Gut ist ein Hof,
ist er groß auch nicht:
daheim ist man Herr;
dem blutet das Herz,
der erbitten die Kost
zu jeder Mahlzeit sich muß.
Von seinen Waffen
gehe weg der Mann
keinen Fuß auf dem Feld:
nicht weiß man gewiß,
wann des Wurfspießes
draußen man bedarf.
Wenn du einen Freund hast,
dem du fest vertraust
und von dem du Gutes begehrst,
tausch mit ihm Gedanken
und bedenk ihn mit Gaben,
suche oft ihn auf
Besitz stirbt,
Sippen sterben,
du selbst stirbst wie sie;
doch Nachruhm
stirbt nimmermehr,
den der Wackere gewinnt. (FELIX GENZMER)
Vol und Wodan fuhren zu Holze.
Da ward dem Balders-Fohlen sein Fuß verrenkt
Da beschwor ihn Sinthgunt Sonne ihre Schwester
Da beschwor ihn Frija Volla ihre Schwester
Da beschwor ihn Wodan erder's wohl konnte.
Wie die Beinrenke so die Blutrenke
So die Gliedrenke:
Bein zu Beine Blutzu Blute
Glied zu Gliede wie wenn sie geleimt sei'n.
(FRIEDRICH VON DER LEYEN/KARL WOLFSKEHL)
Dat gafregln ih mit firahim firiwizzo meista
dat ero ni was noh üfhimil
noh paum. . . noh pereg ni was ni
nih . .
. nohheinig noh sunna ni seein
noh mäno ni liuhta noh der märeo seo
dö dar niwiht ni was enteo ni wenteo
enti dö was der eino almahtico cot
manno miltisto enti dir wärun auh manake mit inan
cootlihe geistä.. . . enti got heilac . .
Das erfuhr ich als der Wunder größtes,
Daß die Erde nicht war noch der Himmel oben.
Noch Baum noch Berg war.
Noch Sonne schien . . .
Noch Mond leuchtete, noch das herrliche Meer.
Da dort nichts war bis zu den äußersten Enden,
Da war der eine allmächtige Gott,
Der Männer mildester, und viele mit ihm
Herrliche Geister Und der heilige Gott. .
(JULIUS SCHWIETERING)
Da erboste sich
Der schnelle Schwertdegen, Simon Petrus:
Ihm wallte wild der Mut, kein Wort macht er sprechen.
So härmt es ihn im Herzen, als sie den Herrn ihm da
Zu greifen begehrten. . . Blitzschnell zog er
Das Schwert von der Seite und schlug und traf
Den vordersten Feind mit voller Kraft,
Davon Malchus ward durch des Messers Schärfe
An der Rechten Seite mit dem Schwert gezeichnet.
Da sprach der Sohn des Herrn
Zu Simon Petrus: Dein Schwert stecke.
Das scharfe, in die Scheide.... denn wer da Waffenstreit,
Grimmen Gerkampf, gerne üben mag,
Der soll von des Schwertes Schärfe umkommen.
(KARLSIMROCK)
Dem aus Grabesnacht
Auferstandenen Heiland huldigt die Natur:
Blum' und Saatgefild
Sind erwacht zu neuem Leben.
Der Vögel Chor
Nach des Winters Rauhreif singt sein Jubellied.
Heller strahlen nun
Mond und Sonne, die des Heilands Tod verstört.
Und im frischen Grün
Preist die Erde den Erstandenen,
Die, als er starb.
Dumpf erbebend ihrem Einsturz nahe
schien... (PAUL VON WINTERFELD)
Ich zog mir einen Falken länger als ein Jahr.
Als ich ihn gezähmt, wie ich ihn haben wollte,
und sein Gefieder mit Gold geschmückt hatte,
hob er sich hoch auf und flog davon.
Seither sah ich den Falken schön fliegen:
er führte an seinem Fuß seidene Fesseln
und sein Gefieder war ganz rotgolden.
Gott sende sie zusammen, die einander gerne
liebhaben wollen.
(MAXWEHRLI)
Floret Silva nobilis
flohbus et foliis.
ubi est antiquus
meus amicus?
hinc equitavit,
eia, quis me amabit?
Floret Silva undique,
nach mine gesellen ist mir we
gruonet der walt allenthalben
wa ist min geselle alse lange?
der ist geriten hinnen,
owe, wer sol mich minnen?
Es grünt der Wald, der edle,
Mit Blüten und mit Blättern,
Wo ist mein Vertrauter,
Mein Geselle?-
Er ist hinweggeritten!
Eia! wer wird mich lieben?
Es grünt der Wald allenthalben.
Nach meinem Gesellen ist mir weh.
Es grünt der Wald allenthalben.
Wo bleibt mein Geselle so lange?-
Er ist hinweggeritten!
Oh weh! wer wird mich lieben?
Släfest du, friedel ziere?
man wecket uns leider schiere:
ein vogelltn so wol getan
daz ist der linden an das zwi gegän!
Ich was vil sanfte entsläfen:
nu rüefstu kint Wäfen.
liep äne leit mac niht gesin.
swaz du gebiutst, daz leiste ich, friundin min.
Diu frouwe begunde weinen,
du ritest und last mich einen,
wenne wilt du wider her zuo mir?
owe du füerest min fröide sament dir!
Liegst, Liebster, noch im Schlummer?
Man weckt uns früh, o Kummer!
Ein Vöglein schwang sich aus dem Nest
Und flog zum Lindenbaum hoch ins Geäst.
Ich lag im Schlaf geborgen.
Da riefst du mir voll Sorgen.
Lieb ohne Leid das kann nicht sein.
Was du gebietest, leist ich. Liebste mein. \
Die Frau zerfloß in Tränen:
Du reitest und läßt mir Sehnen.
Wann willst du wieder her zu mir?
wehe, du entführst mein Glück mit dir.
(WALTER FISCHER)
Ich saz üfeime steine,
und dahte bein mit beine:
dar üf satzt ich den ellenbogen.
ich hete in mine hant gesmogen
daz kinne und ein min wange.
dö dähte ich mir vil ange,
wie man zer weite solte leben,
deheinen rät kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwürbe,
der keines niht verdürbe,
diu zwei sint ere und varnde guot,
daz dicke einander schaden tuot;
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier Überguide,
die wolte ich gerne in einen schrm:
ja leider desn mac niht gesin,
daz guot und weltlich ere
und gotes hulde mere
zesamene in ein herze komen.
stig unde wege sint in benommen:
untriuwe ist in der säze,
gewalt vert üf der sträze,
fride unde reht sint sere wunt.
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei en werden e gesunt.
Ich saß auf einem Stein,
und schlug ein Bein über das andere.
Darauf stützte ich den Ellenbogen.
Ich hatte in meine Hand geschmiegt
das Kinn und meine eine Wange.
So erwog ich in aller Eindringlichkeit,
wie man auf dieser Welt zu leben habe.
Keinen Rat wußte ich zu geben
wie man drei Dinge erwerben könne
ohne daß eines von ihnen verlorenginge.
Zwei von ihnen sind Ehre und Besitz,
die einander oft Abbruch tun;
das dritte ist die Gnade Gottes,
weit höher geltend als die beiden andern.
Die wünschte ich in ein Gefäß zu tun.
Aber zu unserm Leid kann das nicht sein,
daß Besitz und Ehre in der Welt
und dazu Gottes Gnade
zusammen in ein Herz kommen.
Weg und Steg ist ihnen verbaut,
Verrat lauert im Hinterhalt,
Gewalttat zieht auf der Straße,
Friede und Recht sind todwund:
bevor diese beiden nicht gesunden,
haben die Drei keine Sicherheit.
(PETER WAPNEWSKI
Gote dienen äne wanc
deist aller wisheit anevanc.
Swer sines mundes hat gewalt,
der mac mit eren werden alt.
Ez trinkent tüsent e den tot
e einer stürbe in durstes not.
Gewisse vriunt, versuochtiu swert
diu sint ze noeten goldes wert.
Anevanc und ende
Stent in gotes hende.
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
Dein sind das Lob, der Ruhm, die Ehr und aller Segen.
Dir gehören sie. Höchster, allein.
Kein Mensch ist wert. Dich zu nennen.
Gelobt seist Du, mein Herr, samt all Deinen Kindern
Und der Schwester Sonne besonders.
Denn am Tage zündst Du für uns sie an!
Schön ist sie und strahlt in großem Glänze.
Von Dir, o Höchster, bringt sie Kunde.
Gelobt seist Du, mein Herr, für Bruder Wind
Und Luft und Wolken, freundliches und jedes Wetter!
Mit ihnen hegst Du Deine Kinder.
Gelobt seist Du, mein Herr, um Wassers Willen!
Das ist so nützlich, schmiegsam, köstlich und keusch.
Gelobt seist Du, mein Herr, für Bruder Feuer!
Die Nacht erhellst Du uns mit ihm
Und schön ist er und munter und gewaltig und stark.
Gelobt seist Du, mein Herr, für unsre Mutter Erde!
Die hegt und trägt uns
Und vielerlei Frucht und farbige Blumen treibt sie und Gras.
Gelobt seist Du, mein Herr, für alle, die verzeihen
Und Krankheit dulden und Mühsal Dir zulieb!
Selig, wer es in Frieden erduldet.
Denn von Dir, Höchster, wird er gekrönt.
Gelobt seist Du, mein Herr, für unsern Bruder, den fleischlichen Tod
Dem kann kein lebender Mensch entgehen,
Weh denen, die in Todessünden sterben!
Doch selig, wen Du hältst in Deinem heiligen Willen,
Ihm tut der zweite Tod kein Leid.
Lobet und preiset meinen Herrn und danket ihm
Und dient ihm in herzlicher Demut.
(KARL VOSSLER
Es stet ein lind in jenem tal,
darauf da sitzt frau Nachtigal.
»Frau Nachtigal, kleines waldvögelein,
du fleugst den grünen wald aus und ein.
Ich wolt, du soltst mein böte sein
und farn zur herzallerliebsten mein!«
Frau Nachtigal schwang ihr gefider aus,
sie schwang sich für eins goldschmids haus.
»Ach goldschmid, lieber goldschmid mein,
mach mir von gold ein ringelein.<<
Und da das ringlein war bereit,
groß arbeit war daran geleit.
Frau Nachtigall schwang ihr gefider aus,
sie schwang sich für eins goldschmids haus.
Da sie kam für des burgers haus,
da lugt das meidlein zum fenster aus.
»Got grüß euch, Jungfrau hübsch und fein!
da schenk ich euch ein ringelein.
Was schenkt sie dem knaben wider?
ein busch mit kranichsfedern.
Die federn waren wo! bereit:
es sol sie tragen ein stolzer leib
Latein ich vor gescliriben hat.
Das was eim yedem nit belcandt,
Yetzt sciirey ich an das vatterlandt
Teütsch nation in irer sprach. .
Yetzt ist die zeit zu heben an
Vmb freyheit l<ryegen, got wills han . .
Herzu, ir frommen Teutschen all.
Mit gottes hilf, der warheit schall,
Ir landsknecht, und ir reuter gut,
Vnd all, die haben freyen mut!
Den aberglauben tilgen wir,
Die warheit bringen wider hir . .
Wer wolt in solchem bleiben dheim
Ich habs gewagt, das ist mein reim.
Vulgata
Dominus regit me, et nihil mihi
deerit: in loco pascuae
ibi me collocavit. Super aquam
refectionis educavit me,
me super semitas iustitiae,
animam meam convertit. Deduxit
propter nomen suum.
Lutherbibel, 1545
Der Herr ist mein Hirte, mir wird
nichts mangeln. Er weidet mich
auff einer grünen Awen, und füret
mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele, er
füret mich auff rechter Straße,
umb seines Namens willen.
Gelobet seist du, Jesu Christ,
Daß du Mensch geboren bist.
Von einer Jungfrau, das ist wahr.
Des freuet sich der Engel Schar.
Ich empfinde fast ein Grauen,
Daß ich, Plato, für und für
Bin gesessen über dir;
Es ist Zeit, hinaus zu schauen
Und sich bei den frischen Quellen
In dem Grünen zu ergehn.
Wo die schönen Blumen stehn
Und die Fischer Netze stellen.
Wozu dienet das Studieren
Als zu lauter Ungemach?
Unterdessen läuft der Bach
Unsers Lebens, das wir führen.
Ehe wir es inne werden,
Auf sein letztes Ende hin;
Dann kommt ohne Geist und Sinn
Dieses alles in die Erden
Wer ihn erkiest.
Den rechten Lauf der Gott-ergebenen Scharen,
Der kann, ob Wellen Bergen gleich aufstehn.
Nicht untergehn.
Wir sind doch nunmehrganz, ja mehr denn ganz verheeret.
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun
Hat allen Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret,
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun.
Die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durch fähret.
Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen.
Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot:
Daß auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.