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Thema 2: Geschlecht Und Gesellschaft: Aufgabe 1

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12. Jänner 2023 / Deutsch S.

9/20

Thema 2: Geschlecht und Gesellschaft


Aufgabe 1

Rollenbilder und Arbeitsteilung

Verfassen Sie eine Meinungsrede.

Situation: Sie halten im Jugendparlament vor jungen Erwachsenen sowie anwesenden


Politikerinnen und Politikern eine Rede über Rollenbilder und Arbeitsteilung, für die Sie
auch einen passenden Titel formulieren.

Lesen Sie den Bericht Alles wie gehabt? von Sabine Menkens aus der Sonntagszeitung Welt am
Sonntag vom 20. Oktober 2019 (Textbeilage 1).

Verfassen Sie nun die Meinungsrede und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:

■ Geben Sie zentrale Erkenntnisse der im Bericht genannten Studien kurz wieder.
■ Setzen Sie diese Erkenntnisse in Beziehung zu Sichtweisen junger Menschen in Ihrem Um-
feld.
■ Machen Sie Vorschläge für eine aus Ihrer Sicht gerechte Arbeitsteilung.
■ Appellieren Sie im Sinne Ihrer Argumentation an Ihr Publikum. Berücksichtigen Sie dabei
auch die anwesenden Politiker/innen.

Schreiben Sie zwischen 540 und 660 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen.

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12. Jänner 2023 / Deutsch S. 10/20

Aufgabe 1 / Textbeilage 1

Alles wie gehabt?


Von Sabine Menkens ihrem Partner die Arbeitszeit auf- (SPD) bei der Vorstellung der
teilen würden, wenn sie 30 wären Studie. Schließlich versuche sie
Die Shell-Jugendstudie ist so und ein zweijähriges Kind zu mit ihrer Politik, Vereinbarkeit
etwas wie ein Seismograf für die betreuen hätten. Erwartet hatten und Rahmenbedingungen für
Befindlichkeit der nachwachsen- die Wissenschaftler eine Mehr- eine partnerschaftliche Erzie-
den Generation. Seit 1953 erkun- heit für gleichberechtigte Arbeits- hungswahrnehmung zu schaffen.
det sie alle vier Jahre die Lebens- zeitmodelle.
welt der Zwölf- bis 25-Jährigen in „Als Familienministerin sage ich:
Deutschland. Sie fragt nach Mei- Stattdessen aber sprachen sich Jeder soll mit der Familie nach
nungen und Werten, Hoffnungen 54 Prozent der Jugendlichen seiner Fasson leben können“, so
und Träumen, politischem Enga- für ein „männliches Versorger- Giffey. „Aber als Frauenministe-
gement und der Einstellung zum modell“ aus, in dem also der Vater rin sage ich: Wir müssen dafür
Leben. In dieser Woche haben die mit 30 bis 40 Stunden Arbeits- sorgen, dass es eine gute Erwerbs-
Wissenschaftler um den Bielefel- zeit pro Woche den Löwenanteil quote von Frauen gibt, dass sie
der Sozialforscher Mathias Albert zum Haushaltseinkommen bei- Vorsorge treffen können, um Ren-
die 18. Ausgabe des Jugendreports trägt und die Mutter nur in maxi- tenansprüche zu erwerben und
vorgelegt. mal 20 Wochenstunden etwas Altersarmut entgegenzuwirken.“
dazuverdient. [...] Ein Mantra, das auch Giffeys
Unter dem Titel „Eine Generation Vorgängerinnen aufgesagt haben.
mischt sich ein“ zeichnen sie das Dem Ideal des „männlichen Wenn Frauen sich weiter auf ihre
Bild einer Jugend, die leistungsbe- Alleinversorgers“, bei dem die Männer verlassen, so die Bot-
reit und flexibel ist, selbstbewusst Frau ganz zu Hause bleibt, hän- schaft, dann wird das nie was mit
und politisch engagiert; getragen gen zwar nur zehn Prozent der der Abschaffung der Lohnlücke
von einem Gefühl der Achtsam- jungen Leute an. Für 44 Prozent zwischen Männern und Frauen.
keit gegenüber der Umwelt, der aber ist mit einem kleinen Kind
Gesellschaft und der Zukunft. im Haus die auch bei der heu- Auch Studienleiter Albert will
Und nicht zuletzt gegenüber sich tigen Elterngeneration beliebte nicht verhehlen, dass er davon
selbst: Arbeit und Leistung ja, Vollzeit/Teilzeit-Kombination ausgegangen ist, dass Gleichbe-
aber es soll eben auch Zeit für ideal. Gleichberechtigte Modelle, rechtigung und Partnerschaftlich-
die anderen wichtigen Dinge des in denen beide Vollzeit oder beide keit mit Blick auf die Arbeits-
Lebens sein – für Freizeit, Freunde gleichermaßen reduziert arbei- verteilung in der Familie schon
und vor allem Familie. ten, werden nur von einem guten weiter ausgeprägt seien, wie er im
Drittel favorisiert. Gespräch mit dieser Zeitung sagt.
Und just dort warten die Forscher „Ich würde aber nicht von einer
mit einer Überraschung auf: Wenn „Es ist schon sehr überraschend Re-Traditionalisierung sprechen
es ums Kinderkriegen geht, ticken für uns und auch eine erstaunliche wie die Familienministerin. Es ist
die Jugendlichen erstaunlich kon- Entwicklung, dass so viele junge vielmehr ein Hinweis darauf, dass
servativ. Erstmals hatte das an der Leute sich auf den Weg einer traditionelle Familienformen defi-
Studie beteiligte Umfrageinsti- Re-Traditionalisierung machen“, nitiv noch nicht am Aussterben
tut Kantar den Jugendlichen die sagte eine konsternierte Fami- sind. Sie mögen politisch nicht
Frage gestellt, wie sie sich mit lienministerin Franziska Giffey immer erwünscht sein, man darf

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ihnen aber nicht die gesellschaftli- Vorstellungen ihrer Kinder“, heißt Hinsicht. Möglicherweise asso-
che Legitimität absprechen.“ es dort. ziieren sie auch die traditio-
nelle Arbeitsteilung mit Sicher-
Der Politikwissenschaftler will es Jugendliche, deren Eltern die heit. Vielleicht können sie es sich
lieber positiv formulieren: „Es gibt Erwerbsarbeit egalitär aufteilten, auch nicht vorstellen, ein kleines
heutzutage eine viel größere Viel- befürworten ein höheres Erwerbs- Kind schon in einem so hohen
falt der Lebensgestaltung.“ Viele arbeitszeitvolumen für Mütter als Maße outzusourcen“, vermutet
Jugendliche orientierten sich sehr jene, die in einem „männlichen Studienleiter Albert. Zudem
an dem, was ihnen die Eltern vor- Alleinverdienermodell“ groß wur- hätten die Jugendlichen einen
leben, so Albert. „Insofern spie- den. Im Schnitt hätten die 15 bis großen Wunsch nach Freizeit.
geln die Aussagen auch die gesell- 28 Jahre alten Befragten sich für Steckt also hinter der Ablehnung
schaftliche Realität wider.“ ein Modell ausgesprochen, in des Zwei-Vollzeitjobs-plus-Kind-
dem die Mutter 20 und der Vater Modells womöglich einfach nur
[...] In dem Projekt „Entwicklung 30 Stunden in der Woche arbeitet, der Wunsch, nicht im Hamster-
von Familienbildern“ untersuchen wenn ein Kleinkind zu betreuen rad zu landen? „Ich will nicht aus-
die Forscher [des Deutschen ist, sagt Janine Bernhardt, die das schließen, dass dabei auch eigene
Jugendinstituts in München], Projekt wissenschaftlich betreut. Erfahrungen eine Rolle spielen“,
welchen Einfluss Rolleneinstel- „Dies spricht aus meiner Sicht sagt Albert. „Wenn sie erleben,
lungen und Arbeitsteilungsmuster für ein modernisiertes männliches dass ihre eigenen Eltern vor
der Eltern auf die Vorstellungen Hauptverdienermodell mit einem lauter Arbeit zu wenig Zeit für
ihrer Kinder über Partnerschaft, deutlich geringeren Stundenum- ihre Kinder hatten, könnte das
Elternschaft und Arbeitsteilung fang für Väter.“ [...] durchaus ein Motiv dafür sein, es
haben. „Erste Ergebnisse zei- anders zu machen.“ n
gen einen robusten Zusammen- „Wir beobachten bei den jungen
hang zwischen dem elterlichen Leuten ein großes Streben nach
Er werbsarrangement und den Sicherheit, vor allem in beruflicher

Quelle: Welt am Sonntag, 20. Oktober 2019, S. 17.

INFOBOX

Die 18. Shell-Jugendstudie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stich-
probe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren. Die Erhebung fand auf
Grundlage eines standardisierten Fragebogens im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte
März 2019 statt. Im Rahmen der qualitativen Studie wurden rund zweistündige Interviews
mit 20 Jugendlichen dieser Altersgruppe durchgeführt.
Quelle: [Link] [27.09.2020].

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