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Riumph Des Erzens: PDF - Familie Mariens 2016 (VI) Nr. 139

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Triumph des Herzens

EIN KIND, UNSER RETTER

PDF - Familie Mariens


2016 (VI)
Nr. 139
Zu Weihnachten begann unser Werk
Zehntausende Pilger aus aller Welt sowie 13 Staats- und Regierungschefs
waren am 4. September 2016 auf dem Petersplatz in Rom bei der Heiligsprechung
von Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) anwesend. Wer kennt sie nicht,
die „Mutter der Armen“, die sich zeitlebens für die Ärmsten der Armen
und besonders für die verlassenen Kinder und den Schutz der Ungeborenen einsetzte?
„Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes“, pflegte sie zu sagen. „Wenn ihr hört,
dass eine Frau ihr Kind nicht austragen, sondern abtreiben will,
dann versucht sie zu überzeugen, dass sie mir dieses Kind bringt. Ich will es.
Ich werde es lieben, weil ich in ihm ein Zeichen der Liebe Gottes sehe.“

I
„ ch habe praktisch alle Weihnachten
meines Lebens zusammen mit Waisenkindern
M utter Teresa stammte aus einer wohl-
habenden albanischen Familie. Ihr Vater war ein
verbracht. Bei ihnen fühlte ich mich dem Je- geachteter Geschäftsmann, und die Familie lebte
suskind nahe“, sagte Mutter Teresa von Kal- in Skopje in einer komfortablen Villa. Dennoch
kutta einmal zum italienischen Journalisten vertiefte das Mädchen auf Wunsch der Eltern sei-
Renzo Allegri, der durch Bischof Hnilica mit nen Kontakt zu den Armen. Schließlich wurde sie
Mutter Teresa bekannt wurde. Oft sprach sie in Ordensfrau, um sich ganz den Armen zu widmen.
Interviews mit ihm über ihre Kinder und über Das Institut der Loretoschwestern, in das sie ein-
Weihnachten, „das größte kosmische Ereig- getreten war, wirkte zwar in Missionsländern, war
nis in der Geschichte“. Sie erzählte dem Jour- aber auf Erziehung und Unterricht ausgerichtet.
nalisten, dass es ihre Mutter war, die sie als Erste 18 Jahre lang unterrichtete Mutter Teresa als Leh-
ermutigte, die Festtage daheim in Skopje mit ar- rerin, doch dann, so sagte sie, „erhielt ich einen
men Kindern zu verbringen. Ruf innerhalb der Berufung. Jesus ließ mich
„Jeden Sonntag begleitete uns die Mutter zu verstehen, dass ich mich der Ärmsten der Ar-
irgendwelchen armen Familien der Stadt, um men annehmen sollte … Zu Weihnachten 1948
ihnen Nahrungsmittel und Kleidung zu brin- wollte ich meine neue Mission beginnen. Ja,
gen. Und zu Weihnachten gingen wir zu den ich wählte bewusst Weihnachten dafür, weil
allerärmsten Familien. Ich erinnere mich an dieses Fest das Wesentliche unseres Glaubens
eine arme Witwe, die mit ihren sieben Kin- repräsentiert. Weihnachten ist das Symbol für
dern, die fast alle noch klein waren, in einem das Leiden und gleichzeitig das Symbol für
dunklen, schmutzigen Raum lebte. Es zerriss den Triumph des menschgewordenen Gottes-
mir das Herz, als wir sie aufsuchten und diese sohnes. Leiden wegen der Geburt in Armut
armseligen Kreaturen zusammengepfercht auf und wegen des Eintritts in diese Welt des Exi-
einem einzigen Bett vorfanden, das aus einem ls und der Prüfung; Triumph, weil Jesus, der
eigenartigen Gestell mit lauter schmierigen, Mensch geworden ist, die Menschheit erlöste,
abgenutzten Decken bestand. Ein einziges den Tod besiegte und uns die Auferstehung
Zimmer für acht Personen mit einem ‚Loch‘ schenkte.
als Küche und ohne Toilette! Da war es un- Am Morgen des 21. Dezember 1948, nach
sere Mutter, die uns erklärte, dass auch Jesus der Hl. Messe, ging ich nach Motijhil in den
in trostloser Armut zur Welt gekommen ist, einzigen Slum, den ich kannte, ein Armen-
in einem Stall, der schlimmer war als dieser viertel, das nahe dem Schulgebäude lag, wo
Raum. Ich weinte, als ich diese Worte hörte.“ ich viele Jahre hindurch unterrichtet hatte. In

2
diesen Slum hatte ich schon seit langer Zeit Platz in der Unterkunft fand und schließlich
jeweils zu Weihnachten meine Schülerinnen mit einem Stall vorliebnehmen musste, wo sie
geschickt, um Weihnachtsgeschenke dorthin Jesus zur Welt brachte. Bei mir war es schon
zu bringen, die ich für arme, mir unbekannte mitten in der Nacht, als es mir gelang, eine
Kinder vorbereitet hatte. Frau zu finden, die mir für fünf Rupien im Mo-
nat eine armselige Hütte vermietete. Gleich
J etzt endlich war es so weit, dass ich selbst
zu diesen Kindern gehen konnte, um Weih-
am nächsten Tag fing ich in dieser Hütte an,
fünf Kinder zu unterrichten. Meine ersten fünf
nachten in ganz ‚realem‘ Kontakt mit Jesus Kinder! In meiner Behausung gab es weder
zu feiern, der in den Armen lebt. Den ganzen Tisch noch Stühle und auch keine Schultafel.
Tag blieb ich in Motijhil, um mich dort mit den Mit einem Stock schrieb ich die Buchstaben
Müttern anzufreunden und um mit ihren Kin- des Alphabets auf den bloßen Boden. So hielt
dern zu spielen. Ich war so glücklich, dass ich ich Schule! Drei Tage später waren aus den
völlig vergaß, dass ich keinen Platz zum Über- fünf Kindern 25 geworden, und noch vor Jah-
nachten hatte. So begann ich am Abend nach resende waren es 41. Später errichtete ich
einer Unterkunft zu suchen, wobei mir war, dort eine Schule, groß genug für 500 Kinder.
als erlebte ich ein wenig die Herbergssuche Seitdem feiere ich jedes Jahr zu Weihnachten
der ‚Gottesmutter in Erwartung‘, die keinen den Beginn meines Werkes.“

Ein Geschenkkorb besonderer Art


D en Bekennerbischof Paolo Hnilica aus der
Slowakei verband mit Mutter Teresa 33 Jahre lang
der mit einem Tuch zugedeckt war. ‚Den hat mir
eine Frau gegeben, die sofort wieder ging‘,
eine tiefe Freundschaft. Bei wiederholten Besu- sagte sie. Und während sie den Korb Mutter Tere-
chen in Indien unterstützte der Bischof sie und ihre sa brachte, fügte sie hinzu: ‚Es wird wohl eine
Schwestern oft wochenlang bei deren Missionsar- Wohltäterin gewesen sein, die uns ein wenig
beit. Dabei stellte er fest:„Weihnachten stand im Essen für Weihnachten schenken wollte.‘ Mut-
Zentrum von Mutter Teresas Spiritualität. Dieses ter Teresa zog das Tuch weg, und ihre Augen be-
Fest bedeutete ihr am meisten, weil an Weihnach- gannen zu leuchten. ‚Jesus ist gekommen‘, sagte
ten 1948 ihr Werk für die Armen begann. sie mit einem strahlenden Lächeln. Und schon
In allen Menschen sah sie das schwache, wehr- liefen die Schwestern herbei, um zu schauen. Im
lose Kind, das im Stall von Betlehem geboren Korb lag ein Kind, nur wenige Tage alt, das schli-
wurde auch in den verlassenen Kindern. Mehrere ef. Es war ein ausgesetztes Kind. Die Frau, die es
Weihnachtsfeste habe ich mit Mutter Teresa ver- gebracht hatte, war vielleicht die Mutter des Neu-
bracht, aber eines ist mir besonders in Erinnerung geborenen gewesen, die es nicht behalten konnte
geblieben: Ich war in Indien, in Kalkutta. Mutter und es deshalb den Schwestern anvertraute. So et-
Teresa hatte mich für den Abend des 24. Dezem- was kam in Kalkutta häufig vor. Die Schwestern
ber zum Essen eingeladen, um mit ihr und ihren drängten sich mit Freudengeschrei um den Korb,
Mitschwestern die Weihnachtsvigil zu feiern. Es ganz hingerissen von dem schlafenden Kind.
war ein dürftiges Abendessen, ja fast schon kärg- Ihre Freudenrufe weckten das Kleine auf, und es
lich, wie es bei den Missionarinnen der Näch- fing zu weinen an. Da nahm Mutter Teresa das
stenliebe Brauch ist. Aber es war ein Abendessen Kind in ihre Arme. Dabei lächelte sie und hatte
reich an Zuneigung, Freude und Geschwisterlich- gleichzeitig Tränen in den Augen. ‚Jetzt können
keit. Die Atmosphäre war so herzlich, dass man wir sagen, dass unser Weihnachten wirklich
beinahe zu essen vergaß, bis wir es plötzlich an komplett ist, nicht wahr?‘, sagte sie. ‚Jesus ist
der Tür klopfen hörten. Eine der Schwestern ging in unsere Mitte gekommen. Lasst uns Gott für
nachschauen und kehrte mit einem Korb zurück dieses wunderbare Geschenk danken.‘“

3
Zeugnis eines Kindes
W ie viele Paare, so leben auch Giovanni
und Valentina aus Mailand schon seit vielen Jah-
A m Ende eines anstrengenden Tages, an
dem sie mehrere Kilometer zu Fuß zurückgelegt
ren zusammen, ohne dass sie die Notwendigkeit hatten, fragte Giovanni die Kleinen: „Was hat
sehen, sich standesamtlich oder kirchlich ein euch heute denn am besten von allem gefal-
Eheversprechen zu geben. Da sich Valentina als len?“ Nicolino antwortete: „Mir hat das Je-
Atheistin bezeichnet und auch Giovanni seinen suskind am besten gefallen!“ Tatsächlich hat-
christlichen Glauben nicht praktiziert, haben sie ten sie am Morgen eine Kirche besucht, und der
natürlich ihre beiden Söhne Francesco (7 Jah- Vierjährige hatte sich vor der dort aufgebauten
re) und Nicola (4 Jahre) auch nicht taufen las- Krippe, in der das Jesuskind lag, ganz andächtig
sen. Allerdings wählten sie für ihre Kinder eine und ehrfürchtig niedergekniet. Von ihren Leh-
katholische Privatschule, weil sie als die beste rern hatten die Jungen ja schon einiges über die-
Schule des Stadtteils gilt. Zudem waren sie bei ses Kind gehört und sogar beten gelernt. Dieser
der Begegnung mit dem Schuldirektor und dem schöne Augenblick machte nicht nur die Eltern,
Lehrpersonal von deren persönlichem Einsatz sondern sogar den Pater, der gerade in der Kirche
und der Erziehungsmethode sehr angetan. war, betroffen: Dieses Kind zeigte dem kleinen
Jesus so viel Liebe - und sie, die Erwachsenen?
Im vergangenen Jahr entschieden sie sich, die
Weihnachtsferien im Geburtsort von Giovan- Was hatten Giovanni und Valentina in diesen Fe-
nis Eltern in Sizilien zu verbringen. Das Haus rien nicht alles mit den Kindern unternommen!
befindet sich am Hauptplatz des Dorfes direkt Und doch hatte gerade etwas vom Schlichtesten -
neben der Pfarrkirche, wo über Lautsprecher das Jesuskind in der Krippe - sowohl die Kleinen
Weihnachtslieder und alle liturgischen Feiern in als auch die Großen am nachhaltigsten berührt.
voller Lautstärke übertragen wurden. Nicolino Bisher waren sie der Meinung gewesen, man
und Francesco waren begeistert, denn viele die- solle die Kinder erst als reife Erwachsene ihre
ser Lieder hatten sie in ihrer Schule in Mailand Glaubensrichtung wählen lassen. Doch nach die-
gelernt. Aus Leibeskräften sangen sie im Wohn- sen Weihnachtsferien änderten sie ihre Meinung
zimmer mit und genossen die weihnachtliche und entschlossen sich, ihre Söhne taufen zu las-
Stimmung. sen. Der vierjährige Nicola, der vor der Krippe
Giovanni und Valentina organisierten Ausflüge, kniete und mit dem Jesuskind sprach, lehrte seine
um die schönsten Orte Siziliens zu besichtigen, Eltern, dass dieses Kind ihm mehr geben kann als
denn sie wollten ihren Kindern etwas bieten. alle Vergnügungen der Welt.

4
Fünf Neupriester..
Am Samstag, den 27. August 2016, wurden in der St.-Anna-Basilika in Altötting
fünf Diakone aus fünf verschiedenen Ländern durch Handauflegung
S. E. Mauro Kardinal Piacenza aus Rom zu Priestern geweiht:
P. Sanghee Andreas Park aus Korea, P. Luca Ambrogio Ruggeri aus Italien,
P. Janko Maria Studer aus der Schweiz, P. Norbert Maria Herre aus Deutschland
und P. Hermann Josef Mallaun aus Österreich.
In gewisser Weise verdanken sich die Neupriester auch Euch, liebe Leser, denn viele
von Euch haben ihnen in den Jahren der Ausbildung durch das Gebet,
durch aufgeopfertes Leiden und durch finanzielle Unterstützung geholfen,
so dass sie heute am Altar stehen dürfen. Alle haben versprochen, auch in Zukunft
während ihres priesterlichen Wirkens in Dankbarkeit am Altar immer wieder Eurer
zu gedenken. Als kleines äußeres Zeichen ihrer Verbundenheit erzählen sie
auf den folgenden Seiten von ihrem Glaubensweg.

I n seiner Predigt sprach Kardinal Piacenza


sehr tief über das große Geheimnis der Hl. Eu-
Liebe Brüder, liebe Schwestern, liebe Weihe-
kandidaten, ich glaube, dass jedes Mal, wenn ein
charistie, das sich durch den Priester täglich Priester diese Worte über Brot und Wein spricht:
erneuert. Einen kleinen Auszug seiner Worte ‚Das ist Mein Leib, das ist Mein Blut‘, in der
möchten wir hier für Euch wiedergeben: Absicht, das zu tun, was die Kirche tut, dann
glaube ich ohne jeden Schatten eines Zweifels,
„Wenn wir die Hl. Eucharistie feiern, sehen wir, dass hier nach der Menschwerdung das größte
dass sich unser Leben zunehmend und wirksam Wunder der Geschichte geschieht: die Transsub-
verändert; wir könnten sagen, dass es in Chri- stantiation, die Verwandlung von Brot und Wein
stus ‚transsubstantiert‘, wesenhaft in Christus in wahren Leib und wahres Blut, in die wahre
verwandelt wird. Seele und die wahre Gottheit unseres Herrn Je-
Durch Handauflegung des Bischofs wird jenes sus Christus, der gestorben und auferstanden ist!
unschätzbare Geschenk des Hl. Geistes ver-
mittelt, das euch befähigt, in der Eucharistie-
feier den Hl. Geist herabzurufen, und dazu, in
D ieses Bewusstsein hilft mir jeden Tag, das
erschütternd Große des priesterlichen Dienstes
wenigen Momenten zum ersten Mal die Worte zu leben und mit übernatürlichem Auge auf die
der Wandlung auf wirksame Weise zu sprechen. Kirche und die Geschichte zu schauen. Dieses
Welch großes Geheimnis ist uns geschenkt! Bewusstsein hilft allen Priestern, jeden Tag
Welch erhabene Berufung! Wir könnten unser den Herrn zu lobpreisen für dieses unbegreif-
ganzes Leben in Anbetung und in Danksagung liche Geschenk, das ihnen gemacht wurde. Und
verharren, auch nur für eine einzige zelebrierte es hilft ihnen, sich immer der Barmherzigkeit
Hl. Messe, denn wir wissen, dass diese für Gottes bewusst zu sein, mit der sie umkleidet
die Welt viel kostbarer ist als jegliche andere wurden und deren Ausspender sie für alle sind.“
menschliche Verwirklichung. Und es gibt keine
wirksamere Art, die Kirche aufzubauen, als die Wer den vollständigen Text der Predigt lesen möchte,
Eucharistie zu feiern. kann ihn gerne bei unserer Redaktion erhalten.

5
Ein Kind der Gottesmutter
Wie es sein Primizspruch bereits ausdrückt: P. Hermann Josef Mallaun
möchte ganz als Kind der Gottesmutter seinen priesterlichen Dienst
in der Kirche ausführen. „Am meisten freue ich mich darauf, den Menschen
das Vertrauen zu Gott, unserem himmlischen Vater, zu vermitteln und Zeugnis
dafür abzulegen, dass wir eine Mutter haben, die uns liebt, uns versteht,
immer bei uns ist und uns führt. Das fehlt heute so vielen Menschen.“

J ohannes, der als Priester den Namen des


Prämonstratenserheiligen Hermann Josef von
meine Freunde. Es war mir nie zu viel, auch
eineinhalb Stunden mit dem Zug zu fahren,
Steinfeld angenommen hat, wurde am 20. Juli um dabei zu sein.“
1990 als jüngstes von fünf Kindern in St. Jo- Die Schule, das war sein Kreuz. Da er früh ein-
hann in Tirol in einer tiefgläubigen katholischen geschult worden war, tat er sich mit dem Lernen
Familie geboren. Er erzählt: „Als ich zehn Jah- sehr schwer. Eigentlich interessierte ihn nichts
re alt war, habe ich schon zusammen mit un- von all dem, was er da hörte. „Ich lernte, weil
serer heutigen Sr. Luisa, die aus der gleichen ich lernen musste. Aber es war sehr frust-
Pfarrei wie ich stammt, ministriert. Wir waren rierend, weil ich trotz meiner Bemühungen
beide begeisterte Messdiener, und da wir gute nicht den gewünschten Erfolg hatte.“
Kapläne hatten, die in der Freizeit viele inte- Seine große Leidenschaft hingegen wurde das
ressante Dinge mit uns unternahmen, kamen Computerspielen. Natürlich setzten die Eltern
wir auch sehr gerne unter der Woche zur Hl. Grenzen, doch mit der Zeit findet man als Ju-
Messe. In dieser Zeit dachte ich manches gendlicher immer neue Wege, die Fürsorge der
Mal, es wäre eigentlich schön, Priester zu Eltern zu umgehen oder zu überhören. „Ich
werden, denn es faszinierte mich, am Altar verbrachte unter der Woche jede freie Mi-
zu sein. Da man als Erwachsener nicht mehr nute vor dem Computer; am Wochenende
ministriert, dachte ich in meiner kindlichen konnten es 10-15 Stunden pro Tag werden.
Logik, dann werde ich halt Pfarrer.“ Wir waren eine Clique von acht bis zehn
Spielern, die gemeinsam spielten - jeder bei
Die Eltern Mallaun schlossen sich 1997 der ös- sich zu Hause vor dem eigenen Bildschirm.“
terreichischen Familienrunde an und nahmen
zu den Treffen ihren Jüngsten natürlich immer Die arme Mama versuchte ihren Sohn mit allen
mit. Der kleine Johannes fühlte sich bei der Mitteln von diesem Laster loszureißen. Aber
Kinderbetreuung und unter den anderen Kin- sein Trumpf war immer die Antwort: „Sei doch
dern sehr wohl. Auf diese Weise wurde er von froh, dass ich nicht ausgehe, denn so würde
klein auf in der Spiritualität unserer geistigen ich leicht eine Freundin finden, und dann ist
Familie geformt. Mit 14 Jahren durfte er dann wohl Schluss mit meiner Priesterberufung.“
zum ersten Mal die Karwoche im Seminar in Da blieb den Eltern nur noch das Gebet.
Rom miterleben, eine Erfahrung, die er nicht
mehr vergessen wird. In diesen Jahren begann Da Johannes die Familie Mariens von Kindheit
P. Maximilian in Innsbruck für die Jugendlichen an kannte, war es für ihn klar, dass er in dieser
der Umgebung einen monatlichen Einkehrtag zu Spiritualität leben möchte. „Was mich dann an
veranstalten. „Das gefiel mir, weil man hier der Gemeinschaft faszinierte, ist die Kombi-
nette Leute getroffen hat. Sie wurden dann nation einer sehr schönen Liturgie und eines

6
tiefen Gebetslebens, aber gleichzeitig das Lesen geistlicher Literatur. Ich liebte diese
freundschaftliche Miteinander der Brüder Zeit.“ Das wirklich Priesterliche entdeckte er
und Schwestern und die Natürlichkeit, auch erst im Noviziat, als er ein Buch über Maria Sie-
Fußball spielen zu gehen, wenn die Zeit da- ler las. „Ich verstand, dass Jesus Sein Leben
für da ist. Obwohl ich ja viel jünger war, wa- immerwährend in mir leben möchte, nicht
ren die Seminaristen für mich gleich Freun- nur am Altar. Das war so ein Aha-Erlebnis.
de. Ich fühlte mich wie in einer Familie.“ Ich denke, man versteht nur das, was man
Deshalb entschied er sich mit 14 Jahren, sobald braucht, und nun war der richtige Moment
als möglich nach Rom zu gehen. Aber zunächst für mich gekommen, dies zu verstehen.“
musste er noch die Schulbank drücken; er ab-
solvierte eine dreijährige Landwirtschaftsschu- Auch als Johannes schon im Seminar war, kam
le. Erstaunlicherweise interessierte ihn plötz- er immer gerne nach Hause, denn in seiner
lich alles, und er schloss als Jahrgangsbester ab. Pfarrkirche feiert Herr Dekan Dr. Johann Traus-
„Ich denke, das war auch ein Geschenk des nitz, bei dem er schon als Jugendlicher gerne
Himmels, denn ich fragte mich immer: Wie ministriert hatte, täglich die Hl. Messe, was ja
soll ich einmal fünf Jahre an der Uni studie- heute gar nicht mehr so selbstverständlich ist.
ren können, wenn ich mir beim Lernen so Dabei legt er großen Wert auf eine würdige Li-
schwertue? Dass es mir auf einmal so leicht turgie. „Für dieses Beispiel war und bin ich
von der Hand ging, ermutigte mich auf mei- ihm sehr dankbar!“ Nach dem Philosophie-
nem Berufungsweg. Dafür danke ich Gott und Theologiestudium an der Universität Santa
heute noch.“ Croce in Rom wurde Johannes am 8. Dezember
2007, mit 17 Jahren, verließ Johannes seine 2015 zusammen mit seinen vier Mitbrüdern in
Heimat und ging nach Rom. Einen Tag bevor der neurestaurierten Kirche in Stará Halič gleich
er abfuhr, verabschiedete er sich bei seinen Mit- neben dem Mutterhaus zum Diakon geweiht.
spielern im Internet und hat seitdem nie mehr „Ich freue mich schon auf das pastorale Wir-
ein Computerspiel gestartet, obwohl er noch alle ken, denn ich möchte für die Menschen wirk-
CDs zu Hause hat. „Dass mir das so leichtfiel, lich so ein guter Hirte sein, der ihnen den
verdanke ich sicher an erster Stelle der Got- rechten Weg zeigt, um ein geglücktes und
tesmutter, aber dann auch dem Gebet meiner glückliches Leben mit Gott leben zu können.
Eltern.“ Da er noch sehr jung war, bat er dar- Ein großer Dank geht vor allem an meine El-
um, ein dreijähriges Noviziat machen zu dürfen. tern. Denn von ihnen habe ich den Glauben
Nicht dass er sich seiner Berufung nicht sicher bekommen, und sie haben mich in meiner
gewesen wäre, „aber wir hatten es einfach Berufungsfindung immer unterstützt, aber
sehr schön, ich hatte Zeit zum Beten und nie gedrängt.“

7
Gottes Ruf
ließ mich nicht mehr los
P. Janko Maria Studer kommt aus dem malerischen, fast tausend Meter hoch
gelegenen Ort Ried-Brig im Kanton Wallis in der Schweiz.
Für Jesus hat er seine geliebten Berge, seine Familie und Freunde verlassen
und ging im Oktober 2008 nach Rom ins Vorseminar, um Priester zu werden.
Wie es zu dieser Entscheidung kam, erzählt uns P. Janko Maria selbst.

Z usammen mit meinen zwei älteren Schwes-


tern durfte ich den Glauben durch meine Eltern
Pizza essen, Kino, und jedes Jahr fuhren wir
zum Jugendfestival nach Medjugorje.
kennenlernen. Die Sonntagsmesse und das tägli-
che Gebet gehörten zu unserem Alltag. So hatte
ich als Kind eine natürliche, lebendige Bezie-
N ach dem Abitur musste ich mich zwischen
Wirtschafts- und Theologiestudium entscheiden.
hung zu Jesus, was ich vor allem für meine große Da mir Wirtschaft gut gefiel und mir diese Ent-
Leidenschaft, den Laufsport, nutzte. Vor jedem scheidung weniger schwerwiegend vorkam, be-
Wettkampf bat ich Gott aus ganzem Herzen und gann ich in Lausanne mein Wirtschaftsstudium.
voll Vertrauen, mich gewinnen zu lassen - und Doch der Gedanke ans Priestertum ließ mich nie
das meist nicht umsonst. Klarerweise liebte ich ganz los.
die Berge sehr. Zusammen mit Freunden ging ich Als ich eines Abends nach der Samstagsmes-
snowboarden, skilaufen, bergsteigen, klettern; se in meiner Heimatpfarrei einen Vortrag über
wir unternahmen Touren mit dem Mountainbike die Missionsarbeit der „Diener der Armen“ in
... was man in der Natur eben so alles unterneh- Südamerika hörte, rief mich Gott zum zweiten
men kann. Die Schönheit der Schöpfung weckte Mal. Es berührte mich tief zu sehen, wie sich
in mir immer eine große Dankbarkeit Gott ge- die Priester um die Jugendlichen in den perua-
genüber, aber den Ruf zum Priestertum vernahm nischen Anden kümmerten. Für eine Lebens-
ich hier nicht. Dazu musste ich zur Gottesmutter entscheidung reichte es aber immer noch nicht.
nach Medjugorje pilgern. Es war im Jahr 2000, Mittlerweile hatte ich auch durch die Einkehr-
ich war gerade 19 Jahre alt, als ich mit einem tage, die P. Johannes Stoop jährlich bei uns im
Bus zum Jugendfestival mitfuhr. Hier in Med- Wallis hält, die Spiritualität der Familie Mariens
jugorje berührte mich vor allem die Gebetsat- kennengelernt und sie mit meiner ganzen Fami-
mosphäre während der abendlichen Anbetung lie angenommen. Doch musste Gott noch hefti-
im Freien. Bei einer dieser Gnadenstunden kam ger an mein Herz klopfen.
mir das erste Mal der Gedanke, dass ich Priester
werden könnte. Als wir einmal im Winter in einem uns unbe-
Wieder in der Heimat zurück, entdeckte ich, kannten Skigebiet snowboarden waren, ver-
dass es bei uns eine Jugendgebetsgruppe gab, suchten wir es mit unserem Brett abseits der
und ich entschloss mich, bei ihnen mitzumachen. Piste. Plötzlich standen wir vor einem 40 Me-
Wir wurden Freunde und unternahmen neben ter tiefen Abgrund, hinter uns ein Aufstieg mit
dem Gebet und dem Singen im Chor viele schö- enormen Schneemassen. In diesem Moment
ne Dinge miteinander, wie Zelten, Bergmesse, hatte ich wirklich Todesangst, und mir wurde

8
bewusst, dass ich vor allem deshalb am Leben Mit großer Freude fuhr ich nach Rom und durfte
bleiben wollte, weil ich Missionar werden woll- hier die Spiritualität in mich aufnehmen und
te. Als wir dann mit dem Aufstieg begannen, mich dann dem Studium widmen. Ich liebte es,
lagen wir schon bald bis zur Brust im Schnee an den Werktagen nach Rom hineinzufahren und
und mussten uns mit allen Kräften hocharbei- immer wieder eine andere Kirche oder einen mir
ten. Immer wieder schickte ich kleine Stoßge- noch unbekannten Stadtteil zu entdecken. Das
bete zur Muttergottes. Endlich auf der Piste Flair dieser Stadt ist einfach mit nichts zu ver-
angekommen, sahen wir, dass wir dort unten gleichen. In diesen Jahren wurde vor allem mei-
gar nicht mehr auf dem Felsen gewesen waren, ne Beziehung zur Gottesmutter viel tiefer und
sondern nur noch auf einer überhängenden Flä- lebendiger. Ihr habe ich mein ganzes Priester-
che von Schnee! Ich konnte Gott nur danken. Ja, tum anvertraut, und das macht mich ruhig, wenn
Er hatte mein Leben gerettet - aber Missionar ich auf die Anforderungen schaue, die an einen
werden? Zunächst geschah etwas ganz anderes: Priester gestellt werden.
Ich verliebte mich in ein Mädchen aus unserer Ge- Gleich nach meiner Priesterweihe durfte ich
betsgruppe, und wir begannen eine reine Bezie- an meinen neuen Wirkungsort gehen: in die
hung, die mehrere Jahre dauerte. Auch während Schweiz. Hier wohne ich zusammen mit den
dieser Zeit hat mich der Gedanke ans Priestertum Brüdern und Schwestern der Gemeinschaft in
immer wieder eingeholt. Dennoch entschied ich unserer Missionsstation in Eppishausen und bin
mich nach Beendigung meines Wirtschaftsstudi- offiziell Spiritual der Kapuzinerinnen des Klos-
ums, noch eine zweijährige Päda-gogikausbil- ters der hl. Scholastika in Tübach. Ich hätte mir
dung zu machen, denn ich liebte die Jugendlichen nie träumen lassen, in der Schweiz als meinem
und wollte Gymnasiallehrer werden. Das Unter- ersten Einsatzgebiet zu landen, aber ich freue
richten gefiel mir sehr gut, aber nun ließ mich der mich sehr, gerade bei geistigen Priestermüttern
Ruf Gottes nicht mehr los. meine ersten Erfahrungen machen zu dürfen.
Von ganzem Herzen danke ich Euch allen, wenn
Bei einem Einkehrtag der Familie Mariens in Ihr mich mit Eurem Gebet begleitet, damit sich
Baldegg in der Schweiz hatte ich die Gelegen- der Wille Gottes in meinem Leben vollkommen
heit, P. Paul Maria meinen Wunsch anzuvertrau- verwirklichen kann und ich Seinem Ruf ohne
en, dass ich gerne Priester der Familie Mariens Widerstände antworten werde. Meinerseits ver-
werden wollte. Endlich hatte ich es geschafft, spreche ich Euch meinen priesterlichen Segen
auf die innere Stimme zu antworten, die mich und freue mich immer, wenn der eine oder ande-
nun schon seit acht Jahren rief. re mich in der Schweiz besuchen kommt.

9
Christus nach Korea bringen
Erst im 18. Jh. brachten koreanische Intellektuelle, die bei einer Bildungsreise
in China mit dem Christentum in Kontakt gekommen waren, den Glauben
nach Korea. Auch wenn die konfuzianistisch geprägte Monarchie dies zu verhindern
suchte, breitete sich durch das Wirken europäischer Missionare das Evangelium
langsam aus, bis im Jahr 1882 die Religionsfreiheit gewährt wurde.
Heute bezeichnen sich etwa 30% der Südkoreaner als religionslos, und nur 15% der
Bevölkerung sind Katholiken. Wenn man dies bedenkt, kann man nur staunen,
dass der Ruf Gottes zum Priestertum den heute 34-jährigen Sanghee Park
erreichen konnte.

S anghee stammt aus einer religionslosen Fa-


milie aus Iksan, einer Stadt in Südkorea. Als er
Gottesmutter hat uns wirklich auf besondere
Weise behütet. Fünf dieser Gebetsgruppe sind
sechs Jahre alt war, wurde sein drei Jahre älterer Priester geworden.
Bruder von einer befreundeten christlichen Fa-
milie eingeladen, zum Sonntagsgottesdienst
in die katholische Kirche mitzukommen. Der
E s ist normal, dass man als Jugendlicher sei-
ne Vorstellungen für die Zukunft hat, doch bei
kleine Sanghee wollte natürlich auch mit, und mir war das nicht so. Nach der Schule studierte
er fand all das Neue dort sehr anziehend, die ich Physik, aber nur deshalb, um später einen
Musik, die Ministranten, den Priester in seinem Beruf ausüben zu können, in dem ich ausrei-
schönen Gewand. Bald fühlten sich die beiden chend Geld verdiene; wirkliche Zukunftspläne
Jungen in der katholischen Kirche wie zu Hause; hatte ich keine. Deshalb war auch meine Mo-
sie gingen nicht nur mit der befreundeten Fami- tivation nicht besonders groß, und ich genoss
lie sonntags zur Hl. Messe, sondern besuchten mehr die Studentenfreiheit, als dass ich tatsäch-
auch die Katechismus- und Spielstunden. Als es lich studierte hätte - was sich dann in meinen
dann um die Erstkommunionvorbereitung ging, Noten entsprechend niederschlug.
stellte sich die Frage, ob auch sie die Hl. Kom- Mit 21 Jahren musste ich das Studium unterbre-
munion empfangen wollten. Dazu aber mussten chen und zwei Jahre Militärdienst leisten. Bei
sie getauft werden. Mittlerweile war auch ihre uns in Korea geht es beim Militär sehr streng
Mutter zur Kirche gekommen, um zu schau- zu, aber da ich von Natur aus sportlich und an-
en, was ihre beiden Söhne dort machten. Dabei passungsfähig bin, hatte ich kaum Probleme.
hatte sie sich ebenfalls dem Christentum geöff- So kehrte ich mit 23 Jahren um einiges reifer ge-
net, ließ sich als Erste der Familie taufen und worden an die Universität zurück und studierte
unterstützte ihre Söhne im Glauben. Einen Mo- mit mehr Einsatz. Das Trinken mit Freunden,
nat vor der Erstkommunion wurden Pyeonghee womit ich früher meine Abende verbracht hat-
und Sanghee getauft. Einige Jahre später folgte te, machte mir keine Freude mehr. Auch begann
schließlich auch ihr Vater. P. Sanghee Andreas ich ernsthaft über meine Beziehung zu Gott
erzählt: nachzudenken, denn obwohl ich regelmäßig zur
„Ich ging gern und oft in die Kirche, war Mi- Hl. Messe ging, stellte ich fest, dass mein
nistrant und sang im Jugendchor. Heute bin ich Glaube keine Wurzeln hatte. Ich rief nur dann
mir bewusst, dass mir vor allem die marianische zu Gott, wenn ich sehr krank war und große
Spiritualität dieser Gruppe, die sich Rosa My- Schmerzen hatte. Deshalb nahm ich gerne die
stica nannte, geistig sehr geholfen hat, denn die Einladung meines Freundes Joel an, mit ihm

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an einem Gebetstreffen in der Hauptstadt Seoul tun. Meine Mama vertraute mir an,
teilzunehmen. Dort hörte ich zum ersten Mal be- sie habe seit langem darum gebetet, dass einer
wusst von Erscheinungen und von der Weihe an ihrer Söhne sich als Priester ganz Gott schenke.
die Gottesmutter, obwohl ich mich als Kind in Zu jener Zeit war ich von der Idee begeistert,
der Legio Mariae bereits Maria geweiht hatte. einen neuen Lebensstil kennenzulernen, nach
Auch lernte ich junge Leute meines Alters ken- Europa zu gehen und in Rom, im Zentrum der
nen, die mit aufrichtigem Herzen vor dem Aller- Christenheit, eine spirituelle Formung zu erhal-
heiligsten beteten, und ich erlebte mit, wie sie ten. Aber ich hatte keine Ahnung von dieser Ge-
ganze Stunden ihres wertvollen Wochenendes meinschaft, zu der ich unterwegs war. Ich stell-
mit Jesus verbrachten. te mir vor, in einem Kloster zu leben, das sich

V on diesen Begegnungen berührt, begann


ich, einige ihrer Ratschläge in die Tat umzuset-
irgendwo abgelegen in einem Wald befand. Im
Noviziat hörte ich dann Dinge, die ganz neu für
mich waren und mich befreiten, wie z. B. vom
zen, wie z. B., den Rosenkranz zu beten und täg- Vertrauen oder vom Kindsein vor Gott. So konn-
lich zur Hl. Messe zu gehen. Noch einmal - die- te ich mich immer mehr der Gnade öffnen und
ses Mal sehr bewusst - weihte ich mein Leben verstehen, dass Gott mich wirklich zu Seinem
der Gottesmutter. Und mit dieser Weihe wurde Priester berufen wollte. Ich hätte nie gedacht, ei-
der Plan für meine Zukunft geboren: Ich wollte nen Vater als Gott zu haben, der mich so persön-
mein Leben ganz einfach in die Hände Mariens lich liebt, dass Er einen Plan für mein Leben hat.
legen und für SIE leben. Noch dachte ich nicht Deshalb hatte ich Ihn auch nie nach Seinem Wil-
daran, Priester zu werden, aber ich bin über- len gefragt. Heute bin ich sehr glücklich, endlich
zeugt, dass sie es war, die mir meine priester- Sein Priester zu sein.
liche Berufung erfleht hat. Am 6. November darf ich in meiner Heimatpfar-
In der Gebetsgruppe hörte ich davon, dass P. rei in Iksan in Südkorea die Primiz feiern, zu
Anton Trauner, ein Missionar aus dem Schwa- der sogar einige unserer Brüder und Schwestern
benland, der seit 1958, schon fast 59 Jahre, in kommen werden. Dann werde ich P. Trauner, der
Korea wirkt, den Seminaristen Dongkyu in eine mittlerweile 93 Jahre alt ist, in der Pfarrei helfen
Gemeinschaft, in die Familie Mariens nach Rom und als Spiritual für die Schwesterngemeinschaft
schicken wollte. Ich wurde gefragt, ob ich ihn „Sisters of the Immaculate Heart of Mary“, die
begleiten wolle. Trotz vieler Bedenken ent- P. Trauner gegründet hat, da sein. Aber meine
schloss ich mich 2008, diesen Schritt zu wagen, Zukunft liegt ganz in den Händen der Gottes-
weil ich in meinem Herzen die Gewissheit hat- mutter. Deshalb möchte ich Euch sehr ums Ge-
te, von der Muttergottes begleitet und geführt zu bet für mich und für Korea bitten, damit sich
werden. Wenn ich heute daran denke, muss ich mein Volk zu Christus bekehrt, vor allem auch
sagen, dass es eine besondere Gnade war, denn meine leidgeprüften Brüder und Schwestern in
ich konnte diesen Schritt ohne Schwierigkeiten Nordkorea!“

11
Auf den Spuren des hl. Norbert
„Als ich 1988 mit Josef in Erwartung war“, erzählt uns Frau Herre, „hatten mein
Mann und ich nach einigen Ehejahren eine neue, tiefe Hinwendung zum Glauben
erfahren. Seit dieser Zeit gehört die Hl. Messe zu unserem gemeinsamen Tagesablauf.
So beteten wir täglich für unser drittes Kind - noch im Mutterschoß. Bei der Taufe
weihten wir den kleinen Josef Johannes Raphael der Gottesmutter, da wir selbst
diese Weihe nach Grignion von Montfort bereits mit den anderen beiden Jungen
feierlich in Altötting abgelegt hatten.“

D ie Gottesmutter ist im Leben der Fami-


lie Herre ebenso präsent wie die Engel. Wenn
„Ich spielte sehr gerne und sehr viel am
Computer. Bei Einkehrtagen aber wurde mir
Vater Herre ins Auto steigt, bittet er mit größter jedes Mal bewusst, dass das nicht zusam-
Selbstverständlichkeit um den Schutz der hll. menpasst: Ich will Priester werden, schen-
Engel. Jeden Abend beteten die Eltern mit ih- ke Gott aber nur 15 Minuten meines Tages,
ren Kindern drei Geheimnisse des Rosenkran- während ich Stunden vor dem Computer ver-
zes, wobei jeder Sohn ein Geheimnis vorbeten schwende.“ Was sollte er da tun? „Ich wollte
durfte, und die katholischen Pfadfinder Europas das Computerspielen im Grunde nicht auf-
waren die zweite „Familie“ der Jungen. In dieser geben. Deshalb machte ich mit Gott einen
Atmosphäre wuchs Josef zusammen mit seinen Deal: An jedem Tag, an dem ich am Com-
beiden Brüdern Manuel und Christoph (heute puter spiele, gehe ich auch zur Hl. Messe.
P. Alfons Maria) auf. Kein Wunder, dass Josef Notgedrungen begann ich also, täglich das
schon im Grundschulalter den Ruf zum Priester- Messopfer mitzufeiern. Heute kann ich sa-
tum vernahm. Er erinnert sich noch gut: „Das gen, dass mir der tägliche Empfang der Hl.
hat zuerst einmal keine Jubelstürme in mir Eucharistie die Kraft geschenkt hat, meine
ausgelöst, denn Priester werden hieß für Spielzeiten immer mehr einzuschränken, bis
mich vor allem: beten und predigen. Wir be- ich schließlich ganz aufhörte.
teten in der Familie, und ich habe es auch Die Frage nach dem Ort meines priester-
bereitwillig getan, denn meine Eltern waren lichen Wirkens löste sich ganz einfach. Da
mir da wirklich ein lebendiges Vorbild. Den- mein Bruder Christoph in das Werk Jesu des
noch war es keineswegs meine Lieblingsbe- Hohenpriesters eingetreten war, besuchte ich
schäftigung. Ich kannte die Zufriedenheit ihn des Öfteren. Und weil es mir hier sofort
nach dem Gebet, aber dass beten selbst zur sehr gut gefiel, war die Entscheidung nicht
Freude werden kann, wusste ich noch nicht. schwer. Ich fragte mich nur, ob es auch wirk-
Und predigen: was sollte ich den Leuten lich der Wille Gottes war. Da half mir der Rat
denn sagen? Obwohl mir also eher vor dem meines Vaters: ‚Sag einfach zu Gott: Wenn
Priestersein bangte, wollte ich eigentlich es nicht Dein Wille ist, dann wirf mir alle nur
doch den Willen Gottes erfüllen, weil mir ir- möglichen Prügel zwischen die Füße.‘ Das
gendwie klar war, dass ich nur so glücklich tat ich und konnte deshalb mit großer Gelas-
werden kann.“ senheit den entscheidenden Schritt in diese
Als es dann auf das Abitur zuging, stellte sich Gemeinschaft machen. Bis zu meiner Prie-
Josef die Frage: „Wo soll ich Priester wer- sterweihe habe ich keinen einzigen Prügel
den? In der Diözese? In einem Orden? In auf meinem Weg gefunden, und deshalb bin
welchem?“ Zudem hatte er noch ein Problem: ich überzeugt, dass es der Wille Gottes ist,

12
heute hier im Werk Jesu des Hohenpriesters hl. Theresia von Lisieux, Louis und Zélie Mar-
meine Berufung leben zu dürfen.“ tin, dem Rektor, unserem P. Jean Marie, beizu-

I n unserer geistigen Familie gehört es zur


Ausbildung der Seminaristen, in den Se-
stehen.

U nter dem Schutz des hl. Norbert von


mesterferien erste pastorale Erfahrungen Xanten freut er sich schon sehr auf dieses Wir-
in den Missionen zu sammeln. Wir fragten kungsfeld. Vor allem möchte er nach dem Bei-
P. Norbert Maria, wie Josef nun nach der Prie- spiel seines Beschützers die Anbetung pflegen.
sterweihe heißt, ob diese Erlebnisse sein Prie- Denn er ist überzeugt, dass sich gerade hier vor
sterbild verändert haben. dem Allerheiligsten die größten Wunder ereig-
„Ich glaube, wie die meisten träumte auch nen werden. Bei seiner Primizmesse öffnete er
ich am Anfang vor allem davon, viele Men- ein wenig sein Herz: „Schon als Seminarist
schen zu bekehren. Aber dann lernte ich, dass trafen mich die Worte meines geistlichen
es zuallererst nur um Gott geht, darum, Ihn Vaters P. Paul Maria tief, der uns einmal
zu lieben; die äußerlich sichtbare pastorale sagte: ‚Wenn Gott schon ein Stückchen Brot
Wirksamkeit ist zweitrangig. Denn wenn ich in Seinen Leib verwandeln kann, um wie viel
Gott liebe, dann wird Er die Menschen an mehr wird Er einen Menschen in Sich selbst
Sich ziehen. Das weiß ich jetzt, aber ich weiß umgestalten können.‘ Ja, das ist das Ziel
auch, dass es trotzdem schwierig sein wird, meines Priestertums, in Jesus umgestaltet
wenn man keine oder nur wenige Früchte zu werden. Wo könnte das wirksamer ge-
sieht.“ schehen als bei der Feier der Hl. Messe und
P. Norbert wird nach Frankreich gehen, um der Anbetung des lebendigen Gottes in der
dort am Heiligtum der hll. Eltern der Kleinen Hl. Eucharistie?“

Am Ende der Primizmesse bedankte sich P. Norbert Maria bei seinen Eltern: „Die Liebe der Eltern ist die gottähnlichste
Liebe. Das durfte ich durch euch erfahren. Danke, Mama, dass du daheimgeblieben bist und immer für uns da warst. Ich
weiß: meine Berufung ist eine Frucht eures Gebetes. Denn nur wenn wir an die Liebe Gottes glauben können, können wir
die Ganzhingabe im Zölibat leben. Für mich ist das so einfach, weil ich so gute Eltern habe, die mich immer bedingungslos
geliebt haben.“

13
Gottes Liebe lässt frei
P. Luca Ambrogio Ruggeri stammt aus dem bekannten italienischen
Ferienort Riccione an der Adriaküste mit dem größten Wasserpark Europas.
Seine leibliche Schwester Emanuela hat uns im Triumph des Herzens Nr. 97
ein schönes Zeugnis ihres Glaubens im Hinblick auf die Ehe gegeben.
P. Luca hat seine eigene Geschichte, die er Euch in der Freude darüber,
nun Priester sein zu dürfen, gerne erzählt.

I ch möchte mit einem Ereignis in meinem Le-


ben beginnen, das für mich entscheidend war:
oberflächliche Beziehung, die sich aber nach kur-
zer Zeit schon wieder auflöste. Mein Glaubens-
der Tod meiner Mutter, als ich gerade erst 15 leben beschränkte sich auf den Sonntagsgottes-
Jahre alt war. Sie ging nach einem langen Krebs- dienst, und mein Berufsziel war es, Architekt zu
leiden von uns. Mama zeigte mir, wie man den werden. Während ich mit einem vorbereitenden
Glauben in der Freude leben kann, indem man Ingenieurstudium begann, machte ich einige für
ihn durch Taten bezeugt. Sie lehrte mich auch, mein Leben einschneidende Erfahrungen.
dass ich mich für das Gute frei entscheiden
muss. Ich erinnere mich gerne an einen Sonntag, Eine davon war eine Freundin, die tiefgläubig ist
an dem ich keine Lust hatte, zur Hl. Messe zu und deshalb klare Wertvorstellungen hatte. Mit
gehen, und ihr sagte: „Mama, ich möchte da- ihr lebte ich meine erste ernsthafte Freundschaft
heimbleiben und fernsehen.“ Sicher war das und begann konkret über eine Familie nachzu-
ein Schmerz für sie, doch sie ließ es mich nicht denken. Aber genau in dieser Zeit lernte ich auch
spüren. Sie sagte nur: „Na gut, wenn du das so Priester und Schwestern der Familie Mariens
willst, dann bleib daheim. Aber denk daran, kennen, die in unserem Ort Zeugnis ablegten.
dass du damit das Schlechtere wählst!“ In je- Ihre Anwesenheit weckte in mir, mehr aber noch
nem Augenblick spürte ich in meinem Inneren, in meiner älteren Schwester, ein besonderes In-
dass ich frei war und mich entscheiden konnte. teresse, denn wir erkannten in den Schwestern
Diese Freiheit ließ mich erkennen, dass die Hl. der Familie Mariens das frohe Lächeln unserer
Messe nicht etwas ist, was wir Gott geben, son- Mama wieder! Also begannen wir uns zu fragen,
dern im Gegenteil, Gott schenkt Sich uns und ob uns unsere Mama vom Himmel aus dadurch
gibt uns, was wir brauchen. Kurz entschlossen etwas sagen wollte. Es entstand eine schöne
raffte ich mich auf und folgte Mama und meiner Freundschaft mit den Missionaren und Missi-
Schwester zur Kirche. Diese kleine Begebenheit onarinnen. Eine der Schwestern hatte mir den
war so typisch für meine Mutter, die am Anfang Vorschlag gemacht, ein Jahr meiner Zeit der Got-
meiner Berufung steht und dann ihr Leben für tesmutter zu weihen, um zu erkennen, ob meine
mich und unsere Familie hingab. feste Freundin wirklich jene Frau war, die Gott
für mein Leben vorgesehen hatte. Ich bemühte
Nach Mamas Tod lebte ich mit meinen Freunden mich, jeden Tag den Rosenkranz zu beten, zur
das normale Leben eines Jugendlichen von Ric- Hl. Messe zu gehen und öfter zu beichten.
cione. Diese Stadt ist bekannt für Tourismus und In dieser Zeit begann ich zu verstehen, dass
Vergnügen. Man muss nicht lange suchen, um Gott mir nichts wegnimmt, sondern mir ganz im
eine Diskothek zu finden, und ich verbrachte Gegenteil alles gibt. Ich sah, dass ich die richtige
viele Abendstunden dort. Ich hatte so manche Richtung eingeschlagen hatte, denn ich wurde

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immer glücklicher! Nicht dass ich nicht mehr verliebt gewesen
Ich schloss mich auch einer Jugendgebetsgruppe wäre, aber die Gewissheit der Berufung nahm
an, wo ich miterlebte, dass der Mensch, der be- unerwarteterweise immer mehr Gestalt in mir
tet, viel schöner und viel glücklicher ist als der, an. P. Paul beruhigte mich dann: „Sei ohne
der seine Freuden nur in der Welt sucht. Sorge! Der Herr zwingt dich nicht zu einer
Wahl, Er liebt dich in jedem Fall, unabhän-
A n einem unserer Gebetsabende fragte ein
Mädchen der Gruppe zwei von uns jungen Män-
gig von deiner Entscheidung, ob du eine
Familie gründen oder Priester werden
nern, ob wir bereit wären, sie für ein Wochen- möchtest!“ In diesem Augenblick erlebte ich
ende nach Rom zu begleiten, wo sie die Fami- mich ganz frei zu wählen, und ich stand vor ei-
lie Mariens besuchen wollte; denn sie wollte ner Entscheidung aus Liebe! An jenem Tag habe
auch aus Sicherheitsgründen nicht allein reisen: ich mich für das Priestertum entschieden, und
einer der beiden jungen Männer war eben ich! nach nur einem Monat bin ich in die Gemein-
An diesem Wochenende wurde mein Leben total schaft eingetreten.
verwandelt. Kaum in der Gemeinschaft ange- Erst jetzt verstand ich, wie mich das Jahr,
kommen, war es mir, als ob ich hier zu Hause das ich durch Maria dem Herrn geweiht hat-
wäre, obwohl ich keinen einzigen Italiener an- te, auf den wichtigsten Augenblick meines
traf: Deutsche, Slowaken, Franzosen, Afrikaner, Lebens vorbereitet hatte: den Moment,
Amerikaner und Iren. Trotz dieser Vielfalt kein meine Berufung zu erkennen. Ohne die Gottes-
einziger Italiener! Doch ich fühlte mich daheim! mutter wäre ich nicht imstande gewesen, so klar
Der schönste und größte Augenblick aber war zu verstehen, wozu der Herr mich berufen hatte,
für mich das Treffen mit dem Gründer der Ge- und schon gar nicht, mich so schnell zu entschei-
meinschaft. Ich habe einfach so mit ihm ge- den!
sprochen und wollte ihn um einige Ratschläge
für mein Leben bitten, auch bezüglich meiner Meine Priesterberufung war und ist auch heute
Freundin. Kaum hatte ich mich P. Paul Maria ein Geschenk, das ich nicht verdient habe, für
geöffnet, sprach er zu mir von der Möglichkeit, das ich aber offen war! Ich habe mein ganzes
Priester zu werden. Angesichts dieser Tatsa- Priestertum unter den Schutz Mariens gestellt.
che fühlte ich etwas, was ich nie zuvor erlebt Wer sich ihr anvertraut, wird nicht enttäuscht
hatte: Es war, als ob der Wunsch, Priester zu werden, denn sie führt dich wie eine wirkliche
werden, in mir aufgebrochen wäre, und er war Mutter den richtigen Weg, sie vermittelt das
stärker als das Verliebtsein in meine Freundin. wahre Glück!
Da habe ich ganz klar meine Berufung erkannt! Ich danke Euch für all Eure Gebete.

15
Jesus will dich sehr klein
Wie die hl. Faustyna war auch Sr. Josefa Menéndez (1890-1923) schon mit 33 Jahren
vollendet. Nur vier Jahre lebte sie als bescheidene Laienschwester in der Gesellschaft
der Ordensfrauen vom Heiligsten Herzen Jesu in Poitiers, Frankreich,
und arbeitete dort als Schneiderin. Keine ihrer Mitschwestern, außer der Oberin,
wusste von ihren mystischen Gaben und ihren großen Sühneleiden für die Bekehrung
der Sünder. 1938 erlaubte der Kardinalprotektor der Kongregation, Eugen Pacelli,
der spätere Papst Pius XII., die Veröffentlichung der Botschaften Jesu an Sr. Josefa.
„Mögen sie wirksam dazu beitragen, in vielen Seelen ein immer größeres
und liebenderes Vertrauen auf das unendliche Erbarmen des göttlichen Herzens
gegen die Sünder zu erwecken, die wir ja alle sind.“

A m 26. Dezember 1922 bat Josefa die


Gottesmutter, ihr doch mit der Hl. Kommunion
Liebe Leser, geht uns das nicht auch so? Hört,
welch tröstliche Worte ihr die Gottesmutter sagte:
das Jesuskind zu bringen und sie zu lehren, das „Fürchte nichts, meine Tochter. Jesus erwar-
Göttliche Kind zu lieben und zu trösten. Josefa tet nur deinen guten Willen. Bemühe dich, so
schreibt in ihr Tagebuch: „Ich sprach zu ihr viel du kannst, Ihm deine Liebe zu beweisen.
mit viel Vertrauen, wie man zu einer Mutter Weißt du, wie du es machen sollst? Jesus will
spricht, und nach der Hl. Kommunion flehte dich sehr klein, ganz klein ... so klein, dass
ich sie an, Ihn für mich anzubeten und mich zu du hier Platz findest.“ Und sie zeigte Josefa mit
unterweisen, Ihm Dank zu sagen.“ Da erschien der Hand den kleinen, schmalen Spalt zwischen
die Muttergottes und brachte Josefa das Jesuskind ihrem Herzen und dem Jesuskind, das Sich an sie
mit den Worten: „Sieh her, meine Tochter, ich lehnte. „Du ahnst nicht, wie gut du es hier ha-
bringe dir deinen Jesus ... Lege Ihn tief in dein ben wirst“, fuhr die Muttergottes fort. Und Jesus
Herz hinein. Siehe, wie Er friert! Erwärme ermutigte sie, indem Er mit den Ärmchen winkte:
wenigstens du Ihn durch deine Liebe. Er ist „Versuche es nur, du wirst es sehen!“
so gut, und Er hat dich so lieb! Er allein soll Erneut bat Josefa um Verzeihung für all ihren Wi-
König deines Herzens sein.“ derstand, der ihr angesichts so großer Liebe tief
Josefa versicherte der Gottesmutter, dass sie bewusst wurde. Da antwortete ihr die Gottesmut-
das Jesuskind sehr lieben wolle, dass sie aber ter: „Ja, es ist wahr, zuweilen bist du recht un-
leider oft nicht treu genug alles tue, was Es von dankbar. Weißt du, warum? Weil du mehr an
ihr verlange. „Da sagte Jesus mit ganz zarter dich denkst als an Ihn. Achte nicht darauf, wie
Kinderstimme zu Maria: ‚Mutter, Ich habe schwer es dir wird, sondern beweise Ihm dei-
Josefa gebeten, Mir ein Gewand zu weben, ne Liebe, indem du alles tust, was Er von dir
geschmückt mit vielen Seelen.‘ Und die Mut- verlangt. Heißt Er dich reden, so rede. Heißt
tergottes fuhr sogleich fort: ‚Ja, gewinne Ihm Er dich schweigen, so schweige. Heißt Er
Seelen, meine Tochter, und lass nicht zu, dass dich lieben, so liebe. Er sorgt doch für dich!“
sie sich von Ihm entfernen.‘“ Und die Gottesmutter verabschiedete sich mit
Josefa beteuerte der himmlischen Mutter, dass den Worten: „Leb wohl, meine Tochter! Ver-
sie diesen Auftrag von ganzem Herzen ausfüh- giss das Gewand nicht … Erwärme Ihn und
ren wolle: durch Gebet und Opfer den Seelen zu gib Ihm Seelen!“
helfen, sich Gott zu nähern. Doch gleichzeitig
erlebte sie trotz ihres festen Vorsatzes auch ihre Quelle: DIE LIEBE RUFT, Botschaft des Herzens Jesu
Schwäche, nachlässig zu sein. an die Welt, CH, Flüeli Ranft

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Drei Strohhalme
Was Jesus die spanische Sühneseele Josefa Menéndez lehrte, gilt uns allen.
Es ist mit so schlichten Worten beschrieben, dass es uns Erwachsenen
fast zu kindlich vorkommen mag. Aber dahinter stehen tiefe Wahrheiten,
die zu leben nicht so einfach sind, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Manches Mal verstehen es die Kinder besser
und können uns sogar in der Liebe zum Vorbild werden.

S o erging es uns letztes Jahr im Advent. Eine


unserer Schwestern hielt hier in Rom eine Kin-
Gottesmutter ihre persönlichen Anliegen vor-
bringen dürfen, sind sie wieder ganz hellwach.
derkatechese und erklärte dabei den Kleinen, Am Tag nach der Katechese war Maria beim
dass sie in dieser Vorbereitungszeit auf Weih- Rosenkranzgebet auffallend aufmerksam, und
nachten dem Jesuskind ein warme weiche Lie- ihre Eltern wunderten sich darüber, dass sie
gestatt bereiten können, indem sie für jedes dieses Mal nicht einschlief. Nach dem Gebet
Opfer, das sie bringen, einen Strohhalm in die lüftete sie selbst ihr „Geheimnis“. Erschöpft,
Krippe legen. aber mit einem strahlenden Lächeln sagte Maria
Die fünfjährige Maria hörte ganz genau zu. Sie zu ihrer Mama: „Heute darf ich drei Stroh-
hat das große Glück, in einer Familie aufzuwach- halme in die Krippe legen.“ Etwas erstaunt
sen, in der man viel über den Glauben spricht fragte Lisa: „Warum drei?“ - „Ich habe den
und miteinander betet. Jeden Abend nehmen ganzen Rosenkranz gebetet, habe ihn auf
sich Lisa und Michele die Zeit, mit ihren beiden den Knien gebetet, und ich habe Francesco
Kindern Maria und dem siebenjährigen France- verziehen.“
sco vor einer Marienstatue im Wohnzimmer den
Rosenkranz zu beten. Die Kinder schlafen da- Ja, die Kleinen verstehen oft viel besser als wir
bei meist während des dritten Geheimnisses ein. Erwachsene, wie sie den Herrn „erwärmen“ und
Wenn sie aber am Ende des Rosenkranzes der Ihm ihre Liebe zeigen können.

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Gott braucht das Kleine
D ie Hirten kamen zum Stall von Betlehem
und beteten das Kind an. Sie hatten Geschenke
der Strohhalm, dass Gott das scheinbar Wert-
lose, das Kleine braucht. Ja, Gott braucht
mitgebracht und waren glücklich mit leeren uns, die Kleinen, die gar nicht viel können
Händen wieder gegangen. Nur ein kleiner Hirte und in den Augen der Großen nicht viel wert
hatte ganz heimlich etwas von der Krippe mit- sind!“
genommen. Er hielt es fest in seiner Hand, so
dass die anderen zuerst nichts bemerkten, bis auf Immer wieder nahm der kleine Hirte den Stroh-
einmal einer sagte: „Was hast du denn da in halm in die Hand, dachte an die Worte der Engel
der Hand?“ - „Einen Strohhalm“, erwiderte und freute sich darüber, dass Gott die Menschen
er, „einen Strohhalm aus der Krippe, in der so liebhat, dass er klein wurde wie sie.
das Kind gelegen hat.“ - „Einen Strohhalm“, Eines Tages aber nahm ihm einer der anderen
lachten die anderen, „das ist doch nur Abfall. Hirten den Strohhalm weg und schrie wütend:
Wirf ihn weg.“ Aber der kleine Hirte schüttelte „Du mit deinem Stroh. Du machst mich ganz
den Kopf. „Nein“, beharrte er, „den behalte verrückt damit!“ Und er knickte den Halm
ich. Für mich ist er eine Erinnerung an das wieder und wieder und warf ihn zur Erde. Der
Kind. Jedes Mal, wenn ich diesen Strohhalm kleine Hirte hob seinen Schatz behutsam auf,
in der Hand halten werde, werde ich mich an strich ihn glatt und sagte aufatmend zu den an-
das Kind erinnern und daran, was die Engel deren: „Seht doch, er ist geblieben, was er
von ihm gesagt haben.“ war: ein Strohhalm. Deine ganze Wut hat
Am nächsten Tag fragten die anderen Hirten daran nichts ändern können. Es ist leicht,
ihn wieder: „Hast du den Strohhalm immer einen Strohhalm zu knicken. Und genauso
noch? Ja? Wirf ihn doch weg. Der ist doch denkst du vielleicht: was ist schon ein Kind,
nichts wert.“ Doch der Kleine wusste es bes- wo wir einen starken Helfer brauchen! Aber
ser: „Das ist nicht wahr. Das Göttliche Kind ich sage dir: aus diesem Kind wird ein Mann,
hat darauf gelegen.“ - „Na und?“, bohrten und der wird nicht unterzukriegen sein. Er
sie weiter, „das Kind ist wertvoll, sicher, aber wird die Wut der Menschen aushalten, ertra-
was willst du mit dem Stroh?“ Der kleine Hirte gen und bleiben, was er ist: Gottes Retter für
sah das anders: „Worauf hätte das Kind denn uns. Denn selbst der Hass kann Gottes Liebe
sonst liegen sollen, arm wie es ist? Mich lehrt nicht vernichten!“

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