WAS BEDEUTET MBD?
Modellbasierte Definition, oder MBD, ist die Praxis der Dokumentation von Informationen, die für die
Herstellung und Prüfung von Teilen und Baugruppen in 3D-CAD-Modellen (Computer-Aided Design),
im Gegensatz zu 2D-Produktionszeichnungen, erforderlich sind.
Quelle: [Link]
Vorteile von MBD
MBD bietet zahlreiche Vorteile für den Produktentwicklungsprozess. Laut einer Studie des National Institute
of Standards and Technology (NIST) kann MBD den Prozess vom Entwurf über die Fertigung bis zur Prüfung
um sagenhafte 78,4 % verkürzen. Das ist so, als ob Sie am Montag bereits vor dem Ende des Tages Ihre
gesamte Arbeit für die Woche erledigt hätten.
Warum ist MBD effizienter als die traditionelle Methode mit 2D-Zeichnungen? Weil die 3D-Anmerkungen im
CAD-Modell semantisch sind, was bedeutet, dass andere Software sie verstehen kann.
Anstatt ein PDF oder einen Ausdruck einer Zeichnung an Ihre Lieferkette weiterzugeben, geben Sie
entweder die ursprüngliche native Teiledatei oder eine CAD-neutrale STEP-Datei weiter. Wenn diese
Dateien in einer CAM-Software (Computer Aided Manufacturing) oder einer Prüfsoftware für
Koordinatenmessgeräte (CMM) geöffnet werden, erkennt die Software die 3D-Anmerkungen und ihre
geometrischen Referenzen.
Dadurch entfällt die Arbeit der Übersetzung der Informationen von einer Zeichnung in eine
nachgeschaltete Software. Dies ist einerseits schneller und reduziert andererseits Fehler.
Der Weg zur MBD
Die Wurzeln der modellbasierten Definition gehen auf die erste 3D-CAD-Software von 1968
zurück. Allerdings arbeiten die meisten Unternehmen auch heute noch mit Zeichnungen. Sie
entwickeln ein 3D-Modell und erstellen anschließend eine 2D-Fertigungszeichnung.
Zeichnungen enthalten Ansichten des Objekts und Produkt- und Fertigungsinformationen (PMI),
einschließlich:
• Bemaßungen
• Geometrische Toleranzen
• Notizen
• Symbole und Oberflächengüten
• Tabellen wie Stücklisten
Ingenieurbüros und Unternehmen haben erkannt, dass sie immense Vorteile und Einsparungen
erzielen können, wenn sie die Zeichnung abschaffen und direkt von der Konstruktion zur
Fertigung übergehen. Das Erstellen einer 2D-Zeichnung ist ein Rückschritt gegenüber 3D.
Mitte der 1990er Jahre trafen sich mehrere Personen bei Boeing in Wichita, Kansas, um eine
neue Methodik zur Erfassung der PMI direkt im CAD-Modell vorzuschlagen: MBD. Die technischen
Standards für MBD sind in ASME Y14.41-2019 und ISO 16792:2015 festgehalten.
Implementierung von MBD
Wenn CAD-Benutzer bereits wissen, wie man 2D-Zeichnungen erstellt, ist der Übergang zu MBD
einfach. Die Hauptelemente von MBD im CAD-Modell sind die folgenden:
• Anmerkungsebenen, um die Platzierung und Ausrichtung der Details zu definieren, die
im Modell platziert werden sollen
• 3D-Anmerkungen für das Produkt und Fertigungsinformationen
• Kombinations-Zustände, um die 3D-Anmerkungen übersichtlich zu gestalten und zu
organisieren
Kombinations-Zustände beinhalten auch:
o Explosionszustände
o Querschnitte
o Vereinfachte Darstellungen, um die Anzahl der angezeigten Komponenten zu
reduzieren
o Darstellungszustände, um Komponenten in verschiedenen Farben und Texturen
anzuzeigen
o Stilzustände, um Komponenten in verschiedenen Darstellungsmodi anzuzeigen, z. B.
schattiert, durchsichtig und verdeckte Linien entfernt.
Das Erstellen von 3D-Anmerkungen in MBD ist tendenziell einfacher als das Erstellen von 2D-
Zeichnungsansichten und Details, da MBD mehr Flexibilität bietet. Eine Bemaßung kann z. B. nur
in einer Zeichnungsansicht erscheinen, eine 3D-Bemaßung kann jedoch in mehreren
Kombinations-Zuständen erscheinen. Die meisten Unternehmen haben strenge Regeln für die
Darstellung von Details in 2D-Zeichnungen.
Arbeitsergebnis
Eine häufige Fehlannahme ist, dass MBD „zeichnungslos“ oder „papierlos“ ist. MBD bedeutet,
dass die Zeichnung nicht mehr die vorrangige zuverlässige Informationsquelle ist. Bei Bedarf
können Sie eine Zeichnung erstellen, wenn Ihre Lieferkette dies erfordert.
Anstelle eines PDFs ist das primäre Arbeitsergebnis von MBD das technische Datenpaket (TDP).
Dies ist ein Satz elektronischer Dateien, der Folgendes enthalten kann:
• Das Modell entweder in seinem nativen Format, wie Creo, oder im CAD-neutralen STEP
AP242-Format.
• Die Stückliste im Excel- oder CSV-Format, die von anderer Software genutzt werden kann,
im Gegensatz zu Tabellen auf 2D-Zeichnungen, die für nachgelagerte
Lieferkettensysteme umgeschrieben werden müssen.
• Andere zugehörige elektronische Dateien wie Notizen, Schaltbilder und Dokumente zur
Erstmusterprüfung (FAI).
Fazit
MBD optimiert den Produktentwicklungs-Workflow, denn es generiert Inhalte, die in
nachgeschalteten Prozessen in Fertigung, Lieferkette, Bestandsmanagement und im
gesamten Unternehmen genutzt werden können.
Über den Autor
Dave Martin
Dave Martin ist ein ehemaliger Ausbilder und Berater für Creo, Windchill
und Mathcad. Nachdem er PTC verlassen hatte, war er als Creo-
Spezialist für Amazon tätig. Außerdem ist er Maschinenbauingenieur. Er
war Creo-Administrator und Windchill-Administrator für Amazon Prime
Air. Er hat ein Maschinenbaustudium am MIT abgeschlossen und
arbeitet derzeit als Avionik-Ingenieur für Blue Origin.
Martin ist Autor der Bücher „Design Intent in Creo Parametric“
(Designabsichten in Creo Parametric) und „Top Down Design in Creo
Parametric“ (Top-Down-Design in Creo Parametric) – beide bei
[Link] erhältlich. Kontakt: dmartin@[Link].