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MUTATIONEN

WAS IST EINE MUTATION?


Eine Mutation (lat. mutare = ändern/verändern) ist eine spontan entstehende
oder künstlich erzeugte, dauerhafte Veränderung des genetischen Materials
einer Zelle. Es ist eine dauerhafte Veränderung des Erbguts in einer Zelle oder
eines gesamten Organismus. Kommt eine Mutation in einer Keimzelle vor, wird
sie an Nachkommen weitervererbt (Keimzellmutation). Tritt die Veränderung
hingehen in einer Körperzelle auf, betrifft das die Nachkommen nicht
(somatische Mutation).
Je nach Ursache kannst du Mutationen einteilen, in:

Spontane Mutation: Sie finden spontan und unter natürlichen Bedingungen


statt, beispielsweise während der DNA-Replikation.

Induzierte Mutation: Sie werden von Außenfaktoren (Mutagenen), wie


Strahlung, verursacht.

MUTATIONSARTEN
Mutationen sorgen immer für eine Veränderung im Erbgut. Je nachdem, wie
groß die Veränderung ist, teilst du in drei grundsätzliche Mutationsarten oder
Mutationsformen ein: Genmutation, Chromosomenmutation und
Genommutation.

Für die drei Mutationsformen gilt:

- Genmutationen: betrifft die Basenabfolge


- Chromosomenmutationen: betrifft die Struktur der Chromosomen
- Genommutationen: betrifft die Anzahl der Chromosomen
GENMUTATIONEN

Genetische Vielfalt basiert hauptsächlich auf Unterschieden der Basensequenz


von Gene (Genmutationen). Innerhalb einer Art gibt es sehr viele Versionen von
den meisten Gene, sogenannte allele Gene. Wenn die Mutation zu einer
verstärkten Wirkung des Genprodukts führt, wird das Funktionsgewinn-Mutation
genannt. Das kann zu Krankheiten führen, wie zum Beispiel die
Schilddrüsenüberfunktion. Mutationen, die nur eine Base der DNA betreffen,
heissen Punktmutationen. Das kann zum Einbau einer anderen Aminosäure
oder einem vorzeitigen Stopp der Translation führen. Wenn aber die Mutation
trotzdem zur Translation derselben Aminosäure führt, weil das betroffene
Triplett für die gleiche Aminosäure codiert, wird von einer stummen Mutation
gesprochen.

GENMUTATON ARTEN

Bei der Genmutation kommt es zur Veränderung von Genen, also einzelnen
Abschnitten auf der DNA. Dabei sind die kleinsten Bausteine, die Basen,
betroffen. Die Basensequenz kann hierbei auf unterschiedliche Weise verändert
werden.

Punktmutation

Bei einer Punktmutation ist jeweils nur eine einzelne Base betroffen. Sie wird in
der Regel durch eine andere Base ersetzt, denn es findet ein Austausch
(Substitution) statt.
Je nach Austausch der Basen, entstehen dabei entweder dieselbe Aminosäure
(stumme Mutation), eine andere Aminosäure (Missense-Mutation) oder ein
Stopp-Codon (Nonsense-Mutation).

Punktmutationen können vom Körper häufig kompensiert werden und sind


deshalb meist nicht tödlich.

Substitution

Die Substitution oder auch Basensubstitution kann man dir als den Austausch
einer Base gegen eine andere Base vorstellen.

Sie kann noch weiter in die Transition und die Transversion unterteilt werden:

Transition: Tausch einer Purinbase gegen eine andere Purinbase oder einer
Pyrimidinbase gegen eine andere Pyrimidinbase

Transversion: Tausch einer Purinbase gegen eine Pyrimidinbase oder umgekehrt

Rastermutation

Die Rastermutation ist die Art der Genmutation, bei der sich das sogenannte
Leseraster verschiebt. Durch das Einfügen (Insertion) oder Entfernen (Deletion)
von Basen verändern sich also die nachfolgenden Basentripletts.

Bei der Deletion werden eine oder mehrere Basen aus der Sequenz entfernt
und das Raster hinter der Mutation verschiebt sich nach vorne.

Mit der Insertion werden eine oder mehrere Basen in die Sequenz eingefügt.
Das Leseraster verschiebt sich nun um eine oder mehrere Basen nach hinten.

CHROMOSOMENMUTATIONEN

Mutationen der Chromosomenstruktur oder Veränderungen der Anzahl an


Chromosomen führen meistens zu Fehlentwicklungen, die dann zu
Erkrankungen, Behinderungen oder geringer Lebenserwartung führen können.
In Pflanzen spielt die Vervielfältigung des ganzen Chromosomensatzes
(Polyploidisierung) in der Evolution und bei der Züchtung eine Rolle.

CHROMOSOMENMUTATIONEN ARTEN
Die Chromosomenmutation kann auf sechs Arten ablaufen:

- Deletion (Verlust)
- Duplikation (Verdopplung)
- Insertion (Einschub)
- Inversion (Umkehr)
- Translokation (Verlagerung)
- Bildung von Isochromosomen
Meist beeinflussen sich die Mutationsarten aber gegenseitig und treten
auch oft
gemeinsam auf.

GENOMMUTATIONEN

Jede Art besitzt eine bestimmte Anzahl an Chromosomen, die das


gesamte Genom beinhaltet. Wenn sich aber die Anzahl der
Chromosomen pro Zelle ändert, wird von einer Genommutation oder
auch numerische Chromosomenaberration gesprochen. Menschen zum
Beispiel besitzen 46 Chromosomen im Zellkern. Wenn der ganze
Chromosomensatz vervielfacht wird, handelt es sich um eine Polyploidie.
Bis auf wenige Ausnahmen verlaufen Genommutationen tödlich für den
Menschen.
Die fehlerhafte Anzahl der Chromosomen entsteht durch eine fehlerhafte
Verteilung während der Keimzellbildung. Das führt dazu, dass in einer
befruchteten Eizelle nicht nur homologe Chromosomenpaare vorliegen,
sondern auch einzelne Chromosomen (Monosomie) oder dreifache
Chromosomen (Trisomie).

GENOMMUTATIONEN ARTEN
Die Genommutation nimmt auf die Gesamtanzahl der Chromosomen Einfluss.
Das ist eine gravierende Änderung, da genetische Informationen in großem
Umfang hinzukommen oder entfernt werden.

Bei der Genommutation unterscheidest du zwischen zwei Arten:

- Polyploidie
- Aneuploidie

Polyploidie

Die Polyploidie („poly” = viele) betrifft die Anzahl der vollständigen


Chromosomensätze. Wie fast alle Tiere auch, sind Menschen im Normalfall
diploid. Das bedeutet, dass sie einen doppelten Chromosomensatz besitzen.
Jedes Chromosom kommt hier also zweimal vor, da eines vom Vater und eines
von der Mutter stammt.

Ein einzelner menschlicher Chromosomensatz enthält 23 Chromosomen. Bei


einem doppelten (diploiden) Chromosomensatz liegen also 46, bei einem
dreifachen (triploiden) beispielsweise 69 Chromosomen vor.

Ab einer Anzahl von drei Chromosomensätzen sprechen wir von einer


Polyploidie.

Aneuploidie

Die Aneuploidie betrifft die Anzahl der einzelnen Chromosomen. Es sind


also von einem oder mehreren Chromosomen zu viele oder zu wenig
vorhanden.
Menschen mit Aneuploidie besitzen also entweder etwas mehr oder etwas
weniger als 46 Chromosomen

FOLGEN
Je nach Mutationsart kann es zu unterschiedlichen Folgen kommen:

1. «Positive» Folgen

Mutationen mit positiven Folgen verschaffen den Individuen einen selektiven


Vorteil gegenüber denen, welche die Mutation nicht besitzen.

1. Ein selektiver Vorteil erhöht die Fitness des betroffenen Individuums


2. Eine erhöhte Fitness führt zu mehr Nachkommen
3. Das durch die Mutation entstandene Merkmal verbreitet sich in der
Population
4. Positive Folgen treten in der Regel nur durch (mehrere) kleinere
Mutationen wie Punktmutationen ein.

2. Neutrale Folgen

Neutrale Folgen besitzen keinen oder nur unwichtigen Einfluss auf die Fitness.
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

1. Oft liegt sie dann auf einem inaktiven oder genetisch unbedeutsamen
Gen
2. Die Mutation ist eine stille (Gen-)Mutation
3. Die Mutation wird phänotypisch ausgeprägt, besitzt aber keinen
relevanten Einfluss

3. Negative Folgen
Mutationen mit negativen Folgen führen im schlimmsten Fall zum Tod. Falls
nicht, verschaffen sie dem Individuum einen selektiven Nachteil gegenüber
denen, welche die Mutation nicht besitzen.

1. Ein selektiver Nachteil vermindert die Fitness des betroffenen


Individuums
2. Eine verminderte Fitness führt zu weniger Nachkommen
3. Die Gene des Individuums sterben in der Population aus
4. Negative Folgen können durch jegliche Mutationsformen auftreten
(Chromosomen-, Genom- und Genmutationen).

BEISPIELE MUTATIONEN
1. Laktose-Toleranz

Die Laktose-Toleranz des Menschen beruht auf einer Mutation. Der Mensch
besaß die Fähigkeit Milchzucker zu spalten nur als Säugling/Kind. Die Haltung
von Nutztieren eröffnete einen Selektionsmechanismus für diese Mutation.
Erwachsene Menschen, die Milch vertragen, hatten einen erheblichen Vorteil
gegenüber den Laktose-Intoleranten. Dadurch entstand ein Selektionsdruck für
das Vertragen von Milch im Erwachsenenalter.

2. Polydaktylie

Polydaktylie ist eine genetische Störung, die während der Entwicklung des
Fötus auftritt und dazu führt, dass ein oder mehrere zusätzliche Finger oder
Zehen entstehen. Diese Finger und Zehen sind in der Regel funktionsunfähig
und müssen oft entfernt werden.

3. Marfan-Syndrom

Marfan-Syndrom. Es wird durch Defekte in einem Gen namens Fibrillin-1


verursacht, das sich mit der genetischen Information befasst, die die Bildung
von Bindegewebe bestimmt. Menschen mit diesem Syndrom haben einen
dünnen Körperbau mit abnormal langen Gliedmaßen, was einen abnormalen
Druck auf die Aorta ausübt, was zu einem Herzinfarkt führen kann.

4. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)


Amyotrophe Lateralsklerose ist eine Erkrankung der Nervenzellen im Gehirn,
Hirnstamm und Rückenmark, die die willkürlichen Muskelbewegungen
steuern. ALS ist auch als Lou-Gehrig-Krankheit bekannt.
5. Achondroplasie

Die Achondroplasie ist eine autosomal-dominante Erbkrankheit mit


vollständiger Penetranz, die im homozygoten Zustand tödlich verläuft und die
Hauptursache für disproportionalen Zwergwuchs ist. Die Krankheit betrifft nur
Gliedmaßen (Arme und Beine), die deutlich weniger wachsen als der Rest des
Körpers. Ein hoher Prozentsatz der Betroffenen überlebt nur wenige Tage oder
wird tot geboren.

6. Hämophilie

Hämophilie ist eine seltene Gerinnungsstörung, bei der das Blut nicht so
gerinnt, wie es sollte. Dies kann zu starken Blutungen nach Verletzungen oder
Operationen führen. Es kann auch zu plötzlichen Blutungen im Körper kommen,
z. B. in den Gelenken, Muskeln und Organen.

Ihr Blut enthält viele Proteine, so genannte Gerinnungsfaktoren, die bei der
Bildung von Gerinnseln helfen können, um Blutungen zu stoppen. Menschen
mit Hämophilie haben niedrige Werte eines dieser Faktoren, normalerweise
Faktor VIII (8) oder Faktor IX (9). Der Schweregrad der Hämophilie hängt von
der Menge des Faktors im Blut ab. Je geringer die Faktormenge ist, desto
wahrscheinlicher ist es, dass Blutungen auftreten und ernsthafte
Gesundheitsprobleme verursachen.

 Laktose Intolleranz -> Polydaktylie


 Marfan Syndrome -> Amyotrophe Lateralsklerose
(ALS)

 Achondroplasie -> Hämophilie

WAS IST EIN MUTANT?


In der Biologie und insbesondere in der Genetik ist eine Mutante ein
Organismus oder ein neues genetisches Merkmal, das durch eine Mutation
entstanden ist, bei der es sich in der Regel um eine Veränderung in der DNA-
Sequenz des Genoms oder Chromosoms eines Organismus handelt. Es handelt
sich um ein Merkmal, das bei einem Exemplar auf natürliche Weise nicht zu
beobachten wäre. Der Begriff Mutant wird auch für ein Virus mit einer
Veränderung in der Nukleotidsequenz verwendet, dessen Genom nicht aus
DNA, sondern aus RNA besteht. Mutanten entstehen aus Mutationen, die in
bereits bestehenden Genomen infolge von DNA-Replikationsfehlern oder DNA-
Reparaturfehlern auftreten. Bei Replikationsfehlern handelt es sich häufig um
die Synthese von Translesionen durch eine DNA-Polymerase, wenn diese eine
geschädigte Base auf dem Vorlagenstrang findet und umgeht.3 Ein DNA-
Schaden ist eine anormale chemische Struktur in der DNA, z. B. ein
gebrochener Strang oder eine oxidierte Base, während es sich bei einer
Mutation hingegen um eine Veränderung der Standard-Basenpaarfolge handelt.
Reparaturfehler entstehen, wenn Reparaturprozesse eine geschädigte DNA-
Sequenz fälschlicherweise ersetzen. Die Mikrohomologie-vermittelte
Endverbindung des DNA-Reparaturprozesses ist besonders fehleranfällig.

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