Fest SCH Rift
Fest SCH Rift
900
Jahre
Neuwegersleben
2
.
1112
0 1 2
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Inhaltsverzeichnis
Marktstraße 7
39387 Gröningen
[Link]
Satz, Layout
und Redaktion: Hannfried Buchholz, Oschersleben (V.i.S.d.P.)
Druck: layout & satz gmbh magdeburg
Die Berichte, Dokumente und Fotos wurden für eine erste Veröffentlichung unter der Maßgabe zur
Verfügung gestellt, dass das Urheberrecht bei denjenigen bleibt, die diese Arbeit durchgeführt haben.
Alle Rechte vorbehalten.
März 2012
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Zum Geleit
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Grußwort der Bürgermeisterin
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Grußwort der Verbandsgemeindebürgermeisterin
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Heimatausstellung im Schloss Gunsleben
A
us Anlass der 900-Jahrfeier der renen Kupferstechers Eberhard Sieg-
Orte Neuwegersleben und Guns- fried Henne und die Geschichte der
leben wird am 11. Mai 2012 im Familie Asseburg dargestellt.
Schloss Gunsleben eine Heimatausstel- Aber auch die Vereine der beiden Orte
lung eröffnet. werden sich in der Ausstellung präsen-
In insgesamt fünf Ausstellungsräu- tieren. Weitere Highlights der Ausstel-
men können die Besucher durch zahlrei- lung sind der Gunsleber Dickapfel, die
che Fotos, Dokumente und Exponate in Entwicklung der Industrie und des
die wechselvolle Geschichte der beiden Handwerks in Neuwegersleben, das
Dörfer eintauchen. Unter anderem wer- Fährhaus in Neudamm und die Natur-
den das Wirken des in Gunsleben gebo- landschaft Großes Bruch.
Öffnungszeiten
Freitag, 11. Mai 2012 Eröffnung 18 Uhr
Montag, 28. Mai 2012 10 - 17 Uhr
Freitag, 01. Juni 2012 16 - 18 Uhr
Sonntag, 10. Juni 2012 14 - 17 Uhr
Sonntag, 01. Juli 2012 14 - 17 Uhr
Samstag, 14. Juli 2012 geöffnet
Sonntag, 15. Juli 2012 geöffnet
Sonntag, 29. Juli 2012 14 - 17 Uhr
Sonntag, 09. Sept. 2012 14 - 17 Uhr
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Festprogramm
Sonntag, 19. Februar 2012 11.00 Uhr Großer Karnevalumzug
(OT Neuwegersleben)
Freitag, [Link] 2012 17.00 Uhr Festgottesdienst
(OT Gunsleben) anschl. Eröffnung der Ausstellung im Schloss
Sonntag, [Link] 2012 14.00 - 17.00 Uhr Tag der Telegrafie
(OT Neuwegersleben)
Freitag, 1. Juni 2012 14.00 Uhr Festveranstaltung der Landfrauen
(OT Gunsleben)
Samstag, 16. Juni 2012 9.30 Uhr Historische Feuerwehr-Ausstellung als
(OT Neuwegersleben) Veranstaltung der Orte Neuwegersleben und
Gunsleben
14.00 Uhr Umzug der Feuerwehr
19.00 Uhr Feuerwehr- u. Vereins-Festveranstaltung
mit Programmpunkten des Karnevalvereins
Sonntag, [Link] 2012 13.00 Uhr Fußballfreundschaftsspiel
(OT Neuwegersleben) 15.30 Uhr Kaffee und Kuchen mit Programm
für Senioren
Mittwoch, 20. Juni 2012 17.00 Uhr Sportmix
(OT Neuwegersleben)
Freitag, [Link] 2012 18.00 Uhr Beginn des Schützenfestes
(OT Neuwegersleben) mit Tanzabend
Samstag, 23. Juni 8.00 Uhr Umzug des Schützenvereins und
(OT Neuwegersleben) Frühschoppen
15.00 Uhr Kaffee und Kuchen für Senioren
Spiel und Spaß für Kinder
20.00 Uhr Schützenball mit Kulturprogramm
Sonntag, [Link] 2012 13.00 Uhr Großer Festumzug, anschl. Konzert
(OT Neuwegersleben) des Blasorchesters Oschersleben
Samstag, [Link] 2012 Sommerfest
(OT Gunsleben) 9.30 Uhr Frühstück
Spiel und Spaß für Kinder
19.00 Uhr Disco
Sonntag, [Link] 2012 11.00 Uhr Festumzug; anschl. Mittagessen
(OT Gunsleben)
August 2012 Tischtennisturnier unter dem Motto 900-Jahrfeier
(OT Gunsleben)
Samstag, 29. September 2012 Abschlussveranstaltung
(OT Neuwegersleben)
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Sommer im Großen Bruch
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Unse Brauk im Laufe der Jahrestieten
von Lisa Schröder
9
Prolog
F
ür beide Dörfer gibt es keine der Warnen sein könnten. Dieser aus
Gründungsurkunden, wohl aber Südskandinavien entstammenende Ger-
eine urkundliche Ersterwähnung, manenstamm siedelte in der Zeit zwi-
die aus dem Jahre 1112 stammt. In die- schen der Völkerwanderung und dem
sem Jahr schenkten die Edle Thietburg 10. Jahrhundert auch an günstigen Stel-
und ihre Tochter Mathilde aus dem len nördlich des Großen Bruches.
Hause der Pfalzgrafen von Sommer-
schenburg dem ein Jahr zuvor in Dabei leitet sich die Ortsendung „-
Hamersleben gegründeten Augustiner- leben“ aus dem Gotischen „-leiba“ (für
Kloster über 316 Hufen Land. Davon „Erbe“) oder aus dem Althochdeutschen
lagen 21 in der Feldflur des damaligen „-löbe“ (für Laube, Haus, Wohnung) ab.
Wegerslebens und eine in der Gunsle- Der erste Teil orientiert auf den Namen
bens. des Erben oder des Hauserbauers, ent-
weder auf Gunzelin, Gunther bei Män-
Ein 1911 wieder aufgefundener Grab- nern oder Kunne bzw. Gunne bei Frau-
stein erinnert an die beiden Edelfrauen en im Falle Gunslebens.
mit der Inschrift:
Für (Neu) Wegersleben würde es ent-
sprechend heißen „Erbe“ (oder auch
Anno MCXV obiit nobilis Laube, Haus, Wohnung) des Wigo oder
Wiegand, bzw. der Wega. Um diesen
Mechthildis comtissa palatina annorum Besitz Gunzelins bzw. Wigos siedelten
LX et sepulta cum matre dann deren Kinder und Enkel, so dass
aus dem ursprünglichen Einzelhof eine
sua Thietburga, Siedlung entstand.
cuius anima requiescat in pace. Der Ortsname Gunsleben, ältere
Namensformen sind u.a. Gundesleve
und Gunnesleve, könnte allerdings auch
Im Jahre 1115 starb die edle Pfalzgräfin Mechthil- aus „günstig“ abgeleitet worden sein,
dis, 60 Jahre alt, und ist hier mit ihrer Mutter Thiet-
burga begraben. Ihre Seelen ruhen in Frieden.
denn die bei der Ortsgründung gewähl-
te höhere Ortslage bot günstigere
Lebensmöglichkeiten als das unmittel-
Das Jahr 1112 ist aber nicht identisch bar benachbarte Sumpfgebiet des Gro-
mit dem Jahr der Gründung beider Ort- ßen Bruches. Im Althochdeutschen
schaften, denn beide Dörfer sind wiederum bedeutete das aus dem Alt-
wesentlich älter. Sie wurden in einem sächsischen „gud“ abgeleitete Wort
Gebiet gegründet, das nachgewiesen „gund“ (von gundahari, gund = Krieg,
durch Bodenfunde bereits im Neolithi- hari = Heer) soviel wie Krieg, bezogen
kum (Jungsteinzeit) besiedelt war. auf den ständigen Kampf der Ortsbe-
wohner mit den Wassermassen der
Die Namenssilbe „-leben“ erinnert nahen Sumpfniederung, die ständig
daran, dass beide Dörfer eine Gründung Dasein und Leben bedrohten.
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Dieser ständige Kampf kommt tref- gehörten beide Dörfer zum Bistum
fend in „gundezlave“, später „gundes- Halberstadt, gegründet 804. Als 843 im
leve“ zum Ausdruck. Vertrag von Verdun das Frankenreich
Demgegenüber ist die Ableitung des der Karolinger aufgeteilt wurde,
Ortsnamens „Wegersleben“ aus „Wag‘ kamen beide Dörfer mit dem Bistum
das Leben“ im Zusammenhang mit den Halberstadt in das Reich Ludwigs des
Kämpfen der Ortsbewohner gegen die Deutschen, um von nun an am Verlauf
Magyaren im 10. Jahrhundert schon der deutschen Geschichte teilzuhaben.
deshalb irrig, weil Wegersleben bereits
lange vor den Einfällen der Magyaren In dieser gehörten beide Ortschaften
bestand. bis in die Gegenwart immer den glei-
Nach ihrer Gründung durch die chen staatlichen Körperschaften
Warnen erlebten beide Dörfer ein (Staat, Provinz, Bezirk, Landkreis) an.
Dasein u.a. im Reich der Thüringer Das bewirkte in Umsetzung staatlicher
(Hermunduren), im Reich der Sachsen, Festlegungen bis auf wenige Ausnah-
später dann im Reich der Franken bis men eine Parallelität dörflicher Ent-
hin zum Reich der Karolinger unter wicklungen bzw. Ereignisse, wie es die
Kaiser Karl dem Großen (768 bis 814). ausgewählten Fakten zur Geschichte
Zur Zeit ihrer Ersterwähnung beider Ortschaften beweisen.
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Ausgewählte Fakten und Ereignisse
aus der Geschichte Gunslebens
1112 Erste urkundliche Erwähnung Gunslebens in der Namensform „Gundesle-
ve“in einer Schenkungsurkunde, in der vermerkt ist, dass die Edle Thiet-
burg dem ein Jahr zuvor in Hamersleben gegründeten Augustiner-Kloster
eine Hufe Land in der Feldflur Gunslebens schenkte.
1141 Ersterwähnung einer Kirche, erbaut auf Boden, den das Kloster Hamersle-
ben zur Verfügung stellte.
1178 Bestätigung der Schenkung aus dem Jahre 1112.
1250 Das Bistum Halberstadt belehnt die Ritter Heinrich und Friedrich von Al-
vensleben mit dem Zehnten von Gunsleben.
1305 bis1365: Mehrere Pestepidemien fordern auch in Gunsleben ihre Opfer.
1314 Bischof Albrecht von Halberstadt (1303 - 1324) überlässt den Zehnten von
Gunsleben dem Kloster Mariental bei Helmstedt.
1339 Das Kloster Mariental tritt im Tausch gegen den Bornstedter Zehnten den
Zehnten von Gunsleben an das Erzbistum Magdeburg ab. Dieses wiederum
überließ den Bornstedter Zehnten dem Bistum Halberstadt und belehnt die
Herren von Buschekeste mit dem Zehnten von Gunsleben.
1360 Gunsleben bleibt weiter im wechselnden Besitz frühmittelalterlicher Her-
rengeschlechter (Edelfreier) und wird von Bischof Ludwig II. von Halber-
stadt (1357 - 1366) an Werner von Bodendieck verlehnt.
1368 In einer gemeinsamen Aktion des Domkapitels Magdeburg und des Bistums
Halberstadt wird das Schloss des Werner von Bodendieck nahe Gunsle-
bens zerstört, weil Bodendieck Räuberei betreibt. Das Schloss wird nicht
wieder aufgebaut, Gunsleben fällt an das Erzbistum Magdeburg.
1370 Die Herren von Buschekeste verkaufen den Zehnten von Gunsleben an die
Herren von Bartensleben.
1384 Das Erzbistum Magdeburg belehnt die Herren Siegfried und Degenhard
von Eichendorf (Eikendorp) mit Gunsleben.
1390 Kurt III. von der Asseburg (1345 - 1399) erpfändet vom Erzbistum Magde-
burg Gunsleben. Damit beginnt die Grundherrschaft der Asseburger.
1453 Bernd IV. von der Asseburg (1389 - 1459), Sohn Kurt III., wird lt. Assebur-
ger Urkundenbuch von Erzbischof Friedrich III. von Magdeburg (1445 -
1464) mit Dorf und Gericht Gunsleben belehnt.
1458 bis 1479: Amtszeit des Bischofs Gerhard von Halberstadt, der seinen Ver-
wandten Friedrich von Hoym mit dem Zehnten von Gunsleben belehnt.
Unklar ist, wie der Zehnte von Gunsleben nach der Belehnung der Herren
von Eichendorf mit diesem vom Erzbistum Magdeburg an das Erzbistum
Halberstadt und schließlich an die Herren von Veltheim gelangte.
1459 Jakob II. (1447 - 1487) und Hans II. (1450 - 1489), Söhne Bernds des IV.,
erben gemeinsam den väterlichen Besitz.
1472 Teilung des Besitzes, Gunsleben fällt an Hans II.
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1489 Gunsleben geht auf Bernd VI. (1481 - 1518) über, den Sohn Hans II. Dieser,
unverheiratet geblieben und kinderlos gestorben, bevollmächtigt zu Leb-
zeiten seinen Vetter Ludwig II. (1485 - 1515) in Erbangelegenheiten.
1499 Laut Inschrift Guss oder Anschaffung der kleineren Kirchenglocke in der
Kirche Gunslebens, finanziert vom Kloster Hamersleben. Die Anschaffung
der bereits vorhandenen größeren Glocke ist nicht genau datiert.
Im Schrifttum zu den Streitigkeiten zwischen dem Kloster Hamersleben
und den Asseburgern aus dem Jahre 1543 wird erwähnt, dass es in Gunsle-
ben noch Leute gäbe, die wüssten, wann diese Glocke angeschafft wurde.
1515 Johannes VIII. von der Asseburg (1508 - 1567) wird nach dem Tode seines
Vaters Ludwig II. rechtmäßiger Miterbe Gunslebens.
1524 Lübbert von Schüttorp, Pfarrer in Gunsleben, tritt zur Lehre Luthers über.
1534 Das Bistum Halberstadt belehnt offiziell Johannes VIII. und Heinrich III.
von der Asseburg (1529 - 1573) gemeinsam mit Gunsleben.
1543 Johannes VIII. tritt zum Protestantismus über, konfisziert den dem Kloster
Hamersleben gehörenden Kirchenacker und teilt diesen unter den Bauern
Gunslebens gegen Abgaben zur Eigennutzung auf. Johannes VIII. ist der
erste Landedelmann im Bistum Halberstadt, der sich zu Luthers Lehren
bekennt. Seinem Übertritt folgen die Einwohner Gunslebens, das damit zur
ersten protestantischen Gemeinde im Bistum Halberstadt wird. Dies löst
einen Dauerstreit zwischen dem Kloster Hamersleben und den Assebur-
gern aus, der erst 1804 durch die Säkularisation des Klosters beendet wird.
1550 Johannes VIII., der für den bis dahin minderjährigen Heinrich III. dessen
Besitz mitverwaltet hatte, übergibt diesem den Großteil des asseburgschen
Besitzes, bleibt Grundherr von Gunsleben.
1564 Anlässlich einer Kirchenvisitation kritisiert der Beauftragte des Bistums
Halberstadt, dass Priester und Patron zwar katholisch, Gemeinde und
Gutsherrschaft jedoch evangelisch wären.
1563 bis 1577: Erneute opferreiche Pestepidemien.
1567 Tod Johannes VIII.
1573 Tod Heinrich III., die vier Söhne von Johannes VIII. erbberechtigt.
1575 Vertrag von Ampfurth und Aufteilung des asseburgschen Besitzes unter die
Söhne. Gunsleben fällt an August I. (1545 - 1604), der auch Neindorf be-
kommt. August I. ist der Begründer der Neindorf-Falkensteiner Linie.
1576 Erstmals predigt mit Ruprecht Meinershagen ein von den Asseburgern
ordinierter evangelischer Pfarrer in Gunsleben. Das verschärft den Streit
zwischen dem Kloster und den Asseburgern, weil jede Partei das Recht für
sich in Anspruch nahm, den Pfarrer zu ordinieren.
1577 August I. heiratet in zweiter Ehe die vermögende Anna von Alvensleben.
1591 Nach langem Streit zwischen dem Kloster und den Asseburgern bekommt
Gunsleben sein eigenes Pfarrhaus.
1594 Tod von R. Meinershagen.
1594 Magister Johann Hueth aus Schöningen wird vom Kloster zum Nachfolger
Meinershagens ernannt, während die Asseburger Friedrich Labor zum
Pfarrer in Gunsleben ordinieren.
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1598 Johann Hueth verlässt Gunsleben im Oktober.
1599 Friedrich Labor verzieht nach Schwanebeck. Pastor in Gunsleben wird
Andreas Corvinus.
1604 Andreas Corvinus wird nach Hornburg berufen, Nachfolger und vom
Bischof empfohlen wird Magister Friedrich Lastorp.
1604 Tod August I., sein Sohn Busso V. (1586 - 1646) wird Grundherr von Gunsleben.
1616 Lastorp erkrankt und kann das Pfarramt nicht mehr ausüben. Trotz Pro-
testes durch die Asseburger stellt das Kloster dem Lastorp Johann Gercke
aus Helmstedt als Adjunkt zur Seite
1618 Nach dem Tode Lastorps wird Gercke Pastor in Gunsleben.
1618 bis 1648: Dreißigjähriger Krieg. Alle Hostien u.ä. werden nach Schöningen
evakuiert, nach Ende des Krieges allerdings wieder zurückgeholt.
1624 Eine weitere Glocke für die Kirche Gunslebens zerspringt und wird an das
Kloster Hamersleben zurückgegeben und in Magdeburg verkauft. Der Ver-
kaufserlös wird geteilt, die Gemeinde Gunsleben erhält 130 Taler.
1626 Pfarrer Gercke stirbt, Capellan Ernst Richardi aus Schöningen wird Pfar-
rer in Gunsleben.
1626 bis 1636: Erneute Pestjahre.
1627 Beginn der Kirchenbuchführung.
1633 Ersterwähnung der Wassermühle, nacheinander im Besitz der Bürger Lett-
kau und Brand, schließlich im Besitz der Asseburger.
1646 Busso V. stirbt. Nach Aufteilung des Familienbesitzes unter seinen fünf
Söhne fällt Gunsleben an Ludwig VII. (1622 - 1673).
1647 Einfall der Truppen des Herzogs von Weimar, der auf Seiten der Schweden
kämpft. Die Schweden sollen angeblich eine Behelfsbrücke durch das
Große Bruch gebaut haben.
1648 Der Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen Krieg. Das Bistum
Halberstadt wird säkularisiert und in ein weltliches Fürstentum umgewan-
delt . Es gehört fortan zum Kurfürstentum Brandenburg, dem späteren
Königreich Preußen. Das Fürstentum Halberstadt gliedert sich in mehrere
Landkreise, einer davon ist der Kreis Oschersleben.
1650 Rückkehr der zu Beginn des Krieges nach Schöningen evakuierten Hostien.
1659 Johann Quenstedt aus Oschersleben wird anstelle des altersschwachen
Ernst Richardi Pfarrer in Gunsleben. Mit ihm beginnt die Zeit, in der in
Gunsleben nur noch evangelische Pfarrer wirken.
1673 Nach dem Tode Ludwig VII. wird dessen Sohn Hieronymus Augustus
(1664 - 1717) Grundherr von Gunsleben.
1717 Hieronymus Augustus stirbt. In direkter Erbfolge wird sein Sohn Ludwig
Hans (1700 - 1764) Grundherr von Gunsleben.
1725 Neubau eines Pfarrhauses in Gunsleben.
1736 Aussiedlung von 10 Kolonistenfamilien aus Üplingen, zwei Familien sie-
deln in Gunsleben neu. Daran erinnert der heutige Straßenname „Üpling“.
1737 Geburt von Samuel David Ludwig Henne, Sohn des Pfarrers Johann Seba-
stian Henne (Gunsleben).
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1744 Gunsleben gibt sich ein Siegel.
1747 Ludwig Hans erwirbt die Zehntrechte über Gunsleben für 7000 Taler für
die Asseburger von den Herren von Veltheim.
1749 (2.12.) Erste zuverlässige Nachricht über die Besetzung einer Schule in Guns-
leben durch Kantor Benjamin Lieber aus Stecklenberg bei Quedlinburg.
1753 Gunsleben wechselt den Eigentümer, nachdem Ludwig Hans seinen Besitz
für 43 300 Taler mit dem Recht auf Rückkauf an Christoph Werner (1649 -
1761) aus der Ampfurth-Eggenstedter Linie verkaufte.
1754 Der neue Besitzer Gunslebens lässt das barocke Herrenhaus errichten,
einen sehr schlichten Fachwerkbau mit einem einfachen Mansardendach.
1757 Die 1753 vereinbarte Rückkaufklausel wird gelöscht. Damit wird Chri-
stoph Werner endgültig Grundherr von Gunsleben.
1759 Der völlig überschuldete Christoph Werner verpachtet Gunsleben und zieht
nach Halberstadt.
1759 Geburt E. S. Hennes, Sohn von S. D. L. Henne, der sich als bildender Künst-
ler einen Namen machte.
1761 Im „Gunsleber Hausbuch“ sind alle Pflichten erfasst, die die Einwohner
Gunslebens den Asseburgern gegenüber in Form von Frondiensten und
Abgaben zu leisten haben.
1761 Christoph Werner stirbt und wird in der Kirche von Gunsleben beigesetzt.
Sein Sohn Friedrich Heinrich (1752 - 1808) wird rechtmäßiger Erbe. Er
veranlasst, dass seine Mutter Katharina Helene von Alvensleben nach
ihrem Tode ebenfalls in Gunsleben beigesetzt wird.
1776 Erstauflage des Buches von S. D. L. Henne, Pastor in Gunsleben, mit dem
Titel „Anweisung wie man eine Baumschule von Obstbäumen im Großen
anlegen und gehörig unterhalten sollte“. Dieses deutschlandweit erste und
einmalige Buch über Zucht und Pflege von Obstbäumen erlebt noch vier
weitere Auflagen. Zu den Verdiensten des Autors zählt auch die Zucht des
Gunsleber Dickapfels sowie einer ertragreichen Haselnusssorte.
1777 Ein Feuer vernichtet 18 Wohnungen in der heutigen Oberen Bergstraße.
1785 (13.2.) Brand im Haus des Häuslings Andreas Heinemann.
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1785 Gunsleben zählt 419 Einwohner.
1787 Angesichts der extrem hohen Verschuldung beabsichtigt Friedrich Hein-
rich, Gunsleben zu verkaufen. Das scheitert am Widerstand seiner Ver-
wandtschaft aus der Neindorf-Falkensteiner Linie.
1795 Bau des Kirchturms.
1797 Einweihung der restaurierten Kirche.
1797 bis 1839: Lebenszeit des verdienten Lehrers und Kantors Pröhle, der sich
vor allem einen Namen als Chronist machte.
1804 Säkularisation des Klosters Hamersleben.
1804 Friedrich Heinrich verlegt seinen Wohnsitz nach Blankenburg, sein ältester
Sohn Maximilian Asche (1779 - 1851) übernimmt Gunsleben.
1806 Im Ergebnis des Friedens zu Tilsit fallen alle westelbischen Gebiete Preu-
ßens an das französisch beherrschte Königreich Westfalen. Gunsleben ge-
hört verwaltungsmäßig fortan als Municipium zum Kanton Hamersleben
im Distrikt Helmstedt, Departement Oker.
1808 Friedrich Heinrich stirbt in Blankenburg, sein Sohn Maximilian Asche ver-
anlasst seine Beisetzung in der Kirche von Gunsleben.
1813 Im Verlaufe der Befreiungskriege avanciert Maximilian Asche zum Adju-
tanten des legendären Gebhard Leberecht Blücher, preußischer Feldmar-
schall (1742 - 1819), in die Geschichte eingegangen als Marschall Vorwärts.
1814 Einwohner pflanzen anlässlich des Sieges über Napoleon eine Eiche. Diese
gedeiht in der Ortsmitte und steht unter Denkmalschutz.
1814 Maximilian Asche ehelicht Blüchers Tochter Friederike. Diese Ehe verläuft
nicht glücklich und bleibt kinderlos. Stattdessen zeugt Maximilian Asche
zwei Söhne und eine Tochter mit der im Schloss angestellten Mamsell
Dorothea Warnecke.
1815 Siegreiches Ende der Befreiungskriege, Maximilian Asche wird dank seiner
Verdienste und seiner Beziehungen zu Blücher in den Grafenstand erhoben.
1816 Das Königreich Preußen ordnet die Verwaltung seiner zurück- und dazu-
gewonnenen Gebiete neu. Gunsleben gehört fortan zum Landkreis
Oschersleben in der Provinz Sachsen.
1829 Graf Maximilian Asche übernimmt für die Zeit vom 30.5.1829 bis 1.12.1830
kommissarisch im Kreis Oschersleben das Landratsamt. Er ist damit der
einzige aus Gunsleben stammende Landrat.
1836 Graf Maximilian Asche veranlasst die Beisetzung seiner verstorbenen Mut-
ter Charlotte in der asseburgschen Grabkammer der Kirche von Gunsleben.
1839 Graf August Ludwig I (1796 - 1869), jüngerer Bruder des Grafen Maximi-
lian Asche, lässt zu Ehren seiner Mutter die Kirche Gunslebens mit einem
farbigen Wandfries verschönern.
1842 Ein Brand zerstört das Schulhaus Gunslebens.
1843 Eröffnung des Eisenbahnverkehrs auf der Strecke Oschersleben - Wolfen-
büttel - (Braunschweig). Gunsleben wird Bahnstation und erhält im Folge-
jahr ein Bahnhofsgebäude.
1850 Tod von Marie Louise Josephine, Tochter des Grafen Maximilian Asche, die
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bereits testamentarisch als Erbin des asseburgschen Besitzes in Gunsleben
vorgesehen war. Nach Änderung des Testaments wird Karl Maximilian
Theodor, ältester Sohn des Grafen, Erbe des Besitzes.
1851 Tod des Grafen Maximilian Asche; Karl Maximilian Theodor, illegitimer
Sohn des Grafen, wird von der Gräfin Friederike nobilitiert und kann sein
Erbe antreten.
1860 Die Glockengießerei Engelcke (Halberstadt) gießt die größere der beiden
Kirchenglocken um.
1861 Gunsleben zählt 629 Einwohner.
1870 Besetzung der 2. Lehrerstelle mit Schulamtskandidat Camin aus Gröningen.
1870 bis 1871: Deutsch-französischer Krieg. Laut Gedenktafel in der Kirche hat
Gunsleben drei Gefallene zu beklagen.
1873 Sturmschaden an der Krausmann‘schen Bockwindmühle im Hohen Feld.
1875 Neubesetzung der 2. Lehrerstelle mit einem Schulamtskandidaten aus Barby.
1880 (1.3.) Der aus Gunsleben stammende Chr. Heine wird Mitglied des Grün-
derdirektoriums der Zuckerfabrik Oschersleben GmbH, nach der Bode-
zuckerfabrik Oschersleben GmbH, 1847 von der Familie Wrede gegründet,
die zweite Zuckerfabrik Oscherslebens.
1880 Gründung des Gunslebener Männer-Gesang-Vereins
1880 Beginn des Baus der Landstraße zwischen Gunsleben und Aderstedt.
1882 Abriss der sturmgeschädigten Krausmann‘schen Bockwindmühle.
1883 Die „Halberstädter Sonntagszeitung“, sozialdemokratisch, hat in Gunsle-
ben 22 Abonnenten.
1885 Gunsleben zählt 757 Einwohner.
1888 Gründung des Männer-Turn-Vereins (MTV) Gunsleben.
1891 Vollendung der Schlosserweiterung, Anbau eines Gebäudekomplexes mit
spitzbehelmten Ecktürmen im neugotischen Stil.
1898 Karl Maximilian Theodor vererbt bereits zu Lebzeiten das Rittergut an sei-
nen jüngeren Bruder Alexander, den Besitzer Neindorfs.
1899 Verpachtung des Rittergutes an die Zuckerfabrik Wackersleben mit einem
Herrn Fritz als Verwalter.
1901 Verpachtung des Rittergutes an die Firma Friedrich Strube, Saatzucht,
Schlanstedt. Verwalter wird der Major a.D. Ferstel und später Carl Heuer.
1902 Karl Maximilian Theodor verstirbt kinderlos.
1905 (28./29.5.) Gesangsfest anlässlich des 25jährigen Bestehens des Gunslebe-
ner Männer-Gesang-Vereins mit 29 Gesang-Vereinen aus der Umgebung.
1905 Gunsleben zählt 783 Einwohner.
1916 Das Rittergut wird an Sohn Busso vererbt, der im 1. Weltkrieg dient. Sein
Bruder Maximilian verwaltet das Rittergut kommissarisch
1918 Busso fällt im ersten Weltkrieg. Das Rittergut geht an seinen jüngeren Bru-
der Burchard über.
1918 Eine Gedenktafel in der Kirche Gunslebens erinnert an 25 Gefallene und
vier Vermisste des 1. Weltkrieges.
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1921 (14. - 15.10) In Gunsleben werden 8 landwirtschaftliche Betriebe bestreikt.
Die Landarbeiter fordern die Entlassung des Jagdaufsehers Nehls und des
Landarbeiters Ulrich, verhasst als Spitzel der Arbeitgeberseite. Diese muss
unter Führung des Großbauern Otto Günther der Entlassung Nehls zustim-
men, während Ulrich im Dienste des Rittergutes verbleibt.
1923 Bau des Anschlussgleises vom Bhf. Gunsleben zur Zuckerfabrik Aderstedt.
1924 Errichtung des Denkmals für die Gefallenen des 1. Weltkrieges aus Find-
lingen mit nachfolgender Einweihung.
1925 Gunsleben zählt 656 Einwohner.
1925 Stilllegung der gutseigenen Wassermühle. Pächter des Rittergutes ist Otto
Brand.
1927 In Gunsleben werden Parzellen in einer Kleingartenanlage vergeben.
1927 Ein Großfeuer auf dem Rittergut bewirkt große Schäden.
1929 Eingemeindung des bis dahin selbständigen Rittergutes.
1931 Verpachtung des Schlosses samt Acker an den Großbauern Walter Wrede, der
das Rittergut infolge Misswirtschaft und Luxusleben in den Bankrott führt.
1932 Landtagswahlen. In Gunsleben stimmen 194 Wahlberechtigte für SPD und
KPD, 127 für die NSDAP.
1932 Ende der Wredischen Misswirtschaft nach Verkauf des Rittergutes durch
Burchard an die Zuckerfabrik Klein Wanzleben für 350.000 RM.
Herr Kreyer (Helmstedt) wird als Verwalter eingesetzt.
1933 Verpachtung des Rittergutes an Fritz und Paula Meyer.
1933 Reichtagswahlen. In Gunsleben stimmen 238 Wahlberechtigte für die
NSDAP, 89 für die SPD und 24 für die KPD.
1933 Machtergreifung Hitlers. Auch in Gunsleben bilden sich mehrere faschisti-
sche Organisationen.
1935 Errichtung des RAD-Lagers. Die RAD-Mitglieder beginnen mit Spatenar-
beiten im Großen Bruch (RAD: Reichsarbeitsdienst).
1937 Anlage eines Sportplatzes in der „Sandkuhle“.
1937 (3.7.) Geburt Fritz Uehrs, der sich als Heimatforscher, Ornithologe, Natur-
schutzbeauftragter und Bürgermeister Gunslebens einen Namen macht.
1938 Der MTV Gunsleben feiert sein 50-jährige Bestehen mit einem Umzug.
1939 (1.9.) Beginn des 2. Weltkrieges. Nach dem siegreichen Polenfeldzug wer-
den deportierte Zwangsarbeiter aus Polen auch in den landwirtschaftlichen
Betrieben Gunslebens eingesetzt.
1943 Beginn der Luftangriffe durch britische und US-amerikanische Bomber-
verbände auf Oschersleben (AGO-Werk). Gunsleben wird von den alliierten
Bomberverbänden mehrfach überflogen. Tieffliegerangriffe auch auf Eisen-
bahnzüge auf der Strecke zwischen Oschersleben und Jerxheim.
1944 Ein abgeschossener britischer Bomber vom Typ „Lancaster“ stürzt in der
Feldmark Gunsleben, in mehrere Teile zerlegt, ab. Die achtköpfige Besat-
zung findet den Tod und wird auf dem Friedhof Gunslebens beigesetzt. Ein
schlichtes Holzkreuz mit der Aufschrift „Hier ruhen acht Gefallene der
RAF“ (Royal Air Force) erinnerte an das Geschehen.
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1944 Gunsleben wird zur „Verteidigung“ hergerichtet, im Verlaufe der Haupt-
straße werden zwei Panzersperren erbaut, die vor Eintreffen der US-Ame-
rikaner wieder beseitigt werden.
1944 Die Firma Klautschke aus Berlin (Feinmechanik) wird nach Gunsleben
evakuiert und produziert in der heutigen Sporthalle weiter. Nach Kriegsen-
de erfolgt der Umzug nach Oschersleben.
1945 Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene lassen die Einwohnerzahl Gunsle-
bens auf 1185 Personen ansteigen.
1945 Im März hält ein Zug mit KZ-Häftlingen auf dem Bahnhof Gunsleben. Ein
verstorbener Häftling wird ausgeladen und hinter dem Waagehäuschen an
der Ladestraße begraben.
1945 Im April kommt ein Versorgungszug des deutschen Heeresversorgungsam-
tes auf dem Bahnhof Gunsleben zum Stehen. Der Zug, u.a. beladen mit
Mehl, Zucker, Butter, Schokolade, Spirituosen, Zigaretten sowie weiteren
Nahrungs- und Genussmitteln, wird nach Abzug der Begleitmannschaft
von den Einwohnern Gunslebens und benachbarter Orte geplündert.
1945 Ende des 2. Weltkrieges und Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitu-
lation Deutschlands am 8.5. in Berlin-Karlshorst. Am 11.4. besetzen US-
amerikanische Truppen Gunsleben, die am 29.5. von britischen und am 2.7.
von sowjetischen Einheiten abgelöst werden. In Umsetzung der Beschlüsse
der Krimkonferenz der Alliierten (vom 4. bis 11.2.1945) kommt Gunsleben
zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), der späteren DDR. Die Verwal-
tung der SBZ übernimmt die SMAD (Sowjetische Militäradministration).
1945 Während der Besetzung durch britische Truppen wird das RAD-Lager
Gunslebens in ein Gefangenenlager für deutsche Wehrmachtsangehörige
umgewandelt. Gleichzeitig schützen die britischen Soldaten die deutsche
Zivilbevölkerung vor Racheakten der nun befreiten Fremdarbeiter.
1945 Mit Abzug der britischen Truppen wird das Kriegsgefangenenlager aufge-
löst. Die auf dem Friedhof Gunslebens beigesetzten Gefallenen der Royal
Air Force werden exhumiert und in ihre Heimat überführt.
1945 Schließung der Demarkationslinie zwischen der britischen und sowjeti-
schen Besatzungszone für den privaten Verkehr durch die Rote Armee.
Ab 1.7. verkehrt zwischen Gunsleben und Jerxheim kein Zug mehr.
19
1939 bis1945: Auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges verloren 37 aus Guns-
leben stammende Wehrmachtsangehörige ihr Leben.
1945 Im Zuge der Bodenreform werden Bauern mit mehr als 100 Hektar Nutz-
fläche entschädigungslos enteignet. In Gunsleben betrifft das die Bauern
Strube mit 65 ha, Wrede mit 64 ha, Mosel mit 21 ha und das Rittergut mit
204 ha. Da die zu enteignenen Bauern alle unter 100 Hektar lagen, wurden
sie zu Naziaktivisten erklärt. Nach Überführung der enteigneten Fläche in
einen staatlichen Bodenfonds übernimmt auch in Gunsleben eine Boden-
kommission die Parzellierung des Bodenfonds sowie die Bodenvergabe an
44 landarme Bauern, Umsiedler, Flüchtlinge und Vertriebene.
1945 Flucht der Rittergutspächter Fritz und Paula Meier nach Westdeutschland.
Später folgen weitere nicht enteignete Bauern, wie z.B. Werner Günsche.
1945 Das Schloss wird nach der Enteignung anfangs in Teilen als Wohnraum
genutzt, dem sich später eine kommunale Nutzung als Schule und Kinder-
garten (ab 1950) anschließt..
1947 Mit der Verschärfung des kalten Krieges wird in der „Kaiserschen Villa“,
heute Haus der Familie Röthig, eine Grenzpolizei-Einheit stationiert .
1947 Das Stellwerk „Gw“ (Gunsleben West) wird zu einem Beobachtungsposten
umfunktioniert, von dem aus die Grenzsicherungskräfte das Geschehen auf
dem Bahnhof Gunsleben verfolgen können.
1948 Der Prozess der Bildung von Ortsgruppen der wieder zugelassenen Par-
teien und Massenorganisationen ist auch in Gunsleben abgeschlossen.
1948 (23.6.) Währungsreform im Gefolge des gleichen Vorganges in den Westzo-
nen. Die bisherige Reichsmark (RM) wird im Verhältnis 1:10 abgewertet.
Die bisherigen Banknoten finden zwar weiter Verwendung, sind aber mit
einem Coupon versehen. Die Aktion findet im Gasthaus Junge statt.
1949 (15.-16.5.) Wahlen zum Deutschen Volkskongress. Zu bestätigen ist eine
Einheitsliste. Derartige „Wahlen“ ohne eine Auswahlmöglichkeit werden
bis zum Ende der DDR veranstaltet.
1949 (7.10.) Gründung der DDR, damit auch politische Spaltung Deutschlands.
1950 (8.2.) Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit. Beginn der Bespitze--
lung und Überwachung auch Gunsleber Bürger durch eine deutsche Behör-
de, nachdem das bis dato dem sowjetischen NKWD oblag. Auch in Gunsle-
ben gewinnt die „Stasi“ Mitarbeiter und Sympathisanten.
1952 (16.5.) Gunsleben wird in die 5 km-Sperrzone eingegliedert.
1952 (27.5.) Gründung der SG „Philipp Müller“ Gunsleben.
1952 (29.5./7.6.) Durchführung von Aussiedlungsaktionen, die auch Einwohner
Gunslebens betrifft. Nach sowjetischer Vorgabe muss der Befehl 38/52 von
den DDR-Behörden umgesetzt werden, um politisch unzuverlässige Bewoh-
ner zwangsauszusiedeln.
1952 (7.6.) Unter dem diskriminierenden Decknamen „Aktion Ungeziefer“ werden
die Familien Richard Heine, Jochen Schrader mit jeweils drei, die Familie
Holburg mit zwei Personen sowie die beiden Schwestern Hildebrandt mit
dem Lebenskameraden einer Schwester zwangsdeportiert, der Heimat be-
raubt und einer ungewissen Zukunft überlassen.
20
EIN ZEITZEUGE ERINNERT SICH
Hans-Georg Heine (77), Sohn von Hilde und Richard Heine, die in der Hauptstraße 44 einen
landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschafteten, erinnert sich an den 7. Juni 1952:
„Morgens um 7.30 Uhr, es war ein Sonnabend, kamen drei Uniformierte, der damalige Bür-
germeister und drei weitere Personen auf unseren Hof und verkündeten im Kommandoton,
dass wir zu unserem eigenen Schutz bis Mittag die Sperrzone zu verlassen hätten. Auf dem
Hof standen einige Lastwagen, um die Möbel und einige persönliche Sachen aufzunehmen.
Dann kamen weitere Leute aus dem Dorf, die beauftragt waren, beim Verladen von Haus-
rat und Möbeln zu helfen. Einwände und Diskussionen unsererseits erwiesen sich als
zwecklos und wurden brüsk abgewiesen. Auf dem Bahnhof ging das makabre Spiel weiter.
Dort versprachen die Agitatoren aus Gunsleben, dass hinsichtlich unserer Unterbringung
im neuen Wohnort alles organisiert sei. Der Name des neuen Wohnortes wurde uns aller-
dings nicht mitgeteilt. Um 20 Uhr setzte sich der Zug, bestehend aus Personen- und Güter-
wagen, in eine uns unbekannte Richtung in Bewegung. Am 8. Juni kamen wir in Stehla
(damals Kreis Bad Liebenwerda) an. Auf einem Bauernhof wurde uns eine Wohnung zuge-
wiesen. Von dort aus sollten wir nach Polen ausgewiesen werden. Unter diesen Umständen
war uns ein weiterer Verbleib in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) nicht mehr zuzu-
muten. Am 15. Juli 1952 setzten wir uns nach Westberlin ab. Nach der Notaufnahme in
Westberlin wurden wir nach Nordrhein-Westfalen ausgeflogen. Nach 37 Jahren habe ich
mein Heimatdorf Gunsleben legal erst 1989 wiedergesehen.“
1952 In Ostberlin findet eine Bauernkonferenz statt, an der auch der mit dem
Titel„Meisterbauer“ ausgezeichnete Kurt Großer aus Gunsleben teilnimmt.
1952 (1.6.) Anordnung zur Gewährung einer 15%igen Sperrzonenzulage zu Löh-
nen, Renten und Gehältern zur Beruhigung der Bevölkerung.
1952 (8.6.) Gunsleben wird „Dorf des Friedens“.
1952 (9. - 12.7) 2. Parteikonferenz der SED - Beschluss über den Aufbau des
Sozialismus auf dem Lande und damit Beginn der Zwangskollektivierung,
der sich auch Bauern Gunslebens durch Flucht in den Westen entziehen.
1952 (14.8.) Gründung der LPG Phillip Müller Gunsleben, Typ I, mit anfänglich
neun Mitgliedern. Erster LPG-Vorsitzender wird Fritz Holley.
1952 (23.7.) Durchführung einer Gebiets - und Verwaltungsreform in der DDR,
dabei Aufteilung der bisherigen Länder in Bezirke, das Land Sachsen-
Anhalt in die Bezirke Magdeburg und Halle. Der Kreis gibt 19 Gemeinden
an den wieder geschaffenen Kreis Halberstadt ab und erhält einige Dörfer aus
dem Kreis Haldensleben. Gunsleben verbleibt im Kreis Oschersleben.
1952 Aufnahme der Unterrichtstätigkeit im Schulkombinat Gunsleben - Neuwe-
gersleben: Klasse 1 bis 4 in Gunsleben, Kl. 5 bis 8 in Neuwegersleben, spä-
tere Umkehr im Schuljahr 1954/55. (Kl. 7 1951/52 in Schlanstedt).
1952 Pfarrer Hans-Joachim Borchert nimmt seine Tätigkeit in Gunsleben auf.
1953 (1.1.) Übergang der LPG Typ I in Typ III. Erweiterung des klassischen agra-
rischen Produktionsprofils durch Seidenraupenzucht, Legehennenhaltung,
Hopfenanbau und Imkerei sowie Bau einer Hopfendarre.
21
1953 (17.6.) Volksaufstand in der DDR; ohne Auswirkungen in Gunsleben.
1955 Auch in Gunsleben gibt es ein Gemeindeaktiv für gesamtdeutsche Arbeit
zurzeit des von der DDR-Regierung propagierten Konföderationsgedanke-
kens als Möglichkeit der Wiedervereinigung. Verordnet wird eine Kontakt-
aufnahme mit der Gemeinde Dobbeln (Kreis Helmstedt).
1956 Pfarrer Borchert verläßt Gunsleben, Nachfolger ist Pfarrer Günther Mack.
1956 Mit einer Katasterfläche von 9 km2 zählt Gunsleben 838 Einwohner.
1957 Die Jugend-Kabarett-Gruppe „Die böse 7“ beteiligt sich am Bezirksausscheid.
1958 (1.1.) Gunsleben ist erstes vollgenossenschaftliche Dorf im Kreis Oschersleben.
1958 (15.1.) Die Dorfakademie Gunsleben nimmt ihre Tätigkeit auf.
1958 (1.9.) Die 9. Klasse besucht in Schule in Hamersleben.
1959 (4.6.) Der Bürgermeister der Gemeinde Gunsleben lädt den Vorsitzenden
der Gemeindevertretung Dobbeln zu einer Studienfahrt nach Leipzig-Mar-
kleeberg zum Besuch der Landwirtschafts-Ausstellung ein (allerdings
erfolglos). Noch sind Westkontakte erwünscht.
1959 (7.10.) Übergabe der Agrartechnik von der MTS Hamersleben an die LPG
Gunsleben.
1960 (1.1.) Zusammenschluss der LPG Gunsleben und der LPG Neuwegersleben
. LPG-Vorsitzender ist jetzt Georg Ganser.
1960 (15.8.) Gründung der SG (später SV) 1960 Gunsleben.
1960 (1.1.) Die Grundschule Gunsleben wird Tagesschule. Initiator dafür ist der
Lehrer Günter Schmidt.
1961 (1.8.) Die LPG richtet eine Näh- und Flickstube ein, die auch von der Dorf-
bevölkerung genutzt werden kann.
1961 (13.8.) Bau der Mauer und Abriegelung Westberlins, verbunden mit dem
festungsmäßigen Ausbau der Staatsgrenze West. Verschärfung des Grenz-
regimes. Westkontakte im öffentlichen Bereich sind unerwünscht.
1961 (3.10.) Zweite Zwangsaussiedlung Gunslebener Bürger unter dem Deckna-
men „Kornblume“, die die Familie Otto Spahl und Inge Fuchs betrifft
1964 (2.1.) Ausgabe neuer Personalausweise mit dem Nationalitätenvermerk
„Bürger der DDR“
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1964 (1.8.) Die neu editierten Banknoten lauten auf die Währungsbezeichnung
„Mark Deutscher Notenbank“ (MDN).
1964 (1.9.) Die Schüler der 9. Klasse werden ab dato in Wackersleben beschult.
1964 (15.10.) Gunsleben wird aus der 5 km-Sperrzone herausgelöst, weil wegen
gegebener „Grenzsicherheit“ im betreffenden Grenzabschnitt keine Durch-
bruchsversuche in Richtung BRD mehr registriert werden.
1966 Bildung von zwei „Kooperativen Abteilungen Pflanzenproduktion“
(KAP) mit einmal Gunsleben, Wackersleben und Ohrsleben sowie Hamers-
leben, Ausleben und Hornhausen.
1969 (1.2.) Übergabe eines von der LPG eingerichteten und betriebenen Wan-
nenbades auch zur Mitnutzung durch die Dorfbevölkerung.
1969 (31.7.) Schließung der Teiloberschule Gunsleben, die Grundschüler besu-
chen ab 1.9. die Schule in Wackersleben.
1974 (14.9.) Ausgabe neuer Banknoten mit der Währungsbezeichnung „Mark der
DDR“ anstelle von MDN.
1976 (1.1.) Bildung der LPG Pflanzenproduktion (LPG P) „Wilhelm Pieck“
Hamersleben sowie der LPG Tierproduktion (LPG T) Wackersleben. In
beide Betriebe ist Gunsleben integriert.
1976 (21.4.) Gunsleben wird Mitglied im Gemeindeverband Ausleben.
1976 bis 1980: Fragwürdige Sanierung des Gleiskörpers zwischen Gunsleben
und Oschersleben. Die eingebauten Betonschwellen zerbröseln sehr schnell
und machen Langsamfahrstrecken notwendig.
1979 Ein Orkan deckt das Dach des Kirchturmes ab und fällt die Feldeiche, ein
Wahrzeichen Gunslebens.
1980 Während des Winters fertigen 20 Frauen der LPG in deren Räumen Büsten-
halter für den VEB Miederwaren Staßfurt.
1982 (31.12.) Die Scheune auf dem ehemaligen Günsche-Hof (Obere Bergstraße)
brennt völlig ab. Ursache: Brandstiftung durch Kinderhand.
1989 (7.11.) Rücktritt der DDR-Regierung.
1989 (22.12.) Öffnung des Brandenburger Tors und der Staatsgrenze zur BRD.
Die Einwohner Gunslebens reisen über die Orte Hessen und Roklum nach
Niedersachsen ein, um sich in Schöppenstedt das Begrüßungsgeld in Höhe
von 100 DM pro Person auszahlen zu lassen.
1990 Auflösung der LPG, Rückgabe der Nutzflächen an die Eigentümer. Schritt-
weise Teilprivatisierung der Gebäude und Freiflächen des Schlosses.
1990 Nach dem Tode von Erhard Rohlandt aus Wulferstedt, bisheriger Kreis-
Naturschutz-Beauftragter (KNB), wird Fritz Uehr zum KNB berufen.
1990 (18.3.) Erste freie Wahlen zur Volkskammer.
1990 (6.5.) Erste freie Kommunalwahlen. In Gunsleben siegt auf der Basis des
„Fritz-Uehr-Bonus“ die Demokratische Bauern-Partei Deutschlands,
deren Mitglied Fritz Uehr ist, mit 41,76 % der abgegebenen Stimmen.
1990 (1.7.) Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialreform.
1990 (14.10.) Erste freie Landtagswahlen mit der FDP in Gunsleben als Wahlsieger.
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1991 Nutzung des Sportplatz-Geländes und Umgebung als Mülldeponie durch
die Wertstoff-Erfassung und Verwertung Oschersleben (WEVO).
1992 (30.5.) Nach 149jähriger Betriebszeit wird der Zugverkehrs zwischen Guns-
leben und Oschersleben eingestellt.
1992 (6.6.) Gunsleben wird an das zentrale Trinkwassernetz angeschlossen.
1992 (29.6.) Letzter Arbeitstag für die Poststelle Gunsleben.
1992 (22.7.) Das Ländereinführungsgesetz bewirkt die Wiederentstehung Sach-
sen-Anhalts als eins der neuen Bundesländer.
1992 (3.10.) Die DDR tritt dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei; formale
Wiedervereinigung Deutschlands.
1992 (12.11.) Versuchter Geldraub in der Kreissparkassen-Filiale Gunsleben.
1992 (31.12.) Schließung des Kindergartens Gunsleben.
1993 (14.7.) Schließung der Sekundarschule Wackersleben. Die Schüler ab Klas-
se 5 besuchen ab 1.9. die Sekundarschule Ausleben.
1992 bis 1993: Abriss der Zuckerfabrik Aderstedt und Demontage des Anschluss-
gleises zwischen dem Bahnhof Gunsleben und der Zuckerfabrik Aderstedt.
1993 (14.7.) Sieglinde Rahn eröffnet in Gunsleben einen neuen Friseur-Salon.
1993 Asphaltierung der L 78 zwischen Gunsleben und Aderstedt.
1993 Gunsleben hat 341 Einwohner (162 männlich und 179 weiblich)
1994 (18.2.) Todestag Fritz Uehrs.
1994 (16.5.) Genehmigung des Gunsleber Wappens durch das Regierungpräsi-
dium Magdeburg.
1994 (1.7.) Die Landkreise Oschersleben und Wanzleben fusionieren zum Land-
kreis Bördekreis, Kreisstadt wird Oschersleben. Gunsleben wird Mitglied
der Verwaltungsgemeinschaft Hamersleben.
1994 Beschluss des Gemeinderates Gunsleben, sich wegen eventueller Spitzeltä-
tigkeit für die Staatssicherheit der DDR überprüfen zu lassen.
1994 Der Wirtschaftsweg zwischen Gunsleben und Neuwegersleben wird
asphaltiert, Kostenträger ist die WEVO.
1995 (6.1.) Großbrand der ehemaligen Schweineställe (Hauptstraße).
1995 (12.6.) Die FFW Gunsleben bekommt ein neues Feuerwehrauto.
1996 Pfarrer Günther Mack geht in den Ruhestand. Gunsleben wird dem Kirch-
spiel Hamersleben zugeordnet und von Pfarrer Dr. Martin Schulz betreut.
1995 Gunsleben hat 337 Einwohner.
2001 (27.6.) Schließung der Grundschule Wackersleben, die Grundschüler aus
Gunsleben besuchen ab Schuljahr 2001/02 die Grundschule Hamersleben.
2002 (1.1.) Einführung des EURO.
2003 (März) Der neue Besitzer des Speichers, Karl Friedrich Förster aus Lemgo
(NRW), veranstaltet im teilrenovierten Speicher ein für die Einwohner.
Gunslebens offenes Fest mit dem Titel „Auferstanden aus Ruinen“.
2004 (1.1.) Fusion der Verwaltungsgemeinschaften Hamersleben und Gröningen
zur VG „Westliche Börde“, Sitz Gröningen.
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2004 (6.1.) Irmgard Heine, Vorsitzende der Ortsgruppe des Landfrauenbundes,
wird zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Rau eingeladen.
2004 (1.6.) Zusammenschluss der Gemeinden Gunsleben, Hamersleben und
Neuwegersleben zur Gemeinde „Am Großen Bruch“.
2004 (01.07.) Zweite Gebiets - und Verwaltungsreform in Sachsen-Anhalt. Die
Landkreise Ohrekreis und Bördekreis fusionieren zum Landkreis Börde.
Kreisstadt wird Haldensleben.
2006 (10.10.) Das Buch „Der lange Weg zum Bördekreis“, Autor Dietmar Buch-
holz, wird in Oschersleben der Öffentlichkeit präsentiert.
2007 (8.9.) Versteigerung des alten Inspektorhauses; Erwerber ist Gregor Katzer.
Versteigerung des Schlosses mit Schlosspark; Erwerber ist Robert Glass.
2008 Asphaltierung der Landstraße L 78 nach Wackersleben.
2008 (23.8.) Wohnungsbrand im Haus von Markus Buchholz, Untere Bergstraße.
2008 Gunsleben hat 269 Einwohner.
2010 (1.1.) Die Gemeinde Wulferstedt tritt der Gemeinde Am Großen Bruch bei.
Die Verwaltungsgemeinschaft Westliche Börde wird zur Verbandsgemein-
de gleichen Namens. Die Gemeinden Am Großen Bruch und Ausleben so-
wie die Städte Gröningen und Kroppenstedt (jeweils mit ihren Ortsteilen)
sind die Mitglieder dieser Verbandsgemeinde.
2010 (15.11.) Dietmar Buchholz erhält in Leipzig für sein umfangreiches heimat-
geschichtliches Schrifttum den Mitteldeutschen Historiker-Preis.
2011 Übergabe des Dorfgemeinschaftshauses, renoviert und modernisiert mit
finanziellen Mitteln der EU zur Entwicklung des ländlichen Raumes.
2011 Konstitution eines Vorbereitungskomitees zur Gestaltung der 900-Jahr-
feier im Jahre 2012.
- nach 1945 -
Bürgermeister: Carl Robra, Karl Erhardt, Karl Kneisel, Willi Sell, Karl Niemann, Gustav Brasa,
Otto Geffers, Bgm. Heinrich, Ernst Gaile, Wolfhard Kotzian, Gerda Thormeyer,
Michael Koch, Fritz Uehr, Siegfried Rössing, Michael Koch, Peter Wendland,
Markus Buchholz, Dietmar Hobohm**, Eva Stroka**
Schule: August Holburg, Heinz Witte, Eberhard Müller, Rudolf Kregel, Inge Paul,
Rudolf Östreich, Otto-Manfred Ullrich, Herbert Deutsch, Resi von Smuda,
Fritz Härtge, Gerhard Fricke, Wenzel Kuttig, Erich Siegfried, Günter Schmidt,
Martha Junge, Doris Dolle, Adelheid Ristock, Hans-Joachim Schminder
Schulhort: Elli Bauermeister, Ida Klein, Irmgard Heine
Kindergarten: Marlene Stähr, Elli Bauermeister, Maria Junge, Dorothea Ruhnke, Rosemarie
Reimer, Rita Metje, Wilma Tondera, Edith Düsing, Heidi Roloff, Gertrud Wragge
Kinderkrippe: Ilse Külz, Helene Wartmann, Gerda Bergemann, Gertrud Wragge,
Doris Schaper
* Gemeinde Am Großen Bruch
25
Schloss Gunsleben
H
istorische Quellen überliefern tar großen Innenhofes. Graf Maximilian
eine ehemalige Burg in Gunsle- von der Asseburg-Neindorf fügte dem
ben, die im 14. Jahrhundert zer- Anwesen ein repräsentatives Herren-
stört worden sein soll. Das älteste heute haus (1891) im neogotischen Stil der
noch erhaltene Gebäude ist das 1754 Gründerzeit hinzu. Es besitzt neben
errichtete Gutshaus. zwei Ecktürmen eine
Von 1453 bis zu seinem kunstvoll gestaltete
Verkauf im Jahre 1932 Holzveranda. Die groß-
war das Rittergut über zügig angelegten Räum-
nahezu 480 Jahre im lichkeiten dieses Gebäu-
Besitz der Freiherren deteiles mit überwiegend
und späteren Grafen erhaltenen Stuckdecken,
„von der Asseburg“, die Doppelflügeltüren und
zeitweise gleichzeitig Erkern haben ihren
Herren auf den Schlös- repräsentativen Charak-
sern Neindorf und Horn- ter weitgehend erhalten.
hausen sowie auf den Einige Zierelemente
Gütern Schermcke, Neu- des ursprünglich aus
brandsleben und Pesek- englischem Schiefer
kendorf waren. bestehenden Daches sind
1950 wurde im Schloss
eine Grundschule sowie
einige Jahre später eine
Kinderkrippe und ein
Kindergarten eingerich-
tet. Das heutige Anwesen
besteht aus einer viersei- Schloss Gunsleben - Aquarell aus dem Jahr 1905 und Wappen
tigen Anlage von Gebäu- über dem Eingangsportal des Gutshauses (1754).
den des 18. und 19. Jahr-
hunderts.
Das Gutshaus (1754)
und das kurze Zeit spä-
ter errichtete Inspekto-
renhaus (vermutlich
1768) wurden von Chri-
stoph Werner von der
Asseburg im schlichten,
ländlichen Barockstil
erbaut.
Im Verlauf des 19.
Jahrhunderts entstan-
den weitere Wirtschaft-
bauten, als Einfassung
eines knapp einen Hek- Das Gutshaus wurde 1754 im ländlichen Barockstil erbaut.
26
jedoch durch eine Dacherneuerung in
den frühen achtziger Jahren verloren
gegangen, ebenso wie der neogotische
Wintergarten, der bereits in den siebzi-
ger Jahren abgerissen und später durch
einen einfachen Balkon ersetzt wurde.
Der Wintergarten wird gegenwärtig
wiederhergestellt.
Der rund zwei Hektar umfassende
Park wurde bereits vor ca. 160 Jahren
angelegt und besteht heute überwiegend
aus einem gemischten Laubwald mit
Kastanien, Linden, Ahorn, Schwarz-
pappeln und Eschen sowie zahlreichen
anderen Gehölzen, darunter Flieder,
Weissdorn, Hainbuchen und Eiben.
Das repräsentative Herrenhaus wurde 1891 im
Nach sechs Jahrzehnten der Nutzung
neogotischen Stil der Gründerzeit erbaut.
als Grundschule, Kinderkrippe, Kinder-
garten und Gemeindebüro werden die
Gebäude gegenwärtig einer umfassen- bereits überwiegend rückgebaut. Zahl-
den Sanierung unterzogen, die im Jubi- reiche originale Ausstattungsdetails wie
läumsjahr weitgehend abgeschlossen Stuck, Parkett und Kasettentüren sind
sein wird. noch vorhanden und werden derzeit
Die ursprüngliche Raumaufteilung restauriert. Bei den Renovierungsarbei-
des barocken Gutshauses und des Her- ten wurde unter anderem eine aus der
renhauses ist bis auf kleinere Umbauten Zeit um 1760 stammende Deckenbema-
aus der Zeit zwischen 1950 und 1970 lung wiederentdeckt sowie eine im Bie-
noch erhalten. Diese Umbauten wurden dermeierstil erstellte und mit Intarsien
versehene Holzdeckenvertäfelung frei-
gegelegt.
Seit 2007 besteht ein informeller
Kreis von Unterstützern, die sich über
die Betreibergesellschaft G&B GbR für
die Renovierung des Schlosses und die
Entwicklung eines nachhaltigen Nut-
zungskonzeptes einsetzen. Ziel des För-
derkreises ist es, den Erhalt des Schlos-
ses und des Parks auch in der Zukunft
zu sichern und auch künftig in Teilen
der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen.
Hompage:
[Link]
Infos unter:
Blick von der Veranda des Herrenhauses in den info@[Link]
Schlosspark.
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Ausgewählte Fakten und Ereignisse
aus der Geschichte Neuwegerslebens
um 750 Bericht von einer Wasserburg nahe des Ortes Wegersleben
935 Zerstörung Wegerslebens, ältere Namensformen sind Wageresleve und
Wegersleve
1087 Bischof Burkhard II von Halberstadt (1059-1088) vergibt den Zehnten der
Feldflur Wegerslebens an das Kloster Huysburg.
1112 Ersterwähnung Wegerslebens in einer Schenkungsurkunde, nach der die
Edle Thietburg dem Kloster Hamersleben 21 Hufen Land in der Feldflur
Wegersleben zukommen lässt.
1114 Bischof Reinhard von Halberstadt (1106 - 1123) übergibt dem Marienaltar
zu Wegersleben 20 Hufen Land in Gersleben samt einer Mühle und allem
Zubehör.
1118 Bischof Reinhard schenkt dem Kloster Huysburg den Zehnten der Feldflur
Wegerslebens zurück, den sich der Unterdrücker Hemezo unrechtmäßig
angeeignet hatte.
1137 Angebliche Fertigstellung des Neuen Dammes zurzeit der Herrschaft
Bischofs Rudolf I. (1136 - 1149).
1140 Bischof Rudolph I weiht eine neue Kirche in Wegersleben ein, erbaut auf
vom Kloster Hamersleben geschenkten Boden. Im gleichen Jahr endet die
Einpfarrung nach Hamersleben
1264 Wiederherstellung einer Bruchfähre mit Landungsstegen.
1315 Langanhaltende Regenfälle vernichten das Getreide in der Feldflur; die
Folge ist ein opferreiches Hungerjahr.
1329 Ersterwähnung Neudamms als Fährstation, gelegen am Großen Bruch.
1347 Die Pest wütet in Wegersleben und fordert viele Opfer.
1364 Ersterwähnung eines Schlosses, das von Bischof Ludwig (1357-1366) für
nur 60 Mark an Werner und Dröseke von Bodendieck verpfändet wurde.
1477 Das Kloster Huysburg verkauft den 1087 erworbenen Zehnten an das Klo-
ster Hamersleben.
1494 Das Kloster Hamersleben kauft Schloss und Dorf Wegersleben für 1600
Reichstaler von Bischof Ernst von Halberstadt (1479 - 1513) mit Zustim-
mung des Domkapitels.
1495 Überlieferte Berichte über mannshoch verkrautete Äcker in der Feldflur
Wegerslebens und einer kaum noch gegebenen Besiedlung..
1521 Bericht über die verfallene Dorfkirche und sich verringernde Bevölkerung.
1521 Mit Erlaubnis des Administrators Kardinal Albrecht (1513 - 1545) werden
die Gläubigen nach Hamersleben eingepfarrt, wo sie die 1486 erbaute Bau-
ernkirche, nicht aber die Klosterkirche zu besuchen haben.
1540 Erzbischof Kardinal Albrecht V von Brandenburg (1513 - 1545) veranlasst
umfangreiche Entwässerungsarbeiten im Großen Bruch.
28
1563 Wiederaufbau des Neuen Dammes unter Bischof Sigismund (1552 - 1566).
1618 bis 1648: Im Dreißigjährigen Krieg wird Wegersleben zerstört.
1648 Im Westfälischen Frieden wird die Säkularisation des Bistums Halberstadt
in das Fürstentum Halberstadt festgelegt. Dieses wird dem Kurfürstentum
Brandenburg, dem späteren Königreich Preußen zugeschlagen. Wegersle-
ben wird einem Kreis Oschersleben zugeordnet.
1750 (11.09.) Prälat Heinrich Nolte veranlasst den Bau des Gutshofes auf der
Stelle der alten Burg, dazu beiderseits der heutigen Neuen Straße den Bau
von 14 Kolonistenhäusern mit 28 Wohnungen. Das war die Geburtsstunde
von nun „Neuwegersleben“. Prälat Storck, Nachfolger Noltes, setzt dessen
Werk fort.
1750 Das Kloster Hamersleben sichert sich endgültig seinen 1494 erworbenen
Besitz in Neuwegersleben. Vorausgegangen waren viele Streitigkeiten.
1754 König Friedrich II von Preußen (1740 - 1786) unterstützt durch die Gewäh-
rung von Steuerfreiheit und weiterer Privilegien die Entwicklung der neu-
gegründeten Kolonie.
1785 Neuwegersleben zählt 120 Einwohner
1804 Säkularisation des Klosters Hamersleben im Gefolge der Bestimmungen
des Friedens von Luneville; Umwandlung des klösterlichen Besitzes
in Hamersleben und in Neuwegersleben in staatliche Domänen.
1807 bis 1813: Entsprechend den Bestimmungen des Friedens von Tilsit kommt
Neuwegersleben als linkselbisch gelegen zum Königreich Westfalen. Es
wird dem Departement Oker, District Helmstedt und Kanton Hamersleben
als Municipium zugeordnet. Neuwegersleben leidet unter der verordneten
Abgabenlast.
1815 Generalmajor von Kotze erhält für seine Tapferkeit während der Befrei-
ungskriege die Domänen Hamersleben und Neuwegersleben für 30 Jahre
pachtfrei geschenkt.
Die Satorformel war nach dem Aberglauben unserer Vorfahren ein Schutzmittel gegen
Feuergefahr. Die von links oben nach rechts, von rechts unten nach oben lesbaren Wör-
ter galten lange als nicht übersetzbar, sollen aber lateinischen Ursprungs mit folgendem
Sinn sein: Der Sämann (sator) hält (tenet) dem Bischof (terapo) Werke (opera) und Räder
(rotas), sinngemäß: Der Bauer ist dem Bischof mit Hand- und Spanndiensten hörig.
29
1816 Das Königreich Preußen ordnet nach der Befreiung vom Franzosenjoch die
Verwaltung seiner Territorien neu. Neuwegersleben kommt zum neuge-
schaffenen Kreis Oschersleben in der Provinz Sachsen.
1834 Bau einer Brücke über den Großen Graben nebst Beiläufer.
1828 Verwaltungsmäßige Trennung von Hamersleben und Neuwegersleben.
Neuwegersleben wird damit kommunal selbständig.
1840 Bau des ersten Schulhauses in Neuwegersleben mit Unterstützung durch
Generalmajor Kotze. Es befand sich im heutigen Wohnhaus Bihaule.
1833 bis 1849: Betriebszeit der optischen Telegrafenlinie Berlin - Koblenz, zu
der auch die Station 18 Neuwegersleben gehört.
1843 Fertigstellung der Eisenbahnlinie Oschersleben - Wolfenbüttel. Neuwe-
gersleben wird Bahnstation und erhält im gleichen Jahr einen Bahnhof.
1855 Verpachtung der Domäne Neuwegersleben an Herrn Stegmann, der insbe-
sondere die Viehhaltung favorisiert.
1855 bis 1953: Das ehemalige Stationsgebäude der Telegrafenlinie wird als
Wohnraum genutzt. Danach wurde es unter Denkmalsschutz gestellt, ohne
dass es entsprechend gepflegt wurde.
1858 Neuwegersleben bekommt ein kleines schmuck- und turmloses Gotteshaus,
eingerichtet im Saal einer ehemaligen Fabrik.
1864 Bau der Zuckerfabrik in Neudamm durch die Herren Kücken und Schmidt.
1870 Übernahme der Domäne Neuwegersleben durch Herrn Kücken; von nun
an Intensivierung des Zuckerrübenanbaus.
1879 Großbrand auf der Domäne Neuwegersleben; mehrere Stallgebäude wer-
- den vernichtet.
1880 Inbetriebnahme einer Schraubenfabrik durch Hugo Behrens.
1881 bis 1921: Hermann Kücken lässt die Straße zwischen Neuwegersleben und
Hornhausen pflastern. Er legt eine Soolweidenkultur an, die Fasanerie ent-
stand. Es wurden weitere Häuser auf dem heutigen Fürstenberg gebaut.
1885 Neuwegersleben zählt 837 Einwohner.
1889 Inbetriebnahme einer Brikettfabrik in Neuwegersleben, die die Braunkoh-
le der Grube Hamersleben verarbeitet. Die Versorgung erfolgte anfangs
über eine Seilbahn, später nach erfolgtem Gleisbau auf dem Schienenweg.
um 1890 In Neuwegersleben gibt es einen Turnverein Friesen.
1893 Inkrafttreten einer Kreis-Polizeiverordnung: In den Landgemeinden sind
Freiwillige Feuerwehren zu gründen, so auch in Neuwegersleben.
1914 (26.04.) Einweihung der neuen evangelischen Kirche.
um 1920 Bau weiterer Häuser in Neuwegersleben.
1921 Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr.
1921 bis 1929: Die Domäne Neuwegersleben gehört nun Kückens Erben. Ver-
waltet wird sie von Aribert Mann und Inspektor Storbeck.
1923 (19.10.) Gründung einer Wiesenbaugenossenschaft Neuwegersleben.
1924 Konkurs der Schraubenfabrik.
30
1924 (13.10.) Die Zuckerfabrik Neudamm brennt ab.
1926 Stilllegung der Brikettfabrik infolge Unwirtschaftlichkeit.
1929 Neudamm, bis dahin zur Domäne Schlanstedt gehörend, wird nach
Neuwegersleben eingemeindet.
1929 Walter Bethge übernimmt die Domäne Neuwegersleben.
1932 Gründung der Kistenfabrik durch Walter Behrens und Max Senft. Produk-
tion von Flachsteigen, Mittelsteigen, Obststeigen und Spargelkisten.
1934 Die Freiwillige Feuerwehr Neuwegersleben gibt sich eine Satzung.
1935 bis 1941: In Neuwegersleben wird in einem Lager der Reichsarbeitsdienst
(RAD) stationiert, der Spatenarbeiten im Großen Bruch durchführt.
1944 Neuwegersleben verfügt über eine auf das Postgebäude montierte Sirene.
1945 (11.04.) US-amerikanische Truppen besetzen Neuwegersleben, die am
29.5. von britischen und am 2.7. von sowjetischen Truppen abgelöst wer-
den. Neuwegersleben kommt endgültig zur sowjetischen Besatzungszone
(SBZ), der späteren DDR.
1945 Bodenreform; Aufteilung des Domänenbodens an Landarbeiter, Umsiedler
und landarme Bauern; Wiederaufnahme des Schulunterrichts.
1946 Überführung des Betriebes Behrens & Senft in Volkseigentum.
1947 Aus der Provinz Sachsen-Anhalt wird das Land Sachsen-Anhalt.
1948 (23.6.) Währungsreform: Abwertung der Reichsmark (RM) im Verhältnis
10:[Link] bisherigen Banknoten behalten zwar ihre weitere Gültigkeit, wer-
den aber mit einem aufgeklebten Coupon versehen.
1949 (7.10.) Gründung der DDR.
um 1949 Gründung der BSG Traktor Neuwegersleben (mit Fußballmannschaften
verschiedener Altersstufen und einer Damenhandballmannschaft).
1951 Zusammenschluss der Kistenfabrik Neuwegersleben mit den Sägewerken
Beckendorf und Anderbeck.
1952 Gebietsreform: Aufteilung der bisherigen Länder in Bezirke; Neubildung
bzw. Veränderung von Landkreisen. Neuwegersleben verbleibt im Kreis
Oschersleben im Bezirk Magdeburg.
1952 Bildung des Schulkombinats Neuwegersleben - Gunsleben. Direktor war
Bruno Kwiatkowski.
31
1953 Die 1. Herren-Fußballmannschaft wird Kreismeister.
1955 Auflösung der Sägewerke Beckendorf und Anderbeck; Übernahme der
Arbeitskräfte in Neuwegersleben.
1956 Mit einer Katasterfläche von 10 km Quadratkilometern zählt Neuwegers-
leben 954 Einwohner.
1960 Zusamenschluss der 1953 gegründeten LPG Neuwegersleben mit der LPG
Gunsleben, nachdem Neuwegersleben 1960 vollgenossenschaftlich wurde.
1961 (13.08.) Bau der Mauer in Berlin; Verschärfung des Grenzregimes.
1964 (2.1.) Ausgabe neuer Personalausweise mit der Nationalitätsbezeich-
nung „Bürger der DDR“.
1964 (01.8.) Ausgabe neuer Banknoten mit der Währungsangabe „Mark der
Deutschen Notenbank“ (MDN).
1967 (23.8.) Einführung der 5-Tage-Arbeitswoche.
1969 Gründung einer Frauen-Feuerwehrgruppe.
1972 (23.6.) Nach jahrelanger Sportruhe, u.a. bedingt durch Wegzüge jüngerer
Einwohner, erfolgt die Neugründung einer Betriebssportgemeinschaft
(BSG) mit dem Namen „Aufbau Neuwegersleben“.
1974 (14.9.) Abermals Ausgabe neuer Banknoten mit der Währungsangabe
„Mark der DDR“ statt „Mark der Deutschen Notenbank“.
1976 (21.4.) Bildung des Gemeindeverbandes Ausleben, in dem Neuwegersle-
ben Mitglied wird.
1987 Aufbau Neuwegersleben wird Fußball-Kreismeister.
1989 (7.11.) Rücktritt der DDR-Regierung.
1989 (22.12.) Öffnung der Staatsgrenze zur BRD bzw. zu Westberlin,
1990 (18.3.) Erste freie Wahlen zur Volkskammer der DDR.
1990 (1.7.) Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialreform; die
„Westmark“ wird gültiges Zahlungsmittel in der DDR.
1990 (22.07.) Ländereinführungsgesetz: Sachsen-Anhalt entsteht als Bundes-
land neu. Die übernommene Landkreis-Einteilung verbleibt vorerst.
1990 (3.10.) Die DDR tritt dem Wirkungsbereich des Grundgesetzes bei; forma-
ler Vollzug der Wiedervereinigung Deutschlands.
32
1992 (31.5.) Einstellung des Regelzugverkehrs zwischen Oschersleben und
Gunsleben nach 149jährigem Betrieb.
1994 (16.05.) Das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt das Wappen der
Gemeinde Neuwegersleben.
1994 (1.7) Erste Gebiets- und Verwaltungsreform in Sachsen-Anhalt, die
Landkreise Oschersleben und Wanzleben fusionieren zum Landkreis Bör-
dekreis, Kreisstadt wird Oschersleben. Neuwegersleben wird Mitglied der
parallel geschaffenen Verwaltungsgemeinschaft Hamersleben.
1995 Sieben durch Brandstiftung verursachte Brände auf dem ehemaligen LPG-
Hof werden erfolgreich bekämpft.
1995 Gründung einer Jugend-Feuerwehr.
1996 Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses.
1996 Dank des Einsatzes interessierter Bürger und Firmen wird mit dem
Wiederaufbau der Telegrafenstation begonnen.
1997 Richtfest auf der Telegrafenstation.
1981 bis 2000: Ständige Verbesserung der Ausrüstung der Freiwilligen Feuwer-
wehr (Löschtechnik; Gerätehaus mit feuerwehrspezifischen Einrichtun-
gen, Löschfahrzeug, Uniformen u.a.).
2001 Zum Tag des offenen Denkmals wurde die historische Telegrafenstation
Nr. 18 vom Bördekreis an die Gemeinde Neuwegersleben übertragen.
2002 (1.1.) Einführung des EURO.
2004 (1.1.) Fusion der Verwaltungsgemeinschaften Hamersleben und Grönin-
gen zur VG „Westliche Börde“ mit Sitz in Gröningen.
2004 (1.6.) Zusammenschluss der Gemeinden Gunsleben, Hamersleben, Neu-
wegersleben zur „Gemeinde Am Großen Bruch‘‘.
2004 (01.07.) Zweite Gebiets - und Verwaltungsreform in Sachsen-Anhalt. Die
Landkreise Bördekreis und Ohrekreis fusionieren zum Landkreis Börde.
Kreisstadt wird Haldensleben.
2010 (1.1.) Die Gemeinde Wulferstedt tritt der Gemeinde Am Großen Bruch bei.
Die Verwaltungsgemeinschaft Westliche Börde wird zur Verbandsgemein-
de gleichen Namens. Die Gemeinden Am Großen Bruch und Ausleben so-
wie die Städte Gröningen und Kroppenstedt (jeweils mit ihren Ortsteilen)
sind die Mitglieder dieser Verbandsgemeinde.
- nach 1945 -
Bürgermeister: Wilhelm Pfeiffer, Bgm Tepper, Karl Schoor, Hermann Thein, Lisa Korn,
Johannes Hoffmann, Siegfried Bock, Kurt Löffler, Ute Schrader,
Werner Kobbe, Heidrun Gebauer, Dietmar Hobohm.
Dietmar Hobohm**, Eva Stroka**
* Gemeinde Am Großen Bruch
33
Die Telegrafenstation Neuwegersleben
D
as Gebäude auf dem 98 Meter Magdeburg – Braunschweig ist nicht
hohen Keutenbeg, dem späteren auszuschließen.
Telegrafenberg, hat eine wech- Die spätere Nutzung des Gebäudes
selvolle Geschichte. Nur die kürzeste als Wohnraum von 1855 bis ca. 1955 ist
Zeit seines Bestehens, nämlich 16 Jahre, durch Zeitzeugen belegt. Danach wurde
wurde es für den Zweck genutzt, für den das Gebäude sich selbst überlassen und
es erbaut wurde – als Station Nr. 18 der es verfiel. Abbildungen aus den 50er
Optischen Telegrafenlinie Preußens. Jahren zeigen das Gebäude in einem
Allerdings war guten baulichen
diese Zeit auch die Zustand, mit einem
bedeutendste in der aus der Wohnhauszeit
Geschichte des Bau- stammenden Sattel-
werkes. Der Bau die- dach. Eine Zustands-
ser Telegrafenlinie beschreibung aus dem
über insgesamt 61 Jahr 1995 stellt fest,
Stationen vollzog dass vom Telegrafen-
sich in zwei turm noch große Teile
Abschnitten unter der originalen Bau-
der Gesamtleitung substanz vorhanden
von Major Franz sind, die sich aller-
August O'Etzel. dings in einem ruinö-
Innerhalb des zwei- sen Zustand befanden
ten Abschnitts war und keine Hinweise
Ingenieur-Haupt- auf ihre ursprüngli-
mann Gottlieb Hein- che Funktion ver-
Die ehemalige Telegrafenstation wurde
rich Ferdinand Heise mittelten. Ungeachtet
bis 1955 als Wohnraum genutzt und
auch für die Errich- danach dem Verfall überlassen. dessen ist der Telegra-
tung der Station 18 fenturm in seiner
Neuwegersleben unveränderten
zuständig. Von 1832/33 bis 1849 ver- Grundsubstanz das einzige noch in sei-
band diese Nachrichtenlinie Berlin mit ner Originalform existierende Stations-
dem Verwaltungssitz der preußischen gebäude der preußischen Telegrafenlinie
Verwaltung der Rheinprovinz. vom Bautyp Telegrafenturm ohne
Mit Hilfe optisch-mechanischer Tech- Wohn- und Wirtschaftsbauten. Die Tele-
nik wurden staatliche und militärische grafenstation Nr.18 in Neuwegersleben
Depeschen verschickt. Nach Beendigung ist eines der wenigen erhalten gebliebe-
des Betriebsdienstes wurde die Station nen baulichen Zeugnisse aus der
1849 geschlossen und die technischen Geschichte der optischen Nachrichten-
Anlagen dem Militär übergeben. Eine technik. Sie ist ein kulturhistorisches
kurze Nutzung als Relaisstation der und technisches Denkmal von regionaler
dann aufkommenden elektromagneti- und nationaler Bedeutung.
schen Telegrafie, möglicherweise in Ver- In den achtziger Jahren des vorigen
bindung mit dem Bau der Bahnlinie Jahrhunderts wurde der Turm in die
34
Denkmalliste aufgenommen, was aber Neuwegersleber Domäne arbeitete,
keine Konsequenzen hinsichtlich seines gebar am 28. Oktober 1855 hier ihren
denkmalpflegerischen Erhaltes hatte. unehelichen Sohn Christoph Kruse. Els-
Ab 1978 beschäftigten sich Hobbyhisto- beth Kühne, geborene Biewendt, aus
riker intensiver mit der vergessenen Hordorf, wohnte von etwa 1932 bis
Kommunikationstechnik und suchten 1933/34 mit ihrem ersten Mann Heinrich
auch nach noch erhaltenen Sachzeugen Buch und den Schwiegereltern in dem
aus der alten Telegrafenzeit. Gebäude. Die Schwiegereltern Heinrich
So rückte auch das Telegrafengebäude und Marie Buch bewohnten die Station
Neuwegersleben wie- bereits vor 1930.
der in das Licht der Gut konnte sich Els-
Öffentlichkeit. Gänz- beth Kühne noch an die
lich aus dem Dornrö- Zeit erinnern: „Das war
schenschlaf wurde es eine schöne Wohnung.
ab 1995 gerissen. Der ehemalige Aufent-
Eine Bürgeriniative haltsraum im unteren
machte es, im Geschoss des Turmes
Zusammenwirken mit diente der Familie als
der Förderung aus der Wohnküche. In der obe-
Wirtschaft und der ren Etage befanden sich
Unterstützung der zwei Schlafkammern,
kommunalen Ent- während der Keller der
scheidungsträger Vorratshaltung diente“.
möglich, das Telegra- Im Jahr 1933 feierten
fengebäude zu restau- Elsbeth und Heinrich
rieren und mit einer Buch hier ihre Hochzeit
funktionsfähigen Tele- und im selben Jahr
grafenanlage sowie wurde der Sohn Gerhard
einem Museum auszu- Seit 2001 ist das restaurierte Telegra- Buch geboren. Neuwe-
fengebäude wieder der Öffentlichkeit
statten. zugänglich. gerslebener Bürger
Seit 2001 ist es der erinnerten sich, dass das
Öffentlichkeit zugänglich und erfreut es Gebäude kurz vor dem 2. Weltkrieg eine
sich der Aufmerksamkeit unterschied- Familie Schulz bewohnte und in den
lichster Besuchergruppen. Kriegsjahren leer stand. Von etwa 1946
Eine im Mai 2011 neugestaltete Aus- bis 1949 lebten die Eheleute Gatsch in
stellung zur Optischen Telegrafie hat die der Station, und danach war der Schäfer
Attraktivität weiter erhöht. Personen, Gustav Müller mit seiner Lebensgefähr-
die auf der Telegrafenstation Dienst tin Hulda bis etwa 1951 dort wohnhaft.
taten bzw. später hier wohnten waren Auch eine Familie Keppler hat nach
der Obertelegrafist Leutnant a. D. Lud- 1945 hier gewohnt.
wig von Koppelow (1843 bis 1846), der
Obertelegrafist Brese (1837 bis 1839), Infos unter: [Link]
der Untertelegrafist Johann Giesbert Öffnungszeiten:
Brinkmann (1841 bis 1846) und der Am letzten Sonntag von April bis September,
Untertelegrafist Wilhelm Bech (1839 bis von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbahrung
1842). unter 0 39 401/66 30
oder unter [Link]@[Link]
Die Köchin Luise Kruse, die in der
35
Meisterbetrieb der Dachdeckerinnung Wernigerode
36
Aus Gunslebens Sportgeschehen
A
uf Vereinsebene organisierten ger der LPG genutzt wurde, unter seiner
Sport gab es in Gunsleben erst- Anleitung. Somit steht Dietmar Buch-
mals 1888. In diesem Jahr holz ohne Zweifel das Verdienst zu, als
wurde der Männer-Turn-Verein (MTV) Begründer des TT-Sports in Gunsleben
Gunsleben gegründet, der sich mit bezeichnet zu werden.
Geräteturnen befasste. Vereins - und Am 12.3.1960 traten die Sportfreunde
Übungslokal war die Gaststätte Deut- Joachim Roland, Willi Baesler, Herbert
sches Haus. Der MTV Gunsleben feierte Schinke, Hans Rahn, Rainer Busch und
1938 sein fünfzigjähriges Bestehen, die Dietmar Buchholz unter der Bezeich-
Wirren und das Ende des Zweiten Welt- nunm „FDJ Gunsleben“ (Freie Deutsche
krieges überlebte er allerdings nicht. Jugend) zum ersten Vergleichskampf
Die Stationierung einer Abteilung des gegen eine Auswahl Wackerslebens an,
Reichsarbeitsdienstes (RAD) in Gunsle- der Unentschieden endete.
ben 1935 setzte den Bau eines Sport- In der Folgezeit fanden weitere TT-
platzes auf die Tagesordnung, der 1937 Interessierte Gunslebens den Weg zum
im Gebiet der „Sandkuhle“, vollendet Wettspielbetrieb, der nach der Grün-
wurde. dung der SG 1960 Gunsleben am
Nach dem 2. Weltkrieg gründeten 15.08.1960 (heute SV 1960) in geordnete
fußballbegeisterte Einwohner und Bahnen gelenkt wurde.
Umsiedler zusammen mit Sportfreun- Anfangs beteiligte sich die junge Sek-
den aus der Nachbargemeinde Wackers- tion mit nur einer Herrenmannschaft
leben die ZSG (Zentrale Sportgemein- am Punktspielbetrieb des Kreises
schaft) Gunsleben/Wackersleben, die in Oschersleben, wobei es anfänglich hohe
der damaligen 1. Kreisklasse eine Niederlagen gab. Dennoch wuchs all-
durchaus akzeptable Rolle spielte, mählich die Spielstärke. Erste Siege
zumal seinerzeit der Landkreis Oschers- stellten sich ein und bald konnten
leben auch große Teile des 1952 wieder sowohl eine männliche als auch eine
geschaffenen Landkreises Halberstadt weibliche Jugendmannschaft gemeldet
umfasste. werden.
Nach der Trennung von Wackersleben
erfolgte am 27.5.1955, unterstützt von
der inzwischen in Gunsleben gegründe-
ten LPG Philipp Müller, die Gründung
der SG Philipp Müller Gunsleben mit
den Sektionen Fußball, Damen-Hand-
ball und Schach.
Ende der 1950iger Jahre gelang es
dem Lehrer Dietmar Buchholz einige
Einwohner Gunslebens für den Tisch-
tennis-Sport zu interessieren und den
TT-Sport im Ort heimisch zu machen.
So trainierten bald mehrere Gunslebe-
ner im heruntergekommenen Saal der
einstigen Hildebrandt'schen Gaststätte, Der Spielbetrieb fand anfangs im völlig herunterge-
der zeitweise sogar noch als Getreidela- kommenen Saal der Gaststätte Hildebrandt statt.
37
Im männlichen Nachwuchsbereich
trainierten Wolfgang Otte, Hans-Dieter
Rahn, Klaus Großmann, Siegfried
Dobrowski und Bernd Hintze unter der
Anleitung von Dietmar Buchholz. Diese
Mannschaft gehörte gemeinsam mit
Stahl Blankenburg und Motor/Vorwärts
Oschersleben zu den spielstärksten des
Bezirkes Magdeburg. Im weiblichen
Nachwuchsbereich vertraten Regina
Heß, Christel Pollok, Ingelore Schäfer
und Margit Piekert ebenfalls erfolgreich
die Farben Gunslebens. Die Damenmannschaft wurde mit Anja Slotta, Anke
Außer am Punktspielbetrieb beteilig- Thomas, Daniela Buchholz und Jeanette Rahn ([Link].)
ten sich die Mannschaften Gunslebens dreifacher Mannschaftsbezirksmeister.
auch an anderen Wettbewerben, so z.B.
an den Spielen um den FDGB-Pokal tätig, die um ihre Töchter Daniela und
oder um den Landsportpokal. Letzterer Jeanette u.a. mit Anja Slotta, Cornelia
wurde nicht nur auf Kreisebene mehr- Krausmann, Sylvia Bock und Susi
fach gewonnen, um schließlich endgül- Heine weitere Spielerinnen erfolgreich
tig in den Besitz der SG 1960 Gunsleben ausbildeten. 1984 und 1985 qualifizier-
überzugehen. Im Herrenbereich konnte ten sich die Gunsleberinnen für die
sich Gunsleben 1971 sogar für die DDR- DDR-Meisterschafts-Endrunde der
Endrunde qualifizieren, die in Nieder- Schülerinnen in Bad Schmiedeberg und
wiesa (damals Bezirk Karl-Marx-Stadt) gehörten damit zu den 12 besten Teams
ausgetragen wurde. der DDR.
Besonders kontinuierlich wurde in Als weibliche Jugend wurde Gunsle-
den 1980er Jahren im Nachwuchsbe- ben1986 und 1987 Jugendpokalsieger
reich gearbeitet. In dieser Zeit waren des Bezirkes Magdeburg, parallel dazu
mit Hannfried Buchholz und Hans-Die- belegten die Mädchen 1985 den 2. und
ter Rahn zwei zielstrebige Übungsleiter 1986 den 3. Platz in den DDR-Endrun-
den um den Landsportpokal.
Im Spieljahr 1986/87 startete die
weibliche Jugendmannschaft, inzwi-
schen verstärkt durch Anke Thomas
und Kerstin Friebertshäuser aus Grö-
ningen, erstmals in der Damen-Bezirks-
liga des Bezirkes Magdeburg, in der sie
unter der Regie von Hannfried Buchholz
und Hans-Dieter Rahn 1987, 1988 und
1990 Mannschaftsbezirksmeister wurde,
was 1988 den Aufstieg in die DDR-Liga
bedeutete. Obwohl die DDR-Liga nicht
gehalten werden konnte, zählt der Auf-
stieg in die zweithöchste Spielklasse zu
Die Wettkampfstätte der SG 1960 Gunsleben in den größten Erfolgen des Vereins.
den 1980iger Jahren.
38
Nach der Wende führten insbesondere
im Damenbereich Studium, Berufsaus-
bildung und Berufsausübung zu
erschwerten Bedingungen und letztlich
zur Auflösung der Damenmannschaft.
Im Herrenbereich indes war es mög-
lich, vier Mannschaften für den Punkt-
spielbetrieb zu melden, von denen die 1.
Mannschaft sowohl in der Bezirksklasse
als auch zeitweise in der Bezirksliga
spielte. Die unteren Mannschaften
spielten allesamt auf Kreisebene.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die
Für seine Verdienste im Gunslebener Tischtennis-
Brüder Dietmar und Hannfried Buch- sport wurde Dietmar Buchholz (li.) vom Kreissport-
holz ehrenamtliche Leitungsfunktionen bund mit der Ehrengabe des Landrates geehrt.
im Deutschen Tischtennis-Verband der
DDR (DTTV) auf Kreis-, Bezirks- und
Republikebene und nach der Wende im Rahn, Bernd Junge, über viele Jahre
Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) Dietmar Buchholz, danach Heiko Pfeif-
auf Kreis-, Landes- und Bundesebene fer, Rüdiger Buchholz und nochmals
ausübten und dafür mehrmals ausge- Dietmar Buchholz.
zeichnet wurden. Dass das Spiellokal, welches schon zu
Markus Buchholz wiederum besuchte DDR-Zeiten von den TT-Sportlern in
das Sport-Gymnasium Halle und wurde Eigenregie verbessert und nach der
dort speziell im Tischtennis ausgebildet. Wende mit großen finanziellen Mitteln
Er ist seit März 2000 Vorsitzender des zu einer modernen Wettkampfstätte
SV 1960 Gunsleben. ausgebaut wurde, ist in erster Linie ein
Im Gründungsjahr 1960 war Günter Verdienst vom damaligen Bürgermeister
Rottländer Vorsitzender des Vereins. Michael Koch sowie Rüdiger Buchholz
Ihm folgten in dieser Funktion Hans und Armin Bergemann, die sich für den
Ausbau und die Modernisierung der
Sporthalle zielstrebig einsetzten.
Zu den Aktivitäten des Sportvereins
gehörte vor der Wende auch die Aus-
richtung der beliebten traditionellen
TT-Pfingstturniere mit Mannschaften
aus den Bezirken Erfurt, Halle, Cottbus
und Magdeburg, verbunden mit einem
abschließenden großen Sportlerball,
einem Höhepunkt im Leben der Dorfbe-
völkerung.
Nach der Wende waren es das jährli-
che „Große Bruch-Turnier“ im Tisch-
tennis und die gemeinsam mit dem Feu-
erwehr-Förderverein veranstalteten
Zum 50jährigen Jubiläum folgten viele ehemali- Park - bzw. Sommerfeste, die ebenfalls
ge Mitglieder der Einladung des Vereins. gut besucht wurden.
39
40 Jahre Sportverein Neuwegersleben e.V.
A
lteingesessene Neuwegerslebener
können sich noch erinnern, dass
es bereits im Jahr 1938 in Neu-
wegersleben eine Fußballmannschaft
mit Spielern wie Hartwig Busse im Tor,
Feldspieler Hans Jacobi und dem Vor-
sitzenden des Vereins, Karl Baake, gab.
Ende 1940 fand der Kampf um das
runde Leder meist auf den Wiesen in
Richtung Neudamm statt. Etwa im Jahr
1946 wurde an der heutigen Stelle der
Neuwegersleber Sportplatz angelegt.
Größter Erfolg der Herrenmannschaft
Mannschaftsfoto aus dem Spieljahr 1953/54 mit den
in dieser Zeit ist der Kreismeistertitel Spielern Zimmermann ([Link].), Günter, Heppner, Dörge
im Spieljahr 1952/1953. Ebenfalls gab (mitte v. li.), Gemetz, Volkmann, Hoppe (unten [Link].)
es eine Frauenhandballmannschaft, die
im Jahr 1950 den zweiten Platz im Kreis spielen. Im selben Jahr schloss sich eine
Oschersleben belegte. bestehende Frauengymnastikgruppe
Leider schlief die Sportbewegung im dem Verein an.
Ort in den 1960er Jahren etwas ein. Mit Wichtigster Unterstützer der Sportge-
dem Ziel der Wiederbelebung des orga- meinschaft war in der damaligen Zeit
nisierten Spielbetriebs wurde am 23. der VEB Holzindustrie „Nordharz Wen-
Juni 1972 die BSG Aufbau Neuwegers- igerode“ - Betriebsteil Neuwegersleben,
leben gegründet. Ab der Saison im Volksmund die „Kistenfabrik“.
1972/1973 begann eine Herrenmann- Mit dem Aufbau einer Jugendfußball-
schaft in der 2. Kreisklasse Fußball zu Mannschaft im Jahr 1974 wurde der
Grundstein für die erfolgreichen Fuß-
ballzeiten in den 1980er Jahren gelegt.
Der Herren-Fußballmannschaft gelang
in der Saison 1978/1979 der Aufstieg in
die 1. Kreisklasse.
Die erfolgreichste Zeit im Neuwegers-
lebener Fußball waren die 1980er Jahre.
Der Gewinn der Kreismeisterschaft in
der Spielserie 1986/1987 des Kreises
Oschersleben war der Höhepunkt der
jüngeren Vereinsgeschichte. In 26 Spie-
len Saison gab es lediglich zwei Nieder-
lagen und vier Unentschieden. Die
Mannschaftsfoto aus dem Spieljahr 1995. Stehend von
links: Thomas Buller, Peter Beisch, Georg Deichmann,
Abschlusstabelle wies mit 44:8 Punkten
Klaus-Peter Stadler, Reiner Beisch, Volker Jahn, Achim und 127:36 Toren ein Rekordergebnis
Roland, Trikot-Sponsor Gordon Krause; Vordere Reihe: aus, das seither innerhalb der 1. Kreis-
Stefan Stadler, Jörg Thiepold, René Thiepold, Thomas klasse nie wieder erreicht wurde.
Ratschat, Detlef Jacobi, Ronald Müller, Thomas Stadler. In der Spielsaison 1994/1995 nahm
40
eine Frauenfußballmannschaft den einer nicht wegzudenkenden Institution
Spielbetrieb auf, die 1998/1999 einen 3. geworden.
Platz erzielen konnte. Leider ergaben Als besondere Highlights dieser Tra-
sich bald nachhaltige Probleme mit dem dition fanden während der Sportwoche
Mannschaftskader. Eine Ursache hier- im Jahre 2000 ein Fackellauf durch das
für war die Gründung einer Spielunion Dorf mit „leichtathletischen Olympi-
mit Reisen zu weit entfernten Spielor- schen Sommerspielen“ sowie im Jahre
ten. Des weiteren erwies sich der Spiel- 2002 die Veranstaltung „Machs mit,
termin (Sonntagnachmittag) als ausge- Machs nach, Machs besser!“ mit dem
sprochen ungünstig für die Frauen, bekanntem Fernsehmoderator „Adi“
wodurch sich ein Mangel an Spielerin- statt. Jährlich wiederkehrende Bestand-
nen einstellte. Somit ging die Ära des teile der Sportwoche sind Turniere im
Frauenfußballs bereits im Jahr 2000 Herren- und Altherrenfußball, Tisch-
wieder zu Ende. tennis, Boccia und Volleyball und über
Die politische Wende brachte neue mehrere Jahre hinweg der Erwerb des
Herausforderungen. Am 18.10.1990 Sportabzeichens.
beschloss die Mitgliedervollversamm- Am Verein ist die neue Zeit nicht
lung, dass sich die Gemeinschaft unter spurlos vorbei gegangen, viele Aktive
dem neuen Namen SV Neuwegersleben des Vereins mussten der Arbeit wegen
als gemeinnütziger Verein in das Ver- wegziehen oder haben deswegen keine
einsregister eintragen lässt. Trotz neuer Zeit mehr für den Sport. Der SV Neu-
Strukturen konnte die Herrenmann- wegersleben ist mit durchschnittlich 35
schaft in den 1990er Jahren nicht an die bis 39 Mitgliedern ein recht kleiner Ver-
Kreismeistererfolge anknüpfen. ein. Es gelang jedoch an jedem Spieltag,
Neue Höhepunkte bereicherten seit- eine kampfstarke Mannschaft zu beset-
dem das sportlich-kulturelle Leben über zen, die noch viele Jahre den Neuwe-
den Ort Neuwegersleben hinaus. Die gerslebener Fußball mit Leben erfüllen
Sportwoche ist bis zum heutigen Tag zu möchte.
Der SVN im Jahr 2011: hintere Reihe von links: Doreen Buller (Hauptkassiererin), Christa Pieckert
Gunnar Rieß (Vorsitzender), Erika Buller, Mario Buller, Dennis Buller, Mathias Prüfer, Kevin Draß,
Thomas Buller, Nico Deichmann, Michael Ilsmann, Patrick Buchholz, Dennis Krüger, Bernhard Pilz,
Ulf Buller (Trainer), Tino Stadler. Vordere Reihe: Steffen Keske, Stefan Rose, Marcel Stadler, Mike
Paulmann, Oliver Heller und Julius Kreft.
41
Landfrauen Ortsverein Gunsleben e.V.
A
m 19. Juni 1996 gründeten sieben das kulturelle Dorfleben.
Frauen des Ortes den Landfrauen- Weiterhin sind die Gunslebener Land-
verein, der im Land-Frauen rauen auf „Offenen Höfen“, Dorffesten,
Kreisverein Oschersleben e.V. integriert beim Tag der Regionen und diversen wei-
ist. Schon nach kurzer Zeit baten acht teren Veranstaltungen mit Kuchenbuf-
weitere Frauen um Aufnahme. fets, gebundenen Heu- und Hortensien-
Die Gunslebener Landfrauen machten kränzen sowie Gestecken aus Naturma-
es sich zur Aufgabe, das Brauch- terial präsent. Gern
tum wieder in Erinnerung zu brin- erinnern sich die Ver-
gen, zu pflegen und weiter zu ver- einsmitglieder an die
mitteln. Zeit, als von ihnen der
Erste Informationen und Anlei- Sitzungssaal im
tungen bekam der Verein von der Landratsamt Oschers-
Land-Frauen Geschäftsstelle leben zu jeder Jahres-
Sachsen-Anhalt e.V. Magdeburg zeit geschmückt
sowie von den Landfrauen aus wurde und die Land-
Niedersachsen. frauen vom damaligen
Der Gunslebener Landfrauen- Landrat, Burkhard
Ortsverein begann jährlich Ernte- Kanngießer zu einer
kronen zu binden, die im Dom zu Gesprächsrunde ein-
Magdeburg, dem Landwirt- geladen wurden.
schaftsministerium in Magdeburg, Ebenso unterstützt
dem ehemaligen Landratsamt der Verein die Kinder-
Oschersleben, der Nordzucker AG tagesstätte „Sonnen-
Braunschweig und Klein Wanzle- Zum Erntedank-Gottesdienst schein“ in Hamersle-
2008 haben die Landfrauen
ben, der Verwaltungsgemeinschaft den Altarraum der Kirche ben bei Veranstaltun-
Gröningen, in Kirchen und einigen ausgeschmückt. gen wie beispielsweise
Gemeinden sowie bei vielen Pri- am Tag der Milch,
vatpersonen hingen und als kleine
Kunstwerke bewundert werden
konnten. Bei organisierten Wett-
bewerben belegten die vom Land-
frauen-Verein gebundenen Kro-
nen stets vordere Plätze.
1999 banden die Gunslebener
Landfrauen erstmals einen Mai-
kranz, der einen Durchmesser von
3,15 Metern hatte und vom
Schmied Klaus Albrecht (Gunsle-
ben) gesponsert wurde. Am letzten
Aprilwochenende wird der Kranz
auf dem Dorfplatz aufgestellt.
Dieses Binden wiederholt sich Der Gunslebener Landfrauen-Ortsverein feierte 2006
seitdem jährlich und bereichert sein zehnjähriges Bestehen.
42
beim Plätzchenbacken und bei der Deko-
ration zur Weihnachtszeit. Seit einigen
Jahren haben sich die Landfrauen den
Erhalt und die Sanierung der Kirche in
Gunsleben zum Ziel gestellt.
Mit Aktionen wie Kirchenfesten,
Weihnachts-Gottesdiensten mit Krip-
penspiel, Unterstützung der Bürger und
Sponsoren sowie finanzieller Hilfe der
Kreissparkasse Börde über die Sparkas-
senstiftung und Zuschüssen des Evange-
lischen Kirchenamtes Wanzleben konn-
ten bereits viele Maßnahmen zur Sanie-
rung durchgeführt werden.
Besonders zu erwähnen ist die Instand-
Im September 2011 fertigten die Landfrauen
setzung der Turmuhr, die nach 14 Jahren
ihre letzte Erntekrone an, die Sachsen-Anhalts
Stillstand zur Freude der Gunslebener Ex-Verkehrsminister Karl-Heinz Dähre erhielt.
Bürger wieder instandgesetzt wurde.
In den 15 Jahren ihres Bestehens kön-
nen die Gunslebener Landfrauen auf eine Vertrauen. Nur so konnten die Landfrau-
aktive, beständige und erfolgreiche Ver- en viele schöne Jahre miteinander ver-
einsarbeit verweisen. Dieses Vereinsle- bringen und möchten auch in Zukunft
ben bereichern gemeinsame Feiern, bei hoffentlich guter Gesundheit noch
Fahrten sowie gegenseitige Hilfe und einiges für Gunsleben tun.
43
Schützenverein Neuwegersleben 1848 e.V.
Ein über 100 Jahre altes Foto vom 25-jähriges Jubiläum des Vereins im Jahr 1909.
44
Großer Festumzug zum Neuwegerslebener Die besten Schützen des Alpe-Pokalschießens
Schützenfest im Jahr 2009. aus dem Jahre 2010.
45
Karnevalverein Neuwegersleben 2001 e.V.
D
as Motto der Neuwegerslebener eine Menge bürokratischer Hürden zu
Karnevalisten lautet „Auch nehmen. Die Wahl des Vorstandes, die
wenn's den anderen nicht gefällt Satzung, der Eintrag in das Vereinsregi-
- Klein Berlin ist Mittelpunkt der Welt.“ ster und tausend andere kleine Dinge
Aus der ersten Faschingsver- erforderten im Vorfeld viel
anstaltung am 6. Februar Aufmerksamkeit und Mühe.
1999, die damals noch von Dennoch gingen die Mitglie-
der Faschingsgesellschaft der in unermüdlicher Klein-
organisiert und durchge- arbeit und mit sehr viel Elan
führt wurde, entwickelte an die Sache, verteilten klare
sich immer mehr der Wille Aufgaben und erarbeiteten
zur Gründung eines Karne- im Nu ein fast dreistündiges
valvereines im Ort. Programm.
Die Gründungsversamm- 24 Gründungskinder im
lung fand am 8. Juni 2001 Alter von drei bis 14 Jahren
statt und es entstand der sorgten, zusammen mit den
Karnevalverein Neuwegers- Erwachsenen, für ein buntes
leben 2001 e.V. Programm mit Gardetänzen,
Mit insgesamt 47 Grün- Sketchen, Showtanz, Büt-
dungsmitgliedern entwickel- Johanna Süß singt die tenreden und Gesang. Die
Karnevalshymne.
te sich der kleine Ort am Prinzen- und Funkengarde
Großen Bruch mit seinen mit ihren grün-weißen und
jährlichen Karnevalsveraltungen zu rot-weißen Garderöckchen brachten
einer wahren Faschingshochburg im bereits zu Beginn der Sitzungen den
Saal des Klein Berliner Hofes. Festsaal in Stimmung und machten den
Viel Arbeit gab es damals für den Verein weit über die Dorfgrenze hinaus
neuen Verein, denn neben den Vorberei- bekannt.
tungen auf die fünfte Jahreszeit galt es, Immer länger wurde im Laufe der
Das sind keine Frauen, sondern die Männer Was wären die Narrensitzungen ohne die Klein-
vom Ballett im KVN. Berliner Tanzmäuse.
46
Jahre das Kinderprogramm, das Während der närrischen Zeit laden die
besonders den Seniorenveranstaltungen Mitglieder vom Neuwegerslebener Ver-
eine ganz besondere Note verlieh und ein zu mehreren Prunksitzungen und
obendrein bis heute aus zusätzlichen Seniorenveranstaltungen ein.
Programmpunkten besteht. Des weiteren finden Karnevalveran-
Was die erste Präsidentin Kordula staltungen mit der Grundschule
Olbricht mit viel Elan aufbaute und Hamersleben, der Grundschule Sankt
begann, führt Armin Krüger bis heute Martin Oschersleben sowie den Senio-
mit einer gehörigen Portion Spaß wei- renheimen in Oschersleben und Schlan-
ter. Bereits im zweiten Jahr nach Grün- stedt statt. In jedem Jahr gibt es ein tra-
dung des Vereines entstand die eigene ditionelles Prinzenpaar sowie den Kin-
Karnevalshymne, getextet und gesun- derkarneval und einen bunten Umzug
gen von Johanna Süß. Sie wird noch durch das Dorf. Seit 2009 gehört die
heute zu Beginn jeder Narrensitzung Weiberfastnacht, organisiert und
gesungen und die meisten Besucher ken- gestaltet von den Männern des Vereines,
nen den Text inzwischen auswendig. zu einem ganz besonderen Höhepunkt.
Die grün-weißen Sahnestückchen im Karneval- Zackig, rhytmisch, rot-weiß und gern gesehen -
Verein - die Prinzengarde. die Mädchen der Mittleren Funkengarde.
47
Ortsverein der Volkssolidarität Neuwegersleben e.V.
D
ie Volkssolidarität wurde im oder Notar durch-
Oktober 1945 im Osten Deutsch- geführt oder auch
lands gegründet, um die schwere mal ein Plausch
soziale Not, Leid und Elend nach dem bei Kaffee und
Ende des Krieges zu lindern. Der Ver- Kuchen. Guten
band hat eine lange Tradition des sozia- Kontakt gibt es
len Engagements für ältere Menschen, zur Nachbar-
chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Ortsgruppe Horn-
sozial Benachteiligte und für Kinder hausen, wo
und Jugendliche. gemeinsame Ver-
Das heutige Wirken der Volkssolida- anstaltungen wie Frühlings-, Herbstfe-
rität als Sozial- und Wohlfahrtsverband ste und Weihnachtsfeiern stattfinden.
umfasst drei Aufgabenbereiche: Die Veranstaltungen werden meist im
1. Den Mit- Dorfgemein-
gliederver- schaftshaus
band mit Neuwegersle-
einem vielge- ben durchge-
staltigen Ver- führt, das uns
einsleben in von der
den Orts-, Gemeinde
Interessen- kostenlos zur
und Selbsthil- Verfügung
fegruppen, gestellt wird.
getragen von Gern arbeiten
einem ausge- die Mitglieder
prägten frei- auch mit den
willigen sozia- Die Ortsgruppe der Volkssolidarität Neuwegersleben e.V. anderen Verei-
len Engage- nen des Ortes
ment vieler Mitglieder und Mitarbeiter zusammen, so wird fleissig Tisch- und
2. Die sozialen Dienste u.a. mit Wandschmuck für den Karneval geba-
Ambulantem Pflegedienst und dem stelt, bei der Anfertigung der Erntekro-
Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“ ne für die 900-Jahr-Feier geholfen oder
und Einrichtungen, sozial-kulturelle für Veranstaltungen im Ort fleissig
Angebote sowie Vorsorgeangebote und Kuchen gebacken.
3. Die sozial-politische Interessenver- Die Veranstaltungen der Ortsgruppe
tretung Neuwegersleben sind abwechslungs-
Die Ortsgruppe Neuwegersleben reich und interesssant. Sie stehen unter
wurde Mitte der 1950er Jahre gegründet dem Motto der Volkssolidarität:
und hatte zum Teil über 20 Mitglieder. „Gemeinsam - nicht einsam und
Derzeit hat die Gruppe 19 Mitglieder, miteinander - füreinander!“
die sich monatlich treffen. Regelmäßig Die Ortsgruppe würde sich freuen,
werden Veranstaltungen zu bestimmten wenn sich noch mehr Bürger für die
Themen, wie Vorträge von Mitarbeitern Aktivitäten der Volkssolidarität interes-
der Polizei, Verkehrswacht, Apotheker sieren und Mitglied werden.
48
130 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neuwegersleben
D
as Feuerwehrlöschwesen in
unseren Dörfern ist schon sehr
alt. Die für unseren Ort und
des diesjährigen Jubiläums entschei-
dende Jahreszahl ist 1881.
Am 1. April1893 trat eine neue Kreis-
Polizeiverordnung in Kraft, die zur
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
führte.
Die Informationen über die Feuer-
wehr während des Zeitraums 1881 bis
1920 sind leider sehr dürftig. In der Zeit Am 11. Mai1996 wurde das neue Feuerwehrge-
um den 1. Weltkrieg fiel die Feuerwehr rätehaus in Betrieb genommen.
Neuwegersleben auseinander.
Es erfolgte eine Neubildung der Feu-
erwehr im Jahr 1921. Am 26. Mai1934
wurde die Satzung der FFw Neuwegers-
leben beschlossen.
Am 02. Juli1944 ertönte zum ersten
Mal die Sirene des Dorfes, sie war auf
dem Postgebäude angebracht.
Am 02. Oktober1969 wurde die Frau-
enfeuerwehrgruppe gegründet. 1976
wurde die FFw Neuwegersleben mit der
Auszeichnung „Beste Wehr des Kreises“
geehrt.
Am 29. Mai1995 wurde die Jugend-
Ehrung der Kameraden Albert Busse sowie
feuerwehr mit 22 Mitglieder gegründet.
Detlef und Paul Maryniak.
Am 11. Mai1996 wurde das neue Feu-
erwehrgerätehaus in Betrieb genom-
men. Im Jahr 2005 bekam die FFw Neu-
wegersleben ein neues Löschfahrzeug.
49
Freiwillige Feuerwehr Gunsleben
D
ie FFW Gunsleben wurde am
22.10.1922 gegründet. Ihr gehör-
ten damals 20 Kameraden an.
Über die Geschichte der FFW Gunsle-
ben und ihre Wehrleiter bis 1945 ist
nichts überliefert. Nach 1945 übten
nacheinander Anton Pollok (von 1945
bis 1965), Gerhard Misch (von 1965 bis
1989) und Ralf Pfeiffer (ab 1989) jeweils
die Wehrleiterfunktion im Rang eines
Brandmeisters aus. Um ständig auf der
Höhe ihrer Aufgaben zu sein, bedurfte
es einer erfolgreichen Absolvierung
zahlreicher Qualifizierungsmaßnahmen, Feuerwehrübung unter der Regie des damali-
u.a. in Heyrothsberge und Magdeburg. gen Wehrleiters Gerhard Misch (li.).
Die Personalstärke sank von 24 (1962)
auf gegenwärtig 15 Kameraden, die der Kameradin Annett Hennig ausgebil-
über Funkausbildung, Maschinenbedie- det. Alle Abteilungen bewiesen in vielen
nungs- und Atemschutzausbildung Übungen und Wettbewerben einen
sowie Kettensägenbetätigung verfügen. guten Ausbildungsstand. Die unver-
Fünf Kameraden durchliefen die Trupp- meidliche Auflösung der Frauen- und
und vier die Gruppenführerausbildung. Jugendfeuerwehr war der demographi-
Zwischenzeitlich verfügte die Gunsle-schen Entwicklung geschuldet.
bener Wehr auch über eine Frauenfeu- Die Geräteausrüstung konnte konti-
erwehr und eine Jugendfeuerwehr, letz- nuierlich verbessert werden. So traten
tere mit 18 Kindern. Diese wurden mit an die Stelle von Tragkraftspritzenan-
viel Engagement bis zu ihrem Wegzug hängern motorisierte Löschfahrzeuge.
vom Löschmeister Mathias Bruns und Zumeist in Eigenleistung wurde das
Gerätehaus umgebaut, wobei
jeder Kamerad ca. 150 Stunden
leistete. Bedeutsam waren
dabei die Einrichtung eines
Schulungsraumes und die Pfla-
sterung der Einfahrt.
Bis auf den Wohnungsbrand
im Wohnhaus von Markus
Buchholz waren Einsätze zur
Bekämpfung von Großbränden
ab 2000 nicht erforderlich. Ein
Brand der Schweinemastanlage
lag schon länger zurück.
Bekämpft indes wurden Was-
Ehrung der Gunslebener Feuerwehr am Vorabend sereinbrüche in Keller oder
des 1. Mai 2007. verkehrsgefährdende Öllachen.
50
Jugend- und Feuerwehr-Förderverein Gunsleben e.V.
D
er Jugend- und Feuerwehr-För- 1960 Gunsleben angehören, ist die enge
derverein Gunsleben e.V. wurde und erfolgreiche Zusammenarbeit zwi-
am 18. Februar 2000 mit dem Ziel schen Förderverein und Sportverein
gegründet, in der Gemeinde den Feuer- eines der Hauptmerkmale der Arbeits-
schutz zu fördern, sowie die Freiwillige weise beider Vereine. Mit der Durchfüh-
Feuerwehr ideell und materiell zu unter- rung von Kindersportfesten, Wanderun-
stützen. Darüber hinaus sollten publi- gen durch das Große Bruch (offen für die
kumswirksame Höhepunkte im Gemein- Bevölkerung Gunslebens), Bowlingaben-
deleben, wie das jährliche Aufstellen des den und Busfahrten nach Einring (Bay-
Maibaums, das Abbrennen des Maifeu- ern), Babelsberg (Filmmuseum) und
ers, das Parkfest und die Rent- Dresden (Elbe-
nerweihnachtsfeier in Vorberei- Schifffahrt) wur-
tung und Durchführung mitge- den weitere Höhe-
staltet werden. Gründungsmit- punkte im Verein-
glieder waren die Kameraden sleben geschaffen.
der Freiwilligen Feuerwehr Ralf Zur Tradition
Pfeiffer, Andreas Kasper, Peter wurde auch die
und Ingolf Langer, Otto Libor, Teilnahme der
Matthias Bruns, Annett Hen- Fördervereins-
ning, Armin Bergemann, Klaus Mitglieder an der
und Tino Albrecht, Andreas vom Sportverein
und Walter Gäbel sowie Hagen Einen vom Förderverein im Jahr organisierten
Fütterer. Zum ersten Vorsitzen- 2005 organisierten Orientierungs- jährlichen Grün-
marsch gewann die Gunslebener
den wurde Hagen Fütterer Jugendfeuerwehr. kohlwanderung.
gewählt, der seine Aufgaben
verantwortungsvoll wahrnahm,
bevor er im September 2006 von
Andreas Gäbel abgelöst wurde,
der bis dato als stellvertretender
Vorsitzender fungierte.
Seit der Neuwahl im Jahr
2006 gehören Nico Woehe als
stellvertretender Vorsitzender
und Andreas Kasper als Kas-
senwart zum Vorstand. Zu den
ersten Erfolgen zählte die
Beschaffung einer einheitlichen
Bekleidung mit einem dem Sie-
gel der Gemeinde Gunsleben
nachempfunden Vereinsem-
blem. Der Gunslebener Jugend- und Feuerwehr-Förderverein
im Jahr 2011: Tino Albrecht, Mathias Langer, Armin Ber-
Da viele Mitglieder des För- gemann, Andreas Kasper, Markus Buchholz, Nico Wöhe,
dervereins auch gleichzeitig der Andreas Gäbel, Klaus Albrecht, Mario Weigelt, Jasmin
Abteilung Tischtennis des SV Kasper, Michael Bock und Otto Libor (von links).
51
Das Jagdwesen in Gunsleben und Neuwegersleben
M
it der Durchführung der Boden- Diese Größen führten dazu, dass bei
reform 1945 gingen nach einer Treibjagden Jagdkameraden aus ande-
Übergangszeit Grund und ren Jagdgemeinschaften eingeladen
Boden in genossenschaftliches oder werden mussten. Diese Situation
staatliches Eigentum über, die Jagd auf bestand bei der Durchführung von
eigenem Grund und Boden durch Ein- Treibjagden bis 1962.
zelpersonen war nicht mehr möglich. Auf der Basis der 8. Durchführungs-
Nahezu zeitgleich zur Herausbildung bestimmung zum Gesetz zur Regelung
des genossenschaftlichen Sektors in der des Jagdwesens schlossen sich dann am
Land- und Forstwirtschaft bildeten sich 22. Juli 1962 die Jagdgemeinschaften
ortsübergreifend die ersten Jagdge- Hamersleben (mit Wackersleben und
meinschaften. Ohrsleben) und Wulferstedt (mit Guns-
Es ist kein Zufall, dass mit der Grün- leben und Neuwegersleben) zu einer
dung der ersten Landwirtschaftlichen Jagdgesellschaft zusammen.
Produktionsgenossenschaften (LPG) Aus der Mitte der anwesenden Jäger
nur wenig später auch die ersten Jagd- wurde auf der Vereinigungstagung ein
gemeinschaften entstanden. Die LPG in zehnköpfiger Vorstand gewählt, dessen
Gunsleben wurde 1952 gegründet. Es
folgten die LPG-Gründungen in Neu-
wegersleben 1953 und in Wulferstedt
ebenfalls 1953.
Damit war auch in diesen drei
Gemeinden ein genossenschaftlich
arbeitender agrarischer Sektor entstan-
den, der die Basis für einen ebenfalls
genossenschaftlich zu betreibenden
Jagdbetrieb in Form von Jagdgemein-
schaften darstellte. Nach der Bildung
der LPG und dem Erlass des Gesetzes
vom 25. November 1953 bildeten sich
auch in unserem Raum jagdliche Verei-
nigungen.
So wurde bereits 1953 in Wulferstedt
eine Jagdgemeinschaft gegründet, der
Fritz Spier als Vorsitzender vorstand,
ehe er in dieser Funktion 1959 von Jagd-
kamerad Richard Goedicke abgelöst
wurde. Dieser Jagdgemeinschaft hatten
sich die Orte Gunsleben und Neuwe-
gersleben angeschlossen. Das gemein- Mitte der 1960-iger Jahre bildeten Jäger aus
sam zu bejagende Gebiet umfasste sei- Wackersleben, Gunsleben und Neuwegersle-
ben eine Jagdgesellschaft. Auf dem Foto von
nerzeit 2 500 Hektar. Davon entfielen links: Ernst-August Bassüner (Wackersleben),
auf Neuwegersleben 700 Hektar und auf Siegfried Rössing (Gunsleben) und Otto Baake
Gunsleben 800 Hektar. (Neuwegersleben).
52
Vorsitz nach Wahl Ernst August Bassü- hard Kotzian (Vorsitzender), H. Sie-
ner aus Wackersleben übernahm. Zu mann (Stellvertreter), Dieter Münch
seinem Stellvertreter wurde Kurt Löff- (Kassenwart), Michael Koch (Revision/
ler aus Neuwegersleben gewählt, Sieg- Schriftführer), Veit Rössing (Beisitzer).
fried Rössing aus Gunsleben wurde in Jagdpächter wurden Siegfried Rössing,
die Funktion des Verantwortlichen für Veit Rössing, Frank Rössing, H. Sie-
das Jagdhundewesen gewählt. Dazu mannn.
kamen weitere Wahlfunktionen.
Der Zusammenschluss der Jagdge- Zum Ende der DDR löste sich auch
meinschaften Hamersleben und Wulfer- das Jagdkollektiv Neuwegersleben
stedt wurde positiv bewertet, er wirkte unter Leitung des Jagdleiters Kurt Löff-
sich u.a. gün- ler auf. Unter
stig auf die den Jägern
Ergebnisse der wurde ein
Hasentreibjag- neuer Jagdlei-
den aus, die ter gewählt,
auf der Basis der die neuen
der nunmehri- bundesdeut-
gen Jagdge- schen Jagdge-
sellschaft setze für die
durchgeführt Jäger in Neu-
wurde. wegersleben
Die Verän- umsetzen soll-
derungen nach te. Der neue
der politischen Jagdleiter,
Wende 1989 Frank Hoff-
wirkten sich mann, gründe-
auch auf das te die Jagdge-
Jagdwesen meinschaft
aus, denn die Treibjagd in Neuwegersleben mit dem damaligen Jagdlei- Neuwegersle-
Jäger aus ter Frank Hoffmann (vorn links). ben im Okt-
Gunsleben und Neuwegersleben gingen ober 1991. Aus ihren Mitgliedern wurde
fortan getrennte Wege. der Vorstand gewählt. Ihm gehörten
Am 13. September 1991 fand in Dietmar Hobohm, Bodo Welborn, Wer-
Gunsleben eine Gründungsversamm- ner Kobbe, Gerhard Welborn und Frank
lung mit dem Ziel der Bildung der Jagd- Hoffmann an. Der Vorstand vereinbarte
genossenschaft Gunsleben statt. mit der Jägergemeinschaft einen neuen
Gewählt wurden Peter Günther (Vor- Pachtvertrag als Grundlage der Jagd-
sitzender und Beisitzer), Fritz Huwald ausübung der Jäger.
(Stellvertreter), Michael Koch, (Kassen- Die jagdausübungsberechtigten Jäger
revisor und Schriftführer), Dieter waren Kurt Löffler, Bodo Welborn,
Münch (Kassenwart). Gerhard Welborn und Frank Hoffmann.
Jagpächter wurden Siegfried Rössing Diese Jägergemeinschaft hat bis heute
und H. W. Fleischhauer. ihren Bestand. Im Laufe der Jahre
Auf der Hauptversammlung vom 2. kamen noch die Jäger Bernd Schmidt,
April 2005 wurde ein neuer Vorstand Holger Danneil und Holger Buller
gewählt, der bis heute tätig ist: Wolf- hinzu.
53
54
Kleingartenverein „Brockenblick“ Gunsleben e.V.
D
ie Idee des Arztes Daniel Gott- genzuchtverein, Kaninchenzuchtverein
lob Moritz Schreber (1808 - und Kleingartenverein Mitglieder des
1861), Land an landlose Bür- neugegründeten Verbandes der Klein-
ger zum Eigenanbau von Gemüse, Obst gärtner, Siedler und Kleintierzüchter
und Blumen zu vergeben, wurde 1927 (VKSK). Vorsitzender der Ortsgruppe
auch in Gunsleben Gunsleben des
verwirklicht. VKSK wurde Erich
Ortsnah und gut Schaper und nach
erreichbar östlich dessen Tod Erich
des Ortes gegenüber Schünemann.
dem Gutspark gele- Nach der 1990
gen, wurde eine erfolgten Auflö-
Fläche in der Flur sung des VKSK im
„Sonnenbreite“ Sog der politischen
parzelliert und als Wende entstand der
zukünftige Gärten Kleingartenverein
an Interessenten Gunsleben e.V. mit
vergeben. Diese Namen „Brocken-
Gärten lagen in blick“. Bis zu sei-
einer nach Süd wei- nem Wegzug übte
senden Hanglage, Erich Schünemann
die reichlich die Funktion des
besonnt wurde und Vorsitzenden wei-
zudem über frucht- ter aus, danach
baren Boden ver- übernahm diese
fügte. Jeder Garten Blick in einen blühenden Kleingarten: Eine Michael Koch.
hatte eine Größe Oase für Menschen, die gern im Grünen Gegenwärtiges
von 600 Quadratme- wohnen und wirken möchten. Hauptproblem des
tern und wurde Kleingartenvereins
gegen eine jährliche Pachtgebühr verge- ist die mangelnde Nachfrage nach
ben. Die Gärtner schlossen sich zum einem Garten, verursacht durch Überal-
Kleingartenverein Gunsleben zusam- terung, Sterbefälle und Wegzug. Dazu
men. Ihre Zahl blieb über Jahre lange kommt das mangelnde Interesse jünge-
konstant. Nach dem 2. Weltkrieg mach- rer Generationen an einer gärtnerischen
te sich im Interesse der durch Vertriebe- Betätigung. So sank die Zahl der Gar-
ne, Flüchtlinge und Evakuierte auf über tenpächter von 35 (1990) auf 7 (2011),
1000 Einwohher angestiegene Dorfbe- die genutzte Fläche reduzierte sich auf
völkerung mit weiteren Gartenfreunden ein Drittel des früheren Areals. Die
eine Vergrößerung der Kleingartenanla- Gartenpacht beträgt zurzeit 13,50 Euro
ge erforderlich. Diese erfolgte in süd- pro Parzelle und Jahr.
licher Richtung bis zum Bahndamm. Aufgegebene Gärten werden als
Nach 1945 wurden auch in Gunsleben Ackerland von den Bauern Rössing
die bis dahin selbständigen Vereine Zie- genutzt.
55
Eisenbahngeschichte
D
ie Strecke Oschersleben - Neuwe-
gersleben - Gunsleben war
ursprünglich Teilstück der 1843
als zweigleisige Hauptbahn eröffneten
Eisenbahnverbindung Oschersleben -
Wolfenbüttel - Braunschweig. Damit
gehörte sie zu den ältesten Eisenbahnli-
nien Deutschlands, die sich schnell zur
wichtigen Ost-West-Verbindung (War-
schau) - Berlin - Rheingebiet- (Paris) ent-
wickelte. Auf dieser Strecke verkehrten
sowohl Schnellzüge als auch Durch-
gangsgüterzüge, ergänzt durch mehrere
Personen- und Nahgüterzüge für den
Lokalverkehr. Als vorletzter Zug fuhr am 30. Mai 1992 eine
Dampflok der Baureihe 50 auf der Strecke.
Dieser Lokalverkehr bediente zwi-
schen Oschersleben und Wolfenbüttel die
an der Strecke gelegenen Dörfer, zu ke“ Hamersleben verbunden war. In
denen auch Gunsleben und Neuwegers- Gunsleben war der Getreidehandel C.
leben gehörten. Für die Neuwegerslebe- Klietz auf die Bahnverbindung angewie-
ner und Gunslebener Betriebe war diese sen. Zudem wurde von Gunsleben aus die
Anbindung lebenswichtig, solange sie Zuckerfabrik Aderstedt über ein 3 km
Bestand hatte. In Neuwegersleben waren langes Anschlussgleis bedient. Bedeut-
das die Schraubenfabrik H. Behrens, sam war auch das erhebliche Frachtauf-
nach deren Konkurs die Kistenfabrik W. kommen der Landwirte sowie der Perso-
Behrens & M. Senft sowie die Brikettfa- nenverkehr.
brik, die über ein Anschlussgleis mit der Das änderte sich nach dem 2. Welt-
Braunkohlengrube „Vereinigte Friederi- krieg mit der Aufteilung Deutschlands in
Besatzungszonen. Zwischen der sowjeti-
schen und britischen Besatzungszone
und damit zwischen Gunsleben und
Jerxheim verkehrte der letzte planmäßi-
ge Zug am 31.6.1945. Zwischen diesen
Orten wurden beiderseits der Demarka-
tionslinie die Gleise vollständig demon-
tiert. Die in der späteren DDR verbliebe-
ne Reststrecke zwischen Oschersleben
und Gunsleben erhielt den Charakter
einer Stichbahn. Nachdem ein Schie-
nenstrang dieser Strecke 1946 auf Befehl
der Sowjetischen Militäradministration
(SMAD) als Reparationsleistung demon-
tiert worden war, wurde die Strecke in
In Neuwegersleben quert die Bahnstrecke die eine eingleisige Nebenbahn umgewid-
Bundesstraße 245.
met. Deren Bedeutung für den Lokalver-
56
Winterfahrplan aus dem Jahr 1976 auf der Nebenstrecke 714 Oschersleben (Bode) - Gunsleben.
Einfahrt eines Güterzuges mit Personenbeför- Bahnhof Gunsleben mit der aus Vorkriegszeiten
derung (Gmp) in den Bahnhof Gunsleben. stammenden großzügigen Streckenauslegung.
57
58
Stiftung Umwelt und Naturschutz Großes Bruch e.V.
D
as Niedermoorgebiet des Großen Durchsetzung sich besonders die 1960
Bruches zeichnete sich dank gegründete Vereinigung „Stiftung
einer über lange Zeit extensiv Umwelt- und Naturschutz Großes
betriebenen Grünlandwirtschaft mit Bruch e.V.“ (Sitz Wulferstedt) zum Ziel
Weidenutzung und Raufuttergewinnung setzt. Mitglied dieser Vereinigung (zur-
durch eine üppige und vielfältige Pflan- zeit 30), können naturliebende Bürger
zen- und Tierwelt aus. und Kommunen werden, zu denen im
Als nach dem 2. Weltkrieg im nieder- Jahr der Gründung auch Gunsleben und
sächsischen Teil des Großen Bruches Neuuwegersleben gehörten.
zur Sicherung der Ernährung Auf angepachteten Wiesenflä-
einer stark angewachsenen chen (gegenwärtig 230 Hek-
Bevölkerung nahezu das tar), wurde wieder extensiv
gesamte Grünland zu gewirtschaftet. Für den
Ackerland umgebrochen Bewirtschafter bedeutete
wurde und die SED-hörigen das den Verzicht auf Mine-
Agrarexperten im DDR-Teil raldüngereinsatz, die Erhal-
zur intensiv betriebenen tung eines vertretbaren
Grünlandwirtschaft mit hohen Grundwasserstandes,
mehrfachem Wiesenumbruch, den beschränkten Rinderbesatz
mehrfacher Einsaat von Hochlei- je Hektar (1), die Nichtnutzung
stungsgräsern und hohen Mineraldün- von Schilf- und versumpften Flächen
gergaben einschließlich Gülleausbrin- und den Beginn von Mahdarbeiten erst
gung mit dem Ziel der Futterproduk- nach dem 15. Juni.
tionsmaximierung übergingen, folgten Das war ganz im Sinne der Natur-
unnübersehbare ökologische Schäden. schützer Erhard Rohlandt (Wulferstedt)
Die Tier- und Pflanzenwelt verarmte, und Fritz Uehr (Gunsleben), die sich
der Boden wurde schwer geschädigt. schon zu DDR-Zeiten hartnäckig und
Nach der politischen Wende erfolgte erfolgreich für den Schutz des Großen
eine Rückbesinnung auf die extensiv zu Bruches und die Bewahrung seiner öko-
betreibende Grünlandwirtschaft, deren logischen Werte eingesetzt hatten.
59
Danksagung
A
n der Gestaltung der Festzeit- Ohne die Redaktionsleitung durch
schrift wirkten alle Vereine und Herrn Hannfried Buchholz, der auch
Interessengruppen mit. Danke, den Satz und das Layout erstellte, wäre
dass Sie Texte und Fotos zur Verfügung diese Festzeitschrift nie zu Stande
gestellt haben. gekommen. Auf das Allerherzlichste
Ein besonderer Dank gilt Herrn Diet- möchten wir uns bei ihm für sein Enga-
mar Buchholz, er verfasste nicht nur den gement bedanken. Unser Dank gilt
geschichtlichen Teil der Festzeitschrift, ebenso Herrn Herbert Schinke, der zahl-
sondern unterstütze auch tatkräftig die reiche Grafiken nach Motiven aus bei-
Vereine und Interessengruppen beim den Orten angefertigt hat. Für die Hei-
Schreiben ihrer Beiträge. Für die redak- matausstellung im Schloss Gunsleben,
tionelle Mitarbeit von Frau Marlies wird uns Herr Robert Glass die Räum-
Müller und die Bereitstellung zahlrei- lichkeiten zur Verfügung stellen. Dafür
cher Fotos möchten wir uns ebenfalls danken wir ihm an dieser Stelle recht
herzlich bedanken. Familie Schröder herzlich. Ein herzliches Dankeschön
gestattete uns, das Gedicht „Unse Brauk sagen wir allen Sponsoren, die bisher
im Laufe der Jahrestieten“ abzudruk- die Vorbereitung der Feierlichkeiten
ken, vielen Dank dafür. finanziell unterstützten.
60
Sparkassen-Finanzgruppe
Das Sparkassen-Finanzkonzept:
ganzheitliche Beratung statt 08/15.
Service, Sicherheit, Altersvorsorge, Vermögen.
Geben Sie sich nicht mit 08/15-Beratung zufrieden – machen Sie jetzt Ihren individuellen Fi-
nanz-Check bei der Sparkasse. Wann und wo immer Sie wollen, analysieren wir gemeinsam mit
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Ihre Zukunft. Mehr dazu in allen Geschäftsstellen der Kreissparkasse Börde oder unter www.
[Link] Wenn’s um Geld geht – Sparkasse.