Sklaven Im Alten Österreich
Sklaven Im Alten Österreich
In: Otázky dějin střední a východní Evropy. [I.]. Hejl, František (editor).
Vyd. 1. Brno: Universita J.E. Purkyně, 1971, pp. 69-83
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SKLAVEN IM A L T E N Ö S T E R R E I C H
Man hat das Christentum anfänglich eine Religion für Sklaven genannt,
aber es war keineswegs dieser Zug, den man ihm verübelte. So lange es
die Einrichtung selbst nicht in Frage stellte, nahm es die damalige Welt
leicht gelangweilt zur Kenntnis, daß unter dem Einfluß der Stoa nun auch
die Sklaven außer wachsend menschlicher Behandlung so etwas wie einen
geistigen Trost erhielten. Denn diese krasseste Manifestation einer unum
schränkten Staatsgewalt, wie sie die Scheidung eines Volkes in Berechtigte
und Unberechtigte, in Freie und Unfreie darstellt, wurde damals auch von
höchst erlauchten Geistern nie zum Anlaß von Kritik oder Mißbilligung
genommen: Sie galt Aristoteles als ebensolche Hauptgrundlage des wirt
schaftlichen Systems seiner Tage wie dem Christentum, das zwar für
Besserstellung und Freilassung von Sklaven sowie für die Gleichstellung
von Freigelassenen eintrat, an der Institution selbst aber nie gerührt hat.
Selbst die Päpste gingen hier nicht weiter, obzwar Calixtus I. (217—222)
Sklave gewesen war. Das Mittelalter und die frühe Neuzeit kannten eben
falls nur eine, wie Andreas Voigt sie nennt, „naive" Auffassung der Wirt
schaft, die noch keine systematische Erkenntnis oder Ordnung des ganzen
sozialen Lebens versucht hat. Erst nach dem Aufkommen des Merkanti
lismus hat die physiokratische Schule kritisch zu der bisherigen Politik
und ihren Lösungsversuchen Stellung bezogen und die ökonomischen
Probleme nicht mehr wie bisher als Begleiterscheinungen des Staates oder
überhaupt der politischen Organisation rein separatistisch betrachtet, son
dern jedes Eingreifen der Obrigkeit in diese Belange abgelehnt.
Das ist der Grund, warum es noch in der Epoche der großen Entdeckun
gen richtige Sklavenmärkte in Europa gegeben hat und im 16. und 17.
Jahrhundert Sklaven etwa in Italien und sogar in dem so katholischen
und damals eben einer scharfen „Restauration" in diesem Sinn zustreben
den Österreich zu finden sind. Die Nachrichten über Sklavenhandel, die
wir aus jenen Tagen besitzen, sind spärlich und vereinzelt, werfen aber
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doch ein bezeichnendes Licht ebenso auf die Mentalität der Besitzer der
Sklaven wie auf deren Stellung.
Im Florenz etwa des 15. Jahrhunderts spielten, wie zeitgenössische
Briefe und Aufzeichnungen zeigen, vor allem Sklavinnen eine Rolle, „die
eine laxe, dem Bedürfnis sich anpassende, aber vom heiligen Stuhl jener
Zeit sanktionierte Moral anzukaufen und zu halten zuließ, wenn sie nur
1
nicht den christlichen Glauben bekannten". Man berief sie bei diesem
Standpunkt darauf, daß die Nichtchristen Christensklaven hielten und
leitete daraus das Recht ab, seinerseits Nichtchristensklaven zu kaufen
und zu verkaufen. Es waren meist Frauen tatarischer Herkunft, die hier
jährlich in großer Anzahl als einträglichste Ware auf venezianischen
Schiffen nach Italien gebracht und in die Patrizierhäuser der italienischen
Städte verschachert wurden. Man behandelte sie teils gut, teils weniger
gut. Alessandra Strozzi schrieb am 6. Dezember 1450 ihrem Sohn Filippo
nach Neapel: „Wie Du weißt, habe ich vor längerer Zeit Cateruccia, unsere
Sklavin, gekauft. Da ich ihr nun seit ein paar Jahren nicht mehr den
Buckel vollgehauen hatte, so hat sie sich gegen mich und die Kinder so
schlecht aufgeführt, daß niemand es glauben würde, der es nicht selbst
gesehen h ä t t e . . . Ich habe es immer dulden müssen, weil ich sie nicht
züchtigen kann... Jetzt liegt sie mir seit ein paar Monaten immer in den
Ohren, sie wolle nicht länger bleiben, und benimmt sich so unausstehlich,
daß niemand mit ihr fertig werden kann." Beinahe „würde ich sagen, Du
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solltest sie verkaufen.. .". Von ihrem Bruder sagt sie, er sei kein Mann,
„der sie züchtigen kann, sonst würde ich ihr von ihm eine Tracht Prügel
geben lassen". Sie besitzt noch eine weitere Sklavin, die alte Margherita,
die das Gnadenbrot erhält, hie und da ein bißchen spinnt und ein paar
Besorgungen macht, es sich aber sonst in der eigenen Stube wohl ergehen
läßt. 1470 verständigt sie der Sohn, er wolle sich in Neapel nach einer
3
Sklavin umsehen, „wie sie aussieht und wie sie sich macht". Tatarinnen
sind am besten geeignet, Strapazen zu ertragen, und waren von der derb
sten Konstitution, Russinnen waren freundlicher im Ausdruck und schö
ner, während Zirkassierinnen von besonders kräftigem Blut schienen.
Da in der habsburgischen Monarchie die Beziehungen zu Rußland na
turgemäß enger waren — die Tochter des byzantinischen Kaisers Thomas
Palaiologos, Prinzessin Zoe, zog 1472 durch Tirol, um Iwan III. zu heira
ten, mit ihrem Sohn Wassilij III. Ivanowitsch stand Maximilian I. in Ver
bindung, zu dessen Zeit auch Sigmund von Herberstein bei Wassilij
weilte — kamen Tscherkessinnen und andere Bewohner des Zarenreichs
als Sklavinnen nicht in Betracht. Später verbesserten sich die Verhältnisse
derart, daß regelmäßig Gesandtschaften ausgetauscht wurden und man an
eine Verbindung der Großfürstin Xenia mit einem Habsburger (Maximi
lian Ernst von Innerösterreich) dachte: Rudolf II. selbst erwog eine Heirat
mit dieser Tochter Boris Godunovs. Brauchte man also Sklavinnen, so
1
Alessandra Macinghi negli Strozzi, Briefe. Hrsg. u. eingel. v. Alfred Dören, in:
Das Zeitalter der Renaissance. A u s g e w ä h l t e Quellen zur Geschichte der italienischen
Kultur. Hrsg. v. Marie Herzfeld. 1/10, 1927, S. X X X V I I .
2
A . a. O., S. 42 f.
3
A. a. O., S. 319.
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kamen dafür nur mehr Orientalinnen, das heißt also Türkinnen, in Be
tracht.
Hier sei nur auf einen Fall hingewiesen, in dem das Eigentumsrecht an
derartigen Untergebenen besonders hartnäckig verfochten wird.
Die Vorgeschichte ist kurz die folgende: Graf Ferdinand zu Hardegg (so
laut Testament), geboren 1549, hatte von Jugend auf in der kaiserlichen
Armee gedient und war verhältnismäßig jung, obwohl er Protestant war,
k. k. wirklicher Hofkriegsrat und schließlich auch 1592 General und Kom
mandant der Festung Raab geworden. Er galt als das Auge und Ohr des
kaiserlichen Bruders und Bevollmächtigten gegen die Türken, des Erzher
zogs Matthias, erwies sich aber all der ihm erwiesenen Förderung und
Gunst gegenüber wohl als zu schwach, da er am 29. September 1594 die
mit Lebensmitteln und Kriegsgut angeblich wohl versehene Festung den,
wie es heißt, übermächtigen Türken unter Sinan-Pascha nach kurzer Be
lagerung übergab. Wohl hatte er den freien Abzug der Besatzung ausbe
dungen, doch mag auch Verrat im Spiel gewesen sein, wiewohl er immer
wieder betonte, er habe die Uberzeugung gehabt, daß die Festung nicht
mehr zu halten war und er die ihm anvertrauten, kaiserlichen Truppen
vor Niedermetzelung oder harter Gefangenschaft bewahren mußte. Ob er
vielleicht nur dem Einfluß seiner Umgebung erlag, ist heute nicht mehr
festzustellen. Jedenfalls wurde ihm der Prozeß gemacht und er am 16. Juni
1595 zum Abhauen der rechten Hand, zur Einziehung seines Vermögens
und zur Enthauptung verurteilt, weil er Raab „aus Kleinmut, Verzagtheit
und Treulosigkeit meineidiger, schändlicher und leichtfertiger Weise dem
greulich blutdürstigen, auf ewige Zeiten der Christenheit abgesagten Erb
4
feind übergeben" habe. Das Urteil wurde in Gegenwart seines älteren
Bruders Ulrich in Wien „am Hof" vollzogen, nachdem der Graf noch
einmal seine Unschuld beteuert, ein evangelischer Magister ihn getröstet
und der Henker ein eigens dafür angefertigtes Richtschwert mit vergol
detem Griff von der Familie des Verurteilten empfangen hatte. Es hieß,
5
er habe in Kreuzenstein seine letzte Ruhestätte gefunden, doch dürfte
die Angabe, er wäre in Hardegg zur Ruhe gebettet worden, wahrscheinli
cher sein.
Die Leidtragenden, durch die Konfiskation der Güter doppelt bestraft,
6
waren die ebenfalls protestantische Witwe Anna Maria Susanna, geborene
Gräfin von Thum, zu Creuz und Oberstein, und die überlebenden seiner
sechs Töchter. Der Graf hatte am 26. Mai 1583 geheiratet und bereits am
3. Oktober 1593, kurz nachdem er am 1. September zum Kommandaten
von Raab ernannt worden war, sein Testament gemacht, in dem er
schreibt: „Was aber alß dan nach abferttigung aller meiner Schulden, in
Varnus vnndt liegenden guetteren, an meiner Verlaßung vberbleibett, das
alles nichts daruon außgenommen, Schaff vnd ordene Ich . . . meiner Herz
liebesten Frauen Gemahell, dergestalt, das Sy solches alles zu sich nehmen,
4
Vgl. W. Kopal, Hardegg. Eine historische Studie..., in: Blätter des Vereines für
Landeskunde von Niederösterreich. N. F. 11, 1877, S. 222 ff.
5
Franz Karl Wißgrill, Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels
vom Herren- und Ritterstande... 4, 1800, S. 134.
8
Sie selbst heißt und nennt sich in den Akten nur „Anna Maria", dagegen Wiß
grill a. a. O., Allgemeine Deutsche Biographie. 10, 1879, S. 555 etc.
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vnuerweilter Innen habenn, volmechttige Frau drinnen sein, vnd ohne
mennigliches Irrung vnnd maßgeben, Solang Sie in Ihren Wittibstandt
verbleiben, vnd meinen Ehrlichen nahmen tragen wirdt, doch vnuerthu-
entlich des Haubt vnd Ligenden guettern gebrauchtes, dieselbenn nutzen
vnd genießen, darinnen Schaffen vnndt gebieten, magg, kan vnnd soll.
Da sich aber Zuertruege vnnd begebe, das mehrgemeltte mein herzliebe
Frau Gemahell Ihren wittibstandt verenderen, vnnd meinen Nahmen
(welches zu Ihrem wolgefallen stehet) mitt der Zeit ablegenn wurde, So
soll Sy, die Frau Wittib... nach laudt Ihr der Frauen Heyradtsbrieff,
Ehrlich abgefertiget, vnnd von allen meinen guetteren hiendann Geschie
7
den werden.. ." Aber er hatte in der Zwischenzeit seinen „ehrlichen
nahmen" verloren. Und das änderte alles.
Das Erbe schien groß, freilich auch die Schulden. Schon keine vierzehn
Tage nach der Exekution wendet sich die Hofkammer in Wien an die
Niederösterreichische Kammer zwecks „Inventir: vnd confiscirung der
Graue Hardeggischen Verlassung". Die Kassen sind wie immer leer, und
man glaubt diesmal leichtes Spiel zu haben, um sie wieder zu füllen.
Doch nun erhebt sich die Gräfinwitwe mit ihren Forderungen nach
Refundierung mindest von Teilen des beschlagnahmten Vermögens: Sie
stützt sich hierbei auf ihr Heiratsgut samt Widerlage, sie ihr laut Heirats
vertrag zustehenden Ansprüche sowie auf ihr und ihrer Töchter Erbrecht
und wendet sich erstmals auf Grund des letzten Willens des Hingerichteten
an den Kaiser. Sie war sicher gut beraten, als sie ihre Ansprüche mög
lichst hoch schraubte. Denn Kaiser Rudolf II. verhielt sich zwar in seiner
8
Resolution vom 20. September 1595 keineswegs ablehnend, ließ die Witwe
aber wissen, daß sie „vor allen Dingen, mittels eines leiblichen aides-
9
schwurs, in diesier wichtigen vnd vnsrer selbst hohes Interesse betref
fenden Sachen angehalten werde in spetie zu eröffnen vnnd anzuzeigen,
Was von der Zeit an, seit sich der Sinan Bassa in Veldezuge herausbege
ben, ihr verstorbener Ehewirdt hin und wieder an geelt vnnd geeltswerdt
deponirt, versetz, außgeliehen, oder sonsten anderer weiß in seinem ver-
mügen vnnd disposition" gehabt habe, „wohin er es verwendet, wo es zu
finden" etc. Erst „wann nun solches alles vorgegangen, verricht vnnd zu
Händen geebracht, so solle als dann ihr der wittib aus den Inuentirten
vnnd sequestrirten Guettern, Ihr aigen Guett an Kleinodien, Frauen Zier,
vnnd was Sie deßen mehr ihr zugehörig sein, wie Recht, beweisen wirdt
zuegestelt, Sie aber Ihres heurat guets halber, deßgleichen der wiederlage
morgengeb und dergleichen mehr wegen (außer deßen so ihr durch das
angezogene Testament verordnet) neben andern Creditorn (da es änderst
des Camer Procurators andeütten nach zu ainer Crida Kommen solte) die
Prioritet auszuefüehren angewiesen, oder da es den weege mit der Crida
nicht erreichte, ihr das Jenige, was Sie gleichfalls (darunter auch die mor
gengeb zuuerstehen) recht mäßiger weise darthuen würdet, gefolget wer-
7
Abschrift im Hofkammerarchiv (= künftig: H K A ) Niederösterreichische Herr
schaftsakten H 12, fol. 99 f.
8
Nicht vom August, wie Anna Maria am 17. April 1596 an die Deputierten und
Räte schreibt, als sie um Wiedereinantwortung in Kreuzenstein etc. bis zur völligen
Bereinigung ersucht.
9
Offenbarungseid.
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den. So viel aber ihr der wittib begern wegen Ihrer Kinder anlangt, das
hat vieler erheblicher Vrsach halber nicht statt, vnd mag Sie dauon ge
10
wiesen werden.. .".
Aber während sich schon am 3. Juli 1596 die „verortneten Commissa-
rien" mit „derselben gräuin weiblich schmucks", „frauen Zier, Kleinodien
und anders betr." befassen müssen und umfängliche Kontroversen und
Rekurse drohen, erteilt Erzherzog Maximilian der kaiserlichen Hofkammer
in Wien am 23. Juli 1596 den Befehl, sich mit der Gräfin auf gütlichem
Weg zu vergleichen, wobei im Verlauf der Verhandlungen ein bemerkens
werter Wunsch der Witwe immer mehr in den Vordergrund tritt.
Bereits am 9. März 1596 fragt sich Dr. Wolfgang Schwanser, der Kam
merprokurator, „der als Fiskal die Rechtsansprüche des Kammerguts zu
bearbeiten und zu vertreten hat" und der „seinen Aufgaben entsprechend
11
. . . stets ein Doktor juris, ein römisch rechtlich geschulter Jurist" war,
12
im Zusammenhang mit einem Bericht über die Abfertigung der Gräfin,
„ob die gefangenen Türckhen undter die bona mobila khünnen gezogen
werden. Darauf sage Ich ja, dan dieselben werden alß Serui bello capti
für mancipia vnnd Leib aigen gehalten, khünnen possidirt, verkhaufft,
verschenckht, vertauscht vnnd damit gehandelt werden, wie mit anders
aines Jeden aigenthumblichen guet, vnnd sonderlich mit ainem andern
vnuernunfftigen Vieh, das obwohl in den rechten inter res et personas
liberas Ein vndter schiedt... So werden doch die Leibaigen mancipia re-
rum appelatione begriffen, et de iis idem est iuditium quod de equis et
asinis... Vnnd weill dan auch In den Heürathsbrief, die Türckhen auf
des Grauen theill wie andere Stuckh von der Vahrenden hab Expresse
nit außgenummen, bleiben Sie vnnter derselben auch verstanden . . . " Noch
weiß der Prokurator nicht, „wie hoch Sich die fahrnus, dauon der Halb-
thaill der Frauen Grauin zuegehörige, In Jenem wert erstreckht, vnnd
Insonderhait wie hoch die Türggen zu schäzen oder hinaus zubringen
13
sein". Immer aber rechnet er die „gefangenen Türggen" zu den „übrigen
mobilibus". Aber allmählich kristallisiert sich heraus, wie sehr die Gräfin,
deren Priorität vor den übrigen Gläubigern unzweifelhaft ist, besonders
diese Türken schätzt. Denn schon am 11. März schreibt Schwanser: „ . . . die
Allhiewesende drey Türggische Weiber sambt dem Jungen Khündt, ge
hört Ir gleichwoll der halbe Thaill daran Inhaldt des Heüraths briefs...",
dennoch „will sie sich derselben aber vollkhomenlich allein anmassen,
Vmb daß Ihr, Ir Herr geschenckht haben soll, mueß sie solch Ire fuerge-
ben, vnd daß die schanckhnus vor seinem delicto beschehen zu Recht
genueg beweisen...".
Die Witwe kämpft zwar wie eine Löwin auch um jeden Gulden, von
dem sie meint, daß er ihr zustehe, aber in sämtlichen Protestschreiben,
1 0
H K A a. a. O.: fol. 104 f. (Konzept).
11
Otto Brunner, Das Archiv der Niederösterreichischen Kammer und des Vizedoms
in Österreich unter der Enns und seine Bedeutung für die Landesgeschichte, in:
Jahrbuch für die Landeskunde von Niederösterreich. N. F. 29, 1948, S. 148.
1 2
Der Kaiser kann sich wegen Kriegsrechtsunkosten an der Verlassenschaft nur
schadlos halten, wenn er auch für die Schulden aufkommt und die gerechten For
derungen der Gräfin befriedigt.
1:
> H K A a. a. O.: fol. 115 ff.
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die sich mit ihren Anliegen befassen, ist auch die Rede von den Türken,
denn es ist zweifelhalf ob „dieselben durch den Grauen selbst, oder die
seinigen nit gefangen sonder von anndern erkhaufft, etliche darunder auch
von anndern Personen nach der Zeitt ausprüchig, daher nochmallen Im
Zweiuel, o,b die frau Grauin ainiche Portion vnd Thail an diesen Türggen
hab, oder nit, ob auch der Graf dieselben samentlich vor oder nach dem
Verlust Rab an sich gebracht, Insonderheit ob es woll de Jure communi
statt haben möcht doch der Camer erachten nach, nit landtgebreuchig
die Menschen für Vahrende Haab zu rechnen, Inmassen in Behaimb vnd
Märhern auch Leib aigene Leuth, die doch für Varnnde haab nit gehallten
14
werden.. ,". Es handelt sich also sichtbar um Wertobjekte, auf die Hof
kammer zu verzichten nicht gewillt ist, aber auch um liebgewordenen
Besitz der Gräfin.
Beide Teile lassen nicht locker, und auch der Kammerprokurator bezieht
am 14. April 1596 wieder Stellung: Die Niederösterreichische Kammer
habe ihm der „Frauen Anna Maria Grauin zu Hardegg Wittib Suppliciern"
zugemittelt, „das Ich darzueligenden Beweis der Türckhischen Weiber
halber ersehen, vnd ob der genuege". Sie bringt „zu Beweisung, das Ir
Bemelte Türckhische Weiber von Irem Herrn geschenckht worden, vnd
das solches [Link] vor aufgebung Raab beschehen sein soll, Erstlich drey
Ires ehegemachels aigene Handstrifft für. Wiewoll mir nun des Grauen
Handstrifft nit Bekhandt, will Ich doch gar nit zweifeln, die frau Gräuin
khünn genuegsamb docirn, das dieselb sein Handtschrifft sey, Und das
Sie hierin gar khain gefähr gebrauche, Sintemall sein Handstrifft andern
auch khundt. Wann aber die Erste Zetl darundter sein Namen verzaichnet
ersehen wierdt, redet dieselb allain von ainer Türckhin und nit von
mehrern, mit disen worten, Mach mit der Türckhin wie du wilt, Sie ist
dein, So ist auch khain Datum darbey, darauß man sehen khündt, zu
welcher Zeit dise Zetl geschriben worden, vor oder nach dem Verlusst
Raab..." Auch die beiden anderen Beweiszettel scheinen nur von einer
Türkin zu sprechen („Wegen deiner Türckhin, Item wegen deiner gefang
nen Türckhin etc."), sa daß sie, „da dieselben allein währen, kheinen ge-
nuegsamen Beweiß abgeben wuerden, das die Türckhin deren vier sein
alle Ir von dem Grauen geschenckht worden, vnd das es noch vor seinem
Begangenen delicto Beschehen sey". Dazu kommt aber das beigebrachte
Zeugnis eines nicht mehr in ihren Diensten stehenden und daher unver
dächtigen „domesticus", der Graf habe no,ch vor der Belagerung Grans
und der Ubergabe Raabs zu seiner Gemahlin „offt" gesagt: „Mein Weib,
die vier Türckhin, alß nemblich Eminia, Regina, Tschemila vnd Pfatta
sein dir geschenckht, Magst mit Inen thuen vnd schaffen waß du wilt."
Schwanser hält freilich nur einen „gelaisten Corperlichen Eydt", der sich
auf die Türkinnen bezieht, für wirklich überzeugend, „vnd währ khain
frage mehr darumb, ob man Ir die Türckhin zuezustellen schuldig, sondern
allain ob Sie geschworen... Ich waiß mich aber khaines solchen Juraments
zuerindern, welches Ir auf die von Irem Ehegemachel geschenckhte güetter
in specie deferirt und Sie dasselb gelaistet soll haben". Sie hat bloß ge
schworen, was ihr Gatte seit dem Feldzug des „Sinan Bassa" besessen
H K A a. a. O.: fol. 155 f. (Anfrage der Hofkamrner vom 30. März 1596).
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hatte und wo es verwahrt sei: „Ob vnd wieuil aber der frauen Gräuin
von Jrem Herrn vor dem Verlust Raab geschenckht worden, darauf ist
Sie weder Befragt, noch in Jrer Aussage waß dauon zubefinden. Wann
aber villermelte frau Gräuin obbenandten Zeugen auf sein khundtschafft
Beaydtigen Lasst, vnd auf darduch erlangende semiplenam probationem
sich des Aydts in supplementum anbietten wirdt, mag Sie darzuegelassen,
vnd khünnen Jr alßdann die Türckhischen Weiber auf solchen erfülten
15
Beweiß meines gehorsamen Erachtens, nit vorgehalten werden". Der Ju
rist Schwanser hat sich festgebissen, er sieht wohl die dünnen Stellen,
aber ist nie ungerecht. Schon eine Woche später, am 20., trachtet er neuer
dings die Sachlage mit Zitaten aus den damals wichtigsten juristischen
Werken nachzuweisen, was „nemblich die gefangenen Türckhen anlan
gend wierd zu Widerlegung meiner mainung vnnd das dieselben für khain
vahrend haab zu rechnen sein sollen, angezogen, Es kheme souil für daß
die selben durch den Grauen nit selbst gefangen, sondern von anders
erkhaufft, etliche darunder auch von anders ausprüchig, daher nochmallen
in Zweifel ob die frau Gräuin ainige portion vnd Taill an diesen Türckhen
hab oder nit, ob auch der Graff dieselben, samentlich, vor oder nach dem
Verlust Raab an sich gebracht Insonderhait aber ob es woll de iure com-
muni stat haben mechte, doch... nit Landtsgebreuchig die menschen für
16
fahrende hab zurechnen .. .". Der aufgeklärte Kammerprokurator ist der
Meinung, daß gerechte Ansprüche auf die Türkinnen vorlägen, da diese
bona mobilia wären. Andererseits geht aus seinen Ausführungen auch
hervor, daß die Haltung von Sklaven nicht etwas der Gräfin Hardegg
Eigentümliches war, denn da solche auch „von anders ausprüchig" sein
konnten, dürfte man sonstwo ebenfalls „Türckhen selbst gefangen oder
was anders erkhaufft" und sie zu „laib aigne mancipia" gemacht haben,
die „in den Rechten den vnnuernünfftigen Thieren verglichen, vnd wie
dieselben Possediert verkhaufft verschenckht vertauscht..." wurden. Er
kommt endlich zum Ergebnis: „das was von den Laibaigenen in Behamb,
vnd Märherrn vermeldet wierd, sein dieselben nit solche mancipia wie
die Türckhen vnd serui bello capti, in welche die Herrn ius uitae et necis
hatten oder derselben Personen, ausser Verwendung der guetter, verkhau-
fen, oder wie mit ainem Roß, Khue oder Essel handeln dürfften, sonder
sein allain coloni adscriptitii glebae oder aus solchen geboren, die alßdan
colqni originarii genent werden, das ist solche Vnnderthanen, deren laib
aigenschafft sich weiter nit erstreckht, alß das ain solcher Vnnderthan,
so woll auch seine Khinder vnder Irem Herrn auf dem guett das derselbe
Vnnderthan hat, alß terrae uel glebae in Saerentes Zuuerbleiben schuldig,
vnd sich von demselben guett an andere orth oder vnder ainen anndern
herrn nit hinweckh begeben dürffen... Da sy es aber thuen, khan sy ein
Herr aller orthen wo sy sich aufhalten Haimbfordern. Welches dan auch
in den Geistlichen Rechten so weit approbiert, da gar ein solcher den
Geistlichen Standt angenummen, vnd seines herrn bewilligung hierzue nit
erlanget hatte, das er den Geistlichen Standt verlassen vnd seinem Herrn,
der auch ain Christ ist restituiert werden soll. Da sich auch aines solchen
1 5
H K A a. a. O.: fol. 128 ff.
1 6
H K A a. a. O.: fol. 136.
75
vnderthans Sun in leben seines Vatters andrer orths alß ain freye Person
vnd khain laib aigner aufgehalten hette, da der Vatter entzwischen die
gründt so Er vnder seinem herrn gehabt gebaut daran der Herr zufriden
gewest vnd darauf sein Sohn in so langer Zeit nit Haimbgefordert hette,
khan sich doch der Sohn wan der Vatter altershalber nit mehr tauglich,
noch den gründten vorsteen mag, oder war Er gar mit Todt abgangen,
khainer libertet oder exemptori anmassen, sondern der herr hat Ine abzu
fordern, an dem orth wo sich derselb aufgehalten, vnder bleibt des Grund
herrn colonus originarius, mueß sich auch vnd zue widerumb notwendig
begeben. Derlei coloni oder Vnderthanen die von den güettern nit abwei
chen dürffen, sein nit allain bey der alten Haidnischen, sondern auch bey
des Christlichen Kaiser Justiniani Zeiten Insonderhait in Palastina, Tracia
vnd in Illyrico zuerst vnd sein dannoch nit absolute pro seruis et manci-
piis, sonder alß die gleichsamb ein vermischte Art gehabt Irer condition
nach für freye Leuth vnd doch darneben auch für khnecht des grundts
den sie gebauet haben gehalten worden, was welche die Kaiser, Theodosius
vnd Arcadius also schreiben: Ipsi quidem originario iure teneantur et licet
conditione videantur ingenui serui tarnen terrae ipsius, cui nati sunt, exis-
timentur: nec recedenti quo uelint aut permutandi loca habeant faculta-
tem: sed possessor eorum iure utatur et patroni solicitudine et domini
potestato. Vnd daher haben auch die Herrn derlay Vnderthanen, mit be
schwerlichen neuerungen nit beladen dürffen, sonder an den gaben und
bürden die von alters herkhamen ersettigt sein müessen. Solche Vndertha
nen mag es nun In Behamb vnd Marherrn wolhaben, wie es dan der auch
an villen orthen in Teütsch Landt abgibt. Es ist aber zwischen denselben
vnd den gefangenen Türckhen ain grosser Vnderschied, vnd daherr von
denselben auf die gefangenen Türckhen als a separatis nit zu argumentiern
oder eingleihait zu schliessen. Vnd obwohl auch nit weniger das die Leib-
aigenschafft bey den Christen so weit aufgehebt, das die so in dem Khriege
gefangen werden, nit mehr für Leibaigen khunen gehalten vnd wie das
Vieh oder andere Sachen verkhaufft oder umbgebracht werden, So ver
stehet sich doch solches allain auf die Christen, so in Khriege von andern
Christen gefangen werden vnd gar nit auf die Ungläubigen alß Tarttern
vnd Türckhen, welche die gefangene Christen gleichsfalls wie das unuer-
nünfftige Vieh in eüßerister und schwerister Seruitut vnd Dienstbarkhait
17
ohne alles mitleiden vnd Barmherzigkhait tyranisch enthalten.. ,". Am
25. April meldet sich Schwanser wieder. Die Gräfin hat neuerlich moniert,
und er schreibt: „wegen der Türckhischen Weiber bin ich der gehorsamen
mainung derweil sy Iren gelaisten Cörperlichen Aydtschwur selbst so
weith verstehet, vnd außleget, da Ir die bemelten Türckhischen Weiber
allererst nach dem Verlust Raab von Irem herrn weren geschenckht wor
den, daß sie schuldig gewest war, bey demselben Iren gelaisten Aydt dise
Donation ebenso wenig als andere Verwendungen Ires herrn güettern
zuuerhalten, sy auch die beschaffenheit ohne scheuch vnd frey eröfnet
vnd deponiert haben wolt, die frau Grauin auch anjezo zu dem vorigen
beweiß des Hanß Volckhardes Widmers Prouianduerwalters zu Comorn
schein fürbringet, das sy die Fraue Grauin mehr als ain gefangene
1 7
H K A a. a. O.: fol. 135 ff.
76
Türckhin gehabt, von welchen der Graff Ime Widmer die müehe vnd
vncosten bezallen wöll, vnd dan an Ime selbs war ist, daß der Conleüth
donationen welche in wehrender Ehe beschehen sogar Exquisite nit khün-
nen Probiret werden weil nit gebreuchig daß aines dem anndern umb
dergleichen gaben verferttigite Schein zuestellt, daß die Fraue Gräuin mit
khainem vernern Aydtschwur zubeladen, sonder Ir bemelte Türckhische
Weiber auf den vorgelaisten Aydt vnd Jeziger Ir darüber beschehne ercle-
18
rung eruolgen mechten". Die Hofkammer aber scheint ebenso fest auf
den Türkinnen beharren zu wollen wie ihre frühere Besitzerin.
Am 31. Mai 1596 befiehlt sie, „Die Hardeggischen gefangenen Türckhen
zu Schindta (Schintau) hieher bringen zu laßen", also sichtlich nach Wien,
und damit hat sie scheinbar der Sehnsucht der Gräfinwitwe Tür und Tor
geöffnet, denn nun vergeht kaum ein Monat, ohne daß sie in dieser Ange
legenheit (am 30. Juni, am 6. Juli etc.) bittstellig wird. Bemerkenswert
scheint da etwa ihr Brief vom 24. Juli 1956 (mit eigenhändiger Unter
schrift) an die Hofkammer, in dem sie schreibt: „Mir will nicht zweifln",
daß die hochlöblichen Herrn Räte „aus denen bei den actis ligenden certi-
ficationen" sowie den „Vnderschidlichen guetbedenkhen Vmbständig vnd
nach notdurfft genommen" haben, „wasmassen das aigenthumb deren
sequestrirten Vier gefangenen Türckhischen Weiber... genuegsamblich
durch mich approbirt vnd dargethan worden ist". Aus unerforschlichen
Gründen aber wurden vor einem Jahr „zway berürter türkhischer Weiber,
namens Tschemilla und Regina" dem Hofkriegsratssekretär Georg Kleins-
19
drättl „custodiae causa tradirt, bei dem sy auch bischero behaltweise
gebliben vnd noch sein". Jetzt aber hat die Gräfin erfahren, daß „gedach
ter Herr Kleinsdrättl... sich nach Prag in Dienst begeben, vnd seinen
Weeg inner wenig tagen, samb Weib, Kind vnd gesinde dahin nemen
wierdet", was ihr willkommenen Anlaß gibt, die beiden bei dem Hof kriegs
sekretär wohnenden, aber auch die übrigen „zu meinen sichern handen"
zurückzufordern und eine endgültige Entscheidung zu verlangen. Am
26. Juli ersucht sie neuerlich um eheste Regelung ihrer Angelegenheiten,
an deren Unordnung sie aber sichtbarlich selbst nicht unschuldig ist. Hat
sie es doch, wie die Aufzeichnungen der Hofkammer vom 12. und 28. März,
vom 30. Juni, 6. und 11. Juli bekunden, bis jetzt überhaupt versäumt, das
Testament des Grafen oder „dessen glaubwirdige Vidimierte Copien" der
Hofkammer vozulegen. Auf Grund des Heiratsbriefs gebühre ihr von der
„Varenden haab" nur der halbe Anteil an den „vier turckischen weyber
sament dem Jungen Kindt". „Weill Sy aber derselben sich volkomentlich
allein anzumaßen vermeindt, vmb daß Ihr Ir Herr dieselben geschenckt
haben soll, muß Sie solch Ihr Furgeben, vnd daß die Schancknus vor
seinem delicto beschehen, zurecht genugsam beweisen".
Erst am 21. Februar 1597 verlangt die Hofkammer von der Niederöster
reichischen Kammer die Ubersendung aller die Forderungen der Gräfin
witwe betreffenden Akten: auch das aber nur, weil die Gräfin kurz zuvor
(ohne Datum) noch eine Protestation wegen ihrer Türkinnen losgelassen
1 8
H K A a. a. O.: fol. 139 f.
1 9
Er heißt auch „Khlainstratl", „Khlaimsträtl" usw. und war als Sekretär des
Erzherzogs Matthias schon am Verfahren gegen Ferdinand Hardegg beteiligt; vgl.
Kopal, Hardegg, a. a. O. 12, 1878, S. 410 f.
77
hatte. Es ist wahrscheinlich, daß die Schreiben die die teils „demüttigiste,
Gehorsamiste", teils „dinstbeflißne" und „Vnderthenigste" Supplikantin
an Erzherzog Matthias richtete, gleichfalls aus dieser Zeit stammen und
die Aktionen der Hofkammer beeinflußten. Auch der Kaiser wird wieder
in die Sache hineingezogen, und am 22. Februar 1597 setzt der Erzherzog-
Statthalter von Österreich aus Preßburg seinem Bruder in Prag den der
zeitigen Stand der Hardegger Angelegenheit auseinander, wobei er die
Türken, „was sy geschazt, was dargeben vnd austragen mechten", nur am
Rande erwähnt. Und während die Hofkammer meldet, daß eine Hardeggi-
sche „Türkhin in dem K(aiserliche)n arsional zue Wienn also die nunmer
getaufft zue christin worden. Und aber die fraue Grauin zu Hardegg Wittib
ihr dieselb alß Ir aigen gueth ervolgen zu lassen begert", wobei es sich
um eine dem Hofkriegsratssekretär in Obhut gegebene Türkin — etwa um
„Regina" — handeln könnte, was wieder ihre eigenen Aktionen beein
flußt, verlangt Anna Maria immer stürmischer die Herausgabe ihrer „In
alhirig Khayserlichen Arsionall depositirten Sclauin". Es gäbe schon „so
villfaltig Verordnungen, in deme mir Sy Sclauin aus dem Arsionall zuelief-
fern, den Verwaldtern doselbs ernstlich auferlegt worden, der furgeloffnen
Tauffweg ein verlengerliches disputat erweckt, sondern an Jezo weill man
mitt dem vermeint ten incident nicht gelang... gleichsam darumber be-
rurtte Sclauin mir nicht geuolgen, sondern allerdings furgehaltten, sintte-
maln Sy Katholisch getaufft, auch sonsten sich in Verehelichung einzu-
laßen bedacht sein solle". Es trifft die Gräfin vor allem deshalb „schmertz-
lich vnd ho,chbetrubsam", weil die Sache „mir durch mein Sclauin, vnd
niemandt andern an stadt Ihrer, Im fahll Sie einiche libertet gegen mir
zu praetendiren gedenckt, müssen ventilirt, vnd attentirt, alß woll billich
zu erfaren, das merer respect auf ein frembde Sclauin vnd vnbekantte
herentlossne streichunde Person geworffen, wider die billigkeitt vnd ge-
20
rechtigkeit in Acht genomen wierden solle .. .".
Bald darauf folgt wieder ein die Situation klärender Bericht des Erz
herzogs Matthias an den Kaiser (mit dem Datum 20. März 1597 „aus dem
Schloß zu Preßburg"), in dem er die Interessen der Gräfin verficht. Aus
dem Schreiben geht freilich nicht hervor, wieviel gefangene Graf Har-
deggische Türken der Kriegskanzlei und wieviel dem Hofkriegssekretär
Georg Kleinsdrättl zugeteilt worden waren, sondern nur daß die Gräfin
witwe selbst solche Türken „alß ein aigenthumblich von Irem Ehegemahel
geschenckhtes guett" begehrt. Er habe nachforschen lassen und teilt mit,
daß der Gräfin „die Türggischen Weiber samentlich... aigenthumblich
vnnd allain, an denen andern Hardeggischen Turckhen aber, alß Manns
Personen, vermüge Heuraths Titl, der halbe Thaill gehörig vnnd zustenn-
dig sey". Rudolf II. habe selbst am 20. September 1595 bewilligt, daß „der
Wittib alles das was Sy nach gelaistem Jurament Ier Rechtmäßiger weiß
zugehörig sein beweisen wierdt, eruolgen solle". Es hat nun „dieselb
darauf nit allain mit gelaistem cörperlichen Jurament vnnder annderm
auch der mehr beruertten Türckischen Weiber halber, das dieselben Ier
geschennckhtes frey aignes guett dargethan, sunder hierüeber noch ann-
dern schrifftlichen beweiß mehr füergebracht, Alß füers ander die Türckhi-
2 0
HKA a. a. O.: fol. 185.
78
sehen Mannspersonen anlanngendt, dieselben vnnder die bona mobila ge
zogen worden, deren die Wittib so woll alß bey annderer Varnus Iren
halben Theill zuersuchen, welches alles der N. ö . Camerprocurator so
hierüeber mehrfaltig vmb der eingefalnen Difficulteten vnnd bedennckhen
willen, gehörtt vnnd vernomben worden, in etlichen seinen Berichten vnnd
guettachten mit mehrerm erleuttert vnnd das diß alles der Gräuin alß
billich volge vnnd nit vorgehaltten werden khünne, aus dem grundt der
Rechten deduciert vnnd mit der Rechtsgelerten ainhelligen mainung er
wiesen vnnd dargethan. Ob nun hierüeber Eur Kay. Mt. dero Hofkriegs
Cantzley oder dem Klainsträtl mit verwilligung aines oder mehr dieser
Türggen ein gnadt erzaigen wollen, das stehet zue derselben gnedigisten
gefallen, darbey sich aber diese beysorge hellt, das die Gräuin Ier gebüer
So Sy an diesen Türggen hatt zweiuelßohne hoch aestimiern vnnd an
schlagen wierdet, welche alßdann Eur Kay. Mt. Ier gleich leres gefallens
wuerden erstatten sollen, dagegen den Außbittern mit demselben so hoch
nit gedienet vnnd Eur Kay. Mt. dieselben inannderweege mit mehrern
gnaden gnedigist bedennckhen khundten. Dann wie hoch die wittib auf
diese Türggen tringe, ist solches aus Irem vberraichten Supplicacions
leichtlichen zuuernemben, mit dergleichen Sy vasst täglichen füerkhumbt,
vnnd menniglich behelligt, zue dem Sy khaines wegs gestenndig, das etli
che weyuoden oder freybeitter lerem füergeben nach ainiche portion daran
haben sollen, mit vermelden das solche durch abgeleibten leren Ehege-
mahel vor lenngst vnnd no,ch in Zeitt seines lebens ordentlich zue lerem
benüegen (inmassen solches im Nottfall genuegsamb zubeweisen) der ver-
gliechenen Kaufsumma weren bezallt worden, vnnd verrers nichts zuer
suchen oder zue diesen Türggen ainichen zuespruech hetten, Im fall auch
Sy Ichtes wieder verhoffen praetendiern wollten, daran doch die maisten
auch nit mehr im Leben, dieselben solches genugsamb dociern müessten,
vnnd dannocht allain den Überrest, khaines weegs aber die Personen zu-
begern hetten. Es haben aber Eur Kay. Mt. aus des Georgen Platzen ge-
westen Pauschreiberamts Verwaltters gethanen gehorsamisten Bericht
hiebey gnedigist zuersehen welcher maßen aus mehrgedachten Hardeggi-
schen Türggen, obermelter Kriegs Secretary der Kleinsträtl, nach in dem
Monatt Julio des verschienen Sechsunndneunzigisten Jahrs, davon drey,
so der Gräuin füergeben nach, die füernembsten gewesst sein sollen, durch
decret von dem Pauschreiber abgefordert, vnnd hinweckh in Hungern ver-
schickht, aus denen nuer der aine zuruckh gebracht, die zween aber Na
mens Harsan vnnd Mustafa drunten behaltten worden, auf weßen Beuelch
vnnd Verordnung diß beschehen, haben deßwegen weeder Ier Lieb Ertt-
hertzog Maximilian selbst... auch der Kriegs Rath, den ich hierüeber...
vernomben ainiches wißen, ßunder wierdet durch dennselben auch noch
dabey angetzaigt, das außer der maissten Canntzley Personen vorwissen,
In deren Namen bey Eur Kay. Matth gedachter Klainsträtl vmb solche
Türggen vnnderthenigist angehaltten habe. Derohalben dann Ich gehor-
samb Brüederlich füer ein ßunder hohe notturfft hielt, das offternenter
Klainsträtl hierüeber selbst gehört vnnd vernomben wüerde vnnd weill
derselb an Jetzo zue Prag, so stehet bey der selben gnedigisten gefallen,
qb Sy daselbst seinen Bericht hierüber gnedigist abfordern laßen wollen,
dann im vbrigen heraußen beraits Verordnung bey dem Kriegs Rath be-
79
schehen, im fall mehrberüertte zween Türggen, nach zuhannden zubrinn-
gen, vnnd etwo zue Comorrn währen, solche wiederumb gehn Wienn In
Ier vorige Verwahrung brinngen zulassen, alß auch dem Pauschreiber
auferlegt worden, khünfftig ohne Eur Matth gnedigisten Verordnung, oder
meinem vnnd der Hof Camer vorwißen, khainen aus diesen Türggen Je
manden weitter euroigen vnnd hinweeg nemben zulassen dann sich be-
finndet, das nach vber die ermelten Türggen, auch von denen weibs
Personen ein Maidlein nach Prag gefüert worden, so der wittib gehörig,
vnnd Inmaßen Sy sich beraitt vernemben lassen, bey Eur Kay. Mt. gleich-
ffalß wierdt ersuechen vnnd wiederumb erstattet haben wollen, destwegen
nun auch die wieder abforderung bey Eur Kay. Mt. gnedigisten willen
stehet. Ebenffalß hellt sich mit ainer anndern Hardeggischen Türckhin
auch volgender stritt, das obwohl die anndern Türggischen weiber der
Gräuin beraitt angehenndigt, doch durch den Arsional Obristen, Ritter
Woschen vnnd den Grießer, in dem berüerttem Arsional dahin dieselben
behalttens weiß geben worden, Ier der Gräun die aine Türggin daraus,
darumben vorgehabten wierdt, weill Sy nunmehr inmitist dieser zeit zuer
Christin worden, sich tauffen laßen vnnd hierdurch sich von der Hardeggi
schen Leibaigenschafft entlediget vnnd frey gemacht haben soll. Darwie-
der nun nit allain ermelte wittib Repliciert, vnnd Ier solche Weibspersonen,
älß noch zur zeitt Ier aignes guett, eruolgen zulaßen begert, ßunder es
ist auch der Camer Procurator hierüeber mit Bericht vnnd guettachten
vernomben worden,... solche des Weichen vnnd Griesser praetension
vnnd füernemben ganntz zu wieder, vnnd vermüg deren durch Ihne nach
Ienngs allegierten Rechten vnnd darbey eingefüertten vrsachen der ge-
horsambisten mainung, das einem Christen ein solche Leibaigene Person
nach empfangener Tauff da gar nit khünne genomben werden, ßunnder
ainen alß den anndern weeg deßelben maneipium verbleib, khünne dem
nach der Gräuin diese getauffte vnnd zur Christin gemachte Person, wo
Sy vor der Tauff der Gräuin zugehörig gewesst, vnnd Ier zugestelt werden
sollen, nach der Tauff vermöge zugetzogener Rechten, auch nit vorge
habten werden, wieder dieses des Camer Procurators guettachten Ich
gehorsambist khain bedenckhen hette, sonnder in Alweeg darfüer hielte,
das dem Arsional Obristen oder in deßen abweesen, dem Griesser mit
Ernnst währ aufzulegen der Gräuin Ier Türggin verrer nit vorzuhaltten
vnnd dieselb her außer ainicher weittern Ausflucht vnwaigerlich eruolgen
zulaßen. Schließlichen erinder Eur Kay. Mt. Ich auch in Brüederlichem
gehorsamb das der gefanngenen Hardeggischen Türggen halber Ich be-
21
raiths Verordnung gethan, dieselb mit ehistem füer zunemben.. .".
Die Gräfin hatte sich mittlerweile wieder am 18. Juli 1601 in Laibach
mit dem 1577 geborenen Hans Georg Tschernembl auf Windeck und
Schwertberg vermählt, einem jüngeren Bruder Georg Erasmus von Tscher-
22
nembls (geb. 1567). Auch noch als Baronin Tschernembl — sie schreibt
2 1
H K A a. a. O.: fol. 180 if.
2 2
Vgl. Johann Georg Adam Frh. v. Hoheneck, Die L ö b l i c h e n . . . Stände, vom Her
ren- und Ritterstand in dem Ertz-Hertzogthum Oesterreich ob der Ennß, dero Fami
lien abgestorben und völlig erloschen..., 3, 1747, S. 759 f., und dazu Hans Sturmber-
ger, Georg Erasmus Tschernembl..., in: Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs,
3, 1953, S. 23, 244, hier bes. A. 56, u. a. O.
80
eigenhändig „Tschernemel" — müht sie sich um ihr Eigentum, obwohl
ihre Ansprüche entsprechend dem Testament Hardeggs fragwürdiger ge
worden sind. Zunächst (wohl 1602) versucht sie es wieder einmal unmittel
bar beim Kaiser, der „sich auf Mein hochstdemüetigist Supplicirn noch
den 20. September des verstrichnen 1595 Jars dahin allergnädigist reso-
luirt, Das Ich aller Meiner witiblichen Sprich vnd Anforderungen aus
weilent meines gewesten Herrn ehegemahels Herrn Ferdinands Grafens
zu Hardegg seligen sequestrirten Güettern vnaufgetzogen contentiert
werde...". Aber obwohl sie das geforderte „Jurament begerter massen
gelaistet", wurde das kaiserliche Versprechen nicht eingelöst. Sie und
Hans Georg Tschernembl haben sich sogar in einem gemeinsamen Schrei
ben an die Hofkammer gewendet und ein „Memorial wegen der Varnus"
beigelegt, in dem die „wittibliche abfertigungs sach" detailliert angeführt
wird: „Das Silbergeschirr vnnd was ich sonsten gegen meinen zwaien von
hannden gegebenen scheinen, aus der Varnus empfanngen vnnd bereit in
hannden hab." Und immer wieder, nur diesmal, da einige Jahre vergangen
sind, ein wenig variiert: „Die gefangenen zwelf Türggen, welche zu wien
im Arsional ligen. Item so hat mann mir ain gefangene Türggin genomen,
die ist etaufft vnnd verheurat worden, dargegen man mir ain anndere
Türggin zu geben versprochen hat, vermöge aines vorhandenen Decrets..."
Ferner wünscht sie: „Zu Creüzenstain, ist auch neben meiner aigenthom-
blich vahrnus, noch anndere, darunder auch das Vieh, vermüg aines
Inuentarii verbliben. Aus aller diser Vahrnus gebüret mir zwar, ausser
daß, was, wie verstanden, zu Creüzenstain noch mein aigen ist, nur der
halbe tail, Ich verhof aber weil es ain schlechts antrifft, man werd mir
die selb völlig, zu aines tails ergezung meiner bißhero erlitnen schaden,
23
billich eruolgen lassen."
Aber man erlebt nie das Ziel seiner Wünsche. Auch die Freifrau von
Tschernembl nicht. Als am 29. Oktober 1607 Kaiser Rudolf in Prag seinem
Bruder den Auftrag zur gänzlichen Befriedigung „der Anna Maria,
weilandt Ferdinaden Grafen zu Hardegg hindterlassener Wittiben" gibt,
da heißt es gleich darauf: „hernach aber des Edlen vnnsers Lieben ge
treuen Hannß Georgen von Tschernembls gewesten, vnd nunmehr auch
M
verstorbenen Ehewirttin" : Anna Maria ist seit über einem Jahr tot. Nach
25
dem Ableben Tschernembls 1622 in Gießen soll sie zwar, erneut ver
26
witwet, Georg Friedrich Baron d'Escherny geehelicht haben. In Wahrheit
ist sie aber schon am 24. Februar 1606 bei der Geburt eines Kindes ge
27
storben und wurde in Schwertberg bestattet.
Damit endet die Geschichte der Hardeggschen Sklaven, nicht aber die
Geschichte der Sklaven in Österreich überhaupt. Denn noch als der „hoch
fürstliche Mohr" Angelo Soliman, der zweifellos in seiner Jugend oft ge
kauft und verkauft worden war, 1768 eine „weiße Frau" ehelicht, mußte
2 3
H K A a. a. O.: fol. 323.
2 4
H K A a. a. O.: fol. 331.
25
Sturmberger, a. a. O., S. 393, 400.
2 9
Vgl. Wißgrill, a. a. O., S. 134, und Constant von Wurzbach, Biographisches Lexi
kon des Kaiserthums Oesterreich, 7, 1861, S. 352.
2 7
Neuer Siebmacher, Nieder-Österreich, 2, 1918, Sp. 354a, und Monatsblatt „Adler",
10, 1929, S. 512 f. Hier auch 1573 als Geburtsdatum Johann Georg Tschernembls.
81
der schon als Kind Getaufte beschwören, daß er kein Sklave mehr war.
Auch durfte die Ehe „auf Befehl Seiner Eminenz des Cardinalerzbischofs
niemandem mitgeteilt werden" („Maritus vero insuper iuravit se non esse
28
mancipium"). Wenn derartige Eidesleistungen verlangt wurden, dann
werden sie wohl selbst in dieser aufgeklärten Zeit notwendig gewesen
sein, weil es eben Sklaven gab. Und die Behandlung, die ihm nach seinem
Tod (1796) zuteil wurde, spricht dafür, daß man ihn immer als einen
solchen betrachtet hatte. Denn obwohl seiner Ehe eine Tochter Josephine
entsprungen war, die später den Kreisingenieur Baron Ernst Feuchters-
ieben heiratete, befahl Kaiser Franz II. „der Gütige", daß dem Neger die
Haut abgezogen werden sollte, um ausgestopft und im zweiten Stock der
heutigen Nationalbibliothek neben drei anderen ebenso präparierten
Mohren, einem Wasserschwein, einem Tapir etc. aufgestellt zu werden und
anthropologischen Zwecken zu dienen. Seine Tochter bemühte sich ver-
geblich, selbst beim Fürsterzbischof Migazzi, „um die Leichnamsreste ihres
verstorbenen Vaters", die 1848 bei der Belagerung Wiens durch Windisch-
grätz mit allen Schätzen des „k. k. zoologischen Museums" zugrundegin-
gen. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wird es zu offiziellen Regelungen
und Vereinbarungen auf dem Gebiet der Menschenwürde kommen, die
aber letzten Endes bis heute niemand verpflichten, sie auch zu achten.
RESUME
OTROCI V E S T A R E M R A K O U S K U
Na pfelomu stredovSku a nove doby op&tovne ozil problem, ktery ve sve podstate
dosud neni uspokojive zpracovan: problem otroctvi. Co bylo pro Aristotela hlavnim
zäkladem hospodäfskeho systemu jeho doby, to bylo pro kfestanstvi samozfejmym.
Kfesfanstvi sice vystupovalo za zlepSeni postaveni a za propuSteni otrokti, avSak nikdy
se nedotklo bezprostfedne samotne instituce, ackoliv papezi se stali i byvali otroci.
Stfedov&k a rany novov£k znal rovnez Jen „naivni" pojetf hospodäfstvf. Teprve
s pffchodem nierkantilismu zaujala fyziokratickä äkola kriticke stanovisko k dosa-
vadni politice a k jejim pokusüm o feäeni. To bylo pfiöinou, ze jeätö v epose velkych
objevü existovaly v EvropS opravdove trhy na otroky a ze v 16. a 17. stol. nejen
2 8
Wilhelm A, Bauer, Angelo Soliman, der hochfürstliche M o h r . . . , 1922, S. 33 ff.
Um dieselbe Zeit besaß Christian VII. von Dänemark (1766—1808) „einen w e i ß e n und
einen schwarzen Burschen" und bei Sturz und Hinrichtung Struensees 1772 spielten
„schwarze Sklaven aus den Kolonien" als Gefängniswärter eine gewisse Rolle. Noch
am 16. Oktober 1842 schrieb Metternich an den Präsidenten der k. k. allgemeinen
Hofkammer, Baron Kübeck, er habe von englischer Seite gehört, daß auf der öster-
reichischen Brigg „Febo" des Kapitäns Nicolo Zaar, die eben in Goletta eingelaufen
sei, sich „vier weibliche Sklaven" befunden hätten. Der Bey von Tunis habe be-
fohlen, d a ß sie noch an Bord freigelassen würden. Der großbritannische Botschafter
in Wien, Sir Robert Gordon, habe übrigens darauf hingewiesen, d a ß sich derartige
Fälle schon früher ereignet hätten. Metternich wünscht, „für die Zukunft ä h n l i c h e
Mißbräuche der Oesterreichischen Flagge zu verhindern". Der österreichische Konsul
benehme sich hierbei „sehr lau". Solche Fälle verstießen aber „eben so sehr gegen
unsere eigenen Gesetze, als gegen die kürzlich abgeschloßenen Sklaventraktate": F i -
nanzarchiv Wien 7412/P. P. ex 1842. — Frau Oberstaatsarchivar Dr. Anna Hedwig
Benna sei für freundliche Hilfe bei der oft schwierigen Transkription mancher Text-
stellen auch hier herzlichst gedankt.
82
v rtälii, ba dokonce v tak katolickem Rakousku existovali otroci. Zprävy o tom
pfiznaöne osvetluji mentalitu otrokäfü a postaveni otrokü. Tu n a l e z ä m e obSirne do-
klady jak ve Florencii 15. stol., kde bile otrokyne (Tatarky, Rusky a Cerkasky) byly
näkladnym majetkem, tak rovnez v Rakousku 16. stoL, kde väak pro blizke vztahy
k ruskemu carstvi jeho obyvatele jako otroci nepfichäzeli v üvahu. Proto tu meli
turecke otroky pod zäminkou, ze rovnez Turci zotrocuji kfestany. Ve studii autor
uvädi pfiklad, v nemz se zvläät tvrdoäijne probojovävalo vlastnicke prävo na otroky:
Po procesu s hrabetem Ferdinandem z Hardeggu, ktery po vydäni pevnosti Räbu byl
v r. 1595 stat, bylo rovnez konfiskoväno jeho jmeni. Vdova Anna Maria Susanna,
koneöne tez protestantske viry, jako byl jeji manzel, se obrätila pfimo k cisafi R u -
dolfovi II. a dozadovala se refundace sveho vena, jakoz i darü, jiohz se ji dostalo.
Pfedevsi'm se domähä svych äperkü, ale rovne2 — a to se zvlägtni tvrdoäi'jnosti —
tureckych otrokyfi, ktere ji daroval manzel pfed r. 1594. Bojuje jako lvice o kazdy
zlatäk a zäroveft neustäle tez o Turkyne. Arcivevoda M a t y ä l r. 1597 pi§e svemu
bratrovi, ze o to „takfka denne" intervenuje. Prävni situace byla komplikovanä. Zatim
se hrabenka v r. 1601 provdala za Hanse Georga Tschernembla, rovnez protestanta,
a zemfela jiz r. 1606. Lee teprve 29. fijna 1607 bylo vydäno nafizeni k jejimu üplne-
mu „uspokojeni". Otrokynö byly restituoväny. Tim skonfiila historie s otrokynömi
hrabete Hardegga, nikoliv vsak s otroky v Rakousku. Nebot jeSte 1768 musel pokfteny
negr Angelo Soliman, ktery se zenil s beloskou, pfisahat, ze jiz neni otrokem, ba
jeste v r. 1842 byly na rakouskych lodich, kteri se plavily do Tunisu, „otrokyne".
Zpracoval F. H.
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