Regeltechnik
Regeltechnik
1
oder einen Programmgeber unterschiedliche Werte der Führung
grösse w vorgegeben. Dies kann stetig oder in Stufen geschehe
z.B.:
Raumtemperaturregelung mit einem
– Tag-Sollwert von w1 = 20 °C von 06.00 bis 22.00
und Nacht-Sollwert von w2 = 16 °C von 22.00 bis 06.00
– Temperaturregelung eines Trocknungsvorgangs mit verschied
Temperaturwerten.
B31-7
[Link] Folgeregelung Die Führungsgrösse w wird von einer anderen gemessenen Grö
welche selbst nicht von der Regeleinrichtung beeinflusst werden
vorgegeben und verschiebt den Wert der Führungsgrösse w gle
nach einer einstellbaren Gesetzmässigkeit (Fig. 1-15), z.B.:
– Witterungsgeführte Vorlauftemperaturregelung mit der Heizu
Vorlauftemperatur als Regelgrösse x und der Aussentempera
Führungsgrösse, durch die der Wert der Führungsgrösse w n
einer eingestellten Heizkennlinie verändert (geführt) wird.
B31-8
Regeltechnik
Inhaltsverzeichnis
3
3. Der Regler 3.1 Einleitung 42
3.2. Einteilung der Regler 43
3.2.1 Einteilung nach der Anwendung 43
3.2.2 Einteilung nach der Art der Regelgrösse 43
3.2.3 Einteilung nach der Hilfsenergie 44
[Link] Regler ohne Hilfsenergie 44
[Link] Regler mit Hilfsenergie 44
3.2.4 Einteilung nach der Wirkrichtung 45
3.2.5 Einteilung nach der Wirkung der Stellgrössen 46
[Link] Stetige Regler 46
[Link] Unstetige (stufige) Regler 46
[Link] Stetig-ähnliche (quasi-stetige) Regler 46
3.2.6 Einteilung nach dem Übertragungsverhalten 46
[Link] Unterscheidung des Übertragungsverhaltens
(Regelcharakter) 46
3.3 Statisches und dynamisches Verhalten des Reglers 47
3.3.1 Statisches Verhalten des Reglers 47
3.3.2 Dynamisches Verhalten des Reglers 47
3.4 Das P, PI, PID Übertragungsverhalten 48
3.4.1 Der Proportional-Regler (P-Regler) 48
[Link] Wirkungsweise 48
[Link] Die Kenngrösse und statische Kennlinie des P-Reglers 50
[Link] Das dynamische Verhalten des P-Reglers 52
[Link] Verschieben des Eichpunktes 53
3.4.2 Der Integral-Regler (I-Regler) 54
[Link] Allgemein: Beispiel 1 54
[Link] Wirkungsweise: Beispiel 2 55
[Link] Die Kenngrösse des l-Reglers 56
[Link] Die statische Kennlinie des l-Reglers 56
[Link] Das dynamische Verhalten des l-Reglers 57
3.4.3 Der Proportional-lntegral-Regler (Pl-Regler) 58
[Link] Wirkungsweise und Sprungantwort 58
[Link] Die Kenngrössen des Pl-Reglers 59
3.4.4 Das Differenzierglied (D-Glied) 61
[Link] Allgemein: Beispiel 1 61
[Link] Wirkungsweise: Beispiel 2 62
[Link] Die Sprungantwort des D-Gliedes 62
[Link] Die Anstiegsantwort (Rampenantwort) des D-Gliedes 64
[Link] Anwendung des D-Gliedes 64
3.4.5 Der Proportional-Differential-Regler (PD-Regler) 65
[Link] Wirkungsweise und Sprungantwort 65
[Link] Die Anstiegsantwort des PD-Reglers 66
[Link] Die Kenngrössen des PD-Reglers 66
3.4.6 Der Proportional-lntegral-Differential-Regler (PlD-Regler) 67
[Link] Wirkungsweise und Sprungantwort 67
[Link] Die Kenngrössen des PlD-Reglers 68
3.5 Der Zweipunkt-Regler 69
3.5.1 Wirkungsweise 69
3.5.2 Die Kenngrösse und die statische Kennlinie
des Zweipunkt-Reglers 70
3.5.3 Zweipunktregler mit Rückführung 72
[Link] Aufbau und Wirkungsweise 72
3.6 Der Dreipunkt-Regler 74
3.6.1 Ein einfacher Dreipunktregler 74
3.6.2 Dreipunktregler mit quasi-stetigem Regelergebnis 76
[Link] Aufbau 76
[Link] Wirkungsweise 77
4
4. Der Regelkreis 4.1 Die Kreisverstärkung VO 78
4.2 Stabilitätsuntersuchungen 80
4.2.1 Das Störverhalten 80
4.2.2 Das Führungsverhalten 82
4.3 Einstellregeln nach Ziegler, Nichols 83
4.3.1 Bekannte Strecken 84
4.3.2 Unbekannte Strecken 84
4.4 Verhalten verschiedener Regler an einer Strecke 84
4.4.1 P-Regler und Strecke 84
4.4.2 I-Regler und Strecke 87
4.4.3 Pl-Regler und Strecke 88
4.4.4 PID-Regler und Strecke 89
4.4.5 Zweipunkt-Regler und Strecke 90
5
1. Einführung in die Steuer- und Regeltechnik
1.1 Einleitung «Regeln» und «Steuern» sind zwei (technische) Vorgänge, welche sich
durch ihren Wirkungsablauf wesentlich unterscheiden.
B31-9
Die Steuerung dieser Anlage kann durch ein Blockschaltbild (Fig. 1-2)
dargestellt werden. Es besteht aus Steuereinrichtung 1 und
Steuerstrecke 2.
e a
B31-11
6
Unterschied zu einer Regelung: Die Ausgangsgrösse xa der Steuerstrecke wirkt nicht auf die Steuer-
einrichtung zurück (das Ergebnis der Steuerung wird nicht überwacht).
B31-10
1 Aussentemperatur
2 Steuereinrichtung
3 – Aussentemperaturfühler
4 – Steuergerät
5 – Luftklappenantriebe
6 Steuerstrecke
7 – Luftmischbox
8 – Luftklappen
9 Aussenluft
10 Umluft
11 Mischluft
7
1.3 Regeln Gemäss der DIN-Norm 19226 lautet die Definition wie folgt:
Das Regeln resp. die Regelung ist ein Vorgang, bei dem die zu regeln-
de Grösse (Regelgrösse), z.B. Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und
andere, fortlaufend erfasst, mit einer anderen Grösse (Führungs-
grösse) verglichen und abhängig vom Ergebnis dieses Vergleichs im
Sinne einer Angleichung an die Führungsgrösse beeinflusst wird. Der
sich dabei ergebende Wirkungsablauf findet in einem geschlossenen
Kreis, dem Regelkreis statt.
1.3.1 Prinzip der Regelung Das Prinzip einer Regelung und die wichtigsten Begriffe sollen zu-
nächst am Beispiel einer einfachen Raumtemperatur-Handregelung,
wie sie in Fig. 1-4 dargestellt ist, erläutert werden.
°C
24
22
20
18
16
B31-1
8
Warum treten bei einem richtig eingestellten Heizkörperventil über-
haupt noch Raumtemperaturänderungen auf, die weitere Ventil-
verstellungen erforderlich machen? In unserem Beispiel sind dafür drei
Hauptursachen zu nennen:
a) schwankende Wärmeabgabe durch Wand, Fenster und Türen (vor-
wiegend abhängig von der Aussentemperatur)
b) schwankende Heizwassertemperatur (jeder Ventilstellung ist da-
durch keine eindeutige Wärmeabgabe am Heizkörper zugeordnet)
c) Änderung der im Raum selbst anfallenden Wärme durch
Menschen, Maschinen, Beleuchtung und dergleichen.
Störgrösse(n) z Die Einflüsse, welche eine Abweichung von einem geforderten Wert
verursachen; sie werden als Störgrössen z bezeichnet. Zwar können
konstante Störgrössen durch die Zuführung einer grösseren oder klei-
neren Energiemenge (z.B. Anpassung des Heizkörpers an die entspre-
chende Klimazone oder Beschaffenheit des Hauses) von vornherein
berücksichtigt werden. Eine Regelung ist aber immer dann erforder-
lich, wenn in einer Anlage Änderungen der Störgrösse auftreten.
Aus Fig. 1-4 lassen sich weitere regelungstechnische Begriffe herlei-
ten:
Regelgrösse x (Istwert) Die zu regelnde Grösse, hier also die Raumtemperatur, wird als Regel-
grösse x und deren aktueller Wert als Istwert xi bezeichnet.
Führungsgrösse w (Sollwert) Der gewünschte Wert der Regelgrösse, der trotz Störgrössenänderung
aufrecht erhalten werden soll, auf den also die Regelgrösse «geführt»
werden soll, bezeichnet man als Führungsgrösse w. Ein konstanter
Wert der Führungsgrösse w wird Sollwert xs, genannt.
Regeldifferenz e Für den Vergleich von Regelgrösse x mit der Führungsgrösse w muss
Herr Regelmann eine einfache Subtraktion durchführen, nämlich die
Differenz w – x bilden. Diese Differenz heisst Regeldifferenz.
e=w–x
Ist w – x = 0, dann stimmen gemessene und gewünschte Raum-
temperatur, also Regelgrösse und Führungsgrösse überein und das
Heizventil braucht nicht verstellt zu werden. Wenn w – x = + 1 K ist,
also die gemessene Raumtemperatur um 1 K zu tief, dann ist das
Heizventil mehr zu öffnen. Ist w – x = -2 K, dann liegt die gemessene
Temperatur um 2 K über dem gewünschten Wert und das Heizventil
ist weiter zu schliessen.
Der Regelvorgang läuft wie folgt ab: Wir gehen vom Beharrungszustand aus, so dass die gemessene und
die gewünschte Raumtemperatur übereinstimmen (z.B. 20 °C). Das
Heizventil 3 nimmt dabei eine Stellung im mittleren Bereich ein. Nun
sinkt durch irgend eine Störgrössenänderung die gemessene Raum-
temperatur. Der Temperaturfühler 2 gibt diesen geänderten Wert zur
Vergleichseinrichtung des Reglers 1. Die Regeldifferenz weicht jetzt
von Null ab. Der Regler übernimmt diese als Eingangssignal und gibt
sie – verstärkt und mit einer bestimmten Zeitabhängigkeit versehen –
als Stellsignal auf den Reglerausgang. Diese als Stellgrösse y bezeich-
nete Ausgangsgrösse verstellt nun über einen Stellantrieb das Stell-
glied 3 in der Heizwasserleitung und damit die Heizleistung. Daraus
ergibt sich eine neue Raumtemperatur, die vom Fühler gemessen und 9
dem Regler mitgeteilt wird. Der Kreis ist geschlossen, der beschriebe-
ne Vorgang wiederholt sich laufend.
a b c
B31-2
Für eine Regelung ist es von grosser Bedeutung, wie weit der Regler
bei einer anstehenden Regeldifferenz das Ventil verstellt. Weiterhin ist
es wichtig, wie der Regler bei einer Regeldifferenz eingreifen soll, z.B.
schnell oder langsam. Die Art, wie ein Regler auf eine Regeldifferenz
reagiert, wird als das Zeitverhalten des Reglers bezeichnet. Dieses
Zeitverhalten muss im Regler erzeugt werden und ist bei vielen Reg-
lern einstellbar. Die richtige Einstellung hängt von der zu regelnden
Anlage ab und wird gewöhnlich experimentell ermittelt.
Beim Regelvorgang ist zu beachten, dass eine negative Regeldifferenz
(gemessene Raumtemperatur kleiner als gewünschte Raumtempera-
tur) eine Erhöhung der Wärmezufuhr bewirken muss, d.h. das Heiz-
ventil muss bei fallender Raumtemperatur weiter geöffnet werden.
Hier spricht der Regeltechniker von der sogenannten Wirkungsumkehr.
Gehen wir davon aus, dass in unserem Beispiel die Wirkungsrichtung
des Reglers richtig gewählt ist, dann wird die durch eine Ventilver-
stellung hervorgerufene grössere Wärmemenge nach einer gewissen
Zeit die gemessene Raumtemperatur so verändern, dass Regelgrösse
und Sollwert gleich gross sind und die Regeldifferenz somit zu Null
geworden ist. In diesem Augenblick hat der Regler, sofern keine
neuen Störgrössenänderungen auftreten, seine Aufgabe erfüllt.
Um diesen konkreten Regelvorgang gezielt weiter zerlegen und analy-
sieren zu können, befassen wir uns als nächstes mit dem Regelkreis
und den Regelkreisgliedern.
10
1.4 Regelkreis und Regelkreisglieder
1.4.1 Der Regelkreis Die funktionelle Wirkung des Regelvorganges erfolgt in einem ge-
schlossenen Wirkungskreis, dem sogenannten Regelkreis. Signal-
mässig wird er in einer Richtung durchlaufen. Bereits im Beispiel der
einfachen, manuellen Raumtemperaturregelung in Fig. 1-4 (unten
rechts) ist ein Regelkreises gemäss Fig. 1-6 erkennbar. Der Regelkreis
wird in 2 Teile unterteilt, die Regeleinrichtung und die Regelstrecke.
za zb zc
w
1
°C w = 20 °C
24 1
22
x
y 20
x 18
16
3 y
4
2
2
z
B31-1
B31-5
x y
z
B31-16
11
Zur Wirkung eines Regelkreises: Das «Stellen» wirkt immer wieder auf das «Messen» zurück. Man
spricht daher von einem geschlossenen Regelkreis. Der Regelvorgang
im Regelkreis wird fortlaufend wiederholt. Dies ist Aufgabe des
Reglers.
Das statische Verhalten zeigt den Zusammenhang zwischen Eingangs- und Ausgangsgrösse
im Ruhezustand, d.h. im Beharrungszustand oder stationären Zustand.
Der Beharrungszustand eines Regelkreisgliedes stellt sich ein, wenn
die Eingangsgrösse konstant gehalten und der sich dabei ergebende
konstante Wert der Ausgangsgrösse abgewartet wird.
Das dynamische Verhalten zeigt den Zusammenhang zwischen Eingangs- und Ausgangsgrösse in
Abhängigkeit der Zeit. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses
Zeitverhalten zu erfahren. Für den Praktiker am interessantesten ist
die sogenannte Sprungantwort. Man erhält diese, wenn die
Eingangsgrösse sprungförmig verändert und dabei der zeitliche Verlauf
der resultierenden Ausgangsgrössenänderung festgehalten wird.
13
Beispiel Die Fig. 1-10 zeigt die Heizungsregelung gem. Fig. 1-5 in schemati-
scher Darstellung.
e = w - x -e → y
B31-3
x z y
B31-4
Fig. 1-11 Signalflussplan eines Regelkreises in regelungstechnischer Betrachtung
1 Temperaturfühler
2 Regler
3 Stellantrieb
4 Stellglied
5 Radiator
6 Raum
14
Vergleichen wir Fig. 1-11 mit Fig. 1-7, so erkennen wir, dass bei der
Zuordnung der einzelnen Regelkreisglieder zu Regeleinrichtung und
Regelstrecke Unterschiede bestehen. Es muss zwischen einer rege-
lungstechnischen und einer gerätetechnischen Betrachtung unterschie-
den werden:
• Bei der regelungstechnischen Betrachtung beinhaltet die
Regelstrecke die Regelkreisglieder Stellglied 4, Radiator 5, Raum 6
und Fühler 1. Der Fühler gehört zur Regelstrecke, weil er durch
seine Trägheit deren Zeitverhalten wesentlich beeinflussen kann
und das Stellglied, weil es deren Linearität beeinflusst. Die
Regeleinrichtung umfasst dann die restlichen Teile, den Regler 1
und den Stellantrieb 4. Der Stellantrieb wird zur Regeleinrichtung
gezählt, weil er das Verhalten bei gewissen Reglerausführungen
mitbestimmt.
15
1.5 Merkmale von Regeln
1.5.1 Wirkung eines Reglers Die Wirkrichtung eines Reglers kann gleichläufig oder gegenläufig
sein. Die Funktion des entsprechenden Reglers im Regelkreis dient
zum
– Hochhalten der Regelgrösse
– Tiefhalten der Regelgrösse >
(Fig. 1-12 links: Wirkrichtung gegenläufig)
(Fig. 1-12 rechts: gleichläufig)
100 % 100 %
0% 0%
B31-17
Anwendungsbeispiele Gegenläufige Wirkrichtung wird z.B. für eine Heiz- oder Befeuchten-
sequenz verwendet.
Gleichläufige Wirkrichtung wird z.B. für Kühl- oder Entfeuchtensequenz
verwendet.
1.5.2 Arten der Führungsgrösse Bezüglich der Führungsgrösse w unterscheidet man folgende drei
Möglichkeiten:
B31-6
16
[Link] Zeitplan-, Programmregelung Bei dieser Regelung werden über ein Schaltuhrprogramm (Fig. 1-14)
oder einen Programmgeber unterschiedliche Werte der Führungs-
grösse w vorgegeben. Dies kann stetig oder in Stufen geschehen,
z.B.:
Raumtemperaturregelung mit einem
– Tag-Sollwert von w1 = 20 °C von 06.00 bis 22.00 Uhr
und Nacht-Sollwert von w2 = 16 °C von 22.00 bis 06.00 Uhr
– Temperaturregelung eines Trocknungsvorgangs mit verschiedenen
Temperaturwerten.
B31-7
[Link] Folgeregelung Die Führungsgrösse w wird von einer anderen gemessenen Grösse,
welche selbst nicht von der Regeleinrichtung beeinflusst werden kann,
vorgegeben und verschiebt den Wert der Führungsgrösse w gleitend
nach einer einstellbaren Gesetzmässigkeit (Fig. 1-15), z.B.:
– Witterungsgeführte Vorlauftemperaturregelung mit der Heizungs-
Vorlauftemperatur als Regelgrösse x und der Aussentemperatur als
Führungsgrösse, durch die der Wert der Führungsgrösse w nach
einer eingestellten Heizkennlinie verändert (geführt) wird.
B31-8
17
1.6 Anwendungs-Beispiele
1.6.1 Heizungs-Regelung In diesen Beispielen aus der Heizungstechnik werden Regelung und
Steuerung nochmals verglichen und deren Unterschiede gezeigt.
w x
T 2
T
1
5
y
3 4
8
w
y
7
z B31-12
18
[Link] Witterungsgeführte Die am häufigsten eingesetzte Heizungsregelung, die Witterungs-
Vorlauftemperaturregelung oder Aussentemperatur-abhängige Heizungsregelung, beinhaltet 2
Steuerungen und eine Regelung (Fig. 1-17).
Funktion der Regelung: Die Regelung bezieht sich auf die Vorlauftemperatur, die mit dem
Fühler 3 gemessen und dem Regler 4 übermittelt wird. Stellt das
Regelgerät 4 eine Abweichung gegenüber dem von der Steuereinheit
2 berechneten Sollwert fest, veranlasst es über den Stellantrieb 5 eine
entsprechende Stellgrössenänderung y, so dass die Vorlauftempera-
tur geändert wird. Der Vorlauftemperaturfühler 3 meldet den geänder-
ten Wert der Vorlauftemperatur an den Regler 4 weiter und schliesst
damit den Regelkreis (siehe Blockschaltbild). Es handelt sich also um
eine witterungsgeführte Vorlauftemperaturregelung, auch Folgerege-
lung genannt, weil die Vorlauftemperatur der Witterung folgt.
19
Fig. 1-17 Witterungsgeführte Vorlauftemperaturregelung
1 Aussentemperaturfühler
2 Einstellung Heizkennlinie
3 Vorlauftemperaturfühler
4 Vorlauftemperaturregler
5 Stellgerät (Stellantrieb+Stellglied)
a Steuereinrichtung 1
b Regeleinrichtung (Vorlauf)
c Regelstrecke (Vorlauf)
b+c Steuereinrichtung 2 (Raum)
d Steuerstrecke 2 (Raum)
A Steuerung 1
B Regelung
C Steuerung 2
w Vorlauftemperatur-Sollwert (Steuergrösse 1)
x1 Vorlauftemperatur-Istwert (Regelgrösse)
x2 Raumtemperatur-Istwert (Steuergrösse 2)
y Stellgrösse
z1 Störgrösse 1 (Fremdwärme-Anfall)
z2 Störgrösse 2 (schwankende Kesselwassertemperatur)
20
1.6.2 Teilklimaanlage mit Die Teilklimaanlage gem. Fig. 1-18 ist mit einem Lufterwärmer und
Temperatur-Regelung einem Luftkühler ausgerüstet. Dadurch kann die Raumtemperatur
nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer und bei innerem
Wärmeanfall innerhalb des gewünschten Temperaturbereiches Wert
(wH..wK) gehalten werden.
3 4
1
y1
y2 wH
wK B31-18
Das Trennen von Heiz- und Kühlbetrieb durch die sogenannte Totzone
xdz hat den Zweck, Kühlenergie zu sparen. Dies bedeutet, dass der
Regler im Heizbetrieb auf den tieferen Heiz-Sollwert wH und im
Kühlbetrieb auf den höheren Kühl-Sollwert wK regelt.
Xdz
100 %
3 4
0%
B31-19
wH wK
Fig. 1-19 Sequenzschaltung Heizventil – Kühlventil
3 HeizventiI
4 KühIventiI
x Raumtemperatur
wH Heiz-Sollwert
wK Kühl-Sollwert
xdz Totzone (z.B. 4 K)
2.1 Einleitung Die Regelstrecke ist jener Teil eines Regelkreises, der geregelt wird.
Bei der regeltechnischen Betrachtung beginnt die Regelstrecke am
Stellort, also dort, wo die Stellgrösse in den Massen- oder Energie-
strom eingreift und endet am Messort, wo sich der Fühler zur Er-
fassung der Regelgrösse befindet. Die Regelstrecke ist dem Regel-
techniker meistens vorgegeben. Dieser ist aber daran interessiert,
Aussagen über die Regelstrecke zu besitzen, weil vorwiegend davon
der Aufwand und die Einstellung der Regeleinrichtung abhängig ist,
um ein zufriedenstellendes Regelergebnis zu erreichen.
Die Regelstrecke ist eine Kette von 1..n Regelkreisglieder mit der
Stellgrösse y als Eingangsgrösse und der Regelgrösse x als Aus-
gangsgrösse (Fig. 2-1).
B32-1
2.2 Regelstrecken ohne Ausgleich Ein anschauliches Beispiel für eine Regelstrecke ohne Ausgleich ist die
(Integral-Strecken) in Fig. 2-2 gezeigte Wasserstands-Regelstrecke. Eingangsgrösse ist
hier der Wasserzufluss < in l/h und Ausgangsgrösse der Wasserstand
h im Behälter in m (Überlauf bei 4 m). Die Ausgangsgrösse bleibt kon-
stant auf 1 m, wenn Zu- und Abfluss gleich gross sind.
Wird die zufliessende Wassermenge zum Zeitpunkt T0 von z.B. 400 I/h
auf 500 I/h erhöht, (es fliesst mehr Wasser zu als ab), dann wird der
Wasserstand linear mit der Zeit steigen, bis der Behälter nach einer
Zeit überläuft. Es stellt sich also kein neuer Ausgleich, d.h. kein neuer
Beharrungszustand ein (abgesehen von der natürlichen Begrenzung
beim Überlaufen).
3m
0.2 m/h = 15 h
22
Wird die zufliessende Wassermenge von 400 I/h auf 600 I/h, also um
200 I/h erhöht, so füllt sich der Behälter doppelt so schnell (gestrichel-
te Linien).
400 l/h
600
500
400
T0 5 10 15 20 h
4
3
2
1
0
0 5 10 15 20 h B32-2
Fig. 2-2 Wasserstands-Regelstrecke als Beispiel für eine Strecke ohne Ausgleich
v Volumenstrom (Eingang)
h Höhe Wasserstand (Ausgang)
t Zeit
T0 Startzeitpunkt
23
2.3 Regelstrecken mit Ausgleich Bei einer Regelstrecke mit Ausgleich strebt die Ausgangsgrösse x
(Proportional-Strecken) nach einer Änderung der Eingangsgrösse y immer einem neuen
Beharrungszustand zu.
Als Beispiel für eine Regelstrecke mit Ausgleich dient ein Raum, der
mit einem regulierbaren elektrischen Heizkörper geheizt wird (Fig. 2-
3). Wird die Heizleistung durch Drehen des Schalters von der Stufe 1
auf die Stufe 3 erhöht, so steigt die Temperatur im Raum nicht ins
Unermessliche an, sondern sie nimmt mit der Zeit einen neuen höhe-
ren Wert (x3) an (der zeitliche Verlauf der Temperaturerhöhung interes-
siert uns im Moment nicht, weshalb er nur punktiert gezeichnet ist).
y
3
2 ∆y
1
0 t
T0
°C x x3
22
1 2
x2
0 3 20 ∆x
x1
18
16 t
B32-3
Fig. 2-3 Elektrisch geheizter Raum als Beispiel für eine Regelstrecke mit Ausgleich
x Regelgrösse (Ausgang)
x1 - ursprünglicher Beharrungszustand
x2 - neuer Beharrungszustand für x = 1 Stufe
x3 - neuer Beharrungszustand für x = 2 Stufen
x Regelgrössen-Änderung
y Stellgrösse (Eingang)
y Stellgrössen-Änderung
T0 Startzeitpunkt
Für die Wahl des Reglertyps bezüglich Anpassen an die Strecke und
Stabilität im Regelkreis (Themen, die in späteren Kapiteln behandelt
werden) sind das statische und das dynamische Verhalten der
Regelstrecke von besonderer Bedeutung.
24
2.3.1 Statisches Verhalten der Unter dem statischen Verhalten einer Regelstrecke mit Ausgleich ver-
Regelstrecken mit Ausgleich steht man den Zusammenhang zwischen Ausgangsgrösse (Regel-
grösse x) und Eingangsgrösse (Stellgrösse y) im Beharrungszustand.
Der Übertragungsbeiwert KS Für den Regeltechniker ist es wichtig zu wissen, wie gross die
Regelgrössen-Änderung x im Verhältnis zur vorgenommenen
Stellgrössen-Änderung y im Beharrungszustand ist. Mathematisch
lässt sich dieses Verhältnis, das als Übertragungsbeiwert KS der
Regelstrecke bezeichnet wird, wie folgt berechnen:
x = Ausgangsgrösse
Übertragungsbeiwert Ks =
y Eingangsgrösse
Ks = x = 4K = 2 K pro Stufe
y 2 Stufen
Der Stellbereich Die Änderung der Stellgrösse y von 0 auf 100 %, also um den
Stellbereich Yh der Stellgrösse bewirkt eine Änderung der Regelgrösse
x um den Stellbereich Xh der Regelgrösse, auch Regelbereich Xh
genannt (Fig. 2-4).
y
1
Yh
0 t
T0
x
°C
22
20
Xh
18
16 t
T0 B32-4
Fig. 2-4 Änderung der Raumtemperatur aus Fig. 2-3 bei einem Einheitssprung von 0...1
Yh Stellbereich der Stellgrösse
Xh Stellbereich der Regelgrösse, Regelbereich
T0 Startzeitpunkt
25
Wird in der Formel KS = x/y das y als Einheitssprung von 0 ... 1
(= Yh) eingesetzt, so ergibt dies ein x, das dem Regelbereich Xh ent-
spricht. Somit ist:
Ks = x = xh = 6K = 6 K = xh
y yh 1
Der Regelbereich Xh der Strecke ist ein wichtiges Kriterium für die
Regelbarkeit einer Anlage. Er darf auf keinen Fall zu gross und auch
nicht zu klein sein.
Die Anlage sollte nicht Ist der Regelbereich zu gross neigt der Regelkreis zu Schwing-
überdimensioniert werden verhalten. Ist er zu klein, so kann im Teillastbereich zwar qualitativ gut
geregelt werden, bei Eintreten der maximalen Störgrösse (Last) wird
der Sollwert jedoch nicht mehr erreicht.
Die Regelkennlinie Aus der Fig. 2-3 ist erkennbar, dass bei Regelstrecken mit Ausgleich
zu jedem Wert der Stellgrösse y ein bestimmter Wert der Regelgrösse
x gehört. Dieser Zusammenhang kann auch graphisch dargestellt wer-
den, indem alle entsprechenden Punkte in einem Diagramm miteinan-
der verbunden werden. Dies ergibt die statische Kennlinie der
Regelstrecke, auch Regelkennlinie genannt (Fig. 2-5).
Als Beispiel dazu stellen wir uns den Schalter in Fig. 2-3 nicht in 3,
sondern in unendlich viele Stufen unterteilt vor (stufenlos regelbar).
Jede Einstellung des Drehknopfes ergibt dann eine entsprechende
Raumtemperatur. Die Regelkennlinie verläuft somit in diesem Beispiel
linear (Regelkennlinie b). Die Steilheit der Regelkennlinie x/y = tg
entspricht dem jeweiligen Übertragungsbeiwert.
°C b)
22
a)
∆y
20
∆x
tgα
18
16
0 1 2 3 [Stufe]
0 50 100 [%] B32-5
°C
24
22 ∆ x2
20
18
∆ x1 16
14
0 20 40 60 80 100 %
∆ y1 ∆ y2
B32-6
Wie wir sehen können, ist diese Regelkennlinie nicht linear, d.h. eine
Ventilhub-Änderung y1 zwischen 0 ... 20 % bewirkt eine Änderung
der Raumtemperatur x1 von 14 auf 19 °C, also um 5 K, während eine
Ventilhub-Änderung y2 von 40 ... 60 % nur noch eine
Raumtemperatur-Änderung x2 von 1,4 K zur Folge hat. Der Übertra-
gungsbeiwert KS der Regelstrecke ist hier nicht mehr konstant, son-
dern im unteren Hubbereich relativ hoch und nimmt im oberen
Bereich immer mehr ab.
27
Je unlinearer eine Regelkennlinie ist, desto schwieriger ist es für
einen Regler, bei allen Lastzuständen Störungen schnell und stabil
auszuregeln. Man versucht daher, z.B. durch eine entsprechende
«Gegen-Unlinearität» des Regelventils, die Regelkennlinie zu linearisie-
ren, so dass ein Ventilhub von z.B. 50 % auch tatsächlich eine Lei-
stung von möglichst 50 % ergibt. Die Fig. 2-7 zeigt dazu die prinzipiel-
le Wirkungsweise. Dieses Thema wird im Training «Hydraulik» detail-
liert behandelt.
V Q Q
50 % 50 %
25 %
y V y
50 % 25 % 50 % B32-7
Die statische Betrachtung der Regelstrecke ist allerdings für die voll-
ständige Beschreibung derselben nicht ausreichend. Ein Regelvorgang
setzt sich ja aus zeitabhängigen Abläufen zusammen, so dass der zeit-
liche Zusammenhang zwischen Ausgangs- und Eingangsgrössen-
Änderung, das sogenannte dynamische Verhalten der Regelstrecke,
ebenso wichtig ist.
2.4 Beurteilung der Regelstrecke Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Zeitverhalten einer Regelstrecke
darzustellen, z.B.:
• Beschreibung durch die Sprungantwort
• Beschreibung durch den Schwingversuch nach Ziegler und Nichols
• Beschreibung durch den Frequenzgang (Schwingungsantwort)
29
Man erhält die Sprungantwort (Fig. 2-8) einer Regelstrecke, wenn man
die Eingangsgrösse 1 (Stellgrösse y) sprungförmig um einen beliebi-
gen Wert ändert und den Verlauf der Ausgangsgrösse 2 (Regelgrösse
x) in Abhängigkeit von der Zeit aufzeichnet. Allfällige Störgrössen z
müssen während des Versuchs möglichst konstant gehalten werden.
Die so erhaltene Kurve zeigt das Übergangsverhalten der Regelstrecke
auf und wird Sprungantwort genannt. Der Sprung der Eingangsgrösse
wird als Sprungfunktion bezeichnet.
30
2.5 Untersuchung verschiedener Als Beispiel für eine solche Regelstrecke wollen wir eine Durch-
Anlagen mit der Sprungantwort flussregelung für einen Volumenstrom betrachten (Fig. 2-9). Hier ist als
2.5.1 Strecke ohne Speicher Stellglied ein Handventil 1 mit linearem Durchflussverhalten einge-
(Strecke 0. Ordnung) baut. Mit Hilfe der Durchfluss-Messeinrichtung 2 wird am Anzeige-
Instrument 3 der entsprechende Durchfluss angezeigt.
10
8
6 ∆y
4
2
0
0 T0
5
4
3 ∆x
2
1
0
0 T0 B32-8
31
Interessiert man sich nicht nur für den Übertragungsbeiwert KS der
Regelstrecke, also die Regelgrössenänderung je Millimeter oder
Prozent Stellgrössenänderung (KS), sondern auch für die Regel-
grössenänderung, die sich ergibt, wenn das Stellglied um den ganzen
Stellbereich Yh y = 100%) verstellt wird, so ergibt sich der Regel-
bereich Xh der Strecke; er beträgt hier
3 3
xh = Ks * Yn = 0.05 [m /h*%] * 100[%] = 5 [m /h]
2.5.2 Strecke mit einem Speicher Eine Regelstrecke mit einem Speicher ist in Fig. 2-10 veranschaulicht.
(Strecke 1. Ordnung) Sie zeigt einen elektrisch beheizbaren Warmwasserbehälter. Das
Rührwerk sorgt dafür, dass die Wassertemperatur im Behälter gleich-
mässig verteilt wird. Einziger wesentlicher Speicher ist das Wasser.
Die Speicherwirkung des Heizeinsatzes, des Gefässes und des Ther-
mometers sind so klein, dass sie hier vernachlässigt werden. Die Ein-
gangsgrösse der Strecke ist die Stellung y des Elektroschalters 1 und
Ausgangsgrösse ist die Flüssigkeitstemperatur x, die mit dem Thermo-
meter 4 gemessen wird. Wenn der Schalter geöffnet ist (Stellgrösse
y1). betrage die angenommene Flüssigkeitstemperatur x1 20 °C.
4 3 1
∆ y = Yh
0 t
T0
°C
1 2 50 X2
40
∆ x = Xh
30
20 X1
t
T0
Ts B32-9
5 × Ts
Fig. 2-10 Beispiel und Übergangsfunktion einer Strecke mit einem Speicher
1 Elektroschalter
2 Heizelement
3 Rührwerk
4 Temperaturanzeige (Thermometer)
y Sprungfunktion
x Sprungantwort
32
Ob Wärme, Druck oder Elektrizität (Kondensator) gespeichert wird,
immer entsteht bei einer sprungförmigen Änderung der Eingangs-
grösse für einen Speicher physikalisch und mathematisch dieselbe
Ladekurve, eine sogenannte Exponentialfunktion (e-Funktion).
ϑ y
%
ϑ 100
63,2
∆ϑ
ϑ 0 t
T s1 T s2 Ts3 Ts4 Ts5
5 * Ts
B32-10
In der Praxis
• wird für die Zeitkonstante TS die Zeit angegeben, die vergeht,
bis rund 2/3 der Ausgangsgrössen-Änderung x erreicht sind
(Genau: 63,2 %)
• Nach 5 Zeitkonstanten sind rund 100 % der Ausgangsgrössen-
Änderung erreicht (Genau: 99,3 %)
33
2.5.3 Strecke mit Totzeit Die Fig. 2-12 zeigt ein Beispiel für eine Regelstrecke mit Totzeit. Es
(Verzögerungsglied) handelt sich dabei um eine Mischwasserstrecke mit einem
Handmischer 1, einer Rohrleitung 2 und in einer gewissen Entfernung
montiert ein Temperaturfühler 3 (die Speicherkapazität der Rohrleitung
wird vernachlässigt). Eingangsgrösse (Stellgrösse y) ist die Stellung
des Handmischers und Ausgangsgrösse (Regelgrösse x) die gemesse-
ne Mischwassertemperatur.
y
%
1
60
60 °C 2 v
A AB ∆y
T 3
B
l 0 t
t0
10 °C
l
Tt = x
v
40
10 t
t0
Tt
B32-11
Die Totzeit Tt ist also die Zeit, die vergeht, bis sich eine am Stellort vor-
genommene Stellgrössenänderung y am Messort als Regelgrössen-
änderung x auszuwirken beginnt, d.h. bis die Ausgangsgrösse auf
eine Änderung der Eingangsgrösse reagieren kann. Die Totzeit ist
somit Transport-, Lauf- oder Durchflusszeit von Wasser, Dampf, Luft
usw. und daher abhängig von der Distanz Stellort – Messort.
34
2.5.4 Strecke mit einem Speicher und In der Praxis tritt die in Fig. 2-12 gezeigte Sprungantwort der Regel-
Totzeit (Strecke 1. Ordnung mit grösse kaum auf. Die Masse von Anlageteile (Ventil, Rohrleitung) und
Verzögerungsglied) Fühler speichern Wärmeenergie. Dies führt zu einem langsameren
Übergangsverhalten der Strecke.
Die Sprungantwort ist durch die Totzeit Tt, die Zeitkonstante TS und den
Übertragungsbeiwert KS gekennzeichnet.
y
%
1
60
60 °C 2 v
A AB ∆y
T 3
B
l 0 t
t0
10 °C
l
Tt = x
v
40
10 t
t0 s
Tt TS
B32-17
(Mischwassertemperatur-Regelstrecke)
1 Handmischer
2 Rohrleitung
3 Träger Temperaturfühler
35
2.5.5 Strecke mit mehreren Speichern
(Strecke n-ter Ordnung)
Mehrspeicherstrecke In der Praxis sind meistens Regelstrecken anzutreffen, in denen zwei
oder mehrere Speicher vorkommen. Beispiele für solche Strecken
sind:
• Heizungsanlagen mit Ventil, Warmwasser-Vorlauf, Radiator, Raum
• Lüftungsanlage mit Ventil, Heizregister, Zuluftkanal, Raum
[%]
100
3 T
2 ∆ y = Yh
0
T0
1 [°C]
X2
40
P ∆ x = Xh
X1
10
T0 [min]
B32-12
1 Heizkessel
2 Radiator
3 Raumtemperaturfühler
x1, x2 Beharrungszustände
P Wendepunkt
∆y =Y h
0 t
T0
x
[°C]
40
P
∆x
10 t
T0 T1 T2
B32-13
Tu Tg
Fig. 2-15 Bestimmen der Verzugszeit TU und der Ausgleichszeit Tg bei einer
Mehrspeicherstrecke
P Wendepunkt
TU Verzugszeit
Tg Ausgleichszeit
37
y
Yh
t
0
Tg 6
x Tg 5
Tg 4
Tg 3
Tg 2
Ts
1’ 2’ 3’ 4’ 5’
6’
Xh
n=0 n=1 n=2 n=3 n=4 n=5 n=6
1 2 3 4 5 6
t
Tu
2 B32-14
Tu
3
Tu
4
Tu
5
Tu
6
Schwierigkeitsgrad S = Tt resp. Tu
Ts Tg
2. Klimatechnik
Mischtemperatur (Luft) 1s 0,3…0,8 0…40 K
Zulufttemperatur je nach Anlage 15 s…4 min 0,2…0,6 20…50 K
Raumtemperatur 0,5…3 min 0,1…0,3 6…10 K
Ablufttemperatur 0,5…3 min 0,2…0,4 6…10 K
Wäscheraustrittstemperatur 10 s…2 min 0,1…0,3 20…25 K
(je nach Anlage)
Raumfeuchte inkl. Feuchtefühler 0,5…3 min 0,2…0,5 20…70% r.F.
Volumenstrom (Luft) <1s 0,1…0,5
39
S
Tg
B32-15
2.7 Beschreibung der Regelstrecke Die Beschreibung einer Regelstrecke durch den Schwingversuch (nach
durch den Schwingversuch Ziegler und Nichols) erfolgt im geschlossenen Regelkreis. Durch
Vergrössern der Regelverstärkung Kp und Verändern des Sollwertes
bringt man den Regelkreis in stationäre «periodische» Schwingungen
T0 kritisch, d.h. an seine Stabilitätsgrenze.
Der Zeitfaktor T0 kritisch dieser Schwingung ist typisch für die jeweilige
Anlage (Strecke) und nach Ziegler und Nichols ein Mass für die
Einstellparameter des Regelers.
2.8 Beschreibung der Regelstrecke Bei der Beschreibung einer Regelstrecke durch den Frequenzgang
durch den Frequenzgang werden anstelle der sprungförmigen Änderung der Eingangsgrösse
Sinus-Schwingungen verwendet, deren Amplitude konstant und deren
Frequenz veränderlich sind. Wenn diese Eingangs-Schwingungen für
die betreffende Regelstrecke nicht zu schnell sind, wird die
Ausgangsgrösse, d.h. die Regelgrösse x, im gleichen Rhythmus
Schwingungen ausführen. Diese Schwingungen der Regelgrösse stel-
len die Schwingungsantwort dar.
40
Ganz allgemein kann gesagt werden:
• Die Schwingungsantwort ist der zeitliche Verlauf der
Ausgangsgrösse im ngeschwungenen Zustand bei sinusförmiger
Eingangsgrösse.
• Frequenzgang ist die Gesamtheit aller Schwingungsantworten
einer Regelstrecke für verschiedene Frequenzen.
41
3. Die Regler
3.1 Einleitung
Regler Wie bereits im Kapitel 1 erwähnt, hat ein Regler die Aufgabe, automa-
tisch eine Änderung der Stellgrösse y zu bewirken, um eine durch eine
Führungsgrössen-Änderung oder Störung verursachte Regeldifferenz e
zu beseitigen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss der Regler
dauernd den Wert der Regelgrösse messen (Fühler) und mit dem
Sollwert w vergleichen. Abhängig vom Ergebnis dieses Vergleiches
wird dann ein geeignetes Stellglied so verstellt, dass die aufgetretene
Regeldifferenz beseitigt wird, d.h. die Regelgrösse wieder den
Sollwert erreicht.
B33-1a
1 SolIwertgeber
2 Fühler
3 Regler
3.1 Vergleicher
3.2 Regelalgorithmus (Verstärker und Regelverhalten)
4 Stellantrieb
e Regeldifferenz (w – x)
w Führungsgrösse
x Regelgrösse
y Stellgrösse
Bei der praktischen Ausführung sind oft zwei oder mehr der darge-
stellten Blöcke konstruktiv zu einem Bauteil zusammengefasst, z.B.
Regler, Stellantrieb (Das Stellglied des Stellgerätes gehört zur
Regelstrecke und nicht zur Regeleinrichtung).
42
3.2 Einteilung der Regler Bei den Reglern gibt es eine grosse Zahl von verschiedenen
Ausführungen. Sie lassen sich aber in eine relativ kleine Anzahl von
Gruppen einteilen. Diese Gruppen-Einteilung wiederum kann nach ver-
schiedenen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Regler lassen
sich also z.B. unterscheiden:
3.2.1 Einteilung nach der Anwendung Für die Regelung von HLK-Anlagen gibt es Einzweckregler und univer-
selle Regler. Sie unterscheiden sich z.B. durch die Einstellbarkeit von
Funktion, physikalische Art der Regelgrösse, Fühlerart, Sollwert- und
Fühlerbereich, Wirkrichtung, Regelparameter, Stellgrössenausgabe
(mögliche Bauart des Stellantriebes) u.a.. Diese können fixiert, einge-
schränkt- oder universell einstellbar sein.
Einzweckregler, Standardregler Sie sind für bestimmte Anwendungen ausgelegt (z.B. Heizungsregler).
Die Einstellbarkeit ist auf die Anwendung begrenzt und eingeschränkt.
Teile der oben genannten Einstellungen sind fixiert. Die Einstellwerte
entsprechen im Auslieferungszustand typischen Betriebswerten.
Das Ziel dieser Eingrenzungen ist die Kostenoptimierung für Regler
(Produkt) und Inbetriebnahme.
3.2.2 Einteilung nach der Art Je nachdem, ob es sich bei der zu regelnden Grösse um eine
der Regelgrösse Temperatur, einen Druck, eine Feuchte usw. handelt, spricht man von:
• Temperatur-Regler
• Druck-Regler
• Feuchte-Regler
• Luftqualitäts-Regler
• Luftgeschwindigkeits-Regler
• usw.
43
3.2.3 Einteilung nach der Hilfsenergie Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:
• Regler ohne Hilfsenergie
• Regler mit Hilfsenergie
[Link] Regler ohne Hilfsenergie Regler ohne Hilfsenergie entnehmen die Stellkraft zur Betätigung des
Stellgliedes dem Messwerk (Fühler) selbst. Der Vergleich zwischen
Istwert und Sollwert erfolgt mechanisch nach dem Prinzip des Kraft-
oder Wegvergleiches, z.B. Niveau-Regler mit Schwimmer (Fig. 3-2).
Hier bewirkt eine Höhenänderung des Schwimmers 1 über den
Hebelarm 3 eine Hubänderung des Schiebers 2.
3
1
w
Q
1
B33-2
[Link] Regler mit Hilfsenergie In den meisten Messwerken (Fühler zur Erfassung der Regelgrösse)
ist die zur Verfügung stehende Energie viel zu klein, um direkt ein
Stellglied betätigen zu können. Es ist deshalb eine Hilfsenergie nötig,
welche die Verstellung des Stellgliedes bewirkt. Dazu dosiert ein
Verstärker die dem Stellantrieb zuzuführende Stellenergie und damit
auch den Ventilhub entsprechend den «Angaben» des Fühlers resp.
Vergleichers. Als Hilfsenergie kommt vor allem Elektrizität, Druckluft
oder Drucköl in Frage. Je nach der Art der eingesetzten Hilfsenergie
unterscheidet man:
• Elektrische (elektronische) Regler
• Pneumatische Regler
• Hydraulische Regler
• usw.
44
Hilfsenergie Elektrizität Für die Verwendung der Elektrizität als Hilfsenergie sprechen vor allem
folgende Vorteile:
• Die Übertragung der Messwerte und Regelbefehle, sowie oft
auch eine Ferneinstellung des Sollwertes ist auf grosse Entfernung
möglich.
• Elektrische Leitungen können fast überall verlegt werden.
• Die Installation kann durch jede Elektrofirma vorgenommen
werden.
• Da im Regler praktisch keine beweglichen Teile vorhanden sind,
sind sie anspruchslos in der Wartung und haben eine praktisch
unbegrenzte Lebensdauer.
3.2.4 Einteilung nach der Wirkrichtung Die Wirkrichtung eines Reglers ist seine Änderungsrichtung der Aus-
gangsgrösse y aufgrund einer Änderungsrichtung der Eingangsgrösse
x. Sie kann gleichläufig oder gegenläufig sein. Die Funktion des ent-
sprechenden Reglers im Regelkreis dient zum
100 % 100 %
0% 0%
B31-17
Definition der Wirkrichtung: • Die Stellgrösse steigt, wenn die Regelgrösse (bzw. der Istwert x)
– Gleichläufig steigt.
• Der Regler stellt seinen Ausgang nur aktiv,
wenn e = w – x < 0 ist.
– Gegenläufig • Die Stellgrösse steigt, wenn die Regelgrösse (bzw. der Istwert x)
sinkt.
• Der Regler stellt seinen Ausgang nur aktiv,
wenn e = w – x > 0 ist.
Anwendung der Wikrichtungen Gegenläufige Wirkrichtung wird z.B. für Heizungsregler verwendet.
Gleichläufige Wirkrichtung wird z.B. für Kühlungsregler verwendet.
Es gibt auch Regler, deren Wirkrichtung im Anlagebetrieb gewechselt
werden kann (in Englisch spricht man von «changeover»). Sie werden
in Anlagen eingesetzt, bei denen in demselben Verteiler- und
Verbraucherkreis je nach Jahreszeit entweder Warmwasser bzw.
Warmluft zum Heizen, oder Kaltwasser bzw. Kaltluft zum Kühlen
geführt wird.
[Link] Stetige Regler Stetige Regler erfassen ihre Regeldifferenz e mit Vorzeichen und über
den ganzen Wertebereich (fast) stufenlos. Ihre Stellgeschwindigkeit
kann von Null bis zu einem Maximalwert kontinuierlich in beiden
Richtungen verändert werden und die Stellgrösse kann innerhalb des
gesamten StelIbereiches Yh jede beliebige Zwischenstellung anneh-
men und somit auf die für die Einhaltung des Sollwertes notwendige
Position gebracht werden.
[Link] Unstetige (stufige) Regler Stufige Regler können ihre Ausgangsgrösse (Stellgrösse y) innerhalb
des ganzen Stellbereiches Yh nur in 2 oder mehrere fest vorgegebene
Werte (z.B. 0, 33, 66, 100 %) stellen. Der Übergang von einem zum
anderen Wert erfolgt sprungartig (unstetig). Je nach der Anzahl der
Stell-Positionen, die stufige Regler anzusteuern vermögen, unterschei-
det man zwischen:
– Proportional-Regler P-Regler
– Integral-Regler I-Regler
– Proportional-Integral-Regler PI-Regler
– Proportional-Differential-Regler PD-Regler
– Proportional-Integral-Differential-Regler PID-Regler
46
3.3 Statisches und dynamisches Ein Regler 1 (Fig. 3-4) kann als Regelkreisglied aufgefasst werden mit
Verhalten des Reglers der Regeldifferenz e als Eingangsgrösse und der Stellgrösse y als
Ausgangsgrösse. Da aber der Vergleicher 2 eine reglerinterne
Schaltung und damit e eine reglerinterne Grösse ist, wird bei konstan-
ter Führungsgrösse w auch die Regelgrösse x als Eingangsgrösse
bezeichnet.
B33-3
1 Regler
2 Vergleicher
e Regeldifferenz
w Führungsgrösse
x Regelgrösse
y StelIgrösse
Von entscheidender Bedeutung für die Auswahl eines Reglers und für
die im Zusammenwirken mit der Strecke zu erreichenden Regelgüte
ist nun, wie rasch, wie stark und wie lang der Regler bei einer anste-
henden Regeldifferenz e das Stellglied verstellt. Dies kann – wie bei
den Regelstrecken – durch das statische und dynamische Verhalten
des Reglers beschrieben werden.
3.3.1 Statisches Verhalten Unter dem statischen Verhalten eines Reglers versteht man den Zu-
des Reglers sammenhang zwischen der Ausgangsgrösse a (Stellgrösse y) und der
Eingangsgrösse e (Regelgrösse x resp. Regeldifferenz e) im
Beharrungszustand. Wichtig ist, wie gross die Stellgrössen-Änderung
y im Verhältnis zu einer Regelgrössen-Änderung x ist. Dieses
Verhältnis, das als Übertragungsbeiwert KR des Reglers bezeichnet
wird, lässt sich wie folgt berechnen:
3.3.2 Dynamisches Verhalten Das dynamische Verhalten eines Reglers – auch Übertragungsverhal-
des Reglers ten oder Zeitverhalten genannt – beschreibt den zeitlichen Verlauf der
Ausgangsgrösse des Reglers (Stellgrösse y) bei einer Änderung seiner
Eingangsgrösse (Regelgrösse x). Da die Kenngrössen einer zu regeln-
den Anlage (Tu, Tg, KS) meistens gegeben und nicht beeinflussbar sind,
muss zur Erreichung einer optimalen Regelgüte das Zeitverhalten des
Reglers der Anlage angepasst werden. Dieses Zeitverhalten muss im
Regler erzeugt werden und ist meistens einstellbar.
Sprungantwort Aufschluss über das Zeitverhalten eines Reglers gibt seine Sprung-
antwort. Um diese zu erhalten, ändert man bei geöffnetem Regelkreis
die Eingangsgrösse des Reglers (Regeldifferenz e) sprungförmig um
einen beliebigen Wert (z.B. durch Sollwert-Änderung) und zeichnet auf
einem Registriergerät den Verlauf der Ausgangsgrösse (Stellgrösse y)
in Abhängigkeit von der Zeit auf. Die so erhaltene Kurve zeigt dann 47
das dynamische Verhalten (Übergangsverhalten) des Reglers auf.
3.4 Das P, PI, PID Übertragungsverhalten
3.4.1 Der Proportional-Regler (P-Regler)
[Link] Wirkungsweise Am einfachsten ist die Wirkungsweise eines P-Reglers am Beispiel
einer mechanischen Wasserstands-Regelung gemäss Fig. 3-5 zu erklä-
ren. Man erkennt hier einen offenen Wasserbehälter mit verstellbarem
Zufluss (Schieber 1) und veränderlichem Abfluss (Schieber 2). Die
Regelung besteht aus dem Schwimmer 3 (Fühler), dem Hebelarm a +
b (Vergleicher und Verstärker) und dem Schieber 1 (Stellglied). Die
Eingangsgrösse des Reglers, die Regelgrösse x, ist die vom
Schwimmer gemessene Höhe des Wasserspiegels. Die Ausgangs-
grösse, die Stellgrösse y, ist die Stellung des Schiebers 1 in der
Zuflussleitung. Die veränderliche Wasserentnahme (abhängig von der
Stellung des Schiebers 2) stellt die Last Q der Anlage dar. Die Re-
gelung soll nun bewirken, dass der Wasserstand im Behälter trotz
schwankender Last (Wasserentnahme) möglichst konstant bleibt. Der
gewünschte Wasserstand (Sollwert w) ist durch die Befestigungs-
Höhe h des Hebelarmes gegeben.
h
4 5
a b
1
Yh V1 x
230 cm
3
Xp 200 w
170
B33-4
V2
75
50
0 V2, Q
0 50 75 100 %
B33-5
P
Fig. 3-6 Proportionaler Zusammenhang von Wasserentnahme V2 (Last) und
Wasserzufluss V1 resp. Stellgrösse y
Q Last
P Festgelegter Arbeitspunkt
Lastabhängiger Regler Damit aber der vom Schwimmer 3 betätigte Schieber 1 mehr öffnen
kann, muss zwangsläufig der Schwimmer und damit der Wasser-
spiegel (Regelgrösse x) um einen bestimmten Betrag absinken (Fig. 3-6,
gestrichelte Linie). Dies bedeutet aber, dass nun ein vom Sollwert
w verschiedener Wert der Regelgrösse x aufrechterhalten wird.
P-Regler haben somit den grossen Nachteil, dass sie nicht in der Lage
sind, in jedem Lastzustand die Regelgrösse auf dem gewünschten
Wert konstant zu halten, d.h. sie sind lastabhängig.
Aus der Fig. 3-6 ist auch ersichtlich, dass zu jedem Lastzustand Q ein
bestimmter Hub des Schiebers 1 (Stellgrösse y) und damit wiederum
ein entsprechender Schwimmerstand (Regelgrösse x) gehört.
Die Ausgangsgrösse des P-Reglers, die Stellgrösse y, ist somit
proportional zur Eingangsgrösse, der Regelgrösse x, resp. der
Regeldifferenz e, d.h. jedem Wert der Eingangsgrösse ist ein
bestimmter Wert der Ausgangsgrösse fest zugeordnet. Bei einer
Laständerung entsteht eine Abweichung der Regelgrösse x gegenüber
dem Sollwert w, die proportional mit der Last und damit mit der Öff-
nung des Schiebers 1 (Stellgrösse y) ansteigt. Diese verbleibende
Abweichung vom Sollwert wird bleibende Regeldifferenz oder
P-Abweichung eb genannt.
49
[Link] Die Kenngrösse und statische Aus der Fig. 3-5 ist ersichtlich, dass sich der Wasserstand (Regel-
Kennlinie des P-Reglers grösse x) um einen ganz bestimmten Bereich ändern muss, damit der
Schieber 1 (Stellgrösse y) seinen vollen Hub Yh durchläuft. Dieser
Bereich – als charakteristische Grösse des P-Reglers (Kenngrösse) –
wird Proportional-Bereich Xp, kurz P-Bereich Xp genannt.
P-Bereich Xp Der P-Bereich Xp ist der Bereich, um den sich die Regelgrösse x
ändern muss, um die Stellgrösse y über den gesamten Stellbereich Yh
zu verstellen. Dieser Zusammenhang wird durch die statische Kenn-
linie des P-Reglers dargestellt (Fig. 3-7).
y
Xp ∆
P
%
∆
100
∆x
P
50 Yh
∆y
0 x
0 185 200 215 cm
Q
100 % w 0% B33-6
Fig. 3-7 Statische Kennlinie und P-Bereich Xp des P-Reglers gem. Fig. 3-5
x Regelgrössen-Änderung
y Stellgrössen-Änderung
Xp Proportionalbereich
Yh Stellbereich
KP Übertragungsbeiwert
Q Last
P Eichpunkt
50
Übertragungsbeiwert KP Aus der Fig. 3-7 ist auch ersichtlich, dass bei einer Änderung des
P-Bereiches Xp die statische Kennlinie des Reglers einfach um den
Eichpunkt P des Reglers – also um den Punkt auf der statischen
Kennlinie, bei dem der Istwert dem Sollwert entspricht, gedreht wird.
Bei grösseren Übersetzungsverhältnissen wird somit der P-Bereich Xp
kleiner und umgekehrt. Das Übersetzungsverhältnis ist aber nichts
anderes als der Übertragungsbeiwert KP des Reglers. Dieser defi-
niert die Stellgrössen-Änderung y bezogen auf die Regelgrössen-
Änderung x.
= Kp . x und da Kp = Y
y
h
y =
Yh . x
Xp Xp
Kp = 1 Kp = 100% Xp in % eingesetzt
Xp Xp
51
[Link] Das dynamische Verhalten Das dynamische Verhalten des P-Reglers kann durch die bereits
des P-Reglers bekannte Sprungantwort, d.h. die zeitliche Änderung der Ausgangs-
grösse (Stellgrösse y) bei einer sprungartigen Änderung der Eingangs-
grösse (Regelgrösse x), bei offenem Regelkreis gezeigt werden.
Der ideale P-Regler reagiert auf eine sprunghafte Änderung der
Regelgrösse x mit einer ebenfalls sprunghaften Änderung der
Stellgrösse y, wobei deren Höhe von der Regelgrössen-Änderung x
und vom eingestellten P-Bereich Xp abhängig ist.
Wie die Fig. 3-8 zeigt, ist die Stellgrössen-Änderung y für eine gege-
bene Regelgrössen-Änderung x bei einem P-Bereich Xp = 100 % nur
halb so gross wie bei einem Xp = 50 %. Die Stellgrösse y (Ausgangs-
grösse) ist also proportional zur Regelgrösse x (Eingangsgrösse) .
∆x
0
y
∆y
Xp = 100 % ∆
P
∆
t
y
∆y
P
Xp = 50 %
t B33-7
Merkmale des P-Reglers Die dynamische Kennlinie eines P-Reglers zeigt folgende wichtige
Punkte auf:
• Die Sprungantwort entspricht dem proportionalen Zusammenhang
zwischen Eingangssignal und Ausgangssignal.
• Dieser proportionale Zusammenhang ist der Grund dafür, dass der
P-Regler lastabhängig ist.
• Die Regelkorrektur folgt sofort der entsprechenden Regeldifferenz.
Der P-Regler ist somit ein schneller Regler.
• Die Grösse der Korrektur ist begrenzt (proportional zur
Abweichung), d.h. der Regler ist eigenstabil und kann deshalb auch
an Regelstrecken ohne Ausgleich stabil regeln.
52
[Link] Verschieben des Eichpunktes Wie die Wasserstandsregelung gemäss Fig. 3-5 zeigt, kann bei einem
P-Regler der eingestellte Sollwert w nur bei einer ganz bestimmten
Last, dem sog. Eichpunkt P, eingehalten werden (hier Last Q = 50 %).
Bei jeder anderen Last ergeben sich Regeldifferenzen innerhalb des
eingestellten P-Bereiches, die bleibende Regeldifferenz eb. Bei gewis-
sen P-Reglern kann nun sowohl die Grösse des P-Bereiches verändert
werden, wie auch der Eichpunkt P verschoben werden (Fig. 3-9). Der
P-Regler kann also so geeicht werden, dass der Sollwert z.B. bei Last
Q = 0 % oder Last Q = 80 % eingehalten wird. Dies hat dann aber zur
Folge, dass bei einer Eichung auf z.B. Last Q = 0 % die P-Abweichung
bei Last Q = 100 % gleich gross ist wie der P-Bereich und damit dop-
pelt so gross wie bei einer Eichung auf Last Q = 50 %. Bei gegebe-
nem P-Bereich ist somit die maximal mögliche P-Abweichung von der
Lage des Eichpunktes P abhängig. Kann der Eichpunkt P verändert
werden, so wird dieser so festgelegt, dass sowohl positive als auch
negative Störungen ausgeregelt werden können (z.B. bei Last Q = 50
%). Ist der am meisten vorkommende Lastzustand bekannt, so wird
der Eichpunkt P auf diesen Wert gelegt.
y
Xp
100 %
Yh
P
0% x
w
Q
100 % 0
y
Xp
100 %
P Yh
0% x
w
Q
100 % 0
y
Xp
100 % P
Yh
0% x
w
Q
100 % 0
B33-8
Fig. 3-9 Beispiele für das Verschieben des Eichpunktes P beim P-Regler
a) Eichung bei Last Q = 0 %
b) Eichung bei Last Q= 50 %
c) Eichung bei Last Q= 100%
53
3.4.2 Der Integral-Regler (I-Regler)
[Link] Allgemein: Beispiel 1 Integrieren bedeutet zusammenzählen, zusammenfassen. Es wird
also bei Regelkreisgliedern mit I-Verhalten die Ausgangsgrösse aus
der Summe der zeitlich folgenden Eingangsgrössen gebildet. An den
folgenden Beispielen wird der Zusammenhang erläutert
S0169
xe
xe
xa xe2
200 l/h
300 l/h xe 1
200 l/h t
xa Überlauf
xa2
xa1
200 l/h
t
Fig. 3-10 Behälter als Niveau-Regelstrecke, Beispiel für ein Regelkreisglied mit
integralem Verhalten.
va = KI * xe
54
[Link] Wirkungsweise: Beispiel 2 Die Wirkungsweise des l-Reglers wird an einer Druck-Regelstrecke
gemäss Fig. 3-11 erläutert. Man erkennt hier einen Druckkessel 1 mit
Speiseleitung 2, Ventil 3, mehreren Luft-Entnahmestellen (Last Q),
Manometer 4 und Druckfühler 5.
Der Druckfühler besteht aus einem Kolben mit Gegengewicht, der bei
veränderlichem Kesseldruck in seiner Position verstellt wird. Zweck
der Regelung ist, den Kesseldruck trotz veränderlicher Luftentnahme
konstant zu halten. Dieser wird durch die Sollwert-Einstellung – hier
durch das Gegengewicht zum vom Druckfühler gemessenen
Kesseldruck dargestellt – festgelegt.
Regelgrösse x und somit Eingangsgrösse des Reglers ist der
Kesseldruck. Ausgangsgrösse, die Stellgrösse y, ist der Hub des
Stellgliedes.
n [N/m2] = w
KI
8 7
10 9
6
y
4 5
3 Q
Q
2
Q
1
B33-9
a)
0 x
B33-10
w
Lastunabhängiger Regler Durch das Öffnen des Ventils 3 steigt nun der Druck im Kessel allmäh-
lich wieder an. Die Regeldifferenz e wird wieder kleiner und kleiner
und somit auch die Stellgeschwindigkeit vy. Der hydraulische Antrieb
läuft aber – wenn auch nur noch sehr langsam – so lange weiter, bis
der Schleifkontakt des Druckfühlers wieder seine ursprüngliche Lage
einnimmt, also keine Abweichung mehr vorhanden ist und somit auch
kein Ausgleichsstrom mehr durch den Ventilantrieb fliesst.
Der l-Regler beseitigt somit Regeldifferenzen vollständig, er ist lastun-
abhängig.
[Link] Die statische Kennlinie Da sich beim l-Regler die Stellgrösse verändert, solange eine Ab-
des I-Reglers weichung der Regelgrösse vom Sollwert besteht, ist der Regler lastun-
abhängig. Mit jeder beliebigen Regeldifferenz e und einer entspre-
chenden Zeitdauer, kann daher jeder beliebige Wert der Stellgrösse y
innerhalb des Stellbereiches Yh erreicht werden, d.h. das Stellglied
kann bis zu seinem Endanschlag laufen. In Beharrung besteht also
keine direkte Beziehung zwischen Regeldifferenz e und Stellgrösse y
wie beim P-Regler. Diesen Zusammenhang zeigt auch die statische
Kennlinie des l-Reglers (Fig. 3-13). Hingegen besteht selbstverständ-
lich ein proportionaler Zusammenhang zwischen der Last Q und der
Stellgrösse y.
y
100%
Yh
0 x
56 w B33-11
y
Ι
∆y
t
B33-12
∆t
Merkmale des I-Reglers Aus der Sprungantwort lassen sich folgende wichtige Eigenschaften
des l-Reglers ableiten:
Der l-Regler verhält sich dynamisch wie eine Strecke ohne Ausgleich:
Bei einer sprungförmigen Änderung des Eingangssignals (Regelgrösse
x resp. Regeldifferenz e) beginnt sich das Ausgangssignal (Stellgrösse
y) zeitlinear zu ändern, bis es durch Endwerte begrenzt wird (z.B.
Ventilhub = 0 ... 20 mm).
Dabei ist die Änderungsgeschwindigkeit der Ausgangsgrösse pro-
portional zur Eingangsgrössen-Änderung oder anders ausgedrückt:
die Stellgeschwindigkeit vy ist proportional zur Regeldifferenz e.
Hingegen besteht kein Zusammenhang zwischen der Regeldifferenz e
und der Ventilstellung y.
Da auch eine geringe Regeldifferenz e nach einer gewissen Zeit die für
die Erreichung des SolIwertes erforderliche StelIgrössen-Änderung
bewirkt, ist der l-Regler lastunabhängig.
Anwendung des I-Reglers Die Regelwirkung baut sich – im Gegensatz zum P-Regler – nur lang-
sam auf, da eine gewisse Zeit t verstreichen muss, bis die
Stellgrössen-Änderung einen bestimmten Betrag y erreicht hat.
Der l-Regler ist folglich ein zeitabhängiger Regler.
y = Kı . e . t
57
3.4.3 Der Proportional-Integral-Regler
(PI-Regler)
[Link] Wirkungsweise und Einen Pl-Regler kann man sich so vorstellen, als wenn ein P-Regler
Sprungantwort und ein l-Regler parallel geschaltet wären (Fig. 3-15). Dadurch werden
die Vorzüge des P-Reglers (schnell) und des l-Reglers (lastunabhängig)
miteinander vereint.
+
e + y
I
PΙ
B33-13
Die Sprungantwort eines Pl-Reglers (Fig. 3-16) ergibt sich folglich aus
der Summe der Sprungantworten eines P- und eines l-Reglers, d.h. sie
besteht aus einem proportionalen Anteil (P-Anteil) und einem überla-
gerten integralen Anteil (I-Anteil):
e
0
y
PI
∆y I
P ∆y P I
I ∆y P
t
t0 t1 B33-14
yP = KP * e
Wegen des l-Anteils bleibt das Ventil nun jedoch nicht in dieser
Stellung stehen, sondern läuft von dort mit einer vom Integrierbeiwert
Kl des I-Reglers abhängigen und der Regeldifferenz e proportionalen
Stellgeschwindigkeit vy weiter, bis es durch Endanschläge – z.B.
Ventilhub = 0 ... 20 mm – begrenzt wird.
vy = Kl * e
Nach einer bestimmten Zeit (t0 … t1) setzt sich somit die Stellgrössen-
Änderung yPI zusammen aus den beiden Grössen
[Link] Die Kenngrössen des PI-Reglers Das dynamische Verhalten des Pl-Reglers wird durch 2 einstellbare
Kenngrössen bestimmt (Fig. 3-17):
P-Bereich XP 1. Die erste Kenngrösse ist der Proportionalbereich Xp (oder der Über-
tragungsbeiwert KP). Sie bestimmt die Höhe des P-Anteils.
Nachstellzeit Tn 2. Die zweite Kenngrösse ist die aus dem Integrierbeiwert Kl des
l-Reglers abgeleitete Nachstellzeit Tn. Diese wird in Sekunden oder
Minuten angegeben und kann auf 2 Arten definiert werden:
∆ y I = ∆y P
1
∆y P = KP
XP
t
Tn
1
∆yP = KP
XP
t
Tn
B33-15
Tn = Kp
Kı
59
Die beiden Kenngrössen Xp und Tn sind die Einstellparameter des PI-
Reglers und sind meistens einstellbar. Die Fig. 3-18 zeigt dazu einige
Sprungantworten bei gleichem Eingangssignal aber verschiedenen
Regler-Einstellungen. Durch die Einstellmöglichkeiten kann das dyna-
mische Verhalten des Reglers den Eigenschaften der Strecke ange-
passt werden. Es ergibt sich ein fast universell einsetzbarer Regler
hoher Qualität, dessen optimale Anpassung an die jeweilige Strecke
regeltechnische Kenntnisse verlangt.
e
y y
t t
y y
t t
B33-16
Auswirkung von XP Aus den in Fig. 3-18 gezeigten Sprungantworten geht hervor, dass bei
einem PI-Regler die Veränderung des P-Bandes Xp ein schwerwiegen-
derer Eingriff ist als eine Veränderung der Nachstellzeit Tn, weil sich
durch die Xp-Änderung nicht nur eine andere P-Verstellung, sondern
auch eine andere I-Verstellung ergibt (vergleiche a mit c und b mit d.
Eine Änderung der Nachstellzeit Tn führt nur zu einer anderen I-Ver-
stellung unter Beibehaltung der P-Verstellung (vergleiche a mit b und c
mit d).
Dieser Zusammenhang ist im Modell gem Fig. 3-26 (PID-Regler) noch-
mals erklärt und auch erkennbar.
60
3.4.4 Das Differenzierglied (D-Glied)
[Link] Allgemein: Beispiel 1 Als Regelkreisglied mit Differential-Verhalten (D-Verhalten) wurde ein
Beispiel aus der Elektrotechnik verwendet.
S0172A
B33-19
Fig. 3-19 RC- Glied mit zugehöriger Sprungantwort als Beispiel für ein Regelkreisglied
mit differentialem Verhalten. TD = Differential-Zeitkonstante
Merksatz: Bei Regelkreisgliedern mit D-Verhalten erhalten wir nur dann eine
Ausgangsgrösse, wenn sich die Eingangsgrösse ändert. Je schneller
sich die Eingangsgrösse ändert, desto grösser ist die Ausgangsgrösse.
xa = KD * ve
[Link] Wirkungsweise: Beispiel 2 Im geschlossenen Regelkreis wirkt sich bei Auftreten einer
Regeldifferenz eine rasche und entsprechend starke Verstellung der
Stellgrösse günstig aus auf eine kurze Ausregelzeit. Die bisher bespro-
chenen P-, I- und Pl-Regler erfüllen aber diese Forderungen nur teil-
weise. Vor allem bei Regelstrecken mit relativ grosser Totzeit wirkt sich
dies unangenehm aus, so dass es bei solchen Strecken nicht möglich
ist, eine Regeldifferenz kurzzeitig wieder auf Null zu [Link] die
genannten unerwünschten und langandauernden Regeldifferenzen zu
eliminieren, gibt man nun dem P- oder Pl-Regler eine «Vorahnung»
ein, so dass er anfänglich gegenüber dem reinen P- oder Pl-Regler
schneller und stärker reagiert. Er erhält ein Differenzierglied (D-Glied) –
auch Vorhalteglied genannt – dank dem zu Beginn einer Regeldifferenz
ein starker «Regelstoss» eingeleitet wird. Das D-Glied ermöglicht
somit, auch rasche Regelgrössen-Änderungen sehr rasch auszuregeln.
Ein Differenzierglied misst nicht die Grösse der Regeldifferenz e,
sondern deren Änderungsgeschwindigkeit. Es bewirkt somit eine
Änderung der Stellgrösse entsprechend der Änderungsgeschwindig-
keit der Regeldifferenz. Je schneller sich die Regelgrösse ändert,
desto stärker ist die Korrektur durch das Stellglied.
[Link] Die Sprungantwort Eine sprunghafte Änderung des Eingangssignals e gemäss Fig. 3-20a
des D-Gliedes bedeutet bei einem idealen D-Glied ein unendlich grosses
Ausgangssignal a, das im gleichen Augenblick wieder auf Null abfällt
(Fig. 3-20b), weil nach dem Sprung keine Änderung mehr erfolgt und
somit keine Änderungsgeschwindigkeit mehr vorliegt. Eine solche
Nadelfunktion ist aber in der Praxis nicht erreichbar, da kein Gerät
unendlich hohe Signale liefern kann.
e
t
B33-17
62
Wird nun im Zeitpunkt t0 der Kolben am Ring sprungförmig um einen
gewissen Betrag nach unten gezogen, wird wegen der Trägheit des
Öls der ganze Zylinder mitgezogen, so dass auf der linken Seite der
Anzeigepfeil um den entsprechenden Betrag nach oben steigt. Jetzt
bewirkt aber die gespannte Feder einen Überdruck auf der unteren
Seite des Kolbens, so dass nun Öl durch die Kolben-Öffnungen in die
obere Kammer des Zylinders strömt. Dadurch baut sich der Überdruck
wieder langsam ab und der Zylinder kann von der gespannten Feder
wieder in seine ursprüngliche Lage zurückgezogen werden. Die über
die Zeit betrachtete Hubänderung des Anzeigepfeils beschreibt dabei
eine Exponentialkurve, die mit der Differential-Zeitkonstante TD abklingt
(Fig. 3-21b).Die Rückström-Geschwindigkeit des Öls und damit die
Differential-Zeitkonstante TD kann im Modell durch den Durchmesser
der Rückström-Öffnungen beeinflusst werden.
63
[Link] Die Anstiegsantwort
(Rampenantwort) des D-Gliedes
Rampenantwort Die Anstiegsantwort zeigt den Verlauf der Ausgangsgrösse bei einem
plötzlich gleichmässig ansteigenden (rampenförmigen) Eingangssignal.
Diese Art Eingangssignal wird als Anstiegs- oder Rampenfunktion
bezeichnet. Das entsprechende Verhalten des Reglers an seinem
Ausgang y nennt man Anstiegsantwort oder Rampenantwort.
Die Rampenantwort (Fig. 3-22) eignet sich besser zur Kennzeichnung
eines D-Gliedes als die Sprungantwort. Aus ihr ist ersichtlich, dass sich
eine Stellgrössen-Änderung yD immer dann ergibt, wenn sich die
Änderungsgeschwindigkeit vx der Regelgrösse ändert (bei Beginn der
Änderung). Ist hingegen diese Änderungsgeschwindigkeit konstant
(während des Anstieges), so verharrt die Stellgrösse y auf dem Wert,
den sie bei der letzten Geschwindigkeits-Änderung der Regelgrösse x
eingenommen hat.
Beim D-Glied ist somit die Stellgrössen-Änderung yD proportional zur
Änderungsgeschwindigkeit vx der Regelgrösse.
0
vx
∆y D
t
B33-19
Differenzierbeiwert KD Die Kenngrösse des D-Gliedes ist der Differenzierbeiwert KD. Dieser
drückt das Verhältnis von Ausgangssignal-Änderung (Stellgrösse y) zu
Änderungsgeschwindigkeit des Eingangssignals (Regelgrösse x) aus
und gibt somit an, wie gross die Stellgrössen Änderung yD ist, wenn
sich die Änderungsgeschwindigkeit vx der Regelgrösse um eine
zugrunde gelegte Einheit (z.B. 1 K/min) ändert.
yD
KD =
Vx
yD = vx * KD
[Link] Anwendung des D-Gliedes Da mit dem D-Glied der Absolutwert der geregelten Grösse nicht
erfasst werden kann, kann dieses allein für eine Regelung nicht ver-
wendet werden. Als Zusatzeinrichtung zu P- oder Pl-Reglern – man
spricht dann von PD- oder PlD-Regler – hat es jedoch eine gewisse
Bedeutung bei der Regelung von Anlagen mit grösserer Totzeit. Der
Regler erhält durch das D-Glied einen «Vorhalt», d.h. er reagiert so, als
ob er die Änderung der Regelgrösse früher zu spüren bekommen
64 hätte. Die schädlichen Auswirkungen der Totzeit können dadurch ver-
kleinert werden.
3.4.5 Der Proportional-Differential-
Regler (PD-Regler)
[Link] Wirkungsweise und Einen PD-Regler kann man sich als Parallelschaltung eines
Sprungantwort Proportional-Reglers (P-Regler) und eines Differenziergliedes (D-Glied)
vorstellen (Fig. 3-23a). Er erfasst nicht nur die Grösse der
Regeldifferenz e, sondern – dank dem D-Glied – auch ihre Änderungs-
geschwindigkeit vx. Der an sich schon schnelle P-Regler wird dadurch
noch wirksamer gemacht.
e y
D
PD
P
t
TD
B33-20
65
[Link] Die Anstiegsantwort Wie beim D-Glied, so eignet sich auch hier die Anstiegsfunktion (siehe
des PD-Reglers Pkt. 3.5.2) besser zur Beschreibung des PD-Reglers als die
Sprungantwort.
In der Fig. 3-24 zeigt die gestrichelte Linie die Reaktion eines reinen
P-Reglers auf die Anstiegsfunktion. Beim PD-Regler hingegen wird bei
Beginn der Anstiegsfunktion eine der Änderungsgeschwindigkeit vx
entsprechende proportionale Verstellung yD des Stellgliedes bewirkt.
Nachher verläuft die Stellgrösse entsprechend dem proportionalen An-
teil, also parallel zur gestrichelt gezeichneten Gerade des P-Reglers, da
ja die Änderungsgeschwindigkeit vx der Regelgrösse nun konstant ist.
e
0
y
PD
P
∆y P
∆y P D D
∆y D
t
Tv
B33-21
[Link] Die Kenngrössen des PD-Reglers Wie früher schon erwähnt und aus Fig. 3-24 ersichtlich, setzt sich
beim PD-Regler die Stellgrössen-Änderung nach der Zeit Tv aus der
Summe der P-Verstellung und der Verstellung durch das D-Glied
zusammen:
Tv = KD
Kp
Nach Ersetzen des Differenzierbeiwertes KD durch die Vorhaltezeit Tv
ergibt sich für die Stellgrössen-Änderung des PD-Reglers:
e y
PID
I
D
1
= KP
XP
t
Tn
B33-22
Die Sprungantwort des PlD-Reglers (Fig. 3-25b) setzt sich aus der
additiven Überlagerung des P-Anteils, des l-Anteils und des D-Anteils
zusammen. Sie zeigt, dass am Anfang eine grosse Stellgrössen-Ände-
rung durch das D-Glied erfolgt. Dadurch wird erreicht, dass sich infolge
einer Störung keine allzu grosse Regeldifferenz ausbilden kann.
Anschliessend wird die Stellgrösse y fast bis zum Anteil des P-Reglers
zurückgenommen, um hierauf entsprechend dem Einfluss des
l-Anteils wieder linear anzusteigen. Der PlD-Regler regelt dank dem
I-Anteil Sollwert-Änderungen und Störungen ohne bleibende
Abweichung aus und ist schneller als ein Pl- oder P-Regler. Er ist
besonders geeignet für schwierige Regelstrecken.
In Fachbüchern wird der Zusammenhang meist als eine Parallel-
schaltung der Anteile P, I und D dargestellt (Fig. 3-25). In der Realität
der Signalverarbeitung im Regler ist zu beachten, dass sich der 67
P-Anteil (KP) auch auf den I- und D-Anteil auswirkt (Fig. 3-26).
P
PID
P I
e (t) K P *e(t)
y
B33-30
[Link] Die Kenngrössen Das dynamische Verhalten des PlD-Reglers wird durch 3 einstellbare
des PID-Reglers Kenngrössen bestimmt:
• Proportionalband Xp (resp. Übertragungsbeiwert KP): Dieses
bestimmt die Höhe des P-Anteils. Je kleiner Xp gewählt wird (resp.
je grösser KP), desto grösser ist der P-Anteil.
• Nachstellzeit Tn: Sie bestimmt die Anstiegsgeschwindigkeit des
I-Anteils. Je kleiner Tn, desto steiler wird der Anstieg.
• Vorhaltezeit Tv: Diese bestimmt die Wirkung des D-Anteils. Je grös-
ser Tv gewählt wird, desto grösser (höher und weiter) wird die
Fläche und damit die Wirkung des D-Anteils.
Auswirkung von Xp Wie bei den PI-Reglern ist die Veränderung des P-Bandes Xp ein
schwerwiegenderer Eingriff als eine Veränderung der Nachstellzeit Tn
oder der Vorhaltezeit Tv, weil durch die Xp-Änderung nicht nur eine
andere P-Wirkung, sondern auch die Wirkung von I- und D-beeinflusst
wird. (im Modell gem. Fig. 3-26 erkennbar).
Eine Änderung der Nachstellzeit Tn oder der Vorhaltezeit Tv hingegen
führt nur zu einer anderen I- resp. D-Verstellung unter Beibehaltung
der P-Wirkung.
Anwendung des PID-Reglers Die 3 Einstellgrössen erlauben eine optimale Anpassung des Reglers
an die gegebene Regelstrecke. Deren richtige Einstellung verlangt ein-
gehende Kenntnisse der Regeltechnik. PID-Regler werden daher nur
dort eingesetzt, wo die hohen Anforderungen der Regelstrecke einen
entsprechenden Aufwand für die Inbetriebnahme rechtfertigen.
Eine typische Anwendung für PID-Regler in der HLK-Technik ist die
Brauchwasserbereitung. Die Anforderungen an diese Regelaufgabe
sind hoch, da einerseits die Regelstrecke sehr schnell und schwierig
ist – sie besteht lediglich aus dem Rohrstück zwischen Ventil und
Fühler, d. h. einen wesentlichen Anteil dieser Strecke bildet die Totzeit
(Fliesszeit des Wassers durch das Rohrstück) – anderseits auch relativ
schnelle Störungen auftreten können.
Diese Anwendung erfordert nicht nur einen PID-Regler, sondern auch
einen schnellen Fühler und einen schnellen Stellantrieb, um den
schnellen Störgrössen auch schnell entgegenwirken zu können. Auf
plötzliche Wassertemperaturschwankungen reagiert der Mensch
empfindlich.
68
3.5 Der Zweipunkt-Regler
3.5.1 Wirkungsweise Bei den Zweipunktreglern kann die Stellgrösse nur 2 Zustände anneh-
men, ein oder aus. Es sind meistens elektrische Kontakt-Regler (z.B.
Thermostaten). Die Wirkungsweise wird am Beispiel eines
Kesseltemperaturreglers gem. Fig. 3-27 veranschaulicht.
y xu xo
SD
100 %
0 x
w B33-24
70
Einschaltverhältnis Durch die Arbeitsweise des Zweipunkt-Reglers wird an die geregelte
Anlage (z.B. Kesselwasser) zyklisch die volle Leistung abgegeben
(Brenner ein). Die Ein-Dauer ist dabei abhängig von der Last, d.h. je
mehr heisses Kesselwasser benötigt wird, umso länger bleibt der
Brenner eingeschaltet. Der Quotient, gebildet aus der Ein-Dauer te und
der Zyklusdauer tz, wird als Einschaltverhältnis (epsilon) bezeichnet
(Fig. 3-29).
Einschaltverhältnis = te
tz
100 %
Yh y = Yh · ε
0 t
te ta B33-25
tZ
y = Yh *
Q = Qmax *
71
3.5.3 Zweipunktregler mit Rückführung Die beträchtlichen Schwankungen der Regelgrösse x, die sich mit ein-
fachen Zweipunkt-Reglern ergeben, sind in vielen Regelkreisen uner-
wünscht oder nicht zulässig. Sie rühren vor allem daher, dass der
Regler die Stellgrösse (z.B. Brenner) zu lange ein- und ausgeschaltet
lässt.
Wird nun aber ein reiner Zweipunkt-Regler mit einer verzögernden
thermischen resp. elektronischen Rückführung versehen, so kann die
Schwankungsbreite der Regelgrösse erheblich verkleinert, d.h. sogar
viel kleiner als die Schaltdifferenz des Reglers gemacht werden.
[Link] Aufbau und Wirkungsweise Beim einfachen Bimetall-Raumthermostat (Fig. 3-30) besteht die
Rückführung aus einem kleinen, in der Nähe des Bimetalls 1 ange-
brachten Heizwiderstand 3. Dieser Widerstand wird gleichzeitig mit
der eigentlichen Raumheizung 5 eingeschaltet, d.h. an Spannung
gelegt und erwärmt das Bimetall zusammen mit der Raumtemperatur.
Durch diese zusätzliche und raschere Erwärmung des Bimetalls – die
Zeitkonstante der Rückführung ist sehr kurz im Verhältnis zur
Zeitkonstante des Raumes – täuscht man dem Bimetall vor, die
Raumtemperatur habe ihren Sollwert erreicht. Somit schaltet der
Regler die Raumheizung und die Rückführung wieder aus, lange bevor
der Wohnraum infolge Totzeit, Wärmeträgheit und Schaltdifferenz über-
heizt wird.
N S
Ph
21 °C 19 °C
20 °C
B33-26
3.6.1 Ein einfacher Dreipunktregler Diesen Dreipunkt-Regler stellen wir uns als Kombination von 2 Ther-
mostaten vor, einer zum Heizen (Kontakt y1) und einer zum Kühlen
(Kontakt y2). Unterhalb einer Raumtemperatur von 19 °C schaltet y1
eine Elektroheizung ein und bei 19,5 °C wieder aus. Überhalb einer
Raumtemperatur von 21 °C schaltet y2 ein Kälteaggregat ein und bei
20,5 °C wieder aus. Die Kontakt-Ausgänge y1 und y2 bewirken also
Heizen – Aus – Kühlen.
SD SD
xDZ
w y1
y2
x B33-28
75
3.6.2 Dreipunktregler mit Die mit Ventilen, Hähnen und Klappen von HLK-Anlagen häufig einge-
quasi-stetigem Regelergebnis setzten elektromotorischen und elektrohydraulischen Stellantriebe
haben eine konstante Laufzeit. Für den I-Anteil eines PI-Reglers ist
jedoch eine zum Eingangssignal proportionale Stellgeschwindigkeit der
Antriebe erforderlich.
Quasistetige 3-Punkt Regler lösen diese Aufgabe, indem sie entspre-
chend der Änderung des I-Anteils die Laufzeit des Motors in entspre-
chende Schritte aufteilen. Dadurch wird die mittlere
Stellgeschwindigkeit dieser Antriebe reduziert.
[Link] Aufbau Der quasi-stetige PI-Regler besteht aus einem Dreipunkt-Regler, der
über einen Stellantrieb mit fester Laufzeit ein stetig arbeitendes
Stellglied betätigt (Fig. 3-33a).
Das Ausgangssignal des Dreipunkt-Reglers bewirkt aber nicht
«Heizung Ein oder Aus» wie bei einem Zweipunkt-Regler, sondern
«Ventil Öffnen – Halt – Schliessen». Das Ausgangssignal des
Dreipunkt-Reglers wird gleichzeitig auch über ein Verzögerungsglied
als Rückführung an dessen Eingang zurückgeführt, wo es dem
Eingangssignal entgegenwirkt. Der Motor wirkt hier als Bestandteil
der Reglerfunktion, da ohne ihn die PI-Charakteristik der Stellgrösse
nicht erreicht wird.
y1
w e
y
y2
x
1 3
yr
X p ,T n
y1
p
t
Tn
B33-29
Xp = Ty * Yr
Tr
Daraus folgt:
• Je grösser yr, desto grösser Xp
• Je grösser Ty, desto grösser Xp
• Je grösser Tr, desto kleiner Xp
Tn = Tr
Der quasi-stetige PI-Regler regelt relativ rasch und bis auf die kleine 77
Totzone genau aus. Er ist dank seiner einfachen Konstruktion weit ver-
breitet. Vor allem in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimabranche ist er
häufig anzutreffen.
4. Der Regelkreis
2
2.2 2.4
2.3
2.5 y
(1.1)
2.1
x
1.3 1 1.2 1.1 e
w
w
B34-1a
Schwingfähiges System Da sich die Regelgrösse und die Stellgrösse gegenseitig beeinflussen,
ist ein Regelkreis ein schwingfähiges System. Das äussert sich darin,
dass die Regelgrösse unter bestimmten Bedingungen keineswegs
den geforderten konstanten Wert annimmt, sondern in stetem
Wechsel darüber hinaus ansteigt und wieder darunter absinkt.
Die Regelgrösse schaukelt sich zu einer Schwingung auf und der
Regelvorgang gerät ausser Kontrolle – das System wird instabil.
Dabei handelt es sich um einen Betriebszustand des Regelkreises,
den man in der Praxis unbedingt vermeiden muss, da er absolut
unbrauchbar ist. In der Regelungstechnik interessieren daher nur sta-
bile Regelkreise. Das bedeutet, dass ein geschlossener Regelkreis
keine selbsterregten Schwingungen ausführen darf, d.h. Schwin-
gungen, deren Amplitude konstant bleibt oder sich sogar selbst ver-
grössert, und dass Störungen sowie Sollwert-Änderungen rasch aber
ohne langandauerndes Einschwingen ausgeregelt werden müssen.
4.1 Die Kreisverstärkung VO Aus den eben aufgeführten Gründen wird jede Untersuchung über
das Verhalten eines Regelkreises zu einer Untersuchung über sein
Schwingverhalten. Es zeigt sich dabei, dass die Stabilität des geschlos-
senen Regelkreises vom Schwierigkeitsgrad S der Regelstrecke = Tu/Tg
78 (Übertragungsverhalten Ks) und vom Übertragungsverhalten des
Reglers (der Regeleinrichtung) abhängig ist.
Das Produkt aus den Übertragungswerten Ks der Strecke und KR der
Regler ergibt die Kreisverstärkung VO * VO = KR * KS
Die Kreisverstärkung VO eines Regelkreises mit P-Regler ist das
Produkt aus dem Übertragungsbeiwert KP des Reglers und dem Über-
tragungsbeiwert KS der Strecke:
VO = KP * KS
∆y ∆x
w KR = ∆a ∆e KS = ∆x
∆x ∆y
B34-2
x = KS * e (1)
a = KP * x (2)
a = KP * KS * e
und daraus: 79
a/e = KP * KS = VO
Die Dimensionen von KR und KS müssen immer so in die Formeln ein-
gesetzt werden, dass VO dimensionslos wird. Falls die Stellgrösse in
mm angegeben wird, ergibt sich für KR z.B. die Einheit mm/K und für
KS die Einheit K/mm.
4.2 Stabilitätsuntersuchungen Wie bereits bekannt, ist für das Schwingverhalten eines Regelkreises
der Schwierigkeitsgrad S der Regelstrecke, sowie die Kreisverstärkung
VO entscheidend.
4.2.1 Das Störverhalten Wenn die Regelgrösse im Regelkreis auch nach unendlich langer Zeit
nach Auftreten der letzten Störung ohne Einwirkung von aussen kei-
nen konstanten Wert annimmt (Dauerschwingung), so spricht man von
Selbsterregung und bezeichnet den Regelkreis als instabil. Dieser
Zustand muss durch richtige Einstellung des Reglers unbedingt ver-
mieden werden.
x TP
t
B34-3
80
Die periodisch angefachte Schwingung ist mit einer dauernd wachsen-
den Amplitude der entstandenen Dauerschwingung charakterisiert
(Fig. 4-4). Sie tritt ein, wenn die Kreisverstärkung VO grösser gemacht
wird als die kritische Kreisverstärkung des Regelkreises ist.
x
t
B34-4
t
B34-5
Ein stationärer Zustand und damit Beharrung tritt ein, wenn die
Kreisverstärkung VO kleiner gemacht wird als die kritische
Kreisverstärkung des Regelkreises ist:
• Um eine genügende Dämpfung eines Regelvorganges zu erhalten,
empfiehlt eine einfache, allgemein verwendete Regel, die
Kreisverstärkung VO halb so gross zu wählen wie die kritische
Kreisverstärkung ist.
• Bei Strecken höherer Ordnung und bei Strecken mit Totzeit darf die
Kreisverstärkung VO nicht zu gross sein, da sonst der Regelverlauf
eine schlechte Dämpfung hat oder sogar instabil werden kann.
• Zu tiefe Werte der Kreisverstärkung hingegen machen den
Regelkreis träge und ungenau.
81
4.2.2 Das Führungsverhalten Es ist die Aufgabe einer Regeleinrichtung, Sollwert-Änderungen wie
auch Störungen möglichst rasch auszuregeln. Dabei gilt es, uner-
wünschte Schwingungen zu verhindern. Diese Forderung ist allerdings
stark abhängig von der Art der geregelten Anlage. So darf z.B. eine
Zulufttemperatur-Regelung sehr wohl einige Schwingungen ausführen.
Bei einer Kesselanlage hingegen kann ein Überschwingen bereits zum
Ansprechen des Sicherheitsthermostaten führen.
Die Antwort auf eine sprungartige Veränderung des Sollwertes w kann
ganz verschiedene Formen annehmen. Eine Auswahl zeigt die Fig. 4-6.
w
1)
t
x
t
x
2)
t
x
3)
B34-6
∆w x
t
B34-7
4.3 Einstellregeln nach Ziegler, Nichols Ein Regler muss der Regelstrecke so angepasst werden, dass einer-
seits eine Abweichung der Regelgrösse x vom Sollwert w möglichst
schnell und genau auskorrigiert wird, dass aber anderseits der Regel-
kreis in keinem Betriebszustand instabil werden kann. Diese Anpas-
sung geschieht durch Verändern der folgenden Regler-Einstellwerte:
83
4.3.1 Bekannte Strecken Ausgehend von den Streckendaten Tt, TS und KS resp. Xh gelten nach
Ziegler und Nichols für eine optimale Anpassung des Reglers an eine
Einspeicherstrecke mit Totzeit folgende Einstellregeln:
Regler P PI PD PID
Xp xh * S xh * 1.25 · S xh * 0.83 · S xh * 0.83 * S
Tn 3 * Tt 2 * Tt
Tv 0.25 * Tt 0.42 * Tt
KR
Bei Strecken höherer Ordnung wird in der Praxis in der Formel Tt und
TS durch Tu und Tg ersetzt.
4.3.2 Unbekannte Strecken Liegt eine Regelstrecke vor, deren Zeitverhalten unbekannt ist, so
kann experimentell die optimale Anpassung des Reglers bestimmt
werden. Dazu wird der Regler zunächst proportional wirkend einge-
stellt oder aber Tn so gross und Tv so klein als möglich. Nach einer
Führungsgrössen-Änderung wird dann sein Proportional-Band Xp so
lange verkleinert, bis es gerade zu einer ungedämpften Schwingung
kommt (Pkt. 4.2.1). Das sich so ergebende Proportional-Band ist Xp
krit und die Zeitdauer für eine volle Schwingung wird mit Schwin-
gungsdauer Tp bezeichnet. Nach Versuchen von Ziegler und Nichols
ergeben sich danach folgende Einstellrichtlinien für die verschiedenen
Regler:
Regler P PI PD PID
xp 2 * xp kritisch 2,2 * xp kritisch 1,5 * xp kritisch 1,7 * xp kritisch
Tn 0,83 * TP 0,5 * TP
Tv 0,1 * TP 0,12 * TP
KR 0,5 * Kp kritisch 0,45 * Kp kritisch 0,6 * Kp kritisch
Nachteilig ist, dass bei der Bestimmung des kritischen Wertes Xp krit
während einiger Zeit ein unstabiles Verhalten der Anlage hingenom-
men werden muss. Diese Methode eignet sich daher vor allem, wenn
Tp nicht länger als etwa 5 min ist. Bei längerer Schwingungsdauer
empfiehlt es sich, durch Aufnahme der Übergangsfunktion die Streck-
endaten zu bestimmen und nachher gemäss Pkt. 4.3.1 vorzugehen.
84
Aus der Fig. 4-10 ist ersichtlich, dass durch das rasche und starke
Verstellen des Stellorgans bei einer auftretenden Regeldifferenz ein
P-Regler eine Sollwert-Verstellung oder Störung zwar schnell ausregelt,
jedoch nicht vollständig beseitigen kann (Sollwert nicht erreichen).
Infolge der proportionalen Zuordnung von Regelgrösse x und Stell-
grösse y wird die Stellgrösse y1 einen andern Wert annehmen, z.B. y2,
entsprechend muss sich aber auch die Regelgrösse x1 proportional
ändern und x2 werden. Die Differenz zwischen x1 und x2 ist die bleiben-
de Abweichung oder Proportional-Abweichung eb.
Um die bleibende Abweichung möglichst klein zu halten, müsste der
P-Bereich Xp möglichst klein eingestellt werden (grosser Übertragungs-
beiwert KR des Reglers).
Dies ist aber gleichbedeutend mit einem starken Eingreifen des
Reglers in den Regelvorgang, d.h. der P-Regler wird sehr empfindlich:
• Ein kleiner P-Bereich bewirkt somit zwar eine kleinere bleibende
Abweichung, der Regelkreis neigt aber zum Schwingen (instabiles
und damit unbrauchbares Regelverhalten).
• Ein grosser P-Bereich hingegen ergibt eine grosse Stabilität, aber
auch eine grosse Trägheit und Lastabhängigkeit, d.h. grosse blei-
bende Abweichung.
P • S
2 • 2
P • S
w,x x wb
w2 x2
w1 x1
S
wb •∆
P • S
x
w1
x2
z x wb
y
∆y
y2
y1
t
B34-10
85
Die Wahl des P-Bandes Xp ist also immer ein Kompromiss zwischen
Stabilität und Genauigkeit der Regelung. Der günstigste Wert richtet
sich nach den Anlagedaten: Je grösser das Verhältnis Verzugszeit Tu zu
Ausgleichszeit Tg (= Schwierigkeitsgrad S) einer Regelstrecke und je
grösser der Übertragungsbeiwert KS einer Regelstrecke ist, desto
grösser ist der für eine stabile Regelung erforderliche P-Bereich (siehe
Einstellregeln unter Pkt. 4.3).
xz = KS * z
4.4.2 I-Regler und Strecke Aus der Beschreibung des l-Reglers (Pkt. 3.5) ist bekannt, dass bei
diesem Regler jedem Wert einer Regeldifferenz eine bestimmte Ände-
rungsgeschwindigkeit der Stellgrösse zugeordnet ist. Daher hat ein
Regelkreis mit l-Regler keine bleibende Abweichung, d.h. die Stell-
grösse y verändert sich so lange, bis der Sollwert wieder erreicht ist.
Sie kann dabei jeden Wert ihres Stellbereiches annehmen. Mit der An-
passung der Stellgeschwindigkeit vy resp. des Integrierbeiwertes Kl an
die Regelstrecke kann das dynamische Verhalten des l-Reglers opti-
miert werden. Sinkt in einem geschlossenen Regelkreis nach Einwir-
ken einer Störgrösse z die Regelgrösse x ab (Fig. 4-11), so ist die au-
genblickliche Änderungsgeschwindigkeit der Stellgrösse y immer pro-
portional zur Regeldifferenz e. Verglichen mit dem P-Regler fällt auf,
dass sich die Ventilstellung viel langsamer ändert. Das hat natürlich zur
Folge, dass die Ausregelzeit und die maximale vorübergehende Ab-
weichung für dieselbe Strecke grösser, also die dynamische Regelgüte
schlechter wird. Nach Beendigung des Ausregelvorganges (die Regel-
grösse und das Stellglied können – je nach Reglereinstellung – einige
Schwingungen ausführen) ist aber wieder der Sollwert erreicht.
x P I
P
y I
y2
∆y
y1
t
B34-11
∆z
PI
P
z
t
TZ B34-12
Fig. 4-12 Sollwert-Sprung und Störung z durch Pl- und P-Regler ausgeregelt
Pl Pl -Regler
P P-Regler (Arbeitspunkt korrigiert)
z Störung
Wie sich aus der Fig. 4-12 zeigt, arbeitet der Pl-Regler bei gleicher
Aufgabenstellung etwas langsamer als ein P-Regler. Er wird einge-
setzt, wenn sich bei Verwendung eines P-Reglers wegen der notwen-
digen grossen Xp-Einstellung eine zu grosse Lastabhängigkeit ergäbe,
d.h. also wenn eine genaue, lastunabhängige Sollwert-Einhaltung ver-
langt wird.
88
4.4.4 PID-Regler und Strecke Wie bei der Beschreibung des D-Gliedes bereits erwähnt wurde, wirkt
sich bei einer Regeldifferenz die rasche und starke Verstellung des
Stellgliedes günstig auf eine kurze Ausregelzeit aus. Daher werden
PlD-Regler vor allem eingesetzt, wenn die Regelstrecke einen grossen
Schwierigkeitsgrad S aufweist (relativ grosse Verzugszeit) und der
Regler schnelle Störungen auskorrigieren muss.
Dank dem D-Glied wird ja nicht nur die Grösse einer Regeldifferenz
erfasst, sondern auch ihre Änderungsgeschwindigkeit. Aus diesem
Grunde regelt ein PlD-Regler Sollwert-Änderungen und vor allem
Störungen schneller aus als ein Pl- oder P-Regler (Fig. 4-13). Durch den
l-Anteil hat er auch keine bleibende Abweichung.
x
z
∆z
PID
PI
z
t
TZ B34-13
Fig. 4-13 Sollwert-Sprung und Störung z durch PID- und Pl-Regler ausgeregelt
89
4.4.5 Zweipunkt-Regler und Strecke Beim Zweipunktregler kann die Stellgrösse nur 2 Werte annehmen,
meistens y = 0 % und y = 100 % (Aus/Ein). Er ist gekennzeichnet
durch eine definierte Schaltdifferenz SD zwischen den Stellungen Aus
und Ein und demzufolge durch eine periodische Schwankung der
Regelgrösse x (Fig. 4-14).
0
SD w = 80 %
1
y
1 0
0
Xh
w = 50 %
1
0
w = 20 %
1
t
y
1
0 t
B34-14
Der Mittelwert der Regelgrösse liegt bei den Schwingungen der Re-
gelgrösse im allgemeinen nicht in der Mitte der Schaltdifferenz. Dies
ist nur bei gleich langen Ein- und Ausschaltimpulsen = 0,5 oder bei
einer verzögerungsfreien Strecke und SD = 0 der Fall. Ein Schwingen
der Regelgrösse ist aber auch bei einer Schaltdifferenz SD = 0 vorhan-
den, wenn die Strecke mit einer Verzögerungszeit Tu behaftet ist. Bei
Anlagen mit grossen Laständerungen können zur Verkleinerung der
Regelschwankungen auch 2- oder mehrstufige Zweipunkt-Regler ein-
gesetzt werden.
5.1 Einleitung Regler werden heute zunehmend mit digitaler Elektronik entwickelt:
Ein Mikrocomputer führt die Regelfunktion anhand eines Computer-
programms (Reglersoftware) aus. Vergleicht man die Güte klassischer
Regelfunktionen (P-, PI- oder PID-Regler) von digitalen und analogen
Reglern, so stellt man fest, dass es ein digitaler Regler nicht besser
kann. Es stellt sich daher die Frage «warum digitale Regler»?
5.2 Das Prinzip der digitalen Regelung Wir gehen davon aus, dass das Umfeld der Regeleinrichtung eines
digitalen- und analogen Reglers gleich ist:
• gleiche Fühler (analog arbeitend)
• gleiche Stellantriebe
91
Digital Analog
Analog Digital
S S
B35-1
5.3 Digitaler Universalregler Universalregler für HLK-Aufgaben sind konfigurierbare oder program-
mierbare digitale Regler. Sie sind dafür ausgelegt, mehrere Regel- und
Steueraufgaben in einem einzigen Prozessgerät ausführen zu können.
B35-2
93
5.3.1 Beispiel eines digitalen Je nach Regelsystem werden die Signal-Wandler der Eingänge und
Universalreglers Ausgänge entweder fest im Grundgerät oder in separaten Geräten,
den sog. I/O-Modulen (Input/Output-Modul = Eingangs-/Ausgangs-
Modul) angeordnet. Die I/O-Module werden durch eine BUS-Ver-
bindung mit dem Prozessgerät verbunden (Fig. 5-3). Die I/O-Module
konvertieren Anlagedaten in digitale Signale für das Prozessgerät oder
digitale Informationen des Prozessgerätes in analoge und logische
Signale zur Ausgabe in die Anlage. Es gibt auch I/O-Module mit ausge-
lagerter Funktion. Beispiel: Stetig/3-Punkt Ausgabe (Stellungsalgo-
rithmus für 3-Punkt Antriebe).
Fig. 5-3 Regel-, Steuer- und Überwachungssystem UNIGYR als Beispiel für einen
digitalen Universalregler
Oben Prozessgerät
Mitte oben rechts Modulschiene mit Eingangs- und Ausgangsmodulen
Mitte unten links A/D-Wandler, D/A-Wandler, Digitale Eingänge, Digitale
Ausgänge
Mitte unten links Anlage
Unten
94
5.4 Digitaler Regler mit
Dreipunkt-Antrieb
Minimaler Stellschritt Jede Stellwert-Ausgabe eines digitalen Reglers hält während der gan-
zen Abtastperiode TS unverändert an. Damit bestimmt die Ab-
tastperiode bei 3-Punkt Ausgabe (Auf / Halt / Zu) den kleinstmöglichen
Schritt, den ein 3-Punkt Antrieb fahren kann.
Totzone xDZ Die Totzone ist die Bandbreite einer minimalen Regeldifferenz (±emin),
auf die ein Regler noch nicht reagieren darf.
Zum Formelzeichen xDZ : DZ = Dead zone.
Beispiel für Temperaturregler: xDZ = 0.2 K (emin = 0.1 K)
Schrittpendeln Führt nun der kleinstmögliche Stellschritt dazu, dass sich die
Regeldifferenz um mehr als die Totzone ändert, so kann dies im ausge-
regelten Zustand der Regelgrösse zum sogenannten Schrittpendeln
führen: Die Regeldifferenz ändert nach jedem Stellschritt das
Vorzeichen und Ihr Betrag wird so gross, dass der Regler dauernd
gegensteuern muss (Fig. 5-4).
S S
min
DZ
min
B35-4
95
6. Fachbegriffe und Formelzeichen
Führungsgrösse w Dem Regelkreis von aussen zugeführte Grösse. Sie bestimmt den
momentanen SolIwert. Man unterscheidet zwischen:
• Festwertregelung Führungsgrösse ist konstant und
identisch mit dem SolIwert
• Zeitplanregelung Zeitabhängiger Sollwert
• Folgeregelung Sollwert der Regelung wird durch eine
andere gemessene Grösse bestimmt
Messort Stelle, wo der Fühler platziert ist, d.h. wo die Regelgrösse gemessen
wird
Stellbereich der Regelgrösse Xh Änderung der Regelgrösse, wenn die Stellgrösse y von 0 ... 100 %
ändert (in Einheiten der Regelgrösse)
Stellgrösse y Durch den Regler verstellbare Grösse, welche ihrerseits den Wert der
Regelgrösse gewollt beeinflusst (z.B. Hub des Ventils). Zugleich
Ausgangsgrösse des Reglers und Eingangsgrösse der Strecke
97
Stellorgan Dieses verstellt das Stellglied entsprechend dem Ausgangssignal des
Reglers in der ihm zugeordneten Bewegungsrichtung (z.B.
Elektromotor, Elektromagnet)
Störgrösse z Von aussen auf den Regelkreis einwirkende Grösse, welche die
Regelgrösse ungewollt beeinflusst z.B. Fremdwärme,
Sonnenstrahlung usw.
Totzone xDZ Bereich, innerhalb der eine Regeldifferenz (±emin) keine Auswirkung
auf das Übertragungsverhalten hat. Die Grenzen der Totzone (±emin)
bilden die Ansprechempfindlichkeit.
In der Regel ist eine genauere Bezeichnung erforderlich, auf was sich
die Totzone bezieht, z.B.:
• Totzone zwischen Sollwert Heizen und Sollwert Kühlen
• Totzone zwischen den Schaltpunkten des 3-Punkt Reglers
99
Quellennachweis
Der Inhalt dieser Broschüre ist ein Auszug aus dem Trainingmodul
«B03MC – Regeltechnik» erstellt bei:
100
101
102
Weitere technische Broschüren ASN-No. Titel
0-91910-de Messtechnik
0-91910-en Measuring technology
0-91913-de Regeltechnik
0-91913-en Control technology
0-91914-de Kältetechnik
0-91914-en Refrigeration technology
[Link]
Technische Änderungen vorbehalten • Bestell-Nr. 0-91913-de • Gedruckt in der Schweiz • 10205 (01) Ah/Ah