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Riumph Des Erzens: PDF - Familie Mariens 17. JG (V) 2009 Nr. 97

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Triumph des Herzens

DIE LIEBE CHRISTI DRÄNGT UNS

PDF - Familie Mariens


17. Jg (V) 2009
Nr. 97
Karitas ist empfangene und geschenkte Liebe.
Als Empfänger der Liebe Gottes
sind die Menschen . . dazu berufen,
selbst Werkzeuge der Gnade zu werden,
um die Liebe Gottes zu verbreiten.
Aus der Enzyklika Caritas in Veritate

Nicht aus eigenerKraft


Welch beglückende Motivation die Liebe ist, Völkerapostel Paulus in seinem „Hohenlied der
welch ungeheure Kraft zum Handeln sie verleiht, Liebe“ so schön beschrieb, verwirklichen zu
weiß jeder, der schon einmal verliebt war. Nichts können, müssen wir sie uns schenken lassen.
ist dann zu schwierig und zu anstrengend. Im Nur einem Gott unendlicher Liebe konnte es
Gegenteil, geradezu beschwingt nimmt man „einfallen“, Sich in der Hl. Eucharistie zum
dem Geliebten sogar Lasten ab und ist selbst zu Geschenk zu machen und sogar „essen“ zu
großen Opfern gerne bereit. lassen.
Doch niemand kann sich lange auf so einem Wenn wir auf diese einfache Weise Gottes Herz
„Höhepunkt“ halten. Aus eigener Erfahrung in uns aufnehmen, wird Er auch uns immer mehr
weiß jeder, wie schnell einem diese menschliche mit Seiner Sehnsucht erfüllen, anderen zu helfen
Liebe „ausgeht“. „Ich habe einfach keine Liebe und sie zu trösten.
mehr“, hat wohl jeder von uns schon einmal Gottes Liebe inspiriert, drängt und befähigt
gesagt. Woher aber die Liebe nehmen, wenn nicht nur Heilige wie Vinzenz von Paul und
man sich im wahrsten Sinne des Wortes „lieblos“ Josef Cottolengo durch konkrete Situationen
erlebt? Spätestens dann ist es an der Zeit, zu und Umstände zu großen Werken und
Dem zu gehen, bei Dem diese Liebe von so ganz Gründungen. Auch uns können die unzähligen
anderer Art immer zu finden ist. Herausforderungen des Alltags zu Möglichkeiten
werden, in denen wir sagen: „Aus Liebe zu Dir,
Liebe Freunde, beim Lesen dieser Ausgabe Jesus, und in Deiner Kraft!“
des Triumph des Herzens „Die Liebe Christi Dies bestätigt auch Mutter Teresa: Beim Besuch
drängt uns“ werdet ihr Heiligen begegnen und Papst Pauls VI. 1965 im Sterbehaus schenkte er
Menschen, wie wir es sind. Auch sie kamen an ihr jenen Wagen, den er für seine Indienreise vom
ihre Grenzen, resignierten jedoch nicht, sondern amerikanischen Volk bekommen hatte. Anstatt
wurden zu demütig Bittenden, zu Anbetern vor ihn weniger gewinnbringend zu verkaufen,
dem Allerheiligsten, wo die göttliche Liebe versteigerte sie ihn. Mit dem Riesenerlös konnte
wohnt. ein Leprakrankenhaus gebaut werden. Auf die
Um diese göttliche Liebe, die der große Frage ihres Biographen Navin Chawla „Wie

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kamen Sie nur auf die Idee mit der Versteigerung?“ „Dann wird der König denen auf der rechten
antwortete sie ihm: „Wenn Sie beten, werden Sie Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem
auch solche Einfälle haben!“ Vater gesegnet seid ... Denn ich war hungrig,
Nehmen wir uns so liebeerfüllte Menschen zum und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war
Vorbild und fragen wir uns, wie wir ganz konkret durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben;
in unserer Umgebung, in der Familie oder am ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich
Arbeitsplatz die tätige Nächstenliebe leben aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir
können! Beim Jüngsten Gericht, von dem Jesus Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt
in Kapitel 25 des Matthäusevangeliums spricht, mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr
wird uns Gott nur nach der Liebe beurteilen: seid zu mir gekommen ...

Der hl. Vinzenz vonPaul


„Seht, wie sie einander lieben!“, hieß es schon von den Urchristen in Jerusalem.
Sieben Diakone sorgten damals für die gerechte Verteilung der Güter,
so dass allen alles gemeinsam war. Ja, die tätige Nächstenliebe, die Karitas,
gab es seit den Anfängen des Christentums immer in der Kirche, gemäß dem Wort
des Herrn: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr
mir getan.“ Einer, der die Karitas im Frankreich des 17. Jahrhunderts
mit organisatorischem Talent in großem Stil aufbaute, war Vinzenz von Paul.
Er gilt als Patron aller karitativen Einrichtungen, und jedes seiner zahllosen Werke
hätte genügt, um seinen Namen unvergesslich zu machen.

Das Credo
Auch wenn später Könige bei Vinzenz von Paul Paul wurde öffentlich des Diebstahls angeklagt
(1581-1660) beichteten und Rat suchten, eine und bis in höchste Kirchenkreise verleumdet.
ganze Priestergeneration spirituell von ihm Ein halbes Jahr lang schwieg, litt und betete
geformt wurde, zahlreiche Heilige aus seinen er, bis sich endlich seine Unschuld erwies.
Orden hervorgingen und ihm ganze Provinzen Dieses Vorkommnis war wie eine innere
ihre Rettung vor Hunger und Pest verdankten, Reinigung für ihn, die dazu beitrug, dass er alle
hatte der gebürtige Bauernsohn in jungen Jahren Karrieregedanken ablegte und in kurzer Zeit ein
nur eine gutbezahlte Pfarrstelle, Titel, Ansehen vorbildlicher Priester wurde.
und Karriere im Kopf. Doch je mehr der Kaum ging es Vinzenz nur mehr um Gottes
mittellose Priester Reichtum und Ehre nachjagte, Ehre, erhielt er 1610 einen gesicherten
umso mehr zerschlugen sich all seine Pläne. Posten bei Königin Marguerite de Valois. Als
So kam der 28-Jährige schließlich 1609 mit Almosengeber verteilte er in ihrem Auftrag ein
einem Schuldenberg nach Paris, wo ihn das Pech Drittel ihres Vermögens unter die Armen und
weiter zu verfolgen schien, sich in Wirklichkeit besuchte die Kranken in den Hospitälern. Auf
aber seine Bekehrung anbahnte. Vinzenz von diese Weise wuchs Vinzenz in die eigentliche

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Sendung seines Lebens hinein. den Armen widmen“, versprach er und konnte
Am Hof der hochgebildeten, gläubigen Königin, von diesem Moment an wieder frohen Herzens
an dem die besten Wissenschaftler, Künstler und glauben.
Kirchenfürsten ihrer Zeit ein und aus gingen,
lernte er einen berühmten Theologen kennen, Mit 32 Jahren wurde Vinzenz von Paul
der seit langem an schweren Glaubenszweifeln Erzieher der Söhne des ebenso reichen wie
litt. Als alle Gespräche mit dem leidenden frommen Grafen Gondi, der Oberbefehlshaber
Mitbruder keine Besserung brachten, bot der französischen Flotte und Galeerengeneral
Vinzenz Gott seinen eigenen Glauben für ihn an. war. Dort lernte er auf dessen Besitzungen die
Schlagartig fand der Theologe daraufhin zum schreiende Armut und religiöse Verwahrlosung
Glauben zurück. Vinzenz selbst aber wurde nun der französischen Landbevölkerung kennen.
von solchen Anfechtungen gegen den Glauben „Eines Sonntags, als ich mich für die Hl. Messe
niedergedrückt, dass er sich das Credo auf einen ankleidete, überbrachte man mir die Nachricht, in
Karton schrieb, den er von da an wie ein Schild einem abgelegenen Hof, etwa eine Viertelstunde
auf dem Herzen trug. Immer wenn die Prüfung entfernt, läge eine ganze Familie in unsäglicher
besonders stark wurde, legte er seine Hand in Not krank danieder. Das ging mir sehr nahe, und
einem Glaubensakt auf das handgeschriebene in der Predigt empfahl ich sie den Gläubigen
Credo. so sehr, dass Gott ihre Herzen rührte.“ Gleich
Drei Jahre trug Vinzenz unbemerkt an dieser am Nachmittag eilten Scharen von Menschen
geistigen Last, bis er die wunderbare Erfahrung mit Lebensmitteln zum abgelegenen Gehöft.
machte, dass seine Glaubenszweifel immer dann Vinzenz, der die Lage sofort erfasste, organisierte
abnahmen, wenn er sich liebevoll eines armen daraufhin, dass nun regelmäßig jemand Essen
Kranken annahm. Schließlich machte er ein zu den Kranken brachte. So klein begann sein
Gelübde, an dem er bis zu seinem Tod festhielt. erstes Hilfswerk, der „Karitasbund“, der sich in
„Mein ganzes Leben will ich ganz dem Dienst an Windeseile über ganz Frankreich ausbreitete.

Allen alles werden


Diese Not und zahllose andere Missstände kam, sie lächelnd „seine Kinder“ nannte,
waren Vinzenz von Paul immer ein Wink ihnen die Wunden verband und Essen brachte.
Gottes, um zur Tat zu schreiten. So war es auch, Bald sorgte er auch für eine menschenwürdige
als er 1619 von Graf Gondi zum Seelsorger Unterkunft, in der er Räuber und Mörder pflegte,
der Galeerensträflinge ernannt wurde. Ehe die tröstete und unterwies. Anfangs schüttelte die
Kriminellen auf die Galeeren kamen, hielt man Pariser Gesellschaft darüber nur den Kopf.
sie oft monatelang in Pariser Gefängnissen wie Als sich jedoch immer mehr Sträflinge, die
Tiere in dunklen, fauligen Zellen. Mit Ungeziefer jeglichen Glauben an Gott verloren hatten,
bedeckt und von Ratten geplagt, kauerten sie bekehrten, wurde Vinzenz von Paul bald bei
dort, in schwere Ketten gelegt, auf feuchtem Hof als „Charmeur de tigres“, als „Bezauberer
Stroh, das sie in ihrem Hunger sogar aßen. Halb von Tigern“ bewundert. „Erst wenn ich ihre
wahnsinnig vor Angst verstümmelten sich viele Schmerzen mitlitt, für ihr Unglück Mitleid hatte
von ihnen eigenhändig, um für die Galeeren und ihre Ketten küsste, hörten sie mich an und
unbrauchbar zu sein. Der Heilige war erschüttert priesen Gott“, bezeugte Vinzenz. Nicht lange,
über solch grauenhafte Zustände. und es wurde beim Adel Mode, sich davon im
Die Gefangenen ihrerseits konnten es kaum Kerker selbst zu überzeugen - was Vinzenz
glauben, als sie der einfache Priester besuchen seinerseits gleich erfinderisch nutzte, um die von

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Mitleid gerührten Damen für ein Hilfswerk für gegründetes Priesterseminar zur Erneuerung des
Gefangene zu gewinnen. Klerus.
Als Seelsorger besuchte der Heilige auch
Tausende Galeerensträflinge auf den Schiffen, Einmal auf den Gängen des Schlosses wies er
hörte geduldig ihre Klagen an, küsste ihre lächelnd auf die kostbare Halskette der Königin
rasierten Schädel und tröstete alle mit Worten und bat: „Majestät, können Sie nicht bewirken,
von einer Milde, die schließlich jeden erweichte. dass diese Steine sich in Brote verwandeln?“
Solange er auf den Galeeren war, wagte kein Die Königin verstand, löste die Kette vom Hals,
Aufseher zu fluchen oder die Sträflinge zu und in kürzester Zeit war die Verwandlung
schlagen. Von innerer Glut gedrängt, ließ geschehen! Insgesamt ging die ungeheure
sich der Heilige sogar einmal anstelle eines Summe von 50 Millionen Goldfranken durch die
verzweifelten Familienvaters an die Ruderbank Hände des „Vaters der Armen“, und es erstaunt
ketten. Erst nach Wochen wurde der heimliche nicht, dass sein Herz, das dem demütigen und
Tausch entdeckt, und noch im Alter waren tiefe sanftmütigen Herzen des Herrn so ähnlich wurde,
Beinwunden stumme Zeugen dieses freiwilligen bis heute unversehrt ist und als kostbare Reliquie
Sklavendienstes. in der Rue du Bac in Paris, im Mutterhaus der
„Wenn Gott unseren ersten Missionen einigen Vinzentinerinnen, verehrt wird.
Segen gegeben hat, so nur, weil wir allen
Menschen gegenüber freundlich, demütig und
herzlich gehandelt haben“, erklärte Vinzenz von Vinzenz von Paul, dessen gütige und heitere
Paul bescheiden. Ausstrahlung alle faszinierte, hatte von Natur
Tatsächlich konnte niemand seiner aus eine eher herbe und melancholische
liebenswürdigen Art widerstehen. So klopfte er Veranlagung:
auch stets erfolgreich bei Anna von Österreich, „Ich war stachelig wie eine Brombeerstaude. So
der Mutter des späteren Sonnenkönigs Ludwig wandte ich mich an Gott und bat Ihn inständig,
XIV., an, wenn er Hilfe brauchte für seine mir dieses trockene, abstoßende Wesen zu
Findelkinder- oder Irrenfürsorge, für sein nehmen und mir einen freundlichen, milden
Bettler- oder Flüchtlingswerk, für Schulen, Geist zu verleihen. Durch die Gnade Gottes habe
Krankenhäuser, Altenheime oder für sein neu ich mein finsteres Wesen ein wenig abgelegt.“

DasHaus der göttlichenVorsehung


Mitten im Stadtkern Turins wirkte Josef Benedikt Cottolengo (1786-1842)
in der Corpus-Domini-Kirche als beliebter Beichtvater und eifriger Seelsorger.
Vor allem konnte sein freigiebiges Herz den Armen nichts abschlagen,
die zu lieben ihn seine Mutter schon von klein auf gelehrt hatte.
Doch im Letzten blieb das Priesterleben Cottolengos unerfüllt.
Als ruhelos Suchender zog er sich immer mehr zurück. Skrupel und Depressionen
plagten ihn, bis er schließlich eine Biographie des hl. Vinzenz von Paul las.
Die Nächstenliebe dieses Karitasapostels begeisterte ihn ganz neu,
doch in seiner Schwermut hatte er selbst noch keine Kraft zu solch tätiger Liebe.
Dazu bedurfte es in seinem Leben eines dramatischen Eingriffes.

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Herr, was möchtest Du von mir?
Dieser ereignete sich am 2. September 1827, als Als jedoch die Cholera ausbrach und Nachbarn
der 41-Jährige von der Corpus-Domini-Kirche das kleine Hospital als „Seuchenherd“
zur sterbenden Johanna Gonnet gerufen wurde, verklagten, musste Cottolengo es nach vier
die in einem Stall einer nahen Gastwirtschaft lag, Jahren schließen. Er aber verlor die Zuversicht
wohin die Stadtwache gewöhnlich obdachlose nicht und meinte lächelnd: „Kohlköpfe müssen
Kranke und lästige Betrunkene brachte. Die 35- umgepflanzt werden, wenn sie besser wachsen
Jährige war mit ihrem Mann und den drei Kindern sollen.“
von Mailand nach Lyon unterwegs gewesen, als Nur sieben Monate später eröffnete er 1832
sie, vom Fieber geschüttelt, dringend ärztliche im Vorort Valdocco das „Kleine Haus der
Hilfe brauchte. göttlichen Vorsehung“, die „Piccola Casa“, mit
Im Krankenhaus hatte man sie jedoch wegen ihrer zwei Zimmern, einem Stall und einer Scheune
fortgeschrittenen Schwangerschaft abgewiesen, und hängte als Erstes über der Pforte ein Schild
da das Schreien eines Neugeborenen stören auf mit seinem Wahlspruch: „Die Liebe Christi
würde. Im Entbindungsheim wiederum hatte sie drängt uns!“
keine Aufnahme gefunden, weil sie fieberkrank
war. So musste der herbeigeeilte Cottolengo Vier Wochen nach dem Einzug war das
hilflos zusehen, wie die junge Mutter nach dem „Kleine Haus“ schon hoffnungslos zu klein.
Empfang der Sterbesakramente im elenden Doch in kurzer Zeit gelang es Cottolengo, eine
Unterschlupf starb und wenige Minuten darauf angrenzende alte Hutfabrik und umliegende
ihr neugeborenes Mädchen. Häuser zu erwerben. Damals prophezeite er
Erschüttert kehrte er zurück zur Kirche, fiel seinen ersten Helfern: „O, das ist nur ein kleiner
vor dem Tabernakel auf die Knie und betete: Anfang, und das ‚Kleine Haus‘ wird groß
„Warum, Gott, hast Du mich zum Zeugen sein! Es gleicht einem Senfkörnlein, dessen
gemacht? Was möchtest Du von mir? Ich Bestimmung es ist zu wachsen und zu einem
muss etwas tun, damit sich so eine Tragödie großen Baum zu werden. Es wird die Zeit
nicht wiederholt!“ Nach kurzer Zeit ließ er kommen, da in diesen Räumen Tausende das
die Glocken läuten, zündete beim Marienaltar Brot der göttlichen Vorsehung essen werden.“
alle Kerzen an, stimmte zum Erstaunen der Und so kam es trotz Widerständen, Spott und
herbeigeeilten Leute die Lauretanische Litanei Verleumdungen. „Ich bin nur ein Handlanger
an und rief freudestrahlend: „Die Gnade ist der göttlichen Vorsehung, von der ich fester
erschienen! Die Gnade hat gesiegt! Gepriesen überzeugt bin als vom Dasein der Stadt Turin“,
sei die Heilige Jungfrau!“ Nun wusste er um sagte Cottolengo stets bescheiden von sich
Gottes Plan! Von jetzt an sollte er sich um jene und gründete - gedrängt und inspiriert von
kümmern, für die niemand sorgte. So begann der Notwendigkeit - immer „neue Familien“,
Cottolengos großartiges Werk, für das ihm noch wie er die Häuser für seine „geliebten Kinder
15 Lebensjahre blieben. und Perlen“ nannte: die mittellosen Kranken
Voll neuem Elan mietete er ohne Geld in der und die alten Leute, die Waisen, Blinden,
Tasche drei Zimmer. Ein Beichtkind bezahlte Taubstummen, Epileptiker, Behinderten und
die ersten fünf Betten, und Cottolengo war voll psychisch Kranken. Gleichzeitig rief er zu
Vertrauen: „Die göttliche Vorsehung besorgte deren Pflege und geistlichen Betreuung etwa 15
uns die Betten, also wird sie auch für die Kranken „religiöse Familien“ ins Leben, darunter mehrere
sorgen.“ Drei Jahre später konnten schon über kontemplative Anbetungsgemeinschaften und
200 Kranke versorgt werden, wobei ein Arzt und eine Priesterkongregation.
ein Apotheker unentgeltlich halfen.

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Daneben halfen seit Beginn unzählige Gebet ist die erste und wichtigste Aufgabe in
Freiwillige mit, u. a. Don Bosco, der als junger der Piccola Casa“, sozusagen der Schlüssel zur
Priester erst seit kurzem in Turin war und später Schatzkammer der göttlichen Vorsehung.
selbst in Valdocco den Salesianerorden gründen
sollte. Auf Einladung Cottolengos diente er ab So kam es, dass er gerade bei Engpässen noch
1841 den Kranken als Beichtvater und betreute stärker vertraute, erst recht viele arme Bittsteller
invalide Kinder. Als der 26-Jährige wieder einmal aufnahm, Verträge für neue Häuser machte
aushalf, befühlte Cottolengo seine Soutane und und einmal sogar den Bau eines Frauenspitals
meinte scherzend: „Dieser Stoff ist zu leicht. beginnen ließ, obwohl gerade zu dieser Zeit
Schauen Sie sich nach einem strapazierfähigeren keine finanzielle Hilfe in Aussicht war. „In
um, denn viele Jungen werden sich an diesem der Piccola Casa geht es vorwärts, solange sie
Gewand festhalten.“ nichts besitzt. Sie wird nach meinem Tod ohne
Nie wurde der heilige Gründer müde, seinen Schulden sein“, sagte er über deren Entfaltung
geistigen Kindern zu wiederholen: „Was für richtig voraus. Nach dem Tod des 56-jährigen
die Armen gegeben wird, muss auch sofort Gründers erließen tatsächlich alle Gläubiger ihre
für sie ausgegeben werden. Wenn wir etwas Geldforderungen, und heute, fast 170 Jahre nach
zurückhalten, schickt uns die Vorsehung nichts dem Tod des Heiligen, bestehen weltweit über
mehr, weil sie weiß, dass wir noch etwas haben.“ 100 „Zweigstellen“.
Blieben einmal die nötigen Mittel aus, ließ er In Turin selbst wurde die Piccola Casa zu einem 90
sofort im ganzen Haus nach dem Grund suchen. 000 m² großen Stadtteil mit Kliniken, modernen
Fand sich tatsächlich ein freies Bett, mussten sich Labors und Therapiezentren. Die Wäscherei
Helfer gleich auf die Suche nach einem Kranken allein misst einen Hektar, und die Küchen
machen. Erst wenn das Bett belegt war oder ein entsprechen zwei riesigen Bahnhofshallen. Von
andermal die letzten Reste von Lebensmitteln dort aus werden auch täglich 500 Obdachlose
oder Medikamenten verschenkt waren, trafen gespeist, wie sie schon damals Cottolengo jeden
neue Gaben ein. Tag um sich gesammelt hatte, um ihnen das
Nach dem Motto „Wir haben nur auszuteilen, was Evangelium vorzulesen und sie dann mit Brot
die Vorsehung uns heute schickt, und nicht an den und Suppe zu bedienen.
morgigen Tag zu denken“, verteilte Cottolengo Wie in der Gründerzeit besitzt die Piccola
jeden Abend, ehe er schlafen ging, als Ausdruck Casa bis heute kein Kapital, keine gesicherten
des Vertrauens alles restliche Geld. „Seid Einkünfte, keine Subventionen und auch kein
sicher“, pflegte er zu sagen, „dass die göttliche Budget. Sie lebt ganz aus Gottes liebender
Vorsehung niemals fehlen wird. Sie hat noch nie Vorsehung! Hier werden etwa 15 000 Mittellose
bankrott gemacht. Ihr ist es nicht schwerer, 5000 gratis beherbergt, behandelt und betreut. Dabei
Menschen zu ernähren als 500. Wenn etwas darf nicht vergessen werden, dass neben den
fehlt, dann kann es nur an unserem Mangel an 2000 Cottolengoschwestern auch alle Ärzte,
Vertrauen liegen.“ Darum verlor Cottolengo, Therapeuten und Freiwilligen unentgeltlich
wenn Sorgen und Gläubiger ihn bedrängten, arbeiten - entsprechend der Lebensregel ihres
nie seine Heiterkeit. Allerdings betete er dann heiligen Gründers: „Die Liebe Christi drängt
oft ganze Nächte durch, immer überzeugt: „Das uns.“

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EineNothelferin unserer Zeit
Emma Üffing (1914-1955), die spätere sel. Sr. Maria Euthymia,
stammt aus dem westfälischen Ort Halverde/D. Mit 20 Jahren trat sie in Münster
bei den Clemensschwestern ein. Diese verinnerlichte Seele glänzte nie durch
auffallende Charismen und Ekstasen, vielmehr lag ihre Stärke im ganz
Unscheinbaren:
im Dienen und Schweigen, im Zuhörenkönnen, Sichmitfreuen und Mitfühlen.
Doch so verborgen Sr. Euthymia auch lebte, nach ihrem Tod wurde sie bald
zu einer bekannten Fürsprecherin. Im Archiv des Mutterhauses sind 150 000 Briefe
und Karten aus aller Welt aufbewahrt, die von Heilungen, Bekehrungen und Hilfe
verschiedenster Art berichten. Insgesamt geschahen über 45 000 Gebetserhörungen
auf die Fürbitte dieser überaus beliebten deutschen Seligen.

Der Engel derLiebe


Elf Jahre lang wirkte Sr. Euthymia ab 1936 als Ordensberuf.“
hingebungsvolle Krankenschwester im Vinzenz- Die St.-Barbara-Baracke wurde 1943 zur
Hospital in Dinslaken. Obwohl sie erst Anfang Station für Kriegsgefangene mit ansteckenden
20 war, erreichte sie bald Unglaubliches. Krankheiten. Sr. Euthymia hatte die
Kranke, die 30, 40 Jahre Gott und der Kirche Verantwortung für die bis zu 80 schweren Fälle,
ferngestanden hatten, fanden durch sie zurück die meist halbverhungert, verlaust und verdreckt
zu Gott. Sie selbst schrieb: „Die arme, kranke ankamen. „Der Engel der Liebe“, wie man sie
Welt, wie sehr ruft sie nach unserer Hilfe. Nichts bald nannte, war für alle da.
darf uns zu schwer werden, kein Misserfolg uns Eine Mitschwester sagte: „Immer hatte sie noch
abschrecken. Wohl kommen hier und dort Opfer ein Plätzchen. Sie richtete Lagerstätten auf
vor, doch die Liebe ist stärker und überwindet Liegestühlen und Matratzen in den Trümmern
alles. Es ist ja alles für den großen Gott!“ und auf den Fluren ein.“ Oft kam die erstaunte
Als Isolierstation diente im Krieg eine Frage: „Woher weiß Sr. Euthymia schon wieder,
Holzbaracke, wo oft die Mehrzahl der 50 dass Russen angekommen sind?“, wenn sie
Patienten Kinder waren. Während häufiger ungerufen mit warmen Decken bereitstand. Ja,
Fliegeralarme trug die Schwester die Kleinen ihre mitleidsvolle Liebe spürte intuitiv, wo Not
unermüdlich in die Luftschutzräume und half herrschte. Ihrem Bruder Hermann schrieb sie:
ihnen durch Spielen, Erzählen und Beten über „Könnte man doch all diesen Armen die Mutter
alle Ängste hinweg. „Tante Timi“ nannten die ersetzen, damit sie sich nicht ganz so verwaist
Kinder sie liebevoll. Eine Gehilfin Sr. Euthymias vorkommen! Viel und große Liebe will ich ihnen
bezeugte: „Sie erteilte ihre Aufträge stets in entgegenbringen!“
Form einer Bitte. Ihr stilles, ruhiges Wesen, Wie gut ihr das gelang, daran erinnerte sich
ihre feine, mustergültige Art haben auf mich der französische Häftling Léon Clémont: „Die
einen unvergesslichen Eindruck gemacht. Man liebe kleine Sr. M. Euthymia empfing mich wie
musste sie gernhaben! Sie war mir der Weg zum eine Mutter. ‚Meine lieben Kranken‘, sagte sie

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gern. Oft hörte ich sie für uns Gefangene beten, Raphaelsklinik: „Dort muss eine Schwester
‚denn‘, so sagte sie, ‚es tut weniger weh, wenn hin, die in außerordentlichem Maß den Frieden
man den Herrn bittet.‘ Sie war von grenzenloser liebt.“ Als der Chefarzt in Dinslaken davon
Güte gegenüber fremdem Leid. Sie hatte das erfuhr, meinte er der Oberin gegenüber: „Die
Herz einer Heiligen. Indem sie uns eine sehr kleine Schwester, die Sie sich von uns geholt
große, wohlwollende Liebe erwies, war sie vor haben, hätten Sie uns auch lassen können. Die
allem unseren russischen Brüdern Wegweiser. kleine Heilige konnten auch wir gebrauchen.“
Ich habe mit eigenen Augen die wirkliche Die Arbeit inmitten von Wäschebergen, bei
Rückkehr dieser Männer zu Gott gesehen, den stickiger Luft und scharfem Geruch war hart.
sie nicht genug kannten, zu Gott, den nur Sr. Eine Pflegeschülerin erzählte: „Es ging so viel
Euthymia sie so lieben lehren konnte.“ Auch Liebe und Fröhlichkeit von ihr aus. Oft, wenn
nachdem Euthymias Bruder in Russland gefallen mir jetzt etwas schwerfällt, sehe ich plötzlich das
war, änderte sie ihre liebevolle Haltung den Gesicht der Schwester vor mir, das immer feucht
russischen Gefangenen gegenüber nicht, getreu war vom Schweiß. Nie hat sie uns eine Bitte
dem Vorsatz: „Wer Menschen gewinnen will, abgeschlagen. Es waren keine großen Dinge, die
muss sein Herz zum Pfand geben.“ sie tat. Aber gerade die kleinen, die niedrigsten
Verrichtungen haben diese Schwester in den
Wie selbstverständlich schleppte sie zusammen Augen aller, die sie kannten, so lieb und wert
mit dem ihr zugeteilten Hilfspfleger, dem gemacht. Ich selbst wünsche mir einen ganz
französischen Gefangenen Pfarrer Emile Eche, kleinen Teil vom Wesen Sr. Euthymias.“
die Kranken treppauf, treppab und notierte
auf einem Zettel in ihr handgeschriebenes Manche Mitschwestern stießen sich jedoch an
Gebetbuch: „Herr, hilf mir, denn ich brauche ihrer schier grenzenlosen Hilfsbereitschaft:
Kraft, die selbst im Weinen noch ein Lächeln „Seien Sie doch nicht überall so
schafft! Herr, gib mir Kraft mit auf den Weg entgegenkommend, und gewöhnen Sie nicht
und ein Lächeln und einen nimmermüden festen jeden und alle daran, dass ihre Wünsche immer
Schritt!“ erfüllt werden!“ Schweigend nahm Sr. Euthymia
Über zwei Jahre hatte Pfarrer Eche ihr Vorbild die Kritik hin, um dann am Abend, nach hartem
vor Augen: „Es war ihre Mission, durch ihre Arbeitstag, ganz allein den Geschirrabwasch für
ganze Lebensweise Christus zu verkünden. jene Schwestern zu übernehmen, die zum Singen
Manche haben sie im Sterben ‚Mutter‘ genannt, in den Mutterhauschor gehen wollten. „Das kann
denn sie war durch ihre christliche Liebe eine ich wohl!“, hatte sie einer jeden wiederholt, die
Quelle des Friedens. Lächelnd trug sie ihr Kreuz sie um diesen Gefallen bat.
der beinahe ununterbrochenen Karfreitage.“
Die Kraft für ihre ungezählten Liebesdienste holte
Bei einem Bombenangriff wurde Dinslaken sich Sr. Euthymia aus dem Gebet. Das bezeugte
1945 zu 85 Prozent zerstört, und so auch das Mutter Ottokara: „Ich weiß, dass sie nach dem
Vinzenz-Hospital. Man übertrug Sr. Euthymia Grundsatz arbeitete: ‚Alles aus Liebe und in
die Verantwortung für die Wäscherei. Als sie, Vereinigung mit Jesus!‘ Wurde es ihr körperlich
die mit Leib und Seele Krankenschwester war, schwer, die nasse Wäsche in die Maschinen
von der unerwarteten Versetzung hörte, wurde zu füllen, so betete sie halblaut: ‚Lieber Jesus,
sie blass, fing sich aber rasch und sagte ruhig: komm, hilf mir!‘“ Sonntags verbrachte sie
„Es ist gut so. Wenn die Oberen meinen, dass ich ihre wenigen freien Stunden anbetend vor dem
das kann, geh’ ich ins Waschhaus. Es ist ja alles Tabernakel, wo sie geistig auftankte, denn sie
für den großen Gott.“ wollte ja „dem Heiland Freude machen, immer,
Drei Jahre später sandte Mutter Ottokara die immer!“
33-Jährige für denselben mühsamen Dienst Als im Juli 1955 bei Sr. Euthymia Krebs
nach Münster ins Mutterhaus und in die festgestellt wurde, waren die Ärzte erschüttert

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zu erfahren, dass sie bis jetzt gearbeitet hatte. direkt in den 3. Stock auf die Krankenabteilung,
„Manchmal konnte ich fast nicht mehr von einer wo sie die letzten acht Wochen sehr litt. Still
Waschmaschine zur anderen gehen“, gestand starb die erst 41-Jährige mit den Worten: „Lieber
Sr. Euthymia und begab sich von der Wäscherei Heiland, nimm mich hin!“

„Die Slum-Schwester“
40 Jahre lang wirkte Mutter Teresa ungeachtet aller Unterschiede
von Kasten, Nationen, Kulturen und Religionen getreu ihrem Motto:
„Alles, was wir tun, Gebet, Arbeit, Leiden, tun wir für Jesus
und mit Jesus. Wir dienen Ihm und lieben Ihn in den Armen.“

Mutter Teresa, die nach ihren ersten Rundgängen voller Liebe und Demut, dass ich fähig werde,
durch die Straßen Kalkuttas bald überall die Jesus zu empfangen, Jesus zu berühren, Jesus zu
„Slum-Schwester“ genannt wurde, erzählte beim lieben in diesem zerstörten Körper.‘
Berliner Katholikentag 1980 die eindrückliche So ging ich zurück, hob sie von der Straße auf
erste Begegnung mit einer Sterbenden aus ihrer und wusste, dass Er es war, der Herr, den ich da
Anfangszeit: aufhob. Das war das Zeichen, dass Christi Liebe
„Vor 30 Jahren, als ich in den Straßen Kalkuttas größer ist als meine Schwäche. Ich trug sie zum
mit Jesus allein umherging, fand ich eine Frau, Krankenhaus, wo man sie nicht aufnehmen wollte
die, von Ratten und Ameisen halb zerfressen, und schließlich nur deshalb auf eine Matratze auf
mit Schmutz bedeckt und voller Würmer, vor dem Fußboden legte, weil ich so hartnäckig war.
dem Campbell-Krankenhaus lag. Ich konnte sie Ein paar Stunden später starb die Frau.
nicht anschauen, sie nicht berühren und auch Damals beschloss ich, einen Ort für Sterbende
nicht näher treten, sondern ich lief weg. Im zu suchen und mich dort selbst um sie zu
Weglaufen betete ich aber zu Unserer Lieben kümmern. Hätte ich diese Sterbende damals
Frau: ‚Maria, meine Mutter, gib mir ein Herz so nicht aufgelesen, wäre unsere Kongregation
rein und so schön, so rein und so makellos, so daran gestorben.“

Der Ort des reinenHerzens


In Kalkutta, mitten im Hindutempelbezirk Wunden übersät war, aus denen Würmer kamen.
Kalighat, wurde Mutter Teresa 1952 von der In Nirmal Hriday begann ich ihn zu waschen
Stadtverwaltung ein an den Tempel der Göttin und seine offenen Stellen zu verarzten. Dabei
Kali angrenzendes Gebäude überlassen, wo sie verfolgte er mit halbgeschlossenen Augen jede
ihr Sterbehaus einrichtete, das später weltweit meiner Bewegungen, ohne zu klagen. ‚Leidest
bekannt wurde. du sehr?‘, fragte ich ihn. ‚Ja‘, erwiderte er leise
Sie berichtete oft bei ihren öffentlichen Reden: und fügte hinzu: ‚Aber ich bin glücklich, denn ich
„Einmal habe ich einen Mann aus einem offenen habe nie in einem Haus gewohnt. Ich habe wie
Abwasserkanal gezogen, dessen Leib mit ein Tier gelebt, doch jetzt, umgeben von so viel

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Liebe, werde ich sterben wie ein Engel.‘“ der unbekannte Beobachter so getroffen, dass er
Dort im Sterbehaus ist es still und sauber, und die zu Mutter Teresa sagte: „Ich kam gottlos hierher.
Schwestern predigen einzig durch ihre Tat. Als ein Doch ich durfte die Liebe Gottes mit eigenen
Atheist einmal unbemerkt eine Schwester längere Augen erleben durch die Hände dieser Schwester,
Zeit beobachtete, die sich eben eines von der durch ihre Zärtlichkeit und Liebe für einen armen
Straße hereingetragenen Sterbenden annahm, war Kranken. Ja, Mutter, jetzt glaube ich!“

Die Hl. Eucharistie, unsere Kraftquelle


Obwohl Mutter Teresa seit Beginn ihres befähigt.“
Armenapostolates all die Jahrzehnte innere Eine andere Erfahrung machte Mutter Teresa in
Dunkelheit durchlitt (vgl. Triumph des Herzens Indien: „Ich ging mit einigen Schwestern zum
Nr. 89), klammerte sie sich mit aller Macht an Eucharistischen Kongress. Auf der Straße sah
Jesus und sagte: „Die Hl. Messe ist die geistige ich zwei Sterbende, eine Frau und einen Mann.
Nahrung, die mich erhält. Ich könnte nicht Ich blieb stehen und sagte zu den Schwestern:
einen einzigen Tag oder eine Stunde meines ‚Geht zum Kongress, ich bleibe hier und stehe
Lebens ohne sie sein. In der Hostie sehe ich ihnen bei.‘ Viele waren mir böse, weil ich
Christus in Brotsgestalt, in den Slums sehe ich nicht kam. Doch ich sagte ihnen später ganz
Ihn in der jammervollen Gestalt der Armen, ruhig: ‚Ich bin weggegangen, um Christus in
in den zerstörten Körpern, in den Kindern und Form des Brotes anzubeten, fand Ihn aber auf
in den Sterbenden.“ Deshalb stellte sie 1975 der Straße in Form der beiden Sterbenden. Ich
auch nur eine einzige Bedingung, als sie im blieb stehen, um Ihn anzubeten.‘“ Auch ihre
muslimischen Staat Jemen eingeladen wurde, jungen Schwestern ermutigte sie oft: „‚Wenn ihr
eine Missionsstation zu eröffnen: „Wir kommen, wirklich in der Liebe wachsen wollt, dann geht
wenn ein Priester bei uns sein darf, um täglich zur Hl. Eucharistie, haltet Anbetung.‘ Früher
die Hl. Messe zu feiern. Sonst können wir nicht hielten wir in unserer Kongregation wöchentlich
durchhalten.“ eine Stunde Anbetung. 1973 beschlossen wir,
Sie erhielt die Genehmigung, und ihre Schwes- jeden Tag eine Stunde Anbetung zu halten.
tern nahmen die Arbeit unter Leprakranken auf. Wir haben viel Arbeit. Doch seit wir jeden Tag
Ein muslimischer Mufti sagte darüber: „All Anbetung halten, ist unsere Liebe zu Jesus
die Jahre glaubte ich, Jesus sei nur ein Prophet inniger geworden, unsere Liebe füreinander
wie Mohammed. Aber nun wurde ich davon verständnisvoller, unsere Liebe zu den Armen
überzeugt, dass Jesus Gott sein muss, wenn Er mitfühlender, und die Zahl der Berufungen hat
Schwestern zu so großer Liebe zu den Ärmsten sich verdoppelt.“

Nicht für eine MillionDollar!


Im Jahr 1957 begann sich Mutter Teresa mit auf einem verwilderten Grundstück unter einem
ihren Schwestern um Aussätzige zu kümmern, Baum ihre „erste Praxis“, die bald zu ihrer
die wegen ihrer Krankheit Familie, Zuhause, „mobilen Poliklinik“ auf einem Lastwagen und
Freunde und Arbeit verloren hatten. In der schließlich zum ersten von mittlerweile über
Nähe von Kalkutta, in Titagarh, eröffnete sie hundert modernen indischen Zentren wurde,

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in denen jährlich nahezu 200 000 Patienten verzichten, um Ihnen das Geld für Ihre Armen
behandelt werden. Lepra kann ja inzwischen zu bringen.‘ Auf meine Frage ‚Warum habt ihr
gestoppt und sogar geheilt werden! das nur getan?‘ erhielt ich die überraschende
Damals sagte ein amerikanischer Journalist, der Antwort: ‚Wissen Sie, unsere gegenseitige Liebe
ihr zusah, wie sie einen stark verstümmelten ist so groß, dass wir sie mit den Armen teilen
Leprakranken versorgte: „So etwas würde ich wollten. Das war eine unbeschreibliche Freude
nicht einmal für eine Million Dollar tun!“ - für uns.‘“
„Auch ich würde es nicht für eine Million Dollar
tun!“, entgegnete sie lächelnd „aber ich tue es Diese Erfahrung der Freude des Teilens machte
aus Liebe zu Gott. Dieser Arme, der leidet, ist auch eine reiche Hindufrau. Sie bot Mutter Teresa
für mich der Leib Christi.“ ihre Hilfe an, gestand ihr aber gleichzeitig:
Diesen Ausgestoßenen wollte Mutter Teresa von „Wissen Sie, luxuriöse Saris bezaubern mich.
Anfang an „das Gefühl vermitteln, auch nützlich Jeden Monat kaufe ich mir einen neuen.“ „Und
zu sein“. Deshalb standen in Titagarh bald in der Tat“, so stellte Mutter Teresa nüchtern
Dutzende Webstühle, an denen Leprakranke die fest, „sie trug einen kostbaren Sari für 800
weißen Saris mit den blauen Kanten woben, von Rupien. Im Vergleich dazu kostete meiner nur
denen in einem Jahr 4000 Stück ihren Weg zu knapp acht Rupien. Da sammelte ich mich einen
den Missionarinnen der Nächstenliebe fanden. Moment und bat die Gottesmutter, mich doch
Vor allem der Besuch Papst Pauls VI. machte zu inspirieren, um dieser reichen Hindufrau die
Mutter Teresas Wirken in den sechziger Jahren für sie beste Antwort geben zu können, wie sie
weithin bekannt. Immer mehr Menschen an unserer Mission mitwirken könnte. Es kam
boten ihre Hilfe an, von denen - wie Mutter mir der Gedanke, ihr zu sagen: ‚Mir scheint,
Teresa feststellte - „in Kalkutta der Großteil das Allerbeste wäre, Sie würden mit dem Sari
Nichtchristen sind. Einmal kamen z. B. beginnen: Kaufen Sie doch das nächste Mal statt
Studenten, alle waren Hindus, die Geld für einen um 800 Rupien einen um nur 500 Rupien
meine Armen brachten, das sie sich anstelle und für die übrigen 300 Rupien Saris für die
der Siegestrophäen bei einem Sportwettbewerb Armen.‘ So kam es, dass diese reiche Hindu ihre
ausbezahlen hatten lassen. - Ein andermal war Ausgaben so sehr reduzierte, dass sie bis auf 100
es ein erst vierjähriger Hindujunge, der mich Rupien herunterkam. Dieses Faktum, so gestand
lehrte, wie man mit großer Liebe liebt. Ich weiß sie mir, habe ihr ganzes Leben verändert: ‚Heute
nicht wie, aber der Kleine hatte im Kindergarten verstehe ich wirklich, was es heißt zu teilen. Ich
erfahren, dass ich im Heim keinen Zucker für die habe den inneren Eindruck, viel mehr bekommen
Kinder hatte. Zu Hause sagte er zu den Eltern: zu haben, als ich gab.‘“
‚Ich will drei Tage keinen Zucker essen. Ich lege An folgende Begebenheit erinnerte sich
ihn für Mutter Teresa zur Seite.‘ Nach den drei Mutter Teresa auch immer gern. Eines Abends
Tagen kam er in Begleitung seiner Eltern zu im Mutterhaus wollte ein Bettler unbedingt
unserem Haus. In der Hand ein kleines Säckchen persönlich mit ihr sprechen: „Der Arme bat nicht
mit seinem aufgesparten Zucker, stand er vor um Essen oder Almosen. Nein, er wollte mir
mir. Diese großherzige Geste jenes vierjährigen seine Tageseinnahmen, ein paar Münzen in einer
Hindus, der kaum meinen Namen aussprechen Metallschale, schenken, kaum zwei Rupien. Ich
konnte, überzeugte mich, dass jede Gabe, die zögerte kurz und dachte: ‚Nehme ich an, wird
wir aus Liebe zu Gott geben, sofort unendlichen er heute Abend hungern müssen, lehne ich ab,
Wert bekommt. verletze ich seine Gefühle.‘ So nahm ich die
Ähnlich war es mit einem neuvermählten Paar, Gabe an, und der Bettler küsste mir vor Freude
das mir eine ansehnliche Summe übergab und die Hand. Ich wusste: Er hat mir alles gegeben,
erklärte: ‚Vor zwei Tagen haben wir geheiratet. was er besaß. Für mich war dieses Geschenk
Doch schon zuvor hatten wir uns entschlossen, mehr wert als der Nobelpreis und alle anderen
auf kostbare Saris und auf das Hochzeitsmahl zu Auszeichnungen, die ich je bekam.“

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Kalkutta ist überall!
Als Mutter Teresa 1979 im Namen der Armen drei Tagen blieb er bei ihrem Besuch stumm, bis
den Friedensnobelpreis entgegennahm, kam er sie schließlich doch um etwas bat: ‚Da ich
sie in ihrer Rede auf jene „Lepra des Westens“ nun gesehen habe, dass ihr Gott in mein Leben
zu sprechen, der sie in den Wohlstandsländern gebracht habt, so bringt mir jetzt auch einen
überall begegnete: „Die Armut des Westens ist Priester.‘ Und jener Mann, der seinen Mund nur
viel schwieriger zu beseitigen. Ein Mensch, für diesen einen einzigen kurzen Satz geöffnet
der ausgeschlossen ist, der sich unerwünscht hatte, beichtete. Er war katholisch und hatte
und ungeliebt fühlt, ein Mensch, der von der seit 60 Jahren nicht mehr das Beichtsakrament
Gesellschaft verstoßen wurde, diese Armut ist so empfangen. Am nächsten Morgen starb er sehr
schmerzhaft, so schlimm! Diesen Hunger nach ruhig!“
Liebe müssen Sie und ich aufspüren, vielleicht
sogar im eigenen Haus!“ Mit den Jahren kamen die Missionarinnen der
Dann berichtete sie, wie sie in einem Altenheim Nächstenliebe auf alle Kontinente. In Australien
beobachtet hatte, dass alle Bewohner immerzu hatten sie im „Haus der Barmherzigkeit“
nur auf die Tür starrten: „Auf meine Frage in Melbourne einmal einen Alkoholiker
‚Wie kommt das und warum lächeln sie nie?‘ aufgenommen, der seit Jahren arbeitslos und zu
antwortete eine Pflegerin: ‚Sie hoffen, dass ein einem Auswurf der Gesellschaft geworden war.
Sohn oder eine Tochter sie besuchen kommt. Sie Nach einigen Wochen einer Entziehungskur
sind verletzt, weil man sie vergessen hat.‘ Und war er wie ein neuer Mensch und sagte zu
ich sah, hier ist Liebe gefragt. Vielleicht gibt es den Schwestern: „Eure Liebe hat mir bewusst
ja in unserer eigenen Familie jemanden, der sich gemacht: Gott liebt mich!“ Dann ging er heim
einsam fühlt, der krank ist, der Sorgen hat. Sind zu seiner Frau und seinen Kindern und suchte
wir dann zur Stelle, um ihn anzunehmen?“ sich eine Arbeit. Nach vier Wochen brachte er
Eine unvergessliche Begegnung hatte Mutter den Schwestern seinen ersten Monatslohn mit
Teresa diesbezüglich auch, als sie in London den Worten: „Verwendet dieses Geld, um auch
ein reicher Mann auf der Straße bat, ob sie nicht anderen die Liebe Gottes zu zeigen, so wie ihr
ihre Schwestern zu ihm nach Hause schicken es mit mir gemacht habt.“
könnte. Das alte Ehepaar war zwar reich, aber Ein andermal erhielt Mutter Teresa den Brief eines
niedergedrückt von einer beängstigenden Brasilianers in hoher Position: „Er schrieb mir,
Einsamkeit. Da begann Mutter Teresa mit wie er seinen Glauben an Gott ganz verloren hatte
einsamen alten Menschen Gesprächsgruppen zu und dann auch seine Arbeit, so dass er Selbstmord
bilden: „Die Schwestern lassen sie einfach reden, als einzigen Ausweg sah. In der Zeit kam er an
reden und reden und hören zu. Ja, es ist eine einem Elektrogeschäft vorbei und sah zufällig
schöne Sache, jemandem Gehör zu schenken, auf einem Bildschirm, wie unsere Schwestern im
dem niemand zuhören möchte!“ Sterbehaus die Kranken und Sterbenden pflegten.
Nachdem er dies gesehen hatte, so schrieb er mir,
Oft erzählte Mutter Teresa auch von einem fiel er auf die Knie und begann nach vielen Jahren
einsam-verwahrlosten Mann in Rom, dem erstmals wieder zu beten. Gleichzeitig fasste er
ihre geistigen Töchter die Wohnung putzten, den Entschluss, zu Gott zurückzukehren und auch
ihn badeten und für ihn kochten: „Doch die den Menschen wieder Vertrauen zu schenken.
Schwestern brachten kein einziges Wort aus Das Erlebte hatte ihn davon überzeugt, dass Gott
dem alten Mann heraus. Auch an den folgenden die Welt auch heute noch liebt.“

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Eine überraschend schnelle „Antwort “
Emanuela Ruggeri und Marco Ballabene aus Riccione (Italien)
durften erleben, wie Gott sie auf außergewöhnliche Weise erhört hat.
Sie sind überzeugt, dass ein Liebesopfer -
auch wenn es vor den Augen der Welt verborgen bleibt -
zu den machtvollsten Taten der Nächstenliebe gehört.

Vor fünf Jahren verliebte sich Marco in seine Bereitschaft zu danken, mich auf meinem Weg
heutige Ehefrau Emanuela, als sie in der zu begleiten. Da es jedoch noch andere gab, die
gemeinsamen Gebetsgruppe ein Zeugnis über ich mir als Ehepartner hätte vorstellen können,
die Bedeutung des Leidens in ihrem Leben bat ich Gott um ein Zeichen: Er möge an einem
ablegte. Emanuela hatte ihre schwerkranke bestimmten Tag jenen Mann zur Hl. Messe
Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt. In einem kommen lassen, den Er für mich bestimmt hat.
anonymen Brief drückte Marco ihr seine große Das war Marco.“
Wertschätzung und Liebe aus: „Mir scheint, ich Am 29. September 2007 gingen sie dann
kenne Dich schon ein Leben lang, auch wenn zum ersten Mal allein ans Meer und beteten
ich Dich noch nie angesprochen habe … In dort den Rosenkranz. Als nach dem ersten
dieser schmerzvollen Situation fühle ich mich Geheimnis ein Feuerwerk begann, war das für
Dir ganz besonders nahe … Du bist für uns alle beide wie eine Bestätigung für das, was sie in
ein Beispiel und eine Bestätigung für das, was diesem Augenblick innerlich erkannten: Gott
wirklich ist, auch wenn wir es nicht sehen: Jesus hatte sie zusammengeführt. Sie weihten ihre
… Ich bete oft, dass Du glücklich wirst, und vor Freundschaft der Gottesmutter und entschieden
allem bitte ich Gott, dass Er mir die Möglichkeit sich, die Verlobungszeit rein und keusch zu
geben möge, Dich näher kennenzulernen …“ leben - bis hinein in ihre Gedankenwelt und die
Auf diesen Moment musste Marco jedoch noch Art und Weise, Zärtlichkeit auszudrücken. Bald
lange warten, denn Emanuela war so kurz nach aber erlebten sie, wie dieser Vorsatz zu einem
dem Tod ihrer Mutter noch nicht fähig, eine großen Kampf wurde und wie schwierig er zu
Freundschaft einzugehen. Sie verstand zwar verwirklichen war. Während des gemeinsamen
bald, wer der anonyme Verfasser dieses Briefes Rosenkranzgebetes kam ihnen schließlich
war, doch gab sie ihm keine Möglichkeit, sich die Idee, ihr Ringen Gott als Opfer für ihre
mit ihr bekannt zu machen. Nachbarin Claudia anzubieten.
Mit der Zeit überwand Emanuela den Schmerz Claudia lebte bereits 20 Jahre mit ihrem heutigen
der Trauer und stellte Gott aufrichtig die Frage, Ehemann zusammen. Vor sechs Jahren hatten sie
welchen Plan Er mit ihrem Leben habe. „Ich zwar kirchlich geheiratet, waren aber dennoch
spürte ganz klar, dass ich mein Leben mit vom Glauben und der Kirche weit entfernt. In
jemandem teilen möchte und wurde mir meiner ihrem großen Schmerz, keine Kinder bekommen
Berufung zur Ehe sicher. Wie durch Zufall las zu können, dachte Claudia nun an eine künstliche
ich erneut den Brief, den Marco mir vor drei Befruchtung, auch wenn dies von Seiten der
Jahren geschrieben hatte. Doch dieses Mal war Kirche nicht erlaubt ist.
ich von seiner echten, reinen Liebe, die mein Nachdem Emanuela und Marco Gott ihr
Glück suchte, tief berührt. Obwohl ich drei Jahre Liebesopfer angeboten hatten, änderte Claudia
nichts von mir hatte hören lassen, fühlte ich mich jedoch plötzlich ihre Einstellung und war nach
plötzlich gedrängt, ihm mit einer SMS für seine einigen Gesprächen bereit, ihr Vertrauen ganz auf

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Gott zu setzen. Und Er enttäuschte sie nicht! Am kam sie in Erwartung, und am 10. September
8. Dezember 2008, dem Fest der Immaculata, 2009 wurde ihre Tochter Aurora geboren.

DreiNeupriester für dieKirche


„Gott zeigt uns mit jedem Neupriester, dass Er die Menschen liebt und sie retten will.“
Mit diesen hoffnungsvollen Worten begann S. E. Erzbischof Mauro Piacenza,
Sekretär der Kleruskongregation, seine beeindruckende Predigt
in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.
Durch die Auflegung seiner Hände weihte er am 27. Juni 2009 - im Jahr des Priesters,
das Papst Benedikt XVI. bis zum Herz-Jesu-Fest 2010 ausgerufen hat -
drei Diakone der Familie Mariens zu Priestern:
P. Patrick Maria Cahill aus Irland, P. Van Marie Boni von der Elfenbeinküste/Afrika
und P. Karol Mária Mikloško aus der Slowakei.
Als Ausdruck ihrer Dankbarkeit für Euer Gebet und Eure materiellen Gaben,
mit denen Ihr, liebe Leser, die drei Neupriester in den Jahren ihrer Ausbildung
begleitet habt, möchten sie Euch etwas über ihren Berufungsweg erzählen.

Am Ziel und doch am Beginn


P. Karol Mária Mikloško

Wer nicht dabei war, kann sich die Freude als Kind vertraut. Ich träumte davon, irgendwo
und Dankbarkeit nur schwer vorstellen, die in der Slowakei eine Pfarrei zu haben, ein
ich erlebte, als ich am 27. Juni zusammen mit Auto, einen Hund ... denn das alles hatte mein
meinen beiden Mitbrüdern P. Van Marie und P. Priesteronkel.
Patrick Maria zum Priester geweiht wurde. Als Jugendlicher änderten sich natürlich meine
Ich bin in Nitra (Slowakei) in einer Zeit geboren, Interessen: Ich war leidenschaftlicher Fußballer
in der man als Christ das kommunistische Regime und Gitarrenspieler, zeichnete gerne und liebte
noch sehr zu spüren bekam. Meine Eltern waren Sprachen. Obwohl ich mich am Ende meiner
gläubig, aber unsere Familie musste für ihren Schulzeit entschlossen hatte, Architektur zu
Glauben bezahlen: Meine Mutter durfte an keiner studieren, dachte ich immer wieder auch an die
öffentlichen Schule unterrichten, und mein Vater Möglichkeit einer Berufung. Doch das würde
hatte keine Chancen, an seiner Arbeitsstelle bedeuten, auf Frau und Kinder zu verzichten,
aufzusteigen. Ich bin überzeugt, dass in diesem was ich mir nur schwer vorstellen konnte, denn
stillen, aus Liebe zu Gott ertragenen Leiden der mir gefielen die Mädchen.
Samen für meine Berufung liegt. In dieser Zeit half mir meine leibliche
Da mein Onkel Priester ist, war mir der Schwester, Sr. Lydia, sehr, die bereits in unserer
Gedanke an ein gottgeweihtes Leben schon Gemeinschaft war. Sie betete viel für mich

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und riet mir, für meine Entscheidung Gott immer noch nicht?“ Diese Frage traf mich wie ein
um Hilfe zu bitten. Sie sagte mir, es sei nicht Blitz. Und ich verstand: Mit Jesus kann ich nichts
ausschlaggebend, ob ich Priester werde oder „verlieren“! In diesem Moment war ich mir der
Familienvater, ausschlaggebend sei nur, dass Güte Gottes und Seiner barmherzigen Liebe so
ich mit Jesus entscheide. So betete ich jeden sicher wie noch nie. So entschied ich mich, ein
Tag in diesem Anliegen ein Geheimnis des halbes Jahr später nach Italien zu gehen und in die
Rosenkranzes, und nach vier Monaten schenkte Familie Mariens einzutreten.
mir Gott Klarheit: In einer Hl. Messe wurde das Nun - nach neun Jahren spiritueller Formung und
Evangelium von der Brotvermehrung gelesen, Studium - bin ich Priester. Zum einen bin ich am
bei dem berichtet wird, wie sich die Jünger Ziel, zum anderen bin ich am Beginn. Deshalb
kurze Zeit nach dem Wunder bereits wieder möchte ich Euch alle bitten, uns weiterhin mit
Sorgen machten, weil sie kein Brot mehr hatten. Eurem Gebet zu begleiten, damit wir Priester nach
Da tadelte Jesus sie mit den Worten: „Versteht ihr dem Herzen Jesu und Mariens werden können.

„ Nur dieLiebe schulde ich jedem . .“


P. Van Marie Boni von der Elfenbeinküste, Afrika

Ich war zwölf Jahre alt, als mir zum ersten Mal ausstrahlen. Diese Liebe war es, die mich dazu
jemand die Frage stellte: „Warum möchtest drängte, zu meiner Berufung ja zu sagen. Als
du Priester werden?“ Darüber hatte ich bisher Motto wählte ich die Worte aus dem Römerbrief:
nie nachgedacht, obwohl ich schon seit Jahren „Ich möchte niemandem etwas schuldig bleiben,
diesen Wunsch in meinem Herzen trug. Nach nur die Liebe schulde ich jedem … Die Liebe tut
einer kurzen Stille antwortete ich damals: „Um dem Nächsten nichts Böses“ (vgl. Röm 13,8.10).
das Evangelium zu verkünden.“ Für mich als Zwei Monate später entdeckte ich in der
Kind war ein Priester zuerst einmal dazu da, den Bibliothek meiner Tante Régine eine Biographie
Menschen durch sein gelebtes Beispiel und seine des vietnamesischen Redemptoristen Marcel
Worte die Frohe Botschaft Jesu zu bringen. Van. Dieser Heilige faszinierte mich, denn
Im selben Jahr vertraute ich meiner Tante, die in seinem Leben sah ich mein Motto konkret
Ordensschwester ist, den Wunsch an, in ein verwirklicht. Welche Freude war es für mich, als
Seminar einzutreten. Leider war dies wegen ich Jahre später völlig unerwartet den kleinen
verschiedener Umstände nicht möglich. Es Van als besonderen Schutzpatron für mein
folgten acht schwere Jahre voller Zweifel, in Priestertum erhielt!
denen meine Sehnsucht nach dem Priestertum Im Jahr 2000 traf ich P. Paul Maria, der mir
ein wenig abnahm. meine Berufung bestätigte. So kam ich nach
Am 15. August 1997 - ich war 19 Jahre alt - Rom, um dort die Zeit der spirituellen Formung
klopfte der Herr bei einem charismatischen zu verbringen. Mit einer feierlichen Weihe an
Gebetstreffen erneut unüberhörbar an mein Herz. das Makellose Herz Mariens trat ich nach drei
Am selben Tag traf ich die Entscheidung, auf Jahren in die Gemeinschaft Familie Mariens
den Ruf Gottes zum Priestertum zu antworten. ein. Nach Abschluss meines Philosophie-
Immer tiefer verstand ich nun, was es für mich und Theologiestudiums an der päpstlichen
heißen wird, das Evangelium zu predigen: Allen Universität Gregoriana ging am 27. Juni dieses
zuzurufen, dass Gott die Liebe ist. Er erwartet Jahres endlich der größte Wunsch meines Lebens
von uns, dass wir einander lieben, wie Er uns in Erfüllung: marianischer Priester, Missionar
liebt und Seinen Frieden und Seine Freude und Apostel der Barmherzigkeit zu werden.

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Die entscheidendeWende in meinemLeben
P. Patrick Maria Cahill

Nach meinem Schulabschluss 1997 begann ich übereinstimmten: Rockmusik, Bars, Filme etc.
an der Universität Limerick Ingenieurwesen Mit all dem Lärm schaffte ich es, die innere
zu studieren: neue Freunde, neue Erfahrungen, Stimme zu übertönen und ein Doppelleben zu
neue Probleme. Ziemlich schnell wurde führen.
mir klar, dass ich mir eigentlich etwas ganz Als P. Paul Maria 1998 bei uns in Irland
anderes vom Studentenleben erwartet hatte. Einkehrtage hielt, begegnete mir in ihm ein
Die Herausforderung des Studiums war dabei Priester, der seine Berufung nicht nur am Altar
das kleinste Problem. Schlimmer war, dass ich lebte, sondern immer - in einer einfachen
mich fehl am Platz fühlte. Bei allem, was ich Unterhaltung in gleicher Weise wie bei einem
tat, blieb immer nur eine große Leere in mir. geistlichen Gespräch. Das beeindruckte mich
Unterricht, Nachtlokale, Alkohol ... Das konnte sehr. Etwas Ähnliches erlebte ich, als ich bei
nicht das Leben sein, von dem ich mir Freiheit einer Medjugorje- Pilgerfahrt einen Seminaristen
und Selbstverwirklichung versprochen hatte! der Familie Mariens, heute P. Maximilian,
In dieser Zeit lernte ich zwei Mädchen kennen, kennenlernte. Wieder kam der Gedanke in
die mir halfen, meine wirklichen Ideale zu mir auf: „Könnte das Priestertum doch eine
finden. Eine von ihnen war Sr. Veronika aus der Möglichkeit für mich sein?“ Aber ich war noch
Familie Mariens, die hier in Irland ein Semester nicht bereit für eine Entscheidung.
Englisch studierte. Mit ihrer lebensfrohen Art Dann kam der 28. November 1999. Catherine
und großen Natürlichkeit lebte sie einen so und ich kamen gerade nach einem gemeinsamen
authentischen Glauben, wie ich es nie zuvor Abend nach Hause zurück, als sie mich plötzlich
gesehen hatte. fragte: „Ist mit Dir alles okay, Paul?“ - „Warum?“
Die zweite war Catherine. Wir verliebten uns, Dann sagte sie jene Worte, die meinem Leben
und das Leben bekam für mich einen neuen die entscheidende Wende gaben: „Denkst du
Sinn. Während ich darüber nachdachte, ob ich daran, Priester zu werden?“ Es herrschte Stille.
das Studium aufgeben sollte oder nicht, kam Dieser Frage konnte ich nicht ausweichen. Jetzt
mir ganz überraschend neben der Möglichkeit, musste ich mich der Wahrheit stellen. „Ja, ich
Ingenieur zu werden, erstmals der Gedanke: Und denke schon daran.“
Priester? Doch ich wollte diese Stimme nicht Von diesem Moment an wusste ich, dass unsere
hören. Denn eine Berufung zum Priestertum Freundschaft nicht mehr wie bisher weitergehen
hätte für mich bedeutet, Catherine aufgeben würde. Ich stand vor dem Nichts: Das Studium
zu müssen. Da ich damals die Bedeutung des war umsonst, ich ließ den Menschen, den ich am
Zölibates noch nicht verstand, war für mich meisten liebte, verletzt zurück und wusste nicht
dieser Schritt unvorstellbar. So suchte ich eine einmal, wie es weitergehen würde.
Kompromisslösung: Ich wollte Religionslehrer Aber Gott führte mich. Als ich eine Einladung
werden und so etwas Gutes für Gott tun. zu den Einkehrtagen der Familie Mariens in
Die Freundschaft mit Catherine war sehr der Slowakei annahm, lernte ich Priester und
bereichernd für mich. Wir beteten miteinander, Studenten kennen, die jenes Ideal lebten, nach
sprachen über alles und waren in derselben dem ich mich im Innersten seit langem gesehnt
Gebetsgruppe. Ich ging mehrmals während der hatte. Ich hatte meinen Platz gefunden. So flog
Woche zur Hl. Messe, aber gleichzeitig war ich am 28. September 2000 nach Rom und habe
mein Leben voller Aktivitäten, die eigentlich es seitdem nie bereut, diesen Schritt getan zu
in vielem nicht mit den Glaubensgrundsätzen haben, der mich zum Priestertum geführt hat.

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Amen, ich sage euch:Was ihr für einen
meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
Mt 25, 40

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