden: Durch die Zerstörung alter Werte wird die
Bühne frei für ein neues Stück. Die Pfade sind die Linien, entlang
derer sich das Leben entfaltet. Es gilt, diese Linien im Sinnzusam-
menhang des Ganzen zu verstehen, in das wir eingebunden sind.
Der Mensch braucht Modelle, an die er glauben kann, und der Le-
bensbaum ist nach dem hermetischen Gesetz »wie oben so unten«
ein Spiegelbild des Kosmos überhaupt.
Wie kann man Kartendeuten erlernen? 25

Wie kann man Kartendeuten erlernen?

Die Karten sprechen in Bildern, und Bilder sind die Sprache der
Seele. Wer die Sprache der Karten lernen will, muß – ähnlich wie
der Traumdeuter – die Sprache der Seele erlernen. Die Entwicklung
verläuft dabei ähnlich wie beim Erlernen einer neuen Sprache:
Nach Überwindung einer möglichen ersten Befangenheit ergeben
sich erste spontane Erfolgserlebnisse, die aber nur mit der auch hier
notwendigen Übung zu wachsender Sicherheit und differenzierter
Ausdrucksweise führen.
Durch die in unserer Gesellschaft gesetzten Werte sind wir als
Abendländer vor allem im begrifflichen Denken und in der kausa-
len Logik geschult, aber weniger im bildhaften Denken und im ana-
logen Schluß. Das heißt, wir können ein Problem sehr wohl in
Worte fassen oder es begreifen, wenn es uns durch Worte vermittelt
wird. Wir können das Problem auch auf die abstrakte Ebene brin-
gen, indem wir die allgemeine Formel finden, die ihm zugrunde
liegt, und wir glauben, damit auch Ursache und Wirkung erklären
zu können. All das ist die um Eindeutigkeit bemühte Sprache des
Bewußten.
Die Sprache des Unbewußten ist anders. Unsere Seele drückt sich
in Bildern aus, wie jeder aus seinen Träumen weiß. Diese Bilder las-
sen sich nicht beliebig durch Worte ersetzen: Worte unterliegen
einem dauernden Verschleiß. Sie nutzen sich ab und verlieren ihre
ursprüngliche Bedeutung. Bilder und vor allem Symbole sprechen
den Menschen dagegen seit Jahrtausenden in gleicher Weise an.
Deshalb ist es ja nicht so schwer, die Sprache der Bilder (oder auch
unserer Träume) intuitiv zu verstehen und eine Bedeutung zu erah-
nen. Was anfangs schwerfällt, ist, diese Bedeutung dem Bewußtsein
so zugänglich zu machen, daß es die Aussage in Worte faßt, die dem
Deuter wie dem Fragenden klarmachen, was die Bilder ausdrücken
wollen. Ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte. Deshalb erklärt
dieses Buch zum einen den vielschichtigen Symbolhintergrund
einer jeden Karte, gibt aber auch Deutungshilfen, damit die Karten
26 Einführung

in bezug auf die verschiedenen Fragerichtungen verstanden werden


können.
Voraussetzung für eine gute Kartendeutung ist, daß die Sprache
der Bilder zur Alltagssprache wird. Dazu ist es hilfreich, jeweils
eine Tages-, eine Wochen- und eine Monatskarte zu ziehen. Das
geht folgendermaßen: Ziehen Sie (anfangs nur aus den 22 Trumpf-
karten, später auch aus allen 78 Karten) am Morgen eines Tages
und zusätzlich am Anfang der Woche bzw. des Monats jeweils eine
Karte. Beobachten Sie dann, wo und wie sich jedes dieser Themen
für Sie im Fragezeitraum ausdrückt. Dabei werden Sie z.B. erken-
nen, daß der »Tod« bedeuten kann, daß Sie etwas Wichtiges verlo-
ren haben (unfreiwilliger Abschied), oder die »Kunst« zeigt, daß
Ihnen eine wichtige Lösung gelungen ist, daß Sie in einer sensiblen
Angelegenheit die richtige Einstellung (die richtige Verbindung, das
richtige Mischungsverhältnis) gefunden haben. Auf diese Art wird
Ihnen die Alltagssprache der Karten auf den verschiedensten Ebe-
nen spielerisch und durch unmittelbare Anschauung vertrauter.
Der Schlüssel zur tiefsten Bedeutung der Karten liegt jedoch in
den Mythen verborgen, die sich die Menschheit seit Jahrtausenden
erzählt. Eine Beschäftigung mit den alten Weisheitsbüchern, den
mündlichen und bildhaften Überlieferungen der frühen Kulturen
führt zur Begegnung mit den Urbildern der Seele und des Tarot.

Von der Fragestellung bis zur Deutung

Wie muß die Frage gestellt werden?

Formal:
Sie können die Frage laut oder leise stellen, sie mehrfach wiederho-
len oder auch aufschreiben. Machen Sie das ganz nach Belieben.
Keine Methode ist besser als die andere. Wichtig ist nur, daß Sie sich
klarmachen, was Sie wissen wollen, und daß Sie sich nach der Fra-
gestellung nicht länger auf die Frage konzentrieren, sondern in aller
Ruhe und Gelassenheit die Karten ziehen, aufdecken und deuten.
Von der Fragestellung bis zur Deutung 27

Inhaltlich:
Stellen Sie die Frage so, wie sie Ihnen in den Sinn kommt. Es kommt
nicht auf eine gelungene Formulierung an, sondern nur darauf, daß
Ihnen bewußt wird, worauf Ihr Unbewußtes Ihnen gleich eine Ant-
wort geben wird. Es reicht auch, wenn Sie einfach fragen: Mich in-
teressiert, wie dies oder jenes weitergeht.
Stellen Sie keine Fragen, die sich nur mit »Ja« oder »Nein« be-
antworten lassen. Die Karten können Ihnen in Entscheidungssitua-
tionen sehr wohl helfen, Ihnen aber keine Entscheidung abnehmen.
Fragen Sie statt dessen: »Was passiert, wenn ich etwas tue, und was
passiert, wenn ich es nicht tue?« Das Entscheidungsspiel wird
Ihnen dann die jeweiligen Konsequenzen zeigen, so daß Sie leichter
Ihre Entscheidung treffen können.
Verbinden Sie nicht mehrere Themenkreise oder Alternativen
miteinander. Fragen Sie die Karten lieber einzeln zu den verschiede-
nen Bereichen. Die Frage sollte also nicht lauten: »Soll ich mich für
Hans entscheiden oder für Karl?«, sondern: »Was geschieht, wenn
ich mich für Hans entscheide, und was geschieht, wenn ich es nicht
tue?« und dann anschließend: »Was geschieht, wenn ich mich auf
Karl einlasse, und was geschieht, wenn ich es nicht tue?« Denn wenn
in beiden Fällen die Aussichten trübe sind, die Karten jedoch eine
günstige Alternative zeigen, mag diese vielleicht bei einem (un)be-
kannten Dritten liegen. Bei der ursprünglichen Fragestellung wären
Sie darauf aber gar nicht aufmerksam geworden, sondern hätten
nur festgestellt, daß Ihr Vorhaben so oder so problematisch ist.
Ebensowenig sollten Sie verschiedene Themenkreise in einer Frage
verbinden, wie etwa: »Wie wird meine Urlaubsreise verlaufen, und
werde ich mich dabei verlieben?« Fragen Sie statt dessen mit dem
Legesystem »Das keltische Kreuz«, wie der Urlaub wird, und mit
»Der Weg«, was Sie tun können, damit Sie sich wieder verlieben.

Mischen, Ziehen und Auslegen der Karten


Entscheiden Sie sich für ein Legesystem, das Ihrer Fragestellung
entspricht. Dann mischen Sie die Karten. Nur wenn Sie auch »um-
gekehrte Karten« deuten wollen, müssen Sie großflächig mit beiden
28 Einführung

Händen auf dem Tisch oder dem Boden mischen. In allen anderen
Fällen sind die Art und Gründlichkeit des Mischens bedeutungslos.
Bilden Sie danach aus den verdeckten Karten einen großen Fächer.
Prüfen Sie zunächst anhand der Beschreibung des Legesystems, wie
viele Karten Sie brauchen. Ziehen Sie diese dann mit der linken
Hand aus dem Kartenfächer und legen Sie eine nach der anderen ver-
deckt aufeinander. Wenn Sie so alle notwendigen Karten gezogen
haben, legen Sie die übrigen beiseite. Nehmen Sie danach Ihre Kar-
ten und decken Sie diese in der gezogenen Reihenfolge (d. h. die un-
terste zuerst) auf, und legen Sie diese dabei in der Reihenfolge und
entsprechend dem Muster aus, wie es die jeweilige Abbildung zeigt.

Die Deutung

Einzelbetrachtung
Bei der Deutung müssen Sie zunächst die spezielle Bedeutung der
Karte mit der Bedeutung des Feldes verbinden, auf dem die Karte
liegt. Das geht natürlich um so leichter, je tiefer und besser Sie in die
Bedeutung einer Karte eingedrungen sind. Wenn Ihnen die Karten
aber noch weitgehend neu sind, werden Ihnen die Texte im Deu-
tungsteil zu jeder Karte eine wichtige Hilfe sein. Dort finden Sie Be-
schreibungen für die wichtigsten Bedeutungsebenen aller Karten:
Allgemein, Beruf und Partnerschaft. Die Rubrik, die die Bedeutung
der Karte auf der Ebene des Bewußtseins und bei den Kleinen
Arkana überwiegend auf der inneren Erfahrungsebene schildert,
eignet sich zur Standortbestimmung und bei Fragen der Selbster-
fahrung. Lesen Sie in jedem Fall die allgemeine Bedeutung, um das
Thema der Karte zu verstehen, und danach die spezielle Deutung.
Und wenn es Ihnen Ihre Zeit erlaubt und Sie genügend Interesse
aufbringen, lesen Sie zumindest bei den wichtigsten Karten auch
etwas über die Bedeutung der einzelnen Symbole. So wird Ihr Ver-
ständnis der Karten und damit Ihre Deutung an Tiefe gewinnen. Es
ist völlig normal, daß Sie bei dieser anfänglichen Einzelbetrachtung
der Karten noch zu holprigen, dünnen oder wenig verständlichen
Aussagen gelangen. Lassen Sie sich dadurch nicht beirren und blei-
Von der Fragestellung bis zur Deutung 29

ben Sie dort nicht stehen. Gehen Sie einfach zur nächsten Karte
über. Bei der abschließenden Zusammenschau werden Sie die Kar-
ten in der Regel schon viel besser verstehen.

Umgekehrte Karten
Manche Deuter messen den Karten eine andere Bedeutung bei,
wenn sie kopfstehend auftauchen. Einen möglichen Deutungsvor-
schlag finden Sie dafür unter der Rubrik Schatten. Wir selber ma-
chen diese Unterscheidung normalerweise nicht und drehen kopf-
gestellte Karten einfach richtigherum. Machen Sie damit Ihre eige-
nen Erfahrungen, aber entscheiden Sie sich immer vor Beginn, d. h.
noch bevor Sie die Karten ziehen oder ziehen lassen, ob Sie die Kar-
ten richtig herum drehen wollen oder auch ihre kopfgestellte Be-
deutung berücksichtigen. In diesem letzteren Fall sollten Sie die
Karten unbedingt großflächig auf dem Tisch oder dem Boden mi-
schen, damit sie sich entsprechend drehen können.

Zusammenschau
Am Ende jeder Deutung steht die Zusammenschau. Verbinden Sie
dazu die bisher gemachten Einzelaussagen zu einer einheitlichen
Aussage. Das heißt nicht, daß sie keine Widersprüche beinhalten
darf. Unser Leben und damit auch die Karten sind häufig genug
voller Widersprüche. Ihre Deutung sollte nur kein Stückwerk blei-
ben, sondern zu einer abschließenden Gesamtaussage finden. Las-
sen Sie die einzelnen Stationen in sich zu einer ganzen Geschichte
heranreifen. Bei manchen Legesystemen ist es hilfreich, die Karten
in einer bestimmten Reihenfolge zu deuten oder auf besondere Zu-
sammenhänge zu achten. In diesen Fällen finden Sie in der Be-
schreibung des Legesystems entsprechende Vorschläge zur Vorge-
hensweise bei der Deutung.

Quintessenz
Wenn Sie zum Schluß noch eine Aussage wünschen, wie der Fra-
gende sich angesichts der Thematik verhalten soll, dann ermitteln
Sie die Quintessenz. Addieren Sie dazu alle Zahlen der aufgedeck-
30 Einführung

ten Karten unter Berücksichtigung folgender Ausnahmen: Alle


Hofkarten (das sind Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin) zählen 0,
und alle Asse zählen 1.
Wenn das Ergebnis eine mehrstellige Zahl größer als 22 ist, bil-
den Sie daraus durch Zusammenzählen der Ziffern so lange die
Quersumme (z. B. 365 ist 3 + 6 + 5 = 14, die erneute Quersumme
ist 1 + 4 = 5), bis Sie eine Zahl zwischen 1 und 22 erhalten. Die die-
ser Zahl entsprechende Trumpfkarte aus den Großen Arkana zeigt
Ihnen die richtige Vorgehensweise. Handelt es sich dabei um eine
zweistellige Quintessenz, können Sie durch erneute Bildung der
Quersumme zu der dahinterliegenden entscheidenden Thematik
gelangen. Nehmen Sie dazu die Stichworte aus den Rubriken Licht
und Qualität, die Ihnen diesen abschließenden Vorschlag der Kar-
ten verständlich machen werden.

Häufige Fragen zur Praxis des Tarot und ihre Antworten

Wonach lassen sich die Karten befragen?


Karten lassen sich in jeder Hinsicht befragen. Eines können sie al-
lerdings nicht: mit »Ja« oder »Nein« antworten. Dennoch können
sie sehr wohl bei einer Entscheidung helfen, indem sie die Kon-
sequenzen aufzeigen, ohne dem Fragenden die Entscheidung ab-
zunehmen. Außerdem lassen sie sich nach Tendenzen befragen,
können über eine gegenwärtige Situation einschließlich ihrer ver-
borgenen Hintergründe oder Ursache Auskunft geben, können
Vorschläge zur richtigen Vorgehensweise machen, und nicht zuletzt
sind sie ein wertvoller Spiegel bei der eigenen Standortbestimmung,
bei allen Fragen zur Selbsterfahrung.

Wie kommt es, daß uns die Karten eine bedeutsame Antwort
geben können?
Dieses Phänomen läßt sich sicher nicht hinreichend erklären. Aber
die folgenden zwei Überlegungen mögen eine Vorstellung mögli-
cher Hintergründe geben:
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot 31

1. Unser Unbewußtes hat ein anderes Verhältnis zu Raum und Zeit


als unser Bewußtes und ist in der Lage, über den Tellerrand der
Gegenwart hinauszuschauen, wie jeder es schon an seinen Zu-
kunftsträumen und eigenem Vorauswissen erlebt hat. Die Spra-
che des Bewußten sind die Worte, die Sprache des Unbewußten
dagegen Bilder. Die Tarotkarten nun sind das Alphabet der Bil-
dersprache unserer Seele. Mit ihnen kann unser Unbewußtes
ausdrücken, wie es die Frageangelegenheit sieht. Alles, was unser
Bewußtes tun muß, ist, die Bildersprache des Unbewußten ver-
stehen zu lernen.
2. Der zweiten Überlegung liegt der Begriff der Zeitgleichheit zu-
grunde, der Synchronizität, wie C. G. Jung dieses Phänomen ge-
nannt hat. Wir sind gewohnt, die Zeit in Quantitäten zu messen.
Es gibt aber auch eine Qualität der Zeit, an die sich unsere Spra-
che sehr wohl erinnert, wenn sie vom »richtigen« Augenblick
spricht. Nun ist es weniger die bewußte Überlegung, die uns zu
dem rechten Augenblick führt. Viel verläßlicher ist dabei unsere
innere Uhr oder die innere Stimme. Jeder Augenblick hat seine
besonderen Qualitätsmerkmale, die sich auf allen Ebenen in glei-
cher Weise offenbaren: makrokosmisch in planetaren Konstella-
tionen, mikrokosmisch in atomaren Bewegungen und dazwi-
schen auf unendlich vielen anderen Stufen. So kann der Astro-
loge die Sterne betrachten, der Chinese das I Ging werfen, der
römische Augur den Vogelflug deuten, der Tarotkundige die
Karten lesen oder der keltische Druide das Runenorakel befra-
gen; im gleichen Augenblick werden alle Orakel in der ihnen ei-
genen Sprache die gleiche Aussage machen. Der Augenblick, in
dem wir dem Orakel unsere Frage stellen, enthält die rechte Ant-
wort darauf und teilt sie uns auf allen Ebenen mit. Deshalb ist die
Frage, welches Orakel oder welche Art von Tarotkarten man
wählt, von untergeordneter Bedeutung. Wichtig ist vor allem,
daß der Deuter die Sprache des Orakels spricht und versteht.
32 Einführung

Gibt es eine geheime, einzig wahre, letzte und objektive Bedeu-


tung der Karten?
Nein. Es gibt nur subjektive Auslegungen. Wie man dennoch zu
wertvollen Aussagen gelangen kann, erklärt der nächste Absatz.

Wie kann es sein, daß der Fragende die »richtigen« Karten zieht,
ohne zu wissen, was sie bedeuten oder welches Legesystem der
Deuter benutzen wird?
Die Grundregel lautet: »Der Fragende spielt immer das Spiel des
Deuters.« Während des Kartenlegens besteht auf unbewußter
Ebene Einigkeit zwischen Deuter und Fragendem, so daß der Fra-
gende die richtigen Karten für den jeweiligen Deuter zieht. Insofern
ist es auch unsinnig, eine Deutung von einem anderen Kartenkun-
digen »begutachten« zu lassen, denn für dessen Verständnis hätte
der Fragende ja andere Karten gezogen, die dennoch zur gleichen
Aussage geführt hätten.

Muß man sich auf die Frage konzentrieren, während man die Kar-
ten mischt, abhebt, zieht oder auslegt?
Nein, auf keinen Fall. Lassen Sie sich von der Überlegung leiten,
daß Ihr Unbewußtes ohnehin schon weiß, worauf es antworten
wird und was Sie fragen wollen. Also geht es nur darum, daß Ihr
Bewußtes einmal erfährt, wie die Frage lautet. Machen Sie sich zu
Beginn klar, was Sie fragen wollen, um hinterher die Antwort rich-
tig zu verstehen. Während Sie mischen, ziehen oder auslegen, kön-
nen Sie die Frage dann fast wieder vergessen (deshalb sollten Sie
Ihre Frage vielleicht doch besser aufschreiben, damit Sie sie bei der
Deutung wieder vor Augen haben).

Woher weiß man, welche der vielen Bedeutungen einer Karte im


Einzelfall richtig ist?
Aus dem Innersten. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie – als Deu-
ter – plötzlich bei einer Karte einen bislang vernachlässigten Aspekt
betonen oder eine ganz neue Seite entdecken. Seien Sie eher skep-
tisch, wenn Sie schon formelhaft stets dieselbe Deutung herunter-
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot 33

spulen. Wenn Sie allerdings einmal wortlos und hilflos feststecken,


können Ihnen auch die Karten selbst weiterhelfen: Fragen Sie nach
der speziellen Bedeutung einer Karte, indem Sie dazu das Kreuz
legen (siehe S. 476).

Wenn man die Karten zum gleichen Thema zweimal hintereinan-


der legt, kommen dann die gleichen Karten?
Wahrscheinlich nicht. Häufig genug aber kommen sehr ähnliche
Karten, so daß die Gesamtaussage in der Zusammenschau weitge-
hend identisch ist. Die Karten können aber auch einen zusätzli-
chen, allerdings stets nachgeordneten Aspekt der Frageangelegen-
heit anzeigen.
Beruht das zweimalige Aufeinanderlegen allerdings nur auf der
Neugier zu testen, ob die Karten wirklich »funktionieren«, tun sie
es üblicherweise nicht. Das liegt weniger daran, daß sie uns für die
»unerlaubte Neugier eins auswischen«, sondern vielmehr an der in-
neren Haltung des Fragenden und des Deuters: Nur wo Bewußtes
und Unbewußtes in harmonischem Einklang sind, können Phä-
nomene wie vorausschauende Kartendeutung entstehen. Wenn sich
unser Bewußtsein dagegen zweifelnd gegen unsere intuitive Ebene
stellt, ist die Harmonie gestört und die Aussagequalität der Karten
oft gemindert oder wertlos.

Für welchen Zeitraum sind die Karten gültig? Für welche Zeit-
räume kann man Karten befragen?
Für den Nahzeitraum von 3 Monaten. Das heißt nicht, daß sie da-
nach ihre Bedeutung verlieren. Sie werden für uns aber immer
schwerer verständlich, so daß der Aussagewert bei Fragen, die über
12 Monate hinausgehen, bereits ungewiß ist.
Der durchschnittliche Zeitraum, auf den sich die Karten bezie-
hen, ist 4 bis 6 Wochen. Davon ausgenommen sind alle Selbster-
fahrungsspiele, für die sich keine Regel aufstellen läßt. Wenn die
Frage nach einer Entwicklungstendenz auf eine bestimmte Thema-
tik hinausläuft, heißt das natürlich nicht, daß das Thema am Ende
dieses Zeitraums abgeschlossen sein wird. Diese Karte ist eher wie
34 Einführung

eine Inschrift über einem Tor zu verstehen, durch das der Fragende
geht und das für den weiteren Weg kennzeichnend ist.

Wie zuverlässig ist das Kartenorakel?


So zuverlässig wie der Ratschlag des alten weisen Mannes. Die
höchste »Trefferquote« haben die Karten zweifellos in Aussagen,
die Vergangenheit und Gegenwart betreffen, weil diese Ereignisse
und Erfahrungen bereits festgeschrieben sind oder gerade gesche-
hen. Nicht im gleichen Maße, aber dennoch mit einer erheblichen
Wahrscheinlichkeit treffen die Zukunftsprognosen ein, wobei die
Verläßlichkeit mit zunehmender zeitlicher Distanz des gefragten
Ereignisses abnimmt. Diese verminderte Zuverlässigkeit bei der
Prognose erklärt sich aus unserer Freiheit, unser Leben zu gestal-
ten. Das ist auch der Grund, warum die Prognosen für Menschen
mit hoher Lebensbewußtheit nicht mit der gleichen Regelmäßigkeit
eintreffen wie bei Menschen, die sich ihrem Schicksal überlassen
haben. Die Karten – wie auch alle anderen Orakel – weisen auf Er-
fahrungen hin, die wir machen müssen. In dieser Hinsicht ist ihre
Aussage sehr verläßlich. Wie wir hingegen diese Erfahrungen erle-
ben und welche Ereignisse sich damit verbinden, das ist Teil unse-
rer menschlichen Freiheit.

Gibt es eine Aussagegrenze und damit Dinge, die ein Kartendeu-


ter nicht voraussagen kann oder sollte?
Ja. Ein Kartendeuter ist im Gegensatz zu einer landläufigen Erwar-
tung kein Wahrsager. Er ist ein Übersetzer, der die Sprache der Bil-
der spricht und der (ähnlich wie ein Traumdeuter) beim Dialog des
Fragenden mit dessen Unbewußtem vermittelt. Die Aussagegrenze
liegt in der bildhaften Beschreibung einer künftigen Erfahrung. Die
Bedeutung der Aussage liegt darin, ein tieferes Verständnis für die
größeren Zusammenhänge dieser Erfahrung zu bekommen. Wert-
los bis fragwürdig sind Aussagen, die darüber hinausgehen und ein
scheinbar unentrinnbares Ereignis ankündigen.
Häufige Fragen zur Praxis des Tarot 35

Wird der Frager durch Karten oder andere Orakel nicht zu sehr
manipuliert oder macht er eine schlechte Erfahrung vielleicht
nicht nur deshalb, weil sie ihm vorausgesagt wurde?
Nach unserer Erfahrung nimmt der Fragende nur die Antwort an,
für die er innerlich bereit ist. Erscheint sie ihm absurd oder unan-
nehmbar, verwirft er sie oder fragt ein anderes Orakel. Es kommen
immer wieder Menschen, die bei Wahrsagern waren, für die es
keine Aussagegrenze zu geben scheint und die angeblich unver-
meidliches Unglück prophezeit haben (furchtbare Tode naher An-
gehöriger, wirtschaftlicher Ruin mit anschließendem Selbstmord
usw.). Ein Gespräch darüber, daß solche Aussagen willkürlich und
unhaltbar seien, hat dann wenig Wirkung. Erst wenn der Fragende
versteht, daß er diese Prophezeiung »brauchte«, etwa um seinen
Partner wieder mit neuen Augen zu sehen, löst sich der seelische
Druck. Damit soll in keiner Weise gerechtfertigt werden, daß un-
verantwortliche Wahrsager haltlose, schreckliche und gleichzeitig
wertlose Aussagen machen. Es soll nur klar werden, daß der Fra-
gende hier wie auch bei jeder anderen Beratung oder Therapie die
Aussage bekommt und die Erfahrung macht, die er in seiner Situa-
tion braucht.

Worin liegt denn die Bedeutung des Orakels?


Sicherlich nicht in der Prognose von profanen Alltagsereignissen.
Was Tarot (ebenso Astrologie und I Ging) so wertvoll macht, ist
das tiefe Verständnis für unseren Aufgabenplan und unsere We-
sensnatur, zu dem uns jedes dieser Orakel führt.

Darf man den Karten überhaupt Alltagsfragen stellen?


Ja. Es wäre nur schade, wenn es dabei bliebe und die wirklich be-
reichernden tiefen Ebenen nicht erkannt würden.

Sollen auch Linkshänder bei der Auswahl ihrer Karten mit links
ziehen?
Ja.
36 Einführung

Kann man Karten für nicht anwesende Personen legen?


Ja, man kann. Natürlich sollte der Fragende einen engen Bezug zu
dieser Person und ein berechtigtes Interesse an der Frage haben. Es
ist allerdings beeinträchtigend, wenn die Beziehung zwischen dem
Fragenden und der Person, um die es geht, erheblich gestört ist. Die
Karten spiegeln dann oft die Wünsche des Fragenden wider, aber
nicht so sehr die tatsächliche Situation des anderen.
In jedem Fall sollte man sich mit dieser Form des Spiels vorsich-
tig vertraut machen, um nicht eines Morgens in einem selbstgeba-
stelten, weltfremden Kartenhaus zu erwachen.

Warum werden die Karten mit der linken Hand gezogen?


Weil die linke Körperseite seit alter Zeit als die intuitive gilt. Ein
Wissen, das von der neueren Gehirnforschung bestätigt wurde.

Darf man sich die Karten auch von anderen ziehen lassen?
Ja. Wenn der Fragende innerlich sehr angespannt ist, zu festgefügte
Erwartungen im Zusammenhang mit der Frage hat oder gar außer
sich ist, dann ist es sogar günstiger, wenn er sich die Karten von
einem ihm sympathischen Menschen ziehen, legen und deuten läßt.

Muß man erst alle Symbole der Tarotkarten verstanden haben,


bevor man sie deuten kann oder darf?
Nein. Zum einen wird es kaum möglich sein, alle Symbole in ihrer
Vielseitigkeit zu erfassen, zum anderen ist es schlechterdings un-
möglich, ein Symbol in seiner ganzen Tiefe umfassend zu verstehen.
Es offenbart stets wieder neue, bislang unerkannt gebliebene Be-
deutungen. Insofern ist es durchaus angemessen, sich auch mit
einem noch geringen Kenntnisstand an erste Kartendeutungen her-
anzuwagen. Wichtig ist dabei nur, die Grenzen des eigenen Wissens
stets vor Augen zu haben und diese Bescheidenheit auch nicht über
ersten »Erfolgsmeldungen« zu verlieren. Das gilt allerdings selbst
für den fortgeschrittenen Deuter.
Deutungsteil

Die 22 Karten
der Großen Arkana
0. Der Narr 39

0. Der Narr

Trieb Neugier, Experimentierfreude,


Suche nach Veränderung.
Ziel Aufbruch ins Leben (eine neue
Schleife auf der Spirale des Ewigen).
Leitbild Mystische Vereinigung (Stre-
ben nach Transzendenz).
Licht Positive Auflösung von Struktu-
ren und Zwängen, selbstloser Idealis-
mus, grenzenlose Fantasien, kosmi-
sche Sensibilität.
Schatten Negative Auflösung von
Strukturen und Zwängen, Zielverschwommenheit, Tagträumerei,
Infantilität, Verantwortungslosigkeit.
Qualität Vorurteilslosigkeit, staunende Offenheit.

Grundlage

Die Karte Wir sehen eine dämonische, grüne Gestalt, die von vier
spiralförmigen Schlaufen umschlungen wird, die sich in vier Kreise
(spirituelle Ebenen) unterteilen. Auf den regenbogenfarbenen
Schlaufen sind verschiedene Symbole zu erkennen. Der grüne Narr
(Bacchus, Dionysos, April-Narr) dominiert den Raum, wobei seine
Stiefelsohlen nach außen zeigen und er damit keinen direkten Kon-
takt zur Erde aufweist. Auf den ersten Blick scheint es, als hielte er
sich mit seinen erhobenen und ausgebreiteten Armen am Firma-
ment fest (die Ecken der Karten symbolisieren den unendlichen
Raum). Der lüsterne Gesichtsausdruck wird von einem Hörner-
paar gekrönt, zwischen dem sich ein kristallener Diamantkegel er-
hebt, der die Spitze einer ihn umgebenden Lichtpyramide berührt.
Sein irrer Blick führt am Betrachter vorbei (wir können dem Nar-
ren nicht in die Augen schauen, weil seine Sehachsen leicht ver-
40 Die 22 Karten der Großen Arkana

schoben sind). In der Rechten hält er einen umgestülpten Kelch, in


der Linken einen flammenden Tannenzapfen, dessen Feuerstrahlen
einen Bogen über sein Scheitelchakra schlagen. Eine pralle Trau-
benrispe fällt ihm über die linke Schulter, und darunter regnet es
Münzen, in deren Oberfläche astrologische Symbole eingestanzt
sind. Zwischen den Oberschenkeln befindet sich ein seltsames Blü-
tengebilde, und im Zentrum der Gestalt, im Brennpunkt der Zeu-
gungskraft, entfaltet sich die Sonne.

Am Anfang Trumpf 0, die Karte des Narren, ist das Symbol eines
neuen Lebensabschnittes, der aus den tiefen Nebeln des Unbewuß-
ten allmählich in den Bereich der zu verwirklichenden Absicht
steigt. Der Narr ist wie der Keim, der ahnt, daß die fertige Blüte in
ihm schon lebendig ist, weil sie dem Ziel seines inneren Schöp-
fungsplanes entspricht, aber er bedarf noch der Dimension Zeit,
um das fertige Gebilde auszutreiben. Denn er ist nicht nur der An-
fang eines neuen, sondern auch das Ende eines alten Schöpfungs-
kreises (vgl. S. 260). Wir sehen hier, wie sich die Ursachen der Ver-
gangenheit in den zukünftigen Wirkungen widerspiegeln, weil sie
in ihren karmischen Ausschwingungen die Muster einer wahr-
scheinlichen Zukunft schon in sich tragen. Genauso wie das Erbgut
einer Mutterpflanze dem Keimling die Informationen mitgibt, wie
er die Blüte dereinst auszutreiben hat.

Analyse und Beschreibung

1. Gestalt (Der Verrückte)

Narr Der Narr, der den Raum dominiert, obwohl er nicht auf dem
Boden steht, sondern im Leeren hängt, ist ein Symbol jener Ziel-
verlorenheit oder Richtungslosigkeit (Ver-rücktheit), aus der eine
Richtung erst entsteht. Der Weg ist immer der, der gerade unter den
Fußsohlen liegt, und das Ziel ist die Zielrichtung der absichtslosen
Bewegung. Der Narr symbolisiert die Absichtslosigkeit, die noch

Das könnte Ihnen auch gefallen