Versuch A 2-5
Magnetischer Eisenkreis
1 Versuchsziel
Messen und Berechnen magnetischer Felder bei Anwesenheit ferromagnetischer Stoffe.
2 Grundlagen
Durch Verwendung ferromagnetischer Stoffe lässt sich der Verlauf der Feldlinien vor-
schreiben, da der magnetische Widerstand dieser Stoffe wesentlich kleiner ist als der
der umgebenden Luft. Zu beachten ist dabei, dass der Zusammenhang zwischen mag-
netischer Flussdichte (magnetische Induktion) B und magnetischer Feldstärke H
nicht mehr linear ist, da die Permeabilität mr von der Feldstärke abhängt.
Aus dem Durchflutungsgesetz können die Zusammenhänge am magnetischen Eisen-
kreis abgeleitet werden:
Q = å In = ò H ⋅ ds = V m = Rm F (1)
n (A)
Hierbei ist die Durchflutung Q gleich dem magnetischen Spannungsabfall Vm , wobei
dieser mit dem magnetischen Widerstand Rm und dem magnetischen Fluss F ver-
knüpft ist.
Für homogenes Feld wird beim magnetischen Eisenkreis der magnetische Widerstand
mittels der mittleren Weglänge l im Material, der Querschnittsfläche A und der
Permeabilität μ des Materials berechnet:
1 l
Rm = (2)
μA
3 Studienfragen
3.1 Worin besteht der prinzipielle Unterschied zwischen dem Magnetfeld in Luft
und dem Magnetfeld in Eisen? Wodurch kommt dieser Unterschied zustande?
3.2 Worin bestehen die Unterschiede zwischen Diamagnetismus, Paramagnetismus
und Ferromagnetismus?
40 Versuch A 2-5
3.3 Wann gilt bei Magnetfeldern das Superpositionsprinzip?
3.4 Erklären Sie die Begriffe:
• Durchflutung / magnetische Urspannung
• magnetischer Fluss
• magnetischer Spannungsabfall
• magnetischer Widerstand
• magnetische Flussdichte / Induktion
• magnetische Feldstärke
und beziehen Sie die Größen dabei auf einen einfachen magnetischen Kreis und
dessen Ersatzschaltbild.
3.5 Wie verhalten sich die magnetische Feldstärke H und die magnetische Fluss-
dichte B an der Grenzfläche zweier Medien mit unterschiedlichen Permeabilitä-
ten m ?
3.6 Welcher Zusammenhang besteht zwischen Strom I und der Feldstärke H Fe im
Eisen und H L im Luftspalt bei dem im Versuchsaufbau verwendeten Eisenkern
(siehe Schaltbild)? Geben Sie die Gleichungen H Fe = f (I , lFe , lL , μr ) und
H L = f (I , lFe , lL , μr ) an. Es wird FL = FFe angenommen.
4 Hausaufgabe
Berechnen Sie den magnetischen Widerstand einer Ringkernspule mit rechteckigem
Querschnitt.
5 Versuchsaufgaben
5.1 Messen Sie die induzierte Spannung in Messspule 1 (siehe Schaltbild) in Abhän-
gigkeit des Abstandes zur Spaltmitte (in beide Richtungen) für die Spaltbreiten
d = 0 , 1 , 3 mm . Berechnen Sie daraus den magnetischen Fluss und stellen die-
sen für die drei Spaltbreiten in einem Diagramm graphisch dar.
Der Strom durch die Erregerspule I err ist so einzustellen, dass an der Referenz-
position durch Messspule 1 immer der gleiche magnetische Fluss fließt. An-
fangswert bei d = 0 ist I err = 50 mA .
Prof. Dr.-Ing. N. Damaschke Institut für Allgemeine Elektrotechnik Universität Rostock v26 2020-05-22
Magnetischer Eisenkreis 41
5.2 Nehmen Sie mit Spaltbreite d = 0 die induzierte Spannung in Messspule 2 in
Abhängigkeit des Erregerstromes I err auf. Bei kleinen Erregerströmen, ist die
Schrittweite der Messwerte möglichst klein zu halten. Berechnen Sie daraus die
Abhängigkeit der magnetischen Flussdichte (aus U ind ) von der magnetischen
Feldstärke (aus I err ). Stellen Sie die magnetische Flussdichte und die relative
Permeabilität jeweils als Funktion der magnetischen Feldstärke graphisch dar.
5.3 Messen Sie bei einem konstanten Erregerstrom ( I err = 50 mA ) die induzierte
Spannung in Messspule 1 (in Spaltmitte) und in Messspule 2 in Abhängigkeit
der Spaltbreite d . Bei kleinen Spaltbreiten sind möglichst kleine Schrittweiten
zu verwenden. Ermitteln Sie daraus die magnetischen Flussdichten B1 und B2
und stellen Sie diese in Abhängigkeit der Spaltbreite graphisch dar.
5.4 Verwenden Sie die Messwerte aus Aufgabe 5.3 von Messspule 2 für die Ermitt-
lung des magnetischen Widerstandes des Luftspaltes RmL für die Spaltbreiten
d = 0 bis d = 1 mm . Dazu ist der magnetische Fluss F zu errechnen. Weiter-
hin sind auf Grundlage der Werte der magnetischen Flussdichten aus den Dia-
grammen zu Aufgabe 5.2 die entsprechenden Feldstärken H Fe und damit die
dazugehörige relative Permeabilität μr abzulesen. Aus diesen Werten wird dann
die magnetische Feldstärke in Luft berechnet.
Berechnen Sie zum Vergleich die theoretischen Werte des magnetischen Wider-
standes des Luftspaltes und stellen Sie die Abhängigkeit des magnetischen Wi-
derstandes vergleichend in einem Diagramm dar.
Vergleichen Sie die Ergebnisse aus Messung und Theorie und diskutieren Sie
Abweichungen.
42 Versuch A 2-5
6 Schaltbild
Referenzposition
Windungszahlen:
x
0
Messspule 1
Messspule 2
C.A 5011 Erregerspule
Trennstelltrafo
7 Versuchsspezifische Hinweise
7.1 Der Strom durch die Erregerspule darf maximal I err max = 0, 6 A sein.
7.2 Der Eisenkreis darf nur im spannungslosen Zustand verändert werden! Die
Spaltbreite wird mittels der Plättchen aus Kunststoff eingestellt. Diese bleiben
während der Messung im Spalt.
7.3 Der bewegliche Teil des Eisenkreises ist mit den Stirnflächen genau einzupassen
und nur leicht mit der Spannschraube zu befestigen. Ist ein lautes Brummen zu
vernehmen, muss der Eisenkreis im spannungslosen Zustand besser zusammen-
gepasst werden. Das Problem kann nicht durch gewaltsames Festdrehen der
Spannschraube gelöst werden.
7.4 Die Messungen werden mit Handmultimetern (C.A 5011) vorgenommen. Diese
müssen auf Effektivwert-Messung gestellt werden.
7.5 Zur Bestimmung des Abstandes von der Spaltmitte (Aufgabe 5.1) ist eine Mil-
limeterskala am Eisenkreis angebracht. Diese kann so verschoben werden, dass
man zur besseren Orientierung einen dicker gedruckten Strich in die Spaltmitte
positioniert.
Zur Berechnung des magnetischen Flusses kann der folgende Zusammenhang
herangezogen werden:
U ind = 2p f w F
Prof. Dr.-Ing. N. Damaschke Institut für Allgemeine Elektrotechnik Universität Rostock v26 2020-05-22
Magnetischer Eisenkreis 43
7.6 In Aufgabe 5.2 kann die magnetische Flussdichte mittels folgenden Zusammen-
hangs bestimmt werden:
F=BA
Der Querschnitt des Eisenkreises beträgt: A = 25 ´ 17, 3 mm2
Weitere geometrische Abmessungen sind mittels eines mm-Messstabes auszu-
messen.
8 Literatur
− Lunze, K.: Einführung in die Elektrotechnik; Verlag Technik Berlin
− Recknagel, A.: Physik - Elektrizität und Magnetismus; Verlag Technik Berlin
− Retter, G.: Magnetische Felder und Kreise; Deutscher Verlag der Wissenschaf-
ten