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Herausgeber

IGVW
Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

SQO2
Veranstaltungsrigging
Organisation und
Arbeitsverfahren

Stand 04/2019
IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

VORBEMERKUNG
Ziel der Qualitätsstandards (SQ = Standard der Qualität | Standard of Quality) ist es,
das erforderliche Qualitätsniveau von Dienstleistungen in der Veranstaltungswirtschaft
zu definieren.

Standards der Qualität der IGVW berücksichtigen die aktuelle Rechtslage zum Zeit-
punkt der Veröffentlichung und beschreiben auf dieser Grundlage die speziellen
Arbeitsverfahren und notwendigen Kompetenzen in der Veranstaltungswirtschaft.
Sie enthalten eine Übersicht der anzuwendenden Rechtsgrundlagen, Normen und
Anforderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Dieser Qualitätsstandards wurde vom zuständigen Gremium der IGVW unter Mitwir-
kung des Sachgebietes Bühnen und Studios der DGUV und dem Arbeitskreis der
Sicherheitsingenieure von [Link], ARTE, Bavaria, BR, Deutsch-
landRadio, DW, HR, IRT, MDR, Mediengruppe RTL Deutschland, NDR, ORF, RB, RBB,
RBT, SRG-SSR, SR, Studio Hamburg, SWR, tpc, WDR und ZDF erarbeitet.
igvw SQO2
SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

INHALT

1 Anwendungsbereich 5

2 Normative und informelle Verweisungen 6

3 Begriffe 8

4 Verantwortung beim Veranstaltungsrigging 11


4.1 Verantwortung der Veranstalter 11
4.2 Verantwortung der Betreiber 12
4.3 Verantwortung der Unternehmen für Veranstaltungsrigging 13
4.4 Verantwortung der Rigger 13
4.5 Aufsichtsführung für Rigging 14

5 Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen 15


5.1 Gefährdungsbeurteilung 15
5.2 Schutzmaßnahmen 17
5.2.1 Substitution risikobehafteter Arbeitsverfahren 18
5.2.2 Technische Maßnahmen 19
5.2.3 Organisatorische Maßnahmen 19
5.2.4 Personenbezogene Schutzmaßnahmen 20
5.2.5 Rettungskonzept und Erste Hilfe 21
5.3 Unterweisung 21
5.4 Dokumentation 22

6 Arbeitsverfahren 22
6.1 Angebots- und Planungsphase 22
6.2 Ausführungsplanung 23
6.3 Personaldisposition 23
6.4 Durchführung 24
6.4.1 Messerigging 25
6.4.2 Tournee-Rigging 26
6.4.3 Open Air 27
6.4.4 Einzel-Produktion 28
IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

7 Zugangsmethoden und Arbeitsplatzpositionierung 29


7.1 Laufstege/Catwalks 30
7.2 Hubarbeitsbühnen 30
7.3 Seilleitern/Strickleitern 31
7.4 Seilunterstützte Zugangsverfahren/Abseilen 31
7.5 Arbeitsplatzpositionierung 32

8 Auffangsysteme und persönliche Schutzausrüstungen 33


8.1 Allgemeine PSA 33
8.2 Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz 34
8.2.1 Auffangsystem 34
8.3 Lifeline 35
8.4 Wiederkehrende Prüfungen 36

ANHANG

I Anmerkungen zu Arbeitsplatzpositionierung und Auffangsystem 37


II Beispielhafte Darstellungen von Auffangsystemen und PSAgA 38

IGVW – Herausgeber dieses Standards ist die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft e.V. (IGVW). Kontaktdaten
und Ansprechpartner sind auf der Internetseite [Link] veröffentlicht.

Bei der Formulierung von Personenbezeichnungen wurde versucht, geschlechtsneutrale Begriffe zu verwenden. Wo dies
nicht gelungen ist, beziehen die Personenbezeichnungen in männlicher Form aufgrund der besseren Lesbarkeit jegliches
Geschlecht ein.

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igvw SQO2
SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

1 | ANWENDUNGSBEREICH
Dieser Qualitätsstandard gilt für die Aufbau- und Ablauforganisation für das Rigging
und andere Höhenarbeiten in der Veranstaltungstechnik. Dies beinhaltet die einzel-
nen Verantwortlichkeiten der Beteiligten. Zusätzlich werden auch Arbeitsverfahren und
-methoden sowie insbesondere die Anwendung von persönlichen Schutzausrüstungen
gegen Absturz erläutert.

Dieser Qualitätsstandard dient als Orientierungshilfe bei der Wahrnehmung der Aus-
wahlverantwortung des Unternehmers/Auftraggebers bei der Festlegung der Abläufe
und der erforderlichen fachlichen Qualifikation für die Durchführung der Gefährdungs-
beurteilung.

Veranstaltungsrigging ist von seinem Wesen her immer mit erheblichen Gefährdungen ver-
bunden. Einerseits gilt es ein sicheres Arbeiten in der Höhe zu gewährleisten und ander-
seits dafür zu sorgen, dass keine Gegenstände herabfallen können.

Grundsätzlich zählt Arbeit mit Absturzgefahr zu gefährlichen Arbeiten im Sinne der Un-
fallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.

Um Sicherheit bei Arbeiten in der Höhe zu erreichen, müssen alle Möglichkeiten zur
sicheren Organisation und Durchführung der Arbeitsprozesse genutzt werden. Dabei sind
die erforderlichen Qualifikationen des Riggingpersonals zu berücksichtigen (siehe dazu
auch igvw SQQ2).

Insbesondere der zeitliche Ablauf der Tätigkeiten muss so gestaltet werden, dass eine
sichere Durchführung der Arbeitsprozesse möglich ist. Daraus begründet sich bereits
bei der Planung und Organisation der Veranstaltung eine besondere Sorgfaltspflicht des
Auftraggebers.

Anmerkung: Veranstaltungstechnik kommt zum Einsatz z. B. bei Konzerten, Theaterauf-


führungen, Shows, Events, Messen, Kongressen, Tagungen, Ausstellungen, Präsentatio-
nen, Vorführungen, Film- oder Fernsehaufnahmen.

Die in diesem igvw-Qualitätsstandard enthaltenen Anforderungen sind beispielhafte


Lösungen und schließen andere, mindestens ebenso sichere Lösungen nicht aus.

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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

2 | NORMATIVE UND INFORMELLE VERWEISUNGEN

 ArbStättV Fassung 08-2004


Arbeitsstättenverordnung sowie die relevante ASR A 2.1

 BetrSichV Fassung 07-2015


Betriebssicherheitsverordnung sowie relevante TRBS 2121 und BekBS

 DGUV Vorschrift 1
Grundsätze der Prävention

 DGUV Vorschriften 17 und 18


Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung

 DGUV Regel 100-001


Grundsätze der Prävention

 DGUV Regel 112-198


Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz

 DGUV Regel 112-199


Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlichen Absturzschutzausrüstungen

 DGUV Regel 115-002


Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung

 DGUV Information 204-011


Erste Hilfe – Notfallsituation: Hängetrauma

 DGUV Information 209-013


Anschläger

 DGUV Information 212-001


Arbeiten unter Verwendung von seilunterstützten Zugangs- und
Positionierungsverfahren SZP

 DGUV Information 215-310


Sicherheit bei Produktionen und Veranstaltungen - Leitfaden

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igvw SQO2
SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

 DGUV Information 215-313


Sicherheit bei Produktionen und Veranstaltungen – Lasten über Personen

 DGUV Grundsatz 312-906


Grundlagen zur Qualifizierung von Personen für die sachkundige Überprüfung und
Beurteilung von persönlichen Absturzschutzausrüstungen

 DIN 15750
Veranstaltungstechnik – Leitlinien für technische Dienstleistungen

 DIN EN 353-2
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Teil 2: Mitlaufende Auffanggeräte
einschließlich beweglicher Führung

 DIN EN 355
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Falldämpfer

 DIN EN 358
Persönliche Schutzausrüstung für Haltefunktionen und zur Verhinderung von
Abstürzen – Haltegurte und Verbindungsmittel für Haltegurte

 DIN EN 361
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Auffanggurte

 DIN EN 362
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Verbindungselemente

 DIN EN 363
Persönliche Absturzschutzausrüstung – Persönliche Absturzschutzsysteme

 DIN EN 795
Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen

 igvw SQP1
Traversen

 igvw SQP2
Elektrokettenzüge

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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

 igvw SQQ2
Sachkunde für Veranstaltungsrigging

 PSA-BV
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönli-
cher Schutzausrüstungen bei der Arbeit.

3 | BEGRIFFE

 Anschlagen
Montieren von Arbeitsmitteln (Anschlagmitteln) mit dem Ziel des Haltens oder
Bewegens von Lasten

 Anschlageinrichtung
Einrichtung zur Befestigung von Auffang- oder Arbeitsplatzpositionierungssystem

 Arbeitsplatzpositionierungssystem
System zum Halten von Personen an ihrem Arbeitsplatz und zum Sichern gegen
Absturz oder Abrutschen

 Auffangsystem
bestehend aus Auffanggurt nach DIN EN 361 mit hinterer und vorderer Auffang-
öse, ausgestattet mit Brust-, Hüft-, Beingurten, Falldämpfer (nach DIN EN 355)
und Verbindungsmitteln (nach DIN EN 362)

 Auftraggeber
Auftraggeber einer Dienstleistung können z. B. Veranstalter, Agenturen, Betreiber,
Rundfunk- und Fernsehunternehmen, Produktionsbetriebe und Theater sein. Der
Auftraggeber trägt die unternehmerische Verantwortung (siehe auch DIN 15750).

 Auftragnehmer
Der Auftragnehmer trägt die Verantwortung für die Erbringung der beauftragten
Leistung. Der Auftragnehmer hat den beauftragten Umfang der Leistung sowie
deren termingerechte und ordnungsgemäße Durchführung sicherzustellen.

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igvw SQO2
SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

 Betreiber
ist derjenige, der die Veranstaltungsstätte betreibt und die Verkehrssicherungs-
pflicht zu erfüllen hat.
Anmerkung zum Begriff: Der Betreiber ist jede natürliche oder juristische Person,
die den Betrieb oder die Einrichtungen betreibt, besitzt oder der maßgeblichen
wirtschaftlichen Verfügungsgewalt hinsichtlich des technischen Betriebs übertra-
gen worden ist.

 Dienstleistung
Planerische, organisatorische und technische Leistung, die für die Durchführung
von Veranstaltungen und Produktionen erbracht wird.

 Hilfstragwerk (Support Traverse/Pre-Rigg)


Nicht dauerhaft zum Tragwerk gehörende Lastaufnahmemittel.
Beispiel: Eine Traversenstrecke zwischen zwei Anschlagpunkten und einem La-
stübergabepunkt oberhalb einer Traversenkonstruktion.

 Horizontale Lifeline
Anschlageinrichtung bestehend aus einem temporär oder dauerhaft horizontal in-
stallierten Drahtseil oder Chemiefaserseil. Die horizontale Lifeline kann Bestand-
teil eines Auffang- oder Arbeitsplatzpositionierungssystem sein.

 Lastaufnahmeeinrichtung
System bestehend aus Hebezeug, Anschlagmittel und Lastaufnahmemittel

 Lastüberwachung
Zur Überprüfung der korrekten Installation/Belastungsverhältnissen bedarf es bei
hoher Auslastung oder statisch unbestimmten Systemen einer Lastüberwachung
sämtlicher Hängepunkte eines in sich geschlossenen, statischen Systems. Die-
se erfolgt typischerweise durch drahtgebundene, oder drahtlose Lastmesszellen.
Einzelpunktmessungen können die Gesamtheit der Lastverschiebungen nicht ab-
bilden.

 Mitlaufendes Auffanggerät einschließlich beweglicher Führung


Mitlaufende Auffanggeräte sind Bestandteile eines Auffangsystems und bilden
mit der beweglichen Führung (Chemiefaserseil/Drahtseil) eine verwendungsfertige
Einheit. Die bewegliche Führung ist vertikal angeordnet. Das Auffanggerät beglei-
tet den Benutzer während der Auf- und/oder Abwärtsbewegung automatisch ohne
manuelle Betätigung und blockiert bei einem Sturz.

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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

 Rigging
In der Veranstaltungstechnik ist das Montieren und Benutzen von veranstaltungs-
spezifischen Lastaufnahmeeinrichtungen. Dies beinhaltet das Anschlagen, Halten
und Bewegen von Lasten in der Veranstaltungstechnik unter Berücksichtigung
technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen sowie die Benutzung von
persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) insbesondere gegen Absturz.

 Rigging-Dienstleister
Unternehmen für die planerische, organisatorische und technische Durchführung
von Veranstaltungsrigging. Beim Tournee-Rigging besteht häufig die Situation,
dass einzelne Leistungen vom Haus-Rigger und einzelne Leistungen vom Tour-
Rigger erbracht werden.

 Riggingplan
Der Riggingplan ist eine technische Zeichnung mit allen Einbauten und detaillier-
ten Angaben zu Anschlagpunkten am Tragwerk und den einzubringenden Lasten.
Zu Anschlagpunkten am Tragwerk siehe auch DGUV Information 215-313 „Las-
ten über Personen“.

 Temporärer Anschlagpunkt
Nicht dauerhaft an Tragwerken montierter Punkt zur Einleitung von Lasten
Beispiel: Mit Anschlagmitteln an Knotenpunkten von Fachwerkträgern eines Ge-
bäudetragwerkes erstellte Punkte.

 Tourneeveranstaltungen
Bei Tourneeveranstaltungen unterscheidet man in der Praxis zwischen dem örtli-
chen Veranstalter und dem Tourneeveranstalter.

 Veranstalter
ist derjenige, der für die jeweilige Veranstaltung die Verantwortung trägt. Dies
kann ein Unternehmen, eine Agentur, ein Verein oder Verband, eine Kommune
oder eine Einzelperson sein. Der Veranstalter ist die für alle organisatorischen,
technischen und wirtschaftlichen Abläufe einer Veranstaltung juristisch haftende
Person oder Körperschaft. Diese kann er selbst durchführen bzw. teilweise oder
vollständig als Auftraggeber durch für die entsprechende Dienstleistung qualifi-
zierte Auftragnehmer durchführen lassen. Unabhängig von der Vergabe von Leis-
tungen verbleiben unübertragbar beim Veranstalter die Organisationspflichten,
insbesondere Auswahl- und Überwachungspflichten.

 Weitere Begriffe
Darüber hinaus gelten die Begriffe der weiteren igvw-Qualitätsstandards sowie
der relevanten Schriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
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Stand 04/2019

4 | VERANTWORTUNG BEIM VERANSTALTUNGSRIGGING

Veranstaltungsrigging ist ein Arbeitsprozess der bei Auf- und Abbau von Veran-
staltungen oder Produktionen meist in räumlicher Nähe bzw. in Kooperation mit
anderen Gewerken stattfindet. Zur Gewährleistung sicherer Arbeitsverfahren beim
Veranstaltungsrigging sind die Verantwortlichkeiten und die Aufgaben aller Be-
teiligten eindeutig festzulegen sowie alle dabei erforderlichen Maßnahmen zur
Sicherheit von Personen konsequent einzuhalten.

Nach den Grundsätzen der Aufsichtsverantwortung besteht für Veranstalter, Be-


treiber und Riggingunternehmen die gemeinsame Verpflichtung, für eine fachkun-
dige Aufsichtsführung zur sorgen.
Siehe auch: § 5-9 DGUV Vorschrift 1 und § 15 DGUV Vorschrift 17/18 in Verbin-
dung mit DGUV Regel 115-002

4.1 Verantwortung der Veranstalter

Die Veranstalter tragen grundsätzlich die unternehmerische Gesamtverantwortung


für alle Belange der Veranstaltung. Aufgrund des oft erhöhten Gefährdungspo-
tentials bei einzelnen Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Veranstaltungen
durchzuführen sind, gilt dies ganz besonders für alle Notwendigkeiten der Arbeits-
sicherheit. Hierzu gehört auch eine gewissenhafte Wahrnehmung der Auswahlver-
antwortung bei der Auftragsvergabe.

Bei Tourneeveranstaltungen besteht häufig ein Nebeneinander von Tourneeveran-


stalter und örtlichem Veranstalter. Die faktische Verantwortung richtet sich dann
nach den tatsächlichen Verhältnissen bei der Tourneeveranstaltung.

Viele der durchzuführenden Tätigkeiten gelten als sogenannte „sicherheitsrele-


vante Tätigkeiten“ oder sogar als „gefährliche Arbeiten“ z. B. Arbeiten mit Ab-
sturzgefahr. Hieraus resultiert unmittelbar eine besondere Sorgfaltspflicht der Ver-
anstalter. Für das Gewerk Veranstaltungsrigging bedeutet dies eine gewissenhafte
Auswahl qualifizierter Rigger und/oder eines fachkundigen Riggingunternehmens
und die Verpflichtung, sicherzustellen, dass die Tätigkeiten mit besonderen Ge-
fährdungen durch Aufsichtsführende überwacht werden.

Zu den Aufgaben der Veranstalter gehört es auch, bei der Zusammenarbeit von
mehreren Unternehmen in einer Veranstaltungsstätte dafür zu sorgen, dass
keine gegenseitigen Gefährdungen wirksam werden. Die Unternehmen haben
hinsichtlich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes zusammenzuarbeiten,
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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

insbesondere, wenn sich Tätigkeiten auf Grund der räumlichen oder zeitli-
chen Nähe auf Beschäftigte eines anderen Unternehmers auswirken können.
Gegenseitige Gefährdungen können z. B. auftreten bei Arbeiten in der Höhe,
bei Transport- sowie Lade- und Entladevorgängen. Für diese Aufgabe haben die
Veranstalter in Abstimmung mit dem Betreiber einen fachkundigen Koordinator
einzusetzen und diesem ist Weisungsbefugnis gegenüber allen Beteiligten zu
erteilen. Unbenommen von dieser Verpflichtung bleibt die grundsätzliche Be-
treiberverantwortung und mögliche Betreiberpflichten aus dem Sonderbaurecht
hiervon unberührt (vgl. VStättV Abschnitt 4 "Verantwortliche Personen, besonde-
re Betriebsvorschriften").

Für die Durchführung der erforderlichen Riggingtätigkeiten haben die Veranstal-


ter ausreichende Auf- und Abbauzeiten entsprechend dem Umfang der auszu-
führenden Arbeiten einzuplanen. Gerade aufgrund des Gefährdungspotentials
bei Riggingtätigkeiten ist darauf zu achten, dass für sicherheitsgerechtes Arbei-
ten angemessene Zeiträume zur Verfügung stehen.

Zur Sorgfaltspflicht der Veranstalter gehört es insbesondere, auch die Planungen


der Auftragnehmer auf realistische Personaldisposition in Bezug auf Personen-
zahl und Arbeitszeiten zu überprüfen.

Zur Kontrollverantwortung der Veranstalter gehört auch die Verpflichtung ein-


zugreifen, wenn Beschäftigte sich oder andere durch physische Überlastungen
oder Übermüdung gefährden.

4.2 Verantwortung der Betreiber

Die Betreiber von Veranstaltungs- und Produktionsstätten haben die allgemeine


Verkehrssicherungspflicht für ihr Gebäude und Gelände. Hierzu zählt auch die
Bereitstellung sicherer, gesundheitsgerechter Arbeitsstätten und Arbeitsumge-
bungen.

In Veranstaltungs- und Produktionsstätten, in denen regelmäßig Arbeiten in der


Höhe durchgeführt werden, ist die Absturzgefahr durch bauliche oder technische
Maßnahmen zu verhindern. Die Anforderungen für eine Absturzsicherung gelten
sowohl für fest eingerichtete Arbeitsplätze, Szenenflächen, Verkehrswege und
Zugänge, als auch für solche der mobilen Veranstaltungstechnik. Anforderungen
zum „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen sowie Betreten von
Gefahrbereichen“ sind in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A2.1
festgelegt.

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SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

Überall dort, wo regelmäßig Personen Arbeiten durchführen sollen, bei denen


die Absturzgefahr nicht durch andere technische Maßnahmen verhindert werden
kann, müssen dauerhaft eingebaute Anschlageinrichtungen (z. B. Lifelines) für die
Benutzung von Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz vorhanden sein.
Zur Vermeidung von gegenseitigen Gefährdungen, die im Zuständigkeitsbereich
des Betreibers entstehen können, sind die erforderlichen Maßnahmen mit dem in
Abschnitt 4.1 geforderten Koordinator abzustimmen. Dies kann z. B. erforderlich
sein bei Installationsarbeiten (Wasser, Strom für Messestände), Gebäudereinigung
und Tätigkeiten der Security-Unternehmen.
Anmerkung: Die Betreiberverantwortung und die Betreiberpflichten aus dem
Sonderbaurecht (vgl. VStättV Abschnitt 4 "Verantwortliche Personen, besondere
Betriebsvorschriften") verbleiben grundsätzlich beim Betreiber.

4.3 Verantwortung der Unternehmen für Veranstaltungsrigging

Die Unternehmen für Veranstaltungsrigging müssen über die ausreichende Sach-


kunde und Erfahrung für die Arbeitsverfahren des Veranstaltungsriggings verfügen.
Maßstab für die Personalauswahl sind in Abhängigkeit von der Gefährdung die
Level 1 bis 3 des igvw SQQ2 „Sachkunde für Veranstaltungsrigging“.

Die Unternehmen für Veranstaltungsrigging haben die Verantwortung für die siche-
re und fachkundige Planung und Durchführung des Veranstaltungsriggings. Die
technische Realisierung muss unter Berücksichtigung des Standes der Technik
erfolgen. Zu den Pflichten der Riggingunternehmen gehört es auch, sicherheits-
widrige Arbeiten und/oder Verhalten aktiv zu verhindern und Gefährdungen für
Andere auszuschließen.

Ein Grundsatz dabei ist, dass keine Arbeiten auf übereinander liegenden
Ebenen gleichzeitig durchgeführt werden

siehe Abschnitt 5

4.4 Verantwortung der Rigger

Riggingtätigkeiten gelten grundsätzlich als sicherheitsrelevante Tätigkeiten und er-


fordern daher eine besondere Sorgfalt.

Die Fachverantwortung für die sachgerechte und sichere Durchführung der Tätig-
keiten obliegt jedem Rigger in seinem Aufgabenbereich.
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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

Jeder Rigger ist verpflichtet, für seine Sicherheit bei der Arbeit sowie für die Si-
cherheit derjenigen zu sorgen, die von seinen Handlungen oder Unterlassungen
betroffen sind. Hierzu gehört auch, die eigene gesundheitliche Eignung für die
Tätigkeiten feststellen zu lassen (z. B. Eignungsuntersuchung für Tätigkeiten mit
Absturzgefahr „G 41“).

4.5 Aufsichtsführung für Rigging

Die beteiligten Rigging-Unternehmen/Rigger (Tour-Rigger, Haus-Rigger, Rig-


ging-Dienstleister) haben die Aufsichtsführung sicherzustellen und darüber Ein-
vernehmen herzustellen, wer die Aufsichtsführung zu stellen hat. Der oder die
Aufsichtführenden sind namentlich zu benennen und allen Beteiligten bekannt zu
machen. Der Aufsichtsführende für die Rigging-Tätigkeiten gilt auch als Koordi-
nator nach § 6 DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“. Werden mehrere
Aufsichtsführende gleichzeitig tätig, ist ein leitender Koordinator zu benennen. Die
Aufsichtsführenden sind den zu beaufsichtigenden Personen gegenüber weisungs-
berechtigt. Aufsichtsführende müssen aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen
sowie Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen die zu beaufsichtigenden Arbei-
ten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen können. Die Aufsichtsführenden
haben eine Garantenstellung für die Einhaltung der sicheren und fachgerechten
Arbeitsverfahren.

Die Qualifikation und die Anzahl der Aufsichtsführenden richten sich nach:

 dem Grad der Gefährdung bei den Tätigkeiten


 der Komplexität der zu errichtenden bzw. abzubauenden Riggingsysteme
 der Anzahl zu beaufsichtigenden Personen
 der Übersichtlichkeit der Veranstaltungsstätte

Die Aufgaben der Aufsichtsführenden sind:

 Kommunikation mit allen Gewerken


 Umsetzung der sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergebenden Schutz-
maßnahmen und der daraus resultierenden Sicherheitsunterweisung
 Wirkungskontrolle der Schutzmaßnahmen und ggf. entsprechende Korrek-
turmaßnahmen
 Umsetzung des Rettungskonzeptes und Wirkungskontrolle der darin fest-
gelegten Maßnahmen (Personal und Equipment)

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5 | GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG UND
SCHUTZMASSNAHMEN
5.1 Gefährdungsbeurteilung

Das zentrale Element für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäf-
tigten ist die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung und deren Dokumentation.
Dazu gehören die Festlegung und Umsetzung von Maßnahmen sowie deren Wir-
kungskontrolle. Die Gefährdungsbeurteilung muss die Besonderheiten der konkre-
ten Veranstaltung berücksichtigen.

Verantwortlich für die Erstellung und Dokumentation der Gefährdungsbeurtei-


lung sind die jeweiligen Unternehmer für ihre Bereiche. Üblicherweise werden
bei Veranstaltungen und Produktionen Beschäftigte mehrerer Unternehmer oder
selbstständige Einzelunternehmer an einem Arbeitsort tätig. Deshalb haben die
Unternehmer bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung zusammenzuarbei-
ten. Der Veranstalter und der Betreiber haben alles Mögliche und Zumutbare zu
tun, damit Rigging-Dienstleister bei der Gefährdungsbeurteilung für ihre Beschäf-
tigten die spezifischen Gefahren der Veranstaltungsstätte und der Produktion
berücksichtigen und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen können. Hierzu
gehören insbesondere Hinweise für die Nutzung der veranstaltungsstättenspe-
zifischen technischen oder baulichen Schutzeinrichtungen wie z. B. technische
Decken, begehbare Brücken, Laufstege, Anschlagmöglichkeiten und Anschlag-
einrichtungen für PSA gegen Absturz.

Bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung ist der Rahmen, der durch die
jeweils gültigen Vorschriften festgelegt wird, einzuhalten. Schutzmaßnahmen
ergeben sich auch aus DGUV-Informationen und Branchenstandards. Eine bei-
spielhafte Übersicht der Vorschriften und Regelwerks ist im nachfolgenden Bild
dargestellt.

Zusammenarbeit hinsichtlich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes be-


deutet, dass die Unternehmer ihre Arbeiten und die erforderlichen Maßnahmen
des Arbeitsschutzes aufeinander abstimmen und gemeinsam für die Sicherheit
ihrer jeweiligen Beschäftigten sorgen.

Gegenseitige Gefährdungen liegen vor, wenn sich die Tätigkeit eines Beschäftig-
ten auf einen Beschäftigten eines anderen Unternehmers so auswirkt, dass die
Möglichkeit eines Unfalles oder eines Gesundheitsschadens besteht.

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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

VERANSTALTUNGSRIGGING – REGELWERK

DGUV Vorschriften, Regeln Staatliches Recht


und Grundsätze
Zum Beispiel Zum Beispiel
DGUV Vorschrift 1 Arbeitsschutzgesetz
DGUV Vorschrift 17 Betriebssicherheitsverordnung
DGUV Regel 100-001 Arbeitsstättenverordnung
DGUV Regel 115-002 TRBS 2121
DGUV Regel 112-198 ASR A 2.1
DGUV Regel 112-199 ASR V 3
DGUV Grundsatz 312-906

Rechts-
DIN-Normen
Zum Beispiel
DIN 15750
Rigging: konformes,
sicheres
DIN EN 355
DIN EN 361
Schutz vor Anschlagen,
Halten und
DIN EN 362
DIN EN 363
Absturz und Bewegen von
DIN EN 795
herabfallenden Lasten in der
Veranstal-
DGUV Informationen
Gegenständen tungstechnik
Zum Beispiel
DGUV Information 212-001
DGUV Information 215-310
DGUV Information 215-313

Branchenstandards
Zum Beispiel
igvw SQQ2
igvw SQP1
igvw SQP2
Veröffentlichungen der „Lock it!“ Kampagne

Beispielhafte Darstellung des Regelwerks

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igvw SQO2
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Stand 04/2019

Zu den wesentlichen Gefährdungen beim Veranstaltungsrigging, die de facto


immer zu beurteilen sind, zählen:

 Herabfallende Gegenstände
 Absturz von Personen
 Gegenseitige Gefährdung durch Arbeiten auf zwei Ebenen
 Mechanische Gefährdungen bei der Handhabung von Arbeitsmitteln
 Elektrische Gefährdungen
 Gefährdungen beim Transport, Belastungen durch Heben und Tragen
 Physische Fehlbeanspruchungen
 Belastungen durch Lärm und Abgase
 Psychische Belastungen
 Belastungen durch Arbeitstempo/Arbeitszeiten
 Fehler durch kurzfristige Änderungen
 Fehlverhalten einzelner Personen
 Gefährdungen, die von anderen Tätigkeiten oder von Dritten ausgehen

5.2 Schutzmaßnahmen

Zwei Gefährdungen, die beim Veranstaltungsrigging einer besonderen Betrach-


tung bedürfen, sind die Möglichkeit des Herabfallens von Gegenständen und der
mögliche Absturz von Bühnentechnikern oder Riggern, die in der Höhe arbeiten.
Auch wenn die daraus resultierenden Unfälle nicht besonders häufig geschehen,
ist das Schadensausmaß meist katastrophal. Allein aus diesem Grund sind alle
erdenklichen Schutzmaßnahmen gerechtfertigt. Daher ist es unter anderem Ziel
dieses Qualitätstandards, diesen beiden maßgeblichen Gefährdungen mit ge-
eigneten Maßnahmen entgegen zu wirken. Die notwendigen Schutzmaßnahmen
ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung.

Für die Auswahl der Schutzmaßnahmen gilt das allen Arbeitsschutzgedanken zu


Grunde liegende Prinzip, dass Gefahren an der Quelle zu bekämpfen sind und,
dass technische Maßnahmen immer Vorrang haben gegenüber organisatorischen
oder persönlichen Schutzmaßnahmen.

Die Rangfolge der Schutzmaßnahmen orientiert sich an dem STOP-Prinzip,


siehe nachfolgendes Bild. Schutzmaßnahmen nach den Stufen des STOP-Prin-
zips können aufeinander aufbauen. Die Grenzen zwischen den Stufen sind in
der Praxis nicht so scharf zu ziehen, wie im Bild dargestellt.

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IGVW SQO2-04/2019-001

Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

5.2.1 Substitution risikobehafteter Arbeitsverfahren

Substitutionsprinzip bedeutet das Ersetzen eines risikobehafteten Arbeitsver-


fahrens durch ein Verfahren mit geringerem Risiko. Dieses Prinzip hat immer
Vorrang vor den in den folgenden Abschnitten genannten Maßnahmen.

Die Betreiber von Veranstaltungs- und Produktionsstätten haben sichere und


gesundheitsgerechte Arbeitsstätten bereit zu stellen. In Veranstaltungs- und
Produktionsstätten, in denen regelmäßigen Arbeiten in der Höhe durchgeführt
werden, ist die Absturzgefahr durch bauliche oder technische Maßnahmen zu
verhindern.

Diese Maßnahmen können insbesondere sicher begehbare technische Decken,


Brücken oder Laufstege sein.

Mit diesen Maßnahmen wird von vornherein das risikobehaftete Beklettern von
Tragkonstruktion oder Einrichtungen vermieden. Dieses Ziel kann auch erreicht
werden, wenn maschinentechnische Arbeitsmittel eingesetzt werden, die es er-
möglichen, alle erforderlichen Lasten vom Boden aus mittels Lastaufnahmeein-
richtungen (z. B. Laststangen oder Traversensystem) zu montieren und einzu-
richten.

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5.2.2 Technische Maßnahmen

Die Verantwortung, sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen und notwendige Maßnah-


men umzusetzen, liegt zunächst beim Arbeitgeber. Dennoch sind gerade für die Instal-
lation von z. B. Anschlagsystemen insbesondere die Betreiber von Veranstaltungs- und
Produktionsstätten und die Fachplaner mit in der Pflicht. Technische Maßnahmen
haben Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.

Dort wo die oben genannten Substitutionsmaßnahmen nicht möglich sind, sind


folgende technische Möglichkeiten umzusetzen:

 Einsatz von Hubarbeitsbühnen


 Einbau von Anschlageinrichtungen für PSA gegen Absturz, z. B. Lifelines

Zu den technischen Maßnahmen gegen das Herabfallen von Gegenständen gehört es,
dass alle zu montierenden Arbeitsmittel oder Systeme eigensicher befestigt werden.
Wenn Eigensicherheit nicht vollständig ausführbar ist, ist Einfehlersicherheit herzu-
stellen. Hierzu siehe DGUV Information 215-313 „Lasten über Personen“.

5.2.3 Organisatorische Maßnahmen

Zu den organisatorischen Maßnahmen, die beim Veranstaltungsrigging erforderlich


sind, gehören im Wesentlichen:

1. Auswahl der Rigger und oder Riggingunternehmen


2. Festlegung der erforderlichen Qualifikationen des Personals
3. Eignungsfeststellung für Riggingtätigkeiten (z. B. nach DGUV Grundsatz G 41
„Arbeiten mit Absturzgefahr“)
4. Prüfung der örtlichen Gegebenheiten und Eignung der Veranstaltungsstätte
5. Umsetzung der Schutzmaßnahmen, die sich aus der Gefährdungsbeurteilung
ergeben, inklusive Unterweisungen
6. Organisation der Arbeitsabläufe (zeitlicher Ablauf von Aufbau bis Abbau)
7. Organisation der Aufsichtsführung inklusive Wirkungskontrolle der Schutzmaß-
nahmen

Diese Aspekte sind alle mit einander verzahnt und werden in Kapitel 6 beschrieben.

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Veranstaltungswirtschaft

Bei der Organisation der Arbeitsabläufe gilt der Grundsatz, dass keine Arbei-
ten auf übereinander liegenden Ebenen gleichzeitig durchgeführt werden.

Wenn durch die Art der Tätigkeiten Gefahr durch z. B. Herabfallen von Gegen-
ständen und/oder Personen möglich ist, muss das Unternehmen für Veranstal-
tungsrigging in Abstimmung mit den Verantwortlichen des Betreibers bzw. des
Veranstalters für eine organisatorische und/oder zeitliche Trennung der Tätig-
keiten Sorge tragen. Hierzu kann es notwendig sein, die betroffenen Bereiche
zu kennzeichnen und die Einhaltung dieser Maßnahme zu überwachen. Auch
mittels Rollbühne kann eine räumliche Trennung der Tätigkeiten erfolgen.

Soweit es sich beim den Rigging-Tätigkeiten um gefährliche Arbeiten han-


delt, darf keine Alleinarbeit erfolgen. Siehe auch DGUV Regel 100-001,
Abschnitt 2.7

5.2.4 Personenbezogene Schutzmaßnahmen

Personenbezogene Schutzmaßnahmen sind immer dann erforderlich, wenn Rest-


risiken durch die Nutzung von persönlichen Schutzausrüstungen weiter reduziert
werden müssen.

Beim Veranstaltungsrigging bedeutet dies neben der Nutzung von Schutzhand-


schuhen, Sicherheitsschuhen sowie Kopfschutz vorrangig die Nutzung von PSA
gegen Absturz.

Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) sind immer zwingend er-


forderlich, wenn technische und organisatorische Maßnahmen keinen vollumfäng-
lichen Schutz gegen Absturz gewährleisten (siehe auch Abschnitt 7).

Um mit PSAgA einen wirksamen Schutz zu garantieren, muss eine Reihe von
Voraussetzungen gegeben sein:

 geeignetes Auffangsystem, z. B. Auffanggurt mit Falldämpfer und Verbin-


dungsmittel
 geeignete Anschlageinrichtungen oder -möglichkeiten
 Qualifikation des Anwenders, z. B. nach igvw SQQ2
 angemessene Tragezeit der PSAgA
 Funktionierendes Rettungskonzept

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Stand 04/2019

5.2.5 Rettungskonzept und Erste Hilfe

Das Unternehmen für Veranstaltungsrigging erstellt ein Rettungskonzept für die


Rettung von Personen von hoch gelegenen Arbeitsplätzen und stellt qualifiziertes
Personal und Rettungsgerät am Veranstaltungs- oder Produktionsort bereit. Quali-
fiziertes Personal muss in einer schnellen Rettung von im Auffanggurt hängenden
Personen geschult sein, dies sind z. B. Rigger Level 2 nach igvw SQQ2. Zur Qua-
lifikation gehören ein einmal jährliches Rettungstraining und eine produktionsbe-
zogene Unterweisung.

Kein Veranstaltungsrigging ohne Rettungskonzept!

Als Rettungsmethoden sind möglich: die Rettung mit Hubarbeitsbühne, Kolle-


genrettung sowie Rettung durch Einsatzkräfte. In Abhängigkeit von den örtlichen
Voraussetzungen ist eine geeignete Methode zu definieren.

Rigger Level 2 nach igvw SQQ2 werden in Kollegenrettung ausgebildet. Die Befä-
higung hierfür muss durch mindestens einmal jährlich unter realistischen Bedin-
gungen stattfindende Rettungsübungen erhalten werden.

Während des Auf- und Abbaus ist die Anwesenheit einer Ersthelferin oder eines
Ersthelfers mit Kenntnis im Umgang mit orthostatischem Schock erforderlich. Hier-
zu siehe DGUV Information 204011 „Erste Hilfe – Notfallsituation: Hängetrauma“.

5.3 Unterweisung

Die bei der Gefährdungsbeurteilung festgestellten Risiken und die daraus ab-
geleiteten Maßnahmen sind Gegenstand der Unterweisung. Die Unterweisung
berücksichtigt insbesondere die Gefährdungen, die sich durch die Umgebung,
die eingesetzte Technik sowie die Abläufe der Veranstaltung oder Produktion
ergeben können. Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung kann vor jeder
Veranstaltung eine Unterweisung erforderlich sein. Die Unterweisung zur Nutzung
von PSAgA muss auch praktische Übung beinhalten

Jeder Unternehmer ist für die Unterweisung seines Personals verantwortlich.

Der Betreiber oder eine von ihm beauftragte Person hat die Aufgabe, die Nutzer
über die Bedingungen des Veranstaltungsortes und über die bestimmungsgemäße
Benutzung der Einrichtungen zu unterweisen und einzuweisen.

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Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

5.4 Dokumentation

Am Veranstaltungs- oder Produktionsort ist es geboten, erforderliche Dokumente


bereitzuhalten. Dies können sein:

 Gefährdungsbeurteilung
 Arbeits- und Betriebsanweisungen sowie die Gebrauchs- und Bedienungsan-
leitungen der Arbeitsmittel und der Einrichtungen (sie müssen jederzeit ein-
sehbar sein)
 Notwendige behördliche Genehmigungen
 Prüfnachweise der Arbeitsmittel
 Unterweisungsnachweise
 Messprotokolle – zum Beispiel von Lärm, Elektrotechnik, Statik
 Dokumentation der sachgerechten Montage der Anschlageinrichtungen
 Freigabe- oder Übergabedokumente

6 | ARBEITSVERFAHREN
Rigging in der Veranstaltungstechnik ist das Montieren und Benutzen von veranstal-
tungsspezifischen Lastaufnahmeeinrichtungen. Dies beinhaltet das Anschlagen,
Halten und Bewegen von Lasten in der Veranstaltungstechnik unter Berücksichti-
gung technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen sowie die Verwendung
von persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) insbesondere gegen Absturz.

Der Arbeitsprozess Veranstaltungsrigging umfasst die Vorbereitung, den Aufbau,


den Abbau und ggf. auch die Probe und die Veranstaltung/Produktion.

6.1 Angebots- und Planungsphase

Der Auftraggeber hat die geforderten Leistungen eindeutig und umfänglich zu be-
schreiben und dem Rigging-Dienstleister alle zur Abgabe eines Angebotes notwen-
digen Unterlagen zur Verfügung zu stellen (siehe auch DIN 15750).

Hierbei sind sowohl die erforderliche Technik und Dienstleistung als auch die orga-
nisatorischen und zeitlichen Rahmenbedingungen und örtlichen Voraussetzungen
sowie gegebenenfalls besondere Anforderungen an die Betriebssicherheit von zu
benutzenden Arbeitsmitteln und Einrichtungen zu beschreiben.

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Stand 04/2019

In der Angebots- und Planungsphase sind vom Rigging-Dienstleister vor der


Angebotserstellung Prüfungen bzw. Vorplanungen vorzunehmen. Diese Überle-
gungen umfassen:

 Prüfung der Leistungsbeschreibung


 Prüfung auf Machbarkeit (sicherheitstechnisch, technisch, organisatorisch)
 Prüfung, ob das zur Verfügung stehende „Zeitfenster“ und das Veranstal-
tungs- und Produktionsvolumen bei der Planung der Personalstärke hinrei-
chend berücksichtigt wurde. Siehe auch Abschnitt 6.3.

6.2 Ausführungsplanung

Die Ausführungsplanung umfasst die technischen und organisatorischen Ein-


zelheiten für die fachgerechte Durchführung der Leistungen.

Zur Ausführungsplanung gehört insbesondere ein Riggingplan. Der Rigging-


plan ist eine technische Zeichnung mit allen Einbauten und detaillierten An-
gaben zu Anschlagpunkten am Tragwerk und der einzubringenden Lasten.

Weiterhin gehört zur Ausführungsplanung die statische Betrachtung, die


Festlegung des erforderlichen Materials und der Arbeitsmittel. Darüber hin-
aus sind die Bauzeiten und der Personaleinsatz unter Berücksichtigung der
Koordination mit anderen Unternehmen und der Gefährdungsbeurteilung zu
planen. Vor Produktionsbeginn sind das Rettungskonzept und die Unterwei-
sungsunterlagen zu erstellen.

6.3 Personaldisposition

Die in der Ausführungsplanung erstellte Personalplanung wird durch die Per-


sonaldisposition umgesetzt. Für eine sichere Durchführung der Arbeitsprozesse
muss insbesondere der zeitliche Ablauf der Tätigkeiten so gestaltet werden,
dass die Belastung des Personals nicht zu einem erhöhten Unfallrisiko führt.

Aufgrund der spezifischen Gefährdungen besteht bei der Personaldisposition


bezüglich der Auswahl der Aufsichtsführenden und des weiteren Personals eine
besondere Sorgfaltspflicht. Die Qualifikation des Personals und der Aufsichts-
führenden ist in den Abschnitten 4.3 und 4.5 beschrieben.

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IGVW SQO2-04/2019-001

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Veranstaltungswirtschaft

Bei der Personaldisposition müssen untern anderem folgende Kriterien berück-


sichtigt werden:

 Überprüfung der Verfügbarkeit der für den Auftrag nötigen Anzahl von Perso-
nen mit den geforderten Qualifikationen und Eignungsfeststellung
 Notwendigkeit der Vergabe von Teilaufträgen an andere Riggingunternehmen
 örtliche Gegebenheiten der Veranstaltungsstätte
 Berücksichtigung von An- und Abreisezeiten in Bezug auf die Arbeitszeit
 Überprüfung der Ruhezeit bei den Einsätzen und in Verbindung mit Vor- oder
Folgeaufträgen
 Notwendigkeit von Hotelunterkünften
 Festlegung einer gemeinsamen Arbeitssprache

Nach Auswahl des notwendigen Personals gibt der Auftragnehmer die Ansprech-
partner dem Auftraggeber, der Veranstaltungsstätte, dem eigenen Personal und
den evtl. beteiligten Fremdfirmen bekannt. Des Weiteren klärt sie den zeitlichen
Ablauf (Zeitfenster) mit den Verantwortlichen und stimmt diesen mit den Betei-
ligten ab.

Eignungsfeststellungen für Personen, die Riggingtätigkeiten durchführen, können


auf Basis des DGUV Grundsatzes G 41 „Arbeiten mit Absturzgefahr“ erfolgen.

6.4 Durchführung

Die Durchführung des Veranstaltungsrigging besteht aus den Phasen: Aufbau, Be-
trieb und Abbau und muss immer unter der Prämisse erfolgen, unzulässige und
instabile Betriebszustände zu verhindern.

Zum Aufbau zählt vorrangig die technische Ausführung gemäß der Ausführungs-
planung. Hierzu gehört auch die Sicht- und Funktionsprüfung aller verwendeten
Arbeitsmittel auf ordnungsgemäßen Zustand.

In der Phase Betrieb können szenische Bewegungsvorgänge z. B. während der Pro-


ben und/oder Produktion mit geeigneten „Riggingsystemen“ (maschinentechni-
sche Arbeitsmittel) durchgeführt werden.

Beim Abbau ist das Unfallrisiko aufgrund des üblicherweise verschärften Ar-
beitstempos meist erhöht. Das tatsächliche Unfallgeschehen belegt diese Erkennt-
nis. Aus diesen Grund muss der Abbau von Riggingsystemen sicherheitsgerichtet
und ressourcenschonend durchgeführt werden.

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6.4.1 Messerigging

Beim Messerigging werden Hängepunkte für eine Vielzahl von Traversensystemen


und anderen Lasten, meist durch Anschlagen an vorgegebenen Anschlagpunkten an
einem Tragwerk, bereitgestellt. Die große Anzahl an Personen, die oft unter hohem
Zeitdruck für eine Vielzahl an Unternehmen gleichzeitig in einer Halle arbeiten,
erfordert von allen Beteiligten eine besondere Umsicht und stellt besondere Anfor-
derungen an die Koordination.

Die Koordination der beteiligten Unternehmen und der verschiedenen Gewerke


obliegt grundsätzlich dem Messeveranstalter und ist ggf. mit dem Betreiber ab-
zustimmen.

Zur sicherheitsgerechten Durchführung des Messeriggings sind insbesondere fol-


gende Sachverhalte zu beachten:

 Aussteller und Messebauunternehmen verfügen oft über wenig Erfahrung im


Bereich Rigging. Dies führt zu einem besonderen Beratungs- und Überwa-
chungsbedarf.

 Die Angaben des Betreibers zur Belastbarkeit der Anschlagpunkte dürfen weder
bei Auf- und Abbau noch während des Betriebes überschritten werden. Dazu
sollten Lastmesseinrichtungen eingesetzt werden.

 Lastangaben der Aussteller sind häufig ungenau. Auch aus diesem Grund ist der
Einsatz von Systemen zur Lastüberwachung sinnvoll. Diese sollen so eingesetzt
werden, dass auch Lastverlagerungen, die durch die Art und Weise der Montage
auftreten können, erkannt werden.

 Damit durch die Kombination aller Einzellasten keine Überlastung bzw. Be-
einträchtigung der Tragfähigkeit der Dachkonstruktion entsteht, ist durch den
Betreiber eine verantwortliche Stelle zu benennen, die den Überblick über alle
in das Dach eingebrachten Lasten hat. Ggfs. ist eine rechnerische Überprüfung
des konkreten Lastfalls durch mit dem Tragwerk vertraute fachkundige Perso-
nen erforderlich.

 Die Erstellung der Hängepunkte erfolgt meist durch das Anschlagen an vorgege-
benen Anschlagpunkten am Tragwerk in einheitlicher, vorher festgelegter Weise.

 Zur Lastverteilung und zur Platzierung der Hängepunkte werden häufig


Pre-Rig-Konstruktionen eingesetzt.

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Veranstaltungswirtschaft

 Die Reihenfolge, in der die Lasten eingebracht werden, kann nicht immer im
Voraus festgelegt werden. Aus diesem Grund müssen alle Arbeitsmittel so
ausgewählt werden, dass sie für alle Betriebszustände ausreichend bemessen
sind.

 Ein Arbeiten auf den Tragwerken findet in der Regel nicht statt. Häufig wer-
den stattdessen Hubarbeitsbühnen verwendet. Bei der Auswahl der Bediener
ist der DGUV Grundsatz 308-800 „Ausbildung und Beauftragung der Bedie-
ner von Hubarbeitsbühnen“ zu beachten. Der sichere Umgang mit Hubar-
beitsbühnen ist in DGUV Information 208-019 beschrieben.

 Häufig ist eine großflächige Absperrung der Arbeitsbereiche nicht möglich.


Hier sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Gefährdung zu minimieren.

6.4.2 Tournee-Rigging

Ein wesentliches Merkmal bei Tournee-Veranstaltungen ist, dass in begrenzten


Zeiten ortsveränderliche Produktionen an unterschiedlichen Veranstaltungsstät-
ten durchgeführt werden. Beim Tournee-Rigging werden meist mit hohem Perso-
nal- und Materialeinsatz die Rigging-Gewerke erstellt. Hierbei werden zum Teil
Tour-Rigger und örtliche Rigging-Unternehmen eingesetzt.

Zur sicherheitsgerechten Durchführung des Tournee-Riggings sind insbesondere


folgende Anforderungen zu berücksichtigen:

 Abgrenzung der Verantwortlichkeiten von örtlichem Personal und Tournee-Per-


sonal

 Koordination aller Gewerke und Tätigkeiten, um Arbeiten auf übereinanderlie-


genden Ebenen grundsätzlich zu vermeiden

 Soweit möglich, Einsatz von technischen Arbeitsmitteln wie z. B. Hubarbeits-


bühnen

 Einsatz von temporären Anschlageinrichtungen (Lifeline) beim Arbeiten auf


Tragwerken

 Unterweisung aller Beteiligten über die örtlichen Gegebenheiten, die Beson-


derheiten der Produktion und die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen

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Stand 04/2019

6.4.3 Open Air

Riggingarbeiten bei Open-Air-Produktionen finden primär außerhalb von Gebäuden


und deren Dachtragwerken in und an temporär errichteten Konstruktionen auf freien
Flächen/auf freiem Gelände oder im Innenraumbereich von Sportstadien statt. Zu
diesen Konstruktionen gehören z. B. Bühnendächer, Groundsupports, Followspot-/
Delaytower, Sonderkonstruktionen für Tourneeproduktionen oder Sonderkonstruktio-
nen aus Gerüstbaumaterialien.

Da in den meisten Fällen ein sehr kurzer Zeitplan für den Auf- und Abbau der Pro-
duktionen zur Verfügung steht, werden die Arbeiten mit einem meist sehr großen
Personalaufwand in Relation zur Produktionsgröße durchgeführt.

Arbeitsweisen und Sicherungsmöglichkeiten für Zugang und Fortbewegung in den


temporär errichteten Konstruktionen müssen im Vorfeld mit dessen Errichter/Betrei-
ber/In-Verkehr-Bringer genau kommuniziert und definiert werden. Der Einsatz von
Hubarbeitsbühnen ist in den meisten Fällen aus Platzmangel nicht möglich. Das
bedeutet, dass eine Fortbewegung in der Konstruktion erforderlich ist. Beim Arbei-
ten auf Tragwerken muss PSAgA oder eine Arbeitsplatzpositionierung zum Einsatz
kommen, vgl. Abschnitt 8.

Die Verantwortung für die Standsicherheit liegt beim Errichter der Konstruktion.
Dem Betreiber wird als Grundlage ein Riggingplan mit den einzubringenden Lasten
der Produktion eingereicht (Tournee, Einzelproduktion), anhand welcher er seine
Konstruktion dimensioniert bzw. er eine Machbarkeit einer gegebenen Konstruktion
erstellt und evtl. notwendige Anpassungen kommuniziert.

Vor Ort wird vom Betreiber der Konstruktion die Lasteinleitung koordiniert.

Zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren durch Witterungseinflüsse ist dem Personal


geeignete Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Wird durch Witterungseinflüsse
(z. B. Gewitter oder Sturm) das Unfallrisiko zu hoch, sind die Arbeiten zu unter-
brechen.

Die Kriterien für eine Unterbrechung müssen im Vorfeld klar festgelegt und in Ab-
sprache mit dem Unternehmer, dem Veranstalter und dem Betreiber der Konstrukti-
on abgestimmt werden. Von diesen Parteien muss eine Person klar definiert sein, die
mit den technischen Möglichkeiten ausgestattet ist, die Wetterlage zu betrachten
(Informationen dt. Wetterdienst, Regenradar), die sich wechselnde Wetterlage zu
beurteilen und entsprechend bei Bedarf rechtzeitig die Arbeiten einstellen zu lassen.

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Ausreichende Schutzmöglichkeiten, die keine weiteren Gefährdungen mit sich


bringen können, sind vom Veranstalter für die jeweilige Personenanzahl zur Ver-
fügung zu stellen. Notwendige Kommunikationssysteme sollten bei weitläufigem
Gelände berücksichtigt werden.

Informationen zur Planung finden sich unter anderem beim Forschungsprojekt


„BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“:
[Link]/sq02_basigo

Ausführliche Hinweise zur Bewertung von Wettereignissen enthält der igvw SQP5
„Aufstellung und Betrieb nicht ortsfester Bühnen und Bühnenüberdachungen“.

6.4.4 Einzel-Produktion

Zu Einzelproduktionen zählen unter anderem Fahrzeug- oder Produktpräsen-


tationen, Fernsehproduktionen, Jahreshauptversammlungen aber auch Busi-
ness-Events und Kongresse.

Diese Produktionen finden z. B. in Mehrzweckhallen, Messehallen oder in Indus-


triehallen statt bei denen die Produktionsflächen meist groß und weitläufig sind.
Der Einsatz von Veranstaltungstechnik findet hierbei meist an mehreren Stellen
der Veranstaltungsstätte statt.

Zur sicherheitsgerechten Durchführung dieser Art von Produktion sind insbeson-


dere folgende Anforderungen zu berücksichtigen:

 Abgrenzung der Verantwortlichkeiten für das örtliche Personal und das Produk-
tionspersonal

 Koordination aller Gewerke und Tätigkeiten, um insbesondere Arbeiten auf


übereinanderliegenden Ebenen zu vermeiden

 Abstimmung mit den Kooperationspartnern, z. B. Catering und Promoti-


on-Teams zur Gewährleistung eines sicheren und störungsfreien Ablaufs der
Produktion

 Soweit möglich, Einsatz von technischen Arbeitsmitteln wie z. B. Hubarbeits-


bühnen

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 Einsatz von temporären Anschlageinrichtungen (Lifeline) beim Arbeiten auf Trag-


werken

 Unterweisung aller Beteiligten über die örtlichen Gegebenheiten, die Besonderhei-


ten der Produktion und die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen

7 | ZUGANGSMETHODEN UND
ARBEITSPLATZPOSITIONIERUNG
In Veranstaltungs- und Produktionsstätten, in denen hochgelegene Arbeiten durchge-
führt werden müssen, sind bauliche Verkehrswege (begehbare Arbeitsstege, Brücken
oder technische Decken) mit Geländern vorzusehen.

Sind derartige Einbauten nicht realisierbar oder nicht praktikabel, sind bauseitig Ein-
richtungen vorzusehen, die abstürzende Personen auffangen und vor einem tieferen
Absturz schützen, z. B. Lifeline-Systeme zum Anschlagen von persönlichen Schutz-
ausrüstungen gegen Absturz.

Der Zugang zu den hochgelegenen Arbeitsplätzen erfolgt in der Regel durch einen
Überstieg von einem sicheren Standort oder Verkehrsweg auf Tragkonstruktionen
(Gebäudetragwerk oder Traversenkonstruktion). Sobald der sichere Standort oder Ver-
kehrsweg verlassen wird, sind Maßnahmen gegen Absturz zu treffen. Diese müssen zu
jedem Zeitpunkt vollständig wirksam sein.

Anhang 1 Abschnitt 3.1.4 Betriebssicherheitsverordnung

Die Verwendung von Leitern als hoch gelegene Arbeitsplätze und von Zugangs- und
Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen ist nur in solchen Fällen
zulässig, in denen

a) wegen der geringen Gefährdung und wegen der geringen Dauer der Verwendung
die Verwendung anderer, sichererer Arbeitsmittel nicht verhältnismäßig ist und

b) die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass die Arbeiten sicher durchgeführt wer-


den können.

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Veranstaltungswirtschaft

Als Zugang zu hoch gelegenen Arbeitsplätzen werden in der Praxis z. B. folgende


Methoden angewendet:

7.1 Laufstege/Catwalks

Der Zugang zum Haupttragwerk kann über Laufstege/Catwalk erfolgen. An Lauf-


stegen/Catwalks müssen zum Schutz vor Absturz geeignete Umwehrungen ange-
bracht sein. Bei Absturzhöhen von mehr als 12 m müssen Umwehrungen eine
Höhe von 1,1 m haben. Siehe auch Abschnitt 5 ASR A 2.1 und § 6 Abs. 1 der
DGUV Regel 115-002.

Zum sicheren Verlassen des Laufsteges müssen fest installierte oder temporäre
Anschlageinrichtungen montiert sein und bereits vom Laufsteg aus benutzt werden
können. Geeignete Anschlagmöglichkeiten an Teilen baulicher Anlagen können
auch genutzt werden, siehe Abschnitt 8.1.

7.2 Hubarbeitsbühnen

Hubarbeitsbühnen werden bestimmungsgemäß für Höhenarbeiten verwendet.


Dabei werden die Arbeiten aus dem Arbeitskorb heraus durchgeführt. Wenn die
Gefahr des Herausstürzens besteht, kann dies durch die Verwendung eines längen-
verstellbaren Verbindungsmittels verhindert werden oder die Personen im Arbeits-
korb sind mit PSAgA zu sichern. Die Gefahr des Herausstürzens kann durch den
„Peitscheneffekt“ bei Hubarbeitsarbeitsbühnen mit Teleskoparm gegeben sein.

Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, aus dem Arbeitskorb von Hubarbeitsbühnen auf
andere Standorte umzusteigen.

Auszug aus DGUV Information 208-019 „Sicherer Umgang mit fahrbaren


Hubarbeitsbühnen“ (bisher BGI 720), Abschnitt 6.4:

„… Die Betriebsanleitungen der Hersteller sehen ein Verlassen des Arbeits-


korbes nur in Grundstellung der Hubarbeitsbühne vor. … Trotzdem kann es
gerade in Einzelfällen notwendig sein, im angehobenen Zustand in die Kon-
struktion einzusteigen, um einzelne kurzzeitige Montagevorgänge durchzu-
führen. Sollte … der Einsatz anderer Sicherungsmaßnahmen ein höheres
Absturzrisiko mit sich bringen, kann dies in begründeten Ausnahmesitua-
tionen unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein. Dieser begründete
Einzelfall muss … in einer am Einsatzort vorliegenden, gesonderten Gefähr-
dungsbeurteilung eingearbeitet sein.“

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Unter besonderen Bedingungen kann die Hubarbeitsbühne als Zugangsmethode zu


hoch gelegenen Arbeitsplätzen genutzt werden. Der Ausstieg aus dem Arbeitskorb
ist nur zulässig, wenn folgende Maßnahmen zur Sicherung eingehalten werden:

 Besondere Schulung und Unterweisung

 Beim Aus- und Einsteigen dürfen keine dynamischen Kräfte auf die Hubar-
beitsbühne wirken

 Anschlagen der PSAgA an einem geeigneten Ankerpunkt (7,5 kN) an der Kon-
struktion vor dem Verlassen des Arbeitskorbes

 Das Aussteigen aus dem Arbeitskorb erfordert ein zweites Verbindungsmittel,


damit im Falle eines Umstieges der Anwender jederzeit gesichert ist.

 Gesondertes Rettungskonzept zur Rettung aus allen möglichen Notlagen, z. B.


auch bei Ansprechen der Lastmomentbegrenzung

Zusätzliche Informationen zum „Sicheren Überstieg“ enthält die Handlungsanlei-


tung der Fachgruppe D-A-CH-S, zu finden unter: [Link]/absturz

7.3 Seilleitern/Strickleitern

Bei Zugang über eine Seilleiter muss gewährleistet sein, dass jederzeit ein Absturz
durch ein Auffangsystem verhindert wird. Dies kann durch Benutzung von Auf-
fanggurten mit mitlaufenden Auffanggeräten, einschließlich beweglicher Führung
oder Höhensicherungsgeräten erreicht werden. Die Festigkeit der Anschlagpunkte
ergibt sich aus der Systemauswahl und den Herstellerangaben. Der Anschlagpunkt
der beweglichen Führung oder des Höhensicherungsgerätes soll unabhängig von
den Anschlagpunkten der Seilleiter sein und oberhalb des Leiterausstiegs liegen.
Seilleitern müssen gegen unbeabsichtigtes Aushängen gesichert sein. Die Spros-
sen müssen trittsicher und die Trittflächen profiliert sein.

7.4 Seilunterstützte Zugangsverfahren/Abseilen

Eine mögliche Zugangsmethode ist das Abseilen von einem höher gelegenen
Standort.

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Bei der Anwendung seilunterstützter Zugangsverfahren müssen grundsätzlich folgende


Bedingungen erfüllt sein:

 Die Methode soll nur zum Zugang, nicht für das Arbeiten genutzt werden
 Beaufsichtigen durch eine aufsichtführende Person (§ 8 DGUV Vorschrift 1)
 Qualifikation der Rigger in der anzuwendenden Technik
 Anwendung selbstsichernder Systeme zur Verhinderung eines Absturzes
(z. B. Ausrüstung nach DIN EN 12841)
 Festigkeit der Anschlagpunkte in Abhängigkeit des gewählten Systems
 Festigkeit und Eigenschaften der Seile nach DIN EN 1891
(im Einzelfall nach DIN EN 892)
 Kantenschutz zum Schutz der Seile an scharfen Kanten
 Verwendung von bestimmungsgemäß dafür vorgesehenen Arbeitsmitteln
 Prüfung der Ausrüstung (z. B. Arbeitsmittel, Seile und PSAgA) vor jeder Anwendung
 Spezifische Unterweisung
 Wirksames Rettungskonzept

Betriebssicherheitsverordnung, Anhang 1 Nummer 3.4.1 a):

Bei der Verwendung eines Zugangs- und Positionierungsverfahrens unter Zuhilfenah-


me von Seilen müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

Das System muss aus mindestens zwei getrennt voneinander befestigten Seilen beste-
hen, wobei eines als Zugangs-, Absenk- und Haltemittel (Arbeitsseil) und das andere
als Sicherungsmittel (Sicherungsseil) dient. Abweichend von Nummer 3.4.1 ist die
Verwendung eines einzigen Seils zulässig, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt,
dass die Verwendung eines zweiten Seils eine größere Gefährdung bei den Arbeiten
darstellen würde, und geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die Sicherheit der
Beschäftigten auf andere Weise zu gewährleisten. Dies ist in der Dokumentation der
Gefährdungsbeurteilung darzulegen.

7.5 Arbeitsplatzpositionierung

Bei der Arbeitsplatzpositionierung kommt neben dem Gurt (Auffanggurt nach DIN EN
361 mit Haltefunktion nach DIN EN 358) ein längenverstellbares Verbindungsmittel
nach DIN EN 354 oder 358 zum Einsatz. Diese Komponente ermöglicht einen be-
stimmten Aktionsradius des Anwenders, welcher sich nun mit Hilfe der Längenverstell-
barkeit während seiner Tätigkeit vom Anschlagpunkt entfernen oder in seine Richtung
positionieren kann.
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Bei dieser Technik muss darauf geachtet werden, dass das Verbindungsmittel immer
straff gehalten und entsprechend eingekürzt wird, so dass ein Sturz zuverlässig verhin-
dert wird. Die Tragfähigkeitsanforderungen für den Anschlagpunkt sind der Gebrauchs-
anleitung des längenverstellbaren Verbindungsmittels zu entnehmen.

Verbindungsmittel zur Arbeitsplatzpositionierung müssen straff gehalten werden,


damit ein Sturz vermieden wird. Dies kann durch die Verwendung von Verbin-
dungsmitteln mit Längeneinstellvorrichtungen erreicht werden. In Rückhaltesyste-
men dürfen nur Verbindungsmittel eingesetzt werden, deren maximale Länge die
nächstgelegene Absturzkante nicht erreicht werden kann.

DGUV Regel 112-198 "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen


Absturz" (bisher BGR/GUV-R 198)

8 | AUFFANGSYSTEME UND PERSÖNLICHE


SCHUTZAUSRÜSTUNGEN
8.1 Allgemeine PSA

Technische und organisatorische Maßnahmen, die eine Gefährdung von Beschäftigten


ausschließen, haben grundsätzlich Vorrang vor dem Einsatz von persönlichen Schutz-
ausrüstungen.

Für Arbeiten mit der Gefahr von Verletzungen oder Gesundheitsschädigungen hat die Un-
ternehmerin beziehungsweise der Unternehmer geeignete persönliche Schutzausrüstun-
gen in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Die Benutzung der persönlichen
Schutzausrüstungen ergibt sich aus der spezifischen Gefährdung – zum Beispiel:

 Helm nach DIN EN 397/12492, da er in allen Bewegungslagen sicher sitzen und


auch bei Sturz und Rettung am Kopf bleiben muss

 Handschuhe eng anliegend, rutschhemmend, geeignet für Montagetätigkeiten und


für Bedienung der PSA-Komponenten

 Bergsportschuhe für Höhentätigkeiten

 Sicherheitsschuhe für Tätigkeiten am Boden. Empfehlung: Klasse S1P oder S3

 Messerigging: Schuhe mit durchtrittsicheren Sohlen (Klasse S1P oder S3) und
Warnwesten
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8.2 Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz

Es gelten grundsätzlich die Anforderungen der DGUV Regel 112-198 „Benutzung


von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“. Beim Veranstaltungsrigging
kommen, als praxistaugliche PSAgA die im Folgenden beschriebenen Schutzaus-
rüstungen und Anwendungsmethoden zum Einsatz. Es wird empfohlen, auf die Be-
nutzung der Auffangsysteme und persönlichen Schutzausrüstungen mit geeigneten
Kennzeichnungen (z. B. Piktogrammen und Sicherheitszeichen nach ASR A1.3 „Si-
cherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“) hinzuweisen.

8.2.1 Auffangsystem

Auffangsysteme nach DIN EN 363 sind persönliche Absturzschutzsysteme zum


Auffangen eines freien Falls, wodurch die während des Auffangvorganges auf den
Körper des Benutzers wirkenden Fangstoßkräfte auf ein erträgliches Maß begrenzt
werden (Quelle: DGUV Regel 112-198).

Das System besteht aus einem Auffanggurt nach DIN EN 361, einem Falldämp-
fer nach DIN EN 355 und einer Anschlageinrichtung (temporär befestigt oder
fest installiert). Die temporär befestigte Anschlageinrichtung (PSA) muss DIN EN
795 Typ B oder C entsprechen. Die fest installierte Anschlageinrichtung muss in
Anlehnung an DIN EN 795 Typ B oder C nachgewiesen sein. Vor der Verwendung
eines Auffangsystems muss unbedingt geprüft werden, ob der für den Auffangvor-
gang erforderliche Freiraum (freier Sturzraum) unterhalb der jeweiligen Position
des Benutzers baulich tatsächlich vorhanden ist.

Bei der Systemauswahl sind die Angaben der Hersteller der Falldämpfer (Län-
gung des Falldämpfers) und der Anschlageinrichtung (Auslenkung des Seiles) zu
berücksichtigen. Komponenten ohne eindeutige Herstellerangaben dürfen nicht
verwendet werden.

Grundsätzlich sollte zur Minimierung der Fallstrecke die Anschlageinrichtung


möglichst hoch über dem Benutzer montiert sein.

Anschlagmöglichkeiten an Teilen baulicher Anlagen können zur Befestigung be-


nutzt werden, wenn deren Tragfähigkeit für eine Person nach den technischen Bau-
bestimmungen mit einer Fangstoßkraft von 6 kN einschließlich den für die Rettung
anzusetzenden Lasten nachgewiesen ist. Hierzu siehe auch DGUV Regel 112-198
„Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“.

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Anschlagmöglichkeiten, bei denen ein unbeabsichtigtes Lösen des Auffangsys-


tems möglich ist, z. B. freie Rohr‑ bzw. Trägerenden, sind ungeeignet.

8.3 Lifeline

Ein temporär oder dauerhaft zwischen zwei Befestigungspunkten gespanntes


horizontales Seil – auch Lifeline genannt – ermöglicht die individuelle Absiche-
rung des Riggers beim Arbeiten in der Höhe. Lifelines können zur Befestigung
von Verbindungmittel mit Falldämpfern der PSAgA und unter besonderen Be-
dingungen auch von längenverstellbaren Verbindungsmitteln für die Arbeits-
platzpositionierung bestimmt werden.

Lifeline-Systeme müssen so eingebaut sein, dass sie den auftretenden Belas-


tungen standhalten und für die Rigger eine praxisgerechte Möglichkeit zur Si-
cherung darstellen. Die Lifeline soll oberhalb des Obergurtes der Traverse so
angebracht sein, dass sie bei Bewegung des Benutzers über den Untergurt der
Traverse eine Fallstrecke kleiner als die Länge des Verbindungsmittels ermög-
licht. Damit ist der Sturzfaktor < 1. Sturzfaktor = Fallhöhe geteilt durch Länge
des Verbindungsmittels.

Die Bemessung der tragenden Konstruktion und der Befestigungspunkte muss


sicherstellen, dass im Falle eines Auffangvorgangs das System die entstehen-
den Kräfte sicher aufnehmen kann. Die tragende Konstruktion umfasst alle
Elemente im Kraftfluss beginnend von der baulichen Verankerung bis hin zum
Lastaufnahmemittel.

Bei einem Einsatz auf einem Traversensystem ist vor der Auswahl zu prüfen, ob
die Traverse und die gewählte Position der Befestigungspunkte auf der Traverse
die notwendige Festigkeit erfüllt.

Die statischen Anforderungen an den Befestigungspunkt sind je nach Ausfüh-


rung einer horizontal eingebauten Lifeline unterschiedlich. Der Hersteller der
Lifeline legt die bestimmungsgemäße Verwendung fest. Die Angaben sind der
Montageanleitungen des Herstellers zu entnehmen. Ohne Kenntnis/Berücksich-
tigung dieser Angaben darf ein Lifelinesystem nicht eingesetzt werden.

Der Errichter der Lifeline muss den Personenkreis, der die Lifeline benutzt,
über die zulässige Verwendung informieren, z. B. in einer Betriebsanweisung.

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Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

Die maximale Anzahl der möglichen Nutzer eines Systems und eines einzelnen
Feldes eines Systems variiert von Hersteller zu Hersteller und muss vor der
Auswahl berücksichtigt werden.

Folgende Systeme sind üblich:

 Ratschengurt-Systeme: Diese erfordern eine hohe Festigkeit der Befesti-


gungspunkte. Ratschengurte sind verschleißbehaftete Systeme. Die zuläs-
sige Vorspannung darf nicht überschritten werden und die erforderlichen
Windungen müssen auf die Ratsche aufgebracht sein.

 Temporäres horizontal gespanntes Seil nach DIN EN 795 Typ B bzw. Typ C.
Dieses kann aus einem Halbstatikseil nach DIN EN 1891 mit einem selbst-
blockierenden Befestigungselement bestehen.

 Drahtseilsysteme mit oder ohne Absorberelemente.

8.4 Wiederkehrende Prüfungen

8.4.1 Prüfungen von PSAgA

Die Benutzer haben persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz vor jeder


Benutzung durch Sichtprüfung auf ihren ordnungsgemäßen Zustand und auf
einwandfreies Funktionieren zu prüfen.

Wiederkehrend sind persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz entspre-


chend den Einsatzbedingungen und den betrieblichen Verhältnissen nach
Bedarf, mindestens jedoch alle 12 Monate, auf ihren einwandfreien Zustand
durch einen Sachkundigen prüfen zu lassen.

8.4.2 Prüfungen von Arbeitsmitteln

Vor jedem Einsatz sind sicherheitsrelevante Arbeitsmittel einer Sichtprüfung


und – soweit zutreffend – Funktionsprüfung durch eine beauftragte unterwiese-
ne Person zu unterziehen.

Arbeitsmittel sollen mindestens jährlich durch eine beauftragte Person (z. B.


Sachkundiger/ zur Prüfung befähigte Person) geprüft werden. In Abhängigkeit
von den Einsatzbedingungen und betrieblichen Gegebenheiten sowie bei au-
ßergewöhnlichen Ereignissen können zusätzliche Prüfungen erforderlich sein.

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Stand 04/2019

ANHANG
Anhang I – Anmerkungen zu Arbeitsplatzpositionierung und Auffangsystem

Erläuterungen zur Arbeitsplatzpositionierung (Abschnitt 7.5)

Bei dem beschriebenen System der Arbeitsplatzpositionierung handelt es sich


um ein Verfahren, das bei korrekter Anwendung grundsätzlich einen Absturz
verhindert. Hierbei sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:

 Ein flexibles Positionieren an einem Anschlagpunkt ist durch die Verstellbar-


keit des Systems jederzeit möglich.

 Beim Annähern des Anwenders in Richtung des Anschlagpunktes muss das


Verbindungsmittel eingekürzt werden.

 Das System der Arbeitsplatzpositionierung darf nicht als Auffangsystem


verwendet werden; der mögliche auftretende Fangstoß könnte zu schweren
körperlichen Verletzungen führen. Der Anschlagpunkt könnte durch den zu
hohen Fangstoß versagen.

Bezüglich der Arbeitsmittel sind immer die Herstellervorgaben zu berücksich-


tigen:

Die Arbeitsplatzpositionierung wird z. B. bei folgenden Riggingtätigkeiten ange-


wendet:

 Arbeiten in einer Hubarbeitsbühne

 Arbeiten am Tragwerk der Versammlungsstätte mit einer fest eingebauten


Anschlageinrichtung (Seilsystem)

 Queren auf einer Traverse mit Hilfe einer horizontal montierten Lifeline, die
zur Arbeitsplatzpositionierung benutzt wird

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Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

Erläuterungen zum Auffangsystem (Abschnitt 8.2.1)

Bei dem beschriebenen Auffangsystem handelt es sich um ein Sicherungssystem,


das zu jedem Zeitpunkt und bei jeder Tätigkeit mit Absturzgefahr vollständig wirk-
sam sein muss. Hierbei sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:

 Im Falle eines Sturzes wird die am Körper des Stürzenden und an dem An-
schlagpunkt auftretende Kraft (Fangstoß) auf ein erträgliches Maß reduziert
(6 kN).

 Die Verwendung der sternalen (brustseitigen) Öse eines Auffanggurts nach


EN 361 sorgt im Sturzfall dafür, dass der Oberkörper aufrecht gehalten wird.

 Unter ungünstigen Bedingungen kann aufgrund der Systemlänge eine


Selbstrettung nicht möglich sein, sodass das Rettungskonzept sofortige Hil-
fe sicherstellen muss.

 Bei falscher Systemauswahl (nicht ausreichender sturzfreier Raum) kann


der Sturz bis zum Boden oder auf Konstruktionselemente erfolgen.

 Beim Einsatz eines modularen Bandfalldämpfers darf der Anwender die ma-
ximale Systemlänge von 2 m nicht überschreiten. Ansonsten wäre die auftre-
tende Kraft zu groß und könnte zu schweren körperlichen Schäden führen.

 Die meisten Hersteller haben ihre Falldämpfer für ein maximales Gewicht
des Nutzers von 100 kg ausgelegt. Ein Anwender, der mit seinem Körper-
gewicht und seiner Ausrüstung diesen Wert übersteigt, muss vor dem Ein-
satz des Falldämpfers prüfen, ob der Hersteller das Produkt für diesen Wert
freigibt.

Anhang II – Beispielhafte Darstellungen von Auffangsystemen und PSAgA


(zu Abschnitten 7.5 und 8.2.1)

Die beispielhaften Darstellungen dienen der Veranschaulichung. Sie sind sche-


matisch und nicht als „geprüfte Varianten“ zu verstehen. Der Einbau von Life-
line-Systemen ist im Einzelfall den örtlichen Gegebenheiten und den Systemvo-
raussetzungen anzupassen.

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SQO2-04/2019-001

Stand 04/2019

Dauerhaft installierte Traverse – fest eingebauter Laufsteg:

Dauerhaft installierte Traverse – fest eingebaute Lifeline:

Mobil geflogene Traverse mit bauartgeprüfter Halterung für mobile Lifeline:

Mobil geflogene Traverse mit mobiler Lifeline, gespannt von den Enden der Traverse
durch Ösen an den Elektrokettenzügen:

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Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

LEGENDE
Einige erklärende Hinweise zur Struktur der Standards:

SQ Standard der Qualität/Standard of Quality


O Organisation
P Praxis/Arbeitsverfahren
Q Qualifikation
1, 2, 3, ... fortlaufende Nummerierung

O Organisation/Dokumentation
Aufbau- und Ablauforganisation in Unternehmen/Dokumentation
und Zertifizierung von Prozessen

P Praxis/Arbeitsverfahren
Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln

Q Qualifikation
Qualifikation von Fachkräften und Sachkundigen

Notizen

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Stand 04/2019

Notizen

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Interessengemeinschaft
Veranstaltungswirtschaft

Notizen

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RIGGING igvw SQO2
Stand 10/2018

HIGH FIVE
Think:
Sorgfältige Vorbereitung statt husch-husch

Check:
Rettung planen statt verdrängen

Reflect:
Wirklich können statt nur wollen

Watch:
Miteinander statt übereinander

Lock:
PSA statt oben ohne

Safety first! Worauf muss man beim Rigging immer achten?


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