UKW Rundfunk Digital
UKW Rundfunk Digital
• DRM+ : eine Extrapolation des DRM-Systems auf Frequenzen bis 120 MHz
• HD Radio: eine Adaption des IBOC Systems (in Band on Channel) als IBAC System (in Band Adjacent
Channels)
Nice to have Eigenschaften, die ganz schön wären, wenn sie realisiert werden können.
Das Ziel aller Vorschläge ist, den UKW–FM–Rundfunk schlußendlich ersetzen zu wollen. Besonderes Au-
genmerk kommt deswegen der Kompatibilität zum bestehenden UKW–FM–Rundfunk zu. Diese ist besonders
deshalb unabdingbar, da der UKW–FM–Rundfunk infolge seiner Verbreitung heute für die Mehrzahl der Rund-
funkhörer das einzige Qualitäts–Übertragungssystem ist. Eine Störung des UKW–FM Empfangs durch ein im
UKW–Band parallel betriebenes neues digitales Verfahren muß deshalb unbedingt vermieden werden.
• UKW wurde zur „Welle der Freude“ erklärt und erhielt neue attraktive Exclusiv–Programme.
• Die bisherigen Mittelwellenprogramme wurden nur z.T. auf UKW abgebildet. Teilweise gab es auch ein
(heute nicht mehr vorstellbares) „Schmankerl“ indem z.B. die erste Halbzeit eines Fußballspiels auf MW
und UKW parallel übertragen wurde, dagegen die zweite Halbzeit nur noch auf UKW. [1]
• Die Empfängerindustrie konnte dazu bewegt werden, recht schnell (znächst mehr oder weniger) geeigne-
te Empfänger und Vorsatzgeräte (Set–top Boxen) zu produzieren. Hierbei hat ein Preisauschreiben des
NWDR (Vorschläge für Vorsatzgeräte und für kombinierte AM–FM–Empfänger) und die Initiative der
Firma Rohde & Schwarz (Empfänger ESF, angekündigt in großen Stückzahlen) der sich etwas zögerlich
verhaltenden Empfängerindustrie nachgeholfen. [1]
• Infolge Kriegsschäden mußten viele neue Empfangsgeräte beschafft werden. Durch rationelle Produktion
ist es gelungen, das Preisniveau für kombiniete AM–FM Geräte unter das Preisniveau der letzten (hoch-
entwickelten) Gerätegeneration (1939) zu drücken. [1]
• Infolge des „Wirtschaftswunders“ und der Maxime „Wohlstand für Alle“ herrschte ein weit verbreiteter
Optimismus, der den privaten Konsum beflügelte.
• Die qualitative Verbesserung der Übertragung (obere Grenzfrequenz 15 KHz bei UKW statt 4,5 KHz bei
AM), also ein rein technisches Argument, spielte möglicherweise keine entscheidende Rolle, da von vielen
Hörern die UKW–Übertragung zunächst als zu „spitz“ empfunden wurde, weshalb dann der Höhenregler
entsprechend heruntergedreht wurde, um einen „volleren Klang“ zu erhalten.
Hilfe von Besselfunktionen bestimmt werden kann (Modulationsindex η oder β, je nach Literaurstelle) und der Linienabstand gleich der
Frequenz fm des Nachrichtensignals ist.
∗2 Man kann dies auffassen als Mittelwert aus verschiedenen Bessel–Spektren mit unterschiedlichen Werten für f
m und η. Bei leisen
Passagen ist η → 0.
∗3 Da die Frequenzmodulation eine „exponentielle“ (nichtlineare) Modulation ist, erscheint die Form des Spektrums des modulierenden
Multiplex–Signals Abb. 1.5 nicht in der Form des FM–Signals Abb. 1.1. In dieser Beziehung gibt es einen deutlichen Unterschied zu den
„linearen“ Modulationen (AM, DSB), bei denen die Form des Spektrums des modulierenden Signals erhalten bleibt.
dBc
0
-13
Modulated
AnalogFM
Signal
-41
Abbildung 1.3: Blockschaltbild eines hierarchischen Modulators, bestehend aus der Kettenschaltung von 2 Mo-
dulatoren
Beispiel entstünde dann eine (hierarchische) DSB/FM als moduliertes Signal. Im Empfänger muß entsprechend
eine (hierarchische) FM/DSB Demodulation durchlaufen werden, um das Nachrichtensignal zurück zu gewin-
nen.
Kompatibilität Da der UKW–Rundfunk zunächst monophon war, mußte aus Gründen der Kompatibilität
dafür gesorgt werden, daß auch bei einer Stereo–Übertragung die (bislang) vorhandenen Mono–Empfänger
weiterverwendet werden konnten. Dies bedingte die Übertragung eines Summensignals an der Stelle des vor-
herigen Monosignals (das ja de facto ebenfalls ein Summensignal ist). Aus den Links– und Rechts–Signalen
L(t) und R(t) werden deshalb ein Summen– und ein Differenz–Signal S(t), D(t) gebildet.
Dieser Vorgang wird „Matrizierung“ genannt, Abb 1.4 linker Block. Die Rückgewinnung (De–Matrizierung) der
links– und rechts–Signale erfolgt damit (im Empfänger) zu:
Blockschaltbild Vor–Modulation und Multiplex–Bildung Aus den Vorbetrachtungen folgt direkt das
Blockschaltbild Abb. 1.4 für die Multiplex–Bildung und die 1. Modulatoren (vor–Modulation) beim FM–Rund-
funk. Die Multiplexbildung entsteht durch die Summierstellen, hinter denen das MPX Signal entsteht, 3. Block
von links in der Abbildung.
Als erste Modulationen für das Differenz–Signal und das RDS Signal werden Doppel–Seitenband–Modu-
lationen (DSB) verwendet, bzw. für das Zusatz–Signal wahlweise DSB oder Quadratur–Doppel–Seitenband–
Modulation (QDSB). Dieses Zusatzsignal wurde insbesondere in USA als SCA–Signal zur (analogen) Übertra-
gung von Hintergrund–Musik (in Kaufhäusern usw.) verwendet. In Deutschland kam es dagegen so nicht zum
Einsatz. Vielmehr wurden verschiedene Datendienste hierfür vorgeschlagen, von denen sich aber keiner ver-
markten ließ.
L(t) + S(t)
+
R(t) + D(t) ++ MPX FM
DSB FM-Sender
- Modulator
+
RDS DSB + +
Modulator
+
Zusatz- QDSB Hilfsträger-
Signal Modulator Erzeugung
Abbildung 1.4: Blockschaltbild der FM Multiplex–Bildung; Blöcke von links nach rechts: Matrix–Bildung , 1.
Modulations–Stufen (DSB & QDSB), Multiplex–Bildung (Summierstufen), 2. Modulations–Stufe (FM–Sender)
& Hilfsträger–Erzeugung
Die Datenaufbereitung und die Formung der Datensymbole [5] [30] für RDS und das Zusatzsignal sind im
Blockschaltbild nicht dargestellt.
Das MPX Spektrum Das dem FM–Sender zugeführte Modulations–Signal ist das MPX–Signal, dessen (prin-
zipielles) Spektrum in Abb. 1.5 dargestellt ist.
dBm
Zusatz-Signal
(optional)
f/KHz
Abbildung 1.5: Spektrum (prinzipiell) des Multiplex–Signals (MPX) am Eingang des UKW FM–Senders
Das Stereo–Differenz–Signal hat spektral ein unteres (LSB, lower side band) und ein oberes Seitenband
(USB, upper side band), weshalb die zugehörige Modulation mit DSB (double side band) bezeichnet wird. Zur
Demodulation einer DSB benötigt der Empfänger grundsätzlich immer einen frequenz– und phasen–richtigen
Hilfsträger. [5] Der Empfänger benötigt hierfür eine Einrichtung zur Hilfsträger–Regeneration. [7] Im Fal-
le des Stereo–Signals geschieht dies dadurch, daß auf der Hälfte der Frequenz des Hilfsträgers 19 KHz ein
„Pilot–Ton“, der Stereo–Pilot übertragen wird. Im Empfänger wird daraus der frequenz– und phasen–richtige
Hilfträger auf 38 KHz gewonnen.∗4
Im Unterschied zu modernen digitalen Konzepten, ist es die Philosophie der analogen Rundfunk–Systeme,
daß der Empfänger (als Massenprodukt) möglichst einfach und preiswert sein muß, während der Sender (als
Einzelstück) vergleichsweise teuer sein darf. In Bezug auf die Demodulation des Stereo–Differenz–Signals be-
deutet dies, daß die Frequenzlücke zwischen dem Summen–Signal und dem LSB des Differenz–Signals so groß
gewählt werden mußte (≈ 7 KHz), daß als Filter für den Piloten ein einfacher Schwingkreis ausreicht und
dadurch keine unzulässig große Phasendrehung (der Pilotschwingung) entsteht. Hingegen reicht hierfür die
Frequenzlücke bei 38 KHz nicht aus, weil diese nur ≈ 60 Hz breit ist.
Auch für die Demodulation des Radio–Daten–Signals ist ein entsprechender frequenz– und phasen–richtiger
Hilfsträger auf 57 KHz erforderlich. Ursprünglich wurde auf 57 KHz ein Verkehrsfunk–Signal (VF) übertra-
gen, jedoch ist dieser Dienst mittlerweile abgeschaltet. Da somit kein 57 KHz Pilot vorhanden ist, muß der
RDS–Decoder den notwendigen Hilfsträger aus dem RDS Signal selbst zurückgewinnen ∗5 , da RDS auch ohne
Stereo–Übertragung funktionieren muß, also wenn kein Stereo–Pilot vorhanden ist.∗6
Abbildung 1.6: Spektrum des Multiplex–Signals vor der Einführung von RDS; Das SCA Signal fand vor allem
in USA z.B. für Hintergrundmusik in Kaufhäusern eine Anwendung.
Da das RDS–Signal zeitlich nach dem (mittlerweile abgeschalteten) Verkehrsfunk–Signal, Abb. 1.6 [3], hin-
zugefügt wurde, war es aus Gründen der Kompatibilität erforderlich, daß das RDS–Signal
• im Spektrum bei 57 KHz eine Lücke haben mußte und daß
• die Phasenlage des RDS–Signals 900 (orthogonal) bezüglich des VF–Signals sein mußte.
Diese Bedingungen lasssen sich durch ein Bi–Phase Format erfüllen, welches deshalb für RDS gewählt wurde.∗7
1.2.3 Audio–Processing
Der Frequenzhub Bei der Definition des UKW–FM–Systems wurde ein Frequenzhub von ±∆F = ±75 KHz
als Wert für die maximale Aussteuerung eines FM–Senders festgelegt. Der „Frequenzhub“ ist allerdings be-
züglich des FM–Spektrums nur ein „Daumen“–Wert und gibt nur einen unteren Grenzwert für die tatsächliche
Bandbreite BFM an. [2] Für den Frequenzhub gilt mit KFM als Modulatorkonstante:
Hierbei ist ÛMPX die Amplitude, die sich als Summenspannung des MPX–Signals uMPX (t) ergeben kann. ∆Fmax
ist also ein direktes Maß für die (maximale) Amplitude ÛMPXmax des modulierenden Signals eines FM–Senders.
Die Bandbreite des FM–Spektrum Nach Carson gilt näherungsweise für die FM–Bandbreite BFM
>
BFM ≈ 2 · ∆F + 2 · BMPX = 2 · (∆F + BMPX )
∗4 Die ursprüngliche Methode bestand in einer Frequenzverdopplung; moderne Empfänger arbeiten mit einer Phasen–Regelschleife (PLL,
Pilot–Signal übertragen. Dadurch erhöht sich der technische Aufwand im digitalen Empfänger entsprechend.
∗6 Unter Mithilfe des Stereo–Piloten wäre es relativ einfach, weil 57 KHz = 3·19 KHz ist. Phase des Verkehrsfunk–Piloten entsprechend
tern des FMeXtra–Systems, Kapitel 8 Seite 21, wird dies zwar als Nachteil dargestellt. Doch auch in diesem Fall gilt es, die Kompatibilität
zu beachten.
wobei die MPX–Bandbreite BMPX die Bandbreite des Multplex–Signals (≈ 100 KHz) ist. Die Carson–Bandbreite
gibt an, wie breit das FM–Spektrum wird, wenn alle die Frequenzkomponenten berücksichtigt werden, de-
ren Leistung größer als ≈ 1% der Leistung des (unmodulierten) FM–Trägers ist. Die Carson–Bandbreite ist
die für einen verzerrungsfreien FM–Empfang (mindestens) notwendige Bandbreite.∗8 Die Störungen, die von
schwächeren Frequenzkomponenten in den angrenzenden Kanälen verursacht werden, gelten als vertretbar.
Die Carson–Bandbreite kann somit auch als (Grenz–) Bandbreite bezüglich Nachbarkanalstörungen aufgefaßt
werden.
Hub–Begrenzung im FM–Sender Damit sich die UKW FM–Sender nicht gegenseitig stören, darf die maxi-
mal auftretende Bandbreite BFMmax und damit der maximale Frequenzhub | ± ∆Fmax |, also die maximale Ampli-
tude der Multiplex–Spannung | ± ÛMPXmax | eine vorgegebene Grenze nicht überschreiten.
Ursprünglich geschah diese Begrenzung einfach durch eine Amplitudenbegrenzung des MPX–Signals. Dies
setzte ein genaue Pegelung aller am MPX–Signal beteiligten Signale (Summen-Signal, Differenz-Signal, Stereo-
Pilot, RDS-Signal, Zusatz-Signal) voraus, einschließlich der Einhaltung der gegenseitigen Phasenbeziehungen
zwischen Stereo–Pilot und RDS–Signal.
Da die am MPX–Signal beteiligten Signale nur teilweise korreliert sind, folgt, daß gemäß dem Zentralen
Grenzwertsatz, die Summenspannung mehr oder weniger rauschähnlichen Verlauf aufweist und damit die
Amplituden–Verteilungs–Dichte des MPX–Signals näherungsweise die Form einer Gauß–Glocke hat, Abb 1.7.
Abbildung 1.7: Amplituden–Dichte Verteilung (oben) und Zeitverlauf (unten) von weißem Rauschen; der Effek-
tivwert (RMS root mean square) ist 1 · σ. Das weiße Rauschen dient hierbei als Modell für den Zeitverlauf des
MPX–Signals. Kleines Diagramm links oben: Crest–Faktor = Peak Amplitude / RMS Wert
Charakteristisch für rauschähnliche Zeitfunktionen sind die in der Abbildung erkennbaren Amplituden–
Spitzenwerte (peak amplitude), die um so seltener auftreten, je höher sie sind. Eine Amplitudenbegrenzung
schneidet also die Spitzenwerte ab, wenn diese die vorgegebene Schwelle überschreiten. Damit dies nicht als
Störung im Empfänger bemerkbar macht, dürfen nur extreme Spitzenwerte abgeschnitten werden. Das bedeu-
tet aber dann andererseits, daß dann die mittlere Lautstärke des demodulierten Signals im Empfänger relativ
gering ausfällt.
Die spektrale Leistungsdichte eines FM–Signals hat die gleiche Form wie die Wahrscheinlichkeits–Dichte
des modulierenden Signals. [9] Daraus folgt, daß für den Fall, daß das MPX–Signal – wie hier unterstellt –
rauschähnlichen Charakter hat, das Leistungsdichtespektrum der damit sich ergebenden FM ebenfalls die
∗8 Für verzerrungsfreien FM–Empfang ist eine konstante (ebene) Laufzeit innerhalb dieser Bandbreite entscheidend. Die Carson–
Bandbreite darf nicht verwechselt werden mit der sonst häufig verwendeten −3 dB Bandbreite. Siehe hierzu auch die Abb. 1.1 und 1.2.
Form einer Gauß–Glocke hat. Abb. 1.1 (Seite 3) zeigt, daß dies (bei diesem Sender) wenigstens näherungsweise
auch der Fall ist.
Dynamik–Kompression und –Begrenzung im Sender Dynamik ist das Verhältnis zwischen der kleinsten
und der größten Lautstärke, wenn man dies auf ein Audio–Signal bezieht. Soll die Dynamik begrenzt werden,
wobei gleichzeitig die größten Amplituden (fast) so groß werden sollen wie der Schwellwert für die Begren-
zung, müssen demzufolge die kleinsten Amplituden entsprechend angehoben werden, was im einfachsten Fall
durch eine nichtlineare Kennlinie erfolgen kann. Ein Audio–Signal ist dann „komprimiert“ und klingt bei der
Wiedergabe im Empfänger lauter.∗9
Grundsätzlich hat jedes Übertragungs–System einen technisch bedingten Dynamik–Bereich. Die obere Gren-
ze ergibt sich dadurch, daß bei zu großen Signal–Amplituden Übersteuerung auftritt. Die untere Grenze ist
durch die Störungen (Geräusche, Knacke, Rauschen usw.) festgelegt, die bei der Übertragung auftreten.
Die für analoge Rundfunkübertragung nutzbaren Dynamikbereiche sind:
• 40 – 55 dB für Frequenzmodulation
Im fahrenden Auto sind aber (wegen der Fahrgeräusche) kaum mehr als 20 dB Dynamik vernünftig nutzbar.
Die Notwendigkeit der Dynamik–Begrenzung erkennt man aus den Darstellungen Abb. 1.8 und 1.9. [10] Der
Headroom ist die Übersteuerungsreserve und der Footroom ist der Schutzabstand zum Störpegel.
Audio–Processing mit Optimod Trotz der technisch notwendigen Dynamik–Einschränkung, bei der bereits
der Lautstärke–Unterschied zwischen der leisesten und der lautesten Stelle verringert ist, klingt eine solche
Übertragung dennoch leise (an heutigen Verhältnissen gemessen). Der Grund dafür liegt daran, daß auch jetzt
immer noch Amplituden–Spitzenwerte auftreten (ähnlich wie bei der Rauschspannung Abb 1.7), die den Sender
übersteuern würden, wenn der (mittlere) Audiopegel zu groß gewählt würde.∗10
∗9 Bei Tonbandaufnahmen wird häufig von Kompressionsverfahren (Dolby, HighCom etc.) Gebrauch gemacht um das Bandrauschen bei
aber die Ansagen sind zu laut. Warum? Weil Musik auf höhere Amplituden–Spitzenwerte führt als Sprache, denn Sprache hat definitiv
keine Gauß–förmige Amplitudendichte. Wenn im Sender dann so gepegelt wird, daß gerade jeweils die Übersteuerungsgrenzen eingehalten
werden, hat man den beschreibenen Effekt.
An diesem Punkt setzt das Optimod–Verfahren an. [11] Dieses liefert nicht nur eine (konfigurierbare) Dyna-
mik–Kompression, sondern es ändert auch die Amplitudenstatistik der Audiosignale dergestalt, daß die Spit-
zenwerte der Amplitude geringer ausfallen, wodurch dann der Pegel im Mittel angehoben werden kann, ohne
daß es zu Übersteuerungen bzw. zu Hub–Überschreitungen bei FM kommt.
Zur Verdeutlichung der Möglichkeiten zur Verringerung der Spitzen–Amplitude ohne Verwendung eines
Begrenzers seien als (einfaches) Beispiel die Zeitverläufe in Abb. 1.10 betrachtet.
0.5
Amplitude
−0.5
−1
Abbildung 1.11: Dynamik–Kompres-
−1.5
−4 −3 −2 −1 0 1 2 3 4
sion, die im Extremfall (fast) einge-
Zeit stellt werden könnte; Üblich sind 5 −
7 dB Dynamikbereich für das kom-
Abbildung 1.10: Zeitverläufe einer Schwingung, primierte Signal.
bestehend aus cos(ωt) − 31 cos(3ωt + ϕ) mit ϕ = 0
(durchgezogen), π/2 (gestrichelt), π (gepunktet)
Wird also eine gegebene Zeitfunktion einer Fourier–Analyse unterzogen (mit FFT Fast Fourier Transform)
und werden dann die spektralen Komponenten mit einer geeigneten Phasendrehung versehen, hat die mit der
IFFT (Inverse Fast Fourier Transform) wieder zusammengesetzte (synthetisierte) Zeitfunktion einen geringe-
ren Spitzenwert der Amplitude.∗11 Da das Ohr solche Phasenverschiebungen kaum oder nicht registriert, bleibt
dadurch die Lautstärke (zunächst) unverändert. Da man aber nunmehr den Pegel erneut bis zur Übersteue-
rungsgrenze erhöhen kann, ist das so veränderte Audiosignal im Empfänger lauter.
Eine sehr kräftig eingestellte Dynamik–Begrenzung, Abb. 1.11, stößt bei der Hörerschaft auf geteilte Zustim-
mung. Es ist diese aber nicht charakteristisch für das Optimod–Verfahren, sondern für das jeweilige Programm.
Optimod und die Auswirkung auf das FM Spektrum Durch die Veränderung der Amplitudenstatistik
des MPX–Signals folgt eine entsprechende Veränderung des Leistungs–Dichte–Spektrums der FM. [12]
0 dBc
dB
- 40
-20
Mask
-30 - 60
ETSI FM Mask
Signal
-40
- 80
- 85
-50
-500 -240 -120 0 100 200 300 f-fc/KHz
-60
Optimod und Sender eine Übertragungs–Leitung eingeschaltet wird, da diese nicht ausreichend eben in ihrer Gruppen–Laufzeit ist. Der
Optimod wird daher jeweils am FM–Sender installiert. Er enthält auch den Stereo–Encoder.
Da nun im modulierenden Signal weniger kleine Amplituden vorkommen, ändert sich die Form des Spek-
trums so, daß es deutlich breiter wird als bei einem nicht komprimierten Programm, Abb 1.1 (Seite 3). Es ist
dann zwar immer noch kompatibel zur FCC Spektrums Maske für die Region 2, aber nicht mehr zur ETSI
Spektrums Maske, die in Region 1 gilt, Abb 1.13. Aus diesem Grunde gilt hier neben der Hubbegrenzung auf
±75 KHz eine zusätzliche Beschränkung durch das RegTP für die mittlere Leistung des Differenz–Signals.
Abbildung 1.14: Pendelzeiger Darstellung der FM mit Rauschen. Für die Darstellung ist der Modulations–Index
η sehr klein gewählt; der Kreis ist durch die Tangente ersetzt.
Mit einer Cosinus–förmigen Nachrichtenspannung uN (t) = ÛN · cos(2πfN t) ergibt sich für den Frequenzhub
∆F und den Modulations–Index η, wenn KFM die Modulator–Konstante ist: [2]
∆F KFM · ÛN
∆F = KFM · ÛN ; η= =
fN fN
Ein kleiner Wert für η bedeutet somit eine kleine Amplitude ÛN des Nachrichtensignals, wenn seine Frequenz
fN konstant bleibt.
Wird jedoch umgekehrt die Amplitude ÛN konstant gehalten, aber die Frequenz fN verändert, so erkennt
man, daß η um so kleiner wird, je höher die Modulations–Frequenz fN gewählt wird, Abb. 1.14 mitte und rechts.
Etwas vereinfachend wird in Abb. 1.14 das Rauschen (zeichnerisch) genau so behandelt wie eine Cosinus–
förmige Spannung. Der Stör–Hub ηStör stellt somit ein Maß für die Amplitude des Rauschens dar. In allen drei
Fällen ist unterstellt, daß das Rauschen gleich groß sein soll.
• Da ηStör = konstant ist, aber η ∼ f1N sich ändert, folgt das wichtige Ergebnis, daß für eine Frequenz–
Modulation (nach der Demodulation) das Verhältnis von Störamplitude zu Nutzamplitude proportional
(linear) zur Nachrichtenfrequenz zunimmt, Abb. 1.15 (rechts).
UStör
∼ fN ; UStör ∼ fN
ÛN
Wenn aber die Stör–Spannung UStör linear mit fN zunimmt, so nimmt die Stör–Leistung (genauer die Stör–
Leistungs–Dichte SStör (f ) [13]) quadratisch zu, Abb. 8.2 (Seite 22).
SStör (f ) ∼ (fN )2
Bezogen auf das Multiplex–Signal (MPX) Abb. 1.5 (Seite 4) bedeutet dies, daß das Summen–Signal das beste
empfangsseitige Signal–zu–Stör–Verhältnis (SNR signal to noise ratio) aufweist. Das Differenz–Signal hat ein
schlechteres SNR. Daher ist für (praktisch) rauschfreien Stereo–Empfang ein wesentlich stärkeres Empfangs–
Signal (ca. 20 dB) notwendig.∗12 Da RDS und insbesondere die Zusatz–Signale im MPX–Spektrum bei noch
höheren Frequenzen angesiedelt sind, ist für deren rauschfreien Empfang eine noch höhere Empfangsfeldstärke
als für Stereo erforderlich.∗13
Die im praktischen Betrieb zusätzlich auftretenden Störungen werden vereinfachend wie das thermische
Rauschen berücksichtigt. Man spricht dann allgemeiner von „Geräuschen“.
ÛN
η∼
fN
ist, muß man eigentlich nur die Amplitude des Nachrichtensignals ÛN ∼ fN machen, was einer „Höhenan-
hebung“ verbunden mit einer „Tiefenabsenkung“ entspricht, damit der Modulations–Index η und damit das
η
Verhältnis von ηStör konstant bleibt.∗14 In der Praxis werden beim FM–Rundfunk nur die Höhen angehoben
(Pre–Emphase, pre-emphasis). Zum Ausgleich werden im Empfänger die Höhen in gleichem Maße abgesenkt
(De–Emphase, de-emphasis) und damit auch gleich das Rauschen. Das Bode–Diagramm zur Pre–Emphasis und
die resultierende Geräusch–Amplitude zeigt Abb. 1.15.
dieser Zusatz–Signale erfolgt. Man stellt dabei (verwundert ?) fest, daß der Versorgungs–Radius für die Digital–Übertragung geringer ist
als der Stereo–Versorgungsradius.
∗14 In diesem Falle wird aus der FM eine PM. Man kann dann den NF–seitigen Differenzierer weglassen und gleich einen Phasen–
Durch die Pre–Emphase wird der FM–Sender für hohe NF–Frequenzen stärker ausgesteuert. Um dadurch
keine Hub–Überschreitungen zu erhalten, müssen die Pegel der Signale entsprechend angepaßt werden.
Der Funk–Kanal Auf den UKW–Frequenzen erfolgt (praktisch) keine Reflexion an der Ionosphäre, weshalb
die Reichweite der Sender als „quasi–optisch“ bezeichnet werden kann. Weil aber die Wellenlänge „ultra“–kurz
ist, erfolgen auf dem Ausbreitungsweg viele Reflexionen z.B. an Erhebungen, an Gebäuden, an Fahrzeugen.
Am Empfangsort treffen somit mehrere gegeneinander leicht zeitlich gegeneinander verschobene „Funk-
strahlen“ (quasioptisch betrachtet) ein. Je nach gegenseitiger Phasenlage dieser „Teil–Strahlen“ führt das zur
Verstärkung oder Schwächung der Empfangs–Feldstärke. Diese Einflüsse auf die Empfangs–Feldstärke unter-
liegen räumlichen und zeitlichen Änderungen, wie es z.B. in Abb. 1.16 dargestellt ist. [15] [16] [17]
Abbildung 1.16: Beispiele für die „schnellen Schwankungen“ (Rayleigh–Fading) des Empfangssignals
Die in Abb. 1.16 dargestellte Situation ist typisch oder charakteristisch für alle terrestrischen Empfangs-
verhältnisse bei hohen Frequenzen: UKW, TV, Mobilfunk, WLAN usw. Dieses „schnelle Fading“ stellt die größte
technische Herausforderung für ein Funksystem dar, insbesondere bei digitaler Übertragung.
Während Abb. 1.16 nur einen (entfernungsmäßig) kleinen Ausschnitt (die Feinstruktur) aus einen Funkfeld
zeigt, stellt Abb. 1.17 den typischen Feldstärkeverlauf in größerem Maßstab dar.
Abbildung 1.17: Mittlere Empfangsfeldstärke mit überlagerten Schwankungen durch Bebauung (Log Normal)
und Interferenzen (Rayleigh)
Verfahren z.B. COFDM (coded orthogonal frequency division multiplex) (DVB–T, DAB) oder durch (adaptive)
Entzerrung (GSM Handy).
Im Falle der (analogen) Frequenzmodulation, bei der die Information in den Nulldurchgängen des HF–
Signals steckt, werden die Amplitudenschwankungen, die durch Rayleigh–Fading entstehen, durch den Be-
grenzerverstärker in der ZF–Ebene unterdrückt. Der Begrenzer–Verstärker ist daher für einen sauberen FM–
Empfang unverzichtbar. Ein wirkungsvoller Begrenzer benötigt eine Schwelle, die so niedrig liegt, daß die
Fading–Einbrüche im Empfangssignal auch noch bei sehr schwachen Empfangssignalen oberhalb der Schwelle
bleiben und somit das Ausgangssignal des Begrenzers stets eine konstante Amplitude hat.
Der Amplitudenbegrenzer im FM–Empfänger sorgt also nicht nur für konstante Lautstärke des demodulier-
ten Signals, unabhängig von der Größe des Empfangssignals (dick gezeichnete Kurven in Abb. 1.17), sondern
bekämpft recht wirkungsvoll die Störungen durch die Mehrwegeausbreitung.∗15
Der Mehrwegeempfang erzeugt aber nicht nur Amplitudenschwankungen, die durch Begrenzung beseitigt
werden können, sondern auch Schwankungen in den Nulldurchgängen, die die Information enthalten. Aller-
dings werden die Nulldurchgänge dabei i.a. nur wenig verschoben. In den feinen Unterschieden bei den Null-
durchgängen befinden sich aber die Informationen aus den höheren Frequenzanteilen des Multiplex–Signals.
Daher sind diese Bereiche (Stereo-Differenzsignal, RDS-Signal, Zusatz-Signal) entsprechend stärker gestört.∗16
Capture–Effekt Die Unterdrückung von Mehrwege–Empfang, aber auch von (entfernten) Gleichkanal–Sen-
dern, mit Hilfe des Begrenzer–Verstärkers (limiter) funktioniert nur so lange, wie die Feldstärke des Störers
kleiner ist als die des Nutzsignals. Bei guten Begrenzer–Verstärkern genügen ≈ 0, 2 dB Unterschied , um das
schwächere Signal um ≈ 30 dB zu unterdrücken (capture ratio), bezogen auf Mono–Empfang.∗17
Die Breite des Übergangs–Bereichs zwischen Nutz–Sender und Stör–Sender (bzw. Mehrwege Signal) ist für
die einzelnen Bereiche im (demodulierten) Multiplex–Signal unterschiedlich und zwar wird die Breite größer
mit steigender Frequenz des Multiplex–Signals. Dies erkennt man aus einer Simulation, bei der die Größe des
(unmodulierten) Gleichkanal–Störers variiert wird, während das FM Signal mit einem Cosinus moduliert ist,
.
Abb. 1.18. [18] Gezeichnet ist eine Periode (= 3600 ) des Cosinus der modulierenden Nachrichtenschwingung.
1. Die stärksten Störungen ergeben sich, wenn die Amplituden von Nutzsignal (FM) und Störer etwa gleich
groß sind.
∗15 Daß auch das nicht immer gelingt, beobachtet man manchmal im Auto beim Warten an der Ampel: Der Ton ist verzerrt, also läßt man
den Wagen etwa λ/2 ≈ 1, 5 m vorrollen um wieder sauberen Empfang zu haben. Leider läßt der Hintermann dann meist auch vorrollen
und man hat die wieder die vorigen Zustände.
∗16 In kritischen Empfangssituationen (z.B. im Gebirge) äußert sich dies z.B. in „Zwitscher–Geräuschen“ beim Stereo–Empfang, während
2. Die Störung des demodulierten Signals (linkes Bild) enthält schnelle Schwankungen (Störspitzen) – und
damit hohe Frequenzen. Diese werden durch den De–Emphase Tiefpaß beseitigt und sind im Mono–Signal
daher nicht mehr vorhanden.
3. Die schnellen Schwankungen machen sich aber bei den höheren Frequenzen des Multiplex–Signals (Dif-
ferenz–Signal, RDS, Zusatz–Signal) als Störung bemerkbar.
4. Während das Summen–Signal praktisch ungestört ist, werden die anderen Teile mehr oder weniger stark
gestört.
5. Eine Störung der anderen Teile ist auch noch bei relativ schwachem Störer ρ = 0, 2 (durchgezogene Linie)
vorhanden. Folglich ist hier der Übergangsbereich breiter.
6. Wird die Amplitude des Störers größer als die Amplitude der FM, kehren die Störspitzen im demodulierten
Signal ihr Vorzeichen um. (rechtes Bild)
7. Da der Störer als unmoduliert angenommen ist, ergibt sich nun das Mono–Signal praktisch zu Null, weil
die verbleibenden schnellen Schwankungen durch die De–Emphase unterdrückt werden. Hier zeigt sich
der Capture–Effekt. Wäre der Störer moduliert, hätte das Mono–Signal nun dessen Modulation übernom-
men.
8. Auch im Falle einer Mehrwege–Ausbreitung, wenn ein reflektiertes (und dann moduliertes) Signal als
Störer wirkt, treten entsprechende Spitzen im demodulierten Signal auf. Diese wirken sich insbesondere
auf die höherfrequenten Anteile im MPX Spektrum aus.∗18
9. Da die FM eine exponentielle (nichtlineare) Modulation ist, werden die HF–Störungen nichtlinear auf das
demodulierte Signal abgebildet. Der Störer ist hier ein unmodulierter Träger, hat also keine „Störmodula-
tion“, aber die Störungen im demodulierten Signal sind Impuls–förmig.
1. Die Modifikation muß kompatibel zum bestehenden System sein, wenn der gleiche Frequenzbereich be-
nutzt werden soll.
• Die bisher empfangbaren analogen UKW FM Sender dürfen durch das neue System nicht gestört werden.
Man kann allerdings nicht verlangen, daß das neue System auch mit den bisherigen Empfängern zu
empfangen geht. Beispiele hierzu sind die Einführung des Stereorundfunks und des RDS (Radio Daten
System). Alte FM Mono-Empfänger wurden dadurch in ihrem (Mono–) Empfang nicht beeinträchtigt.†1
• Der Übergang von der vollständig analogen zur vollständig digitalen Übertragung geschieht in einem
angemessen langen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren.†2
Ein Digitales System, das Störungen beim UKW FM Empfang verursacht oder das eine kurzfir-
stige Umschaltung zwischen analog und digital erfordert, ist demzufolge nicht kompatibel.
Für den Fall, daß man ein neues Frequenzband finden sollte, gibt es die Forderung nach Kompatibilität
nicht. Da ist man diesbezüglich freier. Aber das Beispiel DAB (Digital Audio Broadcast) lehrt, daß dies nicht
automatisch zum Erfolg führt. Vom ursprünglich proklamierten Ziel, DAB im Frequenzbereich des analogen
UKW FM Rundfunks zu übertragen, ist man mittlerweile abgegegangen, da dies aus Kompatibilitätsgründen
unmöglich ist.
∗18 Demzufolge erleidet das Zusatz–Signal, welches bei den aktuellen Feldversuchen von FMeXtra ausschließlich für die Digitalübertra-
leiser. Beim Mono-Empfänger ist deshalb der Lautstärkeregler etwas weiter aufzudrehen gegenüber der Zeit davor. Dies kann aber nicht
als Störung gewertet werden.
†2 Entsprechend der üblichen Lebensdauer von Auto-Radios.
3 Das DAB–System
Das DAB System ist ein klassisches Beispiel für ein System, das am „grünen Tisch“ konzipiert wurde. Das wich-
tigste Argument zu seiner Durchsetzung war der „Spreadungs-Gewinn“, der sich bei Kanalbündelung ergeben
kann. Damit hat man sich geringe Energiekosten erhofft.
DAB verwendet als Modulation das Mehrträgerverfahren COFDM (coded orthogonal frequency division mul-
tiplex). Als digitale Modulationen in den Teilkanälen (subchannel) werden höherstufige QAM (quadrature am-
plitude modulation) Verfahren angewendet. Da die hierbei pro Teilkanal übertragenen Informationen weitestge-
hend statistisch von einander unabhängig sind, ergibt sich (gemäß dem Zentralen Grenzwertsatz) auch hierbei
eine Gauß-förmige Amplitudenverteilung der resultierenden Spannung des COFDM Signals, vergleichbar mit
Abb. 1.7 (Seite 6).
Der Crestfaktor, das ist das Verhältnis von maximaler Amplitude Ûmax zum Effektivwert uRMS = ueff der
> .
resultierenden Spannung, wird dadurch ≈ 4 = 12 dB, siehe Abb. 1.7, kleines Diagramm links oben.‡1
Ein COFDM Hochfrequenz–Signal mit Amplitudenschwankungen, also mit keiner konstanten Einhüllen-
den wie die FM es hat, benötigt einen linearen Sendeverstärker, damit die (digitalen) Amplitudeninformationen
korrekt übertragen werden können. Lineare Sendeverstärker haben aber in der Praxis sehr geringe Wirkungs-
grade. Damit erhöht sich die aufzuwendende Gleichstromleistung entsprechend. Dem gegenüber arbeitet der
Sendeverstärker für FM im (nichtlinearen) Schaltbetrieb
√ . mit entsprechend hohem Wirkungsgrad, weil die FM
eine konstante Amplitude (mit Crestfaktor = 2 = 3 dB) hat.
COFDM kommt zwar als digitale Modulation mit einer geringeren Sendeleistung aus als FM, jedoch ist die
Ersparnis an Energiekosten wegen der stark unterschiedlichen Wirkungsgrade der Sender nicht so deutlich.
Der restliche Kosten–Vorteil wird jedoch durch die Kosten für die Multiplexbildung und für die Programm-
zuführung konterkariert.
Um einen Spreadungs–Gewinn realisieren zu können, muß für die Funk–Übertagung eine größere Band-
breite verwendet werden, als die digitale Modulation (minimal) benötigt. Damit daraus keine unnötige Ver-
schwendung von Übertragungs–Bandbreite resultiert, werden bei DAB z.B. 6 Programme‡2 so in einander ver-
schachtelt, daß sich die Informationen für ein einzelnes Programm in jedem 6. Teilkanal befindet. Damit werden
die Teilkanäle, die zu den jeweiligen Programmen gehören, praktisch über die gesamte Bandbreite des COFDM
Hochfrequenz–Signals gespreizt.
Im Empfänger bedeutet dies, daß zunächst das komplette DAB Signal demoduliert und verarbeitet werden
muß, ehe man die Information (das gewünschte Programm) eines Teilkanals daraus extrahieren kann. Das
bedingt eine aufwändigere Signalverarbeitung und mehr Strombedarf, weil de facto 5/6 der Daten anschließend
nicht gebraucht werden.
Auf der Sender–Seite ist ein Multiplexer erforderlich, der die angelieferten Programme in einander ver-
schachtelt. Da DAB als sogenanntes „Single Frequency Netzwerk“ (SFN) arbeitet, muß bei jedem an diesem
Netzwerk beteiligten Sender ein Multiplexer mit entsprechender Zuführung der Programme vorhanden sein.
Ein SFN, bei dem mehrere Sender auf der gleichen Frequenz arbeiten, spart (hochfrequente) Sendeleistung
für den einzelnen Sender ein. Demgegenüber entstehen Kosten durch die notwendige Programmzuführung zu
jedem Teil–Sender und durch den Multiplexer.
Will man an einzelnen Standorten z.B. eines der 6 Programme unterschiedlich haben (hier Anbieter A, dort
Anbieter B), ergibt das hierfür erhebliche gegenseitige Störungen und eine entsprechende starke Reduktion der
Versorgungsfläche.‡3
Zur Zeit der Konzeption von DAB gab es auch noch keine verfügbaren Frequenzen mit den erforderlichen
Kanalbandbreiten. Schließlich wurden der TV Kanal 12 (≈ 220M Hz) dafür bereitgestellt, und da dies nicht
ausreichte, das L-Band (≈ 1, 7GHz). Ein DAB Empfänger muß also beide Frequenzbereiche empfangen kön-
nen.‡4 Durch die Einführung von DVB–T sind weitere TV–Känäle in den Bändern 1, 3, 4 & 5 frei geworden,
so daß zwischenzeitlich auch für DAB zusätzliche Frequenzen bereitgestellt werden können. Im L-Band läuft
mittlerweile eine digitale TV–Übertragung (DMB).
‡1 Eine Verminderung des Crestfaktors kann auf folgende Weise erfolgen: 1. geeignate Phasendrehung (Rotation) der Symbole in den
Teilkanälen gegeneinander; 2. Übertragung von „Dummy–Daten“ (Auf diese Weise wird bei DRM der „Simulcast“ Betrieb realisiert, indem
mit Hilfe dieser „Dummy Daten“ die Hüllkurve der Modulation entsprechend zu einer AM gebildet und ein HF–Träger hinzugefügt wird.);
3. Amplituden–Clipping. Alle diese Verfahren ergeben aber einen Verlust bei der Übertragung.[20]
‡2 Die Zahl 6 bezieht sich auf den Entwicklungsstand von DAB bei seiner ersten (geplanten) Einführung. Damals wurde als Audioco-
dierung das „Musicam“–Verfahren nach MPG2 festgelegt. Das ist zwischenzeitlich technisch überholt. Neuere Audiocodierungen wie z.B.
AAC+ kommen mit deutlich niedrigeren Datenraten aus, so daß in der gegebenen HF–Bandbreite mehr Programme übertragen werden
können.
‡3 Aus diesem Grund ist DAB für regionale Programm–Anbieter nicht sonderlich geeignet.
‡4 DAB war also eine „Kompromißgeburt“.
Was bislang für DAB fehlt, sind attraktive Exclusiv–Programme, wie diese als „Welle der Freude“ bei
der Einführung des UKW FM Rundfunks geschaffen wurden. Da (bislang) oftmals noch nicht einmal das
Programmangebot von UKW FM auf DAB abgebildet werden konnte, tut sich DAB schwer, die Gunst des Hö-
rerpublikums zu erwerben.
4 Das DVB-T–System
Bei der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens (digital video broadcasting – terrestrial) DVB–T gab es
Faktoren, die sehr günstig dafür waren.
• Nur noch ca. 7 % der TV–Teilnehmer empfingen ihr Fernsehprogramm über die Antenne. Der Rest war
verkabelt oder hatte Satelliten–Empfang.
• Pro analogem TV–Kanal lassen sich mit DVB–T 4 Programme übertragen.
Das gibt für die Zuschauer (theoretisch, da nicht überall realisiert) eine Vervierfachung des bisherigen
Programm–Angebotes.
Für die Broadcaster resultiert eine Verringerung der Sender–Kosten und überzählige Sendekapazitäten
lassen sich vermarkten.
• Für zahlungsschwache TV–Teilnehmer bestand ein Angebot von den Broadcastern, den DVB–T Umsetzer
(set top box) zu bezuschussen.
Aus diesen Gründen ging die Umstellung von analogem PAL TV auf DVB–T TV praktisch geräuschlos über
die Bühne. Es besteht sogar der Eindruck, daß manche „Kabel–Kunden“ einen Umstieg zu DVB–T überlegen.
In einem früheren TV–Kanal im UHF Bereich findet (zumindest) in Berlin eine Radio–Übertragung mit
DVB–T statt. Diese hat jedoch keine größere Bedeutung erlangt, weil erstens in der Regel der Fernseher da-
für eingeschaltet sein muß (aber kein Bild hat; nur Titelanzeige) und zweitens, weil die Programmauswahl
vergleichsweise gering ist.
HF-Träger
DRM+ DRM+ mit HF-Träger
COFDM COFDM
Frequenz Frequenz
Bandbreite:<100kHz Bandbreite:<100kHz
Abbildung 5.1: Prinzipielle spektrale Leistungsdichte von DRM+ (213 Sub–Channel mit je 444 Hz Bandbreite)
und Vorschlag für ein DRM+C System, das aufgrund eines zusätzlichen HF–Trägers einen kleinen Crest–Faktor
hat. (Der Träger ist nur während der Migrationsphase erforderlich.)
Messungen an UKW–FM–Empfängern 1985 vom IRT [23], 2006 wiederholt von T–Systems Media Broadcast,
haben jeweils ergeben, daß bei fast allen Empfängern durch ein Signal mit starken Amplitudenschwankungen,
wie es das DRM+ Signal darstellt, nicht tolerierbar große Intermodulations–Störungen entstehen. Die in einer
Machbarkeitsstudie zu DRM-120 [24] dargelegten Gesichtspunkte gelten entsprechend auch für DRM+.
Durch das Einbringen von DRM+ Blöcken in das UKW–FM–Band ist deshalb mit Störungen beim Empfang
von UKW–FM zu rechnen. Damit ist DRM+ (innerhalb des UKW–FM–Bandes) wegen seines hohen Crestfaktors
nicht so ohne weiteres kompatibel zu UKW–FM.
5.1.1 RF Carrier
Die erste Methode verwendet einen zusätzlichen HF–Träger, der im (bisherigen) DRM+ Spektrum anstelle des
mittleren Sub–Channels (während der Migrations–Phase) dort eingefügt wird (DRM+C = DRM+ & RF carrier),
Abb. 5.1 (rechts). Mit dieser Modifikation läßt sich der Crestfaktor für DRM+C erniedrigen. Dies erkennt man
aus der Darstellung im Vektor–Diagramm, Abb. 5.2 (links).
HD or DRM+Vector
Diagram with Carrier
Q
HD or DRM Vector
Diagram without Carrier
I
Abbildung 5.2: Vergleich der (prinzipiellen) Vektordiagramme von HD-Radio & DRM+C (links) und DRM+ &
HD full digital (rechts); Das Vektordiagramm von DRM+C besteht aus einem (Träger–)Zeiger (bei HD-Radio
ein Pendelzeiger), dessen Länge und Winkel durch das (blau gezeichnete) Vektordiagramm der digitalen Modu-
lation entsprechend modifiziert wird. (ockerbraune Pfeile)
Damit ergibt sich dann ein digitales Übertragungsverfahren, das tatsächlich in vorhandene Lücken des
UKW–FM–Bandes eingefügt werden könnte, ohne daß unzulässig hohe Kreuzmodulations–Störungen in vor-
handenen FM–Empfängern auftreten.¶3
Daß der Crestfaktor für HD–Radio (Hybrid Mode) und für DRM+C geringer ausfällt als bei DRM+ und
bei HD Full Digital Mode, wird sofort einsichtig, wenn man das Vektordiagramm der beiden Modulationen
vergleicht, Abb 5.2.
Zur überschlagsmäßigen Abschätzung des Crestfaktors wird für den Effektivwert bei HD Hybrid und für
DRM+C die Größe des FM–Trägers angenommen (ein etwas zu kleiner Wert) und als maximaler oder Crest–
Wert die maximale Amplitude. Aus diesen beiden Werte wird der Crest–Faktor gebildet. Bei DRM+ und bei
HD Full Digital Mode wird als Effektivwert der Wert genommen, wo sich die ersten Löcher im Vektordiagramm
zeigen. Wird daraus wieder ein Crest–Faktor gebildet, so sieht man direkt aus den geometrischen Verhältnissen,
daß der Crestfaktor in Anwesenheit eines HF–Trägers kleiner ausfällt.
Ebenfalls geringer sind die Amplitudenschwankungen bei Anwesenheit eines HF–Trägers prozentual ge-
nommen, da hier im digitalen Teil weniger Leistung steckt. Ein Digitales Verfahren mit zusätzlichem HF–
Träger wird somit in „normalen“ FM–Empfängern geringere Intermodulations–Störungen produzieren als ein
reines Digitales Verfahren mit COFDM.¶4
Es ist jedoch zu beachten, daß durch Hinzufügung eines HF–Trägers die Leistung des digitalen Signals —
und damit die Reichweite — vermindert wird, wenn nur mit einem Sendeverstärker (für digitale Modulation &
HF–Träger) gearbeitet wird.
Da Störungen durch Muting charakteristisch für eine digitale Übertragung sind, die Hörer aufgrund der
bisherigen analogen UKW–FM Übertragung jedoch nicht daran gewöhnt sind, ist die Einführung der Zeit–
Diversity aus Sicht der Vermarktbarkeit unabdingbar. Andernfalls bestünde die Gefahr, daß die Kundschaft die
Empfänger reklamiert und das digitale System ablehnt.
6 Das HD-Radio–System
HD-Radio ist der neue Name des amerikanischen IBOC (in band on channel) Systems, das sowohl eine Variante
für den AM– als auch für den FM–Bereich hat. Hier wird nur das HD-Radio–System für FM betrachtet.k1
Für die HD-Radio Versuche in Region 1 wurde versucht, die FCC–Spektrums–Maske geeignet zu modifi-
zieren, Abb. 6.1. [21] Man erkennt daraus, daß es sich tatsächlich um ein IBAC (In Band Adjacent Channels)
System handelt, denn die digitalen Signale werden tatsächlich in den beiden anschließenden Nachbarkanälen
übertragen. Die Digitale Übertragung bei HD-Radio erfolgt somit auf Kosten der frequenzmäßigen Nachbarn.
0
7 dB
Nutzsignal Störsignal
-10
23 dB
FCC HD Radio
-20
-30
-40 80 dB
-50
-60
ETSI
-70
-90
-400 -300 -200 -100 0 100 200 300 400
-240 -120 120 240 200 kHz
Abstand zur Mittenfrequenz (kHz)
Die digitalen Zusatzsignale reichen beim Hybrid Mode für Region 1 nicht so weit in die Nachbarkanäle
hinein, wie das in USA üblich ist. Während aber in USA die Senderdichte (räumlich und frequenzmäßig) einiges
geringer ist als in Region 1 und somit diese spektrale Verbreiterung in der Regel nicht stört, ist die Senderdichte
in der Region 1 so groß, daß auch die für HD-Radio modifizierte schmalere Spektralverteilung zu Störungen des
UKW–FM–Empfangs führen wird, Abb. 6.2. [21]
Die digitalen Informationen für die HD–Versuche (im Hybrid Mode) werden als COFDM übertragen. In den
Teil–Kanälen wird eine QPSK = 4QAM verwendet [21]. Es kommen 2 · 191 Unterträger mit einem Frequenz–
k1 In [22] findet man eine Zusammenstellung der Eigenschaften und weitere Literaturstellen.
Abstand von 363 Hz zum Einsatz. Die Bandbreite der digitalen Modulationen beträgt je 69 KHz, so daß eine
Gesamt–Bandbreite für das HD–Spektrum von 400 KHz zustande kommt, Abb. 6.1 und 6.2.
Bei der rein digitalen Übertragung im „Full Digital Mode“ soll das analoge FM–Signal (im Kanal) eben-
falls durch ein digitales Signal ersetzt werden, wodurch sich spektrale Verhältnisse gemäß Bild 6.3 ergeben.
Man erkennt, daß in den unmittelbar angrenzenden Nachbarkanälen (adjacent channels) sogar mehr Leistung
übertragen wird als im eigentlichen (nominellen) Kanal, denn diese werden sogar mit „Primary“ bezeichnet.
Protected Protected
Main Main
10 partitons 4 partitons 4 partitons 10 partitons
Extende
Extended Extended
0 Hz
Ź Beispiel Messbild: {DRM120, FM} vs. UKW-FM; Störkriterium erfüllt Ź Beispiel Messbild: {HD-RadioTM, FM} vs. UKW-FM; Störkriterium erfüllt
* RBW 1 kHz Marker 3 [T3 ] * RBW 1 kHz Marker 3 [T3 ]
* VBW 10 kHz -57.82 dBm VBW 10 kHz -55.89 dBm
Ref -28 dBm * Att 0 dB * SWT 7.2 s 87.800000000 MHz Ref -28 dBm * Att 0 dB * SWT 7.2 s 87.800000000 MHz
Marker 1 [T1 ]
-40
-48.77 dBm
-40 Marker 1 [T1 ]
-48.98 dBm
*
1 87.599180000 MHz A 1 87.598760000 MHz A
-50 Marker 2 [T1 ] -50 Delta 2 [T1 ]
1 RM * 1 RM * 3
VIEW 3 -59.14 dBm -39.13 dB
2 VIEW
87.800000000 MHz 200.000000000 kHz
-60 -60
-70 -70
FM-Störer
3 RM * FM-Störer 3 RM *
VIEW VIEW
-80 -80
Gestörtes
2
-90 FM-Signal -90
Gestörtes FM-Signal
-100 DRM+-Störer -100
Abbildung 6.4: Störwirkung auf das UKW–FM Spektrum durch DRM+ (links) und HD–Radio (rechts) mit je 200
KHz Abstand. Gegenüber dem DRM+ Signal muß das (gesamte) HD Signal um 30 dB abgesenkt werden, um
zur gleichen Störung im FM–Spektrum zu kommen wie durch DRM+.
Da HD–Radio aufgrund der systembedingten Störwirkung auf die Nachbarkanäle in der Sendeleistung um
30 dB (verglichen zu einem FM–Sender ohne HD) abgesenkt werden muß, geht dadurch die Versorgungsfläche
dramatisch zurück.
Wenn nur Wenige (ohne Rücksicht auf die erzeugten Störungen in den Nachbarkanälen) auf HD-Radio um-
steigen würden, wären diese im Vorteil, denn sie könnten auf Kosten der anderen zusätzliche digitale Kanäle
nutzen. Wenn aber schließlich alle zu diesen Bedingungen umstiegen, störte man sich schließlich nur noch
gegenseitig. Man erhielte dadurch ein durch Interferenzen begrenztes System, das nur noch eine geringe Über-
tragungskapazität hätte.k2
HD–Radio ist also nur für ein weitflächiges Land mit geringer Senderdichte (wie z.B. die USA) oder allenfalls
für die Versorgung von einzelnen Tälern im Gebirge geeignet, wo aufgrund der Abschattungen durch die Berge
keine gegenseitigen Störungen entstehen können.
7 Das UKW-CPM–System
Das UKW–CPM–System wurde an der Uni Hannover entwickelt [27] [28] und am Senderstandort Hannover an
einem vorhandenen UKW–Sender getestet, Abb 7.1. Es war nur der Steuersender entsprechend zu modifizieren.
Hannover
Digitaler UKW-Rundfunk
Funkübertragung: Modulation
IANT
1 2 3
DIGITAL I
MENU VOL TUNE CPM 2 Klassik 4 5 6
ON TF AF 92.9 MHz VF AF SC
Ziel
l Digitale Hörfunk-Programme im
UKW-Band Digitales NDR 3 Antenne
Programm (98,7 MHz) (103,8 MHz)
Vorteile Spektrale
NDR 1 NDR 2 FFN
Leistungsdichte (90,9 MHz) (96,2 MHz) (101,9 MHz)
l CD-Qualität
l weniger Störungen im Auto
l zusätzliche Dienste, z.B. Verkehrs-
leitfunk
l geringere Sendeleistung erforderlich
l schrittweise Einführung, da Koexi-
stenz mit bestehenden Sendern 90,0 95,0 100,0 105,0
Frequenz in MHz
Prinzip
l Optimale Ausnutzung der verfügba-
Audio-
Signal ren Bandbreite durch gemeinsame
Optimierung von
Zeit
Quellencodierung,
Optimale Digitalisierung
des Audiosignals
Quellencodierung Bit- Kanalcodierung und
Strom
Modulation.
Zeit
Schutz der Information vor
Übertragungsfehlern
Kanalcodierung Symbol- Modulation
Strom
Verfahren
Zeit
l Continuous Phase Modulation
Anpassung an den
Signalformung Basisband-
Funkkanal
Signal (CPM, 4-stufige stetige Phasenmo-
dulation)
Zeit
l Einträgerverfahren
Erzeugung des
HF-Signals
Frequenzmodulation HF-
Signal Eigenschaften des Sendesignals
l konstante Einhüllende
Zeit l kompaktes Spektrum
l ähnliches Verhalten wie das analoge
FM-Signal
Erzeugung des Sendesignals aus dem Audiosignal
Abbildung 7.1: Das von der UNI Hannover vorgeschlagene und am Senderstandort Hannover getestete CPM–
System (2003 – 2004)
CPM ist eine Continuous Phase Modulation, genauer eine 4–stufige stetige Phasenmodulation, oder allge-
meiner ausgedrückt, eine digitale Frequenzmodulation.∗∗1
Ein sehr bekanntes Beispiel eines CPM–Systems ist die Modulation (GMSK, Gaussian Minimum Shift Key-
ing) des „normalen“ GSM–Handys. Der Grund für die Wahl einer Modulation mit konstanter Einhüllender war
hier der höhere Wirkungsgrad des Senders im Mobile und die dadurch resultierende längere Akku–Standzeit.
Der Grund für ein CPM–System zum Ersatz des UKW–FM Rundfunks ist der, daß hierdurch keine In-
termodulationsstörungen in UKW–FM Empfängern entstehen. Man kann also ohne zusätzliche Störungen zu
erzeugen, vorhandene Lücken im UKW–Band mit UKW–CPM Sendern ausfüllen (anstatt mit UKW–FM Sen-
dern).
Das UKW–CPM System, wie es von der UNI Hannover vorgeschlagen wurde, ist kompatibel zum Kanalra-
ster des UKW–FM Rundfunk und erzeugt keine weiteren Störungen als ein entsprechender analoger UKW–FM
Sender auch erzeugt hätte. Diese Problematik ist aber Teil einer jeden Funknetzplanung. Für UKW ist dadurch
keine neue Planung erforderlich.
Zum Empfang der digitalen Sendungen wird ein hierfür geeigneter Empfänger benötigt. Da es sich bei CPM
übertragungstechnisch um eine FM handelt — und damit um eine nichtlineare (exponentielle) Modulation —
ist der Aufwand im Empfänger entsprechend hoch.∗∗2 Dies ist ein wesentlicher Einwand gegen die Verwendung
von CPM, obwohl gerade die CPM aufgrund ihres FM–ähnlichen Charakters bezüglich der Kompatibilität zum
FM–Rundfunk besonders geeignet wäre.
Unter günstigen Voraussetzungen (und bei nicht zu hohen Anforderungen) könnte als einfache Lösung ein
Empfänger mit Begrenzer–Verstärker und Diskriminator mit anschließender digitaler Signalverarbeitung in
Betracht kommen.∗∗3 Einer solchen einfachen Lösung fehlt jedoch auf der HF–Ebene eine entsprechende adap-
tive Entzerrung der durch den Mehrwege–Empfang verzerrten Datensymbole. Diese Entzerrung kann nach der
FM–Demodulation nicht mehr nachgeholt werden, weil sich dieser Demodulationsvorgang nichtlinear verhält,
wie sich am Beispiel der Gleichkanal–Störungen bei der (analogen) FM gezeigt hat, Abb. 1.18 (Seite 12). Dieser
„einfache“ CPM–Empfänger würde also bei ausgeprägten Echo–Störungen versagen.
8 Das FMeXtra–System
Das FMeXtra–System wendet im Unterschied zu den anderen bisher betrachteten eine hierarchische Modula-
tion an. Die oberste Modulations–Stufe ist FM, also eine Modulation mit konstanter Einhüllender. Damit ist
sicher gestellt, daß FMeXtra (ähnlich wie UKW–CPM) keine unzulässignen Störungen im UKW–FM Rundfunk
verursacht.
Pegel (dB)
RDS
FMeXtra
L+R
L-R L-R
0 19 38 57 62 99
Frequenz (kHz)
Es unterscheidet sich vom UKW–FM System dadurch, daß die analogen Teile im Multiplex–Signal (Zusatz–
Signal, Differenz–Signal, Summen–Signal) teilweise oder vollständig durch digitale Signale ersetzt werden,
Abb. 8.2.††1
∗∗1 Zwischen Phasen– (PM) und Frequenz–Modulation (FM) besteht eine enge Verwandtschaft. Alle digitalen „Phase Modulations“ sind
komplexer als der Sender, was die digitale Signalverarbeitung betrifft. Aber besonders trifft dies für CPM zu.
∗∗3 Dies entspricht dem bei Bluetooth angewendeten Konzept.
††1 Das RDS–Signal wird sich vorläufig nicht ersetzen lassen, weil hierüber wichtige Zusatzinformationen übertragen werden.
Da im Empfänger bis zum Diskriminator dadurch keine Änderung erforderlich wird, weil die Digitale Sig-
nalverarbeitung für die Aufbereitung der Digitalsignale erst danach (im MPX) einsetzt, wird der technische
Aufwand im Empfänger geringer als bei den anderen Vorschlägen.
Das FMeXtra System könnte in 4 Stufen eingeführt werden.
1. Das Zusatz–Signal (62 KHz – 99 KHz) ist digital.
2. Orthogonal zum analogen Differenz–Signal wird ein digitales Signal übertragen. (Als Zwischenlösung††2 )
3. Zusätzlich wird das analoge Differnz–Signal durch ein weiteres digitales Signal ersetzt. Der Stereo–Pilot
wird dann abgeschaltet.
4. Schließlich wird auch noch das analoge Summensignal durch ein drittes digitales Signal ersetzt.
Die aktuellen Versuche benutzen nur die 1. Stufe, also eine Digitalübertragung als Zusatz–Signal, Abb. 8.1.
[21] Dieser Bereich im MPX Spektrum ist aufgrund der Eigenschaften der FM (Störungen durch Rauschen und
Interferenzen) als besonders ungünstig bekannt.
10
FM Störungen 0
1
-10
0.9 Störleistungs−Dichte
Zusatz−Signal -20
0.8
Störspannung, Störleistung →
Pegel (dB)
-30
0.7
mit FMeXtra
Störspannung -40
0.6
-50
0.5 Störleistungs−Dichte
Differenz−Signal
-60
0.4 Störleistungs−Dichte
ohne FMeXtra
Summen−Signal -70
0.3
-80
0.2
0 Frequenz (kHz)
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
MPX−Frequenz/KHz →
Abbildung 8.3: Die Leitungs–Dichte (ein-
Abbildung 8.2: Die Störleistungs–Dichte seitige Darstellung; 0 = fC ) des FM–Spek-
(Rauschen, relative Werte) im demodulier- trums. Die HF–Leistung, die durch das
ten MPX–Signal. Die Störleistung ist je- FMeXtra–Signal hinzukommt ist propor-
weils proportional zu den Flächen. tional zu den Flächen zwischen den beiden
Kurven.
Die Störleistungen in den farbig markierten Bereichen, Abb. 8.2, sind jeweils proportional zu den entspre-
chenden Flächen. Hieraus ist deutlich erkennbar, daß der Bereich von 62 KHz bis 99 KHz besonders ungünstig
ist.††3 Auf der anderen Seite sieht man aus Abb. 8.3 [21], daß die durch das digitale FMeXtra Signal hinzu-
kommende HF–Leistung vergleichsweise gering ist. Dies muß aber auch so sein, weil das FM–Spektrum durch
die ITU–Vorgaben für die Spektrumsmaske in seinen Maximalwerten festgelegt ist. Wenn also zusätzlich ein
digitales Signal im MPX hinzugefügt wird, müssen deshalb die Pegel der anderen Teil–Signale entsprechend
abgesenkt werden.††4
Bei verschiedenen lokalen Sendern, die schon jetzt nur in „Mono“ senden,††5 könnte man direkt auch schon
zur 3. Stufe übergehen. Dies ergäbe weitaus günstigere Werte z.B. für die Reichweite der Digitalübertragung.
Da die Störleistung im Bereich 23 KHz - 53 KHz (Stereo–Differenz–Signal) bereits deutlich geringer ist,
kann hier mit einer höherstufigen Modulation (16QAM) in den Sub–Channel der COFDM gearbeitet werden,
wodurch sich mehrere Programme mit höherer Qualität übertragen lassen.
††2 Hier eignet sich nur eine Amplitude Shift Keying (ASK) Modulation. Diese Zwischenlösung ist allerdings problematisch, weil bei
schlecht abgeglichenen Stereo–Dekodern das Datensignal als Störung zu hören sein könnte.
††3 Die Kurven stellen zunächst nur den Beitrag durch das Rauschen dar. Für die zusätzlichen Störungen durch Mehrwege–Empfang
Anzeige ist trotzdem in Betrieb. Zudem kann das Summensignal auch noch lauter übertragen werden, was für das „Zappen“ günstiger
ist.
Schließlich kann nach einer (angemessenen) Übergangszeit auch noch die 4. Stufe realisiert werden, bei der
im bisherigen Kanal für das Summensignal dann eine 64QAM in den Sub–Channel eingesetzt werden kann.
Da FMeXtra in jedem Fall wegen der hierarchischen Modulation in jedem Fall erst eine FM–Demodulation
im Empfänger benötigt, hat man auch hier die Probleme mit den nichtlinearen Auswirkungen der Echo–
Störungen. Für die Daten, die im MPX Spektrum bei höheren Frequenzen übertragen werden, treten diese
Störungen (weit) stärker zu Tage als für Daten, die z.B. im Bereich des Summen–Signals übertragen werden
könnten. Zusätzlich sind die höheren Frequenzen im MPX Spektrum auch noch durch eine größere Rauschlei-
stung beeinträchtigt, wie aus Abb. 8.2 hervorgeht.
9 Zusammenfassung
Es gibt verschiedene Ansätze zur Digitalisierung des analogen UKW–FM–Rundfunks. Diese unterscheiden sich
durch ihre Störwirkung auf das existierende UKW–FM Rundfunksystem und durch den Aufwand und damit
die Kosten für den Empfänger. Es kann aber dem durchschnittlichen Hörer i.a. nur schwer vermittelt werden,
weshalb er sich neue (teuere) Empfänger kaufen soll, wenn damit keine qualitative Verbesserung sondern be-
stenfalls nur eine quantitative Vermehrung von Rundfunkprogrammen zustande kommt. Wo bleibt hier eine
„Welle der Freude“?
Vorschläge wie HD–Radio führen im bestehenden UKW–Band zu nicht tolerierbaren Störungen beim analo-
gen FM–Empfang, der bislang (zumindest im mobilen Bereich) die einzige Übertragungsart mit guter Qualität
ist. Sie sind deshalb nicht kompatibel. Eine Rechnung, die kalkuliert, daß eine Verschlechterung des UKW–
Empfangs die Hörerschaft zum Kauf digitaler Empfänger treibt, dürfte nicht aufgehen.
Kompatibel zum bestehenden UKW–FM–Rundfunk sind UKW–CPM und FMeXtra, da diese keine unzuläs-
sigen Störungen bei benachbarten FM–Programmen verursachen, aber bei welchen Störungen durch Mehrwe-
geausbreitung nur aufwändig bzw. nicht zu beseitigen gehen.
Kompatibel gemacht werden kann DRM+ durch Zusatz eines Trägers (DRM+C) oder vorteilhafter durch Ein-
fügen geeigneter Dummy–Daten zur Reduktion des Crestfaktors (DRM+D). Da es sich bei DRM+ mit COFDM
um ein lineares Modulationsverfahren handelt, ist die Beseitigung von Störungen durch Mehrwegeausbreitung
einfach. Dieses Verfahren erscheint daher am besten geeignet, um den analogen UKW–FM Rundfunk länger-
fristig zu ersetzen.
Über die Ergebnisse eines Feldversuches mit DRM+ wird demnächst hier berichtet werden.
Literatur
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[25] Steil, A.; Schad, F.; Rosenbaum, M.: Abschlussbericht Vertraeglichkeit Digitale Modulation im UKW-Band,
FH Kaiserslautern, 8. November 2007
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[26] Steil, A.; Lehnert, J.; Schad, F.; Digital Radio Mondiale (DRM) mit OFDM–Technik, Vortrag beim VDE, 25.
Oktober 2007
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[27] de Boer, G.; Kupferschnmidt, C.; Bederov, D.; Kuchenbecker, H.-P.: Digital Audio Broadcasting in the FM
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[28] Kupferschmidt, C.; de Boer, G.; Kuchenbecker, H.-P.: A new DAB Scheme for the FM Band Based on Con-
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USA
[29] Rudolph, D.: Digitale Modulationsverfahren, Skript zur Vorlesung „Digitale Funk–Systeme“,
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[30] Rudolph, D.: Inter–Symbol–Interferenz & Nyquist–Bedingung, Skript zur Vorlesung „Digitale Funk–
Systeme“,
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