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1.

Grundlagen

1.1 Grundverständnis der Wirtschaftsinformatik


1.2 Unternehmen, Aufgabenträger, Organisation, Geschäftsprozesse
1.3 Information, Zeichen, Daten
1.4 Informationssysteme, Hardware, Software, Menschen, Organisation

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-1
1.1 Grundverständnis der Wirtschaftsinformatik

Was ist Wirtschaftsinformatik?

Betriebswirtschaftliche Problemstellung:

Wie kann IT im Unternehmen


angewendet werden, z. B. im Bereich
Beschaffung oder Absatz?

Welche IT-Technologien können für die


Lösung betriebswirtschaftlicher
Probleme eingesetzt werden? Welche
Anforderungen ergeben sich für die IT?

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-2
1.1 Grundverständnis der Wirtschaftsinformatik

Was ist Wirtschaftsinformatik?

Gegenstand der Wirtschafts-


informatik sind Informations-
systeme (IS) […] in Wirtschaft,
Verwaltung und im Privathaushalt.
[…] Im Mittelpunkt stehen die
Konzeption, Entwicklung,
Einführung, Nutzung und Wartung
von Anwendungssystemen sowie
generell das Management des
Produktionsfaktors Information.
Quelle: [Link]
wi/wirtschaftsinformatik/, April 2019

„Digitalisierung von Wirtschaft


und Gesellschaft“
Quelle: [Link]

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-3
1.2 Unternehmen, Aufgabenträger, Organisation, Geschäftsprozesse

Organisation im Unternehmen

Definition Unternehmen:
Die Aufgabe eines Unternehmens ist die Erzeugung von Sach- und Dienstleistungen
durch die Kombination von Produktionsfaktoren; das Zusammenwirken der
Produktionsfaktoren muss hinsichtlich des Unternehmensziels koordiniert werden.

Die Aufgaben werden vom Aufgabenträger wahrgenommen. Die Regeln hinsichtlich


des Zusammenwirkens werden durch die Organisation festgelegt.

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-4
1.2 Unternehmen, Aufgabenträger, Organisation, Geschäftsprozesse

Organisation im Unternehmen

Aufbauorganisation:
Leitungs- und Informationsbeziehungen der Aufgabenträger

Ablauforganisation:
Gegenstand ist die zeitlich-logische Abfolge von Unternehmensaktivitäten zur
Zielerreichung

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-5
1.2 Unternehmen, Aufgabenträger, Organisation, Geschäftsprozesse

Geschäftsprozesse

Definition Geschäftsprozess (allgemein):


Zusammenhängende Abfolge von Unternehmensaktivitäten
zum Zwecke der Leistungserstellung

Geschäftsprozessmodell:
Abbildung von Geschäftsprozessen, z. B. in graphischer Form als EPK
(Ereignisgesteuerte Prozesskette) oder BPMN 2.0 (Business Process Model and
Notation)

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-6
1.2 Unternehmen, Aufgabenträger, Organisation, Geschäftsprozesse

Geschäftsprozesse

Zweck von Geschäftsprozessmodellen:


• Organisationsbeschreibung (Ablauforganisation)
Speichern von Organisationswissen
• Prozessdokumentation für Zertifizierung (ISO 9000ff)
• Verbesserung von organisatorischen Abläufen
BPR: Business Process Reengineering
BPE: Business Process Engineering
• Kostenbetrachtung (Prozesskostenrechnung)
• Auswahl von Standardsoftware und Anpassung
• Entwicklung von Individualsoftware (Anforderungen / Requirements)

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-7
1.3 Information, Zeichen, Daten

Das Wesen der Information

materielle Güter Informationen

• Definition von Stückkosten möglich • geringe Vervielfältigungskosten


• individueller Besitz • Mehrfachbesitz
• eingeschränkte Wiederverwendung • leichte Wiederverwendung
• Kosten sind gut bestimmbar • Kostenermittlung ist schwierig
• Preise sind bekannt • Preisbildung ist vage
• Bestandsbewertung einfach möglich • Bestandsbewertung schwierig
• guter rechtlicher Schutz • rechtlicher Schutz z. T. schwierig

gefestigte Modelle und Theorien Theoriedefizit


in Wirtschaftswissenschaft

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-8
1.3 Information, Zeichen, Daten

Der Begriff der Information

Wissen

Handlungserwartung

Information (z.B. Preis)

Semantik

Daten (z.B. „200€“)

Syntax

Zeichen (z.B. „1“; „x“; „?“)

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-9
1.3 Information, Zeichen, Daten

Der Begriff der Information

Beispiel:

Datum 1: Dies ist ein Haus


Datum 2: This is a house } Information A: das Objekt ist ein Gebäude

} Information B: geographische Kontext


Datum 3: Die Talsohle ist erreicht
Information C: volkwirtschaftlicher
Kontext

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-10
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Das Dualsystem (Binärsystem)


Digitale Computer arbeiten mit 2 Werten, da elementare Schalt- und Speicherelemente jeweils über
zwei verschiedene Zustände verfügen
• 0 oder 1
• Strom fließt oder nicht (elektrisch)
• Feld ist magnetisch oder nicht (magnetisch)
• Stelle ist reflektierend oder nicht (optisch)
→ Rechnerinterne Verarbeitung erfolgt mit dem Dualsystem

Warum wird bspw. nicht mit dem Dezimalsystem und dem Alphabet codiert?
• z.B. für 10 Ziffern (0-9) 10 Zustände notwendig (z.B. 0 = 0 Volt, 1 = 1 Volt, 2 = 2 Volt, …)
aber Klein- und Großbuchstaben, Sonderzeichen, … ?!
• Hoher technischer Aufwand
• Hohe Fehleranfälligkeit

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-11
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Bits und Bytes


Kleinste Informationseinheit: Bit (binary digit)
• Zwei mögliche Werte: 0 oder 1
• Mit n Bits lassen sich 2 n verschiedene Zustände darstellen
(Beispiel: 3 Bit → 23 = 8 Zustände {000, 001, 010, 011, 100, 101, 110, 111})
• Recheninterne Zeichendarstellung erfolgt durch eine Folge von 8 Bit (oder ein Mehrfaches von 8)
• Zusammenfassung von 8 Bit zu einer Einheit ergibt ein Byte
• Mit 8 Bit = 1 Byte lassen sich 28 = 256 Zustände darstellen (2 16 = 65.536, 232 = [Link])
Maßeinheiten
SI-Präfix Binärpräfix Differenz

1 kB (Kilo) = 103 Byte = 1000 Zeichen ≈ 210 Byte = 1 KiB (kibi) + 2,4%
1 MB (Mega) = 106 Byte = 1 Mio. Zeichen ≈ 220 Byte = 1 MiB (mebi) + 4,9%
1 GB (Giga) = 109 Byte = 1 Mrd. Zeichen ≈ 230 Byte = 1 GiB (gibi) + 7,4%
1 TB (Tera) = 1012 Byte = 1 Bill. Zeichen ≈ 240 Byte = 1 TiB (tebi) + 9,9%
1 PB (Peta) = 1015 Byte = 1 Brd. Zeichen ≈ 250 Byte = 1 PiB (pebi) + 12,6%
1 EB (Exa) = 1018 Byte = 1 Trill. Zeichen ≈ 260 Byte = 1 EiB (exbi) + 15,3%
1 ZB (Zetta) = 1021 Byte = 1 Trd. Zeichen ≈ 270 Byte = 1 ZiB (zebi) + 18,1%
1 YP (Yotta) = 1024 Byte = 1 Quadrillion Zeichen ≈ 280 Byte = 1 YiB (yobi) + 20,9%
1 RB (ronna) = 1027 Byte = 1 Quadrilliard Zeichen ≈ 290 Byte = 1 RiB + 23,8%
1 QB (quetta) = 1030 Byte = 1 Quintillion Zeichen ≈ 2100 Byte = 1 QiB + 26,8%
Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-12
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zahlen

Integer / ganzzahlige Werte


endliche natürliche Zahlen inklusive Null (unsigned integer, ℕ0) oder ganze Zahlen
(signed integer, ℤ)

Länge 2 Byte 4 Byte


Typ
unsigned 0 bis 65.535 0 bis [Link]
signed -32.768 bis +32.767 -[Link] bis [Link]

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-13
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zahlen

Floating point / Gleitkommazahl


Angenäherte Darstellung einer reellen Zahl (Teilmenge ℚ) mit Basis, Exponent und
Mantisse.

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-14
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zahlen

BCD–Codierung (binary coded decimal)

Die Ziffern 0 bis 9 werden durch vier Bit (0000 bis 1001) dargestellt.

Beispiele: Dezimalzahl 57 => |0101.0111| (1 Byte Speicherbedarf)


Dezimalzahl 3709 => |0011.0111|0000.1001| (2 Byte Speicherbedarf)

Ältere Methode, aber definierte Genauigkeit (Finanzwesen).

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-15
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zeichen
Zeichencodes beschreiben die Zuordnung von digital dargestellten Ganzzahlen zu den in der normalen
Schriftsprache geschriebenen Zeichen, z.B. Buchstaben wie „A“ und „k“, Ziffern wie „5“, Satzzeichen wie „!“ oder
Sonderzeichen „%“

Beispiele für Zeichencodes:

• ASCII-Code („American Standard Code for Information Interchange“)


7-Bit-Code (128 Zeichen) oder 8-Bit-Code (256 Zeichen)

• EBCDIC („Extended Binary Coded Decimals Interchange Code“) für IBM-Großrechner (8-Bit-Code)

• Unicode ist ein internationaler Standard, in dem langfristig für jedes sinntragende Zeichen bzw. Textelement
aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme ein digitaler Code festgelegt wird. Bisher sind ~150.000
Zeichen von ~161 Schriftsystemen definiert. Unicode verwendet 8-, 16- oder 32-Bit.

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-16
1.3 Information, Zeichen, Daten

Relevante Stellenwertsysteme
Dezimalsystem (Basis 10) Hexadezimalsystem (Basis 16) Dualsystem (Basis 2)
0 0 0
1 1 1
2 2 10
3 3 11
4 4 100
5 5 101
6 6 110
7 7 111
8 8 1000
9 9 1001
10 A 1010
11 B 1011
12 C 1100
13 D 1101
14 E 1110
15 F 1111
Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-17
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zeichen in ASCII-Codierung

Source:
[Link]
.org/[Link]/ASCII

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-18
1.3 Information, Zeichen, Daten

Daten – Zeichen in EBCDI-Codierung

Source:
[Link]
tions/11482/why-wasnt-ebcdic-designed-with-
contiguous-alphanumeric-characters

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-19
1.3 Information, Zeichen, Daten

Quantencomputing
• Basieren auf Quantenmechanik
• Anwendung für Quantenprozessoren (und Quantenkryptographie)
• Digitalprozessoren Quantenprozessoren
bit (0 oder 1) qubit (0, 1, 0 und 1, Zwischenzustände)
n bits = 2n Zustände darstellbar n qubits = 2n Zustände darstellbar
nur 1 Zustand gleichzeitig! theoretisch 2n Zustände gleichzeitig!
• Anwendungen für bisher schlecht lösbare Probleme (z.B. Optimierung, Faktorisierung/Primzahlen)
IBM Q System One (20 bis 127 qubits) Sycamore Processor by Google (53 qubits)

source: Wikipedia
source: [Link]

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-20
1.4 Informationssysteme, Hardware, Software, Menschen, Organisation

Der Begriff des Informationssystems


System: Gebilde aus mehreren Teilen, die gemeinsam wirken

Informationssystem:
• Hardware
• Software:
• Systemsoftware (z.B. Betriebssystem, Compiler)
• Anwendungssoftware (z.B. Office-Paket, Chat-App, Lagerverwaltungsprogramm)
• Menschen in verschiedenen Rollen:
• Benutzer
• Administrator
• Systemanalytiker
• Entwickler
• Organisation:
organisatorische Einbettung sämtlicher Komponenten mit
Auswirkung auf Aufbau- und Ablauforganisation.
Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-21
1.4 Informationssysteme, Hardware, Software, Menschen, Organisation

Der Begriff des Informationssystems

• Informationssysteme sind soziotechnische Systeme, die menschliche und


maschinelle Komponenten (Teilsysteme) umfassen.
• Informationssysteme unterstützen die Sammlung, Strukturierung, Verarbeitung,
Bereitstellung, Kommunikation und Nutzung von Daten, Informationen und
Wissen sowie deren Transformation.
• Informationssysteme tragen zur Entscheidungsfindung, Koordination, Steuerung
und Kontrolle von Wertschöpfungsprozessen sowie deren Automatisierung,
Integration und Virtualisierung unter insbesondere ökonomischen Kriterien bei.
• Informationssysteme können Produkt-, Prozess- und
Geschäftsmodellinnovationen bewirken.

Quelle: [Link] April 2019

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-22
1.4 Informationssysteme, Hardware, Software, Menschen, Organisation

Der Begriff des Informationssystems

Begriffsabgrenzungen:
• I+K-Systeme (Information und Kommunikation), früher getrennte Systeme
• betriebliches Informationssystem: betont BWL-Bezug
• Datenverarbeitung (DV), elektronische DV (EDV), Informationsverarbeitung (IV):
alte Begriffe
• teilweise wird Informationssystem auch einschränkend für reine
Auskunftssysteme verwendet

Quelle: Bulletin board on the Infinite Corridor at MIT. [Link]


[Link], Januar 2004; Saarbahn 2018

Wirtschaftsinformatik I © Prof. Loos, IWi im DFKI, Universität des Saarlandes Grundlagen K01-23

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