Serail
Serail
Text
Christoph Friedrich Bretzner
Johann Gottlieb Stephanie
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart
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Informazioni Die Entführung aus dem Serail
I titoli vengono scelti in base a una serie di criteri: disponibilità del materiale, data
della prima rappresentazione, autori di testi e musiche, importanza del testo nella
storia della lirica, difficoltà di reperimento.
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acquisti, ricerche in biblioteca, su internet, donazione di materiali da parte di
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significativi secondo la critica.
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Grazie ancora.
Dario Zanotti
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Personen
PERSONEN
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
ERSTER AUFZUG
Erster Auftritt
Platz vor dem Palast des Bassa am Ufer des Meeres.
Belmonte allein.
[Nr. 1 Arie]
BELMONTE
Aber wie soll ich in den Palast kommen? Wie sie sehen? Wie
sprechen? ~
Zweiter Auftritt
Belmonte, Osmin.
[Nr. 2 Lied und Duett]
OSMIN
(mit einer Leiter, welche er an einen Baum vor der Tür des Palastes lehnt,
hinaufsteigt und Feigen abnimmt)
Wer ein Liebchen hat gefunden,
Die es treu und redlich meint,
Lohn' es ihr durch tausend Küsse,
Mach ihr all das Leben süße,
Sei ihr Tröster, sei ihr Freund.
Trallalera, trallalera.
BELMONTE Vielleicht, daß ich durch diesen Alten etwas erfahre. He, Freund!
ist das nicht das Landhaus des Bassa Selim?
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
OSMIN
Doch sie treu sich zu erhalten,
Schließ' er Liebchen sorglich ein:
Denn die losen Dinger haschen
Jeden Schmetterling, und naschen
Gar zu gern von fremdem Wein.
Trallalera, trallalera.
BELMONTE He, Alter, he! ~ hört Ihr nicht? ~ Ist hier des Bassa Selim Palast?
OSMIN
(sicht ihn an, dreht sich herum und singt wie zuror)
Sonderlich beim Mondenscheine,
Freunde, nehmt sie wohl in acht!
Oft lauscht da ein junges Herrchen,
Kirrt und lockt das kleine Närrchen,
Und dann Treue gute Nacht.
Trallalera, trallalera.
BELMONTE Verwünscht seist du samt deinem Liede!
Ich bin dein Singen nun schon müde;
So hör doch nur ein einzig Wort!
OSMIN Was Henker laßt ihr euch gelüsten,
Euch zu ereifern, euch zu brüsten?
Was wollt ihr? Hurtig! ich muß fort.
BELMONTE Ist das des Bassa Selim Haus?
OSMIN He? ~
BELMONTE Ist das des Bassa Selim Haus?
OSMIN Das ist des Bassa Selim Haus. ~
(will fort)
BELMONTE So wartet doch ~
OSMIN Ich kann nicht weilen.
BELMONTE Ein Wort ~
OSMIN Geschwind denn ich muß eilen.
BELMONTE Seid ihr in sienen Diensten Freund?
OSMIN He? ~
BELMONTE Seid ihr in sienen Diensten Freund?
OSMIN Ich bin in seinen Diensten, Freund.
BELMONTE Wie kann ich den Pedrill wohl sprechen,
der hier in seinen Diensten steht?
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
Dritter Auftritt
Osmin, hernach Pedrillo.
OSMIN Könnt' ich mir doch noch so einen Schurken auf die Nase setzen,
wie den Pedrillo; so einen Gaudieb, der Tag und Nacht nichts tut,
als nach meinen Weibern herumzuschleichen und zu schnobern,
ob's nichts für seinen Schnabel setzt. Aber ich laure ihm sicher
auf den Dienst, und wohl bekomm dir die Prügelsuppe, wenn ich
dich einmal beim Kanthaken kriege! ~ Hätt' er sich nur beim
Bassa nicht so eingeschmeichelt, er sollte den Strick längst um
den Hals haben.
PEDRILLO Nun wie steht's, Osmin? Ist der Bassa noch nicht zurück?
OSMIN Sieh darnach, wenn du's wissen willst.
PEDRILLO Schon wieder Sturm im Kalender? Hast du das Geicht Feigen für
mich gepfückt?
OSMIN Gift für dich, verwünschter Schmarotzer!
PEDRILLO Was in aller Welt ich dir nur getan haben muß, daß du beständig
mit mir zankst. Laß uns doch einmal Friede machen.
OSMIN Friede mit dir? Mit so einem schleichenden spitzbübischen
Paßauf, der nur spioniert, wie er mir eins versetzen kann?
Erdrosseln möcht' ich dich!
PEDRILLO Aber sag nur, warum? Warum?
[Nr. 3 Arie]
OSMIN
Solche hergelaufne Laffen
Die nur nach den Weibern gaffen,
Mag ich vor den Teufel nicht.
Denn ihr ganzes Tun und Lassen
Ist, uns auf den Dienst zu passen,
Doch mich trügt kein solch Gesicht!
Eure Tücken, eure Ränke,
Eure Finten, eure Schwänke,
Sind mir ganz bekannt.
Mich zu hintergehen,
Müßt ihr früh aufstehen,
Ich hab auch Verstand.
Drum beim Barten des Propheten!
Ich studiere Tag und Nacht,
Ruh nicht bis ich dich seh' töten,
Nimm dich wie du willst in acht.
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
PEDRILLO Was bist du für ein grausamer Kerl, und ich hab dir nichts getan.
OSMIN Du hast ein Galgengesicht, das ist genug.
OSMIN
Erst geköpft,
Dann gehangen,
Dann gespießt
Auf heiße Stangen;
Dann verbrannt,
Dann gebunden,
Und getaucht;
Zuletzt geschunden.
(geht ins Haus)
Vierter Auftritt
Pedrillo, hernach Belmonte.
PEDRILLO Geh nur, verwünschter Aufpasser; es ist noch nicht aller Tage
Abend. Wer weiß, wer den andern überlistet. Und dir
mißtrauischem, gehässigem Menschenfeind eine Grube zu
graben, sollte ein wahres Fest für mich sein.
BELMONTE Pedrillo, guter Pedrillo!
PEDRILLO Ach mein bester Herr! Ist's möglich? Sind Sie's wirklich? Bravo,
Madame Fortuna, bravo, das heißt doch Wort gehalten! Schon
verzweifelte ich, ob einer meiner Briefe Sie getroffen hätte.
BELMONTE Sag, guter Pedrillo, lebt meine Konstanze noch?
PEDRILLO Lebt, und noch hoff' ich für Sie. Seit dem schrecklichen Tage, an
welchem das Glück uns einen so häßlichen Streich spielte und
unser Schiff von den Seeräubern erobern ließ, haben wir
mancherlei Drangsal erfahren. Glücklicher Weise traf sich's
noch, daß der Bassa Selim uns alle drei kaufte: Ihre Konstanze
nämlich, meine Blonde, und mich. Er ließ uns sogleich hier auf
sein Landhaus bringen. Donna Konstanze ward seine auserwählte
Geliebte.
BELMONTE Ah! Was sagst du?
PEDRILLO Nun, nur nicht so hitzig! Sie ist noch nicht in die schlimmsten
Hände gefallen. Der Bassa ist ein Renegat und hat noch so viel
Delikatesse, keine seiner Weiber zu seiner Liebe zu zwingen, und
soviel ich weiß, spielt er noch immer den unerhörten Liebhaber.
BELMONTE Wär es möglich? Wär Konstanze noch treu?
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
PEDRILLO Sicher noch, lieber Herr! Aber wie's mit meinem Blondchen
steht, weiß der Himmel! Das arme Ding schmachtet bei einem
alten häßlichen Kerl, dem sie der Bassa geschenkt hat; und
vielleicht ach, ich darf gar nicht daran denken!
BELMONTE Doch nicht der alte Kerl, der soeben ins Haus ging?
PEDRILLO Eben der.
BELMONTE Und dies ist der Liebling des Bassa?
PEDRILLO Liebling, Spion und Ausbund aller Spitzbuben, der mich mit den
Augen vergiften möchte, wenn's möglich wäre.
BELMONTE O guter Pedrillo, was sagst du?
PEDRILLO Nur nicht gleich verzagt! Unter uns gesagt: ich hab auch einen
Stein im Brett beim Bassa. Durch mein bißchen Geschick in der
Gärtnerei hab ich seine Gunst weggekriegt, und dadurch hab ich
so ziemlich Freiheit, die tausend andere nicht haben würden. Da
sonst jede Mannsperson sich entfernen muß, wenn eine seiner
Weiber in den Garten kommt, kann ich bleiben; sie reden sogar
mit mir, und er sagt nichts darüber. Freilich mault der alte
Osmin, besonders, wenn mein Blondchen ihrer Gebieterin folgen
muß.
BELMONTE Ist's möglich? Du hast sie gesprochen? ~ O sag, sag! Liebt sie
mich noch?
PEDRILLO Hm! Daß Sie daran zweifeln! Ich dächte, Sie kennten die gute
Konstanze mehr als zu gut, hätten Proben genug ihrer Liebe.
Doch damit dürfen wir uns gar nicht aufhalten. Hier ist bloß die
Frage, wie's anzufangen ist, hier wegzukommen?
BELMONTE O da hab ich für alles gesorgt! Ich hab hier ein Schiff in einiger
Entfernung vom Hafen, das uns auf den ersten Wink einnimmt,
und ~
PEDRILLO Ah, sachte, sachte! Erst müssen wir die Mädels haben, ehe wir zu
Schiffe gehen, und das geht nicht so husch, husch, wie Sie
meinen!
BELMONTE O lieber guter Pedrillo, mach nur, daß ich sie sehen, daß ich sie
sprechen kann! Das Herz schlägt mir vor Angst und Freude! ~
PEDRILLO Pfiffig müssen wir das Ding anfangen, und rasch müssen wir's
ausführen, damit wir den alten Aufpasser übertölpeln. Bleiben
Sie hier in der Nähe. Jetzt wird der Bassa bald von einer
Lustfahrt auf dem Wasser zurückkommen. Ich will Sie ihm als
einen geschickten Baumeister vorstellen, denn Bauen und
Gärtnerei sind seine Steckenpferde. Aber lieber, goldner Herr,
halten Sie sich in Schranken; Konstanze ist bei ihm ~
BELMONTE Konstanze bei ihm? Was sagst du? Ich soll sie sehen?
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
Fünfter Auftritt
Belmonte allein; dann Pedrillo.
[Nr. 4 Arie]
BELMONTE
Sechster Auftritt
Bassa Selim und Konstanze kommen in einem Lustschiffe angefahren,
vor welchem ein anderes Schiff mit Janitscharenmusik voraus landet.
Die Janitscharen stellen sich am Ufer in Ordnung,
stimmen folgenden Chor an und entfernen sich dann.
[Nr. 5 Chor der Janitscharen]
CHOR DER JANITSCHAREN
Singt dem großen Bassa Lieder
Töne feuriger Gesang;
Und vom Ufer halle wieder
Unsrer Lieder Jubelklang.
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
Siebenter Auftritt
Selim, Konstanze.
Aber nein, Konstanze; dir selbst will ich dein Herz zu danken
haben, dir selbst!
KONSTANZE Großmütiger Mann! O daß ich es könnte, daß ich's erwidern
könnte aber
SELIM Sag, Konstanze, sag, was hält dich zurück?
KONSTANZE Du wirst mich hassen.
SELIM Nein, ich schwöre dir's. Du weißt, wie sehr ich dich liebe,
wieviel Freiheit ich dir vor allen meinen Weibern gestatte; dich
wie meine einzige schätze.
KONSTANZE O so verzeih!
(Während des Gesanges geht der Bassa unwillig hin und her.)
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
[Nr. 6 Arie]
KONSTANZE
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
Achter Auftritt
Selim, Pedrillo, Belmonte.
Neunter Auftritt
Belmonte, Pedrillo.
PEDRILLO Ha! Triumph, Triumph, Herr! Der erste Schritt war getan.
BELMONTE Ach, laß mich zu mir selbst kommen! Ich habe sie gesehen, hab'
das gute, treue, beste Mädchen gesehen! O Konstanze,
Konstanze! Was könnt ich für dich tun, was für dich wagen?
PEDRILLO Ha! Gemach, gemach, bester Herr! Stimmen Sie den Ton ein
bißchen herab; Verstellung wird uns weit bessere Dienste leisten.
Wir sind nicht in unserm Vaterlande. Hier fragen sie den Henker
darnach, ob's einen Kopf mehr oder weniger in der Welt gibt.
Bastonade und Strick um Hals sind hier wie ein Morgenbrot.
BELMONTE Ach, Pedrillo, wenn du die Liebe kenntest!
PEDRILLO Hm! Als wenn's mit unser einem gar nichts wäre. Ich habe so gut
meine zärtlichen Stunden als andere Leute. Und denken Sie denn,
daß mir's nicht auch im Bauche grimmt, wenn ich mein
Blondchen von so einem alten Spitzbuben, wie der Osmin ist,
bewacht sehen muß?
BELMONTE O, wenn es möglich wäre, sie zu sprechen
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Erster Aufzug Die Entführung aus dem Serail
PEDRILLO Wir wollen sehen, was zu tun ist. Kommen Sie nur mit mir in den
Garten, aber um alles in der Welt, vorsichtig und fein. Denn hier
ist alles Aug und Ohr.
(Sie wollen in den Palast, Osmin kommt ihnen in der Tür entgegen, und hält sie zurück.)
Zehnter Auftritt
Vorige, Osmin.
OSMIN Wohin?
PEDRILLO Hinein!
OSMIN Was will das Gesicht? Zurück mit dir, zurück!
(zu Belmonte)
PEDRILLO Ha, gemach, Meister Grobian, gemach! Er ist in des Bassa
Diensten.
OSMIN In des Henkers Diensten mag er sein! Er soll nicht herein!
PEDRILLO Er soll aber herein!
OSMIN Kommt mir nur einen Schritt über die Schwelle
BELMONTE Unverschämter! Hast du nicht mehr Achtung für einen Mann
meines Standes?
OSMIN Ei, Ihr mögt mir vom Stande sein! Fort, fort, oder ich will euch
Beine machen.
PEDRILLO Alter Dummkopf! Es ist ja der Baumeister, den der Bassa
angenommen hat.
OSMIN Meinethalben sei er Stockmeister, nur komm er mir nicht zu
nahe. Ich müßte nicht sehen, daß es so ein Kumpan deines
Gelichters ist, und daß das so eine abgeredete Karte ist, uns zu
überlisten. Der Bassa ist weich wie Butter, mit dem könnt ihr
machen was ihr wollt, aber ich habe eine feine Nase. Gaunerei
ist's um den ganzen Kram, mit euch fremden Gesindel; und ihr
abgefeimten Betrüger habt lange ein Plänchen angelegt, eure
Pfiffe auszuführen; aber wart' ein bißchen! Osmin schläft nicht.
Wär ich Bassa, ihr wär't längst gespießt. Ja, schneid't nur
Gesichter, lacht nur höhnisch in den Bart hinein!
PEDRILLO Ereifere dich nicht so, Alter, es hilft dir doch nichts. Sieh, soeben
werden wir hinein spazieren.
OSMIN Ha, das will ich sehen!
(stellt sich vor die Türe)
PEDRILLO Mach keine Umstände.
BELMONTE Weg, Niederträchtiger!
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Erster Aufzug
[Nr. 7 Terzett]
OSMIN Marsch! Marsch! Marsch! trollt euch fort!
Sonst soll die Bastonade
Euch gleich zu Diensten stehn.
BELMONTE UND Ei! das wär ja schade;
PEDRILLO Mit uns so umzugehn!
OSMIN Kommt nur nicht näher, sonst schlag' ich drein.
BELMONTE, PEDRILLO Weg von der Türe. Wir gehn hinein.
OSMIN Marsch fort! Ich schlage drein!
BELMONTE UND Platz fort! Wir gehn hinein.
PEDRILLO
(sie stoßen ihn weg und gehn hinein)
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
ZWEITER AUFZUG
Erster Auftritt
Garten am Palast des Bassa Selim; an der Seite Osmins Wohnung.
Osmin, Blonde.
BLONDE O des Zankens, Befehlens und Murrens wird auch kein Ende!
Einmal für allemal: das steht mir nicht an! Denkst du alter
Murrkopf etwa eine türkische Sklavin vor dir zu haben, die bei
deinen Befehlen zittert? O da irrst du dich sehr! Mit europäichen
Mädchen springt man nicht so herum; denen begegnet man ganz
anders.
[Nr. 8 Arie]
BLONDE
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
OSMIN (beiseite)
Gift und Dolch über das Mädchen! Beim Mahomet, sie macht
mich rasend. Und doch lieb ich die Spitzbübin, trotz ihres tollen
Kopfes!
(laut)
Ich befehle dir, augenblicklich mich zu lieben!
BLONDE Hahaha! Komm mir nur ein wenig näher, ich will dir fühlbare
Beweise davon geben.
OSMIN Tolles Ding! Weißt du, daß du mein bist und ich dich dafür
züchtigen kann?
BLONDE Wag's nicht, mich anzurühren, wenn dir deine Augen lieb sind.
OSMIN Wie? Du unterstehst dich
BLONDE Das ist was zu unterstehen! Du bist der Unverschämte, der sich
zuviel Freiheit herausnimmt. So ein altes häßliches Gesicht
untersteht sich, einem Mädchen wie ich, jung, schön, zur Freude
geboren, wie einer Magd zu befehlen! Wahrhaftig, das stünde
mir an! Uns gehört das Regiment; ihr seid unsere Sklaven und
glücklich, wenn ihr Verstang genug habt, euch die Ketten zu
erleichtern.
OSMIN Bei meinem Bart, sie ist toll! Hier, hier in der Türkei?
BLONDE Türkei hin, Türkei her! Weib ist Weib, sie sei wo sie wolle! Sind
eure Weiber solche Närrinnen, sich von euch unterjochen zu
lassen, desto schlimmer für sie; in Europa verstehen sie das Ding
besser. Laß mich nur einmal Fuß hier gefaßt haben, sie sollen
bald anders werden.
OSMIN Beim Allah, die wär imstande, uns allen die Weiber rebellisch zu
machen! Aber
BLONDE Aufs Bitten müßt ihr euch legen, wenn ihr etwas von uns erhalten
wollt; besonders Liebhaber deines Gelichters.
OSMIN Freilich, wenn ich Pedrillo wär, so ein Drahtpüppchen wie er, da
wär ich vermutlich willkommen, denn euer Mienenspiel hab ich
lange weg.
BLONDE Erraten, guter Alter, erraten! Das kannst du dir wohl einbilden,
daß mir der niedliche Pedrillo lieber ist, wie dein
Blasebalggesicht. Also wenn du klug wärst
OSMIN Sollt ich dir die Freiheit geben, zu tun und zu machen, was du
wolltest, he?
BLONDE Besser würdest du immer dabei fahren: denn so wirst du sicher
betrogen.
OSMIN Gift und Dolch! Nun reißt mir die Geduld! Den Augenblick
hinein ins Haus! Und wo du's wagst
BLONDE Mach mich nicht lachen.
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
[Nr. 9 Duett]
OSMIN
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
Zweiter Auftritt
Blonde, Konstanze.
BLONDE Wie traurig das gute Mädchen daher kommt! Freilich tut's weh,
den Geliebten zu verlieren und Sklavin zu sein. Es geht mir wohl
auch nicht viel besser; aber ich habe doch noch das Vergnügen,
meinen Pedrillo manchmal zu sehen, ob's gleich auch mager und
verstohlen genug geschehen muß; doch wer kann wider den
Strom schwimmen!
Dritter Auftritt
Konstanze, Selim.
SELIM Nun Konstanze, denkst du meinem Begehren nach? Der Tag ist
bald verstrichen, morgen mußt du mich lieben, oder
KONSTANZE Muß? Welch albernes Begehren! Als ob man die Liebe
anbefehlen könnte wie eine Tracht Schläge! Aber freilich, wie ihr
Türken zu Werke geht, läßt sich's auch allenfalls befehlen. Aber
ihr seid wirklich zu beklagen. Ihr kerkert die Gegenstände eurer
Begierden ein und seid zufrieden, eure Lüste zu büßen.
SELIM Und glaubst du etwa, unsere Weiber wären weniger glücklich als
in euren Ländern?
KONSTANZE Die nichts besseres kennen!
SELIM Auf diese Art wäre wohl keine Hoffnung, daß du je anders
denken wirst.
KONSTANZE Herr! Ich muß dir frei gestehen, denn was soll ich dich länger
hinhalten, mich mit leerer Hoffnung schmeicheln, daß du dich
durch mein Bitten erweichen ließest, ich werde stets so denken
wie jetzt; dich verehren, aber lieben? Nie.
SELIM Und du zitterst nicht vor der Gewalt, die ich über dich habe?
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
KONSTANZE Nicht im geringsten. Sterben ist alles, was ich zu erwarten habe,
und je eher dies geschieht, je lieber wird es mir sein.
SELIM Elende! Nein! nicht sterben, aber Martern von aller Arten
KONSTANZE Auch die will ich ertragen; du erschreckst mich nicht; ich erwarte
alles.
[Nr. 11 Arie]
KONSTANZE
Vierter Auftritt
Selim allein.
SELIM
Ist das ein Traum? Wo hat sie auf einmal den Mut her, sich so
gegen mich zu betragen? Hat sie vielleicht Hoffnung, mir zu
entkommen? Ha, das will ich verwehren!
(will fort)
Doch das ist's nicht, dann würde sie sich eher verstellen, mich
einzuschläfern versuchen Ja! es ist Verzweiflung! Mit Härte
richt' ich nicht aus, mit Bitten auch nicht, also, was Drohen und
Bitten nicht vermögen, soll die List zuwege bringen.
(geht ab)
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
Fünfter Auftritt
Blonde allein.
BLONDE
Kein Bassa, keine Konstanze mehr da? Sind sie miteinander eins
worden? Schwerlich, das gute Kind hängt zu sehr an ihrem
Belmonte! Ich bedaure sie von Grund meines Herzens. Sie ist zu
empfindsam für ihre Lage. Freilich, hätt ich meinen Pedrillo
nicht an der Seite, wer weiß, wie mir's ginge! Doch würd ich
nicht so zärteln wie sie. Die Männer verdienen's wahrlich nicht,
daß man ihrenthalben sich zu Tode grämt. Vielleicht würd ich
muselmännisch denken.
Sechster Auftritt
Blonde, Pedrillo.
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
[Nr. 12 Arie]
BLONDE
Siebenter Auftritt
Pedrillo allein.
PEDRILLO
Ah, daß es schon vorbei wäre! daß wir schon auf offner See
wären, unsre Mädels im Arm, und dies verwünschte Land im
Rücken hätten! Doch sei's gewagt; entweder jetzt oder niemals.
Wer zagt, verliert!
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
[Nr. 13 Arie]
PEDRILLO
Achter Auftritt
Pedrillo, Osmin.
OSMIN Ha! Geht's hier so lustig zu? Es muß dir verteufelt wohl gehen.
PEDRILLO Ei, wer wird so ein Kopfhänger sein; es kommt beim Henker da
nichts bei heraus! Das haben die Pedrillos von jeher in ihrer
Familie gehabt. Fröhlichkeit und Wein versüßt die härteste
Sklaverei. Freilich könnt ihr armen Schlucker das nicht
begreifen, daß es so ein herrlich Ding um ein Gläschen guten
alten Lustigmacher ist. Wahrhaftig, da hat euer Vater Mahomet
einen verzweifelten Bock geschossen, daß er euch den Wein
verboten hat. Wenn das verwünschte Gesetz nicht wäre, du
müßtest ein Gläschen mit mir trinken, du möchtest wollen oder
nicht.
(für sich)
Vielleicht beißt er an: er trinkt ihn gar zu gern.
OSMIN Wein mit dir? Ja Gift
PEDRILLO Immer Gift und Dolch, und Dolch und Gift! Laß doch den alten
Groll einmal fahren und sei vernünftig. Sieh einmal, ein Paar
flaschen Zypernwein! Ah
(er zeigt ihm zwei Flaschen, wovon die eine größer als die andere ist)
Die sollen mir vortrefflich schmecken!
OSMIN (für sich)
Wenn ich trauen dürfte?
PEDRILLO Das ist ein Wein, das ist ein Wein!
(er setzt sich nach türkischer Art auf die Erde und trinkt aus der kleinen Flasche)
OSMIN Kost einmal die große Flasche auch.
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
PEDRILLO Denkst wohl gar, ich habe Gift hineingetan? Ha, laß dir keine
grauen Haare wachsen! Es verlohnte sich der Mühe, daß ich
deinetwegen zum Teufel führe. Da sieh, ob ich trinke.
(er trinkt aus der großen Flasche ein wenig)
Nun, hast du noch Bedenken? Traust mir noch nicht? Pfui,
Osmin, sollst dich schämen! Da nimm!
(er gibt ihm die große Flasche)
Oder willst du die kleine?
OSMIN Nein, laß nur, laß nur! Aber wenn du mich verrätst
(sieht sich sorgfältig um)
PEDRILLO Als wenn wir einander nicht weiter brauchten. Immer frisch!
Mahomet liegt längst auf'm Ohr und hat nötiger zu tun, als sich
um deine Flasche Wein zu bekümmern.
[Nr. 14 Duett]
PEDRILLO
PEDRILLO Wahrhaftig, daß muß ich gestehen, es geht doch nichts über den
Wein! Wein ist mir lieber, als Geld und Mädchen. Bin ich
verdrießlich, mürrisch, launisch: hurtig nehm ich meine Zuflucht
zur Flasche, und kaum seh ich den ersten Boden: weg ist all mein
Verdruß! Meine Flasche macht mir kein schiefes Gesicht, wie
mein Mädchen, wenn ihr der Kopf nicht auf dem rechten Fleck
steht. Und schwatzt mir von Süßigkeiten der Liebe und des
Ehestandes, was Ihr wollt: Wein auf der Zunge geht über alles!
(Osmin fängt bereits an, die Wirkung des Weins und des Schlaftrunks zu spüren,
und wird bis zum Ende des Auftritts immer schläfriger und träger, doch darf's
der Schauspieler nicht übertreiben und muß nur immer halb träumend und
schlaftrunken bleiben)
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
OSMIN Das ist wahr Wein Wein ist ein schönes Getränk; und unser
großer Prophet mag mir's nicht übel nehmen Gift und Dolch,
es ist doch eine hübsche Sache um den Wein! Nicht Bruder
Pedrillo?
PEDRILLO Richtig, Bruder Osmin, richtig!
OSMIN Man wird gleich so munter...
(er nickt zuweilen)
so vergnügt so aufgeräumt. Hast du nichts mehr, Bruder?
(er langt auf eine lächerliche Art nach einer zweiten Flasche, die Pedrillo ihm reicht)
PEDRILLO Hör du, Alter, trink mir nicht zu viel, es kommt einem in den
Kopf.
OSMIN Trag doch keine Sorge, ich bin so so nüchtern wie möglich.
Aber das ist wahr,
(er fängt an, auf der Erde hin und her zu wanken)
es schmeckt vortrefflich!
PEDRILLO (für sich)
Es wirkt, Alter, es wirkt!
OSMIN Aber verraten mußt du mich nicht Brüderchen verraten denn
wenn's Mahomet nein, nein der Bassa wüßte denn siehst du
liebes Blondchen ja oder nein!
PEDRILLO (für sich)
Nun wird's Zeit, ihn fortzuschaffen!
(laut)
Nun komm, Alter, komm, wir wollen schlafen gehn!
(er hebt ihn auf)
OSMIN Schlafen? Schämst du dich nicht? Gift und Dolch! Wer wird
denn so schläfrig sein es ist ja kaum Morgen
PEDRILLO Ho, ho, die Sonne ist schon hinunter! Komm, komm, daß uns der
Bassa nicht überrascht!
OSMIN (im Abführen)
Ja, ja eine Flasche guter Bassa geht über alles! Gute
Nacht Brüderchen gute Nacht.
(Pedrillo führt ihn hinein, kommt aber gleich wieder zurück)
Neunter Auftritt
Pedrillo, hernach Belmonte, Konstanze, Blonde.
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
BELMONTE O daß wir glücklich wären! Aber sag: ist Konstanze noch nicht
hier?
PEDRILLO Eben kommt sie da den Gang herauf. Reden Sie alles mit ihr ab,
aber fassen Sie sich kurz, denn der Verräter schläft nicht immer.
(Während der Unterredung des Belmonte mit Konstanze unterhält sich Pedrillo mit Blonde, der er durch
Pantomime den ganzen Auftritt mit dem Osmin vormacht und jenem nachahmt; zuletzt unterrichtet er sie
ebenfalls, daß er um Mitternacht mit einer Leiter unter ihr Fenster kommen wolle, um sie zu entführen)
(einander im Arme)
Beide
KONSTANZE O mein Belmonte!
BELMONTE O Konstanze!
KONSTANZE Ist's möglich? Nach so viel Tagen der Angst, nach so viel
ausgestandenen Leiden, dich wieder in meinen Armen.
BELMONTE O dieser Augenblick versüßt allen Kummer, macht mich all
meinen Schmerz vergessen.
KONSTANZE Hier will ich an deinem Busen liegen und weinen! Ach, jetzt fühl
ich's, die Freude hat auch ihre Tränen!
[Nr. 15 Arie]
BELMONTE
Wenn der Freude Tränen fließen
Lächelt Liebe dem Geliebten hold;
Von den Wangen sie zu küssen
Ist der Liebe schönster größter Sold.
Ach Konstanze! dich zu sehen
Dich voll Wonne, voll Entzücken
An mein treues Herz zu drücken,
Lohnt fürwahr nicht Krösus Pracht.
Daß wir uns niemals wiederfinden!
So därfen wir nicht erst empfinden
Welchen Schmerz die Trennung macht.
BELMONTE
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
[Nr. 16 – Quartett]
Beide
KONSTANZE Ach Belmonte! ach, mein Leben!
BELMONTE Ach, Konstanze! ach, mein Leben!
KONSTANZE Ist es möglich? Welch Entzücken!
Dich an meine Brust zu drücken
Nach so vieler Tage Leid.
BELMONTE Welche Wonne dich zu finden!
Nun muß aller Kummer schwinden!
O wie ist mein Herz erfreut.
KONSTANZE Sieh, die Freudentränen fließen.
BELMONTE Holde! laß hinweg sie küssen!
KONSTANZE Daß es doch die letzte sei.
BELMONTE Ja, noch heute wirst du frei.
PEDRILLO Also Blondchen, hast's verstanden?
Alles ist zur Flucht vorhanden
Um Schlag Zwölfe sind wir da.
BLONDE Unbesorgt, es wird nichts fehlen
Die Minute werd' ich zählen
Wär der Augenblick schon da.
BELMONTE, Endlich scheint die Hoffnungssonne
KONSTANZE, Hell durchs trübe Firmament.
PEDRILLO, BLONDE Voll Entzücken, Freud und Wonne,
Sehn wir unsrer Leiden End'.
BELMONTE Doch ach, bei aller Lust
Empfindet meine Brust
Noch manch geheime Sorgen!
KONSTANZE Was ist es Liebster, sprich,
Geschwind erkläre dich,
O halt mir nichts verborgen.
BELMONTE Man sagt... du seist
(sieht Konstanze stillschweigend furchtsam an)
KONSTANZE Nun weiter?
(sieht Belmonte stillschweigend furchtsam an)
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Zweiter Aufzug
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Zweiter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
DRITTER AUFZUG
Erster Auftritt
Vor dem Palast des Bassa Selim; auf einer Seite der Palast des Bassa,
gegenüber die Wohnung des Osmin, hinten Aussicht aufs Meer. Es ist
Mitternacht.
Pedrillo, Klaas, der eine Leiter bringt.
PEDRILLO Hier lieber Klaas, hier leg sie indes nur nieder und hole die
zweite vom Schiff. Aber nur hübsch leise, daß nicht viel Lärm
gemacht wird, es geht hier auf Tod und Leben.
KLAAS Laß mich nur machen, ich versteh das Ding auch ein bißchen;
wenn wir sie nur erst an Bord haben.
PEDRILLO Ach lieber Klaas, wenn wir mit unsrer Beute glücklich nach
Spanien kommen, ich glaube, Don Belmonte läßt dich in Gold
einfassen.
KLAAS Das möchte wohl ein bißchen zu warm aufs Fell gehn; doch das
wird sich schon geben. Ich hole die Leiter.
(geht ab)
PEDRILLO Ach, wenn ich sagen sollte, daß mir's Herz nicht klopfte, so sagt
ich eine schreckliche Lüge. Die verzweifelten Türken verstehn
nicht den mindesten Spaß; und ob der Bassa gleich ein Renegat
ist, so ist er, wenn's aufs Kopfab ankommt, doch ein völliger
Türke.
(Klaas bringt die zweite Leiter)
PEDRILLO So, guter Klaas, und nun lichte die Anker und spanne alle Segel
auf, denn eh eine halbe Stunde vergeht, hast du deine völlige
Ladung.
KLAAS Bring sie nur hurtig, und dann laß mich sorgen.
(geht ab)
Zweiter Auftritt
Belmonte, Pedrillo.
PEDRILLO Ach, ich muß Atem holen! Es zieht mir's Herz so eng
zusammen, als wenn ich's größte Schelmstück vorhätte! Ach,
wo mein Herr auch bleibt!
BELMONTE Pedrillo! Pedrillo!
(ruft leise)
PEDRILLO Wie gerufen!
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
Dritter Auftritt
Belmonte allein.
BELMONTE
[Nr. 17 Arie]
BELMONTE
Vierter Auftritt
Belmonte und Petrillo; später Konstanze.
PEDRILLO Alles liegt auf dem Ohr. Es ist alles so ruhig, so stille als den Tag
nach der Sündflut.
BELMONTE Nun, so laß uns befreien. Wo ist die Leiter?
PEDRILLO Nicht so hitzig. Ich muß erst das Signal geben.
BELMONTE Was hindert dich denn, es nicht zu tun? Mach fort.
PEDRILLO (sieht nach der Uhr)
Eben recht, Schlag zwölf. Gehen Sie dort an die Ecke, und geben
Sie wohl acht, daß wir nicht überrascht werden.
BELMONTE Zaudre nur nicht!
(geht ab)
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
[Nr. 18 Romanze]
PEDRILLO
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
Fünfter Auftritt
Osmin und ein schwarzer Stummer öffnen die Tür von Osmins Haus,
wo Pedrillo hineingestiegen ist. Osmin, noch halb schlaftrunken, hat
eine Laterne. Der Stumme gibt Osmin durch Zeichen zu verstehen, daß
es nicht richtig sei, daß er Leute gehört habe u. s. w.
Pedrillo, Blonde; dann Belmonte und Konstanze; Wache.
Gift und Dolch! Was ist das? Wer kann ins Haus steigen? Das
sind Diebe, oder Mörder.
(er tummelt sich herum; weil er aber noch halb schlaftrunken ist, stößt er sich hier
und da)
Hurtig, hole die Wache! Ich will unterdessen lauern.
(der Stumme ab. Osmin setzt sich auf die Leiter, mit der Laterne in der Hand, und nickt ein. Pedrillo kommt
rückwärts wieder zum Fenster herausgestiegen und will die Leiter wieder herunter, Blonde oben am Fenster,
wird Osmin gewahr und ruft Pedrillo zu)
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
Ah endlich! Gift und Dolch! Seh' ich recht? Ihr beide? Warte,
spitzbübischer Pedrillo, dein Kopf soll am längsten festgestanden
sein.
PEDRILLO Brüderchen, Brüderchen, wirst doch Spaß verstehn? Ich wollt dir
dein Weibchen nur ein wenig spazieren führen, weil du heute
dazu nicht aufgelegt bist.
(heimlich zu Osmin)
Du weißt schon wegen des Zypernweins.
OSMIN Schurke, glaubst du mich zu betäuben? Hier verstehe ich keinen
Spaß. Dein Kopf muß herunter, so wahr ich ein Muselmann bin.
PEDRILLO Und hast du einen Nutzen dabei? Wenn ich meinen Kopf
verliere, sitzt deiner um so viel fester?
(ein anderer Teil der Wache, auch mit Fackeln, bringt Belmonte und Konstanze)
BELMONTE (widersetzt sich noch)
Schändliche, laßt mich los!
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
[Nr. 19 Arie]
OSMIN
(allein)
O, wie will ich triumphieren,
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu;
Hüpfen will ich, lachen, springen
Und ein Freudenliedchen singen,
Denn nun hab' ich vor euch Ruh.
Schleicht nur säuberlich und leise
Ihr verdammten Haremsmäuse,
Unser Ohr entdeckt euch schon.
Und eh' ihr uns könnt entspringen,
Seht ihr euch in unsern Schlingen,
Und erhaschet euren Lohn.
(geht ab)
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
Sechster Auftritt
Zimmer des Bassa.
Selim mit Gefolge, hernach Osmin, Belmonte, Konstanze und Wache.
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
SELIM Dein Vater? Welcher glückliche Tag! Den Sohn meines ärgsten
Feindes in meiner Macht zu haben! Kann was angenehmeres
sein? Wisse, Elender! Dein Vater, dieser Barbar ist schuld, daß
ich mein Vaterland verlassen mußte. Sein unbiegsamer Geiz
entriß mir eine Geliebte, die ich höher als mein Leben schätzte.
Er brachte mich um Ehrenstellen, Vermögen, um alles. Kurz, er
zernichtete mein ganzes Glück. Und dieses Mannes einzigen
Sohn habe ich nun in meiner Gewalt! Sage, er an meiner Stelle,
was würde er tun?
BELMONTE (ganz niedergedrückt)
Mein Schicksal würde zu beklagen sein.
SELIM Das soll es auch sein. Wie er mit mir verfahren ist, will ich mit
dir verfahren. Folge mir, Osmin, ich will dir Befehle zu ihren
Martern geben.
(zu der Wache)
Bewacht sie hier.
(ab)
Siebenter Auftritt
Belmonte, Konstanze.
[Nr. 20 Rezitativ und Duett]
BELMONTE Welch ein Geschick! o Qual der Seele!
Hat sich denn alles wider mich verschworen!
Ach, Konstanze! Durch mich bist du verloren!
Welch eine Pein!
KONSTANZE Laß, ach, Geliebter! laß dich das nicht quälen.
Was ist der Tod? Ein Übergang zur Ruh!
Und dann, an deiner Seite,
Ist er Vorgeschmack der Seligkeit.
BELMONTE Engelsseele! Welch holde Güte!
Du flößest Trost in mein erschüttert Herz,
Du linderst mir den Todesschmerz
Und ach! ich reiße dich ins Grab.
BELMONTE
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
Achter Auftritt
Pedrillo und Blonde werden von einem andern Teil der Wache
hereingeführt; und die Vorigen.
PEDRILLO Ach, Herr, wir sind hin! An Rettung ist nicht mehr zu denken.
Man macht schon alle Zubereitungen, um uns aus der Welt zu
schaffen. Es ist erschrecklich, was sie mit uns anfangen wollen!
Ich, wie ich im Vorbeigehen gehört habe, soll in Öl gesotten und
dann gespießt werden. Das ist ein sauber Traktament! Ach,
Blondchen, Blondchen, was werden sie wohl mit dir anfangen?
BLONDE Das gilt mir nun ganz gleich. Da es einmal gestorben sein muß,
ist mir alles recht.
PEDRILLO Welche Standhaftigkeit! Ich bin doch von gutem altchristlichen
Geschlecht aus Spanien, aber so gleichgültig kann ich beim Tode
nicht sein! Weiß der Teufel... Gott sei bei mir, wie kann mir auch
jetzt der Teufel auf die Zunge kommen?
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
Neunter Auftritt
Die Vorigen, bassa Selim, Osmin (voll Freuden) und Gefolge.
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Dritter Aufzug
SELIM Beruhige dich. Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen
kann, den muß man sich vom Halse schaffen.
[Nr. 21 Vaudeville]
BELMONTE Nie werd' ich deine Huld verkennen
Mein Dank bleibt ewig dir geweiht;
An jedem Ort, zu jeder Zeit
Werd' ich dich groß und edel nennen.
ALLE Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh' man mit Verachtung an.
KONSTANZE Nie werd' ich im Genuß der Liebe
Vergessen, was der Dank gebeut;
Mein Herz, der Liebe nun geweiht
Hegt auch dem Dank geweihte Triebe.
ALLE Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh' man mit Verachtung an.
PEDRILLO Wenn ich es je vergessen könnte,
Wie nah' ich am Erdrosseln war,
Und all der anderen Gefahr;
Ich lief, als ob der Kopf mir brennte.
ALLE Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh' man mit Verachtung an.
BLONDE Herr Bassa, ich sag' recht mit Freuden
Viel Dank für Kost und Lagerstroh.
Doch bin ich recht von Herzen froh
Daß er mich läßt von hinnen scheiden.
(auf Osmin zeigend)
Denn seh er nur das Tier dort an,
Ob man so was ertragen kann.
OSMIN
Verbrennen sollte man die Hunde
Die uns so schändlich hintergehn;
Es ist nicht länger auszustehn.
Mir starrt die Zunge fast im Munde
Um ihren Lohn zu ordnen an:
Erst geköpft,
dann gehangen,
dann gespießt
auf heiße Stangen;
dann vebrannt,
dann gebunden,
und getaucht;
zuletzt geschunden.
(läuft voll Wut ab)
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Dritter Aufzug Die Entführung aus dem Serail
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BretznerStephanie / W. A. Mozart, 1782 Index
INDEX
Personen..................................................3 [Nr. 11 Arie]..................................21
Erster Aufzug..........................................4 Vierter Auftritt.................................21
Erster Auftritt.....................................4 Fünfter Auftritt.................................22
[Nr. 1 Arie]......................................4 Sechster Auftritt...............................22
Zweiter Auftritt..................................4 [Nr. 12 Arie]..................................23
[Nr. 2 Lied und Duett].....................4 Siebenter Auftritt..............................23
Dritter Auftritt....................................7 [Nr. 13 Arie]..................................24
[Nr. 3 Arie]......................................7 Achter Auftritt..................................24
Vierter Auftritt...................................8 [Nr. 14 Duett].................................25
Fünfter Auftritt.................................10 Neunter Auftritt................................26
[Nr. 4 Arie]....................................10 [Nr. 15 Arie]..................................27
Sechster Auftritt...............................10 [Nr. 16 – Quartett]............................28
[Nr. 5 Chor der Janitscharen].........10 Dritter Aufzug.......................................31
Siebenter Auftritt..............................11 Erster Auftritt...................................31
[Nr. 6 Arie]....................................12 Zweiter Auftritt................................31
Achter Auftritt..................................13 Dritter Auftritt..................................32
Neunter Auftritt................................13 [Nr. 17 Arie]..................................32
Zehnter Auftritt................................14 Vierter Auftritt.................................32
[Nr. 7 Terzett]................................15 [Nr. 18 Romanze]..........................33
Zweiter Aufzug.....................................16 Fünfter Auftritt.................................34
Erster Auftritt...................................16 [Nr. 19 Arie]..................................36
[Nr. 8 Arie]....................................16 Sechster Auftritt...............................37
[Nr. 9 Duett]...................................18 Siebenter Auftritt..............................38
Zweiter Auftritt................................19 [Nr. 20 Rezitativ und Duett]..........38
[Nr. 10 Rezitativ und Arie]............19 Achter Auftritt..................................39
Dritter Auftritt..................................20 Neunter Auftritt................................40
[Nr. 21 Vaudeville]........................41
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Stücke vielsagend Die Entführung aus dem Serail
STÜCKE VIELSAGEND
Hier soll ich dich denn sehen (Belmonte) .................................................................... 4
Ich baue ganz auf deine Stärke (Belmonte) ................................................................ 32
In Mohrenland gefangen war (Pedrillo) ..................................................................... 33
Martern aller Arten (Konstanze) ................................................................................ 21
Meinetwegen sollst du sterben! (Belmonte und Konstanze) ...................................... 38
Nie werd' ich deine Huld verkennen (Alle) ................................................................ 41
O wie ängstlich, o wie feurig (Belmonte) .................................................................. 10
Solche hergelaufne Laffen (Osmin) ............................................................................. 7
Traurigkeit ward mir zum Lose (Konstanze) ............................................................. 19
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