Sa 10
Sa 10
Defense Threat
Informations Group
Fachdokumentation
Autor : Adrian Ochsenbein
SA-10 GRUMBLE
Version 1.3
Oktober 2006
DTIG - Defense Threat Information Group 2 von 17
SA-10 GRUMBLE
DoD / NATO-Code: SA-10A GRUMBLE SA-10B GRUMBLE SA-10C GRUMBLE
System: S-300PT S-300PS / S-300PMU S-300PM
Lenkwaffe: 5V55K 5V55R 5V55RUD
Länge: 7.11 m 7.11 m 7.25 m
Durchmesser: 448 mm 448 mm 448 mm
Spannweite: 1’036 mm 1’124 mm 1’124 mm
Antrieb: 1 Stufe Feststoff 1 Stufe Feststoff 1 Stufe Feststoff
Gewicht: 1’452 kg 1’590 kg 1’625 kg
Sprengkopf: 133 kg FRAG-HE 133 kg FRAG-HE 133 kg FRAG-HE
Funk Näherungs- und Funk Näherungs- und Funk Näherungs- und
Zündung:
Aufschlag Zünder Aufschlag Zünder Aufschlag Zünder
Geschwindigkeit: 1’336 m/s 1’336 m/s 2’000 m/s
Reichweite: 7-47 km 5-75 km 5-92 km
Einsatzhöhe: 25-20’000 m 25-25’000 m 10-27’000 m
Lenkung: INS + RC INS + SARH + TVM INS + SARH + TVM
Beschreibung:
Die SA-10 GUMBLE ist ein mobiles, allwetterfähiges Langstrecken Boden- Luft Lenkwaffensystem,
zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen. Mit den
Ausführungen S-300PS und S-300PM können ballistische Kurzstreckenraketen abgefangen werden.
Entwicklung:
Im Dezember 1966 begann man in der damaligen Sowjetunion mit den ersten Studien zur
Entwicklung eines Nachfolgesystems für das im Einsatz stehende SA-1 GUILD (S-25)
Flugabwehrsystem. Das neue System entstand als Antwort auf die Entwicklung weit reichender,
Niedrigfliegender und massiert einsetzbarer luft- und seegestützter Marschflugkörper in den USA.
Ebenso sollten überschallschnelle, Tieffliegende Bomber und Kampfflugzeuge bekämpft werden
können. Auch sollte das neue System in einem Umfeld von starken elektronischen Störmassnamen
(ECM) uneingeschränkt einsatzfähig sein. Es wurde ein System mit einem hohen
Automatisierungsgrad gefordert, welches gleichzeitig sechs Ziele auf eine Distanz von 140 km
bekämpfen konnte. Das neue System sollte anfangs der 80er Jahre die veralteten SA-1 GUILD
Systeme, und später die Systeme SA-2 GUIDELINE und SA-3 GOA ersetzen. Von Anfang an wurde
die Entwicklung von zwei unterschiedlichen Ausführungen gefordert:
Eine halbmobile Version auf einem Anhängersystem untergebracht
Ein mobiles System auf LKW’s installiert
Das neue Flugabwehrsystem sollte zum Schutz folgender Objekte eingesetzt werden: Sitze der
Regierung, Industriezentren, Kommandoposten der Armeeführung, grosse Militärbasen und
Versorgungseinrichtungen, Hafenanlagen, strategische und taktische Flugfelder sowie Lager von
Nuklearwaffen. Mit dem neuen System sollte die Bekämpfung folgender Flugziele möglich sein:
hochfliegende Bomber wie die B-52 STRATOFORTRESS
Tieffliegende Bomber wie die B-1B LANCER
Tieffliegende überschallschnelle Jagdbomber wie die FB-111
Tieffliegende Marschflugkörper wie die AGM-86 ALCM und B/UGM-109 TOMAHAWK
überschallschnelle Abstandswaffen wie die AGM-69 SRAM
Ebenso sollte mit der Einführung von diesem neuen System, das ganze Radarnetzwerk der
nationalen Flugabwehr (PVO) erneuert werden. Zusätzlich sollte eine seegestützte Version auf den
neuen Kreuzern der KIROV und SLAVA Klasse zum Einsatz kommen.
Der Entwicklungsauftrag wurde dem Konstruktionsbüro Almaz NPO in Moskau zugesprochen. Die
Entwicklung der Lenkwaffen erfolgte bei der Firma MKB Fakel (ehemaliges Grushin
Konstruktionsbüro), welche ebenfalls Sitz in Moskau hat. Als Projektleiter wurde Boris V. Bukin, der
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Chefdesigner der Firma Almaz NPO ausgewählt. Das neue System bekam die Bezeichnung S-300PT
(halbmobile Version) und S-300PS (mobile Version). Von NATO bekamen diese Systeme später die
Bezeichnung SA-10 GRUMBLE.
Die Entwicklung der S-300PT begann im Anfangs 1967. Bei der Entwicklung des äusserst komplexen
Systems kam es immer wieder zu Entwicklungsschwierigkeiten und Verzögerungen. Die
Neuentwicklung der Radarantennen mit der phasengesteuerten, elektronischen Strahlenschwenkung
(Phased Array) bereitete grosse Probleme. Auch gab es Probleme bei der Entwicklung des 5E26
Feuerleitrechners und der dazugehörigen Software. Aus Mangel an geeigneten Softwareentwicklern
setzte man Studenten des MFTI Institutes in Moskau zur Softwareentwicklung ein.
Auch gab grosse Schwierigkeiten bei der Einwicklung der mobilen Version S-300PS, so dass man
schliesslich von der Weiterentwicklung dieser Version vorerst absah. Erst nach der Fertigstellung der
ersten S-300PT Systeme wurden die Arbeiten an der mobilen Ausführung wieder aufgenommen.
Ebenso hatten die Entwickler der 5V55 Lenkwaffe mühe die Leistungsvorgaben zu erfüllen. Die
geforderte Reichweite von 140 km konnte mit den damaligen Mitteln, von einer einstufigen Lenkwaffe
(ohne Booster) nicht erreicht werden. Auch gab es Probleme mit der halbaktiven Lenkwaffen-
Radarlenkung sowie dem dazugehörigen TVM-System. Bei Tests wurde festgestellt, dass der
halbaktive Radarsuchkopf und das TVM-System in Flughöhen unter 500 m nicht funktionierte. Man
entschied dich, die Lenkwaffen vorerst mit einer Funkkommando-Lenkung auszurüsten. Dieser
Lenkwaffentyp bekam die Bezeichnung 5V55K (V-500K). Der erste Testschuss mit einer 5V55.2T
Prototyp-Lenkwaffe erfolgte am 4. März 1970 auf dem Testgelände Sary-Shagan. Der erste Test einer
5V55R (V-500R) Lenkwaffe mit halbaktiver Radarlenkung erfolgte erst im Dezember 1972. Diese
Lenkwaffe sollte erst viel später, mit der Einführung der mobilen S-300PS die Einsatzreife erlangen.
Die Entwicklung der 5V55K Lenkwaffen war anfangs März 1979 abgeschlossen.
Die ersten Tests mit einem kompletten S-300PT System erfolgten in den Jahren 1973 bis 1975. Nach
dieser ersten Testserie begann man bereits mit der Serienproduktion der ersten Systeme. Die
abschliessenden werkinternen Systemtests dauerten von ende 1975 bis im November 1977. Während
dieser Zeit wurden über 1’200 simulierte Bekämpfungsabläufe durchgeführt, darunter 200 von extrem
Tieffliegenden Zielen. Ebenso wurden verschiedene male Gruppen von 8-10 Drohnen bekämpft.
Abschliessend erfolgte ein Test, bei dem ein komplettes S-300PT Bataillon einen Massenangriff von
30 Drohnen mit scharfen 5V55K Lenkwaffen bekämpfte. Von allen Tests wurden 70 im Umfeld von
starken elektronischen Störmassnamen durchgeführt.
Obwohl das S-300PT System die geforderten Leistungen (Reichweite und Lenksystem) nicht erfüllte,
begannen im Dezember 1977 die Abnahmetests durch die Staatsbehörden. Solche Abnahmetests
dauerten normalerweise vier bis sechs Monate. Beim S-300PT System dauerten diese über ein Jahr.
Im Oktober 1978 wurde ein abschliessender Test mit scharfen 5V55K Lenkwaffen durchgeführt. Bei
diesem Test wurde eine Gruppe von 68 Drohnen gegen zwei S-300PT Bataillone eingesetzt. Von den
eingesetzten Drohnen wurden 60 zerstört oder zum Absturz gebracht. Am 23. April 1979 wurde das
S-300PT formell in die Bewaffnung der russischen Luftverteidigungstruppen (PVO) aufgenommen und
die ersten Systeme wurden an die Truppen ausgeliefert. Darauf folgten die Truppenversuche sowie
eine weitere Testserie durch die Truppe. Das erste S-300PT Bataillon war am 23. Februar 1981
einsatzbereit. Die ersten Systeme wurden im Raum von Severodvinsk stationiert. Erst ab dem Jahr
1983 wurden die ersten S-300PT Systeme, als Ersatz für die in die Jahre gekommenen SA-1 GUILD
Systeme im Grossraum von Moskau stationiert. Dutzende ehemalige SA-1 Stellungen wurden
umgebaut und mit S-300PT Batterien bestückt.
Bei der SA-10 GRUMBLE wurde von Seiten der sowjetischen Entwickler erstmals dem Westen
ebenwürdige Technologien (Elektronik) verwendet. Die Einführung dieser modernen Technologie
bedeutete einen grossen Schritt nach vorne. Alle bislang in der Sowjetunion eingesetzten
Radarsysteme wurden mechanisch gesteuert und basierten noch auf Röhrentechnologie. Die
Verwendung von Radarantennen mit phasengesteuerter, elektronischer Strahlenschwenkung
(Phased Array) lösste bei den westlichen Rüstungsexperten einiges Erstaunen aus. Insbesondere
waren die westlichen Rüstungsexperten über das FLAP LID Feuerleitradar erstaunt. Dieses war eine
fast exakte Kopie des U.S. amerikanischen MPQ-53 Feuerleitradars der MIM-104 PATRIOT.
Gerüchten zufolge sollen die Unterlagen über die Radartechnologie durch einen polnischen
Spionagering bei der Firma Raytheon beschafft worden sein. Auch soll sich der Spionagering später
die Unterlagen über das TVM- Lenksystem der PATRIOT-Lenkwaffen bei der Firma Lockheed Martin
besorgt haben. Diese Behauptungen wurden von Seiten der damaligen sowjetischen Regierung
dementiert. Ihrer Aussage zufolge wurde einzig die Idee der Lenkwaffensteuerung kopiert.
Das SA-10 System wurde nach der Einführung in der Sowjetunion und in den Staaten des
Warschauer Paktes laufend modernisiert und der aktuellen Bedrohungslage angepasst. In den 80er
Jahren entstanden folgende Versionen der SA-10 GRUMBLE:
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auf dem 40V6M1 Mast aufgestellt, so dauerte das Erstellen der Betriebsbereitschaft rund zwei
Stunden.
Direkt an den TIN SHIELD-A Radarkomplex war der 54K6 C2 Bataillons-Kommandoposten
Angeschlossen. In diesem Kommandoposten wurde der Einsatz der verschiedenen S-300PT
Batterien koordiniert. Eine normale S-300PT Batterie bestand aus drei bis vier 5P85 Werfer-Anhänger
und einem 36D6 Radarkomplex.
Auf Stufe Regiment kam das 5S99 Senej C2 System zum Einsatz. Das System wurde von OKB
Peleng Entwickelt. Die Produktion erfolgte bei NPO Vektor. Das 5S99 Senje System wurde zur
Koordination der verschiedenen S-300PT Batterien eingesetzt. Zur Koordination der verschiedenen S-
300PT Regimenter kam auf Stufe Brigade das 73N6 Baikal C3I System zum Einsatz. Das System war
auf einem MAZ-543M (8x8) LKW untergebracht. Es bestand aus dem 49L6 Kommandoposten, der
52L6 Datenschnittstelle (für die SA-5 GAMMON Batterien) sowie der 53L6 Datenschnittstelle (für die
SA-10 Batterien). Das Baikal System konnten den Einsatz von bis zu 12 SA-5 und SA-10 Einheiten
koordinieren. Gleichzeitig konnte das System bis zu 80 Flugziele identifizieren und verfolgen. Das
System wurde von NTT Proton (früher NII Pribornoy Avtomatiki) in Moskau Entwickelt. Die Produktion
erfolgte bei MZ Proton in Perm.
Diese erste Ausführung der S-300PT verwendete die 5V55K (V-500K) Lenkwaffen. Diese Lenkwaffen
wurden mittels der reflektierenden Beleuchtungsenergie des Feuerleitradars, sowie einer
Funkkommando-Lenkung zum Ziel gesteuert. Das S-300PT erreichte eine Reaktionszeit ab dem
erfassen des Zieles bis zum Lenkwaffenstart, von 12 bis maximal 28 Sekunden.
Die wohl wichtigste Neuerung ist die Integration des Tieffliegererfassungs-Radarkomplex CLAM
SHELL (76N6). Dieses Radar wird auf Stufe Regiment bzw. Brigade als Ergänzung zum TIN SHIELD
Radarkomplex eingesetzt. Dieser Radarkomplex wird von der Firma LEMZ (Lianozovo) in Moskau
hergestellt. Der Radarkomplex ist auf das Erfassen von kleinen, extrem tieffliegenden Zielen im
Umfeld von starken Boden-Radarechos ausgelegt. Das CLAM SHELL Radar ist ein sogenanntes
frequenzmodulierendes Dauerstrichradar (Frequency-Modulated Continuous Wave = FMCW). Solche
Radargeräte sind nur schwer durch elektronische Aufklärungsmittel zu entdecken. Das System
erzeugt einen stark gebündelten, selektierbaren Radarstrahl von 1-6° in der Elevation. Die
Nebenradarkeule wird mit einem speziellen System unterdrückt und wird extrem klein gehalten.
Dadurch ist auch eine Bekämpfung mit Anti-Radar Lenkwaffen (ARM) extrem schwierig. Nach
Aussagen der Herstellerfirma ist eine Bekämpfung des Radarkomplexes mit den ARM- Lenkwaffen
AGM-88 HARM und ALARM nicht möglich. Ebenso ist der Radarkomplex hochresistent gegen
Radarstörer (ECM). Wie alle FMCW-Radargeräte verfügt auch das CLAM SHELL Radar über eine
gute Leistung beim unterdrücken von Bodenclutter und Chaffs. Das 76N6 Radargerät ist auf einem
Anhänger untergebracht und wird in zwei Versionen hergestellt. Bei der ersten Ausführung ist die
Sendeantenne auf einem 23.80 m hohen 40V6M Masten untergebracht. Das Erstellen der
Betriebsbereitschaft dauert eine Stunde. Bei der zweiten Ausführung ist die Sendeantenne auf einem
38.80 m hohen 40V6M2 Masten untergebracht. Das Erstellen der Feuerbereitschaft dauert bei dieser
Version rund zwei Stunden. Der Radarkomplex besteht aus der FA-51MU Radarantenne, dem
F52MU Container sowie die 40V6M oder 40V6M2 Masten. Die Radarantenne besteht aus einer
Sendeeinheit sowie zwei 2.8 m2 messende Empfangseinheiten. Das gesamte System ist auf 5T58
Anhängern untergebracht. Die Anhänger werden durch MAZ-537 LKWs gezogen. Das System kann
ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-21 FISHBED, welches in einer Höhe von 457m (1’500 ft) fliegt, auf
eine Distanz von 93 km erfassen. Eine MiG-21 in einer Flughöhe von 914 m (3’000 ft) kann auf eine
Distanz von 120 km erfasst werden. Bei der Zielverfolgung eines Flugzieles welches eine
Geschwindigkeit von 720 m/s hat, und eine Radarrückstrahlfläche von 0.02 m2 besitzt, wird folgende
Radarauflösung erreicht: Die Abweichung liegt bei 0.3° im Azimut und bei maximal 1.85 km in der
Distanz. Die Genauigkeit bei der Geschwindigkeitsmessung liegt bei 2.1-2.4 m/s. Die
Rotationsgeschwindigkeit der Sendeantenne beträgt eine Umdrehung alle 6 Sekunden. Gleichzeitig
können 180 Ziele verfolgt werden. Der CLAM SHELL Radarkomplex wird auf dem Exportmarkt unter
der Bezeichnung 76N6S angeboten.
Alle S-300PS Systeme der zweiten Serie sind mit der 53L6 Datenschnittstelle ausgerüstet. Diese
Schnittstelle ermöglicht den Datentransfer mit dem Langstrecken 3D Zielerfassungsradar BIG BIRD
(5D6E / 64N6E). Dieses Zielerfassungsradar wurde später mit der S-300PM eingeführt und kommt auf
Stufe Brigade zusammen mit dem C3 System 83M6E zum Einsatz (siehe S-300PM). Ebenso sind die
S-300PS System der zweiten Serie mit einem neuen Softwarepaket ausgerüstet, welches die
Bekämpfung von ballistische Kurzstreckenraketen ermöglicht. Es können so ballistische
Kurzstreckenraketen mit einer Maximalreichweite von 300 km bekämpft werden. Diese können bis zu
einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 1’200 m/s auf eine Distanz von 30 km abgefangen werden.
Ebenso können mit einer modifizierten Feuerleitsoftware die Lenkwaffen mittels einer optimierten
Flugbahn auf Distanzen von bis zu 92 km verschossen werden. Mit der Standardsoftware liegt die
maximale Schussdistanz der 5V55R (V-500R) Lenkwaffen bei 75 km. Neben der Standardlenkwaffe
können auch die 5V55V (V-500V) Lenkwaffen, welche mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt sind,
zum Einsatz gebracht werden.
Serie, der S-300PM-1 eingeführt (siehe SA-20 GARGOYLE). Die Testserie des kompletten Systems
durch den Hersteller dauerte von 1984 bis 1987. Die abschliessenden Abnahmetests durch die
Staatsbehörden waren 1988 abgeschlossen. Die ersten Ausführungen der S-300PM wurden ab
Herbst 1989 bei den russischen Streitkräften eingeführt.
Die vier Raketenbehälter sind bei dieser Version auf dem neuen 5P85T Anhänger untergebracht. Der
Anhänger wird auf vier Spreizbeine gestellt und die Raketenbehälter werden über die Hinterachse in
einer Elevation von 90° aufgestellt. Dieser Anhänger verfügte über ein eigenes Stromaggregat und ist
nicht mehr auf die Stromversorgung durch das Zugfahrzeug angewiesen Auch muss der Anhänger für
den Raketenstart nicht mehr vom Zugfahrzeug abgekoppelt werden. Somit konnte die Zeit zum
erstellen der Feuerbereitschaft auf die Hälfte des Vorgängermodells S-300PT reduziert werden.
Alternativ können auch die 5P85D und 5P85S Startfahrzeuge des S-300PS Systems verwendet
werden. Der 5P85T Anhänger kann auch bei den späteren S-300PT Versionen verwendet werden.
Als Zugfahrzeug wird ein KrAZ-260 (6x6) verwendet. Die Versorgung mit Lenkwaffen erfolgt wie bei
der Ausführung S-300P mit den 5T99 und 5T99M Fahrzeugen. Das schnellstmögliche Startintervall
eines 5P85T Anhängers beträgt einen Lenkwaffenstart alle drei bis fünf Sekunden.
Auf Stufe Batterie kommt das modifizierte FLAP LID-B (30N6-1) Feuerleitradar zum Einsatz. Die alten
Rechnerkomponenten wurden durch den Neuentwickelten 40U6 Zentralrechner ersetzt. Ebenso
kommt eine moderne Software zum Einsatz. Das modifizierte 30N6-1 Radar besitzt eine schmalere,
abgerundete Sendeantenne. Diese Antenne ist auch erkennbar an dem neuen hydraulischen
Servomechanismus unterhalb der Radarantenne. Durch die Modifikationen am FLAP LID
Radarkomplex können Lenkwaffen mit einem neuen Lenkverfahren sowie neuen Suchalgorithmen
eingesetzt werden. Das 30N6-1 Feuerleitradar besitzt folgende drei Suchmodi:
Tiefflieger-Erfassung: 1° in der Elevation x 90° im Azimut. Reichweite 80-130 km
Langstreckenzielsuche: 5° in der Elevation x 64° im Azimut, Reichweite bis zu 300 km
Sektorenüberwachung: 14° in der Elevation x 64° im Azimut, Reichweite 160-240 km.
Wird durch das Suchradar ein Flugziel erfasst, so wechselt das Feuerleitgerät automatisch in den
Verfolgungsmodus mit 4° in der Elevation x 4° im Azimut und ermittelt die Zieldaten für den
Lenkwaffeneinsatz. Nebst der Zielverfolgung, wird alle 16 Sekunden ein kompletter Sektoren-Scan
durchgeführt (Track-while-scan). Die Feuerleitrechner können gleichzeitig zwölf Lenkwaffen gegen
sechs Ziele lenken. Gegnerischen Störschutzmassnahmen kann mit unterschiedlichen
Impulsleistungen, Impulsdauer und Modulationsform, längere oder kürzere Empfangszeiten, begegnet
werden.
Für die Tieffliegererfassung wird eine verbesserte Version des CLAM SHELL (76N6M / 5N66M)
Radars eingesetzt. Über dieses Radar ist nur sehr wenig bekannt. Es hat eine erhöhte
Rotationsgeschwindigkeit von 20 Umdrehungen pro Minute. Die maximale Erfassungsreichweite soll
bei 300 km liegen.
Parallel mit der Entwicklung der S-300PM entstand auch ein neues 3D Langstrecken-
Überwachungsradar. Die ersten Ausführungen dieses Überwachungsradars trugen die Bezeichnung
5N64 und 5N64S. Das 5N64 Radar hatte ein Reichweite von über 460 km und konnte gleichzeitig 100
Flugziele verfolgen. Die Tests mit dem modifizierten 5N64S Radar begannen im Jahre 1985. Das
5N64S Radar hatte gegenüber dem 5N64 Radar eine reduzierte eine Reichweite von 260 km, konnte
aber gleichzeitig 200 Ziele verfolgen. Ebenso war es wesentlich resistenter gegenüber elektronischen
Störmassnamen. Nach weiteren Tests und Modifikationen wurde das 5N64S Radar schliesslich in
64N6 umbenannt. Von der NATO bekam dieses Radargerät je nach Version die Bezeichnung BIG
BIRD-A / -B. Die Exportversion 5D6E bekam die Bezeichnung BIG BIRD-C. Die finale Version 64N6
wird BIG BIRD-D bezeichnet. Das Radarsystem wird von der Firma NIIIP in Novosibirsk hergestellt.
Das BIG BIRD-D 3D Überwachungsradar besteht aus einer hydraulisch betätigten, doppelseitigen
Radarantenne mit phasengesteuerter elektronischer Strahlenschwenkung. Die Radarstrahlen werden
mit einem Radarhorn (sog. Janus-Horn), welches sich vor der Antennenfläche befindet, auf die
phasengesteuerten Elemente gestrahlt. Die Antennenfläche ist mit rund 2’700 Phasenmodulen je
Seite ausgerüstet. Das Gerät verwendet nach dem Zufallsprinzip eine von 3’500 gespeicherten
Frequenzen und wechselt diese alle paar Sekunden. Es wird ein äusserste enger und stark
gebündelter Radarstrahl erzeugt. Um die Ortung und Bekämpfung zu erschweren wird ein spezielles
System zur Unterdrückung der Nebenradarkeule eingesetzt. Der Radarkomplex ist äusserst Resistent
gegenüber elektronischen Störmassnamen. Im Nahbereich (unter 64 km) können Störquellen mittels
Impulsverdichtung, Nebenkeulenunterdrückung sowie mittels Frequenzabgleichung begegnet werden.
Auf grössere Distanzen werden Störquellen mittels speziellen Algorithmen zum entdecken von
falschen Signalen, sowie mittels Impulsverdichtung begegnet.
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Die Rotationsgeschwindigkeit beträgt eine Umdrehung alle 12 Sekunden. Das Radar kann Flugzeuge,
Hubschrauber, Marschflugkörper, Lenkwaffen, Drohnen und ballistische Raketen auf eine
Maximaldistanz von über 260 km erfassen. Es können gleichzeitig 300 Luftziele in einem
Geschwindigkeitsbereich von 30-2’788 m/s erfasst und katalogisiert werden. Davon können 36 für die
Bekämpfung an die 30N6-1 Feuerleitradars der Batterien weitergeleitet werden.
Das ganze System ist sehr gross und schwer gestaltet. Die Sendeantenne ist rund 30% grösser als
die Sendeantenne des SPY-1 Systems auf den U.S. amerikanischen Kreuzern der TICONDEROGA
Klasse. Die Sendeleistung des BIG BIRD-D Radars wurde nie bekannt gegeben, wird aber enorm
sein. Auch bei diesem Radarsystem verwendeten die russischen Entwickler erstmals dem Westen
ebenwürdige Technologien (Elektronik). Es verfügt jedoch noch nicht über die neusten, hoch
entwickelten Komponenten, welche die USA für ihre Radargeräte verwenden. Das BIG BIRD-D Radar
besitzt im wesentlichen die folgenden Suchmodi:
Für die Erfassung von Flugzielen: 13.4° in der Elevation x 360° im Azimut oder 0-28° in der
Elevation x 180° im Azimut
Für die Erfassung von ballistischen Raketen: 55° in der Elevation x 60° im Azimut oder 20-75°
in der Elevation x 60° im Azimut
Sektorenüberwachung: 55° in der Elevation x 75° im Azimut
Radarkomponenten wird folgende Präzision erreicht: Die maximale Abweichung bei der
Zielverfolgung liegt bei 5.0 Minuten im Azimut und bei 3.5 Minuten in der Elevation. Die maximale
Abweichung bei der Distanzmessung liegt bei 200 m. Die Rechner führen gleichzeitig die Ermittlung
der Zieldaten, sowie die Suche nach weiteren Luftzielen durch (Track-while-scan).
Das BIG BIRD Radar ist Bestandteil des auf Stufe Brigade zum Einsatz kommenden 83M6E C3
System. Das Kernstück dieses Systems ist der 54K6E Kommandoposten (mit D9 Kabine). Das
83M6E System kann im Verbund mit dem S-300PM Systemen sowie der S-200V und S-200M (SA-
5B/C GAMMON) eingesetzt werden. Im 54K6E Kommandoposten werden alle Daten der
Luftraumüberwachung der einzelnen Batterien verarbeitet und koordiniert. Ebenso werden die Daten
der Luftraumüberwachung der nächst höheren Stufe (Stufe Armee, Front oder nationale
Luftraumverteidigung VVS oder PVO) empfangen und verarbeitet. Das 83M6E System existiert in
zwei Ausführungen:
1. Ein mobiles System, installiert auf dem geländegängigen MAZ-543M 8x8 LKW
2. Ein halbmobiles System, bestehend aus Containern für den Einsatz in befestigten Stellungen.
Der 54K6E Kommandoposten besteht aus sechs Mann Besatzung, Konsolen für die Operatoren,
Computern mit Multiprozessoren und den Kommunkanions- und Überwachungsgeräten. Auch eine
Lern- und Trainingssoftware ist installiert. Der Kommandoposten führt folgende Aktionen aus:
Kontrolle und Überwachung des 64N6 Radarkomplexes
Akquisition, Identifikation, Verfolgung von maximal 300 Luftzielen
Die Freund-Feind Erkennung (IFF)
Priorisierung der einzelnen Luftziele und die Weitergabe der gefährlichsten an die einzelnen
Batterien
Kontrolle der ECCM Systeme der Batterien und Brigade
Koordination der einzelnen Batterien und Regimenter im autonomen, oder verbundenem
Einsatz
Datenaustausch mit benachbarten Brigaden und der nächst höheren Stufe
Mit der Ausführung S-300PM werden die verbesserten 5V55RUD (Exportversion 5K55U) Lenkwaffen,
welche eine auf 92 km gesteigerte Reichweite besitzen, eingesetzt. Ebenso können die 6Zh48
Lenkwaffen mit Nuklearsprengkopf eingesetzt werden. Mit dem S-300PM System können ballistische
Kurzstreckenraketen mit einer Maximalreichweite von 300 km abgefangen werden. Diese können bis
zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 1’200 m/s auf eine Distanz von 30 km bekämpft werden.
Das S-300PM besitzt eine Reaktionszeit, ab dem erfassen des Zieles bis zum Lenkwaffenstart, von 7-
10 Sekunden. Eine normale S-300PM Batterie besteht aus 3 bis 12 5P85T Werfer-Anhänger sowie
einem 36D6-1 Radarkomplex.
S-300PM-1, S-300PM-2
Die Versionen S-300PM-1 und S-300PM-2 sind unter der dem Eintrag SA-20 GARGOYLE aufgeführt.
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Einsatz:
Wird die S-300PT/PS/PM im Verbund mit der Nationalen Luftverteidigung eingesetzt, erfolgt die
Zielerfassung auf Stufe Brigade mit dem Baikal-1 C3I System, oder auf Stufe Division mit dem 9S82
D4M Polyana C3I System. Nebst den oben genannten Systemen kann auf Stufe Regiment auch das
5S99 Senej / 5S99M Senezh C2 System eingesetzt werden. Mit diesen Systemen wird die
Koordination der einzelnen Regimenter Bzw. Brigaden und den höheren Stellen der PVO oder VVS
sichergestellt. Erfolgt die Zielerfassung auf Stufe Brigade, wird das mobile Baikal-1 C3I System von
der Firma Proton NPO eingesetzt. An Stelle des Baikal-1 Systems kann auch das Osnova-1 oder das
Sinezh-1M C3I System eingesetzt werden. Mit diesen Systemen wird die Koordination der einzelnen
S-300P Brigaden bzw. Regimenter und den höheren Stellen der PVO oder VVS sichergestellt. Auch
wird dadurch der Datenaustausch zu den Systemen SA-10 GRUMBLE (S-300P), SA-5 GAMMON (S-
200), SA-11 GADFLY (9K37), SA-12 (S-300V) SA-15 GAUNTLET (9K330), SA-19 GRISOM (2K22)
SA-20 GARGOYLE (S-300PM-1) sichergestellt. Ebenso können Zieldaten über das Ranzhir C2
System and die SA-16 (9K310) und SA-18 (9K38) Batterien weitergeleitet werden. Das Baikal-1
System ist auf Sattelschleppern untergebracht besteht aus den 49L6 und 44Ts6 Kommandokabinen.
Die Stromversorgung wird durch zwei auf einem separaten Anhänger untergebrachten
Dieselgeneratoren mit je 100 kW Leistung sichergestellt. Das Baikal-1 System kann die Flugdaten von
144 Luftzielen ermitteln, und von denen 80 an die jeweiligen Lenkwaffenbrigaden oder Regimenter
weiterleiten. Die Zieldaten werden alle drei Sekunden erneuert. Das System besitzt neun Duplex-
sowie drei Simplex Schnittstellen. Ebenso verfügt es zusätzlich über sechs Kanäle vom Typ
Evolventa. Das System benötigt eine Besatzung von sechs Mann. Neben den Radardaten der oben
beschriebenen Raketensystemen kann das Baikal-1 System auch die Radardaten verschiedener
Anderer Systeme verarbeiten und Auswerten. Auch können Daten der folgenden Systeme verarbeitet
werden: Polye-E und Pori-E.
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Das Sinezh-1 System verfügt über die selben Leistungen und Schnittstellen wie das Baikal-1 System,
kann aber zusätzlich Daten mit den Jägerleitstellen der Luftverteidigungstruppen austauschen. Für
den direkten Datenaustausch mit den Jägerleitstellen stehen sechs Kanäle zur Verfügung. Ebenso ist
die Kommunikation mit folgenden Kampflugzeugen möglich: MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-29, MiG-
31 und Su-27. Auch dieses System benötigt eine Besatzung von sechs Mann. Der maximale
Überwachungsradius eines Sinezh-1M Komplexes beträgt 1’600 km. Es können Flugziele mit einer
maximalen Fluggeschwindigkeit von 1’200 m/s (4’400 km/h) erfasst und verfolgt werden. Das System
deckt einen Höhenbereich von 10-40’000 m ab. Das gesamte System ist auf drei Sattelschleppern
untergebracht. In den russischen Streitkräften wird das Sinezh-1M System zur Koordination der SA-
12, SA-10 und SA-5 Einheiten eingesetzt.
Das auf Stufe Armee / Division eingesetzte Universal-1 C3I System kann nebst bodengestützten
Radardaten auch mit AWACS-Daten des russischen Überwachungsflugzeuges IL-76 / A-50
MAINSTAY versorgt werden.
Eine typische russische S-300PT Brigade besteht aus einem Baikal-1 C3I System und bis zu sechs S-
300PT Batterien. Eine S-300PT Batterie besteht normalerweise aus einem FLAP LID-A
Feuerleitgerät, sowie drei bis sechs 5P85 oder 5P85-1A Lenkwaffenwerfer. Eine Standard-Batterie mit
vier Lenkwaffenwerfer ist mit insgesamt 32 Lenkwaffen ausgerüstet.
Ab Ausführung S-300PS wird das System in einer neuen Gefechtsgliederung eingesetzt. Ein
Regiment besteht aus drei Batterien sowie einem 83M6E C3 System, welches mit einem BIG BIRD
Überwachungsradar verbunden ist. Eine einzelne S-300PS Batterie besteht aus einem FLAP LID-B
Feuerleitradar sowie zwei bis acht 5P85S / 5P85D Startfahrzeugen. Werden die einzelnen Batterien
autonom eingesetzt, so bilden vier bis sechs Batterien ein Bataillon. Auch in diesem Fall erhält der
Fla-Raketenkomplex S-300PS die Zielzuweisung von dem BIG BIRD Radar.
Der Bekämpfungsablauf läuft folgendermassen ab: Nach der Zielerfassung durch die
Überwachungsradars auf Stufe Regiment oder Brigade wird automatisch eine Bedrohungsanalyse
erstellt und die Zieldaten ermittelt. Simultan mit der Zielerfassung erfolgt mit dem IFF Transponder
eine erste Freund- Feind Befragung. Danach wird jedem Ziel eine Bekämpfungspriorität zugeordnet
und die Ziele werden an die 30N6 Feuerleitradars der Batterien übergeben. Das Flugziel wird nun von
den Feuerleitradars der Batterien erfasst und verfolgt. Die Bekämpfungsalgorithmen der SA-10
errechnen automatisch den optimalen Kurs für den Lenkwaffenflug. Ist das Radarecho des Flugzieles
stark genug und befindet sich das Ziel in der Reichweite der Lenkwaffe, erfolgt ein Lenkwaffenstart.
Ab der Ausführung S-300PT-1A laufen diese Prozesse vollautomatisch ab. Die Operateure müssen
lediglich die erfassten Ziele bestätigen und für die Bekämpfung freigeben. Natürlich kann der
Bekämpfungsablauf auch manuell erfolgen. Die 5V55K Lenkwaffe der S-300P wird mittels des
internen Navigationssystems (INS) und einem kodierten Funkkommando-Lenksystem (SACLOS) zum
Interzeptionspunkt geführt. Die Kurskorrekturen für die Lenkwaffe werden durch das Feuerleitradar
errechnet und an die Lenkwaffe gesendet. Diese werden dort durch kleine Antennen, welche am
Flugkörperende angebracht sind empfangen und im Lenksystem der Lenkwaffe verarbeitet.
Mit der Ausführung S-300PM und S-300PS kommt das TVM-Lenkverfahren zum Einsatz. Bei diesem
Lenkverfahren werden die Zieldaten, welche der halbaktive Radarsuchkopf der Lenkwaffe erfasst hat,
mit einem Datalink an das Feuerleitradar zurückgesendet. Dort werden sie zusammen mit dem
Radarbild des Feuerleitradars durch Hochleistungsrechner abgeglichen und wieder an die Lenkwaffe
zurückgesendet. Im Feuerleitgerät ist für die Rechnerkomponenten genügend Platz vorhanden,
welcher in einem Lenkwaffenrumpf normalerweise eher spärlich vorhanden ist. Mit diesem System
wird eine viel grössere Präzision erreicht als mit einem herkömmlichen SARH Lenksystem, bei dem
die Zieldaten nur vom Feuerleitradar stammen. Bei diesem Lenkverfahren werden die Lenkwaffen
zunächst mit dem internen Navigationssystem sowie einem vorprogrammierten Kurs zum
Interzeptionspunkt gelenkt. Allfällige Kurskorrekturen können durch Funkkommandos an die
Lenkwaffe übermittelt werden. Erst für den Endanflug zum Ziel wird der Näherungszünder und der
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halbaktiven Radarsuchkopf mit dem Track-Via-Missile System aktiviert. Mit diesem Verfahren wird
verhindert, dass die durch den Feuerleitrechner gesendeten Kommandos durch das Abbrennen des
Raketenmotors gestört werden. Ebenso bleibt dem Piloten des angegriffenen Flugziels nur wenig Zeit
um elektronische Gegenmassnamen einzuleiten. Bei der Bekämpfung von Tieffliegenden Zielen wird
die Lenkwaffe gegenüber der Linie zwischen Lenkwaffe und Ziel überhöht verschossen. Die
Lenkwaffe steigt auf eine zum Ziel stark überhöhte Flugbahn. Mit diesem Flugprofil hat der
Lenkwaffensuchkopf ein optimales “Sichtfeld“ auf das Ziel. Mit diesem Verfahren können auch extrem
Tieffliegende Luftziele wie Marschflugkörper optimal erfasst und bekämpft werden. Die Lenkwaffe
stösst von ihrer überhöhten Flugbahn in einem steilen Winkel auf das Ziel herab. Bei der Bekämpfung
von ballistische Raketen und hochfliegende, überschallschnellen Flugzeugen wird das Ziel auf dem
direkten Weg angeflogen. Bei einem Fehlschuss zerlegt sich der Flugkörper nach einer bestimmten
Flugzeit durch eine Selbstzündung.
Das äusserst präzise TVM-Lenkverfahren ermöglicht auch die Bekämpfung von luftgestützten
Abstandswaffen mit einer kleinen Radarrückstrahlfläche. Ab der Ausführung SA-10B können zum
Selbstschutz Gleitbomben wie die U.S. amerikanische GBU-15 und GBU-30V JDAM bekämpft
werden. Schnellfliegende Anti-Radar-Lenkwaffen (ARM), wie die französische ARMAT und die AGM-
88 HARM aus den USA können auf eine Distanz von über 30 km bekämpft werden.
Die Versorgung mit Lenkwaffen erfolgte mit den 5T99 und 5T99M Fahrzeugen. Die Fahrzeuge tragen
die Typenbezeichnung KrAZ-260 (6x6). Jedes dieser Fahrzeuge ist mit einem Ladekran ausgerüstet.
Mit diesem Kran kann das 5T99 Fahrzeug jeweils ein komplettes Set bestehend aus vier 5P86
Lenkwaffenbehältern verladen. Der Austausch der 5P86 Lenkwaffenbehälter erfolgte direkt ab dem
Transportfahrzeug. Auf Stufe Regiment kommt das mobile MRB 48III6Y Unterhalts- und Reparatur
System zum Einsatz. Es besteht aus drei Lastwagenzügen mit Anhängern. Das 48III6Y System ist für
die Reparatur und den Unterhalt der Lenkwaffentransporter, der Radargeräte, der
Kommunikationssysteme, und den Lenkwaffen zuständig. Das System kann mit ihren Aggregaten
auch einzelne Batterien mit elektrischem Strom versorgen.
Bei der seegestützten Ausführung S-300F erfolgt die Zielerfassung mit den Überwachungsradars der
jeweiligen Schiffe. Dies ist auf dem Kreuzer AZOV das TOP SAIL Überwachungsradar. Auf den
Kreuzern der SLAVA und KIROV Klasse erfolgt die Zielerfassung mit dem TOP PAIR (Flag)
Überwachungsradar. Der TOP PAIR Radarkomplex besteht aus den beiden Radrageräten TOPSAIL
(MR-600 Voskhod) und BIG NET (MR-500 Fut-N). Bei der Luftgefechtsführung wird das TOP PAIR
Radarsystem durch die TOP STEER (Fregat) und TOP PLATE (MR-700) 3D Suchradars unterstützt.
Das TOP DOME Feuerleitradar besitz in der horizontalen Ebene einen Öffnungswinkel von 180° und
in der vertikalen einen solchen von 60°. In diesem Sektor können gleichzeitig 12 Lenkwaffen gegen
sechs Ziele eingesetzt werden. Die Feuerleitrechner führen gleichzeitig die Ermittlung der Zieldaten,
sowie die Suche nach weiteren Luftzielen durch (Track-while-scan). Wie bei dem landgestützten
Gegenstück, der S-300PMU, wird auch bei der seegestützten S-300F das TVM-Lenkverfahren
eingesetzt. Die kleinstmögliche Schussdistanz des S-300F Systems beträgt 7 km.
Das S-300F System kann ein F-15 EAGLE Kampflugzeug, welches in einer Höhe von 2’000 m fliegt,
auf eine Distanz von 90 km bekämpfen. Eine Anti-Schiffs-Lenkwaffe (AShM) in einer Flughöhe unter
25 m, kann auf eine Distanz von 25 km bekämpft werden. Es ist jedoch fraglich ob Tieffliegende,
überschallschnelle Lenkwaffen wie die 3M80 Moskit der Firma Raduga erfolgreich bekämpft werden
können. Diese Lenkwaffe der neusten Generation nähert sich im „Zick-Zack Kurs“ dem Ziel. Sie
erreicht in Wellenhöhe einer Geschwindigkeit von über 840 m/s. Ähnliche Lenkwaffen werden zur Zeit
in Europa, China und den USA entwickelt.
Das SA-N-6 GRUMBLE System wird von der russischen Herstellerfirma vielfach mit dem U.S.
amerikanischen STANDARD SM-2MR System verglichen. Dieses ist ebenfalls ein seegestütztes
Luftverteidigungssystem und wird von den USA und verschiedenen anderen Nationen eingesetzt. Die
Leistungen, sowie die Systemautomatisierung des SA-N-6 Systems reichen jedoch bei weitem nicht
an das AEGIS / STANDARD System der Firma General Dynamics heran.
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Lenkwaffen:
Die 5V55 Lenkwaffen werden in versiegelten, vor Witterungseinflüssen geschützten, Transport- und
Abschussbehältern aus dem Herstellungswerk ausgeliefert. Jedes Startfahrzeug ist mit jeweils vier
diesen Lenkwaffenbehältern bestückt. Die Lenkwaffen können ohne Kontrolle 10 Jahre in den
Behältern transportiert und gelagert werden. Zu Kontrollzwecken besitzen die Lenkwaffen einen
eingebauten elektronischen Selbsttest, welcher durch das Bedienungspersonal an einem
Kontrollkasten an den Startrohren durchgeführt werden kann. Die Lebensdauer der Lenkwaffen liegt
bei 20 Jahren, und wurde später auf 30 Jahre verlängert. Sämtliche Lenkwaffentypen werden vertikal
aus ihren Transport- und Startbehältern verschossen. Mittels einem Gasgenerator werden die
Lenkwaffen aus den Behältern auf eine Höhe von ca. 30 Metern ausgestossen. Dann zündet der
Feststoff Raketenmotor und beschleunigt die Lenkwaffe auf ihre Marschgeschwindigkeit..
Die 5V55 Lenkwaffen sind einstufige Flugkörper mit einem Feststoffraketenantrieb. Am
Flugkörperende sind vier trapezförmige Steuerflügel mit einer Spannweite von 1026 mm bzw. 1124
mm angebracht. Diese Flügel sind, während sich die Lenkwaffe in dem Transport- und Startbehälter
befindet, an den Lenkwaffenrumpf angelegt. Sie entfalten sich unmittelbar nachdem die Lenkwaffe
den Startbehälter verlassen hat. Die Flugkörperlenkung erfolgt mittels diesen Steuerflügeln und einer
Schubvektorsteuerung (TVC). Die Schubvektorsteuerung befindet sich an der Austrittsöffnung des
Raketentriebwerkes. Der Raketenstrahl und die heissen Abgase werden mit vier Graphitbeschichteten
Steuerflächen in die gewünschte Richtung geschwenkt. Dieser Mechanismus unterstützt die vier
Lenk- und Steuerflügel am Flugkörperheck. Mittels dieser beiden Lenkmechanismen können die
Lenkwaffen Manöver mit einer maximalen Belastung von 20 g fliegen.
Im Lenkwaffenheck ist die Servoeinheit für die Steuerung untergebracht. Unmittelbar davor ist der
Feststoff-Raketentreibsatz untergebracht. Dieser hat je nach Version eine Brenndauer von 8-10
Sekunden. Die Lenkwaffen haben je nach Ausführung innerhalb von 12 bis 14 Sekunden ihre
Spitzengeschwindigkeit erreicht. Im vorderen Viertel der Lenkwaffe sind die elektronischen
Komponenten sowie der Sprengkopf untergebracht.
Die 5V55K Lenkwaffen wurden mit der ersten Version S-300PT eingeführt. Bei diesen Lenkwaffen
griff man beim Steuersystem auf die bewährte Technologie der Systeme SA-2 GUIDELINE und SA-3
GOA zurück. Die 5V55K Lenkwaffen waren infolge Produktionsschwierigkeiten mit einem
Funkkommando-Lenksystem ausgerüstet. Erst die 5V55R Lenkwaffen der späteren SA-10B Serie
wurden mit dem leistungsstarken halbaktiven Radarsuchkopf und dem Track-Via-Missile Lenksystem
ausgerüstet. Die 5V55R Lenkwaffe verfügt über dieselbe Flugkörperhülle wie ihre Vorgängermodelle
5V55K. Sie ist jedoch mit einem komplett neuen Suchkopf, einem leistungsstärkeren Raketenmotor
sowie mit modifizierten Lenk- und Steuerflügel ausgerüstet. Gegenüber ihrem Vorgängermodell
verfügt sie über eine um 28 km gesteigerte Reichweite. Ebenso wurde die Lenkwaffenleistung im
Umfeld starker elektronischer Störquellen (ECM) verbessert. Die 5V55KD Lenkwaffe wurde mit dem
S-300PS Komplex entwickelt. Die 5V55KD Lenkwaffe wurde mit dem Komplex S-300PS eingeführt.
Diese Lenkwaffe verfügt über die selbe Sensoreneinheit wie die 5V55R Lenkwaffe und kann aber
auch mit dem System S-300PT-1A eingesetzt werden. Die 5V55V Lenkwaffe verfügte über die selben
Leistungen wie die 5V55R Lenkwaffen, ist aber mit einem Nuklearsprengkopf ausgerüstet. Die 5V55S
Lenkwaffe kam mit dem Komplex S-300PT-1A zum Einsatz und war ebenfalls mit einem
Nuklearsprengkopf bestückt. Die finale Lenkwaffenversion mit Nuklearsprengkopf war die 6Zh48, und
wurde mit dem Komplex S-300Pm eingeführt. Die Ausführung 5V55RUD wurde mit dem System S-
300PM eingeführt und verfügt über einen modifizierten Raketenmotor, mit einer nochmals
gesteigerten Reichweite. Ebenso besitzt diese Lenkwaffe einen neuen Suchkopf, sowie eine
modifizierte Steuereinheit. Dieser Lenkwaffentyp kann auch mit den späteren Systemen S-300PM-1
und S-300PM-2 eingesetzt werden. Die 5V55VM und 5V55PM Lenkwaffen sind mit einem passiv
arbeitenden Radarsuchkopf ausgerüstet und kommen gegen Radar-Überwachungsflugzeuge
(AWACS) sowie gegen Störflugzeug im Einsatz. Über diese Lenkwaffen sind keine technischen
Details verfügbar.
Der Gefechtskopf der 5V55 Lenkwaffen wird durch einen aktiven Funk- Näherungszünder, oder durch
den Aufschlagzünder zur Detonation gebracht. Der Sprengkopf besteht aus einem konventionellen
133 kg schweren Splittergefechtskopf. Der Sprengstoffanteil des Sprengkopfes liegt bei etwa 40%.
Die restlichen 60% entfallen auf den Splittermantel. Der Gefechtskopf hat gegen ein
durchschnittliches Kampfflugzeug einen letalen Wirkungsradius von über 40 m. Der nukleare
Sprengkopf der 5V55V, 5V55S und 6Zh48 Lenkwaffen besass eine variierbare Sprengleistung von
0.1-5 KT. In grossen Flughöhen wurde eine Sprengleistung von 5 KT angewandt. Im unteren
Höhenbereich wurde die Sprengleistung durch eine Rechnereinheit in der Lenkwaffe automatisch auf
0.1 KT reduziert. Der Sprengkopf wurde manuell mit einem kodierten Funkkommando durch die
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Feuerleitzentrale gezündet. Insgesamt wurden über 600 Nuklearsprengköpfe für die Lenkwaffen
produziert. Diese Lenkwaffen wurden anfangs der 90er Jahre ausgemustert und befinden sich nicht
mehr im Einsatz. Bis zum Jahr 1990 wurden bei den Herstellerfirmen Fakel und Almaz insgesamt
über 10’000 5V55 Lenkwaffen hergestellt.
Bei dem seegestützten SA-N-6 GRUMBLE System kommen die überarbeiteten 5V55RM Lenkwaffen
zum Einsatz. Die Exportversion dieser Lenkwaffe trägt die Bezeichnung 3M41. Diese Lenkwaffe ist
eine speziell gegen Meerwasser geschützte Ausführung der landgestützten 5V55R Lenkwaffe. Bis auf
den speziellen Korrosionsschutz der 5V55RM Lenkwaffe, sind die beiden Typen identisch. Die
Entwicklung und Produktion dieser seegestützten Lenkwaffen erfolgt in dem Konstruktionsbüro Altair
NPO. Bei dieser seegestützten Ausführung sind die vertikalen Startrohre sind mit einer Neigung von
6° zum Schiffsrumpf hin eingebaut. Durch diese Neigung kann eine Lenkwaffe bei einem Fehlstart
des Raketenantriebes nicht auf das Schiffsdeck zurückfallen. Die Lenkwaffe fällt neben dem
Schiffsrumpf ins Meer.
Wie bei der landgestützten Ausführung werden Tieffliegende Ziele mittels einer stark überhöhten
Flugroute der Lenkwaffe angegriffen. Westliche Anti-Schiff-Lenkwaffen (AShM) wie die französische
EXOCET und die U.S. amerikanische R/UGM-84 HARPOON können so mit einer grossen
Treffererwartung bekämpft werden.
Status:
Anfangs 2005 standen bei den russischen Luftverteidigungstruppen über 1’900 S-300P Systeme im
Einsatz. Sie ersetzen dort in den 80er und 90er Jahren die schon längst veralteten Systeme SA-1
GULD, SA-2 GUIDELINE, SA-3 GOA, und SA-5 GAMMON. Die SA-10 Systeme sind auf 35
Regimenter verteilt. Im Grossraum von Moskau sind 18 SA-10 Regimenter stationiert. Zwei
Regimenter sind auf der Halbinsel Krim, zum Schutz der Schwarzmeerflotte stationiert. Diese beiden
Regimenter (Nr. 183 und Nr. 1096) sind dem Kommando der Schwarzmeerflotte unterstellt. Die
restlichen Regimenter sind auf die Marinestützpunkte der Nord- und Pazifikflotte sowie auf die
Stützpunkte der strategischen Bomberflotte verteilt. Zwei Regimenter S-300PS werden individuell
eingesetzt und haben keinen konkreten Einsatzraum. Bei den in Russland im Einsatz stehenden
GRUMBLE Systemen handelt es sich um die Ausführungen S-300PT-1A, S-300PM und S-300PS.
Von Zeit zu Zeit werden einzelne alte S-300PT-1A Systeme auf den Standard S-300PM nachgerüstet.
Die Ausführungen S-300PT kamen nur innerhalb der ehemaligen Sowjetunion zum Einsatz. Die S-
300PM und S-300PS wurde auch in die Staaten des Warschauer Paktes exportiert. Die Produktion
der SA-10 wurde anfangs der 90er Jahre eingestellt. Einzig die S-300PMU und das Nachfolgesystem
SA-20 GARGOYLE wird noch auf dem Exportmarkt angeboten. Bei einer allfälligen Bestellung kann
die Produktion der SA-10 aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Viele der seit den 80er Jahren
im Einsatz stehenden SA-10 Systeme haben mittlerweilen das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Die
russischen Streitkräfte planen diese Systeme mit der SA-21 GROWLER (S-400 Triumf) zu ersetzten.
In folge der katastrophalen finanziellen Verhältnissen der russischen Streitkräften kann dieser Ersatz
in absehbarer Zeit nicht durchgeführt werden.
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Die SA-10B/C Systeme wurden bis ende der 80er Jahre auf dem Exportmarkt als Gegenstück zum
U.S. amerikanischen MIM-104 PATRIOT System zum Kauf angeboten. Mit der vernetzten
Operationsführung ist ein SA-10 Regiment fähig, ein grösseres Flächenziel gegen einen massiven
Luftschlag zu schützen. Das SA-10 System ist in mancher Hinsicht dem U.S. amerikanischen
Konkurrenten ebenbürtig und in einigen Bereichen sogar überlegen. Zum Beispiel besitzt es eine
bessere Resistenz gegenüber Störmassnamen. Bei der Mehrfachzielbekämpfung verfügt die S-
300PS / PM über bessere Leitungen. Ebenso dauert ein Stellungsbezug bzw. Stellungswechsel nur
einen Bruchteil der Zeit, welche das PATRIOT System benötigt. Auch konnte die SA-10 bei einem
Vergleichsschiessen mit der PATRIOT gegen Ballistische Lenkwaffen mehr Treffer erzielen.
Der Grösste Betreiber der SA-10 GRUMBLE ausserhalb der ehem. Sowjetunion ist China. In den
Jahren 1991 und 1993 erhielten die chinesische Armee je ein S-300PM und ein S-300PMU Bataillon,
bestehend aus total 32 Startfahrzeugen. Dazu erhielten sie 384 5K55R Lenkwaffen. Zusätzlich stellte
der chinesische Rüstungskonzern CPMIEC eine nicht näher bekannte Anzahl von Startfahrzeugen
und Lenkwaffen in Lizenz her. Die gesamten Beschaffungskosten für die erste Bestellung beliefen
sich auf ca. 220 Millionen U.S. Dollar. Im den Jahren 1994 und 2000 erfolgten weitere Bestellungen
von S-300PMU-1 Systemen (siehe SA-20 GARGOYLE). Ebenso kauften die chinesischen Streitkräfte
ein Software- und Modifikationspaket für eine nachträgliche Integration der Verbesserten Ausführung
S-300PMU-1. Nach Angaben der chinesischen Regierung, sollen zwei der vier bereits im Einsatz
stehenden Regimenter auf den Standard S-300MPU-1 nachgerüstet werden. Die Umrüstung der
bestehenden S-300PMU Systeme soll in China erfolgen. Die SA-10 GRUMBLE trägt in den
chinesischen Streitkräften die Bezeichnung HQ-10 und HQ-15. Das erste Bataillon, welches zum
Schutz des Stadtgebietes von Peking abgestellt ist, war im Jahre 1999 einsatzbereit. Einzelne
Bataillone sind zum Schutze der Städte Peking, Longtian, Xiamen, and Shantou abgestellt. Einzelne
autonom operierende Batterien sind an der Meeresenge zu Taiwan, in der Provinz von Fujian im
Einsatz. Diese Batterien sind in der Nähe der Städte Longtian und Fuzhou stationiert. Die Stellungen
befinden sich alle in Küstennähe.
Der chinesische Waffenkonzern CATIC in Peking entwickelte in den Jahren 1992 bis 1998 das FT-
2000 Flugabwehrsystem. Das FT-2000 System basiert auf dem S-300PS System. Es ist auf dem
selben Fahrzeugen untergebracht und verwendet die selben Lenkwaffenkanister. Ebenso werden die
selben Radarkomponenten verwendet. Die Lenkwaffen basieren auf den russischen 5K55
Lenkwaffen. Die neuen Lenkwaffen sind mit einem passiv arbeitenden Radarsuchkopf (PRH)
bestückt. Das FT-2000 System ist auf die Bekämpfung von luftgestützten Überwachungsplattformen,
wie das AWACS System der NATO, ausgelegt. Das System befindet sich seit dem Jahr 2000 bei den
chinesischen Streitkräften im Einsatz. Das sich in der Entwicklung befindende HQ-9 Raketen- und
Flugabwehrsystem soll ebenfalls auf der SA-10 System basieren
Unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurden die 12 in der ehemaligen DDR im
Einsatz stehenden S-300PMU Systeme durch das US Army Missile Intelligence Command (US AMIC)
untersucht. Danach wurden sämtliche SA-10 Systeme als sogenannte sensitive Technik in die UdSSR
zurückgeführt.
Im Jahre 1994 kaufte das Verteidigungsministerium der USA (DoD) in Weissrussland einzelne
Komponenten des S-300PM Systems ein. Insgesamt soll das DoD folgende Komponenten beschafft
haben: Die Radar- und Feuerleitgeräte FLAP LID-B und TIN SHIELD-B, einen F-9
Kommandocontainer sowie ein Universal-1E C3I System. Dazu hat das DoD acht 5V55R, acht 5V55K
und zwei 5V55RUD Lenkwaffen sowie eine unbekannte Anzahl 5P85-1 Startgeräte in Weissrussland
beschafft. Das in Weissrussland beschaffte System stammt aus der Offizierschule der
Luftverteidigungstruppen in Minsk. Der Verkauf der Systemkomponenten durch die Weissrussische
Regierung lösste in Russland einen Skandal sowie grosse politische Spannungen aus. Vorwürfe von
Nichtpatriotismus und Verrat wurden laut. Weissrussland hatte mit dem Verkauf wichtige
Gefechtsparameter der S-300PM preisgegeben. Weissrussland hatte kein Recht das moderne S-
300PM System zu exportieren. Jedenfalls wurden die Systeme durch die U.S. Armee gründlich
ausgetestet. Ebenso begann die U.S. Luftwaffe mit der Arbeit an Elektronischen Gegenmassnamen
(ECM) gegen die S-300PM. Im Jahre 1996 kam das S-300PM System bei der U.S. Luftwaffenübung
Übung RED FLAG zum Einsatz und war der Star der Luftverteidigungsübungen.
Am 22. November 2004 berichtete die kroatische Zeitung “Zagreb Vjesni“ das die Kroatischen
Streitkräfte anfangs 2004 ein komplettes S-300PMU System an die USA verkauft haben. Das System
wurde im Frühling 2004 mit einem Transportschiff der U.S. Navy direkt in Kroatien abgeholt und in die
USA gebracht. Auch in diesem Fall hatten die kroatischen Streitkräfte kein Exportrecht und handelten
sich den Groll Russland ein.
Im Jahre 1995 bestellten die serbische Regierung in Russland acht Batterien S-300PMU (SA-10C
GRUMBLE) bestehend aus 32 Startfahrzeugen. Die Bestellung beinhaltete auch die Lieferung von
128 5V55U Lenkwaffen. Im Jahre 1999, in den Wochen vor den Luftangriffen der NATO gegen den
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Dazugehörige Radargeräte:
NATO-Code: FLAP LID-A FLAP LID-B CLAM SHELL
GUS-Bezeichnung: 30N6 30N6E 5N66 / 76N6 / 40B6MD
Feuerleitung und Feuerleitung und
Funktion: Tiefflieger Zielerfassung
Zielverfolgung Zielverfolgung
Einsatz Reichweite: 120 km 160-250 km 120 km
Einsatz Höhe: 27’000 m 35’000 m Nicht bekannt
Frequenzband: I/J-Band E/F-Band I/F/G-Band
Frequenz: 10 GHz 2-3 GHz 3.5-4.0 GHz
Sendeleistung: 130 kW Nicht bekannt 1.4 MW
Mobilität: 6 x 6 Anhänger 8 x 8 Fahrzeug 8 x 8 Anhänger