Ü Halb Leit
Ü Halb Leit
Henning Siemund
Übungsaufgaben
zur Halbleiter-
Schaltungstechnik
4. Auflage
Übungsaufgaben zur
Halbleiter-Schaltungstechnik
Holger Göbel Henning Siemund
Übungsaufgaben
zur Halbleiter-
Schaltungstechnik
4., aktualisierte Auflage
Holger Göbel Henning Siemund
Helmut-Schmidt-Universität/ Helmut-Schmidt-Universität/
Universität der Bundeswehr Hamburg Universität der Bundeswehr Hamburg
Hamburg, Deutschland Hamburg, Deutschland
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te bibliografische Daten sind im Internet über [Link] abrufbar.
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Vorwort zur ersten Auflage
V
VI Vorwort zur ersten Auflage
Bedanken möchten sich die Autoren an dieser Stelle bei allen, die zum Entstehen dieses
Werkes beigetragen haben. Dies gilt vor allem für den Springer-Verlag sowie die Firma
Le-TeX für die Unterstützung, die gute Zusammenarbeit und die Geduld bis zur Fertig-
stellung des Manuskripts.
Die zweite Auflage des vorliegenden Übungsbuches wurde um ein Kapitel über optoelek-
tronische Bauelemente ergänzt und in einigen Bereichen überarbeitet. Als weitere Neue-
rung sind das interaktive Lernprogramm S.m.i.L.E sowie die Studentenversion des Schal-
tungssimulators PSpice inklusive der zu den einzelnen Übungsaufgaben gehörigen Si-
mulationsdateien nun als Online-Materialien auf dem Extrasserver des Springer-Verlages
verfügbar.
Die aus der ersten Auflage bekannten Icons für Verweise beziehen sich auf die inzwi-
schen erschienene 4. Auflage des Lehrbuches Einführung in die Halbleiter-Schaltungs-
technik von Holger Göbel.
Dank gebührt an dieser Stelle wieder dem Springer-Verlag und der Firma Le-TeX für
die gewohnt professionelle Unterstützung und die sehr gute Zusammenarbeit.
VII
Vorwort zur dritten Auflage
Neben kleineren Korrekturen besteht die wesentliche Neuerung der dritten Auflage des
vorliegenden Übungsbuches darin, dass das interaktive Lernprogramm S.m.i.L.E nunmehr
von der Webseite [Link] aufzurufen ist. Durch diese Maßnahme ist sicher-
gestellt, dass dem Leser stets die aktuelle Version des Programms vorliegt.
Die Studentenversion des Schaltungssimulators PSpice inklusive der zu den einzel-
nen Übungsaufgaben gehörigen Simulationsdateien sind hingegen weiterhin als Online-
Materialien auf dem Extrasserver des Springer-Verlages verfügbar.
IX
Vorwort zur vierten Auflage
Die vierte Auflage des vorliegenden Übungsbuches hat einige Ergänzungen und Korrek-
turen sowie eine Überarbeitung des Layouts erfahren.
Das interaktive Lernprogramm S.m.i.L.E ist weiterhin von der Webseite [Link]
[Link] aufzurufen. S.m.i.L.E wurde von der Java- auf die JavaScript-Plattform por-
tiert, damit das Lernprogramm in nahezu allen gängigen Internetbrowsern, auf Desktop-
Computern sowie Mobilgeräten lauffähig ist.
Obwohl der Schaltungssimulator PSpice inzwischen in der Version 17 verfügbar ist,
bevorzugen die Autoren unverändert die bewährte Version 9.1. Dies liegt einerseits an der
deutlich komfortableren Bedienung und andererseits an den geringeren Beschränkungen
der kostenlosen Studentenversion gegenüber der entsprechenden Vollversion.
Die Studentenversion 9.1 von PSpice sowie die zu den Übungsaufgaben gehörigen
Simulationsdateien sind, wie bei den Vorauflagen, als Online-Materialien auf dem Ex-
trasserver des Springer-Verlages verfügbar.
XI
Liste der verwendeten Symbole
Formelzeichen
XIII
XIV Liste der verwendeten Symbole
Sonstige Symbole
Name Bedeutung
== Parallelschaltung
logische UND-Verknüpfung
C logische ODER-Verknüpfung
Physikalische Konstanten
2 Diode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1 Formelsammlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.2 Verständnisfragen zur Diode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.3 pn-Übergang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.4 Diodenschaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.5 Schaltverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3 Bipolartransistor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.1 Formelsammlung (npn-Transistor) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.2 Verständnisfragen zum Bipolartransistor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.3 npn-Transistor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.4 Transistorschaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.5 Schaltverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
4 Feldeffekttransistor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
4.1 Formelsammlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
4.2 Verständnisfragen zum Feldeffekttransistor . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
4.3 n-Kanal MOSFET . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
4.4 MOS-Inverter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4.5 CMOS-Inverter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
4.6 Schaltungen mit MOS-Feldeffekttransistoren . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
5 Optoelektronische Bauelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
5.1 Verständnisfragen zu optoelektronischen Bauelementen . . . . . . . . . . . 81
5.2 Radiometrische und fotometrische Größen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
XIX
XX Inhaltsverzeichnis
5.3 Fotowiderstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
5.4 Solarzelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5.5 Luminiszenzdiode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
7 Transistorgrundschaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
7.1 Einstufiger Verstärker mit MOSFET . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
7.2 Zweistufiger Verstärker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
7.3 Gateschaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
7.4 Push-Pull Ausgangsstufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
8 Operationsverstärker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
8.1 Übertragungsverhalten im Frequenzbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
8.2 Übertragungsverhalten im Zeitbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
8.3 Stromquelle, Großsignalverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148
8.4 Stromquelle, Kleinsignalverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
8.5 Analogrechenschaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
8.6 Messverstärker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
8.7 Nichtlineare Verstärkerschaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
8.8 Schmitt-Trigger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
11 Logikschaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
11.1 Formelsammlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
11.2 Entwurf von CMOS-Gattern (I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
11.3 Entwurf von CMOS-Gattern (II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
11.4 C2 MOS-Technologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
11.5 Treiberschaltung für große kapazitive Lasten . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
13 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
13.1 Normreihen für Bauteilnennwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
Grundlagen der Halbleiterphysik
1
1.1 Formelsammlung
Elektronendichte
1
n0 D NC exp .WC WF / (1.1)
kT
1
D ni exp .WF Wi / (1.2)
kT
Löcherdichte
1
p0 D NV exp .WF WV / (1.3)
kT
1
D ni exp .Wi WF / (1.4)
kT
Massenwirkungsgesetz
n0 p0 D n2i (1.5)
Ladungsträgerdichten in einem n-Halbleiter (Donatordichte ND )
n0 D ND (1.6)
n2i
p0 D (1.7)
ND
Ladungsträgerdichten in einem p-Halbleiter (Akzeptordichte NA )
p0 D NA (1.8)
n2i
n0 D (1.9)
NA
Fermiverteilung
1
F .W / D (1.10)
1 C exp .W WF / kT
1
Diffusionskoeffizient (Einstein-Beziehung)
kT kT
Dn D n bzw. Dp D p (1.11)
q q
Diffusionslänge p p
Ln D Dn n bzw. Lp D Dp p (1.12)
Elektronenstromdichte
dn
jn D qn nE C qDn (1.13)
dx
Löcherstromdichte
dp
jp D qp pE qDp (1.14)
dx
Gesamtstromdichte
j D jn C jp (1.15)
Kontinuitätsgleichungen
@n 1 @jn
DC CGR (1.16)
@t q @x
@p 1 @jp
D CG R (1.17)
@t q @x
Leitfähigkeit
D q n n C p p (1.18)
Überschussladungsträgerdichte
n0 D n n0 bzw. p 0 D p p0 (1.19)
Aufgabenstellung
a. Was versteht man unter Eigenleitung und welche qualitative Aussage lässt sich
zur Höhe der Leitfähigkeit machen, die aus der Eigenleitung resultiert?
b. Wodurch ist das thermodynamische Gleichgewicht charakterisiert?
c. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Bandabstand eines Materials und
dessen Leitfähigkeit?
d. Wovon hängen die Elektronen- und die Löcherdichte bei einem reinen (undotier-
ten) Halbleiter ab?
e. Ein Siliziumhalbleiter werde mit 1017 dreiwertigen Fremdatomen pro Kubikzen-
timeter dotiert. Handelt es sich um einen n- oder um einen p-Halbleiter? Wie
groß ist die Majoritätsträgerdichte, die sich bei Raumtemperatur einstellt? Wie
kann die Minoritätsträgerdichte berechnet werden?
f. Gegeben sei ein zunächst undotierter Halbleiter bei Raumtemperatur, bei dem
die Elektronendichte n0 und die Löcherdichte p0 gleich der Eigenleitungsträger-
dichte ni sind, d. h. es gelte n0 D p0 D ni . Wenn man diesen Halbleiter nun
mit der Donatordichte ND stark n-dotiert, dann erhöht sich die Elektronendichte
gemäß (1.6) auf n0 D ND . Gleichzeitig verringert sich jedoch die Löcherdichte
gemäß (1.7) auf p0 D n2i =ND . Wie lässt sich das Absinken der Löcherdichte
anschaulich erklären?
g. In einem n-dotierten Halbleiter gibt es sehr viele negativ geladene freie Elek-
tronen, aber nur sehr wenige positiv geladene Löcher. Warum ist der Halbleiter
dennoch nach außen hin elektrisch neutral?
h. Aus welchen Anteilen setzen sich jeweils Elektronen- und Löcherstrom zusam-
men und welche physikalische Ursache haben diese Anteile?
i. Welche Zusammenhänge werden durch die Kontinuitätsgleichung beschrieben?
4 1 Halbleiterphysik
j. Zwischen den beiden Enden einer Halbleiterprobe werde eine Spannung un-
gleich null angelegt. Wie äußert sich dies in dem Bänderdiagramm des Halb-
leiters?
k. Was ist der Unterschied zwischen starker und schwacher Injektion?
l. Gegeben sei ein Halbleiter, bei dem das bestehende thermodynamische Gleich-
gewicht durch Lichteinstrahlung gestört wird. Welchen Einfluss hat dies auf die
Elektronen- und die Löcherdichte?
m. Am Rand (x D 0) der in Abb. 1.1 gezeigten Halbleiterprobe werden gleichzeitig
Elektronen und Löcher injiziert. Es liege schwache Injektion vor. Wie verhal-
ten sich die Ladungsträgerdichten entlang der x-Achse im stationären Fall? Eine
qualitative Aussage ist ausreichend.
x=0 x
ist diese Energie und desto leichter können Elektronen vom Valenzband in das Leitungs-
band gelangen, wo sie zum Ladungstransport beitragen können. Materialien mit kleinem
Bandabstand haben daher – unter sonst gleichen Bedingungen – eine höhere Leitfähigkeit
als solche mit großem Bandabstand. Anhand des Bandabstandes kann man daher zwischen 1.1.3
Leitern, Halbleitern und Isolatoren unterscheiden.
1.1.4
S.m.i.L.E.: 1.1_n-dotierter Halbleiter
1.3.4
S.m.i.L.E.: 1.3_Ladungstransport
durch den Halbleiter verstärkt rekombinieren. Die Dichte der Ladungsträger nimmt daher
mit zunehmendem Abstand vom Rand des Halbleiters ab, wobei die Abnahme durch eine
Exponentialfunktion beschrieben wird.
Aufgabenstellung
Gegeben sei ein Siliziumhalbleiter, der zunächst mit 5 1015 Boratomen pro Ku-
bikzentimeter und anschließend mit 5 1017 Phosphoratomen pro Kubikzentimeter
dotiert wurde. Der Halbleiter befinde sich im thermodynamischen Gleichgewicht
bei Raumtemperatur.
Zur Berechnung der Löcherdichte können wir das Massenwirkungsgesetz (1.5) verwen-
den, da sich der Halbleiter im thermodynamischen Gleichgewicht befindet. Für die Lö-
cherdichte gilt demnach
WV
n0 5 1017 cm3
WF Wi D kT ln D 0;026 eV ln
ni 1;5 1010 cm3
D 0;45 eV ; (1.28)
womit sich das in Abb. 1.2 dargestellte Bänderdiagramm skizzieren lässt. Typisch für
einen n-Typ Halbleiter ist die Lage des Ferminiveaus in der Nähe der Leitungsbandkante
WC , wobei das Ferminiveau mit zunehmender Dotierung immer weiter an die Leitungs-
bandkante rückt.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass man zur Bestimmung der Lage des Ferminiveaus
auch (1.1) nach .WC WF / oder (1.3) nach .WF WV / hätte auflösen können.
D qn n0 : (1.29)
Bei dem undotierten Halbleiter sind die Ladungsträgerdichten gleich der Eigenleitungs-
dichte und wir erhalten mit (1.18) und n0 D p0 D ni die deutlich geringere Leitfähigkeit
D q n C p ni
D 1;6 1019 A s 0;183 m2 V1 s1 1;5 1016 m3
D 4;39 104 S m1 : (1.31)
Aufgabenstellung
Gegeben sei ein Siliziumhalbleiter, bei dem das Ferminiveau 0;1 eV oberhalb der
Valenzbandkante liegt. Der Halbleiter befinde sich im thermodynamischen Gleich-
gewicht bei Raumtemperatur (T D 300 K).
1 1
F .WC / D D
1 C exp .WC WF / kT
1 1;0 eV
1 C exp 0;026 eV
D 1;98 1017 : (1.32)
1 1
F .WV / D D
1 C exp .WV WF / kT
1 0;1 eV
1 C exp 0;026 eV
D 0;979 : (1.33)
1 1
F .WC / D D
1 C exp .WC WF / kT
1 0;55 eV
1 C exp 0;026 eV
D 6;5 1010 (1.34)
und
1 1
F .WV / D D : (1.35)
1 C exp .WV WF / kT 1 C exp 0;55
1 eV
0;026 eV
Da der exp()-Term im Nenner sehr viel kleiner als 1 ist, ergibt die Auswertung dieser
Beziehung mit einem Taschenrechner aufgrund von Rundungsungenauigkeiten i. d. R. das
Ergebnis F .WV / D 1. Mit Hilfe der Näherung 1=.1 C x/ 1 x für x 1 erhält man
1.4 Ferminiveau und freie Ladungsträger 11
Die Ergebnisse aus den Teilaufgaben b. und c. zeigen, dass die Besetzungswahrscheinlich-
keit F .W / für Elektronen an der Valenzbandkante sehr groß ist, an der Leitungsbandkante
dagegen deutlich kleiner. Da die Besetzungswahrscheinlichkeit für Löcher durch den Aus-
druck 1F .W / gegeben ist, gilt für Löcher entsprechend das Gegenteil, d. h. bei diesen ist
die Besetzungswahrscheinlichkeit an der Valenzbandkante sehr klein und an der Leitungs-
bandkante sehr groß. Durch die Verschiebung des Ferminiveaus nach unten verringern
sich die Besetzungswahrscheinlichkeiten für Elektronen an beiden Bandkanten deutlich
und die für die Löcher nehmen entsprechend zu. Wie in Teilaufgabe d. gezeigt, ändern
sich damit auch unmittelbar die Ladungsträgerdichten.
S.m.i.L.E.: 1.2_Fermiverteilung
sowie
1 3 0;1 eV
p0 D NV exp .WF WV / D 1;04 10 cm exp
19
kT 0;026 eV
D 2;22 1017 cm3 : (1.38)
Aufgabenstellung
Die Elektronendichte an der Oberfläche des in Abb. 1.4 gezeigten, p-dotierten Silizi-
umblocks (NA D 1016 cm3 ) werde durch eine kontinuierlich einwirkende Störung
auf n.0/ D 1011 cm3 angehoben. Die Dicke des Blocks sei d D 10 mm. Die
Lebensdauer der Elektronen betrage n D 2 s. Weiterhin sei Raumtemperatur
anzunehmen. Oberflächeneffekte sowie die Abhängigkeit der Ladungsträgerbeweg-
lichkeiten von der Dotierung seien vernachlässigbar.
p-Halbleiter
d
y
a. Wie groß ist die Eindringtiefe de , d. h. die Distanz von der Oberfläche des
Halbleiterblocks bis zu der Stelle in seinem Innern, an dem die Überschusselek-
tronendichte auf 10 % des Wertes an der Oberfläche abgesunken ist.
b. Berechnen Sie den Verlauf von Elektronen- und Löcherstromdichte als Funktion
des Ortes y.
c. Wie groß ist die elektrische Feldstärke für y Ln ?
Die Diffusionslänge Ln der Elektronen bestimmt sich gemäß (1.12) und (1.11) sowie mit
der Temperaturspannung UT D kT =q D 26 mV zu
s
kT p
Ln D n n D 26 mV 0;135 m2 V1 s1 2 s
q
D 83;8 m : (1.40)
de D Ln ln.0;1/
D 193 m : (1.42)
Da der Elektronenstrom in dem p-Halbleiter ein Minoritätsträgerstrom ist, kann für den
vorliegenden Fall der schwachen Injektion der Driftanteil gegenüber dem Diffusionsanteil
vernachlässigt werden. Somit vereinfacht sich (1.43) zu
1.4.4
dn
jn D qDn : (1.44)
dy
Die Ableitung der Elektronendichte nach dem Ort in (1.44) kann aus dem bereits in Teil-
aufgabe a. bestimmten Verlauf der Überschusselektronendichte (1.39) bestimmt werden.
14 1 Halbleiterphysik
Da sich die Elektronendichte und die entsprechende Überschussdichte nur durch einen
konstanten Wert unterscheiden (n0 D n n0 ), gilt
dn d n0 1 0 y
D D n .0/ exp : (1.45)
dy dy Ln Ln
Für den gesuchten Verlauf der Elektronenstromdichte jn .y/ erhalten wir damit
y
jn .y/ D jn .0/ exp : (1.48)
Ln
Die Löcherstromdichte ergibt sich aus folgenden Überlegungen: Zum einen muss die Ge-
samtstromdichte über dem Ort konstant sein, da an keiner Stelle des Halbleiterblocks
Ladungsträger abfließen können, d. h. es gilt
Zum anderen ist der Löcherstrom an der Stelle y D 0 gleich null, da dort nur Elektronen
injiziert werden, so dass
jp .0/ D 0 (1.50)
gilt. Mit (1.49) und (1.50) folgt daraus
jp(y)
jn(0)
jges
Die sich ergebenden Verläufe der Stromdichten sind in Abb. 1.5 gezeigt. Man erkennt,
dass es sich bei dem Strom an der Stelle y D 0 zunächst um einen reinen Elektronenstrom
handelt, der durch die injizierten Elektronen hervorgerufen wird. Diese Elektronen rekom-
binieren jedoch auf ihrem Weg durch den Halbleiter, wobei die dazu nötigen Löcher aus
dem p-Halbleiter nachgeliefert werden, was dem Löcherstrom entspricht. Im Inneren des
Halbleiters, wo die Elektronendichte wieder auf die Gleichgewichtsdichte abgeklungen
ist, fließt praktisch kein Elektronenstrom mehr, der gesamte Strom wird hier von Löchern
getragen.
Den Wert der Majoritätsträgerdichte p.y/ in (1.53) können wir wegen der schwachen
Injektion durch die entsprechende Gleichgewichtsdichte, d. h. die Dotierungsdichte NA
ersetzen. Für y Ln gilt daher
Da die Löcherdichte für y Ln konstant ist, muss auch die Feldstärke konstant sein und
wir erhalten
jp D jges D qp NA E : (1.55)
Der Strom jges entspricht nach (1.51) dem bereits in Teilaufgabe b. berechneten Strom
jn .0/. Durch Umstellen von (1.55) ergibt sich daher schließlich die elektrische Feldstärke
16 1 Halbleiterphysik
für y Ln zu
2.1 Formelsammlung
Diffusionsspannung
kT NA ND
˚i D ln (2.1)
q n2i
Überschussladungsträgerdichten an den Rändern der Raumladungszone
h q i
pn0 .xn / D pn0 exp Upn 1 bzw. (2.2)
h kT
q i
np0 .xp / D np0 exp Upn 1 (2.3)
kT
Diodengleichung h q i
ID D IS exp Upn 1 (2.4)
kT
Sättigungsstrom
Dp Dn
IS D qAn2i C (lange Abmessungen) (2.5)
Lp ND Ln NA
Dp Dn
IS D qAn2i C (kurze Abmessungen) (2.6)
wn ND wp NA
Weite der Raumladungszone (abrupter pn-Übergang)
s
2"0 "r 1 1
wD C ˚i Upn (2.7)
q NA ND
Ausdehnung der Raumladungszone in das n- bzw. p-Gebiet
NA
xn D w (2.8)
NA C ND
ND
xp D w (2.9)
NA C ND
Sperrschichtkapazität
A"0 "r
Cj D (2.10)
w
Diffusionskapazität
q q
Cd D T IS exp Upn (2.11)
kT kT
Diffusionsladung
Qd D T ID (2.12)
Speicherzeit
IF
tS D T (2.13)
IR
Diodenleitwert
q
gD D ID;A (2.14)
kT
Aufgabenstellung
Upn
2.2 Verständnisfragen zur Diode 19
Diffusion Diffusion
Drift Drift
qND
+
_ x
-qNA
E
-xp 0 xn x
Abb. 2.2 pn-Übergang mit den sich einstellenden Verläufen der Raumladung , des elektrischen
Feldes E und des Potenzials ˚ . Durch die Diffusion von Elektronen in das p-Gebiet und von
Löchern ˚ in das n-Gebiet entsteht ein Bereich, die so genannte Raumladungszone, in welcher
praktisch keine freien Ladungsträger, sondern nur noch die ortsfesten ionisierten Dotieratome (C,
) vorhanden sind. Das in der Raumladungszone entstehende elektrische Feld E führt wiederum
zu einer Driftbewegung der Ladungsträger, die der Diffusionsbewegung entgegengesetzt ist, so dass
sich Drift- und Diffusionsströme gegenseitig aufheben
20 2 Diode
Das elektrische Feld E führt nun zu einer Driftbewegung der Ladungsträger, die der
beschriebenen Diffusionsbewegung entgegengesetzt ist. Dadurch stellt sich ein Gleichge-
wichtszustand ein, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich die Drift- und Diffusions-
ströme jeweils gegenseitig kompensieren.
S.m.i.L.E.: 2.1_pn-Übergang
-q Upn WC WC
WF -q Upn WF
WV WV
Abb. 2.4 Bänderdiagramm der Diode für Upn < 0 V (links) und Upn > 0 V (rechts)
und um so größer wird gemäß (2.4) der Strom ID . Die Diode wird in diesem Fall in
Durchlasspolung betrieben.
Sehr anschaulich lässt sich das Verhalten der Diode bei Anlegen einer äußeren Span-
nung auch anhand des Bänderdiagramms erklären. Nach Anwendung der im Lehrbuch,
Abschn. 2.4.1 beschriebenen Konstruktionsregeln erhält man das in Abb. 2.4 gezeigte
Bänderdiagramm für Upn < 0 V (links) bzw. Upn > 0 V (rechts). In der Abbildung sind
zusätzlich die jeweiligen Majoritätsträger in den Gebieten eingezeichnet. Da die Ladungs- 2.4
träger stets versuchen, den Zustand niedrigster Energie einzunehmen, streben Elektronen
im Bänderdiagramm nach unten und Löcher nach oben. Wird eine Spannung Upn an die
Diode gelegt, so wird das Ferminiveau WF im p-Gebiet gegenüber dem Ferminiveau im
n-Gebiet energiemäßig um q Upn verschoben.
Ist Upn also negativ, liegt das Ferminiveau im p-Gebiet oberhalb des Ferminiveaus im
n-Gebiet. Dadurch entsteht eine große Energiebarriere zwischen den beiden Gebieten, so
dass die Majoritätsträger nicht über den Übergang gelangen können. Die Diode wird in
Sperrpolung betrieben.
Ist Upn hingegen positiv, liegt das Ferminiveau im p-Gebiet unterhalb des Ferminiveaus
im n-Gebiet. Dadurch verringert sich die Höhe der Barriere, so dass Elektronen ins p-
Gebiet und Löcher ins n-Gebiet gelangen können; die Diode wird also in Durchlasspolung
betrieben.
2.3 pn-Übergang
Aufgabenstellung
Gegeben sei eine Siliziumdiode mit abruptem pn-Übergang, bei der das p-Gebiet
mit 1015 Boratomen und das n-Gebiet mit 1017 Arsenatomen pro Kubikzentime-
22 2 Diode
ter dotiert wurde. Die effektive Querschnittsfläche der Diode betrage 0;1 mm2 , die
Bahngebiete seien lang gegenüber der Diffusionslänge der jeweiligen Minoritäts-
träger. Die Lebensdauer der Elektronen und der Löcher betrage jeweils 30 s. Die
Diode soll bei Raumtemperatur in drei verschiedenen Arbeitspunkten betrieben wer-
den: In Sperrpolung (Upn D 10 V), ohne Vorspannung (Upn D 0 V) sowie in
Durchlasspolung mit eingeprägtem Strom ID D 100 A. Für jeden dieser Arbeits-
punkte sind zu bestimmen:
Hinweise: Zur Vereinfachung kann die Transitzeit T durch die Lebensdauer der
Elektronen bzw. der Löcher abgeschätzt werden, d. h. T D p D n D 30 s.
Weiterhin kann schwache Injektion vorausgesetzt und die Generation bzw. Re-
kombination von Ladungsträgern in der Raumladungszone vernachlässigt werden.
Ebenso kann der ohmsche Spannungsabfall über den Kontakten und den neutralen
Bahngebieten vernachlässigt werden (dies bedeutet, dass eine von außen an die Di-
ode angelegte Spannung Upn zu einer entsprechenden Änderung der Spannung über
dem pn-Übergang führt).
Lösung zu a. Gleichstromverhalten
Aus der Aufgabenstellung ergibt sich:
Die Berechnung des Diodenstromes ID bzw. der Diodenspannung Upn erfolgt mittels der
Diodengleichung (2.4)
h q i
ID D IS exp Upn 1 (2.15)
2.2.1 kT
mit dem Sättigungsstrom IS , der für lange Abmessungen durch (2.5)
Dp Dn
IS D qAn2i C (2.16)
Lp ND Ln NA
2.3 pn-Übergang 23
gegeben ist. Wir bestimmen zunächst die Diffusionskoeffizienten Dn und Dp mit Hilfe
der Einstein-Beziehung (1.11) sowie den gegebenen Werten für die Ladungsträgerbeweg-
lichkeiten n bzw. p (vgl. Liste der verwendeten Symbole – Materialeigenschaften von
Silizium) und erhalten
kT
Dn D n D 26 mV 0;135 m2 V1 s1
q
D 3;510 103 m2 s1 ;
kT
Dp D p D 26 mV 0;048 m2 V1 s1
q
D 1;248 103 m2 s1 : (2.17)
IS D 39;2 fA : (2.19)
Man erkennt, dass bei Upn 0 kein bzw. nur ein vernachlässigbar kleiner Strom, der
Sperrstrom, durch die Diode fließt (Sperrpolung). Beim Anlegen einer positiven Spannung
steigt der Strom dann exponentiell an und erreicht ab etwa 0;5 bis 0;6 V bereits sehr große
Werte (Durchlasspolung).
S.m.i.L.E.: 2.2_Diodenkennlinie
24 2 Diode
A"0 "r
Cj D : (2.23)
w
erhalten wir durch Einsetzen der Zahlenwerte in (2.24) bzw. (2.23) die Beziehungen
q
[Link] / D 1;330 1012 m2 V1 697 mV Upn bzw. (2.26)
1;054 1017 Fm
Cj .Upn / D : (2.27)
[Link] /
Die sich damit ergebenden Werte von w und Cj sind für die drei in der Aufgabenstellung
angegebenen Arbeitspunkte in Tab. 2.1 zusammengestellt.
2.3 pn-Übergang 25
qND
+Q
-Q x
-qNA
E
-xp 0 xn x
Emax
Die physikalische Ursache der Diffusionskapazität ist, dass sich bei einer in Durch-
lassrichtung betriebenen Diode mit Änderung der Diodenspannung auch die Menge der
in den neutralen Gebieten gespeicherten Ladung ändert. Diese wächst mit zunehmender
Spannung und berechnet sich gemäß (2.11) zu
q q
Cd D T IS exp Upn : (2.28)
kT kT
Der betragsmäßig größte Wert Emax der Feldstärke wird bei x D 0 erreicht. Auswerten
des Integrals führt damit auf
Z0
1 qNA
Emax D E.0/ D .qNA / dx D xp : (2.33)
"0 "r "0 "r
xDxp
Dabei beschreibt xp die Ausdehnung der Raumladungszone in das p-Gebiet. Diese können
wir gemäß (2.9) ausdrücken durch
ND
xp D w (2.34)
NA C ND
q NA ND
Emax .Upn / D [Link] /
"0 "r NA C ND
D 1:504 1012 Vm2 [Link] / : (2.35)
Die sich für die drei Arbeitspunkte ergebenden maximalen Feldstärken sind in Tab. 2.1
zusammengestellt. Es ist deutlich zu erkennen, dass mit zunehmender Sperrspannung über
dem pn-Übergang sich auch die Weite der Raumladungszone und damit die Menge der in
der Raumladungszone gespeicherten Ladung vergrößert. Damit steigt schließlich auch die
maximale Feldstärke betragsmäßig an.
Damit ergeben sich die in Abb. 2.6 gezeigten Verläufe der Ladungsträgerdichten. Dabei
ist zu beachten, dass die Raumladungszone sehr stark verbreitert dargestellt ist. Die nä-
herungsweisen Verläufe der Ladungsträgerdichten innerhalb der Raumladungszone sind
gestrichelt dargestellt.
S.m.i.L.E.: 2.2_Diodenkennlinie
28 2 Diode
n,p
Raumladungszone
nno
ppo
Upn = - 10 V
npo
pno
np pn
x
-xp 0 xn
n,p
nno
ppo
Upn = 0 V
npo pn
np pno
x
-xp 0 xn
n,p
nno
ppo
Upn = 0,563 V np
ID = 100 uA npo pn
pno
x
-xp 0 xn
Abb. 2.6 Ortsabhängiger Verlauf der Ladungsträgerdichten bei einer Diode für unterschiedliche
Spannungen Upn (stark vereinfachte, nicht maßstabgerechte Darstellung)
2.4 Diodenschaltungen
Aufgabenstellung
Die in den Abb. 2.8 bis 2.10 gezeigten Diodenschaltungen sind zu untersuchen.
Dabei soll das Strom-Spannungsverhalten der Dioden zur Vereinfachung durch die
2.4 Diodenschaltungen 29
a. Die in Abb. 2.8 gezeigte Schaltung werde mit dem sinusförmigen Eingangssignal
UE .t/ D 10 V sin.!t/ angesteuert. Die Kreisfrequenz ! sei beliebig. Skizzieren
Sie die sich ergebende Ausgangsspannung UA .t/.
b. Die Schaltung aus Abb. 2.9 werde mit dem sinusförmigen Eingangssignal UE .t/
aus Teilaufgabe a. angesteuert. Bestimmen Sie die Ausgangsspannung UA .t/.
Wie ändert sich die Ausgangsspannung, wenn parallel zum Widerstand R eine
sehr große Kapazität geschaltet wird?
c. Bestimmen Sie die Übertragungskennlinie UA D f .UE / der in Abb. 2.10 gezeig-
ten Schaltung mit R1 D 20 k , R2 D 10 k und R3 D 1 k für jUE j 5 V.
Upn
US
UE(t) UA(t)
D2
R UA(t)
UE(t) D3 D4
30 2 Diode
Lösung zu a. Eingangsschutzschaltung
Zur Untersuchung der Schaltung betrachten wir die folgenden drei Fälle:
Aus diesen Überlegungen ergeben sich die in Abb. 2.11 gezeigten Spannungsverläufe.
Durch die Dioden wird die Ausgangsspannung auf Werte im Bereich 5;7 V UA
0;7 V begrenzt. Die Schaltung eignet sich also prinzipiell als Schutz vor Über- bzw.
Unterspannung (Eingangsschutzschaltung).
PSpice: 2_Eingangsschutzschaltung
Lösung zu b. Brückenschaltung
Positive Halbwelle: Für UE > 2US D 1;4 V leiten die Dioden D1 und D4 , während
D2 und D3 sperren. Dadurch fällt die Spannung UE , vermindert um 1;4 V (Schwellen-
spannung der beiden leitenden Dioden), am Widerstand R ab.
-0,7V
t
-10V
2.4 Diodenschaltungen 31
-10V
Negative Halbwelle: Für UE < 2US D 1;4 V leiten die Dioden D2 und D3 , wäh-
rend D1 und D4 sperren. Dadurch wird die negative Halbwelle umgepolt und fällt,
vermindert um 1;4 V, am Widerstand R ab.
Für C1;4 V UE 1;4 V sperren alle vier Dioden und daher ist UA gleich null.
Aus diesen Überlegungen ergeben sich die in Abb. 2.12 gezeigten Spannungsverläufe. Zu
erkennen ist, dass das Eingangssignal gleichgerichtet wird, da die negative Halbwelle von
UE .t/ umgepolt wird. Aufgrund der Anordnung der Dioden nennt man diese Schaltung
auch Brückengleichrichter. Eine Kapazität C parallel zum Widerstand R bewirkt eine
Glättung des Ausgangssignals, so dass man bei hinreichend großer Zeitkonstante D RC
quasi eine Gleichspannung von 10 V 2US D 8;6 V zur Verfügung hat. Die Schaltung ist
also prinzipiell zur Umwandlung von Wechselspannung in Gleichspannung geeignet.
PSpice: 2_Brückenschaltung
Durch Umstellen ergibt sich schließlich für die Eingangsspannung im Knickpunkt der
Kennlinie
R1 C R2
UE;S D US D 2;1 V : (2.37)
R2
Die beiden Teile der Übertragungskennlinie ergeben sich dadurch, dass die Diode für
UE UE;S sperrt und für UE > UE;S leitet. Im ersteren Fall erhalten wir aus der Schal-
tung mit Hilfe der Spannungsteilerregel
R2 UE
UA D UE D : (2.38)
R1 C R2 3
Für den Fall UE > UE;S ergibt sich aus der Schaltung die Beziehung
UA D UE I1 R1 (2.39)
mit
I1 D I2 C I3 (2.40)
und
UA
I2 D (2.41)
R2
sowie
UA US
I3 D : (2.42)
R3
Setzt man (2.40) bis (2.42) in (2.39) ein, erhält man
UA UA US
UA D UE C R1 : (2.43)
R2 R3
UE C US R
R
1
UE
UA D 3
D C 0;609 V : (2.44)
1C R R1
R2 C R3
1 23
Die entsprechende Übertragungskennlinie ist in Abb. 2.13 grafisch dargestellt. Zum Ver-
gleich wurde zusätzlich das Ergebnis der PSpice-Simulation eingezeichnet (gestrichelte
Linie).
Die Abweichungen zwischen Rechnung und Simulation sind dadurch zu erklären, dass
bei der Rechnung eine Knickkennlinie zur Beschreibung des Verhaltens der Diode ver-
wendet wurde, bei der Simulation hingegen ein Diodenmodell mit einer exponentiellen
Diodenkennlinie gemäß (2.4).
-5V 2,1V 5V UE
-2V
2.5 Schaltverhalten
Aufgabenstellung
Die in Abb. 2.14 dargestellte Gleichrichterschaltung mit R1 D 100 und R2 D
1 k werde mit dem gezeigten Rechteckimpuls UE .t/ mit UF D 2 V und UR D
12 V angesteuert. Von der Diode D1 seien folgende Daten bekannt:
Bei der Diode können die ohmschen Widerstände der Kontakte und der neutralen
Bahngebiete vernachlässigt werden. Weiterhin soll zur Vereinfachung die Sperr-
schichtkapazität Cj als spannungsunabhängig angenommen und mit dem Wert
Cj D Cj 0 angenähert werden.
Skizzieren Sie den Diodenstrom ID .t/ unter Berücksichtigung des Ladungs-
speicherverhaltens der Diode. Durch welche Zeitkonstanten wird das Ein- bzw.
Ausschalten charakterisiert? Wie ändert sich der Diodenstrom, wenn anstelle der
Diode D1 eine Diode D2 mit einer um den Faktor 10 größeren Transitzeit verwen-
det wird?
R1 D1 I (t)
UE(t) D
UF
Upn(t)
100ns 300ns t R2 UA(t)
UE(t)
UR
Lösung
Zur Beschreibung des statischen und dynamischen Verhaltens der Diode wird das in
Abb. 2.15 gezeigte Ersatzschaltbild aus dem Lehrbuch, Abschn. 2.3.2 verwendet. Dabei
ist im vorliegenden Fall der Widerstand RS gleich null, da laut Aufgabenstellung die ohm-
schen Widerstände der Kontakte und der neutralen Bahngebiete vernachlässigt werden
2.3.2 können. Die Stromquelle ID;pn repräsentiert die Diodengleichung (2.4) und beschreibt
den Diodenstrom im stationären Fall, die Kapazitäten Cd und Cj beschreiben den dy-
namischen Stromanteil, der durch eine zeitliche Änderung der Diodenladung verursacht
wird.
Zur Bestimmung des Diodenstroms ID .t/ bilden wir zunächst den Maschenumlauf in
der Schaltung nach Abb. 2.14 und erhalten
Für t < 100 ns ist laut Aufgabenstellung UE .t/ D UR D 12 V, so dass die Diode sperrt.
Da der in Sperrpolung fließende Strom sehr klein ist, kann der Spannungsabfall über den
Widerständen R1 und R2 vernachlässigt werden. Über der Diode liegt daher in sehr guter
Näherung die gesamte Spannung von Upn .t/ D UR D 12 V an.
Zur Zeit t D 100 ns wird die Eingangsspannung auf UE .t/ D UF D 2 V geändert. Da
die Diode im Wesentlichen ein kapazitives Verhalten zeigt, kann sich die Diodenspannung
nicht abrupt ändern. Zum Umschaltzeitpunkt t1 D 100 ns liegen daher zunächst weiterhin
Upn D 12 V über der Diode an und nach (2.45) fließt ein relativ großer Strom von
der zum Umladen der Diodenkapazität führt. Dadurch steigt die Spannung Upn über der
Diode und der Strom ID wird nach (2.45) immer kleiner, bis sich ein stationärer Zustand
einstellt. Nimmt man in guter Näherung einen Endwert der Diodenspannung von Upn
2.5 Schaltverhalten 35
C0;7 V an, so beträgt der fließende Strom gegen Ende des Einschaltvorganges
UF 0;7 V
ID D IF D D 1;18 mA : (2.47)
R1 C R2
Der zeitliche Verlauf des Einschaltvorganges wird durch das Umladen der Diodenkapa-
zität bestimmt. Dabei kann man davon ausgehen, dass zunächst die Sperrschichtkapazität
dominiert und die Diffusionskapazität erst dann beginnt eine Rolle zu spielen, wenn die
Diode bereits in Durchlassrichtung gepolt ist. Der wesentliche Teil des Einschaltvorgan-
ges wird also durch die Sperrschichtkapazität bestimmt, die während dieser Zeit von
Upn D 12 V bis auf einen Endwert von Upn 0;7 V umgeladen wird. Da, wie in
der Aufgabenstellung beschrieben, die Sperrschichtkapazität während des Umladens als
konstant angenommen werden soll, erfolgt die Umladung mit der RC-Zeitkonstanten
UR 0;7 V
IR D D 11;5 mA (2.49)
R1 C R2
fließt. Der Ladungsabbau erfolgt dabei sowohl durch Rekombination der Ladung als auch
durch das Ausräumen der Ladung durch den Diodenstrom. Ist der Strom während des Ab-
schaltens groß gegenüber dem Strom im eingeschalteten Zustand, kann der Ladungsabbau
durch Rekombination vernachlässigt werden, und der Ladungsabbau der in der Diode ge-
speicherten Diffusionsladung Qd D T IF erfolgt allein durch den Rückstrom. Die dazu
nötige Speicherzeit berechnet somit nach (2.13) zu
IF
tS;1 D T 1;2 ns : (2.50)
IR
Nach Ablauf der Speicherzeit beginnt die zweite Phase des Ausschaltvorganges, in wel-
cher die Diode in den Sperrzustand übergeht, d. h. die Sperrschichtkapazität Cj wird von
Upn 0 V auf Upn D UR D 12 V umgeladen. Diese Umladung bewirkt eine exponen-
tielle Abnahme des Diodenstromes mit der Zeitkonstanten D Cj .R1 C R2 / bis hin zum
Endwert ID 0.
36 2 Diode
UE(t)
UF
100 300
t/ns
UR
Upn(t)
0,7V
τ t
τ τ
UR
tS,1
ID(t)
ID,MAX tS,2
τ D1 D2
IF
t
τ τ
IR
Abb. 2.16 Strom- und Spannungsverläufe bei der Gleichrichterschaltung aus Abb. 2.14
Die sich aus diesen Überlegungen ergebenden Verläufe von Upn .t/ und ID .t/ sind in
Abb. 2.16 dargestellt. Wird anstelle der Diode D1 eine Diode D2 mit einer um den Fak-
tor 10 größeren Transitzeit verwendet, vergrößert sich die Speicherzeit um den gleichen
Faktor (d. h. tS;2 12 ns), ansonsten bleiben die zeitlichen Verläufe der einzelnen Größen
unverändert.
PSpice: 2_Schaltverhalten
Bipolartransistor
3
Die hier aufgeführten Formeln gelten für npn-Transistoren. Für pnp-Transistoren ergeben
sich analoge Beziehungen.
Transfersättigungsstrom
A q DnB nB0
IS D (3.1)
xB
Basisstrom
IS h q i
IB D exp UBE 1 (3.4)
BN kT
Stromverstärkung
IC DnB NDE LpE
BN D D (3.5)
IB DpE NAB xB
q IC;A
gm D IC;A D (3.9)
kT UT
Kleinsignalstromverstärkung
ˇN BN (3.10)
Eingangsleitwert
1 gm IC;A
g D D D (3.11)
r ˇN ˇN UT
Ausgangsleitwert
1 IC;A
g0 D D (3.12)
r0 UAN C UCE;A
Kapazität des Basis-Emitter-Übergangs (Diffusionskapazität)
Transitfrequenz
gm
!T D (3.15)
CBE C CBC
3.2 Verständnisfragen zum Bipolartransistor 39
Aufgabenstellung
a. Erklären Sie, warum bei der Ableitung der Transistorgleichungen der Minoritäts-
trägerverteilung in der Basis eine besondere Bedeutung zukommt. Skizzieren Sie
diese Verteilung jeweils für den Normalbetrieb, den Sättigungsbetrieb und den
Inversbetrieb.
b. Erklären Sie die Verstärkerwirkung des Bipolartransistors, d. h. beschreiben Sie
die physikalischen Effekte, die dazu führen, dass mit einem kleinen Basisstrom
ein großer Kollektorstrom gesteuert werden kann.
c. Lässt sich ein Bipolartransistor, der aus zwei gegeneinander geschalteten pn-
Übergängen besteht, durch zwei entsprechend verschaltete, einzelne pn-Dioden
(Abb. 3.1) nachbilden?
B
E C
Abb. 3.1 Nachbildung eines Bipolartransistors durch zwei gegeneinander geschaltete pn-
Dioden
d. Erklären Sie die Funktionsweise eines pnp-Transistors mit Hilfe des Bänderdia-
gramms.
e. Aus dem in Abb. 3.2 dargestellten Ausgangskennlinienfeld eines Bipolartransis-
tors ist zu erkennen, dass der Kollektorstrom mit steigender Kollektor-Emitter-
Spannung leicht ansteigt. Dieser i. d. R. unerwünschte Effekt wird Early-Effekt
genannt.
5
IB= 20 μA
IB= 10 μA
UCE
0 10 20 V
Nennen Sie die physikalische Ursache für diesen Effekt. Wie wirkt sich der
Early-Effekt auf den Ausgangswiderstand des Transistors aus? Bestimmen Sie
40 3 Bipolartransistor
die Early-Spannung UAN aus dem Ausgangskennlinienfeld. Wie müssen die Do-
tierungen von Basis und Kollektor im Verhältnis zueinander gewählt werden, um
die Auswirkungen des Early-Effektes möglichst gering zu halten?
PSpice: 3_BJT-Ausgangskennlinie
S.m.i.L.E.: 3.2_BJT-Kennlinienfeld
3.2 Verständnisfragen zum Bipolartransistor 41
np np np
nB
⎧ nB
Steigung ~ ΙC ⎧ ⎩ ⎩
⎨ ⎨
~e
UBE UBE
~e
⎨ UBC nB ⎨ UBC
⎧ ~e ⎧ ~e
0 xB x 0 xB x 0 xB x
UCE=5V
Lösung zu b. Stromverstärkung
Die Verstärkerwirkung eines Bipolartransistors, z. B. eines npn-Transistors, beruht auf der
Tatsache, dass im Normalbetrieb (UBE > 0, UBC < 0) die Steigung der Minoritätsträ-
gerverteilung in der Basis und damit der Kollektorstrom sehr groß ist (vgl. Teilaufgabe
a.). Je kleiner die Basisweite xB ist, desto größer wird unter sonst gleichen Bedingungen
der Kollektorstrom und damit auch die Stromverstärkung. Umgekehrt verringert sich die
Verstärkerwirkung, wenn die Basisweite xB vergrößert wird.
Die wesentlichen Stromanteile eines npn-Transistors in Normalbetrieb sind in Abb. 3.4
dargestellt. Über den in Durchlassrichtung gepolten Basis-Emitter-Übergang diffundieren
zum einen Löcher von der Basis in den Emitter (kleiner Pfeil) und zum anderen Elek-
tronen von dem Emitter in die Basis (großer Pfeil). Ersteres ist Ursache für den relativ
kleinen Basisstrom IB , letzteres liefert den Kollektorstrom, der wegen der in Teilaufgabe
a. beschriebenen Mechanismen sehr große Werte annehmen kann.
S.m.i.L.E.: 3.1_Bipolartransistor
42 3 Bipolartransistor
W W
WC WC
WF,C
WV WV
-q UCE -q UCE
WF,E -q UBE
WF,B
Abb. 3.5 Linke Bildhälfte: Bänderdiagramm des pnp-Transistors bei UBE D 0 V und UCE < 0 V.
Die Potenzialbarriere zwischen Emitter und Basis verhindert, dass sich Löcher vom Emitter zum
Kollektor bewegen können. Rechte Bildhälfte: Durch Anlegen einer Spannung UBE < 0 V wird die
Potenzialbarriere verkleinert und die Löcher aus dem Emitter können über die Basis in den Kollektor
gelangen
Lösung zu c. Diodennachbildung
Nein. Begründung: Das in Teilaufgabe a. behandelte Funktionsprinzip des Bipolartran-
sistors setzt voraus, dass die in die Basis injizierten Ladungsträger durch diese hindurch-
diffundieren, ohne zu rekombinieren. Bei der in Abb. 3.1 gezeigten Anordnung rekom-
binieren die vom Emitter injizierten Ladungsträger jedoch entweder bereits innerhalb der
Basis-Emitter-Diode oder aber an dem Metallkontakt, mit dem die beiden Basisgebiete
verbunden sind. Es gelangen also keine Elektronen vom Emitter in den Kollektor; der
Transistoreffekt stellt sich nicht ein.
Lösung zu d. Bänderdiagramm
Nach Anwendung der im Lehrbuch, Abschn. 2.4.1 beschriebenen Konstruktionsregeln er-
hält man das in Abb. 3.5 (links) gezeigte Bänderdiagramm für einen pnp-Transistor bei
UBE D 0 V und UCE < 0 V. Entsprechend verlaufen die Ferminiveaus WF;E im Emit-
ter und WF;B in der Basis auf einem Niveau; das Ferminiveau WF;C im Kollektor ist um
q UCE angehoben. Da die Ladungsträger stets versuchen, den Zustand niedrigster Ener-
gie anzunehmen, streben Elektronen im Bänderdiagramm nach unten und Löcher nach
oben. Deutlich ist zu erkennen, dass in dem dargestellten Fall der Basis-Emitter-Übergang
eine Potenzialbarriere darstellt, die verhindert, dass Löcher vom Emitter durch die Basis
in den energetisch niedriger gelegenen Kollektor gelangen können, d. h. der Transistor
sperrt.
Wird nun eine negative Spannung an die Basis gegenüber dem Emitter angelegt
(Abb. 3.5, rechts), so verschiebt sich das Ferminiveau WF;B in der Basis um q UBE nach
oben und die Potenzialbarriere verringert sich, so dass nun Löcher vom Emitter in den
Kollektor gelangen können, d. h. der Transistor leitet.
S.m.i.L.E.: 3.4_Bipolartransistor
3.2 Verständnisfragen zum Bipolartransistor 43
Lösung zu e. Early-Effekt
Die Ursache für den Early-Effekt ist die sog. Basisweitenmodulation. Dies bedeutet, dass
eine Änderung der über dem Basis-Kollektor-Übergang anliegenden Sperrspannung zu
einer Änderung der Weite der Basis-Kollektor-Raumladungszone und damit zu einer Än-
derung der effektiven Basisweite xB führt (Abb. 3.6). Dadurch ändert sich die Steigung der
Ladungsträgerverteilung in der Basis und somit auch der zu dieser Steigung proportionale
Kollektorstrom.
Der Ausgangswiderstand r0 des Transistors ist gleich dem Kehrwert der Steigung der
Ausgangskennlinie im jeweiligen Arbeitspunkt A, also
ˇ
@UCE ˇˇ
r0 D : (3.16)
@IC ˇA
Je stärker der Strom IC mit steigender Spannung UCE ansteigt, desto geringer ist der Aus-
gangswiderstand. Ohne Early-Effekt, d. h. mit horizontal verlaufenden Ausgangskennli-
nien, ergäbe sich ein unendlich hoher Ausgangswiderstand und somit das Verhalten einer
idealen Stromquelle.
Die Early-Spannung UAN kann auf grafischem Wege aus dem Ausgangskennlinienfeld
eines Transistors bestimmt werden. Gemäß dem Lehrbuch schneiden die Verlängerun-
gen der Kennlinien IC D f .UBC / im normalen Verstärkerbetrieb die Spannungsachse
bei UAN . Da UAN i. d. R. relativ groß ist und sich die Spannungen UBC und UCE ledig-
lich um die Basis-Emitter-Spannung von UBE 0;7 V unterscheiden, kann die grafische
Bestimmung in guter Näherung auch aus dem Ausgangskennlinienfeld IC D f .UCE / er- 3.2.5
folgen. Wie in Abb. 3.7 zu erkennen ist, ergibt sich in dem gezeigten Beispiel für die
Early-Spannung ein Wert von
UAN 75 V : (3.17)
Wird der Kollektor deutlich schwächer dotiert als die Basis, so dehnt sich gemäß (2.8)
bzw. (2.9) die Basis-Kollektor-Raumladungszone hauptsächlich in das Kollektorgebiet
aus. Die Folge ist eine geringere Modulation der effektiven Basisweite und somit eine
geringere Abhängigkeit des Kollektorstromes IC von der Spannung UBC bzw. UCE .
S.m.i.L.E.: 3.2_BJT-Kennlinienfeld
44 3 Bipolartransistor
-UAN UCE
-80 -60 -40 -20 0 20 V
10
-5 -4 -3 -2
10 10 10 10 ΙC
A
Lösung zu f. Stromverstärkung
In Abb. 3.8 ist die Stromverstärkung BN eines realen Transistors in Abhängigkeit vom
Kollektorstrom IC dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die Stromverstärkung für sehr klei-
ne und sehr große Kollektorströme abnimmt.
Die Ursache dafür ist, dass bei sehr kleinen Strömen u. a. die Rekombination von
Ladungsträgern in der Basis-Emitter-Raumladungszone zunehmend ins Gewicht fällt, wo-
durch die Stromverstärkung absinkt. Bei sehr großen Strömen tritt starke Injektion an den
pn-Übergängen auf, was zu einem kleineren Kollektorstrom führt, so dass die Stromver-
stärkung geringer wird.
Lösung zu g. Sperrspannung
Die maximale Sperrspannung UBC , die man an einen Transistor anlegen kann, wird durch
das Durchbruchverhalten des Basis-Kollektor-Übergangs bestimmt. Bei hinreichend ho-
her Spannung UBC tritt in der Basis-Kollektor-Raumladungszone Ladungsträgermultipli-
kation durch den so genannten Lawineneffekt auf, was zu einem starken Anstieg des
Kollektorstromes IC führt. Dadurch kann es zu einer Überschreitung der maximal zu-
2.3.4 lässigen Verlustleistung und somit zur Zerstörung des Transistors kommen (so genannter
thermischer Durchbruch).
3.3 npn-Transistor 45
3.3 npn-Transistor
Aufgabenstellung
Gegeben sei ein npn-Transistor aus Silizium mit folgenden Daten:
Dotierung: NDE D 2 1018 cm3 , NAB D 1017 cm3 , NDC D 1016 cm3 ,
Diffusionslängen: LpE D 2 m, LpC D 3 m,
Transitzeit im Normalbetrieb: N D 30 ps,
effektive Fläche: A D 1000 m2 ,
Early-Spannung: UAN D 50 V.
Die pn-Übergänge des Transistors können als abrupt angenommen werden. Der
Transistor werde bei Raumtemperatur (T D 300 K) im Arbeitspunkt UBE D 0;7 V,
UCE D 5 V betrieben (Abb. 3.9).
a. Im Arbeitspunkt fließt ein Kollektorstrom von 1 mA. Berechnen Sie die Basis-
weite des Transistors.
b. Wie groß ist die statische Stromverstärkung des Transistors? Wie ändert sich
dieser Wert, wenn in der gegebenen Schaltung Kollektor- und Emitteranschluss
miteinander vertauscht werden?
c. Zeichnen Sie das Kleinsignalersatzschaltbild des Transistors im gegebenen
Arbeitspunkt und bestimmen Sie die Werte der darin enthaltenen Elemente.
Welchem Zweck dient das Kleinsignalersatzschaltbild und welchen Einschrän-
kungen unterliegt es?
d. Skizzieren Sie die Minoritätsladungsträgerverteilung im Transistor für den
gegebenen Arbeitspunkt. Berechnen Sie die Konzentration der Minoritätsla-
dungsträger in den neutralen Bahngebieten des Transistors und an den Rändern
der pn-Übergänge.
46 3 Bipolartransistor
Lösung zu a. Basisweite
Die Basisweite xB des Transistors lässt sich aus der Stromgleichung des Bipolartransistors
(3.2) h q i
IC D IS exp UBE 1 (3.18)
kT
und der Beziehung (3.1) für den Transfersättigungsstrom
A q DnB nB0
IS D (3.19)
xB
A q DnB nB0 h q i
xB D exp UBE 1 : (3.20)
IC kT
Der Diffusionskoeffizient DnB berechnet sich mittels (1.11). Mit der Temperaturspannung
UT D kT =q D 26 mV erhalten wir
kT
DnB D n D 3;510 103 m2 s1 : (3.21)
q
Für die Gleichgewichtsdichte nB0 der Elektronen in der Basis gilt gemäß (1.9)
Mit (3.20) bis (3.22) und A D 109 m2 , IC D 1 mA sowie UBE D 0;7 V ergibt sich
schließlich die Basisweite des Transistors zu
xB D 622 nm : (3.23)
Lösung zu b. Stromverstärkung
Die statische Stromverstärkung im Normalbetrieb berechnet sich nach (3.5) zu
Mit (1.11) ergibt sich DnB =DpE D 2;813. Weiterhin gilt NDE =NAB D 20 und mit Hilfe
der in Teilaufgabe a. berechneten Basisweite erhalten wir LpE =xB D 3;215. Daraus ergibt
3.2.1 sich schließlich
BN D 2;813 20 3;215
D 181 : (3.25)
3.3 npn-Transistor 47
Werden in der Schaltung von Abb. 3.9 die Anschlüsse von Kollektor und Emitter
miteinander vertauscht, ist der Basis-Kollektor-Übergang in Durchlassrichtung und der
Basis-Emitter-Übergang in Sperrrichtung gepolt, d. h. der Transistor arbeitet im inversen
Verstärkerbetrieb. Die Stromverstärkung für diese Betriebsart berechnet sich nach (3.8) zu
mit DnB =DpC D n =p D 2;813, NDC =NAB D 0;1 und LpC =xB D 4;823.
Die Stromverstärkung eines Transistors im Inversbetrieb ist also deutlich kleiner als
im Normalbetrieb. Grund dafür ist, dass die Transistorparameter, insbesondere die Dotie-
rungsdichten, so gewählt sind, dass sich im Normalbetrieb eine maximale Stromverstär-
kung ergibt.
Lösung zu c. Kleinsignalersatzschaltbild
Als Kleinsignalersatzschaltbild für den Transistor können wir die in Abb. 3.10 gezeigte
Schaltung aus dem Lehrbuch, Abschn. 3.3.3 verwenden. Die darin enthaltenen Elemente
können mit Hilfe von (3.9) bis (3.14) berechnet werden.
3.3.3
Steilheit:
q 1
gm D IC;A D 1 mA D 38;46 mS ; (3.27)
kT 26 mV
Kleinsignalstromverstärkung:
ˇN BN D 181 ; (3.28)
Eingangswiderstand:
ˇN
r D D 4;7 k ; (3.29)
gm
Ausgangswiderstand:
UAN C UCE;A 50 V C 5 V
r0 D D D 55 k : (3.30)
IC;A 1 mA
48 3 Bipolartransistor
Die Kapazität des Basis-Emitter-Übergangs ergibt sich allein aus der Diffusionskapazität,
da diese bei dem in Durchlassrichtung gepolten Übergang gegenüber der Sperrschichtka-
pazität dominiert. Wir erhalten demnach
MBC 1
UBC;A 4;3 V 2
CBC D Cj 0;BC 1 D 0;318 pF 1
˚i;BC 0;757 V
D 0;123 pF : (3.36)
3.3 npn-Transistor 49
np, pn
n-Emitter n-Kollektor
nB
pE
pC
pC0
pE0 nB0
-xE 0 xB xC x
Mit dem Kleinsignalersatzschaltbild kann das Verhalten eines Bauelements (oder einer
Schaltung) bei Ansteuerung mit kleinen Signalen um einen Arbeitspunkt herum unter-
sucht werden. Da sich das Kleinsignalersatzschaltbild durch Linearisieren der Großsignal-
beschreibung um einen festen Arbeitspunkt herum ergibt, gilt es nur für den jeweiligen
Arbeitspunkt und nur für die Ansteuerung mit kleinen Signalen.
Lösung zu d. Minoritätsladungsträgerverteilung
Die Minoritätsladungsträgerverteilung an dem Basis-Emitter- bzw. dem Basis-Kollektor-
Übergang im Transistor entspricht jeweils der einer in Durchlass- bzw. Sperrrichtung
gepolten Diode. Es kann also auf die Ergebnisse des Abschnitts 2.3 (Teilaufgabe d.)
zurückgegriffen werden. Somit ergibt sich die in Abb. 3.11 dargestellte Verteilung der
Minoritätsträger im Transistor. 3.1.2
Durch die Injektion von Elektronen aus dem Emitter nimmt die Elektronendichte nB
am linken Rand der Basis (x D 0) sehr hohe Werte an, während am rechten Rand der Basis
(x D xB ) die Elektronendichte sehr gering ist, da dort die Elektronen in den Kollektor
abgesaugt werden. Da die Basis des Bipolartransistors in der Regel sehr kurz ist, ergibt
sich innerhalb der Basis ein näherungsweise linearer Verlauf für die Elektronendichte.
In den neutralen Bahngebieten des Transistors, in hinreichendem Abstand zu den
Raumladungszonen, ist die Konzentration der Minoritätsladungsträger gleich der jeweili-
gen Gleichgewichtsdichte. Mit Hilfe von (1.7) bzw. (1.9) ergibt sich
n2i
pE0 D D 1;125 102 cm3 ;
NDE
n2
nB0 D i D 2;250 103 cm3 ;
NAB
n2
pC 0 D i D 2;250 104 cm3 : (3.37)
NDC
50 3 Bipolartransistor
An den Rändern der beiden pn-Übergänge können die Überschussdichten der Minoritäts-
träger mit Hilfe von (2.2) bzw. (2.3) berechnet werden. Mit UBE D 0;7 V, UBC D 4;3 V
und kT =q D 26 mV ergibt sich
h q i
pE0 .xE / D pE0 exp UBE 1 pE0 4;9 1011 ;
h kT
q i
0
nB .0/ D nB0 exp UBE 1 nB0 4;9 1011 ;
h kT
q i
0
nB .xB / D nB0 exp UBC 1 nB0 und
h kTq i
0
pC .xC / D pC 0 exp UBC 1 pC 0 : (3.38)
kT
Die Ladungsträgerdichten ergeben sich schließlich durch Addition der Gleichgewichts-
dichten und der Überschussdichten (z. B. pE D pE0 C pE0 / zu
3.4 Transistorschaltung
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 3.12 gezeigte Schaltung mit UB D 12 V, Ue D 1 V, RC D
1 k und RE D 100 . Der Transistor T1 habe eine statische Stromverstärkung
von BN D 180. Berechnen Sie den Arbeitspunkt des Transistors, d. h. die Ströme
IB und IC sowie die Spannungen UBE und UCE . Hinweis: Eine exakte Berechnung
unter Verwendung von (3.4) würde zu einer transzendenten Funktion führen, die
nur iterativ lösbar ist. Führen Sie daher eine überschlägige Berechnung durch und
nehmen Sie dabei eine sinnvolle Abschätzung für UBE vor.
Lösung
Aus der Schaltung und den angegebenen Spannungswerten geht hervor, dass der Basis-
Emitter-Übergang des Transistors in Durchlassrichtung gepolt ist, so dass wir für die
weitere Berechnung von
UBE 0;7 V (3.40)
3.2.1
ausgehen können. Für den Emitterstrom ergibt sich damit aus der Schaltung
Ue UBE 1 V 0;7 V
IE D D D 3 mA : (3.41)
RE 100
Zur Berechnung des Basisstroms und des Emitterstroms verwenden wir die Knotenglei-
chung
IE C IC C IB D 0 (3.42)
sowie (3.5)
IC
IB D : (3.43)
BN
Aus (3.42) und (3.43) ergibt sich durch Umstellen
IE
IC D : (3.44)
1 C B1N
Für genügend große Stromverstärkungen BN ist der Term .1 C 1=BN / im Nenner nähe-
rungsweise gleich eins, d. h. Kollektor- und Emitterstrom sind betragsmäßig annähernd
gleich groß. Für den Kollektorstrom gilt daher in guter Näherung
IC IE D 3 mA : (3.45)
IB D 16;7 A : (3.46)
Mit den nun bekannten Strömen lässt sich schließlich die gesuchte Kollektor-Emitter-
Spannung durch Maschenumlauf in der Schaltung bestimmen, was auf
führt.
PSpice: 3_AP-Berechnung
52 3 Bipolartransistor
In Tab. 3.1 sind die Ergebnisse der Berechnung und der PSpice-Simulation einander
gegenübergestellt. Die Abweichungen von ca. 8 % bei den Strömen lassen sind anhand
von (3.41) erklären. Hier hatten wir als Schätzwert für die Basis-Emitter-Spannung UBE D
0;7 V angenommen. Da der Wert von Ue jedoch nur 1 V beträgt, wirken sich selbst kleine
Fehler bei dem Schätzwert von UBE bereits relativ stark auf den Strom IE und somit
auch auf IC , IB und UCE aus. In praktischen Anwendungen dimensioniert man daher die
Schaltung so, dass die Spannung über dem Emitterwiderstand mindestens 1 V und damit
Ue größer als 1;7 V ist, so dass der Einfluss von UBE auf den Arbeitspunkt möglichst
gering bleibt.
3.5 Schaltverhalten
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 3.13 gezeigte Schaltung mit UB D 5 V, RC D 1 k ,
Re D 12 k , RG D 50 und BN D 150. Diese Schaltung werde mit dem in
Abb. 3.14 (oben) dargestellten, rechteckförmigen Eingangssignal Ue .t/ mit UF D
C1 V und UR D 5 V angesteuert. Eine PSpice-Analyse der Schaltung ergibt die
in der selben Abbildung gezeigten Strom- und Spannungsverläufe. Mit gestrichelten
Linien wurden zusätzlich die Signalverläufe eingezeichnet, die sich ergeben, wenn
UF auf C5 V erhöht wird. Diskutieren Sie die Simulationsergebnisse.
PSpice: 3_Schaltverhalten
RC
RG Re
T1
UB
Ue
Ue(t)
+5V
+1V UF
t
-5V UR
UBE(t)
0.7V
t
-5V
IB(t)
0.36mA
25uA
t
-0.5mA
IC(t) ts
4.9mA
3.8mA
t1 t2 t3 t 4 t5 t 6 t7 t
Abb. 3.14 Ergebnisse der PSpice-Simulation zur Analyse des Schaltverhaltens eines Bipo-
lartransistors
Lösung
Es wird zunächst der Fall UF D C1 V in Abb. 3.14 betrachtet (durchgezogene Linien).
Im eingeschalteten Zustand fließt ein Basisstrom von IB 25 A und ein Kollektorstrom
von IC 3;8 mA. Da diese beiden Ströme der linearen Beziehung IC D BN IB genügen,
arbeitet der Transistor im Normalbetrieb.
54 3 Bipolartransistor
np np
Steigung ~ ΙC
t3 t4
UBE
~e t2
np0 t1 np0 t5
0 xB x 0 xB x
Abb. 3.15 Verlauf der Minoritätsträgerdichte in der Basis während des Einschaltvorganges (links)
und während des Ausschaltvorganges (rechts) im Normalbetrieb. Die Basisladung ist proportional
zu der Fläche unter der Geraden. Der Kollektorstrom ist proportional zu der Steigung der Geraden,
die exponentiell mit der Basis-Emitter-Spannung ansteigt
Das Schaltverhalten eines Transistors wird mit Hilfe von Abb. 3.15 verdeutlicht. Ge-
zeigt ist die Verteilung der Minoritätsträger in der Basis zu unterschiedlichen Zeitpunkten
während des Einschaltens (links) und während des Ausschaltens (rechts). Der Einfachheit
halber nehmen wir an, dass die Verteilung zu jedem Zeitpunkt während des Schaltvorgan-
ges durch eine Gerade beschrieben werden kann. Die in der Basiszone befindliche Ladung
ist proportional zu der Fläche unter der Geraden. Der Kollektorstrom IC ist proportional
zu der Steigung der Geraden, die wiederum exponentiell mit der Basis-Emitter-Spannung
ansteigt.
Vor dem Einschaltzeitpunkt t1 ist Ue .t/ D 5 V und somit sperren beide pn-Übergänge
des Transistors. Die Minoritätsträgerdichte in der Basis sowie Basis- und Kollektorstrom
sind näherungsweise gleich null.
Zum Einschaltzeitpunkt t1 springt Ue .t/ von 5 V auf C1 V. Dadurch werden die
Sperrschichtkapazitäten Cj;BE und Cj;BC des Basis-Emitter- und des Basis-Kollektor-
Übergangs umgeladen, bis die Basis-Emitter-Spannung UBE einen Wert von etwa 0;7 V
erreicht. Bedingt durch den Umladevorgang weist der Basisstrom IB eine kurze Strom-
spitze auf, er klingt dann jedoch ab auf den stationären Wert
UF UBE 1 V 0;7 V
IB D D 25 A : (3.48)
Re C RG 12 k C 50
Innerhalb der Zeitspanne t1 < t < t3 wird die für die Transistorfunktion erforderliche
Diffusionsladung durch den Basisstrom IB in die Basiszone eingebracht. Während die
Minoritätsträgerdichte an der Stelle x D 0 exponentiell mit der steigenden Spannung UBE
ansteigt, bleibt sie an der Stelle x D xB wegen des gesperrten Basis-Kollektor-Übergangs
näherungsweise bei null. Da der Kollektorstrom proportional zu der Steigung der Geraden
ist, steigt IC exponentiell mit UBE an. Zum Zeitpunkt t3 ist die Basisladung vollständig
eingebracht; der Kollektorstrom erreicht dann seinen stationären Endwert
IC D BN IB 3;8 mA : (3.49)
3.5 Schaltverhalten 55
np np
t3 t4
Steigung ~ ΙC
t5
UBE
~e t2 t6
UBC
~e
np0 t1 np0 t7
0 xB x 0 xB x
Abb. 3.16 Verlauf der Minoritätsträgerdichte in der Basis während des Einschaltvorganges (links)
und während des Ausschaltvorganges (rechts) im Sättigungsbetrieb
macht sich aber beim Abschalten des Transistors negativ bemerkbar, da diese Ladung
erst vollständig ausgeräumt werden muss, bevor der Transistor in den sperrenden Zustand
übergehen kann.
Zum Ausschaltzeitpunkt t4 springt Ue .t/ auf 5 V. Während der Zeitspanne t4 < t < t6
wird die Sättigungsladung durch den negativen Basisstrom ausgeräumt. Diese Zeitspanne
wird Speicherzeit genannt (vgl. Abschn. 2.5). In Abb. 3.16 (rechts) ist zu erkennen, dass
sich während dieser Zeit die Steigung der Minoritätsträgerverteilung in der Basis nicht än-
dert und somit der Kollektorstrom IC konstant bleibt. Die Basis-Emitter-Spannung bleibt
ebenfalls quasi unverändert bei etwa 0;7 V, solange sich noch Sättigungsladung in der
Basis befindet.
Zum Zeitpunkt t6 ist die Sättigungsladung ausgeräumt und der Transistor geht kurzzei-
tig in den Normalbetrieb über. Nach dem Abbau der verbliebenen Basisladung wechselt
der Transistor zum Zeitpunkt t7 in den abgeschalteten Zustand.
In der Praxis wird der Normalbetrieb gewöhnlich nicht für Schalteranwendungen ver-
wendet. Dies liegt zum einen an der hohen Einschaltzeit und zum anderen daran, dass
der Kollektorstrom im eingeschalteten Zustand gemäß (3.49) von der Stromverstärkung
BN abhängt, die wiederum starken Exemplarstreuungen unterliegt. Wird der Transistor
hingegen in Sättigung betrieben, sinkt die Einschaltzeit und der Kollektorstrom
UB UCESat
IC D (3.51)
RC
ist unabhängig von BN . Nachteilig ist jedoch die in dieser Betriebsart auftretende Spei-
cherzeit.
Um sowohl die Einschalt- als auch die Ausschaltzeit gering zu halten, wird der Tran-
sistor schwach gesättigt betrieben, d. h. der Basisstrom wird so bemessen, dass die Sät-
tigungsladung und somit die Speicherzeit vergleichsweise gering sind. Durch einen sog.
Beschleunigungskondensator parallel zum Basisvorwiderstand Re wird erreicht, dass zum
Einschaltzeitpunkt kurzzeitig ein relativ großer Basisstrom fließt, der Transistor also nur
vorübergehend stark gesättigt betrieben wird. Bei richtiger Dimensionierung verringert
sich durch diese Maßnahme die Einschaltzeit deutlich, ohne dass die Speicherzeit ansteigt.
PSpice: 3_Beschleunigungskondensator
Eine weitere Möglichkeit zur Verringerung der Schaltzeiten besteht in der Verwendung
von Schottky-Transistoren (siehe Lehrbuch, Abschn. 3.3.2).
Feldeffekttransistor
4
4.1 Formelsammlung
Flächenbezogene Oxidkapazität
0 1
Cox D "ox "0 (4.1)
dox
Stromgleichungen des n-Kanal MOSFET
Widerstandsbereich (UGS > UT h und UGS UT h > UDS )
2
UDS
IDS D ˇn .UGS UT h / UDS (4.2)
2
ˇn
IDS D .UGS UT h /2 (4.3)
2
Verstärkungsfaktor des Transistors
0 w w
ˇn D Cox n D kn (4.4)
l l
Stromgleichungen des p-Kanal MOSFET
Widerstandsbereich (UGS < UT h und UGS UT h < UDS )
U2
IDS D ˇp .UGS UT h / UDS DS (4.5)
2
ˇp
IDS D .UGS UT h /2 (4.6)
2
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 57
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
58 4 Feldeffekttransistor
0 w w
ˇp D Cox p D kp (4.7)
l l
Aufgabenstellung
a. Erklären Sie die Begriffe Verarmung und Inversion anhand des Bänderdia-
gramms einer MOS-Struktur.
b. Erklären Sie die Funktionsweise des MOSFET mit Hilfe des Bänderdiagramms.
c. Wie ist die Einsatzspannung UT h definiert?
d. Was versteht man unter dem Pinch-Off- oder Abschnüreffekt beim MOSFET?
e. Die Stromgleichungen (4.3) bzw. (4.6) ergeben theoretisch horizontal verlau-
fende Ausgangskennlinien im Sättigungsbereich. Bei realen MOSFET jedoch
haben die Ausgangskennlinien eine von null verschiedene Steigung. Nennen Sie
die physikalische Ursache für dieses Verhalten.
4.2 Verständnisfragen zum Feldeffekttransistor 59
UGB=0
W
WC
WF,M WF,HL
WV
60 4 Feldeffekttransistor
Inversionsladung
G B G B
Raum- Raum-
ladungszone ladungszone
UGB>0 UGB>0
W
W Inversionsladung
WC WC
WF,HL WF,HL
-q UGB WF,M -q UGB
WV WF,M WV
Raum-
Raum-
ladungszone
ladungszone
Abb. 4.2 Linke Bildhälfte: Durch Anlegen einer Spannung UGB > 0 V werden die Löcher von der
Oxidschicht weggedrängt. Es entsteht eine Raumladungszone und die MOS-Struktur gelangt in den
Zustand der Verarmung. Rechte Bildhälfte: Ist die Spannung UGB groß genug, wird die Bandver-
biegung so stark, dass sich der Halbleiter in der Nähe des Oxids wie ein n-Halbleiter verhält. Die
MOS-Struktur befindet sich im Zustand der Inversion
Entstehen der Raumladungszone. Diesen Zustand der MOS-Struktur bezeichnet man als
Verarmung.
Mit zunehmender Gatespannung wird die beschriebene Bandverbiegung immer stärker,
bis schließlich die Leitungsbandkante WC am linken Rand des Halbleiters in die Nähe des
Ferminiveaus rückt (Abb. 4.2, rechte Bildhälfte). Damit nimmt nach (1.1) gleichzeitig
auch die Elektronendichte am linken Rand des p-Halbleiters stark zu, so dass dieser sich
praktisch wie ein n-Halbleiter verhält. Man spricht in diesem Fall auch von der Inversion
des Halbleiters. Die Inversionsladung an der Grenzschicht zwischen Oxid und Halbleiter
bildet den leitenden Kanal bei einem MOSFET.
n n y
p -Halbleiter
Bulk B
reichend großen Spannung UGS an das Gate verringert sich die Barriere aufgrund der
Bandverbiegung (vgl. Teilaufgabe a.) und die Elektronen können in die energiemäßig
niedriger gelegene Drain-Elektrode gelangen (Abb. 4.4, rechte Bildhälfte).
Lösung zu c. Einsatzspannung
Damit zwischen Source- und Drain-Anschluss eines Feldeffekttransistors Strom fließen
kann, muss sich an der Grenzschicht zwischen Oxid und Halbleiter ein aus Inversions-
ladungen bestehender, leitender Kanal bilden. Dies wird durch das Anlegen einer hin-
reichend großen Gate-Source Spannung UGS erreicht, was zu einer Bandverbiegung im
Halbleiter und schließlich zur Bildung einer Inversionsschicht führt (vgl. Teilaufgabe a.). 4.1.1
Die Einsatzspannung UT h ist die Gate-Source Spannung, bei der die Dichte der Inversions-
schichtladung gleich der Gleichgewichtsdichte der Majoritätsladungsträger im Halbleiter
ist. Dies ist der Fall, wenn die Gate-Source Spannung UGS und damit die Bandverbiegung
so groß ist, dass der Abstand zwischen der dem Ferminiveau WF;HL und der Leitungs-
bandkante WC an der Grenzschicht zwischen Oxid und Halbleiter so groß ist wie der
Abstand zwischen dem Ferminiveau WF;HL und der Valenzbandkante WV im neutralen
UGS=0 UGS>0
W W
WFB
WFB
WC WC
-q UDS
WV WV
Source Bulk Drain Source Bulk Drain
y y
Abb. 4.4 Bänderdiagramm des MOSFET in der Ebene direkt unterhalb des Oxids mit UGS D 0 V
(links) und mit UGS > 0 V (rechts)
62 4 Feldeffekttransistor
y=0 l l
Halbleiter. Ist die Gate-Source Spannung kleiner als die Einsatzspannung, ist die Inversi-
onsschichtladung sehr klein und es fließt praktisch kein Strom durch den Transistor, erst
für Spannungen UGS > UT h fließt ein nennenswerter Strom.
Lösung zu d. Pinch-Off-Effekt
Durch die Drain-Source-Spannung kommt es zu einem elektrischen Feld entlang des
leitenden Kanals unterhalb des Oxids. Dieses ortsabhängige Feld führt zu einer ortsabhän-
gigen Geschwindigkeit vn .y/ der Ladungsträger im Kanal und damit auch zu einer sich
ändernden Ladungsträgerdichte n .y/. Die Ladungsträgergeschwindigkeit nimmt dabei
vom sourceseitigen Ende des Kanals zum drainseitigen Ende hin wegen des größer wer-
4.2.2 denden Feldes beständig zu. Da der Strom entlang des Kanals jedoch konstant ist, muss
die Ladungsträgerdichte entlang des Kanals entsprechend abnehmen. Für große Span-
nungen UDS kann die Ladungsträgerdichte am drainseitigen Rand das Kanals theoretisch
sogar null werden. Man spricht in diesem Fall auch vom Pinch-Off oder Abschnüren des
Kanals. Die Spannung UDS , bei der die Kanalabschnürung auftritt, bezeichnet man als Sät-
tigungsspannung UDS;sat . Eine weitere Erhöhung der Spannung UDS führt dann in erster
Näherung zu keiner weiteren Zunahme des Stromes IDS , so dass man im Sättigungsbe-
reich horizontal verlaufende Ausgangskennlinien erhält.
S.m.i.L.E.: 4.2_FET-Kennlinienfeld
Lösung zu e. Kanallängenmodulation
Die Ursache für die bei realen MOSFET auftretende, von null verschiedene Steigung der
Ausgangskennlinien im Sättigungsbereich ist die Kanallängenmodulation: Erhöht man die
Spannung UDS über den Wert UDS;sat hinaus, tritt der Effekt der Kanalabschnürung (Pinch-
4.2.4 Off) bereits an einer Stelle l 0 vor dem Drain-Gebiet auf (Abb. 4.5). Hierdurch verringert
sich die effektive Kanallänge l und der Strom IDS steigt an.
S.m.i.L.E.: 4.2_FET-Kennlinienfeld
4.2 Verständnisfragen zum Feldeffekttransistor 63
Lösung zu f. Speicherzeit
Die Funktion des Bipolartransistors beruht darauf, dass im eingeschalteten Zustand La-
dungsträger in die Basis injiziert werden. Abhängig von der Betriebsart wird die Basis
dabei mehr oder weniger stark von Ladungsträgern überschwemmt. Beim Abschalten des
Transistors muss diese Ladung wieder ausgeräumt werden, was aufgrund der dazu nötigen
Speicherzeit das Schaltverhalten wesentlich beeinflusst (vgl. Abschn. 3.5). 3.3.2
Bei Feldeffekttransistoren hingegen wird der Stromfluss in dem leitenden Kanal mit
Hilfe eines elektrischen Feldes gesteuert. Da der leitende Kanal bei einer Änderung des
elektrischen Feldes mit sehr kleinen Zeitkonstanten umgeladen werden kann, treten Spei-
chereffekte praktisch nicht auf. Das Schaltverhalten von Feldeffekttransistoren wird daher 4.3.2
im Wesentlichen durch die zu schaltende Last bestimmt.
Lösung zu g. Verarmungstransistor
Verarmungstransistoren sind selbstleitende Transistoren, d. h. bei einer Gate-Source-
Spannung von UGS D 0 V existiert bereits ein leitender Kanal, so dass ein Strom durch
den Transistor fließen kann. Bei selbstleitenden n-Kanal Feldeffekttransistoren ist die
Einsatzspannung UT h daher negativ und bei selbstleitenden p-Kanal Feldeffekttran- 4.1.3
sistoren positiv. Die Einsatzspannung kann dabei durch die Stärke der Dotierung des
Bulk-Materials im Bereich des Kanalgebietes eingestellt werden.
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 4.6 gezeigte Schaltung mit UB D 12 V, Ue D 5 V, RD D
3 k und RS D 1 k . Der Feldeffekttransistor habe folgende Daten:
a. Verbinden Sie den offenen Bulkanschluss (B) in geeigneter Weise mit der Schal-
tung, so dass kein unerwünschter Substratstrom zwischen der Source- bzw. der
Drain-Elektrode und dem Substrat fließen kann.
b. Berechnen Sie die Ladungsträgerbeweglichkeit im Kanal des MOSFET.
c. Bestimmen Sie den Arbeitspunkt (UGS , IDS , UDS ) des Transistors.
d. Zeichnen Sie das Kleinsignalersatzschaltbild des Transistors im Arbeitspunkt
und bestimmen Sie die Werte der darin enthaltenen Elemente.
Lösung zu a. Substratanschluss
Damit kein unerwünschter Substratstrom zwischen der Source- bzw. der Drain-Elektrode
und dem Substrat fließen kann, muss sichergestellt sein, dass die beiden pn-Übergänge
des MOSFET nicht in Durchlassrichtung gepolt werden. Bei einem n-Kanal MOSFET
verbindet man daher den Substratanschluss entweder mit dem Source-Anschluss oder mit
4.1.1 dem niedrigsten in der Schaltung vorkommenden Potenzial (in diesem Fall mit dem Mas-
sepotenzial).
Lösung zu b. Ladungsträgerbeweglichkeit
Die Ladungsträgerbeweglichkeit im Kanal kann direkt aus der Beziehung (4.4)
0 w w
ˇn D Cox n D kn (4.14)
l l
4.3 n-Kanal MOSFET 65
berechnet werden. Dazu bestimmen wir zunächst mittels (4.1) die flächenbezogene Oxid-
0
kapazität Cox . Mit "ox D 3;9 (relative Dielektrizitätszahl von SiO2 ) ergibt sich
0 1 4.2.1
Cox D "ox "0 D 1;73 103 A s V1 m2 : (4.15)
dox
Durch Umstellen von (4.14) erhalten wir die Ladungsträgerbeweglichkeit im Kanal des
MOSFET
kn
n D 0
Cox
D 1;16 102 m2 V1 s1 : (4.16)
Lösung zu c. Arbeitspunkt
Die Bestimmung des Arbeitspunktes erfolgt durch Aufstellung der Maschen- und Kno-
tengleichungen der Schaltung sowie mit Hilfe der Stromgleichung des Transistors. Da
die Betriebsart des Transistors aus der Aufgabenstellung nicht hervorgeht, muss zunächst
eine sinnvolle Annahme getroffen und diese später bestätigt werden. In diesem Fall ist es
zweckmäßig, davon auszugehen, dass der Transistor in der Sättigung arbeitet, da nur hier
ein Verstärkerbetrieb möglich ist. Damit wird nach (4.3) der Strom
ˇn 4.2.2
IDS D .UGS UT h /2 (4.17)
2
und der Verstärkungsfaktor des Transistors ergibt sich gemäß (4.4) zu
w
ˇn D kn D 0;4 mA V2 : (4.18)
l
Durch Anwendung der Maschenregel auf die Schaltung erhalten wir für die Gate-Source-
Spannung die Beziehung
UGS D Ue IDS RS : (4.19)
Einsetzen von (4.19) in (4.17) und anschließendes Umstellen führt auf die quadratische
Gleichung
2 1 .Ue UT h /2
2
IDS IDS 2 .Ue UT h /RS C C D0: (4.20)
RS ˇn RS2
2
IDS IDS 13 mA C .4 mA/2 D 0 (4.21)
Die erste Lösung IDS D 11;6 mA führt jedoch zu einem Widerspruch, denn sie würde
gemäß (4.19) zu einer Gate-Source-Spannung von UGS D 6;6 V und somit zu UGS <
UT h führen. Dies wiederum würde bedeuten, dass der MOSFET sperrt, d. h. IDS D 0 A
sein muss. Die zweite Lösung
IDS D 1;38 mA (4.23)
hingegen führt auf eine Gate-Source-Spannung von
UGS D Ue IDS RS
D 3;62 V (4.24)
Diese Lösung führt zu keinem Widerspruch, so dass wir jetzt nur noch prüfen müssen,
ob die oben getroffene Annahme, dass der Transistor in Sättigung arbeitet, erfüllt ist. Es
gilt offensichtlich die Ungleichung 0 < UGS UT h UDS , so dass sich die Annahme
bestätigt.
Hätte man zu Beginn die Annahme getroffen, dass der MOSFET im Widerstandsbe-
reich arbeitet, so hätte die Rechnung zu keiner sinnvollen Lösung geführt, woraus man
den Schluss hätte ziehen müssen, dass diese Annahme falsch ist.
S.m.i.L.E.: 4.2_FET-Kennlinienfeld
Lösung zu d. Kleinsignalersatzschaltbild
Die Kleinsignalersatzschaltung des MOSFET (vgl. Lehrbuch, Abschn. 4.3.3) ist in
Abb. 4.7 gezeigt. Zur überschlägigen Berechnung des Kleinsignalverhaltens des Tran-
sistors einschließlich des Frequenzverhaltens ist dieses Ersatzschaltbild ausreichend. Die
darin enthaltenen Elemente können mit Hilfe der Gleichungen (4.10) bis (4.13) berechnet
werden. Dabei ist D 0 zu setzen, da der Effekt der Kanallängenmodulation vernachläs-
sigt werden soll. Mit IDS;A D 1;38 mA und UDS;A D 6;48 V ergibt sich:
4.3.1 Steilheit p
4.3.3 gm D 2IDS;A ˇn .1 C UDS;A / D 1;05 mS ; (4.26)
Ausgangswiderstand
1 UDS;A C 1=
r0 D D D1; (4.27)
g0 IDS;A
4.3 n-Kanal MOSFET 67
Gate-Kapazitäten
2
CGS D
Cox und CGD D 0 : (4.28)
3
Die Oxidkapazität Cox ergibt sich durch Multiplikation der flächenbezogenen Oxidkapa-
0
zität Cox mit der Fläche A D w l der Gate-Elektrode. Daraus folgt schließlich
2 0
CGS D w l Cox
3
D 23 f F : (4.29)
PSpice: 4_n-Kanal-MOSFET
In Tab. 4.1 sind die Ergebnisse der Berechnung und der PSpice-Simulation einander
gegenübergestellt. Die vom Simulator berechneten Kleinsignalparameter im Arbeitspunkt
wurden der entsprechenden Ausgabedatei entnommen (Abschnitt Operating Point Infor-
mation).
Die berechneten Ergebnisse stimmen relativ gut mit dem Simulationsergebnissen über-
ein, wobei die Unterschiede im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass bei der
Berechnung die Kanallängenmodulation nicht berücksichtigt wurde ( D 0), während bei
der Simulation ein MOSFET-Modell mit D 0;01 V1 zum Einsatz kam.
4.4 MOS-Inverter
Aufgabenstellung
Gegeben sei der in Abb. 4.8 dargestellte MOS-Inverter mit dem Widerstand RL D
10 k und der Betriebsspannung UB D 5 V. Die zu treibende Last sei CL D 1 pF.
Der Transistor T1 habe folgende Daten: kn D 20 A V2 und UT h;1 D 1;0 V. Der
Effekt der Kanallängenmodulation soll vernachlässigt werden.
T1 CL Ua
Ue
T1 CL Ua
Ue
4.4 MOS-Inverter 69
Lösung zu a. Ausgangsspannung
Für den Fall, dass der Eingang auf Low-Pegel liegt, d. h. Ue D Ue;L D 0 V ist UGS;1 D
Ue < UT h;1 und somit sperrt der Transistor T1 und der Ausgang der Schaltung geht auf
High-Pegel. Die Ausgangsspannung Ua;H beträgt in diesem Fall
Ua;H D UB D 5 V : (4.30)
Liegt die Eingangsspannung auf High-Pegel, d. h. Ue D Ue;H D 5 V, soll für die Aus-
gangsspannung gelten Ua;L D UDS;1 0;25 V (Low-Pegel). Dazu muss der Transistor T1
so dimensioniert werden, dass im eingeschalteten Zustand ein hinreichend großer Strom
fließt, so dass der Spannungsabfall über RL entsprechend groß und demzufolge die Aus-
gangsspannung Ua entsprechend klein ist. Für den Transistor gilt in diesem Fall die Strom-
gleichung (4.2), da dieser wegen UGS;1 UT h;1 > UDS;1 im Widerstandsbereich arbeitet.
Da im stationären Zustand die Ströme durch den Transistor T1 und den Lastwiderstand
RL gleich sind, ergibt sich 4.2.2
" #
2
UDS;1 UB UDS;1
IDS;1 D ˇn;1 .UGS;1 UT h;1 / UDS;1 D : (4.31)
2 RL
Mit UDS;1 D Ua;L und UGS;1 D Ue;H sowie (4.4) erhalten wir durch Umstellen
w ˇˇ UB Ua;L
ˇ D " #: (4.32)
l T1 2
Ua;L
kn RL .Ue;H UT h;1 / Ua;L
2
Einsetzen der Zahlenwerte in (4.32) ergibt schließlich das gesuchte w= l -Verhältnis von
w ˇˇ
mindestens
ˇ D 24;5 : (4.33)
l T1
Ein geringeres w= l -Verhältnis als das in (4.33) berechnete würde einen geringeren Strom
durch T1 und RL und somit eine höhere Ausgangsspannung als Ua;L D 0;25 V zur Folge
haben.
Lösung zu b. Anstiegszeit
Zum Ausschaltzeitpunkt t D 0 wird gemäß Aufgabenstellung der Eingang des Inverters
abrupt von High-Pegel auf Low-Pegel umgeschaltet. Vor dem Ausschaltzeitpunkt leitet
70 4 Feldeffekttransistor
0,1 UB
Ua,L
t
t0 tr t1
tr D t1 t0 D ln 9 D RL CL ln 9 22 ns : (4.38)
Lösung zu c. Abfallzeit
Da bei dem Entladevorgang der Strom durch den Widerstand RL vernachlässigt werden
soll, wird die Kapazität allein über den Transistor entladen. Dies entspricht dem im Lehr-
buch, Abschn. 4.3.2. gezeigten Fall und somit kann die Beziehung (4.8) zur Berechnung
der Abfallzeit herangezogen werden. Es gilt demnach
4.3.2
CL
tf 3 : (4.39)
ˇn UB
4.4 MOS-Inverter 71
w ˇˇ
ˇn D kn ˇ D 490 A V2 (4.40)
l T1
und damit
tf 1;22 ns : (4.41)
Wir wollen nun noch überprüfen, ob die Vernachlässigung des Stromes durch den Wi-
derstand zu einem nennenswerten Fehler bei der Bestimmung der Abfallzeit geführt hat.
Dazu schätzen wir den jeweils maximalen Strom IT 1 bzw. IRL während des Entladevor-
ganges durch den Transistor bzw. durch den Widerstand ab und erhalten
ˇn 490 A V2
IT 1 D .UGS UT h /2 D .5 V 1 V/2 D 3;92 mA (4.42)
2 2
bzw.
UB 5V
IRL D D D 0;5 mA : (4.43)
RL 10 k
Der Strom durch den Widerstand ist für die gegebene Schaltung also deutlich geringer als
der durch den Transistor, so dass die Vernachlässigung sicher gerechtfertigt ist.
PSpice: 4_MOS-Inv_ohmsche_Last
Mit Hilfe von (4.4) sowie mit UGS;1 D Ue D 5 V, UDS;1 D Ua D 0;25 V und UGS;2
UT h;2 D 3 V erhalten wir
w ˇˇ kn w ˇˇ
kn ˇ 0;97 V2 D ˇ 9 V2 : (4.45)
l T1 2 l T2
72 4 Feldeffekttransistor
Durch Umstellen ergibt sich schließlich der maximal zulässige Wert für das w= l -
Verhältnis von T2 zu
w ˇˇ w ˇˇ
ˇ 0;2 ˇ D 4;9 : (4.46)
l T2 l T1
S.m.i.L.E.: 11.2_MOS-Inverter
PSpice: 4_MOS-Inv_aktive_Last
4.5 CMOS-Inverter
Aufgabenstellung
Gegeben sei der in Abb. 4.11 dargestellte, in komplementärer MOS-Technik
(CMOS) hergestellte Inverter mit der Betriebsspannung UB D 5 V. Die Feldeffekt-
transistoren haben folgende Daten:
D
Ue T1 Ua
UGS,1 S
Lösung zu a. Substratanschlüsse
Wie bereits in Abschn. 4.3 erwähnt wurde, muss sichergestellt sein, dass die pn-Übergänge
der beiden Feldeffekttransistoren nicht in Durchlassrichtung gepolt werden. Daher ist der
Substratanschluss bei dem n-Kanal MOSFET T1 mit dem Massepotenzial und bei dem
p-Kanal MOSFET T2 mit der Betriebsspannung UB zu verbinden.
0 0
kn D Cox n bzw. kp D Cox p : (4.47)
0
Da bei einem gegebenen Herstellungsprozess der Wert von Cox fest ist, die Ladungsträ-
gerbeweglichkeit von Elektronen in Silizium jedoch um den Faktor zwei bis drei größer
ist als die von Löchern, ergibt sich für den n-Kanal MOSFET entsprechend ein um den 4.2.1
Faktor zwei bis drei größerer Prozessverstärkungsfaktor als für den p-Kanal MOSFET. 11.2.2
Lösung zu c. Kanalweite
Im eingeschalteten Zustand liefern beide Transistoren betragsmäßig jeweils den gleichen
Strom, wenn die Bedingung
ˇn D ˇp (4.48)
11.2.2
erfüllt ist. Mit (4.4) und (4.7) ergibt sich daraus die Forderung
wn wp
kn D kp : (4.49)
ln lp
Der geringere Verstärkungsfaktor des Prozesses bei dem p-Kanal MOSFET muss also
durch ein entsprechend größeres w= l -Verhältnis kompensiert werden. Durch Umstellen
der letzten Beziehung und mit den angegebenen Zahlenwerten erhalten wir schließlich für
die Kanalweite des Transistors T2
kn lp
wp D wn D 2wn
kp ln
D 20 m : (4.50)
Lösung zu d. Übertragungsverhalten
Der Verlauf der Übertragungskennlinie Ua D f .Ue / ergibt sich aus folgenden Überlegun-
gen:
Wird die Eingangsspannung Ue über den Wert der Einsatzspannung UT h;n erhöht, so
beginnt der Transistor T1 zu leiten. Gleichzeitig verringert sich betragsmäßig die Gate-
Source-Spannung UGS;2 , so dass der Transistor T2 immer weniger leitet. Damit sinkt
mit zunehmender Eingangsspannung die Ausgangsspannung Ua ab.
Für Ue D UB =2 sind die Gate-Source-Spannungen beider Transistoren vom Betrage
her gleich groß. Wegen der Symmetrie der Schaltung ist die Ausgangsspannung daher
gleich der halben Betriebsspannung.
Für Ue > UB =2 sinkt die Ausgangsspannung weiter ab, da der Transistor T1 immer
stärker und T2 immer weniger leitet.
Für Ue 4 V sperrt der Transistor T2 , da in diesem Fall UGS;2 UT h;p gilt. Die
Ausgangsspannung wird daher Ua D 0 V.
d. h. der Strom durch beide Transistoren muss in jedem Fall betragsmäßig gleich groß
sein. Mit Hilfe der beiden Stromgleichungen für den Sättigungsbetrieb (4.3) bzw. (4.6)
erhält man aus (4.51) die Bedingung
ˇn ˇp 2
.UGS;1 UT h;n /2 D UGS;2 UT h;p : (4.52)
2 2
Wegen ˇn D ˇp und jUT h;n j D jUT h;p j kann die Bedingung (4.52) jedoch nie erfüllt wer-
den, da wegen jUGS;1 j ¤ jUGS;2 j beide Transistoren bestrebt sind, vom Betrage her unter-
schiedlich hohe Ströme zu liefern. Wegen dieses Widerspruches muss die oben getroffene
Annahme verworfen werden, womit feststeht, dass der Transistor T2 im Widerstandsbe-
reich arbeitet.
Die Berechnung der Ausgangsspannung erfolgt mit Hilfe der Bedingung (4.51). Den
Strom IDS;1 des Transistors T1 können wir unmittelbar aus der Stromgleichung (4.3) be-
stimmen. Mit
ˇn
IDS;1 D .UGS;1 UT h;n /2 (4.53)
2
und den Zahlenwerten UGS;1 D Ue D 2 V sowie ˇn D 200 A V2 ergibt sich ein Wert
von IDS;1 D 100 A.
4.5 CMOS-Inverter 75
Mit UGS;2 D 3 V und ˇp D 200 A V2 erhält man die quadratische Gleichung
2
UDS;2 C 4 V UDS;2 C 1 V2 D 0 (4.55)
Die erste Lösung .UDS;2 D 3;732 V/ führt zu einem Widerspruch, da die für den Wi-
derstandsbereich notwendige Bedingung UGS;2 UT h;p < UDS;2 nicht erfüllt ist. Mit der
zweiten Lösung ergibt sich für Ue D 2 V eine Ausgangsspannung von
Ua D UB C UDS;2
D 4;732 V : (4.57)
PSpice: 4_CMOS-Inverter
4 Rechnung
1
Ue
0
0 1 2 3 4 5 V
76 4 Feldeffekttransistor
Aufgabenstellung
a. Gegeben sei die in Abb. 4.13 gezeigte Schaltung. Die Einsatzspannung der
Feldeffekttransistoren betrage UT h D 1;0 V. Die Kapazitäten C1 bis C3 seien
zunächst entladen. Zum Zeitpunkt t D 0 werde die Betriebsspannung UB D 5 V
zugeschaltet. Zu bestimmen sind die Werte der Spannungen U1 , U2 und U3 im
stationären Zustand.
b. Ein n-Kanal MOSFET wird als Analogschalter eingesetzt (Abb. 4.14, links). Der
Lastwiderstand RL sei sehr groß. Die Eingangsspannung Ue kann Werte zwi-
schen 0 V und UB D 5 V annehmen. Im ausgeschalteten Zustand (Steuersignal
˚ D 0 V) sperrt der Transistor und die Ausgangsspannung Ua ist gleich null.
Für den eingeschalteten Zustand (˚ D UB ) ergibt eine PSpice-Simulation die
in Abb. 4.14 (rechts) gezeigte Übertragungskennlinie Ua D f .Ue /. Nachteilig
ist, dass die Spannung am Ausgang nicht den Wert UB , sondern nur UB UT h
erreicht. Ändern Sie daher die Schaltung unter Verwendung eines p-Kanal MOS-
FET so ab, dass im eingeschalteten Zustand der gesamte Spannungsbereich von
0 V bis UB übertragen wird.
PSpice: 4_MOSFET_als_Schalter
t=0
UB
D D D
T1 T3 T5
S S S
D D D
T2 T4 T6
S S S
C1 U1 C 2 U2 C3 U3
Φ Ua
UB
S D UB _ UTh
Ue RL Ua
Ue
UB
S
C1 U1
Da der Transistor aber nur leitet, solange die Gate-Source-Spannung UGS größer als die
Einsatzspannung UT h des Transistors ist, d. h. die Bedingung
erfüllt ist, kann die Ausgangsspannung U1 nicht beliebig ansteigen. Vielmehr endet der
Aufladevorgang, wenn die Ausgangsspannung den Wert U1 D UB UT h erreicht hat, da
dann der Strom durch den Transistor null wird.
Wir betrachten nun die linke Teilschaltung aus Abb. 4.13, bestehend aus den Transis-
toren T1 und T2 sowie der Kapazität C1 . Für den Transistor T1 gilt UGS;1 D UDS;1 , d.h es
liegen die selben Verhältnisse vor wie in der oben beschriebenen Schaltung aus Abb. 4.15.
Damit kann die Spannung an dem Sourceanschluss von Transistor T1 maximal auf den
Wert UB UT h D 4 V ansteigen, da für größere Spannungen der Transistor sperren wür-
de. Wir untersuchen nun, wie weit die Spannung an der Source des Transistors T2 , d. h. die
Ausgangsspannung U1 ansteigen kann, wenn, wie beschreiben, an dem Drain-Anschluss
von T2 die Spannung 4 V beträgt. Auch hier gilt, dass der Transistor T2 solange leitet, wie
dessen Gate-Source-Spannung UGS größer als die Einsatzspannung UT h ist. Da an dem
Gate-Anschluss von T2 die Betriebsspannung von UB D 5 V anliegt, leitet der Transistor
mit UT h D 1 V offensichtlich solange, bis dessen Source-Potenzial auf einen Wert von
4 V angestiegen ist.
An dem ersten Transistor T1 fällt daher eine Spannung von UDS;1 D 1 V ab und an
dem Transistor T2 eine Spannung von UDS;2 D 0 V und die Spannung am Ausgang der
78 4 Feldeffekttransistor
U1 D 4 V : (4.60)
Wir betrachten nun die mittlere Teilschaltung (Transistoren T3 und T4 sowie Kapazität
C2 ). Hier gelten für beide Transistoren die bereits für die Schaltung nach Abb. 4.15 an-
gestellten Überlegungen. An dem Transistor T3 fällt daher wiederum eine Spannung von
UDS;3 D 1 V ab, so dass die Source-Spannung des Transistors 4 V beträgt. Entsprechendes
gilt für den Transistor T4 , an dessen Drain- und Gate-Anschluss jeweils 4 V an liegen. An
T4 fällt daher ebenfalls eine Spannung von UDS;4 D 1 V ab und die Spannung über der
Kapazität C2 wird
U2 D 3 V : (4.61)
Es wird nun die rechte Teilschaltung (T5 , T6 und C3 ) betrachtet. Auch hier gelten für den
Transistor T5 wieder die gleichen Überlegungen wie für die Schaltung nach Abb. 4.15,
so dass die Source-Spannung des Transistors T5 4 V beträgt. Damit liegt an dem Gate-
Anschluss von T6 ebenfalls eine Spannung von 4 V, während der Drain-Anschluss an
die Versorgungsspannung UB D 5 V angeschlossen ist. Auf welchen Wert die Span-
nung an der Source von Transistor T6 ansteigen kann, wird wiederum von der Bedingung
bestimmt, dass der Transistor nur dann leitet, wenn dessen Gate-Source-Spannung UGS
größer als die Einsatzspannung UT h ist. Diese Bedingung ist jedoch nur erfüllt, solange
die Spannung an der Source mindestens 1 V unterhalb der Gate-Spannung liegt, d. h. die
Spannung am Ausgang der Schaltung erreicht einen Endwert von
U3 D 3 V : (4.62)
PSpice: 4_MOSFET-Schaltungen
PSpice: 4_Transferelement
4.6 Schaltungen mit MOS-Feldeffekttransistoren 79
Φ
Ua
UB
Ue RL Ua
Φ
Ue
UB
Aufgabenstellung
Ι ΙD
Ee
Ee=0 Ee=0
U UD
Ee
b. Gegeben sei eine Lichtquelle, die nahezu monochromatisches rotes Licht mit
einer Wellenlänge von 650 nm abstrahlt. Dieses Licht trifft auf eine Halbleiter-
probe aus undotiertem Cadmiumsulfid (Bandabstand: 2;4 eV). Wie ändert sich
die Leitfähigkeit des Materials aufgrund der Bestrahlung?
hc
5.1.2 g D ; (5.1)
Wg
oberhalb derer praktisch keine Generation von Ladungsträgern mehr stattfinden kann, weil
die Energie der Photonen nicht ausreicht, um ein Elektron vom Valenzband in das Lei-
tungsband zu heben. Für undotiertes Cadmiumsulfid mit einem Bandabstand von Wg D
2;4 eV erhält man somit eine Grenzwellenlänge von
hc 1;24 m eV
g D D D 517 nm : (5.2)
Wg 2;4 eV
Da das verwendete Licht jedoch eine Wellenlänge von D 650 nm aufweist, reicht des-
sen Energie nicht aus, um Ladungsträger in nennenswertem Umfang zu generieren. Die
Leitfähigkeit des Materials bleibt somit nahezu unverändert.
5.2 Radiometrische und fotometrische Größen 83
Aufgabenstellung
Gegeben seien zwei punktförmige Lichtquellen A und B, die monochromatisches
Licht in alle Raumrichtungen gleichmäßig abstrahlen. Die abgegebene Strahlungs-
leistung betrage in beiden Fällen ˚e D 1 mW. Die Farbe des von der Lichtquelle A
abgestrahlten Lichtes sei gelbgrün mit einer Wellenlänge von A D 550 nm. Licht-
quelle B strahle ultraviolettes Licht der Wellenlänge B D 350 nm ab. Bestimmen
Sie für beide Lichtquellen
die Strahlstärke,
den Lichtstrom,
die Lichtstärke.
Hinweis: Bei monochromatischem Licht kann für jede radiometrische Größe Xe die
zugehörige fotometrische Größe Xv mittels der einfachen Beziehung
Xv D Km A. /Xe (5.3)
berechnet werden, wobei der konstante Faktor Km D 683 lm W1 das sog. foto-
metrische Strahlungsäquivalent darstellt und A. / die Empfindlichkeitskurve des
menschlichen Auges (s. Abb. 5.2) beschreibt, mit welcher bei der Berechnung der
fotometrischen Größen gewichtet werden muss.
Lösung
Da die Lichtquellen in alle Raumrichtungen gleichmäßig strahlen, ergibt sich deren Strah-
lungsleistung ˚e durch Multiplikation der Strahlstärke Ie mit dem Raumwinkel einer
5.1.1
84 5 Optoelektronische Bauelemente
Kugelfläche (d. h. mit 4). Für die Strahlstärke beider Lichtquellen erhält man somit
˚e 1 mW
Ie D D
4 sr 4 sr
D 79;6 W sr1 : (5.4)
Das von der Lichtquelle B abgestrahlte ultraviolette Licht ist für das menschliche Auge
unsichtbar, somit ergibt sich für den Lichtstrom und die Lichtstärke dieser Quelle wegen
A.350 nm/ D 0 unmittelbar
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der Zusammenhang (5.3) zur
Umrechnung von radiometrischen in fotometrische Größen nur für den Fall des mono-
chromatischen Lichtes gilt. Für den allgemeinen Fall einer breitbandigen Strahlung muss
über den gesamten sichtbaren Spektralbereich integriert werden, so dass man mit der spek-
tralen Verteilung Xe; D dXe =d der radiometrischen Größe Xe den Zusammenhang
Z nm
780
Xv D Km A. / Xe; . / d (5.8)
D380 nm
erhält.
5.3 Fotowiderstand 85
5.3 Fotowiderstand
Aufgabenstellung
Bei einem Fotowiderstand kann der Zusammenhang zwischen dem ohmschen Wi-
derstand R und der Beleuchtungsstärke Ev in der Praxis näherungsweise dargestellt
werden durch eine Potenzfunktion der Form
Ev
R D R1000 ; (5.9)
1000 lx
mit den beiden Kenngrößen und R1000 , wobei als die Steilheit des Fotowider-
standes bezeichnet wird und R1000 dem Hellwiderstand bei einer Beleuchtungsstär-
ke von Ev D 1000 lx entspricht.
Für die folgenden Teilaufgaben sei ein Fotowiderstand gegeben, dessen Kenngrö-
ßen zunächst unbekannt sind. Messungen bei Beleuchtungsstärken von 30 lx bzw.
100 lx ergaben Widerstände von R30 D 4;7 k bzw. R100 D 1;6 k .
a. Bestimmen Sie die Kenngrößen und R1000 des Fotowiderstandes und tragen
Sie die Abhängigkeit des Widerstandes von der Beleuchtungsstärke in doppelt-
logarithmischer Darstellung auf.
b. Der Fotowiderstand soll nun in der in Abb. 5.3 gezeigten einfachen Mess-
schaltung zur Bestimmung der Beleuchtungsstärke eingesetzt werden. Es sei
U D 10 V. Dimensionieren Sie den Widerstand R2 so, dass bei einer Beleuch-
tungsstärke von 10 lx die Ausgangsspannung Ua D 1 V beträgt.
c. Stellen Sie die Ausgangsspannung Ua der Messschaltung nach Abb. 5.3 in Ab-
hängigkeit von der Beleuchtungsstärke Ev in doppelt-logarithmischem Maßstab
dar. Für welche Beleuchtungsstärken ist die Messschaltung geeignet?
R2 Ua
86 5 Optoelektronische Bauelemente
sowie
100 lx
R100 D R1000 : (5.11)
1000 lx
Division von (5.10) durch (5.11) führt auf
R30 30 lx
D : (5.12)
R100 100 lx
Stellt man (5.11) nach R1000 um, so erhält man schließlich für den Hellwiderstand
100 lx
R1000 D R100 D 1;6 k 0;10;9
1000 lx
200 : (5.14)
In Abb. 5.4 ist die Abhängigkeit des Widerstandes R von der Beleuchtungsstärke Ev ge-
mäß Gl. (5.9) für D 0;9 und R1000 D 200 gezeigt. Diese Abhängigkeit entspricht
einer Potenzfunktion und ist daher in der Regel nichtlinear, bei doppelt-logarithmischer
Darstellung ergibt sich jedoch eine Gerade.
R2
Ua D U : (5.16)
R2 C R1
5.3 Fotowiderstand 87
100
10
EV
1 10 100 1k 10k lx
Ua 1V
R2 D R1 D 12;6 k
U Ua 10 V 1 V
D 1;4 k : (5.17)
R2
Ua .Ev / D U : (5.18)
Ev
R2 C R1000 1000 lx
Ua
10V
1V
100mV
10mV
EV
1 10 100 1k 10k lx
Abb. 5.5 Ausgangsspannung der Messschaltung nach Abb. 5.3 in Abhängigkeit von der Beleuch-
tungsstärke Ev in doppelt-logarithmischer Darstellung
88 5 Optoelektronische Bauelemente
PSpice: 5_Fotowiderstand
5.4 Solarzelle
Aufgabenstellung
Es soll zunächst eine ideale Solarzelle betrachtet werden, deren Ersatzschaltbild in
Abb. 5.6 zu sehen ist (ideal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Solarzelle
keine parasitären Verlustwiderstände aufweist).
Die aktive Fläche der Solarzelle sei A D 10 cm2 . Bei einer Bestrahlungsstärke von
Ee D EAM1:5 D 1000 W m2 betrage der Kurzschlussstrom Ik D 300 mA und
die Leerlaufspannung Ul D 0;6 V. Der Einfachheit halber ist eine Temperatur von
T D 300 K D const. anzunehmen, d. h. die Erwärmung der Solarzelle durch die
Bestrahlung soll unberücksichtigt bleiben.
Bestimmen Sie
Im Folgenden soll eine reale Solarzelle betrachtet werden, bei der interne Ver-
lustprozesse durch zwei parasitäre Widerstände Rs und Rp modelliert werden
(siehe Ersatzschaltbild in Abb. 5.7). Der Serienwiderstand Rs repräsentiert da-
bei die unvermeidlichen Widerstände der Kontakte und neutralen Bahngebiete,
während der Parallelwiderstand Rp jegliche Art von Leckströmen beschreiben
soll, die z. B. aus Defekten oder Verunreinigungen des pn-Übergangs resultieren
oder durch Oberflächen-Rekombinationsprozesse hervorgerufen werden.
c. Bestimmen Sie den Zusammenhang zwischen dem Laststrom I und der Span-
nung U im Ersatzschaltbild der realen Solarzelle unter Berücksichtigung der
Verlustwiderstände Rs und Rp . Hinweis: Das gesuchte Strom-Spannungs-
Verhalten lässt sich nur implizit in Form einer transzendenten Gleichung darstel-
len, die nur iterativ lösbar ist (z. B. mit Hilfe des Schaltungssimulators PSpice).
d. Untersuchen Sie mit Hilfe von PSpice den Einfluss des Parallelwiderstandes Rp
auf die Strom-Spannungs-Kennlinie der Solarzelle. Setzen Sie hierzu Rs D 0
und wählen Sie Rp D 1, 1 k , 100 , 10 .
e. Untersuchen Sie nun mit PSpice den Einfluss des Serienwiderstandes Rs auf
die Strom-Spannungs-Kennlinie der Solarzelle. Setzen Sie hierzu Rp ! 1 und
wählen Sie Rs D 0 m , 10 m , 100 m , 300 m , 1 .
f. Vergleichen Sie eine reale Solarzelle (Rs D 300 m , Rp D 1 k ) mit der idea-
len Solarzelle (Rs D 0 , Rp ! 1) hinsichtlich Füllfaktor, Wirkungsgrad,
maximaler Leistung, Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom.
P I
Ik
I
IMPP
MPP
Pmax
P=U.I
0 0
0 UMPP Ul U
Abb. 5.8 Laststrom I und Wirkleistung P D U I in Abhängigkeit von der Spannung U bei einer
Bestrahlungsstärke von Ee D 1000 W m2
Da der Fotostrom Iph bei der idealen Solarzelle gleich dem Kurzschlussstrom Ik ist, erhält
man durch Umstellen für den Sättigungsstrom
Ik 300 mA
IS D q D D 28;5 pA : (5.21)
exp Ul 1 0;6 V
kT exp 1
26 mV
Mit Hilfe von (5.19) können nun der Laststrom I sowie die an die Last abgegebene Wirk-
leistung P D UI in Abhängigkeit von der Spannung U bestimmt und tabellarisch oder
grafisch dargestellt werden (Abb. 5.8).
Durch Ablesen erhält man den optimalen Arbeitspunkt für maximale Leistungsabgabe:
PSpice: 5_Solarzelle_Ideal
Alternativ zu dem gezeigten Lösungsweg kann der MPP für die ideale Solarzelle auch
analytisch bestimmt werden. Aus (5.19) folgt für die abgegebene Leistung in Abhängig-
keit von der Spannung
h h q ii
P .U / D U I.U / D U Iph IS exp U 1 : (5.24)
kT
5.4 Solarzelle 91
Aus Abb. 5.8 ist ersichtlich, dass die Leistung P .U / im relevanten Spannungsbereich
0 U Ul genau ein Maximum besitzt. Dieses Maximum erhält man durch Nullsetzen
der ersten Ableitung, d. h. dP .U /=d U D 0. Mit der Temperaturspannung UT D kT =q
erhält man nach einigen Rechenschritten
d U U
P .U / D Iph C IS IS C 1 exp D0: (5.25)
dU UT UT
Umstellen ergibt
U U Iph C IS
C 1 exp C1 D : (5.27)
UT UT IS exp.1/
Wir erhalten somit einen funktionalen Zusammenhang der Form x exp.x/ D y. Auflösen
nach x führt auf die Umkehrfunktion x D W .y/, wobei W die sog. Lambertsche W-
Funktion darstellt, die nur numerisch berechnet werden kann. Es ergibt sich
U Iph C IS
C1 DW : (5.28)
UT IS exp.1/
Durch Umstellen erhalten wir schließlich die gesuchte Spannung für maximale Leistungs-
abgabe
Iph C IS
U D UMPP D UT W 1 : (5.29)
IS exp.1/
Mit UT D kT =q D 26 mV, Iph D Ik D 300 mA und IS D 28;5 pA ergibt sich
UMPP D 26 mV W 2;86 1010 1 : (5.30)
Mit W .2;86 1010 / 21;03 (iterativ ermittelt) erhalten wir als Endergebnis den Zahlen-
wert
UMPP D 0;52 V (5.31)
in Übereinstimmung mit der ersten Rechnung.
UMPP 0;52 V
RMPP D D (5.32)
IMPP 285 mA
D 1;82 :
92 5 Optoelektronische Bauelemente
Der Füllfaktor FF ist definiert als das Verhältnis der maximal von der Solarzelle abgeb-
baren elektrischen Leistung im MPP zu dem Produkt aus Leerlaufspannung und Kurz-
schlussstrom. Man erhält
5.4
UMPP IMPP 0;52 V 285 mA
FF D D (5.33)
Ul Ik 0;6 V 300 mA
D 82;3%:
Der Wirkungsgrad ist definiert als das Verhältnis der maximal abgebbaren elektrischen
Leistung zu der eingestrahlten optischen Leistung. Man erhält
U C I Rs
Ip D : (5.36)
Rp
Somit erhalten wir für den Zusammenhang zwischen Ausgangsspannung U und Laststrom
I die (implizite) Beziehung
I D Iph I0 Ip
h q i U CI R
s
D Iph IS exp .U C I Rs / 1 : (5.37)
kT Rp
Gleichung (5.37) ist eine transzendente Gleichung, die nur iterativ gelöst werden kann.
Aus diesem Grunde werden die nachfolgenden Teilaufgaben mit dem Schaltungssimulator
PSpice bearbeitet.
I
100 Ω 1k Ω ,
300mA
10 Ω
0
0 0,6V U
Abb. 5.9 Strom-Spannungs-Kennlinie der realen Solarzelle für unterschiedliche Werte des Paral-
lelwiderstandes Rp , bei kurzgeschlossenem Serienwiderstand Rs und einer Bestrahlungsstärke von
Ee D 1000 W m2
PSpice: 5_Solarzelle_Rp
I
0 Ω , 10m Ω
300mA
100mΩ
300mΩ
1Ω
0
0 0,6V U
Abb. 5.10 Strom-Spannungs-Kennlinie der realen Solarzelle für unterschiedliche Werte des Seri-
enwiderstandes Rs bei einer Bestrahlungsstärke von Ee D 1000 W m2
Es ist zu erkennen, dass die Strom-Spannungs-Kennlinie der Solarzelle nur für sehr
geringe Serienwiderstände von Rs D 10 m quasi identisch ist mit dem Verlauf der idea-
len Solarzelle mit Rs D 0 . Bereits ein für die gegebenen Abmessungen relativ geringer
Serienwiderstand von Rs D 100 m reicht aus, um die Kennlinie abzuflachen, die Fläche
unterhalb der Kennlinie zu verringern und damit den Füllfaktor, die maximale Leistung
sowie den Wirkungsgrad zu reduzieren.
Serienwiderstände ab etwa 300 m führen bereits zu einer deutlichen Verschlech-
terung der betrachteten Solarzelle. Im Sinne eines hohen Wirkungsgrades ist es daher
unerlässlich, den Serienwiderstand möglichst gering zu halten, d. h. die Bahnwiderstände
zu minimieren und die Kontaktierung der Solarzelle zu optimieren.
PSpice: 5_Solarzelle_Rs
PSpice: 5_Solarzelle_Real
5.4 Solarzelle 95
P I
I(real)
mW mA
I(ideal)
300
285
275
P(ideal)
148
124
P(real)
0 0 U
0 0,45 0,52 0,6 V
Abb. 5.11 Laststrom I und Wirkleistung P der idealen (gestrichelt) und der realen Solarzelle
(durchgezogen) in Abhängigkeit von der Spannung U bei einer Bestrahlungsstärke von Ee D
1000 W m2
Tab. 5.1 Gegenüberstellung der ermittelten Kenngrößen für die ideale und die reale Solarzelle
Ideale Solarzelle Reale Solarzelle
Ul 0;6 V 0;6 V
Ik 300 mA 300 mA
UMPP 0;52 V 0;45 V
IMPP 285 mA 275 mA
Pmax 148 mW 124 mW
FF 82;3 % 68;8 %
14;8 % 12;4 %
5.5 Luminiszenzdiode
Aufgabenstellung
Gegeben sei eine Luminiszenzdiode (LED), die in dem Arbeitspunkt UD D 2;6 V,
ID D 20 mA betrieben werden soll. Die Strom-Spannungs-Kennlinie ID D f .UD /
der LED ist in Abb. 5.12 durchgezogen gezeichnet.
AP dUD
20 =15Ω
dID
10
UD
0
0 2,0 2,5 3,0 V
Zur Vereinfachung der nachfolgenden Rechnungen soll die Kennlinie der LED
durch eine aus zwei Geradenstücken bestehende Knickkennlinie (in Abb. 5.12 ge-
strichelt gezeichnet) wie folgt angenähert werden: Für Spannungen kleiner als 2;3 V
sei der Strom ID gleich null. Für Spannungen ab 2;3 V soll das zweite Geradenstück
eine Steigung aufweisen, die dem differentiellen Widerstand der LED im Arbeits-
punkt von rD D 15 entspricht.
a. Begründen Sie, warum es in der Praxis ungünstig ist, die LED direkt an eine
Betriebsspannungsquelle mit UB D 2;6 V anzuschließen, um den gewünschten
Arbeitspunkt einzustellen.
b. Die LED soll nun mit einem Vorwiderstand Rv bei einer Betriebsspannung von
UB D 10 V betrieben werden (Abb. 5.13). Dimensionieren Sie den Vorwider-
UB UD
5.5 Luminiszenzdiode 97
stand so, dass sich der gewünschte Arbeitspunkt einstellt. Berechnen Sie die Än-
derung des Diodenstromes, wenn die Betriebsspannung um ˙10 % um ihren
Sollwert schwankt? Hinweis: Gehen Sie bei der Berechnung davon aus, dass die
LED durch die Knickkennlinie hinreichend genau beschrieben ist.
c. Die LED soll nun mit einer Konstantstromquelle betrieben werden, die aus
dem selbstleitenden n-Kanal MOSFET T1 und dem Sourcewiderstand RS be-
steht (Abb. 5.14). Der MOSFET habe folgende Daten: UT h D 3;0 V, kn D
20 A V2 und w= l D 500. Dimensionieren Sie die Schaltung so, dass sich
der gewünschte Arbeitspunkt für die LED einstellt. Bestimmen Sie mit Hil-
fe von PSpice die Änderung des Diodenstromes, wenn die Betriebsspannung
um ˙10 % um ihren Sollwert von UB D 10 V schwankt. Beschreiben Sie das
Funktionsprinzip der Stromquellenschaltung. Warum ist der von der Stromquel-
le gelieferte Strom zwar nahezu, aber nicht vollkommen konstant?
Aus den genannten Gründen sollte eine LED stets mit möglichst konstantem Strom
betrieben werden. Die einfachste Möglichkeit zur Stromeinspeisung besteht darin, einen
Vorwiderstand zwischen Betriebsspannungsquelle und LED zu schalten (siehe Teilaufga-
be b.).
PSpice: 5_LED_ohne_Rv
UB UD
ID D : (5.38)
Rv
UB UD 10 V 2;6 V
Rv D D
ID 20 mA
D 370 : (5.39)
Gemäß Aufgabenstellung kann angenommen werden, dass die LED durch die Knickkenn-
linie nach Abb. 5.12 hinreichend genau charakterisiert ist. Dies bedeutet, dass die LED für
Spannungen ab 2;3 V allein durch ihren differentiellen Widerstand rD D 15 vollständig
beschrieben ist. Auf eine grafische oder iterative Analyse einer nichtlinearen Schaltung
kann daher verzichtet werden, denn für Strom- und Spannungsänderungen verhält sich
die Schaltung linear, solange nur sichergestellt ist, dass die LED leitet. Wir erhalten somit
das in Abb. 5.15 gezeigte Ersatzschaltbild.
Mit Hilfe des ohmschen Gesetzes kann nun auf einfache Weise die Stromänderung
ID berechnet werden, die sich aufgrund der Schwankung der Betriebsspannung UB
ergibt. Wir erhalten
UB
ID D : (5.40)
Rv C rD
zur Folge, was einer relativen Änderung von 13 % entspricht. Der Strom ist also wesent-
lich stabiler als beim Betrieb ohne Vorwiderstand. Diese hier vorgestellte einfache Lösung
ist für viele Anwendungsbereiche ausreichend. Wenn höhere Anforderungen an die Stabi-
lität des Stromes bestehen, muss die LED mittels einer Konstantstromquelle angesteuert
werden (siehe Teilaufgabe c.).
PSpice: 5_LED_mit_Rv
ˇn
IDS D 20 mA D .UGS UT h /2 : (5.43)
2
Umstellen nach UGS liefert die für den geforderten Arbeitspunkt notwendige Gate-Source-
Spannung
s s
2IDS 40 mA
UGS D UT h C D 3;0 V C
ˇn 10 mA V2
D 1;0 V : (5.44)
Wird die Schaltung mit PSpice simuliert und dabei die Betriebsspannung um UB D 1 V
geändert, so ergibt sich eine Stromänderung von ID 95 A, was einer prozentualen
100 5 Optoelektronische Bauelemente
AP
20mA
UGS
-3V -1V 0
Änderung von weniger als 0,5 % entspricht. Es zeigt sich somit eine deutliche Verbesse-
rung im Gegensatz zu der Schaltung mit Vorwiderstand.
PSpice: 5_LED_mit_Stromquelle
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 6.1 (links) dargestellte Verstärkerschaltung mit der Be-
triebsspannung UB D 15 V und dem Drainwiderstand RD D 20 k . Der n-Kanal
MOSFET habe folgende Daten: UT h D 1 V, ˇn D 1 mA V2 sowie D 0;01 V1 .
Das Ausgangskennlinienfeld des MOSFET ist in Abb. 6.1 (rechts) gezeigt.
PSpice: 6_NMOS-Ausgangskennlinienfeld
UB
IDS
mA UGS = 2.4V
R2 RD 1.00
2.2V
0.75
2.0V
0.50
1.8V
Ua 0.25 1.6V
Ue R1 1.4V
1.2V
0 5 10 15 UDS
V
Abb. 6.1 Verstärkerschaltung mit n-Kanal MOSFET (links) und zugehöriges Ausgangskenn-
linienfeld (rechts)
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 101
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
102 6 Der Transistor als Verstärker
IDS UDS
mA UGS = 2.4V V
15 G
1.00
F
A B 2.2V E
0.75 10
C 2.0V D
0.50
D 1.8V 5 C
0.25 E
1.6V
F
G 1.4V
1.2V
B
A
0 5 10 15 UDS 0 5 10 15 UGS
V V
Abb. 6.2 Aus dem Ausgangskennlinienfeld und der Lastgeraden (links) kann die Übertragungs-
kennlinie des Verstärkers konstruiert werden (rechts)
R1
gleich groß ist, liefern die Schnittpunkte der Lastgeraden mit jeder einzelnen der Aus-
gangskennlinien für jeden Wert von UGS den entsprechenden Wert des Stromes IDS sowie
der Spannung UDS . Trägt man nun zu jedem Wert von UGS den dazugehörenden Wert von
UDS in einem Diagramm auf, ergibt sich schließlich die gesuchte Übertragungskennlinie
Ua D f .Ue /, wie in Abb. 6.2 (rechts) gezeigt ist.
S.m.i.L.E.: 6.1_Übertragungskennlinie
PSpice: 6_UebertragungsKL
Lösung zu b. Arbeitspunkt
Zur Arbeitspunktanalyse gehen wir von der in Abb. 6.3 dargestellten Gleichstromersatz-
schaltung der gegebenen Verstärkerschaltung aus.
Daraus lässt sich unmittelbar die Gate-Source-Spannung des MOSFET bestimmen, da
der aus den Widerständen R1 und R2 bestehende Spannungsteiler unbelastet ist. Wir er-
104 6 Der Transistor als Verstärker
halten
R1
UGS;A D UB D 2;4 V : (6.1)
R1 C R2
Der gesuchte Arbeitspunkt der Schaltung ist also durch den Schnittpunkt der Lastgera-
den mit der Transistorkennlinie für UGS D 2;4 V gegeben (in Abb. 6.2, links, mit dem
Buchstaben A gekennzeichnet). Aus dem Diagramm können die zugehörigen Zahlenwer-
te abgelesen werden. Wir erhalten
Aus der Lage des Arbeitspunktes im Ausgangskennlinienfeld erkennt man, dass der Tran-
sistor für UGS D 2;4 V im Widerstandsbereich arbeitet. Dies ergibt sich auch aus der
Ungleichung UGS;A UT h > UDS;A .
S.m.i.L.E.: 6.1_BJT-Verstärker
PSpice: 6_Arbeitspunkt
R1
UGS;A D 1;8 V D UB (6.3)
R1 C R2
erforderlich ist. Durch Umstellen von (6.3) und Einsetzen der gegebenen Zahlenwerte er-
halten wir das zur Einstellung dieses Arbeitspunktes erforderliche Widerstandsverhältnis
6.1 Verstärker mit n-Kanal MOSFET 105
R1 3
D : (6.4)
R2 22
S.m.i.L.E.: 6.1_Arbeitspunkt
UDS 6V 6.1.1
Au D
UGS 0;4 V
D 15 : (6.5)
0 1 2 3 4 5 UGS
UGS,A
V
106 6 Der Transistor als Verstärker
Dabei bedeutet das negative Vorzeichen, dass bei einer Erhöhung der Eingangsspannung
die Ausgangsspannung abnimmt; Ein- und Ausgangssignal haben also eine Phasendre-
hung von 180ı zueinander.
UDS;A C 1=
r0 D D 309 k : (6.6)
IDS;A
Die Steilheit gm des MOSFET wird mittels (4.10) bestimmt. Mit ˇn D 1 mA V2 ergibt
sich p
gm D 2IDS;A ˇn .1 C UDS;A / D 870 S : (6.7)
MOSFET
gmuGS
uGS ua
ue R1//R2 r0 RD
Die Spannungsverstärkung der Schaltung kann nun durch Analyse der Schaltung nach
Abb. 6.6 bestimmt werden. Im Ausgangskreis erhalten wir zunächst die Beziehung
gilt. Der Koppelkondensator dient dabei der gleichstrommäßigen Trennung der Verstär-
kerschaltung und der Signalquelle, so dass diese gleichspannungsfrei sein kann. Durch
die Signalquelle erfolgt also eine Änderung der Spannung UGS um den Arbeitspunkt her-
um und damit auch eine entsprechende Änderung der Ausgangsspannung, wobei diese
ebenfalls über einen Kondensator ausgekoppelt wird, so dass auch die Ausgangsspannung
gleichspannungsfrei ist. Die Spannungsänderungen können bei gegebenem Verlauf der
Eingangsspannung Ue .t/ auf einfache Weise mit Hilfe der Übertragungskennlinie kon-
struiert werden (Abb. 6.7).
Dazu markieren wir zunächst den Arbeitspunkt (UGS;A ; UDS;A ) auf der Übertragungs-
kennlinie. Anschließend wird, entsprechend dem Zeitverlauf der Eingangsspannung, um 6.1.2
den Arbeitspunkt herum ausgesteuert. Dabei wird zu unterschiedlichen Zeitpunkten für
den jeweiligen Wert der Eingangsspannung Ue mittels der Übertragungskennlinie der zu-
gehörige Wert der Ausgangsspannung Ua bestimmt und auf diese Weise der Zeitverlauf
der Ausgangsspannung konstruiert.
In Abb. 6.7 ist die Phasendrehung von 180ı zwischen der Eingangs- und der Aus-
gangsspannung deutlich zu erkennen, d. h. eine positive Halbwelle am Eingang führt zu
einer negativen Halbwelle am Ausgang und umgekehrt. Ebenfalls ist zu erkennen, dass das
Ausgangssignal leicht verzerrt ist. So hat die negative Halbwelle am Ausgang eine größere
Amplitude (5 V) als die positive (4 V), obwohl beide Halbwellen der Eingangsspannung
die gleiche Amplitude (300 mV) besitzen. Dies ist damit zu erklären, dass die Übertra-
gungskennlinie im unteren Teil des Aussteuerbereiches insgesamt etwas steiler verläuft
108 6 Der Transistor als Verstärker
5 5V
Ua(ti)
0 1 3 4 5 UGS
UGS,A
t V
Ue(ti)
ti
Ue
300mV
als im oberen, wodurch die beiden Halbwellen des Eingangssignals eine unterschiedliche
Verstärkung erfahren. Für die positive Halbwelle des Eingangssignals ergibt sich eine Ver-
stärkung von etwa 5 V= C 300 mV D 16;7, für die negative Halbwelle hingegen eine
Verstärkung von etwa C4 V= 300 mV D 13;3, so dass sich im Mittel eine Verstär-
kung von 15 ergibt (in guter Übereinstimmung mit den Resultaten der vorangegangenen
Teilaufgaben).
S.m.i.L.E.: 6.1_Arbeitspunkt
PSpice: 6_A-Betrieb
R1 1
D : (6.12)
R2 14
6.2 Arbeitspunkteinstellung mit 4-Widerstandsnetzwerk 109
0 1 2 3 4 5 UGS
t V
Ue
1V 1V
Stehen Widerstände mit Nennwerten aus der Normreihe E24 zur Verfügung, so lässt sich
das Widerstandsverhältnis z. B. durch R1 D 100 k und R2 D 1;4 M einstellen.
Da im AB-Betrieb auch in dem stark nichtlinearen Bereich der Übertragungskennlinie
ausgesteuert wird, ergibt sich ein stark verzerrtes Ausgangssignal, insbesondere für kleine
Eingangsspannungen, wie aus Abb. 6.8 ersichtlich wird.
PSpice: 6_AB-Betrieb
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 6.9 gezeigte Verstärkerschaltung mit 4-Widerstands-
netzwerk. Die Betriebsspannung sei UB D 18 V und die Stromverstärkung des
Transistors betrage BN D 150.
c. Ersetzen Sie die berechneten Widerstandswerte durch geeignete Werte aus der
Normreihe E12 (s. Tab. 13.2 im Anhang). Welcher Arbeitspunkt stellt sich nun
ein?
R2 R3 U3 C
∞
C∞
UB’ IB
UCE,A
I1 Ua
Ue
R1 R4 U4
Lösung zu b. Schaltungsdimensionierung
Bei der Dimensionierung der Schaltung beginnen wir zweckmäßigerweise mit dem Wider-
stand R4 . Da in der Aufgabenstellung keine anderen Angaben gemacht sind, wählen wir
die über diesem Widerstand abfallende Spannung gemäß dem Lehrbuch, Abschn. 6.2.1 zu
U4 D 1 V : (6.13)
Aufgrund der großen Stromverstärkung des Transistors ist IE IC und somit ergibt
sich aus dem gegebenen Wert des Kollektorstromes im Arbeitspunkt für den Emitterwi-
derstand
U4 U4
R4 D
IE;A IC;A
D 250 : (6.14)
U3 D UB U4 UCE;A D 18 V 1 V 8 V D 9 V : (6.15)
Zur Dimensionierung des Basisspannungsteilers wenden wir die Regel an, dass die Strö-
me I1 und I2 etwa um den Faktor 10 größer sein sollen als der Basisstrom, damit der
Spannungsteiler näherungsweise unbelastet ist. Mit IB;A D IC;A =BN D 26;7 A erhalten
wir somit für die Ströme durch die Widerstände R1 und R2
Der Spannungsabfall über dem Widerstand R1 ergibt sich aus dem bereits festgelegten
Wert von U4 und der Basis-Emitter-Spannung des Transistors, die wir mit UBE;A 0;7 V
112 6 Der Transistor als Verstärker
UBE;A C U4
R1 D
I1
D 6;37 k : (6.18)
Für den Widerstand R2 erhalten wir unter Vernachlässigung des Basisstromes mit I2 D
UB =.R1 C R2 /
UB
R2 D R1
I2
D 61 k : (6.19)
Lösung zu c. Arbeitspunktberechnung
Die in Teilaufgabe b. berechneten Widerstandswerte werden durch geeignete Werte aus
der Normreihe E12 ersetzt: R1 D 6;8 k , R2 D 56 k , R3 D 2;2 k und R4 D 270 .
Bei Vernachlässigung des Basisstromes gilt dann
R1 6;8 k
UB 0 D UB D 18 V D 1;95 V : (6.20)
R1 C R2 6;8 k C 56 k
Mit UBE;A 0;7 V ergibt sich für die Spannung über dem Emitterwiderstand
U4 1;25 V
IC;A IE;A D D
R4 270
D 4;63 mA : (6.22)
Der sich durch die Verwendung von Widerstandswerten aus der Normreihe E12 ergebende
Arbeitspunkt weicht somit nicht unwesentlich von den in der Aufgabenstellung geforder-
ten Werten (IC;A D 4;0 mA, UCE;A D 8;0 V) ab.
PSpice: 6_4-Widerstandsnetzwerk
6.3 Stromspiegel mit npn-Bipolartransistoren 113
In Tab. 6.1 sind die Ergebnisse der Arbeitspunktberechnung und der PSpice-Simulation
einander gegenübergestellt. Die Unterschiede sind in erster Linie darauf zurückzuführen,
dass bei der Berechnung von einem unbelasteten Basisspannungsteiler ausgegangen wur-
de, während bei der Simulation die Belastung des Spannungsteilers durch den Basisstrom
mit berücksichtigt wurde, was zu geringeren Spannungen UB 0 und U4 , und somit auch zu
einem geringeren Kollektorstrom IC;A und zu einer größeren Kollektor-Emitter-Spannung
UCE;A führt.
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 6.10 gezeigte Stromspiegelschaltung, mit der ein nahezu
konstanter Strom I0 durch den Transistor T2 eingestellt werden kann. Beide Tran-
sistoren weisen die gleiche Early-Spannung UAN und die gleiche Stromverstärkung
BN auf. Die Transfersättigungsströme IS1 und IS 2 der beiden Transistoren seien
zunächst beliebig. Die Spannung UB sei gleich 10 V.
Ι0
T1 T2
UBE
UB-
a. Bestimmen Sie aus der Schaltung und den Transistorgleichungen die Beziehung
zwischen dem Strom I0 und dem Referenzstrom Iref in Abhängigkeit von IS1 und
IS 2 , BN , UAN sowie der Basis-Kollektor-Spannung UBC;2 , wenn die Spannung
U0 so groß ist, dass der Transistor T2 im normalen Verstärkerbetrieb arbeitet.
114 6 Der Transistor als Verstärker
Berücksichtigen Sie hierbei, dass in diesem Fall die Basisströme der beiden
Transistoren nicht vernachlässigt werden dürfen und dass für die Basis-Emitter-
Spannungen auch nicht die Näherung UBE 0;7 V verwendet werden darf.
b. Wie vereinfacht sich die in Teilaufgabe a. gefundene Beziehung für sehr große
Werte von BN ?
c. Stellen Sie mit Hilfe der in Teilaufgabe b. ermittelten Beziehung den Strom I0 in
Abhängigkeit von der Spannung U0 dar. Vernachlässigen Sie hierbei die Basis-
Emitter-Spannung UBE gegenüber der betragsmäßig großen Spannung UB .
d. Skizzieren Sie den Verlauf I0 D f .U0 / für Iref D 1 mA, UAN D 75 V und
IS1 D IS 2 .
e. Welche Vorteile bringt die Verwendung eines Stromspiegels bei der Arbeits-
punkteinstellung gegenüber einem Widerstandsnetzwerk?
IC;1 IC;2
Iref D IC;1 C IB;1 C IB;2 D IC;1 C C : (6.24)
BN BN
Unter Berücksichtigung des Early-Effektes lässt sich der Kollektorstrom von T2 mit Hilfe
von (3.3) berechnen und wir erhalten
6.3.1 h q i UBC;2
IC;2 D IS 2 exp UBE 1 1 : (6.25)
3.2.5 kT UAN
q
I0 UBC;2 1
exp UBE 1 D 1 : (6.26)
kT IS 2 UAN
Der Kollektorstrom von T1 berechnet sich auf die gleiche Weise wie IC;2 . Wegen UBC;1 D
0 tritt der Early-Effekt jedoch nicht auf und wir erhalten den vereinfachten Ausdruck
h q i
IC;1 D IS1 exp UBE 1 : (6.27)
kT
6.3 Stromspiegel mit npn-Bipolartransistoren 115
Mit (6.26) erhalten wir daraus schließlich nach einigen Umformungen die gesuchte Be-
ziehung
UBC;2
IS 2 1
UAN
I0 D Iref : (6.29)
1 IS 2 UBC;2
IS1 1 C C 1
BN BN UAN
Sind also die Stromverstärkungen der Transistoren hinreichend groß, so hängt das Verhält-
nis der Ströme durch die beiden Zweige der Schaltung lediglich von dem Verhältnis der
Transfersättigungsströme der Transistoren und der am Transistor T2 anliegenden Basis-
Kollektor-Spannung ab. Letztere bewirkt dabei den Early-Effekt, der mit zunehmender
Basis-Kollektor Sperrspannung von T2 zu einem größer werdenden Strom I0 führt. Ver-
nachlässigt man diesen Einfluss, ergibt sich zwischen den Strömen Iref und I0 der sehr
einfache Zusammenhang
IS 2
I0 D Iref : (6.31)
IS1
Unter der Voraussetzung, dass U0 deutlich größer ist als UB , können wir die Basis-
Emitter-Spannung in dem Ausdruck vernachlässigen, d. h. es gilt
-10V 0V U0
in Analogie zu dem Lehrbuch, Abschn. 6.3.1. Diese Beziehung gilt nach den getroffe-
nen Annahmen unter der Voraussetzung, dass die Spannung U0 groß genug ist, damit der
Transistor T2 im normalen Verstärkerbetrieb arbeitet.
dI0 1 1
D D ; (6.36)
d U0 r0 75 k
PSpice: 6_npn-Stromspiegel
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich durch den Einsatz von Stromspiegeln zur Arbeits-
punkteinstellung höhere Verstärkungen erreichen lassen als bei der Verwendung eines
Widerstandsnetzwerkes. Dies liegt darin begründet, dass die Spannungsverstärkung bei
einer Emitterschaltung näherungsweise gleich dem Produkt aus der Steilheit und der Last
des Transistors ist (vgl. Lehrbuch, Abschn. 6.4.2). Dieses Produkt kann jedoch nicht
beliebig groß werden, da eine größere Steilheit des Transistors einen höheren Kollek-
torruhestrom bedingt und das Produkt aus Kollektorruhestrom und Kollektorwiderstand,
d. h. der Spannungsabfall über dem Kollektorwiderstand, nicht größer werden kann als
die Betriebsspannung. Mit einem Stromspiegel hingegen kann der Ruhestrom durch eine
Verstärkerschaltung praktisch beliebig eingestellt werden; gleichzeitig besitzt der Strom-
spiegel einen hohen Ausgangswiderstand, der bei der Schaltung nach Abb. 6.10 allein
durch den Ausgangswiderstand des Transistors T2 gegeben ist. 6.4.4
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 6.12 gezeigte Verstärkerschaltung mit den Betriebs-
spannungen UBC D 5 V und UB D 5 V. Folgende Daten seien bekannt:
UB+
R2 C
2
Re C1
T1 Ra Ua
C3
Ue R1
R3
UB-
UB C UBE;A
IB;A D : (6.38)
R1 C .BN C 1/R3
Wegen (3.10) ist BN ˇN D 130 und mit UBE;A 0;7 V ergibt sich schließlich
5 V C 0;7 V
IB;A D
240 k C .130 C 1/16 k
D 1;84 A (6.39)
und
IC;A D BN IB;A
D 239 A : (6.40)
R1
T1
R3
UB-
6.4 Verstärker mit npn-Bipolartransistor 119
Bipolartransistor T1
Re
gm uBE
R1 rπ uBE r0 ua
ue R2 Ra
Rein Raus
Mit dem Emitterstrom IE;A D .BN C 1/IB;A D 241 A lässt sich schließlich die
Kollektor-Emitter-Spannung der Schaltung im Arbeitspunkt berechnen. Aus der Masche
im Ausgangskreis der Schaltung nach Abb. 6.13 ergibt sich
Mit
R1 ==r
uBE D ue (6.43)
Re C .R1 ==r /
ergibt sich daraus für die Spannungsverstärkung der Schaltung der Ausdruck
ua R1 ==r
Au D D gm .r0 ==R2 ==Ra / : (6.44)
ue Re C .R1 ==r /
Mit Hilfe von (3.9), (3.11) und (3.12) können wir nun die Kleinsignalparameter des Tran-
sistors bestimmen. Dies führt auf
q IC;A 239 A
gm D IC;A D D D 9;2 mS (6.45)
kT UT 26 mV
120 6 Der Transistor als Verstärker
sowie
ˇN 130
r D D D 14;1 k (6.46)
gm 9;2 mS
und
UAN C UCE;A 75 V C 3;75 V
r0 D D D 330 k : (6.47)
IC;A 239 A
Einsetzen der Zahlenwerte in (6.44) ergibt schließlich eine Spannungsverstärkung von
Au D 83 (6.48)
PSpice: 6_Verstaerkerschaltung
und
Raus D R2 ==r0
D 9;7 k : (6.50)
Transistorgrundschaltungen
7
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 7.1 gezeigte, einstufige Verstärkerschaltung mit Re D 50 ,
R1 D 100 k , R2 D 390 k , R3 D 15 k , Rk D 2 k sowie RL D 100 k . Die
Kapazitäten C1 seien unendlich groß. Für die Kleinsignalparameter des MOSFET
im Arbeitspunkt gelte gm D 1;06 mS und r0 D 200 k .
RL Ua
Ue R1 Rk
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 121
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
122 7 Transistorgrundschaltungen
d. Welcher Wert ergibt sich für die Spannungsverstärkung Au , wenn der Widerstand
Rk wechselstrommäßig kurzgeschlossen wird?
e. Dimensionieren Sie die Schaltung so, dass sich eine Spannungsverstärkung von
Au D 8 ergibt, ohne dass sich der Arbeitspunkt des Transistors ändert.
Lösung zu a. Transistorgrundschaltung
Es liegt eine Sourceschaltung vor, da der Sourceanschluss des MOSFET der gemeinsame
Anschlusspunkt von Ein- und Ausgangskreis der Verstärkerschaltung ist.
Lösung zu b. Spannungsverstärkung
Die Bestimmung der Spannungsverstärkung erfolgt aus der Kleinsignalersatzschaltung
des Verstärkers. Diese erhalten wir aus der ursprünglichen Schaltung durch Kurzschließen
der Koppelkapazitäten und der Gleichspannungsquellen und durch Ersetzen des MOSFET
durch dessen Kleinsignalersatzschaltbild nach Abb. 4.7, was auf die in Abb. 7.2 gezeigte
7.1.2 Schaltung führt. Aus dieser Schaltung kann nun die Ausgangsspannung abhängig von
der Eingangsspannung berechnet werden. Zunächst erhalten wir im Ausgangskreis unter
Vernachlässigung von r0 die Beziehung
Im Eingangskreis gilt für die über dem Widerstand R1 ==R2 abfallende Spannung u0e
R1 ==R2
u0e D ue D uGS C gm uGS Rk : (7.2)
.R1 ==R2 / C Re
Damit ergibt sich für die Spannungsverstärkung
Re
gmuGS
uGS
r0
R1//R2
ue u’e R3 RL ua
Rk
Rein Raus
Da gemäß Aufgabenstellung Re .R1 ==R2 / ist, ist der rechte Quotient in (7.3) in guter
Näherung gleich eins und wir erhalten für die Spannungsverstärkung der Schaltung
gm .R3 ==RL /
Au D
1 C gm Rk
D 4;4 : (7.4)
PSpice: 7_Einstufiger_Verstaerker_Au
PSpice: 7_Einstufiger_Verstaerker_Rein
Bei der Bestimmung des Ausgangswiderstandes muss der Einfluss der gesteuerten
Stromquelle berücksichtigt werden, die im Ausgangskreis liegt. Für die Berechnung set-
zen wir die Eingangssignalquelle ue zu null und schließen eine Testquelle ux an den
Ausgang an (Abb. 7.3). Der Ausgangswiderstand Raus ist dann gleich dem Quotienten
aus ux und dem in die Schaltung hinein fließenden Strom ix . 7.1.4
0
Zur Vereinfachung der Rechnung wird zunächst der Ausgangswiderstand Raus D
ux =iy ohne Berücksichtigung des Widerstandes R3 bestimmt. Im Ausgangskreis gilt
iy ix
gmuGS
uGS
r0 ux1
Re//R1//R2 R3 ux
Rk ux2
R’aus Raus
Abb. 7.3 Schaltung zur Bestimmung des Ausgangswiderstandes. Die Signalquelle am Eingang
wird kurzgeschlossen und am Ausgang der Schaltung wird eine Testquelle angeschlossen
124 7 Transistorgrundschaltungen
mit
ux1 D r0 .iy gm uGS / (7.7)
und
ux2 D Rk iy : (7.8)
Da der Strom durch den Widerstand Re ==R1 ==R2 gleich null ist, ist die darüber abfallende
Spannung ebenfalls gleich null und es gilt
und
0 ux
Raus D D r0 .1 C gm Rk / C Rk : (7.11)
iy
Da gemäß Aufgabenstellung r0 Rk ist, vereinfacht sich dieser Ausdruck zu
0
Raus D r0 .1 C gm Rk / D 624 k : (7.12)
Für den Ausgangswiderstand Raus unter Berücksichtigung von R3 ergibt sich damit
schließlich
0
Raus D Raus ==R3
D 14;6 k : (7.13)
PSpice: 7_Einstufiger_Verstaerker_Raus
PSpice: 7_Einstufiger_Verstaerker_Au_2
7.2 Zweistufiger Verstärker 125
gm .R3 ==RL / C Au
Rk D
gm Au
680 : (7.15)
R4 D 2 k Rk
1;3 k (7.16)
geschaltet wird. Der Widerstand Rk in Abb. 7.1 ist also durch das in Abb. 7.4 gezeigte
Netzwerk mit den in (7.15) und (7.16) berechneten Widerstandswerten zu ersetzen.
PSpice: 7_Einstufiger_Verstaerker_Au_3
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 7.5 gezeigte, zweistufige Verstärkerschaltung mit UB D
10 V, R1 D 9;1 k , R2 D 2 k und RL D 10 k . Von den Transistoren seien
folgende Daten bekannt:
UB
T3 T4
R2
C∞
R1 UC,1
T2
T1
Ue RL
UBE,A
a. Erklären Sie die Funktion der einzelnen Bauelemente der Schaltung. In welcher
Transistorgrundschaltung arbeiten die Transistoren T1 und T2 ?
b. Berechnen Sie überschlägig und unter Vernachlässigung der Basisströme die
Kollektorströme sowie die Kollektor-Emitter-Spannungen der vier Transistoren
im Arbeitspunkt.
c. Ermitteln Sie die Kleinsignalparameter der Transistoren im Arbeitspunkt.
d. Bestimmen Sie die Spannungsverstärkung der beiden Verstärkerstufen sowie der
Gesamtschaltung. Nehmen Sie zu diesem Zweck sinnvolle Vereinfachungen vor.
e. Berechnen Sie den Eingangs- und den Ausgangswiderstand der beiden Stufen.
Nehmen Sie auch hier sinnvolle Vereinfachungen vor.
f. Bei einer realen Schaltung wäre das Kollektorpotenzial des Transistors T1 auf-
grund der hohen Spannungsverstärkung der ersten Stufe äußerst instabil, d. h.
es würde sehr stark auf Temperaturänderungen und geringste Änderungen der
Spannung UBE;A reagieren. Eine Möglichkeit, den Arbeitspunkt der Schaltung
einzustellen und zu stabilisieren, ist in Abb. 7.6 gezeigt. Dimensionieren Sie die
Widerstände R3 und R4 so, dass sich ein Kollektorpotenzial von UC;1 D 5 V
ergibt. Beschreiben sie die Funktionsweise der Stabilisierung.
7.2 Zweistufiger Verstärker 127
R1
R3 UC,1
C∞
T1
Ue R4
UB C UBE;3 10 V 0;7 V
IC;4 D IC;3 D D
R1 9;1 k
D 1 mA : (7.17)
128 7 Transistorgrundschaltungen
Unter Vernachlässigung des Basisstromes von T2 ist der Kollektorstrom von T1 vom Be-
trage her gleich dem Kollektorstrom von T4 und wir erhalten
Das Emitterpotenzial von T2 ist durch das Kollektorpotenzial UC;1 von T1 festgelegt. Mit
dem in der Aufgabenstellung vorgegebenen Wert von UC;1 D 5 V und der Näherung
UBE D 0;7 V für die Basis-Emitter-Spannung des pnp-Transistors T2 wird
Der Kollektorstrom IC;2 ist unter Vernachlässigung des Basisstromes von T2 gleich dem
durch den Widerstand R2 fließenden Strom und wir erhalten
UB UE;2 10 V 5;7 V
IC;2 D D
R2 2k
D 2;15 mA : (7.20)
Da die Potenziale UC;1 und UE;2 bekannt sind, lassen sich die Kollektor-Emitter-
Spannungen der Transistoren auf einfache Weise bestimmen, was auf die folgenden
Ergebnisse führt:
PSpice: 7_Zweistufiger_Verstaerker_AP
PSpice: 7_Zweistufiger_Verstaerker_AP .
Stufe I Stufe II
T1 T2
ix
gm1 uBE,1 gm2 uBE,2
rπ1 uBE,1 r0,1 rπ 2 uBE,2 r0,2
ue r0,4 u1
R2//RL ua
Rein,2
Lösung zu d. Spannungsverstärkung
Zur Berechnung der Spannungsverstärkung wird zunächst die Kleinsignalersatzschaltung
(Abb. 7.7) des zweistufigen Verstärkers ermittelt. Dazu schließen wir die Kapazität und die
Gleichspannungsquellen der ursprünglichen Schaltung kurz und ersetzen die Transistoren
T1 und T2 durch ihr Kleinsignalersatzschaltbild (s. Abb. 3.10). Gemäß dem Lehrbuch,
Abschn. 6.3.1 kann dabei der Stromspiegel T3 , T4 im Kleinsignalersatzschaltbild durch 6.4.1
den Ausgangswiderstand r0;4 des Transistors T4 berücksichtigt werden. 6.4.5
Die Spannungsverstärkung der Gesamtschaltung setzt sich aus den Spannungsverstär-
kungen der beiden einzelnen Verstärkerstufen zusammen, die wir im Folgenden getrennt
berechnen. Bei der Berechnung der Spannungsverstärkung der ersten Stufe ist zu be-
achten, dass diese durch die zweite Stufe belastet wird. Es muss daher zunächst der
Eingangswiderstand Rein;2 der zweiten Stufe (vgl. Abb. 7.7) bestimmt werden. Dazu bil-
den wir die Maschengleichung am Eingang der zweiten Stufe und erhalten 7.1.2
7.2.3
u1 D uBE;2 C ua : (7.25)
ie
gm1 uBE,1
rπ1 uBE,1
ue r0,1 r0,4 Rein,2 u1
Rein,1
Abb. 7.8 Kleinsignalersatzschaltbild der ersten Verstärkerstufe. Die zweite Stufe wird durch deren
Eingangswiderstand Rein;2 berücksichtigt
wenn man den Ausgangswiderstand r0;2 des Transistors T2 zur Vereinfachung der Rech-
nung vernachlässigt. Für den Strom ix , der in die zweite Stufe fließt, ergibt sich mit (3.11)
uBE;2 gm2 uBE;2
ix D D : (7.27)
r2 ˇN;2
Wegen ˇN;2 1 kann der Basisstrom ix gegenüber dem Kollektorstrom gm2 uBE;2 ver-
nachlässigt werden und wir erhalten in guter Näherung
Mit (7.25) ergibt sich für die am Eingang der zweiten Stufe anliegende Spannung
führt. Mit uBE;1 D ue und den Ergebnissen aus Tab. 7.1 erhalten wir schließlich für die
Spannungsverstärkung der ersten Verstärkerstufe
u1
Au;I D D gm1 .r0;1 ==r0;4 ==Rein;2 / D 38;5 mS 42;7 k
ue
D 1645 : (7.32)
7.2 Zweistufiger Verstärker 131
Die Spannungsverstärkung der Gesamtschaltung ist das Produkt aus den Verstärkungen
der beiden Stufen, d. h.
ua
Au D D Au;I Au;II
ue
1630 : (7.34)
PSpice: 7_Zweistufiger_Verstaerker_Au
Die Verstärkung der Schaltung wird also im Wesentlichen durch die erste Verstärkerstufe
erzielt, während die zweite Stufe eine Verstärkung von etwa eins hat und somit praktisch
nicht zur Verstärkung beiträgt. Die Aufgabe der zweiten Stufe wird in Teilaufgabe e. un-
tersucht.
ue
Rein;1 D D r1 7.1.3
ie
D 4;4 k : (7.35)
Zur Bestimmung des Ausgangswiderstandes Raus;1 der ersten Stufe wird zunächst die
Spannungsquelle ue am Eingang der Schaltung auf null gesetzt und dann eine Spannungs-
quelle ux an die Ausgangsklemmen der ersten Stufe angeschlossen, so dass sich die in
Abb. 7.9 gezeigte Anordnung ergibt.
Für die Spannung ux gilt dann 7.1.4
Wegen ue D 0 ist auch uBE;1 D 0 und somit erhalten wir für den Ausgangswiderstand der
ersten Stufe
ux
Raus;1 D D .r0;1 ==r0;4 /
ix
D 48 k : (7.37)
132 7 Transistorgrundschaltungen
Raus,1
Der Eingangswiderstand der zweiten Verstärkerstufe wurde bereits mittels (7.30) in Teil-
aufgabe d. zu
Rein;2 390 k (7.38)
berechnet.
Zur Bestimmung des Ausgangswiderstandes Raus;2 der zweiten Stufe, und damit der
Gesamtschaltung, wird die Eingangssignalquelle ue der Schaltung nach Abb. 7.7 auf
Masse gelegt und eine Spannungsquelle ux an die Ausgangsklemmen der zweiten Stu-
fe angeschlossen. Wegen uBE;1 D ue D 0 wird auch der Strom gm uBE;1 D 0, so dass wir
die in Abb. 7.10 dargestellte Anordnung erhalten. Durch Umzeichnen ergibt sich die in
7.2.4 Abb. 7.11 gezeigte, äquivalente Schaltung.
R2 ux
Raus,2
uBE,2
ix
rπ 2
r0,1//r0,4 ux
R2//r0,2
gm2 uBE,2
Raus,2
Mit
r2
uBE;2 D ux (7.40)
r2 C .r0;1 ==r0;4 /
erhält man
ux ux .1 C gm;2 r2 /
ix D C : (7.41)
R2 ==r0;2 r2 C .r0;1 ==r0;4 /
Damit ergibt sich für den Ausgangsleitwert der zweiten Stufe
1 ix 1 1 C gm;2 r2
Gaus;2 D D D C : (7.42)
Raus;2 ux R2 ==r0;2 r2 C .r0;1 ==r0;4 /
Zieht man die Ergebnisse aus Tab. 7.1 heran, so erhält man schließlich für den Ausgangs-
widerstand
1
Raus;2 D 196 : (7.43)
Gaus;2
Mit der ersten Stufe des Verstärkers wird eine hohe Spannungsverstärkung realisiert. Die
zweite Stufe, die nur eine Verstärkung von etwa eins hat, verringert den Ausgangswider-
stand der Schaltung, so dass diese auch niederohmige Lasten treiben kann, ohne dass die
Ausgangsspannung signifikant abnimmt.
R3 UC;1
D 1
R4 UBE;1
D 6;14 : (7.45)
Stehen Widerstände aus der Normreihe E-24 zur Verfügung, so lässt sich dieses Wider-
standsverhältnis z. B. durch R3 D 62 k und R4 D 10 k näherungsweise realisieren.
PSpice: 7_Zweistufiger_Verstaerker_AP-Stabil
7.3 Gateschaltung
Aufgabenstellung
Es ist ein Verstärker in Gateschaltung mit 4-Widerstandsnetzwerk und einer Be-
triebsspannung von UB D 15 V so zu dimensionieren, dass sich ein Eingangs-
widerstand von 50 ergibt. Zu diesem Zweck stehen zwei MOSFET-Typen mit
UT h D 1 V zur Verfügung:
Typ 1: ˇn D 1 mA V2 ,
Typ 2: ˇn D 100 mA V2 .
UB
R3 C∞
R2
C∞ RL Ua
Re
C∞ R1
R4 Ue
Lösung zu a. Schaltbild
Das Schaltbild des Verstärkers in Gateschaltung mit 4-Widerstandsnetzwerk ist in
Abb. 7.12 gezeigt. Mit Hilfe der drei Kapazitäten C1 wird das Eingangssignal Ue ein-
gekoppelt, das Ausgangssignal Ua ausgekoppelt und der Gateanschluss des MOSFET
wechselstrommäßig auf Masse gelegt. Der Lastwiderstand RL repräsentiert die an den 7.3
Verstärker angeschlossene Last.
Lösung zu b. Kleinsignalersatzschaltbild
Das Kleinsignalersatzschaltbild (Abb. 7.13) der Verstärkerschaltung erhalten wir durch
Kurzschließen der Koppelkapazitäten und der Gleichspannungsquelle sowie durch Erset-
zen des MOSFET durch dessen Kleinsignalersatzschaltbild (s. Abb. 4.7). Die parasitären
Kapazitäten des Transistors sind dabei nicht berücksichtigt. 6.4.1
Lösung zu c. Schaltungsdimensionierung
Da die Dimensionierung unter der Bedingung erfolgen soll, dass der Eingangswiderstand
Rein D 50 beträgt, leiten wir zunächst die Beziehung für den Eingangswiderstand der
Schaltung ab. Zu diesem Zweck wird die Eingangssignalquelle ue und deren Innenwider-
Re r0
gmuGS
ue R4 R3//RL ua
uGS
Rein
ix iy
gmuGS
ux R4 R3//RL ua
uGS
Rein Rein'
stand Re von dem Kleinsignalersatzschaltbild (Abb. 7.13) abgetrennt und statt dessen eine
Testquelle ux angeschlossen. Vernachlässigt man die Kanallängenmodulation des MOS-
7.3.2 FET, so gilt r0 ! 1, und es ergibt sich die in Abb. 7.14 gezeigte Anordnung.
Wir bestimmen zunächst den Eingangswiderstand
ux
Rein0 D (7.46)
iy
ohne den Widerstand R4 , den wir nachträglich durch Parallelschaltung zu Rein0 berück-
sichtigen können. Mit ux D uGS und iy D gm uGS ergibt sich
1
Rein0 D (7.47)
gm
in Übereinstimmung mit dem Lehrbuch, Abschn. 7.3.2. Unter Berücksichtigung des Wi-
derstandes R4 ergibt sich dann für den Eingangswiderstand der Gesamtschaltung
ux 1 R4
Rein D D R4 == D : (7.48)
ix gm 1 C gm R4
Die Parameter, die wir bei der Dimensionierung ändern können, sind also der Widerstand
R4 und die Steilheit gm . Dabei ist der Sourcewiderstand R4 durch die an ihm abfallende
Gleichspannung, die laut Aufgabenstellung UR4 1 V betragen soll, und den Drain-
Source-Strom IDS;A des MOSFET im Arbeitspunkt gegeben. Damit gilt
UR4
R4 D : (7.49)
IDS;A
Die Steilheit gm des MOSFET berechnet sich nach (4.10). Da die Effekte der Kanal-
längenmodulation vernachlässigt werden können (d. h. D 0), vereinfacht sich dieser
Ausdruck zu p
gm D 2 IDS;A ˇn : (7.50)
7.3 Gateschaltung 137
Durch Einsetzen von (7.49) und (7.50) in (7.48) erhalten wir nach einigen Umformungen
p
Rein IDS;A C UR4 2 IDS;A ˇn D UR4 (7.51)
mit IDS;A als einzige Unbekannte. Diesen Ausdruck können wir in die Form einer qua-
dratischen Gleichung bringen und anschließend den zur Einstellung des gewünschten
Eingangswiderstandes nötigen Wert von IDS;A bestimmen. Umstellen und anschließendes
Quadrieren führt zunächst auf
p 1 IDS;A
2 IDS;A ˇn D gm D (7.52)
Rein UR4
bzw. 2
1 IDS;A
2 IDS;A ˇn D gm
2
D : (7.53)
Rein UR4
An dieser Stelle ist zu erkennen, dass eine Lösung IDS;A der quadratischen Gleichung nur
dann gültig ist, wenn die Bedingung
1 IDS;A
D gm > 0 (7.54)
Rein UR4
erfüllt ist, da nur positive Werte für die Steilheit gm sinnvoll sind.
Durch Umstellen von (7.53) erhalten wir schließlich die quadratische Gleichung
UR4 U2
2
IDS;A 2 IDS;A UR4 ˇn C
2
C R4
2
D0: (7.55)
Rein Rein
Mit dem MOSFET vom Typ 1 (ˇn D 1 mA V2 ) sowie mit UR4 D 1 V und Rein D 50
wird daraus
2
IDS;A IDS;A 42 mA C .20 mA/2 D 0 : (7.56)
Von den beiden Lösungen der quadratischen Gleichung ist dabei nur die Lösung
2
IDS;A IDS;A 240 mA C .20 mA/2 D 0 : (7.58)
Von den beiden Lösungen dieser Gleichung ist nur die Lösung
sinnvoll, da nur sie die Bedingung (7.54) erfüllt. Bei Verwendung des MOSFET vom Typ
2 ist also ein geringerer Drain-Source-Strom IDS;A nötig als bei Verwendung von Typ 1,
d. h. die Verlustleistung der Schaltung wird geringer und der Wirkungsgrad höher sein.
Aus diesem Grund wählen wir den MOSFET vom Typ 2 für den Aufbau der Schaltung.
Aus (7.49) ergibt sich damit der Wert für den Widerstand R4 zu
UR4 1V
R4 D D D 595 : (7.60)
IDS;A 1;68 mA
Zur Realisierung mit Widerständen aus der Normreihe E-24 wählen wir
R4 D 620 : (7.61)
R1
UR1 D UR4 C UGS;A D 2;22 V D UB (7.64)
R1 C R2
betragen, um den gewünschten Strom IDS;A einzustellen. Durch Umstellen erhält man für
das Widerstandsverhältnis
R2 UB UR1
D D 5;76 : (7.65)
R1 UR1
Dieses Widerstandsverhältnis lässt sich z. B. durch
einstellen. Wird die Drain-Source-Spannung des MOSFET gleich der halben Betriebs-
spannung gewählt, so gilt
UB
UDS;A D UB IDS;A .R3 C R4 / D : (7.67)
2
7.3 Gateschaltung 139
R3 D 3;9 k : (7.69)
Die Richtigkeit der durchgeführten Berechnungen wird durch die Simulation der unten
angegebenen PSpice-Datei bestätigt.
PSpice: 7_Gateschaltung_Rein
Lösung zu d. Spannungsverstärkung
Die Spannungsverstärkung wird mit Hilfe des Kleinsignalersatzschaltbildes (Abb. 7.13)
bestimmt. Da der Ausgangswiderstand r0 des MOSFET vernachlässigt werden soll, gilt
für die Ausgangsspannung
7.3.1
ua D gm uGS .R3 ==RL / : (7.70)
PSpice: 7_Gateschaltung_Au
140 7 Transistorgrundschaltungen
2
IDS;A IDS;A 1;04 A C .20 mA/2 D 0 (7.77)
R2 UB UR1
D D 6;35 : (7.82)
R1 UR1
7.4 Push-Pull Ausgangsstufe 141
UB
R3 D R4 D 16;9 k : (7.83)
2IDS;A
Au 62 (7.85)
Aufgabenstellung
Die in Abb. 7.15 gezeigte Schaltung stellt die Ausgangsstufe eines Verstärkers dar,
welche durch die Spannungsquelle Ua0 und den Ausgangswiderstand Raus beschrie-
ben wird. Die Spannungsquelle Ua0 liefere ein sinusförmiges Wechselsignal mit
konstanter Amplitude. Belastet wird der Verstärker durch den Widerstand RL .
a. Die in Abb. 7.15 gezeigte Schaltung wird mit PSpice simuliert. Bei einer Belas-
tung mit RL D 1 k ergibt die Transienten-Analyse eine Ausgangsspannung mit
einer Amplitude von UO a D 3;28 V. Wird der Lastwiderstand auf RL D 100
reduziert, so bricht die Amplitude der Ausgangsspannung auf UO a D 1;25 V zu-
sammen. Wie groß ist der Ausgangswiderstand Raus des Verstärkers?
PSpice: 7_Verstaerkermodell_TR-Analyse
142 7 Transistorgrundschaltungen
UB+
Raus
Uao U1 RL Ua
UB-
Abb. 7.16 Zur Verringerung des Ausgangswiderstandes wird dem Verstärkermodell eine
Push-Pull Ausgangsstufe nachgeschaltet
b. Die Schaltung aus Abb. 7.16 wird mit PSpice simuliert. Das Ergebnis der
Transienten-Analyse ist qualitativ in Abb. 7.17 dargestellt. Zu erkennen sind
nichtlineare Verzerrungen des Ausgangssignals Ua im Übergangsbereich zwi-
schen positiver und negativer Halbwelle. Nennen Sie die Ursache für diese
Verzerrungen.
PSpice: 7_Push-Pull_TR-Analyse
RL;1
UO a;1 D UO a0 : (7.86)
Raus C RL;1
RL;2
UO a;2 D UO a0 : (7.87)
Raus C RL;2
UO a;1 UO a;2
Raus D
UO a;1 UO a;2
RL;1
RL;2
D 220 : (7.89)
Steigung ~1
-0,7V 0,7V
Ue
Arbeitspunkt
UB-
Der Ausgangswiderstand der Push-Pull Stufe ist also deutlich geringer als der Ausgangs-
widerstand des Verstärkers. Dadurch wird ein starkes Absinken der Ausgangsspannung
bei einer Erhöhung der Belastung vermieden.
Aufgabenstellung
Bestimmen Sie die Übertragungsfunktion Au .!/ der in Abb. 8.1 gezeigten Filter-
schaltung mit idealem Operationsverstärker.
Lösung
Da die Spannungsverstärkung des idealen Operationsverstärkers (kurz: OP) unendlich ist,
muss die Spannungsdifferenz zwischen seinen Eingangsklemmen gleich null sein, wenn
er in einer rückgekoppelten Anordnung betrieben wird. Weil in der gezeigten Schaltung
der nicht invertierende Eingang (C) auf Masse liegt, liegt also auch das Potenzial des
invertierenden Eingangs () auf Masse. Da allerdings keine leitende Verbindung zwischen 8.2.4
den Eingangsklemmen besteht, spricht man von einer so genannten virtuellen Masse. Da
der Eingangswiderstand des OP unendlich ist, fließt kein Strom in seine Eingangsklemmen
hinein. Damit ist der Strom durch den Widerstand R3 , und somit auch die Spannung über
diesem Widerstand, gleich null. Dies hat zur Folge, dass einerseits der Schaltungsknoten
A ebenfalls auf Massepotenzial liegen muss und andererseits der Eingangsstrom Ie gleich
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H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
146 8 Operationsverstärker
dem Strom IR2 durch den Widerstand R2 ist. Für die Ausgangsspannung erhält man daher
Ua D IR2 R2 : (8.1)
Ua j! CR2
Au .!/ D D : (8.3)
Ue 1 C j! CR1
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.2 gezeigte Schaltung mit einem Operationsverstärker,
der, abgesehen von den Betriebsspannungen UBC und UB , ideale Eigenschaften
besitze.
ue
t0 t
Dabei gilt für die Spannung uC .t/ über der Kapazität und den Strom iC .t/, der in die
Kapazität fließt, der Zusammenhang
Da der Eingangswiderstand des OP unendlich ist, fließt kein Strom in seine Eingangs-
klemmen hinein. Es muss daher gelten
ue .t/
iC .t/ D ie .t/ D : (8.6)
R
Zt
1
ua .t/ D ue ./ d C ua .0/ (8.8)
CR
0
t0 t
ue
CR
ua(t)
UB-
Lösung zu b. Sprungantwort
Anhand der in Teilaufgabe a. abgeleiteten Beziehung (8.8) ist zu erkennen, dass sich das
Ausgangssignal der Filterschaltung durch Integration der Eingangsspannung über der Zeit
ergibt. Aus diesem Grunde nennt man die Schaltung nach Abb. 8.2 auch Integrator oder
Integrierverstärker. Geht man von einer Sprunghöhe ue der Eingangsspannung und von
einem Anfangswert ua .0/ D 0 aus, so ergibt sich der in Abb. 8.4 dargestellte Zeitverlauf
für die Ausgangsspannung. Die Ausgangsspannung nimmt gemäß (8.8) ab dem Zeitpunkt
t0 linear mit der Steigung ue =.CR/ ab, bis sie durch die negative Betriebsspannung UB
begrenzt wird.
PSpice: 8_OP-Schaltungen_I
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.5 gezeigte Schaltung mit einem idealen Operationsver-
stärker und einem MOSFET (UT h D 1 V, ˇn D 1 mA V2 ). Es sei R D 1 k und
U D 5 V.
a. Berechnen Sie den Strom I unter der Annahme, dass der MOSFET im Sätti-
gungsbetrieb arbeitet.
b. Bestimmen Sie die minimal erforderliche Betriebsspannung UB , die notwendig
ist, um den MOSFET im Sättigungsbereich zu betreiben.
U
IR D D 5 mA : (8.9)
R
Da der Eingangswiderstand des Operationsverstärkers unendlich ist, fließt kein Strom in
seine Eingangsklemmen. Somit sind die Ströme I und IR gleich groß und wir erhalten
I D 5 mA : (8.10)
PSpice: 8_OP-Schaltungen_II
ˇn
IDS D I D .UGS UT h /2 : (8.11)
2
Durch Umstellen erhält man den Ausdruck
s
2I
UGS UT h D : (8.12)
ˇn
erfüllt sein. Aus (8.12) und (8.13) ergibt sich somit für die minimal erforderliche Betriebs-
spannung
s
2I
UB CU
ˇn
D 8;16 V : (8.14)
150 8 Operationsverstärker
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.6 gezeigte Schaltung mit einem idealen Operationsver-
stärker, dem Widerstand R und der Lastimpedanz ZL .
- ZL
iR
R
a. Geben Sie die Beziehung zwischen dem Laststrom iL und der Eingangsspannung
ue an.
b. Bestimmen Sie den Ausgangswiderstand der Schaltung an den Klemmen der
Lastimpedanz ZL .
c. Welche Funktion erfüllt die Schaltung?
PSpice: 8_OP-Schaltungen_III
iR
R
sind die Ströme iR und ix unabhängig von dem Wert der Spannung ux ebenfalls gleich
null und wir erhalten für den Ausgangswiderstand
ux
Raus D D1: (8.17)
ix
8.5 Analogrechenschaltung
Aufgabenstellung
a. Gegeben sei die in Abb. 8.8 dargestellte Filterschaltung mit einem idealen Ope-
rationsverstärker. Bestimmen Sie die Ausgangsspannung ua .t/ in Abhängigkeit
von der Eingangsspannung ue .t/.
b. Realisieren Sie mit Hilfe idealer Operationsverstärker eine Schaltung, die am
Ausgang das Signal
d 2x
y D k1 2 k2 x (8.18)
dt
mit k1 ¤ k2 liefert. Als Eingangsgröße steht dx=dt zur Verfügung. Geben Sie
eine möglichst einfache Dimensionierung an.
uR .t/ ua .t/
iR .t/ D D : (8.19)
R R
Zwischen dem Strom iC .t/ und der Spannung uC .t/ über der Kapazität C gilt der Zusam-
menhang
duC .t/ due .t/
iC .t/ D C DC : (8.20)
dt dt
Da der Eingangswiderstand des Operationsverstärkers unendlich ist, fließt kein Strom in
seine Eingangsklemmen. Somit sind die Ströme iR .t/ und iC .t/ identisch. Durch Gleich-
setzen von (8.19) und (8.20) erhalten wir daher
due .t/
ua .t/ D CR : (8.21)
dt
Die Ausgangsspannung der Schaltung ist also proportional zur zeitlichen Ableitung der
Eingangsspannung. Aus diesem Grunde nennt man die Schaltung nach Abb. 8.8 auch
Differenzierer.
Ein Differenzierer,
ein Integrierer,
ein Addierer sowie
eine Schaltung zur Vorzeichenumkehr.
Als Differenzierer kann die Schaltung aus Teilaufgabe a. verwendet werden (Abb. 8.8).
Als Integrierer eignet sich die in Abschn. 8.2 untersuchte Schaltung nach Abb. 8.2. Ein
Addierer ist in Abb. 8.9 dargestellt. Gemäß dem Lehrbuch, Abschn. 8.3.3 gilt für dessen
8.5 Analogrechenschaltung 153
Ausgangsspannung
XN
R0
ua D ue : (8.22) 8.3
D1
R
Zur Vorzeichenumkehr wird ein invertierender Verstärker mit einer Verstärkung von 1
verwendet (vgl. Lehrbuch, Abschn. 8.3.1). Anhand dieser Überlegungen kann die Schal-
tung zur Realisierung der Differentialgleichung (8.18) konstruiert werden (Abb. 8.10).
Die zur Eingangsgröße dx=dt proportionale Spannung ue D a dx=dt wird auf den
Eingang des Differenzierers, bestehend aus den Bauelementen OP3 , R3 und C3 , sowie auf
den Eingang des Integrierers, bestehend aus den Bauelementen OP4 , R4 und C4 , gegeben.
Die Konstante a ist hierbei ein Proportionalitätsfaktor. Gemäß (8.21) ergibt sich für die
Spannung u1 am Ausgang des Differenzierers
d 2x
u1 D a C3 R3 : (8.23)
dt 2
R3
2
C3 dx
-aC3R3 2
- dt
u1
OP3
+
dx
ue= a C4
dt R R1 R0
R4 u3 R u2 R2
- - -
OP4 OP2 OP1 ua=by
+ + +
a a
- x x
C4R4 C4R4
a
u3 D x; (8.24)
C4 R4
wenn man von einem Anfangswert u3 .0/ D 0 ausgeht. Der Operationsverstärker OP2 und
die beiden Widerstände R bilden einen invertierenden Verstärker mit einer Spannungsver-
stärkung von 1. Für die Spannung u2 am Ausgang von OP2 gilt daher
a
u2 D u3 D x: (8.25)
C4 R4
a C3 R3 R0 d 2 x a R0
ua D b y D x (8.27)
R1 dt 2 C4 R4 R2
a C3 R3 R0 d 2 x a R0
yD 2
x: (8.28)
b R dt b C4 R4 R2
„ ƒ‚ 1 … „ ƒ‚ …
k1 k2
8.6 Messverstärker
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.11 gezeigte Schaltung mit idealen Operationsverstärkern.
ue1
+ u1 uR6
R4 D
-OP1 R6
R1
A
i2 -
OP3
R2
+
B
ua
R3
- R5 R7
OP2
ue2 + C
u2
u1 D ue1 C i2 R1 : (8.30)
u2 D ue2 i2 R3 ; (8.32)
156 8 Operationsverstärker
ua D u2 u1 (8.38)
PSpice: 8_OP-Schaltungen_IV
8.7 Nichtlineare Verstärkerschaltung 157
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.12 dargestellte Schaltung mit einem Bipolartransistor und
einem idealen Operationsverstärker.
Ua D UBE (8.41)
gegeben ist. Für den Kollektorstrom des im normalen Verstärkerbetrieb arbeitenden Tran-
sistors gilt nach (3.2) und mit (8.41)
h q i h q i
IC D IS exp UBE 1 D IS exp Ua 1 : (8.42) 3.2.1
kT kT
Da der Eingangswiderstand des OP unendlich ist, fließt kein Strom in seine Eingangs-
klemmen hinein, was zur Folge hat, dass die Ströme Ie und IC identisch sind. Durch
158 8 Operationsverstärker
Ue h q i
D IS exp Ua 1 : (8.44)
R kT
Durch Gleichsetzen von (8.46) und (8.43) und anschließendes Umstellen nach Ua erhalten
wir dann den vereinfachten Ausdruck
kT Ue
Ua D ln : (8.47)
q R IS
Die Ausgangsspannung ist also proportional zum natürlichen Logarithmus der Eingangs-
spannung. Aus diesem Grunde wird die Schaltung nach Abb. 8.12 auch Logarithmierer
genannt.
PSpice: 8_OP-Schaltungen_V
8.8 Schmitt-Trigger
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 8.13 (links) dargestellte Schaltung mit einem Operati-
onsverstärker, der, abgesehen von den Betriebsspannungen UBC und UB , ideale
Eigenschaften besitze. Es gelte R1 D 1 k , R2 D 2 k , UBC D 15 V und
UB D 15 V. Die Schaltung werde mit der in Abb. 8.13 (rechts) gezeigten Ein-
gangsspannung Ue angesteuert.
Ue
R1 R2
+15V
UB+
+
0V
t1 t2 t
- Ua
UB-
Ue -15V
t1 t2 t
-5V
-15V
PSpice: 8_OP-Schaltungen_VI
Lösung zu b. Übertragungskennlinie
Trägt man die Ausgangsspannung Ua über der Eingangsspannung Ue auf, so ergibt sich
die in Abb. 8.15 dargestellte Übertragungskennlinie der Schaltung. Die erkennbare Schalt-
hysterese kommt dadurch zustande, dass der Einschaltpegel Ue;ein und der Ausschaltpegel
Ue;aus nicht gleich sind. Schaltungen mit einem derartigen Verhalten werden auch Schmitt-
Trigger genannt.
-5V +5V Ue
-15V
Frequenzverhalten analoger Schaltungen
9
9.1 Formelsammlung
Resultierender Phasengang
' D '1 C '2 (9.9)
Tiefpass 1. Ordnung
Komplexe Übertragungsfunktion
1
A.s/ D A0 (9.10)
1 C !s0
Übertragungsfunktion
1
A .j!/ D A0 (9.11)
1 C j !!0
Amplitudengang
1
jA.j!/j D A0 r (9.12)
2
1 C !!0
Phasengang
!
'.!/ D arctan (9.13)
!0
Hochpass 1. Ordnung
Komplexe Übertragungsfunktion
s
A.s/ D A0 (9.14)
!0 C s
Übertragungsfunktion
j!
A .j!/ D A0 (9.15)
!0 C j!
Amplitudengang
!
jA .j!/ j D A0 q (9.16)
!0 C ! 2
2
Phasengang !
0
'.!/ D arctan (9.17)
!
9.2 Komplexe Übertragungsfunktion 163
Kurzschluss-Zeitkonstanten-Methode
Die Kurzschluss-Zeitkonstanten-Methode (vgl. Lehrbuch, Abschn. 9.4.1) liefert für den
Pol mit der höchsten Frequenz einer Schaltung die Näherung
X
n
1
!L : (9.18)
i D1
Ri;k Ci
Dabei ist Ri;k der Widerstand, der in die Klemmen der Kapazität Ci gemessen wird, wenn
diese entfernt und alle anderen Kapazitäten kurzgeschlossen werden. Geht man von der
Ersatzschaltung für niedrige Frequenzen aus, so liefert (9.18) eine Abschätzung der unte-
ren Grenzfrequenz !L der Schaltung.
Leerlauf-Zeitkonstanten-Methode
Die Leerlauf-Zeitkonstanten-Methode (vgl. Lehrbuch, Abschn. 9.4.2) liefert für den Pol
mit der niedrigsten Frequenz einer Schaltung die Näherung
1
!H : (9.19)
P
n
Ri;l Ci
i D1
Dabei ist Ri;l der Widerstand, der in die Klemmen der Kapazität Ci gemessen wird, wenn
diese sowie alle anderen Kapazitäten durch Leerläufe ersetzt werden. Geht man von der
Ersatzschaltung für hohe Frequenzen aus, so liefert (9.19) eine Abschätzung der oberen
Grenzfrequenz !H der Schaltung.
Aufgabenstellung
Gegeben sei eine Schaltung mit der Übertragungsfunktion
a. Bestimmen Sie die Lage der Pole und Nullstellen der Übertragungsfunktion.
b. Ist die Schaltung stabil? Begründen Sie Ihre Aussage.
c. Bestimmen Sie die Verstärkung A0 für niedrige Frequenzen und skizzieren Sie
den Amplitudengang der Schaltung, indem Sie dessen Verlauf durch Geraden-
stücke annähern.
d. Schätzen Sie die obere Grenzfrequenz !H ab. Besitzt die Übertragungsfunktion
einen dominierenden Pol?
164 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
Lösung zu b. Stabilität
Die Schaltung ist stabil, da alle Polstellen der Übertragungsfunktion A.s/, in diesem Falle
die Pole p1 und p2 , in der linken Halbebene der s-Ebene liegen.
9.1.3
S.m.i.L.E.: 9.1_Pol-Nullstellen
Lösung zu c. Amplitudengang
Die Skizze des Amplitudenganges (Abb. 9.1) wird gemäß der in dem Lehrbuch, Abschn.
9.1.1. und 9.2.1 beschriebenen Vorgehensweise angefertigt. Der Verlauf des Amplituden-
ganges wird dabei durch Geradenstücke angenähert. Den Ergebnissen aus Teilaufgabe a.
9.1.1 ist zu entnehmen, dass
9.2.1 jp1 j < jp2 j < jn1 j (9.24)
gilt. Da die Übertragungsfunktion keine Nullstelle bei s D 0 besitzt, verläuft der Ampli-
tudengang jA.j!/j für 0 < ! < jp1 j parallel zur !-Achse.
Oberhalb von ! D jp1 j wird das Übertragungsverhalten dann von der Polstelle p1
beeinflusst, so dass der Amplitudengang mit 20 dB pro Dekade abfällt. Ab der Frequenz
-40 dB/Dekade
-20 dB/Dekade
ωH
|p1| |p2| |n1| ω (log)
9.2 Komplexe Übertragungsfunktion 165
! D jp2 j ist zusätzlich der Einfluss des Pols p2 zu berücksichtigen, so dass sich oberhalb
von ! D jp2 j ein Abfall des Amplitudenganges von 40 dB pro Dekade ergibt. Durch den
Einfluss der Nullstelle n1 für Frequenzen oberhalb von ! D jn1 j wird der Abfall des
Amplitudenganges für diesen Bereich dann wieder auf 20 dB pro Dekade reduziert.
Die Übertragungsfunktion kann somit in zwei Anteile zerlegt werden; einen frequenz-
unabhängigen Faktor A0 sowie einen Teil AH .s/, der die Frequenzabhängigkeit für hohe
Frequenzen beschreibt und der für niedrige Frequenzen gegen eins geht. Dazu stellen wir
(9.20) um und erhalten
1C s
5108 rad s1
A.s/ D 500
1C 6
s
1 1C s
5107 rad s1
110 rad s
1 C !sn
D A0 1 : (9.25)
1 C !p
s
1C s
!p2
„ 1
ƒ‚ …
AH .s/
A0 D 500 : (9.26)
PSpice: 9_Amplitudengang_I
erhalten. Aus (9.28) und (9.30) folgt dann die Bestimmungsgleichung für die gesuchte
Grenzfrequenz !H v
u
u !2
u 1 C ! H2
1 u n1
p D u : (9.31)
2 t 2
!H 2
!H
1 C !2 1 C !2
p1 p2
Die Substitution x D !H2 und die Multiplikation mit !p21 !p22 führt auf die quadratische
Gleichung !
!p21 !p22
x C x !p1 C !p2 2
2 2 2
!p21 !p22 D 0 (9.34)
!n21
und
x2 D 2;502 1015 .rad s1 /2 : (9.36)
9.3 Übertragungsverhalten einer Verstärkerschaltung 167
p
Dabei ist x1 die einzig sinnvolle Lösung, weil die Rücksubstitution !H D x mit dem ne-
gativen Wert x2 keine reelle Lösung ergibt. Die Rücksubstitution von x1 liefert schließlich
die gesuchte obere Grenzfrequenz
p
!H D x1
D 0;9996 106 rad s1 : (9.37)
Es ist zu erkennen, dass die Schätzung der oberen Grenzfrequenz gemäß (9.27) und das Er-
gebnis gemäß (9.37) sehr gut miteinander übereinstimmen. Dies ist immer dann der Fall,
wenn die Übertragungsfunktion einen dominierenden Pol besitzt, d. h. die obere Grenz-
frequenz im Wesentlichen nur durch einen Pol bestimmt wird.
Aufgabenstellung
Abb. 9.2 zeigt das Kleinsignalersatzschaltbild einer Verstärkerschaltung mit einem
Koppelkondensator Ce am Eingang und einer ohmsch-kapazitiven Last (Ra und Ca )
am Ausgang. Es sei Re D 20 k , Ri D 100 k und Ra D 10 k .
Lösung zu a. Übertragungsfunktion
Bevor wir die Übertragungsfunktion der Schaltung rechnerisch bestimmen, soll im Fol-
genden kurz der Einfluss der beiden Kapazitäten Ce und Ca auf das Übertragungsverhalten
168 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
1 Ra
Za D D : (9.38)
1
Ra C sCa 1 C sCa Ra
Ra
ua D gm ui Za D gm ui ; (9.39)
1 C sCa Ra
was durch Umstellen auf den Ausdruck
ua gm Ra
D (9.40)
ui 1 C sCa Ra
führt. Wie bereits oben diskutiert, zeigt der Ausgangskreis also das Verhalten eines Tief-
passes, der bei hohen Frequenzen zu einer Abnahme der Verstärkung führt und damit die
obere Grenzfrequenz bestimmt.
Im Eingangskreis gilt für die Spannung ui am Widerstand Ri
Ri
ui D ue : (9.41)
Ri C Re C 1
sCe
ui sCe Ri
D : (9.42)
ue 1 C sCe .Ri C Re /
Der Eingangskreis weist demnach das bereits beschriebene Verhalten eines Hochpasses
auf, der die untere Grenzfrequenz der Schaltung bestimmt.
Aus (9.42) und (9.40) erhalten wir schließlich die gesuchte Übertragungsfunktion
ua ui sCe Ri gm Ra
A.s/ D D : (9.43)
ui ue Œ1 C sCe .Ri C Re / .1 C sCa Ra /
9.3 Übertragungsverhalten einer Verstärkerschaltung 169
gm Ra Ri s 1 9.2.1
A.s/ D
Ri C Re s C 1
Ce .Ri CRe /
1 C sCa Ra
s 1
D A0 ; (9.44)
s p1 1 ps2
„ ƒ‚ … „ ƒ‚ …
AL .s/ AH .s/
wobei A0 frequenzunabhängig ist, AL .s/ für hohe Frequenzen und AH .s/ für niedrige
Frequenzen gegen den Wert eins geht. Der Term A0 entspricht somit der Verstärkung
für mittlere Frequenzen, wobei das negative Vorzeichen von A0 gleichbedeutend ist mit
einer Phasenverschiebung von 180° zwischen Ein- und Ausgangssignal. Die Polstelle p1
des Hochpasses bestimmt die untere Grenzfrequenz und die Polstelle p2 des Tiefpasses
bestimmt die obere Grenzfrequenz der Schaltung. Wir erhalten damit
Ri
A0 D gm Ra ; (9.45)
Ri C Re
1
!L D jp1 j D (9.46)
Ce .Ri C Re /
und
1
!H D jp2 j D : (9.47)
Ca Ra
9.2.1
Abb. 9.3 Amplitudengang A(jω) (log)
der Verstärkerschaltung nach
Abb. 9.2
A0 -20 dB/Dekade
ωL ωH
|p1| |p2| ω (log)
170 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
Bei hohen Frequenzen liefert die Teilfunktion AL .s/ den Wert eins, so dass das Über-
tragungsverhalten der Schaltung durch den Ausdruck
1
A0 AH .s/ D A0 (9.48)
1 ps2
beschrieben werden kann, was einem Tiefpass erster Ordnung mit der Grenzfrequenz jp2 j
entspricht. Aus diesem Grunde fällt der Amplitudengang für Frequenzen oberhalb von
!H D jp2 j mit 20 dB pro Dekade ab.
9.1.2 Bei niedrigen Frequenzen liefert die Teilfunktion AH .s/ den Wert eins, so dass das
Übertragungsverhalten der Schaltung durch
s
A0 AL .s/ D A0 (9.49)
s p1
gegeben ist, was einem Hochpass erster Ordnung mit der Grenzfrequenz jp1 j entspricht.
Dies hat zur Folge, dass die Verstärkung für Frequenzen unterhalb von !L D jp1 j zu
niedrigeren Frequenzen hin mit 20 dB pro Dekade abfällt.
Lösung zu d. Steilheit
Die Verstärkung für mittlere Frequenzen soll laut Aufgabenstellung
bzw. A0 D 10 entspricht. Umstellen von (9.45) nach gm ergibt damit den gesuchten
Wert der Steilheit
A0 Ri C Re
gm D
Ra Ri
D 1;2 mS : (9.52)
Lösung zu e. Koppelkondensator Ce
Der maximal zulässige Wert für die untere Grenzfrequenz ist mit fL;max D 10 Hz angege-
ben. Durch Umstellen von (9.46) ergibt sich mit !L D 2fL
1
fL D fL;max D 10 Hz : (9.53)
2 Ce .Ri C Re /
Für den Koppelkondensator Ce erhalten wir daher
1
Ce
2fL;max .Ri C Re /
D 133 nF : (9.54)
9.4 Sourceschaltung 171
Lösung zu f. Lastkapazität Ca
Der minimal zulässige Wert für die obere Grenzfrequenz ist gemäß Aufgabenstellung
fH;min D 1 MHz. Mit !H D 2fH und (9.47) erhalten wir durch Umstellen
1
fH D fH;min D 1 MHz : (9.55)
2 Ca Ra
1
Ca
2fH;min Ra
D 15;9 pF : (9.56)
PSpice: 9_Amplitudengang_II
9.4 Sourceschaltung
Aufgabenstellung
Abb. 9.4 zeigt das Kleinsignalersatzschaltbild einer Verstärkerschaltung mit MOS-
FET. Es sei Re D 100 k und Ra D 5 k . Der MOSFET habe folgende
Arbeitspunktdaten: gm D 4;83 mS, CGS D 0;23 pF und CGD D 0;1 pF.
Re CGD
gmuGS
uGS CGS
ue Ra ua
RS
a. Leiten Sie aus der Schaltung nach Abb. 9.4 einen Ausdruck für die Verstärkung
bei niedrigen Frequenzen ab. Hinweis: Vernachlässigen Sie dazu die parasitären
Kapazitäten CGS und CGD des MOSFET.
b. Leiten Sie mit Hilfe der Leerlauf-Zeitkonstanten-Methode (vgl. Lehrbuch,
Abschn. 9.4.2) einen Ausdruck zur Abschätzung der oberen Grenzfrequenz !H
der Schaltung her.
172 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
c. Berechnen Sie mit Hilfe der Ergebnisse aus a. und b. die Verstärkung für niedrige
Frequenzen sowie die obere Grenzfrequenz für die Fälle RS D 0 , RS D
100 und RS D 250 .
d. Bestimmen Sie für die drei Fälle aus c. jeweils das Verstärkungs-Bandbreite-
Produkt.
Da durch den Widerstand Re kein Strom fließt, ist der Spannungsabfall über diesem Wi-
derstand gleich null. Für die Eingangsspannung gilt daher die Beziehung
Aus (9.57) und (9.58) ergibt sich schließlich die Verstärkung bei niedrigen Frequenzen
ua gm Ra
A0 D D : (9.59)
ue 1 C gm RS
ue Ra ua
uS RS
9.4 Sourceschaltung 173
Ra ua
RS uS
bestimmen. Zur Abschätzung der oberen Grenzfrequenz können wir dann die Beziehung
(9.19)
1
!H n (9.60)
P
Ri;l Ci
i D1
verwenden, welche eine Abschätzung für den Pol mit der niedrigsten Frequenz liefert. In
dieser Gleichung ist Ri;l der an den Klemmen der Kapazität Ci gemessene Widerstand,
wenn diese entfernt und alle anderen Kapazitäten durch Leerläufe ersetzt werden.
Wir bestimmen zunächst den Widerstand RGS;l an den Klemmen der Kapazität CGS ,
wozu wir CGS entfernen und stattdessen eine Testquelle ux an die Klemmen anschließen.
Gleichzeitig entfernen wir die Kapazität CGD und schließen die Eingangssignalquelle ue
kurz, so dass sich die in Abb. 9.6 gezeigte Anordnung ergibt.
Für die Spannung über dem Widerstand RS gilt dann
ix Re C ux C us D 0 : (9.62)
Einsetzen von (9.61) in (9.62) ergibt nach einigen Umformungen den Ausdruck
ux .1 C gm RS / D ix .Re C RS / (9.63)
und somit
ux Re C RS
RGS;l D D : (9.64)
ix 1 C gm RS
Als nächstes erfolgt die Bestimmung von RGD;l . Dazu entfernen wir die Kapazität CGD
und schließen eine Testquelle ux an die Klemmen. Ebenso entfernen wir die Kapazität
CGS und schließen die Eingangssignalquelle ue kurz, was auf die in Abb. 9.7 dargestellte
Schaltung führt.
174 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
Ra ua
RS uS
sowie
ix Re C uGS C us D ix Re C uGS C gm uGS RS D 0 : (9.66)
Umstellen von (9.66) nach uGS liefert die Beziehung
ix Re
uGS D : (9.67)
1 C gm RS
Dies setzen wir in in (9.65) ein und lösen nach ux auf, was
gm Re Ra
ux D ix Re C ix Ra C ix (9.68)
1 C gm RS
ergibt. Für den Widerstand RGD;l folgt schließlich
ux gm Re Ra
RGD;l D D Re C Ra C : (9.69)
ix 1 C gm RS
Mit (9.60) und den beiden Ausdrücken für die Widerstände RGS;l und RGD;l erhalten wir
dann die gesuchte Abschätzung der oberen Grenzfrequenz
1
!H
RGS;l CGS C RGD;l CGD
1
D : (9.70)
Re CRS gm Re Ra
1Cgm RS
CGS C Re C Ra C 1Cgm RS
CGD
PSpice: 9_Sourceschaltung
Lösung zu d. Verstärkungs-Bandbreite-Produkt
Da die Verstärkerschaltung aufgrund ihres reinen Tiefpasscharakters keine untere Grenz-
frequenz besitzt, ist die Bandbreite B der Schaltung identisch mit deren oberer Grenz-
frequenz !H . Somit ist das Verstärkungs-Bandbreite-Produkt jA0 Bj gleich dem Produkt
jA0 !H j. Auch diese Ergebnisse sind in Tab. 9.1 dargestellt. Dabei ist zu erkennen, dass
das Verstärkungs-Bandbreite-Produkt nahezu konstant ist. Eine Erhöhung der Bandbreite
der Schaltung führt also gleichzeitig zu einer Reduzierung der Verstärkung. 10.1.3
9.5 Gateschaltung
Aufgabenstellung
Gegeben sei der in Abb. 9.8 gezeigte Verstärker in Gateschaltung. Es sei RD D
3;9 k , RS D 4;7 k , Re D 50 und Ra D 100 k sowie Ce D 100 F
und Ca D 1 F. Der MOSFET habe folgende Arbeitspunktdaten: gm D 4;83 mS,
CGS D 0;23 pF und CGD D 0;1 pF. Zur Vereinfachung der Berechnungen kann der
Ausgangswiderstand r0 des MOSFET vernachlässigt werden.
Ce Ra Ua
Re
RS Ue
UB-
176 9 Frequenzverhalten analoger Schaltungen
Re Ce Ca
gmuGS
RS
ue 0 D ue (9.71)
Re C RS
Re C RS
ue D uGS .1 C gm .Re ==RS // (9.76)
RS
Für die Verstärkung bei mittleren Frequenzen erhalten wir aus (9.73) und (9.76) schließ-
lich
ua RS gm .RD ==Ra /
A0 D D
ue Re C RS 1 C gm .Re ==RS /
D 14;5 D
O 23;2 dB (9.77)
Re Ce Ca
gmuGS
ue RS uGS RD Ra ua
Rein'
9.5 Gateschaltung 179
RS//Re uGS RD Ra
Raus'
wobei Rein0 dem Eingangswiderstand der Gateschaltung Rein0 D 1=gm entspricht, der
gemäß (7.47) bereits in Abschn. 7.3 bestimmt wurde.
Zur Bestimmung von Ra;k wird entsprechend Ca entfernt und Ce kurzgeschlossen,
so dass sich die in Abb. 9.14 dargestellte Anordnung ergibt. Dabei entspricht Raus0
dem Ausgangswiderstand der Gateschaltung. Da r0 gemäß Aufgabenstellung vernach-
lässigt wird, geht Raus0 gegen unendlich, denn aus uGS D gm uGS .RS jjRe / bzw.
uGS Œ1 C gm .RS jjRe / D 0 folgt uGS D 0 und gm uGS D 0. Somit ergibt sich für
Ra;k die Beziehung
Ra;k D RD C Ra
D 104 k : (9.79)
Mit Hilfe von (9.18) erhalten wir schließlich die Abschätzung für die untere Grenzfre-
quenz
X
n
1 1 1
!L D C
i D1
Ri;k Ci Re;k Ce Ra;k Ca
D 50 rad s1 ¶ 8 Hz : (9.80)
Re
gmuGS
Abb. 9.15 Kleinsignalersatzschaltbild für hohe Frequenzen der Verstärkerschaltung nach Abb. 9.8
Abb. 9.16 Schaltung zur Be-
stimmung des Widerstandes ix gmuGS
RGS;l an den Klemmen der
Kapazität CGS RS//Re ux uGS RD//Ra
RGS,l
Zur Bestimmung von RGS;l wird CGS entfernt und CGD durch einen Leerlauf ersetzt,
wodurch sich die in Abb. 9.16 gezeigte Anordnung ergibt. Mit ux D uGS erhalten wir
Zur Bestimmung von RGD;l wird CGD entfernt und CGS durch einen Leerlauf ersetzt, was
auf die Schaltung nach Abb. 9.17 führt. Auch hier gilt wieder, dass Raus0 gegen unendlich
geht. Für RGD;l folgt damit direkt aus der Schaltung
RGD;l D RD ==Ra
D 3;75 k : (9.84)
Mit Hilfe von (9.19) erhalten wir schließlich die Abschätzung für die obere Grenzfrequenz
1 1
!H D
P
n
RGS;l CGS C RGD;l CGD
Ri;l Ci
i D1
Raus' RGD,l
PSpice: 9_Gateschaltung
Vergleicht man die Resultate der Berechnungen mit den Ergebnissen der PSpice-Simula-
tion (A0 D 22;6 dB, fL D 6;5 Hz, fH D 450 MHz), so zeigt sich eine zufriedenstellende
bis gute Übereinstimmung. Die Abweichungen sind dadurch zu erklären, dass bei der Si-
mulation ein komplexeres MOSFET-Modell verwendet wurde als bei der Berechnung. In
diesem Zusammenhang ist insbesondere der Ausgangswiderstand r0 des MOSFET zu er-
wähnen, der bei der Simulation berücksichtigt, bei der Berechnung jedoch vernachlässigt
wurde.
Lösung zu d. Verstärkungs-Bandbreite-Produkt
Wegen !H !L gilt für die Bandbreite B des Verstärkers
B D !H !L !H
D 2;6 109 rad s1 : (9.86)
Ein Vergleich mit den Ergebnissen aus Abschn. 9.4 zeigt, dass das Produkt A0 !H bei der
Gate-Schaltung mehr als zwei Zehnerpotenzen größer ist als bei der Source-Schaltung.
Der Grund hierfür ist, dass bei der Gate-Schaltung der Miller-Effekt (vgl. Lehrbuch,
Abschn. 9.3.2) nicht auftritt, welcher bei der Source-Schaltung zu einer Verringerung der
oberen Grenzfrequenz führt. 9.3.2
Rückkopplung in Verstärkern
10
10.1 Formelsammlung
Ideale Rückkopplungsgleichung
a
AD (10.1)
1 C ak
Schwingbedingung
ak D 1 (10.2)
Serien-Parallel-Rückkopplung
Eingangsimpedanz
Rein D Rein
a
.1 C ak/ (10.3)
Ausgangsimpedanz
a
Raus
Raus D (10.4)
1 C ak
Parallel-Parallel-Rückkopplung
Eingangsimpedanz
a
Rein
Rein D (10.5)
1 C ak
Ausgangsimpedanz
a
Raus
Raus D (10.6)
1 C ak
Parallel-Serien-Rückkopplung
Eingangsimpedanz
a
Rein
Rein D (10.7)
1 C ak
Ausgangsimpedanz
Raus D Raus
a
.1 C ak/ (10.8)
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 183
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
184 10 Rückkopplung in Verstärkern
Serien-Serien-Rückkopplung
Eingangsimpedanz
Rein D Rein
a
.1 C ak/ (10.9)
Ausgangsimpedanz
Raus D Raus
a
.1 C ak/ (10.10)
10.2 Serien-Parallel-Rückkopplung
Aufgabenstellung
Gegeben sei eine Verstärkerschaltung mit einer durch ein Widerstandsnetzwerk rea-
lisierten Serien-Parallel-Rückkopplung. Der nicht rückgekoppelte Verstärker habe
eine Verstärkung von 80 dB. Sein Eingangswiderstand betrage 50 k und der Aus-
gangswiderstand sei 1 k .
PSpice: 10_Rueckkopplung_I_Rein
PSpice: 10_Rueckkopplung_I_Raus
PSpice: 10_Rueckkopplung_I_A
10.3 Spannungsverstärker
Aufgabenstellung
Gegeben sei das in Abb. 10.1 gezeigte Wechselstromersatzschaltbild einer rückge-
koppelten Verstärkerschaltung mit R1 D 1 k und R2 D 9 k . Der Differenzver-
stärker habe die Verstärkung a D 500, den Eingangswiderstand Rein
a
D 25 k und
den Ausgangswiderstand Raus D 1 k . Für den Bipolartransistor gelte: ˇN D 100
a
a. Zeichnen Sie das Wechselstromersatzschaltbild nach Abb. 10.1 so um, dass das
Verstärker- und das Rückkopplungsnetzwerk erkennbar sind. Welche Rückkopp-
lungsart liegt vor? Handelt es sich um eine ideale oder eine reale Rückkopplung?
b. Bestimmen Sie die Netzwerkparameter des Rückkopplungsnetzwerkes in einer
für die vorliegende Rückkopplungsart zweckmäßigen Darstellungsform.
c. Zeichnen Sie das Kleinsignalersatzschaltbild der Schaltung, indem Sie den
Differenzverstärker und den Bipolartransistor jeweils durch ein geeignetes Er-
satzschaltbild ersetzen.
d. Verschieben Sie die Netzwerkelemente des Rückkopplungsnetzwerkes so, dass
sich die sog. erweiterte Schaltung (vgl. Lehrbuch, Abschn. 10.2.2) mit idealer
Rückkopplung ergibt.
e. Berechnen Sie die Verstärkung a der erweiterten Schaltung.
f. Berechnen Sie die Gesamtverstärkung A der rückgekoppelten Schaltung.
g. Bestimmen Sie den Eingangswiderstand Rein und den Ausgangswiderstand Raus
der erweiterten Schaltung.
h. Berechnen Sie den Eingangswiderstand Rein und den Ausgangswiderstand Raus
der rückgekoppelten Schaltung.
kopplungsnetzwerk erkennbar
U1 -a U2
U1 Rückkopplungsnetzwerk
R2
k
U1 R1
10.3 Spannungsverstärker 187
i1 i 1= 0 i2
R2 R2 R2
u1 R1 u1 R1 u2 u1 R1 u2
Abb. 10.3 Schaltungen zur Bestimmung der h-Parameter h11 (links), h22 (Mitte) und h12 (rechts)
Für den Ausgangsleitwert h22 des Rückkopplungsnetzwerkes erhalten wir mit Abb. 10.3,
Mitte,
ˇ
i2 ˇˇ 1
h22 D ˇ D
u2 i1 D0 R1 C R2
D 0;1 mS : (10.18)
Die Verstärkung h21 des Rückkopplungsnetzwerkes in Richtung von der Quelle zur Last
kann vernachlässigt werden, weil sie in praktisch allen Fällen viel kleiner ist als die ent-
sprechende Verstärkung des Verstärkernetzwerkes.
Lösung zu c. Kleinsignalersatzschaltbild
Für den Bipolartransistor wird das in Abb. 3.10 gezeigte Kleinsignalersatzschaltbild ver-
wendet, wobei die parasitären Kapazitäten CBE und CBC und gemäß Aufgabenstellung
auch der Ausgangswiderstand r0 vernachlässigt werden können. Der Differenzverstärker
lässt sich durch eine einfache Ersatzschaltung, bestehend aus einer gesteuerten Span-
a a
nungsquelle und entsprechendem Eingangs- und Ausgangswiderstand, Rein bzw. Raus ,
188 10 Rückkopplung in Verstärkern
Verstärker
a
Raus iB rπ
gmuBE
a uBE
u1a a
Rein a. u1 = βNiB u2
Differenzverstärker Bipolartransistor
u1
Rückkopplungsnetzwerk
h 11
u1k h 12 u2 h 22 u2
darstellen. Somit ergibt sich das in Abb. 10.4 gezeigte Kleinsignalersatzschaltbild, wo-
bei das Rückkopplungsnetzwerk zweckmäßigerweise in die Darstellung mit h-Parametern
umgewandelt wurde.
1
u2 D iB .1 C ˇN / (10.20)
h22
10.3 Spannungsverstärker 189
gmuBE
uBE
u*1 u1a a
Rein a. u1a = β Ni B h 22 u2
h 11
u1
R*ein R*aus
ideale Rückkopplung
h 12 u2 u2
Abb. 10.5 Nach dem Verschieben der Netzwerkelemente h11 und h22 erhält man aus der Schaltung
nach Abb. 10.4 eine Schaltung mit idealer Rückkopplung
1 C ˇN
u2 D aua1 : (10.23)
1 C ˇN C h22 .Raus
a Cr /
Durch Einsetzen von (10.22) in (10.23) erhalten wir schließlich die gesuchte Verstärkung
der erweiterten Schaltung
u2 a
Rein 1 C ˇN
a D D a
u1 Rein C h11 1 C ˇN C h22 .Raus
a a Cr /
*
Raus
a
AD
1 C a k
D 9;8 : (10.25)
PSpice: 10_Rueckkopplung_II_A
Rein D Rein
a
C h11
D 25;9 k : (10.26)
Zur Bestimmung des Ausgangswiderstandes Raus der erweiterten Schaltung wird eine
Testquelle ux an den Ausgang angeschlossen, da sich das Ergebnis nicht direkt aus der
Schaltung ablesen lässt. Gleichzeitig setzen wir die Spannung u1 zu null, wodurch die
Spannung aua1 ebenfalls gleich null wird (Abb. 10.6).
Die Summe der in den Schaltungsknoten A hinein fließenden Ströme ist gleich null,
d. h.
iB .1 C ˇN / ux h22 C ix D 0 : (10.27)
Setzen wir den Ausdruck
ux
iB D a Cr
(10.28)
Raus
ux 1
Raus D D
ix h22 C R1Cˇ N
a Cr
aus
D 108 : (10.30)
Rein D Rein .1 C a k/
D 1;26 M : (10.31)
PSpice: 10_Rueckkopplung_II_Rein
Entsprechend erhalten wir mittels (10.4) für den Ausgangswiderstand der rückgekoppel-
ten Schaltung
Raus
Raus D
1 C a k
D 2;2 : (10.32)
PSpice: 10_Rueckkopplung_II_Raus
10.4 Transimpedanzverstärker
Aufgabenstellung
Es soll der in Abb. 10.7 gezeigte, rückgekoppelte Verstärker untersucht werden.
Dabei handelt es sich um die in Abschn. 7.2, Teilaufgabe f. betrachtete Schaltung,
bei der zur Vereinfachung der Stromspiegel T3 , T4 durch eine Stromquelle I und den
Widerstand r0;4 ersetzt wurde. Es sei Re D 1 k , R2 D 39 k , R3 D 62 k , R4 D
10 k und r0;4 D 120 k . Der Transistor T1 habe folgende Kleinsignalparameter
im Arbeitspunkt: gm D 38;5 mS, r D 4;4 k und r0 D 80 k .
192 10 Rückkopplung in Verstärkern
UB
r0,4
I
R3 C∞
Re C∞
T1
R2 U2
Ue U1 R4
Rein Raus
Abb. 10.7 Verstärkerstufe aus Abschn. 7.2, Teilaufgabe f. Der in der ursprünglichen Schal-
tung (Abb. 7.6) vorhandene Stromspiegel im Kollektorkreis von T1 wurde durch die
Stromquelle I und den Widerstand r0;4 ersetzt
Lösung zu a. Wechselstromersatzschaltbild
Das Wechselstromersatzschaltbild (Abb. 10.8) der Verstärkerstufe erhalten wir, indem in
Abb. 10.7 die Kapazitäten C1 sowie die Gleichspannungsquelle UB durch einen Kurz-
schluss und die Stromquelle I durch einen Leerlauf ersetzt wird. Aus der sich ergebenden
10.3 Schaltung ist zu erkennen, dass es sich um eine Parallel-Parallel-Rückkopplung handelt,
wobei der Widerstand R3 das Rückkopplungsnetzwerk der Schaltung bildet.
10.4 Transimpedanzverstärker 193
Verstärker
Re
T1
ue r0,4 R2 u2
u1 R4
Rückkopplungsnetzwerk
R3
i1 R3 R3 i2 i1 R3
u1 u2 u2
Abb. 10.9 Schaltungen zur Bestimmung der y-Parameter y11 (links), y22 (Mitte) und y12 (rechts)
194 10 Rückkopplung in Verstärkern
Verstärker
i1 gmuBE
Re u1 R4 rπ uBE r0 r0,4 R2 u2
Rückkopplungsnetzwerk
y11 u2 y22
y12 . u2
Rein' *
Rein R*aus Raus'
ideale Rückkopplung
u2
y12 . u2
Abb. 10.11 Nach dem Verschieben der Netzwerkelemente Re , R2 , y11 und y22 erhält man aus der
Schaltung nach Abb. 10.10 eine Schaltung mit idealer Rückkopplung
Re und R2 sowie die Netzwerkelemente y11 und y22 entlang der Leitungen verschie-
ben und mit dem Verstärkernetzwerk zu einer erweiterten Schaltung zusammenfassen
(Abb. 10.11). 10.3.2
Bei der so entstandenen Schaltung handelt es sich wieder um eine Anordnung mit
idealer Rückkopplung, wenn statt des Verstärkernetzwerkes die erweiterte Schaltung be-
trachtet wird. Es können daher die Beziehungen (10.1), (10.5) und (10.6) angewendet
a a
werden, wenn anstelle der in den Gleichungen verwendeten Größen a, Rein und Raus die
Verstärkung a , der Eingangswiderstand Rein und der Ausgangswiderstand Raus der er-
weiterten Schaltung verwendet werden.
Aus (10.37) und (10.38) erhalten wir schließlich für die Verstärkung a der erweiterten
Schaltung das Resultat
u2
a D D gm .Re ==R3 ==R4 ==r / .r0 ==r0;4 ==R3 ==R2 /
i1
D 38;5 mS 744 16 k
1
D 458 10 V A
3
: (10.39)
Lösung zu g. Eingangswiderstand
Für den Eingangswiderstand Rein der erweiterten Schaltung erhalten wir direkt aus
Abb. 10.11
1
Rein D Re == ==R4 ==r D Re ==R3 ==R4 ==r D 744 : (10.41)
y11
Der Widerstand Rein0 lässt sich mit Hilfe von (10.5) berechnen, wenn anstelle der Größen
a und Reina
die Größen a und Rein
der erweiterten Schaltung verwendet werden. Dies
10.3.2 führt auf
Rein
Rein0 D D 88;8 : (10.42)
1 C a k
Abb. 10.10 kann entnommen werden, dass der Widerstand Rein0 und der gesuchte Ein-
gangswiderstand Rein über die Beziehung
verknüpft sind. Durch Umstellen erhalten wir schließlich für den Eingangswiderstand der
rückgekoppelten Schaltung das Ergebnis
1
Rein D 1
Rein 0
1
Re
D 97 : (10.44)
PSpice: 10_Rueckkopplung_III_Rein
10.4 Transimpedanzverstärker 197
Lösung zu h. Ausgangswiderstand
Der Ausgangswiderstand Raus der erweiterten Schaltung kann in dem vorliegenden Fall
direkt der Schaltung nach Abb. 10.11 entnommen werden, da bei der Bestimmung des
Widerstandes die Signalquelle i1 auf null gesetzt wird. Dies hat zur Folge, dass auch uBE
zu null wird und damit die gesteuerte Quelle gm uBE keinen Strom liefert. Damit erhalten
wir
1
Raus D r0 ==r0;4 == ==R2 D r0 ==r0;4 ==R3 ==R2 D 16 k : (10.45)
y22
Der Widerstand Raus0 lässt sich dann mit Hilfe von (10.6) berechnen, wenn wir anstelle
a
der Größen a und Raus die Größen a und Raus
der erweiterten Schaltung verwenden, d. h.
Raus
Raus0 D D 1;9 k : (10.46)
1 C a k
Abb. 10.10 kann entnommen werden, dass der Widerstand Raus0 und der gesuchte Aus-
gangswiderstand Raus über
Raus0 D R2 ==Raus (10.47)
in Beziehung stehen. Durch Umstellen erhalten wir schließlich für den Ausgangswider-
stand der rückgekoppelten Schaltung
1
Raus D 1
Raus 0
1
R2
D 2k : (10.48)
PSpice: 10_Rueckkopplung_III_Raus
Lösung zu i. Spannungsverstärkung
Abb. 10.10 kann entnommen werden, dass zwischen der Spannung und dem Strom im
Eingangskreis der Schaltung die Beziehung
gilt. Mit (10.49) und der Verstärkung A D u2 =i1 der rückgekoppelten Schaltung erhalten
wir schließlich für die Spannungsverstärkung
PSpice: 10_Rueckkopplung_III_Au
198 10 Rückkopplung in Verstärkern
10.5 Stabilität
Aufgabenstellung
Gegeben sei ein Operationsverstärker mit einer Verstärkung von a0 D 5 103 und
einer einzigen Polstelle bei p1 D 104 rad s1 . Der OP werde in einer rückgekop-
pelten Anordnung betrieben. Das frequenzabhängige Rückkopplungsnetzwerk habe
die Verstärkung k0 und eine doppelte Polstelle ebenfalls bei p1 .
Lösung zu a. Schleifenverstärkung
Die Übertragungsfunktion a.j!/ des Operationsverstärkers ergibt sich aus der Aufgaben-
stellung. Mit
!1 D jp1 j (10.51)
erhalten wir
1
a.j!/ D a0 : (10.52)
1 C j !!1
1
k.j!/ D k0 2
: (10.53)
1 C j !!1
Lösung zu c. Schwingbedingung
Aus der Schwingbedingung (10.2) folgt, dass die Schaltung schwingt, wenn die Schlei-
fenverstärkung a.j!/k.j!/ eine Phasendrehung von 180° aufweist und gleichzeitig der
Betrag der Schleifenverstärkung größer oder gleich eins ist. Aus (10.54) erhalten wir für
den Betrag der Schleifenverstärkung 10.6.2
a0 k0 10.7.2
ja.j!/k.j!/j D r !3 : (10.59)
2
1 C !!1
Die rückgekoppelte Schaltung wird instabil, wenn der Betrag der Schleifenverstärkung
bei der Frequenz !180ı größer oder gleich eins ist, d. h. für
a0 k0
1: (10.61)
8
Daraus ergibt sich
8
k0 D 1;6 103 : (10.62)
a0
Sobald also die Verstärkung k0 des Rückkopplungsnetzwerkes größer oder gleich 1;6
103 ist, wird die Schaltung instabil und beginnt zu schwingen.
PSpice: 10_Stabilitaet
200 10 Rückkopplung in Verstärkern
10.6 Wien-Brücken-Oszillator
Aufgabenstellung
Gegeben sei die in Abb. 10.12 gezeigte, rückgekoppelte Anordnung, die aus einem
idealen Differenzverstärker mit der Verstärkung v und einem frequenzabhängigen
Rückkopplungsnetzwerk besteht. In dem Lehrbuch, Abschn. 10.6.1 wurde die Über-
tragungsfunktion dieser Schaltung ohne Herleitung wie folgt angegeben:
u2 a.s/
A.s/ D D (10.63)
i1 1 C a.s/k.s/
mit
a.s/ D v ŒZ1 .s/==Z2 .s/ (10.64)
und
1
k.s/ D : (10.65)
Z2 .s/
Leiten Sie die angegebene Übertragungsfunktion her.
Z2
+
i1
Au= v
u1 Z1 - u2
Abb. 10.12 Rückgekoppelte Anordnung, bestehend aus einem Differenzverstärker mit der
Verstärkung v und einem frequenzabhängigen Rückkopplungsnetzwerk
Lösung
Durch Umzeichnen von Abb. 10.12 erkennt man, dass es sich bei der Schaltung um eine
Anordnung mit Parallel-Parallel-Rückkopplung handelt, die sich in ein Verstärker- und
ein Rückkopplungsnetzwerk zerlegen lässt (Abb. 10.13).
10.3 Da das Rückkopplungsnetzwerk den Verstärker belastet und es zudem Signale nicht nur
von der Last in Richtung Quelle, sondern auch in umgekehrter Richtung überträgt, handelt
es sich um eine reale Rückkopplung. Dies hat zur Folge, dass die für den Fall der idea-
len Rückkopplung abgeleitete Gleichung (10.1) zunächst nicht verwendet werden kann.
Die Schaltung lässt sich jedoch sehr einfach auf eine Schaltung mit idealem Rückkopp-
10.6 Wien-Brücken-Oszillator 201
Verstärker
+
i1
Au= v
u1 Z1 - u2
Rückkopplungsnetzwerk
Z2
Abb. 10.13 Schaltung nach Abb. 10.12 in der Darstellung getrennt nach Verstärker- und Rückkopp-
lungsnetzwerk
Verstärker
+
i1
Au= v
u1 Z1 - u2
Rückkopplungsnetzwerk
y11 u2 y22
y12 . u2
Abb. 10.14 Schaltung nach Abb. 10.13 nach Umwandlung des Rückkopplungsnetzwerkes in die
Darstellung mit y-Parametern
ideale Rückkopplung
u2
y12 . u2
Abb. 10.15 Nach dem Verschieben der Netzwerkelemente y11 und y22 erhält man aus der Schaltung
nach Abb. 10.14 eine Schaltung mit idealer Rückkopplung
1
y11 D (10.66)
Z2
1
k D y12 D : (10.68)
Z2
verwendet wird. Die Beziehung für a lässt sich dabei direkt aus der Schaltung in
Abb. 10.15 ableiten. Wir erhalten für die Ausgangsspannung die Beziehung
1
u2 D v u1 D v i1 Z1 == D v i1 .Z1 ==Z2 / : (10.70)
y11
u2
a D D v .Z1 ==Z2 / : (10.71)
i1
Die Übertragungsfunktion A.s/ der rückgekoppelten Schaltung lässt sich mit Hilfe von
(10.1) berechnen, wenn anstelle der Größe a die Größe a der erweiterten Schaltung ver-
wendet wird. Es ergibt sich
a
A.s/ D (10.72)
1 C a k
mit a gemäß (10.71) und k gemäß (10.68), was zu zeigen war.
Das gleiche Ergebnis lässt sich auch direkt aus der Schaltung durch Anwendung von
Maschen- und Knotengleichungen ermitteln. So erhalten wir aus der Knotengleichung
u1 u1 u2
i1 D C (10.73)
Z1 Z2
u2 vZ1 Z2
D ; (10.75)
i1 Z2 C .1 v/Z1
10.7 Ring-Oszillator
Aufgabenstellung
Gegeben sei ein so genannter Ringoszillator, der aus einer ungeraden Anzahl, in die-
sem Fall drei, ringförmig hintereinander geschalteter Inverter besteht (Abb. 10.16).
Jeder der Inverter habe die Verstärkung a0 und eine Polstelle bei s D 2
107 rad s1 . Wie groß muss die Verstärkung a0 sein, damit der Oszillator schwingt?
204 10 Rückkopplung in Verstärkern
Lösung
Die Berechnung erfolgt analog zu Abschn. 10.5, d. h. es wird zunächst die Schleifenver-
stärkung des Oszillators ermittelt. Anschließend wird die Frequenz bestimmt, bei wel-
cher die Phasendrehung der Schleifenverstärkung 180° beträgt. Dann wird mit Hilfe der
Schwingbedingung (10.2) die Verstärkung a0 der einzelnen Inverter berechnet, die not-
wendig ist, damit der Oszillator schwingt.
Die Übertragungsfunktion ai .j!/ der einzelnen Inverter ergibt sich direkt aus der Auf-
gabenstellung. Wir erhalten
1
ai .j!/ D a0 (10.76)
1 C j !!0
mit !0 D 2 107 rad s1 . Das negative Vorzeichen in (10.76) berücksichtigt die durch
die einzelnen Inverter hervorgerufene Vorzeichenumkehr der Signale. Fasst man die drei
Inverter zu einem Verstärkernetzwerk zusammen, so hat dieses die Übertragungsfunktion
a03
a.j!/ D ai3 .j!/ D 3
: (10.77)
1 C j !!0
Da das Ausgangssignal xa in vollem Umfang auf den Eingang der Schaltung zurückge-
führt wird, gilt für den Rückkopplungsfaktor
k D 1 : (10.78)
Das negative Vorzeichen bei dem Rückkopplungsfaktor k kommt dadurch zustande, dass
es sich im vorliegenden Fall um eine Mitkopplung und nicht um eine Gegenkopplung
handelt. Für die Schleifenverstärkung des Ringoszillators erhalten wir damit
10.1.1
a03
a.j!/k D 3
: (10.79)
1Cj !
!0
Dieses Ergebnis entspricht im Prinzip der Schleifenverstärkung nach (10.54) aus Abschn.
10.5. Zur Berechnung der weiteren Ergebnisse können wir daher auf die dort angestellten
Überlegungen verweisen und erhalten entsprechend für den Phasenwinkel der Schleifen-
verstärkung
!
'.!/ D 3 arctan : (10.80)
!0
10.7 Ring-Oszillator 205
Die Frequenz !180ı , bei welcher die Phasenverschiebung 180° beträgt, wird damit
p
!180ı D 3 !0 : (10.81)
Aus der Schwingbedingung (10.2) folgt, dass der Oszillator schwingt, wenn die Schleifen-
verstärkung a.j!/k eine Phasendrehung von 180° aufweist und gleichzeitig der Betrag
der Schleifenverstärkung größer oder gleich eins ist. Aus (10.79) erhalten wir für den Be-
trag der Schleifenverstärkung 10.6.2
10.7.2
a03
ja.j!/kj D r !3 : (10.82)
2
1 C !!0
Der Oszillator schwingt, wenn der Betrag der Schleifenverstärkung bei der Frequenz !180ı
größer oder gleich eins ist, d. h. für den Fall
a03
1: (10.84)
8
a0 2: (10.85)
Sobald also die Verstärkung a0 der einzelnen Inverter größer oder gleich dem Wert 2 ist,
beginnt der Ringoszillator zu schwingen.
PSpice: 10_Oszillator_II
Logikschaltungen
11
11.1 Formelsammlung
1 1 1 1
D C C:::C (11.1)
w= ljeq w= ljT 1 w= ljT 2 w= ljT n
Aufgabenstellung
Gegeben sei das in Abb. 11.1 dargestellte CMOS-Gatter mit den Logik-Eingängen
x1 bis x4 , dem invertiert vorliegenden Eingang x5 sowie dem Ausgang y. Der n-
MOS Block der Schaltung bestehe aus den n-Kanal Transistoren T1 bis T5 . Der
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 207
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
208 11 Logikschaltungen
p-MOS Block ist im Rahmen dieser Aufgabe zu entwerfen. Die Eingänge x1 bis x4
und x5 seien sowohl im n-MOS Block als auch im p-MOS Block verfügbar.
UB
Logik-Eingänge
p-MOS Block
x1,x2,x3,x4,x5
x1 T1
x2 T2 x3 T3
n-MOS Block
x4 T4 x5 T5
Abb. 11.1 CMOS-Gatter, bestehend aus je einem Block mit n-Kanal MOSFET und einem
Block mit p-Kanal MOSFET
a. Welche logische Funktion wird durch das Gatter in Abb. 11.1 realisiert?
b. Entwerfen Sie den p-MOS Block der Schaltung.
c. Dimensionieren Sie die Transistoren so, dass die Anstiegs- und die Abfall-
zeiten im ungünstigsten Fall denen eines Inverters mit den w= l-Verhältnissen
w= ljeq;n D 2=1 und w= ljeq;p D 4=1 entsprechen.
Eine Serienschaltung von Transistoren entspricht also einer UND-Verknüpfung und eine
Parallelschaltung von Transistoren einer ODER-Verknüpfung der entsprechenden Ein-
gangssignale. Mit dem in Abb. 11.1 gezeigten n-MOS Block wird also die logische Ver-
11.2 Entwurf von CMOS-Gattern (I) 209
knüpfung
y D x1 .x2 C x3 / .x4 C x5 / (11.5)
realisiert, was nach Invertierung auf die Funktion
führt.
Dabei ist zu beachten, dass die p-MOS Transistoren bei einem L-Pegel am Gate-Anschluss
leiten und bei H-Pegel sperren, so dass es bereits durch die p-MOS Transistoren zu einer
Invertierung der Eingangssignale kommt. Statt der Signale x1 , x2 , x3 , x4 und x5 müssen an
die Gate-Anschlüsse der p-MOS Transistoren also die entsprechenden invertierten Signale
x1 , x2 , x3 , x4 und x5 angelegt werden. Dies führt schließlich auf die in Abb. 11.2 gezeigte
Anordnung für den p-MOS Block.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich der p-MOS Block auch durch direkte Um-
wandlung des n-MOS Blocks entwerfen lässt, indem alle Serienschaltungen durch Par-
allelschaltungen und umgekehrt ersetzt werden. In dem gezeigten Beispiel besteht der
n-MOS Block aus drei in Serie geschalteten Teilschaltungen: dem einzelnen Transistor
T1 , der Parallelschaltung aus T2 und T3 sowie der Parallelschaltung aus T4 und T5 . Im
p-MOS Block werden diese Teilschaltungen daher parallel geschaltet. Die Teilschaltun-
gen selbst werden ebenfalls umgewandelt, d. h. die beiden Parallelschaltungen (T2 und T3
sowie T4 und T5 ) werden in Serienschaltungen umgewandelt. Dies führt dann ebenfalls
auf die in Abb. 11.2 gezeigte Schaltung.
x1 T6 p-MOS Block
x3 T8 x5 T10
n-MOS Block
w= l-Verhältnis der auf dem Pfad liegenden Transistoren größer oder gleich dem w= l-
Verhältnis des p-MOS Transistors im Referenzinverter w= ljeq;p ist.
Bei der Dimensionierung ist es zweckmäßig, mit dem ungünstigsten Strompfad, d. h.
dem Pfad mit der größten Anzahl in Serie geschalteter Transistoren, zu beginnen.
Aus den beiden Möglichkeiten für den ungünstigsten Strompfad wählen wir hier z. B.
den Pfad T7 ! T8 entlang der in Serie geschalteten Transistoren T7 und T8 . Mit (11.1)
ergibt sich dann die Forderung
1 1 1
C D : (11.8)
w= ljT 7 w= ljT 8 w= ljeq;p
Üblicherweise wählt man für beide Transistoren das gleiche w= l-Verhältnis. Wir erhalten
daher
1 1
2 D : (11.9)
w= ljT 7;T 8 w= ljeq;p
Umstellen ergibt
Bei zwei in Reihe geschalteten Transistoren müssen diese also doppelt so groß dimen-
sioniert werden wie der entsprechende Transistor des Referenzinverters. Aus Symmetrie-
gründen ergibt sich für die Transistoren T9 und T10 das gleiche Ergebnis, d. h. es gilt
w= ljT 6 D w= ljeq;p
D 4=1 : (11.12)
Der Transistor T6 wird also genauso groß dimensioniert wie der p-MOS Transistor des
Referenzinverters.
Eine analoge Vorgehensweise ergibt sich bei der Dimensionierung der Transistoren
des in Abb. 11.1 gezeigten n-MOS Blocks. Damit die Abfallzeit tf des Gatters in jedem
Fall kleiner oder gleich der Abfallzeit des Referenzinverters ist, muss für alle möglichen
Strompfade vom Ausgang y hin zur Masse gelten, dass das effektive w= l-Verhältnis der
auf dem Pfad liegenden Transistoren gleich oder größer dem w= l-Verhältnis des n-MOS
Transistors im Referenzinverter w= ljeq;n ist.
Aus mehreren Möglichkeiten für den ungünstigsten Strompfad wählen wir hier z. B.
den Pfad T1 ! T2 ! T4 entlang der drei in Serie geschalteten Transistoren T1 , T2 und
T4 . Mit (11.1) ergibt sich dann die Forderung
1 1 1 1
C C D : (11.13)
w= ljT 1 w= ljT 2 w= ljT 4 w= ljeq;n
Wählt man, wie üblich, für die drei Transistoren das gleiche w= l-Verhältnis, so erhält man
1 1
3 D : (11.14)
w= ljT 1;T 2;T 4 w= ljeq;n
Umstellen ergibt
w= ljT 1;T 2;T 4 D 3 w= ljeq;n : (11.15)
Die drei in Serie geschalteten Transistoren müssen also dreimal so groß dimensioniert
werden wie der entsprechende Transistor des Referenzinverters. Aus Symmetriegründen
erhalten wir für die anderen Transistoren des n-MOS Blocks das gleiche Ergebnis, d. h.
w= ljn D 3 w= ljeq;n
D 6=1 : (11.16)
Aufgabenstellung
Die logische Funktion
a. Entwerfen Sie den n-MOS und den p-MOS Block der Schaltung.
b. Dimensionieren Sie die Transistoren so, dass die Anstiegs- und die Abfall-
zeiten des Gatters im ungünstigsten Fall denen eines Inverters mit den w= l-
Verhältnissen w= ljeq;n D 2=1 und w= ljeq;p D 4=1 entsprechen.
c. Schätzen Sie die Anstiegs- und Abfallzeiten der Schaltung für den günstigsten
und den ungünstigsten Fall ab, wenn die Betriebsspannung UB D 5 V und die
Lastkapazität CL D 10 pF beträgt. Für die Transistoren gelte kn D 20 A V2
und kp D 10 A V2 .
d. Schätzen Sie den Flächenbedarf des Gatters ab, wenn die Kanallänge l D 1 m
beträgt.
Da diese Funktion festlegt, wann der Ausgang der Schaltung auf Low-Pegel geht, kann
daraus direkt die Verschaltung der n-MOS Transistoren bestimmt werden, wobei eine
11.2.3 UND-Verknüpfung einer Serienschaltung und eine ODER-Verknüpfung einer Parallel-
schaltung der Transistoren entspricht. Für den n-MOS Block ergibt sich somit die in
Abb. 11.3, unten, gezeigte Anordnung.
Zur Realisierung des p-MOS Blocks, der festlegt, wann der Ausgang der Schaltung auf
H-Pegel geht, gehen wir von der ursprünglichen Funktion (11.17) aus und stellen diese in
einer Form dar, in der nur noch elementare UND- und ODER-Verknüpfungen auftreten.
Mit Hilfe des Gesetzes von De Morgan erhalten wir
Da die p-MOS Transistoren eine Invertierung der Eingangssignale bewirken, sind an die
entsprechenden Eingänge statt der Signale x1 , x2 , ... , x5 die Signale x1 , x2 , . . . , x5 zu legen
und es ergibt sich für den p-MOS Block die in Abb. 11.3, oben, gezeigte Anordnung.
11.3 Entwurf von CMOS-Gattern (II) 213
x3 T8 p-MOS Block
x2 T7
x4 T9 x5 T10
x2 T2
x1 T1 x4 T4 n-MOS Block
x3 T3
x5 T5
1 1 1 1
C C D : (11.20)
w= ljT 6 w= ljT 8 w= ljT 9 w= ljeq;p
Dimensionieren wir die drei Transistoren zweckmäßigerweise jeweils gleich groß, so er-
halten wir
1 1
3 D : (11.21)
w= ljT 6;T 8;T 9 w= ljeq;p
Umstellen ergibt schließlich
Das w= l-Verhältnis des Transistors T10 wählen wir aus Symmetriegründen gleich groß
wie das von T9 , d. h.
Die Dimensionierung des noch fehlenden Transistors T7 erfolgt durch Analyse des
Strompfades T6 ! T7 . Hier ergibt sich die Forderung
1 1 1
C D : (11.24)
w= ljT 6 w= ljT 7 w= ljeq;p
1 1 1 1 1 1
D D D (11.25)
w= ljT 7 w= ljeq;p w= ljT 6 4 12 6
und schließlich
In entsprechender Weise werden nun die Transistoren des n-MOS Blocks aus Abb. 11.3
dimensioniert. Für den ungünstigsten Strompfad T2 ! T4 ! T5 muss also gelten
1 1 1 1
C C D : (11.27)
w= ljT 2 w= ljT 4 w= ljT 5 w= ljeq;n
Auch hier wählen wir für alle drei Transistoren das gleiche w= l-Verhältnis und erhalten
1 1
3 D : (11.28)
w= ljT 2;T 4;T 5 w= ljeq;n
Umstellen ergibt
1 1 1
C D : (11.30)
w= ljT 2 w= ljT 3 w= ljeq;n
1 1 1 1 1 1
D D D ; (11.31)
w= ljT 3 w= ljeq;n w= ljT 2 2 6 3
11.3 Entwurf von CMOS-Gattern (II) 215
w= ljT 1 D w= ljeq;n
D 2=1 : (11.33)
3 CL 3 CL 11.2.2
tr D (11.34)
ˇp UB kp w= ljp UB
3 CL 3 CL
tf D : (11.35)
ˇn UB kn w= ljn UB
tr 93 ns : (11.37)
Mit dem n-MOS Block wird analog verfahren. Die Serienschaltung T4 , T5 ergibt ein
effektives w= l-Verhältnis von 1=.1=6 C 1=6/ D 3=1. Durch den dazu parallel geschal-
teten Transistor T3 erhalten wir 3=1 C 3=1 D 6=1. Die Serienschaltung mit T2 ergibt
216 11 Logikschaltungen
1=.1=6 C 1=6/ D 3=1 und die Parallelschaltung mit T1 ergibt schließlich ein effektives
w= l-Verhältnis des n-MOS Blocks von 3=1 C 2=1 D 5=1. Setzen wir diesen Wert in
(11.35) ein, ergibt sich im günstigsten Fall eine Abfallzeit von
tf 60 ns : (11.38)
1 Transistor mit w D 2 m,
1 Transistor mit w D 3 m,
4 Transistoren mit w D 6 m und
4 Transistoren mit w D 12 m.
A 77 m2 : (11.39)
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es bei der Dimensionierung der Transistoren
unendlich viele Lösungen gibt. Zum einen ist es nämlich nicht erforderlich, alle Transis-
toren des jeweils betrachteten Strompfades mit dem gleichen w= l-Verhältnis zu versehen.
Vielmehr ist eine beliebige Verteilung der w= l-Verhältnisse möglich, solange nur das ef-
fektive w= l-Verhältnis gleich dem w= l-Verhältnis im Referenzinverter ist. Zum anderen
kann auch die Reihenfolge der jeweils betrachteten Strompfade das Ergebnis beeinflussen,
wie im folgenden Beispiel kurz gezeigt wird:
Es wird wieder das CMOS-Gatter nach Abb. 11.3 betrachtet. Beginnt man bei der Di-
mensionierung des p-MOS Blocks nicht mit dem ungünstigsten Strompfad, sondern mit
dem Pfad T6 ! T7 , so erhält man
Beginnt man bei der Dimensionierung des n-MOS Blocks ebenfalls nicht mit dem un-
günstigsten Strompfad, sondern mit dem Pfad durch T1 , so erhält man
Die Ergebnisse unterscheiden sich also deutlich von denen aus Teilaufgabe b. Bei einer
gegebenen Kanallänge von l D 1 m besteht das CMOS-Gatter in diesem Beispiel aus
1 Transistor mit w D 2 m,
2 Transistoren mit w D 4 m,
4 Transistoren mit w D 8 m und
3 Transistoren mit w D 16 m.
Es ergibt sich also insgesamt ein Flächenbedarf von A 90 m2 und somit ein höherer
Wert als bei der Dimensionierung gemäß Teilaufgabe b.
11.4 C2 MOS-Technologie
Aufgabenstellung
Skizzieren Sie einen Inverter, ein NAND- und ein NOR-Gatter sowie ein Gatter,
welches die logische Funktion y D x1 .x2 C .x3 x4 // realisiert, in getakteter
CMOS-Logik (C2 MOS).
Lösung
Bei der C2 MOS-Technologie wird die n-MOS Logik nach den gleichen Regeln entworfen
wie der n-MOS Block bei CMOS-Schaltungen. Für den C2 MOS-Inverter erhält man daher
die in Abb. 11.4, links, gezeigte Schaltung. Das NAND-Gatter in C2 MOS-Technologie ist
in Abb. 11.4, rechts, dargestellt. Abb. 11.5 zeigt das NOR-Gatter (links) sowie das Gatter 11.2.5
zur Realisierung der Funktion y D x1 .x2 C .x3 x4 // (rechts) in C2 MOS-Technologie.
218 11 Logikschaltungen
UB UB
Φ T1 Φ T1
y=x y = x1 . x2
CL x1 CL
x
x2
Φ T2 Φ T2
UB UB
Φ T1 Φ T1
y = x1 + x2 y = x1 . (x2 + (x3. x4))
CL x1 CL
x1 x2
x3
x2
x4
Φ T2
Φ T2
Abb. 11.5 NOR-Gatter (links) und Gatter zur Realisierung der Funktion
y D x1 .x2 C .x3 x4 // (rechts) in C2 MOS-Technologie
PSpice: 11_C2MOS-Inverter
11.5 Treiberschaltung für große kapazitive Lasten 219
Aufgabenstellung
Gegeben sei das CMOS-Gatter nach Abb. 11.6, bestehend aus einer Logik-
Schaltung und einem Komplementärinverter als Ausgangstreiber, mit dem eine
Lastkapazität umgeladen werden soll.
Logik Y
Ce CL
Ce w: (11.46)
Die lastabhängige Schaltzeit eines Inverters sei td 0 , wenn der Inverter so dimen-
sioniert ist, dass die Eingangskapazität ebenso groß ist wie die Lastkapazität des
Inverters, d. h. wenn Ce D CL ist. Da die Schaltzeit proportional der Lastkapazität
CL ist, gilt für den Fall, dass die Lastkapazität k mal so groß ist wie die Eingangs-
kapazität Ce für die sich dann ergebende Schaltzeit
td D k td 0 : (11.47)
Für den in Abb. 11.6 gezeigten Fall mit der Lastkapazität CL und der Eingangska-
pazität Ce ergibt sich also eine Verzögerungszeit von
CL
td D td 0 ; (11.48)
Ce
die für große Verhältnisse CL =Ce sehr große Werte annehmen kann.
Im Folgenden soll nun gezeigt werden, dass sich die Schaltzeit mit Hilfe zusätz-
licher, geeignet dimensionierter Inverter, bei denen die zu treibende Lastkapazität
220 11 Logikschaltungen
Ci C1 D k Ci ; (11.49)
CMOS-Gatter Inverterkette
UB UB UB
UB
Logik Y
Ce C1 C2 CN CL
a. Gegeben sei die in Abb. 11.7 gezeigte Schaltung, bei der die Lastkapazitäten
von Stufe zu Stufe um den Faktor k ansteigen. Bestimmen Sie die Gesamtver-
zögerungszeit td;ges der aus Ausgangstreiber und nachgeschalteter Inverterkette
mit N Invertern bestehenden Anordnung in Abhängigkeit von td 0 , k und der
Gesamtzahl (N C 1) der Inverter.
b. Eliminieren Sie den Term .N C1/ in dem in Teilaufgabe a. gefundenen Ausdruck
für die Gesamtverzögerungszeit. Hinweis: Bestimmen Sie zu diesem Zweck die
Beziehung zwischen der Lastkapazität CL und der Eingangskapazität Ce des
Ausgangstreibers.
c. Bestimmen Sie das Kapazitätsverhältnis k so, dass die Gesamtverzögerungszeit
td;ges der Schaltung, bestehend aus Ausgangstreiber und Inverterkette, minimal
wird. Wie groß ist die Anzahl N der zusätzlichen Inverter in diesem Fall zu
wählen?
td;ges D .N C 1/td
D .N C 1/k td 0 : (11.50)
CN D k CN 1 : (11.52)
C2 D k C1 (11.53)
und
C1 D k Ce (11.54)
für den Ausgangstreiber des Gatters. Durch rekursives Einsetzen erhalten wir aus den
obigen Gleichungen zunächst die Beziehung
CL D k .N C1/ Ce : (11.55)
Durch Einsetzen dieses Ergebnisses in (11.50) eliminieren wir den Term .N C 1/ und
erhalten somit für die Gesamtverzögerungszeit
k CL
td;ges D ln td 0 : (11.58)
ln k Ce
222 11 Logikschaltungen
k
.k/ D (11.59)
ln k
d ln k 1
D D0: (11.60)
dk .ln k/2
Daraus folgt
k D e 2;718 : (11.61)
Da für die Anzahl der zusätzlichen Inverter nur ein ganzzahliges Ergebnis infrage kommt
und es sich zudem um eine gerade Zahl handeln muss, damit keine Inversion des Signals
eintritt, wählen wir N D 4. Für diesen Fall ergibt sich durch Umstellen von (11.55)
s
.N C1/ CL p
kD D 100 D 2;512
5
(11.64)
Ce
Im Vergleich dazu ergibt sich bei einem einzelnen Ausgangstreiber gemäß (11.48) die
deutlich größere Verzögerungszeit von td;ges D 100 td 0 .
11.5 Treiberschaltung für große kapazitive Lasten 223
12.1 Layout-Analyse
Aufgabenstellung
Gegeben sei das in Abb. 12.1 gezeigte Layout der bei der Herstellung einer CMOS-
Schaltung verwendeten Masken. Die Substratanschlüsse der Transistoren wurden
der Übersichtlichkeit halber nicht mit eingezeichnet.
Legende
NWELL
PMOS
NMOS
A B METAL
POLY
CONTACT
C Z C
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 225
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]
226 12 Herstellung integrierter Schaltungen in CMOS-Technik
Lösung zu a. Schaltbild
Im Layout der Schaltung (Abb. 12.2) sind deutlich die beiden p-Kanal Transistoren T1 und
T2 sowie die beiden n-Kanal Transistoren T3 und T4 zu erkennen, wobei die p-Kanal Tran-
sistoren ein größeres w= l-Verhältnis haben als die n-Kanal Transistoren. Die Transistoren
12.5 sind durch Metall- oder Polysiliziumleiterbahnen miteinander verdrahtet.
12.6 Um Platz zu sparen, sind ein Drain- bzw. Source-Gebiet von T1 und T2 als ein gemein-
sames Gebiet ausgeführt, welches über eine Metallleiterbahn mit dem Schaltungsknoten
Z verbunden ist.
Beim p-Kanal Transistor T1 ist eines der Drain- bzw. Source-Gebiete mit dem Schal-
tungsknoten A und die Gate-Elektrode mit dem Knoten C verbunden. Ein Drain- bzw.
Source-Gebiet von T2 ist mit dem Knoten B und die Gate-Elektrode mit dem Knoten C
verbunden.
Analysiert man die Verdrahtung der n-Kanal Transistoren T3 und T4 auf die gleiche
Weise, so erhält man schließlich das in Abb. 12.3 gezeigte elektrische Schaltbild.
S.m.i.L.E.: 11.2_CMOS-Prozess
T1 T2
Legende
NWELL
PMOS
NMOS
A B METAL
POLY
CONTACT
T3 C Z C T4
Abb. 12.2 Layout einer CMOS-Schaltung mit den p-Kanal Transistoren T1 und T2 sowie den n-
Kanal Transistoren T3 und T4 .
12.2 Layout-Synthese 227
C
Z
C
T2
B
T4
Z D .A C / C .B C / (12.1)
PSpice: 12_Multiplexer
12.2 Layout-Synthese
Aufgabenstellung
Die logische Funktion
y D .x1 C x2 / .x3 C x4 / (12.2)
b. Ergänzen Sie das in Abb. 12.4 gezeigte Layout. Hinweis: Die Substratanschlüsse
der Transistoren müssen nicht dargestellt werden.
Legende
UB NWELL
PMOS
NMOS
METAL
POLY
0V
CONTACT
Abb. 12.4 Unvollständiges Layout einer CMOS-Schaltung. Das Layout ist so zu ergänzen,
dass sich die logische Funktion y D .x1 C x2 / .x3 C x4 / ergibt
Lösung zu a. Schaltbild
Wendet man die in Kap. 11 ausführlich behandelten Entwurfsmethoden für CMOS-
Schaltungen an, so erhält man das in Abb. 12.5 gezeigte Schaltbild zur Realisierung der
logischen Funktion y D .x1 C x2 / .x3 C x4 /.
Lösung zu b. Layout
Das unvollständige Layout (Abb. 12.4) wird nun so erweitert, dass sich die in Abb. 12.5
gezeigte Schaltung ergibt. An den Stellen, an denen die vertikal angeordneten Polysilizium-
leiterbahnen über die schraffierten Implantationsgebiete laufen, entstehen Transistoren
mit dem Polysilizium als Gate-Elektrode. Die Polysiliziumleiterbahnen werden daher
den Eingangsvariablen x1 bis x4 zugeordnet. Die oberen vier Transistoren bilden den
12.6 p-MOS Block und die unteren vier Transistoren den n-MOS Block der Schaltung. Mit
Hilfe von horizontal verlaufenden Metallleiterbahnen und Kontakten werden anschlie-
ßend die Drain- und Source-Gebiete der Transistoren so verdrahtet, dass die Schaltung
nach Abb. 12.5 entsteht. Das fertige Layout ist in Abb. 12.6 gezeigt.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass eine deutliche Platzersparnis im Layout er-
reicht werden kann, wenn Drain- bzw. Sourceanschlüsse von Transistoren gleichen Typs
durch gemeinsame Implantationsgebiete zusammengeschaltet werden können. Zu diesem
Zweck muss in der Regel die Reihenfolge der Polysiliziumleiterbahnen in geeigneter
Weise geändert werden.
12.2 Layout-Synthese 229
x2 x4
x1 x2
x3 x4
Legende
UB NWELL
PMOS
NMOS
y
METAL
POLY
0V
CONTACT
X1 X2 X3 X4
Legende
UB NWELL
PMOS
NMOS
y
METAL
POLY
0V
CONTACT
X1 X2 X4 X3
Abb. 12.7 Layout der CMOS-Schaltung nach Abb. 12.5. Aus Gründen der Platzersparnis wurden
die Implantationsgebiete der Transistoren eines Typs als ein gemeinsames Gebiet ausgelegt
Anhang
13
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 231
H. Göbel, H. Siemund, Übungsaufgaben zur Halbleiter-Schaltungstechnik,
[Link]