Functional Analysis 1
Functional Analysis 1
Julian Valentin
Inhaltsverzeichnis
1 Skalarprodukte, Normen und Metriken 3
1.1 Skalarprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.2 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.3 Beispiele für normierte Räume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1.4 Metriken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5 Orthogonale Projektionen 15
5.1 Der Projektionssatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
5.2 Orthonormalsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
5.3 Der Rieszsche Darstellungssatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
8 Der Satz von H AHN-B ANACH und die Hauptsätze der B ANACHraumtheorie 29
8.1 Der Satz von Hahn-Banach, Projektions- und Trennungssatz . . . . . . . . . . 29
8.2 Bairescher Kategoriensatz und der Satz von Banach-Steinhaus . . . . . . . 30
8.3 Projektionen in Banachräumen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Inhaltsverzeichnis –2–
Funktionalanalysis 1
1.1 Skalarprodukte
P∞
(d) V := x ∈ CN 〈x, x〉 < ∞ , 〈x, y〉 := i=1 x i yi
b
(e) V := C ([a, b], R) mit a < b reell, 〈x, y〉 := a
x(t) y(t) dt
b
(f) V := C ([a, b], C) mit a < b reell, 〈x, y〉 := a
x(t) y(t) dt
Satz (Cauchy-Schwarzsche Ungleichung): Seien X ein Skalarproduktraum und x, y ∈ X .
Dann gilt | 〈x, y〉 | ≤ 〈x, x〉· 〈 y, y〉. Gleichheit gilt genau dann, wenn x und y linear abhängig
p p
sind.
1.2 Normen
Satz (induzierte Norm): In jedem Skalarproduktraum X lässt sich durch kxk := 〈x, x〉 eine
p
Norm einführen. Man nennt sie die durch das Skalarprodukt induzierte Norm.
Satz (Parallelogrammgleichung): Seien (X , 〈·, ·〉) ein Skalarproduktraum und k·k die durch 〈·, ·〉
induzierte Norm. Dann gilt ∀ x, y∈X kx + yk2 + kx − yk2 = 2(kxk2 + k yk2 ).
Bemerkung: Nach dem Satz über die induzierte Norm ist jeder Skalarproduktraum auch ein
normierter Raum. Allerdings wird nicht jede Norm von einem Skalarprodukt induziert: Sei
X := R2 mit Norm kxk := maxk=1,2 |x k | für x ∈ X . Für x := (1, 2) T und y := (2, 0) T gilt kxk =
k yk = 2, kx + yk = 3 und kx − yk = 2, also kx + yk2 +kx − yk2 = 13 6= 16 = 2(kxk2 +k yk2 ). Die
Parallelogrammgleichung ist nicht erfüllt, somit kann die Norm nicht von einem Skalarprodukt
induziert werden.
Satz (Bedingung für Induktion von Normen durch Skalarprodukte): Genau diejenigen
normierten Räume X , in denen die Parallelogrammgleichung gilt, sind Skalarprodukträume,
d. h. genau in diesen Räumen gibt es ein Skalarprodukt, welches die Norm induziert.
In diesem Fall lässt sich für K = R durch 〈x, y〉 := 14 (kx + yk2 − kx − yk2 ) und für K = C
durch 〈x, y〉 := 14 (kx + yk2 − kx − yk2 + i · (kx + i yk2 − kx − i yk2 )) (Polarisationsformeln) ein
Skalarprodukt auf X erklären, das die Norm induziert.
Bemerkung: Mithilfe von reellen Skalarprodukten kann man einen Winkelbegriff einführen,
|〈x, y〉|
denn es gilt kxk·k yk ≤ 1 für x, y 6= 0 aufgrund der Cauchy-Schwarz-Ungleichung.
Winkel: Seien X ein reeller Skalarproduktraum und x, y ∈ X \ {0}.
〈x, y〉
Dann heißt α ∈ [0, π] mit cos(α) = kxk·k yk der Winkel zwischen x und y .
orthogonal: Sei X ein Skalarproduktraum.
(1) x, y ∈ X heißen orthogonal zueinander ( x⊥ y ), falls 〈x, y〉 = 0.
(2) X 1 , X 2 ⊂ X mit X 1 , X 2 6= ; heißen orthogonal zueinander (X 1 ⊥X 2 ), falls
∀ x∈X 1 ∀ y∈X 2 x⊥ y .
Satz (Pythagoras): Seien X ein Skalarproduktraum und x, y ∈ X mit x⊥ y .
Dann gilt kx + yk2 = kxk2 + k yk2 .
Beispiel: Funktionenräume
Seien M , K, Ω ⊂ Rn nicht-leer mit K kompakt und Ω offen. Die Räume sind auch definiert, falls
K weggelassen wird, in diesem Fall gilt K = R.
(a) B(M , K) := { f : M → K | k f k∞ < ∞}, k f k∞ := sup x∈M | f (x)|,
Raum der beschränkten Funktionen auf M
(b) C 0 (K, K) := { f : K → K | f stetig}, k f kC 0 := sup x∈K | f (x)|,
Raum der stetigen Funktionen auf K
(c) C b0 (Ω, K) := { f : Ω → K | f stetig, k f kC0 < ∞}, k f kC 0 := sup x∈Ω | f (x)|,
Raum der stetigen, beschränkten Funktionen auf Ω
(d) Cc0 (Ω, K) := { f ∈ C b0 (Ω, K) | supp f ⊂ Ω kompakt}, k·kC 0 ,
Raum der stetigen, beschränkten Funktionen mit kompaktem Träger in Ω
0
(e) Cunif (Ω, K) := BUC(Ω, K) := { f ∈ C b0 (Ω, K) | f gleichmäßig stetig auf Ω}, k·kC 0 ,
Raum der gleichmäßig stetigen, beschränkten Funktionen auf Ω
(f) C 0,α (Ω, K) := { f ∈ C b0 (Ω, K) | k f kC 0,α < ∞}, α ∈ (0, 1], k f kC 0,α := k f kC 0 + [ f ]C 0,α ,
| f (x)− f ( y)|
[ f ]C 0,α := sup x, y∈Ω, x6= y kx− ykα , Raum der Hölder-stetigen Funktionen auf Ω,
für α = 1 ist C 0,1 (Ω, K) =: Lip(Ω, K) der Raum der Lipschitz-stetigen Funktionen auf Ω
◦
(g) C m (K, K) := { f : K → K | ∂ xj f stetig auf K = int(K), stetig fortsetzb. auf K, | j| ≤ m},
k f kC m := | j|≤m ∂ xj f C 0 , Raum der m-fach stetig differenzierbaren Funktionen auf K
P
Raum der m-fach stetig diffb., in den m-ten Ableitungen Hölder-stetigen [Link] auf Ω
Halbnorm: Sei X ein K-Vektorraum. Eine Abbildung [·]: X → R heißt Halbnorm, falls sie
alle Norm-Eigenschaften außer die Definitheit ([x] = 0 ⇐⇒ x = 0) erfüllt.
X zusammen mit [·] heißt halbnormierter Raum.
Satz (Faktorisierung von halbnormierten Räumen): Sei (X , [·]) ein halbnormierter Raum.
(1) Kern([·]) := {x ∈ X | [x] = 0} ist ein Unterraum von X .
(2) X /Kern([·]) mit der kanonischen Quotientenvektorraum-Struktur und der Norm
kx + Kern([·])k := [x] ist ein normierter Raum.
Bemerkung: Dabei ist X /Kern([·]) := {b
x | x ∈ X } mit b
x := x + Kern([·]) = { y ∈ X | x ∼ y},
wobei die Äquivalenzrelation ∼ durch x ∼ y ⇐⇒ x − y ∈ Kern([·]) definiert ist. Dadurch
wird X /Kern([·]) mit den Operationen b
x+b x + y und αb
y := × x := α
Ó x zu einem Vektorraum mit
Nullelement Kern([·]).
p p p
LK (Ω)-, LK (Ω)-, `K -Räume: Sei (Ω, Σ, λ) ein Maßraum, also Σ eine σ-Algebra über Ω und λ
p
ein Maß über (Ω, Σ). Definiere LK (Ω) := { f : Ω → K | f ist (Σ, λ)-messbar, [ f ] L p < ∞}, wobei
1/p
für 1 ≤ p < ∞ und [ f ] L ∞ := infB∈Σ, λ(B)=0 sup x∈Ω\B | f (x)|.
[ f ] L p := Ω | f | p dλ
p
Dadurch wird (LK (Ω), [·] L p ) zum halbnormierten Raum.
p p
Gemäß obigem Satz ist LK (Ω) := LK (Ω)/Kern([·] L p ) mit k f k L p := [ f ] L p ein normierter Raum,
p
wobei Kern([·] L p ) = { f ∈ LK (Ω) | f = 0 λ-f.ü.}.
Für Ω = N, Σ = P(N) und λ gleich dem Zählmaß (oder Diracmaß), definiert durch λ(B) := |B|
für B ⊂ N, definiert man `K := LK (N) ∼
p p p
= LK (N).
p p p
Außerdem legt man fest, dass K = R ist, wenn K bei LK (Ω), LK (Ω) oder `K weggelassen wird.
konjugierte Zahl: Sei p ∈ [1, ∞].
Dann heißt p0 ∈ [1, ∞] mit 1p + p10 = 1 die zu p konjugierte Zahl (wobei 1
∞ := 0).
0
Lemma (Youngsche Ungleichung): Seien a, b ≥ 0 und p ∈ (1, ∞). Dann ist ab ≤ 1p a p + 1
p0 bp .
0
Satz (Höldersche Ungleichung): Seien p ∈ [1, ∞], f ∈ L p (Ω) und g ∈ L p (Ω).
Dann ist f g ∈ L 1 (Ω) und k f gk L 1 ≤ k f k L p kgk L p0 .
Satz (Minkowskische Ungleichung): Seien p ∈ [1, ∞] und f , g ∈ L p (Ω).
Dann ist f + g ∈ L p (Ω) und k f + gk L p ≤ k f k L p + kgk L p .
Bemerkung: Für λ(Ω) < ∞ (d. h. λ ist ein endliches Maß) und p, q ∈ [1, ∞] mit p < q gilt
L q (Ω) ⊂ L p (Ω), genauer ∃C>0 ∀ f ∈L q (Ω) k f k L p ≤ C k f k L q .
1.4 Metriken
2.2 Konvergenz
Konvergenz: Eine Folge (x n )n∈N in einem metrischen Raum (X , d) heißt konvergent gegen
n→∞
den Grenzwert x ∈ X für n → ∞ ( x n −−−→ x , limn→∞ x n = x ), falls limn→∞ d(x n , x) = 0, also
∀">0 ∃n" ∈N ∀n≥n" d(x n , x) < " .
Bemerkung: Der Grenzwert einer Folge (x n )n∈N ist eindeutig bestimmt, wenn er existiert. Sind
nämlich x und y Grenzwerte der Folge, dann gilt
n→∞
0 ≤ d(x, y) ≤ d(x, x n ) + d(x n , y) = d(x n , x) + d(x n , y) −−−→ 0, also d(x, y) = 0 und x = y .
Satz (Linearität des Grenzwerts): Seien (X , k·k) ein normierter Raum, (x n )n∈N und ( yn )n∈N Fol-
n→∞ n→∞ n→∞
gen in X sowie (αn )n∈N eine Folge in K, wobei x n −−−→ x , yn −−−→ y und αn −−−→ α.
n→∞
Dann gilt αn x n + yn −−−→ αx + y .
Satz (Abschluss ist Menge aller Grenzwerte): Seien (X , d) ein metrischer Raum und M ⊂ X .
n→∞
Dann gilt M = {x ∈ X | ∃(x n )n∈N Folge in M x n −−−→ x}.
Beispiel:
n→∞
(a) Sei
qP(X , d) = (Rm , k·k2 ). Dann gilt x n −−−→ x genau dann, wenn
m n→∞ n→∞
i=1
((x n )i − (x)i )2 −−−→ 0. Dies ist äquivalent zu ∀i=1,...,m (x n )i −−−→ (x)i .
(b) Sei (X , d) = (C 0 ([0, 1]), d) mit d(x, y) = max t∈[0,1] |x(t) − y(t)|.
n→∞ n→∞
Dann gilt x n −−−→ x genau dann, wenn max t∈[0,1] |x n (t) − x(t)| −−−→ 0
⇐⇒ ∀">0 ∃n" ∈N ∀n≥n" max t∈[0,1] |x n (t) − x(t)| < "
⇐⇒ ∀">0 ∃n" ∈N ∀n≥n" ∀ t∈[0,1] |x n (t) − x(t)| < " ( x n konvergiert gleichmäßig gegen x ).
1 1/p
(c) Sei (X , d) = (C 0 ([0, 1]), d) mit d(x, y) = 0 |x(t) − y(t)| p dt für p ∈ [1, ∞).
n→∞
1
1/p n→∞
Dann gilt x n −−−→ x genau dann, wenn 0 |x n (t) − x(t)| p dt −−−→ 0
1
⇐⇒ ∀">0 ∃n" ∈N ∀n≥n" 0
|x n (t) − x(t)| p dt < " ( x n konvergiert im p-ten Mittel gegen x ).
2.3 Stetigkeit
Bemerkung:
Im Folgenden sind (X , dX ) und (Y, dY ) metrische Räume und T : X → Y eine Abbildung.
stetig in einem Punkt: T heißt stetig in x 0 ∈ X , falls
∀">0 ∃δ=δ(x 0 ,")>0 ∀ x∈X , dX (x,x 0 )<δ dY (T (x), T (x 0 )) < " .
stetig: T heißt stetig (in X ), falls T in jedem Punkt x 0 ∈ X stetig ist.
Homöomorphismus:
T heißt Homöomorphismus, falls T bijektiv ist sowie T und T −1 stetig sind.
Isomorphismus:
T heißt Isomorphismus, falls T bijektiv und linear ist sowie T und T −1 stetig sind.
Isometrie:
T heißt Isometrie, falls T bijektiv und stetig ist und ∀ x 1 ,x 2 ∈X dY (T (x 1 ), T (x 2 )) = dX (x 1 , x 2 ).
Bemerkung: Isometrien werden oft ohne Voraussetzung der Bijektivität definiert. Bijektive
Isometrien heißen in diesem Fall isometrische Isomorphismen.
Cauchy-Folge: Eine Folge (x n )n∈N in einem metrischen Raum (X , d) heißt Cauchy-Folge, falls
∀">0 ∃n" ∈N ∀n,m≥n" d(x n , x m ) < " .
Lemma (konvergente Folgen sind Cauchy-Folgen):
Jede konvergente Folge in einem metrischen Raum ist eine Cauchy-Folge.
vollständig: Ein metrischer Raum (X , d) heißt vollständig, falls jede Cauchy-Folge (x n )n∈N
in X gegen einen Punkt x ∈ X konvergiert.
Fréchet-, Banach-, Hilbertraum: Ein vollständiger metrischer Raum, normierter Raum
oder Skalarproduktraum heißt Fréchet-, Banach- bzw. Hilbertraum.
Beispiel:
(a) (R, | · |) und (C, | · |) sind Banachräume.
(b) (Q, d) mit d(x, y) = |x − y| ist nicht vollständig.
p Wählt man z. B. die Folge (x n )n∈N in Q mit
x n gleich der
p Dezimaldarstellung von 2 bis zur n-ten Nachkommastelle, so konvergiert
zwar x n → 2 in R. Die Folge hat aber keinen Grenzwert in Q (obwohl sie eine Cauchy-
Folge ist).
äquivalent: Zwei Normen k·ka und k·k b auf X heißen äquivalent, falls jede Folge, die bzgl.
k·ka konvergiert, auch bzgl. k·k b konvergiert und umgekehrt.
Äquivalent ist ∃c1 ,c2 >0 ∀ x∈X c1 kxk b ≤ kxka ≤ c2 kxk b .
Satz (äquivalente Normen in endlich-dimensionalen Räumen):
In einem endlich-dimensionalen K-Vektorraum X sind alle Normen äquivalent.
Folgerung: Jeder endlich-dimensionale normierte Raum ist ein Banachraum.
Bemerkung: Jeder endlich-dimensionale Unterraum U eines normierten Raums X ist abge-
schlossen. Ist nämlich (x n )n∈N eine Folge in U und x ∈ X mit x = limn→∞ x n , dann ist (x n )n∈N
eine Cauchy-Folge in U . Weil U vollständig ist, existiert ein Grenzwert in U , d. h. auch in X .
Wegen der Eindeutigkeit von Grenzwerten muss dieser mit x übereinstimmen, also x ∈ U .
Bemerkung: Die Ccm -Räume sind nicht vollständig, da es Folgen gibt, bei denen der Träger
immer breiter wird (die Grenzfunktion hätte keinen kompakten Träger mehr).
p p
Satz (`K vollständig): Die Räume (`K , k·k p ) mit p ∈ [1, ∞] sind vollständig, insbesondere
handelt es sich bei p = 2 um einen Hilbertraum.
Satz (Vervollständigung): Jeder normierte Raum (X , k·k) ist isometrisch isomorph zu einem
normierten Raum (X ∗ , k·k∗ ) (d. h. es gibt einen Isomorphismus T : X → X ∗ , der gleichzeitig
eine Isometrie ist), wobei (X ∗ , k·k∗ ) ein dichter Unterraum eines Banachraums (Xe , k·kXe ) und
bis auf isometrische Isomorphie eindeutig bestimmt ist. (Xe , k·kXe ) heißt Vervollständigung von
(X , k·kX ).
Satz (Ccm dicht in L p ): Für m ∈ N0 ∪ {∞} und p ∈ [1, ∞) ist Ccm (Ω) dicht in (L p (Ω), k·k L p ).
(L p (Ω), k·k L p ) kann somit mit der Vervollständigung von Ccm (Ω) bzgl. der k·k L p -Norm identifi-
ziert werden.
2.5 Kompaktheit
(3) (K, d) ist vollständig und präkompakt, d. h. ∀">0 ∃H⊂X endlich K ⊂ x∈H B" (x).
S
Bemerkung: K ⊂ X ist kompakt ⇐⇒ ∀(x n )n∈N Folge inK ∃(x n ) Teilfolge ∃ x∈X x = limk→∞ x nk .
k k∈N
(V f )(t) := a f (s) ds linear und stetig, denn kV f kC 0 ≤ (b − a) k f kC 0 . V ist auch stetig als
Abbildung von (C 0 ([a, b]), k·kC 0 ) nach (C 1 ([a, b]), k·kC 1 ).
Raum der linearen, stetigen Abbildungen: Seien (E, k·k E ) und (F, k·k F ) normierte Räu-
me. Dann heißt Lin(E, F ) := {T : E → F | T linear und stetig} der Raum der linearen, stetigen
Abbildungen von E nach F . Man schreibt Lin(E) := Lin(E, E).
Satz (Operatornorm): Für T ∈ Lin(E, F ) sei
kT xk
kT k := sup x∈BE kT xk F = sup x∈int(BE ) kT xk F = sup x∈∂ BE kT xk F = sup x∈E\{0} kxkEF .
Dann ist k·k eine Norm auf Lin(E, F ), die sog. Operatornorm. Ist F vollständig, dann ist auch
(Lin(E, F ), k·k) vollständig. Insbesondere ist der Dualraum E 0 vollständig.
Bemerkung: Das Supremum der Operatornorm muss auf dem Rand angenommen werden,
kT xk
denn würde es in x ∈ E mit kxk E < 1 angenommen, dann wäre kT x 0 k F = kxkEF > kT xk F mit
x
x 0 := kxk E
∈ ∂ B E , d. h. wegen der Stetigkeit von T gäbe es einen Punkt im Inneren von B E , bei
dem das Supremum überschritten wäre (zumindest, wenn kT xk F > 0 – falls das Supremum
verschwindet, ist der Operator gleich dem Nulloperator).
Beispiel: Seiψ ∈ C 0 ([0, 1]2 ). Dann ist T : (C 0 ([0, 1]), k·kC 0 ) → (C 0 ([0, 1]), k·k
1 C0
), f 7→ T f mit
1
(T f )(x) := 0 ψ(x, y) f ( y) d y linear und stetig und es gilt kT k = sup x∈[0,1] 0 |ψ(x, y)| d y .
3.3 Operatornormen in Rn
Satz (Operatornormen in Rn ):
(1) Seien E := (Rn , k·k∞ ) und A ∈ Lin(E) beschrieben durch die n × n-Matrix (ai j )i, j=1,...,n .
Dann kann die zugehörige
Pn Operatornorm berechnet werden durch
kAk = maxi=1,...,n j=1 |ai j |, sie heißt Zeilensummennorm kAk∞ .
(2) Seien E := (Rn , k·k1 ) und A ∈ Lin(E) beschrieben durch die n× n-Matrix (ai j )i, j=1,...,n . Dann
kann die zugehörigePn Operatornorm berechnet werden durch
kAk = max j=1,...,n i=1 |ai j |, sie heißt Spaltensummennorm kAk1 .
(3) Seien E := (Rn , k·k2 ) und A ∈ Lin(E) beschrieben durch die n × n-Matrix (ai j )i, j=1,...,n .
Dann ist die zugehörige Operatornorm gleich der Wurzel des größten Eigenwerts der
symmetrischen, positiv definiten Matrix AT A, sie heißt Spektralnorm kAk2 .
Riemann-Summe: Seien (X , k·kX ) ein Banachraum, a < b und f : [a, b] → X eine Abbildung.
Seien außerdem P = {x 0 , . . . , x n } mit a = x 0 < · · · < x n = b eine Partition des Intervalls
[a, b] und ξP= (ξ1 , . . . , ξn ) Stützstellen mit ξk ∈ [x k−1 , x k ] für alle k = 1, . . . , n. Dann heißt
n
S( f , P, ξ) := k=1 (x k − x k−1 ) f (ξk ) Riemann-Summe von f zur Partition P mit Stützstellen ξ.
Riemann-integrierbar: f heißt Riemann-integrierbar, falls der Grenzwert
limn→∞ S( f , P(n), ξ(n)) für alle Folgen (P(n), ξ(n))n∈N von Partitionen P(n) und Stützstellen
ξ(n), die limn→∞ |P(n)| = 0 erfüllen, existiert und unabhängig von den Folgen ist (dabei ist
b
|P| := maxk=1,...,n (x k − x k−1 ) die Feinheit der Partition P ). In diesem Fall nennt man a f (x) dx :=
lim|P|→0 S( f , P, ξ) Riemann-Integral von f von a bis b.
Bemerkung: Mithilfe dieses Integralbegriffs lassen sich zentrale Sätze aus der reellen Integral-
rechnung auf den Fall von Banachräumen verallgemeinern, z. B. gilt: Jede stetige Funktion
f : [a, b] → X ist Riemann-integrierbar. Außerdem kann man den lokalen Existenz- und Ein-
deutigkeitssatz von Picard-Lindelöf auf den Fall von gewöhnlichen Differentialgleichungen mit
Werten in Banachräumen verallgemeinern.
5 Orthogonale Projektionen
5 Orthogonale Projektionen – 15 –
Funktionalanalysis 1
5.2 Orthonormalsysteme
x auf E I := [{ei | i ∈ I}] und es gilt ∀ x∈E kxk2 = i∈I | 〈x, ei 〉 |2 + kx − PI (x)k2 .
Außerdem sind die (ei )i∈I linear unabhängig.
Lemma (Besselsche Ungleichung): Sei (ei )i∈I ein beliebiges ONS in E .
Dann gilt ∀ x∈E i∈I | 〈x, ei 〉 |2 ≤ kxk2 .
P
Satz (Äquivalenzen für abzählbare ONS): Für jedes höchstens abzählbare ONS (ei )i∈I ( I ⊂ N)
in einem Skalarproduktraum (E, 〈·, ·〉) sind äquivalent:
(1) [{ei | i ∈ I}] ist dicht in E .
(2) ∀ x∈E x = i∈I 〈x, ei 〉 ei
P
Ist E ein Hilbertraum, dann ist zusätzlich jede dieser Aussagen äquivalent zu
(4) (ei )i∈I maximal, d. h. es gibt kein y ∈ E \ {0} mit ∀i∈I 〈 y, ei 〉 = 0.
Bemerkung: Wenn die Parsevalsche Gleichung oder eine der äquivalenten Aussagen gilt, so
spricht man auch oft von einer Orthonormalbasis (ONB) (ei )i∈I (i. A. aber keine Vektorraum-
2
Basis) oder einem vollständigen ONS. In diesem Fall gilt i∈I αi ei = i∈I |αi |2 für jede Folge
P P
(αi )i∈I in K, wie man sich leicht herleiten kann (Verallgemeinerung des Satzes von Pythagoras).
separabel: Sei (M , d) ein metrischer Raum. Eine Teilmenge T ⊂ M heißt separabel, falls es
eine höchstens abzählbare Teilmenge A ⊂ M gibt, die dicht in T ist.
Satz (Äquivalenz für separable Hilberträume): Sei H ein Hilbertraum. Dann sind äquivalent:
(1) H ist separabel.
(2) H besitzt ein maximales, höchstens abzählbares ONS.
Beispiel:
(a) Sei H := L 2 ([0, 2π], R). Dann ist { p12π , g1 , h1 , g2 , h2 , . . . } mit g n (x) := p1π cos(nx),
hn (x) := p1π sin(nx) eine abzählbare ONB. Es gilt für alle f ∈ H , dass
1
2π 1
P∞ 2π
f (x) = 2π f (t) dt + π f (t) cos(nt) dt cos(nx) +
∞
02π n=1
0
+ π1 n=1 0 f (t) sin(nt) dt sin(nx), wobei diese Reihen bzgl. der L 2 -Norm konvergie-
P
ren.
(b) Sei H := L 2 ([0, 2π], C). Dann ist ( f n )n∈Z mit f n (x) := p12π einx eine abzählbare ONB. Es
P+∞ 2π
gilt für alle f ∈ H , dass f (x) = 2π
1
n=−∞ 0
f (t)e −int
dt einx , wobei diese Reihe bzgl.
der L 2 -Norm konvergiert.
5 Orthogonale Projektionen – 16 –
Funktionalanalysis 1
5 Orthogonale Projektionen – 17 –
Funktionalanalysis 1
Bemerkung: Die Lösung (falls existent) lässt sich wie folgt charakterisieren.
Satz (Charakterisierung der Lösung des Minimumproblems): Für u ∈ A g sind äquivalent:
(1) E(u) = minw∈A g E(w)
(2) ∀ϕ∈Cc∞ (Ω) Ω (∇u∇ϕ − f ϕ) dx = 0
(3) −∆u = f in Ω, u = g auf ∂ Ω
Lemma (Fundamentallemma
der Variationsrechnung): Sei f ∈ C 0 (Ω).
Dann gilt ∀ϕ∈Cc∞ (Ω) Ω f ϕ dx = 0 genau dann, wenn f ≡ 0.
Lemma (Greensche
Formel): Für alle u, w ∈ C 2 (Ω) gilt
∂u ∂u
Ω ∇u∇w dx = − Ω (∆u)w dx + ∂ Ω ∂ ν wdo , wobei ∂ ν die Ableitung von u in Richtung des äuße-
ren Einheitsnormalenvektors ist.
Bemerkung: „(1) ⇒ (2)“ kann man wie folgt beweisen: Für ϕ ∈ Cc∞ (Ω) und h > 0 gilt
E(u) ≤ E(u ± hϕ) = Ω ( 12 |∇(u ± hϕ)|2 − f (u ± hϕ)) dx
2 2
= Ω ( 12 |∇u|2 + h2 |∇ϕ|2 ± h∇u∇ϕ − f u ∓ h f ϕ) dx = E(u) ± h Ω (∇u∇ϕ − f ϕ) dx + h2 Ω |∇ϕ|2 dx ,
also 0 ≤ ± Ω (∇u∇ϕ − f ϕ) dx + 2 Ω |∇ϕ| dx . Für h → 0 fällt der zweite Summand weg und
h 2
Bemerkung: Notwendige Bedingung für die Existenz einer Lösung von (3) (Poisson-Gleichung
mit inhomogenen Dirichlet-Randbedingungen) ist die Existenz einer Funktion u g ∈ A g (d. h.
A g = C 1 (Ω) ∩ C 2 (Ω) 6= ;). Existiert eine solche Funktion, dann ist (3) äquivalent zu −∆e
g
u = fe
in Ω, u
e = 0 auf ∂ Ω mit u
e := u − u g , fe := f + ∆u g . Daher genügt es, wenn im Folgenden nur
homogene Dirichlet-Randbedingungen (also g ≡ 0) betrachtet werden. (Achtung: C g1 = C01
darf nicht mit Cc1 verwechselt werden!)
Bemerkung: Da E auf A0 nach unten beschränkt ist, existiert eine Minimalfolge (un )n∈N in
A0 . Weil A0 konvex ist, kann man wie im Beweis des Projektionssatzes mithilfe der Parallelo-
grammgleichung zeigen, dass (∂ x i un )n∈N für alle i = 1, . . . , n eine Cauchy-Folge bzgl. k·k L 2 ist.
Aufgrund der Poincaré-Ungleichung folgt, dass auch (un )n∈N eine Cauchy-Folge bzgl. k·k L 2 ist.
((un )n∈N ist auch eine Cauchy-Folge bzgl. der Norm k·kH 1 mit k f kH 1 := k f k L 2 +k∇ f k L 2 sowie bzgl.
der (in diesem Fall zur H1 -Norm äquivalenten) Norm k·kH01 mit k f kH01 := k∇ f k L 2 . Allerdings ist
A0 bzgl. dieser Normen nicht vollständig.)
k·k L 2 k·k L 2
L 2 ist vollständig, daher existieren u ∈ L 2 mit un −−→ u und „∂ x i u“ mit ∂ x i un −−→ ∂ x i u. „∂ x i u“
ist aber nur eine Schreibweise, i. A. besitzt u keine partiellen Ableitungen.
Zwischen
u und
den Funktionen „∂ x i u“ besteht folgende Beziehung: ∀ϕ∈Cc∞ (Ω) Ω (∂ x i u)ϕ dx = − Ω u∂ x i ϕ dx
(weil Ω (∂ x i u)ϕ dx = limn→∞ Ω (∂ x i un )ϕ dx = − limn→∞ Ω un (∂ x i ϕ) dx = − Ω u∂ x i ϕ dx ). Dies
motiviert die Definition der Sobolevräume.
auch H m (Ω) := W m,2 (Ω) bzw. k·kH m (Ω) := k·kW m,2 (Ω) .
schwache Ableitung: Die Funktionen f (s) für |s| ≥ 1 heißen schwache Ableitungen von f
und werden mit ∂ xs f := f (s) bezeichnet.
P p
1/p
Bemerkung: Eine alternative Definition der Norm lautet k f k0W m,p (Ω) := |s|≤m ∂ s
x
f L p (Ω)
(bzw. für p = ∞ das Maximum k f k0W m,∞ (Ω) := max|s|≤m ∂ xs f L ∞ (Ω)
). Allerdings kann man
zeigen, dass k·kW m,p (Ω) und k·k0W m,p (Ω) äquivalent sind.
m,p k·kW m,p (Ω)
Sobolevraum mit Nullrandwerten: Der Raum W0 (Ω) := Cc∞ (Ω) für
p ∈ [1, ∞) heißt Sobolevraum mit (verallgemeinerten) Nullrandwerten der Ordnung m mit
Exponent p. Für p = 2 schreibt man auch H0m (Ω) := W0m,2 (Ω).
1,p
Bemerkung: Für m = 1 gilt WP 0 (Ω) = { f ∈ W
1,p
(Ω) | f |∂ Ω =0}.
Für p = 2 ist 〈 f , g〉H m (Ω) := |s|≤m ∂ x f , ∂ x g L 2 (Ω) = |s|≤m Ω (∂ xs f )(∂ xs g) dx ein Skalarprodukt
s s
P
Pn
auf H m (Ω). Für m = 1 und p = 2 ist 〈 f , g〉H01 (Ω) := 〈∇ f , ∇g〉 L 2 (Ω) := i=1 Ω (∂ xei f )(∂ xei g) dx mit
ei := (0, . . . , 0, 1, 0, . . . , 0) ∈ N0n ein Skalarprodukt auf H01 (Ω).
Es gilt 〈 f , g〉H 1 (Ω) = 〈 f , g〉 L 2 (Ω) + 〈∇ f , ∇g〉 L 2 (Ω) .
Satz (Charakterisierung der Lösung des Minimumproblems): Sei u ∈ A . Dann sind äquiva-
lent:
(1) E g (u) = minw∈A E g (w)
(2) ∀ϕ∈C ∞ (Ω) Ω (∇u∇ϕ − f ϕ) dx − ∂Ω gϕdo = 0
∂u
(3) −∆u = f in Ω, ∂ν = g auf ∂ Ω
In diesem Fall gilt notwendigerweise Ω f dx + ∂Ω gdo = 0.
Satz (Poincaré-Ungleichung mit Mittelwert): Sei Ω ⊂ Rn ein beschränktes und konvexes Ge-
biet mit Durchmesser h. Dann gibt es ein C > 0 mit ∀u∈C 1 (Ω) ku − M uk L 2 ≤ Ch k∇uk L 2 , wobei
u dx
M u := Ω der Mittelwert von u auf Ω ist.
Ω 1 dx
Satz (Beschränktheit
nach unten): Seien Ω ⊂ Rn ein beschränktes und konvexes Normalgebiet
und Ω f dx + ∂ Ω g d o = 0. Dann ist E g auf A nach unten beschränkt.
Dann besitzt E0 auf H 1 (Ω) eine eindeutige Minimalstelle u und u ist die eindeutige schwache
∂f
Lösung des Neumann-Problems
für die Poisson-Gleichung −∆u = f in Ω, ∂ ν = 0 auf ∂ Ω, d. h.
es gilt ∀ϕ∈H 1 (Ω) Ω (∇u∇ϕ − f ϕ) dx = 0.
Bemerkung: Wie bei der Poisson-Gleichung führt man den Begriff einer schwachen Lösung
ein. Seien dafür nun ai j ∈ L ∞ (Ω) und (ai j (x))i, j=1,...,n erfülle die Bedingung der gleichmäßigen
Elliptizität fast überall auf Ω, b ∈ L ∞ (Ω) und hi , f ∈ L 2 (Ω). Aus denselben Gründen wie bei
der Poisson-Gleichung genügt es, wenn man nur den Fall g = 0 betrachtet.
schwache Lösung des Dirichlet-Problems: u ∈ H01 (Ω) heißt schwache Lösung des
Dirichlet-Problems, falls ∀ϕ∈H01 (Ω) Ω (∇ϕ(A∇u + h) + ϕ(bu + f )) dx = 0.
schwache Lösung des Neumann-Problems: u ∈ H 1 (Ω) heißt schwache Lösung des
Neumann-Problems, falls ∀ϕ∈H 1 (Ω) Ω (∇ϕ(A∇u + h) + ϕ(bu + f )) dx = 0.
Bemerkung: Zusätzlich sei vorausgesetzt, dass b ≥ 0 für das Dirichlet-Problem und b ≥ b0 > 0
für das Neumann-Problem gilt. Dann gilt folgender Satz.
Satz (eindeutige Lösung von elliptischen DGL): Unter obigen Voraussetzungen existiert genau
eine schwache Lösung des Dirichlet- bzw. des Neumann-Problems.
Bemerkung: Unter zusätzlichen Regularitätsannahmen an die Daten ai j , hi , b, f und ∂ Ω kann
man zeigen, dass die schwache Lösung so regulär ist, dass sie auch eine klassische Lösung
ist. Beispielsweise folgt aus ai j ∈ C m,1 (Ω), hi ∈ H m+1 (Ω), f ∈ H m (Ω) und ∂ Ω lokal als Graph
von C m+1,1 -Funktionen darstellbar, dass u ∈ H m+2 (Ω), und damit für hinreichend großes m =
m(n), dass u ∈ C 2 (Ω). Details siehe elliptische Regularitätstheorie ( L 2 -, L p - und C 0,α -Theorie)
mithilfe der Sobolevschen Einbettungssätze (siehe Funktionalanalysis 2).
Satz (Ritz-Galerkin-Approximation): Sei u ∈ H01 (Ω) bzw. u ∈ H 1 (Ω) die schwache Lösung
des Dirichlet- bzw. Neumann-Problems. Für N ∈ N sei X N ein N -dimensionaler Unterraum von
(N )
H01 (Ω) bzw. von H 1 (Ω) mit der Basis {ϕk | k = 1, . . . , N }.
Dann existiert
genau ein uN ∈ X N (Ritz-Galerkin-Approximation), sodass
∀ϕ∈X n Ω (∇ϕ(A∇u + h) + ϕ(buN + f )) dx = 0.
Es gilt uN = k=1 uN ,k ϕk(N ) , wobei sich die Koeffizienten uN ,k ∈ R als eindeutige Lösung des
PN
PN (N ) (N ) (N )
(N ) (N ) (N )
LGS `=1 ak` uN ,` + ck = 0, k = 1, . . . , N mit ck := Ω (∇ϕk h + ϕk f ) dx und ak` :=
(N ) (N ) (N ) (N )
Ω (A∇ϕk ∇ϕ` + bϕk ϕ` ) dx bestimmen lassen.
Bemerkung: Die Nachweis der Struktur des LGS erfolgt durch direktes Nachrechnen. Der Beweis
der eindeutigen Existenz von uN kann man mit Lax-Milgram (angewendet im Hilbertraum X N )
durchführen oder man zeigt, dass die Voraussetzungen an ai j , insbesondere die gleichmäßige
Elliptizitätsbedingung, die Invertierbarkeit der Matrix des LGS implizieren.
Lemma (Céa-Lemma): Es gilt ku − uN kH 1 ≤ C · inf v∈X N ku − vkH 1 , wobei die Konstante C > 0 nur
von den Konstanten im Satz von Lax-Milgram abhängt.
Bemerkung: Das Céa-Lemma ist die zentrale Fehlerabschätzung für Ritz-Galerkin-Approxima-
tionen. Es besagt, dass die Ritz-Galerkin-Approximation bis auf eine multiplikative Konstante
die beste Approximation ist. Weil H 1 separabel ist, können die X N so gewählt werden, dass
N →∞
inf v∈X N ku − vkH 1 −−−→ 0.
Für weitere Fehlerabschätzungen bzgl. numerischer Verfahren, die bei der numerischen Berech-
nung der Ritz-Galerkin-Approximation eingesetzt werden (Interpolation, numerische Integra-
tion, iterative LGS-Löser) siehe Numerik-Veranstaltungen.
7.1 H ILBERTraum-Adjungierte
Beispiel:
(a) Für H1 = H2 = Rn (mit eukl. Skalarprodukt) und T = (ai j )i, j=1,...,n ist T ∗ = (a ji )i, j=1,...,n .
(b) Für H1 = H2 = Cn ist T ∗ = (a ji )i, j=1,...,n .
(c) Für H1 = H2 = `2R und T ((x n )n∈N ) := (an x n )n∈N für eine Folge (an )n∈N , supn∈N |an | < ∞,
ist T ∗ ((x n )n∈N ) = (an x n )n∈N = T ((x n )n∈N ).
(d) Für H1 = H2 = `2C ist T ∗ ((x n )n∈N ) = (an x n )n∈N .
Beispiel: Seien H1 = L 2 (Ω1 , C) und H2 = L 2 (Ω2 , C), wobei Ω1 ⊂ Rn und Ω2 ⊂ Rm messbar seien.
1/2
Außerdem sei K : Ω1 × Ω2 → C messbar mit kKk := Ω1 Ω2 |K(x, y)|2 d y dx < ∞. Sei für
f ∈ L (Ω1 , C) die Abbildung T f : Ω2 → C definiert durch (T f )( y) := Ω1 K(x, y) f (x) dx .
2
Dann ist T ∈ Lin(H1 , H2 ) und kT k ≤ kKk. Außerdem gilt (T ∗ g)(x) = Ω2 K(x, y)g( y) d y , wenn
n = m und Ω1 = Ω2 .
2
Dies sieht man wie folgt: Es gilt kT f k2H2 = Ω2 |(T f )( y)| d y =
2
Ω2 Ω1 K(x, y) f (x) dx d y
2
= Ω2 〈K(·, y), f 〉H1 d y ≤ Ω2 kK(·, y)k2H1
kf k2H1
d y = kKk k f also T f ∈ H2 ,
2
k2H1 ,
T ∈ Lin(H1 , H2 ) und kT k ≤ kKk. Die Adjungierte T erhält man durch direktes Nachrechnen
∗
(wobei man die konjugierte Linearität im zweiten Argument beachten muss). Ersetzt man C
durch R, so ist T ∗ = T .
Operator mit endlichem Rang: Seien E, F Banachräume. Die Menge aller Operatoren mit
endlichem Rang ist definiert durch F (E, F ) := {T ∈ Lin(E, F ) | dim T E < ∞}.
Beispiel:
(a) Für T ∈ F (E, F ) gilt T ∈ K (E, F ), denn T B E ist beschränkt in T E (für alle x ∈ B E gilt
kT xk F ≤ kT k kxk E ≤ kT k) und somit ist T B E beschränkt und abgeschlossen. Damit ist
T B E kompakt in T E (wegen dim T E < ∞) und insbesondere kompakt in F .
(b) Für dim E < ∞ ist dim T E < ∞ für alle T ∈ Lin(E, F ), also gilt
Lin(E, F ) ⊂ F (E, F ) ⊂ K (E, F ) ⊂ Lin(E, F ), d. h. jeder lineare, stetige Operator ist kom-
pakt, wenn E endlich-dimensional ist.
(c) Es gilt F (E, F ) ⊂ K (E, F ), weil K (E, F ) abgeschlossen ist.
Bemerkung: Lange war ungeklärt, ob die Umkehrung auch gilt, d. h. ob F (E, F ) = K (E, F ).
Die Frage war also, ob jeder kompakte Operator durch Operatoren von endlichem Rang appro-
ximiert werden kann. Per Enflo konnte als Erster ein Gegenbeispiel liefern (1973). Allerdings
stimmt die Aussage, wenn F ein Hilbertraum ist.
Lemma (kpkt.e Operatoren als GW von Operatoren mit endl. Rang):
Seien E ein Banachraum und F ein Hilbertraum. Dann gilt F (E, F ) = K (E, F ).
Beispiel: Obiger Integraloperator T ∈ Lin(H1 , H2 ) ist kompakt. Wählt man ein vollständiges
2
ONS (ek )k∈N von H1 , dann gilt nach Parseval kKk2 = Ω2 K(·, y) dy
H1
P ¬ ¶ 2 P
= Ω2 k∈N K(·, y), ek d y = Ω2 k∈N |(Tek )( y)|2 d y = k∈N kTek k2H2 .
P
H1 Pn
Sei Pn die orthogonale Projektion von H1 auf [e1 , . . . , en ], d. h. Pn f := k=1 〈 f , ek 〉H1 ek .
2
Dann gilt k(T − T Pn ) f k2H2 = kT ( f − Pn f )k2H2 = T
P
k>n 〈 f , ek 〉H1 ek H2
2 2
=
P P
k>n 〈 f , ek 〉H1 Tek H2 ≤ k>n 〈 f , ek 〉H1 kTek kH2
2 P
≤ k>n 〈 f , ek 〉H1 · k>n kTek k2H2 wegen der Cauchy-Schwarz-Ungleichung für `2 . Der erste
P
Faktor ist mit Parseval durch k f k2H1 nach oben beschränkt, während der zweite für n → ∞
gegen Null geht (weil k∈N kTek k2H2 = kKk2 < ∞). Damit gilt
P
k(T − T Pn ) f k2H2 ≤ k>n kTek k2H2 k f k2H1 und somit kT − T Pn k2 ≤ k>n kTek k2H2 → 0 für n → ∞.
P P
Bemerkung: Im weiteren Verlauf wird der folgende (nicht-triviale) Satz aus der Banachraum-
Theorie benötigt, der später bewiesen wird.
Satz (Umkehrabbildung stetig): Seien E und F Banachräume und L ∈ Lin(E, F ) bijektiv.
Dann gilt L −1 ∈ Lin(F, E).
Resolvente: Sei λ ∈ %(T ). Dann heißt R(λ, T ) := (λid − T )−1 ∈ Lin(X ) Resolvente von T in λ
und R(·, T ): %(T ) → Lin(X ), λ 7→ R(λ, T ) heißt Resolventenfunktion.
Satz (Resolventenfunktion holomorph): %(T ) ⊂ C ist offen und R(·, T ): %(T ) → Lin(X ) ist
holomorph, d. h. limh→0 R(λ+h,Th)−R(λ,T ) existiert in Lin(X ).
Außerdem gilt ∀λ∈%(T ) kR(λ, T )k−1 ≤ dist(λ, σ(T )).
(4) σ p (T ) ⊂ [− kT k , kT k] ⊂ R
(5) kT k ∈ σ p (T ) oder − kT k ∈ σ p (T )
(6) Ist T positiv semidefinit, dann gilt σ p (T ) ⊂ [0, kT k].
Bemerkung: Dieser Satz ist eine unendlich-dimensionale Verallgemeinerung des Theorems aus
der linearen Algebra, dass jede symmetrische Matrix mithilfe von ONBen aus Eigenvektoren
reell diagonalisierbar ist.
Satz (Spektralsatz für kompakte, normale Operatoren):
Seien H ein C-Hilbertraum und T ∈ Lin(H) \ {0} kompakt und normal.
Dann gelten die Aussagen (1), (2) und (3) aus obigem Satz.
Bemerkung: Anhand des Beweises erkennt man, dass die Aussagen (4) und (6) gelten, wenn
T nur selbstadjungiert (und stetig) ist, aber nicht kompakt.
Bemerkung: Der Rayleigh-Quotient von Eigenvektoren ist gleich dem jeweiligen Eigenwert.
Satz (Eigenwerte kompakter, selbstadjungierter Operatoren):
Seien H ein C-Hilbertraum und T ∈ Lin(H) \ {0} kompakt und selbstadjungiert. Dann gilt:
(1) Wenn λ 6= 0 mit λ := supu∈H\{0} R T (u) = supu∈H, kuk=1 〈Tu, u〉 gilt, dann ist
λ = max(σ p (T ) \ {0}). Das Supremum wird in diesem Fall von allen Eigenvektoren zum
Eigenwert λ angenommen.
(2) Wenn µ 6= 0 mit µ := infu∈H\{0} R T (u) = infu∈H, kuk=1 〈Tu, u〉 gilt, dann ist
µ = min(σ p (T ) \ {0}). Das Infimum wird in diesem Fall von allen Eigenvektoren zum
Eigenwert λ angenommen.
(3) Für supu∈Kern(λid−T )⊥ \{0} R T (u) 6= 0 ist dies der zweitgrößte von 0 verschiedene Eigenwert
usw.
Bemerkung: Für alle von 0 verschiedenen Eigenwerte sind die Lösungen der jeweiligen Eigen-
wert-Gleichungen die Lösungen von Variationsproblemen mit Nebenbedingungen, wobei die
Eigenwerte als Lagrange-Parameter auftreten.
von ∀ϕ∈H01 (Ω) Ω (∇(−∆−1 f )∇ϕ − f ϕ) dx = 0 (schwache Lösung des Dirichlet-Problems für die
Poisson-Gleichung mit homogenen Randbedingungen).
Satz (Eigenschaften von −∆−1 ): −∆−1 : L 2 (Ω) → L 2 (Ω) ist linear, stetig, injektiv, kompakt,
selbstadjungiert und positiv semidefinit.
Satz (Satz von Rellich): Sei Ω ⊂ Rn ein beschränktes und stückweise C 1 -berandetes Gebiet.
Dann ist die Einbettung id : H 1 (Ω) ,→ L 2 (Ω) ein kompakter Operator, d. h. jede in H 1 (Ω) be-
schränkte Folge enthält eine in L 2 (Ω) konvergente Teilfolge.
schwacher Laplace-Operator:
∆ := (∆−1 )−1 : ∆−1 (L 2 (Ω)) → L 2 (Ω) heißt schwacher Laplace-Operator.
Satz (Spektralsatz für den Laplace-Operator):
Sei Ω ⊂ Rn ein beschränktes und stückweise C 1 -berandetes Gebiet. Dann gilt:
(1) σ p (−∆) = {λk | k ∈ N} mit 0 < λ1 ≤ λ2 ≤ · · · , dim(Kern(λk id + ∆)) < ∞ und
limk→∞ λk = ∞
(2) Es gibt eine Folge (ek )k∈N in H01 (Ω), sodass (ek )k∈N ein vollständiges ONS in L 2 (Ω) aus
Eigenvektoren von −∆ ist, d. h. ∀ϕ∈H01 (Ω) 〈ek , ϕ〉H01 = λk 〈ek , ϕ〉 L 2 und
L 2 P∞ P∞
∀u∈L 2 (Ω) u = k=1 〈u, ek 〉 L 2 ek , kuk2L 2 = k=1 | 〈u, ek 〉 L 2 |2 .
2
kuk
H1
(3) Für k ∈ N gilt λk = min kuk2 2
0
u ∈ H01 \ {0}, u ⊥ [e1 , . . . , ek−1 ] .
L
Bemerkung: Sämtliche Aussagen in diesem Abschnitt basieren auf dem Satz von Hahn-Banach,
für dessen Beweis man das Auswahlaxiom benötigt.
Satz (Satz von Hahn-Banach): Sei X ein R-Vektorraum und Y ⊂ X ein Unterraum.
Außerdem seien
(1) p : X → R sublinear, d. h. ∀ x, y∈X p(x + y) ≤ p(x) + p( y) und ∀ x∈X ∀α≥0 p(αx) = αp(x),
(2) f : Y → R linear und
(3) f ≤ p auf Y .
Dann gibt es eine lineare Abbildung F : X → R mit F |Y = f und F ≤ p auf X .
Satz (Satz von Hahn-Banach für lineare Funktionale):
Seien X ein normierter Raum und Y ⊂ X ein Unterraum (mit der Norm von X ). Dann gilt
∀ y 0 ∈Y 0 ∃ x 0 ∈X 0 [x 0 |Y = y 0 , kx 0 kX 0 = k y 0 kY 0 ].
orthogonalen Projektion auf Y die Eigenschaften des obigen Satzes. Es gilt (id − P)x 0 ∈ Y ⊥ ,
weil id − P die orthogonale Projektion auf Y ⊥ ist (daraus folgt x 0 |Y = 0). Außerdem gilt mit
x 0 (P x 0 ) = 0 (wegen P x 0 ∈ Y ), dass x 0 (x 0 ) = x 0 ((id − P)x 0 ) = k(id − P)x 0 k = dist(x 0 , Y ), insbe-
sondere gilt also kx 0 kX 0 ≥ 1. x 0 ∈ X 0 gilt wegen |x 0 (x)| ≤ kxkX , also kx 0 kX 0 ≤ 1.
8 Der Satz von H AHN-B ANACH und die Hauptsätze der B ANACHraumtheorie – 29 –
Funktionalanalysis 1
8 Der Satz von H AHN-B ANACH und die Hauptsätze der B ANACHraumtheorie – 30 –
Funktionalanalysis 1
Satz (Satz vom abgeschlossenen Komplement): Seien X ein Banachraum, Y ⊂ X ein abge-
schlossener Unterraum und Z ⊂ X ein Unterraum mit Y ⊕ Z = X . Dann sind äquivalent:
(1) Es gibt eine stetige Projektion P auf Y mit Z = Kern(P).
(2) Z ist abgeschlossen.
Bemerkung: Ist H ein Hilbertraum und Y ⊂ H ein abgeschlossener Unterraum, dann ist nach
dem Projektionssatz die orthogonale Projektion P auf Y eine stetige Projektion auf Y im Sinne
der obigen Definition und H = Y ⊕ Y ⊥ mit Y ⊥ abgeschlossen. Wegen der Besselschen Unglei-
chung ist kPk ≤ 1, d. h. kPk = 1 oder P = 0.
Satz (Projektionen auf endl.-dim. Unterräume):
Seien X ein normierter Raum, E ⊂ X ein endlich-dimensionaler Unterraum mit Basis
{e1 , . . . , en } und Y ⊂ X ein abgeschlossener Unterraum mit Y ∩ E = {0}. Dann gilt:
(1) ∃e10 ,...,en0 ∈X 0 ∀i, j=1,...,n e0j |Y = 0, e0j (ei ) = δi j
(2) Es gibt eine stetige Projektion P auf E mit Y ⊂ Kern(P).
8 Der Satz von H AHN-B ANACH und die Hauptsätze der B ANACHraumtheorie – 31 –
Funktionalanalysis 1
Folgerung: Seien X ein Banachraum, T ∈ K (X ) und λ ∈ σ(T ) \ {0}. Dann hat die Resolven-
tenfunktion R(·, T ) in λ einen isolierten Pol der Ordnung nλ , d. h. µ 7→ (µ − λ)nλ R(µ, T ) kann
in λ holomorph fortgesetzt werden und der fortgesetzte Wert in λ ist ungleich Null.
U∈T 0 U ∈ T und
S
(2) ∀T 0 ⊂T
(3) ∀U1 ,U2 ∈T U1 ∩ U2 ∈ T .
In diesem Fall heißt T Topologie auf X und die Elemente von T heißen offen.
Bemerkung: Im Folgenden ist (X , T ) ein topologischer Raum und M ⊂ X .
abgeschlossen: M ⊂ X heißt abgeschlossen, falls X \ M offen ist.
Inneres: int(M ) := {x ∈ M | ∃O∈T O ⊂ M , x ∈ O} heißt das Innere von M .
Abschluss: M := X \ int(X \ M ) heißt Abschluss von M .
Rand: ∂ M := M \ int(M ) heißt Rand von M .
dicht: M heißt dicht in X , falls M = X .
Satz (abgeschlossene Mengen): ; und X sind abgeschlossen. Schnitte beliebig vieler und Ver-
einigungen endlicher vieler abgeschlossener Mengen sind abgeschlossen.
Satz (Metrik induziert Topologie): Jeder metrische Raum induziert einen topologischen Raum.
In diesem Fall besitzt jeder Punkt x des topologischen Raums eine abzählbare Umgebungsbasis
V (x). Allerdings ist nicht jeder topologische Raum metrisierbar (d. h. die Topologie wird nicht
von einer Metrik induziert).
feiner/gröber: Seien T1 , T2 Topologien auf X .
Dann heißt T2 stärker/feiner als T1 bzw. T1 schwächer/gröber als T2 , falls T1 $ T2 .
Hausdorff-Raum: Ein topologischer Raum (X , T ) heißt Hausdorff-Raum, falls
∀ x, y∈X , x6= y ∃U∈U (x) ∃V ∈U ( y) U ∩ V = ;.
n→∞
Konvergenz: Eine Folge (x n )n∈N in X konvergiert gegen x ∈ X ( x n −−−→ x ), falls
∀U∈U (x) ∃nU ∈N ∀n≥nU x n ∈ V .
Satz (GWe in Hausdorff-Räumen eindeutig):
Grenzwerte von Folgen in Hausdorff-Räumen sind eindeutig.
folgenabgeschlossen:
A ⊂ X heißt folgenabgeschlossen, falls ∀ x∈X ∀(x n )n∈N Folge in A, x n →x x ∈ A.
Satz (abg. ⇒ folgenabg.): Wenn A ⊂ X abgeschlossen ist,
dann ist A auch folgenabgeschlossen. Die Umkehrung gilt i. A. nicht.
lokalkonvexe Topologie: Seien X ein K-Vektorraum und (pα )α∈I eine Familie von Halbnor-
men auf X ( I Indexmenge). Für x ∈ X definiert man
• U",H (x) := { y ∈ X | ∀α∈H pα (x − y) < "} für " > 0 und H ⊂ I endlich,
• V (x) := {U",H (x) | " > 0, H ⊂ I endlich},
• U (x) := {U ⊂ X | ∃V ∈V (x) V ⊂ U} und
• T := {O ⊂ X | ∀ x∈O ∃V ∈V (x) V ⊂ O}.
Man kann zeigen, dass (X , T ) ein topologischer Raum ist, wobei U (x) der Umgebungsfilter
und V (x) eine Umgebungsbasis von x ∈ X ist. T heißt die von (pα )α∈I induzierte lokalkonvexe
Topologie auf X und (X , T ) heißt lokalkonvexer (topologischer) Raum.
Bemerkung: Die Topologie heißt deshalb lokalkonvex, weil es für jeden Punkt x ∈ X eine
Umgebungsbasis aus konvexen Mengen U",H (x) gibt.
Bemerkung: (X , T ) ist bereits eindeutig durch die Nullumgebungsbasis V (0) festgelegt, da
V (x) = x + V (0) und U (x) = x + U (0) (weil U",H (x) = x + U",H (0)).
Lemma (Charakterisierung der Konvergenz): Seien (X , T ) ein lokalkonvexer Raum, der durch
(pα )α∈I induziert wird, (x n )n∈N eine Folge in X und x ∈ X . Dann sind äquivalent:
n→∞
(1) x n −−−→ x
n→∞
(2) x n − x −−−→ 0
n→∞
(3) ∀α∈I pα (x n − x) −−−→ 0
schwache Topologie: Seien X ein normierter Raum und X 0 der Dualraum von X .
(p x 0 ) x 0 ∈X 0 mit p x 0 (x) := |x 0 (x)| für x ∈ X ist eine Familie von Halbnormen auf X .
Die induzierte lokalkonvexe Topologie heißt schwache Topologie σ(X , X 0 ) auf X .
Schwach∗-Topologie: Seien X ein normierter Raum und X 0 der Dualraum von X .
(p x ) x∈X mit p x (x 0 ) := |x 0 (x)| für x 0 ∈ X 0 ist eine Familie von Halbnormen auf X 0 .
Die induzierte lokalkonvexe Topologie heißt Schwach∗-Topologie σ(X 0 , X ) auf X 0 .
schwache Konvergenz: Seien X ein normierter Raum, (x n )n∈N eine Folge in X und x ∈ X .
n→∞
Dann konvergiert (x n )n∈N schwach gegen x ( x n * x ), falls x n −−−→ x bzgl. σ(X , X 0 ).
Schwach∗-Konvergenz: Seien X ein normierter Raum, (x n0 )n∈N eine Folge in X 0 und x ∈ X 0 .
∗ n→∞
Dann konvergiert (x n0 )n∈N schwach∗ gegen x 0 ( x n0 −
* x 0 ), falls x n0 −−−→ x 0 bzgl. σ(X 0 , X ).
n→∞
Bemerkung: Schwache Konvergenz ist äquivalent zu ∀ x 0 ∈X 0 x 0 (x n ) −−−→ x 0 (x).
n→∞
Analog ist Schwach∗-Konvergenz äquivalent zu ∀ x∈X x n0 (x) −−−→ x 0 (x).
10.4 Distributionen
Distributionen: Seien Ω ⊂ Rd offen und D(Ω) := Cc∞ (Ω). Zunächst definiert man Halb-
normen (pm )m∈N0 durch pm (ϕ) := sup|β|≤m ∂ xβ ϕ C 0 (Ω) . Anschließend definiert man (pα )α∈I als
Familie aller Halbnormen pα , sodass ∀K⊂Ω kpkt. ∃C≥0 ∃m∈N0 ∀ϕ∈Cc∞ (K) pα (ϕ) ≤ C · pm (ϕ).
Dann heißt der Dualraum D 0 (Ω) von (D(Ω), TD ) Raum der Distributionen auf Ω, wobei TD die
von (pα )α∈I induzierte lokalkonvexe Topologie auf D(Ω) ist.
Bemerkung: Sei (ϕn )n∈N eine Folge in D(Ω) und ϕ ∈ D(Ω).
n→∞
Dann gilt ϕn −−−→ ϕ (bzgl. TD ) genau dann, wenn es K ⊂ Ω kompakt gibt mit
k·kC 0 (K)
supp(ϕ) ⊂ K , ∀n∈N supp(ϕn ) ⊂ K und ∀β∈N0d ∂ xβ ϕn −−−−→ ∂ xβ ϕ .
Schwach∗-Topologie für Distributionen: Sei die Familie (pϕ )ϕ∈D(Ω) von Halbnormen auf
D 0 (Ω) definiert durch pϕ (T ) := |T ϕ| für alle T ∈ D 0 (Ω).
Dann heißt die von (pϕ )ϕ∈D(Ω) induzierte lokalkonvexe Topologie Schwach∗-Topologie
σ(D 0 (Ω), D(Ω)) auf D 0 (Ω).
Bemerkung: Sei (Tn )n∈N eine Folge in D 0 (Ω) und T ∈ D 0 (Ω).
n→∞ n→∞
Dann gilt Tn −−−→ T (bzgl. σ(D 0 (Ω), D(Ω))) genau dann, wenn ∀ϕ∈D(Ω) Tn ϕ −−−→ T ϕ .
reguläre Distribution.
Bemerkung: Die Abbildung Lloc 1
(Ω) → D 0 (Ω), f 7→ T f ist injektiv (sie ist linear und aus T f = 0
folgt T f (ϕ) = 0 für alle ϕ ∈ D(Ω), also f = 0 f.ü. nach dem Fundamentallemma der Varia-
tionsrechnung). Daher kann man die Funktionen f ∈ Lloc 1
(Ω) mit den induzierten regulären
Distributionen T f ∈ D 0 (Ω) identifizieren.
Eine Distribution T ∈ D 0 (Ω) heißt regulär, falls ∃ f ∈Lloc
1
(Ω) T = T f , d. h. falls sie im Bild dieser
Abbildung ist. Nicht jede Distribution ist regulär, wie die Delta-Distribution zeigt.
Dirac-/Delta-Distribution: Sei x ∈ Ω. Dann heißt δ x ∈ D 0 (Ω) mit δ x (ϕ) := ϕ(x) für ϕ ∈
D(Ω) Dirac- oder Delta-Distribution zum Punkt x . Man schreibt δ := δ0 .
Bemerkung: δ x ist nicht regulär. Angenommen, es gilt δ x = T f für ein f ∈ Lloc 1
(Ω). Definiere für
ϕ ∈ D(Ω) die Testfunktion ψϕ ∈ D(Ω) durch ψ ϕ ( y) := | y − x|2
ϕ( y) . Dann gilt für alle ϕ ∈ D(Ω),
dass 0 = ψϕ (x) = δ x (ψϕ ) = T f (ψϕ ) = Ω f ( y)| y − x| ϕ( y) d y . Nach dem Fundamentallemma
2
der Variationsrechnung folgt, dass f ( y)| y − x|2 = 0 für fast alle y ∈ Ω, d. h. f = 0 f.ü. Damit
wäre aber δ x = T f = 0, ein Widerspruch (es gibt ϕ ∈ D(Ω) mit δ x (ϕ) = ϕ(x) 6= 0).
Trotzdem schreibt man formal häufig Ω δ x ( y)ϕ( y) d y := ϕ(x).
n d/2 n|x|2
Satz (Dirac-Folge): Sei f n ∈ Lloc (Ω) mit f n (x) := 4π exp − 4 für n ∈ N.
1
Beispiel:
(a) Sei (Ω, Σ, µ) ein Maßraum, p ∈ [1, ∞) und p0 mit 1p + p10 = 1. Im Fall p = 1 sei µ zusätzlich
0
σ-endlich. Dann ist J p0 : L p (Ω) → (L p (Ω))0 mit (J p0 f )(g) := Ω g f dµ für g ∈ L p (µ) ein
konjugiert linearer, isometrischer Isomorphismus. Für p = 2 ist J2 = R L 2 (Ω) gleich dem
konjugiert linearen Isomorphismus aus dem Rieszschen Darstellungssatz.
Seien ( f k )k∈N eine Folge in L p (Ω) und f ∈ L p (Ω).
k→∞
Dann gilt f k * f in L p (Ω) genau dann, wenn ∀ g∈L p0 (Ω) Ω f k gdµ −−−→ Ω f gdµ.
(b) Seien K ⊂ Rn kompakt und rca(K) der Raum der signierten Borelmaße auf K .
Dann ist J : rca(K) → (C 0 (K))0 mit (Jν)( f ) := K f dν ein isometrischer Isomorphismus.
Seien ( f k )k∈N eine Folge in C 0 (K) und f ∈ C 0 (K).
k→∞
Dann gilt f k * f in C 0 (K) genau dann, wenn ∀ν∈rca(K) K f k dν −−−→ K f dν.
(c) Seien Ω ⊂ Rn offen, m ∈ N und p ∈ [1, ∞],
außerdem (uk )k∈N eine Folge in W m,p (Ω) und u ∈ W m,p (Ω).
Dann gilt uk * u in W m,p (Ω) genau dann, wenn ∀|s|≤m ∂ xs uk * ∂ xs u in L p (Ω).
m,p
Die gleiche Aussage gilt für W0 (Ω).