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Die Drei Vögelchen

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Zeynep Aynaci
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Die drei Vögelchen

Es ist wohl tausend und mehr Jahre her, da waren hier Es wohnte aber ein Fischer am Wasser, der fischte den
im Lande lauter kleine Könige; da hat auch einer auf kleinen Jungen wieder heraus, als er noch lebendig
dem Keuterberge gewohnt, der ging sehr gerne auf die war; und da seine Frau keine Kinder hatte, fütterten sie
Jagd. Als er wieder einmal mit seinen Jägern aus dem ihn auf. Nach einem Jahr war der König wieder
Schloß herauszog, hüteten unten am Berge drei verreist, da kriegte die Königin wieder einen Jungen,
Mädchen ihre Kühe, und wie sie den König mit den den die beiden falschen Schwestern ebenso nahmen
vielen Leuten sahen, so rief die älteste den anderen und ins Wasser warfen. Da flog das Vögelchen wieder
beiden Mädchen zu, dabei auf den König weisend: in die Höhe und sang:
"Helo! Helo! Wenn ich den nicht kriege, so will ich
keinen." Da antwortete die zweite auf der anderen "Tom Daude bereit,
Seite vom Berge und wies auf den, der dem König zur Auf weiter'n Bescheid
rechten Hand ging: "Helo! Helo! Wenn ich den nicht Tom Lilienstrus:
kriege, so will ich keinen!" Da rief die jüngste und Wacker Junge, bist du's?"
wies auf den, der linker Hand ging: "Helo! Helo!
Wenn ich den nicht kriege, so will ich keinen!" Das Und als der König zurückkam, sagten sie zu ihm, die
waren aber die beiden Minister. Das hörte der König Königin hätte wieder einen Hund bekommen, und er
alles, und als er von der Jagd heimgekommen war, ließ sagte wieder: "Was Gott tut, das ist wohlgetan." Aber
er die drei Mädchen zu sich kommen und fragte sie, der Fischer zog auch diesen Jungen aus dem Wasser
was sie da gestern am Berge gesagt hätten. Das und fütterte ihn auf.
wollten sie nun nicht sagen, und der König fragte die Da verreiste der König wieder, und die Königin
älteste, ob sie ihn wohl zum Manne haben wollte? Da kriegte ein kleines Mädchen, das die falschen
sagte sie ja, und ihre beiden Schwestern fragten die Schwestern auch ins Wasser warfen. Da flog das
beiden Minister, denn sie waren alle drei schön von Vögelchen wieder in die Höhe und sang:
Angesicht, besonders die Königin, die hatte Haare wie
Flachs. "Tom Daude bereit,
Die beiden Schwestern aber kriegten keine Kinder, Auf weiter'n Bescheid
und als der König einmal verreisen mußte, ließ er sie Tom Lilienstrus:
zur Königin kommen, um sie aufzumuntern, denn sie Wacker Mädchen, bist du's?"
war gerade guter Hoffnung. Sie bekam einen kleinen
Jungen, der brachte einen roten Stern mit auf die Welt. Und wie der König nach Hause kam, sagten sie zu
Da sagten die beiden Schwestern, eine zur anderen, sie ihm, die Königin hätte eine Katze gekriegt. Da wurde
wollten den hübschen Jungen ins Wasser werfen. Wie der König böse und ließ seine Frau ins Gefängnis
sie ihn hineingeworfen hatten (ich glaube, es war die werfen, darin sie lange Jahre sitzen mußte.
Weser), da flog ein Vögelchen in die Höhe und sang: Die Kinder waren unterdessen herangewachsen, da
ging der älteste einmal mit anderen Jungen hinaus, um
"Tom Daude bereit, zu fischen. Da wollten ihn die andern nicht dabeihaben
Auf weiter'n Bescheid und sagten: "Du Findling, geh du deiner Wege!" Da
Tom Lilienstrus: wurde er ganz betrübt und fragte den alten Fischer, ob
Wacker Junge, bist du's?" das wahr sei? Der erzählte ihm, daß er einmal gefischt
hätte, und er habe ihn aus dem Wasser gezogen. Da
Als das die beiden hörten, kriegten sie Angst und sagte der Junge, er wolle fort und seinen Vater suchen.
machten, daß sie fortkamen. Wie der König nach Der Fischer bat ihn, er möchte doch bleiben, aber er
Hause kam, sagten sie ihm, die Königin hätte einen ließ sich gar nicht halten, bis der Fischer zuletzt
Hund geboren. Da sagte der König: "Was Gott tut, das einwilligte. Da machte er sich auf den Weg und ging
ist wohlgetan." mehrere Tage hintereinander; endlich kam er zu einem

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allmächtig großen Wasser, davor stand eine alte Frau Der zweite Sohn konnte nicht lange zu Hause bleiben,
und fischte. "Guten Tag, Mutter," sagte der Junge. - und er nahm seinen Flitzebogen und ging auf die Jagd.
"Großen Dank." - "Du mußt wohl lange fischen, ehe Als er müde war, nahm er seine Flöte und blies ein
du einen Fisch fängst?" - "Und du mußt wohl lange Stückchen. Der König aber war auch auf der Jagd,
suchen, ehe du deinen Vater findest. Wie willst du hörte es und ging hin, und wie er den Jungen traf, da
denn da übers Wasser kommen?" sagte die Frau. "Ja, sagte er: "Wer hat dir erlaubt, hier zu jagen?" - "Oh,
das mag Gott wissen." Da nahm die alte Frau ihn auf niemand." - "Wem gehörst du?" - "Ich bin dem Fischer
den Rücken und trug ihn hindurch, und er suchte lange sein Sohn." - "Der hat ja keine Kinder." - "Wenn du es
Zeit und konnte seinen Vater nicht finden. Als nun ein nicht glauben willst, so komm mit." Das tat der König
Jahr vorüber war, da zog der zweite aus und wollte und fragte den Fischer, der ihm alles erzählte; und das
seinen Bruder suchen. Er kam an das Wasser, wo es Vögelchen an der Wand fing an zu singen:
ihm ebenso erging wie seinem Bruder. Nun war nur
noch die Tochter alleine zu Haus, und sie jammerte so "Die Mutter sitzt allein,
sehr nach ihren Brüdern, daß sie zuletzt auch den Wohl in dem Kerkerlein.
Fischer bat, er möchte sie ziehen lassen, sie wolle ihre O König, edles Blut,
Brüder suchen. Da kam sie auch zu dem großen Dies sind deine Kinder gut.
Wasser, und sagte zu der alten Frau: "Guten Tag, Die falschen Schwestern beide,
Mutter." - "Großen Dank." - "Gott helfe Euch beim Die taten den Kindern leide,
Fischen." Als die alte Frau das hörte, wurde sie ganz Wohl in des Wassers Grund,
freundlich, trug sie übers Wasser und gab ihr eine Wo sie der Fischer fand."
Rute, und sagte: "Nun geh nur immer auf diesem
Wege weiter, meine Tochter, und wenn du an einem Da erschraken sie alle, und der König nahm den
großen schwarzen Hund vorbeikommst, so mußt du Vogel, den Fischer und die drei Kinder mit sich auf
still und dreist, und ohne zu lachen und ohne ihn das Schloß, ließ das Gefängnis aufschließen und nahm
anzusehen, vorbeigehen. Dann kommst du an ein seine Frau wieder heraus. Doch war diese ganz krank
großes offenes Schloß. Auf dessen Schwelle mußt du und elend geworden. Da gab ihr die Tochter von dem
die Rute fallen lassen und stracks durch das Schloß an Wasser des Brunnens zu trinken, da wurde sie wieder
der anderen Seite wieder herausgehen. Da ist ein alter frisch und gesund. Die beiden falschen Schwestern
Brunnen, aus dem ist ein alter Baum gewachsen, daran wurden aber verbrannt, und die Tochter freite den
hängt ein Vogel im Bauer, den nimm auf. Dann nimm Prinzen.
noch ein Glas Wasser aus dem Brunnen und geh mit
diesen beiden denselben Weg wieder zurück. Von der ***
Schwelle nimm die Rute wieder mit, und wenn du
dann wieder bei dem Hund vorbeikommst, dann schlag
ihm ins Gesicht. Jedoch 'sieh zu, daß du ihn auch
triffst, und dann komm auch wieder zu mir zurück."
Da fand sie alles geradeso, wie die Frau es gesagt
hatte, und auf dem Rückweg da fand sie die beiden
Brüder, die sich in der halben Welt gegenseitig
gesucht hatten. Sie gingen zusammen bis zu dem
schwarzen Hund, dem das Mädchen ins Gesicht
schlug: da wurde er ein schöner Prinz, der mit ihnen
bis zum Wasser ging. Da stand noch die alte Frau, die
freute sich sehr, daß sie alle wieder da waren, und trug
sie alle übers Wassers, und dann ging sie auch weg,
denn nun war sie erlöst. Die andern aber gingen alle zu
dem alten Fischer, und waren froh, daß sie sich
wiedergefunden hatten; den Vogel aber hängten sie an
die Wand.

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