Logik Für Informatiker
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Vorwort 7
Kapitel 2 Aussagenlogik 19
2.A Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.B Das Resolutionskalkül der Aussagenlogik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Übungsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Kapitel 3 Hornlogik 41
3.A Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
3.B Das Resolutionskalkül der Hornlogik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3.C Logik-Programmierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
Übungsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Kapitel 4 Prädikatenlogik 59
4.A Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
4.B Normalformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
4.C Die Unentscheidbarkeit der Prädikatenlogik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.D Das Resolutionskalkül der Prädikatenlogik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
Übungsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Symbolverzeichnis 235
Literaturverzeichnis 239
Sachregister 241
Das Lügner-Paradoxon
Wenn du sagst, du lügst,
und du sprichst die Wahrheit,
dann lügst du.
(Eubulides, 4. Jhd. v. Chr.)
Dieses Buch basiert auf der Vorlesung „Logik für Informatiker“, die der erste Autor
seit 2002 regelmäßig an der Universität Dortmund hält. Das inhaltliche Grundgerüst
dieser Vorlesung, das von den Professoren des Fachbereichs Informatik vorgeschlagen
worden war und auch die Basis dieses Buches darstellt, verfolgt die Idee, diejenigen
Teilbereiche der mathematischen Logik zu behandeln, die für die moderne Informatik
relevant bzw. nützlich sind.
zuzuordnen, und eventuell ein Kalkül, mit dem wir die Unerfüllbarkeit von Formeln
testen können. Die Betonung der Kalküle ist dabei gewollt, denn in unserer anwen-
dungsorientierten Betrachtung der mathematischen Logik spielen sie eine zentrale
Rolle.
In Kapitel 2 beginnen wir dann mit dem prototypischen logischen System, nämlich
der Aussagenlogik, die viele Studenten schon in der Schule kennen gelernt haben. Wir
liefern auch gleich zwei Kalküle für die Aussagenlogik: die Wahrheitstafelmethode
und das klassische Resolutionskalkül. Da beide für praktische Zwecke zu ineffizient
sind, betrachten wir im dritten Kapitel die aussagenlogische Variante der Hornlogik,
wo wir den Markierungsalgorithmus und SLD-Resolutionen anzubieten haben. Dies
erlaubt nebenbei eine kurze Einführung in PROLOG. Hier wie später beschränken wir
uns meist auf die aussagenlogischen Versionen der betrachteten logischen Systeme
und zwar aus zwei Gründen: Einerseits sind diese Versionen für viele Anwendungen
völlig ausreichend und andererseits tritt die Mehrzahl der Hauptideen und -effekte
bereits im aussagenlogischen Fall auf.
Das vierte Kapitel behandelt die Prädikatenlogik. Es ist nicht nur das umfang-
reichste, sondern erfahrungsgemäß auch das schwierigste. Wir behandeln die Her-
brand-Theorie und stellen die Unifikation und das prädikatenlogische Resolutions-
kalkül vor, auch wenn dieses nur ein Semi-Entscheidungsverfahren darstellt. Im fünf-
ten Kapitel untersuchen wir die Gleichungslogik: Termersetzungssysteme und die
Knuth-Bendix-Vervollständigung sind nicht nur Heimspiele für Computeralgebraiker,
sie ergeben manchmal auch ein effizientes Kalkül in gleichungsdefinierten Theorien.
Das Studium der Modallogik in Kapitel 6 nehmen wir zum Anlass, die Wirkungsweise
von Tableaukalkülen zu erläutern. Neben der zeitlogischen Variante der Modallogik
folgen dann die eigentliche Temporallogik in Kapitel 7, die dynamische Logik, die
Prozesslogik und die intuitionistische Logik in Kapitel 8. Den Abschluss bilden die
Hilbert-Kalküle im neunten und letzten Kapitel.
anderen Mathebüchern auch. Bei den zugehörigen Beweisen versuchen wir, so ele-
mentar wie möglich zu bleiben und hoffen, dass sie halbwegs richtig sind. Einen
wesentlich größeren Wert haben wir jedoch auf die Algorithmen gelegt, wie deren
blaue Hinterlegung bereits andeutet. Aus der Sicht des Informatikers und Anwen-
ders der mathematischen Logik sind die Algorithmen die wesentlichen Ergebnisse
der Theorie – sie verlocken geradezu zu ihrer Implementation.
Den krönenden Abschluss eines jeden Kapitels bilden die Übungsaufgaben. Als
Fachbuchautor ist man stets versucht, die langwierigsten und langweiligsten Rech-
nungen, die stupidesten Beweise (z. B. die allseits beliebte „Induktion über den For-
melaufbau“) und die ekelhaftesten Fallunterscheidungen dem armen Leser aufzubür-
den, und zwar in der Form von so genannten Übungsaufgaben. Zugleich gewinnt man
auf bequeme Weise eine schön lange Liste von Übungsaufgaben. Unserer Erfahrung
nach ist der mit solchen Aufgaben verbundene Lerneffekt minimal. Bei den meisten
Lernenden tritt er überhaupt nicht ein, da sie sich abschrecken lassen und solche
Aufgaben gar nicht erst versuchen. Deswegen haben wir uns der genannten Versu-
chung so gut wir konnten widersetzt. Wir haben uns Übungsaufgaben ausgedacht, die
die Studenten zum Ausprobieren verleiten sollen, die interessant oder witzig wirken
und die den Eindruck vermeiden, die Autoren wären zu faul gewesen, einen Teil
der Theorie selbst auszuarbeiten. Die Geschmäcker sind verschieden und nicht je-
dermanns Humor ist gleich; wir hoffen jedoch, dass sich in unserem bunten Strauß
für jeden Leser ein passendes Blümchen findet. Sollte jemand ausnahmsweise keinen
blassen Schimmer haben, wie man eine bestimmte Aufgabe anpackt, so findet sich
ein (manchmal gar nicht so) kleiner Tipp im Anhang.
Danksagung
An dieser Stelle möchten wir Sie, lieber Leser, nicht mit einigen oberflächlichen
Bemerkungen darüber langweilen, wie viele Menschen zu diesem Buch beigetra-
gen haben. Stattdessen langweilen wir Sie nun mit einer kompletten Liste dieser
Menschen. Eine ganz besondere Erwähnung gebührt Herrn Dr. Peter Ackermann,
der nicht nur jahrelang die Übungen zur Vorlesung „Logik für Informatiker“ betreut
hat, sondern von dem auch viele der Übungsaufgaben in diesem Buch stammen und
der der erfolgreichste Jäger von Fehlern in den verschiedenen Versionen des Manu-
skripts war. Auch unseren weiteren Korrekturlesern Holger Bluhm, Thorsten Camps
und Christian Scholz danken wir herzlich, ebenso wie Hunderten von Dortmunder
Informatik-Studenten, die viele der Übungsaufgaben gelöst und Ungereimtheiten im
Vorlesungsskript aufgedeckt haben.
Es ist klar, dass ein solches Buchprojekt wie das vorliegende nicht ohne die tat-
kräftige Hilfe unserer Familienmitglieder Bettina, Ellen, Heinz, Katharina, Martin und
Veronika möglich gewesen wäre. Wir wissen, dass sich ihre Opfer an gemeinsamer
Freizeit und ihre moralische Unterstützung im Endprodukt widerspiegeln und sind
froh, dass sie sich mit uns darüber freuen. Auch Helmtrud und Rudolf Lohwasser so-
wie Helmut Kreuzer haben uns mit ihrem Faxgerät bzw. E-Mail-Zugang sehr geholfen.
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Ein noch viel direkterer und unmittelbar entscheidender Beitrag zu diesem Projekt
kam vom Team des Verlags Pearson Studium, allen voran von Herrn Marc-Boris Rode.
Wir schätzen uns glücklich, als Autoren eine so professionelle und intensive Betreu-
ung genossen zu haben. Ohne diese Betreuung wäre dieses Buch nie geworden, was es
(hoffentlich) ist: eine etwas andere Einführung in die mathematische Logik – farbig,
lustig, abwechslungsreich und vor allem verständlich. Möge das Lesen Ihnen so viel
Spaß machen wie uns das Schreiben.
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ÜBERBLICK
Logik ist …
das formale und systematische Studium der Kunst,
Informatik-Studenten zu piesacken. (aus: „Logik für Informatiker und andere
Paradoxa“)
Vor Jahren hielt ich eine Logikvorlesung und begann, wie es sich gehört, mit Aus-
sagenlogik. Zunächst erklärte ich, was man unter einer Aussage versteht: Eine
Aussage ist ein sprachliches Gebilde, das entweder wahr oder falsch ist. Als Bei-
spiel nannte ich den Satz „Karl ist krank“. In diesem Moment fiel mir siedendheiß
ein, dass ich unbedingt einen lebenden Menschen namens Karl brauchte, auf den
sich der Satz bezog. Andernfalls konnte man den Satz weder als wahr noch als
falsch bezeichnen, d. h. er war gar keine Aussage. Um den Schaden wieder gut
zu machen, fragte ich in den Saal: „Ist jemand unter ihnen, der Karl heißt?“
Sekundenlange Stille. Dann eine Stimme aus dem Hintergrund: „Der ist krank.“
Definition 1.1
Eine (logische) Aussage ist ein sprachliches Gebilde, das entweder wahr oder falsch
ist.
Wie die obige Anekdote zeigt, hat diese Definition einige Macken, die wir im Rahmen
dieser Einführung aber großzügig übersehen wollen. Die Begriffe wahr und falsch,
die sozusagen vom Himmel fallen und nicht weiter spezifiziert werden, sollen natür-
lich die mit ihnen üblicherweise verbundenen Wahrheitswerte repräsentieren. Statt
wahr schreiben wir oftmals auch 1 und statt falsch verwenden wir meist 0. In einem
gewissen Sinn beschäftigt sich die formale Logik mit „Aussagen über Aussagen“.
Beispiel 1.2
Die folgenden sprachlichen Gebilde stellen Beispiele für Aussagen dar.
A = „Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland.“
B = „Der Wal ist ein Fisch.“
C = „Für jede Zahl x ∈ gilt x 2 ≥ 0.“
D = „Das Programm MyProg (…) terminiert.“
Hingegen stellen die folgenden sprachlichen Gebilde „Aussagen über Aussagen“ dar.
E = „Die Aussagen A und B sind beide wahr.“
F = „Die Aussage B gilt nicht.“ = „Der Wal ist kein Fisch.“
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Das sprachliche Gebilde „Morgen wird es regnen“ ist jedoch keine Aussage im Sinn
von Definition 1.1, denn ihr Wahrheitswert hängt vom Standpunkt des Betrachters
ab.
Definition 1.3
Ein logisches System besteht aus den folgenden Teilen.
a) Gewisse formale Ausdrücke werden als atomare Formeln bezeichnet. Die Syntax
des logischen Systems legt fest, wie man die atomaren Formeln mit Hilfe gewisser
Junktoren oder Operatoren zu komplizierteren Formeln zusammenfügen darf.
Die sich ergebenden logischen Formeln sind dabei erst einmal nur nach gewissen
Regeln erstellte Zeichenketten ohne „Inhalt“ oder „Bedeutung“.
b) Die Semantik des logischen Systems besteht aus einer Reihe von Regeln, die fest-
legen, wie die Formeln mit Wahrheitswerten versehen werden können. Dadurch
erhalten die Formeln eine gewisse „Bedeutung“ oder „Interpretation“. Eine Be-
legung der atomaren Formeln mit Wahrheitswerten, für die eine Gesamtformel F
den Wert „wahr“ ergibt, nennt man ein Modell für F. Besitzt F kein Modell, so
heißt F eine unerfüllbare Formel. Liefert F bei jeder Belegung den Wert „wahr“,
so heißt F eine Tautologie oder eine allgemein gültige Formel.
c) Optional gibt es für ein logisches System auch ein logisches Kalkül (oder einfach
Kalkül). Ein Kalkül besteht aus einer Reihe von mechanisch anzuwendenden,
starren Regeln für die Umformung von Formeln. Das Ziel der Anwendung eines
logischen Kalküls ist es, die Unerfüllbarkeit einer vorgegebenen Formel nachzu-
weisen oder ein Modell für sie zu konstruieren. Kalküle eignen sich meist für die
algorithmische Implementierung im Computer.
Das einfachste logische System ist die Aussagenlogik, die im nächsten Abschnitt
ausführlich untersucht werden wird. Hier wollen wir nur die vorstehende Definition
an ihrem Beispiel mit etwas Leben erfüllen.
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∧ „logisches und“
∨ „logisches oder“
¬ „Negation“
α : {A, B, C} → {0, 1}
A → 1
B → 0
C → 0 .
Unter dieser Belegung gilt dann α (A) = 1, α (¬B) = 1 und daher α (A ∧ ¬B) = 1.
Ferner gilt α (A) = 1, α (C) = 0, also α (A ∧ C) = 0. Schließlich ergibt sich α (F) = 1.
Somit ist α ein Modell für F.
Für die Aussagenlogik gibt es mehrere Kalküle. Bestandteil solcher Kalküle sind meist
Regeln für Äquivalenzumformungen von Formeln. Dies bedeutet, dass man Formeln
in andere Formeln überführt, die bei jeder Belegung denselben Wahrheitswert liefern
und deswegen für die Untersuchung der Unerfüllbarkeit bzw. Allgemeingültigkeit als
zu der Ausgangsformel gleichwertig betrachtet werden können.
Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass man bei einem logischen Kalkül
i. A. nur die Unerfüllbarkeit einer Formel bzw. einer Formelmenge nachzuweisen
sucht. Jedoch ist eine Formel F genau dann allgemein gültig, wenn ihre Negation ¬F
unerfüllbar ist. Ebenso ist eine Formel G genau dann eine Folgerung aus einer Menge
von Formeln {F1 , …, Fn }, wenn die Formel F1 ∧ · · · ∧ Fn ∧ ¬G unerfüllbar ist. Alle drei
Aufgaben sind also äquivalent.
1.B Anwendungen
Nun heißt dieses Buch aber nicht „Logik“ oder „Mathematische Logik“, sondern „Lo-
gik für Informatiker“. Was also hat die Logik mit der Informatik zu tun? Ist sie in
der Informatik zu irgend etwas anderem gut, als Studenten zu piesacken? Und wel-
che andere Antwort als „Ja“ kann es auf eine solche rhetorische Frage schon geben?
Nachfolgend listen wir einige Anwendungen der Logik auf, die für die Informatiker
nützlich bzw. interessant sind, und setzen sie in Verbindung zu den später vorgestell-
ten logischen Systemen.
I Lösung einfacher logischer Zusammenhänge („Logeleien“, logische Knobelaufga-
ben), vgl. Kapitel 2.
I Logik-Programmierung (PROLOG), vgl. Abschnitt 3.C.
I Automatische Computerbeweise, vgl. Beispiel 4.64.
I Auffinden und Beweis neuer Gesetzmäßigkeiten oder Formeln in durch Gleichun-
gen beschriebenen Situationen, vgl. Kapitel 5.
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In the end,
everything is a gag.
(Charlie Chaplin)
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2.A Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2
2.B Das Resolutionskalkül der Aussagenlogik . . 31
Übungsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
ÜBERBLICK
Logik ist …
ein netter Gegensatz
zur wirklichen Welt.
Die Aussagenlogik beschäftigt sich, wer hätte das gedacht, mit logischen For-
meln, die aus Aussagen zusammengebaut sind. Aussagen sind dabei sprachliche
Gebilde à la „Karl ist krank“. Damit wir nicht so viel zu schreiben haben, reprä-
sentieren wir sie üblicherweise durch Aussagensymbole, z. B. durch A. Wenn das
nicht ausreicht, können wir auch auf B, C, … oder (falls wir mehr als 26 Aussa-
gen betrachten) auf A1 , A2 , … ausweichen. Was wollen wir mit diesen Aussagen-
symbolen nun anfangen? Wir können sie negieren (Schreibweise ¬A) oder mit
den Junktoren „oder“ bzw. „und“ zu komplizierteren Formeln zusammenfügen
(Schreibweise A ∨ B bzw. A ∧ B). Und dann? Dann basteln wir Formeln, deren
Wahrheitswert komplizierte zusammengesetzte Aussagen widerspiegelt, z. B. das
folgende Gespräch dreier Politiker nach einer Bundestagswahl, bei der keine der
Parteien eine klare Mehrheit erreichen konnte:
und schon durch Ausprobieren aller Möglichkeiten (weiter unten als „Wahr-
heitstafelmethode“ bezeichnet) finden wir heraus, dass die Politiker uns die Re-
gierungskoalition verraten haben. Offensichtlich wird diese Ausprobiermethode
desto weniger durchführbar, je mehr Aussagensymbole in einer Formel vorkom-
men.
Gibt es einen systematischen Weg, die möglichen Wahrheitswerte einer For-
mel zu bestimmen? Ja, und der Hauptteil dieses Abschnitts dient dazu, das Re-
solutionskalkül der Aussagenlogik vorzustellen. Aber schön langsam, eins nach
dem anderen: Zuerst einmal legen wir den Grundstein und im Gegensatz zur
wirklichen Welt läuft alles ganz klar und einfach ab. Los geht’s!
2.A Grundlagen
Nicht aller Anfang ist schwer. Unser Exkurs in die mathematische Logik beginnt mit
der Syntax der Aussagenlogik und diese ist leicht verdaulich.
20
Hierbei heißt
F ∧G die Konjunktion von F und G,
F ∨G die Disjunktion von F und G, und
¬F die Negation von F.
Beispiel 2.2
Seien A1 , A2 , A3 Aussagen.
a) Der Ausdruck (¬A1 ∨ (A2 ∧ ¬A3 )) ist eine Formel.
b) Auch ((A1 ∧ A2 ) ∨ A3 ) ist eine Formel, aber
c) A1 ∧ A2 ∨ A3 ist keine Formel, denn die Klammerung fehlt. (Die Junktoren ∧ und
∨ binden gleich stark.)
Zur Vereinfachung der Konstruktion von Formeln führen wir die folgenden Abkür-
zungen ein.
Notationen 2.3
a) Für Aussagen verwenden wir statt A0 , A1 , A2 , … auch A, B, C etc.
Seien nun Formeln F1 , F2 , F3 , … gegeben.
b) Für (¬F1 ∨ F2 ) schreiben wir auch (F1 ⇒ F2 ). Wir nennen F1 ⇒ F2 eine Folgerung.
c) Für (F1 ∧ F2 ) ∨ (¬F1 ∧ ¬F2 ) schreiben wir auch (F1 ⇔ F2 ). Wir nennen F1 ⇔ F2
eine Äquivalenz.
n
d) Für (· · · ((F1 ∨ F2 ) ∨ F3 ) ∨ · · · ∨ Fn ) schreiben wir auch Fi .
i=1
n
e) Für (· · · ((F1 ∧ F2 ) ∧ F3 ) ∧ · · · ∧ Fn ) schreiben wir auch Fi .
i=1
Als Nächstes wollen wir die konstruierten Formeln mit Bedeutungsinhalten versehen.
Anders ausgedrückt, wir wollen die Semantik der Aussagenlogik definieren.
21
gilt
c3) Für Formeln F, G ∈ M
1 falls
α (F) = 1 oder
α (G) = 1 (oder beides) ,
α ((F ∨ G)) =
0 sonst .
gilt 1 falls
α (F) = 0 ,
c4) Für F ∈ M α (¬F) =
0 sonst .
Im Folgenden schreiben wir der Einfachheit halber α statt
α. Ist eine Belegung der
in einer Formel vorkommenden Aussagensymbole gegeben, so ist der Wahrheits-
wert der Formel gemäß dieser Definition leicht zu ermitteln.
Beispiel 2.5
Seien A, B, C Aussagen und sei α : {A, B, C} → {0, 1} mit α (A) = 1, α (B) = 1 und
α (C) = 0 eine Belegung. Dann gilt:
1 falls α (A) = α (B ∨ ¬C) = 1 ,
α ((A ∧ (B ∨ ¬C))) =
0 sonst ,
1 falls α (B) = 1 oder α (¬C) = 1 (denn α (A) = 1) ,
=
0 sonst ,
= 1 (da z. B. α (B) = 1 gilt) .
Wie können wir einen Überblick über alle möglichen Wahrheitswerte einer Formel
erhalten? Wenn die Formel nicht zu kompliziert ist, funktioniert die folgende Wahr-
heitstafelmethode.
α (F) α (G) α (F ∧ G)
0 0 0
0 1 0
1 0 0
1 1 1
Dies entspricht dem sprachlichen Gebrauch von „und“ im Sinne von „sowohl als
auch“.
22
α (F) α (G) α (F ∨ G)
0 0 0
0 1 1
1 0 1
1 1 1
Dies entspricht dem sprachlichen Gebrauch von „oder“ im nicht exklusiven Sinne.
c) Die Wirkung von ¬ ist gegeben durch die Wahrheitstafel:
α (F) α (¬F)
0 1
1 0
α (F) α (G) α (F ⇒ G)
0 0 1
0 1 1
1 0 0
1 1 1
Dies entspricht dem sprachlichen Gebrauch von „wenn F gilt, dann gilt G“. Dies
wird manchmal auch ausgedrückt in der Form „F gilt nur, falls G gilt“.
e) Die Wirkung von ⇔ ist gegeben durch die Wahrheitstafel:
α (F) α (G) α (F ⇔ G)
0 0 1
0 1 0
1 0 0
1 1 1
Dies entspricht dem sprachlichen Gebrauch von „F gilt genau dann, wenn G gilt“.
Es ist klar, dass man auch für kompliziertere aussagenlogische Formeln mit Hilfe von
Wahrheitstafeln den Wahrheitswert unter jeder denkbaren Belegung ermitteln kann
(vgl. auch Beispiel 2.9). Allerdings werden diese Wahrheitstafeln sehr schnell zu groß
und unübersichtlich.
23
Definition 2.8
Sei F eine aussagenlogische Formel und sei α : M → {0, 1} eine Belegung.
24