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4. Ueber irreversible StrahlungsvorgiXnge;
von M a x P l a n c k .
(Nach den Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissenech. zu Berlin vom 4. Februar
1897, 8. Juli 1897, 16. December 1897, 7. Juli 1898, 18. Mai 1899 und
nach einem auf der 71. Naturf.-Vera. in Miinchen gehaltenen Vortrage
fur die Annalen bearbeitet vom Verfasser.)
Die nachfolgende Arbeit enthalt eine Darlegung der Haupt-
ergebnisse meiner unter dem obigen Titel veriiffentlichten Unter-
suchungen iiber die Bedeutung des zweiten Hauptsatzes der
Thermodynamik fur die Erscheinungen der Warmestrahlung,
vom Standpunkt der elektromagnetischen Lichttheorie betrachtet.
Dass auch die strahlende Warme den Porderungen des
zweiten Hauptsatzes Geniige leistet, dass z. B. die gegenseitige
Zustrahlung verschieden temperirter Korper immer im Sinne
einer Ausgleichung ihrer Telnperaturen erfolgt, ist wohl all-
gemein unbestritten, Und schon G. K i r ch h o f f hat hierauf seine
Theorie des Emissions- und Absorptionsvermogens der Korper
gegriindet. Daher macht es die fortschreitende Erkenntnis
der elektromagnetischen Natur der Warmestrahlung zur dringen-
den Aufgabe, den zweiten Hauptsatz der Warmetheorie in seiner
Anwendung auf die strahlende Warme rein elektromagnetisch
zu begreifen und womoglich auch zu beweisen. Erste Vorans-
setzung hierbei ist naturlich, dass man die Ersrheinungen der
Emission und Absorption strahlender W Brme als elektro-
magnetische Vorgange auffasst , dass man also die Emission
von Warmestrahlen als bedingt msieht durch die Aussendung
elektromagnetischer Wellen von Seiten gewisser elementarer
OsEillatoren , die man sich in irgend einem Zusammenhang
mit den ponderablen Atomen der strahlenden Karper denken
mag, und ferner, dass man die Absorption strahlender Warme
nicht etwa als Folge eines galvanischen Leitungswiderstandes
oder irgend einer Art Reibung, sondern lediglich als Resonanz-
phanomen auffasst , indem die genannten Oscillatoren nicht
nur Wellen aussenden, sondern auch durch auffallende Wellen
zu Schwingungen angeregt werden. Hierin liegt zugleich in-
70 M. Planck.
begriffen, dass die Dampfung der elektrischen Schwingungen,
die ein Oscillator ausfiihrt , lediglich durch die Ausstrahlung
elektromagnetischer Energie verursacht wird. Jede andere Art
von Dampfung wurde namlich locale (Joule'sche oder Reibungs-)
Warme erzeugen mussen, und durch die Annahme einer ,,Er-
warmung der Atome" wurde keine Losung der Aufgabe, sondern
im Gegenteil eine ins Ungemessene gehende Vermehrung ihrer
Schwierigkeit geschaffen.
Denken wir uns also in einem homogenen Isolator, etwa in
einem Vacuum, das rings von festen spiegelnden Wanden um-
schlossen ist, eine Anzahl solcher schwingender elementarer Oscil-
latoren von bestimmten Eigenperioden befindlich, so werden die-
selben durch ihre Schwingungen Wellen emittiren und dadurch
Energie verausgaben, gleichzeitig aber auch wieder die auf sie
fallenden Wellen durch Resonanz selectiv absorbiren und dadurch
ihre Schwingungsenergie verstarken. Vom thermischen Stand-
punkt aus betrachtet muss fur diesen, allen ausseren Einfliissen
entzogenen Vorgang der zweite Hauptsatz gelten, d. h. die Ver-
anderungen gehen in einem bestimmten Sinne vor sich, indem
die Entropie des ganzen Systemes fortwahrend wachst, und
endigen schliesslich in einen stationaren Zustand, den des
Warmegleichgewichtes, der durch das Maximum der Entropie
bestimmt ist.
Gilt nun das namliche auch d a m , wenn man den Vor-
gang rein vom elektromagnetischen Standpunkt betrachtet?
Existirt auch dann eine durch den augenblicklichen Zustand des
Systemes bestimmte, etwa als elektromagnetische Entropie zu
bezeichnende Grosse, welche im Laufe des Processes fort-
wahrend wachst? Auf den ersten Blick muss diese Frage
principiell verneint werden, und zwar aus folgendem Grunde.
Die Veranderungen des betrachteten Systemes werden geregelt
durch die elektromagnetischen (51 a x w e 1l'schen) Qrundglei-
chungen und durch die Grenzbedingungen an den spiegelnden
Wanden und an den oscillirenden Resonatoren, wobei jeglicher
Reibungsvorgang oder galvanischer Leitungswiderstand aus-
geschlossen ist. Daher lassen sowohl die Grundgleichungen
als auch die Qrenzbedingungen fur jeden moglichen Vorgang
auch den gerade umgekehrten zu; denn zu jeder Losung des
Oleichungssystemes kann man eine entsprechende entgegen-
Irreversible Sbrahlungsvorgiinge. 71
gesetzte finden, indem man das Vorzeichen der Zeit und zu-
gleich das der magnetischen Kraft umkehrt. Damit ist aber
offenbar die vom Entropieprincip geforderte Einseitigkeit der
Veranderungen keineswegs gewahrleistet. Ja, es scheint auch
gar keine Aussicht vorhanden, durch Einftihrung einer neuen,
ausserhalb der Maxwell’schen Qleichungen stehenden Hypo-
these diejenige Beschrankung der zulassigen Losungen einzu-
fiihren, welche zum zweiten Hauptsatz der Wkmetheorie hin-
leitet. Denn die Maxwell’schen Gleichungen bestimmen
bekanntlich bei gegebenem Anfangszustitnd und gegebenen
Grenzbedingungen den Vorgang eindeutig und fur alle Zeiten.
Was also ausserdem noch hinzugefiigt wird, ware entweder
falsch - dann namlich, wenn es einen Widerspruch gegen
die Maxwell’schen Gleichungen enthhlt -, oder es ware
uberfliissig -, wenn es keinen derartigen Widerspruch enthalt.
So einfach und bundig diese Ueberlegung erscheint, so
hat sie dennoch eine Lucke. Es ist in der That nicht nur
moglich, sondern sogar unumgiinglich notwendig, neben den
Maxwell’schen Gleichungen noch eine besondere Hypothese
einzufuhren, wenn man in dem vorliegenden Falle auf rein
elektromagnetischem Wege uberhaupt zu bestimmten Resultaten
kommen will.
Zur besseren Anschaulichkeit exemplificire ich auf einen ein-
fachen concreten Fall. Denken wir uns einen aus einem con-
tinuirlichen Spectrum herausgeschnittenen monochromatischen
Licht- oder Warmestrahl, etwa von der Farbe einer der
B-Linien, yon constanter Intensitat, und durch ein Nico1’-
sches Prisma polarisirt, so wird, vom thermischen Standpunkt
betrachtet, der Strahl vollstandig definirt sein, wenn ausser
seinen rein geometrischen Bestimmungsstucken dio Polarisations-
ebene, die Farbe und die Intensitat gegeben ist. Nun weiss
man, dass es absolut scharfe Linien im Spectrum nicht giebt,
d. h. dass auch der homogenste Strahl einen gewissen end-
lichen, wenn auch noch so geringen Bezirk im Spectrum ein-
nimmt. Dieser Unbestimmtheit konnte etwa dadurch abge-
holfen werden, dass man zu der Schwingungszahl, welche die
Farbe charakterisirt, noch die Anga,be der Breite des von
dem Strahl eingenommenen Spectralbezirkes hinzufiigt. Mit
diesen Daten wird der Thermodynamiker zufrieden sein ; er
72 M. Pianck.
wird, und zwar, wie die Erfahrung lehrt, mit Recht, erwarten,
dass alle Wirkungen, die dieser Strahl unter gewissen gegebenen
Umstanden ausiibt, vollkommen bestimmte sind.
Ganz anders wird man vom elektrodynamischen Stand-
punkt aus die Sache ansehen. Will man namlich den Strahl
als elektromagnetische Welle darstellen, indem man etwa die
auf der Polarisationsebene des Strahles senkrecht stehende
elektrische Kraft an einem bestimmten Ort als Function der
Zeit bestimmt , so ergiebt sich fur den monochromatischen
Strahl, mag er auch noch so homogen sein, eine vielfach un-
endliche Zahl von Moglichkeiten. Denn nehmen wir a n , der
Spectralbezirk des Strahles umfasse auch nur den millionsten
Teil des sichtbaren Spectrums, also ein Schwingungsintervall,
das etwa durch das Verhaltnis 1: 1,000 001 dargestellt wird,
so bleibt fur die Periode der betrachteten Welle noch die Aus-
wahl unter allen zwischen 510 Rillionen und 510000510000000
gelegenen Schwingungszahlen , d. h. unter 510 Millionen ver-
schiedenen Schwingungszahlen iibrig. Entwickelt man, was
immer moglich ist, die elektrische Kraft als Function der Zeit
fur die Dauer einer Secunde in eine Fourier'scho Reihe, so
wird im allgemeinen jede dieser 510 Millionen Schwingungs-
zahlen in der betrachteten Welle vertreten sein, und da jeder
einfach periodischen Partialschwingung eine andere Amplitude
und eine andere Phase entsprechen kann, so haberi wir im
Ganzen noch zweimal 510 Millionen unbekannte Grossen, .zu
deren Bestimmung nur die beiden Grossen zur Verfiigung sind,
welche die Intensitat und die Spectralbreite des Strahles an-
geben. Diese Grossen sind als gewisse Mittelwerte aufzu-
fassen, aus denen man natiirlich keine bestimmten Schliiese
auf die einzelnen Partialschwingungen der F o u r i er'schen Reihe
ziehen kann. Eine Messung derselben ist schon aus dem
Grunde undenkbar, weil die Partialschwingungen einzeln iiber-
haupt gar keine unmittelbare physikalische Redeutung haben;
denn die Glieder der Ileihe hangen von der Wahl der Grund-
periode ab.
Andererseits darf man aber auch nicht glauben, dass die
Werte der Amplituden und Phasen der einzelnen Partial-
schwingungen, wenn ihre Perioden so nahe beieinander liegen,
iiberhaupt ohne merklichen Einfluss seien auf die vom ganzen
Imeversible Strahbngsvorganye. 73
Strahl ausgehenden messbaren Wirkungen. Allerdings: wenn
es sich nur urn die Messung der Gesamtintensitat des
Strahles handelt, kommt nur die Summe der Einzelstrahlungen
in Betracht. Aber gerade in dem vorliegendeii Falle haben
wir es mit der selectiven Absorption der Strahlung durch
Resonatoren mit bestimmten Eigenperioden zu thun, und man
weiss, dass , j e kleiner das logarithmische Dampfungsdecre-
ment eines Resonators ist, um so kleinere Veranderungen der
Schwingungsperiode der erregenden Welle dazu gehoren , urn
recht betrachtliche Aenderungen der Resonanzwirkung nach
sich zu ziehen. I n der That wiirde es leicht sein, bei Fest-
haltung der Farbe, Spectralbreite und Intensitat des Strahles
die Verteilung der Amplituden und Phasen auf die einzelnen
Partialschwingungen so vorzunehmen , dass die Resonanz-
wirkungen auf einen und denselben Resonator die allerver-
schiedensten und sonderbarsten Eigenschaften aufweisen wiirden.
Die angestellte Ueberlegung fuhrt also zu dem unaus-
wejchlichen Schluss, dass bei gegebener Farbe, Spectralbreite
und Intensitat eines Strahles die Maxwell'schen Gleichungen
keineswegs ausreichen , urn alle messbaren Wirkungen des
Strahles vorauszusagen , dass im Gegenteil die elektromagne-
tische Theorie in demselben Falle , wo die Thermodynamik
ein ganz bestimmtes Resultat fordert, geradezu unendlich viele
Moglichkeiten offen Iasst, und dass man folglich vom Standpunkt
der Elektrodynamik zunachst genotigt ist, die gestellte Aufgabe
fur unzureichend formulirt und daher fur unlosbar zu erklaren.
Will man sich also mit der Thermodynamik, und auch
mit der Erfahrung, in Uebereinstimmung setzen, so ist das
nur moglich auf Grund einer neuen, von den Maxwell'schen
Gleichungen unabhangigen Hypothese. Eine derartige Hypo-
these ist enthalten in dem unten, ($ 9) eingefiihrten Begriff der
,,natiirlichen Strahlung". Wenn gesagt wird, ein elektro-
magnetischer Strahl besitze die Eigenschaften der natiirlichen
Strahlung, so sol1 dies kurz gesagt heissen: Die Energie der
Strahlung vertheilt sich vollkommen unregelmassig auf die
einzelnen Partialschwingungen, aus denen der Shah1 zusammen-
gesetzt gedacht werden kann.
Diese durch ihre Einfachheit fast selbstverstandlich schei-
nende Voraussetzung erweist sich dennoch bei weiterer Durch-
74 M. PlancR.
fuhrung als sehr weittragend. Zunachst fiihrt sie auf rein
elektromagnetischem Wege mit Notwendigkeit zur Giiltigkeit
eines dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik analogen
Satzes. Weun man, um wieder zu dem am Anfang betrach-
teten System von Resonatoren zuriickzukehren , die Annahme
macht, dass samtliche im System vorkommende Strahlen zu
allen Zeiten die Eigenschaften der naturlichen Strahlung be-
sitzen, so lasst sich eine elektromagnetische Function des Zu-
standes angeben, welche fortwahrend wachst, und deren Maxi-
mum mithin einen stationaren Zustand angiebt. Man kann
daher auch sagen : Die Hypothese der naturlichen Strahlung,
fur alle Orte und Zeiten als giiltig vorausgesetzt, enthalt in
nuce den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik in seiner
Anwendung auf Strahlungsvorgange, sie ist nur ein anderer
Ausdruck fur denselben. Ihr Vorteil besteht aber darin, dass
man die Grosse der Strahlungsentropie in allen Einzelheiten,
und damit auch den Betrag ihrer Aenderung in einer be-
stimmten Zeit angeben kann; wahrend der zweite Hauptsatz
in seiner gewohnlichen Fassung den Begriff der Zeit iiber-
haupt nicht enthalt. Durch Identificirung der elektromagne-
tischen Entropie mit der thermodynamiechen Entropie ergiebt
sich ohne weiteres die elektromagnetische Definition der Tem-
peratur eines Warmestrahles, und das Maximum der Entropie
ergiebt das Warmegleichgewicht, d. h. den Zustand der statio-
naren Warmestrahlung. Das Gesetz der spectralen Energie-
verteilung in diesem Zustande erweist sich als identisch mit
dem von W. W i e n auf anderem Wege abgeleiteten Gesetz,
das bekanntlich in neuerer Zeit durch die Untersuchungen von
F. P a s c h e n , sowie von 0. L u m m e r und E. P r i n g s h e i m
experimentell in gewisser Annaherung bestatigt worden ist. -
Die hier unternommene elektrodynamische Deutung des
zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik legt es nahe, einen
kurzen vergleichenden Blick auch auf dessen mechanische
Deutung, namentlich auf die entsprechenden Fragen in der
kinetischen Gastheorie, zu werfen. Auch hier finden wir
bekanntlich denselben , oft besprochenen Gegensatz zwischen
den Grundgleichungen cler Mechanik, welche einen vollkommen
reversibeln Charakter haben, und dem Inhalt des zweiten
Hauptsatzes , welcher fur alle wirklichen Vorgknge Irrever-
Irreversible Strahlun,ysaorgiinge. 75
sibilitat fordert. Aber auch hier lasst sich der Gegensatz
in ganz ahnlicher Weise losen durch die Einfiihrung einer be-
sonderen Hypothese, welche, solange sie in Gultigkeit bleibt,
alle Consequenzen des zweiten Hauptsatzes in sich birgt. Es
ist dies in der Ausdrucksweise von L. B o l t z m a n n ' ) die Hypo-
these der ,,molecularen Unordnung". Sie ist notwendig und
hinreichend fur die Existenz einer durch den augenblicklichen
Zustand bestimmten Function, welche sich fortwahrend in dem
namlichen Sinne andert und daher die wesentlichen Eigen-
schaften der Entropie besitzt. Allerdings erweist sich die
Hypothese der molecularen Unordnung, falls man sie nicht
nur fur den Anfangszustand, sondern fur alle Zeiten giiltig
annimmt , als unvereinbar mit der Voraussetzung einer end-
lichen Anzahl von einfachen, innerhalb starrer Wande ein-
geschlossenen Atomen, und dieser Umstand bereitet der Ein-
fiihrung des zweiten Hauptsatzes als eincs allgemeinen Principes
in die Gastheorie eine gewisse Schwierigkeit , welche auf der
einen Seite zu Einwanden gegen die Berechtigung der Gas-
theorie iiberhaupt, auf der anderen dagegen zu Zweifeln an der
Allgemeingultigkeit des zweiten Hauptsatzes der Warmetheorie
gefuhrt hat. Indessen handelt es sich hier in Wirklichkeit
gar nicht um eine derartige Alternative. Wenn man von den
eben genannten Voraussetzungen nur eine, etwa die Annahme
starrer Wande, deren Existenz im strengen Sinne ohnehin von
vornherein hochst unwahrscheinlich ist, fallen lasst, so scheint
einer allgemeinen Durchfiihrung der Hypothese der molecularen
Unordnung nichts im Wttge zu stehen, und damit bleibt auch
vom Standpunkt der kinetischen Gastheorie aus die Moglich-
keit gesichert, den zweiten Hauptsatz auf alle Zeiten auszu-
dehnen.
F u r die Hypothese der naturlichen Strahlung, angewendet
auf den Fall eines zwischen spiegelnden Wanden befindlichen
strahlenden Systemes , und die Frage ihrer unbeschrankten
Gultigkeit wurde sich ubrigens wahrscheinlich eine ganz ahn-
liche Sohwierigkeit wie die soeben geschilderte ergeben, falls
man auf die Natur der als Strahlungscentren fungirenden
elementaren Oscillatoren naher eingehen wollte. Das ist aber
1) L. B o l t z m a n n , Vorlesungen iiber Gastheorie 1. p. 21. 1895.
76 [Link].
bei der hier entwickelten Theorie gar nicht notig, weil hier
von vornherein die Voraussetzung eingefiihrt wird , dass die
Wellenlange der Eigenschwingung eines Oscillators gross ist
gegen seine linearen Dimensionen; und untor dieser Voraus-
setzung lassen sich die Gesetze der Emission und Absorption
ganz ohne Riicksicht auf die specielle Beschaffenheit des
Resonators entwickeln. Es kann auch z. B. ganz dahingestellt
bleiben , ob die Schwingungen der elementaren Resonatoren
auf Leitungsstromen (selbstversfandlich ohne galvanischen Wider-
stand) oder auf Convectionsstromen (Bewegungen elektrisch ge-
ladener Teilchen) beruhen. Sobald man aber diese Frage
offen lasst, ist auch kein Anhaltspunkt vorhanden, um den
Giiltigkeitsbereich der Hypothese der natiirlichen Strahlung
zeitlich irgendwie einzuschranken , und damit verlieren auch
die Bedenken gegen eine bestandige Zunahme der Entropie
jhre Stiitze. l)
E r s t e r A b s c h n i t t.
Emission und Absorption elektromagnotischer Strahlung durch
einen Resonator.
1. S c h w i n g u n g e n e i n e s g e r a d l i n i g e n R e s o n a t o r s .
In einem von beliebigen elektromagnetischen Wellen
durchzogenen Vacuum befinde sich ein geradliniger elektrischer
Resonator, dessen Eigenperiode einer im Verhaltnis zu seinen
Lineardimensionen grossen Wellenlange entspricht und dessen
Schwingungen nur durch Ausstrahlung von Energie in den um-
gebenden Raum, nicht durch galvanischen Leitungswiderstand
oder andere in seinem Innern wirksame, Energie consumirende
Vorgange gedampft werden. Bezeichnet dann f ( t ) das Moment
des vom Resonator zur Zeit t dargestellten elektrischen Dipols,
Z ( t ) die in die Richtung des Resonators fallende Componente
der Intensitat des elektrischen Feldes , welches von den im
Vacuum sich fortpflanzenden Wellen am Orte des Resonators
1) Die folgende Darstellung bildet, mit einigen Abanderungen und
Zusiitzen , eine Wiedergabe meiner letzten, das Wesentliche der Theorie
zusammenfassenden Mittheilung an die Berliner Akademie der Wissen-
schaften (vom 18. Mai 1899).
Irreversible Strahlungsvorgange. 77
gebildet wird, beides gemessen im absoluten elektrostatischen
Maass, so ist die Schwingung des Resonators bestimmt durch
seinen Anfangszustand (fur t = 0) und durch dio folgende Diffe-
rentialgleichung I):
c bedeutet hierbei die Lichtgeschwindigkeit im Vacuum, 6 das
logarithmische Decrement der Schwingungsamplituden, das nach
den gemachten Voraussetzungen notwendig ltlein ist, vo die
Schwingungszahl des Resonators (Anzahl der Schwingungen in
der Zeiteinheit).
Die Energie V, des Resonators ist bestimmt durch die
Gleichung :
wobei die Constanten a):
(3) K= 16n'vi
L = 4n'---.
Yo
303u , 3 c3 u
Mit der Einfiihrung von U, lasst sich die Schwingungs-
gleichung (1) in folgender Form schreiben :
(4)
Das erste Glied rechts bezeichnet die in der Zeit d t vom
Resonator aus der Umgebung nbsorbirte Energie, das zweite
Glied die in derselben Zeit vom Resonator nach aussen emit-
tirte Energie. Wahrend diese letztere ein constantes Vorzeichen
hat, wird, wie man sieht, die abs0rbirt.e Energie unter Um-
standen negativ, namlich immer [Link], wenn die ,,erregende
Schwingungii, als welche wir Z kurz bezeichnen wollen, ent-
gegengesetzt gerichtet ist dem im Resonator diessenden elek-
trischen Strome, dessen Intensitat das Vorzeichen von d f / d t
besitzt. In diesem Falle wird also durch die ,,erregende
Schwingung' dem Resonator Energie entzogen.
1) M. P l a n c k , Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Berlin
p. 165. 1896; Wied. Ann. 60. p. 593. 1897.
2) 1. c.
75 M. Planck.
S 2. D a r s t e l l u n g d e r e r r e g e n d e n S c h w i n g u n g d u r c h e i n
Fourier'sches Integral.
I n jedem Falle lasst sich 2 fur ein beliebig grosses end-
liches Zeitintervall, etwa von t = 0 bis t = T,folgendermaassen
schreiben:
(5) sm
2 = d v * Cv cos (2 n w t - %.,.),
0
wobei C, (positiv) und ~9~gewisse Functionen der positiven
Integrationsvariabeln Y bedeuten l), deren Werte ubrigens
durch dasverhalten der Grosse B in dem genannten Zeitintervall
bekanntlich noch nicht bestimmt sind, sondern ausserdem noch
von der Art abhangen, wie die Zeitfunction Z iiber jenes In-
tervall hinaus nach beiden Seiten fortgesetzt wird. Es ware
daher auch ganz unrichtig, wenn man die Schwingung 2 sich
etwa als ein continuirliches ,,Spectrum" von periodischen Schwin-
gungen mit den consfanten Amplituden Cv vorstellen wurde.
Wir wollen T so gross wahlen, dass nicht nur voT, sondern
auch G vo T durch eine grosse Zahl ausgedruckt wird, und wollen
im Folgenden immer nur solche zwischen 0 und 1' gelegene
Zeiten t betrachten, fiir welche a v o t, und urn so mehr vat, grosse
Werte hat. Diese Festsctzung gewahrt namlich den Vorteil,
dass wir dann von dem Anfangszustand des Resonators (fur
t = 0) ganz absehen konnen, weil derselbe sich zur Zeit t nur
mit einem Gliede von der Grossenordnung e - u v n t geltend macht
und daher dann keinen merklichen Einfluss auf den Zustand
mehr ausiibt.
§ 3. B e r e c h n u n g d e r R e s o n a t o r s c h w i n g u n g .
Unter den gemachten Voraussetzungen ergiebt sich fur
irgend eine erregende Schwingung (5) als allgemeine Losung
der Schwingungsgleichung (l), wie leicht zu verificiren :
1) Die Einfuhrung der ,,Frequen& n = 2 71 v statt der Schwingungs-
zahl v wiirde in diesem Abschnitt zu einer Vereinfachung, in den
folgenden dagegen zu eincr Complicirung der Ausdrucke fuhren. Stat,t
der Darstellung durch ein Integral kijnnte man iibrigens ebenso gut 2
in eine F o u r i e r ' s c h e Reihe, etwa mit der Grundperiode T, entwickeln;
der Unterschied ist, soweit ich sehe, nur ein formeller. Auf die Vorziige
des Integrals hat mich mein Freund C a r l R u n g c hingewiesen.
Irreversible 8trahbngsvoryange. 79
wobei zur Abkurzung gesetzt ist:
Um yv eindeutig zu machen, wollen wir noch festsetzen,
dass yv von 0 bis !n wachst, wenn u / v o von kleinen zu grossen
Werten iibergeht.
Da (r klein ist, so weicht sin yy nur dann merklich von
Null ab, wenn v/vo nahezu = 1, d. h. es tragen nur diejenigen
Glieder des Fourier'schen Integrals (5) merklich zur Resonanz-
erregung bei, deren Index v der Eigenschwingung vo des Re-
sonators nahe lie@. Man kann daher fur gewohnlich einfacher
schreiben:
5 4. I n t e n s i t a t der erregenden Schwingung.
Die ,,Intensitat der erregenden Schwingung" J als E'unction
der Zeit t definiren wir als den Mittelwert von Z2 in dem
Zeitintervall von t bis t + T, wobei z moglichst klein genommen
ist gegen die Zeit T, aber immer noch gross gegen die Zeit
l/v,,, d. h. gegen die Zeitdauer einer Schwingung des Reso-
nators. In dieser Festsetzung liegt eine gewisse Unbestimmt-
heit, welche bewirkt, dass im allgemeinen J nicht nur von t,
sondern auch von T abhangig bleiben wird. Wenn dies der
Fall ist, kann man von einer Intensitat der erregenden
Schwingung uberhaupt nicht reden; denn es gehijrt mit zum
Begriff der Schwingungsintensitat, dass ihr Retrag sich inner-
halb der Zeitdauer einer einzelnen Schwingung nur unmerklich
andert. Daher wollen wir kiinftig nur solche Vorgange in
Betracht ziehen, bei denen unter den angegebenen Bedingungen
ein nur von t abhangiger Mittelwert von 22 existirt. Die
spater (8 9) vorzunehmende weitere Beschrankung auf den Fall
der ,,naturlichen Strahlung" wird zugleich auch die Erfullung
80 M. Planck.
der hier als nothwendig erkannten Bedingung enthalten. Um
ihr in mathematischer Hinsicht zu geniigen, wollen wir zu-
nachst annehmen, dass die Grossen C, in (5) fur alle diejenigen
Werte von u unmerklich klein sind, welche gegen uo ver-
schwinden, oder , anders ausgedriickt, dass in der erregenden
Schwingung Z keine ganz langsamen Perioden von merklicher
Amplitude enthalten sind.
Zur Berechnung von J bilden wir nun aus (5) den
Wert von Za und bestimnien den Mittelwert %a dieser Grosse
durch Integration nach t von t bis t + z, Division durch T und
Uebergang zur Grenze durch gehorige Verkleinerung von t.
’Es ergiebt sich so zunachst:
mm
~ )( 2 n u t - 8,).
Z2 = J h u ‘ d u C,, C,,cos ( 2 z ~ ‘ t - 8 ,cos
00
Vertauscht man die Werte von u und u’, so andert sich die
Function unter dem Integralzeichen nicht; daher setzen wir fest:
u‘ >u
und schreiben:
Z 2 = 2 J p u ’ d u C,,, C, cos ( 2 7~ v’t - I?,,) cos (2 z u t - I?,)
oder :
P = J P u ’ du C,, C,{COS[2 n(v’ - u) t - a,,+ 6,]
+ cos [ 2 72 (v’ + u)t - I?,,/ - I?,]].
Folglich :
:+r
sinn(v’ - .)I. cos-[-n ( v ’ - v ) ( 2.t + T) - 8 , r + a,]
c ( v ’ - Y) 7
+ sinn (v‘ + v ) T . c o s j n (Y’ + v ) ( 2 t + t) - a,~- 49.1 ).
(7-+v) T 7c
Da nach der oben gemachten Voraussetzung alle die-
jenigen C,, unmerklich klein sind, fur welche u gegen uo ver-
schwindet, so kann man in dem vorstehenden Ausdruck u,
und umsomehr u’, als von gleicher oder hoherer Grossen-
ordnung wie uo annehmen. Lassen wir nun z immer kleiner
werden, so ist vermoge der Bedingung, dass u O r gross bleibt,
Irreversible Strahlungsvorgange. 81
der Nenner (v‘ +
v ) r des zweiten Bruches jedenfalls gross,
wahrend der des ersten Bruches, (v’- v ) r , mit abnehmendem t
unter jeden endlichen Betrag herabsinken kann. Daher re-
ducirt sich das Integral fur geniigend kleine Werte von
,v’ - v auf:
~ ~ V , d Y C : , C . C O S [ 2 ~ ( U ’ - 2 1 ) 1 - I?,!+ I!+y],
also unabhlngig von T. Die iibrigen Glieder des Doppeh~te-
grals, welche g r h e r e n Werten von tif - v, d. h. schnelleren
Aenderungen mit der Zeit entsprechen, hangen im allgemeinen
von t ab und miissen daher verschwinden, wenn die IntensiUt
.J nicht von T abhangen soll. Daher ist in unserem Falle,
wenn man noch
u. = 21‘ - v ( 2 0 )
als zweite Integrationsvariable statt v’ einfiihrt :
wobei:
(8) A,, sin(^^,.+^ - 1 ~ ~ )
\
Bp = Jdv c, + cycos (I?, + i’L - IYY).
82 M. Planck.
und demgemass sind die Fourier'schen Integrale (5) und (8)
in ganz verschiedener Weise mit der Zeit veranderlich. Wir
werden daher im Folgenden in Rezug auf die Abhangigkeit von
der Zeit zwei verschiedenartig veranderliche Arten von Grossen
xu unterscheiden haben : schnell veranderliche Grossen, wie 2
und das mit 2 durch die Differentialgleichung (1) verbundene f,
und langsam veranderliche Grossen, wie J und ebenso auch U,.
die Energie des Resonators, welche sich wegen der geringen
Dampfung ebenfalls nur langsam im Verhaltnis gegen f ' andert.')
Doch ist dieser Unterschied in der zeitlichen Veranderlichkeit
der genannten Grossen nur ein relativer, da der absolute Wert
des Differentialquotienten von Jnach der Zeit von der Grosse der
Zeiteinheit abhangt und durch geeignete Wahl derselben be-
liebig gross gemacht werden kann. Man ist daher nicht be-
rechtigt, J(t) oder U, (t) schlechthin als langsam veranderliche
Functionen von t zu bezeichnen. Wenn wir diese Busdrucks-
weise der Kiirze halber in der Folge dennoch anwenden, Is0
geschieht das stets im rclativen Sinne, namlich mit Bezug auf
das abweichende Verhalten der Functionen Z ( t ) oder f(t).
Was nun aber die Abhangigkeit der Phasenconstante t?., von
ihrem Index Y anbetrifft, so besitzt diese notwendig die Eigen-
schaft der schnellen Veranderlichkeit im absuluten Sinne. Denn
,
obwohl p klein ist gegen v, ist doch die Differenz 8,+ - t?, im
allgemeinen nicht klein, weil sonst die Grossen A, und B, in
(8) zu specielle Werte erhalten wurden, und daraus folgt,
class (a 8,/ dv) . Y durch eine grosse Zahl dargestellt wird.
llieran Bndert auch ein Wechsel der Zeiteinheit oder eine
Verlegung des Anfangspunktes der Zeit nichts wesentliches.
Die schnelle Veranderlichkeit der Grossen 8, mit v ist
also eine im absoluten Sinne notwendige Bedingung fur die
Existenz einer bestimmten Schwingungsintensitat J, oder mit
anderen Worten: fur die Moglichkeit der Einteilung der von
der Zeit abhangigen Grossen in schnell veranderliche und in
langsam veranderliche - einer Einteilung, die auch in anderen
physikalischen Theorien hilufig gemacht wird und auf welche
sich alle folgenden Untersuchungen grihden.
1) In der Akustik und Optik pflegt man bekanntlich diesen Unter-
schied durch die Worte ,,Schwingung" und ,,Schwebung" anzudeuten.
Irreversible Strahlungsvorgange. 83
9 6. B c r e c h n u n g d e r E n e r g i e d e s Itesonators.
Die im vorstehenden eingefuhrte Unterscheidung zwischen
schnell veriinderlichen und lmgsam veriinderlichen Grossen ist
in physikalischer Beziehung hier deshalb wichtig, weil wir im
Folgenden nur ,die langsame Abhangigkeit von der Zeit als
direct messbar annehmen wollen. Damit nahern wir uns eben
den in der Optik und in der Warmestrahlung thatsachlich
stattfindenden Verhaltnissen. Unsere Aufgabe wird dann darin
bestehen , Beziehungen [Link] z wischen langsam ver-
anderlichen Grossen aufzustellen; denn diese allein sind es,
welche mit den Ergebnissen der Erfahrung verglichen werden
konnen. Wir bestimmen daher nun zunachst die Werte der
wichtigsten hier in Betracht kommenden langsam verander-
lichen Grossen, namlich die Energie des Resonators und
den Betrag der vom Resonator emittirten und absorbirten
Energie.
Die Energie des Resonators, die in (2) gegeben ist,
besteht aus zwei Teilen: der elektrischen Energie und der
magnetischen Energie. Da wegen der kleinen Dampfung der
Mittelwert dieser beiden Energiearten jedenfalls der namliche
ist. d. h.
so konnen wir auch schreiben:
(11) U, = K f 3 ,
indem wir mit f j den Mittelwert von f 2 in dem ZeitintervalI
von t bis t + t (6 4) bezeichnen. Dieser Mittelwert berechnet
sich nach ( 6 ) genau in der namlichen Weise wie der von 22
in 6 4, nur dass hier (3 ~ 3 1 1 n3v:)
6 C, sin y, statt C,, und +y y
statt (9, zu setzen ist. Wir erhalten daher analog (7), mit
Riicksicht auf den Wert von K in (3):
84 iM. Planck.
wobei :
a = 1 6 3n *C 0L4 J d ~ C , + ~ C , , s i n y , + ! , s i n y x,
(13) * sin ( 1 9 , + / L - 7 9 v + i'v +p - rv),
b Jdv C, C, sin yv + !L sin ;',, x
'' = 16712fJJ,%
-3"' - +
\ cos (19, + / ' - 8, + y,. + p - rv).
Q 7. B e r e c h n u n g d e r v o m R e s o n a t o r e m i t t i r t e n u n d
a bs o r b i r t e n E n e r g i e.
Der Betrag der vom Resonator in der Zeit d t emittirten
Energie, als einer ,,langsam veranderlichen" Grosse , ergiebt
sich direct aus der Gleichung (4) als:
oder nach (lo), (11) und (3):
(14) = 2nv, U,,dt.
Die in einem fieitelement worn Hesonator emittirte &[Link] ist
proportional der Energie des Resonators, f krner seiner Schwinyungs-
zahl und seinem logarithmischen Decrement.
Der Betrag der vom Resonator absorbirten Energie, als
einer ,,langsnm veranderlichen" Grijsse, lasst sich aus (4) ent-
weder berechnen durch die Bildung des Mittelwertes von
2 . ( d f / d t ) mit Hiilfe der bekannten Ausdriicke fur 2 und f ; oder
kiirzer direct aus der soeben gefundenen Form jener Qleichung:
Irreversible Strahlungsvorga7tge. 55
Setzt man fur Uo den in (13) gegebenen Wert, so ergiebt
sich fur die in der Zeit d t vom Resonator ahsorbirte Energie der
Wert:
s +
I
d t . d p ( u L s i n 2 n p t b;,cos2n,ut),
(16) wobei:
ak = 2 B vo a,, - 2 n p 6,,
I bi, = 2 0 vo b, + 2 n p a,,.
Diese Grossen wollen wir nun mit der Intensitkt der
erregenden Schwingung in eine allgemeine Beziehung bringen,
wobei immer festzuhalten ist , dass das Verhaltnis p : B vo be-
liebig grosse und kleine Werte annehmen kann.
$ 8. S p e c t r a l e Z e r l e g u n g d e r I n t e n s i t L t d e r e r r e g e n d e n
S c h w i n g u n g.
Von den bisher in unseren Gleichungen auftretenden
Energiegrossen durfen wir als direct messbar ansehen nur die
Intensitat J der erregenden Schwingung und die Energie Uo
des Resonators. Dieselben stehen aber im allgemeinen in
keinem einfachen Zusammenhang miteinander, d a die Energie
des Resonators nicht allein von der Gesamtintensifat J der er-
regenden Schwingung Z, sondern noch von specielleren Eigentltm-
lichkeiten dieser Schwingung abhangt. Man kann nun offenbar die
Eigenschaften einer bestimmten erregenden SchwingungZ dadurch
weiter verfolgen, dass man die zu untersuchende Schwingung Z
auf verschiedene Resonatoren wirken lasst und die Energie
misst , welche ein jeder Resonator einzeln unter dem Einfluss
derselben erregenden Schwingung Z annimmt. Es ist dies ganz
die namliche Methode, welche in der Akustik zur Analyse eines
Klanges angewendet wird.
Hierauf griinden wir unsere Definition der in der Ge-
samtintensitat J enthaltenen Intensitat 3iy einer bestimmten
Schwingungszahl v. Wir setzen namlich:
00
(17) J=fi,du
0
und definiren 3,., eine ,,langsam veranderliche" Function der
beiden Variabeln v und t, durch die Energie, welche ein
Resonator mit der Schwingungszahl v unter dem Eiufluss der
erregenden Schwingung Z annimmt.
86 M. Plunck.
Hier ist aber sogleich noch ein wichtiger Punkt zu er-
ledigen. D a namlich die Energie eines von der Schwingung i:
erregten Resonators nicht allein von seiner Eigenschwingung,
sondern ausserdem auch von seiner Dampfung abhangt, so ist
noch auf eine geeignete Wahl der Dampfungsconstanten des
zur Messung der Tntensitat 3v benutzten Resonators Riicksicht
zu nehmen. Damit derResonator auf eine bestimmteSchwingungs-
zahl und nicht etwa auf ein endliches Interval1 von Schwingungs-
zahlen merklich reagirt, muss sein Dampfungsdecrement klein
sein. Es darf aber auch andererseits nicht allzu klein ge-
nommen werden; denn ein Resonator mit sehr kleiner Dampfung
braucht sehr lange Zeit zum Abklingen, und ein solcher Reso-
nator wiirde den Zweck, durch sein Mitschwingen jederzeit eine
gleichzeitzye Eigenschaft der ihn erregenden , im allgemeinen
mit der Zeit veranderlichen Schwingung anzugeben , nicht er-
fullen, d a seine Energie nicht von der gleichzeitigen Beschaffen-
heit, sondern zugleich auch von der Vorgeschichte der erregenden
Schwingung abhangen wurde. Die Energie des Resonators
wiirde also nicht die Intensitat zv selber, sondern einen ge-
wissen , iiber einen grosseren Zeitraum erstreckten Mittel wert
dieser Grosse zum Ausdruck bringen.
Um diesen Umstand zu berucksichtigen, wahlen wir das
logarithmische Decrement g aller z u r Analyse der erregenden
Schwingung 2 benutzten Resonatoren zwar klein gegen 1,
machen aber doch Q Y gross gegen alle p, was stets moglich
ist, d a nach (9) u klein ist gegen Y. Dann ist der Zustand
eines analysirenden Resonators, z. B. desjenigen mit der
Schwingungszahl 11,) vollstandig bestimmt durch die gleich-
zeitige Beschaffenheit der erregenden Schwingung, und man
kann sagen, dass der Resonator alle Intensitatsschwankungen
der erregenden Schwingung momentan anzeigt. I n der That
ersieht man z. I3. leicht aus (16), wenn man darin 0 statt (r
setzt, dass die Glieder mit dem Factor p gegen die Glieder
mit dem Factor pv, verschwinden und dass dadurch die vom
Resonator absorbirte Energie proportional wird seiner augen-
blicklichen Energie U,, was nur d a m moglich ist, wenn der
Zustand des Resonators nur von der gleichzeitigen Beschaffen-
heit der erregenden Schwingung abhangt.
Unter den gemachten Voraussetzungen ist die in der Ge-
Irreversible Strahlu~~gsvorgan.~e. 87
samtintensitat J der erregenden Schwingung enthaltene In-
tensitiit. der Schwingungszahl vo, die wir kurz mit be-
zeichnen wollen, nach (12) als Function der Zeit gegeben durch :
cos ( 2 72 p t - I?, + {' + aV).
Hier ist xo ein von go abhangiger, sogleich zu bestimmender
Proportionalitatsfactor; der Winkel S, geht aus yy in $j3 her-
vor, wenn man darin Q statt (T setzt, also:
und & + p ist = S, gesetzt, da p klein ist gegen vo. Der
Proportionalitatsfactor xo bestimmt sich aus der Bedingnng (17).
Schreibt man namlich diese Bedingnng nach (7) in der Form:
so folgt aus dem soeben fur 3o gefundenen Ausdruck, da p
und v nicht von v,, abhangen:
0
oder nach (18):
Da nun Q klein ist gegen 1 , so braucht man nur die-
jenigen Werte der Function unter dem Integralzeichen zu
beriicksichtigen, fur welche vo nahe = v ist, und erhalt so:
( x ist der Wert von xo fur vo = v), oder:
88 Jl. Planck.
welcher Wert thatsachlich den verlangten Wert des letzteii
Integrals ergiebt. l )
Daher ist die Intensitat 3, der Schwingungszahl 11":
(19) I
I
Im allgemeinen werden die Werte von ?l; und 8;; noch
von 0 abhangig sein. I n diesem Falle kann man von einer
IutensiVat der Schwingungszahl if,, in bestimmtem Sinne gar
nicht reden. Wir wollen nun fur das folgende die Voraus-
setzung machen, dass eine jede Schwingungszahl v eine ganz
hestimmte, mit der Zeit ,,langsam veranderliche" Schwingungs-
intensitat 3, besitzt, unabhangig von der zu ihrer Meseung
dienenden Grosse Q. Dann ist zugleich auch die schon in 5 4
eingefuhrte Redingung erfullt,, dass eine Gesamtintensitiit
a3
J == dil
0
der erregenden Schwingung Z existirt. Auf die Frage, wes-
halb und inwieweit diese Annahme, welche iibrigens in der
Warme- und Lichtstrahlung bisher thatsachlich stets gemacht
wurde, in der Natur gerechtfertigt ist, sol1 hier nicht naher
eingegangen werden.
9. Naturliche Strahlung.
Wir haben jetzt die erregende Schwingung 2, die zu den
,,schnell veranderlichen" und daher nicht direct messbaren
Grossen gehiirt, so weit analysirt, dass wir ihre Gesamt-
intensitat J zu jeder Zeit in eine Reihe von messbaren Grossen
zerlegt haben : den Intensitaten 3, der verschiedenen Schwin-
1) Diese Deduction ist gegen die friihere Darstellung (Sitzungsber.
d. k. Akad. d. Wissensch. ZII Berlin vom 18. Mxi 1899, p. 450), Dank einer
niundlichen Benierkung des IIrn. B o l t z m a n n , etmas verandert worden.
Irreoersible Strahlungsvorgange. 89
gungszahlen u. Weitere Mittel, um ,,langsam veranderliche"
Eigenschaften von Z abzuleiten, besitzen wir nicht; die Xe-
thoden der Analyse sind also hiermit erschopft. Was wir durch
sie von der schnell veranderlichen Schwingung Z kennen ge-
lernt haben, ist aber im Vergleich zu der in ihr noch ent-
haltenen Mannigfaltigkeit von Eigenschaften niir ausserst wenig.
Die Functionen C, und 6, selber, in ihrer Abhgngigkeit von
v, sind und bleiben uns innerhalh eines breiten Spielraumes
ganzlich unbekannt.
Stellen wir nun zunachst dasjenige zusammen, was wir,
durch Messung der Intensitat 3, der Schwingungszahl vo, als
einer langsam veranderlichen Function der Zeit t , uber die
schnell veranderlichen Grossen C, und I?,, erfahren konnen.
Als messbar haben wir in (19) die Grossen 9lp1 und 2 .3; zu be-
trachten, fur alle Werte von p . Setzen wir nun:
1 Cv+,,C,sin(4,..--,If.,)=2~::+~,
(20)
'I cv+.~,.cOS (av+.- 8,)= 23; + 71,
wobei 6 und q schnell veranderliche Functionen von v und p
sind, so folgt aus (19):
a''p -- 2:.-2-
evo "s
. s d v sin2 S,,+ -- 6 sin38, d if.
Q
Nun ist mit Rucksicht auf (18):
Folglich: "
j-gsin2S,diI = 0 .
Ebenso:
s q sin2Svdv= 0 .
Da s i n & fur alle Werte von v verschwindet, deren Ver-
baltnis zu v,, nicht nahe gleich 1 ist, so stellt die Grosse 8;
in (20) den langsam veranderlichen Mittelwert der schnell
veranderlichen Grosse C,,, CV sin ( 9 , + ,- tgV) fur I' nahe
gleich vo vor, und ebenso 8: den entsprechenden Nittelwert
der schnell veranderlichen Grosse C, + bL C, cos (9,+ - 8,). '1
1 ) Man konnte auch sehr vie1 einfacher die Intensitiit 9, einer be-
stimmten Schwingungszahl Y durch die genennten Mittelwerte bfiniren,
M. Planck.
Kehren wir nun zu der Untersuchung des Resonators mit
der Schwingungszahl w0 und dem Dampfungsdecrement G zuriick,
so ist zunachst von vornherein einleuchtend, dass zur Berech-
mung des Einflusses, welchen die erregende Schwingung Z auf
den Resonator ausubt, die Kenntnis der Mittelwerthe und 23;
im allgemeinen noch nicht geniigt, sondern dass dazu die
Grossen C, und VY., selber bekannt sein miissen. I n der T h a t
ersieht man aus dem in (13) abgeleiteten Ausdruck der
Energie U, des Resonators, dass diese erst dann genau be-
rechnet werden kann, wenn man die Werte von C,+,Cv
sin (37, + c1 - 8,)und von C, + c1 C, cos (a,+ - Q Y ) fur jeden
Wert von 21 anzugeben vermag, fur den v : vo nahe gleich 1
ist. Mit anderen Worten: die in der erregenden Scbwingung
enthaltene Intensitat 3, der Schwingungszahl vo, auch wenn
sie fur alle Zeiten bekannt ist, bestimmt im allgemeinen noch
nicht die Energie U, des von der Schwingung getroffenen
Resonators.
Somit bleibt nichts anderes ubrig, als entweder auf die
Constatirung eines allgemeinen Zusammenhangs der Grossen U,
und so iiberhaupt zu verzichten, was aber den Ergebnissen
aller Erfahrung zuwiderlaufen wurde, oder mittels einer neu
einzufuhrenden Hypothese die vorhandene Kluft zu uberbrucken.
Die physikalischen Thatsachen entscheiden fur die zweite - 4 l t ~ r -
native.
Die Hypothese, welche wir jetzt als die niichstlieqende
und wohl einzig mogliche einfiihren und fur alles folgende
beibehalten wollen, besteht in der Annahme, dass bei der
Berechnung von [To aus der Gleichung (13) in den Integralen,
welche die Werte der Coefficienten ap und b,, angeben, fur
die schnell veranderlichen Grossen C, + C,. sin (tYv - a,,)
~d C , + , C, COS(I?,+, - 9,) - d ie einzigen von C, und A,
abhangigen Grossen, die in dicsen Integralen vorkommen -
ohne merklichen E'ehler ihre langsam veranderlichen Mittel-
werte YIj und %j gesetzt werden konnen. Damit erhalt dann
die Aufgabe, U, aus zu berechnen, eine ganz bestimmte,
indem man das fur die Gesamtintensitlt J aufgestellte Integral (7) ein-
fach in der Form von (17) schreibt und daraus die Werte der %,'und 8,
ableitet. Dann geht aber die hier benutzte physikaliscbe Hedeutung der
Definition verloren.
Irreversible Strahknysvorgange. 91
durch Messungen zu verificirende Losung. Um aber auszu-
driicken, dass die hier abzuleitenden Gesetze nicht fur jede
Art Schwingungen , sondern nur mit Ausschliessung gewisser
besonderer Einzelfalle gelten , wollen wir jede Art Strahlung,
auf welche die hier eingeftihrte Hypothese passt, als ,,natur-
liche" Strahlung bezeichnen. Dieser Name einpfiehlt sich des-
halb, weil, wie sich im dritten Abschnitt zeigen wird, der
Licht- und Wiirmestrahlung thatsachlich die Eigenschaften
der ,,natiirlichen" Strahlung zukommen.
Nan kann den Begriff der naturlichen Strahlung noch
anschaulicher , aber weniger direct, als oben geschehen, auch
dahin fassen, dass bei ihr die Abweichungen der unmessbaren
schnell veranderlichen Grossen C, + ~, C, sin (6,
+ - I ? - ~ ) etc. ,'L
von ihrcn messbaren langsarn verhderlichen Mittelwerten
etc. ganzlich unregelmassig sind.
Q 10. F u n d a m e n t a l g l e i e h u n g d e r e n t w i c k e l t e n T h e o r i e .
Gemass der im vorigen Paragraphen eingefiihrten Hypo-
these ergiebt sich aus der Gleichung (13):
wobei :
Nun ergiebt sich mit Berucksichtigung der in (6) ge-
gebenen Werte von ctg y,, und ctg yv+,,, durch elementare
Rechnungen :
92 ill. Planck.
Folglich, wenn man daraus a,, und b!, berechnet und die so
erhaltenen Werte in (16) einsetzt:
Die in der Zeit d t vom Resonator absorbirte Energie ist also
nach (16):
oder nach 119)
B i e in einem Zeitelement vom Resonator atsorbirte Eneryie
ist proportional der in der erregenden Schiuingung enthaltenen
Intensitat seiner Eigenperiode, ferner seinem logarithmischen Becre-
ment und dem Cubus der Liclitgeschwindigkeit, und urn-qekehrt
proportional der Schwingungszahl.
Bei der naturlichen Strahlung wird also stets positive
Energie absorbirt, was gewohnlich als selbstverstandlich voraus-
gesetzt wird, aber doch im allgemeinen, wie schon in der zu (4)
gemacliten Bemerkung betont wurde, nicht der Fall zu sein
braucht.
Durch Substitution des Wertes der absorbirten Energie
in (15) erhalt man schliesslich die Fundamentalgleichung der
entwickelten Theorie:
Diese Differentialgleichung kann zur Berechnung der Energie U,
des Resonators benutzt werden, wenn die seiner Schwingungs-
Irreversible Strahlungsvorgange. 93
zahl entsprechende Intensitat 3, der erregenden Schwingung
als Function der Zeit gegebeii ist. D a die Functionen U, ( t )
und 3, ( t ) hier nicht mehr durch Fourier’sche Integrale dar-
gestellt zu werden brauchen, so konnen wir von jetzt a b auch
die friiher in 8 2 eingefiihrte Beschrankung in Bezug auf das
betrachtete Zeitintervall wieder aufheben, und diese und die
folgenden Gleichuugen als fur alle positiven und negativen
Zeiten giiltig ansehen.
Die allgemeine Losung der Differentialgleichung ist :
-m
Fiir constantes 3, hat man:
B e i constanter Bestrahlung ist die Energie des Heronotors
proportional der in der erregenden Schwingung enthaltenen In-
tensitat seiner Schwingungszahl, ferner dem C‘ubus der Aicht-
geschzvinrligkeil , und umgekehrt proportional dem Quadrat der
Schwingungszahl, aber unabhangig von der Bampfung.
Nachdem wir so die Abh’angigkeit &er Energie des Reso-
nators von der Intensitat der erregenden Schwingung fest-
gestellt haben, wird es unsere nachste Aufgabe sein, die letztere
Grosse in Zusammenhang zu bringen mit der irn umgebenden
E’elde stattfindenden Energiestrahlung. Dies geschieht nach
bekannten Methoden im nachsten Abschnitt und fiihrt zur
Formulirung der Gesetze der Energie und der Entropie.
Z w e i t e r A b s c h n i t t.
Erhaltung der Energie und Vermehrung der Entropie.
Indem wir jetzt zur Untersuchung der Vorgange in dem
den Resonator umgebenden elektromagnetischen Felde iiber-
gehen, wollen wir iiberall im Folgenden von den im vorigen
Abschnitt abgeleiteten Resultaten Gebrauch machen, selbst-
verstandlich unter der Voraussetzung, dass dabei iiberall und
zu allen Zeiten die Bedingungen der natiirlichen Strahlung
erfiillt sind. Dementsprechend brauchen wir kiinftig nie mehr
94 $1 Planck.
mit Amplituden und Phasen zu rechnen, sondern stets nur
mit Intensitaten und Energien, d. h. mit ,,langsam verander-
lichen" (im Sinne des 8 5) Grossen. I n diesem Sinne ist auch
die Bedeutung der unten benutzten Kaumelemente und Zeit-
elemente zu verstehen, namlich als Grossen, welche unendlich
klein sind gegen die Dimensionen der betrachteten Raume und
Zeiten, aber immer noch gross gegen die betrachteten Wellen-
langen und Schwingungsdauern. Die Wande des durchstrahlten
Raumes denken wir uns als ruhende, absolut spiegelnde Flachen,
deren Kriimmungsradien gross sind gegen alle in Betracht
kommenden Wellenlangen. Dann konnen wir auch von allen
Beugungsphanomenen absehen und immer nur von geradliniger
Fortpflanzung der Strahlung sprechen.
$j 1 1 . Intensitiit der Energiestrahlung von bestimmter
R i c h tun g , S c h w i n g u n gs z a h 1 u n d P o I a r i sa t i o n.
I n einem von irgend welchen elektromagnetischen Strahlen
durchsetzten Vacuum ist die Intensitat der Strahlung an
irgend einem Orte 0 zu einer bestimmten Zeit nach Richtung,
Schwingungszahl (Farbe) und Polarisation zu unterscheiden.
TJm zunachst die Richtung ins Auge zu fassen, denken wir
uns von dem Punkte D eine kleine geradlinige Strecke von
der Lange r gezogen in derjenigen Richtung, welche durch
die Polarcoordinatenwinkel 8 (zwischen 0 und n) und 9
{zwischen 0 und 2 n) bestimmt ist. Denken wir uns nun so-
wohl im Anfangspunkt D als auch im Endpunkt der Strecke
j e ein Flachenelement, d a und d d , senkrecht zu r gelegt, so
wird die gesamte Energiemenge, welche in der Zeit d t durch
die bei 9 liegende Flache d B der Flache d a' zugestrahlt wird,
gleich sein dem Ausdruck:
u . du'
d t . d .-. ... . K ,
r2
wohei K , die Intensitat der Energiestrahlung in der Richtung
( 8 , .cp), eine endliche positive Function des Ortes, der Zeit
und der beiden Winkel 9. und 'p bedeutet. Setzt man darin
z. B. fiir 19. den Wert z - 79. und fur cp den Wert cp + TZ,
so erhalt man fur K die I n t e n s i l t der Energiestrahlung in der
entgegengesetzten Richtung, eine yon der vorigen im allgemeinen
ganzlich verschiedene Grosse.
h e v e r s i b l e Strahhngsvorganqe. 95
Weiter lasst sich die Strnhlung K zerlegen in eine Reilie
von monochromatischen, in derselben Richtung fortschreiten-
den Strahlen, bei deren jedem ausser der Intensitit noch die
Polarisation zu unterscheiden ist. Zerlegt man einen in be-
stimmter Richtung fortschreitenden monochromatischen Strahl
von beliebigem Polarisationseustande in zwei geradlinig polari-
sirte Componenten, deren Polarisationsebenen aufeinander senk-
recht stehen, im ubrigen aber beliebig sind, so ist bekannt:
lich die Summe der Intensitaten der beiden Componenten
gleich der Intensitat des gnnzen Strahles, unabhangig von der
Orientirung des Ebenenpaares. Die Grosse der beiden Com-
ponenten kann stets dargestellt werden durcli zwei Ausdrucke
von der Form:
Q cos2w +
Q' sin2 w
und
9sinZw + F c o s 2 w ,
wobei n ) das Azimut der Polarisationsebene einer Componente
bedeutet. Die Summe dieser beiden Ausdrucke ergiebt in der
That die Intensit& des ganzen Strahles: Q + P, unabhangig
von o. $ und Q' reprgsentiren zugleich den grossten und den
kleinsten Wert der Intensitat, den eine Componente uber-
haupt annehmen kann (fur w = 0 und w = n / 2 ) . Daher
wollen wir diese Werte die ,,Hauptwerte Oer Intensitat'' und
die entsprechenden Polarisationsebenen die ,,Hauptpolarisations-
ebenen" des Strahles nennen. Beide sind natiirlich im all-
gemeinen mit der Zeit veranderlich. Somit kijnnen wir all-
gemein setzen :
(24) K=[dv(Q.-tQ:),
0
wobei die positiven Grossen Rv und i9;, die beiden Haupt-
werte der Strahlungsintensitat von der Schwingungszahl v ,
ausser von v noch vom Orte, von der Zeit und von den
Winkeln 19. und 'p abhangen. F u r unpolarisirte Strahlen ist
Q W = Kund
(23) K =2
0
1 m
9, d u .
96 M. Planck.
$j 12. E n e r g i e und Ene r gie dichte.
Die totale Energie V, eines durchstrahlten Vacuums und
einer darin befindlichen Anzahl von Resonatoren der betrach-
teten Art ist von der Form:
(26) r/, = 2 Ir; + J u d r ,
wobei U die Energie eines einzelnen Resonators (der im vorigen
Abschnitt hinzugefiigte Index 0 kann von jetzt an iiberall weg-
gelassen werden), 2 die Summation iiber alle Besonatoren,
und u die Dichte der strahlenden Energie im Raumelement d r
des Vacuums bezeichnet. Da die Resonatoren verschwindend
kleine Raume einnehmen, so ist es gleichgiiltig, ob in dem
Integral die Integration auch iiber die von den Resonatoren
erfiillten Raume erstreckt wird oder nicht.
Berechnen wir nun die Energiedichte u , eine Function
des Ortes und der Zeit, fur irgend einen Punkt D des Vacuums,
aus der Strahlungsintensitat K. Zu diesem Zwecke legen wir
um den Punkt 53 als Centrum eine Kugelflache vom kleinen
Radius r . Alle Strahlen, die durch das Kugelcentrum hin-
durchgehen , kommen yon Elementen der Kugelflache her.
Betrachten wir z. B. denjenigen Strahl, welcher in der Rich-
tung (8, 9) durch das Centrum geht; derselbe kommt von
einem Flachenelement d s her, dessen Lage durch die Polar-
+
coordinaten r , n - 8, sp n bestimmt ist.
Die Energiemenge, welche dieser Strahl in der Zeit d t
durch ein beim Kugelcentrum befindliches, senkrecht zu seiner
Fortpflanzungsrichtung orientirtes Flachenelement do hindurch-
sendet, betragt nnch (23):
Folglich die Energiedichte, die dieser Strahl im Kugelcentrum
besitzt, durch Division mit d n und mit der in der Zeit d t
.
zuriickgelegten Strecke c d t :
ds
. K.
c r=
Durch Integration iiber alle Elemente d s der Kugelflache er-
halt man also die gesamte elektromagnetische Energiedichte
im Kugelcentrum 9:
Irreversible Strahhngsvorgange. 97
oder, da
ds = r2sin t?d$drp = r 2 . d J 2 ,
wenn man mit d f i den Oeffnungswinkel des dem Element d s
entsprechenden Kegels bezeichnet:
IL = SJ-K . d 9 ,
eine Grosse, die nur mehr von Ort und Zeit abhangt.
1st specie11 die Strahlungsintensitiit K nach allen Rich-
tungen congtant, so ergiebt sich hieraus die oft benutzte Be-
ziehung:
(28)
Durch Substitution des Wertes von K aus (24) findet man
auch leicht die Energiedichte , die jeder einzelne monochro-
matische Strahl in irgend einem Punkt des Raumes zu irgend
einer Zeit besitzt.
Andererseits ist die riiumliche Dichte der elektromagneti-
schen Energie in einem Punkte des Vacuums:
= +(zj+ ~ j p+ + + jp + p),
wo Xa, Y2, Z2, L 2 , MZ,Na die Quadrate der Componenten
des elektromagnetischen Feldes bedeuten, als ,,langsam ver-
anderliche" Grossen (3 5) betrachtet, und daher mit dem auf
den Mittelwert deutenden Querstrich versehen. Da fiir jeden
einzelnen Strahl die mittlere elektrische und magnetische Energie
gleich sind, so kann man immer schreiben:
$j13. I n t e n s i t i i t d e r e i n e n Resonator e r r e g e n d e n Schwingung.
Nun nehmen wir in dem Centrum 9 der vorhin betrach-
teten Kugel einen Resonator der im ersten Abschnitt unter-
suchten Art befindlich an, dessen Axe wir zur @-Axe rtlachen.
Dann ist die Intensitiit der den Resonator erregenden Schwin-
gung nach 6 4:
J=Z>.
Annalen der Pbysik. IV. Folge. 1. 'I
98 M. Plunck.
Wir wollen daher nun den Wert von 22 berechnen. Z u
diesem Zweck miissen wir auch auf die Polarisation der den
Punkt 9 treffenden monochromatischen Strahlen Riicksicht
nehmen. Fassen wir also wieder denjenigen Strahl ins Auge,
der, vom Flachenelemente d s am Orte ( T , n - 8 , y + n)
kommend, in der Richtung (8, cp) den Punkt "3 trifft, so zer-
fallt derselbe in eine Reihe monochromatischer Strahlen, von
clenen einer die Hauptwerte der Intensitat $ und 9' besitzen
moge. Bezeichnen wir nun den Winkel, welchen die zur
Hauptintensitat Q gehorige Polarisationsebene mit der durch
die Richtung des Strahles und die Z-Axe (die Resonatoraxe)
gelegten Ebene bildet, mit w, einerlei in welchem Quadranten,
so lasst sich der ganze monochromatische Strahl zerlegen in
die beiden gerstdlinig und senkrecht aufeinander polarisirten
Comnonenten :
Q C O S ~w + Q' sin2 G I ,
1
(30)
I
G sin2 w i- 9' cos2 w ,
voii denen die erste in der durch die Z-Axe gehenden Ebene
polarisirt ist, da sie fur w = 0 gleich Q wird. Diese Com-
ponente liefert heinen Beitrag zu dem Werthe von Za im
Punkte "3, weil die elektrische Kraft eines geradlinig polari-
sirten Strahles senkrecht steht auf der Polarisationsebene. Es
bleiht also nur iibrig die zweite Componente, deren elektrische
Kraft den Winkel z / 2 - 8 mit der Z-Axe bildet. Nun ist
nach dem Poynting'schen Satze die Intensitat eines gerad-
linig polarisirten Strahles im Vacuum gleich c / 4 n ma1 dem
mittleren Quadrat der elektrischen Kraft. Folglich ist das
mittlere Quadrat der elektrischen Kraft des hier betrachteten
Strahles :
- (Q sin2 Q + @' cos2 r i )
4n
und das mittlere Quadrat der Componente davon in der Rich-
tung der Z-Axe:
(3 1)
4%
- (Q sin2w + R' cos' Q)) sin2$ .
Ilurch Integration iiber alle Schwirigungszahlen und nlle Oeff-
iiungswinkel erhalten wir mithin den gesuchten Wert:
(32) X 2 = 4rn [sin2 8 d ,Q
s dv(Qi',sin2m,. + $; cos2 u.) = J.
Irreversible Strahlungsuorgange. 99
Sind specie11 alle Strahlen unpolarisirt und die Strahlungs-
intensitat nach allen Richtungen constant, so ist Q, = Q i
und, da:
I s i n 2 , P d J ? =SJ'sin3;1.d8dg; = -,
8n
3
und durch Substitution in (29) und in (25):
4nK
8 n S Q v d u=
u = .__ . ..- ,
iibereinstimmend init (28).
Nehmen wir nun nach 58 die spectrale Zerlegung der
Intensitat J vor:
J= s$, du,
so ergiebt sich durch Vergleichung mit (32) fur die in der
erregenden Schwingung enthaltene Intensitat einer bestimmten
Schwingungszahl v der Wert:
(33) 3, = 4- -nl s i n 2 9. d 0 (a, sina + Qlcosa
GI, 0.).
Da nun 9 mit der Energie U des Itesonators durch die
Gleichung (22) zusammenhangt, so ist hiermit die Moglichkeit
gegeben, die Schwingung des Resonators zu berechnen, wenn
die Intensitaten und Polarisationen aller den Resonator treffen-
den Strahlen fir alle Zeiten bekannt sind. Insbesondere er-
giebt sich fur unpolarisirte und nach allen Richtungen gleich-
massige Strahlung :
s = 33- 7-28 Yc
und nach (22):
2 Ca IJ
dU
dt
+'2n4r b'= 9.
1st die Strahlung auch noch unabhangig von der Zeit, oder
der Strahlungszustand ,,stationar", so ist auch U von der Zeit
unabhangig und :
(34)
u= --P.
cp
Vp
100 M. Planck.
§ 14. Sbaorbirte u n d emittirte Energie.
Die ganze in der Zeit d t von den1 Resonator absorbirte
Energie betragt nach (21):
oder nach (33):
dl .
c2"s
~-
4nv
sin28 d Q (9sin2o + 9 cos2w).
Daher wird von der in der Richtung (8,y ) auf den Resonator
fallenden Strahlung in der Zeit d t der Energiebetrag:
3 c9 0
d t . --
4nv
(asin2w + $' cos2w) sin219d fi
ahsorbirt.
Nun betragt die Intensitat der in der Richtung (8,I+)
auf den Resonator fallenden Strahlung, soweit sie ,,absorbirbarcL
ist, d. h. die dem Resonator entsprechende Schwingungszahl
und Polarisation besitzt, nach (31), da der Factor 4 rn/c hier
wegzulassen ist :
(35) (asin2cr) + 9' cos2w) sin2(9.
Daraus ergiebt sich der Satz: Der absolute Betrag der
vom Resonator in der Zeit d t absorbirten Energie wird er-
halten, wenn man die Intensitat der in irgend einer Rich-
tung (9, cp) auf ihn fallenden absorbirbaren Strahlung mit
multiplicirt und diesen Ausdruck iiber alle Richtungen (8, y)
integrirt. Der Factor 3 c2 ./ 4 7~ v bestimmt also die Breite
des vom Resonator aufgefangenen Strahlenbundels, indem er
ein Maass liefert fur das Product aus dem Querschnitt des
Resonators und der Breite des von ihm beeinflussten Spectral-
bezirkes.
Auf der anderen Seite betriigt die vom Resonator in der
Zeit d t nach allen Richtungen emittirte Energie nach (14):
dt.2ou U
oder, was dasselbe ist:
Irreversible Strahlunmqsvoryanye. 101
Da nun die Intensitat der vom Resonator in der Rich-
tung (8, y) emittirten Strahlung bekanntlich unabhangig ist
yon 'p und proportional sin29., so betragt die in der Zeit d t
in dieser Richtung emittirte Energie:
3uv
dt. ~ Usina8 d S
4n
und die Intensitat der vom Resonator in derselben Richtung
emittirten Strahlung, durch Division mit (36):
vp Usins 8
(37) C2
F u r den am Schluss des vorigen Paragraphen betrach-
teten ,,stationaren" Strahlungszustand ist
CP
Z = P und U = - -V -= Q .
Man sieht also, dass im stationaren Strahlungszustand die
Intensitat (35) der in irgend einer Richtung auf den Resonator
hllenden absorbirbaren Strahlung gleich ist der Intensitat (37)
der in derselben Richtung vom Resonator emittirten Strahlung,
wie es sein muss.
$ 15. Inteneittit u n d P o l a r i e a t i o n der d e n R e s o n a t o r
pasei r e n d en Strah 1 e n b iin d e 1.
Wir wollen nun, als Vorbereitung fiir die folgenden De-
ductionen, die Eigenschaften der verschiedenen den Resonator
passirenden Strahlenbiindel noch naher ins Auge fassen. Von
allen Seiten treffen Strahlen auf den im Anfangspunkt D der
Coordinaten liegend gedachten Resonator; betrachten wir den-
jenigen Strahl, welcher in der Eichtung (19,y), also von einem
Punkte mit den Polarcoordinaten z - 79., y z kommend, auf +
den Resonator fallt, so konnen wir ihn uns zunachst zerlegt
denken in seine monochromatischen Restandteile, und brauchen
uns nur mit demjenigen dieser Bestandteile weiter zu be-
schaftigen, welcher der Schwingungszahl v des Resonators ent-
spricht; denn alle iibrigen Strahlen streichen iiber den Reso-
nator einfach hinweg, ohne ihn zu beeinflussen oder von ihm
beeinflusst zu werden. Die Intensitat des monochromatischen
Strahles von der Schwingungszahl v ist:
B + $,
102 M. Planck.
wenn 9 und R' die Hauptintensitaten vorstellen. Dieser Strahl
wird nun j e nach den Richtungen seiner Hauptpolarisations-
ebenen in zwei Componenten (30) zerlegt.
Die eine Componente:
9 cos2 w + P sin2w
geht direct uber den Resonator hinweg und tritt vollig un-
geandert auf der anderen Seite wieder aus; sie liefert also
einen in der Richtung (8,y ) vom Resonator ausgehenden
geradlinig polarisirten Strahl, dessen Polarisationsebene durch
die Axe des Resonators hindurchgeht, und dessen Intensitat
betragt :
(38) $2cos2w + P' sin2w = 9'.
Die andere, senkrecht auf der vorigen polarisirte Componente:
Q sin2r j + Q' cos2w
zerfallt wiederum in zwei Teile:
(Q sin2w + P' cos2w )cos2 0.
und:
(9sin2w + Q' cos2a)) sin2 8 ,
von denen der erste ungeandert durch den Resonator hindurch-
passirt, der zweite dagegen absorbirt wird. Statt des letzteren
erscheint aber in der vom Resonator ausgehenden Strahlung
die Intensitat des emittirten Strahles (37):
vp 1J sinPY
__ .- .. .
ca
Diese liefert zusammen mit dem ersten, unverandert gebliebenen
Theil die gesammte Intensitat des vom Resonator in der Rich-
tung ( 9 ,y ) ausgehenden, senkrecht auf (38) polarisirten Strahles:
(39) (Qsin2 w + R'cos2 w )cos2 8 + 2U
'T sin2 0. = PI'.
I m ganzen haben wir also schliesslich in der Richtung(8, y )
vom Resonator ausgehend einen aus zwei senkrecht zu einander
polarisirten Componenten zusammengesetzten Strahl, dessen
eine Polarisationsebene durch die Axe des Resonators geht
und dessen Hauptintensitaten die Werte 9''und $2"' besitzen.
Irreversible Strahlungsvorgange. 103
3 16. E r h a l t u n g d e r Energie.
Es ist nun leicht, sich Rechenschaft zu geben yon der
Xrhaltung der Gesamtenergie des Systemes auf Grund der
localen darin stattfindenden Energieanderungen.
Wenn gar kein Resonator im Felde vorhanden ist, so
behalt ein jedes der zweifach unendlich vielen elementaren
Strahlenbundel beim geradlinigen Fortschreiten mit seiner
Intensitiit auch seine Energie unverandert bei, auch bei der
Reflexion an einer als eben und absolut spiegelnd voraus-
gesetzten G-renzflache des Feldes.
Jeder Resonator dagegen bewirkt im allgemeinen eine
Aenderung der ihn treffenden Strahlenbiindel. Berechnen wir
die ganze Energieanderung, die der oben betrachtete Resonator
in der Zeit d t in dem ihn umgebenden Felde hervorruft. Dabei
brauchen wir nur diejenigen monochromrttischen Strahlen zu
beriicksichtigen, welche der Schwingungszahl v des Resonators
entsprechen, d a die iibrigen durch ihn gar nicht alterirt werden.
I n der Richtung (9, y) wird der Resonator yon einem
irgendwie polarisirten Strahlenbiindel getroffen, dessen lntensitat
durch die Summe der beiden Hauptintensitaten Q und 9' ge-
geben ist. Dieses Strahlenbiindel lasst, der Bedeutung des
Ausdruckes (36) gemass, in der Zeit d t die Energie:
(Q 4 3c Y . dQ
9')d t . 3-!'.u
auf den Resonator fallen! und dadurch wird auf der Seite der
ankommenden Strahlen der namliche Energiebetrag dem Felde
entzogen. Auf der anderen Seite geht dafiir vom Resonator
in derselben Richtung (8, y ) ein in bestimmter Weise polari-
sirtes Strahlenbundel aus, dessen Intensitat durch die Summe
der beiden Hauptintensitaten W und ?if gegeben ist. Dadurch
wird dem umgebenden Felde in der Zeit d t der Energiebetrag
xugefuhrt.
I m ganzen betragt also die in der Zeit. d t eingetretene
Energieanderung des den Resonator umgebenden Feldes, durch
104 M. Planck.
Subtraction des vorletzten Ausdruckes vom letzten und Inte-
gration iiber d 0:
d 9 (Q" + 9''- 9 - Q') .
4nv
Nimmt man d a m die in derselben Zeit eingetretene Energie-
anderung des Resonators:
dU
dt. - 7
dt
so verlangt das Princip der Erhaltung der Energie, dass die
Summe der letzten beiden Ausdriicke verschwindet, d. h. dass
(40)
und das ist in der That der Inhalt der beiden Gleichungen (22;
wid (33), wenn man berucksichtigt, dass nach (38) und (39):
3 17. D e f i n i t i o n d e r e l e k t r o m s g n e t i s c h e n E n t r o p i e .
Wir definiren jetzt, analog der fur die totale Energie U,
des Systemes aufgestellten Gleichung (as), eine neue Grosse S,,
die ebenfalls durch den augenblicklichen Zustand des Systems
bestimmt ist und die wir die totale elektromagnetische Entropie
des Systemes nennen:
Die Summation 2 ist wieder uber alle Resonatoren, die In-
tegration uber alle Raumelemente d r des durchstrahlten Feldes
zu erstrecken. Daher nennen wir S die Entropie eines einzelnen
Resonators und s die Entropiedichte in einem Punkte des
Feldes.
Die Entropie 8 eines Resonators mit der Schwingungs-
zahl v und der Energie U definiren wir folgendermaassen:
U
s = - --log --
U
av ebv'
wobei a und b zwei universelle positive Constanten bezeichnen,
deren Zahlenwerte im absoluten C.G.S.-System im folgenden
Irreversible Strahlungsvorgange. 105
Abschnitt (8 25) auf thermodynamischem Wege ermittelt werden;
e, die Basis der natiirlichen Logarithmen, ist nur aus ausseren
Zweckmassigkeitsgriinden hinzugefiigt.
Die raumliche Entropiedichte s in einem Punkte D des
durchstrahlten Feldes bestimmen wir ebenso wie die raumliche
Energiedichte u aus der Betrachtung aller Strahlen, die diesen
Punkt durchkreuzen. Wir schreiben namlich jedem Strahlen-
biindel ausser einer bestimmten Knergie auch eine bestimmte
Entropie zu, die sich mit dem Biindel zusammen fortpflanzt.
Denken wir uns, ganz ebenso wie im 5 11, vom Punkte C
aus in irgend einer Richtung (8, sp) eine kleine geradlinige
Strecke r gezogen und sowohl im Anfangspunkt als auch im
Endpunkt der Strecke je ein Flachenelement, d o und do‘,
senkrecht zu r gelegt, so soi der Gesamtbetrag der Entropie,
welche in der Zeit d t durch die Flache d o der Flache do’
zugestrahlt wird, gleich dem Ausdruck:
dada’
d t .- 2--- . I,,
wobei L , die Intensitat der Entropiestrahlung in dor Rich-
tung (8, sp), auf sogleich naher anzugebendo Weise von der
Beschaffenheit der Strahlung abhangt.
Wir setzen A, ebenso wie K im 5 11, gleich einer Summe,
deren Glieder durch die .einzelnen monochromatischen in der-
selben Richtung fortschreitenden Strahlen bedingt werden, und
definiren die Intensitat der Entropiestrahlung eines mono-
chromatischen geradlinig polarisirten Strahles yon der In-
tensitat R d u d den Ausdruck:
-P
- l o g - c2 P- = 2
a v ebvS
Der beim Vergleich mit (41) hinter dem Logarithmuszeichen
auftretende Factor c z / u z ist durch die Gleichung (34) bedingt.
In dem allgemeinen Fall, dass der monochromatische
Strahl nicht geradlinig polarisirt ist, sondern die Hauptinten-
sitaten Q und P besitzt, betragt die Intensitat, seiner Entropie-
strahlung :
c, + r,
wobei 13’ den Wert bedeutet, den der Ausdruck (43) fur p’
statt $ annimmt. Daher ist die Gesamtintensitat der Entropie-
strahlung in der Richtung (8,9):
106
0
und die raumliche Entropiedichte, analog der Gleichung (27):
Sind specie11 alle durch D gehenden Strahlen unpolarisirt
und ihre Intensitat unabhangig von der Richtung, so wird $ = Q',
(44)
und :
L = 2
J'
n
dw.2
(45)
0
Die Bedeutung der vorstehenden Definition der elektro-
magnetischen Entropie beruht darauf, dass mit ihrer Hulfe
das Princip der Vermehrung der Entropie fur die hier be-
trachteten Strahlungsvorgange als giiltig nachgewiesen werden
kann, und weiter darauf, dass die namliche Definition, durch
eine Identificirung der elektromagnctischen mit der bekannten
thermodynamischen Entropie, zu einer thermodynamischen Deu-
tung der elektromagnetischen Strahlungsvorgange, sowie zu
einer Formulirung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik
fur alle Erscheinungen der Warmestrahlung fiihrt. Daraus
folgen dann unter anderem die Gesetze des stationaren Strah-
lungszustandes , in welchem die Entropie den grossten Wert
annimmt, dessen sie nach den gegebenen Bedingungen des
Systemes fahig ist.
Der Beweis fur die angegebenen Eigenschaften der elektro-
magnetischen Entropie ist dann geliefert, wenn gezeigt werden
kann, dass in allen elektromagnetischen und thermodynamischen
Processen die totale Entropie des Systemes zunimmt. F u r die
hier betrachteten Strahlungsvorghge, die allerdings noch lange
nicht die allgemeinsten sind, wird dieser Nschweis im fol-
gendeii I'aragraphen gefiihrt und dadurch zugleich auch deren
irreversibler Charakter dargethan, wahrend die thermodyna-
mischen Folgerungen erstim letzten Abschnitt Besprechung finden.
Ueber die Nothwendigkeit der gegebenen Definition der
Entropie vgl. unten 5 23.
Irreversible Strahlungsvorganye. 107
3 18. V e r m e h r u n g d e r E n t r o p i e .
Wir wollen nun , auf Grund vorstehender Definition , die
Aenderung berechnen , welche die totale Ihtropie S, unseres
Systemes im Zeitelement d t erleidet. Wir halten uns dabei
genau an die analoge im 6 16 ftir die Energie des Systemes
durchgefiihrte Eechnung.
Weiin gar kein Resonator im Felde vorhanden ist, so
behalt ein jedes der zweifach unendlich vielen Strahlenbiindel
beim geradlinigen Fortschreiten zugleich mit seiner Intensitat
seine Entropie unverandert bei, auch bei der Reflexion a n
einer als eben und absolut spiegelnd vorausgesetzten Grenz-
flache des Feldes. Durch die Strahlungsvorgange im freien
Felde kann also keine Entropieanderung des Systemes hervor-
gerufen werden. Dagegen bewirkt jeder Resonator im all-
gemeinen eine Entropieanderung der ihn treffenden Strahlen-
biindel. Berechnen wir die ganze Entropieanderung, welche
der oben betrachtete Resonator in der Zeit d t in dem ihn
umgebenclen Felde hervorruft. Dabei brauchen wir nur die-
jenigen monochromatischen Strahlen zu beriicksichtigen, welche
der Schwingungszahl B des Resonators en tsprechen , da die
iibrigen durch ihn gar nicht alterirt werden.
In der Richtung (8,cp) wird der Resonator von einem
irgendwie polarisirten Strahlenbiindel getroffen, dessen Energie-
stralilung die Hauptintensitaten Q und R’,und dessen Entropie-
+
strahlung daher die Intensitat 2 2’ besitzt.. Dieses Strahlen-
biindel Iasst, der Bedeutung des Ausdruckes (36) gemass, in der
Zeit d t die Entropie:
(2 + B ’ ) . d t . 34 c2fJ
-rv.d9
auf den Resonator fallen, und dailurch w i d auf der Seite der
ankommenden Strahlen der namliche Entropiebetrag dem Felde
entzogen. Auf der anderen Seite geht vom Resonator in der-
selben Richtung (8,y) ein in bestimmter Weise polarisirtes
Strahlenbundel aus, dessen Energiestrahlung die Hauptinten-
sitaten Q” und W, und dessen Entropiestrahlung daher die
entsprechende Intensitat 2” + 2’” besitzt. Dadurch wird dern
umgebenden Felde in der Zeit d t die Entropie:
108 M . Planck .
zugefuhrt. Im ganzen betragt also die in der Zeit d t ein-
getretene Entropieanderung des den Resonator umgebenden
Feldes, durch Subtraction des vorletzten Ausdruckes vom letzten
und Integration iiber d fi:
(46) 4rrv s
d t . -3- c2 5 . d a(F'+ S''- 2 - 2').
Nimmt man dazu nach (41) die in derselben Zeit erfolgte
Entropieanderung des Resonators:
as . d t = - -
1
-.log- U
-d- U
df aw dt b v '
SO ergiebt sich durch Addition zu (46) und Summation iiber
alle Resonatoren die gesuchte Aenderung der totalen Entropie
des Systemes:
Wir wollen nun weiter den Nachweis fiihren, dass der
Ausdruck hinter dem x-Zeichen stets positiv ist, inbegriffen
den Grenzfall Null.
Zu diesem Zwecke set,zen wir fir d U l d t den in (40) ge-
gebenen Wert und erhalten dadurch und durch Beriicksichtigung
der Bedeutung von B in (43):
Es eriibrigt jetzt noch zu zeigen, dass der eingeklammerte
Ausdruck oder, falls mail diesen mit der positiven Grosse c 2 / e v 2 U
multiplicirt, dass der Susdruck:
Cclogu 4-p10gp - y l o g y - 61og6,
wobei:
2z C2 .w
==
ev2U' y = e-yqF
1
fur alle beliebigen Werte der positiven Grossen 9, P', U,8,W ,
wiihrend 9" und Y d u r c h (38) und (39) gegeben sind, positivist.
Nun haben wir fur S nach (39):
e ve TJ
oder nac.h (38):
Irreversible [Link]. 109
= (u + /9 - y ) cos2 8 +7
sin2!t
.
Daher liegt 6 zwischen dem Werte 1 / e und dem Werte:
(47) a+p-y=a0.
Da nun fur 6 = 1/ e die Function - Slog S ihr absolutes
und einziges Maximum annimmt, so liegt - 61og 6 zwischen
diesem Maximalwert und dem Wert - 6, log So, d. h. es ist:
- 61og d > - 6, log So
oder :
UlOgu + /310gP - ylOgy - 6lOgS
> a l o g u + p10gp - ylogy - S,log6,.
Um also das positive Vorzeichen des oberen Ausdruckes nach-
zuweisen, geniigt es, dasselbe bei dem unteren Ausdruck zu
thun. Setzen wir die Summe:
a+p=n,
so ist nach (47) auch die Summe:
y + 8, = G.
Der zu untersuchende Ausdruck ist also:
(48) [alog a! + (6- a)log (G - CC)! - [YlOg y f(0- y)lOg(O- y)].
Betrachten wir jetzt das Verhalten der Function von 2:
xlogx + .( - x)log(o - z),
wo constant bleiben moge.
CT
Diese Function erreicht ihr absolutes und einziges Minimum
ftir z = 0 / 2 , ihr Wert wird also um so kloiner, je naher x
dem Werte 0 1 2 riickt, einerlei ob x > oder < 012. Nun
liegt nach (38) $V zwischen 9 und R’, folglich auch y zwischen
u und $, d. h. zwischen a und (T - a, und daher liegt y dem
Werte o/2, [Link] dem arithmetischen Mittel von a und 8, naher
als a. Daraus folgt nach dem obigen, dass:
YlOgY + (G - T)lOg(G - )‘) < UlOga! + ((T - a)lOg((T - a),
wodurch das positive Vorzeichen von (48) und somit die Ver-
mehrung der Entropie nachgewiesen ist.
110 [Link].
3 19. B e d i n g u n g e n d e s s t a t i o n s r e n Z u s t a n d e s.
Derjenige Zustand des Systemes, dem das absolute Maximum
der totalen Entropie entspricht, ist als stationarer Zustand zu
bezeichnen ; denn nach dem Satz der Vermehrung der Entropie
ist von ihm aus iiberhaupt keine Veranderung mehr nioglich,
solange von aussen keine Einwirkungen auf das System er-
folgen. Als notwendige Bedingung fur den stationaren Zu-
stand ergiebt sich zunachst, dass die [Link] Entropie sich mit
der Zeit nicht mehr andert, dass also alle Ungleichungen des
vorigen Paragraphen sich in Gleichungen verwandeln. Diese
Bedingung wird, wie leicht einzusehen ist , erfiillt, wenn fur
alle Orte und fur alle Richtungen:
fp = p = R" = $ " = .Y. o-.
(49) 2
W i r nehmen daher im ganzen Felde alle Strahlen einer jeden
Schwingungszahl als unpolarisirt und von gleicher Intensitat an.
Aber die fur das absolute ;Maximum der totalen Entropie
notwendigen Redingungen gehen noch weiter. Es muss nam-
lich fur jede unendlich kleine virtuelle Zustandsanderung des
Systemes die Variation der totalen Entropie S, verschwinden.
Denken wir uns also eine virtuelle Aenderung, die darin he-
steht, dass eine unendlich kleine Jlenge Energie von einem
ltesonator mit der Schwingungszahl v zu einem anderen Re-
sonator mit der Schwingungszahl v1 iibergeht ! wilhrend sonst
alles unverandert bleibt, so muss sein:
88, = 6 8 as, = 0 , +
wenn S und 8, die Entropien der beiden Resonatoren be-
zeichnen. Dabei ist nach dem Energiepiincip:
su+ su, = 0.
Die erste dieser Gleichungen liefert nach (41):
. s u, = 0.
Folglich nach der zweiten Gleichung:
u1 .
b v1
Setzen wir zur Abkiirzung:
1
--log- u- = 1-,
av bv 3
ITTeversible Strahiungsvorgange. 111
so folgt aus der letzten Gleichung, da vl ganz beliebig ist,
dass der Wort von 6 im stationaren Zustand fur sammtliche
im System vorhandene Resonatoren der namliche sein muss.
Da nun durch den Wert von U nach (49) auch der Wert
der entsprechenden Energiestrahlung Q im stationaren Zustand
gegeben ist, so hangt der stationare Zustand des ganzen
Systemes in allen seinen Teilen nur von einem einzigen Para-
meter 3 ab.
Wir wollen nun die Werte aller hier in Betracht kom-
menden Grossen im stationaren Zustand durch diesen Para-
meter 9 ausdrucken. Zunachst folgt aus (50) fur die Energie
eines Resonators mit der Schwingungszahl 11 :
sodann aus (49) fur die Intensitat eines lnonochromutischen
geradlinig polarisirten Strahles von der Schwingungszahl v :
ferner aus (25) fur die Intensit%, der gesammten Energie-
strahlung in irgend einer Richtung:
m
und aus (28) fur die raumliche Energiedichte des Feldes:
Diese Energiedichte setzt sich aus den Energiedichten u der
einzelnen Schwingungszahlen in folgender Weise zusammen :
m
u =Judv,
0
flV
8nP 8nbva -
u= c
- Cs -e *.
Dagegen ist die Entropie eines Resonators mit der
Schwingungszahl v nach (41) und (50):
112 M. Planck.
die Intensitat der Entropiestrahlung von der Schwingungszahl v
nach irgend einer Richtung gemass (43) und (51):
die Intensitat der gesammten Entropiestrahlung nach irgend
einer Richtung gemass (44):
0
schliesslich die raumliche Dichtigkeit der Entropie des Feldes
nach (45):
s=
4 n L. -
- ~
64nb8' -
(54) c csa4 '
die sich aus den Entropiedichten 5 der einzelnen Schwingungs-
zahlen folgendermaassen zusammensctzt :
0)
s = J'5 dv,
0
1 - a_ - v
5=
8n.P
- -,--(+++
-
8nbv2
6 *
Uass bei den hier angegebenen Werten die totale En-
tropie $, des Systemes wirklich ihr absolutes Naximum besitzt,
kann man leicht aus der Bildung der ersten und zweiten
Variation von 8, beweisen.
D r i t t e r Abschnitt.
Thermodynamische Folgerungen.
§ 20. Thermodynamische Entropie der S t r s h l u n g .
Sobald man die elektrodynamische Natur der Licht- und
Warmestrahlung anerkennt, gewinnt der im vorigen Abschnitt
behandelte stationare Strahlungszustand eine principielle thermo-
dynamische Bedeutung. Denn nach einem yon G. K i r c h h o f f
abgeleiteten und dann namentlich von Hrn. W. Wienl) zu
wichtigen Schlussfolgerungen benutzten Satze ist die Warme-
strahlung, welche sich in einem rings von gleichmassig tem-
1 ) W. W i e n , Wied. Ann. 52. p. 133. 1894.
Irreversible Strahlunys,ro7:gange. 113
perirten Korpern geniigender Dicke umschlossenen Vacuum
herausbildet, nicht abhangig von der Beschaffenheit der Korper,
sondern vollkommen bestimmt durch einen einzigen Parameter:
die Temperatur. Die Strahlung ist also die namliche, wie wenii
die umgebenden Korper sich gegen das Vacuum vollkommeii
,,schwarz" verhielten.
Derselbe Satx gilt selbstverstandlich auch dann, wenn die
Wande des Vacuums absolut spiegeln und wenn die Korper
irgendwie im Vacuum eingebettet sind, vorausgesetzt nur, dass
aus jedem Spectra1bezirk;wenigstens a n Einer Stelle des Systemes
Strahlen in endlichem Betrage emittirf. werden. 1st namlich
diese letztere Bedingung nicht erfiillt, so kijnnte im Vacuum
auch ein in gewissem Sinne labiler Strahlungszustand zu Staude
kommen, in welchem einzelne Farben ganz fehlen.
Da nun nach dem genannten Satze die Zahl, die Grosse
und die Natur der im Vacuum befindlichen emittirenden und
absorbirenden Kiirper fur die Beschaffenheit der stationaren
Strahlung vollig gleichgiiltig ist, so wird man ohne weiteres
zu denl Schlusse gedrangt, dass auch der in dem vorhergehendeii
Abschnitt befiandelte stationiire Strahlungszustand des Vacuums
die Bedingutyen der Strahlung des schurarzeii Korpers erfullt,
ganz ohne Riicksicht auf' die Prage, ob die dort vorausgesetzten
elektrornagnetischen Resonatorm mit den Centren der Warme-
strahlung in bestimmten wirklichen Korpetn pine grossere o d w
geringere Aehnlichkeit aufweismi.
Zu demselben Schluss fiihrt eine etwas andere Ueber-
legung. Der zweite Hauptsatz der Warmetheorie verlangt be-
kanntlich, dass nicht nur der ruhenden, sondern auch dey
strahlenden Warme eine bestimmte Entropie zukommt I ) ; denn
wenn ein Korper Warme durch Ausstrahlung lerliert, so nimmt
seine Entropie a b , und es muss nach dem Princip der Ver-
mehrung der Entropie a19 Compensation anderswo eine Entropie-
zunahme eintreten, die in dem genannten Fall ihreii Sitz nur
in der entstandenen Warmestrahlung haben kanm. UTenn nun
thermische und elektromagnetische Strahlung itientificirt werden,
so bleibt nichts iibrig, als auch die thermische Strahlungs-
entropie, die doch durch die Beschaffenheit der Strahlung
1) Vgl. W. Wien, 1. c.
Annalen der Pbgsik. [Link]. 1. 8
114 M. Planck.
selber vollstandig bestimmt sein muss, mit der elektromagne-
tischen vollstandig zu identificiren. Indem wir dies thun,
gelangen wir wieilerum zu der Folgerung, dass der dem abso-
luten Maximum der Entropie entsprechende stationare Strah-
lungszustand zugleich den Gleichgewichtszustand der Wiirme-
strahlung , also die Strahlung des schwarzen Korpers ergiebt.
Aus der Identificirung der thermodynamischen mit der
elektromagnetischen Entropie Hiessen nun eine Reihe yon He-
ziehungen zwischen thermischen und elektrischen Grossen,
deren wichtigste in den folgenden Paragraphen besprochen
werden sollen.
21. E l e k t r o m a g n e t i s c h e D e f i n i t i o n d e r T e n i p e r a t u r .
Durch die Entropie eines im thermodynamischen Gleich-
gewicht befindlichen Systemes ist auch seine Temperatur be-
stimmt. Denn die absolute Temperatur ist das Verhaltnis
einer unendlich kleinen, dem System zugefiihrten Warmemenge
zu der dadurch verursac,hten Entropieanderung, falls das System
wahrend der Zustandsanderung im thermodynamischen Gleich-
gewicht, gehalten wird. Eehmen wir also otwlt die Volumen-
einheit des von der stationaren Strahlung erfilllten Vacuums
und halten das Volumen constant und die Strahlung stationair,
so ist die Energie des Systemes u , und der Retrag einer dem
System zugefuhrten unendlich kleinen Warmemenge gleich der
Energieanderung, also nach (53):
ferner die dadurch verursachte Aenderung der Entropie s des
also die absolute Temperatur gleich dem Verhaltnis:
d u : d s = 9..
Die absolute Temperatur des im stationaren Strahlungszustand
befindlichen Vacuums ist also nichts anderes als der im 5 19
eingefiihrte rein elektromagnetisch definirte Parameter 9, von
Irreversible Stralilungsvorganye. 115
welchem alle Eigenschaften dieses Zustandes in der dort schon
berechneten Weise abhiingen. Daher ist nach (51) die reciproke
Temperatur eines geradlinig polarisirten monochromatischen
Strahles von der Schwingungszahl 11 und der Intensitat 9:
Wenn die Bedingungen des stationaren Zustandes nicht
erfiillt sind, sondern wenn beliebige Strahlungsvorgange im
Vacuum stattfinden, so kann man nicht nieZir von der Tem-
peratur eines bestimmten Ortes, ja nicht einmal mehr von der
Temperatur der Strahlung in einer bestimlvteri Richtung reden,
sondern man muss jedem einzelnen geradlinig polarisirten
monochromatischen Strahl eine besondere Temperatur zu-
schreiben , welche durch seine Intensitat und durch seine
Schwingungszahl nach der letzten Gleichung bestimmt ist.')
Dime seine Temperatur behalt der Strahl beim Fortschreiten
zugleich mit seiner Intensitat unverandert bei, auch wenn er
z. B. durch einen Brennpunkt hindurchgeht, solange, bis er
geteilt oder absorbirt wird.
Andererseits besitzt jeder Resonator eine ganz bestipmte,
durch (50) gegebene Temperatur. Der stationare Strahlungs-
zustaiid kann dann auch dadurch chnrakterisirt werden? dass
alle Resonatoren und alle rnonochromatischen Strahlen des
Systemes die namliche Temperatur besitzen.
$j22. A b h S i n g i g k ei t d e r C f e s a m m t s t r a h l u n g v o n d e r
T e ni p e r a t u r.
Die Gesammtintensitat der Energiestrahlung nach irgend
eiuer Richtung ist gegeben durch deli Ausdruck von K in (52),
welcher, insofern er der vierten Potenz der Temperatur pro-
portional ist, das bekannte S t e f a n - B o l t z m a n n ' s c h e Gesetz
ausspricht, dessen Giiltigkeit auf thermodynamischem Wege von
Hrn. L. B o l t z m a n n a ) begrundet wurde und neuerdings durch
1) Die Notweudigkeit einer derartigen Erweiterung des Temperatur-
begriffes ist wohl zuerst von Hrn. E. W i c d e m a n n betout worden. Wied.
Ann. 34. p. 448. 1888; vgl. auch W. W i e n , 1. c. p. 132.
2) L. B o l t z i n a n n , Wied. Ann. 22. p.291. 1884.
8*
die Untersuchungen der Herren 0. L u m m e r uiid E. P r i n g s -
h e i m l), wenigstens innerhalb des Temperaturintervalls von
9. = 290° bis 8 = 1560°, cine merkliche experimentelle Be-
statigung erhalten hat.
5 23. V e r t e i l u n g d e r E n e r g i e ini N o r m a l s p e c t r u m .
Das Gesetz, nach welchem sich bei der stationaren Strah-
lung die Gesamtstrahlungsintensitat AT auf die Strahlungs-
intensitiiten Q der einzelnen Schwingungszahlen verteilt, ist
gegeben durch die Oleichung (51). Da dieses Gesetz gew8hn-
lich nicht auf Schwingungszahlen Y, sondern auf Wellenlangen
bezogen wird, so wollen wir auch hier die beziigliche Um-
formung vornehmen, indem wir mit d l die gesamte (un-
polarisirte) zwischen den Wellenlangen il und L + dil gelegene
Strahlung in irgend einer Richtung bezeichnen. Thnn ist
nach (25): (I) 33
K = 2 f Q d v = fB).di..
J .J
I 0
Folglich, wenii inan in1 ersten Integral st,att / J
. 0
1.=- -
Y
als Integrationsvariable einfiihrt, da:
c d----l .
d *,= - 1.
,
3:
und daraus folgt:
2cP
El =
1.J '
oder nach (5l), mit Hinfiihrung von ?, statt 11
(55)
Dies ist genau da.s von Hrn. W. W i e n 2 )aufgestellte Energie-
verteilungsgesetz, dessen wenigstens angenalierte Giiltigkeit ge-
lade in neuerer Ztit durch die fortgesetzten Untersuchungen
1) 0. L u m m e r u. E. P r i n g s h e i m , Wied. Ann. 63. p. 395. 1897.
2) W. W i e n , Wied. Ann. 58, p. 662. 1896.
hreversible Strahlungsvorgange. 117
der Herren F. P a s c h e n ' ) , F. P a s c h e n und H. W a n n e r 2 ) ,
0. L u m m e r und E. P r i n g s h e i m 3 ) dargethan worden ist.
Hr. W i e n hat sein Gesetz auf Grund gewisser Voraus-
setzungen uber die Zahl der in der Volumeneinheit befind-
lichen Strahlungscentren und uber die Geschwindigkeit ihrer
Bewegung abgeleitet; in der hier entwickelten Theorie spielen
diese Grossen keine Rolle, sondern das Gesetz erscheint als
cine notwendige Folge der irri $ 1 7 aufgestellten Definition
der elektromagnetischen Entropie der Strahlung; die Frage
nach der Notwendigkeit des Gesetzes fallt also zusammen
mit der Frage nach der Notwendigkeit jener Definition. Ich
habe mich wiederholt bemuht, den Ausdruck (41) fur die
elektromagnetische Entropie eines Resonators durch welchen
dann auch der Ausdruck (43) fur die Entropie der Strahlung
bedingt ist, so abzuandern bez. zu verallgemeinern, dass er immer
noch allen theoretisch wohlbegriindeten elektromagnetischen und
thermodynamischen Gesetzen Geniige leistet, sber es ist mir dies
nicht gelungen. So z. €3. konnte man die Entropie eines Re-
sonators statt durch (41) allgemeiner folgendermaassen definiren :
wobei f (v) und y (v) unbestimmte positive Functionen der
Schwingungszahl v sind. Dann wiirde zwar bei den im 8 18
untersuchten elektromagnetischen Vorgangen das Princip der
Vermehrung der Entropie erfiillt, aber man erhielte dann statt
(50) als reciproke Temperatur des Resonators den Ausdruck :
also:
u= y (3,) .e -
I_(V)
0
e
und als Energieverteilungsgesetz au8 (49) statt (61):
1) F. P a s c h e n , Wied. Ann. 60. p. 662. 1897; Sitzungsber. d. k.
Akad. d. Wissensch. zu Berlin p. 405, p. 893. 1899.
2) F. P a s c h e i i u. H. W a n n e r , Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch.
zu Berlin p. 5. 1899.
3) 0. L u m m e r u. E. P r i n g s h e i m , Verhandl. d. Deutsch. Physikal.
Gesellsch. 1. p. 23, p. 215. 1899. Vgl. ferner 13. B e c k m a n n , 1naug.-
Diss., Tiibingen 1898 und H. R u b c n s , Wied. Ann. 69. p. 682. 1899. In
den drei letztgenannten Arheiten werden Abweichungen vom Wien'schen
Gesetz gefunden. (Anm. bei d. Corr.)
118 iM. Planck.
Dies ist nun gerade diejenige Form des Energievertei-
lungsgesetzes, zu welcher Hr. W i e n auf Grund der oben er-
wiihnten Voraussetzungen gelangte und von welcher er nach-
gewiesen hat, dass sie auf Grund zuverlassig begrundeter
Sohlussfolgerungen zu der speciellen von ihm angegebenen Form
fuhrt.
Veraucht man dagegen irgend eine von (56) abweichende
Form des Energieverteilungsgesetzes zu Grunde zu legen und
bcrechnet daraus ruckwarts den Susdruck der Entropie, so
trifft man immer auf Widerspriiche mit dem im 8 18 be-
wiesenen Satze der Vermehrung der Entropie.
Ich glauhe hieraus schliessen z u mussen, dass die im
5 1 7 gegehene Definition der Strahlungsentropie und damit
auch das W i e n ’ sche Energievertheilungsgesetz eine not-
wendige Folge der Anwendung des Principes der Vermehrung
der Entropie auf die elektromagnetische Strahlucgstheorie ist
und dass daher die Grenzen der Giiltigkeit dieses Gesetzes,
falls solche iiberhaupt existiren, mit deneii des zweiten Haupt-
satzes der Warmetheorie zusammenfallen. Naturlich gewjnnt
eben dadurch die weitere esperinzentelle Priifung dieses G e-
setzes ein um so grosseres principielles Interesse.
Q 24. S t r a h l u n g i n einem beliebigen M e d i i i m .
Wenn die Resonatoren nicht im Vacuum, sondern in
einem beliebigen [Link] Medium eingebettet sind, so
erleiden die oben abgeleiteten Forrneln dadurch eiiie Ab-
anderung, dass statt der Lichtgeschwindigkeit c im Vacuum
die im Dielektricum c’ auftritt. Demgemass betragt in einem
solchen Medium: die Gesamt,strahlungsintensifit eines schwarzen
Korpers von der Temperatur 9. normal zu seiner Oberflache
nach (52):
Iweversible Strahlungsvorgange. 119
Ii. h. die Strahlungsintensitaten des schwarzen Korpers in
zwci verschiedenen diathermanen Medien bei der namlichen
Temperatur verhalten sich umgekehrt wie die Quadrate der
Lichtgeschwindigkeiten, - der bekannte, zuerst von G. K i r c h -
hoff', spater von R. C l a u s i u s bewiesene Satz.
Hierbei mag noch auf den bekannten Umstand hingewiesen
werden, dass ein Korper, der im Vacuum schwarz erscheint.
diese Eigenschaft notwendig verliert, wenn er in ein Medium
rnit einer von c verschiedenen Iichtgeschwindigkeit gebracht
wird. Ob also ein Korper schwarz ist oder nicht, hangt nicht
allein von seiner eigenen Beschaffenheit ab, sondern auch von
der des angrenzenden Mediums. Aus diesem Grunde durfte
es fur die Klarheit der Ausdrucksweise in manchen Fallen
forderlich sein, in erster Linie nicht von schwarzen ,,Korpern",
sondern von schwarzen ,,0berfiachen6' zu sprechen: das s i i d
solche Oberflachen, an denen keine Reflexion stattfindet. Das
Kriterium eines schwarzen ,,Korpers" ist verwickelter : es ge-
hort dazu notwendig erstens eine schwarze Oberflache, zweitens
aber auch fur jede Strahlenart eine gewisse Dicke des Korpers,
deren Mindestbetrag durch das Absorptionsvermogen der Sub-
stanz fur diese Strahlenart bestimmt wird. Durch die Trennung
dieser beiden fur den Begriff des schwarzen Korpers wesent-
lichen, voneinander aber ganz unabhangjgen Bedingungen wird
die Verschiedenheit der physikalischen Vorgange an der Grenze
und derer im Innern scharfer zum ,4usdruck gebracht. Denn
auch bei den stark absorbirenden und emittirenden Substanzen
ist kaum eine andere Auffassung moglich, als dass ihre Strah-
lung nach aussen nicht von ihrer Oberflache, sondern aus ihrem
Innern starnmt, und dass die Oberflache lediglich die Be-
deutung hat, die ron innen kommenden Strahlen theils clurch
Reflexion in das Innere zuruckzuwerfen, theils durch Refraction
nach aussen austreten zu lassen. I )
I ) Diese Buffassung findet sich nliher ausgefiihrt bei folgenden
Autoren: E. L o m m e l , Wied. 4 n n . 10. p. 449. 1880; E. L e c h e r , VC'ied.
-inn. 17. p. 477. 1882; P. H. D o j e s , Verhandelingen der Kon. Aliad.
van Wetensch. Amsterdam, I . Sectie 3. Nr. 4. 1896 (Wied. Beibl. 90.
p. 125. 1596); S m o l u c h o w s k i d c S m o l a n , Journ. dc PhyP. (3) 5.
p. 488. 1896; W. v o n U l j a n i n , Wied. Ann. 62. 11. 528. 1897; F. K u r l -
baurn, Wied. Ann. 67. p. 846'. 1S99.
120 M . Planck.
25. Zahleiiwertc.
Die Werte der universellen Constanten a und b lassen
sich mit Hiilfe der vorliegenden Messungen mit ziemlicher An-
iiaherung berechnen.
Hr. F. K u r l b a u m ’ ) hat gefunden, dam, wenii man mit ,St
die gesamte Energie bezeichnet, die von 1 qcm eines auf
t o C. befindlichen schwarzcn Korpers in 1 Sec. in die Luft
gestrahlt wird:
Sloe - S,, = 0,01763 g-Gal.
Andererseits betragt nach (52) die gesainte von der Flachen-
einheit eines schwarzen Korpers in der Zeiteinheit nacli allen
Richtungen des Halbraumes ausgestrahlte Energie:
Folglich, wenn das mechanische Warmeaquivalent zu 419. 105
angenommen wird. im absoluten C.G.S.-Maasse :
12
.
.
n b (373‘
. .
- 273‘)
__ - -- 0,017 63.419. l o 5
ce 04
oder, d a c = 3 . 101”:
I)
= 1,278.10”.
(57) IL1
Ferner ist von H m . F.P a s c h e i i 2 ) als Mittel aus seinen
besten Beobachtungen der Wert der Constanten in1 Expo-
nenten der W i en’schen Formel (55) zu 14 455 $ x Celsiusgrad]
angegeben worden. Dies ergiebt, bezogen suf Centimeter:
a c = 1,4455
ode18:
a = 0,4818. [sec x Celsiusgrad]
und daraus nach (57):
6 = 6,885. [erg x sec] .
§ 26. Natiirliche Maasseinheiten.
Alle bisher in Gebrauch genomrnenen physikalischen Maass-
systeme, auch das sogenannte absolute C.G.S.-System, verdanken
1 ) F. Kurlbaum, Wied. Ann. 66. p. 754. 1896.
21 F. P a s c h e n , Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Berlin
y. 419. 1899.
Irreversible Strahl~~rLgYvorgange. 121
ihren Ursprung insofern dem Zusammentrefl'en zufalliger Um-
stiinde, als die Wahl der jedem System zu Grunde liegenden
Einheiten nicht nach allgemeinen, notwendig fur alle Orte
und Zeiten bedeutungavollen Gesichtspunkten, sondern wesent-
lich mit ltiicksicht auf die speciellen Bedurfnisse unserer
irdischen Cultur getroffen ist. So sind die Einheiten der Lange
und der Zeit aus den gegenwartigen Dimensionen und der
gegenwartigen Bewegung unseres Planeten hergeleitet worden,
ferner die Eimheit der Masse und der Temperatur aus der
Dichte und den Fundamentalpunkteri des Wassers, als derjenigen
Fliissigkeit, die a n der Erdoberflache die wichtigste Rolle spielt,
genommen bei einem Druck, der der mittleron Beschaffenheit
cler uns umgebenden Atmosphare entspricht. An dieser Willkiir
wiirde principiell auch nichts Wesentliches geandert werden,
wenn etwa xur Langeneiiiheit die unveranderliche Wellenlange
des Na-Lichtes genommen wiirde. Denn die Auswahl gerade
des Na unter den vielen chemischen Elementen konnte wiederum
nur etws durch sein hiiiufiges Vorkommen auf der Erde odcr
etwa durch seine fur unser Auge glanzende Doppellinie, die
keineswegs einzig in ihrer Art dasteht, gerechtfertigt werden.
Es ware drther sehr wohl denkbar, dass zu einer anderen
Zeit , unter veriinderten ausseren Redingungen, jedes der
bisher in Gebrauch genommenen Maasssysteme seine ursprung-
liche natiirliche Bedeutung theilweise oder ganzlich verlieren
wurde.
Dem gegeniiber diirfte ea nicht ohne Interesse sein zu
bemerken, dass mit Zuhiilfenahme der beiden in dem Aus-
druck (41) der Strahlungsentropie auftretenden Constanten a
und b die Moglichkeit gegeben ist, Einheiten fur Lange, Masse,
Zeit und T'emperatur aufzustellen , welche , unabhangig von
speciellen Korpern oder Substnnzen , ihre Bedeutung fur alle
Zeiten und fur alle, auch ausserirdische und aussermenschliche
Culturen notwendig behalten und welche daher als ,,natur-
liche Naasseinheiten" bezeichnet werden konnen.
Die Mittel z u r Fsstsetzung der vier Einheiten fur Lange,
Masse, Zeit und Temperatur werden gegeben durch die beiden
erwahnten Constanten a und b , ferner durch die Gross, der
Lichtfortpflanzungsgeschwindigkeit c im Vacuum und durch
die der Gravitationsconstante f . Hezogen auf Centimeter,
122 M. Planck. Irreversible Strahlungsvoryiinge.
Gramm, Secunde und Celsiusgrad sind die Zahlenwerte dieser
vier Constanten die folgenden:
a = 0,48 18.1O-lo Isec x Celsiusgrad] ,
b = 6,885. [ -cin4
see-]
g
f = 6,685. l o - * [ g>].
'1
Wahlt man nun die ,,natiirlichen Einheiten" so, dass in dem
neuen Maasssystem jede der vorstehenden vier Cnnstanten den
Wert 1 annimmt, so erhalt nian nls Hinheit der Lange die
Grosse :
d6$ == 4,13. lo-% cm,
als Kinheit der Masse:
als Einheit der Zeit:
als Einheit der Teinperatur :
Diese Grossen hehalten ihre natiirliche Redeutung solange
bei, als die Gesetze der Gravitation, der Lichtfortpfianzung
im Vacuum und die beiden Hauptsatze cler Warmetheorie in
Qiiltigkeit bleiben, sie miissen also, von den verschiedensten
Intelligenzen nach den verschiedensten Methoden gemessen,
sich immer wieder als die namlichen ergeben.
1) F. Richarz u. 0. K r i g n r - M e n z e l , Anliang zu den Sitzungsber.
d. k. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 107. p. 110. 1899; im Auszug: Wicd.
Ann. 66. p. 190. 1898.
(Eingegtmgen 7. November 189%)