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Human - Design - System - 4

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Spirit und Design

Authentisch leben –

eine Einführung in das


Human Design System
This IS the Maia. It’s the Maia but it’s not for getting swallowed in.

It’s not for getting messed up in. It isn’t.

It’s for navigating through.

It’s for the journey.

It’s for the extraordinary voyage of discovery. It’s for this incredible cognitive
experience to be self-reflected consciousness on this plane at this level.

- Ra Uru Hu

Das hier IST die Maia Es ist die die Maia, [die Erscheinungswelt mit all ihren
Spielarten], aber nicht, um darin zu versinken.

Auch nicht, um sich davon durcheinander bringen zu lassen. Wirklich nicht.

Sie ist da, um durch sie hindurch zu navigieren.

Es geht um die Reise.

Es ist die außergewöhnliche Reise der Entdeckung. Es geht um diese unglaubliche


kognitive Erfahrung, ein sich selbst reflektierendes Bewusstsein auf diesem
Planeten auf dieser Ebene zu sein.
Christiane Tietze, M.A.

Spirit und Design CT


Human Design als Reisebegleiter zu dem Menschen,
der du wirklich bist – ein Unikat.
Definitiv ein Praxis- Buch

Autor: Christiane Tietze M.A.


Coverdesign: Christiane Tietze
ISBN: 9789403630694
© <Christiane Tietze> 3. Auflage für Buchhandel und Internetvertrieb
([Link] Mai 2020 1. Ausgabe 01/2019 )

Copyright Christiane Tietze


Inhalt
Hintergründe und Entstehung .................................................................................. 13
Persönliche Anwendung ........................................................................................... 22
Typen ........................................................................................................................ 28
Manifestor ............................................................................................................ 30
Der Generator........................................................................................................... 38
Der Projektor ............................................................................................................ 49
Der Reflektor ........................................................................................................ 57
Zentren ..................................................................................................................... 62
De-Konditionierung .............................................................................................. 65
Zentren, definiert ................................................................................................. 69
Zentren, offen ....................................................................................................... 83
Definition ................................................................................................................ 100
Innere Autorität ...................................................................................................... 105
Planeten.................................................................................................................. 109
Das Nicht-Selbst...................................................................................................... 116
Inkarnationskreuz ................................................................................................... 120
Schaltkreise............................................................................................................. 123
Profile und Linien.................................................................................................... 139
Kanäle – lebendige Energie .................................................................................... 168
TORE ....................................................................................................................... 205
Beziehungen ........................................................................................................... 346
Die Tore der Liebe .............................................................................................. 366
PHS – Thema Gesundheit und Umgebung ............................................................. 378
RAVE PSYCHOLOGY................................................................................................. 395
Ausblick Human Design und Arbeitswelt ............................................................... 404

5
Vorwort und Einführung

In der Welt zu sein als du selbst ist das Beste. Es gibt nichts Schöneres als das
Leben, und es ist keine Last mehr, wenn du dich dem ergibst, was du wirklich bist,
und dem Leben erlaubst, zu sein wie es ist.1

Das Folgende soll nicht einfach ein Lehr- und Erfahrungsbuch über das Human
Design System werden, ich würde dem Leser gern anbieten, es als eine Reise in die
Selbst-Annahme und vielleicht sogar Selbstliebe zu betrachten. Diese Worte
werden zwar heute viel verwandt, aber wie das so wirklich umgesetzt werden
kann, bleibt oft die Frage. Ich bin ein praktischer Mensch, ich mag Dinge, die
funktionieren. Gebe schon immer gerne das weiter, was für mich selbst hilfreich
war. Dazu gehört seit einigen Jahrzehnten die Arbeit mit der Geistigen Welt und die
Klangheilung, vor allem aber die Vermittlung von Verstehen und Verständnis
zwischen Menschen. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich im Schreiben das „du“
verwende – irgendwie erscheint es mir passender, denn schließlich sitzen wir alle
im gleichen Boot.
Ich glaube, dass Wahrheit, egal in welchem System, immer Wahrheit sein wird –
aber je nach Präsentationsform können wir sie vielleicht leichter verstehen. Daher
war ich nicht überrascht, als meine Klientin Annette, die das Human Design System
eine Weile vor mir kannte, mich darauf aufmerksam machte, dass die Spirits2 ja
Hintergründe und Zusammenhänge des Human Design in der Medialen
Beratungssitzung erklären würden. Das machte mich neugierig auf das System –
auch wenn ich Systeme eigentlich nicht mag, sie sind mir meist zu eng. Aber ich
liebe funktionierendes Handwerkszeug – Methoden, die unser Leben leichter
machen, klarer oder sinnerfüllter. Daher war dann mein Interesse geweckt. Was ich
nicht erwartet hätte, war diese tiefe Berührtheit, als ich über mich, mein ganz
persönliches Design mehr erforschte. Es war, als bekäme etwas in mir (von dem ich
nicht einmal geahnt hatte, dass es noch darauf wartet) die Erlaubnis, wirklich zu
sein wie ich bin. Und mehr noch – zu hören, dass ich richtig bin, so wie ich bin.
Indem ich so deutlich lernte, was ich bin und was nicht, konnte ich endlich die
Schönheit und Gabe in dem entdecken, was zu mir gehört. Dieses Gefühl

1 (Zitat von Ra Uru Hu, dem Entwickler des Human Design Systems, Incarnation Crosses,
Jovian Archives, 2001, S. 104-105, Übersetzung der Autorin)

2 Mein Ausdruck für die Energie der Geistigen Welt, ich gehe auf der nächsten Seite
genauer darauf ein.

6
weiterzugeben liebe ich. Es ist mir eine tiefe Freude, Verständnis und Verstehen zu
vermitteln, Kummer und Schmerzen von Menschen lindern zu helfen, indem ich
Brücken zwischen Ihnen aufzeigen und manchmal sogar bauen darf.
Und damit einher geht auch eine Einladung, die Welt als Abenteuerspielplatz zu
sehen (und ja, man kann auch mal vom Klettergerüst fallen), als eine aufregende,
zutiefst ergreifende und heilende Reise. Allem voran aber eines: Deine Reise. Nicht
die deiner Eltern, Ahnen, deines Partners oder deiner Kinder. Und das ist lange
nicht selbstverständlich, denn meist haben wir keine Ahnung, wie wir wirklich
gemeint sind, da die Welt uns so grundlegend konditioniert. Human Design hilft dir,
aufzuwachen, zu der einzigartigen Person, die nur du bist, indem es einen Blick auf
unseren wahren Kern ermöglich. Und es macht all die Illusion und Anstrengung
sichtbar, mit der wir versuchen zu sein wie die Anderen.
Natürlich sind wir alle zunächst biologische Wesen und vieles für unser Leben als
Mensch ist ähnlich. Die Informationen aus dem persönlichen Human Design Chart
bieten jedoch eine Art Landkarte für unserer Einmaligkeit. Es beschreibt die
besonderen Eigenschaften und Merkmale, die uns ganz individuell ausmachen und
hilft so, für uns erfolgreich und sinnerfüllt durch unser Leben zu navigieren. Diese
Einzigartigkeit dann ist es, die uns zum Geschenk für das Ganze werden lässt –
eben ein Unikat.

Warum ein Buch über das Human Design und Spirit, die Geistige Welt?
Es gab schon immer eine Impulskraft in mir, mich weiterentwickeln zu wollen, (dies
zeigt sich natürlich auch in meinem Human Design Chart), und so habe ich in mehr
als 30 Jahren Ausbildung viele Methoden und Techniken der Heilung und
Entwicklung studiert und vieles Wundervolles und Unterstützendes kennengelernt.
All diese Methoden seien hier geehrt! Mit ihnen durfte ich mir und anderen
behilflich sein und sie zeigten mir einen Weg, auf der Welt und mit Spirit zu sein,
denn die Sehnsucht nach dieser hochfrequenten Energie war immer da, auch wenn
ich es früher nicht so hätten benennen können. Die innige Verbindung mit der
Geistigen Welt durch meine mediale Arbeit hat mir immer wieder geholfen, mich
im Leben zu orientieren. Schon lustig, dass meine Bodenständigkeit ein Produkt der
Heilarbeit mit dem Feinstofflichen, der Geistigen Welt ist. In der Welt des
alltäglichen Miteinanders habe ich mich früher oft fremd gefühlt, so anders als die
Anderen (und ganz sicher damit falsch). Daher war dann alles, was ich über den
Manifestor im Human Design gehört habe, für mich wirklich eine Offenbarung –
denn auf einmal war ich richtig in meinem Anderssein! Wie anders wäre mein
Leben vielleicht gewesen, hätte ich das früher gewusst.

7
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz erklären, was ich mit dem Wort „Spirit“
meine. Für mich heißt es: liebevolle, klare Unterstützung von der Geistigen Welt,
dem Göttlichen, meinem/deinem Team, dem, was wir auf feinstofflicher Ebene
eben auch sind. Ich muss gestehen, es ist mir fast egal, wer da nun kommt –
wichtig ist mir, dass es Sinn macht, hilfreich ist, auch ganz praktisch für unser
menschliches Leben hier auf der Erde. Meiner Erfahrung nach ist das Ego ein
menschliches Thema, die Geistige Ebene hat keine Probleme damit, wie man sie
anspricht. 3
So wie die Quantenphysiker sagen, dass wir ohnehin nur 10 % der wahrnehmbaren
Wirklichkeit mitbekommen, lasse ich es gern offen für jeden, was er sich darunter
vorstellen mag, Höheres Selbst, Engel, Guide oder auch das Göttliche. Hauptsache,
es hilft. Die Verantwortung bleibt immer bei uns – und da kann ich klar sagen, egal
wie konkret und hilfreich die Tipps in einer Medialen Beratung oder einer Human
Design Analyse sind – sie nehmen niemals dem Fragestellenden die Verantwortung
für seine Entscheidungen ab. Denn wir sind schließlich hier, um zu erkunden, uns
und die Welt kennenzulernen. Genauso werden die Erkenntnisse des Human
Design nicht alle Herausforderungen in Luft auflösen, aber sie helfen, dass es
leichter wird, dass es stimmig wird, wie du dich und die Welt erlebst. Und sie
machen Raum für eine unbeschreibliche Freude: das Glück, als Du selbst in der
Welt zu sein!
Das Englische hat einen schönen Ausdruck: “leap of faith” – wörtlich übersetzt
einen „Sprung des Vertrauens“. Dazu lade ich den Leser jetzt ein: mit mir in eine
neue Art, das Leben zu betrachten, zu springen und einfach für möglich zu halten,
dass es anders sein könnte, als man immer gedacht hat. Vielleicht möchte ich auch
nur meine eigene Erleichterung und Freude vermitteln – herauszufinden, dass ich
sein darf, wie ich immer ahnte, aber nicht ganz zu leben wagte. Einfach Ich.
Im Human Design wird immer wieder von der absoluten Einzigartigkeit jedes
menschlichen Wesens gesprochen und das gefällt mir. Diese Würdigung für den
Anderen. Wenn ich das ein wenig vermitteln kann, mehr Verständnis für die
Andersartigkeit, mehr Respekt, dann kommt auch viel mehr Frieden und die
Linderung von Schmerzen im Umgang miteinander.
Versteht mich nicht falsch: echt zu sein ist Arbeit. Und auch wenn alles, was ich
dazu brauche, in mir ist, kann es richtig Angst machen, all das loszulassen, was mir
immer Sicherheit gegeben hat, womit ich vermeintlich Kontrolle hatte, was mir

3 Mehr zu diesem Thema in meinem Buch „Im Kontakt mit Spirit“, erschienen im Ehlers
Verlag.

8
soziale Zugehörigkeit sichern sollte. Denn wir haben uns dieses Ver-halten ja nicht
zum Spaß zugelegt, sondern weil wir anders nicht hätten überleben können, weil
wir befürchtet oder sogar erlebt und gelernt haben, dass wir so, wie wir wirklich
sind, nicht angenommen werden. Was auch wiederum keine böse Absicht war – es
ist ein Kreis von Nicht-Selbst, in dem alle leben. Maya nennt es Ra, die Täuschung.
Daher ist die Einladung, echt zu werden ein mutiger Schritt nach dem anderen,
darauf zu vertrauen, dass ich gut genug bin, so wie ich bin. Dass ich überleben
kann, so wie ich bin. Denn im Human Design zeigt sich: nicht jeder ist zum Arbeiten
auf der Welt, nicht jeder braucht Beziehungen, nicht jeder muss Karriere machen,
nicht jeder ist hier, um Spaß zu haben oder um ernsthaft zu sein. Oder wie Ra
sagte:
„Es geht darum, ganz DU zu sein. Nichts ist zu erreichen. Befreie dich vom
Denken, du bist hier für DEINE Geschichte. Lebe die Perfektion deiner
Geschichte. Nicht jeder ist designed, nett zu sein. Manche Leute sind launisch,
emotional, provokativ, dominant, kritisch, weinerlich, nährend, niedlich,
zwanghaft, impulsiv, besessen, fokussiert oder driften…und das alles ist richtig,
denn so ist ihr [Link] von uns sind hier, um alles zu erkunden, was das
Leben zu bieten hat. Andere wiederum, um zu Hause zu bleiben, die Familie
und Freunde mit Essen und nährender Liebe zu füttern. Manche brauchen das
Abenteuer, für andere soll alles bleiben, wie es vertraut ist. Manche wissen von
Anfang an, wohin ihr Leben sie führen soll, und wiederum andere wollen alles
erleben, was es an Transformation und Veränderung geben kann. Manche
Menschen sind angenehm und umgänglich. Andere weniger. Wir alle sind
wichtig. Wir alle spielen eine einzigartige Rolle in der menschlichen Geschichte.
Und wir alle haben verdient, geliebt zu werden, für das, was wir sind.
Die Mechanik der Persönlichkeit, sogar unseres Verhaltens im Umgang mit
anderen ist ganz oft nicht persönlich, sie ist Energie, sie ist mechanisch. Aber
wir können lernen, wie wir anders mit unserer Reaktion darauf umgehen
können. Der Teil ist persönlich.“ Ra Uru Hu .

Ich bin meinem Leben unendlich dankbar, denn ich merke immer wieder, dass
gerade das Extreme, das Irrationale all meiner Gefühlserlebnisse es mir ermöglicht,
mit den Menschen mitzufühlen, mich einzufühlen, sie zu verstehen und dadurch
die passenden Worte zu finden, die bei der Heilung behilflich sind (darin findet sich
somit der Sinn in meiner Aktivierung im kollektiven Schaltkreis des Sinnfindens,
siehe Rubrik Schaltkreise – in dem es darum geht, aus eigenen Erfahrungen heraus
anderen behilflich sein zu können). Denn Menschen können sich nur einlassen,
wenn sie das Gefühl haben, dass der andere sie halten kann, verstehen kann, ohne
9
ein Urteil. Wer würde sich schon jemandem anvertrauen, der den Kopf schüttelt
und denkt „wie kann man nur?“. Einer meiner weisen Lehrer erzählte mal von
einem Anruf, wo er von einem Mann gefragt wurde, ob er auch mit Mördern
arbeiten würde. Daraufhin hat er geantwortet: „Das kommt darauf an, wen Sie
umgebracht haben. Wenn es Ihre Frau oder ein Erwachsener war, kann ich mit
Ihnen arbeiten. Nur, falls Sie ein Kind getötet haben, dann kann ich Ihnen einfach
nicht das Mitgefühl entgegenbringen, das Sie brauchen für Ihre Heilung, dann kann
ich Ihnen nicht behiflich sein.“
Heilung braucht Verstehen, Verstehen ist ein großer Teil der Heilung. Auch dabei
kann das Human Design sehr behilflich sein, denn je mehr wir begreifen, dass vieles
„betriebsbedingt“ ist, dass andere Menschen einfach aufgrund ihres So-Seins
anders fühlen oder reagieren, wird vieles leichter, der Schmerz lässt nach. Eines
meiner liebsten buddhistischen Gebete lautet: „Möge ich eine Brücke sein für all
jene, die das Wasser überqueren wollen - und möge ich jedem Lebewesen zeigen,
dass ich Anteil nehme an seinem Schicksal“. Meiner Erfahrung nach funktionieren
die folgenden Informationen oft als Brücke und vermitteln Anteilnahme und
Verständnis, daher habe ich – auf Christiane-Art – viele Informationen des Human
Design zusammengetragen und hoffe, dass es dem Leser dienlich ist. Die Einladung
ist: lass die Informationen einfach auf dich wirken, streng dich nicht an, sofort alles
zu verstehen.
Mir ist ganz wichtig, zu verdeutlichen, dass dieses System unsere absolute
Einzigartigkeit fokussiert. Auch wenn es gewisse Dynamiken aufzeigt, geht es nicht
darum, zu vereinheitlichen, sondern darum, Mechanismen aufzuzeigen, die - wenn
sie uns bewusst sind - helfen, immer mehr wir selbst zu sein. Berechenbar,
vorhersagbar ist unser so genanntes Nicht-Selbst, eben das, was wir nicht sind, was
uns in unserer Offenheit prägt und konditioniert. Das zu erkennen und zu trennen
bringt Freiheit und Authentizität. Falls du dich fragst, ob zwei Menschen, die genau
das gleiche Geburtschart haben, auch genau gleich sind – definitiv nicht.
Denn schon vom ersten Augenblick an werden wir durch unsere Umwelt
beeinflusst und konditioniert.4
Das Human Design System ist unendlich komplex, führt in immer tiefere Ebenen
des Verständnisses und schafft es dennoch, selbst bei oberflächlichstem
Kennenlernen schon hilfreich zu sein. Auf mich wirkt es oft so, als wenn die
Informationen helfen, Dinge zusammenzuführen. Es gibt diesen „Aha“ Moment des

4 Selbst bei Zwillingen, die bis in die Tiefenstruktur das gleiche Design hätten, entstehen
Unterschiede – dann ist einer „der Erstgeborene“, oder „guckt genau wie Opa“.

10
Verstehens – oder des sich „oh ich bin ja doch richtig, so wie ich bin“-Verstanden-
Fühlens.
Ich möchte dir meine Sichtweise und mein Verständnis anbieten, so objektiv wie
möglich, aber natürlich auch geprägt durch eben meine Weise, in der Welt zu sein.
In den nun fast 40 Jahren meiner Heil- und Ausbildungsreise ist mir wirklich kein
anderes System begegnet, dass sich in immer tieferen Ebenen erschließt und
wahrscheinlich noch viele weitere Erkenntnisse zu bieten hat. Zu mir: Ich bin ein
emotionaler Manifestor, Profil 2/4 im rechten Inkarnationskreuz der
Durchdringung – und bei diesem Inkarnationskreuz geht es darum, intuitive
Erkenntnis dessen zu haben, was für sich selbst und andere gerade richtig ist.
Intuitiv zu hören auf die Stimme von Spirit/Gott und diesem intuitiven Wissen zu
folgen. Ich übe.
Ich liebe es besonders, wenn sich Menschen durch ihr Design verstanden fühlen,
ermutigt und unterstützt. Wenn sie z.B. Partner und Kinder besser „sein lassen“
können, weil sie erkennen, dass so vieles, woran sie gelitten haben, mechanisch ist
und nicht persönlich. Ganz wichtig: nicht etwa das System soll uns etwas
überstülpen, sondern es dient uns - wie eine Übersetzung für Informationen, die
behilflich sein können. Der Mensch in seiner Einzigartigkeit ist es, um den es geht.
Daher mein Rat: probier einfach aus, ob es passt für dich! Eigentlich sind all diese
Informationen für unsere Kinder und Enkel, damit sie gar nicht erst verbogen
werden durch Systeme, die nicht passend für sie sind. Damit sie nicht wie wir heute
erst all den Mist von 20/30/40/50 oder 60 Jahren aus unserem System bereinigen
(dekonditionieren) müssen, sondern eine Chance bekommen, ein Leben als sie
selbst zu führen.
Im Folgenden ein paar Beispiele – um zu verdeutlichen, was ich meine.
Wichtig: ihr müsst nicht verstehen, wie die Design-Dynamiken wirken, das kommt
später im Buch. Bei den Geschichten geht es mir nur darum, ein Gefühl für den
Nutzen einer Kenntnis der Designs zu vermitteln.
Thomas und Nele geben zusammen Kurse und reisen dafür häufig, wohnen aber
nicht zusammen. Was immer zum gleichen schmerzhaften Szenario führte. Sie
planen, um zehn Uhr loszufahren. Sie ist fertig, hat alles gepackt und vorbereitet,
was beide zum Arbeiten brauchen. Aber es erscheint kein Thomas. Auch geht er
nicht ans Telefon. Frühestens um zwölf, halb eins kommt er dann, völlig gestresst
und verschlossen, gibt keine Erklärung für seine Verspätung.
Die Folge: Nele fühlt sich ungerecht behandelt mit all ihrer perfekten
Vorbereitung, ungesehen unwichtig, ungeliebt, verletzt. Was nicht dazu beiträgt,
in guter Stimmung zu reisen. Sie streiten, sie weint, er macht sich innerlich nieder

11
und wird am Ende verletzend. Beide suchen nach Lösungen, Erklärungen, aber
nichts hilft wirklich.
Heute wissen beide: nichts davon war persönlich. Thomas hat eine offene Wurzel,
das Thema Termine, Zeitmanagement, Stress – alles ganz furchtbar für ihn, wenn
er damit in Kontakt kommt. Neles Wurzel ist definiert, sie kann gut mit dem Thema
Zeit und Termindruck umgehen. Und so war ihm auf den letzten Drücker (ja Druck,
die Wurzel ist ein Druckzentrum) alles eingefallen, was er noch machen musste.
Nach einer durchwachten Nacht (ein Termindruck - er kann nicht schlafen) fällt ihm
dann ein paar Minuten vor der Abreise alles ein: ich muss noch waschen, Wäsche
trocken, zur Bank, die Treppe putzen etc. etc. Dann das Telefon, noch mehr Gefühl
von Druck, denn er weiß ja, ich bin wiedermal zu spät. Also: vermeiden.
Natürlich passt so etwas dann auch immer auf die verletzten Muster der anderen
Seite – lernen müssen beide. Doch seit sie das Human Design kennen, ist zumindest
das Zeitmanagement kein Thema mehr. Allem voran wissen beide: Es ist nicht
persönlich! Es ist eine Mechanik, eine neutrale Energie. Praktische Unterstützung
für die offene Wurzel ist das Erstellen einer Liste mit Aufgaben, das nimmt Druck
raus, lagert ihn zumindest teilweise aufs Papier aus. Es hilft, sich die Zeit
einzuplanen, zu der man aus dem Haus gehen muss (statt: wann muss ich da sein,
da kommt der offenen Wurzel leicht was dazwischen). Und das Wichtigste: nicht
persönlich nehmen. Und wenn er wieder mal später dran ist (was viel seltener
geworden ist) grinst sie nur: offene Wurzel halt.
Oder meine Klientin Nadine K. , selbst ein sehr offener Projektor, bei der Wurzel
und Milz definiert sind, mit ihrer Tochter Clara, ein Projektor mit offener Kehle,
offenen Emotionen, offener Milz und natürlich als Projektor einem offenen Sakral –
was bedeutet: hier nimmt Clara die Energien der anderen auf, verstärkt und
übertreibt sie. Das Problem der Familie beginnt, wenn Clara aus der Schule kommt,
denn dann geht der akustische Überfall los: die Kleine redet und redet und redet,
hüpft herum, nervt alle sie noch so sehr liebenden Menschen (und redet und redet
noch mehr) und klebt dabei an Mama wie eine Klette. Und natürlich, bei aller
Liebe, versuchen alle in der Familie irgendwann, sich ihr zu entziehen, und Clara
ist unglücklich. Durch die Infos aus Claras Design jedoch klappt es nun viel besser.
Die Mutter fragt Clara, wenn sie aus der Schule kommt, gezielt nach ihrem Tag
(Hintergrund: die offene Kehle muss gefragt werden, dann mag man gern hören,
was sie sagt.) Dann geht die Mutter mit dem Kind im Wald spazieren (das offene
Sakral muss all die in der Schule aufgenommenen Generator-Schwingungen, der
Solar Plexus all die Emotionen loslassen und sich entleeren) und der Wald tut auch
der offenen Milz total gut, dann muss es nicht Mutters definierte Milz sein. Wenn
sie dann nach Hause kommen, ist Clara ruhig und entspannt – eben so, wie sie
eigentlich ist. Und die Familie kann das Familie-Sein auch genießen.

12
Ich hoffe, ich kann so zeigen, dass das Human Design wirkliche Lebensqualität
vermitteln kann. Natürlich tragen wir „irgendwie“ alles in uns, und so ist es
manchmal schwierig, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich z.B. offene
Emotionen anfühlen, denn wenn jemand sehr sensitiv ist, spürt er auch mit
definierten Emotionen sehr stark, wie sich sein Gegenüber fühlt und wird vielleicht
auch darin beeinflusst. Wir alle haben grundsätzlich mit allen Themen des Mensch-
seins zu tun. Mir geht es darum, die individuellen Aspekte zu beleuchten,
Hilfestellungen und Inspirationen zu geben – damit du es lieben kannst, wirklich du
selbst zu sein.

Hintergründe und Entstehung

Was ist Human Design und woher kommt es? (für alle, die lieber sofort
“einsteigen” möchten – ab Seite 23 wird´s persönlich)
Hier eine kleine Zusammenfassung über die Entstehungsgeschichte dieses noch
recht jungen Systems: Ra Uru Hu , geb. 1948 in Kanada als Robert Allan Krakower,
kam aus bürgerlichem Elternhaus, studierte zunächst Kunst, später arbeitete er als
Herausgeber im Medienbereich. Doch all das erfüllte ihn nicht wirklich, 1983
wanderte er aus und landete schließlich in seinem Paradies - Ibiza. Dort hat er viel
Zeit allein verbracht, sich bewusst von den Menschen zurückgezogen. 1987 kam
dann in einem eindeutig medialen Erlebnis in einer Durchgabe über einen Zeitraum
von acht Tagen und Nächten das Human Design System zu ihm, das er umfassend
niederschrieb. Es widerstrebte ihm zunächst sehr, eine „Lehre“ zu verbreiten, er
rang damit und ging sogar so weit, seine Unterlagen zu verbrennen, aber zu diesem
Zeitpunkt hatte ein Schüler schon Kopien angefertigt. Die nächsten fünf Jahre
prüfte und studierte Ra die Unterlagen und Informationen und erklärte sich dann
1992 bereit, die Lehre von der Mechanik des Lebens weiterzugeben, was er bis zu
seinem Tod 2011 weltweit getan hat. In einer faszinierenden Mischung aus der
westlichen Astrologie, Informationen aus der indischen Chakrenlehre und der
Kabbala, in Bezug gesetzt zu den 64 Hexagrammen des I GING, mit Berechnungen
aus der Astronomie, Physik, Biochemie und Genetik (64 Aminosäuregruppen)
entsteht ein hochkomplexes System (das durch ein Computerprogramm
ausgewertet wird) mit beeindruckender Tiefe. Man kann das HD jahrelang
studieren und lernt immer wieder neue Ebenen kennen, es bleibt spannend. Daher
als erstes der Rat des Entdeckers Ra an alle, die sich mit dem System befassen :

13
„Don’t believe a thing I tell you, try it for yourself“ (Glaub kein Wort, das ich sage
– probier es selber aus.) 5
Für den einen oder anderen, der einen Namen wie „Ra Uru Hu“ befremdlich
findet – hier einfach die Einladung, sich dadurch nicht von etwas so Hilfreichem
abschrecken zu lassen. Der Name wurde ihm übermittelt mit der Bedeutung „The
Doorcloser“ – derjenige, der die Tür schließt. Das Besondere ist, dass das Human
Design System selbst absolut logisch aufgebaut ist und Ra lud immer wieder ein,
nicht ihm einfach nur zu glauben, sondern selbst die Erfahrung zu machen. Es geht
um nichts Geringeres als Dein Leben – als Du selbst. Es ist kein Dogma, keine
Religion, keine Glaubensfrage – es hat nur einen einzigen Sinn: das Angebot, du
selbst zu sein, echt zu sein, authentisch deine Gaben, dein Leben zu leben. Die
verwandten Begrifflichkeiten helfen, das Unfassbare greifbar zu machen,
handhabbar, um über das Verstehen der Mechanik Freiheit und Offenheit zu
finden.
Die Welt, wie sie wirklich ist, werden wir alle sicher nie kennenlernen, dafür sind
unsere Sinne zu begrenzt. All das, was wir so selbstverständlich für unsere – auch
noch gemeinsame – Realität oder gar Normalität halten, ist der amüsante Versuch,
mit einer Wahrnehmungsspanne von höchstens 10 % beschreiben zu wollen, was
ist. Die Vergleichszahlen von bewusster und unbewusster Wahrnehmung sprechen
eine deutliche Sprache – da stehen sich 40 Bit Eindrücke im Bewussten und 20
Millionen Bit im Unbewussten gegenüber, hinzu kommen Schätzungen, dass die
wirkliche Menge aller potentiell wahrnehmbaren Informationen sich auf 40
Milliarden pro Sekunde beläuft. Rund 98 % unseres alltäglichen Tuns läuft
unbewusst ab.
Eines der großen Geschenke, die durch das Human Design kommen, liegt darin,
dass es uns die unbewussten Bereiche greifbar macht, berührbar, wie eine
Landkarte durch ein unbewusstes Land führen hilft. Wir können beobachten,
kennenlernen. Es gibt uns einen Schlüssel jenseits des Bewussten, wir können die
Wirkung beobachten und uns näher kommen. Es vermittelt einen Zugang, der
sich beobachtend überprüfen lässt.
Auf den ersten Blick ist es vielleicht eine merkwürdige Vorstellung, dass ein so
mathematisch-astronomisch-physikalisches System aus gechannelten
Informationen entstanden ist. Aber wer weiß schon, wie unsere Genies der
Vergangenheit an ihre weltverändernden Ideen kamen? Quantensprünge scheinen
ja immer zunächst ein wenig „abgefahren“. Und wie ich in der medialen Arbeit

5 Ra Uru Hu and Lynda Bunnell, The Definitive Book of Human Design, The Sciene of
Differentiation, HDC Publishing, 2011, Vorwort).

14
sage: Wer kann schon mit Sicherheit wissen, woher die so hilfreichen
Informationen, die empfangen werden, letztendlich kommen, ob vom eigenen
weisen Anteil, unserem Höheren Selbst, oder von der Geistigen Welt, dem
Göttlichen? Wichtig ist, dass es Sinn macht, hilfreich ist. Und niemand hat häufiger
als Ra selbst betont, dass man doch nicht ihm oder irgendetwas glauben möge,
sondern sich selbst überzeugt!
Was also trägt zu diesem überaus komplexen System bei? Es beginnt mit dem
Neutrinostrom. Inzwischen gilt die Annahme, dass Neutrinos über eine (wenn auch
sehr geringe) Masse verfügen, als wissenschaftlich allgemein bestätigt. Für Ra
selbst war es noch eine Voraussage der Stimme, die ihm die Informationen
übermittelte. „Having mass allows neutrinos to carry information, yet they are
small enough to pass through any atomic barrier without resistance… three trillion
neutrions, and the material information they carry pass through every square inch
of our planet – and us – every second. Our sun, which is the closest star to earth,
produces about 70 percent of the neutrinos that travel through our solar system.“ 6
(Masse zu haben ermöglicht den Neutrinos, Informationen zu transportieren,
gleichzeitig sind sie klein genug, um jede atomare Grenze ohne Hindernisse zu
passieren…drei Billionen Neutrinos, und die materielle Information, die sie tragen,
durchdringt jeden Quadratzentimeter unseres Planeten – genauso wie uns – in
jeder Sekunde. Unsere Sonne, der Stern, der der Erde am nächsten liegt, produziert
rund 70 Prozent der Neutrinos in unserem Sonnensystem.)
Ra vergleicht die Neutrinos mit dem, was andere Weisheitssysteme als „Chi“ oder
„Prana“ bezeichnen, ein tiefgreifendes Informationsfeld, in dem wir leben und das
uns formt und auf das auch wir wiederum einen Einfluss haben. Die Theorie ist,
dass es vor dem Big Bang, dem Urknall schon so etwas wie eine extrem
komprimierte Masse gab. Mit dem Urknall vor rund 15 Milliarden Jahren entstand
eine Ausdehnung des Universums und gleichzeitig eine Teilung der ursprünglichen
Masse in eine Dualität: in das Yin, zu dem 6 Quarks gehören, aus denen sich Proton
und Neutron bilden und das Yang, reine Energie mit 6 Leptonen, die sich wieder in
3 Typen von Elektronen und 3 Typen von Neutrinos teilen. Diese Neutrinos sind die
im Universum am häufigsten vorkommenden Teilchen. Sie werden von den Sternen
produziert und da uns die Sonne am nächsten liegt, kommen 70 % der Milliarden
Neutrinos, die jede Sekunde die Erde durchströmen, von der Sonne.
Daher kommt unserem Sonnentor, der Zahl ganz rechts oben auf deinem Chart
eine ganz besonders große Bedeutung zu, fast wie ein Prisma, das alles andere

6 The Definitive Book of Human Design, The Science of Differentiation, Lynda Bunnell und Ra Uru Hu,
HDC Publishing 2011 , S. 20). Übersetzung der Autorin

15
„einfärbt“. Jene vor dem Urknall existierende Masse nennt die Stimme, von der Ra
die Informationen erhielt, das Yin-Ei, das sich mit der Ausdehnung nach dem
Urknall in verschiedene Kristalle teilte. (Die Stimme nennt das die Empfängnis des
Universums. Somit wäre unser Universum ein einziges, heranwachsendes, noch
ungeborenes Wesen). Alles Leben trägt diese Bewusstseinskristalle in sich. Wobei
klar ist, es sind nicht wirklich „Kristalle“. Man könnte sie auch als stabile
Frequenzen beschreiben – aber das Wort hilft, sich die Wirkungsweise
klarzumachen.
Im Augenblick der Empfängnis tritt der Designkristall
mit dem in ihm noch eingebetteten Magnetischen
Monopol in den Embryo ein. Wenn rund drei
Monate vor der Geburt der Neokortex des Embryos
voll entwickelt ist, wird über die
Schwingungsfrequenz des Magnetischen Monopols
der Persönlichkeitskristall über Resonanz ins System
gerufen. Dieser wird zum Zeitpunkt der Geburt
durch die Informationen des Neutrinostroms mit
seinem endgültigen Imprint versehen.7
Der Kristall der Persönlichkeit, die über den Yang Kristall transportiert wird,
befindet sich im Kopfbereich, direkt über dem Scheitel – im obersten Zentrum der
Körpergrafik. In ihm liegt all das, was du denkst, zu sein.
Leider denkt es das nur, denn eigentlich ist er nur der Passagier des Fahrzeugs, des
Körpers. Hier liegt unsere Sichtweise aufs Leben, der Erfahrungswunsch der Seele.
Eben unsere persönliche Seite. Wir alle haben sehr unterschiedliche Arten, auf das
Leben zu blicken (siehe letztes Kapitel PHS und Rave Psychology).
Der Kristall des Designs, der die Biogenetik deines Körpers, deine physische Form
mit allen Eigenheiten und Bedürfnissen bestimmt, befindet sich im Ajna-Zentrum,
dem zweiten Zentrum von oben. (Physisch gesehen zwischen den Augenbrauen). Es
wird als Fahrzeug beschrieben, das Form- Bewusstsein. Als Träger unsers
Lebenssinns, der Person, die du in diesem Leben sein kannst. Hier finden sich
Verbindungen zu unserer Herkunftsfamilie, der Blutlinie.

7 Es zählt der Moment, in dem das Baby vollständig den Körper der Mutter verlässt, dieser gibt die
richtige Geburtszeit wieder.

16
Um das Verhältnis dieser beiden Kristalle deutlicher zu machen, benutzt Ra das
Beispiel-Bild eines Autos. Der Korpus des Autos ( das „Fahrzeug“) ist unser Design.
Der Fahrgast ist die Persönlichkeit. Der Fahrer des Ganzen ist eine dritte
Komponente: Das Magnetische Monopol. Über zwanzig Jahre nach der
Information durch die Stimme wurde es durch Wissenschaftler am Helmholtz
Zentrum Berlin bestätigt8 . Es befindet sich im Brustbein, dem sogenannten G-
Zentrum oder auch Selbst und erfüllt gleich zwei Aufgaben: Die Erste ist, uns in
der Illusion einer Dualität, in dem Gefühl des Getrenntseins von der Welt und von
einander zu halten. Hierfür verwendet Ra das Wort der indischen Yoga-
Philosophie: Maya. Dort gilt die Maya als ein Schleier, als eine Verwirrung des
Geistes und der Sinne, der uns von der eigentlichen Leere, dem Ungeformten, dem
All-einen trennt.
Durch das Magnetische Monopol bleiben Design- und Persönlichkeitskristall
zusammen wie in einer Ehe9. (Da die meisten Menschen in ihrem Leben ja immer
wieder mit dem Gefühl des Getrenntseins und der Suche nach der Einheit
konfrontiert sind, mag es helfen, sich zu verdeutlichen, dass dieses Thema schon in
unseren Zellen, der Urprogrammierung, mit angelegt ist als ein Thema des
Mensch-seins. Unser Umgang damit zeigt unsere Entwicklung).
Als zweites bringt es uns in eine stabile Raum-Zeit Verbindung. Es führt uns auf
unserem Weg, es lenkt durch Anziehung, es kennt sich aus in der Geometrie
unseres wahren Selbst. Somit bleibt dem Passagier eigentlich nur ein entspanntes
Zuschauen - enjoy the ride, genieße die Reise – wie viele Weise sagen und genau
das ist es, wozu dieses Bild einlädt. Denn der Teil von uns, mit dem wir uns
identifizieren, die Persönlichkeit – hat leider überhaupt keine Ahnung, wer wir
wirklich sind und wohin es geht. Er darf beobachten. (Auch der
Wissenschaftsphilosoph Jörg Starkmuth schreibt 2007 über die Begrenztheit
unseres in unserer Zeit so dominanten Verstandes:„Unser Denksystem kann
Informationen nur analysieren und verknüpfen…“10

Worauf können wir uns dann verlassen? Auch das ist eingebaut und führt zu dem
zentralen Thema des Human Design– unsere Strategie und unsere innere Autorität.
Es geht nicht darum, aus unserem Leben auszusteigen, wir sind menschliche

8 4. Sept. 2009 [Link]


9 Ra Uru Hu and Lynda Bunnell The Definitive Book of Human Design, The Sciene of
Differentiation, , HDC Publishing, 2011, S. 22

10 Jörg Starkmuth, Die Entstehung der Realität, 2007, Bonn, S 266).


17
Wesen. Aber wir dürfen das Ganze beobachten lernen, ohne es als die einzige
Wahrheit zu sehen. „Lerne, dich von deinem Verstand zu dis-identifizieren.“ lehrt
auch Eckardt Tolle in seinem Buch Jetzt und lädt ein, Zeuge des eigenen Denkens zu
werden. Er empfiehlt, auf den Körper zu achten und einfach anzunehmen, was ist,
zu beobachten. Und dafür gibt uns das Human Design einen „Anpack“, einen Weg,
mit dem Ungreifbaren und doch so Wirkung-habenden umzugehen und wir selbst
zu werden – in der Maya und vielleicht dann irgendwann im Erwachen daraus.
Doch wie entsteht nun das Schaubild, das Rave Mandala? Hier eine kleine
Aufschlüsselung, wie die Informationen sichtbar gemacht werden.

Im äußeren Ring siehst du die 64 Hexagramme des I-Ging, die mit den 64 Codons
der DNS in Verbindung stehen, immer gehören 6 Aminosäuren zu einem Codon –
genauso die 6 Linien eines Hexagramms, die immer entweder aus unterbrochenen
Yin-Linie und durchgehenden Yang Linien und ihren Kombinationen bestehen. Alles
trägt eine sehr spezifische Information je nach seiner Position im Ring des
Mandalas. Insgesamt gibt es im gesamten Ring der 64 Hexagramme 384 Linien
(interessant hierzu die Arbeit von Watson und Crick, die schon Mitte des 20.
Jahrhunderts eine Verbindung von DNS-Strukturen und der Repräsentation der
Energien im I-Ging untersuchten). Im Rad zugeordnet geben sie tiefgreifende
Information über die Ausrichtung der Energien. Hier setzt die Interpretation der
Informationen für das Bodygraph (Chart) an.
Im inneren Ring (welcher lediglich der Berechnung dient) stehen die astrologischen
Informationen, der 360 Grad Kreis zeigt die 12 Sternzeichen der westlichen
Astrologie, jedes Zeichen nimmt 30 Grad ein. Das Informationsfeld der Sterne im
Neutrionostrom berührt auf seiner „Reise“ zu uns die Planeten. Es kommuniziert
mit ihnen und ihrer spezifischen Energie. So wird dann z.B. ein Teil durch die Venus
„imprägniert“, ein anderer Aspekt durch den Mars. Dem Human Design eigen ist
eine zweite Berechnung mit Bezug auf den Geburtspunkt: das Design – das 88

18
Grad, somit rund drei Monate vor der eigentlichen Geburt liegt. Es gibt Aufschluss
über die Körperlichkeit des Menschen in der Welt und zeigt, wie andere ihn sehen
und wahrnehmen. (Natürlich ist in der Entwicklung dieser körperliche Teil zuerst
da, mit der Berechnung können wir ihn jedoch erfassen und beschreiben).
Bringt man nun die 384 Linien des äußeren Rings mit den 360 Grad des Inneren
Ringes überein, kommt jedem Hexagramm ein Bogenstück von 5 Grad, 37 Minuten
und 30 Sekunden zu. Diesen Bogen beschreibt Ra als die Zeit der Prägung, ein
Planet berührt und färbt die Energie auf besondere Weise über den Neutrinostrom
ein. So entsteht die Matrix, die Blaupause unseres Seins. Über die Berechnung des
Winkels von 88 Grad vor diesem Moment entsteht die ebenso aussagekräftige
zweite Form – das Design mit seinen spezifischen, durch die Planeten geprägten
Energien. Aus diesem 88 Grad Winkel ergibt sich auch die so unterschiedliche
Verteilung der Profile.
Im Inneren des Kreises gehend werden die Informationen anhand des altindischen
Chakra-Systems sichtbar gemacht. Das traditionelle System wies nur 7 Chakras auf,
es gibt jedoch Hinweise, dass seit fast 240 Jahren (1781 entdeckte Herschel den
Uranus) neue Frequenzen, ein neues Bewusstsein und eine weiterentwickelte
Energieform unser System veränderten, daher arbeitet das Human Design mit 9
Zentren. Diese sind dem Lebensbaum der Kabbala verbunden und so zeigt sich der
Energiefluss im System. Die Energiebahnen sind in Form von Kanälen sichtbar
gemacht und verbinden die neun Zentren, jeder dieser Kanäle bringt eine völlig
unterschiedliche Kraftausrichtung mit.
Es folgt eine Übersetzung der Hexagrammlinien in die sogenannten Tore innerhalb
der Zentren, die wiederum, wenn zwei sich gegenüberliegende Tore aktiviert sind,
einen sogenannten Kanal formen, der dann die Zentren aktiviert und definiert.
(siehe auch Chart Erklärung ab S. 23). Alle Komponenten interagieren mit anderen
– und so kommt eine faszinierende Dynamik in Gang. So wirkt z.B. ein Tor, das dem
eigenen gegenüberliegt in einem anderen Menschen für uns ausgesprochen
attraktiv, kommt eine solche Begegnung zustande, spricht man von „Elektro-
magnetik“, der Funke springt über. Mehr dazu im Kapitel über Beziehungen.
Warum sehe ich rote und schwarze Striche in meinem Chart?
Vielleicht hast du auch schon selbst bei dir oder bei anderen gespürt: die Art, wie
du dich siehst, unterscheidet sich von der Art, wie Andere dich sehen. Hier am
Beispiel von Klaus verdeutlicht: In der Mitte ist das komplette Chart von Klaus, das
Quantenfeld aus Persönlichkeit und Design, so wie du es auf deinem Ausdruck
siehst. Es stellt die Verbindung aus den Aktivierungen (Toren) der
Persönlichkeitsseite und der Designseite dar, Ra nennt es das „Quantum“. Das ist
das Bild, aus dem wir zunächst die Informationen ablesen. Links davon in rot ist
Klaus so, wie andere ihn sehen. Ganz rechts das Bild, das Klaus selbst von sich hat.
19
Klaus, wie andere ihn sehen Gesamtes Gelebtes so sieht Klaus sich
Unbewusst für ihn selbst

Klaus Problem ist, dass er keinen bewußten Zugang zu seinen Fähigkeiten findet,
auch wenn Andere sie in ihm erkennen. Das ganz rechte Bild zeigt seine
Selbstwahrnehmung, die Persönlichkeit. Alle Zentren sind hier offen, Klaus weiß
nicht wirklich, wer er ist und was er kann. Auch seine große Kraft ist ihm nicht
bewusst, denn er kann sie nicht beobachten. (Achtung, das bedeutet nicht, das
Klaus in der Persönlichkeit ein Reflektor ist, ein immer wieder missverstandener
Aspekt. Die Bezeichnung der Typen bezieht sich ausschließlich auf das Komposit).
Das linke Bild zeigt das Design, die unbewussten Aspekte von Klaus und gibt
Aufschluss darüber, wie andere Menschen ihn sehen (=als emotional, immer
wieder in romantische Abenteuer verstrickt, die meist in Krisen enden (Kanal 35-
36) aber auch als jemand, der etwas Besonderes ist, einer der immer gern Erster
sein möchte - und Andere immer wieder schockiert; sie dabei – eben auch völlig
unbewusst – auf eine neue Ebene bringen kann, sie sehen den Schamanen in ihm
– und er arbeitet in der Tat intuitiv schamanisch. Eine weitere Facette ist der
Familienmensch, der Regeln für das Zusammenleben in seinem „Stamm“ aufstellt .
Dazu mehr in den Kapiteln über die Kanäle und Schaltkreise. Das alles sind Rollen,
von denen er keine Ahnung hat, wieso man sie ihm zuschreibt. Die anderen sehen
seine Kraft – er nicht. Sein eigenes Gefühl ist: das Leben geschieht mir. Er stolpert
von einem Erlebnis ins nächste, ohne es mitzubekommen und fühlt sich als
unschuldiges Opfer. Erst im Rückblick kann er meist verstehen, was geschehen ist.
Das Problematische für unser Erleben ist, dass wir fest glauben, diese oder jene
Persönlichkeit zu sein, mit diesen Eigenschaften identifizieren wir uns, so denken
wir zu sein. Die Informationen links, im Design, sind uns nicht zugängig, es heißt ja
nicht umsonst „unbewusst“. Ra vergleicht dies mit einem Tunnel, in dem wir nichts
beobachten können, wir sehen nur von außen, was wieder am Ende des Tunnels
20
herauskommt. Sollte z.B. bei dir das Sprechen im Unbewussten aktiviert sein, so
weißt du vorher nie, was du sagen wirst – du hörst es erst beim Sprechen.
Wenn wir dafür offen sind, lernen wir im Laufe unseres Lebens diese unbewusste
Seite immer besser kennen, wir werden nur nie Kontrolle über sie haben. Peter
Schöber vergleicht sie mit einem für uns unsichtbaren Mitbewohner - wir erkennen
seine Anwesenheit nur an den Spuren, die er in der Wohnung hinterlässt. Und
meist haben wir beide, mein Mitbewohner und ich, nichts miteinander zu tun –
Persönlichkeitskristall und Designkristall sind nur für dieses Leben Partner, zur
Erfahrung zusammengebracht. Im besten Fall lässt der eine den anderen in Ruhe.
Wenn es nicht so gut läuft, wird oft der Designteil in uns die Pläne der
Persönlichkeit durchkreuzen. Unser Selbstbild ist allemal nicht objektiv, denn ich
kann davon ausgehen, dass ich nicht zu allem in mir bewussten Zugang habe – auch
eine spannende Erkenntnis.

Deshalb ist das Befolgen unserer inneren Autorität und Strategie so wichtig, denn
sie gilt für beide, kann zu der stimmigen Haltung führen. Sie bringt Harmonie in die
so unterschiedlichen Bereiche von Persönlichkeit und Design, so kann die
Verbindung unserer Dualität gelingen und in dem enden, worum es eigentlich
zutiefst die ganze Zeit geht: Selbst-Liebe. Annahme dessen, wie ich bin, was in mir
wirkt. Ein auf-sich-selber-hören-lernen, bei sich sein.
Weisheit entsteht, indem wir beobachten, und die Schwingung sich verändern darf.
Annehmen, was ist. Dann lösen sich die Widerstände auf und aus dem Gefühl, ein
Opfer zu sein, wird Freiheit. Für Klaus hat sich seit dem Reading viel verändert,
allein schon über das Gefühl, richtig zu sein, über besondere Fähigkeiten zu
verfügen, auch wenn er sie nicht ganz fühlen kann. Ein Vergleich mit Jason Bourne
half: Der Film handelt von einem Geheimagenten, der durch einen Unfall sein
Gedächtnis verliert und im Alltag nach und nach entdeckt, dass sein Körper über
beeindruckende Fähigkeiten verfügt; auch wenn er keine Ahnung hat, wie er sie
erlernt hat, nimmt er sie an und bewirkt Gutes damit. Das steht eigentlich schon
im Thomas Evangelium: „Wenn ihr hervorbringt, was in euch ist, wird euch retten,
was in euch ist. Wenn ihr nicht hervorbringt, was in euch ist, wird euch
vernichten, was in euch ist.“
Für einen emotional offenen Menschen wird es immer so sein, dass er fühlt, was
der Andere gerade fühlt. Die Freiheit liegt im Erkennen: „Das bin ich nicht! Ich bin
auch nicht dafür verantwortlich, wie sich der Andere fühlt, ich nehme es einfach
wahr. Dann kann ich entscheiden, was ich damit anfange.“ Ra sagte, nachdem er
über 20 Jahre mit dem Human Design Erfahrungen gemacht habe, dass er in den
letzten Jahren wirklich Frieden kennenlernen würde. Dinge, die ihn (als Manifestor)
früher über Monate wütend gemacht hätten, wären nach kürzester Zeit gelöst und
21
er würde einfach nur beobachten, was es in ihm denkt und fühlt. Ohne damit
etwas machen zu müssen. Enjoy the ride. Es ist unendlich schwer für unseren Kopf
zu akzeptieren, dass er tatsächlich keinerlei Führungsaufgabe hat, sondern der
Passagier ist. Der Körper gehört zur Erde, er lebt dieses Leben, alles andere ist das
Bewusstsein, das aus der persönlichen Korrektheit entstehen kann. Korrektheit
bedeutet hier: ich folge der für mich passenden inneren Autortität und Strategie. Es
braucht Demut, dem Körper zu folgen sagt Ra, denn die Vorherrschaft des
Verstandes wird bei uns großgeschrieben. Doch in dem Moment, wo der Geist
loslassen kann und annimmt, dass er nicht die von ihm gedachte Macht hat (aber
durchaus einen anderen Wert), kommen wir zu einer Stimmigkeit mit uns selbst.
Es geht um dein Leben. Dein ganz einzigartiges Leben - denn wenn du nicht du
selbst bist, hast du kein Leben! Die meisten Menschen wissen nicht, wie
einzigartig sie sind, wie besonders. Sie glauben an ein Bild, wie „man“ sein sollte,
und vor lauter Versuchen, etwas zu sein, was sie nicht sind, verpassen sie sich
selbst dabei. Daher jetzt zum Wichtigsten:

Persönliche Anwendung
Wie kannst du all diese Informationen für dich nutzen und im Lesen des Buches
dich und andere besser verstehen lernen?
Das erste Angebot: wenn du mir eine Email mit der Angabe von Geburtstag, Monat
und Jahr sowie der Uhrzeit und dem Ort schickst, sende ich dir dein persönliches
Human Design Chart zu, kostenfrei, unverbindlich und auf Deutsch: institut@spirit-
[Link]. Oder du nutzt das Angebot von Jovian Archives, dir dein Chart selbst zu
erstellen unter [Link]/Get_Your_Chart.

Nun hast du also deine persönliche Human Design Berechnung in Bildform – aber
was sagt sie dir? Die folgenden Informationen gehören zu einer Beispielgrafik – für
eine Person geboren am 17.7.2017 um 11 Uhr. Es zeigt die grafische Umsetzung
der Geburtsdaten in ein sogenanntes Human Design Chart – einer Art Schaltplan,
der die vielschichtigen Informationen sichtbar macht. Kursiv erscheinen die
individuellen Daten für diese Person, da werden dann natürlich in deinem Chart die
auf dich zutreffenden Informationen stehen.

22
Typ: In diesem Fall „Manifestierender Generator“
Der Typ beschreibt die Wirkung unserer Energie sowie den Umgang mit anderen
und der Welt. Bestimmt unser Verhalten und unsere Seinsweise. Mehr ab Seite 29.

23
Geburtsdatum: (UTC/GMT) 18.07.2017, 09:00:54 – Angabe in auf Standard-Zeit,
sie dient nur der Berechnung
Geburtsdatum (lokal) : 18.07.2017, 11:00:54 - deine „normale“ Geburtszeit
Profil: hier: 5/1 Die Art und Ausrichtung, wie wir im Leben sind und uns zum
Leben und zu Anderen verhalten.
Definition: hier: einfache Spaltung
die „bunten“ Zentren können untereinander verbunden sein oder in zwei oder
mehr Gruppen aufgeteilt. Daraus ergibt sich die Definition.
Design Datum (UTC/GMT): 17.04.2017, 18:39:57 . Das ist eine vom Programm
errechnete Zeit 3 Monate vor der Geburt. Sie gibt Auskunft über das Unbewusste
und den Körper.
Geburtsort: Hier geht es NUR um die Zeitzone, also ob Berlin oder Zürich ist ega.
Innere Autorität: hier: emotional. Dies ist unsere innere Führung.
Strategie: hier: reagieren. So treffen wir die für uns richtigen Entscheidungen. Es
gibt unterschiedliche Strategien, je nach Typ.

Nicht-Selbst Thema: hier: Frustration und Ärger. Es entsteht, wenn man nicht der
inneren Autorität und Strategie folgt, nicht auf die innere persönliche Führung
hört. Das „Schmerzgefühl“.

Inkarnationskreuz: hier: Das linke Kreuz der Verschleierung (62/61 | 3/50) - das
Lebensthema. Info dazu ergibt sich aus den Toren, insbesondere dem Sonnentor
der Persönlichkeit, hier also Tor 62.

24
Kanal – zwei gegenüberliegende Tore verbinden sich
zu einem Kanal – und definieren die Zentren. Eine
lebendige, immer wirkende Energie. Ein Leben lang.

Tor – eine Aspekt-Aktivierung, ein


Potential, Gabe, Herausforderung.

Kanäle können aus rein schwarzen oder roten Linien bestehen oder aber eine
Mischung beider sein. Die schwarze Linie bedeutet, dass die Aspekte bewusst sind,
bzw. wir können es an uns beobachten, so sehen und erleben wir uns. Die rote
Linie bedeutet, das Thema ist uns nicht bewusst, so nehmen Andere uns wahr. Ist
ein Anteil von beidem vorhanden, ist Line rot-schwarz schraffiert.

Definiertes Zentrum – bunt. Dieses


Zentrum hat eine konsistente Kraft, so
nimmst du dich war, das ist und bleibt
vertraut. So wirkst du ausstrahlend in
die Welt.

Offenes Zentrum – weiß. Leicht zu merken, hier geht es ums


Weise-werden. Hier erleben wir die Welt und uns immer
wieder neu und anders, das ist unser Entdeckungsspielplatz.
Hier werden wir durch andere Menschen und Transite
konditioniert. Hier ist die Verlockung, unser „Nicht-Selbst“
(das, was wir eben nicht sind) zu leben sehr groß. Dann
übertreiben wir, machen die Offenheit zum heiligen Gral und
wollen gerade hier beweisen, wie kraftvoll wir sind.
25
Design (rote Zahlen und Persönlichkeit:
Linien): unbewusste (schwarze Zahlen und
Eigenschaften, so nehmen Linien) Bewusstes, so
„die Anderen“ uns wahr. Zentrum sehen wir uns.
Aufgabe: bewusst Kopf A bis
integrieren Wurzel I

A Kopf Denken, Grübeln


A Probleme anderer,
Inspiration, Geistesblitze
B B Ajna Denken, Wissen,
mentale Haltung,
Inspiration
C C Kehle – Sprechen
Handeln
D Selbst (G-Zentrum)
D
Identität, Liebe und
E Richtung, guter Ort
E Ego, Herz, Wille -
F Ziele setzen, Wille, wofür
H G „gehe“ ich, Liebe,
Selbstwert
F Solar Plexus -Emotion
G Sakral: LebensKraft,
Antrieb und Sexualität
Kanal, verbindet zwei I Tor, dargestellt als lila
H Milz Intuition
Zentren, hier z.B. Wurzel umrandete Zahl.
Gabe, Potential, (Über)leben
und Milz. Lebendige ,
Herausforderung und Körperintelligenz
immer wirksame Energie Möglichkeit. Färbung
der Zentrumsenergie
I Wurzel: Druck des
Daseins, in und auf der
Welt Sein ,
Stress, Adrenalin

Ist ein Zentrum weiß, dann gilt hier das Thema Offenheit, es geht um Erkundung, wir erleben uns immer wieder neu
und anders, hier gibt es nichts konstantes, kein „so bin ich“. Wie ein Entdeckungsspielplatz in der Welt, mit dem
Potential, Weisheit zu entwickeln. Achtung: hier werden wir durch andere Menschen und Transite konditioniert, hier
übertreiben wir, hier leben wir, was wir nicht sind! (solange es uns nicht bewusst ist).
Ist ein Zentrum farbig gefüllt, bringt es eine bestimmte Art, in der Welt zu sein mit sich. So „bin ich“, hier geht es um
eine feste Weise, in der Welt zu sein. Es ist verlässlich und vertraut .
Alles in deinem
Wenn du dasChart
erste ist
Malimmer genau
auf dein richtig
Chart so wie
(dieser es [Link]
Ausdruck Es gibt kein„besser“.
vielen Aber da wir
farbigen Zentren,
meist dazu
roten neigen,
und uns mit
schwarzen dem Planetensymbolen
Zahlen, identifizieren zu wollen, was wir
und vielen nicht mehr)
anderen sind (das NICHT-
schaust,
A SELBST,
Wenn du das erste Mal auf dein Chart (dieser Ausdruck mit vielen farbigen Zentren, Design
wie Ra es nennt), übertreiben wir in den Themen der offenen Zentren. Human
l kann helfen,
roten unddeine Form Zahlen,
schwarzen zu finden, die eigene Einzigartigkeit.
Planetensymbolen und vielen Das hilft,mehr)
anderen entspannt und öffnet
schaust,
l für das Glück, DU selbst zu sein!
26
e
s
i
n
Wahrscheinlich sieht das alles erstmal sehr verwirrend aus. Daher bitte ich um
etwas Geduld - du wirst es verstehen! Wie schon der Hirnforscher Gerald Hüther
sagt – wir können immer und alles lernen – aber es braucht dazu den persönlichen
Bezug, ein Gefühl dazu. (Sein Beispiel: Herr Müller lernt mit 88 noch fließend
chinesisch, aber nicht in der VHS, sondern mit seiner 30 Jahre jüngeren
chinesischen Freundin in ihrem Dorf, wo alle nur chinesisch sprechen).
Die erste, grundlegende Unterscheidung im Human Design ist der Typ, die
grundlegende Charakteristik deiner Energie, die Art, wie du im Leben bist. Es gibt
fünf verschiedene Typen (siehe Schaubild), die sich in der Umgangsart mit dem
Leben, in ihrer Grundenergie, sehr unterscheiden.
Dann gibt es noch deine ganz persönliche Strategie - sie passt zu der Art deiner
Energie und beschreibt eine Vorgehensweise im Leben, die dazu führen wird, dass
sich der Widerstand, die Schwierigkeiten, die wir bisher erlebt haben, drastisch
reduzieren. Das kann z.B. sein: informieren = einfach denen, die deine Handlung
betreffen wird, Bescheid zu sagen, was du tun wirst. Eine andere ist, auf das
Passende zu reagieren, dann springt der innere Motor an und ganz viel Kraft ist da.
Eine weitere Form ist, auf die passende Einladung zu warten, weil du als du selbst
gesehen und gemeint bist.
Du lernst deine innere Autorität kennen, deine einzigartige innere Führung und
Weisheit, die dich durchs Leben führen kann – auf deine Weise, so wie es für dich
stimmig ist. Hier liegt der Schlüssel zu Glück oder Leid – denn wenn wir unserer
Autorität folgen, kommen wir zu den für uns richtigen Entscheidungen! Das heißt
nicht, dass wir das unbedingt beim Lesen sofort super finden werden.

Falls du – so wie rund 50 % aller Menschen - eine emotionale Autorität hast (dann
ist der Solar Plexus, das Emotionszentrum auf der rechten Seite, definiert; siehe
Buchstabe F auf dem Schaubild, erscheint braun auf deinem Chart), dann solltest
du dir bitte unbedingt mit Entscheidungen Zeit lassen, am besten drüber schlafen,
manchmal braucht es auch viel länger. Deine Wahrheit kommt mit der Zeit, wie
eine Welle, die erst Hoch und Tief durchlaufen haben muss, um zu zeigen, was
wirklich stimmt. Sonst bereut man meist recht schnell die Entscheidung. Korrekte
emotionale Entscheidungen haben eine große Tiefe, berücksichtigen sehr viele
Komponenten, sie tragen.

Mit einer sakralen Autorität (ca. 34 %) geht es um ein „Anspringen“ für etwas, eine
Kraft, die für das für dich Richtige aktiviert wird und mit großer Ausdauer trägt.
Eine Reaktion auf das Leben, die sehr lebendig und kraftvoll ist.

27
Wenn die Milz deine Autorität (ca. 10 %) ist, gilt es, gut hinzuhören, denn sie
spricht leise, nur einmal, und direkt aus der Körperweisheit. Das ist völlig spontan,
ohne
„Hintergrundinfos“ und gilt im absoluten Jetzt. (Da schreit dein Kopf bestimmt und
will mitmischen).
Bei 1 % der Menschen gibt das Ego-Herz-Willenszentrum die Richtung. Dann geht
es darum, zu tun, was du liebst und sich selbst gut zuzuhören.
Bei der Selbst-Autorität ist es ein sanfter Sog, ein stimmiges Gefühl der richtigen
Richtung (bei ca. 3 % aller Menschen). Mit dieser Autorität ist das Selbst-Gespräch
mit dir allein die passende Form, herauszufinden, was du möchtest.
Sollte bei dir im Chart die Information „keine innere Autorität“ erscheinen, so gilt
es, sich lange Zeit zu lassen, am besten einen Monat für wichtige Entscheidungen
verstreichen zu lassen und mit vielen verschiedenen Menschen zu sprechen, ohne
jedoch ihre Haltung direkt zu übernehmen. Wichtig ist zuzuhören, was du jeweils
sagst. Zeit ist der Schlüssel. Mehr dazu auf S. 112.

Typen

Unser Typ ist die grundlegende, in der äußeren Ebene wahrnehmbare


Unterscheidungsform – auch wenn es eigentlich korrekter wäre, von dem
Energiefeld (der Aura) zu sprechen, durch die der Typ ja erst entsteht. Dieses
Schwingungsfeld um ein Lebewesen herum wirkt sich aus auf die Art, wie es mit
anderen in Kontakt treten wird und aus diesen unterschiedlichen Frequenzen leiten
sich die Grundtypen im Human Design ab.
Es gibt vier, beziehungsweise eigentlich eher fünf Typen (denn Generator und
Manifestierender Generator sind doch sehr unterschiedlich), die sich in der
Umgangsart mit dem Leben sehr unterscheiden und die eine völlig anders
funktionierende Aura und Ausstrahlung haben. Sie brauchen andere Dinge,
bringen andere Geschenke in die Welt.
Wenn sich Menschen mit dem gleichen Typ treffen, haben sie oft ein Gefühl von
tiefer Vertrautheit, fühlen sich entspannt miteinander, weil es so ähnlich ist und
man sich so verstanden fühlt. Mit jeweils anderen Typen kann das schon
schwieriger werden – aber da ich es so sehr liebe, Verständnis für Andere zu
bewirken, hier mein Versuch.

28
Wenn manche Informationen mehrfach vorkommen – das ist gewollt, die Inhalte
sind extrem komplex und so bemühe ich mich, sie von verschiedenen Seiten zu
erfassen. Ich schreibe in einer Mischung – zu dir als Mensch dieses Typus und auch
für die anderen, die gern etwas über diese besondere Art, die Welt zu erleben,
wissen wollen.
[Link] Generator ca. 37 % der 2. TYP Manifestierender 3. TYP Manifestor
Weltbevölkerung Generator Ca. 33 % ca.9%

4. TYP Projektor ca. 20 % 5. TYP Reflektor 1 %

Vorab: Ich beginne mit dem Manifestor – auch wenn nur knapp 9 % der
Weltbevölkerung diesem Typ angehören. Nicht weil er wichtiger ist, aber weil er so
grundlegend anders ist als alle anderen 91 %, wir aber in vielem so erzogen und
geprägt werden, als müssten wir die Dinge auf Manifestor-Art tun. (Gemeint ist
damit die Haltung: “Sei initiativ. Hast einen Traum, na dann geh und verwirkliche
ihn!”). Das ist richtig für Manifestoren, aber für 9 von 10 Menschen gilt: Sie haben
eine ganz andere Art, für sie ist es richtig, zu warten, bis eine Einladung des Lebens
kommt, bis sie positiv auf etwas im Außen reagieren, dann ist es stimmig und
bringt ihnen Erfolg und Zufriedenheit. Initiativ zu sein wie ein Manifestor schadet
ihnen. Daher ist das Verständnis unserer Unterschiedlichkeit so hilfreich, fördert
Achtsamkeit und Respekt im Umgang miteinander!

29
Manifestor – ca. 9 % der Weltbevölkerung
Mach dein Ding – aber sag denen, die es betrifft, vorab Bescheid
“Du bist anders und das ist richtig so”. Für viele Manifestoren ist allein schon dieser
erste Satz unendlich heilsam. Denn “anders” haben sich die meisten ein Leben lang
gefühlt - und vielleicht immer wieder gedacht, es bedeutet gleichzeitig auch
„falsch“. Um das ganz zu verstehen, muss man sich die Aura eines Manifestors
ansehen – sie ist geschlossen, sogar abweisend. Das hatte in vergangenen
Jahrhunderten gute Gründe, evolutionär war es die Aufgabe dieses Typus, den Weg
für Neues freizumachen, etwas zu bewegen, eine unbeeinflussbare Kraft zu sein.
Diese Zeiten sind vorbei, das gemeinschaftliche Führen tritt in den Vordergrund.
Das allein macht es schon schwer für den Manifestor, seinen Platz im
gesellschaftlichen Ganzen zu finden.
Ein Manifestor ist ein Initiator. Ein Macher. Der einzige Energietyp, der einfach aus
sich heraus losgehen und Dinge in Gang bringen kann. Wichtigstes Anliegen, sein
innerster Kern ist, eine Auswirkung haben zu wollen. Manifestoren bewegen,
haben Effekt. Ihre Aura ist geschlossen, ihre energetische Wirkung, ihre Energie
geht dynamisch nach vorn. Was ein Manifestor sagt oder tut hat Wirkung. (Egal wie
sanft du es sagt, es hat einfach energetischen „Wumms“). Und man bedenke: Es
mag toll klingen, initiieren zu können. Aber dabei ist der Manifestor immer alleine,
muss wagen, riskieren, sichtbar sein. Re-agieren ist einfacher, denn das gibt
zumindest ein wenig Sicherheit – die hat der Manifestor nicht.
Ich schreibe oft er, der Manifestor. Aber natürlich meint es auch alle
Manifestorinnen, denn gerade für die Frauen ist es eine doppelte Herausforderung,
Manifestor zu sein, ihre Weiblichkeit - das Yin - mit der Dynamik und dem Yang der
Manifestorenergie im Leben zu verbinden. Aber die Manifestorenergie ist auch für
sie die Basis und der Schlüssel für das Verhalten (natürlich in Kombination mit
Strategie, Autorität und Profil) – was es sicher nicht einfach macht.
Es heißt, früher waren Manifestoren Könige und Hohepriester, sie fallen auf, haben
Fans, werden bewundert oder gehasst. Natürlich ist die Welt heute anders, es soll
nur den Effekt der Energie nahebringen, denn ein Manifestor kann einfach, bei aller
Freundlichkeit, diese unnahbare Qualität in seinem Energiefeld haben, und es hilft,
diese zu verstehen. Diese Energie kann einschüchtern. Ihre Unabhängigkeit und die
Fähigkeit, Dinge in Gang zu bringen, macht sie wahrlich beeindruckend, aber auch
unberechenbar und unkontrollierbar – was wiederum zu Angst beim Gegenüber
führen kann. Diese verstehen die Energie falsch, glauben, der Manifestor will alles
kontrollieren – dabei will er nur sein eigenes Ding machen, eine Wirkung haben,
ohne dass ihm jemand im Weg steht. Daraus resultiert die wichtigste, ja fast einzige
Strategie, die ein Manifestor wirklich beachten muss: zu informieren. Jene, die

30
durch seine Handlungen und Entscheidungen betroffen sind, in Kenntnis zu setzen.
„Achtung, ich werde jetzt gleich handeln“. Damit der Andere – falls nötig - aus dem
Weg gehen kann. Im Gegensatz zu denen der anderen Typen ist diese Strategie
nicht Teil ihres Designs (so wie das sakrale Anspringen, das Ja des Generators, das
dann zum für sie Richtigen führt), sie muss gelernt werden.
Denn obwohl diese Startegie so einfach und plausibel klingt, gibt es zwei Gründe,
warum gerade das für einen Manifestor herausfordernd ist. Der erste
Grund:
Die meisten Manifestoren nehmen sich eher als allein in der Welt wahr, denn sie
sind ja unabhängig und handeln aus sich heraus. Dass es andere gibt, die ihnen
vielleicht sogar helfen würden, wenn sie passend informiert werden, darauf
kommen sie erst mal gar nicht. Und der zweite Grund ist, dass das Informieren
zunächst viel zu sehr an ein „um Erlaubnis fragen“ erinnert. Und da das Human
Design gerade mal seit 30 Jahren bekannt ist, gibt es noch nicht so viele
Manifestoren, die schon in ihrer Kindheit in den Genuss „artgerechter Haltung“
gekommen sind.
Die Kindheit war für die meisten Manifestoren schwierig, denn natürlich müssen
alle Kinder um Erlaubnis fragen - auch Manifestoren. Aber es ist schon für kleine
Manifestoren ein scheußliches Gefühl, innehalten zu müssen, die eigenen Impulse
zu verbalisieren, mitzuteilen und dann davon abhängig zu sein, dass ein Anderer
darüber entscheidet, ob sie tun dürfen, was in ihnen nach Verwirklichung ruft.
Ganz besonders schwer ist es auch im Kontakt mit anderen Kindern. Alle anderen
Designtypen haben eine natürliche Verbindung miteinander, 70 % sind
Generatoren mit ihrer warmen, einladenden, zu sich ziehenden Energie. Die
Projektoren haben eine fokussierte, in intensive Einzelverbindung tretende Aura
und die Reflektoren spiegeln, nehmen die Umwelt in sich auf.
Einem Manifestor-Kind fehlt diese Natürlichkeit. Sie scheinen nicht in diese Welt
hinein zu passen und fühlen sich alleine; oft auch abgelehnt. Und das Thema
Ablehnung ist einer der ganz großen Schmerzbereiche für einen Manifestor. Immer
irgendwie etwas Besonderes, aber nie Teil des Ganzen. Ihre Aura wirkt
„geschlossen“ und „abweisend“. Das bezieht sich vor allem auf den ersten Kontakt,
das erste Gefühl – und da Kinder ja besonders schnell auf solche Dinge reagieren,
bleibt der kleine Manifestor dann allein – muss immer selbst nach vorne treten.
Erlebt zudem immer wieder, dass er gemaßregelt und bestraft wird, ihm wird (oft
eben einfach aufgrund seiner energetischen Wirkung und nicht aufgrund von
Fakten) die Schuld zugeschrieben. Sollte zum Beispiel eine Generator-Mutter ein
Manifestor-Kind bekommen, beginnt oft für beide ein schmerzhafter Prozess – ihre
warme, einhüllende Aura kann das Kind nie ganz erreichen. Der Manifestor ist in
seiner Aura immer grundlegend getrennt. Die ersehnte Verschmelzung kann nicht
stattfinden, wie sie z.B. zwischen Generatoren oder Projektoren möglich ist. Das
31
bewirkt unter Umständen Ambivalenzen in der Mutter – und im Kind. Das ist ein
lebenslanger Schmerz, dieses wirk-lich anders sein, immer abgegrenzt in sich, mit
sich, ohne es zu verstehen.
Ganz wichtig zu wissen: Natürlich lieben Manifestoren und möchten geliebt
werden, natürlich mögen und brauchen sie Zärtlichkeit und können sie gern auch
geben. Das kann für Kinder schwierig sein, denn sie wissen ja nicht, wie ihre Aura
sich für die Eltern anfühlt. Das Schlimme ist ja, dass bislang niemand diesen Kindern
erklärt, was da vor sich geht. Dass nichts an ihnen falsch ist. Niemand lehrt sie, dass
es an ihnen ist, dem anderen zu zeigen, dass sie jetzt bereit sind, in Verbindung zu
treten - denn dann funktioniert das wunderbar. Um in Verbindung mit Anderen zu
treten ist das Passendste, wenn der Manifestor die Initiative ergreift; dieses Prinzip
funktioniert gleichermaßen für Mann und Frau. Doch die Aura eines Manifestors
kann nie sehr lange in der Gegenwart von Generatoren sein (denn die Generator-
Aura wirkt ja zu sich hinziehend, das wird leicht anstrengend für den Manifestor).
Das begrenzt die Zeitdauer sozialer Kontakte und kann – wenn man das nicht
weiß – immer wieder das Gefühl verstärken, nicht dazuzugehören. Ich bin kein
Freund von Verallgemeinerungen, aber ein bisschen mag das Bild vom einsamen
Wolf helfen, ein Teil davon steckt in jedem Manifestor als Teil ihrer Natur und muss
und darf gelebt sein. Dann ist auch für alles andere mehr Offenheit da. Bei vielen
Manifestoren, die ich im Rahmen meiner Arbeit kennenlernen durfte, scheint es,
als schätzen sie zwar sehr den Gedanken an die Verbindung mit Anderen, die
Vorstellung von Gemeinschaft, wünschen sie sich, aber die Realität der sozialen
Interaktion wird für sie schnell ermüdend. Und wenn man es weiß, dann können
ein paar Stunden mit Freunden sehr erfüllend sein – und dann der Rückzug in ihr
eigenes Reich. Viele haben tatsächlich, so es ihre finanzielle Situation erlaubt, eine
eigene Hütte auf dem Grundstück, ein Studio, eine separate Etage – oder leben
einfach allein und besuchen Partner und Familie.
Manifestoren sind nicht auf der Welt, um gebraucht zu werden oder etwas von
anderen zu brauchen. Sie sind selbst-genügsam, genießen das mit und in sich sein
in einer Weise, die für die anderen Typen nicht wirklich nachvollziehbar ist.
Manifestoren sind auf der Welt, um alleine zu operieren und um eine Auswirkung
zu haben. Es ist das Allerschwierigste für sie, mit anderen zusammen zu wirken.
Viel einfacher ist es, Türen zu öffnen, durch die andere dann gehen können. Darin
liegt der Dienst des Manifestors, durch das Seine etwas für die Anderen zu
initiieren, zu öffnen und zu ermöglichen. Die Signatur eines Manifestors ist der
Frieden. Damit ist gemeint, in Frieden seinen inneren Impulsen und Ideen zu
folgen, „sein Ding“ zu machen. In den vergangenen Jahrhunderten des Führens war
das nicht möglich, doch heute ist der Raum für viele da. Eine Auswirkung zu haben
durch ihr Tun und Sein – in Frieden.

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Und auch in der Gemeinschaft gibt es Nischen, in denen sich ein Manifestor
wohlfühlen kann - sogar Mannschaftssportarten können reizvoll für Manifestoren
sein, wenn die dort benötigte Energie ihnen entspricht, wie z.B. der Stürmer im
Fußball, der auf kurzer Distanz extreme Geschwindigkeit entwickelt. Das kann er.
Je mehr ein Manifestor sein wahres Selbst entdeckt, desto grösser wird die
Bedeutung von Freiheit. Er ist wahrlich der Archetyp der Freiheit und
Unabhängigkeit und sie kommt noch vor der Liebe – was nicht heißt, dass ein
Manifestor keine Liebe braucht oder genießt. Aber er muss frei sein, das ist der
aurische Imperativ. (Auch wenn natürlich viele Manifestoren dies überhaupt nicht
leben, sie wissen gar nicht mehr, wie sich diese Freiheit anfühlt).
Im Zusammensein mit anderen wird der Manifestor zum Beschützer, sein Dienst
ist, für die Sicherheit der Anderen zu sorgen. Er setzt sich kraftvoll für jene ein, die
ungerecht behandelt werden, stellt sich schützend vor Schwächere. Oft
beobachtet: wenn in einer Familie die Mutter ein Manifestor ist, wird sicher sie
diejenige sein, die entscheidet, ob das Kind etwas darf oder nicht, das übliche
„aber Papa hat gesagt, ich darf“ bleibt dann aus. Auch übernehmen
Manifestorfrauen leicht und völlig unabhängig von der Kraft des Partners die Rolle
der Beschützerin – das ist einfach eingebaut. Damit geht einher, dass die meisten
Manifestoren sich sehr schwer tun, wenn sie sich umständehalber unterordnen
müssen und nicht tun können, was ihnen richtig erscheint. Das geht nur, wenn sie
es selbst aus ihren Gründen beschlossen haben – und auch dann nur für eine
gewisse Zeit. Sich führen lassen….gar nicht so einfach, selbst wenn es beim Tanzen
ist.

Für alle Nicht-Manifestor-Leser: Ihr glaubt ja nicht, wie mich diese Information
erleichtert hat. Denn ich habe mich immer falsch gefühlt. Ich mochte nicht, was die
anderen toll fanden (alle übernachten zusammen, sind ständig zusammen auf der
Klassenreise. Mein Alptraum! Auch wenn ich sonst brav war – das ging nicht und
ich bin immer wieder alleine losgezogen.) Wenn es Gruppenaufgaben gab, war
meine erste Handlung, abzuklären, welchen Teil wer macht – und wenn sie alle
zusammen arbeiten wollten, hab ich bereitwillig auch mehrere Teile übernommen,
Hauptsache ich konnte es in meiner Zeit und allein machen. In Gruppen im
Schullandheim hatte ich nicht Heimweh nach der Familie, sondern nach meinem
Zimmer, nach dem mit mir sein und meine Dinge tun können. Um Erlaubnis fragen
– nicht schön. Und ich muss heute noch über die junge Christiane lächeln – mein
Exmann und ich waren in Frankreich beim Zelten, ich war Ende 20. In der Nacht
randalierte eine Gruppe von acht jungen Deutschen auf dem Parkplatz und keiner
konnte schlafen. Ich hab zu meinem Mann gesagt, er solle ruhig liegenbleiben, hab
mir einen Pullover übers Nachthemd gezogen und bin raus, um sie – zuerst sehr
freundlich (Manifestoren sind ja höflich) – um Ruhe zu bitten. Sie waren recht
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angetrunken und pöbelten nur herum. Ich wurde deutlicher und man drohte mir
Prügel an. Und ich hab nur gemeint: na dann kommt nur her (die Hybris der
Kampfsportler. Lach). Ich hab das auch so gemeint. Und das hat wohl gereicht,
denn tatsächlich haben sie ihre Sachen eingepackt und sind weggefahren.
Der Schmerz, der im Manifestor entsteht, wenn er nicht dem eigenen Weg folgen
kann, äußert sich als Zorn. Und Wut macht blind, dann sieht man nicht mehr, wie
es anders sein könnte. Daher kommen auch selten Manifestoren zum Human
Design, sie sind einfach zornig nach so viel Zeit in einer Gesellschaft, in die sie nicht
wirklich passen, die sie konform machen will. Da wird alles zum Schrei: lass mich in
Ruhe! Und sich beraten lassen ist nicht wirklich Manifestor-Art, zu sehr mag es
daran erinnern, dass ihnen gesagt wird, was sie tun sollen.
Da hilft ganz viel Würdigung und Respekt, damit sich der Mensch öffnen kann.
Wenn Abgrenzung und der Ausdruck von Ärger verboten sind, kann sich die Wut
gegen sich selbst richten. Dann sind es brave, stille Leute und nichts mehr wird
manifestiert. Dann ist all die Lebendigkeit und Schöpferkraft eingesperrt. Ganz
beeindruckend ist die Veränderung, die mit Menschen vor sich gehen kann, wenn
sie erfahren, dass sie ein Manifestor sind - als würde sich das ganze System
aufrichten dürfen, als wären sie zum ersten Mal richtig so, wie sie sind.
Für den Manifestor gibt es keine natürliche Strategie im Umgang mit der Welt. Sie
brauchen Techniken, Methoden. Denn sie treffen ja immer wieder auf so viel
Widerstand durch die Unabhängigkeit, die sie ausstrahlen. Und Unabhängigkeit,
dieses den Anderen eben nicht BRAUCHEN ist unkontrollierbar, sie macht Angst.
Daher gibt es eine ganz wichtige Hilfe: gute Manieren, Kommunikation. Wenn du
ein Manifestor-Kind hast, profitiert es sehr davon, gute Manieren zu lernen und
ansonsten viel Freiheit zu haben. Ein Manifestor ist ein reines Energiewesen, folgt
seinen kreativen Impulsen. Wichtig ist zu verstehen, dass diese nicht im Kopf in
Worten stattfinden - in seinem Fluss wird der Manifestor einfach Dinge bewegen.
Wenn nun andere ihn dabei unterbrechen, sei es nur um zu fragen, was sie denn
helfen können, wird dieser Fluss gestoppt, das Innere muss in Worte übersetzt
werden, und oft ist der Flow dann verschwunden. All das kann vermieden werden,
wenn du vorher informierst – der Andere weiß Bescheid und du wirst nicht
unterbrochen. Solche Flow-Zeiten sind für das Wohlbefinden eines Manifestors
extrem wichtig, vor allem, wenn der normale Tagesablauf sehr von äußeren
Gegebenheiten bestimmt ist.
Andere Typen sind leicht durch den Manifestor irritiert, denn er ist sehr schnell
und liebt es, sein „eigenes Ding“ zu machen. Daher muss und darf ein Manifestor
lernen, anderen „Bescheid zu sagen“, sie zu informieren. Für „Betroffene“: es ist
wichtig, das Informieren nicht zu verwechseln mit einem „umErlaubnis-fragen“ .
Informieren bedeutet: einfach nur jene, auf die deine Entscheidungen

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Auswirkungen haben könnten, darüber in Kenntnis zu setzen. (Z.B.: “Ich geh mal
eben Brot holen”… und nicht einfach „weg-sein“.) Wenn der Manifestor informiert,
mindert dies Angst und Widerstand, und die Umwelt bekommt die Chance,
vielleicht sogar hilfreich zu sein. Umgekehrt brauchen sie es auch, dass man ihnen
Bescheid sagt. Manifestoren hassen es, kontrolliert oder zurückgehalten zu
werden, denn die innere Frage ist immer „wird man mich tun lassen“? Sie wollen
eine Wirkung haben. Für Manifestoren-Eltern braucht es jedoch irgendwann die
Übung der Zurückhaltung, denn sie neigen dazu, zu viel für ihre Kinder „mal eben
schnell“ zu erledigen – oder im anderen Extrem – von ihnen zu erwarten, genauso
selbständig zu sein wie sie.
Schnelligkeit ist für die meisten Manifestoren ein sehr angenehmes Gefühl, und
alles was hindert, langsam macht, im Weg steht, ist Schmerz. Denn – auch wenn
ein Manifestor zu den Energietypen zählt, hat er doch ein offenes Sakral - also
keine Dauerpower! Daher neigen Manifestoren dazu, das, was sie tun wollen,
schnell und sehr konzentriert zu erledigen, während die Energie da ist. Denn
danach brauchen sie eine Pause! Wichtig zu erinnern: für einen emotionalen
Manifestor ist Schnelligkeit jedoch bei allen Entscheidungen kontraindiziert! Hier
gilt es, warten zu lernen, der inneren Autorität zu folgen. Dann kann in dieser Zeit
Klärung erfolgen, dann kann sich der Manifestor bewusst werden, auf wen seine
Handlung – wenn sie denn geschehen soll – eine Auswirkung hat. Dann kann er
informieren und erlebt Freiheit und Stimmigkeit. Wenn vorschnell gehandelt wird,
unter dem Druck des Verstandes oder aus der emotionalen Welle heraus, kann
Chaos entstehen, und das kann sehr unangenehme Konsequenzen haben.
Da er lebt, um zu tun, muss der Manifestor aufpassen, nicht zum Superkellner der
anderen zu werden - hol mal, mach mal, denn das ist leicht - man kann ja einfach
aufstehen und es tun – natürlich wirken hier die anderen Aspekte wie Profile oder
Verteilung von offenen oder definierten Zentren/Toren etc. mit. Aber der
Grundgedanke ist: ein Manifestor folgt seinen inneren Impulsen und verwirklicht
sie. Glücklich wird der Manifestor, wenn er sein Ding macht. Und initiiert. Daraus
wird dann oft ganz nebenbei der große Dienst fürs Ganze, denn sie bringen ja
Neues in Gang. Vieles lässt sich einfach schon am Chart eines Manifestors ablesen,
so auch, dass er – da er ein offenes Sakralzentrum hat – nicht zum klassischen
„Arbeiten“ auf der Welt ist. Durch die Motorverbindung zur Kehle wird klar: er
kann initiieren, eine Wirkung haben, handeln. Daraus folgt, dass er zwar lebt, um
eine Auswirkung in der Welt zu haben, diese aber eher nicht durch konventionelle,
klassische Arbeit entstehen wird - und so haben viele Manifestoren in der Tat
Berufe, die Berufung sind, in denen sie wirksam sein können, ohne Bürozeiten
einzuhalten.
Da ein Manifestor ein offenes Sakralzentrum hat, wird dieses natürlich im Laufes
des Tages von 70% der Menschen „gefüllt“ mit dem Thema Arbeitskraft und
35
Sexualität. Daher ist es wichtig zu lernen, in sich hinein zu spüren, Pausen zu
machen, sich zu fragen, ob „man“ noch kann oder eigentlich eine Pause machen
müsste. Denn alle nicht-sakral definierten Menschen brauchen immer wieder
Pausen, auch wenn der Manifestor (genau wie der Generator) ein sogenannter
Energietyp ist - was bedeutet, dass der Mensch durch den Einsatz seiner eigenen
Energie erfolgreich ist. Wenn er jedoch nicht lernt, diese Ruhe und
Regenerationszeiten einzuhalten, kann tiefste Erschöpfung oder ein Burnout die
Folge sein.
Wie kommuniziert man mit einem Manifestor, wenn man etwas von ihm will? Am
besten informierst du ihn einfach, was gebraucht wird, was fehlt – er findet dann
schon raus, was zu tun ist und beschließt, sich darum zu kümmern. „Der Kaffee ist
alle“. Das wird meist reichen, damit er los-manifestiert und welchen kauft. Gar
nicht angenehm sind bedrängende Fragen wie: „Nun nimm doch noch von dem
Salat“ – obwohl er “nein, danke” gesagt hatm oder „Möchtest du nicht doch noch
ein Stück Quiche?“ Auch wenn die meisten Manifestoren zu höflich sind, es zu
zeigen, aber innen drin schreit es einfach nur Nein! Also bitte nicht bedrängen,
nicht nötigen, einfach informieren. Denn ein Manifestor hat nichts in sich, das auf
Fragen re-agiert (so wie ein Generator), er ist nach innen hin organisiert, darauf
ausgelegt, dass die Antworten auf alles aus dem eigenen Inneren kommen. Dieses
innere Folgen und Finden ist ein nicht-sprachlicher Vorgang, daher ist es auch so
schwierig für viele Manifestoren, sich dem Partner mitzuteilen und zu erklären.
Wenn sie einmal im Flow sind, ist es am schönsten, wenn dieser einfach „fließen“
darf. Das ist nicht böse oder nicht-liebend für den anderen gemeint, einfach nur in
und bei sich. Manifestoren sind nicht unfreundlich, sie sind einfach nur fokussiert.
Wie eine tiefe kreative Quelle, wenn sie dieser folgen, geschehen die Dinge
einfach. Und das kann wirklich beeindruckend sein. Daher der Tipp an den
Manifestor: überlege dir vorher, wen deine Handlungen betreffen, auf wen sie eine
Auswirkung haben können. Informiere die Betreffenden entsprechend, damit idu
nicht unterbrochen wirst. Dann kannst du sein, wie du bist, und den Ball ins Rollen
bringen. Sicher ist, dass im Zusammenleben mit einem Manifestor immer etwas in
Bewegung kommt – sie räumen die Wohnung um oder bringen immer wieder
Veränderungen ins Leben.
Eine Anekdote: vor einigen Jahren war ich mit meinem Sohn – auch ein Manifestor
(über das Ego, sehr offen) – in Barcelona. Schöne Stadt! Da scheint es üblich zu
sein, dass vor jedem Restaurant (und es gibt viele!) Angestellte stehen, die die
Passanten persönlich ansprechen, um sie zu nötigen, doch essen zu kommen. Dank
der Human Design Erkenntnisse konnten wir fast darüber lachen, so ärgerlich
machte uns diese Belästigung - mechanisch, nicht persönlich. Denn diese Leute
stören einen Manifestor ja ganz aktiv – wir unterhalten uns gerade oder hängen
friedlich unseren Gedanken und schönen Eindrücken der Stadt nach – und

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irgendjemand unterbricht das, uneingeladen, unwillkommen und spricht uns an.
Und ich bin ein wirklich freundlicher Mensch (viele vierte Linien), ich mag
Menschen. Aber diese Verkäufer - zum Glück hatten sie keine Ahnung, was sie in
uns aktivierten. Sicher sehr anders reagiert z.B. ein Projektor auf das gleiche
Werbeverhalten, das ja eine – wenn auch nicht persönliche - Einladung bringt.
Noch ein wichtiger Punkt: nur weil du initiieren kannst, bist du dennoch nicht
verantwortlich dafür, wie die Dinge dann sind (will sagen, nur weil du das Konzert
entdeckst, Karten besorgst, die Anreise arrangierst, hast du dennoch keinen
Einfluss auf die Qualität des Konzertes, auch wenn deine Begleiter das anders
sehen könnten und womöglich erwarten). Genauso wenig bist du dazu da,
„einfach mal so zu machen“, nur weil das für den anderen praktisch wäre. Das
Initiieren des Manifestors ist ein Prozess aus seinem eigenen Innen heraus zur
Verwirklichung seiner Projekte in der Welt.
Einige Manifestor-Zitate:
Es macht mich wahnsinnig, wenn mir Leute im Weg stehen. So ein Volksfest und ich
will einfach von A nach B – grauenvoll . Geht doch einfach beiseite. Ich hab ja nichts
gegen euch. Lasst mich doch einfach in Ruhe. Einfach mein Ding machen.
Nein, ich will keine Hilfe, lass mich doch einfach. Sprich mich doch einfach nicht an.
Ich sag schon Bescheid, wenn du mitmachen sollst.
Ich sehe doch, was es braucht. Du hast mir nichts zu sagen.
Wenn ich sage, ich habe ein Navi, fang nicht an, mir den Weg zu erklären!
Ein Manifestor darf abends gern die Couch zum Runterkommen nutzen, braucht
gegebenenfalls einfach Zeit allein, damit das Sakral sich von der von außen
aufgenommen Energie befreien kann. Nur als Tipp – allein schlafen ist für alle
Menschen durchaus von Vorteil, besonders aber natürlich für die sakral Offenen,
damit sie sich regenerieren können. Ra selbst sagt: lebensnotwendig! Aber da
gerade Manifestoren keine Vorschriften mögen: das ist nur eine Empfehlung zum
Ausprobieren. Und eine Hilfe für Generator-Eltern mit einem Manifestor-Kind: auch
wenn es wunderschön ist, wenn Mama oder Papa sich dazu kuscheln und erzählen,
vorlesen – sollte euer Kind nicht einschlafen, sondern immer wieder anfangen,
rumzutoben, dann mag es leichter sein, dass es allein einschläft, denn euer
definiertes Sakral füllt das Sakral des kleinen Manifestors mit Energie. Da ist
vielleicht eine von Mama aufgenommene Geschichte, die das Kind sich anhören
kann, eine gute Alternative für das letzte Entspannen.

Einige Schatten des Nicht-Selbst: Aus Angst vor Bestrafung oder Widerstand
informiert der Manifestor nicht – und erntet noch mehr Ablehnung. Oder er wird
ganz „brav“ und passiv, damit er kein Nein bekommt und verliert damit seine Kraft.
Oder ein emotionaler Manifestor wartet nicht ab, bis er Klarheit hat, informiert
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nicht, und handelt somit überstürzt – das bringt unendliches Chaos und Probleme.
Oder er wird – gefüllt durch das Sakral der Generatoren – arbeiten bis zur
Erschöpfung und immer wütender und wütender werden.
Tipp: Lebe damit, aufzufallen, nimm die Reaktionen nicht persönlich und hab
richtig viel Freude an dir. Du bist ein Schöpfer! Der Segen der erlösten Form: tiefer
Frieden im Folgen der Impulse aus dem Innen, Stimmigkeit, keinen Widerstand
erleben.
Bekannte Manifestoren: Ra Uru Hu, Paramahansa Yogananda, Adolf Hitler, Neil
Armstrong, Leonard Cohen, Frida Kahlo, Vladimir Putin , Silvester Stallone, Johnny
Depp, Renee Zellweger, Mike Tyson, Robert de Niro, Simone de Beauvoir, Susan
Sarandon, Hermann Hesse, George Orwell, Bette Davis, Orson Welles, Vanessa
Redgrave, Joanne K. Rowling, Helmut Kohl, George W. Bush, Tom Cruise, Al Gore,
Mao Tse Tung, Saddam Hussein, Richard Burton, [Link], Hugh Laurie, ich ☺

Der Generator

70 % aller Menschen - die Kraft der Wahrheit: Erfüllung oder Frustration


Erlaube den Einladungen des Lebens, zu dir zu kommen und dann folge der
sakralen Re-aktion, sie führt zu Erfüllung und Zufriedenheit.
Es ist deine Welt -wenn es in dir ein JA dazu gibt!
Jetzt kommen wir zur absoluten Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten.
Siebzig Prozent. 70! Jene Menschen, die am meisten dazu beitragen, dass das
Leben funktioniert, dass es überhaupt Leben gibt. Generatoren sind die Erbauer
und Erhalter der Welt. Und vor dieser Lebenskraft und auch Leben-spendenden
Kraft möchte ich mich – als sakral Offene – zunächst einmal verneigen.
Den meisten Generatoren ist gar nicht bewusst,
wie beeindruckend sie sind (Ra nutzte gern das
Wort sacred, „heilig“, das er sonst nie
verwendete). Denn der Mechanismus, dass das für
dich Richtige die Aktivierung von dauerhafter, fast
unerschöpflicher Lebensenergie bewirkt, ist schon
überaus beeindruckend.

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Generatoren haben ein definiertes Sakralzentrum – den Ort der Fruchtbarkeit und
der Arbeit. Durch diese sakrale Energie entsteht Leben. Sie bringt Durchhaltekraft.
Generatoren erhalten das Leben und sorgen dafür, dass es weitergeht..
Es gab früher eine Reklame für die Batterie Duracell – eine ganze Reihe von
Spielzeughäschen hüpften auf und ab und nach und nach hörte eines nach dem
anderen auf, die Batterie war leer. Nur das Häschen mit der Duracell Batterie
hüpfte weiter. Das kann nur ein Generator. Eigentlich ein Wunder – ein Motor, der
anspringt, wenn das Richtige da ist und dann Lebenskraft aktiviert, in dieses
Unternehmen hineinfließen lässt, bis es vollendet ist. Und dann voller Befriedigung
ausruht, regeneriert und wieder neu erfüllt von Kraft wartet, bis das Richtige
kommt.
Ein Generator reagiert auf das Leben. Das ist seine einzigartige Energie:
Anzuspringen, zu reagieren auf etwas, das stimmig ist, das ihn mit Lebendigkeit
und Energie füllt. Und dann dabeizubleiben. Wenn ein Generator die für ihn
richtige Arbeit hat, stärkt und erfüllt es ihn zutiefst. Dann kommt Befriedigung, der
Sinn. Und diese so tiefe Befriedigung finden Generatoren auch nur auf diese Weise.
Sie ist das grundlegende Thema im Leben. Im richtigen Tun sich selbst erkennen
und Zufriedenheit finden. Was ist mit „reagieren“ gemeint? Stell dir ein kleines
Mädchen vor, das Pferde über alles liebt. Wenn du sie fragst „möchtest du zum
Pferd, möchtest du reiten?“, wirst du wahrscheinlich eine Ganzkörper-Reaktion von
Begeisterung erleben, einen Flummi, der auf und abspringt und Ja-Ja-Ja (bzw.
eigentlich UhmUhmUhm) signalisiert. Das ist eine sakrale Reaktion.
Ein sakrales Ja spürt sofort Energie. Da kommt Kraft in den Bauch, man „springt an“
für etwas. Oder eben nicht! Dieser Motor ist eine sehr grundlegende Reaktion von
gefühltem Ja, oder gefühltem Nein. Umgangssprachlich ein „Bock haben“ auf etwas
- ohne dass es vom Denken, von Überlegungen aller Art, von komplexeren
Gefühlen, von "sollte” oder “sollte-nicht” beeinflusst ist. Extrem wichtig ist zu
verstehen: Warten ist nicht gleich Nichtstun. Das Leben bringt immer Einladungen
vorbei. Hier liegt die große Angst jedes Generators: was ist, wenn nichts passiert,
wenn nichts kommt? Und hier ist die große Verlockung, sich zu verlassen und doch
initiieren zu wollen, sich vom Verstand führen zu lassen – und damit immer wieder
ein Gefühl des Versagens zu erleben.
Denn um für dich stimmig zu sein, musst du auf etwas, das da ist, re-agieren. Aber
wenn du es initiierst, ist es ja nicht da, daher kannst du nicht wissen, ob es für dich
richtig ist. Denn: die Aura des Generators bewegt die Welt zu ihm. Er hat eine
warme, zu sich hinziehende Aura. Embracing, umarmend heißt sie im Englischen.
Da braucht es einfach keine Sorge. Wenn eine Generator-Frau gern tanzen möchte,
wird ihre Energie dafür sorgen, dass sie aufgefordert wird, sie zieht den
Tanzpartner geradezu zu sich. Wenn sie sich in ihre Energie hinein entspannt. Als

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Generator musst du nichts tun außer dich dem Leben hinzugeben. (Womit ich
nicht sage, dass das einfach ist! Wir haben so viele Ängste, Konditionierungen und
Muster, die dem zunächst entgegenwirken. Aber grundsätzlich kann und wird es so
sein). Als Experiment kannst du ja einfach morgens früh mal nicht Guten Morgen“
zu dem Menschen sagen, mit dem du lebst. Du kannst darauf wetten, dass er zu
dir kommt, wie hingezogen, und dich anspricht. Diese Aura ist die kraftvollste von
allen Typen, daher ist es so wichtig, wie der Generator im Leben ist, denn auch
seine Frustration, die entsteht, wenn er nicht lebt, was für ihn passend ist, verteilt
sich über das ganze Umfeld. Daher lohnt es sich unbedingt, auf das Richtige zu
warten! Je länger ein Generator warten kann, desto mehr Energie sammelt sich an
– und umso leichter kann er anspringen für das Richtige, wird erkannt und gesehen
für diese wunderbare Kraft. Dann kommt er zur Tür herein und alle schauen auf das
Powerpaket, das dort wahrnehmbar wird.

Was genau ist „gefragt werden“? Entscheidend ist – die Frage kommt von außen,
durch einen anderen Menschen oder aber durch etwas Einladendes, das du siehst,
hörst, spürst, riechst - etwas, auf das du frei reagieren kannst, eben mit Uhum oder
Umum.
Sich selbst Fragen zu stellen funktioniert nicht, denn dann ist es eher das Denken,
das sich freut, auch mal was sagen zu dürfen. Die sakrale Reaktion ist körperlich,
und hat überhaupt nichts mit Logik zu tun. Sie ist einfach. Und kann tatsächlich
sogar im Gegensatz zu deinem Gedachten stehen. Eine schöne Geschichte aus dem
Buch von Mary Ann Winninger über ihre Dekonditionierung als Generator
beschreibt diesen Unterschied. Sie war allein in ihrem Zimmer und sehnte sich nach
Gesellschaft. Als aber eine Freundin sie anrief und fragte“ Hast du Lust, mit auf die
Party bei Joe zu kommen?“ antwortete ihr Sakral: “UmUm” – Nein. Sie blieb allein
zuhause. Und machte – natürlich über die Zeit – die Erfahrung, dass es ihr immer
besser ging und immer öfter vom Leben die allerbesten, für sie stimmigen
Einladungen und Fragen kamen. Ihre Kraft, Freude und Zufriedenheit wuchsen.
Denn die Energie, die ein Generator nicht vergeudet, indem er etwas tut, was ihm
nicht entspricht, speichert sich, macht immer anziehender für das Richtige.
Damit das geschehen kann, müssen Generatoren lernen, auf diese echte und
richtige Bauch-reaktion zu warten. Und das ist zunächst schwer. Aber eigentlich ist
dieses „Warten“ eine sehr aktive Energie – denn es gleicht eher einem „bereit sein,
auf das Leben zu reagieren“, es ist ganz sicher kein in-der-Kammer-versauern. Es ist
lebendig. Ra hat immer wieder erwähnt, wie erstaunt er war, dass die Generatoren
nicht ganz leicht erwachen, da doch ihre Strategie (eigentlich) so einfach ist – aufs
Leben reagieren, mit Uhum oder UmUm. Aber es braucht eben lange, diese auch
wirklich zu hören und ihr zu folgen. Und die Pausen, die es hoffentlich im Leben

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jedes Generators gibt, sind extrem wichtig und dienlich – denn meist erreicht ein
Generator nach so einer Pause seine Höchstleistung. Viele Spitzensportler belegen
das, nach einer Trainingspause erreichen sie ihr bestes Ergebnis.
Wenn Generatoren nicht ihrem Bauch folgen, kommt Frustration – dann stellt sich
nach einem beeindruckend langen Arbeitstag dennoch keine Befriedigung ein, weil
es nicht ihre Projekte waren, nicht ihr sakrales „ja“. Sie haben den Karren der
anderen gezogen. Das perfekte Gefühl abends wäre „müde und zufrieden“. Wenn
du „müde und frustriert“ bist – prüfe, womit du deinen Tag verbringst. Denn dann
schadet die Arbeit auf Dauer, dann kann auch hier, bei diesem kraftvollen Wesen,
der Burnout entstehen. Extreme Frustration, Antriebslosigkeit, Depression. Dann
geht nichts mehr – wo doch die Kraft für (fast) alles wäre.
Initiieren, manifestieren – das sind Schlagworte der Werbung, aber für einen
Generator können sie nicht funktionieren, denn ein Generator muss ja re-agieren
auf das für ihn Stimmige. Wenn er also mit aller Kraft eine Sache anschiebt, kann
er vorher nicht wissen, ob sie für ihn überhaupt richtig ist, denn er kann ja nicht
reagieren. Das führt zu Erschöpfung und Frustration. Hier ist die große
Herausforderung, sich der Propaganda zu entziehen. Und wenn der neue Job, das
Projekt, die Verbindung nicht stimmig war, dann wird diese besondere Kraft fehlen,
dann schleppen sich diese Powerwesen durch den Tag, lustlos, frustriert, müde.
Ganz wichtig: die Bilanz muss stimmen, es muss einen wertigen Ausgleich für deine
Arbeit geben. Daher gilt es auch immer wieder konkret die Frage zu prüfen: Was
bekomme ich für meine Arbeit? Stimmt der Ausgleich? Zur Verdeutlichung: Ra
erklärte, dass sich Arbeit für einen Generator anfühlen müsse wie Sex – man hat
Lust, investiert eine Menge Energie, ist begeistert bei der Sache, und am Ende
wartet die Erfüllung. Dann ist man müde und zufrieden. So darf es bei allem sein,
für einen Generator. Es ist so einfach. Und so schwierig. Denn der Kopf schreit, dass
du etwas tun sollst, anpacken, in Gang bringen. Eine schöne Geschichte erzählt von
Jack, der sein Studium abgeschlossen hatte und eine Arbeit suchte. Aber er fand
nichts, das ihn ansprach. Also spielte er Computerspiele. Viele Spiele, vor allem
aber eines, monatelang. Er wurde zum Profi darin, kannte die schwierigsten
Schritte. Alle stürmten auf ihn ein: “Tu doch mal was, bewirb dich initiativ, geh von
Tür zu Tür.” Aber er saß vor dem Rechner. Und dann kam eine Jobanzeige, sein
Sakral „sprang an“, er bewarb sich und beim Bewerbungsgespräch stellte sich raus,
dass sein potentieller neuer Chef in seiner Freizeit eben dieses Spiel spielte und an
einem Level festhing, das Jack längst gemeistert hatte. Er hatte seinen Job.
Für Eltern von Generator-Kindern: Ein Generator muss seine Energie aufbrauchen.
Dazu braucht es etwas zu tun. Wenn du Generator-Kinder hast – zwing sie nicht, ins
Bett zu gehen. Ein Generator ist dazu designed, tätig zu sein, bis er müde ist. Es gibt
diesen Satz „lass sie einfach machen, wenn sie müde sind, fallen sie einfach um und

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schlafen“. Es gibt da keine Gefahr - wenn es die richtigen Tätigkeiten sind, für die es
eine sakrale Reaktion gab. Und es kann auch mal so wirken, als müssten sie
überhaupt nicht schlafen, denn wenn ein Generator das für ihn Richtige tut, lässt
Ermüdung sehr lange auf sich warten!
Generatoren brauchen Fragen und müssen die Erlaubnis haben, sie mit Uhum oder
UmUm zu beantworten - was landläufig ja als unhöflich gilt und Kindern
aberzogen wird. Dann kommen Wahrheit und Klarheit. Denn es ist eine Bauch-
reaktion. Und der redet halt so. Achtung – für den Fragenden: das Sakral kann
nicht lügen! Denn die Re-aktion ist blitzschnell, ehrlich und nicht-durchdacht. Also
fragt nur, was ihr wirklich wissen wollt - ein „Liebst du mich noch?“ oder „Findest
du, ich bin zu dick ?“ wird ehrlich beantwortet. Aus dieser Strategie folgt, dass es
nie stimmig sein kann, wenn ein Generator einfach tun muss, was ihm gesagt wird.
Aber genau das passiert, überall, immer. Und es lohnt sich, dieses Wissen zu
nutzen. Ein Arbeitgeber z.B., der ein sakrales Ja seiner Angestellten hat, wird
extrem effektive und zufriedene Mitarbeiter haben.
Das Nicht-Selbst-Thema des Generators ist Frustration. Sie entsteht, wenn er nicht
lebt, was stimmig ist. Wenn ein Generator angehalten wird, zu manifestieren oder
wenn er von sich aus versucht, Dinge in Gang zu bringen, auf die Beine zu stellen
oder den Karren der anderen zieht, wenn er Dinge tut, auf die das Sakral nicht re-
agiert hat, dann kommt ein tiefes, unausweichliches Gefühl der Frustration. Denn
wenn sie etwas initiieren, ist es ja noch nicht da - ihr innerer Wegweiser, das Sakral,
kann sie nicht leiten! Das gilt für alle sakral definierten Menschen – für siebzig
Prozent der Weltbevölkerung also! Dann kommt es – auch bei diesen kraftvollen
Wesen – zur totalen Erschöpfung. Es ist geradezu tragisch – wenn die kraftvollste
Lebensenergie in totaler Verzweiflung und Frustration endet, denn das geschieht,
wenn der Generator nicht seine Art, im Leben zu sein, ehren lernt. Dann arbeiten
sie für wenig Geld, ohne Würdigung und Anerkennung, ernten wahrscheinlich noch
Kritik. Gerade heute, als ich das Kapitel zur Veröffentlichung lese, bringt mir eine
Klientin einen Yogi-Teebeutel-Spruch mit „Handle, reagiere nicht nur“. Wenn die
wüssten….! Denn: ein Re-agieren auf das Leben, das dann Kraft aktiviert – ist die
heilsamste Reaktion der Welt für einen Generator. Dann ist alles möglich.

Die Aura eines Generators ist warm, einladend. Du ziehst die Welt um dich herum
zu dir. Umarmst sie geradezu. Du hast eine unglaubliche Offenheit – und sie macht
dann möglich, dass du reagieren kannst, auf das, was dich wirklich anspringen lässt.
Jeder Aurakontakt von Generatoren ist echter Kontakt, du umarmst alles um dich
herum damit. Daher – wenn du frustriert bist – dann wird alles, was du berührst,
damit in Kontakt kommen. Wir leben in einer Generatorwelt – und Frustration ist
allgegenwärtig. Daher hat es so große Kraft, wenn ein Generator sich kennenlernt

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und seine Strategie und Autorität – dann wird er das Instrument der Heilung. Alle
anderen 30 % wirken für sich. Generatoren wirken für und auf alles.

Um als Generator glücklich zu werden, braucht es diese Re-aktion aufs Leben, denn
nur dann ist stimmig, was du tust. Mit dem Sakral hast du wirklich eine Autorität,
die sofortige, direkte Kraft hat. Kraft für Wahrheit. Uhum oder UmUm - das ist
deine Wahrheit.
Ich liebe den erstaunten Blick von Generatoren, die lange an einem Thema
herumüberlegt haben und ich sie dann in einer Weise dazu befrage, die mit
sakralem Ja oder Nein beantwortbar ist. Klassischer O-Ton dann ist, wenn sie ganz
schnell, klar, einfach Uhum oder UmUm sagen: “Wo kam denn das her?” Aus
deiner Wahrheit. Natürlich gilt – bei allem Anspringen – dass es Herausforderungen
geben wird. Dass es auch mal frustrierend wird, weil etwas nicht so klappt, wie
man will.
Ergib dich dem Jetzt. Denn es gibt nichts anderes, anspringen ist im Jetzt. Das
Leben kommt und bringt, was es braucht. Es ist doch schon eine coole Variante,
eine Energie zu haben, die warm und einladend wirkt und alles zu dir führen wird,
was für dich stimmig ist. Das Leben nährt den Generator, mit allem, was für ihn
stimmig ist - und seine sakrale Reaktion auf das Leben führt ihn auf den für ihn
sicheren, beglückenden und befriedigenden Weg. Und was für eine wunderbare
Welt wäre das – wenn all diese kraftvollen 70 % der Menschheit tun was sie lieben
und glücklich sind – und das durch die Kraft ihrer Aura, ihres Energiefeldes auf alle
anderen ausstrahlen?
Wenn auch 70 % der Menschen diesen sakralen Motor haben, so gibt es doch
Unterschiede zwischen dem Generator und dem Manifestierenden Generator, der
eine Handlungsverbindung zur Kehle hat, aber natürlich dennoch erstmal reagieren
sollte.

Der „reine“ Generator – ca. 37 % aller Menschen


Beim „reinen“ Generator gibt es keine direkte Verbindung zur Kehle, dem
Handlungszentrum. Und wie immer ist das, was wir nicht haben, besonders
interessant. Sobald nun im Zusammensein mit jemand anderem diese Verbindung
zur Kehle entsteht, bringt sie die Versuchung mit sich, dass der Generator glaubt,
nun endlich etwas tun zu dürfen, und er stürzt sich in die Aktion. Wenn es aber
vorher keine sakrale Reaktion gab, kann es nicht das Richtige sein, und wird
letztendlich zu Frustration und Erschöpfung führen. Im Vergleich zum
Manifestierenden Generator wirkt er oft etwas langsamer, etwas bedächtiger. Aber
43
diese ganz eigene, stimmige Art wird am Ende beeindruckende Ergebnisse haben.
Wenn ein Generator ein Haus baut, dann stimmt die Basis, die Statik, dann kommt
Stein auf Stein, es hat tragfähige Balken und etwas wirklich Gutes entsteht. Denn
wenn er etwas gern tun, tut er es oft, täglich, immer wieder. Das ist die Magie des
Generators.
Generatoren entwickeln sich nicht linear, sondern es gibt Pausen, ähnlich wie
Lernplateaus – un dann, wenn die Frustration einsetzt, kann es dazu führen, dass
sie aufhören, ungeduldig werden oder dem Druck von außen folgen und glauben,
sie müssten anders sein, etwas anderes tun. Hier braucht es eher ein erneutes
Fragen: Will ich das wirklich? Und dann geduldig weitermachen. Generatoren
brauchen ihre Zeit und ein unbedingtes Gefühl für den eigenen Wert. Da sie, wenn
sie einmal „ja“ zu etwas gesagt haben, quasi „auf der Schiene“ sind und die
Handlung zu Ende bringen müssen, sich verpflichtet fühlen, sollten sie vorher
gründlich darauf achten, ob es ein Ja (Uhum) in ihnen gibt.
Ein Beispiel: Wollen wir spazieren gehen runter zum See? Gefühltes, reagierendes
Ja. Dann gehen wir, die ganze Runde zum See. Da ist nichts mit an der Ecke
kehrtmachen, weil es doch ungemütlich ist (vgl. Manifestierender Generator, da ist
das ganz anders). Oder ein Generator-Klient, der von einem seiner (sehr
anstrengenden) Kursteilnehmer gefragt wurde, ob er für ihn die Betreuung
während eines 2-Jahres-Projektes übernehmen würde. Hätte er ja gesagt, würde er
es wahrscheinlich durchziehen, egal wie unangenehm und anstrengend es wird,
und wäre dann frustriert. Daher sollte jeder Generator gut seiner Bauchstimme
zuhören, für was er seinen wunderbaren Kraftmotor zur Verfügung stellen will.
Denn oft glaubt ein Generator einfach, “Es” muss gemacht werden bedeutet halt
“ICH muss es machen”, was dazu führt, dass sie sich wie Sklaven vorkommen und
extrem frustriert sind. Ein Generator, der bei sich bleibt und vorher prüft, erlebt im
Gegenzug viele günstige Umstände, die Dinge fügen sich einfach, es läuft. Das ist
die Meisterschaft der Materie, die in dieser Weise nur ein Generator erleben kann.
Dann wird sakral gleichbedeutend mit heilig (im Englischen ist es das gleiche Wort).
Ein Freund von mir verlor im letzten Jahr seinen anspruchsvollen und gut dotieren
(und extrem anstrengenden) Job in der Druckindustrie. Jeder kann sich sicher
vorstellen, was das in der heutigen Zeit bedeutet – wo soll er da als
Familienverdiener noch etwas Passendes finden, mit Ende Fünfzig und beim großen
Zeitungssterben? Sein ganzes Umfeld geriet in Panik. Er jedoch nicht. Er blieb total
ruhig, kaufte sich sein Traumfahrrad und begann, vergnügt zur Arbeit zu radeln,
von Jobsuche keine Spur. Wurde immer gesünder und entspannter. Das wird
schon, meinte er. Dann kam der Headhunter aus Norddeutschland, hat ihn zum
Gespräch eingeladen und er hatte den neuen Job. Jetzt arbeitet er wieder –
angesprungener-Generator-mäßig zwischen 60 und 70 Stunden die Woche – und
ist zufrieden. Das mit dem Radahren scheint überhaupt gut zu funktionieren,
44
gerade gestern schrieb ein Klient, “jetzt hast du noch eine Fahrradgeschichte”.
Denn nach dem Kauf eines E-Bikes und einigen Wochen größter Fahrradfahr-Lust
kam der ersehnte Traumjob nach Jahren endlich zu ihm. Freude und Begeisterung,
Angesprungen-sein – welche attraktive Kraft für dein Leben.
Ein Generator, der warten kann, bis das Leben zu ihm kommt, wird alles zu sich
ziehen, was gut für ihn ist. Zu seiner Zeit. Die Human Design Lehrerin Karen Curry
(ein Manifestierender Generator) schildert in ihrem Buch Abundance by Design11
ein wunderbares Beispiel : in ihrer eigenen Anfangszeit mit dem Human Design
beschloss sie (!) einen Workshop anzubieten, mietete ein Hotelzimmer, entwarf
Flyer und Werbung, wandte sich mehrfach an die Zeitung und wollte sie dazu
bringen, einen Artikel über sie und das Event zu schreiben, aber das funktionierte
nicht.
Sie brachte ihr ganzes Equipment in das Hotelzimmer und wartete, aber niemand
kam. Enttäuscht und völlig am Boden zerstört kam am Abend für sie der Moment,
in dem sie losließ, anerkennen musste, dass sie nichts mehr tun konnte, um ihren
Traum zu verwirklichen. Spannenderweise kamen schon bald Leute auf sie zu (von
selbst !) und baten um Unterstützung. So fing sie an, Human Design Readings zu
geben. Und nur ein wenig später meinte ein Klient nach der Sitzung zu ihr „Karen,
du musst unbedingt hierzu mal einen Workshop geben“. „His words sent a
vibration humming through my heart (…) I had a deep and resounding inner „YES“
and decided to conduct an experiment“. (Seine Worte summten in meinem
Herzen, ich fühlte innerlich ein tiefes und nachklingendes JA – und beschoss, ein
Experiment zu wagen). Sie buchte den gleichen Raum, nutzte die gleiche Werbung
nur mit neuen Daten. Dieses Mal erschien der Artikel in der Zeitung und 32
Menschen kamen zum Workshop. Beide Male war das Außen völlig gleich, nur das
Innen war anders – beim zweiten Mal hatte sie re-agiert und die Energie war da.
Ein wie ich finde geniales Beispiel, wie tiefgreifend der Unterschied zwischen
Initiieren und Reagieren deine ganze Welt beeinflussen kann. So viel Magie liegt in
der Reaktion aufs Leben – dann trägt es!
Ein Generator sollte erst ins Bett gehen, wenn er auch wirklich müde ist, dann
schläft er gut und wacht neu aufgeladen auf. (Das ist wie früher mit den Handys,
auch sie sollten erst an die Steckdose, wenn sie leer waren, sonst schadet es dem
Akku). Auch das ist für Eltern wichtig zu wissen – prüft einfach, ob die üblichen
pädagogischen Regeln „ein Kind in diesem Alter gehört um 19 Uhr ins Bett“ für
euer Kind auch passend sind. Generatoren sind meist sehr körperlich, denn es ist ja

11 (2016, ebook, Position 201-216)


45
auch ihr Körper, der sie führt. Für sie ist es besonders schlimm, wenn sie ins
Mentale rutschen und der Kopf alles bestimmen will.
Tipp: übt, die Bauchstimme zu verstehen, indem ein Gegenüber euch immer
wieder Fragen stellt, z.B. “magst du schwimmen gehen“? Die Grundübung für
jeden Generator – Uhum/UmUm -Ja/Nein Fragen. Das gilt es, ernst zu nehmen,
denn theoretisch im Kopf geht die Übung nicht. Lasst euch fragen, ihr werdet
begeistert eure Klarheit erkennen. Genießt abends das am Tag Geschaffte, feiert
eure Durchhaltekraft.
Bekannte Generatoren sind z.B. Madonna, Britney Spears, Edward Snowdon, Elvis
Presley, Kiefer Sutherland, Margaret Thatcher, Vincent van Gogh, Oprah Winfrey,
Christina Aguilera, Jessica Alba, Boris Becker, Jim Carrey, der Dalai Lama, Albert
Einstein, Meryl Streep, Meg Ryan, Thomas Mann, Deepak Chopkra, John Lennon,
Lenin, CG Jung.

Der Manifestierende Generator (MG) ca. 33 % aller Menschen


Erlaube den Einladungen des Lebens, zu dir zu kommen, folge deiner sakralen Re-
Aktion, prüfe erneut und dann kannst du Schöpfen.
Er ist eine Art Hybrid, eine Mischung aus Generator und Manifestor. Daher liebt
ein MG das Initiieren besonders, sollte aber, damit es für ihn stimmt, eben auch
unbedingt VORHER auf das Sakrale Ja/Nein hören. Wenn das Sakral mit der Kehle
verbunden sein sollte, kann er seine Reaktion auch direkt als ein “Ja” äußern
(während die echte Reaktion des reinen Generators eben ein Uhum, ein sakraler
Laut ist). Ein MG “entsteht”, wenn einer der vier Motoren direkt oder indirekt mit
der Kehle verbunden ist und gleichzeitig das Sakral definiert ist).
Meiner Beobachtung mit Freunden und Klienten nach ein herausforderndes Design
– einfach weil diese extrem starke Strömung des Bewegen-Wollens, in-Gang-
bringens, Manifestierens in der Energie wirkt – wie ein Porsche mit laufendem
Motor und angezogener Handbremse. Wenn sie einfach loslegen wird es
möglicherweise nichts werden und sie sind frustriert. Und stillzuhalten, bis die
Einladungen des Lebens kommen ist nicht einfach – bringt oft Gefühle von
Frustration und Ärger. Aber wie mit allem, das so schwierig ist, hat es natürlich
auch sein besonderes Highlight: im Falle, dass alles stimmt - der Motor ist passend
zur Autorität angesprungen, geprüft und stimmig – dann ist hier die
beeindruckendste und ausdauerndste Kraft von allen in Aktion.

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Ein feiner aber bedeutender Unterschied ist, dass das MG, sobald er ein Ja spürt,
dennoch ein zweites Mal schauen muss, ob es wirklich passt. „Magst du mit mir ins
Kino gehen?“ Der reine Generator lauscht der Bauchstimme, das Sakral sagt Uhum
und ja. Los geht’s, jetzt ist entschieden und es gibt kein Zurück. Anders der MG, er
geht mit zur Tür, fühlt sich sozusagen in Ausflug hinein und kann unter Umständen
dann sagen „ach nee, doch nicht, ist mit zu kalt“ oder „hab doch keine Lust“ lieber
X oder Y…. Das kann nerven - aber sorry, der MG muss so „zickig“ sein, dafür ist er
grandios, wenn es denn wirklich losgeht. Er muss sich in die Vision dessen, wie es
sein wird, hinein fühlen oder sogar mit Dingen anfangen und dann nochmal prüfen,
ob es wirklich passt. (Wichtig, wenn ihr solche Kinder habt: “Fußball … ach nein
Schwimmen - ach nee, doch Nico besuchen” - sie können nichts dafür, nur so ist es
für sie richtig!) Es ist, als müssten sie das zu Entscheidende erst „anprobieren“ und
fühlen, wie es passt. Sie müssen herausfinden, wie die innere Re-aktion ist, ob es
sich stimmig anfühlt.
Daher ist es wichtig, sich das Um-entscheiden zu gestatten. Es war nicht etwa eine
falsche Entscheidung, sondern einfach ein Herausfinden und Neu-Ausrichten. Die
Reaktion, die überprüft wurde. Dieses Prinzip von Versuch und Irrtum bringt
letztendlich eine Meisterschaft im Leben, denn ein Manifestierender Generator
lernt auf diese Weise viel über Effektivität (ähnlich wie die dritte Linie im Profil). Sie
leben in einer Art „Feedback-Modus“, in direkter Verbindung zwischen dem Leben
und der eigenen Reaktion, um ständig ihren Weg dem, was für sie stimmig ist,
anzupassen. Und wenn es dann losgehen soll, dann aber bitte auch sofort. Ein MG
kann nur schwer ertragen, wenn er mit dem Partner spazieren gehen will und
dieser dann mal eben noch ein Brot schmiert, denn alles in ihm schreit „jetzt!!!“
Der Schritt vom Anspringen zum Manifestieren ist beeindruckend schnell. Denn
wenn es zu spät ist, die Energie-freisetzende Reaktion dann noch warten soll, fällt
die Kraft ab. Ihr Zeitpunkt ist vorbei. Gottseidank jedoch kann die erneute
Reaktion ja auch jederzeit wieder geschehen – dann muss der Partner (dann gern
fertig und aufbruchsbereit) halt einfach nochmal fragen, ein bissl später und als
wäre es das erste Mal: „Schatz, magst du mit mir spazieren gehen?“
Andererseits: Wenn es nichts gibt, wofür es gerade anspringt, wenn außer lästigen
Pflichtaufgaben nichts ruft, kann dieses so kraftvolle Wesen sehr müde und
kraftlos werden – dann kann es vorkommen, dass sich die Energie, die nicht gelebt
wird, nach innen wenden, den Menschen herunterzieht. Sie kommen dann kaum
vom Sofa hoch, wie ein Löwe, der zulange im Käfig war und selbst bei offener Tür
sich nicht mehr aufraffen mag. Oft ein Hinweis darauf, dass der eigene Weg gerade
nicht gegangen wird, dass man sich zurückhält. Hier ist es oft sehr dienlich, einen
Blick hinter die Kulissen auf das zu werfen, was den eigenen Weg behindert (sei es
das Nicht-Selbst der Konditionierung, systemische Verknüpfungen, Traumata) und
„freizuräumen“, dass die sakrale Kraft auch führen darf.

47
Manifestierende Generatoren können und mögen mehrere Dinge zugleich tun. Wie
ein Jongleur, der seine Befriedigung aus der Fähigkeit zieht, möglichst viele Bälle in
der Luft zu halten, genießen sie den Flow des reagierenden Manifestierens auf
vieles in ihrer Umgebung. Mit dem Kanal 34-20, der Sakral und Kehle verbindet,
kann es hier besonders intensiv sein, hier ist der Druck, ständig etwas zu tun, am
größten. Eine Reflektor-Klientin wollte ihrer Schwester, die ein 34-20
Manifestierender Generator ist, nach einer Operation beistehen. Am Abend –
müde und auf dem Weg ins Bett - findet sie die frisch Entlassene in der Küche,
beim Abtrocknen. Sie schaut schuldbewusst zu ihrer Reflektor-Schwester und sagt:
„Ich weiß, ich soll liegen, aber ich kann nicht anders, ich muss einfach was tun“.
Sollte diese intensive Energie aus irgendwelchen Gründen nicht gelebt sein können,
kann sie sich nach innen wenden, dann sind diese Kraftpakete depressiv und wie
gelähmt.
Der MG neigt dazu, Schritte zu überspringen und Nebensachen wegzulassen
(Fragen wie „wie finanzieren wir denn den Kauf des Nachbarhauses“ beantwortet
er gern mal mit einem nonchalanten „ach, das wird schon“. Und tatsächlich, es
wurde). Das macht sie einerseits extrem effizient, wenn aber die Ungeduld zu groß
wird und die Führung übernimmt, kann es passieren, dass Wichtiges übersehen
wird. Wenn der MG nicht wartet, gehen oft Geld und Energie verloren. Überhaupt
ist dieses Abwarten für den MG viel schwerer als für den reinen Generator. Es
können leicht Gefühle von Ärger und Frustration entstehen, wenn es scheinbar
nicht schnell genug geht oder nicht funktioniert. Dieses geduldige Warten, das für
einen reinen Generator stimmig ist und zu Erfolg führt, passt hier nicht. Es muss -
und darf – in Reaktion – ausprobiert werden, geprüft, und gegebenenfalls wieder
verändert. Mein Tipp: erlaube dir, immer neu zu gucken, fühl dich in die Vision des
Geplanten hinein, erlaube dir herein und herauszuspringen ins Erleben. Genieße
deine Vielseitigkeit und die Durchhaltepower beim Manifestieren bei dem, was
dein „ja“ hat. Und bitte: erst anspringen, dann schöpfen. Versuch es mal mit
diesem Gedanken: “Das Leben hat den allerbesten Plan für mich und ich habe
absolut alles, was ich brauche, um glücklich und erfolgreich zu sein”. Dann genießt
du einfach das zu dir kommende Buffet der Möglichkeiten.
Noch ein kleiner Unterschied zum reinen Generator: der MG sollte abends die
letzte Energie liegend verbrauchen, er muss langsam „runterkommen“ und sollte
zu Bett gehen, bevor er einfach umfällt (wie der Generator.) Dann erholt er sich
vollständig während der Nacht. Und nur als Vorschlag – generell am erholsamsten
für das Energiesystem aller Menschen ist es, allein zu schlafen, denn egal zu
welchem Typus wir gehören, wird das Feld durch den anderen nachts konditioniert.
Mehr dazu im Kapitel Beziehungen.
Der Segen dann ist tiefe Befriedigung und Erkenntnis deiner Selbst.

48
Bekannte Manifestierende Generatoren: Angelina Jolie, Ernest Hemingway, Naomi
Campbell, Clint Eastwood, Arnold Schwarzenegger, Jean Paul Satre, Muhammed
Ali, Sidney Potier, Mutter Theresa, Tina Turner, Donald Trump, Mahatma Gandhi,
Sigmund Freud, Hillary Clinton, Vincent van Gogh, Martin Luther King, Michael
Gorbatchov, Friedrich Nietzsche, Steffi Graf, Jimi Hendrix.

Der Projektor - ca 20 % der Menschen - die Führung der neuen Zeit

Warte auf die Einladung. Deine Energie ist magnetisch und attraktiv, die
Einladung wird kommen.
Diese Rubrik beginnt mit einem eigenen Projektor-Bild (ich sah dieses Geschäft in
Astana, Kasachstan) und allein dadurch darf deutlich werden: Ein Projektor ist
etwas sehr Besonderes. Auch eine Beratungssitzung läuft anders ab – nämlich
abhängig vom Alter des Klienten. Wenn sie, wie meist, im mittleren Alter und
aufwärts sind, beginne ich mit dem Satz „du bist nicht auf der Welt, um zu
arbeiten; vom Gefühl her darfst du immer dein Sofa dabei haben und auch mal
einfach dem Leben zuschauen“ und bekomme immer ein staunendes, erleichtertes
und zustimmendes Lächeln. „Woher weiß sie das…?“ Jaaaa, das wäre schön!
Anders als Manifestoren und Generatoren gehören die Projektoren zu den Nicht-
Energietypen (ein etwas irreführender Begriff, daher wird er heute oft eher mit
“Wahrnehmungstyp” ersetzt). Es geht nicht um das Selbst-Tun oder Arbeiten als
Erfüllung ihres Lebenssinns. Das Sakral ist offen. Es gibt keinen direkten
Handlungsmotor, auch wenn ein Projektor durchaus mehrere Motorzentren
haben kann. Aber eben niemals das Sakral und nie eine direkte Verbindung eines
Motors zur Kehle.
Um Missverständnissen vorzubeugen: „Nicht-Energietyp“ bedeutet nicht, dass
diese Menschen keine Energie haben – es kann sogar sein, dass ein Projektor über
sehr kraftvolle Energien (Motorzentren) verfügt. Es bedeutet, dass er, anders als
die beiden „Energietypen“, nicht durch den Einsatz dieser eigenen Energie zum
Erfolg kommt. Es geht nicht darum, etwas aus sich heraus zu schaffen oder zu
tun, sondern darum, die Energie Anderer erfolgreich zu lenken. Das führt zur
49
Erfüllung, zu Erfolg und Sinn. Ein Projektor repräsentiert die Energie und Führung
der „neuen Zeit“ – nämlich wahrnehmend, was für den anderen stimmig ist, in
Gemeinschaft, zum Wohle aller. Ein anderer Ausdruck für den Projektor ist
„Koordinator“ – denn seine besondere Gabe ist das Verbinden, Lenken,
Zusammenführen. Vielleicht am besten vorstellbar am Bild des Berufsberaters. Er
nimmt sein Gegenüber wahr, erkennt und erfragt gezielt Interessen und Talente.
Schlägt dann einen Beruf vor – und wenn es passt, wird der Andere dann die
vorgeschlagene und gewünschte Arbeit tun. Nicht der Berater.
Vielleicht hast du schon einmal einen Ruder-Achter gesehen. Sieben Sportler
rudern und einer gibt ihnen Hilfestellungen zu Richtung, Rhythmus und Nutzung
der Energie – denn nur er kann sehen, wohin es geht, er schaut nach Vorne. Das ist
der Projektor. Das besondere seiner Energie ist die Offenheit, diese so genaue
Wahrnehmung des Anderen. Niemand kann ein intensiveres Gefühl des „Gesehen-
seins“ vermitteln als ein Projektor. Die Aura ist gerichtet, fokussiert auf das
Gegenüber. Durch diese Öffnung ist ein solcher Mensch natürlich extrem anfällig
für Konditionierung, der Andere füllt ja diese Offenheit aus. Außerdem muss ein
Projektor sich ja – um den Anderen erkennen zu können – auf ihn einlassen, sein
Energiefeld für den anderen öffnen, was den Projektor für jede Art von
Konditionierung sehr empfänglich macht.
Daher ist eine der Hauptübungen für einen Projektor zu lernen, was für ihn richtig
ist, wohin er seine Aufmerksamkeit lenken soll. Im Idealfall spürt und sieht er,
wohin die Energie seines Gegenübers gut fließen könnte und kann sie dorthin
lenken. Projektoren sind die geborenen Manager. Um das tun zu können, müssen
sie jedoch gesehen und eingeladen werden. Das sind die zwei Kernworte zu
diesem Typus. Sie entscheiden darüber, ob ein Projektor Erfolg hat oder verbittert
wird (“keiner sieht mich, keiner fragt mich”). Erfolg ist auch, wenn genug Energie
da ist, die die anderen Beteiligten zur Verfügung stellen und der Projektor
eingeladen ist, sie zu lenken, zu koordinieren. Um wahrgenommen und in seinen
Gaben erkannt zu werden, braucht ein Projektor Wissen, Fähigkeiten, Gaben –
daher ist es für keinen anderen Typ so wichtig, eine Ausbildung, ein Studium zu
absolvieren, seine Einzigartigkeit zu schulen und zu entwickeln. Denn dann haben
sie etwas, wofür sie gesucht und gesehen werden, das gibt Sicherheit und einen
Halt.
Die größte Versuchung und Gefahr für den Projektor ist es, über das offene Sakral
das Nicht-Selbst des Powermenschen zu leben. Und das können sie sehr
beeindruckend tun! Viele junge Projektoren sind geradezu besessen von Energie,
sie machen Extremsport, Leistungstraining, tanzen die Nächte in der Disco durch.
Und eine Weile lang geht das ja auch. Aber die „Hardware“ eines Projektors ist
nicht für Dauerpower gemacht, und so ist Burnout DAS Projektorthema. Je mehr
offene Zentren im Chart, desto grösser die Versuchung, genau das zu leben, was
50
man nicht ist. Dann kommen, meist mit Mitte 30 bis 40, die Sportunfälle oder die
absolute Überanstrengung im Job. So z.B. Klaus, ein Teilnehmer meiner ersten
Human Design Workshops. Ein ehemaliger Militär, der in seiner aktiven Zeit stets
mit “gutem Beispiel” voran ging und die Rekruten lehrte, schwerste Einsätze unter
massivem Schlafentzug auszuführen. Ein sehr offener Projektor. Und er lachte nur,
als er hörte, dass es ab 35 deutlich wird, dass es nicht um das Selber-Tun geht –
genau in diesem Alter zog er sich eine Sportverletzung am Rücken zu, die wirksam
verhinderte, dass er so weitermacht. Jetzt ist er - sehr erfolgreich – als Berater
tätig.
Damit umzugehen – in einer Welt, wo 70% der Mitmenschen non-stop sakrale
Energie ausstrahlen - braucht Bewusstheit. Für Projektor-Kinder bedeutet das, sie
brauchen Raum, sich bei Wunsch auch mal zurückziehen zu können.
Generatoreltern, die den ganzen Tag etwas mit ihrem Kind unternehmen, meinen
es zwar total gut, überfordern den kleinen Projektor aber unter Umständen sehr.
Ideal wäre, wenn das Kind lernen darf, Einladungen (zum Beispiel in den Zoo, ins
Schwimmbad) anzunehmen oder nicht. Vielleicht sogar Veränderungswünsche
vorzutragen. Das hilft, ein Gefühl für ihre Energie zu entwickeln. Für
Generatoreltern gilt der Tipp, den ich für die Manifestorkinder gegeben habe: zu
schauen, ob das Kind abends mit euch daneben einschlafen kann – denn euer
Sakral sendet ja Energie. (In Gesellschaft sind es oft die kleinen Projektoren, die wie
wild rumhopsen, gefüllt mit der sakralen Kraft der anderen – und nicht
runterkommen können).
Im Leben der Projektoren geht es um den Anderen. Andere erkennen, erfassen,
leiten, führen. Nicht so sehr um sich selbst, (Selbsterkundung ist etwas für
Generatoren, denn sie müssen und wollen sich kennenlernen, nach innen schauen.
Ihnen gilt der Tempel von Delphi „Erkenne dich selbst“). Eigentlich sind sie damit
ein wunderbares Team, der Generator will sich kennenlernen und der Projektor
kann in seiner Erkenntnis des Anderen dabei wunderbar behilflich sein. Das ist sein
Weg zum Glück. Aber für ihn selbst ist die Innenschau sogar kontraproduktiv, so
brillant die Wahrnehmung des anderen ist, so wenig funktioniert sie doch für das
eigene Leben. Ein Projektor der nach innen schaut, verliert seine Richtung. Und so
kann er andere beraten und führen wie kein anderer, aber nicht sich selbst. Daher
ist es im Umkehrschluss wichtig zu wissen, dass auch wenn ein Projektorfreund
blind bei eigenen Themen ist, er beim Anderen absolut klar sehen kann. Hier liegt
jedoch auch eine mögliche Schwierigkeit, denn oft sind Projektoren eher kritisch,
sie leben ja meist nicht entsprechend ihres Designs und sehen das Kritische, Nicht-
Funktionierende im Anderen, während sie die eigenen problematischen Themen
eher auszublenden scheinen. Wenn sie dann eben uneingeladen ihre
Wahrnehmungen mitteilen, wird das auf wenig Gegenliebe stoßen. Das kann zu
tiefer Abwehr führen, dann nehmen die anderen den Projektor als bedrängend

51
oder auch Energie-saugend wahr (denn er nutzt ja die Energie der anderen) –
anstatt dessen grandiose Fähigkeiten nutzen zu können.
Das ist wirklich der wichtigste Aspekt: Um Führen und Lenken zu können, braucht
es eine Einladung. Der andere muss haben wollen, was der Projektor anbietet. Das
klingt logisch, ist in seiner Konsequenz aber teilweise sehr extrem. Denn sobald ein
Projektor initiativ wird – zum Beispiel ungefragt kommentiert „du fährst im
falschen Gang“ oder „dein Kleid ist hinten zu kurz“, wird er Ablehnung erfahren.
Sofort, mechanisch, immer. Denn die Aura des Projektors ist „penetrierend“, sie ist
gerichtet auf eine andere Person und durchdringt deren Feld. Damit wird schnell
klar, dass man das wollen muss. Es hat eine ganz andere Wirkung, wenn das
Gegenüber gefragt wurde – „guckst du mal, welchen Gang soll ich am Berg
nehmen“ oder „ist das Kleid okay?“ - Welten liegen dazwischen! Leider kommen
so echte Einladungen eher selten vorbei, das ist nicht der Alltag. Damit keine
Missverständnisse entstehen: die Gabe des Führens ist nicht etwa im Sinne einer
militärischen Kommandosprache zu verstehen – ein Projektor führt durch seine
Fragen. Er stellt die richtigen Fragen – und das öffnet völlig neue Horizonte für den
Anderen. Auf diese Weise wird Bewusst-Sein geschaffen, öffnen sich neue Wege. Er
kann erfassen, wer sein Gegenüber ist – und was dort möglich sein kann. Er weist
den Weg - wenn er eingeladen ist! Und natürlich können auch Gelegenheiten
einladend sein!
Das ist ein zunächst sicher extrem schwieriger, mühsam zu lernender und oft
schmerzhafter Weg: zu warten, bis man eingeladen ist, etwas zu sagen. Denn die
Erkenntnis schreit ja im Inneren die ganze Zeit. Und Ablehnung tut weh! Die
wirklich erfolgversprechende (aber schwierige) Übung ist hier, nichts zu tun, nichts
zu sagen, nichts anzubieten. Sondern für sich selbst vorbildhaft zu leben, die
eigenen Grenzen zu respektieren, darauf zu achten, wann es (für das offene, nicht
für die Arbeit gemachte) Sakral „genug“ ist. Fachmann/frau in seinem Bereich zu
sein – denn nur dann hat der Projektor ja etwas , das der andere haben wollen
könnte. Eine Gabe, ein Wissen, eine Sichtweise, für die man ihn dann um Rat
fragen wird. Es geht wirklich um die Bewusstheit. Wenn man als Projektor bewusst
mit seinem offenen Sakral spürend umgeht, wird man bei einem Generator-
Gegenüber sofort wahrnehmen können, wie es um seine Energie bestellt ist. Der
Projektor wird zum Experten der Wahrnehmung – und wenn er diesen Schatz ehrt
(= ihn für sich behält) wird er ganz sicher um Rat gefragt werden.
Wenn das sich unmöglich anfühlt, wenn der Druck, etwas beizutragen zu groß ist,
kann es ein Mittelweg sein, wenn der Projektor lernt, Fragen zu stellen zu dem
Thema der Wahrnehmung, die er hat, zu fragen, ob der andere es hören mag.
Denn: eine Frage hat eine völlig andere Energie als eine Aussage – und so trifft sie
auf weniger Widerstand.

52
Die Ko-Strategie des Fragens macht gewogen. Einfach die Wahrnehmung ohne
diese Frage auszusprechen, fühlt sich wie ein Übergriff an – und führt zur
Ablehnung, egal, wie passend das Ganze grundsätzlich auch sein mag. Die Gabe der
Projektoren ist kostbar. Und da sie in ihrem Energiefeld etwas Attraktives,
Magnetisches haben, kommt die Einladung meist auch. Vorausgesetzt, der Mensch
erschöpft sich nicht vor lauter Ungeduld durch das Warten damit, sein Nicht-Selbst
zu leben, also all das zu tun, was eben nicht der eigenen Energie entspricht. Dann
sind sie die letzten im Büro, die ersten, die morgens wieder da sind, alles erledigen
– in der Hoffnung, gesehen und anerkannt zu werden. Doch eine solche
Anerkennung kann nie wirklichen Erfolg bringen, denn es geht darum, für die echte
Gabe, den wahren Kern erkannt und gemeint zu sein. Nur gesehen zu werden ist
nicht das gleiche wie erkannt und geschätzt zu sein. Das Lenken der Energie, die
Gabe des Projektors, hat nichts mit Kontrolle und Zwang zu tun, es ist ein frei-
williger, natürlicher und allen dienlicher Prozess – wenn es stimmig läuft. Alles
andere führt zu Widerstand.
Für jene, die einen Projektor in ihrem Leben haben: es hilft, sich diese
Mechanismen vor Augen zu führen, dann kann man über die erste Reaktion von
Widerstand vielleicht auch mal hinwegsehen auf den Inhalt. Und der lohnt! Und für
den Projektor: Probiere doch einfach mal, nichts zu sagen. Es lohnt, denn dann
werden die anderen fragen, wie du die Sache siehst, dann kommt die Einladung.
Projektor-Kinder sollten abends ins Bett oder in ihr Zimmer gehen, bevor sie müde
werden. Sie können gern noch lesen, aber eben mit sich sein, in ihrem eigenen
Raum. Lesen, Lernen, Mentales, Wissen, das alles gehört zum Projektor, das passt.
Eben weil er ja über diese Gaben im Leben Anerkennung findet – der
Computerspezialist wird ganz sicher „gesehen und eingeladen“, der Manager, der
jede Krise abwendet, weil er im Gespräch seinem Gegenüber das tiefe Gefühl,
völlig gesehen und verstanden zu sein vermitteln kann, muss sich niemals um
seinen Job Sorgen machen. Sie haben Erfolg!
Ein Projektor hat das Potential für tiefe Weisheit und Einfühlungsvermögen, kann
sein Gegenüber sehr gut und schnell einschätzen. Um herauszufinden, was für ihn
passt, hilft die Frage: „Würde ich das essen wollen?“ (Peter Schoeber, Human
Design Lehrer). Das kann ein Projekt sein, eine Person oder Aktivität - natürlich
eine Frage, bei der ein Schmunzeln erlaubt ist, aber sie hilft. Denn in der Tat
„verleibt“ ein Projektor sich die Energie des Anderen ein, um sie zu verstehen.
Somit ist eine vorübergehende Konditionierung nicht zu vermeiden, daher ist das
Human Design gerade für Projektoren so wertvoll, da es ihnen hilft, besser zu
verstehen, was mit ihnen vorgeht.
Ra beschreibt Projektoren als ständig auf der Suche nach einer Steckdose, einer
Person, von der Energie zu ihnen kommt, mit der sie lenken können. Und meist

53
geben die anderen das gerne – denn für ihre Energie bekommen sie sehr viel
Aufmerksamkeit und hilfreichen Input, und das erhöht das eigene Wertgefühl. So
gibt mancher Generator seinen Projektorpartner auch nicht gerne her, er soll da
sein – eine immer verfügbare Quelle von Aufmerksamkeit. Emotionale Projektoren
mit einer Spaltung seien hier gewarnt: wenn ihr die Welle eurer inneren Autorität
nicht abwartet, könnt ihr so bei einem sehr sehr falschen Partner landen – und
dann ist das Verlassen schwierig, denn ihr müsst ja dann auf die Energie, die durch
denen anderen verfügbar wird, verzichten, was wiederum Angst machen kann.
Projektoren sind brillante Muster-Erkenner, sie erkennen Systeme, den Weg, wie
etwas funktionieren kann und was es dazu braucht. Niemand kann besser lenken –
wenn er dazu eingeladen wurde. Das ist der Schlüssel für die gesamte Energie.
Ohne diese Einladung wird er sich abgelehnt fühlen, wenn er seine Beobachtungen
teilt, ohne dass der andere ihn darum gebeten hat, denn dann kommt Widerstand.
Hier ist es wichtig, diese Mechanik zu verstehen, es ist nicht persönlich!
Wenn Generatoren zusammen sind, sind alle eingehüllt in diese warme, zu sich
hinziehende Aura. Ein Projektor wird sich in solch einer Gruppe jedoch immer ein
bisschen „außen vor“ fühlen. Das kann ein großer Schmerz sein, dieses “nicht-
dazu-gehören”. Doch am Rande der Gruppe zu sein ist stimmig, denn nur von
dieser Position aus kann der Projektor beobachten und den Weg aufzeigen. Er
weist in die richtige Richtung. Das wird nur zu einem Problem, wenn man denkt,
man müsse so sein wie die anderen – und natürlich gleichzeitig merkt „ich bin
anders“. Sobald sie „dazugehören“ wollen, Teil der Gruppe sind, passiert etwas
Erstaunliches – dann sagen die anderen Gruppenmitglieder dem Projektor, was er
tun soll. Sie setzen ihn ein – und mit seiner Führung, dem Umsetzen und Folgen
seiner Wahrnehmung ist es vorbei, er verliert das Kostbarste, was er hat: sein
Gespür für die Energien, und wird zum Sklaven der Rolle, in die man ihn presst.
Ideale Voraussetzungen für einen Projektor sind 1:1-Gespräche, da seine
fokussierte, durchdringende Aura dort dem Gegenüber ein einzigartiges Gefühl von
Gesehen-Sein vermitteln kann (das gilt auch für Manager-Projektoren: führt
Einzelgespräche mit euren Mitarbeitern!). Dieser Mechanismus ist wichtig, weil es
so viele Missverständnisse aufklären kann. Denn sobald ein Projektor sich im
Gespräch mit zwei Menschen dann einer Person zuwendet, fühlt sich die andere
verlassen, nicht wichtig genommen, verletzt. (Das gilt auch für Eltern und Kind,
Partner und Freunde. Es ist eine immer gültige Mechanik der Energie). Die wahre
Gabe und das Geschenk des Projektors ist ja, sich auf einen Menschen total
einzustimmen, ihm das Gefühl zu geben, ihn wirklich zu sehen und zu verstehen.
Das gilt auch für berufliche Gespräche, einzeln ist immer besser als in einer Gruppe
zu sprechen. Die Projektor-Aura durchdringt wirklich das Energiefeld des anderen,
wie ein gerichteter Strahl. Das fühlt man. Diese „ich sehe dich und konzentriere

54
mich auf dich“ Energie funktioniert sogar, wenn der Projektor gar nicht richtig
zuhört.
Die meisten Projektoren müssen sprechen, um herauszufinden, was sie wollen, wie
sie zu etwas stehen. (Wichtig z.B. für Partner und Eltern zu wissen: ideal ist
wirklich, wenn dem Projektor echtes Interesse aktiv entgegengebracht wird.) Denn
wenn sie sich nicht gesehen und nicht gewollt fühlen, kommt Bitterkeit. Und viele
Projektoren sind sehr sehr bitter. Das wiederum macht eine Einladung immer
unwahrscheinlicher, ein Teufelskreis. Die meisten von uns kennen den Liedtext:
„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu“. Leider leben viele
Projektoren genau so. Anstatt sich auf das zu fokussieren, was sie sind – z.B. ein
Organisator, oder ein klarer logischer Planer, verausgaben sie sich bis zur
Erschöpfung, um den eigenen Wert zu beweisen – dann ist bald nichts Anziehendes
mehr da und der Projektor wird immer weniger gesehen. In diesem
Zusammenhang gilt es vor allem auch Planetentransite zu beachten, denn es
kommt immer mal vor, dass für eine Zeitlang auch das Sakral eines Projektors
definiert wird und ihm so vorübergehend mehr Energie zur Verfügung steht.
Hier das Beispiel von Daniel, einem sehr offenen Projektor. Daniel hat seine alte
Arbeit verlassen müssen und sucht einen Job. Was ihm nicht bewusst ist : für die
Zeit von mehreren Monaten sind durch die Planeten sein Sakralzentrum und
Wurzelzentrum definiert, er hat also – vorübergehend – viel mehr dauerhaft
nutzbare Energie als sonst. Und so nimmt Daniel eine Stelle an, die von ihm fordert,
lange Fahrten zum Kunden zu machen, teilweise wochenlang dauerhaft in Aktion
zu sein. Und begeistert von der neuen Dynamik, die er seiner Tätigkeit zuschreibt,
arbeitet Daniel. Die Krise kommt, als diese Konstellation sich verändert – nur dass
Daniel natürlich glaubt, es liegt an ihm, irgendwas stimmt nicht mit ihm. Die daraus
folgenden Selbstzweifel lassen ihn härter und härter arbeiten, bis er schließlich
nicht mehr kann – Burnout heißt die Diagnose. Der Job ist weg und das Selbstbild
vernichtet.

Es braucht wirklich diese Erkenntnis, dass


sakral offene Menschen nicht zum Arbeiten
auf der Welt sind. Sie werden niemals
glücklich dadurch, das ist etwas für
Generatoren. Man könnte den Projektor mit
einem Surfer großer Wellen vergleichen: Die
meiste Zeit treiben sie draußen vor sich hin,
tun gar nichts. Aber sie nehmen wahr.

55
Und wenn dann die richtige,
einladende Welle kommt – deren
Potential sie genau erkennen –
dann geht’s los. Sie lassen sich
unglaublich elegant tragen von der
Energie, weil sie genau sehen, wie
sie fließt und wirkt. Das Bild links
verdeutlicht diese besondere Gabe:
so viel Energie geschickt zu nutzen
und zu lenken. Und dann kommt
noch der Dienst hinzu – denn es
geschieht zum Nutzen aller.
Der beste Rat ist also: Einfach sich selbst und die Welt genießen, bis was
Einladendes vorbeikommt. Und dann (vor allem, wenn du eine emotionale
Autorität hast) nochmal gut hinschauen. Aus der verzweifelten Suche nach einer
„Steckdose“, aus der Energie zum Projektor fließen kann, entstehen keine guten
Verbindungen. Nur über das “Gesehen und Gemeint-sein” und der Zustimmung für
das für dich Stimmige geschehen langfristig auch gute Dinge.
Wenn die Einladung dann endlich kommt, sind viele Projektoren jedoch so
dankbar, dass sie fast alles annehmen. Die folgende Geschichte steht
stellvertretend für viele in der Art, die ich über die Jahre von Projektoren gehört
habe: Hilde A., inzwischen über 80 und seit 50 Jahren unglücklich mit ihrem Mann
verheiratet, ein sehr offener Projektor. Er ist Generator. Und wie sie selber sagte:
„eigentlich mochte ich ihn gar nicht. Wir hatten gar nichts gemeinsam und seine
Haltung zu Frauen mochte ich auch nicht. Aber er hat sich so sehr um mich
bemüht.“ Das war unwiderstehlich für sie. Und jetzt muss sie darum kämpfen, mal
aus dem Haus zu dürfen. Denn das ist ein weiterer Effekt – wer einen Projektor-
Partner hat, will ihn gern immer „zur Hand haben“. So eine wunderbare Quelle von
Aufmerksamkeit und Inspiration. Und so brauchen viele Projektoren sehr sehr
lange, bis sie sich aus unglücklichen Beziehungen lösen. Denn sie glauben ja nach
einer Weile, dass sie es allein nicht schaffen.
Um das Wort „Einladung“ noch etwas zu klären – es bezieht sich primär auf die
großen Lebensentscheidungen, die Einladung zu Beziehungen und Verbindung, zur
Liebe, zu einer Arbeit und zu dem Ort, wo man leben möchte. Hier braucht es das
Nicht-Tun, die magnetische Stille, die dann alles zum Projektor ziehen wird. Und
das Prüfen, ob es die für dich richtige Einladung ist! Einladungen, die korrekt sind,
beinhalten immer zum einen, dass man genau dich sieht und meint und nicht
einfach irgendjemand, und zum anderen, dass der andere bereit ist, Energie zu
investieren in das Projekt, denn das ist der Deal: der Generator stellt die Energie
zur Verfügung und der Projektor ist eingeladen, sie bestmöglich zu lenken.
56
Ich kenne viele Projektoren, die alle möglichen unangenehmen Jobs machen – weil
man sie dazu eingeladen hat, mit cleveren Worten. Aber sein wir ehrlich, nur weil
jemand sagt: „ach, so schön wie Sie kann niemand die Bettpfannen leeren, bitte
machen Sie den Job, für 5 Euro die Stunde“ sollte man nicht ja sagen. Denn eine
Einladung, der Supersklave zu sein ist nicht wirklich attraktiv. Da zahlt es sich aus zu
warten, bis etwas Besseres kommt. Jeder Projektor sollte üben, Bedingungen zu
stellen. Nicht so dankbar für die Einladung („endlich“!) zuzustimmen, sondern nur
wenn alles passt anzunehmen mit einem: “Ja, okay, aber XY hätte ich gerne auch
noch”. Erst dann wird es stimmig.
Projektor sein ist magisch, magnetisch, führend, wissend, weise und erfolgreich -
wenn du dir erlaubst, deiner Strategie zu folgen: warte, bis du eingeladen wirst.
Und es kann auch total anstrengend, erschöpfend und bitter sein, wenn du deinen
Wert selbst beweisen willst. Wenn ein Projektor wirklich sein Design lebt, ist es
ein elegantes Gleiten durchs Leben, die Dinge kommen zu Dir! Dann begleitet der
Erfolg alle Schritte.
Bekannte Projektoren: Brad Pitt, Nelson Mandela, Barack Obama, Angela Merkel,
Konrad Adenauer, Sri Aurobindo, Brigitte Bardot, Barbara Streisand, Heinrich Böll,
Berthold Brecht, Niclas Cage, Osho, Mick Jagger, Woody Allen, Salvador Dali,
Elisabeth Taylor, Shirley McLaine, Demi Moore, Napoleon Bonaparte, Tomy Blair,
Princess Diana, Joseph Stalin, Lee Pace.

Der Reflektor –
ca. 1 % der Weltbevölkerung
Spiegel des großen Ganzen

Ein sehr seltenes Wesen! Und eine ganz eigene Art, im Leben zu sein. In diesem
Chart sind alle Zentren offen – und werden immer nur zeitweise durch die
Umgebung, Transite der Planeten und besonders den Mond beeinflusst. Der
Reflektor ist der älteste Typus, er repräsentiert die ursprüngliche Idee der Einheit
allen Lebens – und ist damit natürlich auch sehr modern. Für den Reflektor ist nicht
die Sonne, sondern der Mond von größter Bedeutung. Über den Mondumlauf und
die Transite ergibt sich die innere Autorität eines 28-Tage-Zyklus, den es bei allen
wichtigen Entscheidungen abzuwarten gilt.
Ihr Leben ist wirklich Wandel, denn die offenen Zentren werden durch
Planetentransite immer wieder kurzfristig definiert und so erleben sie sich als sehr
57
unterschiedlich. Daraus folgen Fragen wie „Wer bin ich heute? Was mag ich heute,
was stimmt für mich?” Und als Allerwichtigstes: “Wo bin ich und fühle ich mich hier
wohl?” Das bezieht sich auf wirklich jeden Bereich ihres Lebens, eine Reflektor-
Klientin meinte neulich im Kurs völlig entnervt, dass sie eigentlich nie die richtigen
Klamotten einkaufen kann, „denn was mir heute gefällt, finde ich in zwei Wochen
scheußlich“. Ein vielseitig gefüllter Kleiderschrank kann immerhin dieses Problem
lösen - an Job und Beziehungen stellt diese Wandlungsfähigkeit jedoch größere
Herausforderungen.
Die Offenheit der Reflektoren bedeutet, dass sie durch ihre Umwelt berührt
werden – aber eher, um sich selbst zu spüren und zu entdecken, was richtig für sie
und den anderen ist. Es handelt sich nicht automatisch um eine Konditionierung im
Nicht-Selbst, wie es für die anderen Typen in den offenen Zentren wirken kann.
Man kann die ReflektorAura als Teflon-Energie sehen, sie tastet das Gegenüber ab,
spiegelt es, beleuchtet, wird aber nicht automatisch tief konditioniert (ein offener
Projektor ist viel empfänglicher für fremde Energien und die Konditionierung durch
den Anderen, denn so funktioniert ja seine Wahrnehmung). Die Offenheit des
Reflektors macht ihn nicht zwangsläufig zu einem Nicht-Selbst-Wesen, denn es
geht immer um das Bewusstsein dessen, was ich eben nicht bin – also darum, sich
nicht mit den Themen der definierten Zentren zu identifizieren. Reflektoren
spiegeln und verstärken die Energie des Anderen – so dass dieser sich darin
wahrnehmen kann – wie ein Schminkspiegel in achtfacher Vergrößerung. Im
Idealfall erlaubt die Aura des Reflektors der Energie des Außen, durch ihn
hindurchzufließen, ohne die Energie des Anderen zu tief in sich hineinzunehmen.
Frei von Urteil. Somit kann ein Reflektor eine fast mystische Qualität haben, die
darin besteht, im Wunder des Augenblicks zu leben und die Welt damit immer neu
zu erleben, spontan, voller Freude und Leichtigkeit. Wenn Reflektoren in einer
Gruppe von Menschen sind, können sie sich selbst als extrem kraftvoll erleben, sie
werden quasi „befeuert“ durch deren Energie. Das ist natürlich wichtig zu
verstehen, denn wenn sie dann wieder alleine sind, fühlen sie sich ganz anders.
Da Reflektoren ein offenes Selbst haben, kommt der Umgebung für sie eine ganz
besondere Bedeutung zu. Für das offene Selbst geht es ja darum, dem Leben zu
erlauben, es zu führen – dann kommen die passenden Orte und damit dann die
richtigen Menschen. Das Wort „Reflektor“ legt es schon nahe – er reflektiert das,
was ihm gegenübersteht. Daher ist die passende Umgebung der Schlüssel für
alles. Wenn sie nicht stimmt, wird das System überflutet vom Chaos und all den
Gefühlen und Gedanken der anderen. In einem stimmigen Umfeld kann ein
Reflektor jedoch in seiner Weisheit reflektieren und sich nicht identifizieren.
Ich begleite seit Jahren eine Reflektorin, die in einer Patchwork-Familie lebt. Es
gibt ganz viel Liebe zu ihrem Mann – aber sie leben im Haus seiner früheren Ehe, in
dem sie sich von Anfang an nicht wohlfühlte – und so ist alles anstrengend,
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mühsam, nur die vielen Spaziergänge in der nahegelegenen Natur jeden Tag helfen
ihr, es auszuhalten. Und die über das Design erlangte Erlaubnis und Ermutigung,
ihr eigenes Wohnzimmer zu haben und zu gestalten. Ganz für sich. Daher nur als
Vorschlag zur Reflektion eine These von Peter Schöber: Für den Reflektor kommt
im Grunde als Basis für das Wohlbefinden zuerst der Ort, dann die Gruppe von
Menschen, mit denen er dort lebt, und dann die Partnerbeziehung. Wie gesagt,
das ist keine Wertung, nur eine Anregung. Und es erinnert mich ein bisschen an die
Thesen von Hellinger in der Systemischen Arbeit, wo es ja auch nur darum geht,
wie und wo es allen gut geht und nicht um eine Bewertung.
War ein Manifestor an der eigenen Auswirkung interessiert, der Generator an sich
selbst und der Projektor am Anderen, so geht die Aufmerksamkeit des Reflektors
auf das Ganze, die Gruppe, die Gemeinschaft. Nur ein Reflektor kann ein ganzes
System erfassen und widerspiegeln; er beleuchtet mehr als nur sein Gegenüber.
Reflektoren haben eine tiefe Weisheit in sich, die sie spüren lässt, was in der
Umgebung und bei anderen Menschen funktioniert und was nicht. Hier ist wichtig,
dass sie sich nicht identifizieren mit dem, was sie reflektieren, denn dann verlieren
sie sich und ihre Gabe, eben alles zu spiegeln, alles zu sein. Dann versuchen sie, zu
sein und zu leben wie alle anderen, und dann kommt die Enttäuschung – über sich
und über die Welt. Wenn sie aber in der Beobachtung bleiben können, annehmen
können, so anders zu sein in der Fülle der Möglichkeiten, dann kommen Freude
und jenes Staunen, das schon die Mystiker als Schlüssel zum Glück erkannt haben.
Es tut dem Reflektor gut, Menschen um sich zu haben, mit denen er über seine
Gedanken sprechen kann. Immer wieder, während er den Mondzyklus abwartet,
bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden. Der Grund hierfür ist, dass er
über den Mond zumindest kurzfristig in Folge alle seine Anlagen definiert erlebt
(denn die im Chart aktivierten Tore verbinden sich zeitweise mit dem
gegenüberliegenden Tor zu einem Kanal – was wiederum beide Zentren für einen
gewissen Zeitraum definiert. Dazu mehr im weiteren Verlauf des Buches, wo ich
Kanäle und Zentren erläutere). Hier liegt die Konstanz für den Reflektor, das
verlässliche wiederkehrende Muster – über den Lauf des Mondes werden alle
Anlagen (die hängenden Tore, die Aktivierungen in den Zentren durch die Planeten
in Persönlichkeit und Design) im Laufe von 28 Tage berührt. Diese Planeten haben
eine wesentlich stärkere Auswirkung auf den Menschen als ihre persönliche
Umgebung (rund 6-7 Mal intensiver), Ra meinte, Reflektoren seien designed, mit
den Göttern (den Planeten) in Verbindung zu gehen. Ihre mystische Gabe liegt
daher auch darin, eben mit allem, was ist, eine Verbindung zu haben.
Bei so viel Veränderung schätzen die meisten Reflektoren eine gewisse Stabilität in
ihrem persönlichen Umfeld. Sie haben gerne die gleichen Menschen um sich
herum, schätzen die Konsistenz einer vertrauten Aura. Wer mit einem Reflektor
zusammenlebt, wird sich wahrscheinlich viele Male im Monat einem ganz anderen
59
Partner gegenüber sehen – denn das Transitfeld der Planeten wandelt den
Reflektor sehr. Für Partner, Freunde und Familie des Reflektors braucht es
Offenheit und die Bereitschaft, sich immer wieder neu einzustellen auf ihr
Gegenüber, nicht vom Reflektor zu erwarten, dass er morgen so ist wie gestern.
Und der Reflektor selbst braucht immer wieder Zeit, allein mit sich zu sein, um
„sich“ zu spüren, denn in Gegenwart eines anderen ist er ja gefühlt kein Reflektor
mehr. So haben sich kürzlich bei einer Fortbildung die teilnehmenden Reflektoren
an einem Tag ganz zurückgezogen, waren nur unter sich – und haben so am
folgenden Morgen die Teilnehmergruppe der gemischten Typen für die Fortbildung
„den Typus Reflektor kennenlernen“ begrüßt – damit diese die Gelegenheit hatten,
wirklich zu spüren, wie es ist, so einem besonderen Menschen gegenüberzustehen.
Wichtige Themen für den Reflektor sind Beziehungen (verbunden mit der Gefahr,
sich vom anderen abhängig zu machen) genauso wie regelmäßiges Alleinsein (vor
allem in der Natur). Für die meisten fühlt sich das auch lebensnotwendig an, denn
nur in diesen Alleine-Zeiten kann sich der Mensch wirklich mit sich verbinden und
verarbeiten, was aufgenommen wurde. Das Thema „Raum“ wird in jeder
Verbindung mit anderen, besonders aber im Beziehungs- und Familienrahmen sehr
wichtig sein.
Es gibt eine grundlegende Verbindung des Reflektors mit dem Gesamtprogramm
der Maya, unserer kollektiven Illusion der Welt, und so fallen ihm besonders die
Menschen auf, die nicht zu einer Gruppe oder Gemeinschaft passen, die anders
sind. (Wer den Film Matrix kennt, versteht sicher sofort, was das bedeutet). Darin
liegt großes Potential – sie sehen, wer erwacht, wer sich aus der Masse erhebt und
sein Leben lebt. Das kann dann gefördert werden und für einen Wandel, ein
Erwachen und Öffnen in eine neue Richtung unterstützt werden– oder auch gerade
nicht, je nachdem, in welchem System ein Reflektor sich befindet.
Die größte Herausforderung für den Reflektor ist sicher, sich abhängig zu machen.
Eine der Gaben ist es, Anderen ein tiefes Erlebnis des “sich-gesehen-Fühlens“ zu
vermitteln. Sie halten „den Stamm“/ die Familie zusammen, indem sie schauen,
dass es allen gut geht. Wenn der Reflektor erwacht, wird ihm die Verbindung zum
Ganzen bewusst.
Segen: Ehre dich! Die ganze Welt steht dir offen! Mit tiefer Ehrfurcht vor dem
Leben ausgestattet. Das Leben ist voller Überraschungen.
Bekannte Reflektoren: Sandra Bullock, Uri Geller, Eduard Möricke, Thorwald
Detlefson,Simome Weil, Theo van Gogh, Jürgen Klinsmann, Rob Lowe, Michael
Jackson, Amma.

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Fazit: Wir leben in einem Übergang – einer sich stark verändernden Welt. Von der
alten Form der königlichen Herrschaft, der Zeit der Manifestoren, die anführten,
hat sich die Energie vor längerem gewandelt zu einer Generatorenwelt.
Expansion, das immer mehr von allem, 24/7 verfügbar. Große (wirtschaftliche)
Fruchtbarkeit, besonders in der westlichen Welt; es ist die Zeit der 500sten Filiale
und des Wachstums. Da wird natürlich der Schatten immer mit sichtbar – auch
des Burnouts, des Krankwerdens am Zuviel.
Daher sind die Projektoren so wichtig, ihre (erst jetzt sichtbare und als wichtig
erkennbare) Gabe der Führung, der Wahrnehmung der Energie und ihrer Lenkung
kommt ins Spiel. Sie können erkennen, was wo dienlich ist – und was falsch läuft.
Da sie in ihrer Energie auf die Generatoren angewiesen sind, bietet sich die Chance
für ein faires, respektvolles und äußerst erfolgreiches Zusammenwirken. Der
Projektor nimmt wahr – fragt den Generator, der – wenn er anspringt - glücklich
umsetzt – zum Erfolg und Wohle aller. Die Manifestoren dürfen zurücktreten (auf
ihre Weide gehen, wie es Ra nannte) und mit dem Ihren eine Wirkung für alle
haben. Indem sie Neues initiieren, leisten sie ihren Dienst für das Ganze. Und die
Reflektoren, die Beobachter, spiegeln das Bild, geben Aufschluss über den Zustand
der neuen Gemeinschaft.
Ra schrieb dazu: In einer perfekten Welt bringen Manifestoren die Dinge in Gang,
die Projektoren lenken den Prozess, die Generatoren liefern die Energie, die Dinge
in Form zu bringen oder zu Vollenden und die Reflektoren beobachten, wie gut
dieser Prozess funktioniert oder melden sich, wenn er das nicht tut. S. 314 in The
Definite Book of Human Design.

Als nächstes wenden wir uns nun den Zentren zu, diesen entweder weißen oder
bunten Kästchen, insgesamt neun, die vor der in Grau gezeigten Figur eines
Menschen sichtbar sind.

61
Zentren
Was du bist – und was du eben nicht bist (wenn das nur so einfach wäre....)
In der Erkundung der Zentren kommen wir sehr schnell in Kontakt mir einem sehr
mächtigen, machthungrigen und verlockenden “Wesens” – unserem Nicht-Selbst.
Es ist alles, was wir nicht sind, was uns aber in extremer Weise konditioniert und
von dem, wie wir eigentlich gemeint sind weglockt. Das folgende Kapitel erklärt,
wie es dazu kommt:

Ausstrahlend, wirkend, verlässlich, in vertrauter Weise


wirkend sind wir in den bunten, den definierten Zentren.
Hier wirken wir – auch auf den Anderen.

In den Bereichen, in denen wir “offen” sind, die weissen


Zentren – hier sind wir wahrnehmend und erleben uns und
die Welt immer anders. Unser Erkundungsspielplatz. Hier ist
die Verlockung zu leben, was wir nicht sind, zu übertreiben.

Ob wir in einem Zentrum offen oder definiert sind ergibt sich aus unserem
individuellen Geburts-Chart. Darin zeigen sich die Energien, die in den
unterschiedlichen Themenbereichen unseres Menschseins zu uns gehören. Wenn
wir unser wahres Selbst leben (also das, wie wir sind, egal ob definiert oder offen),
ist das Leben mühelos, wir erfahren keinen Widerstand durch unsere Umgebung.
Wir sind einfach, wie wir gemeint sind. Wir leben aus unserer Authentizität heraus
und Selbstliebe entsteht fast nebenbei. Dahin geht die Reise.
Wenn du wirk-lich dein Design lebst, hört alles Vergleichen auf –
dann wird dir klar, wie einzigartig du bist. Dass es einfach nur darum
geht, du selbst zu sein, auf deine absolut einmalige Weise.

Und durch die Informationen des Human Design gibt es jetzt einen Weg, dies zu
erkennen.

Es ist somit weder gut noch schlecht, wenn Zentren offen oder definiert sind. Es ist
nur anders. Und braucht einen völlig anderen Umgang damit. Jeder ist genau so
richtig, wie er ist!

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Die definierten (bunten) Zentren zeigen die Verteilung unserer Lebenskraft. Eine
Definition entsteht, wenn zwei Tore in gegenüberliegenden Zentren aktiviert sind,
sich also treffen. Daraus ergibt sich ein Kanal, der die beiden Zentren an seinen
Enden definiert. Diese definierten Zentren zeigen eine beständige Energie in
unserem Leben, so sind wir und so wirken wir auf Andere. Diese Eigenschaften,
Qualtäten und Fähigkeiten werden dich – in unterschiedlicher Form – dein ganzes
Leben begleiten. Das Thema des Kanals ist dann einfach in deinem Leben – wie du
jedoch damit umgehst, ist natürlich individuell. Die offenen Zentren hingegen sind
nicht festgelegt, wechselhaft, wie unser Abenteuerspielplatz. Hier erleben wir uns
immer anders, je nachdem, ob wir mit jemand anderem zusammen sind oder
allein. In der Offenheit kann alles sein, man weiß vorher nicht, wie der Mensch in
diesem Aspekt ist. Die einzigartige Verteilung der Energie mit festen, verlässlichen
Bereichen in der Definition und dem immer neuen Erleben in der Offenheit macht
uns zu dem, was wir wirklich sind – bzw. genauer gesagt zu einem immer mehr wir-
selbst-werden. Denn es ist der Prozess der Begegnung mit uns selbst über die
bewussten und unbewussten Aspekte unseres Charts.
Ra vergleicht unsere Aktivierungen (Zentren, Tore, Kanäle) mit Transmittern, die
Botschaften in bestimmter Frequenz aussenden. Unsere offenen Zentren, die nicht
definierten Tore und Kanäle wiederum sind Empfänger für Energien von anderen
oder entstehen im Kontakt. Manchmal wie ein Spiegel, und oft verzerrt,
übertrieben – aber gleich-wertig, weder gut noch schlecht, sondern Stoff der
Erkundung. Interessanterweise sind wir meist gerade da, wo wir doch eigentlich
offen sind, besonders stark konditioniert, sind wir ganz besonders nicht wir selbst.
Die Verlockung, zu leben, was wir nicht sind, ist einfach riesig! Hier gehen wir mit
immer wechselnden Einflüssen und Erlebnissen um. Das Leid des offenen Zentrums
liegt darin, dass wir meist gerade hier Sicherheit, Verlässlichkeit, Identität erlangen
wollen – und genau das ist ausgeschlossen. (Wenn ich ehrlich auf mein Leben
zurückschaue, kann ich sehen, wie extrem ich gerade die Energie der offenen
Zentren gelebt habe!)
Im diesem Nicht-Selbst der offenen Aspekte jedoch sind wir besonders
vorhersagbar, denn jedes dieser offenen Zentren führt zu bestimmten
Verhaltensweisen. Wir sagen ja, auch wenn das für uns gar nicht stimmt, wir
strengen uns unendlich an, um unseren Wert zu beweisen – hier lauert der Burn-
out. Das Nicht-Selbst ist der Verführer schlechthin, es greift nach allem, lockt uns
immer weiter von unserem wahren Selbst weg. Dann sind nicht nur „Nachbars
Äpfel viel schöner“, sondern eigentlich zählen nur sie für uns. Unsere Kirschen,
Trauben oder Blumen übersehen wir völlig. In den offenen Zentren werden wir von
Anfang unseres Lebens an konditioniert - und weil es so schön vertraut ist, suchen
wir uns oft später Partner aus, die uns genauso konditionieren wie unsere Eltern.
Denn wir neigen erfahrungsgemäß dazu, gerade in dem, wo wir offen sind, nach

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Sicherheit und Festigkeit, nach Beweisen unseres Wertes zu suchen (Ego). Nach
Richtung und Liebe im offenen Selbst, nach unserem Wert im Ego, nach Power und
Sexualität im Sakral. Rennen einer Möhre nach, die uns letztendlich gar nicht
bekommt. Dann ringen wir um Kraft und Wirksamkeit in der offenen Kehle (nach
dem Motto viel Reden hilft viel), glauben viel Denken macht sicher, viel
Anstrengung und Geschwindigkeit soll den Druck der Termine lindern. Das
funktioniert nicht nur nicht, es macht uns auch krank! Denn ich etwas übernehme,
das vom Anderen kommt und für mich nicht passt, werde ich immer weniger ich
selbst sein. Die meisten emotional offenen Menschen zum Beispiel strengen sich
unendlich an, um ihre Umgebung in gute Stimmung zu versetzen, sie versuchen
Stresspunkte schon vorher zu vermeiden, sind die ganze Zeit damit beschäftigt, ihre
Energie für etwas einzusetzen, was sie dennoch überhaupt nicht kontrollieren oder
verändern können.
Es geht darum, unterscheiden zu lernen, unsere Weisheit zu entwickeln, die
erkennt, was es alles gibt, ohne sich damit zu identifizieren. Wenn das gelingt, kann
die Offenheit eines Zentrums Anderen unendlich behilflich sein, sich selbst zu
verstehen. Und in der Vielfalt des Erlebens und Ausdrucks, der möglich ist, das
Leben immer neu entdecken.

Wohin die Reise geht hängt nicht davon ab, woher der Wind
weht, sondern wie man die Segel setzt.
Hier das Beispiel von Aliana, einem Projektor. Von neun Zentren sind lediglich
zwei definiert, das Ajna und die Kehle über Kanal 23-43. Von der Definition her ist
sie ein Mensch, der sehr neue, ungewöhnliche Ideen auf die Welt bringen kann.
Und natürlich jemand mit einer sehr guten Menschenkenntnis, ein wahrnehmder
Mensch. Die für sie passende Strategie wäre zu warten, bis Klarheit entsteht, bis sie
gesehen und eingeladen wird, etwas zu erklären, ein Projekt zu leiten (zu
bestimmen, wer für welche Tätigkeit geeignet ist).
In der Praxis jedoch lebt Aliana ganz anders. Sie hat drei Jobs, steht morgens um
3.30 Uhr auf, fährt mit dem Bus zur ersten Putzstelle. Dann weiter zum Tagesjob im
Altenheim, nach Feierabend versorgt sie die Familie und gibt Heilmassagen (meist
kostenlos, denn sie schafft es nicht, Geld dafür zu nehmen). Das Heilen ist
eigentlich ihre große Liebe und Freude, doch meist ist sie viel zu erschöpft, um
ihren Erfolg damit genießen zu können.
Sie weiß zwar, dass das alles nicht stimmig ist (Mann und Sohn sind arbeitslos und
zuhause, tun eher nichts) aber sie kann es nicht ändern. Sie weiß nicht, wer sie
eigentlich ist (offenes Selbst) und versucht daher stets, ihren Wert zu beweisen
(offenes Ego), indem sie hart arbeitet (offenes Sakral) und festhält an der
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vertrauten Struktur der Familie (offene Milz). Sie ist immer in Eile, alles zu
erledigen (offene Wurzel) und kann sich nicht mehr entspannen. Der Körper schreit
und zeigt alle möglichen Symptome von Knochenschmerzen, Fibromyalgie,
Rheuma. Dass der Arzt sie schon vor 2 Jahren als arbeitsunfähig eingestuft hat,
ignoriert sie.
Was könnte diese Frau bewirken, wenn sie nicht alle Kraft in gerade die Bereiche
stecken würde, die offen sind – sondern mit dieser Offenheit in die Weisheit gehen
würde? Wissen würde, dass sie eben nicht auf der Welt ist, um ihren Wert zu
beweisen, sondern als Spiegel und Berater. Tatsächlich haben diese Informationen
ihr geholfen, über den Zeitraum von 3 Jahren ihre Arbeit auf einen Job zu
reduzieren und Freiraum für Heilbehandlungen zu schaffen. Mittlerweile kommen
die Klienten sogar aus dem Ausland zu ihr und sie kann ein Honorar fordern.
Riesenschritte in die richtige Richtung.
Ganz anders Karl – in seinem Chart als Manifestierender Generator sind alle
Zentren definiert. Er erlebt sich primär im Umgang mit anderen, in seiner Aus-
Wirkung auf andere. Er kann nicht nachvollziehen, warum seine Freundin sich oft
durch ihn so bedrängt fühlt (sie ist ein sehr offener Generator), denn diesen Effekt
kennt er ja nicht. Im günstigen Fall wissen wir einander zu schätzen: die Kraft,
Energie und Inspiration der Definition; die Offenheit und Beweglichkeit, den
faszinierenden Wandel der offenen Zentren – eine Quelle der Freude für beide
Seiten. Und das lässt sich ja üben – indem man das jeweils andere ein bisschen
besser verstehen lernt . Und dabei hilft die

De-Konditionierung

Im Human Design wird immer wieder von De-Konditionierung gesprochen – es


geht um das Erkennen und Hinter-sich-lassen von dem, was nicht wirklich zu uns
gehört, was wir übernommen haben – ob nun von Eltern und Ahnen, der
Gesellschaft oder den Verlockungen des Nicht-Selbst. Das klingt erst mal prima.
Wirklich-Ich-Selbst-Sein ist ja auch ein wunderbarer Gedanke. Wenn es denn nur so
leicht wäre, doch das funktioniert meist nicht nach dem Motto „Gefahr erkannt-
Gefahr gebannt“. Denn wir haben meist ein ganzes Leben auf diesem Nicht-Selbst
aufgebaut. Uns mit dem, was wir nicht sind, identifiziert und über alle Maßen
angestrengt. Auch die Zell-Loyalität zu unserem Ahnensystem oder gar dem
kollektiven Muster im morphogenetischen Feld sitzt tief.
Bei der ersten Begegnung mit dem Human Design ist es verlockend, einfach
mental zu erkennen, “ah – so bin ich gemeint”. Zu denken: „Wie würde ich
reagieren? Welches Gefühl ist in mir?” Aber das ändert nichts. Es muss gelebt
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werden, wir lernen durch unser Reagieren, das Fühlen, das echte Erleben. Meiner
Strategie und Autorität wirklich lebend zu folgen – denn nur dann wandelt sich die
Energie. Ein Generator, der zwar weiß, dass die Einladungen des Lebens kommen
werden, je klarer er in seiner Energie ist, und der trotzdem jeden Job macht, weil er
es ja kann, wird nie die Zufriedenheit einer echten sakralen Reaktion auf das
Richtige erleben ...

Ich begleite in meiner Praxis seit vielen Jahren diese Klärungsprozesse und glaube,
eine Mischung aus Erkennen, Würdigen, Entlassen und Neu-Ausrichten ist hier ein
guter Weg. Welche Methode für den Einzelnen von all den Angeboten die
passende ist, muss individuell geprüft werden. Eine Basiszutat ist sicher, dass der
Schatten, der alte Schmerz zunächst angeschaut wird. Er muss da sein dürfen. Die
daraus resultierenden Schutzmaßnahmen müssen geehrt werden, denn sie haben
immerhin möglich gemacht, das der Betreffende überlebt hat. Dafür braucht es
Würdigung. Und dann ist der Weg frei für ein Gehenlassen, ein Loslassen und die
Neu-Ausrichtung auf das Gewünschte.
Dann wird es wichtig, sich nicht mehr in die alten negativen Gedanken verwickeln
zu lassen. Die Geistige Welt meinte dazu: “Wenn ihr euer Geschirr abwascht, dann
schaut ihr doch auch auf den sauber werdenden Teller und nicht auf das
Spülwasser”. Das ist eine schwierige Übung, denn ein sich selbst überlassenes
Gehirn ist zunächst negativ. Es kann aber mit Übung lernen, neue, konstruktive
Gedanken zu denken, eine neue Geschichte zu erzählen. So sagt der
Hypnotherapeut und Institutsleiter Gunter Schmidt: “Es ist nie zu spät für eine
glückliche Kindheit”. Es ist durchaus möglich, ausgehend von der Erinnerung an
einen schönen Nachmittag, eine gute Basis für ein zufriedenes Leben zu finden. Das
wiederum verändert unsere Schwingung – macht Neues sichtbar und möglich. Vor
allem zu üben, auf das zu schauen, was toll ist daran, wie wir sind! Das Stärken der
Gaben ist immer vorzuziehen; zuviel ins Nicht-Gewollte schauen bringt die
Aufmerksamkeit nämlich genau dort hin – wohin wir nicht wollen.
Am Anfang jedoch ist die Herausforderung, dass wir – mit ein bisschen mehr
Kraftgewinn durch die erste Verhaltensveränderung - oft dann mit dem Alten
weitermachen. Wenn z.B. Tor 29, das Ja-Sager-Tor, langsam lernt, genauer zu
prüfen, wozu es ja sagt, bleibt ja mehr Zeit übrig. Theoretisch. Aber wer schon
einmal einen Raum in der Wohnung leergeräumt hat, weiß sicher aus Erfahrung,
dass dort ganz schnell mal eben etwas abgestellt wird. Und so bleibt dem etwas
erholten System dann zunächst mehr Energie, sich in einem anderen Nicht-Selbst
Bereich mehr anzustrengen. Daher braucht es konstante Ausrichtung auf das
Gewünschte, die neue Wahl. Es braucht die Achtsamkeit und Präsenz, dich zu
fragen, ob du noch kannst (offenes Sakral) oder eine Pause brauchst und deinen

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Tag zu prüfen, ob er Pausen enthält. Dich zu fragen, ob du bei dir bist – oder schon
tief im Gefühlszustand des anderen versunken und bemüht, ihn glücklich zu
machen (offener Solar Plexus) ... etc. Es braucht Übung und Aufmerksamkeit, aber
auch den Mut – den alten, Sicherheit gebenden Verhaltensweisen den Rücken zu
kehren und die wachsende Freude daran, sich selbst zu entdecken. Das kann sich
zumindest zeitweise wie eine Suchtentwöhnung anfühlen. Oder wie Sterben. Aber
es lohnt sich! Ich z.B. war ein Leben lang ein wirklich lieber Manifestor. Habe mich
zurückgehalten, damit ich bloß niemanden verletzte und wenn mich etwas wirklich
sehr stört und es nicht einfach durch mein Weg-gehen lösbar war, habe ich es ganz
vorsichtig zur Sprache gebracht. Ich war total schockiert, als ich in meinen
Gruppen das Feedback bekam, dass man natürlich sofort und ganz deutlich meine
Manifestor-Energie spürt. Immer! Egal ob ich etwas tue oder vermeintlich ganz
„lieb“ und zurückgehalten bin. Und dann erst der Schock zu hören, dass es für alle
viel angenehmer ist, wenn ich das Meine direkt zeige, echt bin. Deutliche Ansagen
machen. Und dass meine Authentizität es für alle angenehm und klar macht und
eine Bereicherung darstellt. Wow! Und welche Freude, mich selbst kennenzulernen
und zu genießen.
Unsere Gesellschaft wird immer schneller und so ist die Erwartung vieler auch an
einen Kurs. „Hellsichtig an einem Wochenende“, „Aura lesen leicht gemacht“ und
wie die Seminartitel alle heißen – all das verspricht, was Suchende sich wünschen.
Aber das ist nichts anderes als: “nehmen Sie 20 Kilo in drei Tagen ab.“ Das geht
nicht, außer vielleicht durch eine Beinamputation.
Echte Heilung, tief-greifende Wandlung und Erneuerung braucht Zeit. In der
energetisch-medialen Arbeit, damit die Frequenz langsam steigen kann, die
Schwingung sich erhöht. Und die Übung, du selbst zu sein, gemäß deinem Typus,
deiner Strategie und inneren Autorität zu leben, ist eine lebenslange Praxis.
Mindestens sieben Jahre veranschlagte Ra für diesen Prozess.
Das Schöne ist – wenn du bereit bist, auch nur eine Sache zu berücksichtigen, wirst
du feststellen, dass sich auch andere Bereiche wandeln. Wenn du dich dafür
öffnest, die Schwingung und Kraft nur eines deiner Tore als Potential und Gabe für
möglich zu halten, dich darauf einstimmst, werden auch die anderen sich erhöhen.
Und das wiederum wirkt auf dein Umfeld – bringt mehr Licht und ein Angebot zu
jedem, mit dem du in Verbindung kommst. Hierzu passt eine Geschichte aus der
englischen Medialen Tradition: George P. trug in sich alle Anlagen, ein gutes
Trance Medium zu sein. Also setzte sich über den Zeitraum von drei Jahren eine
Gruppe von Menschen, die auch an einer Zusammenarbeit mit Spirit interessiert
waren, jede Woche für eine Stunde zusammen (das nennt man “Circle”, mehr dazu
in meinem Buch “Im Kontakt mit Spirit im Ehlers Verlag). Sie stellten ihre Energie
und Aufmerksamkeit dem auszubildenden Medium in der Mitte zur Verfügung. Am
Ende der drei Jahre war jedoch nicht nur George ein wunderbarer Kanal für die
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Durchgaben der Geistigen Welt geworden – alle neun anderen aus der Gruppe
auch. Hingabe erhebt. Und der Umgang mit der bestmöglichen Version deiner
Selbst wird dich ihr immer näher bringen. Nicht als Gewaltakt, sondern eher, wie
aus der Larve ein Schmetterling wird – in deiner Zeit.
In den fast zwanzig Jahren, die ich nun mediale Ausbildungen anbiete, kommen
immer wieder Menschen, die danach suchen, hellsichtig zu sein, Bilder zu sehen,
sicher zu sein. Dazu betont die Geistige Welt deutlich, dass sie immer den Kanal der
Übermittlung benutzen, der am besten für diesen Menschen passt. Ohne Rücksicht
auf das Ego, das natürlich immer gerne „besonders, wichtig und gut“ sein möchte.
Meine Beobachtung ist, dass jeder die Erlebnisse hat und die Fähigkeiten
entfaltet, die seiner ganzen Person, seiner Entwicklung als Mensch am
dienlichsten sind. Vorstellungen davon, wie etwas sein soll, müssen meist erst
losgelassen werden, damit Raum für das echte Erleben entsteht.
Die Werbung will uns erzählen, du kannst alles sein, was du willst. Klingt prima und
man kann damit eine Weile lang alles Mögliche verkaufen. Aber ein 2 Meter-120
Kilogramm-Mann wird wohl nie ein Jockey werden können, denn selbst wenn er
sich auf 70 Kilo runterhungert bleibt er zu groß. Die weit sinnvollere Frage dann
wäre: was ersehnst du, was sind deine Gaben, wo ist deine Freude? Dahin gibt es
immer einen Weg. Manchmal ist es Loslassen, das wir lernen müssen, und die
Demut, eben nicht alles entscheiden und lenken zu können. Aber daraus kann
tiefste Erfüllung werden, Echtheit, Wahrheit und ein Abenteuer. Und so ist auch im
Human Design eine der entscheidendsten Entdeckungen: was bin ich, und was bin
ich nicht? Dann nur, wenn ich lebe, was ich bin, kann ich zu meinem vollkommenen
Potential erwachen.
Ra hat sich gern amüsiert über diese menschliche Eigenart, zu versuchen, das
Leben zu kontrollieren. „If your mind tells you what to do you are a long way from
home“ sagte er. (Wenn dein Denken dir sagt, was du tun sollst, bist du echt weit
von deinem wahren Zuhause entfernt). Und konstatierte, wir hätten alle Gehirne
mit Gewichtsproblemen, sie würden fett an der falschen Stelle – in dem Glauben,
sie könnten uns durchs Leben führen.
Das Denken darf sehr gerne dazu dienen, Fakten zu ordnen, Wissen zu verwenden,
denn dafür ist es da. Es kann deiner Kreativität und Vielseitigkeit Raum geben. Mit
seiner Hilfe kannst du andere etwas lehren und vermitteln.

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Zentren, definiert
Kommen wir als erstes zu den definierten Zentren, der konstanten Kraft und ihrer
Wirkweise in unserem Leben – und dem Anderer. Ich bewege mich in der
Beschreibung von oben nach unten – Basis ist natürlich die Wurzel, alles startet
hier.
Kopfzentrum /Krone
Der Kopf bringt das Thema Druck mit sich - den Druck, zu begreifen, Sinn zu finden,
zu inspirieren und immer wieder in Frage zu stellen, neu zu betrachten. Hier ist es
wichtig, darauf zu schauen, ob mir mein Denken dient – denn der Vorgang des
Denkens ist ja kein bewusster, „es“ geschieht einfach.

Es ist, als wenn ständig Fragen gestellt werden –und nach Antwort gesucht wird. Im
Kopf und auch im darunterliegenden Ajna gilt es allerdings – bei aller Brillanz und
scheinbarer Folgerichtigkeit - immer im Auge zu behalten, dass es keine mentale
Autorität geben kann. Der Kopf kann inspirieren, beleuchten, erkunden, großes
Kino sein, aber niemals führen, nie Autorität sein und somit sollte er keine
Entscheidungen treffen, dafür haben wir unsere innere Autorität. Da aber unsere
Gesellschaft im Allgemeinen sehr auf das Denken fixiert ist, ist das gar keine leichte
Aufgabe. Darf unser Kopf aber einfach nachdenken über das Leben, wird er eine
Quelle der Inspiration. Für das Kopfzentrum gilt eine Besonderheit: es wirkt als
Druck, sogar wenn das Zentrum – wie bei 70 % der Menschen - offen ist, es aber
dort aktivierte Tore gibt.
Das definierte Kopfzentrum: Menschen mit einem definierten Kopfzentrum sind
inspirierend. Sie strahlen Ideen und eine geistige Richtung aus, die von jenen mit
offene Zentrum wahr- und aufgenommen werden können. Wahrnehmbar ist dies
aber auch als Druck, zu denken, zu grübeln, nach Wahrheit und Inspiration zu
suchen oder zu zweifeln.
Der Kopf ist nicht mit einem Motorzentrum verbunden und daraus lässt sich
deutlich erkennen: es geht hier nicht ums Handeln. Die Gaben sind Vision,
Inspiration, Weitsicht und Verstehen. Neues Denken, funktionierende Wege, Logik
und Sinn. All das sind wundervolle und kostbare Aspekte – die aber leider oft das
Thema Druck mit sich bringen – der Mensch denkt und denkt, versucht Lösungen
zu finden, sucht ständig nach dem Sinn, nach Verstehen . Versucht über das Planen
und Erfassen von möglichst vielen Informationen Sicherheit zu erlangen.
Verwirrung und Zweifel sind die Folge. In der „ungesunden“ Umgangsform kann es
hier bei dem Versuch, den Druck „loszuwerden“ zu Ängsten und Sorge, zu
Depressionen und Selbstzweifel kommen oder aber zu blindem Aktionismus und
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Fehlentscheidungen. Immer ist die Folge eine Trennung vom wahren Selbst, man
wird zum „reinen Kopfmenschen“. In einem Seminar fallen die definierten Köpfe
auf, sie sind es, die immer wieder (auch wirklich gute!) Fragen stellen. Denn das
neu Gehörte muss ja eingepasst werden, geordnet, erfasst. Und das ist nicht so
leicht wie mit einem offenen Kopfzentrum, denn hier sind ja schon Sichtweisen
und Konzepte, eine bestimmte Art, zu hören und zu verstehen festgelegt. Als Gabe
jedoch kann das definierte Zentrum Sicherheit ausstrahlen, neues Denken
inspirierend in die Welt bringen.
Ajna
Auch hier geht es nicht um das Handeln, sondern um das Bewusstsein. Neben der
Milz und dem Solar Plexus ist das Ajna eines der Zentren, in denen wir uns unserer
Selbst und der dort stattfindenden Vorgänge bewusst sein können. Hier werden
Vorstellungen und Konzepte gebildet, sie werden untersucht und geprüft, hier
landet der Druck des denkenden Kopfzentrums. Der wirklich große Dienst dieses
Zentrums ist es, unterschiedliche Komponenten abwägen zu können, die Dinge von
mehreren Standpunkten aus zu betrachten.
Das definierte Ajna : hier ist die Art, wie dein Verstand arbeitet, festgelegt. Du
hast deine dir eigene Art, wie du Informationen verarbeitest und betrachtest. Das
kann eine sehr bildliche Wahrnehmung sein, oder eine sehr individuelle und
innovative Sichtweise oder aber du siehst und interpretierst das Leben eher auf
logische Weise. Entscheidend ist, dass dies dann eben „deine“ in dir angelegte und
stimmige Art der Wahrnehmung ist; die Dinge „einfach mal ganz anders zu sehen“
ist nicht so leicht möglich. Es denkt immer in dir – und das ist genau richtig für
dich. Du wirst nicht durch andere beeinflusst, sondern hast etwas Zuverlässiges,
Vertrautes in deiner Art, mit Information umzugehen, dein Verstand arbeitet
gewohnt und sicher. Du kannst andere inspirieren, deine Konzepte vorstellen, für
deine Art des kreativen Denkens interessieren, ihnen etwas Abstraktes zugängig
machen. Du kann Wissen vermitteln, aber genauso kannst du sie damit unter Druck
setzen. Aber auch der sehr positive Anschub, über Dinge nachzudenken, sie zu
betrachten, kommt von hier. Die Verlockung der Definition kann sein, dem Denken
und Konstruieren zu viel Macht zu geben; zu glauben, Sicherheit finden zu müssen
– oder zu können, denn dann lenkt die Angst die Denkprozesse. Und offensichtlich
ist, dass es sehr unglücklich machen kann, der Verlockung nachzugeben, dem
Verstand persönliche Entscheidungen zu überlassen – denn wer von uns würde
schon gerne eine Vernunftehe eingehen ?

Für beide Zentren (Kopf und Ajna) gilt : je mehr du lernen kannst, der Inspiration in
dir einfach zuzuhören, die Anregungen zu genießen ohne Lösungen und
Erkenntnisse erzwingen zu wollen, desto angenehmer wird es. Und desto eher
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werden deine Ideen von der Welt gehört. Vermeide es, dich in Inhalte zu
verbeißen, Erkenntnisse erzwingen zu wollen oder gar zu glauben, du müsstest nun
alles, was es in dir denkt, auch umsetzen.
Und falls bei deinem Partner diese beiden Zentren definiert sind, wirst du
wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass es nicht besonders gut
funktioniert, ihn in einer Diskussion von einer anderen Sichtweise zu überzeugen
als der, die er hat.

Kehlzentrum
Hier sind die beiden großen Themen Manifestation und Kommunikation zu
Hause. All unsere Metamorphosen, die großen Wandlungs- und
Entfaltungsprozesse werden von hier initiiert und gesteuert. Es gibt im
Kehlzentrum zwei sehr unterschiedliche Tor-Energien, die eine Seite des Sprechens,
der Kommunikation, und andererseits die der Manifestation von Handlung. Die
Kehle ist mit 11 Toren das komplexeste Zentrum, das zeigt, wie komplex und
wichtig dieses Thema für uns ist.
Menschen mit einer definierten Kehle haben eine konsistente, zu ihnen gehörende
Art zu sprechen – bestimmt durch die bei ihnen aktivierten Tore im Zentrum. Die
Definition bringt potentiell ein gewisses Durchsetzungsvermögen mit sich, der
Mensch wird gehört und kann sich durchsetzen, etwas bewirken – wenn er dem
stimmigen Timing folgt. Wenn die Kehle mit einem Motor verbunden ist, kann sie
jederzeit etwas tun oder über Dinge sprechen. Auch hier gilt: deine Strategie und
deine innere Autorität sind die passende Führung und Leitung für deine Energie –
nicht der Druck der Kehle. Für die Art des Ausdrucks der Kehle gilt es zu schauen,
durch was sie berührt wird : offensichtlich dramatisch kann die Verbindung zu den
Emotionen sein, dann spricht das Gefühl. In der extrem dynamischen Verbindung
zwischen Sakral und Kehle spricht die Lebenskraft und Energie, die Führung des
„Anspringens“, oder auch der Aktionismus des Tun-um-des-Tun-willens. Wenn es
eine Verbindung zum Ego-Herz-Willenszentrum gibt, spricht das „Ich-Will“ dieses
Zentrums. Diese Menschen sagen dann Dinge wie: So will ich das, wir machen die
Dinge so, wie ich es will. Das hier ist mein Haus, meine Wohnung, meine
Entscheidung.

Die Verbindung zum Selbst ist leiser und drückt aus, wer du bist - es geht um deine
Identität und deinen Weg. Die Milz spricht über das Körperwissen, die Intuition im
Jetzt. Hier gibt es nur das Jetzt – es ist fast, als würde man erst während man selbst
spricht erfahren, was man gerade sagt oder tut. Eine Handlungsverbindung ist
z.B. Kanal 34-20 – das Tun im Jetzt, dies sind oft sehr geschäftige Menschen.
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Redeverbindungen wie 23-43 zwischen Ajna und Kehle drücken die Gedanken aus,
neue Vorstellungen und Ideen. In der 13-33 (Selbst-Kehle) oder 56-11 (Ajna-Kehle)
kommt eine wahre Magie der Geschichten und Worte ins Feld. Mehr dazu im
Kapitel über die Kanäle und Tore.

Ego-Herz-Willenszentrum
Hier wohnt der Selbstwert, der Umgang mit Materie in der Welt , die
Selbstachtung und der Ausdruck des persönlichen Willens. Nur bei 30 % aller
Menschen ist dieses Zentrum definiert. Es ist eng mit dem Thema des Stammes
verbunden, wo es um die Erhaltung von sich und anderen geht, um den Umgang
mit Ressourcen und dem Überleben und der Sicherheit aller. Das Ego führt – es
folgt seinem Willen. Als Grundthemen bringt es die Fähigkeit, Gemeinschaften zu
bilden, die hierarisch strukturiert sind (das Ego in der Führung), es geht um
Effizienz und Produktivität (denn wichtig ist die kluge Nutzung der begrenzt
verfügbaren Energie, siehe Ego-Schaltkreis). Es geht um Durchsetzungskraft und die
Wahrung der eigenen Interessen. Notfalls eben auch durch Kampf.
Menschen mit einem definierten Ego kennen im besten Fall ihren Wert, sie haben
Zugang zu einer natürliche Selbstachtung (was natürlich nicht heißt, sie können sie
immer auch leben, aber es gibt eben eine grundsätzliche Energie in diese Richtung).
Wenn sie ein Versprechen geben, sollten sie es unbedingt einhalten, sonst sind die
anderen ihnen böse. Das definierte Ego muss keine Willensbekundung machen,
hier gibt es keinen Machtkampf, eher die Ausstrahlung der Entscheidung. Es ist der
Wille, es geschieht dann so, sie sind Wille. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass
es für Menschen mit definiertem Ego fast unmöglich ist, etwas zu tun, was sie eben
nicht wollen. Selbst, wenn es vielleicht sogar nützlich wäre – es funktioniert dann
nicht.
Das Thema Arbeit ist wichtig für das Ego: Grundsätzlich ist es nämlich (auf gesunde
Weise) faul. Das bedeutet, es arbeitet nur dann, wenn es wirklich sinnvoll ist,
wenn etwas dabei herauskommt, was ihm dient. Ganz wertfrei, denn nur so ist es
sinnvoll und stimmig. Dann – und nur dann – kann es ihm Genuss bringen, Dinge
umzusetzen und zu tun, was es will. Es tut, was es liebt und muss lieben, was es
tut, schließlich geht es auch um die Herzens-Energie. Wichtig dabei sind Pausen;
das Ego ist kein Dauer-Power-Motor wie das Sakral, die Funktionsweise ist eher ein
„Wunder vollbringen – Pause-Pause-Pause-Pause – Wunder vollbringen“-
Rhythmus. Der kluge Einsatz von Energie und Ressourcen ist hier ein wichtiges
Thema. Es agiert nicht, um beschäftigt zu sein, sondern um etwas zu bewirken, die
Energie wird zielgerichtet eingesetzt. Wenn dieses Tun der eigenen Strategie und
Autorität folgt, ist es sehr heilsam, dann ist auch der Wettbewerb, den definierte
Egos mögen, gesund und stärkend. Und so „sagt“ dieses Zentrum: Ich diene den
72
anderen, indem ich gut für mich sorge, ich sichere und verwalte die materiellen
Ressourcen, ich achte meinen Wert. Erster sein, Bester sein, sich in schwierigen
Herausforderungen zu beweisen – ein vergnügliches Spiel für das definierte Ego.

Auch wenn es das kleinste Motor-Zentrum in der Körpergrafik ist (nur 4 Tore), hat
das Ego-Herz-Willenszentrum eine extrem große Macht und Auswirkung auf unser
Leben. Besonders natürlich in seiner Offenheit, denn dann kommt das Nicht-Selbst,
das Ringen um Wert und Wirkung zum Tragen. Aber auch wenn es definiert ist,
kann es herausfordernd sein, den passenden, gesunden Umgang mit den Themen
in diesem Zentrum zu finden. Das wird schon durch die physische Entsprechung der
einzelnen Tore deutlich – Tor 21 ist der Herzmuskel (man bedenke nur die extrem
häufigen Herzerkrankungen, gerade in Bezug auf das Thema Arbeit/Erfolg ), Tor 26
repräsentiert die Thymusdrüse, unser Immunsystem, Tor 51 entspricht der
Gallenblase und Tor 40 den Magen. Extrem zentrale Themen, gerade auch in der
Geschäftswelt.

Das Selbst / G-Zentrum


Im Selbst finden sich die Tore der Liebe und der Richtung im Leben. Die eigene
Identität ist hier das Thema. Es geht um die universelle Liebe, um die Liebe zum
Selbst, zum Körper, zur Menschheit. Um die Richtung, den Selbstausdruck, die ganz
eigene Kreativität. Menschen mit einem definierten Selbst wissen daher meist
auch „irgendwie“ wer sie sind. Sie haben ein Gefühl „ihrer Selbst“, haben ein
Gefühl für sich. Sie kommen nicht unbedingt mit jedem klar – und legen darauf
auch gar keinen Wert. Das definierte Selbst wirkt attraktiv für andere, es zieht an,
gibt die Richtung vor.
Themen sind Verbundenheit, die eigene Richtung zu finden und sie vielleicht auch
vorzugeben. In spiritueller Hinsicht – hier ist schließlich auch der Sitz des
Magnetischen Monopols – geht es um das höhere Bewusstsein, das höhere Selbst.
Im definierten Selbst liegt die Gabe, andere zu führen und zu ermutigen. Diese
feste Mitte kann anderen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, er gibt z.B. auch in
einer Beziehung die Richtung vor, besonders wenn der andere Partner ein offenes
Selbst hat. Im Selbst befinden sich die wichtigen Inkarnationskreuze der Liebe und
der Sphinx, sie tragen die Themen des Mensch-seins, unserer Identität (Zum Thema
Inkarnationskreuz siehe S. 80).

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Emotionen Solar Plexus Zentrum
Das große Kino - hier finden wir das gesamte Spektrum der menschlichen
Emotionen. Schwingungen und Stimmungen, Hoffnung, Sehnen, Erwartungen und
Nervosität. Hier kann wahrlich unsere Hölle sein – und der Himmel. Die Emotionen
gleichen einem Frequenzenzband – und je nachdem, auf welcher
Schwingungsebene des Themas man sich befindet, so fühlt man sich. Körperlich
kann man den Solar Plexus auch als Bauchhirn bezeichnen – und bei emotional
definierten Menschen schüttet es ständig Hormone aus – daher die wechselnden
Gefühle, die Schwankung der Welle. Fasst man die Namen der Tore des
Emotionalzentrums zusammen, ist eigentlich alles da, was unser Leben bestimmt:
Es beginnt mit Tor 30, dem Verlangen. Gefolgt von der Leidenschaft, Tor 55. Dann
kommt das Bedürfnis, Tor 49, die Fruchtbarkeit in Tor 6. Heirat in Tor 37 und die
Offenheit/Langeweile mit Tor 22, als letztes noch Tor 36 – Sexualität und Krise.
Wichtig ist zu verstehen, dass es sich hier um Themen in ihrer gesamten Bandbreite
handelt, ähnlich wie in der Homöopathie, wo der Gemobbte und der Mobber das
gleiche Mittel bekommen würden – da sie mit dem gleichen Thema zu tun haben.
Hier in den Emotionen gibt es besonders deutlich unterschiedliche Ebenen jedes
Gefühls, wie zwei Seiten einer Münze - scheinbare Gegensätze und doch zutiefst
miteinander verbunden, so wie es in Tor 6 den Streit geben kann, die Reibung, und
auch den Frieden, die Annahme, die aus der Weisheit kommt.
Und klar ist: wenn dieses Zentrum definiert ist, dann ist es automatisch die innere
Autorität, dann wird das persönlich Passende, Richtige über die Gefühle gefunden.
Emotionale Klarheit ist das Wichtigste – und die Geduld des Wartens, bis diese
eintritt. Diese Klarheit kann nicht „gemacht“ werden. Es gibt – wie Ra immer
wieder betonte – keine Wahrheit im Jetzt für emotionale Menschen. Aber große
Tiefe, und wenn sie sich einlassen – ein umfassendes Erfahren der Welt.
Das Besondere an einem definierten Emotionalzentrum ist, dass es auf drei
unterschiedliche Weisen einer wellenförmigen Bewegung der Energie folgt, je
nachdem, über welche Tore und Kanäle es aktiviert wird.
Daraus ergibt sich die wichtigste Strategie für immerhin 50 % aller Menschen: Die
Welle abwarten. Wahrheit kommt nur über die Zeit. Alle Stadien der Welle müssen
durchlaufen werden, bevor der Mensch zu einer für ihn korrekten Entscheidung
kommen kann. Der Vorteil dann: emotional korrekte Entscheidungen. Sie sind die
Umfassendsten, denn sie berücksichtigen alle Aspekte des Themas, haben eine
große Tiefe. (Praktisch wissen wir, dass wir uns jetzt entscheiden können, wenn die
Entscheidung mehrere Tage nacheinander immer die gleiche ist. Dann ist die Welle
„durch“). Ganz entscheidend ist zu verstehen, dass jeder aktivierte emotionale
Kanal, auch jedes hängende Tor in diesem Zentrum eine ganz eigene Emotion mit
sich bringt, die nur für diese Person genau so ist (wie ein Fingerabdruck). Denn es
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formen sich Muster aus dem Zusammenspiel der Aktivierungen, sogenannte
Wellen.
Die erste Wellenform ist die Stammeswelle, zu ihr gehören die Tore 37 – das Tor
der Familie, die 6, das Tor der Reibung, des Krieges, und Tor 49, in dem es um
Prinzipien geht. So in Kanal 19-49 von der Wurzel zur Emotion. Diese Welle
steigert sich bis hin zu einem Höhepunkt, dann explodiert die Emotion und danach
ist alles wie am Anfang. Für den anderen oft schwer zu verstehen, weil das
„Problem“, das den Auslöser der Explosion gegeben hat, meist nicht eine so
heftige Reaktion zu rechtfertigen scheint. Es ist jedoch einfach der Höhepunkt der
Welle und somit nur der letzte Auslöser (so wie die falsch ausgedrückte
Zahnpastatube die Beziehungskrise auslöst, aber sicher nicht die eigentliche
Ursache darstellt) .
Die zweite Wellenform betrifft den individuellen Schaltkreis, die Tore 22 – das Tor
der Offenheit, und Tor 55 - das Tor der Fülle, des Geistes. In Kanal 39-55 ist es
eher eine „kabbelige See“, denn die Energie zeigt sich in Launenhaftigkeit. Die
Gefühle sind wechselhaft, der Mensch erlebt Stimmungsschwankungen, die dann
vorübergehend alles einfärben, was man erlebt oder sieht. Es hilft hier sehr, wenn
das persönliche Umfeld diesen Mechanismus kennt und nicht einzelne
Stimmungen überdramatisiert. Es kommt vor, dass jemand mit diesem Kanal
wenig Vertrauen in seine Stimmungen hat und die Neigung entwickelt, sich in den
vermeintlich verlässlichen Verstand zu flüchten (was nicht sehr dienlich ist, denn
die Emotionen sind schließlich sein Leitsystem!). Heilsam ist es hier, der
Befindlichkeit zu folgen – wenn du nicht in der Stimmung bist, zu essen, unter
Leute zu gehen, Nähe zu haben etc. – dann tut es dir auch nicht gut. Ehre deine
Stimmungen, meißel sie nicht in Stein, erlaube deiner Kreativität, sich
auszudrücken.
Die dritte Wellenform im Kollektiven Kreislauf (abstrakt) ist durch die Sehnsucht
befeuert – in Kanal 41-30 geht es um die Hoffnung oder Erwartung auf etwas
Schönes – wird sie nicht erfüllt, kommt es zum Absturz in das Tief der
Enttäuschung. Hier ist es sehr ratsam, Dinge ohne Erwartungen zu beginnen. Sehr
Zen-mäßig, aber auch sehr hilfreich! Der alles entscheidende Punkt ist die Haltung,
mit der wir uns auf eine Erfahrung einlassen. Und die Hingabe an den Prozess.
Dann erleben wir wirklich eine Reise und können sie mit anderen teilen. Sonst kann
es sehr dramatisch werden. Und das weiterführende Tor 36 (zur Kehle hin) heißt
schon Tor der Krise…
Natürlich kommt es vor, dass ein Mensch gleich mehrere dieser Wellenformen in
seinem Design hat, dann wird alles sehr komplex. Emotion ist nichts, was man
erklären kann oder muss. Und die Welle ist wie ein interner, völlig unabhängiger
Kreislauf. Sie kann durch nichts im Außen verändert werden. Es macht keinen Sinn,

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dagegen anzukämpfen oder sie „verstehen wollen“ – das Gefühl will gefühlt
werden. Mit Hingabe und Annahme, jedoch ohne Identifikation. Wir müssen auch
nicht alles ausagieren, einfach nur geschehen lassen. Wie eine Hitzewallung -
auch das geht vorbei. Doch das Leben ist gerecht – durch die Fülle und Intensität
der Emotionen kommt eine unglaubliche Tiefe ins Leben, niemand kann Dinge
tiefer und umfassender erfühlen und somit erkunden und beleuchten, als ein
emotional definierter Mensch, der warten lernt. Und wenn er gerade mal mies
drauf ist, einfach einen Spaziergang macht oder was auch immer gut tut.
Einen achtsamen Umgang mit den Emotionen zu erlernen lohnt sich noch aus
einem anderen Grund - denn über die Resonanz werden sie zu einem Attraktor für
unser Erleben – die emotionale Frequenz steht in Verbindung mit dem
magnetischen Monopol im Selbst und zieht so genau die Erlebnisse zu uns, die
unserer Sendefrequenz entsprechen. Daher macht es viel Sinn, unsere Frequenz zu
klären und sie durch Erlösung des Alten und dem Setzen eines neuen, positiven
Fokus anzuheben. Dass nun gerade ein so intensiv fühlendes Zentrum nur mit dem
Thema der Geduld passend gelebt werden kann, ist schon eine Herausforderung.
Aber unumgänglich, denn jeder Emotionale kennt sicher den Effekt, wenn er aus
dem Schwung des Gefühls heraus etwas entscheidet – und es dann bitter bereut.
Ganz wichtig ist, beim Warten bis zur Klarheit zu bleiben, denn tatsächlich führt
dieser Prozess durchaus zu mehr Attraktivität, der andere wünscht die Teilnahme
des Emotionalen mehr und nicht - wie befürchtet - weniger. Uns entgeht nichts!!
(Risiko Werbung: Greifen Sie jetzt zu, eine einmalige Gelegenheit! NEIN DANKE,
wenn es für mich passt, wird es auch morgen noch da sein) Erinnert ein bisschen an
Tipps der Eltern früher fürs erste Date – aber es kann für den inneren Frieden
schon sehr von Vorteil sein, zu warten, bis man genau weiß, was man will. Manche
Entscheidungen brauchen wirklich nur das „einmal drüber schlafen“, andere
können Monate dauern. Aber dann sind sie von allen Seiten „erfühlt“ worden und
der Mensch kann damit leben, wie auch immer die Entscheidung dann ausfällt.
Hier ein besonders deutliches eigenes Beispiel, das zeigt, wie teuer es einen
kommen kann, spontan zu sein: Vor ein paar Jahren war ich mit meinem
damaligen Freund (auch emotional definiert) in Hamburg, in einem
wunderschönen Fachgeschäft für spirituelle Kunst aus Tibet und Nepal, das ich
schon von vergangenen Besuchen kannte (beide Male hatte ich wunderschöne
Buddhafiguren gekauft, die zwar immer weit über meinem Budget, aber noch
bezahlbar waren und die ich auch heute noch sehr schätze). Wir wurden aufs
herzlichste, sehr emotional begrüßt, wie uralte Freude, oder verlorene
Verwandte. Alles toll - unsere Welle war eh oben. Alles war berührend, erhaben,
wunderschön. Dann zeigte uns der Besitzer des Ladens in seinem privaten Raum
(„hier lasse ich nur besondere Menschen hinein“) eine ganz besonders schöne
Buddhastatue. Dann kamen noch zwei weitere hinzu, sie gehören zusammen,

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erklärte er uns. Sie würden großen Segen bringen, er würde sie nicht jedem
verkaufen wollen (ja, ja, naiv, ich weiß – heute, Erfahrungen machen das Leben
aus). Der Preis: 60.000 Euro. Ja, ich könne sie gerne nach und nach abzahlen. Und
direkt mitnehmen.
Also, völlig benommen von der eigenen Entscheidung zogen wir ab, mit den drei
Buddha Schätzen, die wirklich wunderschön waren. Was man allerdings wissen
muss – nicht nur hatte ich zum damaligen Zeitpunkt weder 60.000 Euro noch
überhaupt Geld, sondern ein erhebliches Minus auf meinem Konto und viele
finanzielle Verpflichtungen. Aber egal, die Welle ist oben, das schaffe ich schon -
schließlich bringen die Buddhas ja auch Segen und Fülle. Nach ein paar Tagen
wurde mir immer mulmiger – immer deutlicher war klar, dass ich den Kaufpreis auf
keinen Fall zahlen konnte, die 1000 Euro Anzahlung waren der letzte Rest vom
Dispo-limit gewesen und brachten mich eh schon in Probleme mit der Miete. Da es
in mir total verboten war, Versprechen nicht einzuhalten (das Nicht-Selbst im
offenen Ego), ging es in meinem offenen Kopf ununterbrochen hin und her.
Letztendlich siegte die Klarheit und ich beschloss, die Buddhas zurück zu geben. Die
1000 Euro blieben beim Verkäufer fürs Zurücknehmen. Lehrgeld.
Spontaneität kann emotionale definierte Menschen sehr teuer zu stehen kommen.
Aber – eine schöne Lehrgeschichte für das Buch, und das wiederum ist ja der Sinn
meines Kanals 41-30 im Sinnfinden. Umgekehrt macht es auch Sinn, bei einmal
korrekt getroffenen Entscheidungen zu bleiben. So wie Sina, die Tochter einer
Klientin. Sie hatte sich gut und lange Zeit gelassen, bis sie sich für das ersehnte
Aikido-Wochenendseminar anmeldete. Doch am Tag vor dem Kurs zögerte sie,
hatte überhaupt keine Lust mehr teilnzunehmen. Doch die Entscheidung war ja
korrekt und über lange Zeit getroffen worden. Daher riet meine Freundin ihrer
Tochter, sich daran zu halten – und das Wochenende war ein voller Erfolg.
Emotionale mögen meist keine Überraschungen. Oh wie mich dieser Satz
entspannt hat, wieder ein „ich darf sein, wie ich bin“. Damit gemeint ist natürlich
nicht, dass wir keine Geburtstagsgeschenke mögen. Aber vielleicht keinen
spontanen Besuch, vielleicht sogar über Nacht, keinen Hals-über-Kopf-Ausflug –
ohne uns darauf einstellen zu können. Das führt zu Erstarrung, denn das Gefühl –
die innere Autorität, unser Kompass zu den für uns richtigen Dingen – hat nicht
genug Zeit, sich auf das, was ist, einzustellen.
Menschen mit einem definierten Solar Plexus strahlen ihre Gefühle aus. Der offene
Solar Plexus nimmt sie auf – und ohne sich mit der Mechanik auszukennen kommt
es dann zu einer Verzerrung. Entweder dazu, dass sie verstärkt und dramatisch
überdreht werden oder aber indem der emotional Offene versucht, die Wogen zu
glätten, lieb ist und lächelt, in vorauseilendem Gehorsam versucht, dass bloß keine
schlechte Stimmung aufkommt (denn die würde ihm ja wieder weh tun).

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Schrecklicher Mechanismus – großer Schmerz. (Mehr dazu unter „offener Solar
Plexus, Rubrik Zentren). Wichtig: niemand ist schuld!
Aber je mehr ein emotional definierter Mensch Verantwortung übernimmt für
seine Gefühle, und sie mitteilt (das erklärt dem emotional Offenen dann seine
eigene Wahrnehmung), desto friedlicher wird die Welt. Und wenn ich als
Definierter merke, ich bin schlecht gelaunt und finde alles blöd, dann macht es
vielleicht auch Sinn, eben nicht zur Party zu gehen.
Die meisten kennen sicher den völlig unhaltbaren Schmerz des ersten
Liebeskummers – man glaubt, alles endet, er wird alles verschlingen, was schön ist.
Aber im Laufe unseres Lebens erfahren wir: Auch das geht vorüber. Und lernen
vielleicht sogar, mit Kummer anders umzugehen – können Vorbild werden für
andere. Oft sind es ja gerade die Krisen im Leben, die völlig neue Tiefe und Kraft
zugängig machen. Ein Satz von Max Frisch dazu: „Eine Krise kann ein produktiver
Zustand sein, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“ 12.
Krisen können unseren Blick für das Schöne öffnen, für eine Hingabe ans Leben und
für tiefes Mitgefühl. Und so kann auch das extrem leidenschaftliche Tor 36 in den
Emotionen weise werden, und so wird aus dem Tor der Krise ein Tor des Weisen,
der alle Gefühle kennt und weiß, dass sie alle zur Maya, der großen Täuschung,
gehören. Dann wächst eine Annahme und Liebe zu allem. Eine Haltung des
Staunens und der Ehrfurcht. Wow, großes Kino.

Die Zukunft: Ra Uru Hu und die ihm folgenden Lehrer und Vermittler sprechen von
einem großen Wandel, der 2027 beginnt und im Emotionalzentrum eine völlige
Erneuerung und Verwandlung bringen wird. Die Entwicklung führt weg von der
Opfermentalität, dem Gefühl, mir wird etwas angetan, hin zur Freiheit und dem
Frieden eines gemeinschaftlichen würdigenden Umgangs mit uns selbst und der
Welt. Nicht mehr re-agieren müssen, sondern schöpfen können, freiheitlich und
klar. Es geht um eine wirkliche Transformation des Menschen, eine neue Zeit, in
der unser Solar Plexus nicht mehr von der Welle bestimmt wird, sondern ein reines
Bewußtseinszentrum ist. Und so können wir heute schon üben, zum einen dem
Schmerz Aufmerksamkeit und Heilung zu geben, aber uns dann immer wieder
ausrichten auf das, was wir erleben wollen: auf Mitgefühl, Zärtlichkeit, Frieden,
Wiedergeburt, Freiheit und Verzückung – die Segen, die in den Toren des
Emotionalzentrums liegen (vgl. Richard Rudd, Gene Keys). Dann steigt unsere
Schwingung, und wenn die Frequenz hoch genug geworden ist, passiert eine Art
Quantensprung und die Welle hört auf, Macht über uns auszuüben – wir

12 (aus Martin Hecht, Lebenskrisen bewältigen, Kreuz Verlag, 2014, S. 137)

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transzendieren unsere Programmierungen, unsere Ahnen-DNA. Dann darf alles da
sein, nichts muss vermieden werden, nichts ersehnt und errungen. Dann sind wir
freie, wahrlich menschliche Wesen.

Sakralzentrum
Der Dreh- und Angelpunkt des Lebens für 70 % aller Menschen. Wenn es definiert
ist, liegen hier deine Antworten. Hier geht es um „Leben pur“ – Lebendigkeit,
Sexualität und Fruchtbarkeit, Dauer-Power – das Zentrum für Ausdauer und
Regeneration. Es re-agiert auf das Leben. Das Sakral ist der lebensspendende
Motor. Solange es gesund ist, regeneriert es sich ein Leben lang. Es funktioniert in
Reaktion auf das Leben, braucht die sakrale Reaktion als seine weise Führung um
herauszufinden, was richtig ist. Hier wirkt die Bauchstimme, das Uhum für Ja und
das UmUm für Nein – eine gewaltige, völlig ehrliche und sehr klärende Energie. Um
sich vorzustellen, wie so eine sakrale Reaktion aussehen kann stellt euch vor, ihr
habt ein 9-jähriges Mädchen vor euch, das Pferde über alles liebt. Wenn ihr das
Mädchen jetzt fragt, ob sie reiten gehen möchte, kommt wahrscheinlich eine
strahlende Ganzkörperreaktion von Uhum – Ja, ich will! So funktioniert eine sakrale
Reaktion. Sie generiert Kraft und Energie. Und dann führt sie zu dem für den
Menschen richtigen Handeln.
Das definierte Sakral hat eine unglaubliche Kraft, es ist ein dauerhaftes,
unerschöpfliches Kraft-Werk. Ein sakral definierter Mensch soll, darf und muss
diese Energie auch benutzen – im Idealfall ist ein Generator am Abend müde und
zufrieden – dann war es ein guter Tag. Ist er müde und frustriert – und das
entsteht, wenn er eine Arbeit gemacht hat, die nicht sein sakrales Ja hatte – dann
tut es ihm nicht gut. Mehr zur Wirkungsweise des Sakrals für den Generator unter
„Typen“. (Achtung, auch wenn das Sakral diese besonderen Energie hat, bedeutet
es nicht, dass ein Generator sich ständig energiegeladen fühlt – denn wenn er eine
Arbeit macht, die nicht seine sakrale Ja-Reaktion hatte, kann er sogar sehr sehr
müde sein.) Und natürlich braucht jeder Mensch irgendwann Pausen, auch ein
Generator, das gehört zu unserer Natur. Aber eben - wenn alles stimmt - deutlich
weniger als ein sakral Offener.
Kennzeichen eines definierten Sakrals ist, dass der Mensch Zugang zu dauerhafter
Energie hat, und sie auch ausstrahlt. Warten kann, bis das Passende vorbeikommt,
mit dem Leben fließen, ohne selbst zu initiieren. Das definierte Sakral genießt die
Arbeit, erfährt Befriedigung durch das richtige Tun. Wenn es dieser Strategie der
Reaktion folgt, ist das Leben Genuss und Arbeit Lust. Die Gefahr ist, sich von
anderen zu einer Arbeit drängen zu lassen, die kein „Uhum“ hatte, dann wird aus
dieser wundervollen Kraft ein müdes Dahinschleppen und die Folge ist große
Frustration. Sexualität ist natürlich ein großes Thema hier – vor allem in der
79
Weise, dass sie oft dazu dient, ungenutzte Energie im Sakral abzubauen, denn
wenn ein Generator seine Energie nicht erschöpfend in seine Tätigkeiten fließen
lassen kann, ist sie oft das Ventil. In ihrer schönsten Form ist sie Ausdruck von
Lebendigkeit und Lebensfreude. Und zeigt in ihrer Erscheinungsform wunderbar
auf, wie eigentlich das ganze Leben für ein sakrales Wesen sein darf: anspringen
auf etwas (Bock haben darauf), es bis zum Höhepunkt genießen, danach erschöpft
und zufrieden ruhen – und wieder… Ein gesundes Sakral kann eine Art
energetisches Brummen ausstrahlen, dann kommt der Mensch zu Tür herein und
jeder spürt diese lebendige, potente Kraft.

Wurzel
Das Thema ist unsere Basis, alles, was zum „auf der Erde sein“ gehört. Auch der
Druck und Antrieb – oder eben Stress im Leben. Es geht um Entwicklung und
Anpassung an die Welt, Wachstumsenergie. Eine enorm starke Kraft, die sich oft
als Stress in unterschiedlichster Ausprägung zeigen kann, ein dauerhafter
Entwicklungs- und Wachstumsdruck, stark eingefärbt durch das jeweilige Tor,
durch das er fließt. Es geht um unsere Existenz!
Hier entsteht der Druck aller Mutation. Die Wurzel bringt den Treibstoff des
Lebens, zunächst auf jeden Fall für das Lebens-Notwendige, alles, das eben
gemacht werden muss (Das Dach über dem Kopf, Sicherheit, Geld verdienen,
Nahrung haben, Steuern....). Aber auch der Antrieb, neue Erfahrungen zu machen,
uns zu entwickeln, Emotionen zu bewegen, der Druck gebraucht zu werden, sich zu
fokussieren, Begrenzungen zu überwinden, Neues zu beginnen. Der Druck fertig zu
werden, „geh mir aus dem Weg“ kann es hier schreien. Hier ist das Tor der
Ambition, es geht um das Weiterentwickeln und Vorankommen, die Suche nach
dem Sinn und den Druck zu Verbessern. Der Treibstoff der Wurzel ist Adrenalin -
grandios für Notfälle, ungesund auf Dauer. Nur um ein Beispiel für die Kraft dieser
Energie zu geben: ein Kind ist unter ein Auto gekommen – die Mutter hebt das
Auto zur Seite und befreit ihr Kind. Das kann Adrenalin, die Wurzelenergie. Aber
eben für Notfälle – im Dauergebrauch schadet Adrenalin dem Körper. Es mag auch
helfen, sich zu verdeutlichen, dass in Extremsituationen Denken und Lernen
unmöglich werden. Adrenalin schaltet die höheren Gehirnfunktionen aus, nur
noch die Instinkte des Stammhirns bleiben.
Die gute und gleichzeitig möglicherweise schlechte Nachricht für die definierte
Wurzel ist: der einzige Mensch, der dich wirklich unter Druck setzen kann, bist du
selbst. Grundsätzlich bist du jemand, der mit Druck, Terminen, Notwendigkeiten
des Lebens relativ gut umgehen kann, auf eine stabile Weise – je nachdem, zu
welchem Zentrum der Kanal, der die Wurzel definiert, sich hinbewegt. Gleichzeitig

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gilt aber eben auch: Druck gehört grundsätzlich als Thema zu deinem Leben, er
wirkt, immer - aber wenn du korrekt mit dir umgehst, wird er dir nicht schaden.
Wenn es eine Verbindung zu den Emotionen gibt, dann wirst du emotionalen Druck
verspüren, und dein Stress kann sich durch emotionale Ausbrüche zeigen (siehe
weiter vorne, der Solar Plexus mit den drei Wellen). Geht die Verbindung zum
Sakral, dann zeigen sich hier die drei unterschiedlichen Energieformate der
Schaltkreise, entweder als sehr fokussierte Energie, oder als Puls, bzw.
„Vulkanausbruch“, wo lange nichts passiert und dann ganz viel, oder als ein Zyklus,
der von Anfang bis Ende durchlaufen sein will. Und wenn Wurzel zur Milz
verbunden ist, gibt es eine festgelegte Art, für dich gesund mit dem Druck
umzugehen. Diese drei Kanäle zur Milz hin haben oft eine gesunde aber auch
anstrengende Form (für dich selbst und auch für deine Mitmenschen).
Die Herausforderung in der Wurzel ist, dennoch der eigenen Strategie und
Autorität zu folgen und nicht der Verlockung des Adrenalins nachzugeben und
manifestieren zu wollen. Beschleunigung ist keine gesunde Lebensform, ungeduldig
sein kein langfristig heilsamer Zustand. Es macht schon viel Sinn, dass dieses
Zentrum – genau wie der Kopf – über keine direkte Verbindung zur Kehle, dem Ort
der Manifestation, verfügt - die Wurzelenergie wird modifiziert über ihre drei
Nachbarzentren.
Eine amüsante Übung, um die eigene definierte Wurzelkraft zu spüren, ist z.B. in
der Kinoschlange, wenn du wirklich, wirklich JETZT an die Reihe kommen möchtest.
Dann werden die Leute vor dir unruhig, oder lassen dich gar vor. Einfach mal damit
spielen. Die definierte Wurzel tut gut daran, Menschen, mit denen sie zusammen
ist, wissen zu lassen, wenn sie Druck hat (z.B. einen Zug bekommen muss und unter
Zeitnot ist – denn die offene Wurzel des Gegenübers fühlt sonst nur Stress und
weiß ihn nicht zuzuordnen). Grundsätzlich können Menschen mit definierter
Wurzel aber recht gut mit Terminen und Zeitvorgaben leben, eben da sie ihre
eigene Art der Verarbeitung haben.

Milz
Hier sitzt unsere älteste Weisheit, Intuition, Instinkte, alle Themen des Überlebens,
von der Angst vor dem Tod bis zum Wohlgefühl. Es geht um unsere Sicherheit, das
(Über-)Leben. Um Loslassen und Festhalten. Die Milz ist unser Gesundheitszentrum
– über Intuition, den Instinkt und Geschmack führt sie den Menschen, weit
schneller und sicherer, als das Denken dies könnte. Ihre Sinne sind das Riechen
(Tore 32 und 44 im Stammesschaltkreis), das Hören, der akkustische Sinn, im
individuellen Schaltkreis mit den Toren 28 und 57, und der Geschmack (auch im
Sinnes des Unterscheidens) im Kollektiven mit Tor 18 und 48.
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Die Milz ist ein Zentrum der Bewusstheit (genau wie Ajna und Solar Plexus), das
bedeutet, wir haben eine Wahrnehmung dessen, was geschieht. In ihr reagiert
blitzschnell unsere Körperwahrnehmung – im Jetzt. Das macht es allerdings auch
herausfordernd, denn die Informationen der Milz kommen nur einmal, leise und
nur für den jetzigen Moment - ohne weitere Erklärungen. Ich unterrichte seit
mehreren Jahrzehnten Sensitivität und Medialität – und in der Erkenntnis und
Umsetzung unserer Wahrnehmungen liegt eine große Herausforderung. Denn im
Normalfall mischt sich entweder der Kopf sofort ein und hinterfragt oder aber die
„stärkeren“ Motoren wie Emotionen, Wurzel (Stress) oder Wille überrennen die
zarte Milz. Eine kleine eigene Geschichte – bei der ich erleben durfte, wovor mein
Tor 57 in der Milz mich bewahren wollte. Ich war bei Freunden und fuhr abends
zurück nach Hause. Es gab zwei Wege, beide gleich lang. Meine Intuition wollte
mich links leiten. Aber mein Gefühl/Denken-was auch immer entschied, nee, ich
fahre rechts, da bin ich länger nicht gefahren. Als dann der freundliche Beamte mit
der Kelle winkte, war direkt klar, besser wäre ich meiner Intuition gefolgt, denn
ohne meine Fahrzeugpapiere zahlte ich nun 20 Mark Strafe. Lachend.
Am leichtesten ist es heute für mich, wenn ich allein im Auto bin, und in einen Stau
gerate – ohne Denken wählt „es“ in mir dann – und das klappt prima. Ist jemand
bei mir, wird es schwieriger, dann verlockt mich noch hin und wieder der Wunsch,
es ja dem anderen recht zu machen, ich frage den Beifahrer - und schon ist er weg,
der Impuls der Milz. Oder eine Klientin, die glücklich berichtete, sie habe ihrer
Intuition folgend im Elbtunnel die Spur gewechselt – und hinterher erfahren, dass
ihre ursprüngliche Spur 3 Stunden Stau hatte – und sie war locker
durchgekommen. Dieses Vertrauen kann man üben und so kommt Sicherheit.
Herausfordernder aber wird es, wenn der Milzimpuls uns „sagt“, bei einer Feier
jemandem nicht die Hand zu geben, einen Kursteilnehmer nicht zu umarmen –
denn das „so etwas tut man doch nicht“ will verbieten, was doch so gesund für uns
wäre. Denn es ist ja kein Werturteil, es heißt nur: dieser Mensch, dieses Essen,
dieser Weg, dieses Verhalten tun MIR gerade jetzt nicht gut. Morgen kann das
schon wieder ganz anders sein.
Die Milz ist unser Sensor – sie kann uns gesund erhalten, für unser Wohlbefinden
sorgen. Gleichzeitig speichert sie all die alten Informationen unserer Spezies – und
so ist eine der wichtigen Übungen für Menschen mit einer definierten Milz,
unterscheiden zu lernen, wo wir alten Ängsten zuviel Macht geben – und wo es
sinnvoll ist, auf unsere Körperintuition zu hören. Menschen mit definierter Milz
haben einen recht stabilen Zugang zu Gesundheit, neigen aber auch dazu, falls sie
krank sind, zu lange weiterzumachen. Sie arbeiten dann bis zum sprichwörtlichen
Umfallen, ignorieren die leisen Impulse. Dann muss der Körper deutlicher werden,
und wenn derjenige dann z.B. mit gebrochenem Arm dasteht, sagt er oft: “Ich hab
es irgendwie geahnt, irgendwie dachte ich, ich brauche eine Pause, aber ich habe
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es ignoriert”. Eigentlich schade – da wird man schon mit eingebautem
Gesundheits-Navi geboren und ignoriert es.
Grundsätzlich ist eine definierte Milz für andere attraktiv, sie tut gut. Und so kennt
wahrscheinlich jeder mit definierter Milz, dass andere einfach dableiben, bei ihm
bleiben, an ihm kleben, länger zu Besuch oder in der Praxis bleiben, sich treffen
wollen. Ganz schrecklich ist für Kinder mit offener Milz, von Mama oder Papa mit
definierter Milz weggeschickt zu werden.
Die gesunde definierte Milz ist ein wunderbarer Ratgeber – nur spricht sie eben
leise und nur ein einziges Mal. Hinhören lohnt. Ehre deine Wahrnehmung, deinen
Körper, deine Geschwindigkeit, aber achte auf den echten Flow!

Zentren, offen
Wunder und Erkundung oder Tragik und Burnout?

Hier liegt immer das Potential für WEISHEIT – und auf der anderen Seite die Gefahr,
zu leben, was man eben NICHT ist. Dann strengt man sich übermäßig an, es kostet
ganz viel Kraft und wird eh nicht langfristig funktionieren. Sollte ein Zentrum völlig
offen sein, also auch keine aktivierten (lila gekennzeichneten) Tore haben, ist die
Grundenergie der Offenheit noch stärker ausgeprägt, denn unsere „hängenden
Tore“, d. h. die Aktivierungen, die in unserem Chart fest mit angelegt sind, fühlen
sich vertraut an, so kennen wir uns schon – zumindest zeitweise..
Die (Auf)gabe der offenen Zentren ist es, uns ins Leben, in immer neue Erfahrungen
zu bringen. Wichtig ist nur das Bewusstsein, dass die Energie hier nicht dauerhaft
und verlässlich ist, dass es hier nicht darum geht, unseren Wert zu beweisen,
sondern einfach zu erleben, zu erkunden und die Weisheit zu entwickeln, die aus
der Beobachtung und Erkundung entsteht. Die Welt in all ihren Möglichkeiten.
Achtung: je mehr Zentren in einem Chart definiert sind, umso größere Bedeutung
gewinnt das/die offenen Zentren. Dorthin geht die Aufmerksamkeit, da versucht
der Mensch meist, genau das zu leben, was er eben nicht ist.
Dann sucht der offene Kopf nach Antworten - für die Fragen anderer. Das offene
Ajna versucht, sich sicher zu sein und auch so zu wirken. Die offene Kehle tut alles,
um Aufmerksamkeit zu erlangen, das offene Selbst sucht nach Liebe und Richtung.
Das offene Herz-Wille-Egozentrum will seinen Wert beweisen und das offene
Sakral weiss nicht, wann es genug ist. Im offenen Solar Plexus wird lächelnd
Konfrontation vermieden, damit alles harmonisch bleibt, die offene Wurzel will den

83
Druck loswerden und alles schnell erledigen, und die offene Milz hält lange fest an
Dingen, die ihr nicht guttun.
Um es ganz deutlich zu machen: alles Offene ist genau so, wie es ist, wunderbar
und passend. Es zeigt, was ich nicht bin. Ohne jede Wertung.
Wenn ich im Weiteren im „Nicht-Selbst“ spreche, meine ich damit den Versuch,
uns mit etwas zu identifizieren, was wir nicht sind; Strategien, Mechanismen und
Themen krampfhaft festzuhalten und zu bearbeiten, die gar nicht zu uns gehören.
Wir können wie süchtig werden nach dem, was nicht zu uns gehört. (So wie ein
exzessives Arbeiten um der Beste zu sein für das offene Ego). Das ist ganz schön
tragisch - denn dann leben wir nicht unser Leben und kommen dadurch nie in
Kontakt mit unserer wahren Gabe und Kraft.
Als wenn obiges nicht schon herausfordernd genug wäre, aber es gibt noch einen
weiteren, sehr wichtigen Aspekt in den offenen Zentren, die sogenannten
„hängenden Tore“, Aktivierungen, die im offenen Zentrum wirken. Hier gilt – im
Normalzustand sind sie eher ruhig, ein schlafendes Potential. Aber sobald sie
durch einen Transit oder einen anderen Menschen aktiviert werden (mehr dazu im
Kapitel über Beziehungen, unsere Wirkung aufeinander) wird man hier erleben,
was im hängenden Tor geschlummert hat.
Wer kennt das nicht, eigentlich ist man tiefenentspannt freundlich? Aber immer,
wenn Klaus zu Besuch kommt, wird die Stimmung gereizt, man kennt sich selbst
nicht mehr. Grund mag sein, dass Klaus z.B. das eigene Potential der Reibung z.B. in
Tor 6 oder 49 im Emotionalzentrum aktiviert und triggert. Ganz spannend wird es
natürlich, falls unbewusste Aspekte aus dem Design aktiviert werden (das sind
dann die rot gezeichneten Tore), dann kann man sich unter Umständen fast wie
fremdbestimmt erleben – der andere ist der Puppenspieler, der allein durch seine
Gegenwart etwas in mir bewirkt.
Kurz gesagt also: dort, wo es im offenen Zentrum aktivierte Tore gibt, werden wir
auf immer gleiche Weise durch die Umwelt berührt und mit bestimmten Themen
konfrontiert. Dort, wo gar keine Tore im Zentrum vorhanden sind, gibt es kein so
„vertrautes“ Reagieren, das kann sich einerseits sehr haltlos anfühlen und anfällig
für Manipulation machen, andererseits bietet es aber ganz wunderbare
Voraussetzungen für eine durch Weisheit geprägte Wahrnehmung. Mahatma
Ghandi z.B. hatte ein vollkommen offenes Emotionalzentrum und konnte so
wunderbar weise für Frieden eintreten.
Für alle offenen Zentren: es macht durchaus Sinn, auch die “definierten”
nachzulesen.

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Der Kopf
70 % der Menschen haben einen offenen Kopf. Hier geht es um Fragen, Zweifel
und Befürchtungen. Grübeln über Vergangenes, Hypothetisches - den „Druck“
des Denkens. Und eine große Offenheit für alles „Denkbare“, für große Ideen,
Gedanken und Vorstellungen. Die Verlockung hier ist zu erwarten, dass das Denken
Richtung und Sicherheit geben kann. Dass man bzw. das Leben vernünftig sein soll.
Und gerne kontrollierbar - ist es aber leider nicht.
Die besondere Gabe des Offenen ist es, einfach alles erst mal aufnehmen zu
können. Wenn ich Human Design unterrichte und es sind viele Teilnehmer mit
offenem Kopf dabei – von ihnen kommen wenig Fragen, sie nehmen alles erst mal
auf, da ist „Platz“. Diese Aufgeschlossenheit ist die Einladung, dass alles zunächst
gehört werden darf, dann kann es betrachtet und sortiert werden. Etwas mit einem
„offenen Kopf“ zu hören kann ein großes Geschenk sein - für den Sprecher und den
Hörenden. Es kann jedoch sein, dass der offene Kopf intellektuelle Beschäftigung
vermeiden will oder aber er stürzt sich von einem Thema in das nächste.
Verführerisch sind Probleme, vor allem die der anderen, und diese bringen
Verwirrung und Zweifel. Es ist, als wenn der Kopf ständig voll ist mit Fragen, die
eigentlich die anderen haben. Das Denken rotiert und es ist schwierig, einfach
abzuschalten. Da hier ganz deutlich Einstein recht hat – man kann ein Problem
nicht auf der Ebene lösen, auf der es entstanden ist - kann das Denken an sich
keinen Frieden bringen.
Das Geheimnis geistiger Gesundheit im offenen Zentrum liegt darin, sich nicht
damit zu identifizieren, sondern zu beobachten und sich auf die eigene innere
Autorität zu besinnen. Nicht umsonst gibt es immer mehr spirituelle Ratgeber, die
uns lehren, wie über die Erweckung des Beobachters in uns Frieden kommt. Wie
die Stille zwischen den Gedanken länger werden kann. Raum für Weisheit.
Für jene mit völlig offenem Kopfzentrum ist es oft schwer, die Gewichtung von
relevanten und nicht relevanten Information zu finden, daher vermeiden sie oft
intellektuelle Unterhaltungen, sind leicht abgelenkt. Das Nicht-Selbst im offenen
Kopf sucht dauernd nach Stimulation und Inspiration, nach Antworten und nach
Dingen, über die es nachdenken sollte, wen es fragen sollte. Es grübelt, zweifelt,
denkt. Ein Zitat aus den Beratungen: Aber ich muss mich doch festlegen? Nein,
gerade das muss der offene Kopf eben nicht. Die einzig hilfreiche Frage ist: dient
mir mein Denken ? Ansonsten lass es einfach sein und lenke deinen Geist in eine
andere Richtung (die drei Sätze z.B., wie an anderer Stelle erklärt).

Das offene Ajna


Verstandeszentrum - 53 % der Bevölkerung
85
Genau wie das Kopfzentrum hat auch das Ajna keine Verbindung zu einem der vier
Motorzentren – auch hier gibt es kein direktes Manifestieren. Es bleibt im Kopf. Die
gute Nachricht: es ist flexibel, offen, mit den Eigenschaften eines Intellektuellen.
Offen für kreative Ideen, Neues, viele geistige Geschenke - doch um diesen weisen
Zustand zu erreichen, braucht es Bewusstheit und das Anerkennen, dass ich mir
nicht sicher sein kann und das auch nicht muss. Die Gabe ist absolute
Geschwindigkeit – Informationen und Wissen sind einfach da, fast wie bei einem
Computer, der in Sekundenschnelle auf riesige Datenmengen zugreifen kann. Aber
Menschen mit offenem Ajna können oft nicht sagen, woher die Informationen
kommen - und versuchen dann nachträglich Sicherheit zu finden, Beweise.
Denn das offene Ajna steht unter großem Druck – da es glaubt, sicher sein zu
müssen, um einen Wert zu haben. Es spürt diesen ständigen Antrieb, zu wissen,
sicher zu sein. Darunter liegen kann auch die Angst, für dumm gehalten zu werden
– was wiederum noch mehr Antrieb bringt, möglichst viel Wissen, unter
Umständen sogar Doktortitel und ähnliches zu sammeln, nur um zu beweisen, dass
man sicher ist-
Aber: Du musst nicht alles wissen, das Besondere an dir ist ja, dass du es dir
eröffnen kannst, du kannst sozusagen Informationen „uploaden“ und betrachten,
neben einander stellen, erkunden und dann wieder loslassen, denn nichts davon
„bist“ du.
Auch eine Wirkweise des offenen Ajna kann sein, dass die Leute drei Wochen
ABSOLUT davon überzeugt sind, dass z.B. nur 5 Elemente Ernährung passend ist
und diese fanatisch propagieren. Dann später ist es vielleicht vegan, Rohkost oder
was auch immer. Erlösend, weise wäre – zu wissen, ja es gibt viele mögliche
Formen der Ernährung, sie haben unterschiedliche Vorzüge. Offen, vielfältig aber
nicht fanatisch, hierin liegt die wahre Kraft dieses offenen Zentrums.

Das offene Ajna fürchtet sich davon, missverstanden zu werden und nicht wissend,
nicht informiert genug zu sein. Und da wirkliche Offenheit ja nur zu Beginn des
Lebens gegeben ist - ab dann werden wir durch unser Umfeld konditioniert -
kommt es leicht dazu, dass ein Kind mit offenem Ajna sich falsch fühlt. Wenn Vater
oder Mutter logisch definiert sind, werden sie – ob nun mit Worten oder einfach
schon durch ihre Gegenwart - bewirken, dass das Kind glaubt, so müsse es sein, so
müsse man denken und Informationen verarbeiten. Und so ist das Kind unter
Druck, es funktioniert ja nicht, wie offensichtlich erwartet wird und als richtig
vermittelt wird. Also entwickelt es ein Gefühl von Minderwertigkeit,
Unzulänglichkeit, das es versucht, zu kompensieren. Wenn wir unsere
Konditionierungen jedoch loslassen können, wird dieser wunderbar offene Geist

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ein Spielplatz für neue Ideen, eine Quelle der Weisheit und Vielfältigkeit für sich
und andere.
Ist das Ajna komplett offen, ohne irgendwelche hängenden Tore, kann es sehr
schwierig sein, eine Haltung zu finden, die gerade stimmig ist. Auf der Weisheits-
Seite steht jedoch die Fähigkeit, verschiedenste Konzepte und Haltungen
nebeneinander als gültig zu sehen und deren Nützlichkeit zum jeweils passenden
Zeitpunkt zu sehen.
Nicht-Selbst Gedanken (also das, was nicht stimmig für dich ist, du aber vielleicht
immer wieder denkst): Ich muss diese Idee umsetzen. Ich muss sicher wirken, muss
eine klare Linie haben, muss wissen, was ich tun soll. Ich sage besser nicht, was ich
denke, weil die Leute mich für seltsam halten werden. Ich muss vorbereitet sein,
meine Haltung zu verteidigen, was soll ich sagen? Ich kann das nicht so wie die
anderen, ich bin nicht richtig.

Die offene Kehle – 28 % der Bevölkerung


Eine große Herausforderung. Da es in der Kehle sehr viele Tore gibt, ist es eher
selten, dass sie offen bleibt. Diese Offenheit bringt als vielleicht größte
Herausforderung für den Menschen die Frage: „Werde ich gehört, werde ich
gesehen, kann ich etwas manifestieren, kann ich mich ausdrücken?“
Als erstes: die offene Kehle hat ein wirklich grandioses Potential. Michael Jackson,
Elvis Presley, der Dalai Lama, sie alle haben eine offene Kehle und bewegten so viel
mit ihrem Ausdruck. Menschen mit offenem Kehlzentrum haben die Gabe, genau
die Sprache zu sprechen, die ihr Gegenüber braucht. Viele übernehmen ganz
mühelos den Dialekt ihres Gegenübers, sprechen wirklich seine Sprache. Alles ist
möglich.
Dazu braucht es jedoch eine entscheidende Zutat: Die offene Kehle muss gefragt
werden, eingeladen. Dann (und meist nur dann) will der andere gerne zuhören.
Denn sonst redet das offene Zentrum. Und redet und redet (oder schweigt
irgendwann, enttäuscht von sich und der Welt), um Aufmerksamkeit zu
bekommen, um etwas zu bewirken.
Der Unterschied ist gewaltig. Wenn die Teilnehmer in meinen Kursen, die ein
offenes Kehlzentrum haben, in der Runde „dran“ sind mit erzählen, fällt nach
kürzester Zeit auf, dass die Runde unruhig wird, nicht zuhören kann und mag, auch
wenn alle die Person und auch deren Input sehr schätzen. Das kann tragisch sein,
denn natürlich hat der Mensch etwas mitzuteilen, doch es kommt nicht ganz
„rüber“, was wiederum dazu führt, dass er mehr und mehr spricht, um das

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auszugleichen. Aber kaum dürfen die anderen dieser Person Fragen stellen zu ihren
Erlebnissen, kommen sehr viele wirklich interessante Informationen. Es ist ja nicht,
als hätte die offene Kehle nichts zu sagen, ganz im Gegenteil! Sie sollte nur warten,
bis es angefragt wird. Noch herausfordernder wird die Offenheit durch den
Umstand, dass der Mensch ja sprechen muss, um herauszufinden, was es “aus ihm
heraus” sagt. Dafür ist es sehr dienlich, z.B. einer Freundin einfach zu sagen: “ich
mag mal erzählen”. Denn es braucht den Ausdruck, das Sprechen ohne Urteil.
Auch ist es für die offene Kehle schwer, vorher zu planen, was sie sagen will, denn
es spricht aus ihr heraus, im Jetzt. Man weiss selbst vorher nicht, was kommt. Aber
in der stimmigen Situation, der inneren Autorität und Strategie folgend, kann
hieraus etwas sehr Kostbares entstehen, eine große Echtheit und berührende
Authentizität.
Sobald jemand mit einer definierten Kehle im Raum ist, fühlt das offene
Kehlzentrum einen Druck – und will ihn lösen, indem es spricht. Je deutlicher die
innere Sicherheit wird, dass Abwarten und Schweigen große Kraft haben können,
desto größer wird die Kraft der offenen Kehle. Dann wächst die Weisheit – die
Gabe des offenen Zentrums. Das gleiche gilt für das Handeln – die offene Kehle
versucht vielleicht, über Aktionismus etwas zu reißen - und scheitert. Warten,
nichts zu tun bedeutet spannenderweise, dass man viel häufiger gefragt und
eingeladen wird. Mit den richtigen Menschen ist dann alles möglich. Wenn nun die
Eltern diese Offenheit mit Sätzen wie: “Setz dich durch, begeistere einfach die
anderen“ oder: „Du musst alles alleine schaffen“ “Steh deinen Mann/deine Frau“
gefüllt haben, hat das Nicht-Selbst größte Schwierigkeiten. Dann ist alles
„eingefärbt“ durch das, was derjenige nicht ist.
Nicht-Selbst Gedanken (also das, was nicht stimmig für dich ist, du aber vielleicht
immer wieder denkst): Wo bekomme ich die Aufmerksamkeit, die ich suche?
Beachten mich die anderen? Ich muss beeindruckend sein, damit ich bemerkt
werde. Ich spreche sie/ihn einfach an, dann wird er mich bemerken. Ich kann doch
nicht einfach nichts sagen, ich will etwas bewirken. Ich sollte etwas manifestieren,
in Gang bringen, tun…

Das offene Selbst - (G) Zentrum – 54 % der Bevölkerung


Das Chamäleon – Wer bin ich? - Die Magie des richtigen Ortes
Hier sitzt der „Fahrer“ – das Magnetische Monopol, das uns letztendlich durchs
Leben führt - an die richtigen Orte, zu den für uns richtigen Erlebnissen.
Menschen mit einem offenen Selbst haben keine festgelegte Identität – eher eine
offene Persönlichkeit. Sie sind auf der Welt, um die verschiedensten Arten des

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„Seins“ zu leben. Mit der Zeit entdecken sie dann die für sie passende Lebensweise,
Orte, an die sie vielleicht zurückkehren, weil dort die Energie stimmt.

Mit einem offenen G-Zentrum „kannst“ du mit jedem, denn du hast die Gabe, dich
auf dein Gegenüber einzustellen. Für Partner kann dies verwirrend sein, wenn sie
in mehreren Umgebungen mit dir zusammen sind (du bist so anders, wenn du mit X
oder Z zusammen bist..). Menschen mit einem offenen Selbst können vieles sein,
sind die idealen Schauspieler, denn es gibt viele Rollen, die sie annehmen und
ausprobieren können. Aber dazu gehört die Bereitschaft, die Vorstellung, wie es
„richtig“ sein soll, loszulassen, denn das gibt es nicht für das offene Selbst, es gibt
keine feste Identität, sondern die Reise, die Erkundung, den Wandel. Und klar ist –
freiwillig gemachte Reisen sind angenehmer als erzwungene – je mehr du also
einverstanden sein kannst mit dieser Entdeckungsreise, desto vergnüglicher und
erweiternder wird sie sein.
Du bist wahrscheinlich kein sehr traditioneller Mensch, hast dich immer schon zu
ungewöhnlichen, „anderen“ Umgebungen und Menschen hingezogen gefühlt –
denn das offene Selbst ist in der Welt, um verschiedene Formen der Erfahrung zu
machen - sowohl was die Umgebung als auch was die Liebe betrifft. Genieße, was
sich gut anfühlt – und versuche nicht, daran festzuhalten, denn sogar ein Ort, der
beim ersten Mal angenehm war, kann sich verändert haben, je nachdem, welche
Menschen darin waren und sind. Am richtigen Ort leuchtest du, fühlst dich warm
und wohl, alles ist richtig. Das perfekte Feng-Shui sozusagen. Am für dich falschen
Ort kannst du dich beinahe krank fühlen, dort ist alles Leuchtende verschwunden
und du bist ein Häufchen Elend.
Wahrscheinlich hast du im Laufe deiner Entdeckungsreise auf der Suche danach,
„wer du denn nun wirklich bist“, viele Identitäten angenommen – und dich immer
falsch gefühlt. Ich selbst habe früher immer gedacht, wenn ich mich an einem Ort,
wo andere offensichtlich ja gern waren, total unwohl fühlte: „Wenn ich richtig
wäre, würde ich das hier ja schön finden. Also bin ich falsch“. NEIN. Rückblickend
weiß ich – der Ort war für mich falsch, denn am richtigen Ort und mit den für mich
richtigen Menschen geht es mir grandios. Das ist spannend für das offene Selbst –
wenn dich ein Mensch, z.B. beim Rendezvous – an einen (für dich) nicht guten Ort
führt, dann ist auch der Mensch höchstwahrscheinlich nicht richtig für dich. Alles ist
Schwingung, Resonanz, und du kannst sehr klar fühlen, welche Schwingung für dich
gut ist – und welche nicht. Wenn du an einem unpassenden Ort berufliche
Kontakte knüpfen willst, wird das sicher nicht funktionieren, vertraue deinem
Gefühl, wechsle den Ort.
Der Ort ist von extremer Wichtigkeit für das offene Selbst, du blühst entweder auf
– oder vertrocknest. Ein Tipp auch an Eltern: Falls euer Kind ein offenes Selbst hat
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und an einem Ort nicht sein mag – bitte ernst nehmen und verändern. Es stellt sich
nicht an, es kann da nicht sein, ohne Schaden zu nehmen. So wie die siebenjährige
Tochter einer Klientin – ein extrem geselliges, freundliches Mädchen, von Anfang
an war sie ausgesprochen gern unterwegs, bei anderen Leuten. Doch als sie bei
einer Klassenkameradin zum Geburtstag in deren Wohnung eingeladen war, rief
sie, kaum dass die Mutter sie dort abgesetzt hatte, ihre Mutter an, sie bitte sofort
abzuholen – mit den Worten „ich kann das Gefühl in dieser Wohnung nicht
aushalten, das ist kein guter Ort“. Wow, welche Wahr-nehmung und wie gut, dass
ihre Mutter sie ernst nahm und sofort abholte.
Das offene G-Zentrum sucht nach Liebe. Immer und überall. Die heilende Haltung
hier ist zu lernen, dem Leben, deiner Reise zu vertrauen. Denn du bist mit einem
unbestechlichen Sensor für das, was für dich gut und richtig ist, ausgestattet -
wenn du ihm folgst. Dazu gehört allerdings auch die Bereitschaft, die so verbreitete
Illusion loszulassen, ein für allemal sicher irgendwo „angekommen sein“ zu können.
Es wird immer wieder Wandel geben im Laufe deines Lebens, vielleicht auch die
Erfahrung, dass die Liebe sich auf viele Weisen präsentiert – vielleicht wird auch
die Liebe in dir anders - du bewegst dich weiter und andere Lieben kommen. Als
Potential dieser Weisheit wirst du das Leben umarmen können – in ganz neuen
Ebenen die Offenheit von alten Mustern leben. Dann wirst du eine Verkörperung
der Erkenntnis, dass Erfahrung und Liebe unbegrenzt und in Bewegung sind –
lebendig. Dann folgst du deinem inneren Kompass – wenn du auf dein Empfinden
hörst, wirst du immer deinen Weg finden. Ich weiß schon, das klingt zwar jetzt
wunderbar, aber wahrscheinlich kennst du dieses schreckliche Gefühl der Leere
und Suche – nach DEM oder DER Einen, mit dem dann alles schön ist. Oder dieses
Glück, wenn jemand dein Selbst definiert (durch die Verbindung von Toren Kanäle
entstehen), dieses Ja-der ist es - endlich ein Gefühl der Fülle in meiner Brust.
Aber Achtung: Nur weil jemand dein Selbst im Zusammensein definiert, heißt es
nicht, dass sie/er der Richtige ist. Du übernimmst dann nur quasi dessen Richtung
und Identität und das gibt eine gefühlte Sicherheit.
Mit der Weisheit des offenen Selbst kommt dagegen ein tiefes Einverstanden-sein
– denn hier liegen alle Möglichkeiten des Lebens, auch wenn das Ziel nicht bekannt
ist, die Erfahrung macht sie zu wunderbaren Führern – denn indem sie selbst
loslassen, Liebe und Richtung zu kennen, können sie sich in andere einfühlen, und
liebevolle Führung und Rat geben. Ich kenne auch bei meinen Schilderungen zum
offenen Selbst den Einwand mancher Zuhörer: Aber ich mag auch nicht an einem
unguten Ort sein, natürlich, das mag letztendlich niemand. Aber ob es dich im
Gefühl nur stört, du dich unwohl fühlst – oder ob es dich irgendwie fast auslöscht,
als wenn es dich als die Person, als die du dich sonst erlebst, gar nicht mehr gibt –
das ist der Unterschied.

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Ein Zitat von Eckart Tolle, das wunderbar beschreibt, wie heilsam uns ein offenes
Selbst unterstützen kann: „Wenn du absolut problemlos damit leben kannst, nicht
zu wissen, wer du bist, dann bist du das, was übrigbleibt“ (aus „Das Rollenspiel
aufgeben“mp4, 2018). Das völlig offene Selbst – falls es nicht seiner Autorität und
Strategie folgt – ist sehr anfällig für Manipulation, denn dann wendet der Mensch
sich anderen zu, um Führung und Richtung zu finden. Und sobald er seine eigene
Autorität abgibt, kann er sein Potential nicht mehr leben. Dann glaubt er ja, der
andere zu sein.
Nicht-Selbst Gedanken (also das, was nicht stimmig für dich ist, du aber vielleicht
immer wieder denkst): Ich sollte herausfinden, wer ich bin. Ich brauche ein Vorbild.
Was mache ich mit meinem Leben, wo finde ich die Richtung, in die ich gehen soll?
Ich gehe eine Beziehung ein, denn dann weiß ich, wer ich bin. Wen werde ich
lieben und wer liebt mich? Wie finde ich sie/ihn?

Das offene Ego-Wille-Herz Zentrum


Du musst nichts beweisen. Dieser Satz richtet sich an die rund 63 % von uns, die
ein offenes Ego-Herz-Wille Zentrum haben. Wir dürfen einfach da sein. Und
unseren Wert genießen, einfach weil wir sind. Leider aber leben wir das meist
nicht, sondern genau das Gegenteil. Je schwieriger eine Anforderung ist – das
offene Zentrum ergreift sie, um zu beweisen, wie wertvoll, fähig, kompetent es ist.
Ganz fatal kann das in Kombination mit einem offenen Sakral sein– das sind dann
genau die Menschen, die bis spät in die Nacht arbeiten, um zu beweisen, wir
kraftvoll und wertvoll sie sind – und daran krank werden, denn dafür ist das offene
Willenszentrum (genau wie das offene Sakral ) eben nicht gemacht.
Das sind dann straffe Trainings- oder Diätprogramme – die allesamt damit enden,
dass es eben nicht durchgezogen werden kann – und das offene Willenszentrum
sich noch schlechter fühlt. Oder Versprechungen, die geschafft und durchgehalten
werden müssen, auch wenn das Herz nicht mehr dabei ist, wenn man es eigentlich
gar nicht will.
Dieses Gefühl von Unwert ist die große Herausforderung des offenen Zentrums –
wo es doch so dringend seinen Wert beweisen will. Die meisten offenen Herz-
Wille-Egos erlauben sich wenig - weniger Geld, Liebe, Erfolg, Glück – da sie nicht
glauben können, dass sie ihnen einfach so zustehen könnten. Menschen mit
offenem Ego begnügen sich. Oder kämpfen mit extremer Entschlossenheit – was
ein bisschen an den Dreijährigen erinnern mag, der mit dem Fuß aufstampft und
schreit: „Ich will aber ein Eis!” Deshalb wird gerade hier die entstehende Weisheit
so wichtig. Du musst nicht um etwas ringen, deinen Wert beweisen, niemals
überhaupt irgendetwas irgendjemandem. Folge deiner inneren Autorität. Folge
91
deiner Strategie. Aber versuche nie, einen Wert in irgendetwas anderem zu suchen
und diesen beweisen zu wollen. Klingt toll – ist aber sehr herausfordernd, denn es
ist schon verlockend, ein geringes Selbstbewusstsein damit ausgleichen zu wollen,
dass man sich unglaublich anstrengt, um zu beweisen, was man alles vollbringen
kann. Funktioniert aber nicht!
Das völlig offene Herzzentrum schwankt stets zwischen vielleicht übersteigerter
Wichtigkeit und völliger Wertlosigkeit, diese Menschen werden verfolgt von einem
Gefühl, nicht gut genug zu sein, und versuchen deshalb, überall dabei zu sein. So
sind sie anfällig für Propaganda und Prestige, für das Versprechen, durch
Zugehörigkeit zu einer Gruppe Wert zu bekommen. Ich hatte vor vielen Jahren eine
Klientin, die sogar noch vom Kreissaal aus ihr Reisebüro führte, und am Tag nach
der Entbindung wieder vor Ort war - weil sie es versprochen hatte. Einkaufen
gehen ist auch eine Verlockung für offene Egos - hilft leider nur kurzfristig.
Die schrecklichsten Dinge, die man einem offenen Ego sagen kann sind: “Du hast
kein Durchhaltevermögen”, “Du traust dich nicht” oder gar: “Du bist unfähig.“
Und wenn dann die hängenden Tore im Ego durch andere aktiviert werden, nimmt
das Nicht-Selbst Drama seinen Lauf. Dann beschließt es: Ich muss tapfer sein, ich
muss gut und loyal sein, damit die anderen meinen Wert erkennen, ich verspreche
und halte, ich bin wichtig und beweise es, damit alle sehen, wie wundervoll ich bin.
Ich bin eine gute Frau/Mann/Angestellte und werde es beweisen.

Das offene Emotionalzentrum / Solar Plexus


ca. 50 % aller Menschen
Fangen wir mit der Gabe an: du kannst alles fühlen! Deine Gefühlsspannweite ist
extrem gross und nicht festgelegt, alles ist möglich. Ein gesundes, offenes Zentrum
ist wie ein Barometer für das emotionale Wohlbefinden der Anderen, es weiß, was
stimmig und gesund ist - und was nicht. Und vor allem weiß es, dass es nicht
verantwortlich ist für das Gefühl des Anderen, dass es nichts tun – oder unterlassen
muss, damit es keinen Konflikt gibt.
Für dich alleine bist du wahrscheinlich eher friedlich, cool (für dich angenehm
„kühl“). Die Offenheit – wenn sie weise und informativ genutzt wird – kann dann
behilflich sein, Emotionen zu erkennen und zu klären – jedoch nur, wenn der
emotional offene Mensch sich nicht mit den Gefühlen identifiziert. Das ist nicht
einfach, denn es fühlt sich ja immer so an, als wären es DEINE Gefühle,
Stimmungen und Schwankungen. Du sitzt neben jemandem, der glücklich ist, im
Bus und bist bester Stimmung. Deine Kollegin ist unglücklich, du fühlst es. Dein
Mann ist ständig latent wütend – und am Ende platzt es alles aus dir heraus. Dann
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kommt die TV-reife Drama-Queen Einlage – und am Ende schauen alle zu dir –
„Was hat sie/er denn schon wieder? Dass sie aber auch immer so übertreiben
muss!“
Oder du hältst mit noch mehr Anstrengung alles in dir drin, dann deutet nur das
verkrampfte Lächeln an, dass hier etwas nicht stimmt. Dabei ist nichts davon
wirklich und echt dein Gefühl. Doch der offene Solar Plexus drückt in verstärkender
Weise all die Emotionen aus, die im Raum vorhanden sind. Die meisten Menschen
mit undefiniertem Solar Plexus lernen jedoch schon in der Kindheit, „den Ball flach
zu halten“, denn wenn sie als Kind ausagierten, was eigentlich die Stimmung der
Erwachsenen war, gab es Druck und Schimpfe.
Für Kinder ist es furchtbar – in beiden Richtungen (wenn ein Elternteil emotional
offen ist und das Kind definiert, kann es sein, dass der Elternteil die Gefühle des
Kindes explosiv ausdrückt - was für das Kind trotz definierten Emotionen belastend
sein kann).
Menschen mit offenem Solar Plexus leben in Furcht vor der Explosion von Gefühlen
aller Art, sogar ob „gut“ oder „schlecht“ ist fast sekundär, alles zu Intensive wird
gefürchtet. Daher entwickeln sie meist Strategien um Konflikte zu vermeiden. Bis
hin zum vorauseilenden „Gehorsam“, wo sie versuchen, für eine friedliche
Stimmung zu sorgen, alle möglichen Auslöser für Ärger aus dem Weg zu räumen.
Und so macht das offene Zentrum meist den schlechteren „Deal“, denn wenn
mein Lebensglück davon abhängt, dass der andere glücklich ist, bin ich in keiner
guten Verhandlungsposition. Für den emotional offenen Menschen ist oft schon
das Erkennen eine unglaubliche Befreiung und Erleichterung. Sie können dann
lernen, ihrer eigenen inneren Autorität und Strategie zu folgen, und einen
gesunden Umgang mit der Welle der Gefühle der anderen zu finden – vielleicht
eben einfach öfter mal rausgehen. Denn sobald sie den Raum verlassen – ideal ist
es, kurz in die Natur zu gehen – flachen die nicht-eigenen Gefühle ab, Frieden
kommt.
Ein weiterer Punkt ist zu lernen, dass das Ganze für emotional Definierte alles nicht
sooo schlimm ist, wie der Offene es empfindet, intensive Gefühle, auf und ab – das
gehört dazu. Definierte Menschen haben ein tiefes Wissen in sich, die emotionale
Welle ist ihnen vertraut. Die wunderbare Gabe ist: Sie können dem anderen Tipps
geben, wenn sie merken, dass er ist nicht gut drauf ist (“Geh doch einfach ein Stück
spazieren”). Denn erstens wird das oft helfen. Und zweitens ist es für den
emotional definierten Menschen angenehm, wenn er einfach in Ruhe gelassen
wird, falls seine Welle gerade mal im Keller ist.

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Manche Menschen haben nicht nur ein offenes Emotionalzentrum, sondern auch
gar kein Tor darin, das für sie aktiv ist. Diese totale Offenheit weiß nicht, wie sie mit
dem Einfluss der Energie umgehen soll, es gibt keinerlei Filter (so ein aktives Tor ist
immerhin vertraut in seiner Wirkweise) und kann oft nicht genau verstehen, wie
man auf die Stimmungen der Menschen eingehen kann. Daher haben sie oft das
Gefühl, etwas stimmt mit ihnen nicht, sie wissen nicht, wann welches Gefühl
erwartet oder angemessen ist. Die Gabe darin liegt, einfach nur die Wellen der
Emotionen zu beobachten, ohne sie irgendwie zu verändern. Denn der Rest ist
nicht ihre Baustelle!
Das Nicht-Selbst in den offenen Emotionen sagt: “Ich will diese Konfrontation
vermeiden, ich sag das lieber nicht, das könnte X aufregen, ich lächle, damit sie
mich mögen. Ich will ja ihre Gefühle nicht verletzen, deshalb sage ich lieber nichts.”
Eine Freundin erzählt über ihren emotional offenen Mann und seinen Lernprozess:
“Früher wollte er immer sofort eine rosa Decke drüberlegen, alles sollte wieder gut
sein. Aber jetzt lernt er, dass es auch kurz mal einfach doof sein darf. Und dann
bitte wieder gut)”.
Es kann sein, dass die Gefühle anderer dir viel länger „nachhängen“, denn es gibt ja
keine Welle, die sie automatisch hinausbewegt. (Beispiel: emotional offene Mutter
beerdigt mit ihrer zehnjährigen emotional definierten Tochter deren
Meerschweinchen. Beide stehen schluchzend am Grab. Dann dreht sich die Tochter
um und geht spielen. Mutter ist noch stundenlang traurig - und doch war es gar
nicht ihr Schmerz.)

Das offene Sakralzentrum 30 % der Menschen


Hier ist die große Falle für Projektoren, Reflektoren und auch Manifestoren, denn
sie alle wissen in ihrer Offenheit nicht, wann es genug ist (in Bezug auf Arbeit,
Sexualität, Durchhalten, aktiv sein). Das offene Zentrum wird wie kein anderes
den ganzen Tag konditioniert – 70 % aller Menschen sind Generatoren: geboren,
um Erfüllung durch ihr Arbeiten zu finden, und damit beschäftigt zu sein.
Diese Energie strömt ununterbrochen auf das offene Zentrum ein. Aber die
„Hardware“ von sakral offenen Menschen ist für diese Energie nicht eingerichtet
und die Gefahr ist, dass sie den Punkt, an dem sie eine Pause brauchen, übergehen
und damit übersehen sie ihre eigene persönliche Autorität. Und so sind es meist
die Projektoren, die mit Mitte 30 bis Mitte 40 einen Burnout haben, oder deren
Superleistungssportkarriere dann durch eine massive Verletzung beendet wird. Der
Manifestor, als Energietyp, kann zwar etwas länger „durchhalten“, aber auch hier
ist so mit 50 die Gefahr eines Burnouts groß – wenn das Nicht-Selbst (dass, was
man eben nicht ist), gelebt wird und keine Pausen gemacht werden.
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Und das ist nicht so einfach zu erkennen, denn meist ist es die Projektor-Frau, die
tapfer drei Wochen lang im Urlaub mit Ihrem Mann mitwandert – aber dann völlig
überanstrengt krank zuhause liegt, nach dem Urlaub. Oder bei Kindern: Dann
hüpfen die kleinen Projektoren abends oder direkt nach der Schule wie wild in der
Wohnung rum, gerade weil ihr offenes Sakral gefüllt ist mit so viel Energie der
anderen. Doch dann kommt ihre Ruhephase zu kurz, denn viel zu schnell geht es
wieder weiter mit den Anforderungen des nächsten Tages in der Generatorwelt.
Und oft sind es auch die sakral Offenen, die im Thema Sexualität mit Themen und
Problemen umgehen, die gar nicht die ihren sind, sondern vom Partner
übernommen werden.
Ein kleiner Tipp an alle, die einen sakral definierten Partner haben: Hier ist wichtig,
dass du die Art, wie dein Partner Sexualität lebt, magst, denn die Definition ist
fester Teil seines Seins. So z.B. Tor 5 – das gern Regelmäßigkeit mag, Tor 59 – die
Fruchtbarkeit, ein Tor, das eine intensiv Aura-öffnende Energie ausstrahlt (und
damit entweder totale Ablehnung oder Verbindung hervorrufen kann) oder Tor 14
– bei dem Sexualität und Ressourcen, Geld und Materie zusammenhängen, wo
wichtig ist, dass es Energie bringt. Tor 27 mit nährender, fürsorglicher Energie oder
Tor 9, das einen extremen Fokus, oder gar eine Besessenheit haben kann. All dies
sind einfach Gegebenheiten, Eigenheiten und dies zu verstehen kann viel Frieden
bringen. Vor allem für sakral offene Jugendliche kann dieses Wissen sehr nützlich
sein, damit sie üben, sich nicht von dieser sakralen Energie des Partners überrollen
zu lassen, sondern bewusst darauf achten, auf ihre Strategie und Autorität zu
lauschen. Wie immer im Human Design – „sich gemäß den eigenen Weg zu gehen “
ist das Motto. Offenheit ist Erkundungsort, dein Spielplatz, nicht aber der Ort, um
der Welt irgendetwas zu beweisen. Das offene Sakral braucht Pausen,
Regeneration, die Couch/das Bett, lange bevor sie total müde sind, sonst kommt
es zu Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen. Die meisten Menschen mit
offenem Sakral – wenn sie ganz ehrlich wären – brauchen und wollen gar nicht hart
arbeiten. Sie lieben es, sich zu entspannen.
Das ganz offene Sakral findet es – falls das möglich ist – noch schwieriger, zu
wissen, wann genug genug ist, da für sie oft nur die totale Erschöpfung ein
Aufhören möglich macht – hier wird die Energie durch nichts Eigenes gelenkt.
Der Nicht-Selbst Monolog: “Ich sollte ja sagen, sonst verpasse ich was!”, “Geht
schon, ich trink einfach einen Kaffee, dann geht’s weiter, wir haben ja so viel zu
tun!”, “Ein Brötchen tut`s schon, ich mach die Mittagspause durch!”, “Wir schaffen
das, ich kann das, kein Problem. Ist doch schön, alle zusammen.”
Es hilft, zu schauen, mit welchen anderen offenen Zentren das Sakral wirkt. Wenn
es z.B. mit der offenen Milz kombiniert ist, versucht es, sich anzustrengen, damit

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der andere bleibt. Mit dem offenen Ego versucht es, durch harte Arbeit den Wert
zu beweisen…etc.

Das offene Milzzentrum


45 % der Menschen
Hier geht es um die Intuition und den Instinkt zum Überleben – oder nicht. In der
Milz wohnen - neben der wunderbaren und lebensrettenden Intuition - auch
unsere tiefsten, elementarsten Ängste. Denn sie ist das älteste Zentrum,
funktioniert immer noch ein wenig so wie in der Zeit der Säbelzahntiger, wo
jederzeit schreckliche und tödliche Gefahren unser Leben bedrohten.
Diese Ängste bringen eine tiefe Unsicherheit, ein “im Körper, im Leben nicht sicher
sein”. Heilung liegt darin, mit der Angst bewusst umzugehen, sie anzuschauen, sich
ihrer anzunehmen, dadurch verliert sie nach und nach ihre Macht.
Doch da hat es die offene Milz noch schwerer, es ist fast, als kommt sie schon in die
Welt mit dem Gefühl, dass sie alleine nicht überleben kann. Der Effekt ist, dass man
intuitiv Menschen mit definierter Milz sucht – und an denen hält die offene Milz
fest. Dabei nimmt sie viel in Kauf. Dieses Wohlfühlen, das die definierte Milz in
Menschen mit einer offenen Milz bewirkt, ist meist stärker als alle
Einschränkungen, sogar als Schläge. Die schlimmste Strafe für Kinder mit offenem
Zentrum ist, allein ins Zimmer geschickt zu werden, in die Verbannung. Und als
Erwachsenen bleiben sie viel zu lange in unguten Beziehungen – ob privat oder im
Job, vertrösten sich auf morgen und halten fest. Denn es fühlt sich doch so gut an,
„das kann doch nicht falsch sein“ (Doch, ist es!! Denn das Gut-anfühlen ist einfach
eine Mechanik, die durch eine definierte Milz ausgelöst werden kann).
Die offene Milz sollte bitte nicht spontan sein, sondern genau der inneren Autorität
und Strategie folgen, sonst trifft sie Entscheidungen, die nicht die ihren sind
(sondern die der Leute, die sie gerade konditionieren). Ein anschauliches Beispiel
über den Unterschied der offenen und definierten Milz: Zwei Schwestern, Jana, 7
und Lisa, 10. Wenn die Mutter zu Lisa drohte „na gut, wenn du nicht kommst, geh
ich ohne dich weiter“ sprang Lisa schon hinterher, Lisa hat eine offen Milz. Jana
hingegen blieb immer völlig cool sitzen. Bis Mama dann notgedrungen zurückging
zu ihrer Tochter, die sie mit den Worten „Ich wusste doch, dass du wiederkommst“
begrüßte – kein Wunder, denn Janas Milz ist definiert.
Die Feinfühligkeit der offenen Milz ist beindruckend – und so können diese
Menschen z.B. wunderbare Ärzte und Heiler sein. Aber wichtig ist die Achtsamkeit
für das eigene Befinden, denn du kannst leicht die Krankheit des anderen als die
eigene wahrnehmen – die Schwingung landet einfach in dir. Daher braucht es die
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Weisheit der Unterscheidung. Es ist nicht so, dass die offene Milz schwächer ist, sie
ist einfach viel feinfühliger, sie nimmt erste Anzeichen wahr, während die
definierte einfach robuster reagiert. Eine gesunde offene Milz spürt den
Unterschied zwischen eigenen Bedürfnissen (derer sie sich annimmt) und
Schwingungen von anderen, denen es nicht gut geht. Sie sind wunderbare Ärzte,
aber bitte keine Krankenpfleger, denn da spüren sie einfach zu viel von dem Krank-
sein der Anderen. Viele der Klienten mit offener Milz, die ich begleiten durfte, sind
seit ihrer Kindheit auf alternativen Wegen, beschäftigen sich mit ihrer Gesundheit,
mit schonenden Heilmethoden, mit Wahrnehmung und Intuition.
Und für alle Eltern mit Kindern, die eine offene Milz haben – nicht genervt sein, für
sie ist es oft wirklich zu viel, sich das Essen zu holen und zuzubereiten oder sie sind
extrem wählerisch, was sie essen können und was nicht. Hier braucht es
Verständnis, es ist alles viel intensiver. Und sie dürfen die „Prinzessin auf der
Erbse“ sein – das hält sie gesund. Und wenn sie mal krank sind – habt Geduld. Sie
brauchen vielleicht ein paar Tage Ruhe, zuhause sein, um wieder ganz fit zu
werden. Ihr Immunsystem zeigt an, wann es zu viel ist, sie sind empfindsamer für
Störungen – können aber auch gerade dadurch zu kostbaren Wegweisern der
Gesundheit werden (Ein drastischer aber hilfreicher Vergleich: Früher hatten die
Minenarbeiter im Schacht immer Kanarienvögel dabei – um vor Gas gewarnt zu
werden – wenn der Kanarienvogel umfiel, war es höchste Zeit, die Mine zu
verlassen).
Hier eine kleine Liste der mit den Milztoren verbundenen Ängste (für Stärken und
Gaben siehe „Tore“):
48 Der Brunnen – hier ist dann die Angst, nicht gut genug bzw. nicht tief
genug zu sein. Der Mensch sucht ständig nach mehr Tiefe, um die Angst zu
lösen. Ein Glaubenssatz kann hier sein : Ich werde nie gut genug sein.
57 Das Sanfte, die intuitive Klarheit – oder eben die Angst vor der Zukunft.
Man hält sich zurück, aus Angst was die Zukunft bringt. Ich habe Angst vor
dem, was kommen könnte.
44 Zusammenarbeit, das Entgegenkommen. Hier finden wir die Angst, dass
die Last der Vergangenheit uns einholt. Was, wenn es nochmal passiert?
50 Der Kessel, das Tor der Werte. Man hat Angst davor, zu viel Verantwortung
zu übernehmen oder tut genau das – aus Angst. Was nur, wenn ich alle
enttäusche und hängen lasse?
32 Kontinuität, die Dauer. Hier ist ein Bewusstsein dafür, was transformiert
werden kann - oder nicht. Die Angst vor dem Versagen hält dich zurück
von dem, was du tun willst. Was, wenn es nicht gelingt?

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28 Risiko. Hier wird nach dem Sinn gesucht, was dazu führt, dass man Risiken
eingeht, um Sinn zu finden oder gerade aus der Angst heraus kein Risiko
eingeht. Die Angst, dass es keinen Sinn gibt. Was wird, wenn es alles sinnlos
ist und meine ganze Kraft kostet?
18 Die Arbeit am Verdorbenen, das Tor der Korrektur – hier ist ein
Bewusstsein für Muster, die korrigiert werden müssen – oder nicht. Die
Angst davor, von anderen ver/-beurteilt zu werden. Andere beurteilen.
Sich selbst beurteilen. Was, wenn es nicht perfekt wird?
Oft sind diese Ängste und Glaubenssätze so stark in uns, dass wir sie für völlig
normal halten! Das Nicht-Selbst der offenen Milz sagt: “Ich habe Angst, zu
versagen.”, “Ich tu das lieber nicht, weil ich unsicher bin, mich unwohl fühle, wenn
ich daran denke.”, “Ich könnte kritisiert und abgelehnt werden, daher versuche ich
es lieber nicht!”, “Ich fürchte, was passiert, ich fürchte, was die Zukunft bringt, ich
habe Angst, ich verliere die Verbindung, ich verliere den Menschen.”, “Das wird
schon besser werden.”. “Er/Sie tut mir doch so gut!”
Die Gabe der offenen Milz ist, sehr deutlich die Ängste anderer, die Befindlichkeit
anderer zu spüren! Ehre dich, ruh dich aus, wenn du müde bist, hör auf deinen
Körper und lass alles los, was dir nicht gut tut.

Das offene Wurzelzentrum –


40 % der Menschen
Die offene Wurzel ist sehr sensibel für Druck – und möchte ihn möglichst schnell
beenden – oder vermeiden. Das kann unruhig machen, hyperaktiv (der
Zappelphillip ist sicher ein Kind mit offener Wurzel, umgeben von definierter
Wurzel - und schon wirkt der Druck). Wie schrecklich, wenn diese Kinder dann mit
Medikamenten ruhiggestellt werden. Da hilft manchmal einfach ein Umsetzen in
der Klasse.
Wenn die offene Wurzel alleine ist – Frieden, nichts zu tun, Ruhe. Und so kann sie
(in der durch Kenntnis ihres Designs bewussten Form) natürlich für andere ein
kostbarer Berater sein: Sie spürt sofort, unter welchem Druck der andere steht.
Aber sobald von außen Druck kommt, ein Termin oder schlimmer noch Termine,
dann kommt alles auf einmal (vgl. die Geschichte von Thomas und Nele am Anfang
des Buches). Helfen können hier Listen, die den Aufgabendruck reduzieren,
handhabbar machen. Vor allem auch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass
nicht alles sofort erledigt sein muss. Auch die wachsende Weisheit kann helfen,
die angefangenen Dinge befriedigend zu vollenden oder mit dem Adrenalin-Schub

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des Drucks mit Atemübungen regulierend umzugehen. Oder auch diese Energie
kreativ zu nutzen, wie ein Surfer die Welle nutzt. Mitgefühl mit sich zu haben –
denn die Energie der Wurzel ist existentiell, es geht – gefühlt zumindest – jederzeit
ums Überleben.
Klar ist – mache Dinge müssen eben einfach getan werden. Und das ist schwierig
für die offene Wurzel. Entweder sie beschleunigt und erledigt alles sofort und
findet kein Genug. Oder sie schiebt es auf, bis auf den letzten „Drücker“, denn dann
kommt ja Druck – und dann geht’s. So mein früherer Mann – in der Nacht vor Ende
der Abgabefrist hat er seine Uni-Hausarbeiten geschrieben. Und es hat immer
geklappt. Wenn das nur hin und wieder passiert, ist es gesundheitlich kein
Problem. Wenn es aber eine Dauerverwendung dieser Notenergie ist, kann es zu
körperlich sehr ungesunden Folgen kommen. Dieses Geschafft-haben ist das
Belohnungsgefühl in der Wurzel, mit der tiefen Befriedigung einer sakralen Arbeit
hat das jedoch nichts zu tun.
Wichtig ist, dass der Mensch mit der offenen Wurzel sich seine Liste selbst schreibt,
denn ihr Sinn ist ja Ent-lastung, ein Herauslagern des Drucks. Und ein weiterer,
ganz einfacher Tipp: Sich die Zeit zu merken, zu der man das Haus verlassen muss
statt der Zeit, wann man da sein sollte. Das verändert alles! Und immer wieder die
Natur, Entspannung. Die Gabe der Offenheit ist hier, einen guten Umgang mit
Stress und Druck zu lernen, zu unterscheiden, wann der Druck einfach genutzt und
umgesetzt und wann beiseite gelassen werden sollte. Wenn du dir deiner Offenheit
bewusst bist, kannst du ein Experte im Thema „Adrenalin“ sein, dann siehst du,
was geschieht, ohne dem Strom ausgeliefert zu sein.
Natürlich ist eine offene Wurzel gerade in unserer 24/7 Welt sehr gefährdet, der
Druck steigt und viele können ja kaum eine Stunde aushalten, ohne aufs Handy zu
schauen oder ihre Emails zu checken, ein ständiger “push”, der das ganze System in
die Überlastung führen kann.
Die völlig offene Wurzel kann sich wie im Wirbelwind des Außen fühlen, ohne Halt.
Da ihr System extremen Druck nicht gut aushalten kann, kann es zu Panikattacken
kommen oder einen Ausbrennen in dem Versuch, alles zu schaffen. Hier gilt es
wirklich das Augenmerk auf bewusster Entspannung, Erfahrungen von Frieden und
Ruhe im Alleinsein und in der Natur zu finden. Menschen mit offener Wurzel
neigen in Beziehungen oft dazu, einfach zu tun, was der Andere, die Quelle des
Drucks will, damit (wenigstens für heute) Entspannung entsteht. Aber das bleibt
nicht ohne Folgen, an anderer Stelle wird (in der Nicht-Selbst Beziehung) immer ein
unguter Ausgleich geschehen (siehe Kapitel „Beziehungen“).
Das Nicht-Selbst sagt: “Das muss ich schaffen!!!”. “Wie kann ich mein Leben
verbessern?”, “Wo ist mein Sinn und Zweck?”, “Wie kann ich diese Begrenzung
überwinden?”, “Ich muss mich fokussieren!”, “Ich will eine neue Erfahrung
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initiieren!”, “Ich will keine Zeit verlieren!”, “Es soll jetzt sein!”, “Ich muss jetzt
etwas Neues beginnen!”, “Ich muss mich beeilen!”, “Ich erledige es einfach, dann
hört der Stress auf!”
Heilende Sätze sind: “Ich lasse mich nicht unter Druck setzten!”, “Ich tue die Dinge
in meinem Tempo!”, “Ich fange früh genug damit an!”, “Niemand kann und muss
alles auf einmal schaffen!”

Definition

Die Art und Weise, wie die definierten Zentren miteinander in Verbindung stehen,
gibt Aufschluss über die für uns persönlich richtige Art, Entscheidungen zu treffen.
Sie zeigt, was wir beachten sollten, wo es Fallstricke gibt und Verlockungen, sich
und das Eigene zu übersehen. Sie zeigen auch auf, wo wir „mehrere Seelen“ in
unserer Brust haben – wo unterschiedliche Definitionsbereiche, wenn sie
angesprochen werden, uns z.B. vom Einzelkämpfer zum Familienmenschen werden
lassen können (Thema Spaltungen).

Die einfache Definition


Hier sind alle definierten Zentren durchgehend
verbunden. Menschen mit einer einfachen Definition
können ihre Entscheidungen auch „allein in ihrer
Kammer“ treffen, sie sind immer mit den konstant
definierten Aspekten in sich verbunden. Sie können
dadurch schnell spüren, was für sie stimmig ist, und
sehr fokussiert sein. Natürlich gelten auch hierbei die
Informationen zur inneren Autorität und Strategie.
Emotionale Menschen, auch wenn sie eine einfache
Definition haben, müssen sich natürlich ihre Zeit
lassen. Aber sie brauchen zu ihrer Entscheidungs-
findung nicht notwendig andere Menschen.

100
Die einfache Spaltung – die häufigste Variante
Diese Definition entsteht, wenn es keine
durchgehende Verbindung zwischen den
definierten Zentren durch Kanäle gibt. In
einem solchen Fall nimmt das Tor/die Tore, die
diese Trennung überbrücken würden, eine
extreme Bedeutung für den Menschen an. Es
versteht sich von selbst, das hier nichts
„kaputt“ ist, du bist genau so, wie es bei dir ist,
richtig und perfekt!

Aber: Das Nicht-Selbst ist hier sehr leicht zu


verführen, und so glaubt man, dass das Tor/die
Tore, die den Split, die Spaltung schließen, von
ganz besonderer Bedeutung ist. Es wird zum
Heiligen Gral - so muss ich sein, das muss ich
haben – und allzu oft wird das Mentale
versuchen, es herzustellen. Dann hat dieses
Brückentor eine viel zu große, weil Brückentor, würde die
konditionierende Kraft.
Spaltung schließen. Wird dadurch sehr
wichtig.
Dann suchen sich Menschen mit dem Split immer wieder genau den Partner, der
die Brücke bildet, glauben nur so sind sie richtig und vollständig. Menschen mit
einer Spaltung suchen Partnerschaft (was gut und richtig ist – wenn die innere
Autorität die Wahl trifft).
Wenn das Nicht-Selbst jemand aussucht, der die Spaltung schließt, kann es
herausfordernd werden. Denn nur, weil jemand mein Brückentor hat, heißt das ja
nicht, dass er auch ein passender Beziehungspartner sein muss. Somit ist eine
Spaltung ein starker Antrieb für Beziehungen und sorgt somit auch immer für
Reibung - und Wachstum. Auch ein Blick auf die Schaltkreise, zu denen das
Brückentor gehört, kann hier sehr dienlich sein, dann wird diesem Thema sehr viel
Bedeutung zugeschrieben. Hier gilt: wenn du deiner Strategie und inneren
Autorität folgst, geschieht das Richtige, mühelos. Es kommen die passenden
Menschen in dein Leben, du musst nichts tun.

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Ein wirklich nützlicher Rat für alle Menschen mit einer Spaltung ist: Wenn du eine
wichtige Entscheidung treffen musst – geh ins Cafe, ins Kino, in ein
Einkaufszentrum oder Konzert. Denn dort wird es automatisch Menschen geben,
die in deinem Aurafeld sind und die Brücke herstellen – aber du bist nicht mit ihnen
beschäftigt, du kannst bei dir bleiben. Ein guter Bekannter nutzt diese
unpersönliche Aura und Brücke für seine Kreativität, er schreibt seine Bücher im
Cafe, kann sich ganz auf das Seine konzentrieren und bekommt dennoch und völlig
mühelos alle Unterstützung, ein nährendes Feld um sich herum.
Die Besessenheit mit dem Brückentor bei einer einfachen Spaltung kann leicht
vom Echten, Eigenen ablenken, dann wird nur noch das wichtig, was man eben
nicht ist. Die Konditionierung im Nicht-Selbst durch die Brückentore wirkt extrem
stark, mehr noch als die Konditionierung durch die offenen Zentren.
So wie bei meiner Freundin Anjana, die Tor 48 in der Milz hat – das Tor der Tiefe.
Diese Tiefe hat sie die längste Zeit in ihrem Leben nicht beachtet, stattdessen
glaubte sie, immer noch mehr Fortbildungen machen zu müssen, um immer mehr
Fähigkeiten zu erwerben (denn gegenüber von Tor 48 liegt Tor 16, die Fähigkeiten),
um irgendwann endlich “genug” zu sein. Auch die versuchte Zusammenarbeit mit
einer Kollegin mit Tor 16 brachte nicht den gewünschten Erfolg. Und nach jeder
Fortbildung war sie frustriert, es war nie das Richtige. Sie konnte nicht glauben,
dass sie schon lange „genug“ war, dass ihre Stille, der Frieden, den sie ausstrahlt,
die Menschen hält und empfängt. Greifbar gemacht über das Human Design-
Wissen beginnt es jedoch, für sie fassbar zu werden.

102
Die weite Spaltung
Dann braucht es einen ganzen Kanal oder mehrere
Tore, um eine Verbindung zwischen den einzelnen
definierten Bereichen herzustellen. Das kann sich
anfühlen, als wäre man wirklich zwei völlig
verschiedene Personen – wie hier im Bild halt ein
sehr logischer Mensch – oder ein sehr emotionaler
Mensch, wobei dann der eine immer Probleme mit
der Sichtweise des anderen haben wird. Wenn
man weiß: Beides bin ich, ist das extrem hilfreich.

Es kann auch die Wirkung haben, dass man


Themen/Probleme eher als die der anderen
wahrnimmt. Es liegt an den anderen, die anderen
sind halt so, sind schuld, müssen etwas ändern etc.

Ist man sich dessen bewusst, kommt die Gabe: Dann bleibt man objektiver, denn
man kann ja den anderen sehen, ohne durch ein spezielles Brückentor „verführt“
zu sein. Hier liegt ein großes Potential für Weisheit – wenn man von außen schauen
kann, ohne involviert zu sein.

Weiterhin gibt es - viel seltener – eine


Dreifache Spaltung
Hier sind drei Bereiche im Chart definiert aber
untereinander nicht verbunden. Hier kommt den
verbleibenden offenen Zentren die größte
Bedeutung zu, sie konditionieren und können
leicht zum „Heiligen Gral des Selbstwerts“ werden.

Menschen mit dieser Definition sind oft


ungeduldig, wollen schnell handeln und nicht
warten. Es dient ihnen sehr, für Entscheidungs-
findungen mit mehreren anderen Menschen zu
sprechen – die dreifache Spaltung mag das Gefühl

103
von „Eingesperrt-sein“ nicht. Falls sie immer nur
mit dem gleichen Menschen
zusammen ist, fühlt sie sich bedrängt, es braucht Abwechslung, unterschiedliche
Verbindungen. Für das Umfeld mag erstaunlich sein, dass solche Menschen sehr
verschieden wirken können – nämlich je nachdem, welche Spaltung gerade
überbrückt wird - bekommt diese Seite der Persönlichkeit mehr Gewicht. Oder
aber der Fokus wechselt von einem Definitionsbereich zu einem anderen, ohne das
bewusst wäre, dass dies geschieht. Hier im Beispiel kann die Person zu Zeiten
extrem emotional und kämpferisch sein und kurz darauf ist der Fokus ganz im Kopf.
In diesem Beispiel hat der Mensch emotionale Autorität, aber sie ist getrennt von
der sakralen Reaktion. Dann kann es leicht vorkommen, dass man eben nicht die
Welle abwartet, sondern Dinge spontan entscheidet und das kann Probleme mit
sich bringen…..

Noch seltener sind die Vierfach-


Spaltungen –
Hier sind vier Bereiche der Definition
isoliert und nicht untereinander
verbunden. Hier kommt wieder den
Brückentoren die größte Bedeutung
zu. Menschen mit einer vierfachen
Spaltung können sich unvollständig
fühlen; klare Entscheidungen sind
schwierig zu treffen.
Dieser Mensch braucht Zeit! Denn
trotz der Definition hat er kein
Gefühl eines stabilen Innen; je
nachdem, wohin es gerade in ihm
tendiert, welche Bereiche
angesprochen sind, welche Brücken
geschlossen werden, kann es hin
und her schwanken in ihm.

„Wer bin ich wirklich“? ist eine kaum zu beantwortende Frage – denn die
wahrgenommene Energie wechselt ja, je nachdem, mit wem derjenige zusammen

104
ist, werden andere Bereiche verbunden, somit entsteht ein anderer innerer
Schwerpunkt.
Gerade hier ist die Gefahr, dass die vermeintliche mentale Autorität (die es nicht
gibt!!) einspringt und glauben machen will, sehr klar alles entscheiden zu können –
nach dem Motto: „Der Rest ist eh egal, ich bin mein Denken“. Es braucht den
ganzen Menschen, es braucht alle Aspekte, die dazugehören, und dazu braucht es
Zeit. Am angenehmsten für eine vierfache Spaltung ist es, entweder allein zu leben
(dann bin ich „Ich“ in meiner Spaltung und finde darin eine Konstanz). Oder aber es
findet sich die stimmige Gruppe, Familie, in der all die unterschiedlichen
Teilpersönlichkeiten verbunden werden, dann ist der Mensch mit sich im Fluss in
der externen “Überbrückung” seiner Spaltungen.

Innere Autorität - Wegweiser zur Stimmigkeit


Ra sagte gern: “Ich kann alle möglichen Kurse geben, ich kann dich lehren, reich zu
werden, ich kann dich lehren, gesund zu sein oder wie du guten Sex haben
kannst….denn das ist immer der gleiche Kurs: Sei Du selbst!“ Die innere Autorität
ist die vielleicht wichtigste Grundzutat dafür:
Die emotionale Autorität – hier heisst es: Bitte warten! Für die Hälfte aller
Menschen ist das der einzige Weg zur stimmigen Entscheidung – und natürlich
wollen gerade diese 50 % nichts lieber, als spontan handeln. Doch da emotionale
Menschen sich immer in einer Welle befinden (mal oben, dann ist alles super, mal
unten, dann ist alles tendenziell eher doof) brauchen sie Zeit, um Klarheit und ihre
echte Haltung zu finden. Mindestens einmal „drüber schlafen“, grundsätzlich gibt
es keinen festen Zeitrahmen, in dem eine Entscheidung getroffen werden kann, es
ist ein Klären über die Zeit, das sicherstellt, dass das Thema von allen Seiten
„erfühlt“ wurde, dass in der Entscheidung möglichst viele Aspekte berücksichtigt
sind. Dann kann der Mensch mit emotionaler Autorität mit der Entscheidung leben,
sogar, wenn sie sich als problematisch herausstellen sollte.
Und für alle, die damit ringen, „langsam“ als ihre Führung anzunehmen: Vergleicht
doch mal, wie viel ihr wahrnehmt, wenn ihr durch die Einkaufspassage einer Stadt
rennt – und wenn ihr schlendert. Wenn man sich erlauben kann, die Dinge langsam
zu tun und zu entscheiden, hat alles viel mehr Tiefe und Geschmack. Für mehr
Informationen zu den unterschiedlichen emotionalen Wellen siehe „Definiertes
Emotionalzentrum“. Dort finden sich auch einige Beispiele dazu.
Sakrale Autoriät – das Uhum und UmUm der inneren Wahrheit
Hier führt die innere Stimme der Reaktion. Das Anspringen deines Motors mit
einem Gefühl von Uhm, ja, Energie wird mobilisiert. Oder einem Zögern – dann
105
braucht es Zeit und ein erneutes Fragen – oder eben einem UmUm – nein, das
passt nicht für mich. Oder ganz umgangssprachlich: Habe ich Bock darauf?
Das Sakral ist ein unbestechlicher Führer zu deiner Wahrheit – wenn es sich gemäß
„sprechen“ darf. (Achtung! Wenn diese innere Autorität für dich gilt, ist es
entscheidend, beim Üben darauf zu achten, dass nicht etwa unser allgegenwärtiges
Denken einsetzt und dies als neue Technik nutzt, um dennoch seine Macht
auszubauen. Es geht um das echte Re-agieren, spontan und ohne Plan oder
Konzept dahinter. Dann kann auch passieren, dass es auf die Frage deines Mannes
„Schatz, liebst du mich noch?“ mit UmUm in dir antwortet! Man sollte immer
genau überlegen, ob man hören will, was ein ehrliches Sakral sagt ;-).
Leider funktioniert es nicht, sich selbst Fragen zu stellen – denn dann ist keine
echte Re-aktion die Antwort, sondern meist freut sich das Denken, dass es endlich
mal mitreden darf und simuliert eine sakrale Antwort. Die echte Reaktion beim
gefragt werden durch einen Menschen oder auf etwas Einladendes im Außen hin
ist gemeint, nur sie ist verläßlich.
Achtung für alle, die zwar sakral definiert sind, aber eine emotionale Autorität
haben: Hier gilt es, sich Zeit zu lassen, erst wenn die gleiche Reaktion mehrfach
erfolgt, ist die Entscheidung verlässlich.

Die Milz Autorität – Chefin der inneren Stimme.


Hier führt die Intuition, ein tiefes Wissen im Jetzt aus dem Körper heraus. Spontan,
jetzt, ohne Hintergrundinformationen führt sie dich - und spricht immer nur
einmal. Das macht diese Autorität sehr herausfordernd. Zum einen, weil du dieser
inneren Stimme folgen solltest, egal, wie das im Außen wirkt. Das allein kann schon
sehr herausfordernd sein, jemand z.B. einfach nicht die Hand zu geben, nicht mit
jemand sprechen zu wollen oder, wenn alle in netter Runde zusammensitzen,
plötzlich aufzustehen und zu gehen. Diese Autorität ist die älteste, sie ist
ausgerichtet auf unser Überleben. In der Steinzeit, zu ahnen, wenn der
Säbelzahntiger kommt, intuitiv zu spüren, welche Beeren essbar sind, und welche
eben nicht. Das alles ist in der heutigen Zeit viel schwieriger, wir leben in
langfristigen Verträgen und Absprachen, Konventionen und Verpflichtungen – alles
Gift für die Führung durch die Milz.
Eine zweite Herausforderung liegt darin, dass die Milz leise spricht, sie ist kein
Motor, sondern Bewusstsein. Die Gefahr, dass unser denkender Verstand ihre
Botschaft einfach beiseite schiebt und ignoriert ist extrem groß. Zumal die Milz ja
keine Begründung für ihre Wahrnehmung anbieten kann – sie hat einfach dieses
Gespür. (Gerade Menschen mit dieser inneren Autorität profitieren sehr von einer
medialen Schulung – in der sie lernen können, dieser Intuition mehr und mehr zu
106
vertrauen, das lässt sie dann sicherer werden, wenn es um die eigene Führung
geht.)

Die Ego-Autorität – mein Wille geschehe


Für diese Autorität ist das sogar stimmig. Es geht darum, zu prüfen, was man
wirklich selber will, was wichtig, gut und richtig für mich ist. Menschen mit dieser
inneren Autorität finden oft leichter heraus, was sie wollen, indem sie sich selbst
zuhören, auf den Ton ihrer Stimme achten; hören, was „es“ aus ihnen spricht.
Es gilt das Motto: sie müssen lieben, was sie tun und tun, was sie lieben. Hierfür
braucht es die innere Erlaubnis, auf das Eigene zu hören, es mir recht zu machen –
denn das hat nichts mit dem so verpönten Egoismus zu tun. Das Ego kann Wunder
vollbringen – wenn es denn grad stimmig ist. Und muss auf sich selbst schauen,
denn es hat keine dauerhafte Energie. Und ganz deutlich: In stimmiger Weise „faul“
zu sein gehört auch zu dieser Autorität – denn nur, wenn es sich für dich lohnt,
wenn es für dich richtig ist, gilt es etwas zu tun.

Autorität aus dem Selbst - ich höre auf mich


Hier geht es darum, der eigenen Stimme zu lauschen, sich zuzuhören, was „es“ aus
dir heraus sagt. Gerne im Laufe der Zeit mit vielen Gesprächen auch mit anderen –
aber nicht, um zu hören, was sie sagen und daraus dann eine Entscheidung
abzuleiten. Sondern um dir zuzuhören, was du sagst – je nachdem, mit wem du
zusammen bist. Und innerlich dir zuzuhören, vielleicht sogar Selbst-Gespräche zu
führen, um im besten Sinne des Wortes eine Selbst-Zufriedenheit zu finden.
Daraus ergibt sich, dass Menschen mit dieser Autorität sich zurückziehen, mit sich
alleine sein müssen, um herauszufinden, was sie wirklich wollen. Ein Tipp dazu: Es
kann sehr interessant sein, einen Spaziergang – alleine natürlich – zu unternehmen
und laut auszusprechen, was dir in den Sinn kommt. Durch das Aus-sprechen
kommt Klarheit. Würden man einfach nur denken, mischt sich der Kopf ein und
lenkt vom Wesentlichen ab. Und die Beobachtung zeigt – wenn wir nur im Kopf
„sprechen“ neigt es in uns dazu, sobald das Entscheidende sich zu zeigen beginnt,
uns abzulenken, mit „To Do“-Listen oder „Huch, ich muss ja noch Tante Klara
anrufen“. Sprich und höre, was du sagst ist hier dein Weg zur stimmigen
Entscheidung. Und – lass dir Zeit!

107
Keine innere Autorität – wo bist du und was sagt es in dir?
Ein irritierender Name – denn natürlich gibt es auch für Menschen mit dieser
Ausprägung eine Autorität – sie ist nur nicht so offensichtlich. Sie entsteht, wenn
es unterhalb der Kehle keine Definitionen im Chart gibt. In diesem Fall ist für diesen
Menschen der richtige Ort der Schlüssel – am richtigen Ort treffen sie auf die
richtigen Menschen, haben stimmige Begegnungen, werden für sie passend
energetisch berührt. In diesen Begegnungen ist dann wichtig, sich selbst
zuzuhören – also über die Interaktion und Resonanz sich selbst und die eigene
Haltung wahrzunehmen. Denn du erlebst dich ja anders – je nachdem, wo und mit
wem du sprichst.

Lass dir Zeit, viel Zeit, hör dir selbst und anderen zu, schlaf drüber, wieder und
wieder und nach einer Weile wirst du wissen, was für dich richtig ist. Das klingt
einfach – ist es aber meist nicht. Denn: Dieser Mensch hat automatisch sehr viele
offene Zentren. In denen ist die Verlockung groß, seinen Wert beweisen zu wollen.
Das funktioniert zwar nicht und ist furchtbar anstrengend – dennoch tun wir es. Die
angebrachte Langsamkeit ist meist das letzte, was ein sogenannter “mentaler
Projektor” leben möchte, oft erinnern sie mehr an einen Wirbelsturm der
Geschwindigkeit. Aber – es lohnt sich. Mit der Gelassenheit, der inneren Autorität
zu folgen, kommen die für diesen Menschen richtigen Entscheidungen – und der
Erfolg. Und eine Ehrung ihrer unglaublich starken Wahrnehmungskraft.

Mond-Autorität – Antwort nach 28 Tagen


Sie findet sich nur bei Reflektoren. Da in diesem Chart ja keines der Zentren
definiert ist – also keines Autorität sein kann - findet sich beim Reflektor eine
besondere Art der äußeren Autorität – das Abwarten über einen Mondzyklus lang.
Über die Transite des Mondes erfahren sie einen stabilen Rhythmus – erleben Tage
als Projektor, Generator, Manifestor oder ohne Definition, erleben also alle ihre
inneren Aspekte. Der richtige Ort hat immer absolute Priorität, über ihn kommen
die stimmigen Menschen ins Feld. Ein Reflektor sollte der 28-tägigen Warte-Zeit
mit vertrauten Menschen sprechen und auch sich selbst zuhören. Danach wird die
stimmige Entscheidung klar sein.

108
Planeten

Kosmischer Einfluss
die Wirkung von Sonne, Mond
und den Planeten

Die Planeten geben den jeweils 13 Toren im Chart – das sind die Zahlenkolonen
rechts und links neben der Grafik - eine Art Färbung, eine weiterreichende
Bedeutung. Es können maximal 13 Tore auf jeder Seite aktiviert sein. Auf der
rechten, in schwarz gedruckten Seite, gehören sie zur „Persönlichkeit“ – hier
haben wir einen bewussten Zugang, diese Eigenschaft an uns können wir
wahrnehmen. Die anderen 13 sind auf der roten Seite, dem „Design“ – das ist der
uns unbewusste, nicht direkt wahrgenommene Bereich, so sehen uns andere
Menschen. Es kann sein, dass Tore mehrfach vorkommen, also z.B. Tor 57 mehrere
Male auftaucht, mit jeweils anderer Linie und einem anderen Planeten. Natürlich
kommt diesem Tor dann eine besonders große Bedeutung zu.
Für das Human Design sind die folgend aufgelisteten Planeten von Bedeutung, ihre
Auswirkung bestimmt über die Energie, den „Geschmack“ der Tore und die
letztendliche Wirkung in unserem Leben. Ra bezeichnet die Himmelskörper als die
LEHRER und beschreibt ihre Wirkung, die Lehre wie folgt13:
ʘ Sonne Sie repräsentiert unsere Kernenergie,
unsere treibende Kraft. Sie ist sowohl
Persönlichkeit, unser „Selbst“ als auch was wir tun, das
Ausdruck, Thema unserer Inkarnation. Die Sonne in
Lebenskraft unserer Persönlichkeit zeigt an, wie wir
unser Licht in die Welt bringen. Auch zeigt
sie die genetischen Themen an, die wir
durch den Vater mitbekommen haben.
Erde Die Erde zeigt, wie wir im Körper sind, wie
wir die Energien der Sonne in die Form
Erdung und Balance bringen, in den Körper. Sonne und Erde
arbeiten zusammen und liegen sich im
Mandala gegenüber. Die Erde ist das

13 in The Definitive Book of Human Design, The Sciene of Differentiation, Ra Uru Hu and
Lynda Bunnell, HDC Publishing, 2011 - hier von mir frei übersetzt.

109
ursprüngliche Yin, der Archetyp der
Mutter, das Rückgrat unserer Stabilität.

Mond Zeigt an, was uns antreibt, die treibende


Kraft in unserem Design. Diese Kraft ist
Treibende Kraft immer da und wirkt. Sie bringt die Erde
Richtung dazu, die Form in eine Richtung zu
bewegen, führt zu Evolution. Der Mond ist
auch das innere Licht, unser inneres
Wesen, das sich nach außen hin zeigt.
Nordknoten Auf der Persönlichkeitsseite formt der
Nordmondknoten, was deine
Zukünftige Persönlichkeit über sich und die Welt
Richtung, Umwelt denkt.
Auf der Design Seite geht es um die
Beziehung zu dir, der Welt und anderen
Menschen.
Hier zeigt sich die Reifung von Themen aus
dem Südmondknoten. Es geht um das
Loslassen von allem, was uns nicht länger
dient, und das Bewahren dessen, was gut
für uns ist.
Südknoten Entwicklungsstadien im Erleben, Unreife –
bis zur Uranus Opposition (38-43) – dann
Vergangene gehen wir in der Mitte des Lebens vom Süd
Richtung , Umwelt zum Nordmondknoten. Die Knoten sind
die Bühne unseres Lebens, wie wir die
Welt erleben.

Merkur Entwicklung des Bewusstseins, das


Bedürfnis, sich mitzuteilen. Programmiert
Kommunikation den Persönlichkeitskristall bis zur Geburt.
und Denken
Dort wo in der Persönlichkeit der Merkur
definiert ist, zeigt was du in diesem Leben
kommunizieren sollst. Im Design ist dieses
Kommunizieren dann oft unbewusst, wir

110
wissen gar nicht, warum wir jemandem
etwas mitteilen.
Venus Die Venus bestimmt unsere Werte, die
Moral, wie wir mit uns und der Welt um
Werte, Gesellschaft uns herum umgehen.
Moral
Im Persönlichen Bereich geht es um richtig
und falsch, moralische Fragen und
Themen. Wenn gegen diese Vorstellungen
verstoßen wird, kann die Venus sehr
streng sein.
Die Werte der Venus werden im Jupiter
Gesetze und die Auswirkung (Vergeltung)
findet im Saturn statt.

Mars Mars bringt das Thema unserer Unreife,


frei von Verantwortung. Er verhält sich
Unreife passiv, bis er in Gang kommt, dann aber ist
Energiedynamik er eine Kraft, mit der man rechnen muss.
Sobald er anspringt, baut sich immer mehr
Momentum auf, das in Ausbrüchen aller
Art enden kann, wo jede Hemmung
verloren geht.

Eine außerordentliche Energie im Chart,


die mit der Zeit Kraft und Weisheit für
einen passenden Einsatz der Energie
entwickeln kann. Mars spielt in unserer
persönlichen Transformation eine wichtige
Rolle.

Jupiter Nichts außer der Sonne hat einen so


großen Einfluss auf uns. Er ist das Gesetz
Gesetz, Schutz des Universums und bestimmt über unsere
Entwicklung in 11+ Jahreszyklen, über
unsere Beziehung zu anderen und zum
Ganzen. Wir alle sind mit dem Imprint

111
dessen, was für uns stimmig ist versehen,
unser Gesetz, geschrieben von Jupiter.
Wenn wir ihm folgen, kann viel Glück
entstehen, denn Jupiter ist zuweilen
großzügig, aber wir können nur von dieser
Großzügigkeit profitieren, wenn wir dem
Gesetz gehorchen.
Saturn Hier wirst du mit den Konsequenzen
deiner Handlungen konfrontiert. Er ist der
Disziplin Richter, du zahlst an dieser Stelle für das
Der Richter Nichtbefolgen deiner Gesetze und Moral.

Zurückhaltung
Er ist die Messlatte, an der du deinen
Erfolg über die Zeit hin sehen kannst. Er ist
ein anspruchsvoller Zuchtmeister und lobt
nicht. Wenn er dich in Ruhe lässt, kannst
du wissen, dass du korrekt lebst. Und
wenn du Fehler machst, wird er dich
bestrafen.
Uranus Hier kommt deine Ungewöhnlichkeit zum
Ausdruck. Gleichzeitig auch die
Ungewöhnlichkeit, Verwandlungsprozesse, die wir von Jugend
Chaos und hin zu mittlerem Alter und Alter
Ordnung, durchlaufen und transzendieren können.
Wissenschaft

Neptun Ein großer Lehrer, der völlige Annahme


verlangt. Er verschleiert das Potential des
Illusion Tores (was für das Nicht-Selbst sehr
Kunst verwirrend ist, da es nicht durch den
Schleier schauen kann, das kann zu
Spiritualität missbräuchlichem Umgang führen, da wir
Grenzen nicht sehen).
Lass das Tor in Ruhe, und erlaube der
potentiellen Magie, sich zu zeigen. Hier
kannst du viel über die Natur der Hingabe
lernen.

112
Pluto Er bringt die Kraft des Unbewussten an die
Oberfläche, er repräsentiert
Wahrheit, Wiedergeburt. Pluto spricht die Wahrheit,
Transformation, so dass du sie direkt sehen kannst – und
Psychologie Wahrheit bringt Transformation.
Wo Pluto in deinem Chart ist, ist deine
Wahrheit. Seine tiefste Lektion ist, Licht in
der Dunkelheit zu finden. Dieses
Mysterium braucht ein Leben, um ganz
entdeckt zu werden

Wenn du nun deine individuelle Grafik anschaust, können die Tore wie folgt
verstanden werden:
DESIGN PERSÖNLICHKEIT
Mein Meine körperliche Ausstrahlung Hier zeigt sich mein Wichtigstes im Leben,
Sonnentor und meine Wirkung auf andere
zeigt: Menschen wird durch dieses Tor der zentrale Fokus meines Lebens.
geprägt. Diese Gabe, dieses Thema ist von
größter Bedeutung für mich.
Erde Dieses Tor zeigt mir viel über Diese Energie bringe ich auf die Welt,
meinen Lebenssinn, das ist mein
Körper tiefer Kern, dies war (unbewusst) meine Lebensaufgabe. Es geht um
Auf die Erde der Grund meiner Inkarnation das Auf-die-Erde-bringen dieses
bringen
Themas
Mond Dieses Thema bewegt mich, Dies ist ganz wichtig für mich,
treibt mich an, hat emotionale
Treibende Kraft. Es geht auch um das ich habe es immer im Fokus,
Kraft, körperliche aktiv werden und es bestimmt mein Denken und meine
Richtung betrifft auch die „Säfte“ im
Körper. Beschäftigung

Mondknoten Im Design geben sie Aufschluss Im Bewussten zeigen die Mondknoten


über deine Umgebung, was dort
Allg. auf dich wirkt und auch, was dich was du in der Welt siehst,
dort interessiert (PHS). Die Linien worauf du schaust, was du dort

113
hier zeigen deutlich die Energie, erkennst. (Rave Psychology)
in der du hier bist
Nordknoten Hierhin geht meine Entwicklung, Hier liegt mein Fokus,
hier zeigt sich meine Beziehung
Zukünftige zu mir, anderen und der Welt. meine Aufmerksamkeit
Richtung,
Umwelt ab
um die 40
Südknoten Hierhin geht in der ersten Hälfte Das ist mir wichtig, das sehe ich.
des Lebens meine
bis zur Aufmerksamkeit, es zieht mich an
Lebensmitte
Merkur Der Merkur bestimmt, was du Von diesem Thema sprichst du, es
körperlich, ohne Worte
Kommu- kommunizierst, was andere von ist die Botschaft deines Verstandes.
nikation dir auf- und wahrnehmen. Hierin hast du eine Wirkung auf
Denken
andere, dein Denken drückt sich aus.
Venus In meinen Beziehungen ist dieses Hier zeigen sich deine Werte und
Tor-Thema wichtig. Es gibt
Werte, Aufschluss über meine Ideale im Umgang mit anderen,
Gesellschaft, körperliche Verbindung mit die Grundlagen für Beziehungen
Moral anderen, Moral und Ethik. Es
zeigt auf, wie du mit jemand in und Freundschaften.
eine Beziehung gehst.
Mars Dein Marstor weist auf ein Talent Dein Tor-Thema hat viel mit
hin, das noch entwickelt werden
Unreife, muss, etwas, dass tief zu dir deiner Kreativität zu tun, etwas,
Energie- gehört, aber auch eng mit einer das hervorgebracht und reifen
Verletzung verbunden sein kann.
dynamik In der Yang Kraft hat er im Design will. Hier ist auch kriegerische
mit dem Bezug zum Vater zu tun. Kraft, dein Einfluss auf andere
und in der Welt. Der Mars steht
hier auch für dein Bild von
Männlichkeit.

114
Jupiter Die Kraft dieses Tores im Jupiter Hier zeigt sich, wie ein gutes
sagt viel über deine günstigen
Gesetz, Schutz Umstände aus, zeigt ein Wachstum für dich sein kann,
Potential, das förderlich und das fruchtbare Ausdehnen.
unterstützend ist. Dein Gesetz.
Hier bist du einflussreich und wirkst
auf andere, wie eine Quelle fließt
dieses Thema in alle Bereiche der
Expansion.
Saturn Hier zeigt sich deine Struktur und Dieses Thema erfordert von dir
Klarheit, der Saturn in diesem Tor
Disziplin, hat die Aufgabe, Grenzen Disziplin, Geduld und
der Richter aufzuzeigen, gibt dann aber auch Bereitschaft. Es zwingt dich,
Halt und eine stimmige Ordnung.
ehrlich und authentisch zu sein
und wird dich deutlich fühlen lassen,
wenn du vom Weg abkommst.
Uranus Hier zeigt sich deine Dein Außergewöhnliches zeigt
Ungewöhnlichkeit, die besondere
Ungewöhn- Gabe. Dein tiefes, ganz eigenes dieses Tor, dein ganz individueller
lichkeit Wissen, das Unerklärbare und Beitrag, dein Weg.
doch so Besondere. Uranus
rüttelt an allem, wo wir zu eng, zu Hier bringst du Erneuerung ins
begrenzt sind. Leben, drückst deine Freiheit aus.
Neptun Hier geht es in die Tiefe, in eine Hier braucht es tiefe Hingabe und
spirituelle, mystische Ebene, es
Illusion, Kunst, geht um das Dahinterliegende dein Vertrauen. Die spirituelle
Spiritualität und die Suche danach. Ebene des Lebens, das Thema
des Schleiers, den es zu lüften gilt
und das Thema des Jenseits des
Alltäglichen liegenden.

115
Pluto Hier zeigt sich das Echte, Neue. Pluto bringt – mit der Energie
Altbekannte Konzepte müssen
Wahrheit, losgelassen werden. Hier geht das deines Tores – wirkliche
Trans- Eigene über in das große Ganze, Echtheit, die Illusion
formation, mehr als nur Persönliche.
Psychologie löst sich auf.
Auch dein Konzept von dir als
Einzelner wird in Frage gestellt,
es geht um tiefste
Transformation.
Der Chiron (meist nicht Teil des „offiziellen Charts“, aber natürlich ablesbar) steht
für die heilende Kraft unserer Urwunde. Im Design zeigt sich, was heilend ist und in
der Persönlichkeit können wir ablesen, welche innere Haltung heilsam für
verletzlichen und verletzten Aspekt ist. Hier begegnen wird hinderlichen Glaubens-
sätzen und können sie erlösen.

Das Nicht-Selbst
Was ist das „Nicht-Selbst“?
Es klingt mysteriös, schwer greifbar, scheint überall zu lauern und uns vom Weg
abbringen zu wollen, fast wie der böse Wolf in den Märchen unserer Kindheit. Und
es ist real, verführend und verführerisch – solange wir nicht wir selbst sind, unserer
inneren Autorität und Strategie folgen, hat es Macht. Erlangen wir jedoch die
Weisheit der Unterscheidung, wird es beobachtbar und vorhersagbar und ist keine
Bedrohung mehr. Authentisch wir selbst zu sein ist hier tatsächlich der Schlüssel –
das allerdings ist Arbeit. Das Nicht-Selbst berührt uns über alles, was wir NICHT
sind: In offenen Zentren, Toren, Kanälen, in vermeintlicher „mentaler“ Autorität, in
Strategien, die nicht unsere eigenen sind. Und auch in unseren Definitionen – wenn
wir nicht unserer Strategie und Autorität folgen – dann ergreift das Nicht-selbst
auch diese scheinbar verlässlichen Aspekte und verdreht sie. Das macht es gerade
so schwer zu fassen – denn meist lernen wir von Kindheit an schon, wie wir sein
sollten oder besser sind – damit wir in dem Gefüge der Familie klarkommen. Ra
schreibt dazu“ The seven billion people on this planet, [Link] % of them are
not self. And this person, this openness, the splits, that is what rules this being’s
life. This is what their life becomes.

116
Always insecure, holding on to the worst possible things until it just all explodes,
making the worst possible bargains.“ 14
Es geht mir nicht darum, das Nicht-Selbst zu verteufeln, den meisten Menschen ist
schlichtweg nicht klar, dass wir wirk-lich unterschiedlich sind, einzigartig, und als
solches eben auch einzigartige Dinge brauchen – und andere eben gerade nicht.
Und wenn wir unsere Energie in einen unserer offenen Aspekte “schütten”, dann
geht sie verloren, ohne uns den Erfolg zu bringen, denn sie hätte, wenn wir
unserem Design folgen.
Wir streben nach Einheitlichkeit um dazuzugehören, passen uns an, weil das wie
der sicherste Weg scheint, Liebe und Zuwendung zu bekommen, erfolgreich zu
sein. Üben fleißig, Ente zu sein, ohne je zu erkennen, dass wir ein Schwan sind. Und
das Nicht-Selbst scheint uns ja all das zu verheißen, was wir ersehnen. Welches
Kind wurde – zumindest in der Vergangenheit - schon darin unterstützt, ganz
anders zu sein, sich von den Erwartungen der Erwachsenen frei zu machen und
seinen Weg zu gehen?
Und nicht zu vergessen: Von einer Generator Mama ist es ganz sicher als Liebe
gemeint, wenn sie ihr Projektorkind aus der „Einsamkeit“ (ihr Wort) seines
Zimmers reißt, und den Vormittag in den Erlebnispark fährt, nachmittags zum
Klettern und abends mit ihm noch eine Runde im See schwimmen geht. Ein wirklich
perfekter Tag für einen Generator, schöne Action pur, dafür war ihr Sakral
angesprungen. Aber eben nicht unbedingt für einen Projektor. Entweder er wird
auch zum Pseudo-Generator, das funktioniert meist – mit Abstrichen – bis ca. 40.
Dann lebt er sein Nicht-Selbst, das offene Sakral wird also benutzt, als wäre es
definiert und lebt Power pur, den Supersportler, die Actionheldin. Daraus bezieht
er seinen Selbstwert – was dann nur enttäuschend enden kann. Oder er riskiert, so
offen „anders“ zu sein, was natürlich mit sich bringt, dass er sich unverstanden und
falsch fühlen könnte.
Es ist herausfordernd, man selbst zu sein. Zu tun, was man braucht – und nicht zu
tun, was nicht stimmig ist – auch wenn die meisten anderen es tun. Anders sein –
besonders für die sakral offenen dreißig Prozent sehr herausfordernd.

14 (Page 101 Lecure Seven Living , Design Concepts, 2006 Jovian Archives) Übersetzt: Von
all den 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten sind [Link] % im Nicht-Selbst.
Dann ist es jener Mensch, die Offenheit, die Spaltungen, die das Leben des Einzelnen
bestimmen. Das wird ihr Leben. Immer unsicher, festhaltend an den schrecklichsten
Dingen, bis alles explodiert, sie machen die absolut schlechtesten Geschäfte.“

117
Denn sie leben in einer Welt, die für Generatoren gemacht ist, deren Werte sich an
den Fähigkeiten (hart arbeiten, durchhalten und Zufriedenheit durch diese Arbeit
erlangen) orientiert. Ra beschreibt in einem Informationsworkshop für die
Projektoren sehr treffen den Alptraum des sakral Offenen: Aufstehen – einen
ganzen Tag lang arbeiten – ein paar Minuten entspannen und sich umschauen –
erschöpft schlafen, dann schon wieder aufstehen und arbeiten – für wenig Geld,
ein Leben lang. (This is hell: Having to get up every day and do it all over again). Da
ein Projektor aber so geprägt wird durch die allgemeine „Arbeitsmentalität“, wird
er sich vielleicht als schwach und minderwertig empfinden und sein Selbstwert
sinkt und sinkt. Die Erkenntnis, dass dies nichts (NICHTS!) mit dem zu tun hat, was
er in Wirklichkeit ist, findet meist nicht statt, denn links und rechts von ihm sind ja
alle anderen „richtig“ (= Generatoren).
So wie bei einem Klientenpaar, sie ist Generator, er ist Projektor mit offenem Ego,
offenem Selbst. Er ist derjenige, der nach der Arbeit noch die ganze Wohnung
putzt – egal, was sie dazu sagt, er ist nicht davon abzubringen, so sehr hat er als
Kind gelernt, dass er nur durch Leistung hoffen kann, irgendwie gut genug zu sein.
Selbst dass er hin und wieder zusammenbricht hält ihn nicht davon ab
weiterzumachen in der Hoffnung, seinen Wert zu beweisen. Die Tragik ist ja –
selbst wenn das funktionieren könnte – jene, denen er das beweisen will, sind ja
schon lange nicht mehr da. Und die jetzige Realität – seine Frau, die sagt: “ Lass es
sein, wir holen eine Putzfrau“ - wird ignoriert.
Meist wissen wir ja selbst nicht mehr, woher all die Muster kommen, die uns
antreiben – aber das Human Design System gibt nutzbare Hilfestellung, sie auf
diesem Wege zu offenbaren. Wenn es gut läuft, werden hoffentlich die Kinder, die
jetzt auf die Welt kommen, eine Chance haben, gar nicht erst verbogen und
homogenisiert zu werden, so wie wir es noch erlebten – wenn ein Kind die Chance
hat, seinem Typ, seiner inneren Autorität und Strategie zu folgen – wow, dann
werden Wunder möglich! Wenn es sich-gemäß Nahrung aufnehmen darf (siehe
PHS am Ende des Buches), dann hat das ganze System, auch das Gehirn, viel mehr
Kapazitäten. Das wird eine ganze neue Art Mensch sein, das, was möglich wäre,
kann dann gelebt werden. Ra schreibt „Following this information through to full
understanding of how it applies to you can transform your awareness at a level
that is beyond anything you can think of from the homogenized perception that
most of the world experiences.“15

15 (Variable Lectures, Jovian Archives). Übersetzt: Dieser Information wirklich bis zu einem
tiefen Verstehen ihrer Auswirkung auf dich zu folgen kann dein Bewusstsein auf einer Ebene
transformieren, die du dir von der vereinheitlichten Wahrnehmung aus wie sie der Rest der
Welt erlebt überhaupt nicht vorstellen kannst.

118
Daher danke an jeden Leser, dass du dich damit beschäftigst und es vielleicht
weitergibst!
Auch für Generatoren ist das Nicht-Selbst verführerisch – je nachdem, welches
Zentrum definiert ist oder eben offen. So wird z.B. eine nicht bewusste
Manifestierende Generatorin mit Kanal 34-20 (der direkten Verbindung zwischen
Sakral und Kehle – ein Powerpaket), die einen offenen Solar Plexus hat,
wahrscheinlich all ihre Energie, die eigentlich für die eigenen Dinge gedacht ist, in
dem Versuch verwenden, die Umwelt glücklich zu machen. Dann ist dieser Mensch
ständig bemüht, alles zu tun, damit es der Familie etc. gut geht. Auch das kann
nicht wirklich funktionieren - Frustration folgt. Selbst wenn du das Tor des Nährens
und Kümmerns (27) im definierten Sakral hast, braucht es dennoch ein Gefühl für
Stimmigkeit, ein Wissen, wann es genug ist. Kommt hier ein offener Solar Plexus
hinzu, wird das Nicht-Selbst geben und geben – ohne je ein Maß zu finden. Das ist
der Grund, weshalb Ra wirklich in jedem seiner Vorträge und Workshops wieder
und wieder betonte: Achte, respektiere, höre auf deine Autorität und folge deiner
Strategie.

Gedanken:
Auf einem Weg, der nicht für mich passt, werde ich nie dort angekommen, wo
ich hinmöchte. Eine Strategie, die nicht die meine ist, wird mich niemals glücklich
machen. Meinem Nicht-Selbst zu folgen, bringt nie Erfüllung.
Schon das „hässliche Entlein“ hatte als Ente keine Chance, egal wie es sich
anstrengte. Denn es ist ja ein Schwan! Daher:

Lebe doch einfach deinen Schwan


Irgendwo in der Bibel heißt es: Was ich bin, ist gut genug, wenn ich es nur offen
täte.
Und auch sehr schön – ein Satz, den Jesus gesagt haben soll:
Wenn du hervorbringst, was in dir ist, wird dich retten, was in dir ist. Wenn du
nicht hervorbringst, was in dir ist, wird dich vernichten, was in dir ist.
(Thomas Evangelium).
119
Einen guten Hinweis auf das, was in uns ist, finden wir im

Inkarnationskreuz

Es kann gesehen werden als eine


Kurzfassung des Lebensthemas
eines Menschen, eine
Zusammen-fassung der
Einzelthemen aus Sonne und
Erde im bewussten
(Persönlichkeit) und
unbewussten (Design) – oder
einfach gesagt auf deinem Chart
die beiden oberen Tor-Zahlen
links (rot) und rechts (schwarz).
Diese Tore liegen maximal weit
entfernt im Rad – bilden ein fast
rechtwinkliges Kreuz aus den vier
Toren von Sonne und Erde.
Hierbei kann es zu einem großen gemeinsamen Thema kommen – oder sehr
unterschiedlichen Facetten/Polen, die es zu vereinbaren gilt.
Sie tragen die Frage nach dem Sinn dieses Lebens, nach der Art, wie dieser Sinn
umgesetzt werden kann – z.B. alleine oder mit anderen zusammen. Ra hat die
Informationen zu den Inkarnationskreuzen anfangs nur sehr zögernd veröffentlicht,
weil er befürchtete, die Menschen würden entweder denken, es wäre etwas,
worauf sie einen Anspruch hätten oder etwas schicksalhaft Unvermeidliches, egal
wie sie ihr Leben führen. Das ist natürlich nicht so.
Es ist eher so, dass dieser Sinn sich im Laufe unseres Lebens zeigt, als vollster
Ausdruck unseres Bewusstseinspotentials und unseres Prozesses, ein waches
Leben gemäß unserer Einzigartigkeit zu führen und als unser Dienst für die
Allgemeinheit. Bei allem gilt, der erste und wichtigste Schritt, überhaupt wach sein
zu können, ist unserer inneren Autorität und Strategie zu folgen. Denn nur dann
sind deine Entscheidungen auch wirklich DEINE Entscheidungen.
Es gibt drei verschiedene Gruppen von Kreuzen, die in Verbindung stehen mit dem
Profil:
Rechte Winkel 1/3, 1/4, 2/4, 2/5, 3/5, 3/6, 4/6 – hier geht es um das eigene,
persönliche Leben.
120
Juxtaposition 4/1, sehr selten, die Brücke zwischen beiden Winkeln, ein sehr
eigener Weg.
Linke Winkel 5/1, 5/2, 6/2, 6/3, das Transpersonale. Hier hat der Andere, die
Welt, einen großen Einfluss auf den eigenen Weg.

Im Laufe eines Jahres bewegt sich die Sonne durch die 64 Tore (Hexagramme) und
aktiviert jeweils eines dieser Tore (wie wir es in der westlichen Astrologie mit den
Tierkreiszeichen kennen). Daraus ergibt sich dann eine Zahl von 192 Grund-
Variationen der Inkarnationskreuze. Sie werden vier verschiedenen großen
Themenbereichen zugeordnet – die dann im Leben des Menschen Wirkung haben:

Das erste Viertel der Einweihung (The Quarter of Alcyone) - hier geht es um die
geistigen Grundlagen des Lebens, das Denken, Konzepte und Ideen, um Erziehung,
Bildung, Wissen und Erkenntnis. Das Erforschen der Form – unseres Lebens als
Mensch auf der Erde.
Das zweite Viertel hat den Namen Zivilisation (Realm of Duhbe) und hier ist das
Leben und seine Form das Thema: Schöpfen, Formen, Erschaffen in menschlicher
Form, der Aufbau von Strukturen, damit Menschen leben können. Hier geht es
wirklich um das Tun (und so finden sich viele Tore im Kehlzentrum hier in diesem
Viertel), die Umwandlung von Energie in eine neue Form.
Das dritte Viertel heißt Dualität, (Realm of Jupiter), das Thema ist Verbindung, das
in-Beziehung-treten mit anderen und die Vielfalt der Möglichkeiten darin,
Partnerschaft in jeder Hinsicht, das gemeinsame Leben und Überleben,
Fortpflanzung und die Entdeckung der Welt.
Im letzten Viertel Mutation (Realm of Sirius) geht es um Wandel – die Fülle der
Erfahrungen und Erkenntnisse zusammenzutragen, zu prüfen, zu nutzen und
weiterzugeben – oder sie loszulassen und zu transformieren. Abschluss und
Neubeginn. Das große Thema der Mutation ist, wirklich man selbst zu werden, von
innen heraus die individuelle Einzigartigkeit zu leben.
Die rechten Kreuze haben dabei jeweils 4 Varianten, die linken 2 und jede
Juxtaposition hat einen eigenen Namen, denn auch wenn jeweils die gleichen vier
Tore enthalten sind, so ist es vor allem das Sonnentor auf der bewussten Seite der
Persönlichkeit, das wie eine Art Filter wirkt, durch den die Themen der anderen
Tore eingefärbt werden.

121
Welchen Unterschied macht es, ob du ein rechtes oder linkes Profil bzw.
Inkarnationskreuz hast?
Im rechten Profil geht es um das eigene, persönliche Leben, den eigenen Weg.
Natürlich gibt es Kontakte und Verbindungen mit anderen Menschen, aber diese
sind eher eine „Zutat“ zum eigenen Prozess, sie werden einen Menschen mit
rechtem Inkarnationskreuz nicht grundlegend von „seinem Weg“ abbringen.
Grundsätzlich sind die rechten Profile nicht ganz so gut im Umgang mit Anderen,
haben aber einen klaren Blick auf ihr Gegenüber. Da es um das Eigene geht, nennt
Ra diese Profile „persönlich“, es geht um die persönliche Erkundung, Entdeckung,
Erweiterung.

Die Juxtaposition, das 4/1 Profil ist mit nur 3 % der Menschheit natürlich sehr
selten. Es ist weder personal noch trans-personal, sondern ganz auf seinem
eigenen Weg, vergleichbar mit einem Zug auf seinen Schienen. Andere werden mit
in diesen Weg hineingezogen, wenn sie länger mit einer 4/1 zusammen sind.

Das linke Inkarnationskreuz, das Trans-Personale wird durch das Gegenüber, den
Anderen berührt. Das Außen hat eine Wirkung auf Menschen mit dem linken
Kreuz. Und so kann der Einfluss Anderer den eigenen Weg verändern; das linke
Profil ist berührbar, offen für die Welt. Ra sagt, sie erfüllen ihr Schicksal durch die
Verbindung mit Anderen. (Das muss sich jedoch nicht so anfühlen! Bei der
Betrachtung der Linien wird klar, dass dies ein herausfordernder Prozess sein
kann). Diese Offenheit bedeutet aber auch, dass sie manchmal nicht ganz klar
sehen, denn es ist, als wenn vergangene Erlebnisse mit Menschen den Blick im
Jetzt überschatten können. Als wenn hier die „anderen Leben“ nicht ganz gelöscht
sind, sondern manchmal Menschen einem bekannt vorkommen, erinnern, als
würde etwas mitschwingen. Wichtig ist zu wissen, dass dieses „bekannt-
vorkommen“ nichts bedeutet, es ist kein Hinweis auf eine Aufgabe im Jetzt, es
verschleiert den Blick. Daher sind die trans-personalen Profile zwar viel besser und
geübter in der Verbindung mit Anderen, aber ihr Blick kann auch getrübt sein.
Themen sind Gemeinschaft und gemeinschaftliche Entwicklung, Verbindung und
Verbundenheit. Auch hier – als Thema im Leben, nicht als Friede-Freude-
Eierkuchen gemeint. Bei einem sehr individuellen Menschen kann dieses
„Beeinflusst-werden-durch-Andere“ dazu führen, dass er Kontakte eher vermeiden
möchte, gerade weil sie eine starke Wirkung auf ihn haben.

Natürlich werden diese Eigenschaften der Profile/Inkarnationskreuze stark durch


die individuelle Ausprägung von Typ, Thema des Inkarnationskreuzes und Energie
122
der Kanäle beeinflusst! Es sind immer Puzzleteile eines großen Ganzen, bitte
keine Glaubensmuster daraus ableiten. Human Design will und soll ja gerade die
Einzigartigkeit und Lebendigkeit eines jeden Einzelnen ehren. Berechenbar ist,
wenn überhaupt, das Nicht-Selbst, weil es Muster und Strategien entwickelt, weil
es eben nicht „echt“ ist. Als Grund-Info: Schaut einfach auf die Tore des Kreuzes –
besonders die Sonnentore, wo 70 % der Neutrinos „hindurchströmen“, sie
einfärben. Dann kommt das Erde-Tor hinzu, auch wieder rechts – bewusst, links
unbewusst.

Schaltkreise

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern, wenn es hieß, wir sollten ein
Thema in Gruppenarbeit vorbereiten, uns gemeinsam nachmittags treffen und
Aufsätze schreiben. Mein Alptraum. Meine erste Handlung war immer, mich mit
den betreffenden Schulkameraden darüber abzusprechen, wer welchen Bereich
bearbeitet, in der Hoffnung, dass ich dann meines alleine ausarbeiten konnte. Und
wenn sie partout auf einem gemeinsamen Arbeiten bestanden, habe ich oft
freiwillig alles gemacht – Hauptsache zuhause, in meiner Zeit, in meinem Zimmer,
alleine. Dafür habe ich mich immer irgendwie falsch gefühlt. Eigentlich war das
mein Grundgefühl im Zusammensein mit anderen; irgendwas stimmte nicht mit
mir, die anderen schienen dieses Bedürfnis, sich zurückzuziehen, mit sich zu sein
einfach nicht zu haben. Sie fanden es schön, alle zusammen zu übernachten,
ständig in Gesellschaft Dinge zu tun. Natürlich war ich auch gerne mal mit
Menschen zusammen, aber doch bitte nicht so lange, nicht immer und dann gern
nur mit einem!
Zu hören, dass ich als Manifestor mit den primären Aktivierungen im Individuellen
und mit der scheuen Zwei im Profil auch genauso sein darf, genauso gemeint bin,
war – auch Jahrzehnte später – eine Offenbarung. Ich habe zwar im Leben gelernt,
solche „Team-Szenarien“ geschickt zu umgehen, aber ich würde sie noch genauso
furchtbar wie früher finden. Ich fühle mich dann einfach völlig falsch. Dabei ist der
Kontext vollkommen egal, das Gefühl stellt sich bei einem Elternabend genauso ein
wie bei einer Fortbildung in meinem Fachbereich mit Teamübungen.
Mit Hilfe meines neuen Wissens ist es nun einfach viel leichter für mich, von vorne
herein zu so etwas „Nein, danke“ zu sagen – nicht gegen die anderen, sondern FÜR
MICH. In meiner Praxis erlebe ich aber genauso oft, dass es für andere völlig anders
sein kann, darf das Glück sehen, wenn Menschen Gleichgesinnte finden, wenn sich
Arbeitsteams bilden, wenn Gemeinschaft entsteht, man trifft sich, geht den Weg
zusammen. Das üben wir, die Würdigung – den anderen zu sehen, wie er eben ist,
123
und die Offenheit zu haben, ihn wahr-zu-nehmen, ohne davon auszugehen, dass
jeder gleich ist.
Richard Rudd, der vom Human Design ausgehend die Gene Keys, eine Vertiefung
der 64 Tore vermittelt, prägte den Satz „dare to be divine“ – wage es, deine
Göttlichkeit zu leben (Mehr von Richards Arbeit beschreibe ich im Teil „die
spirituelle Ebene“ als Ergänzung zu den Toren). Die Frage stellt sich: gelebte
Göttlichkeit – was soll das eigentlich heißen? Und viel mehr noch – welche
Bedeutung hat das? Was macht es konkret für unser Leben hier auf der Erde aus?
Ich glaube, es ist viel unspektakulärer als wir glauben – wirklich wir selbst zu sein,
authentisch zu leben, was ich bin und nicht das, was ich nicht bin, es klingt so
einfach und ist so schwer. Doch diese Göttlichkeit tragen wir in uns – und wenn wir
unsere Gaben vom Schatten zum Licht führen (vgl. Tore), dann ist unser Beitrag für
die Welt wirk-lich einzigartig. Denn dann strahlen wir sie aus.

In vielen Channelings spricht die Geistige Welt von Verbundenheit, von einer Art
Team-work, der Zusammenarbeit zwischen der feinstofflichen Welt und der
physischen auf der Erde; dem Teil von uns, der hier erlebt und dem, der mit
anderem Wissen, mit der Matrix unserer Inkarnation und allen Inkarnationen, mit
dem Ganzen verbunden ist. Team-Work mit Spirit liebe ich übrigens sehr, das fühlt
sich anders an. Nicht als Einheitsbrei, wir sind alle eins – dann brauche ich mir auch
keine Mühe zu machen, das meine zu entdecken und zu entwickeln. Sondern voller
Würdigung unserer Einzigartigkeit, unserer vielleicht absoluten Individualität
dennoch zu wissen, dass wir gerade so einen unverzichtbaren und kostbaren
Beitrag zum Ganzen darstellen, dass wir wichtig sind! Und dieses Gefühl, dieses
Wissen heilt.
Um diese Unterschiede besser zu verstehen, hilft das Wissen über die Schaltkreise
im Human Design. Sie beschreiben grundlegend unterschiedliche Arten, in der Welt
zu sein und die Welt zu sehen, sie erklären die unterschiedliche Grund-Energie von
Kanälen und Toren im jeweiligen Themenkreis. Zur Erinnerung: Einen Kanal nennt
man die Verbindung zwischen zwei Zentren. Er entsteht, wenn zwei sich direkt
gegenüberliegende Tore in benachbarten Zentren aktiviert sind. Im Chart werden
sie meist schwarz, rot oder schwarz-rot schraffiert dargestellt. Man kann sie
verstehen als lebendige Energie, eine besondere Wirkweise und Ausprägung, etwas
ganz Eigenes. Jeder Kanal hat nicht nur in sich eine Bedeutung, sondern er gehört
zu einem Energiesystem, einem grundlegenden Themenbereich. Es gibt drei
grundlegende Schaltkreisgruppen und dem vorgeordnet noch die Kanäle der
Integration.
Gerade für das Individuelle braucht es noch ein Vorwort – denn die Lebbarkeit
dieser Aktivierung ist recht neu. Selbst in unserer westlichen Gesellschaft ist es
124
noch gar nicht so lange möglich, eigen, neu, anders zu sein – und das zeigen zu
dürfen. Ein Blick zurück in unsere Geschichte zeigt, wie gefährlich es sein konnte,
anderer Meinung als die Machthabenden zu sein. Und allem voran hatte der
Stamm und die Zugehörigkeit zum System vorrangige Bedeutung für das Überleben
des Einzelnen, da war wenig Spielraum für Individualität. Das ändert sich gerade,
unsere zukünftige Entwicklung geht immer mehr in diese individuelle Richtung.

das Individuelle Beispiel Kanal 57-20


der Stamm Beispiel Kanal 54-32
das Kollektiv Beispiel Kanal 41-30

Bei vielen von uns gleicht sich die Wirkung der Schaltkreise aus, ein bissl hiervon,
ein paar davon. So wie im Beispiel oben, es gibt drei Kanäle im System, in jedem
der drei großen Schaltkreise einen. Ein wahrscheinlich ausgeglichener Mensch, der
sich gut in andere Haltungen hineinversetzen kann. Aber bei manchen überwiegt
ein Thema – und das hat eine Auswirkung auf die Art dieses Menschen, in der Welt
zu sein. Denn es macht einen Riesenunterschied, ob jemand sehr individuell
ausgeprägt ist (dann geht es um den eigenen Weg, das eigene Zeug, Kreativität), ob
er ein Stammesmensch ist (meine Familie, meine Leute, wir hier drinnen und die
anderen Fremden draußen) oder ob kollektive Themen überwiegen (wie können
wir allgemeingültige Erkenntnisse für alle finden und nutzen? Wie kann ich eine
sichere Zukunft finden, bzw. wie können Erfahrungen aus der Vergangenheit
genutzt werden? Wie wächst die Spezies weiter? – Das heißt nicht, solche Leute
denken nur ans große Ganze, das eigene Erleben ist immer persönlich – aber ihr
Prozess dient der Entwicklung der Spezies). Wichtig: Alles ist kostbar, alles ist
wertfrei und unpersönlich – aber sehr sehr anders.
Ein Beispiel: Ganz aktuell ein Thema wie das der Flüchtlinge – Ihr könnt euch
vielleicht schon vorstellen, dass jemand sehr Individuelles dazu ganz anders steht
als ein Stammesmensch: Ein primär individueller Mensch wird die Haltung haben:
„Macht was ihr meint, lasst mich in Ruhe, ich mach mein Ding, kann doch jeder
machen, wie er mag“. Der Stammesmensch denkt an seine Leute und fürchtet
vielleicht um ihren Lebensstandard und der Kollektive weiss, dass so eine

125
Zuwanderung langfristig auch Vorteile für alle haben kann, weil sie neue Impulse
bringt. Alles sehr unterschiedlich und überhaupt nicht persönlich!
Beim Lesen der kommenden Abschnitte ist es vielleicht hilfreich, zunächst „ein
bisschen von oben zu schauen“. Worte sind ja oft sehr beladen und so kann es
dazu kommen, dass wir etwas von vorne herein ablehnen, weil etwas Altes,
Negatives für uns mitschwingt (Worte wie „Stamm“ oder „Kollektiv“ können eine
Abwehr auslösen). Leider verpassen wir dann auch das Dienliche, daher lade ich zu
einer offenen Betrachtung ein.

126
Die Schaltkreise im Einzelnen
Grundlage allen Lebens: die vor den
Schaltkreisen befindlichen
Denn hier geht es um das eigene
Kanäle der Integration
Überleben (auch das Überleben als man
selbst) und die Entwicklung, die dazu
nötig ist.
10-20 Erwachen

57-10 Überleben Nur vier Zentren gehören zu diesem


Themengebiet: die Überlebenskraft des
Sakralen, die Milz mit dem Überlebens-
34-20 Charisma instinkt im Jetzt, das Selbst, die innere
34-57 Macht Führung und die Kehle für Ausdruck und
Tatkraft.

Es geht nicht um Gefühle und nicht ums


Denn wer anders ist, muss auch aushalten Denken. Hier geht es um mein Ding ,
können, sich von anderen zu unter- meinen Weg, meine Art –das Thema der
scheiden. Dafür braucht es Überlebenskraft Selbst-Ermächtigung, den Kern des
und Macht, Handlungsfähigkeit, Selbst-Liebe, Individuations-prozesses.
Vertrauen und Intuition.
Menschen mit Definitionen in diesen
Kanälen nehmen nicht leicht Führung
von anderen an, denn ihr Job ist es ja,
das Neue zu bringen.

127
Ra beschreibt das Thema dieser Kanäle wie folgt: „Ich liebe mich selbst und
ermächtige mich, indem ich auf meine Intuition im Jetzt höre“
Falls du in deinem Chart Aktivierungen in diesen Kanälen hast, kann es sehr sinnvoll
sein, deine Unabhängigkeit auch zu behalten. Wahrscheinlich magst du es einfach,
dein Konto, dein Auto, deine eigene Wohnung zu haben. Durch die Art, wie du für
dich dein Leben lebst, ergibt sich dennoch eine Wirkung auf andere, ganz
nebenbei. Doch dein Hauptaugenmerk im Leben wird auf deinem eigenen Prozess
liegen, der eigenen Entwicklung und Kraft. Und das ist gut und richtig so!
Wenn zwei Partner sich im Bereich der Integration treffen, hat das oft explosive
Auswirkungen - zum einen, da hier 4 Tore im Bereich der Elektromagnetik mit 6
Kanälen verbunden werden können; zum anderen, da es eben immer sehr
individuelle Themen sind, die aktiviert werden.
Denn: ohne „mich“, so wie ich bin, habe ich ja auch kein Leben. Alles andere folgt
erst danach. Daher sind die Kanäle der Integration den Schaltkreisen vorgeordnet.
Von hier geht es weiter mit dem
Individuellen.

Hier sind alle Zentren beteiligt – was


schon zeigt, wie wichtig das Thema der
Individualität für unser Menschsein
ist. Hier gibt es zwei große Bereiche,
also nochmal eine Unterscheidung in
der Energiefärbung – die Bereiche
Wissen und Zentrieren

Bei allem, was mit Individualität zu tun hat, geht es um Mutation und Veränderung,
Entwicklung und Erneuerung. Individuelle Menschen sind sich treu, unabhängig
von der Norm. Individualität verkörpert das Neue, Andere und inspiriert durch ihr
Vorbild. Sie hören nicht auf Befehle oder Ratschläge, denn das Neue, Kreative
kommt aus dem Innen, es ist eine innere, wandelnde Kraft, die sich ausdrücken
will. Sie folgen ihrem eigenen Rhythmus. Sinatras „I did it my way“ – die Hymne
des Individuellen.
Ein solches Individuell-sein hat natürlich auch einen Preis – wenn ich mich
zurückziehen muss, meine Dinge nur auf meine Weise tun kann, so ganz anders bin
als alle anderen, fühle ich mich eben auch so: anders. Eine gewisse Traurigkeit –
eine Melancholie (unter Umständen aber auch Depression) gehören zu diesem

128
Themenkreis. Sich einsam, unverstanden, falsch, anders zu fühlen kann schwer
auszuhalten, gleichzeitig aber auch extrem kraftvoll sein und sich in Kreativität und
Schöpfungskraft zeigen. Hinzu kommt, dass der energetische Puls in diesem
Schaltkreis entweder still ist – dann passiert nichts, oder aber “an“ – dann passiert
ganz viel auf einmal, was sich wie ein Vulkanausbruch anfühlen kann.
Das Gefühl der Melancholie, das die Individualität begleitet, birgt in sich
unglaubliche kreative Potentiale. Allein wenn wir zur Kunst schauen, die meisten
Gedichte werden in Zeiten des Kummers geschrieben, die tiefen Gefühle
inspirieren zum Ausdruck, zum Finden neuer Wege. Freiheit ist für individuelle
Menschen ein großes Thema, sie kann zur absoluten Priorität werden – egal, was
das kostet. Die Herausforderung für einen sehr individuellen Menschen im
Umgang mit der Welt ist auch, dass sein „Wissen“ aus seiner inneren Quelle
kommt: Intuition im Jetzt, Inspiration für Kunst, Kreativität, neue Visionen. Daraus
folgt, dass dies nicht leicht zu vermitteln ist. Zum einen fehlen die Worte und die
anderen verstehen gar nicht, was der individuelle Mensch sagt. Dieses Gefühl,
nicht verstanden zu werden, begleitet sie von Kindheit an – verstärkt das Gefühl
von Melancholie und den Rückzug von der Welt.
Von der größeren Perspektive von menschlicher Entwicklung aus ist das extrem
sinnvoll – denn das Neue, das Vorbild, die Veränderung können ja nur
unbeeinflusst von der bestehenden Welt entstehen, und so kann der individuelle
Mensch ein Rollenvorbild sein - ganz unbeabsichtigt und gerade dadurch kraftvoll
kommt durch ihn Veränderung. Ein Beispiel wäre ein Musiker, der einen einzigen
Hit landet, ein ganz eigenes, bahnbrechendes Stück, das eine neue Musikrichtung
einläutet. Ein One-Hit-Wonder. So ein Erfolg ist nicht wiederholbar, eben weil er
einzigartig ist, er berührt aber vielleicht etwas, was vorher nicht da war.
Individuelle Menschen leben in einem faszinierenden Spannungsfeld – zum einen
fallen sie auf, werden bemerkt, zum anderen werden sie am liebsten in Ruhe
gelassen, wollen ungestört ihr Ding machen, sich zurückziehen. Sie gelten als
unberechenbar – denn man weiß ja nie im Voraus, wann der Impuls zu sprechen,
zu handeln, zu schöpfen entsteht. Dieses Gesamtthema des Individuellen bleibt in
beiden Unter-Kategorien erhalten. Aber es besteht ein Unterschied im
Schwerpunkt, in der Ausrichtung, der die Unterscheidung sinnvoll macht.
Für jemand, der im Wissen Aktivierungen hat, geht es darum, seine Einzigartigkeit
zu leben, echt zu sein, ganz authentisch. Durch dieses Leben als du selbst bringst
du etwas Neues – und das hat eine Auswirkung auf die Welt. Daher ist in diesen
individuellen Aktivierungen immer auch der Kontakt zu anderen „eingebaut“ –
denn es braucht ja eine Auswirkung, es muss die anderen berühren, damit sich das
Potential, die Welt zu transformieren, auswirken kann. Ob die Mutation etwas
verändert oder nicht, zeigt sich natürlich erst über die Zeit. Dieses Design kann

129
einsam sein, denn oft wirst du gar nicht mitbekommen, dass du für andere wichtig
warst, dass du etwas bewirkt hast.

Hierzu gehören die Kanäle 3-60 Mutation, der Puls; 14-2 Der Schlag, die Neue
Richtung; 1-8 Inspiration, kreatives Vorbild; 61-24 Bewusstsein, ein Design der
Denker; 43-23 Struktur und Individualität – alles vom Genie zum Freak; 38-28
Kampf, Mühe, Beharrlichkeit und Sinnsuche; 57-20 Durchdringende
Wahrnehmung; 39-55 Stimmung; 22-12 Offenheit .
Im wesentlich kleinere Schaltkreis Zentrieren liegt der Fokus auf der Erforschung
des Neuen. Das kann sich anfühlen wie: Von innen heraus einfach etwas tun zu
müssen – es geht um die eigene Integrität. Das wiederum hat eine Wirkung auf die
anderen, es stimuliert geradezu Wandel. Nur das zentrierte, integrierte Selbst
kann wahrhaft Vorbild sein, denn sonst ist man melancholisch und einsam.
Hier geht es nicht ums Denken und Bewusstsein, es ist eine Reaktion aufs Leben,
die diese Kanäle zum Ausdruck bringen. Das Problem bei allem, das so anders ist,
ist ja eben, dass es erst mal aus der Reihe fällt und niemand da ist, der es würdigt
und ermutigt. Daher ist hier eine Art Selbst-Ermutigung mit eingebaut, ein Mensch
mit einem dieser Kanäle braucht weniger das Außen, das versteht und zu schätzen
weiß, sondern wird durch seine innere Führung bestärkt in dem neuen Weg.
34-10 Erkunden, Erforschen durch das Tun, und seinen Überzeugungen folgen
51-25 Einweihung. Das Bedürfnis, Erster zu sein. Ins Neue hinein schockieren.
Ra Uru Hu war ein sehr individueller Mensch – und heute liest du ein Buch, dass
über seine Auswirkung hin entstanden ist, immer mehr Menschen nutzen die von
ihm übermittelten Erkenntnisse, das Human Design System hat eine Auswirkung in
die Gesellschaft hinein. Er hatte beide Einweihungs-Kanäle, die 10-20 und die 25-51
– das Öffnen einer neuen Ebene.
Im Umgang mit der Welt fällt auf, dass für individuelle Menschen die Sprache ein
extrem wichtiges Medium ist, sie sind akustisch (was unter anderem mit sich
bringt, dass sie oft sehr Lärm- und Geräuschempfindlich sind). Sie können oft schon
am Klang erkennen, was im Anderen vorgeht, haben ein Ohr für
„Missstimmungen“. Und sie sprechen, teilen sich mit, ringen um Verstehen. Und
wenn es zum Streit kommt, sind es auch Sätze wie „Sei still, halt die Klappe, das
kannst du doch so nicht sagen, warum sagst du das, sprich mit mir“, die immer
wieder vorkommen.

130
Ganz anders sind die Themen im zweiten Schaltkreis,
einem Bereich, der seit langem für uns alle eine große
Bedeutung hat und jetzt in einem Wandel begriffen ist:
Der Stamm, die Familie, Gemeinschaft, die Ahnen,
die Blutlinie, die Sippe.

Das große Thema ist Unterstützen, Haben und


Bewahren und der Zusammenhalt. Alles in diesem
Schaltkreis ist für das Überleben der Gruppe ausgerichtet,
die Anforderungen der Materiellen Welt, Werte, Ressourcen
und die Gesetze des Zusammenlebens.

Diese Art des „nur gemeinsam können wir überleben“ ist


tief in unseren Genen verankert, so haben Menschen von
Anbeginn an zusammen überlebt.
Es geht um das Überleben einer festen Gruppe - klassisch natürlich die Familie, die
Dorfgemeinschaft, aber auch Vereinskameraden, die lange zusammen sind, Firmen
im alten Sinne, wo die Belegschaft als Familie zählt. Daher ist auch klar, dass keines
der Tore im Selbst zu diesem Schaltkreis gehört. Unabhängig davon ob jemand
viele Aktivierungen im Stamm hat oder nicht – er ist unsere Grund-Lebensform als
Mensch, er bestimmt unser Miteinander - zumindest werden wir dort
hineingeboren. Das grundlegende Thema ist das Überleben dieser Gemeinschaft
(Individualität ist hier weniger gefragt) – und somit geht es auch um den Beitrag,
den der Einzelne dazu leisten kann. Es gibt einen gemeinsamen Deal, einen
Vertrag. So haben wir Menschen überlebt von Urzeit an - in Versorgungs-
gemeinschaften, Interessengemeinschaften. Die Männer gingen jagen, die Frauen
verarbeiteten die Nahrung und die Häute der Tiere, versorgten die Kinder, jeder –
wirklich jeder – hatte seinen Platz, seine Aufgabe, leistete seinen Beitrag. Nur so
war das Überleben aller zu sichern. Um Stabilität und Kontinuität sicherzustellen
galt es, möglichst wenig Risiken einzugehen, die den Stamm gefährden könnten.
Aber gleichzeitig muss es natürlich auch die Möglichkeit für Wandel geben, damit
man sich anpassen kann, falls sich die Umstände sehr verändern.
131
Und so gibt es im Stamm Gesetze, die dafür sorgen, dass all diese Notwendigkeiten
und Gegebenheiten berücksichtig werden. Sie sind nicht geistig, sie sind tief in
unseren Zellen verankert. „Bist du anders, bist du tot“ bringt es die Systemikerin
Rosa Rechtsteiner auf den Punkt. Wer sich schon mal mit Familien- und
Ahnensystemen beschäftigt hat weiß: Nichts ist mächtiger als die Sippe – wenn
über diese Macht kein Bewusstsein entsteht, und die Gesetze nicht geehrt sind,
haben wir kein eigenes Leben, auch wenn es im Außen nicht immer sichtbar wird.
Eine Vereinbarung, ein Deal – der lange Zeit Gültigkeit hatte. Bis vor kurzem sah er
in der Familie oft so aus : Du putzt und sorgst für die Kinder – ich bringe das nötige
Geld nach Hause. Gestern abend sah ich einen Film: Die Gemeinde – alle sind beim
Gottesdienst (auch ein Stammesthema, die gemeinsame Religion). Danach gehen
sie zu Tom und Jessica zum Grillfest – alle zusammen, jeder bringt etwas mit, die
Kinder spielen. Der Pfarrer dankt Gott und der Gemeinde für alles, und empfiehlt
Tom den neuen Tierarzt, er ruft alle auf, zu ihm zu gehen und ihn
weiterzuempfehlen. Alles für den Stamm im Stamm, vom Stamm. Und – wenn es
funktioniert – profitieren alle.
Für dieses Zusammenleben gibt es Regeln, Sicherheit, Grenzen, wer dazu gehört
und wer nicht. Dieser Deal, die bindende Absprache, die z.B. in Kanal 37-40 wirkt,
soll Sicherheit geben, denn ohne diese sind alle in Gefahr. Denn in diesem
Schaltkreis ist das unberechenbare Emotionalzentrum mit seiner Welle beteiligt –
daher braucht es Sicherheit. Ganz archaisch – du nimmst meinen Sohn in die Lehre
– ich bestelle deinen Acker. Wir bekommen Streit – aber der Handschlag, der
Vertrag war besiegelt. Mein Sohn lernt zu Ende und dein Acker wird bestellt - der
Handel trägt und die materielle Sicherheit bleibt gewährleistet. Oder modern: Max,
32 Jahre alt, emotionaler Generator, mit einem befristeten Arbeitsvertrag in einer
Kanzlei. Er ist richtig gut drauf, voller Zuversicht, dass der Vertrag verlängert
werden wird und beschließt, sich sein Traummotorad zu kaufen. Seine emotionale
Welle ist oben und spontan bestellt er es beim Händler (wir erinnern uns:
emotionale Menschen sollten immer warten, mindestens eine Nacht drüber
schlafen!). Einige Zeit später, vielleicht schon am nächsten Tag, ist die Welle unten
und ihm fällt auf, dass er sich sein Traummotorrad noch nicht einmal im Traum
leisten kann und dass sein Arbeitsvertrag vielleicht ja auch nicht verlängert werden
wird. Aber der Kaufvertrag bindet. Und es hat immer einen Preis, aus dem Vertrag
herauszugehen, ob nun bei der Scheidung – oder bei besagtem Motorradkauf.
Aber wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, werden wahrscheinlich Vater oder
Mutter einspringen und finanziell helfen – und Max dann vielleicht doch nicht wie
geplant ausziehen, sondern nach Feierabend im elterlichen Betrieb die
Buchhaltung machen. Ein System, das einige Jahrhunderte lang gut funktioniert
hat.

132
Für Menschen mit einer starken Stammesaktivierung ist das „Dazugehören“ sehr
wichtig. Sie brauchen die anderen – und kümmern sich um die, die zu ihrem Stamm
gehören. Da ein Stamm nur dann überlebt, wenn er genügend Ressourcen hat,
braucht es gute Entscheidungen und einen stimmigen Austausch für Energie – hier
geht es um Wachstum und Sicherheit für die Stammesgemeinschaft. Hier finden
wir die Bereitschaft, für die „Meinen“ in den Kampf zu ziehen - mein Land, meine
Leute. Dazugehören - oder eben nicht. Menschen „von ganz woanders“ sind da
eher fremd, sie riechen ja sogar anders (Stammestore 44 und 32 haben viel mit
dem Geruchssinn zu tun und natürlich haben andere Völker andere
Ernährungsgewohnheiten und riechen somit anders). Diese „Fremdheit“ wirkt
bedrohlich, Sorgen und Befürchtungen kommen auf - um Sicherheit, um die
Arbeitsplätze um die Ressourcen. Wichtig ist – das ist nicht persönlich!!! Damit
kann man auch nicht diskutieren. Jede Aktivierung im Milzzentrum berührt die
Instinkte, Aspekte unseres Menschseins, die uralt sind und die uns tief
konditioniert haben. Hier wirken Überlebensinstinkte und hier sitzen die alten
Ängste.
Ein weiteres Stammesthema ist die Fruchtbarkeit, die Reproduktion der Spezies
und die Fürsorge, das Erhalten und Schützen des Nachwuchses. Rein optisch schon
liegen die beiden Kanäle 6-59 und 27-50 wie eine Wiege mitten im Chart.
Spannend ist, dass diese Kraft eben nicht das persönliche Glück im Auge hat (und
somit den Stoff für viel Drama bietet), es geht – auch auf Kosten des Einzelnen –
um das kollektive Überleben, die Vermehrung der Spezies. Hier liegt der genetische
Imperativ, die Erhaltung des Stammes. Fruchtbarkeit, die da ist, egal in welch
schwierige Situationen die werdenden Eltern – und vielleicht auch die Kinder –
dadurch kommen. Menschen mit starken Aktivierungen in diesem Schaltkreis
wollen einfach grundsätzlich für einander da sein, wollen meist Kinder haben – und
können gar nicht verstehen, wie man das nicht wollen kann, sie mögen Familie,
möchten dauerhafte Gemeinschaften eingehen, Vereinen beitreten etc. Der
Übergang zu der heutigen, immer individuelleren Zeit ist für sie daher schwer.
Es gibt zwei Unterschaltkreise: zunächst den EGO-Schaltkreis
Themen sind die Transformation, das Angetrieben-sein, weiterzukommen in Kanal
54-32, um Erfolg und Ehrgeiz – das nach-Vorne-kommen-wollen, damit der gute
„Nachschub“ an führenden, erfolgreichen Leuten für den Stamm sichergestellt ist.
Aber auch Spiritualiität hat hier ihren Platz.
Ein weiteres Thema ist die Übermittlung – das Verkaufen und gute Geschäfte für
alle zu erwirtschaften in Kanal 44-26. Synthese und Sensibilität – in Kanal 19-49
geht es um Nahrung und Ressourcen. Das Thema von Kanal 37-40 ist die
Gemeinschaft, die Suche nach dem Ganzen, die Ethik, der gesellschaftliche Deal.

133
Und in Kanal 21-45 ist das Thema das Herrschen, die Sicherung und Verwaltung
der Materie.
Der zweite Schaltkreis ist das SCHÜTZEN (im Chart umgeben vom Ego-Schaltkreis),
hier geht es um die (unpersönliche!) Kraft der emotionalen und sexuellen Energie.
In Kanal 6-59 geht es um Fruchtbarkeit, die Reproduktion der Spezies und in Kanal
27-50 um ihr Erhalten, um Fürsorge.
Der Stammes-Schaltkreis erfährt schon seit einiger Zeit einen tiefgreifenden
Wandel – wo früher Familienzusammenhalt, lebenslange Ehen, Firmen-
zugehörigkeit von der Lehre bis zur Rente zu finden waren, gibt es heute immer
mehr Single-Haushalte, man hat Lebensabschnittsgefährten und große und häufige
Wechsel im Beruf. Es ist eine Bewegung hin zur Individualität, denn ab 2027 treten
wir in das Kreuz des Schlafenden Phoenix mit sehr individuellen Toren ein (20, 34,
55 und 59), dann geht es um das Beschäftigt-sein mit den eigenen Dingen und das
große Thema der Authentizität. Die seit Jahrhunderten bestehende Bedeutung von
Kanal 37-40, dem sozialen „Deal“ geht somit ihrem Ende entgegen. Rückblickend
wird ganz klar deutlich, in der Zeit des „Kreuzes der Planung“ (mit den Toren 37,
40, 9 und 16) begannen in den Industrienationen unglaubliche Entwicklungen in
Bezug auf das Zusammenleben von Menschen.
Nicht nur die industrielle Revolution und viele wissenschaftliche und medizinische
Errungenschaften fallen in diesen Zeitrahmen, sondern es entstand auch eine
Kultur des Zusammenlebens - öffentliche Schulen, Bildung für alle, nationale und
internationale Abkommen und Vereinigungen wurden gegründet und verbreitet.
Das Jahr 2027 bringt große energetische Veränderungen, eine neue Ära beginnt –
dem Fluss des Lebens folgend. Und auch hier: Sie ist weder besser noch schlechter,
und es liegt in jedem Einzelnen, was er aus dem Angebot der Energien macht.

Das große Ganze – die beiden kollektiven Schaltkreise


Im letzten großen Schaltkreis geht es um das Kollektiv, das Überleben und die
Entwicklung der Menschheit. Das wesentlichste Merkmal dieses Schaltkreises ist
das TEILEN – von Meinungen, Erkenntnissen, Lösungen, Kritik, Erwartungen, Ideen,
Fantasien, Erfindungen, medizinischen Durchbrüchen und Erfahrungen etc. Es ist
ein gesellschaftlich-gemeinschaftlicher Schaltkreis, es geht um Mehrheitliches,
Allgemeingültiges, Konsens, Verhaltensnormen, nicht aber um das persönliche
Wohlbefinden des Einzelnen. Anders als im Individuellen (da geht es um mich) und
im Stammeskreis (meine Leute, Loyalität, Absprachen und feste Bündnisse) geht es
hier um das „große Ganze zum menschlichen Leben Gehörende“. Auf dem
Schaubild wird deutlich, dass der kollektive Schaltkreis den äußeren Rahmen gibt.

134
Er hält das Ganze zusammen. Um das tun zu können, ist das Sich-Sicher-Sein,
Wissen, Fakten, Verstehen, Vorhersagen, Sinn-finden wichtig.

Hier finden sich zwei Teilbereiche, einer davon ist


das Verstehen, der Schaltkreis Logik. Hier geht es
um die Mustererkennung durch Beobachtung von
Details und Erfahrungen der Vergangenheit.
Alles, was nicht funktioniert wird in Frage gestellt,
damit Zukunftsprognosen gemacht werden können.
Hier finden wir keine Gefühle, es geht um
Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Befriedigung
und Freude kommen über Planung und Sicherheit
über die Zeit.

Beteiligte Kanäle sind: 52-9 die Konzentration, 5-15 der Rhythmus, 7-31 ein Design
der Führerschaft, 58-18 das Urteil, 48-16 das Talent, 63-4 Logik, 17-62 Annahme
und Organisation.
(Ein Beispiel: Wir alle wissen um die Jahreszeiten, zumindest in Deutschland. Seit
Jahrhunderten haben die Bauern Muster gefunden, die aus den Wolkenformen
oder Temperaturbeobachtungen Ableitungen für die Wetterprognose ergeben, z.B.
die „Eisheiligen“ im Mai, die als Orientierung galten, damit der Bodenfrost nicht
die Saat vernichten konnte, daher durfte erst nach der letzten Eisheiligen, der
kalten Sophie, gesäht werden.) Das Wort “Muster” ist für uns wahrscheinlich eher
fremd, aber anders betrachtet sind alle Dinge, die durch Übung perfektioniert
werden solche Muster. Auch Autofahren oder Geige spielen sind letztendlich
erlernte und vertiefte Muster.
Es werden Hypothesen aufgestellt und überprüft. Disziplin, Logisches Denken,
Wiederholung und Wiederholbarkeit sind wichtige Fähigkeiten. Und so sind die
Menschen, die hier viele Aktivierungen im Chart haben, auch eingestellt. Sie
bemühen sich um die vernünftige Lösung – und hier besonders verlockend ist die
Gefahr, an eine mentale Autorität zu glauben, die Sicherheit verspricht. Logik,
Sachlichkeit, Vernunft – das sind in unserer Gesellschaft geschätzte Werte; sie
versprechen Sicherheit, weil es doch nachvollziehbar zu sein scheint. Logisch
ausgerichtete Menschen gehen strukturiert vor, eines nach dem anderen, in einer
gewissen Ordnung. Das tut ihnen gut. Sie sind kritisch, sie zweifeln sich und alles
immer wieder an – wenn sie aber eine Überzeugung erlangt haben, sind sie absolut
sicher und vielleicht sogar starr.

135
Natürlich ist die Herausforderung vorprogrammiert, wenn ein primär logisch
ausgerichteter Mensch mit jemand zusammen ist, der ganz anders „tickt“, der
vielleicht durch emotionale Autorität oder eine sehr individuelle Haltung geprägt
ist. Oder wenn es im eigenem Chart eine weite Spaltung gibt, vielleicht einen Kanal
zwischen Kopf und Anja in der Logik und einen Kanal zwischen Wurzel und
Emotionen im Sinnfinden. Dann ringt der Mensch damit, dass sein Kopf seine
Gefühlsentscheidungen nicht gutheißen kann, oder die Gefühle nicht damit leben
können, was der Kopf entscheidet, und alles ständig in Frage gestellt wird – eine
anstrengende Mischung.
Das Mentale, Logische kann nie Handlungsrichtung geben (oder planst du eine
Vernunftsehe, oder kaufst das total vernünftige Auto?).16 Es kann aber natürlich im
Umgang mit Informationen sehr nützlich sein. Sobald gemäß der Strategie und
inneren Autorität eine Entscheidung getroffen ist, ist Verstehen bzw. die Logik eine
durchaus große Hilfe. Dann beginnt ihr wichtiger und kostbarer Dienst.
Es gilt immer wieder zu berücksichtigen: der kollektive Schaltkreis ist für das
Allgemeine gedacht, nicht für das persönliche, private Leben. Aber er wirkt
natürlich mit seiner Energie, ruft auf, zu teilen, was da ist. Ein kleines Beispiel:
Meine Klientin Martina S. hatte Probleme mit ihrem Partner. „Ständig nörgelst du
an mir herum“ war sein Vorwurf. Sie konnte das gar nicht verstehen, sie wollte
doch nur helfen, verbessern. Martina hat den Kanal 58-18, die Verbindung von
Wurzel und Milz, den Kanal des Urteilens im Schaltkreis Logik. Menschen mit
diesem Kanal, oder auch nur der Aktivierung in einem der beiden Tore, erkennen
wir meist sofort – denn sie sehen, was nicht stimmt, was verbessert werden
müsste. Ra selbst erklärte es wie folgt: “Stell dir vor, du hast mit 10 Putzfrauen dein
Wohnzimmer gereinigt; wenn jemand mit diesem Kanal hereinkommt, sieht er
sofort, wo noch etwas schmutzig ist.” So sagt Tor 58 (die Freude) gern zum Partner:
“Wenn du nicht so….wärest, wäre es richtig schön mit uns.” Lieben heißt für Tor 58
korrigieren. Das gegenüberliegende Tor 18 heißt sogar „die Arbeit am
Verdorbenen“. Alles mit dem Zielgedanken natürlich, dass es verbessert werden
kann. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass dies alles in Beziehungen nicht
immer wirklich hilfreich ist, denn dafür ist er nicht gedacht (und mit Martinas
Beziehung klappt es viel besser, seit sie das weiß).

Der Sinn dieser Gabe liegt eben im Allgemeinen, dem Kollektiv. Zum Beispiel in der
Prüfung, ob ein neues Medikament die Zulassung bekommen kann – denn dann

16 Amüsant das englische Wortspiel – dort hat das Wort „mental“, das genau wie im
Deutschen auch „geistig, mental“ bedeutet auch die Bedeutung „übergeschnappt, irre“.

136
muss es auf Fehler und Nebenwirkungen überprüft werden – das ist allen dienlich,
es braucht den extrem kritischen Blick. Oder wie bei Paul Schneider – er ist
Sicherheitsbeauftragter der Feuerwehr und prüft, ob Notausgänge und Fluchtwege
zugängig sind. Ein perfekter Auftrag für diesen Kanal!
Wer Aktivierungen im Verstehen hat, braucht und schätzt Wiederholungen, Übung,
wie in Kanal 16-48 (die Fähigkeit), und das kommt über konstante Praxis. Beispiel:
Eine Dame sagt zum Geigenmeister: „Ach, ich würde mein Leben geben, um so
spielen zu können wie Sie“. Seine Antwort: „Genau das habe ich getan”.
Da dieser sehr große Schaltkreis jedoch nur Zugang zu zwei der Motorzentren hat,
ist Energie sehr kostbar und eher knapp bemessen. Das lässt sich leicht auch auf
das Geld übertragen: Forschungsprojekte tun sich oft sehr schwer, Geld zur
Finanzierung aufzutreiben, und da die Energie begrenzt ist, wird klar, dass die
Entscheidung, wofür sie genutzt wird, gut abgewogen werden muss. Daher sind
selektive Festlegung und dann Übung und Wiederholung sehr sinnvoll, nur so
kommt der Erfolg. Eine Woche mit Forschung zur Krebsprävention und die nächste
dann über die Wirkung von Sport auf den Alterungsprozess zu verbringen macht
wenig Sinn, man würde sich verzetteln. Im Verstehen geht es darum, tief in eine
Sache einzutauchen, um sie ganz zu durchdringen.

Die zweite Hälfte: Abwechslung bitte!


Der Begriff Sinn-finden für den zweiten Teil des kollektiven Schaltkreises sagt
wunderbar aus, worum es geht.

Zu diesem Schaltkreis gehören folgende Kanäle: 41-30 – Erkennen, fokussierte


Energie und die Energie der Krise, die Neues bringt. In Tor 41 beginnt der Ur-
Impuls, eine neue Erfahrung zu suchen. Es folgt Kanal 35-36 –Vergänglichkeit, der
Hans-Dampf-in-allen-Gassen; intensivstes Erleben oft gepaart mit krisenhaftem
Auf- und Ab, es geht um Erneuerung. In Kanal 11-56
das Thema der Neu-gier, der Sucher. In Kanal 64-47
geht es um mentale Aktivität und Klarheit und die
Suche nach Sinn. Kanal 13-33: Der Zeuge, ein Sammler
von Erlebnissen und Geschichten, um sie für alle
zugängig zu machen. Dann Kanal 29-46: Das Entdecken
und das Thema, erfolgreich zu sein, wo andere
versagen, genauso wie das Durchhalten-müssen und –
können, Kanal 53-42 – der Prozess der Reifung, eine
Erfahrung von ihrem Anfang bis zum Ende zu erleben.

137
Der Sinn einer Erfahrung offenbart sich ja meist nicht während sie gemacht wird,
sondern in der Gabe, nachträglich über die Erfahrung nachzusinnen und einen Sinn
in dem Geschehenen zu finden.
Dieser kollektive Prozess trägt die Menschheit weiter, niemand muss von Null
anfangen, sondern die Erkenntnis geht voran. Hier stehen die Themen der
Erfahrung, das gelebte Leben im Vordergrund. Zunächst kommt die Erfahrung,
dann wird reflektiert und gesammelt – sowohl emotional als auch spirituell.
Sehnsucht ist ein extrem wichtiges Thema in diesen Kanälen, der Wunsch nach
dem „Richtigen, dem/der Einen, dem Besseren“.

Es drängt in die Welt – die emotionale Welle bewegt, und - befeuert von der
Sehnsucht - entstehen immer wieder neue Zyklen des Erkundens. Hier geht es nicht
um eine Wiederholung wie im Verstehen. Hier geht es um neue Erfahrungen. Die
Sinnsuche motiviert, lässt Schwierigkeiten ertragen, bringt die Menschen dazu,
über sich hinauszuwachsen – und dieses erweiterte Neue kommt dann wiederum
allen zugute. Soweit die Grundenergie; dass dies im persönlichen Leben zu viel
Drama führen kann, ist nebensächlich für die Evolution. Vorrang hat, dass z.B. ein
Mutiger, getrieben durch Vorstellungen und Ideen, aufbricht in neue Gebiete, oder
über das Meer hinaus in neue Länder, und andere folgen - so wird auf Dauer das
Leben in immer neuer Vielfalt sichergestellt.
Das Besondere an und in diesem Schaltkreis ist, dass über die Begegnung mit dem
großen Ganzen, dem Austausch zwischen den Menschen, die Erfahrungen mit
anderen Menschen wir uns selbst näher kommen. Wer lange „geübt“ hat im
Schaltkreis Sinnfinden, der wird am Ende nicht nur weltweise geworden sein,
sondern auch sich selbst in so vielen Facetten begegnet sein, dass er seinem
wahren Wesen näher gekommen ist.

Fazit: Jeder der obigen Schaltkreise war und ist unverzichtbar für die Entwicklung
der Menschheit. Nur einen davon als gut zu bezeichnen wäre, als wollten wir nur
Äpfel oder nur Nüsse wichtig finden. Und für die meisten von uns ergibt sich eine
Mischung, die viele Zugänge eröffnet. Aber gerade für jene, die sich ein Leben lang
als anders, nicht dazugehörig, schwermütig und unverstanden erleben (weil sie
viele integrative oder individuelle Aktivierungen haben) kann das Verstehen und
Ehren dieser besonderen Eigenheit viel Kummer lindern. Denn ohne das anders-
sein und es anders-machen käme keine Erneuerung in unsere Gesellschaft! Ob
Freak oder Genie - wie in Kanal 23-43 - das hängt nur von den Umständen ab. Und
wieder: wenn wir wirk-lich leben, wer wir sind, ist es mühelos und erfüllend.

138
“Die Mechanik der Persönlichkeit, sogar unseres Verhaltens im Umgang mit
anderen ist ganz oft nicht persönlich, sie ist Energie, sie ist mechanisch. Aber wir
können lernen, wie wir anders mit unserer Reaktion darauf umgehen können.
Der Teil ist persönlich.“ Ra
Wenn du – oder dein Partner – viele Aktivierungen im Sinnfinden hast, kann das
eine Herausforderung sein. Ganz klar, solche Leute sind spannend, lebendig, wollen
erfahren, erkunden, das ist eine interessante Energie. Wenn es sie „packt“, sprühen
sie vor Begeisterung, Sehnsucht und Fantasie. Das ist toll, wenn du das Ziel dieser
Aufmerksamkeit bist. Doch wenn es sie dann weiterdrängt ( ich wiederhole mich –
es ist nicht persönlich, hier wirkt eine tief kollektive Energie mit dem Hintergrund
des Überlebens der Spezies, es drängt!), im nächsten Tal, beim nächsten Menschen
nach dem Einen, Besonderen, Erfüllenden zu suchen, kann das dem anderen
natürlich weh tun. Ich begleite einige Paare, in denen ein Partner die 36-35 als
Kanal hat – hier ist Ehe, wenn sie denn Monogamie und „schau nicht woanders
hin“ bedeutet, echt eine Herausforderung – an beide Partner. Verständnis für den
Zusammenhang hilft, um weise zu werden.

Profile und Linien

Neben dem Typ mit all den Aktivierungen im Chart – definierten oder offenen
Zentren, Kanälen und Toren - gibt es noch eine weitere, extrem wirkungsvolle
Prägung und somit Ausdrucksform eines Menschen: Das Profil. Es wird oft mit
einem nicht-wechselbaren Kostüm verglichen, mit dem wir auf die Welt
kommen.17 Das Profil stellt unveränderliche Qualitäten eines Menschen dar,
Wesenszüge, Eigenarten, Verhaltensweisen und Bedürfnisse. Dieses Kostüm
kann unbequem sein, wenn es durch unser Nicht-Selbst verzerrt ist, oder aber wie
unsere zweite Haut sein, wenn wir es erkennen und den passenden Umgang
finden. Das wiederum entspannt den Umgang mit dem anderen, bringt
Verständnis und erleichtert unser Leben.

17 The costumes of our purpose“. S 254 The Definitive Book of Human Design, The Sciene
of Differentiation, Ra Uru Hu and Lynda Bunnell, HDC Publishing, 2011

139
Grundlage des Profils sind die Linien der Tore von Sonne und Erde im bewussten
Bereich = Persönlichkeit und im Unbewussten = Design. Da unser Sonnentor rund
70% unserer Programmierung durch den Strom der Neutrinos empfängt, werden
wir hier am stärksten geprägt. Sonne und Erde stehen einander im Mandala der
Hexagramme immer gegenüber. Aus Sonne und Erde im Bewussten
(Persönlichkeit) und Unbewussten (Design, rechnerisch 88 Tage zuvor, ermittelt
ausgehend vom Zeitpunkt der Geburt) ergeben sich die Profile. Man beginnt auf
der bewussten Seite – das ist die erste Linie des Profils, danach folgt die
Unbewusste.

Hier ein Beispiel: Die Persönlichkeitssonne in Tor 57 mit der Linie 2 und die Sonne
im Design mit Tor 53 und der Linie 4 ergibt das Profil 2/4.

Für jede der 6 Linien, die in verschiedenen Kombinationen ein Profil bilden können,
gibt es Begriffe, die der Erklärung bedürfen. Hier ist ganz wichtig, dass es – wie bei
allem im Human Design – keinerlei Wertung gibt. Ra Uru Hu prägte diese Begriffe,
da sie sehr prägnante Aspekte der Linien erfassen. (Ein bisschen wie ein Brüh-
würfel – pur sehr extrem, aber in Verbindung mit anderen Zutaten sehr dienlich).

140
6

4 3–
die Wendeltreppe
2 zwischen den Etagen

Hier die Linienqualitäten in Kurzform - falls du sie neben dein Chart legen möchtest
– weiter unten im Text werde ich ausführlich auf jede Linie eingehen.
1 Und so ist die Eins der Forscher oder auch der Spezialist, der die Welt für eine
sichere Basis untersucht, sich vorbereiten will, nach innen schaut und studiert.
Wenn die erste Linie eine Torqualität beschreibt, geht es um Sicherheit, um die
Grundlagen und die Analyse des Themas.
Im Licht bringt sie Sicherheit; die Eins forscht und studiert, sie will sich auskennen.
Sie mag es, sich vorzubereiten und Details zusammenzutragen. Sie hat einen Blick
für die Stärke oder Schwäche eines anderen. Sie bringt die Grundlagen, ist
analytisch und sorgt für die sichere Basis. Sie kann erobern /sich unterwerfen, ist
authentisch und geduldig.
Im Schatten ist ihre größte Herausforderung die Angst vor dem Unbekannten. Das
kann sie ängstlich machen, unsicher, schwach oder bedürftig. Andererseits kann
die Eins auch starr und sturköpfig werden, dann weiß sie alles besser, ist autoritär
und extrem verbissen kämpferisch.
2 Die Zwei, der Einsiedler, das Naturtalent, das sich zurückzieht und allein in
Harmonie ist, der aber immer wieder von anderen gesehen und gefordert wird.
Sehr selektiv, nur das Richtige ruft ihn. Die 2 darf und sollte darauf schauen, was
leicht für sie ist, da liegt die Gabe. Wenn die zweite Linie eine für das Tor

141
prägende Energie ist, geht es um Auswahl, die Entwicklung des Themas und die
richtige Anwendung und Öffnung.
Im Licht hat die Zwei besondere, ihr oft unbewusste Gaben, die sie meist erst dann
wahrnimmt, wenn diese durch andere gesehen werden und sie ein Feedback dazu
bekommt. Sie kann reserviert und selektiv wirken, ist tolerant und demokratisch.
Die Zwei kann genügsam sein und sich selbst genügen, ist idealistisch und
individuell. Es macht einen großen Unterschied, ob man sie vor ihrem Ruf, ihrer
Lebensmission, oder danach erlebt. Magie: es darf leicht sein, mühelos.
Privatsphäre ist sehr, sehr wichtig.
Im Schatten kann ihre Angst sie misstrauisch machen, dann ist sie unzugängig und
isoliert sich selbst. Sie ist blind für ihre Gaben und extrem scheu. Der extrovertierte
Ausdruck des Schattens kann an eine überspannte Operndiva erinnern, eitel und
sich überschätzend, intolerant und dogmatisch.

3. Die Drei, der Märtyrer – diese Menschen müssen erkunden, Erfahrungen


machen, und da schwingt das Thema Schuld mit (kennen wir alle, wer in der
Küche arbeitet, lässt auch mal einen Teller fallen). Dreier sind sehr
anpassungsfähig und bringen Wandel. Wenn die dritte Linie eine Torqualität
beschreibt, geht es um praktische Anwendung, das Sammeln von Erfahrungen
damit und die Umsetzung.
Im Licht sammelt die dritte Linie eine Fülle an kostbaren Erfahrungen, sie
experimentiert und findet Wichtiges heraus. Sie ist mutig und bringt Veränderung,
ist flexibel, sehr anpassungsfähig und durchhaltend. Sie stellt Überkommenes in
Frage und bewirkt Veränderung. Sie ist bereit, alles für die richtige Sache zu geben
(sich dafür zu opfern).
Im Schatten kann sie sehr pessimistisch werden, sich hilflos fühlen und resigniert.
Enttäuscht von sich und dem Leben geht die Kraft verloren. Sie nimmt die ganze
Schuld auf sich, oder beschuldigt den anderen. Beides dient nicht, weil es das
Lernen (um das es ja für die Drei geht) verhindert. Anpassungsfähig im Negativen.
Oder sie ist so rastlos und unerfüllt, dass sie von einer Sache zur nächsten springt,
ohne Tiefe - unverbindlich und verantwortungslos.

4 Die Vier, der Opportunist – da geht es um die passende Gelegenheit, die


Verbindung in Freundschaft und Gemeinschaft, Familie und passende Netzwerke.
Vierer wollen ihre Botschaft vermitteln, wenn das nicht geht, treten sie zurück.
Wenn die vierte Linie eine Torqualität beschreibt geht es Kontakt, um die
Wirkung und die Öffnung für das Thema.
142
Im Licht bringt die vierte Linie Offenheit und Freundlichkeit, sie geht in Kontakt, ist
offen für Beziehungen und Vernetzung. Sie bringt ihren fixen Standpunkt in die
Welt, kann andere erreichen. Sie hat ein gutes Gespür für günstige Gelegenheiten,
sie mag und braucht es, dass man ihr vertraut und so entfaltet sie ihren Einfluss.
Im Schatten kann die Vier sehr misstrauisch und unberührbar sein, dann zieht sie
sich, ermüdet vom „Zuviel“ zurück und wird abweisend und distanziert. Wenn das
Vertrauen verloren geht, verschließt sie sich. Auf der andere Seite kann sie auch
aufdringlich sein, unsensibel für den Anderen, aufdringlich, berechnend und
manipulativ, hört nicht zu und erzählt interne Details weiter – Stichworte sind
Klatsch und Tratsch.

5. Die Fünf, der Häretiker, der Ketzer, der Menschen beeinflussen und führen
kann, auf den ständig etwas projiziert wird . Der General, der rettet und sich
zurückzieht. Ein sehr praktischer Mensch. Wenn die fünfte Linie eine Torqualität
beschreibt, geht es um die Verbreitung, um das zugängig-Machen für die
Allgemeinheit, das Publikmachen des Themas.
Im Licht bringt sie die praktische Lösung und verbreitet das Neue. Sie kann klar und
begeisternd kommunizieren und mitreißen. Man steht der Fünf offen gegenüber,
sie kann Nähe auch mit Fremden herstellen, ist sehr verführerisch – eben auch zum
Guten, sie kann zeigen, wie wunderbar ein neuer Weg sein kann und dieses Wissen
in der Allgemeinheit verbreiten. Allerdings lebt sie in einem ständigen
Projektionsfeld und mit den hohen Erwartungen der anderen.
Im Schatten ist sie immer wieder enttäuscht vom Leben und den Menschen und
wirkt auf andere ebenso. Sie kann fixe Ideen haben, paranoid und kompliziert sein.
Oder fanatisch und extrem intolerant, besessen von Ideen und belehrend,
manipulativ verführend und den anderen täuschend.

6. Die Sechs, das Rollenvorbild – mit “drei Leben”. Zunächst als widerstrebende
Drei in den ersten 30 Lebensjahren - mit dem Bestreben, zu erfahren, zu prüfen
und auch wieder einzureißen, was nicht stimmt. Da sie das Besondere erwartet
und sucht und mit den profanen Dingen des Lebens nicht wirklich zufrieden sein
kann ist sie in dieser Zeit oft eher pessimistisch gestimmt. Dann kommt die
zweite Phase - mit dem Blick von oben aufs Geschehen, mit wachsender
Weisheit, und ab ca. 50 geht es darum, als echtes Rollenvorbild authentisch zu
sein, sie blickt dann viel optimistischer in der Welt. Die Sechs strebt über das,
was ist, hinaus. Sie kann Frieden bringen. Wenn die sechste Linie eine Torqualität
beschreibt, geht es um Transformation, um die individuelle und einzigartige
Gestaltung.
143
Im Licht transformiert die Sechs die Dinge, betrachtet sie von einem wirklich
höheren Standpunkt aus, unparteiisch und oft mit einer großen Unschuld. Sie kann
ein echtes Vorbild sein, ist authentisch und visionär, sie zeigt, wie persönliche
Integrität aussehen kann. Sie strebt nach mehr, nach dem Darüber-Hinausgehen.
Im Schatten kann die Sechs sich extrem isolieren und sich auch isoliert fühlen. Sie
zieht sich zurück, nichts ist gut genug, sie kann extrem perfektionistisch sein, bis
hin zur Lähmung - nicht präsent im Körper und sehr abwesend. Oder sie
überschätzt sich maßlos, ist arrogant und zynisch. Dann schaut sie auf die
Menschen herab und will nichts mit der Welt zu tun haben.

Nun besteht ja ein Profil immer aus zwei Linien - der bewussten und der
unbewussten – und wird damit zu einem Spagat, einer echten Herausforderung,
denn sie sind immer sehr unterschiedlich, oft sogar eine Mischung aus personaler
und transpersonaler Energie. So bezeichnet Peter Schoeber jedes Profil als
“unlösbare Aufgabe“. Der Sinn darin? Mit Sicherheit reichlich Wachstumsimpulse
und Erfahrungen. Weiterhin bringt die zweite Linie, die von der Designseite
stammt, wichtige Informationen über den Körper und seine Bedürfnisse. Zur
Verdeutlichung komme ich noch einmal auf obiges Beispiel-Schaubild mit dem
Profil 2/4 zurück. Hier ist die 4 die Design-Linie und sagt etwas über den Körper
aus. Die große Herausforderung liegt hier darin, dass so eine Zwei, wie sie in der
Persönlichkeit ist, eine völlig andere Energie hat, andere Dinge braucht, ein
anderes Leben führt, als die Vier im Design – und schlimmer noch, keine Ahnung
hat, dass die Vier einer ganz anderen Agenda folgt. Es kommen also Wirkkräfte
zusammen, die sich oft widersprechen und unterschiedliche Bedürfnisse haben –
jenes schon von Goethe beschriebene „zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“.

Das wird besonders deutlich, wenn wir die beiden Anteile auf ein Paar verteilt
betrachten: Stell dir vor, du selbst bist eine Zwei, liebst es allein zu sein, bist sehr
selektiv, was Kontakte angeht. Dein Partner jedoch ist eine Vier, ein geselliger
Mensch, der die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten braucht und dort voller
Leidenschaft über das spricht, was ihn interessiert.
Ist doch kein Problem, würdest du sagen, im Zweifelsfall bleibst du halt zuhause
und er geht aus. Aber was tust du, wenn es nicht zwei voneinander unabhängige
Personen sind – sondern dieser Konflikt in einem Menschen sitzt, und der zweite
Teil auch noch unbewusst ist, sich auf den Körper bezieht, über unser
Wohlbefinden bestimmt und letztendlich sogar über unsere Erfüllung?

144
Linienqualitäten
Zu den jetzt folgenden Informationen zu den einzelnen Linien gebe ich noch eine
kleine Sonderinformation über die Wirkung, falls du die jeweilige Linie auf der
linken Seite deines Charts, in der Design-Sonne hast. Dann bezieht sich die
Information nicht auf einen bewusst denkenden, wählenden Teil, sondern auf den
Körper, der so ist und seine Wirkung hat, ohne dass wir es sofort mitbekommen. Er
kann durchaus ein Eigenleben entfalten. Wenn die als „Ich“ empfundene
Persönlichkeit Entscheidungen trifft, die für den Körper nicht passen, wird er nicht
mitmachen. Z.B. wenn du DENKST, Schwimmen sei gesund, weil du viele Statistiken
dazu studiert hast und beschließt, regelmäßig schwimmen zu gehen, dein Körper
aber Nässe oder Kälte oder viel Training überhaupt nicht mag und verträgt, dann
wird er sicher Wege finden – zur Not über Erkrankungen – das auch nicht zu tun.
(Zur grundsätzlichen „Machtverteilung“ zwischen der vermeintlich lenkenden
Persönlichkeit und dem Körper siehe Kapitel zur Entstehung des Human Design am
Anfang).

Die Linien
1 Der Forscher . Sicher oder nicht?
Das Thema der Eins ist die Sicherheit, die Basis, die Grundlage. Einser müssen
Dingen auf den Grund gehen, sie haben das Bedürfnis, eine immer bessere, noch
sicherere Basis zu finden. Ra vergleicht die erste Linie mit dem Fundament eines
Hauses - da ist klar, dass es diese Sicherheit braucht. Allem zugrunde liegt ein in der
ersten Linie „eingebautes“ Gefühl der Unsicherheit – diese bewegt den Menschen,
den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu prüfen und zu untersuchen. Das spürt
man schnell im Umgang mit „Einsern“, sie haken nach, bohren, stellen in Frage,
wollen herausfinden, ob man „dem Braten“ trauen kann. Ob man auf diesem
Fundament ein Haus errichten kann. Grauzonen finden sie scheusslich, sie wollen
Sicherheit.
Es ist also weniger der Forscher um der Entdeckung willen gemeint, sondern der
Prüfer, der auf Sicherheit hin alles untersucht. Hinzu kommt bei den meisten
Einsern jedoch auch eine gewisse Neugier; die Entdeckerfreude einer Eins stellt
sicher, dass dieses Entdecken und Forschen sie ein Leben lang begleitet. Es ist ihr
Antrieb und bringt sie so immer wieder in Verbindung mit der Welt. Sie beobachtet
und nimmt die Welt in sich auf. Es ist ein innerer Prozess, vielleicht vergleichbar
mit dem Nestbau, wo sich der Vogel Teile der Welt (Äste, Blätter) ins Nest
hineinnimmt, um eine sichere Basis (für den Nachwuchs) zu schaffen. Die Gabe,
dass Menschen mit der ersten Linie dann auch für andere eine weise Quelle der
Beratung und des Wissens werden können, entsteht fast nebenbei.
145
Die Angst der Eins ist, dass sie Fehler machen könnte, dass das Leben nicht sicher
ist. Wenn sie sich nicht auskennt, fühlt sie sich minderwertig, hat Angst vor der
Welt. Dann überlebt eine Eins zwar, indem sie sich anpasst – das kann sie gut
aufgrund ihres Einfühlungsvermögens - aber innerlich bleibt ein Gefühl von
Unzulänglichkeit. Damit das verschwindet braucht sie sowohl eine äußere wie
innere Basis, die trägt, und ihre Zeit, in der Dinge geschehen. Plötzliche
Veränderung kann Angst machen. Wenn eine Eins sich gedrängt fühlt, sich zu
bewegen, bevor sie ausreichende Vorbereitungszeit hatte, kann Panik oder auch
Lähmung entstehen. Da hilft es, sich (oder dem Partner mit dieser Linie)
wohlwollend und geduldig zu begegnen.
Bevor die Eins sich auf eine Veränderung einlässt, muss sie Informationen darüber
sammeln – ein passendes Beispiel ist vielleicht der Mensch, der vor der Australien-
Reise alle Unterlagen aus dem Internet zusammenträgt, Reiseführer liest und sich
bestens vorbereitet. Er kennt alle Bahnverbindungsmöglichkeiten und hat die
Australische Notrufnummer notiert. Nur dann kann und mag er sich einlassen, das
Neue zu erkunden. Das braucht natürlich Zeit. Hilfreich ist, den Wert dieser
Vorbereitung anzuerkennen. Es kann Leben retten, vorher zu wissen, in welchen
Ländern bestimmte Kleidungs- oder Verhaltensregeln angebracht sind. Und nicht
wenige sind froh, wenn die Eins im Dschungel (dank guter Vorplanung) dann auch
das passende Gegengift für den Schlangenbiss in der Tasche hat. Und eine Eins wird
den Dingen auf den Grund gehen - einfach so zu akzeptieren, dass bestimmte
Blätter gegen den Durchfall helfen reicht ihr nicht. Sie recherchiert, liest
Erfahrungsberichte und zweifelt Untersuchungsergebnisse auch mal an, wenn sie
nicht stichhaltig sind. Natürlich ist die Forschung und Wissenschaft eine Einser-
Domäne, hier gelten ihre Qualitäten viel. Im Idealfall kann die Eins diese
Informationen dann auch mit anderen teilen, sie wird ein weiser Berater. Denn sie
kennt sich aus in der Welt, der Forscher hat viel Wissen und Weisheit
weiterzugeben. Wenn aber die Sicherheit fehlt, kann die Angst vor dem
Unbekannten lähmend sein. Dann wird sie sich nach innen zurückziehen, wie
unsichtbar werden. So wie eine Klientin, die unendlich viele Ausbildungen gemacht
hatte, sich aber nie traute, selbst eine Praxis aufzumachen.
Ich erlebe immer wieder extrem kompetente Menschen, die lieber zuschauen, wie
ein anderer bei etwas herumstümpert (und es nur tut, weil es eben gebraucht
wird), als zu sagen, dass sie es in (oft mehreren) Fortbildungen gelernt haben. So
schade um all das Talent. Aber – eine Eins, die sich noch nicht sicher ist, wird sich
eben nicht nach vorne wagen. Dann bleibt alles innen, Theorie. Und die
Unsicherheit regiert. (Vielleicht kennt ihr das: wer sein Gesicht nur noch in einem
20-fach Vergrößerungsspiegel betrachtet, sieht am Ende Falten und Flecken, die in
der normalen Betrachtung überhaupt nicht sichtbar sind. Wenn das nicht
verunsichert!) Gottseidank ist jede Eins im Profil mit einer anderen Linie verbunden

146
und so wird sichergestellt, dass es nicht beim Prüfen bleibt, oder beim Fortbilden,
denn sonst würden all die Gaben des Menschen ja nicht in die Welt gebracht!
Das Sicherheitsbedürfnis der Eins wird sich natürlich auch im Umgang mit Anderen,
besonders mit dem Partner zeigen – denn man will sich auf den Partner verlassen
können. Sollte es also mal ein Problem geben (der andere verhält sich irgendwie
anders, die Eins kennt sich nicht mehr aus) beginnt sie nachzufragen: „Was hast du
denn? Was ist los? Wohin willst du denn gehen?“ Sie bohrt, hakt nach, kämpft für
ihre Sicherheit, will wissen, woran sie ist. Nicht immer stößt dies auf
wohlwollendes Verständnis beim Partner ... Seufzend quittierte das der Freund
meiner Einser-Klientin schon bevor sie etwas sagen konnte mit einem „ach ja, ich
weiß, das waren sicher wieder nicht genug Details.“
Ein weiteres Merkmal dieser Linie ist das Beobachten anderer Menschen - Einser
studieren alles und somit auch den anderen. Auf diese Weise erkennen sie,
welches Verhalten funktioniert und welches nicht – und so sind sie meist
ausgesprochen gut in der Lage zu beurteilen, welche Kompetenzen ein anderer
Mensch hat – und welche nicht. (Z.B. als Berufsberater, man kennt den Beruf, hat
alle Fakten und Informationen und kann in dem anderen erkennen, wofür er
geeignet sein könnte).
Wenn es gelingt und die Eins Sicherheit fühlt, kehrt Entspannung ein. Und auf dem
Fundament der Erfahrung auch ein Gefühl von Autorität - eine Eins, die sich
auskennt und sicher fühlt, mag auch sagen, wo es langgeht. Dann tritt der innere
„Chef“ nach vorne, mit großer Entschiedenheit, denn die Autorität beruht auf
Fakten und einer soliden Basis. Sollte es hier in Verbindung mit anderen schwierig
werden, ist es z.B. hilfreich, die Autoritätsbereiche aufzuteilen. Besonders
herausfordernd kann das sein, wenn sich zwei erste Linien in dieser Weise treffen,
denn beide haben ja durch das gesammelte Wissen eine große Kraft in ihrer
Haltung.
Somit gibt es eine große Spannbreite zwischen der unsicheren Eins, die immer
wieder alles überprüft und sich nicht bewegt, und der sicheren Haltung des
Menschen, der weiß, worauf er bauen kann und das auch an andere
weiterzuvermitteln mag. Dann wird aus der Eins jemand, an den sich andere
wenden, den sie um Rat fragen.
Die Geistige Welt gab mal ein schönes Bild: „Wenn du eine Strohhütte bauen willst,
ist die Statik relativ egal, irgendwie passt es schon zusammen. Doch wenn du ein
50-stöckiges Hochhaus bauen willst, braucht es ein tadelloses Fundament und eine
perfekte Statik.“ Wunderbar, wenn dieser Architekt eine erste Linie hat.

147
Thema Design/Körper: 1. Linie (also im Profil 4/1 oder 5/1):
Für jemanden, der einen Körper in der ersten Linie hat, sind Sicherheit und Kraft
wichtig. Wahrscheinlich ziehen ihn Tätigkeiten und Sportarten an, die Kraft bringen
- ein starker Körper verspricht Sicherheit. Das gilt für jeden Bereich des Erlebens,
auch materiell und emotional. Die erste Linie bezeichnet den „Forscher“, und so
lernt dieser Körper im Laufe des Lebens Methoden, die zur Sicherheit führen, lernt,
was schwächt und was stärkt.
Ein Körper mit der ersten Linie, der sich in einer als völlig unsicher erlebten
Umgebung befindet, wird wahrscheinlich alles tun, um sich einer Gruppe
anzuschließen, die Sicherheit gibt. Hier gilt es zu beachten, dass nicht etwa ein
bewusster Entschluss zur Handlung führt, sondern das körperliche Bedürfnis den
Menschen dorthin lenkt; er weiß nicht, warum er das tut. Auch in Beziehungen ist
es ein Beweggrund. Eine sich schwach fühlende Eins sucht einen Partner, der
Sicherheit geben kann, was nicht viel mit der restlichen Kompatibilität zu tun haben
muss.
Gesundheitlich kann man hier sagen: einfach ist am besten. Je unkomplizierter und
auch reiner die Angebote sind – ob nun als Medizin, Tee oder Übung – desto
hilfreicher werden sie meist sein. Zuviel auf einmal, Komplexmittel oder mehrere
Behandlungsverfahren zur gleichen Zeit sind nichts für die Eins, sie braucht es klar
und einfach.

2 Der Einsiedler – Passt es oder nicht?


Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Linie könnte kaum größer sein.
Wollte die Eins prüfen und forschen, so ist die Zwei selektiv: Es passt – oder es
passt nicht. Jede Zwei braucht als Grundbedingung für ihr Leben auf jeden Fall
Rückzug. Einen Raum, der sicher ist vor unerwünschten Eindringlingen, über den
sie bestimmen kann. Ganz unabhängig davon, ob sie sehr offen ist oder total
definiert: das Mit-sich-sein ist eingebaut. Privatsphäre – ein unumgängliches
Bedürfnis. Immer mal wieder allein zu sein ist für die Zwei gesund und
lebensnotwendig.

Um bei dem Bild des Hauses zu bleiben – die Zwei ist die Ebene über dem
Fundament, hinter der Mauer im Erdgeschoss des Hauses. Und tatsächlich gehört
zur Energie der zweiten Linie, dass sie eine Art Mauer um sich hat – die sie schützt,
und hinter der sie dann hervorkommt (bzw. hervorgerufen wird), wenn es für sie
richtig ist. Die Tür in der Mauer öffnet sich nur, wenn es der passende Schlüssel ist.

148
Aber – das Haus hat auch Fenster. Und durch diese schauen Menschen hinein (was
die Zwei nicht mitbekommt, Zweier kommen oft gar nicht darauf, dass andere sie
beobachten, über sie nachdenken) und dann sehen die Menschen etwas in der
Zwei, was sie haben wollen. Denn: die Zwei ist ein Naturtalent, sie hat eine Gabe,
die ihr selbst überhaupt nicht bewusst ist, die aber für andere so attraktiv ist, dass
sie an ihr ziehen und ihr erzählen wollen, was sie mit dieser Gabe tun soll.
Vergleichbar mit einem Tänzer, der völlig selbstvergessen tanzt und darin so viel
Schönes sichtbar wird, dass die Zuschauer entweder von ihm lernen wollen, wie
das geht, oder aber Vorschläge haben, in welchen Ensembles er tanzen oder lehren
soll. Der Tänzer hat aber einfach nur getan, was aus ihm selbst Ausdruck suchte
und hat keine Ahnung, wie das erklärt werden kann – er fühlt sich bedrängt. Will
sich nur noch mehr zurückziehen. Oft wollen sie selbst gar nicht wissen, woher die
Fähigkeiten kommen, sie nutzen sie einfach. Wenn andere an der Zwei
herumzerren und sagen, was sie tun soll, auf sie projizieren, kann eine Zwei fast
paranoid wirken, dann will sie nichts mit den Leuten zu tun haben, weil sie sich so
eingeengt und belagert fühlt. Und so ist ihre Reaktion zu rufen: „Lasst mich allein,
lasst mich in Ruhe!” Dann sagt sie zu vielem Nein, nur um nicht bedrängt zu
werden.
Hier ist es heilsam zu üben, Grenzen aufzuzeigen, ihrer Autorität und Strategie zu
folgen. Sich zu erlauben, eigen zu sein, und das immer selbstverständlicher zu
fühlen. Dann wird der innere Raum größer und der Umgang mit dem Anderen viel
entspannter. Wenn aber der eine magische Ruf kommt, der (in Übereinstimmung
mit der inneren Autorität und Strategie) die Zwei in die Welt ruft, kommt eine
unglaubliche Kraft zum Ausdruck, dann kann ihre Gabe eine echte Bereicherung
sein. Die Erfahrung zeigt, dass sich dieser Ruf oft im Unbewussten findet – z.B. falls
es einen unbewussten Kanal im Design gibt, weist diese Energie auf das Thema der
besonderen Begabung hin. Wichtig ist: es darf leicht sein. Denn Naturtalent heißt ja
„ich habe es mitgebracht, es ist einfach da“, und nicht: ich habe es mir mühsam
angeeignet. Je leichter und einfacher der Ausdruck sein darf, desto größer ist oft
das Geschenk an die Welt. Jede Zwei könnte Bände damit füllen, aufzuzählen, was
sie alles NICHT interessiert. Aber das zu finden, was passt, ist oft gar nicht so
einfach. Denn es muss das genau Richtige sein. Daher ist es trotz dieses Charismas,
dieser ganz besonderen Ausstrahlung, für eine Zwei sehr dienlich, etwas zu lernen
und Grundlagen zu schaffen mit Dingen, die sie in der Welt unterstützen werden.
Denn es kann möglicherweise dauern, bis der Ruf ertönt, bis diese eine besondere,
richtige Sache gefunden ist. Dann kann es helfen, wenn Eltern z.B. ihr Kind
ermutigen, etwas zu lernen, und solange zu tun, was einigermaßen in Ordnung ist –
solange es noch nicht das ganz Richtige gefunden hat.

149
Eine Zwei ist scheu, sie hat nicht den Forscherdrang der ersten Linie und nimmt die
Dinge wie sie sind. Sie muss gerufen werden – und wird nur auf den Ruf hören,
wenn er sie erreich; dann öffnet sich das Schloss. Es gehört extrem viel dazu, damit
eine Zwei aus dem Rückzugs-Modus herauskommt. Das macht diese Linie so
beeindruckend – denn man wird sie nur deutlich mitbekommen, wenn “es”
passiert ist, wenn sie erreicht ist vom Richtigen – dann wird eine starke Kraft
mobilisiert, sie tritt nach vorn und kann eine beeindruckende Wirkung entfalten,
fokussiert und engagiert ihrem Weg folgen. Eine Zwei, die ihren Ruf vernommen
hat (die Formulierung macht klar: es ist etwas, das wie von Außen auf sie zukommt
und sie heraus-ruft) ist kaum noch wiederzuerkennen – dann ist sie da!
Unübersehbar. Auch in einer Beziehung gilt: wenn der Richtige gefunden ist – und
das passiert leider nicht so oft, es ist kein eingebauter Anspruch, dass er gefunden
werden wird – ist sie präsent, kein Spur mehr von Rückzug.

Zweier sind eigen und sehr selektiv. Das kann sich auf sehr unterschiedliche Arten
äußern – entweder finden sie mit traumwandlerischer Sicherheit immer das
Teuerste oder mögen vieles nicht leiden, oder es muss halt in anderer Weise etwas
genau Passendes sein. Nicht weil es teuer sein muss – aber weil eben öfter das
Teurere auch individueller und hochwertiger ist. Den meisten Zweiern ist Ästhetik
wichtig, eine Schönheit und Stimmigkeit ihrem Gefühl entsprechend. Für die Zwei
gibt es wenig Spielraum, es gibt nur richtig - oder nicht. Und wenn es nicht richtig
ist, dann ist auch relativ egal, wie es ist. Sie machen dann kein Drama. Zweier sind
gut darin, halt mit dem zu leben, was da ist. Aber sie werden dadurch nicht
berührt. Wenn dann aber wirklich das Passende kommt, die Bestimmung, die nun
gelebt wird oder auch nur das Auto/Haus/Kleid/Partner – dann wird die Magie
fühlbar. Ein Beispiel: Ich hatte als Studentin einmal „die Jacke“. Viel (viel!) zu teuer
für mein Budget – aber traumschön, ein zartes Hellblau, ganz weiches Leder. Und
wenn ich sie trug, war ich irgendwie mehr „ich“ als je zuvor. So darf und muss es
für eine Zwei sein – in jeder Hinsicht.
Eine Zwei funktioniert ähnlich wie ein Schlüssel, der halt nur in ein bestimmtes
Schloss passt – dann öffnet es und sie fühlt Erfüllung. Alles andere bleibt außen vor.
Aus dieser eigenen Mechanik heraus können Menschen mit der zweiten Linie
extrem gut Entschlossenheit oder Unentschlossenheit in ihrem Gegenüber
erkennen.
In Beziehungen kann es sehr hilfreich sein, wenn die Zwei sich klarmacht, dass nicht
alle Linien Rückzug so lebensnotwendig brauchen wie sie. Es erleichtert den
Umgang (und spart Leid), wenn die Zwei, kurz bevor sie sich in einen anderen Raum
begibt oder auch innerlich die Rollladen runterlässt, „Bescheid sagt“, dass sie jetzt
Zeit für sich braucht und nicht etwa den Anderen ablehnt. Es ist weder für die Zwei

150
selbst noch für den Anderen leicht zu wissen, was sie gerade braucht oder möchte,
denn die Stimmung kann sich schnell ändern, von scheu und zurückgezogen zu
gesellig und offen - und umgekehrt. Für Andere ist das oft schwer nachzuvollziehen
und auch für die Zwei selbst nicht einfach, vor allem, wenn sie durch die Themen
der offenen Zentren bestimmt wird und nicht wagt, gut für sich zu sorgen. (Zum
Beispiel wenn eine zweite Linie mit einer offenen Milz viel länger auf der
Familienfeier bleibt als sie eigentlich mag und kann, weil sie befürchtet abgelehnt
zu werden und nicht mehr dazuzugehören, wenn sie sich zurückzieht – dann ist sie
im Schatten, im Nicht-Selbst). Und grundsätzlich gilt natürlich: die Zwei steht nie
alleine, sie ist im Profil immer mit einer auf den Anderen, die Gesellschaft, das „Du“
bezogenen Linie verbunden – daher wird es nicht langweilig.

Design/Körper: (5/2 oder 6/2)


Die zweite Linie braucht einen sicheren Rückzugsort und die Gewissheit, dass
niemand hereinkommt, außer er wurde eingeladen. Gerade als ich dies schreibe,
meldet sich ein Klient, vollkommen gestresst – er ist eine solche Körper-Zwei und
muss gerade erdulden, dass Miet-Interessenten seine Wohnung besichtigen, ein
wirklich physisch schmerzhafter, stressbeladener Vorgang für ihn. Es fühlt sich an,
als würden sie sein Intimstes ungewollt betreten. Dieses Alleinsein, Mit-sich-Sein
ist Grundbedingung für die Gesundheit eines zweiten Linienkörpers. Man überlege
einfach, wie oft das Kinder nicht haben... Selektivität ist eine Grundbedingung; der
Köper kann und sollte nicht alles aufnehmen. Das Motto: „Es wird gegessen, was
auf den Tisch kommt“ schwächt eine Zwei und macht krank – auch auf Kontakte
bezogen.
Die entscheidende Frage: Welchen Kräften öffne ich mich, was lasse ich in mich
hinein? Die zweite Linie umgibt eine Mauer – und das macht Sinn, denn es gibt in
ihr eine Empfindsamkeit, eine Achillesferse, die geschützt sein muss. Eine Zwei,
die sich gemäß leben kann, ist meist sehr gesund. Eine Zwei in einer unpassenden
Beziehung nimmt Schaden. Gleichzeitig ist die Zwei das Naturtalent – und so gibt es
auch auf körperlicher Ebene etwas, was die Zwei einfach besonders gut kann, eine
körperliche Gabe, ein Talent. Diese Gabe will gelebt, entfaltet werden – sonst wird
sie eine negative Kraft, wendet sich gegen den Körper. Da es aber im Körper ist,
kann es natürlich sein, dass sich die bewusste Persönlichkeit gegen das Projekt
wehrt – zum Beispiel, wenn ein potentiell sehr begabter Tänzer nicht tanzt, weil die
Persönlichkeit der Fünften oder Sechsten Linie nicht bereit ist, sich zu exponieren,
oder wenn ein „klavierbegabter“ Körper nicht übt, weil die Persönlichkeit zu hohe
Ansprüche stellt, am liebsten sofort können und nicht üben möchte.

151
Diese Besonderheit gilt es, im Auge zu haben, besonders für Eltern von Kindern, die
eine Zwei im Design haben. Gesundheitlich gilt für eine Zwei auch hier: das genau
Richtige muss es sein, das Besondere, auch mal das „Abgefahrene“. Da wirkt dann
die Lichtpotenz der Süsswasserschmallippenmuschel, die es nur in 100 Metern
Tiefe gibt, und heilt, wo alles Konventionelle nichts bewirkte. Nur das „richtig
Richtige“ darf vordringen in den inneren Raum der Zwei. Und auch hier –
manchmal ist wirklich gerade das Teuerste, eingeflogen aus dem Australischen
Busch, die einzig richtige Arznei, auch wenn für alle anderen Paracetamol taugt.

3 Der Märtyrer. Ist es gut?


Mutig, durchhaltend, immer wieder in Frage stellend, konsequent. Aufzeigen,
was nicht funktioniert. Weise werden in und durch die Welt.

Hier kommt Bewegung ins Spiel: für die dritte Linie als Persönlichkeit geht es um
das Erleben, Erfahren und Erkunden der Welt mit der sie konfrontiert wird. Die
Drei trägt in sich eine Offenheit für Neues, sie lernt (nur!) durch Versuch und
Irrtum. Und um letztendlich weise zu werden braucht es viele Versuche, viele
Erfahrungen. Wenn es gut läuft, bringt dieses Erkunden Freude; Dreier haben ein
Vergnügen daran, etwas herauszufinden, dafür sind sie „da“. Auch in der
Verbindung mit anderen Menschen sind sie zunächst sehr flexibel und
pragmatisch. Sie passen sich an. Doch wenn das auf Dauer nicht funktioniert
beginnt ein Mensch mit dieser Linie, die Dinge in Frage zu stellen – und so sind alle
Veränderungsprozesse im Leben das Thema der Drei. Ihre Energie sagt: wenn es
nicht gut, nicht richtig ist, wird es niedergerissen. Dreier sind Veränderer, und sie
zahlen oft einen hohen Preis – indem sie niederreißen müssen, was nicht trägt, sei
es nun Beziehung, Job oder Projekte. Und damit kommt das Thema „Schuld sein,
sich schuldig fühlen“ mit ins Spiel, denn das Prüfen, ob Dinge Bestand haben, ob sie
funktionieren oder nicht, bringt natürlich mit sich, dass auch etwas kaputt gehen
kann. Das wissen wir alle: wer in der Küche arbeitet, lässt auch mal einen Teller
fallen. Nur wer sich nicht bewegt, macht auch nichts kaputt.
Dreier müssen sich bewegen, es ist, als wenn die Welt sie mit unendlich vielen
Dingen konfrontiert, mit denen sie sich dann auseinander setzen müssen, die sie
prüfen und kosten müssen. Damit ist klar, dass der Anteil von Trubel und Chaos im
Leben einer Drei größer ist als im Durchschnitt. Sie hat die grundlegende Offenheit
für Erfahrung, also auch für Beziehung und Verbindung. Damit ist aber auch ein
großer Freiheitsdrang verbunden. Sie braucht Offenheit, sie muss sich hinaus
bewegen können, damit sie wiederkommen kann. So wie die Zwei sich zurückzieht
geht eine Drei einfach an einen physisch anderen Ort. Diesen wichtigen
152
Freiheitsdrang muss man Rechnung tragen, denn wenn das nicht geht, wenn eine
Drei sich eingesperrt fühlt, wenn der Partner „klammert“, wird dieses
Freiheitsbedürfnis dafür sorgen, dass sie die Verbindung löst. Ra nennt das „Bonds
made and broken“, Verbindungen die eingegangen und gebrochen werden.
Tragisch ist, wenn eine Drei sich aus Angst zu scheitern nicht traut, ihren Weg zu
gehen, dann wird es sehr dunkel in ihr, dann hat nichts Sinn.
Am Anfang passen sich Dreier auch in Beziehungen an den Partner an, einfach so,
oft ohne es selbst mitzubekommen. Aber eingebaut ist eine Art
Sicherheitsmechanismus - wenn sich die Drei völlig aufzugeben droht und vergisst,
wer sie ist, kommt ein Impuls, „es knallt“ geradezu und sie wird die Beziehung
abbrechen. Dieses Hin und Her zwischen anpassen und ausbrechen kann für den
Partner natürlich sehr herausfordernd und auch verunsichernd sein, weist aber auf
das grundlegende Lernthema hin: die eigene Grenze zu spüren und zu wahren.
Wunderbar ist, wenn Eltern ihre „Dreier“-Kinder darin unterstützen können, ihr
„Ding“ zu finden – und dazu werden sie wahrscheinlich immer wieder etwas
anfangen, weil es ihnen zufiel – und es wieder sein lassen. All ihr Experimentieren
hat letztendlich einen Wert – auch wenn er oft am Chaos der Kindheit nicht
erkennbar ist. Doch letztendlich ist es nützliches Wissen, das transferiert werden
kann und wird. Und dass es nicht gut ist, einen Fön in die Badewanne zu werfen ist
definitiv lebenserhaltendes Wissen! Oder keine Fliegenpilze zu essen.
An den Entdeckungen der Drei können alle lernen, was funktioniert und was nicht.
Daher ist der hilfreichste Satz der Eltern immer: „Was hast du daraus gelernt?“. Das
weist in die richtige Richtung, bestärkt. Wenn sie dann noch ihr Kind darin
bestärken, früh selbständig zu sein, ist es gut gerüstet fürs Leben. Ganz schrecklich
für die junge Drei ist, wenn Fehler zu machen problematisiert wird – dann können
sie sich wie gelähmt fühlen und probieren nichts mehr aus. Dann lernen sie eben
nichts und haben nichts echtes, eigenes anzubieten – und somit keine Chance, als
sie selbst erfolgreich zu sein.
Ein wunderbares Zitat aus der Serie „Nashvile“ (in der man übrigens auch viel über
die Fünfte Linie, das Showbusiness auf der großen Bühne, lernen kann): Eine junge
Sängerin will nicht länger auf Tournee gehen: „I don’t want this. I do not know
what I want, but I dont’t want this. Sorry I wasted your time. Managerin: Listen,
you figured out what you don’t want to do and that is every bit as important as
figuring out what you do wanna do.“(* Ich will das nicht. Ich weiß nicht, was ich
will, aber das hier will ich nicht. Tut mir leid, dass ich deine Zeit verschwendet
habe. Managerin: Hör zu, du hast herausgefunden, was du nicht willst. Das ist ganz
genauso wichtig wie herauszufinden, was du machen willst.“) Daher sollten Eltern
ihre Dreier-Kinder ermutigen, und wenn etwas nicht geklappt hat, ihnen sagen:
“Daraus hast du etwas Wichtiges gelernt, das ist gut.”

153
Wir leben auf einem Erfahrungsplaneten, es geht nicht um Schuld, es geht um
Erfahrung und Erkenntnis.
Um ihr wahres Potential zu entwickeln braucht es diese Erkundungszeit. Da kann
Schule, mit dem immer-gleichen Lehrer, der gleichen Umgebung, schwierig sein,
die dritte Linie braucht Abwechslung, viel Anregung und vor allem auch Raum für
ihre ganz eigene Art, Informationen aufzunehmen. Die Drei muss und darf Fehler
machen – aber die meisten Erwachsenen mit diesem Profil haben das ganz anders
vermittelt bekommen - sie wurden bestraft, Fehler waren böse. Das führt oft dazu,
dass Menschen mit diesem Profil etwas Pessimistisches haben können. Ist ja auch
verständlich, wenn du gezwungen bist, auszuprobieren, in Frage zu stellen, aus
Beziehungen, die nicht mehr stimmen, herauszutreten - und alle zeigen auf dich,
was du jetzt schon wieder falsch gemacht hast. Aber Dreier geben nicht auf! Am
Ende sind sie grandios darin aufzuzeigen, was wir nicht tun sollten für unser Leben.
Und dann können sie auch Dinge reparieren. Sie sind mutig, halten durch, strengen
sich an, machen weiter. Sie gehen nicht kaputt. Und dieses Durchhaltevermögen
dient allen, besonders in schweren Zeiten. Ihr Wissen wird ihr Kapital, denn andere
können sich von ihnen beraten lassen, müssen dann nicht die gleichen Fehler auch
machen.
Im Beruf darf und sollte es abwechslungsreich sein (schließlich sind Dreier
Lernprofis, sie lernen extrem schnell) und das Ausprobieren sollte dazugehören –
dann kommt die Sicherheit. Viel Neues, neue Arbeiten, neue Leute, neue Länder –
da blüht die Drei auf. Ein Beispiel ist eine Klientin – sie ist Fotografin, erfindet
täglich sich und ihre Arbeit neu, die Kulisse von gestern darf und muss heute
eingerissen werden, egal wie oft und wie viele neue Winkel und Akzente es
braucht. Wenn sie merkt, dass das geplante Konzept nicht passt – weg damit. Am
Ende weiß der Kunde viel mehr über sich als vorher, alte Selbstbilder sind vielleicht
ins Wanken geraten, aber vor allem ist etwas Tragfähiges, Echtes sichtbar
geworden.
Für die dritte Linie ist die wichtigste Lernaufgabe, mit dem Leben einverstanden zu
sein. Zulassen zu können, dass die Mechanismen wirken, ohne jedoch so sehr zu
leiden. Wenn diese Entspannung kommt und das Einverstanden-Sein mit all den
gemachten Erfahrungen, Fehlern und Irrwegen, dann ist die Weisheit da. Niemand,
wirklich niemand, kennt das Leben besser als die Drei, und so hat sie die
Bewunderung und Verehrung, die dann kommen kann, wahrlich verdient.
Ein bekannter Coach hat mal gesagt: „Willst du erfolgreicher sein? Dann
verzehnfache die Anzahl deiner Fehler“. Sicher ein Dreier. Die Drei zieht es zum
Ungewöhnlichen, noch nicht Erkundeten, und sie werden so wirkliche Lebens-
Coaches, sie haben es ausprobiert und können anderen beratend zur Seite stehen.

154
Design/Körper: (wie in 1/3 oder 6/3)
Bei der Drei geht es um das vielfältige Teilnehmen am Leben, um das Erfahren und
Erkunden. Das Leben geschieht der Drei. Man könnte sagen: Irgendwas passiert
immer! Ob nun ein physischer Zusammenstoß beim Joggen oder eine Liebes- oder
Arbeits-Beziehung, die daraus entsteht - Abwechslung ist wichtig, Vielfalt wird
erlebt. Ein dritte-Linien-Körper will nicht jedes Jahr am gleichen Urlaubsort das
Gleiche tun. Die Drei ist recht robust, sie kann damit umgehen, dass vieles mit ihr
passiert. Gleichzeitig ist Regeneration ein wichtiges Thema, denn sie muss ja mehr
„aushalten“ – eben ein Fahrzeug, das passende Pflege braucht. Hier gilt es darauf
zu achten, was ihr gut tut, womit sie sich „pflegen“ oder belohnen will – ob es also
die Extra-Tafel Schokolade am Abend oder die zweite Flasche Wein ist...?
Ein Körper mit der dritten Linie ist ausgesprochen anpassungsfähig, allerdings
braucht er seine Freiheit. Nicht umsonst heißt sie als Linie „der Anarchist“. Und so
wehrt sich dieser Körper, wenn jemand versucht, ihn zu reglementieren – Achtung,
der Körper! Wenn der Partner zur Liebsten sagt: „Du bist mein“, ist der Dreier
Körper schon auf Hab-Acht. Das ist nichts Bewusstes. Auch gesundheitlich passt das
Ausprobieren, es dürfen mehrere Wege beschritten und verändert werden, auch
unterschiedliche Kombinationen kann ein Mensch mit der dritten Linie gern
ausprobieren. Aber auch hier gilt: wenn es zuviel ist oder wenn eine Reaktion
erzwungen werden soll, wird das System sich wehren.

4 Der Opportunist. Wirkt es?


Mit der vierten Linie kommt der Blick auf den Anderen. Vierer sind freundliche,
hingewandte Menschen. In ihrer Hinwendung zum anderen haben sie die Gabe, im
Gegenüber tief zu sehen, zu erkennen. Eine vierte Linie will wirksam sein, sie trägt
in sich den Impuls, einflussreich zu sein mit dem, was sie aus sich heraus nach
außen trägt. In der Vier liegt der Auftrag, das Bedürfnis und manchmal auch die
Mission, die eigene innere Wahrheit „rüberzubringen“, eine Wirkung zu haben auf
andere Menschen, auf ein gemeinschaftlich-freundschaftliches Feld. Dies sind die
Menschen, die neue Ideen, Grundlagen und Sichtweisen in ein System bringen
können. Wenn es die ihren sind, nur dann wollen sie das auch.
Die vierte Linie als Persönlichkeit hat die Fähigkeit, sich mit dem Anderen zu
verbinden, Freundschaften einzugehen, in Gemeinschaft zu wirken. Eine Vier kann
mit Menschen umgehen, sie mag mit anderen sein. Sie ist sehr geschickt darin, so
zu sprechen, dass es den anderen erreicht. Dabei geht es vor allem um ein
Gegenüber, das auf ähnlicher Wellenlänge ist, wo es Übereinstimmungen gibt. Eine
Vier fühlt sich wohl, wenn sie eine Wirkung haben kann und bei den anderen
ankommt, was sie zu geben hat. Dazu ist natürlich wichtig, dass sie sich auskennt,
155
dass sie Dinge über den anderen in Erfahrung bringt. Dieser Blick für den anderen
macht es ihr leicht, ihre Botschaft zu vermitteln; sie versteht es hervorragend, aus
dem Erkennen des anderen heraus so zu sprechen, dass sie eine Verbindung
herstellt zwischen ihrem Thema und den Wünschen des anderen. Als Beispiel: eine
Vier, deren Begeisterung für gesunde ökologische Lebensweise brennt, wird
mühelos den Ansatz finden, den es beim Anderen braucht, um ihn zu erreichen –
die Verantwortung für die Kinder, die schwache Gesundheit aufgrund ungesunder
Lebensweise [Link]. Sie findet den Punkt, um den anderen persönlich zu
interessieren.
Und so wundert es nicht, dass eine vierte Linie einen besonderen Blick hat für
Schwachpunkte und Stärken und somit durchaus potentiell auch manipulatives
Talent – wertungsfrei gesprochen – es kommt ja immer darauf an, wofür etwas
eingesetzt wird. So finden sich sicher viele Vierer im sogenannten
Empfehlungsmarketing, wo im Netz der Bekannten etwas weitergegeben wird,
über persönlichen Kontakt. Sie sind Experten im richtigen Timing, darin, den
Zeitpunkt zu erkennen, wann der Andere offen ist für ihre Botschaft – und wann
nicht. Das Vertrauen, das man einer Vier entgegenbringt, ist ihr Kapital, dann kann
sie wirkungsvoll ihre Mission erfüllen. Und das darf leicht sein – das ist ganz wichtig
für den Erfolg einer Vier, es gehört eine gewisse Mühelosigkeit dazu. Vielleicht
gerade weil sie so fixiert sein können - denn wenn es das Falsche ist, wird es sehr,
sehr anstrengend. (Hier ist sie ganz anders als die Drei, die gern auch mal gegen
die Wand anrennt).
Wenn der Andere nicht passt, wenn es kein Verstehen gibt, wirkt der Gegenpol der
Energie - das Alleinsein - und die Vier wird sich zurückziehen, ohne jedoch ihre
Haltung aufzugeben. Dieser Rückzug ist die einzige Rettung, denn sie kann und darf
ihre Standpunkte ja nicht einfach unter dem Druck der Gesellschaft verändern,
sonst geht das Besondere und Eigene verloren. (Hier wird deutlich: jedes der
Profile trägt gleichsam eine wichtige Gabe für das Ganze in sich). Menschen mit
diesem Profil können sehr wirkungsvoll sein, denn sie sind sich treu, sie bleiben bei
dem, was sie für richtig halten. Sie haben die Kraft, bestehende Gesetze zu
verändern, weil sie ihren eigenen folgen und sie in die Welt bringen - so können
z.B. Ungerechtigkeiten aufgelöst werden. Die Vier will ihre innersten
Überzeugungen weitergeben, nicht andere Wahrheiten übernehmen. Sie haben
von früh an ihre Meinung, wie einen inneren Schatz, den sie teilen wollen, sie
möchten dieser Botschaft Gehör verschaffen. Wenn das nicht geht – kein Problem,
dann treten sie zurück und schweigen oder gehen weg. Die Vier neigt dazu, erst
dann loszulassen, wenn sie bereits etwas Neues gefunden hat, also den Job zu
kündigen, wenn sie schon den Nächsten hat, oder den Partner zu verlassen, wenn
der Neue schon auf der Matte steht.

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So sehr die vierte Linie Freundschaft und Verbindung braucht und ausstrahlt, so
sehr kann es ihr aber auch zu viel werden. Wenn sie zu viele Verbindungen
aufrecht erhalten muss, kostet das Kraft; Menschen wollen ja gern mit einer Vier
befreundet sein. Das „zieht“ Energie und kann zu einer regelrechten
„Menschenmüdigkeit“ führen. Dann müssen sie einen Weg finden, ihre Aura, ihr
Energiesystem zu entlasten. Ganz pragmatisch vielleicht manchmal einfach eine
Mail schreiben anstatt sich mit jedem zu treffen oder zu telefonieren. Das spart
Energie auf feinstofflicher Ebene. Denn sonst zieht die Vier gleichzeitig den
Anderen an und flieht vor ihm, ein ewiges Spannungsfeld aus „lass uns Freunde
sein“ und „lass mich allein, lass mich in Ruhe“. Hilfreich zu wissen ist, dass dieser
Rückzug immer nötig sein wird, besonders wenn Tore wie 20, 33 oder 40 aktiv sind
– hier ist es einfach lebens-notwendig, Zeit zum Verarbeiten zu haben und mit sich
zu sein.
Und wenn es mal Streit gab, kann es im Umgang mit der Vier helfen, folgendes zu
wissen: Wenn eine Vier sich verletzt fühlt, dann wird aus diesem so warmherzigen
Menschen ein Eisblock, dann ist kein Nahekommen mehr möglich und er baut
Mauern auf, hinter denen er sich zurückzieht. Dann nutzen sie vielleicht sogar
gerade die Dinge aus, die sie über den Anderen wissen, dann trifft der Pfeil ins
Schwarze. Wichtig ist, sich immer wieder zu erinnern: es ist keine Wertung im
Human Design, es sind einfach Polaritäten da – und so wird dann aus der
Warmherzigkeit und Freundlichkeit unter Umständen Gemeinheit, aus der
Offenheit Distanz. Auch heißt der Scharfblick beim Anderen nicht, dass sie sich
selbst so gut sehen können - die eigenen Schwachstellen sieht eine Vier nämlich oft
nicht. Wenn du also einen Partner oder ein Kind mit diesem Profil hast – vorsichtig
am Ball bleiben, liebevoll sein, die Eiswand auftauen, dann kommen sie wieder. Im
eigenen Energiefeld das Gefühl haben, wie sie ja auch noch sind (also nicht in ein
trotziges „pöh und ich brauch dich auch nicht“ fallen, hier schafft Kampf nur noch
mehr Distanz) und sich und damit auch den Anderen daran erinnern. Wenn du dich
mit ihnen streitest, verhärten sich die Fronten nur noch mehr. (Erinnert mich an die
Übung, die ein sehr bekannter Psychologe und Scheidungstherapeut seinen
Klienten gab, um sie über die Wartezeit von über 6 Monaten auf einen Termin zu
bringen – denn die ist ja für Menschen in Krisen sehr lang. Er schlug ihnen vor,
ohne es dem Anderen zu sagen, sich jeden Tag für ca. 10 Minuten auf irgendetwas
Schönes am Partner zu konzentrieren, und sei es nur der hübsche kleine Finger. Das
Wunder: nach kürzester Zeit hatte er nur noch 2 Wochen Wartezeit, denn die
Paare konnten einander anders sehen).
Es kann sein, dass Kinder mit der vierten Linie etwas länger als andere
Unterstützung brauchen; es tut ihnen gut, wenn die Eltern dem keinen Widerstand
entgegenbringen à la „nun werd doch endlich selbständig und verdien dein eigenes
Geld“. Sie wollen den Anderen nicht ausnutzen, sie müssen nur selbst wirklich

157
versorgt werden und Zeit haben. Wenn das geschieht, werden es sehr
unterstützende und großzügige Menschen. Aber dazu müssen sie ihren Prozess
beenden dürfen, sonst sind sie eng, mit Geld und mit der Liebe, denn dann haben
sie keine Zeit, ihre innere Entwicklung zu vollenden. Dürfen sie das aber, öffnen sie
vielen anderen Gelegenheiten, nähren und bereichern ihr Umfeld.
In der Liebe und in der Sexualität braucht es immer erst eine freundschaftliche
Verbindung, Vertrautheit. Auch jenes „aus Freunden werden Liebende“ liegt hier.
Für die Partner einer vierten Linie: im günstigen Fall sollte euch das, was euer
Partner als seine Mission, seine Botschaft wirksam nach außen tragen will,
zumindest interessieren, denn das ist ein grundlegender Teil von ihm, und ohne
Würdigung dafür wird es unter Umständen schwierig. Zur Betrachtung: auch wenn
die Vier ja viel lieber ihre eigene Botschaft vermitteln will als zuzuhören – gerade
über das Zuhören kommt der Schlüssel zum anderen und somit wird es viel
wahrscheinlicher, dass mehr Gelegenheiten für „deine Mission“ entstehen.

Design/Körper : (wie in 1 /4 oder 2/4)


Mit dem Körper in der vierten Linie kommt die Orientierung nach außen, er sucht
Kontakt. Es geht um günstige Umstände, gute Gelegenheiten, darum, eine Wirkung
zu haben. Dieser Körper bringt sich ein, um den stimmigen Einfluss zu haben. Sein
Thema ist es, in andere zu investieren – hier liegt Chance und Risiko zugleich. Denn
keine Linie ist so fixiert: Eine Vier kann einen einmal eingeschlagenen Kurs
nur schwer wieder aufgeben. In gesunder Weise investiert sie in die richtigen
Menschen oder Tätigkeiten, engagiert sich, wo im Austausch günstige
Gelegenheiten entstehen, wo sie leicht und lohnend etwas zurückbekommt. Bei
dem für diesen Körper richtigen und günstigen kommt hieraus großer Nutzen und
Erfolg, ein Zugewinn für alle.
Ist es aber das falsche Projekt oder der falsche Mensch, für den sie sich anstrengt
und ihre Kraft investiert, kann es bis zum Ausbrennen kommen – der Körper
überanstrengt sich. Burnout ist deswegen das große Thema des vierten
Linienkörpers. Besonders natürlich bei einem offenen Sakral. Dann kann aus der
dienlichen Fixierung eine Besessenheit werden, in der Hoffnung auf Erfolg wird
immer mehr Energie investiert, woraus nichts werden kann - ein energetisches
Verlustgeschäft.
Gesundheitlich ist der günstige Zeitpunkt relevant - so wie ein Sportler den
Proteindrink zum Muskelaufbau am besten in Verbindung mit der sportlichen
Aktivität zu sich nimmt, um die erwünschte Wirkung zu erzielen, so braucht die
vierte Linie die Dinge im richtigen Augenblick. Und das muss klar sein: in dem für
sie richtigen Augenblick, auf die für sie richtige Art und Weise. Dieser richtige
158
Augenblick wird bestimmt durch eine gewisse Leichtigkeit, die Mühelosigkeit der
Handlung, sie muss dem Menschen entsprechen. Ansonsten zeigt dieser Körper
sehr deutlich, was ihm nicht gefällt (und hier bedeutet das „Weggehen“
der vierten Linie, dass er meist recht konsequent in bestimmten Bereichen nicht
mehr funktionieren mag). Ein eigenes Beispiel: mein Vierer-Körper machte schon
als Kind bei bestimmten Dingen, die angeblich „total gesund“ für mich sein sollten,
gar nicht erst den Mund auf. Aber wenn „es“ stimmte, konnte ich sogar die
scheußlichste chinesische Medizin trinken. Und jedes Mal, wenn ich dem
„Supertipp“ von anderen gefolgt bin, ohne wirklich auf mich zu hören, hat es mir
größte gesundheitliche „Lernlektionen“ eingebracht. Richtig ist, wenn es passt, so
braucht es die Vier. Es stimmt sofort, oder eben nicht.

5 Der Ketzer. Ist es praktisch?


Das große Kino – denn anfangs ist die Fünf eigentlich eine Leinwand, eine Illusion.
Sie wird durch die Brille der Anderen gesehen und zunächst ist jeder offen für die
Fünf – sie ist der wahrgewordene Traum (schwieriger kann es dann nach dem
Erwachen werden). Mit der fünften Linie beginnt eine ganz neue Energie, der
„Linke Winkel“ - das transpersonale Profil. Das bedeutet, es geht um eine zum
Anderen hingewandte, auf den Anderen bezogene Energie. Das Wort „Ketzer“ ist
für viele sicher unvertraut, gemeint ist jemand, der sich gegen die herrschende
Meinung stellen kann, der etwas Besseres bringen kann. Historisch sind sicher die
vielen als Ketzer Angeklagten ein Begriff, die verbrannt wurden oder anderweitig
für ihre Überzeugung starben.

Die besondere Gabe der Fünf ist es, neue Muster, Erkenntnisse und Wirkungen ins
Kollektiv zu bringen. Anders als die Vier, die ja „ihre“ Leute kennen muss, ist die
Fünf sehr effektiv auf der großen Bühne, im Internet, sie muss das Publikum nicht
kennen und entfaltet gerade so ihre besondere Wirkung. Die fünfte Linie bringt
und verbreitet Neues im Kollektiv. Fünfer sind unkonventionell, anders und wirken
auf andere charismatisch, als wenn sie alles sein könnten (eben Anführer, Held,
Retter, Erlöser – oder Schuld an allem). Nicht der Mensch, wie er ist, wird gesehen,
sondern das, was der Betrachter sucht oder sieht. Wie eine riesige
Projektionsfläche für Erhofftes oder Befürchtetes.

Der Vorteil ist: jedes Gegenüber begegnet der Fünf erst einmal offen, es gibt
keinerlei Widerstand. „Du bist alles, was ich immer wollte!“ Aber: die Hoffnung
und Erwartung, dass die Fünf das ist oder mit sich bringt, was der andere haben
möchte, dass sie nützlich und wertvoll ist, kommt immer hinzu. Über Menschen mit
159
einem Fünfer-Profil reden die anderen, die „Öffentlichkeit“ ist quasi mit eingebaut.
Das bringt ein Problem mit sich, denn Menschen mit diesem Profil sind sehr
empfindlich dafür, wie andere sie sehen, ihr Ruf ist ihnen wichtig. Und eigentlich ist
es egal was sie tun, es wird immer Menschen geben, die etwas Gutes über sie
sagen und solche, die schlecht von Ihnen sprechen. Um ein Gefühl dafür zu
bekommen hilft das Bild der Stars, der Pop-Ikonen auf der großen Bühne. Die
Medien sind voll von vermeintlichen Wahrheiten über sie, die Fans träumen die
eigenen Sehnsüchte in sie hinein. Im Bild des Hauses, das Ra nutzte, wäre die
fünfte Linie die zweite Etage – mit dem Balkon. Im Idealfall tritt die Fünf heraus, ist
ein bisschen entfernt von der Menge, bringt aus dieser Sicherheit der Distanz
heraus ihre funktionierende, praktische Botschaft und zieht sich wieder zurück.
Dann wächst ihr Ruf.

In der Sekunde, wo ein Kind mit einer fünften Linie im Profil geboren wird, beginnt
die Projektion. Die Erwartung, dass es der Retter sein soll oder der Künstler oder
anders als Papa oder genau wie Tante Paula - es hat kein Ende. Und natürlich kann
es diese Erwartungen nicht erfüllen. Und wir alle reagieren auf positive
Verstärkung - wenn dann Susans erste Schwimmversuche mit „schau mal, eine
Wasserratte wie Opa, die wird sicher mal Wettkampfschwimmerin“ kommentiert
werden, liegt nahe, dass Susann tatsächlich Leistungsschwimmerin wird. Ob sie das
wirklich will und mag, wird sie gar nicht wissen. Oft nehmen Fünfer dann einfach
die Projektion an, weil es leichter ist als mit der Welt zu argumentieren. Das
Problem darin ist, dass dieses Kind dann nicht seinem Rhythmus folgen kann, denn
er wird immer wieder unterbrochen durch Erwartung. Weggelenkt in eine
Richtung, die nicht die seine ist. Das ist so problematisch, weil gerade das Kind mit
der Fünf eine sichere Basis braucht, sonst kann es keine Stabilität entwickeln, es
hat keinen Anker, keinen Bezug zu sich – und dann kann auch kein echter Bezug zur
Welt entstehen. Oft ist gerade die erste Schulzeit eine ganz besonders schwierige
Zeit für die Fünf, denn der Druck wird immer größer. Das Kind wird ständig
begutachtet, es wird geprüft, ob es die Erwartungen erfüllt („Meine Güte, nach
wem kommt dieses Kind nur!“ Oder „Unsinn, du machst keine Musik, du wirst
Anwältin, das liegt dir im Blut.“) Alles wird bewertet, und da es ja völlig unmöglich
ist, es allen recht zu machen, fühlen sich Menschen immer von der Fünf enttäuscht.
Und darüber sprechen sie, ein furchtbares Gefühl für Menschen mit dieser Linie im
Profil. Denn sie geben sich solche Mühe, nehmen die erwarteten Rollen oft an –
nicht weil sie sich damit erhöhen wollen, sondern weil es sicherer scheint. Weil
man sie ja scheinbar so haben will. Das führt dazu, dass die Fünf sich zum einen
unglaublich anstrengt, und all das lebt, was sie nicht ist, sich zum anderen tief ins
Innere zurückzieht und ein Misstrauen der Welt gegenüber entwickeln kann.

160
Ein Beispiel: Alle bewundern, wie Clara das hinbekommt – Beruf und zwei kleine
Kinder, dann diese perfekten Abendeinladungen ausrichtet für die ganze Kanzlei
und bis spätabends über ihren Fällen sitzt. Die große Hoffnung für die Junior
Partnerschaft. Und immer mehr vertrackte Fälle werden ihr übertragen. „Sie sind
doch unser As für Mobbingfälle, Sie machen das schon.“ Natürlich darf sie nicht
zeigen, wie unmachbar das alles ist. Ihre Karriere wäre zu Ende. Also macht sie.

Eine gute Strategie für die fünfte Linie ist, sich zurückzuziehen, wenn sie das Gute
vollbracht hat. Dann wächst ihr Ruf, sie kann sich ausruhen und dann wieder
einspringen, wenn sie gebraucht wird. Eine fünfte Linie kann traurig sein. Denn in
ihr liegt die Energie, wirklich wichtig zu sein für die Welt – und wenn sie keine Basis
hat, gar nicht authentisch sein kann, so wie sie sind, kommt sie nicht in diese Kraft.
Die Menschen neigen dazu, die Fünf als Retter zu sehen – und wenn sie sie dann
nicht rettet, sind sie ihr böse. So ein Druck! Im Bereich Beziehungen wird die Fünf
immer wieder auch mit dem Thema „Enttäuschung“ konfrontiert sein, denn es ist
ja schon vorprogrammiert, das der Partner in ihnen zunächst alles Mögliche sieht,
was er gern hätte. Wenn das dann nicht eingelöst wird, kann es zu intensiven
Prozessen kommen – aber es bringt auch die Chance für echte Klärung und
Wachstum für beide und so kann sie dann – wenn die Ent-täuschung genutzt wird -
echte Nähe bringen.

Wichtig ist, Grenzen deutlich klar zu machen, denn ein Nein – wenn der andere es
nicht hören will – wird dann auch nicht zu ihm vordringen. Also ein deutliches
“Nein, ich will auf keinen Fall mit dir zusammen in Urlaub fahren, unter keinen
Umständen“ anstelle von „Mal sehen, eigentlich passt es nicht so gut…“ – bei
jedem anderen reicht das – nicht bei einer Fünf. (Das kann für emotional Offene
ganz schön schwierig sein).
Fünfer müssen eine Autorität haben, sie brauchen Wissen und Studium, sie
brauchen eine stabile Basis, sie müssen geerdet sein, praktisch. Die Fünf ist ein
sehr praktischer Mensch, Dinge müssen funktionieren (denn sonst gibt es keine
Sicherheit). Das ist ihre Gabe, denn dann kann und darf diese Linie anführen, der
Mensch hat den Überblick und die Gabe des rechten Timings – für den richtigen
Moment, in dem es passend ist, sich einzumischen, der Retter zu sein. Das ist die
beste Strategie: ich komme – ich erbringe die Leistung /rette die Situation – und ich
bin wieder weg. Wow, über diese Fünf werden Legenden entstehen.
Das ist auch für Partner dieser Menschen wichtig – Fünfer sollten nicht immer
verfügbar sein, sie haben den Blick für den richtigen Augenblick, wo ihr Beitrag
wichtig und richtig ist. Da eine Fünf immer alles riskiert, wenn sie sich einbringt,
161
braucht es den passenden Moment. Menschen mit einer fünften Linie sind oft sehr
attraktiv – sie ziehen Aufmerksamkeit auf sich, sind irgendwie überlebensgroß,
wirken verführerisch – und können verführen. Diese Verführung wirkt in alle
Lebensbereiche hinein – z.B. ein guter Lehrer verführt ja irgendwie zum Lernen.
Seine ganze Art wird Menschen dazu bringen, auch haben/sein zu wollen, was er
ist. Der spirituelle Lehrer auf der Bühne, der seinen Zuschauern wirklich neue Wege
zeigt – so was kann eine Fünf!
Wenn ein Mensch mit der fünften Linie weiß, was er will, muss er dem auch folgen.
Und das zieht andere mit, was relativ leicht ist, weil natürlich jeder sofort denkt:
„Das ist mein Retter, dieser Mensch wird meine Lebensprobleme lösen, ist der
Richtige/die Richtige“. Fünfer sind immer damit beschäftigt, wie man mit anderen
Leuten umgehen kann, sie suchen zu verstehen, was der andere braucht und wie
sie das erfüllen können. Hier ist Potential für so unglaublich vieles Gutes – Martin
Luther King hatte eine fünfte Linie und sein Charisma, sein „I have a dream“
brachte für Millionen von Menschen Wandel und öffnete einen Weg zu Freiheit.
Oder in die andere Richtung – auch Hitler war eine Fünf. Auch nicht verwunderlich,
bei vielen Politikern mit Weltrang zeigt sich die transpersonale Fünf: Barack
Obama, Vladimir Putin, Angela Merkel, Winston Churchilll, alles Fünfer. Für die
fünfte Linie liegt ihre große Gabe im praktischen, gelebten Leben, wenn sie etwas
bewirken, das funktioniert. Und Projekte, die verbreitet werden sollen, haben oft
großen Erfolg, wenn sie an einem Tag mit einer fünften Linienenergie gestartet
werden. Nebenbei bemerkt- auch Hochstapler aller Richtung finden sich hier – so
wie die Wunderheiler im Mittelalter mit dem Zaubermittel für alles Mögliche – die
Klugen waren am Tag nach dem Jahrmarkt bereits weitergereist.

Design/Körper : (wie in 2/5 und 3/5)


Menschen mit einem Körper in der fünften Linie sind meist attraktiv und offen,
hingewandt zum anderen – und umgekehrt. Eine Fünf wird wahrgenommen. Für
das Wohlbefinden und die passenden Begegnungen ist der richtige Ort sehr
wichtig. Eine fünfte Linie zieht Projektionen an, daher ist wichtig, nicht alles zu
erfüllen, was andere erwarten, sie braucht Rückzugsmöglichkeiten. Wenn sie
Erwartungen erfüllt, die nicht richtig für sie sind, wird sie krank. „Nein“ ist ein echt
cooles Wort, und erlaubt! Und wichtig zu wissen: Es muss ein deutliches Nein
sein, kein höfliches sanftes – denn die Projektion ist gross, es braucht Deutlichkeit,
damit der Andere das Nein auch hören kann. Ein Körper mit der fünften Linie
braucht Schutzraum vor Projektionen, Räume mit Sichtschutz, damit nicht ständig
jemand auf sie schaut. Anders als bei der Zwei sind hier die Gardinen sicher
zugezogen.

162
Gesundheitlich bedeutet die Offenheit der Fünf zunächst, dass sie empfänglich für
praktische Lösungen ist und „passende“ Mittel. Aber auch hier kann es zu
Projektionen kommen - nicht alles, von dem man glaubt, dass es hilfreich ist, wird
auch vom Körper so angenommen. Daher macht es Sinn, einen sehr offenen Blick
zu behalten, alles darf angeboten sein, aber nichts aufgedrängt. Gerade bei der 2/5
muss es das wirklich Richtige sein, damit es ins innere Wirken hineingelassen
werden kann.

6 Das Rollenmodell. Gelingt es? Bringt es Erfüllung?


Drei Leben in einem – die Erfahrung der Welt dem Darüber-Hinaus-Gehen, die
Reise zum Rollenvorbild.
Die Sechs ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Sie steht am Ende der
Hexagrammlinien – und so liegt ihr großes Thema, das „Darüber-Hinausgehen“ ja
irgendwie nah. Beim Gespräch mit einer sechsten Linie kommt dieses tiefe
Bestreben, über das Normale, Alltägliche hinauszugehen immer wieder vor, ganz
normal ist nicht genug! Das einfache Klarkommen in der Welt, das für die meisten
von uns das Ziel ist, reicht einer Sechs niemals aus. Damit einher geht eine
Selektivität - nicht vieles kommt in Frage, wenn es erst bei „in Ordnung“ überhaupt
beginnt - und so haben Sechser den Ruf, Perfektionisten zu sein. Sie wollen, dass
alles – in der Welt und bei sich selbst – dem höchsten Anspruch entspricht. Ein
schwieriges Ticket, denn auf Andere kann diese Haltung wie ein Desinteresse
wirken, das Erhabene als Arroganz, doch das ist es nicht. Dahinter steckt einfach
die Suche nach dem Besonderen, Richtigen, dem „Mehr“. In Beziehungen nach
dem Seelenpartner, dem Menschen, der so ist wie ich. Eine Art Schwingungs-
“Zuhause-Gefühl“, nach dem eine Sechs in Allem strebt. Gleichzeitig lässt die
Energie der sechsten Linie uns ahnen, was noch sein könnte, es umgibt sie eine
Magie des Möglichen.
Die sechste Linie führt eigentlich drei Leben in einem. Kein Profil hat eine solche
Herausforderung und Vielfalt zu meistern, denn die Sechs durchläuft drei sehr
unterschiedliche Lebensphasen und Rollen. In den ersten ca. 28 Jahren gleicht sie
eher einer Drei – und so erlebt sie auch die Welt. Das kann sehr leidvoll sein, denn
die Sehnsucht nach dem Darüber-Hinaus, dem Besonderen, und der Aspekt der
Transzendenz bleibt, aber der Mensch wird mit all den Themen und Erfahrungen
im Außen konfrontiert – ob er nun will oder nicht. Das kann sich absolut chaotisch
anfühlen, es geht um das „Erfahrungen machen“ – verknüpft mit der Sorge, Fehler
zu machen, Schuld zu haben an Ereignissen. Enttäuschungen aus dieser Zeit wiegen
meist schwer und oft sind diese jungen sechsten Linien pessimistisch, ringen mit
sich und der Welt. Sie gehen Verbindungen ein, brechen sie wieder, die Themen
Freiheit und Grenze der Drei bestimmen den Erlebensraum. Und anders als bei der
163
„echten“ Drei ist die Sechs nicht so robust, sie ist nicht gemacht für diese
Erfahrungen aller Art, die Enttäuschungen wiegen schwer.
Sie erkennen: die Welt ist ganz anders als ich. Sie fragen sich, warum sie da sind,
fühlen sich deplatziert und einsam. Der Traum von der Seelenverbindung, dem
Besonderen, dem Menschen, der so ist wie ich – das alles funktioniert nicht und
das schmerzt. Oft bezieht die Enttäuschung auch die Eltern mit ein – die junge
Sechs hat das Gefühl, dass diese sie nicht verstehen, dass die ersehnte
Verbundenheit nicht möglich ist.
Dieser Prozess wiederholt sich die ganze Zeit, bis mit ca. 28 - 30 Jahren ([Link]-
Zyklus, bringt große Veränderung) die zweite Lebensphase der Sechs (jetzt als
Sechs) beginnt – die Zeit mit dem Blick „von oben“. Im Bild des Hauses, das Ra Uru
Hu benutzte, sind sie nun „auf dem Dach“. Das Retreat der Mitte. Es ist ja auch
verständlich, wenn jemand, der in sich ein Gefühl trägt, wie die Dinge sein sollten
und der so oft erlebt, dass alles einfach nur Chaos ist, nicht funktioniert, wie es sein
sollte (Leben halt!) sich zurückziehen möchte. Lieber von oben drauf schauen
anstatt mittendrin zu sein. Da liegt dann die Hoffnung auf Frieden und Harmonie.
Und tatsächlich wird die Grundstimmung dann positiver, es wird lichter im Inneren.
Oft finden Sechser in dieser Zeit etwas, worin sie eine Chance sehen, zumindest
etwas „darüber hinaus“ zu kommen - das kann die erfolgreiche Karriere sein, oder
als Mutter/Vater alles besser zu machen, oder sich einem Projekt zu verschreiben.
Aber bevor der Wandel in der sechsten Linie möglich wird, empfinden die Sechser
oft Pessimismus. Wer hört denn auch gerne „hey, du musst eine Menge
Erfahrungen machen, Leid, Kummer und Schmerz erleben, mit dem Geld verdienen
klappt es wahrscheinlich auch nicht, wie du es dir denkst, Beziehungen sind auch
nicht einfach, aber kein Problem, ab 28-30 bist du damit durch, dann wird es
besser und tut nicht mehr so weh. Und ab 50 wird es dann nochmal neu, dann hilft
deine Weisheit dir und anderen.“ Dafür müssen wir uns nur alle erinnern, wie
unendlich in jungen Jahren auch nur ein halbes Jahr erscheint (und für jeden mit 16
ist 30 alt). Und außer diesem sinnlosen Gefühl und dem Wunsch nach Rückzug ist
oft nichts spürbar in dem jungen Menschen mit der Sechs. Aber – sie halten durch,
sie machen weiter. Und es ist eben auch eine besondere Eigenheit: wenn es nicht
gut ist, nicht perfekt war, dann ist das Thema manchmal auch einfach „durch“;
erledigt. Wenn eine sechste Linie mit Anfang Zwanzig eine Beziehung hat und
zutiefst enttäuscht wird, kann es sein, dass für sehr lange Zeit das Thema
„Beziehung“ vom Tisch ist. Ganz oder gar nicht. Wenn es nicht der Seelenpartner
ist, dann brauche ich es auch gar nicht. Zumindest bis mit der dritten Phase die
Suche nach dem Seelengefährten erneut große Wichtigkeit erlangt.
Es ist wichtig für die sechste Linie, durch diesen anfänglichen Pessimismus
hindurchzugehen, denn sonst findet der Einzelne nicht heraus, was ihm wichtig ist
164
und wofür er denn ein Vorbild sein kann – was nämlich sein Selbst dann ist. Das
Wort „Vorbild“ bei der Beschreibung der sechsten Linie bedeutet nichts
Angestrengtes oder Erlerntes, sondern ein vom Nicht-Selbst befreites, Echtes,
Authentizität. Wenn sie leben, was sie sind, kommt die Wirkung von ganz allein.
Weisheit entsteht letztendlich aus dem Dabeibleiben, dem durch Erfahrungen
hindurchgehen. Dann kommt Frieden – aus dem Überblick, der Weisheit durch die
Erfahrung, dass alles dazugehören kann. Eine Hilfe kann sein, diese ganze erste
Phase neu zu sehen – es als Erfolg zu verbuchen, herausgefunden zu haben, was
nicht funktioniert. Dann wird es ein Wert und kann weitergegeben werden.
Erfahrung – egal wie – kann zu Weisheit werden.

Das Nicht-Selbst funktioniert nicht. Und solange die Sechs das Nicht-Selbst lebt,
kann nichts wirklich funktionieren, und dann gibt es auch nichts zu zeigen. In dem
Augenblick, wo sie erkennt, dass sie sich selbst und ihren Gaben vertrauen kann,
dass es reicht, echt und man selbst zu sein, kommt Vertrauen - und ihr Einfluss. Die
Sechs hat Überblick und die anderen profitieren von ihrem objektiven Blick. Mit der
zweiten Lebensphase beginnt der Optimismus wirksam zu werden, er führt sie,
während sie ihre Beobachter-Phase haben, und trägt sie, wenn sie im Alter von
rund 50 Jahren dann mitten in die Welt hineinkommen, um zu leben, was sie
wirklich sind. Verbindung mit anderen ist immer eine Herausforderung für die
sechste Linie - mit der Drei am Anfang des Lebens.
Etwas entrückt zu sein, zu beobachten, bedeutet nicht, dass nichts die Sechs
berührt. Es ist kein Leben auf dem Berg am Ende der Welt und auch kein
Elfenbeinturm. Sie suchen aus der Distanz nach etwas, das funktioniert – oder
eben nicht. Das mehr ist als das Offensichtliche. Darauf weisen sie hin, sie weisen
den Weg. Sie haben diese wunderbare Gabe objektiv zu wirken – wenn sie auf
etwas zeigen und sagen: “das ist gut”, dann wirkt es und die anderen können es
annehmen, denn sie können durch die Transpersonalität für jeden hilfreich sein.
Ein Grundthema der Sechs ist, zu erkennen, was nicht funktioniert und es
loszulassen. Rat geben zu können, ganz objektiv, aus den eigenen Erfahrungen und
deren Klärung. Das geht natürlich gut mit Abstand, wenn man nicht direkt
drinsteckt im Erleben. Da aber diese Weisheit aus Erfahrung entsteht, kommt eine
Schwierigkeit bei der Sechs hinzu – sie sind Perfektionisten. Hier ist die Übung, sich
dadurch nicht am Leben hindern zu lassen nach dem Motto „wenn es nicht perfekt
ist, ist es nicht gut genug. Dann mache ich es lieber erst gar nicht“. (Paul Ferrini:
Der größte Glücksverhinderer ist Perfektionismus). Einfach mal aufs Stand-Up-
Paddelboard steigen, riskieren total lächerlich auszusehen, ins Wasser zu fallen –
furchtbare Vorstellung! Das macht es extrem schwierig, etwas zu tun, denn wenn
die Prämisse ist: “ich mache es nur, wenn ich es perfekt kann” – wie soll das

165
gehen? Denn selbst wenn man einer Perfektion je nahekommt, wird dies ganz
sicher durch Üben und Praktizieren geschehen – und das geht nur mit der
Bereitschaft, irgendwo anzufangen. Wenn ich schwimmen lernen möchte, wird mir
am Ende, bei allem perfekten Wissen über das Verhalten von Körpern in
Flüssigkeit, nichts anderes übrigbleiben, als hineinzutauchen.
Bei der Sechs geht alles um Authentizität. Ich-selbst-sein – egal wie die Anderen
sind. Wenn die Sechs nach der Beobachter-Phase wieder in die Welt kommt, ist es
eine ganz neue Erfahrung. Denn sie sind sie selbst und werden Menschen treffen,
mit denen „es“ passt - und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm, denn sie passen
mit sich. Dieses schreckliche Gefühl vom Anfang des Lebens ist nicht mehr da, denn
sie haben gelernt, ihr eigenes Lied zu singen, sie gehen nicht mehr verloren im
Chaos. Vertrauen ist das große Thema der Sechs. In der zweiten Phase geht es um
den Seelenpartner, den die Sechs immer sucht, und um das Thema der Selbst-
Liebe. Für die Partner einer Sechs kann das Herunterkommen vom Dach eine sehr
transformative Zeit sein, denn die sechste Linie verändert sich. Wo vorher
Kompromisse waren, muss jetzt Klarheit entstehen. Das kann zu einer Trennung
vom Partner oder vom Job führen, es ist nochmal eine unter Umständen
gravierende Kurskorrektur im Leben.

Sobald die Sechser mit Ende Zwanzig am Saturn vorbei gekommen sind, können sie
auch Geld verdienen. Denn vorher bleiben sie nicht bei dem, was sie tun, denn sie
haben einfach keinen Zugang zu dem, was sie wirklich ausmacht. Erst wenn sie die
Sicherheit der Beobachterposition haben, etwas sicheren Abstand, wird ihre
Karriere beginnen können, denn dann beginnt der Zugang zu dem, was sie sind.
Daher ist es auch später schwierig, sich wieder ganz darauf einzulassen, in die
Gemeinschaft einzutreten (statt aus der Distanz zu schauen), denn die einzige
Erinnerung an das Leben „mittendrin“ ist, dass es schmerzhaft und chaotisch war.
Da wollen sie nicht wieder hin. Und oben in sicherer Entfernung ist alles
angenehmer und man verdient Geld. Dann erkennen sie, dass es anders wird, wenn
sie sie selbst sind. Es tut nicht mehr weh, sondern alles passt – weil sie echt und
authentisch sind, über die eigene Begrenzung hinausgegangen sozusagen.
In der ersten Lebensphase verbraucht die Sechs Ressourcen. Das Geld ist knapp,
sie machen vielleicht Schulden, brauchen Unterstützung. Finden vielleicht kein Ja
zu irgendetwas. Das ist okay. Denn es wird sich verändern, sobald sie über 30 sind,
in der zweiten Phase ihres Lebens. Dann können sie sogar zurückzahlen. Dann
haben sie Geld. Denn sie beginnen, sich selbst zu vertrauen. Dann haben sie die
Gabe zu nähren. Sie können andere leiten und führen, sie zeigen auf, was sinnvoll
ist und was nicht. Die transpersonelle Energie ihres Inkarnationskreuzes bringt die
Möglichkeit, viele Menschen positiv zu beeinflussen. Mühelos!
166
Die eine große Verlockung ihres Lebens bleibt einfach der sichere Platz im Rückzug,
lieber Beobachter zu sein. Aber – wenn auch vielleicht widerwillig - führt nichts an
dem Schritt mitten ins Leben vorbei, der ab dem 50. Lebensjahr das wirklich
Besondere an der sechsten Linie für alle sichtbar werden lässt. Das ist ein großer
Wandel, der Aufruf wirklich ganz und gar echt zu sein. Als man selbst. Denn nichts
ist beeindruckender als eine Sechs in all ihrer Authentizität, die mitten in der Welt
lebt. Sie zeigt allen, was möglich ist, wenn wir über uns hinauswachsen. Wir gehen
auf einer Zeit der sechsten Linie zu – 2027 wechselt die Hintergrundschwingung
vom Hexagramm 37.1 in der Erde auf die 55.6. Und das ist schon jetzt zu
beobachten: Authentizität, das Echt-Sein nehmen als Themen in der Gesellschaft
eine immer wichtiger werdende Stellung ein, vor allem bei der jüngeren
Generation.

Design/Körper: (3/6 und 4/6)


Der Körper mit der sechsten Linie durchläuft natürlich auch die drei Phasen der
unterschiedlichen Erfahrung und Veränderung. Ganz grundlegendes Thema jedoch
ist, dass er sehr einzigartig ist. Die Sechs als Rollenvorbild hat das Thema der
Integrität. Es gilt, auf sich zu hören, den Körper wahrzunehmen und im Laufe des
Lebens immer kompromissloser dem zu folgen, was für ihn richtig ist.
In der ersten Phase bis um die 30 geht es um ein Sammeln von Erfahrungen,
ähnlich wie beim dritten Linienkörper. Da aber die Sechs im Gegensatz zur Drei
nicht so robust ist, kann diese Zeit recht anstrengend sein. In der Zeit zwischen 30
und 50 geht es darum, die Welt zu beobachten. Und ab 50 muss und darf dieser
Körper in besonderem Maße anspruchsvoll und eigen sein. Alles muss passen,
sonst schaut der Mensch nur zu. (Wie bei meiner Freundin Birgit, die in einer
wunderbaren Seenlandschaft wohnt: Ja, sie geht sehr gerne schwimmen – wenn es
draußen mindestens 30 Grad hat, sonnig ist, nicht windig und das Wasser über 26
Grad warm. Da das in Norddeutschland leider nicht so oft vorkommt, bleibt das
Schwimmen auf den Fernreise-Urlaub beschränkt. Es muss eben stimmig sein.)
Es kann gut sein, dass die Persönlichkeit ganz andere Wünsche oder Bedürfnisse
hat – sie werden nur nicht erfüllt, wenn sie für den Körper nicht stimmig sind. Hier
liegt viel Erklärendes, falls sich im Leben Wünsche und Realität nicht
übereinbringen lassen.
Ein anderes Beispiel: Eine Klientin hatte aus „Vernunftsgründen“ beschlossen, noch
einmal eine Mammografie machen zu lassen. Aber ihr Körper wollte das überhaupt
nicht, hielt einfach nicht still, sehr zum Unwillen der Sprechstundenhilfe. Und
natürlich war das Ergebnis negativ, ohne Befund. Eine andere Dame mit einem 6-
er Körper konnte partout nicht an einer streng katholischen mehrstündigen
167
Erinnerungs-Trauerfeier für ihren Schwiegervater teilnehmen – sie hatte massivste
Grippesymptome, so schlimm, dass sogar die strenge Schwiegermutter sie ins Bett
schickte. Kaum war klar, dass sie zuhause bleiben konnte, war sie vollkommen
beschwerdefrei. So zeigt ein Sehcser-Körper den für ihn richtigen Weg.
Ein Körper mit der sechsten Linie muss dieser persönlichen Integrität folgen, sonst
wird er krank. Kompromisslose Selbstfürsorge könnte man es nennen – und diese
macht ihn dann zum Rollenvorbild. Der Körper ist unser Fahrzeug, unser
Wahrnehmungsinstrument. Wenn er die bestmöglichen Umstände erlebt, hat der
Mensch als Ganzes die beste Gelegenheit, sich in seiner Einzigartigkeit zu spüren
und zu leben, seine Gabe in die Welt zu bringen.
Das „Darüber-Hinaus-Gehen“ der sechsten Linie sollte bei jeder Form von
Medikation und Therapie bedachte werden – es braucht mehr als das Eine, Körper
und Seele müssen bedacht sein. Nur eine Pille für ein Symptom einzuwerfen passt
nicht für die Sechs, es braucht auch hier den Blick auf das Ganze und darüber
hinaus. Gerne also auch eine Verbindung von Medikation mit Ernährung, Massage
und Meditation – eben echte Ganzheitlichkeit.

Kanäle – lebendige Energie

Ein Kanal bildet sich durch die


Verbindung zweier sich gegenüber-
liegender Tore in zwei benachbarten
Zentren. Durch sie entstehen unsere
definierten Zentren, die uns ein
Gefühl von Verlässlichkeit und
Identität vermitteln.

Kanäle sind wie die „Blutbahnen der Lebendigkeit“, sie bringen ganz
unterschiedliche Kräfte und Wirkungsenergien zum Ausdruck. Ra beschreibt sie
wie folgt: „Der Kanal und die Definition sind einfach viel mehr als nur die Summe
ihrer Teile. Es ist eine sehr lebendige Kraft. Die Definition ist so bedeutsam, weil sie
eine konsistente und verlässliche Gegenkraft zu all dem darstellt, das in dir offen ist
– das offen ist konditioniert zu werden, das dich von deinem wahren Selbst und

168
deiner echten Autorität wegführen kann, das dich anfällig macht für die Kraft des
Nicht-Selbst und des Denkens.“ 18
Geprägt durch die Schaltkreise, zu denen sie gehören, wie auch durch die Energie
der Zentren und der Tore, die sie berühren, und dennoch immer mehr als das -
eben wirklich lebendig. Der Schaltkreis gibt Auskunft über die Grundschwingung
des Systems, zu dem der Kanal gehört, man kann daraus die Richtung ableiten, in
die die vorhandenen Energien führen. (Individuell, Stamm, Kollektiv, siehe oben).
Und ganz grundlegend hilft es, sich einfach klarzumachen, welche Zentren da
verbunden werden – auch das gibt schon eine wichtige Information.
Ich konzentriere mich hier bewusst auf die „Gaben-Seite“ der Energie, doch da wir
in der Dualität leben, kann auch immer das Gegenteil der Kraft wirken. So gibt es
eine „hohe“ Frequenz der Energie und eine mehr im „Schattenbereich“ –
entscheidend ist jedoch das Thema, das jeweils angesprochen ist. Und es macht
immer Sinn, sich auch die einzelnen beiden Tore eines Kanals durchzulesen.
Bei den Kanälen ist es von größter Bedeutung, ob sie z.B. manifestierend sind – das
sind sie immer, wenn es eine Verbindung eines Motors zur Kehle gibt - oder ob das
Sakral das Thema bewegt, oder aber, ob es so genannte Projektor-Kanäle sind,
denn dann gilt immer: die Energie braucht eine Einladung. Als Beispiel: Kanal 20-57
zwischen Milz und Kehle ist ein projizierter Kanal, die Milz ist ja kein Motor. Die
wunderbare Wahrnehmung, die Menschen mit diesem Kanal haben, braucht -
damit der andere sie auch hören und nutzen mag - die Einladung zu sprechen.
Diese Regel gilt auch in der sensitiven Wahrnehmungsschulung: „Magst du hören,
was ich wahrnehme?“ ist die Grundbedingung für einen respektvollen Umgang mit
allem. Und noch schöner natürlich, wenn man eingeladen wird, wenn der Andere
um die Information bittet.
Um es dem Leser leichter zu machen, habe ich die Kanäle „der Reihe nach“ nach
Zahlen (= Toren) geordnet, ich beginne also immer mit der kleineren Zahl. Es
macht viel Sinn, sich auch ergänzend die beiden Tore durchzulesen, die sich jeweils
in der besonderen Kanal-Energie finden.

18 The Channel and Definition, in and of itself is much more than the sum of its
parts. It is very much a living force. What is so important about Definition is that
this very life force that is consistent and reliable is the counterpoint to everything
that is open in you: open to conditioning, to leading you away from your true self
and Authority to the power of the Not-Self, and the mind. (transcript, Jovian
Archives). Übersetzung von mir.
169
KANAL 1-8 eine Verbindung zwischen Selbst und Kehle
Kanal der Inspiration – das schöpferische Rollenvorbild
Schaltkreis: individuell, Wissen
Der Kanal der Inspiration – er trägt eine individuelle, kreative, innovative, mutative
Energie. Du bist ein Unikat. Dazu braucht es Mut, denn du wirst gesehen werden –
einfach indem du auf deine Weise deine Einzigartigkeit lebst, weniger durch deine
Worte als durch deinen Beitrag, deine Eigenheit, deine Persönlichkeit. Du wirkst –
einfach dadurch, dass du bist, wie du bist.

In diesem Kanal liegt eine unglaubliche Kraft. Du bist jemand, der vorausgeht, der
Menschen inspirieren kann, in eine neue Richtung zu gehen. Du kannst Menschen
motivieren, voranzugehen in ein neues Land. Du führst aus deiner Echtheit heraus,
deiner Kreativität und Authentizität. Du kannst eine wirklich wandelnde, die Welt
verändernde Kraft sein. Wichtig ist jedoch, dass es eine Einladung gibt – denn je
mehr die anderen hören wollen, was du sagst, desto besser wird deine Botschaft
angenommen. Es braucht die Bereitschaft, zuzuhören; wie bei einem Feld: der
Boden muss aufnahmebereit sein, damit der Samen auch aufgehen kann. Deine
Ausstrahlung wirkt auf das Außen - und so nehmen Menschen auch deine
Stimmung auf –, daher ist es am günstigsten, wenn du in einer passenden Energie
bist, um deine „Botschaft“ zu vermitteln. (Auch wenn der Druck von Tor 1, dem
Yang, immer da ist. Es will bewegen, doch es braucht Weisheit). Wenn du nicht
wartest, bis die anderen zuhören wollen, kann es ganz leicht passieren, dass du
dich unverstanden und abgelehnt fühlst und dich zurückziehst.

Erlaube dir, so anders, individuell und neu zu sein – auch wenn es nicht immer
einfach sein wird. Du bist jemand, dessen Aufgabe es ist, mit Neuem, noch nicht
Dagewesenen, die Richtung zu weisen. Auch klar: Wiederholung funktioniert
nicht – es geht um einen neuen Weg. Das kennen wir von einigen Popstars – die
eine völlig neue Art hervorgebracht haben, einen Riesenhit landen – von denen
man dann aber nichts mehr hört. Oder das follow-up-Album läuft nicht, denn es ist
nur ein Aufguss des Vorigen. Aber das kann nicht funktionieren, denn bei diesem
Kanal geht es eben um das ganz ungewöhnliche Neue. Das kann einsam machen,
unverstanden, wie alle Energien im individuellen Schaltkreis, denn so wie du ist
keiner.
Menschen mit diesem Kanal sind Rollenvorbilder (kleines Beispiel – Casanova war
eine 1-8, und an wen aus diesem Jahrhundert erinnern wir sonst noch? Wenn auch
170
sicher nicht der erste Schürzenjäger, so war er doch der erste, der diese Rolle so
lebte. Daran erinnert man sich.) Und auch wichtig: Rollenvorbild heißt nicht
Musterschüler. Es kann alles sein, in jeder Richtung. Aber eines ist es immer:
Besonders und einzigartig (wie die Reklame: „Einzig. Nicht artig“) Und immer Un-
gewöhnlich. Viele Künstler und auch Showmaster haben diesen Kanal und indem
sie genießen, was sie sind und tun, helfen sie anderen, auch ihren eigenen Weg zu
finden, sich zu trauen, sie selbst zu sein. Sie verändern die Sicht der Menschen auf
die Welt - auf das, was sie für wahr oder schön halten.
Sigmund Freud war eine 1-8, genauso Malcom X, Oscar Wilde und J.R. Tolkien.
Diese Namen kennt jeder.

Kanal 2-14 eine Verbindung von Sakral und Selbst


Der Schlag (Beat) ein Design der Schlüsselverwahrer Schaltkreis: individuell,
Wissen
Er heißt „der Schlag“ oder auch der „Schlüssel-Bewahrer“ und kann in einem
intensiven Energieschub durch das stimmige Zur-Verfügung-Stellen der sakralen
Energie in eine neue Richtung führen. Er gehört zu den drei tantrischen Kanälen
zwischen Sakral und Selbst – gemeint in dem Sinne, dass er Energie verwandeln
und auf eine höhere Ebene heben kann.
Es ist ein individueller Kanal mit all den Attributen, die dazu gehören. Schlüssel ist
die sakrale Re-aktion. Es ist wichtig, dass du dir darin treu bist, deinem Weg folgst -
dem, was sich für dich stimmig und richtig anfühlt. Denn dann hast du die
Fähigkeit eines Alchemisten, eines Magiers, Energie zu wandeln, sie zu
transformieren. Auch Menschen kann es besser gehen, wenn sie in deiner Nähe
sind; Projekte, die dein sakrales JA haben, laufen einfach.
Hör einfach auf deine Intuition, denn es ist ein individueller Weg, etwas Eigenes,
Neues, das du auf deine Weise in die Welt bringst. Du kannst die Dinge zum
Leuchten bringen, auch das Leben jener um dich herum. Du hast eine Wirkung auf
andere – ob du es willst oder nicht. Was genau im Leben der Anderen geschieht,
gehört jedoch nicht in deinen, sondern in ihren Aufgabenbereich!
Es geht um deine Kreativität, deine Freude, deine Fülle. Besonderheit: auch
finanzielle Fülle gehört zu deinen Gaben und ist wahrscheinlich auch dein Anspruch
ans Leben. Besonders für Gruppenprozesse (das Penta, eine Gruppe von 3-5
Menschen – wirkt bei allen Systemen bis 15 Menschen) ist dieser Kanal ein
Schlüssel, und du wirst immer eine große Wirkung und Bedeutung in der Gruppe
haben. Aber – all das ist nichts, was du „machen“ kannst – es geschieht, oder eben
nicht.
171
Kanal 3-60 – eine Verbindung von Wurzel zum Sakral –
Kanal der Mutation – in Gang setzen, der Puls
Schaltkreis: individuell, Wissen
Er heißt Kanal der Wandlung – und in dieser Wandlung liegt die besondere Gabe,
aber auch die Herausforderung, denn es kann sich mitunter wie ein
Vulkanausbruch anfühlen, wenn der Puls losgeht und alles verändert.
Es ist der Kanal der sprunghaften Transformationen, wie ein Vulkan – der ewig
ruhig ist und dann plötzlich und unendlich kraftvoll aktiv wird. Unerwartete
Wandlungen, unerwartete Schritte. Viele Menschen mit diesem Kanal erleben
immer wieder Quantensprünge in ihrem Leben – und auch im Leben derer um sie
herum. Das ist keine einfache Energie – daher geht es darum, sie anzunehmen, zu
ehren. Aus Chaos neues Leben entstehen zu sehen.

Der Balanceakt mit diesem Kanal ist, in den Ruhephasen nicht in Depression oder
Melancholie zu verfallen, und wenn dann der Impuls kommt und sich alles
verändert, keine Panik zu bekommen.
Eine gewisse Melancholie findet sich meist bei Menschen mit diesem Kanal, sie ist
quasi mechanisch eingebaut (wie überall im individuellen Schaltkreis). Daher ist
Achtsamkeit im Umgang damit hilfreich, es braucht ein Annehmen, dass es so ist.
Wenn du dich nur darauf konzentrierst, dass etwas geschehen soll und doch
scheinbar nichts passiert, kann es sich wie eine Depression anfühlen. Wenn die
Gefühle einfach da sein dürfen, wird es ruhiger und das „nach Innen gehen“ kann
Tiefe und Ruhe bringen. Wie im Frühjahr, wo die Schneedecke noch alles verdeckt,
und man glaubt, es geschieht nichts. Aber irgendwann bricht sie auf, und mit einem
Mal wird sichtbar, wie viel unten drunter schon in Bewegung gekommen ist. Dann
kommt der Frühling mit aller Macht. Plötzlich, in dem Moment unerwartet.
Es wird für alle eine unglaubliche Energie fühlbar und zugängig. Dieser Kanal wirkt
nicht nur im Leben desjenigen, der ihn in seiner Körpergrafik hat, sondern strahlt
auch auf dessen Umfeld aus.
Menschen mit diesem Kanal ringen meist mit dem Stillstand und dem
quantensprungartigen Neuen – aber Kontrolle darüber gibt es nicht. Nur ein
Annehmen. Dieser Wechsel zwischen dem Adrenalin, das kommt, wenn es bewegt
wird, und der Pause (dem “einfach ausgeschaltet-Gefühl”), wenn nichts da ist, ist
eine Herausforderung. Diese beiden Extreme sind immer da – und vielleicht hast du
ja sogar einen Job, in dem es beides braucht: die Ruhe, das scheinbare Nichts-
Geschehen, und plötzlich, mit totalem Adrenalin und sakraler Reaktion dann der
Puls.
172
Das sind vielleicht Kinder, die entwicklungsverzögert scheinen und dann – fast über
Nacht – einen solchen Entwicklungssprung machen, dass sie alles auf- und sogar
überholen. Oder wie bei Claudia – sie lebte acht Jahre in einer Beziehung, die in
keinster Weise befriedigend war, aber so war das eben für sie. Ging zu ihrer sehr
unspektakulären Arbeit, tat alles, was „man“ so tut. Als ihr „Puls-Schub“ kam,
kündigte sie den Job und ging mit work and travel nach Australien, trennte sich von
ihrem Freund und lernte Fallschirmspringen. Alles innerhalb von wenigen Wochen.
Und ihr „langweiliger“ Lebenspartner kam gleich noch mit in die Gänge...
zumindest fing er das Studium an, von dem er immer geträumt hatte. Solche 360
Grad- Wendungen kann nur Kanal 3-60. Er ist einer der drei sogenanten Format-
Känäle (zwischen Wurzel und Sakral, sie bestimmmte über die Art, wie sich die
Energie in deinem System bewegt). Plötzlich und unerwartet, kraftvoll und wandeln
ist der Puls des individuellen Formats 3-60.

Und vielleicht noch als Beruhigung: wirkliche Sackgassen gibt es mit diesem Kanal
nicht – denn eine Tür zur Veränderung ist immer offen. Nur auf den Zeitpunkt hat
man keinen Einfluss.

Kanal 4-63 eine Verbindung von Kopf und Ajna


Ein Design geistiger Ausgeglichenheit, vermischt mit Zweifel Schaltkreis:
Kollektiv, Logik /Verstehen
Du hast die Fähigkeit, über dein Denken ganz viele Lösungen zu finden – und
gleichzeitig den Druck, eben das zu tun. Es denkt und denkt in dir. Und wenn du
dann einen passenden Gedanken, eine Lösung gefunden hast, beginnt es in dir,
diese wieder in Zweifel zu ziehen.
Du scannst die Zukunft, gleichst sie ab mit Erwartungen und versuchst, vorher
schon zu wissen, was passieren wird. Das führt natürlich dazu, dass du dir leicht
Sorgen machst. Da hilft ein liebevoller Blick und die Übung, sich klarzumachen, dass
die Vergangenheit nicht das Jetzt bestimmt - das Jetzt ist ein unabhängiger
Moment.
Für den Fall, dass dir das Denken und Zweifeln zuviel wird: Es kann helfen, anstelle
dieser kreisenden Gedanken zwei oder drei positive Sätze zu wählen (Z.B. „Ich
wähle Vertrauen“) und diese zu denken anstelle der alten Sorgen – das verändert
unser Gehirn und bringt Frieden. (Achtung: Man muss das lange tun, immer
wieder, aber nach ein paar Wochen zeigt es Wirkung! Es heißt von der
Hirnforschung nicht umsonst „ein sich selbst überlassenes Gehirn ist negativ“.

173
Aber da es gottseidank auch neuroplastisch ist, können wir es formen – durch das,
womit wir uns befassen.
Du hast die wunderbare Gabe, theoretisch und hypothetisch Dinge durchzuspielen
und so auch Wege zu finden, wie man mit Dingen neu und anders umgehen kann.
Du hast einen brillanten Geist, der durchaus in der Lage ist, hilfreiche Pläne und
Ideen in das Leben der Menschen zu bringen. Er braucht nur ab und zu einen
prüfenden Blick, ein Ausrichten auf das Gewünschte.

Kanal 5-15 eine Verbindung zwischen Sakral und Selbst


Der Kanal des Rhythmus. Ein Design, im Fluss zu sein. Schaltkreis: Kollektiv -
Verstehen
Besonderheit: 15 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Hier geht es um Timing und Rhythmus – DEIN Timing, DEINEN Rhythmus. Du hast
die Gabe, zu wissen, wann etwas „dran“ ist, ein inneres Gefühl, wann die Zeit
richtig ist, etwas zu tun. Eigentlich ist der Kanal ganz einfach – wenn du etwas zu
deiner Zeit tust, wenn dein Sakral mit Ja reagiert hat, wenn es für dich passend –
dann wird es gut.
Menschen mit diesem Kanal haben eine große Aura, eine Attraktivität, die einfach
durch die Lebendigkeit entsteht. Sie ziehen andere, sogar ganze Gruppen von
Menschen mit in den Fluss des Lebens hinein und lenken so indirekt die Richtung,
in die sie gehen. Somit wirkt jemand mit diesem Kanal, der in Harmonie mit sich
selbst ist, auf intensivste Weise auf sein Umfeld, bringt alle zusammen (z.B. auch in
Teamprozessen bei der Arbeit oder in der Familie). Genauso stark wirkt sich
natürlich auch aus, wenn er gerade nicht in Frieden mit sich und dem Leben ist.
Dieses Wissen, wann etwas „dran“ ist, kann sich ganz praktisch im Alltag zeigen,
z.B. wenn sie eigentlich zu spät dran sind wird plötzlich der Termin verschoben, so
dass es passt. Oder es stellt sich heraus, dass es gut war, zu warten.
Dieser Kanal ist ein weiterer der drei tantrischen Kanäle – er hebt Energie an auf
eine neue Ebene – und so kannst du eine höhere Ordnung herstellen, aus Chaos
Ordnung schaffen. In Notsituationen hast du einen beruhigenden Einfluss auf
andere, du bringst eine Klarheit und einen Rhythmus. Diese Wandlungsenergie in
dir öffnet einen neuen Blickwinkel, dir selbst und anderen, die mit dir sind.

174
Dein Rhythmus ist der Schlüssel zum Erfolg - was wahrscheinlich für dich persönlich
bedeutet, dass du nicht wirklich gut damit klar kommst, wenn ein anderer über
deine Zeit und deine Rhythmen bestimmt.

Kanal 6-59 – eine Verbindung von Emotionen und Sakral


Kanal der Fruchtbarkeit Schaltkreis: Stamm, Schützen
Es geht tatsächlich um Verbindung, Intimität, Vermehrung und Fortpflanzung – in
jeder Hinsicht. Also im ganz physischen, aber auch im übertragenen Sinne für
Projekte und Geschäfte. Dieser Kanal hat eine intensive Wirkung - eine
Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann.
Das ist für die „Betroffenen“ durchaus wichtig zu wissen, denn wahrscheinlich
kennst du das: Zum einen werden dir – völlig unabhängig von deiner Stimmung und
deinen Signalen – immer wieder eindeutige Avancen gemacht. Zum anderen aber
kann es vorkommen, dass wildfremde Menschen dich einfach ablehnen. Das hat
überhaupt nichts mit dir zu tun, sondern es ist eine mechanische Wirkung der
Energie von Tor 59 und besonders dann dem Kanal – er durchdringt die Aura der
anderen. Er piekt sie an, berührt, öffnet. Und wenn der Andere Themen/Probleme
im Bereich „Intimität“ hat, dann wird da „auf den Knopf gedrückt“ – und man
wehrt dich ab weil die Energie für diesen Menschen “zuviel” ist. Es ist nicht
persönlich! Es geht um Energie, sie wirkt einfach, neutral. Du hast keinerlei
Verantwortung für die Reaktion der anderen. Auch wenn das leichter gesagt ist als
gefühlt.
Du wirkst auf Andere – das kann leicht als ein „Flirten“ missverstanden werden, es
ist einfach ein Zeichen deiner Offenheit, und des Themas „Verbindung“. Kanal 59-6
gehört zu den Stammeskanälen – und ohne Intimität gäbe es kein Leben, keine
Vermehrung, kein Weiterbestehen. Wichtig für uns ist zu verstehen, dass diese
Energie ganz allgemein wirkt, es geht nicht um den Einzelnen, sondern um die
Erhaltung des Stammes. Diese Energie der Fruchtbarkeit wirkt in jeder Verbindung.
Es kann viel Gutes geschaffen werden – Verbindung, so konstruktiv möglich. Dafür
braucht es aber die Beachtung deiner größten Autorität – der emotionalen Welle,
in der die Wahrheit nur über die Zeit kommt. Lass dir Zeit, erlaube dir, zu warten,
bis Klarheit kommt. Es kann sein, dass du - trotz deiner emotionalen Natur - recht
stabil wirkst (ganz anders vielleicht als die eher dramatischen Auf´s- und Ab´s der
anderen Tore im Solar Plexus).
Dir tut es gut, wenn jemand nah ist, vielleicht dich in den Arm nimmt oder einfach
nur deine Hand berührt. Dann können sich Gefühle lösen, die Tränen fließen
einfach oder du lässt los in einer verständnisvollen Umarmung. Worte zu finden ist
für dich manchmal schwieriger, die richtige Nähe macht sie für dich dann auch
175
überflüssig. Auch in der Intimität mit einem Partner wird es für dich immer Phasen
des Anziehens und solche des Rückzugs geben - Tor 6 in den Emotionen, das auch
für den Hautwiderstand, den PH-Wert zuständig ist, regelt entweder deine
Bereitschaft und Hingewandtheit – oder eben den Rückzug, das Nein.
Tor 6 gilt als das Tor der Reibung – und auch hier ganz neutral: ohne Reibung gibt
es keine Intimität, keine Nähe. Um einem anderen nahe zu kommen braucht es
Echtheit: ich muss riskieren, mich nackt zu zeigen, ohne Maske – und der andere
auch. Paare, die nie streiten, kommen sich meist auch nie wirklich nah, man ist
höflich, aber nicht vertraut. Und wir alle kennen sicher den Effekt, dass wir uns mit
dem anderen nach einem reinigenden Streit oft besser verstehen. Das
Emotionalzentrum braucht diese Reinigung, die Sachen müssen „auf den Tisch“,
das fördert eine gesunde Beziehung sehr. Für eine 59-6 braucht es auch in Bezug
auf ihre Arbeit eine “Liebesbeziehung”, nur dann wird sie fruchtbar, nur dann
kommt dieser ganz Besondere Erfolg. Dann geht alles, was du tust auf beste Weise
dir und dem anderen “nahe” und erreicht.
Da es sich um einen Kanal im Stammesschaltkreis handelt, ist für dich immer
förderlich - in welcher Beziehung auch immer - eine Grundlage von Freundschaft
zu haben; das gibt die sichere Basis für den Erfolg.

Kanal 7-31 – eine Verbindung von Selbst und Kehle


Er nennt sich der Kanal des Alpha, es ist ein Führungskanal. Ein Design der
Führerschaft – im Guten wie im Schlechten Schaltkreis: Kollektiv,
Verstehen/Logik
Du hast die Fähigkeit, Menschen in eine gute und sichere Zukunft zu führen. WENN
du ihren Auftrag dazu hast! Es braucht das Kollektiv, das dich beauftragt, dann
folgen sie dir. Very sorry, aber auch Hitler (somit passend betitelt als „der Führer“)
hatte diesen Kanal, und es ist ganz sicher klar, dass er ohne den Rückhalt und
letztlich Auftrag des Volkes nie so machtvoll hätte werden können.
In diesem Kanal liegt die Kraft zu führen – im Guten wie im Schlechten. Du kannst
Menschen begeistern, dein Sprechen berührt und wirkt. Selbst wenn du einfach
nur dabei sein wolltest, wirst du oft in einer besonderen Rolle landen, wo du
sichtbar vorne stehst. Schau immer wieder auf die Leute, für die du sprichst –
warte den passenden Moment ab. Und ganz wichtig für dich: zu wissen, wohin es
gehen soll heißt nicht, alles auch selbst tun zu müssen! Der General lenkt die
Truppen, aber er kämpft nicht allein vorne an der Front und hebt den
Schützengraben aus. Er sagt, wo und wie, und die anderen setzen es um. Das ist
der Deal. Und nur weil du grundsätzlich führen kannst, heißt das nicht, dass du dich

176
vor jeden Karren spannen lassen solltest. Es muss stimmig sein, für dich und für das
Ganze.

Kanal 9- 52 – eine Verbindung von Wurzel und Sakral


Der Kanal der Konzentration - Ein Design der Entschlossenheit Schaltkreis:
Kollektiv, Verstehen/Logik
Es ist ein Kanal des intensiven Fokussieren-Könnens, der Entschlossenheit, der
Konzentration. Hier ist die Gabe, wie ein Bogenschütze zu warten, bis der rechte
Moment gekommen ist, bis alle Details stimmig sind und das Ziel erfasst ist. Wie
der Buddha, der in völliger Ruhe unter dem Bodhibaum saß – bis der Moment
gekommen war, zu handeln. Dann passt alles zusammen und alles fügt sich. Wenn
du warten kannst, bis dein Sakral anspringt, bringst du Unglaubliches zustande.
Es ist ein Format-Kanal. Das bedeutet, er hat eine große Wirkung auf die Art, wie in
deinem System die Energie gelenkt wird. Klar und fokussiert – wenn du in diesem
Zustand bist, hast du eine Wirkung nicht nur auf dich, sondern auch auf dein
Umfeld - kannst anderen behilflich sein, Zugang zu dieser Energie zu finden. Das ist
deine besondere Gabe. Es gilt wie eine Aufforderung, in deinem Frieden zu sein, in
deiner Mitte, dann kannst du den Fokus setzen und die Energie in die gewünschte
Richtung lenken. Das kannst du auch in Beziehungen einsetzen, dann hältst du
quasi das Ziel, das Gewünschte immer im Blick. Wahrscheinlich magst du es nicht
besonders, wenn man mehrere verschiedene Dinge von dir will, wenn du vieles
gleichzeitig tun sollst. Wenn du auf dein Leben zurückblickst wirst du sicher sehr
unterschiedliche Phasen erkennen können. In jeder von ihnen waren andere Dinge
wichtig und haben dann all deine Energie und Aufmerksamkeit bekommen.
In diesem Kanal kann es eine intensive, ja sogar besessene Energie geben, den
vollständigen Fokus auf eine Sache.
Besonders herausfordernd ist es daher für dich, wenn es nichts gibt, auf dass du
deine Aufmerksamkeit richten kannst, dann kann der Wurzeldruck schmerzhaft
sein. Alles, was Planung und Ausrichtung betrifft, liegt dir - Stimmigkeit, Perfektion,
Fokus.

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Kanal 10-20 eine Verbindung von Selbst und Kehle,
Der Kanal des Erwachens – ein Design der Hingabe an höhere Prinzipien
Integration
Besonderheit: 10 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Thema ist, die Liebe des Selbst (Tor 10) in das Jetzt (Tor 20) zu bringen - so können
Menschen mit diesem Kanal vorangehen und den Weg weisen. Sie zeigen einfach
durch ihr Sein, wie das Leben sein kann. Indem du verwirklichst, was in dir ist,
wenn du echt und authentisch bist, auf deine Weise in der Welt, wirst du ein
Vorbild der Integrität.
Man nennt diesen Kanal auch den Kanal des Gurus, der lehrt, indem er ist, wie er
ist und andere durch sein Sein ermächtigt, auch – auf ihre Weise – echt zu werden,
zu ihrer wahren Natur zu erwachen. Du magst wahrscheinlich Menschen nicht
besonders, die nicht ehrlich sind, da du den Anspruch hast, auf ethisch korrekte
Weise miteinander umzugehen. Es ist ein Führer-Kanal, der führt indem er
leuchtendes Vorbild ist. Hierin bestätigt sich dann, was der Hirnforscher Dr. Gerald
Hüther vermittelt: wir lernen durch Vorbild, Nachahmung und Inspiration.

Durch dein im Jetzt voller Selbst-Liebe leben inspirierst du andere, es auch so zu


tun. Meist sind Menschen mit diesem Kanal sich dieser Rolle gar nicht bewusst,
denn sie haben eine gewisse Unschuld, sie sind einfach. Aber das wirkt. Die
Bezeichnung „Kanal des Erwachens“ weist darauf hin, dass wir aus der Hypnose der
Konditionierung erwachen müssen, um ganz wir selbst zu sein – und das ist gar
nicht so einfach, denn unsere gesamte Erziehung und Prägung führt ja zunächst
dazu, dass alle möglichst ähnlich sind. Und dann “schlafen” wir – leben im
Mittelfrequenzbereich von täglicher Job-erfüllung und Fernsehabenden. Alleine
schon die Gegenwart so eines Erwachten und erweckenden Menschen mit Kanal
10-20 kann Veränderung bringen (daher auch Kanal des Gurus – im Darshan geht
es ja darum, in der Gegenwart eines Erwachten/Erleuchteten zu sein, um selbst
Entwicklung zu erfahren - womit ich aber ich nicht sage, dass jeder mit diesem
Kanal automatisch erleuchtet ist, es ist das Potential!)

Kanal 10-34 eine Verbindung zwischen Selbst und Sakral


Der Kanal der Erkundung – ein Design, den eigenen Überzeugungen zu folgen
Schaltkreis: Individuell, zentrieren
Besonderheit: 10 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen

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Dieser Kanal verbindet – im Potential - die Selbst-Liebe und Echtheit mit der
Reaktion für das Passende im Sakral. Das macht unglaublich authentisch darin, für
sich zu sein und zu handeln.
Du kannst andere damit inspirieren, indem du dir vertraust und folgst. Und wenn
du deiner sakralen Reaktion folgst, dann stimmt dieser Weg auch für dich. Das
heißt nicht zwangsläufig, dass er auch für andere passend ist, es geht immer um
dich. Wenn du nicht wirklich auf die echte sakrale Reaktion hörst, kann es zu
Sturheit führen („Ich mache es auf meine Art, egal was ihr sagt“). Gedacht ist es als
eine Führung aus der Liebe zu dir und der stimmigen Energie.
Im Ideal zeigst du wirklich, wie man sich wichtig nehmen kann, liebevoll für sich
sorgt und seiner individuellen Führung vertraut. Wichtig für Menschen, die mit
jemandem mit diesem Kanal zusammen sind: 10-34er müssen es sich recht
machen. Das sind keine Diplomaten. Kompromisse machen sie nicht oder falls
doch, werden sie nicht wirklich funktionieren. Und es kann egoistisch wirken,
dieses „auf sich selber schauen und für sich handeln“, so ist es aber nicht gemeint.
Es ist auch die Gabe, seine innerste Überzeugung umzusetzen, authentisch dem
gefühlten richtigen Weg zu folgen. „Ich muss einfach so sein“ – das sagen viele mit
diesem Kanal, mit denen ich gesprochen habe. Und das kann dann auch (z.B. für
die Familie dieses Menschen) gravierende Auswirkungen haben, aber es geht nicht
anders.
Wenn ein Mensch mit diesem so individuellen Lebensthema gegen diesen inneren
Aufruf des eigenen Weges lebt, kann es zu direkten körperlichen Auswirkungen
kommen. Der Körper – unser bester Freund – wird deutlich zum Ausdruck bringen,
dass etwas nicht stimmt. Das können Autoimmunstörungen sein oder andere
Warnsignale – als Erinnerung, dass Authentizität die einzig gesunde Lebensweise
für Menschen mit diesem Kanal sein kann.

Kanal 10-57– eine Verbindung zwischen Selbst und Milz


Der Kanal der vollendeten Form – ein Design des Überlebens
Integration Besonderheit: 10 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
In diesem Kanal ist die ganz grundlegende Intuition zu finden, ganz im Jetzt zu sein,
mit allem ausgestattet, was es zum Überleben braucht. Diese absolute
Gegenwärtigkeit hat etwas unglaublich Gesundes, unmittelbar mit dem Leben
verbunden. Diese Einzigartigkeit macht dich für andere faszinierend; viele Kreative,
Künstler, Architekten haben diesen Kanal. Sie sind völlig absorbiert in ihr Sein – und
schöpfen gerade durch diese Authentizität, die überhaupt nicht zu einem
potentiellen Publikum schaut, etwas völlig Einzigartiges.

179
Im besten Fall ist die Liebe zu dir selbst einfach eine Inspiration für dich – und alle,
die deinem Leben begegnen. Indem du liebst, was du tust (und tust, was du liebst)
kommt eine besondere Schönheit ins Leben. Es geht gar nicht so sehr um das
Ergebnis, wichtig ist die Reise des Schöpfens. Der Kanal heißt „vollendete Form“ –
das legt nahe, dass es nicht etwa nur ums „Klarkommen“ geht, sondern um die
größtmögliche Einzigartigkeit. Die Schönheit, die dadurch entsteht, so stimmig wie
möglich du selbst in deinem Körper zu sein.
Du bist jemand, der gut und sicher weiß, was man tun sollte, damit es gut ist. Wenn
alle am Tisch krank werden – du nicht. Du kommst einfach auch mit Dingen
„durch“, wo andere in Schwierigkeiten geraten. Du kannst dir vertrauen. Du
fürchtest aber wahrscheinlich, Fehler zu machen – daher ist es dir immer
angenehmer, wenn die Menschen haben wollen, was du tust und anbietest. Je
mehr du dem folgst, was dich glücklich macht, desto mehr inspirierst du auch
andere, es auch so zu tun. Es gilt, möglichen Perfektionismus im Auge zu behalten,
denn er kann verhindern, dass du eben diese Freude und Spontaneität auch
wirklich lebst.

Kanal 11-56 eine Verbindung von Ajna und Kehle


Kanal der Neugier – das Design der Sucher Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Hier ist die Öffnung für die Fülle von Gedanken und Geschichten, die zu dir
kommen. Im Mittelalter wärest du vielleicht ein Barde gewesen, ein
Geschichtenerzähler, der alles weitergibt, was gesammelt ist als Schatz der
Menschheit. Durch dich kommt Neues in die Welt, du hast eine Neugier, deinen
Horizont zu erweitern. Und du hast die Gabe, das alles so zu formulieren, dass es
deine Hörer auch hören wollen. Achte hier darauf, zu warten, bis sie es haben
wollen.
Du kannst das Leben selbst fassen mit deinen Geschichten und du wirst sicher ein
Leben lang reisen und erkunden, ob nun physisch oder im Geiste. Für andere kann
es manchmal ein bisschen schnell oder viel sein – aber für dich ist die Welt
faszinierend und du willst sie entdecken – und das Entdeckte weitergeben. Der
Bonus – du hast wahrscheinlich eine so interessante Art, dieses Wissen zu
vermitteln, dass man dir in den allermeisten Fällen gerne zuhören wird.
Du bist jemand, für den die anderen wichtig sind, denn wichtige Aspekte deiner
Suche sind Erneuerung, Verbesserung und die Erschaffung einer friedlichen Welt.
Und so ist das Weitergeben und Vermitteln dieses inneren Reichtums dir ein
Bedürfnis und eine Freude (und potentiell natürlich auch ein Schmerz – wenn es
gerade nicht möglich ist, weil niemand dir zuhört).

180
Kanal 12 – 22 eine Verbindung von der Kehle zu den Emotionen
Der Kanal der Offenheit – ein Design der geselligen Menschen Schaltkreis:
individuell, Wissen
Hier wirkt die Welle der Emotionen – Leidenschaft und Drama, Stimmungen und
Schwankungen, Melancholie, Glückseligkeit.
Du bist jemand, der ganz viel Gefühl in sich hat und es auch nach außen bringen
kann. Es ist ein individueller Kanal und so geht es wirklich um dich, auch um die
Stimmung, in der du dich befindest, denn diese trägst du nach außen in die
Gesellschaft, in der du bist. Du bist intensiv, du wirkst auf die anderen, du öffnest
diese Gefühle allein über dein Energiefeld in deinem Umfeld. Wenn es dir gut geht,
bist du mitreißend – dann sind alle gut drauf. Wenn du nicht in der Stimmung bist,
kannst du ärgerlich wirken. Wenn du keine Lust hattest, unter Menschen zu gehen,
wirst du nämlich genau diese Frequenz ausstrahlen. Also im Idealfall einfach
zuhause bleiben, wenn du gerade mies drauf bist. Es braucht Klarheit, nicht jeder
kann mit diesen überwältigenden Emotionen umgehen. (Denk daran: deine
Entscheidungen brauchen Zeit, siehe „emotionale Autorität). Denn wenn du klar
bist, kannst du ausdrücken, was du wirklich vermitteln möchtest und große
Auswirkung haben.
Du kommst mit anderen in Verbindung – du öffnest sie regelrecht – eine Gabe, die
der andere manchmal nicht „verstoffwechseln“ kann, die unter den passenden
Umständen aber auch ein grandioses Geschenk darstellt. Du erweiterst den
Gefühlshorizont der Menschen, Blockaden können sich lösen, Verständnisgrenzen
im Anderen fallen. Deine Offenheit öffnet auch den anderen.
In Tor 12 gibt es diesen „Sicherheitsschalter“, der Menschen mit diesem Tor und
Kanal manchmal einfach „stumm schaltet“, wenn das Umfeld nicht stimmt, dann
bekommen sie kein Wort heraus. Oder die Intensität der Energie führt dazu, dass
der Mensch stottert oder andere Sprachstörungen hat, dann will einfach zu viel auf
einmal kommuniziert werden. Menschen mit der 22-12 hören je nachdem, wie sie
sich fühlen – also macht es Sinn, z.B. für deren Partner, manche Dinge mehrfach
anzusprechen. (wirklich – es kann sein, dass die 22-12 gar nichts gehört hat!)
Diese Intensität kann sich in Formen künstlerischen Ausdrucks zeigen wie z.B.
Musik, Dichtung, Spiritualität. Als wenn eine höhere Ebene durch diesen Kanal mit
Ausdruck findet. Du erweiterst Menschen, wie ein Botschafter für intensives
Fühlen. Dabei kann es durchaus sein, dass dir selbst diese Gefühle gar nicht
auffallen, sie wirken im Außen.

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Kanal 13-33 eine Verbindung zwischen Selbst und Kehle
Der verlorene Sohn – ein Design des Zeugen Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Hier geht es um deine besondere Gabe, ein Zeuge des Lebens zu sein. Du hast
wahrscheinlich selbst viel erlebt, aber du sammelst auch die Geschichten der
Anderen. Menschen erzählen dir ihre Geschichte - das kann mitunter zu völlig
absurden Situationen führen, es ist wie ein unbewusst wirkender Magnet – die
Leute erzählen dir ganz persönliche Dinge – einfach so, mitunter beim Einkaufen
oder im Wartezimmer. Und du sammelst diese Geschichten, sortierst sie in dir –
daher braucht es immer wieder Zeit für Rückzug, das Alleinsein gehört zu diesem
Kanal dazu.
Aus den Lehren der Vergangenheit kannst du Weisheit ziehen und dann Rat und
Unterstützung geben. Du sammelst viele Informationen, hast eine große
Wissbegier. Das Besondere an dir: du kannst deine Informationen zur rechten Zeit
weitergeben, du kannst auf den rechten Moment warten. Aus der Weisheit
Führung anbieten. Es ist wichtig, Geheimnisse nicht zu früh zu enthüllen, das
Timing muss stimmen. Aus dieser Weisheit heraus kommst du dann auch in eine
Führungsposition, die Menschen hören auf dich und auf das, was du zu sagen hast.
Du kannst gut zuhören und hast ein klares Gefühl dafür, wo du selbst stehst, was
richtig ist und was nicht. Das hat etwas Magnetisches. Die Fülle der Weisheit wird
über dich gelenkt und zum passenden Zeitpunkt weitergegeben.

Kanal 16-48 eine Verbindung zwischen Kehle und Milz


Die Wellenlänge – ein Design des Talents Schaltkreis Kollektiv,
Logik/Verstehen
In diesem Kanal verbinden sich das durch Übung geschulte Talent und die Gabe der
Tiefe, die zu wahrer Meisterschaft führt. Du kannst unendlich viel – aber glücklich
wirst du, wenn du praktizierst, was du liebst. Wenn du etwas gefunden hast, auf
das du dich konzentrieren magst, dann gilt es, dieses immer wieder zu üben (das ist
ein Kanal des Wiederholens), dann kommt die Tiefe hinzu und damit die
Vervollkommnung.
Die perfekte Harmonie ist wie die „Möhre“, die dich immer weiter führen will. Dazu
kommt natürlich, dass es auch lebbar sein muss, dass ganz konkret auch genug
Geld reinkommt. Es wird immer Zeiten geben, in denen die Technik und das Üben
im Vordergrund stehen, und andere, wo die Tiefe deiner Gabe sich als Kunst zeigt.
Dann mag es sich anfühlen, als wenn du fliegen könntest, dann stimmt einfach
alles. Dann bist du eins mit dem, was du tust. Und das ist schon beeindruckend zu
sehen. Üben – Meisterschaft - Tiefe.
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Als Erinnerung: gut genug ist auch schon richtig klasse. Die Perfektion kann ein
guter Lehrmeister sein – aber es ist wichtig, die Balance zu halten, und zu
würdigen, was da ist und was du vollbracht hast. Dann wirst du – in einem Gebiet -
Meisterschaft erlangen. Das kann alles sein, von den perfekten selbstgebackenen
Plätzchen über das besondere, selbstgebaute Vogelhaus bis hin zu Musik oder
Malerei oder Weltraumforschung.

Kanal 17-62 eine Verbindung von Ajna und Kehle


Kanal des Akzeptierens – ein Design der Menschen, die organisieren können
Schaltkreis Kollektiv, Logik/Verstehen
Du hast die Fähigkeit, ganz wunderbar klar Informationen zu organisieren. Es geht
um Fakten und Details, um Logik, die du in dir aufbereiten und anderen vermitteln
kannst. Du hast die Gabe, alles was in deinem Kopf als Bilder und Vorstellungen
geordnet wurde so zu strukturieren, dass ein anderer sie verstehen kann. Ein
wunderbarer Kanal für Lehrer! Aber auch für Politiker – Thema ist eben das
sprachliche Erfassen und Vermitteln von Gedanken (nicht das konkrete Handeln).
Menschen mit diesem Kanal lieben es meist, sehr detailliert über alles zu sprechen,
was zu ihrem Verständnis einer Sache gehört, alles Für und Wider wird erörtert
(denn der Druck der Kehle, auf diese Weise zu sprechen ist ja immer da.) Mein Tipp
dazu: Achte auf dein Timing – damit dein Publikum auch hören mag, was du zu
erzählen hast, denn sonst entsteht Widerstand. Du bist sicher im Geschäftlichen
sehr gefragt, da du die Gabe hast, Geistiges zu ordnen und es strukturiert
weiterzugeben. Du magst Details und Informationen und wie sie sich
zusammensetzen. Lass dir Zeit, bis die Bilder in deinem Kopf sich in Sprache
übersetzen lassen und ehre deine Gabe für logische Organisation.

Kanal 18-58 eine Verbindung zwischen Wurzel und Milz


Kanal des Urteilsvermögens, Ein Design des Nichtzufriedenseins Schaltkreis
Kollektiv, Logik/Verstehen
Besonderheit: 58 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Es ist dir ein tiefes Anliegen, die Dinge zum Guten zu bringen! Und um das zu
erreichen scheint es oft, als würdest du mit einer Lupe durchs Leben gehen - du
siehst sofort, wo etwas nicht stimmt. Es sucht – und findet! - in dir ständig, was
verbessert werden könnte, damit es dann gut ist.

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Du hast die Gabe, ganz deutlich zu sehen, was eine Korrektur braucht. Das ist
zunächst einfach ganz neutral gemeint - denn dieser Kanal gehört in den
kollektiven Schaltkreis, ins Öffentliche. Da ist er super – und sieht z.B., wo ein
Notausgang verstellt ist, oder überprüft, ob ein Medikament schädliche
Nebenwirkungen hat. Grandios.

Aber im Privatleben macht dieser Kanal das Leben oft sehr herausfordernd, für dich
selbst und für deine Umwelt. Denn da braucht er eine Einladung – ein Hören-
wollen deiner Vorschläge. Denn der Kanal sieht ja nur, was nicht stimmt - das
bringt aber nicht unbedingt auch direkt eine konkrete Verbesserung – denn dafür
braucht es die Verbindung zum Kehlzentrum, dem Ort der Handlung (z.B. über den
im gleichen Schaltkreis weiterführenden Kanal 48-16). Und selbst das müsste
gewollt sein, um genommen werden zu können. Wichtig daher: es braucht eine
Einladung. Der andere muss haben wollen, was du siehst. Und das Positive wird
meist nicht erwähnt. Ich kann gar nicht oft genug betonen: Das ist keine böse
Absicht. Es ist wie der Fokus eines Laserstrahls, das zu sehen, was verbessert
werden müsste, damit es schön ist, damit die Freude von Tor 58 strahlen kann.
Daher: Nutze die Gabe des klaren Sehens – aber weder dir noch anderen tut es gut,
ständig kritisiert zu werden. Eine konstruktive Haltung darf geübt werden, auch der
innere Dialog darf überprüft werden, was sagt „es“ in dir? Eine gute Übung hierzu
ist, einfach mal vor Zeugen 10 Minuten alles auszusprechen, was es in uns denkt.
Das macht bewusst, und so kann diese Gabe der klaren Sicht heilend genutzt
werden. Wie ein Laser – super bei einer OP, aber nicht im Umgang miteinander.
Viele Sportler haben diesen Kanal. Dann gilt es, dieses ständige Streben nach Noch-
Besser, diese Unzufriedenheit im Blick zu haben, denn das kann sogar einen
Generator überfordern. Denn die Wurzel treibt mit Adrenalin. Eine gewisse
Unzufriedenheit ist eingebaut in diesen Kanal. Ein lohnendes Übungsziel kann sein,
Zufriedenheit zu finden mit der Unzufriedenheit, denn die ist immer da.
Annehmen, was ist als erster Schritt zu einem möglichen Wandel. Und tatsächlich
hilft es auch, sich klarzumachen, dass deine Wahrnehmung (zur Freundin ein “die
Frisur steht dir überhaupt nicht” u.Ä.) erst einmal einfach dein Geschmack sind –
und nicht eine völlig allgemeine Wahrheit darstellt. Auch, wenn es sich für dich
absolut so anfühlen wird. Ein “mir gefällt dein Haar länger besser” ist auch wahr -
und macht euer Miteinander sicher leichter. Die 18-58 liebt und braucht Dinge, die
sie verbessern, entwickeln kann, idealerweise also etwas, was sie gerne und immer
wieder tun mag, wie z.B. ein Instrument zu spielen oder Ballet zu üben, zu
programmieren, täglich, ein Leben lang.

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Kanal 19-49 eine Verbindung zwischen Wurzel und Emotionen
Kanal der Synthese – ein Design des feinfühligen Reagierens Schaltkreis
Stamm, Schützen
Zum einen bist du ein sehr empfindsamer Mensch, du fühlst, wie es einem anderen
geht. Dafür musst du ihn noch nicht einmal direkt vor dir haben, du spürst es in
seinem Feld. Zum anderen kannst du sehr feinfühlig berühren, du spürst Energien
und kannst sie lenken. (Wunderbarer Heiler-Kanal, Shiatsu, Reiki, Jin-Jin-Juitsu etc).
Weiterhin ist der Austausch ein Thema – deine Bedürfnisse und wie sie erfüllt
werden können, was du im Gegenzug tun kannst. Daher liegt dir das Geben und
Helfen nah – es sorgt schließlich dafür, die Chancen zu erhöhen, bekommen zu
können. Der Druck der Wurzel scheint dich manchmal einfach anzuschieben,
behilflich zu sein, zu berühren, zu heilen. (Oder eben auch gerade nicht!) Das kann
zu Verwirrung führen, welches deine Bedürfnisse sind und welche die der anderen.
Das kann so weit gehen, dass du spürst, dass der Andere nicht mit dem umgehen
kann, was du sagen oder tun willst, und dann nimmst du dich zurück.
Es braucht, dass du gut zu dir bist, gut für dich sorgst. Wichtig ist, dass genug
Nahrung (und andere Ressourcen) da ist, dass du – und deine Lieben – versorgt
sind. Es ist der Kanal der Hochzeit – es braucht Verbindlichkeit im passenden
Gefühl. Du kannst für die Familie, deinen Stamm, deine Leute sehr darauf achten,
dass alle haben, was sie brauchen, dass es eine sichere Basis gibt für euch. Hierhin
gehört auch die gleiche spirituelle Ausrichtung, es geht um das Zusammen-halten.
Daher sind Scheidungen / Trennungen für Menschen mit diesem Kanal sehr
schwer. Gemeinschaft ist dir wichtig, da liegt deine Gabe.
Wahrscheinlich bist du sehr empfindsam, was Kritik betrifft, dann bist du leicht
verletzt und ziehst dich zurück. Es kann lange dauern, bist du wieder auf den
anderen zugehen magst. Auch mit für dich nicht „passenden“ Menschen kannst du
kaum zusammen sein, die Vorstellung, ihnen zu nahe zu kommen, kann schon
körperlichen Widerwillen hervorrufen. Ehre deine Feinfühligkeit, sie ist eine
stimmige Aussage für dich – sie muss kein allgemeingültiges Urteil über die Welt
sein, um von dir beachtet zu werden. Und wenn für dich jemand nicht passend ist,
wird es kein Verhandeln geben (auch nicht im Selbstgespräch, ach ich sollte mir
einen Ruck geben), das geht nicht. Wenn es für dich nicht passt, kannst du nichts
geben, es geht einfach nicht.
Ein kleiner praktischer Tipp: eine gefüllte Vorratskammer oder ein gut
ausgestatterter Kühlschrank können sehr beruhigend auf Menschen mit diesem
Kanal wirken - es tut gut zu sehen, dass alles da ist, was gebraucht wird.

185
Kanal 20-34 die einzige direkte Verbindung vom Sakral zur Kehle
Kanal des Charisma – ein Design wo auf Wahrnehmungen Taten folgen müssen
Integration
Dies ist der absolut kraftvollste Kanal im Human Design, denn er verbindet das
„Powerzentrum“ Sakral mit dem Handlungszentrum der Kehle. Menschen mit
diesem Kanal sind meist am glücklichsten, wenn sie beschäftigt sind. Busy, busy,
busy. Sie sind dauernd unterwegs, haben immer irgendetwas zu tun. Und wenn sie
tatsächlich mal auf der Couch sitzen, kommt das Gefühl, etwas zu verpassen. Oder
tiefer die Angst: wenn ich nichts tue, kann ich nicht überleben.
Und es ist ja auch so, du hast grundsätzlich unendliche Kraft und Ausdauer. Aber:
mit diesem Kanal bist du der Inbegriff eines Manifestierenden Generators, und
trotz aller Energie braucht es – damit es für dich stimmig ist – ein Anspringen, die
sakrale Reaktion (Uhum, JA, ich will. Da habe ich „Bock drauf“). Denn wenn du
nicht warten kannst, wenn du initiierst, ist es oft nicht das Richtige, und dann
werden leicht Geld und Ressourcen verschwendet. (Hintergrund: anspringen kann
das Sakral nur auf ein Angebot des Lebens, also etwas, das „da“ ist. Wenn du aber
initiierst, ist es ja noch nicht „da“. Daher weißt du nicht, ob es das Richtige ist).
Jemand prägte hierzu mal den provokativen Satz „Kanal des kopflosen Huhns“ – so
kann es werden, wenn du dir nicht die Zeit nimmst, wirklich zu reagieren, mit
deiner inneren Autorität und Strategie. Für keinen anderen Generator ist es
schwieriger, nicht initiativ zu sein – denn hier ist ja so viel Energie im Sakral, die
sofort in Handlung umgesetzt werden könnte – die Verbindung von Sakral und
Kehle ist so verlockend.
Die Energie von Tor 34 ist individuell, es ist deine Kraft, Kraft für dich. Du kannst
schöpfen, so viel bewirken. Fast paradox: obwohl dieser Kanal vom Sakral ausgeht,
dem Zentrum von Arbeitskraft und Sexualität, kann es sein, dass Menschen mit
diesem Kanal viel zu beschäftigt sind und gar keine Zeit, keinen Sinn für Sexualität
haben. Aber da es immer beide Seiten der Energie gibt, kann es natürlich auch sein,
dass sie eben damit „busy“ sind und diese Fülle tätig leben. Doch das Grundthema
in diesem Kanal ist persönlich - und aktiv für das Eigene.
Wirklich problematisch kann es werden, wenn aus irgendwelchen Gründen dieser
Selbstausdruck nicht möglich scheint. Wenn man einen Weg geht, von dem klar ist,
dass er eigentlich nicht stimmig ist. Dann kann und wird diese Kraft sich nach innen
wenden und kann zu gesundheitlichen Störungen aller Art führen.
Kanal 34-20 bewegt, treibt an zu schöpfen. Das ist richtig so, darf sein. Der
wohlgemeinte Rat anderer „nun setz dich doch mal, ruh dich aus“ muss nicht
beachtet werden, wenn das für dich nicht stimmt. Nur achte darauf, dass es
wirklich deine innere Autorität und Strategie sind, die dich antreiben. Und jeder
186
Manifestierende Generator sollte die letzte Energie abends wirklich auch mit Ruhe,
„der Couch“ verbringen, dann kann die Regeneration in der Nacht gut erfolgen.
Eine kleine Geschichte zur Verdeutlichung: eine Reflektor-Klientin erzählte von
ihrer Schwester – Manifestierender Generator mit Kanal 34-20, die im Krankenhaus
gewesen war und nach der Entlassung bei ihr wohnte, um nach dem
Klinikaufenthalt versorgt zu sein. Doch abends stand die frisch entlassene
Manifestierende Generatorin (MG) in der Küche beim Abtrocknen. Die ja eigentlich
gesunde Reflektorin meinte (total müde am Abend ) – „He, ich bin da, um dir zu
helfen, aber ich muss jetzt ins Bett, ich mach das morgen, du sollst dich doch
ausruhen“. MG: „Ja, versteh ich, geh ruhig schlafen. Aber ich muss was tun! Ehrlich,
ich kann mich noch nicht ausruhen, dann werd ich verrückt.“ Die Energie ist
intensiv. Und sollte es im Leben eines Manifestierenden Generators nicht möglich
sein (bzw. scheinen), sie auszudrücken, kann sie sich nach innen wenden, dann
können Depressionen oder Autoimmun-Erkrankungen die Folge sein. Es ist wie ein
Dauerenergiestrahl, der wirkt, je nachdem wohin der Mensch ihn richtet. Und es ist
ein trauriger Anblick, so ein vom Nichtstun erschöpfter, deprimierter
Manifestierender Generator- Erbauer der Welt.
Generell jedoch gilt: Wenn die Energie stimmig für dich wirken darf: Grandios!
Ein Sonderfall: wenn in diesem Kanal die 34 das einzige aktivierte Tor im Sakral ist,
hört dieser Mensch keine Bauchstimme, er kann eine stimmige Reaktion nur an
der Aktivierung von Energie im Körper spüren.

Kanal 20-57 eine Verbindung zwischen Milz und Kehle


Kanal des Geistesblitz – Ein Design durchdringender Bewusstheit
Schaltkreis: Individuell, Wissen
Hier ist Intuition und Wahrnehmung pur am Werk, du bist absolut sensitiv und
diese Wahrnehmung darf dich durchs Leben führen. Du scannst die ganze Zeit dein
Umfeld – um herauszufinden, ob es auch sicher ist, ob du entspannt sein darfst, ob
du vorsichtig sein muss. Die 20-57 ist nicht leicht zu täuschen, du hörst schon an
der Stimme eines Menschen, ob alles in Ordnung ist, du nimmst sehr fein wahr. Die
Übung ist, nicht zu sehr alles zu prüfen, denn oft haben wir uns in der
Vergangenheit Muster angeeignet, die auf alter Angst beruhen – und die kosten
einfach sehr viel Energie. Als Beispiel: die besten Mimikleser sind Menschen, deren
Eltern Alkoholiker waren – denn da war es oft lebensnotwendig, das Zucken an
Vaters Auge zu sehen und sich rechtzeitig in Sicherheit vor einem Wutausbruch zu
bringen. Die Aufgabe der Milz ist es, das Überleben zu sichern – und hier wirkt Tor
57 mit der absoluten Wahrnehmung zusammen mit Tor 20 – dem Jetzt. Und das ist

187
auch die Übung, im Jetzt zu sein, und nicht in den Befürchtungen der
Vergangenheit. Die Frage: dient mir meine Vor-sorge?
Weil die 20-57 so viel mitbekommt, kann sie in Gesellschaft auch leicht abgelenkt
werden, sie nimmt so viel wahr und versucht dann, an allen Stellen zugleich zu
sein. Hier ist einfach wichtig zu wissen, dass du – vor allem, wenn du mit anderen
zusammen etwas entscheiden musst – nicht davon ausgehen solltest, dass sie alle
spüren, was du wahrnimmst. Es auszusprechen hilft. Die Führung dieses Kanals
kann auf andere auch befremdlich wirken, denn wenn jemand mit der 20-57 sich
wirklich folgt, kann es sein, dass er jemandem nicht die Hand gibt, ihn nicht zur
Begrüßung umarmt, einfach weggeht. Das ist keine persönliche Ablehnung des
anderen, keine Abneigung, es heißt nur, dass diese Person gerade für ihn nicht
passt.
Eine sinnvolle Übung mag sein, immer wieder in das Jetzt zu kommen – und wenn
er den anderen wahrnimmt, sich auf das Nötige zu beschränken. Die Vergangenheit
sollte nicht das Jetzt bestimmen dürfen, Sensitivität und Medialität als Gabe, nicht
als ein Muss und Zwang. Die Aufgabe dieses Kanals ist es, die Klarheit im Jetzt zu
finden. Dann ist die Gabe dieses Kanals beeindruckend, die absolute Wahrheit und
Klarheit für mein Leben - Jetzt. Dann öffnet sich dein System für die Schwingungen
des Feinstofflichen, dann bist du verbunden mit allen Ebenen und empfängst
intuitiv, was gerade stimmig ist. Menschen mit diesem Kanal sind meist sehr klang-
affin und haben die Begabung, sich auf andere Seinsebenen einzuschwingen.
Besonders in der medialen Arbeit ist dieser Kanal natürlich eine wunderbare
Grundlage.

Kanal 21-45 die Verbindung von Ego und Kehle


Kanal des Geldes ein Design der Materialisten Schaltkreis: Stamm, Ego
Es ist ein Kanal, der dich in Verbindung mit der Materie bringt. Du übernimmst
Verantwortung, du lenkst und leitest den Umgang mit dieser Energie. Im Idealfall
als Chef/in des Ganzen. Tor 45, der König, führt und lenkt, und die 21 mit freier
Hand weiß, wohin die Energie fließt. Im Idealfall sollte das Geschaffene dir und der
Gemeinschaft dienen. Wahrscheinlich findest du es schwierig, Verantwortung
abzugeben – und du bist ja auch sehr bereit, hart zu arbeiten, wenn es deiner
Führung und Form entspricht. Dennoch solltest du delegieren. Du lenkst die
Energie und kannst Ressourcen schaffen. Aber denk an die Pausen zwischen deinen
Schöpfungsakten. Denn das Ego ist gehalten, sich selbst zu sehen, und am
wichtigsten zu nehmen. Du tust, wenn du willst, wenn du liebst, wenn du Nutzen
davon hast. Nicht, um irgendetwas zu beweisen oder einfach um zu tun, es braucht
schon einen königlichen Sinn darin. Manche 45-21 bringt dieses Gefühl schon mit,
188
dann deklariert der Achtjährige ganz klar – ich bin der Chef. Nicht immer leicht,
dies dann mit den Lebensumständen in der Gesellschaft unter einen Hut zu
bringen…
Ganz sicher werden andere in deiner Energie immer etwas Besonders spüren, es ist
ja ein manifestierender Kanal (= ein Motor ist mit der Kehle, dem
Handlungszentrum verbunden) und so fühlt man einfach, dass wenn es nötig ist,
Herz/Wille und Handlung in dir vereint sind, du bist der Chef der Energie. (Früher
König/in, heute wahrscheinlich eher CEO, der Geschäftsführer).

Kanal 23-43 – eine Verbindung zwischen Ajna und Kehle


Kanal der Strukturierung – ein Design der Individualität – von Genie bis Freak
Schaltkreis: individuell, Wissen
Einsicht, Klarheit, Erkenntnis, Quantensprung.
Ein sehr spannender Kanal, denn du kannst neue Erkenntnisse, neues Wissen in die
Welt bringen und sie den Menschen vermitteln. Aber beachte: zum einen weißt du
selbst ja nicht vorher, was du vermittelst, was es durch dich sagen wird, und zum
anderen braucht es den richtigen Moment: denn das kennt sicher jeder von uns:
das noch so Richtige zum falschen Zeitpunkt wird als unpassend empfunden. Daher
warte, bis man dir zuhören will und kann.
Timing ist hier das Schlüsselwort. Denn du hast keine Kontrolle darüber, wann die
Inspiration kommt; manchmal bist du eher wie ein Gefäß, durch das dann Ideen
hindurchfließen. Und falls du schon mal etwas eher Unpassendes gesagt hast, kann
in dir der Versuch entstehen, vorher wissen zu wollen, was du sagen wirst - sorry,
keine Chance. Der Puls kommt – und dann wirst du es wissen, in dem Augenblick,
wo du es fließen lässt. Es kann sein, dass die Menschen das, was du sagst, nicht
beim ersten Hören verstehen, denn deine Botschaft ist neu, du kannst die Welt,
die alle für normal halten, total erschüttern. Es braucht Zeit für eine neue
Sichtweise, verstehbar zu werden. Ein Mensch aus dem Jahr 1850 würde sich
schwer tun, das Internet zu erfassen - da braucht es Vergleiche und Erklärungen.
Du bist ein Botschafter des Neuen und da hilft es, in die Geschichte
zurückzublicken, solche Menschen hatten es auch in der Vergangenheit nicht
leicht.
Der Kanal nennt sich auch „vom Genie zum Freak“ – denn je nachdem, wie bereit
dein Publikum ist, das Neue anzunehmen, unterscheidet sich die Bewertung.
Kinder mit diesem Kanal tun sich oft schwer in der Schule, denn sie müssen erst
einmal alles in sich aufnehmen, sich zueigen machen, auf ihre ganz eigene Art

189
prozessieren und können es dann, oft eben mit dem Eigenen verbunden,
weitergeben. Das passt nicht so gut ins alte Schulsystem und viele wurden
fälschlicherweise als langsam angesehen oder eben einfach nicht verstanden.
Manche helfen sich, indem sie einfach auswendig lernen, oder aber sich ganz
zurückziehen, unverstanden fühlen und einfach nicht mehr kommunizieren. Ein
Verlust für uns alle!
Du trägst in dir die Gabe, eine bessere Welt zu schaffen, kommst schon ins Leben
mit einer Vision dessen, was kommen kann; du kannst eine Brücke sein, vom Alten
in das Neue, den „Alten“ das Neue nahebringen. Dieser Kanal gilt als einer der
ermächtigendsten im Human Design, denn der Wunsch und die Fähigkeit in dir,
Verbesserung zu bringen, ist ständig da. Würdige dich, denn diese Ausstrahlung ist
ein Teil von dir. Das einzige, was es zu berücksichtigen gilt, ist das Wann, die
Vorbereitung eines Bodens für das Verständnis. Dabei kann es helfen, wenn du für
dich deine Erkenntnisse aufschreibst, ein Inspirationen-Tagebuch führst – dann
klärt sich manches schon im Vorfeld, und wenn du es dann weitervermittelst, ist es
für den Anderen leichter zu verstehen. Und wenn mal nichts „kommt“ – auch das
gehört dazu, denn dieses Inspirierte, Individuelle und Neue folgt seinen eigenen
Gesetzen – es ist nicht vorhersagbar.

Kanal 24-61 eine Verbindung von Kopf und Ajna


Kanal der Bewusstheit – ein Design der Denker Schaltkreis: Individuell,
Wissen
Menschen mit diesem Kanal haben immer wieder Eingebungen, fast mystische
Erkenntnisse. Es geht hier um die Geheimnisse des Lebens, darum, das Unfassbare,
Ungreifbare doch zu fassen und zu greifen. Durch Tor 61 in der Krone ist das ein
Druck, ein ständig wirkender Impuls, der auch bedrängend werden kann. Frage
einfach immer wieder mal nach: dient mir mein Denken? Wenn ja – grandios.
Wenn nein – nimm es an die Hand und führe es woanders hin. Lenke deinen Geist
an einen guten Ort. z.B. indem du dir wie ein Mantra immer wieder sagst:„ich
wähle Frieden“ – das bringt Ruhe. Klar ist – das braucht Übung, doch nach ein paar
Wochen „ich wähle Frieden“ kommt er auch immer mehr von selbst.
Manchmal weißt du Dinge einfach. Du erkennst etwas, hast eine Eingebung, kannst
sie aber nicht belegen. Und dann ist die Verlockung, durch das Denken
Begründungen zu finden für etwas, dass nicht begründet werden kann, weil es
einfach höheres Wissen ist. Die Gabe dieses so individuellen Kanals ist das intuitive
Wissen, es ist ein akustischer Kanal, ein inneres Hören und plötzliches Erkennen,
mit dem Satori der östlichen Mystik zu vergleichen. Ein Erleuchtungsmoment. Und
gerade weil es ein ständiges Suchen und Denken gibt, sehnt es sich in dir immer
190
wieder einfach nach der Stille. Musik kann helfen, diesen Druck des Denkens zu
entlasten. Oder du suchst dir ein paar hilfreiche Sätze, die dann das übermäßige
Denken beruhigen können. Denn unsere Gedanken schaffen ja neuronale
Verknüpfungen, die wiederum Neurotransmitter ausschütten, die unserer Art zu
Denken entsprechen. Sorgenvolles Denken macht sorgenvoll, ängstlich und dann
beginnt der Teufelskreis.
Eine Richtung vorzugeben kann hilfreich sein, denn auch darauf reagiert das
Gehirn. So wurde beispielsweise bei meditierenden Mönchen ein vergrößerter
linker Frontallappen festgestellt – und da „wohnen“ die guten Gefühle. Und die
Übung der Annahme – denn deine Inspirationen kommen mit dem Puls des
Individuellen – lange nicht und dann sind sie plötzlich da.

Kanal 25-51 die Verbindung von Ego und Selbst


Der Kanal der Einweihung – ein Design, Erster sein zu müssen Schaltkreis:
Individuell, Zentrieren
Besonderheit: 25 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Zum einen bist du ein Beweger, Inspirator, Erneuerer, Schockierer - du bringst
Wandel und Veränderung – in dir und anderen. Dieser Kanal wird oft in Verbindung
mit dem Schamanen gesehen – du bist wie eine Brücke zwischen der materiellen
und der spirituellen Welt. Du eröffnest neue Horizonte, neue Sichtweisen. Und
wirfst dich für diesen alchemistischen Prozess selbst mit hinein.
Einweihung – ein uns im Westen ja eher fremdes Wort, bedeutet, dass ein Mensch
in eine Situation kommt, in der er noch nie zuvor war, und für die es somit auch
keine Gebrauchsanweisung gibt. Er kommt mit unbekannten Energien in Kontakt,
die ihn berühren und wandeln, auf eine neue Stufe heben und bewegen. Diese
Qualität wirkt auf dich selbst, in und für dein Leben, aber auch auf alle, die mit dir
in Verbindung kommen. Es ist eine konditionierende Kraft, die diese Qualität zu
deiner Umgebung bringt.
Personen mit dem Kanal der Einweihung sind generell meist mit einem sehr soliden
Selbstbewusstsein gesegnet, sie können auf der Bühne stehen, sie mögen es,
sichtbar, vorne, erhöht zu sein. Es gibt ein Bedürfnis, „irgendwie“ Erster zu sein.
Wahrscheinlich magst du alles, was dich erhebt – ob nun ganz praktisch höher,
besser zu sitzen als andere, oder auf andere Weise eine erhabene Stellung zu
haben. Durch die gleichzeitig vorhandene Unschuld und Natürlichkeit in deiner
Energie nimmt dir das aber wahrscheinlich selten jemand übel. Bei Menschen mit

191
diesem Kanal ist eine besondere Ausstrahlung wahrnehmbar, als wenn die
universelle Liebe fühlbar ist – sogar für jene, die der Person kritisch
gegenüberstehen. Du kannst andere tiefer zu sich führen, über eine fast magische
Weise ins Unbekannte, Unbewusste hinein. Du selbst kannst die Energie nicht
herstellen, es ist eher ein sich Einlassen, ein Geschehen lassen dieser Prozesse.
Ganz wichtig ist die Beachtung von Strategie und innerer Autorität, ein nahe-bei-dir
bleiben.
Der Wunsch, Erster und Bester zu sein treibt Menschen mit diesem Kanal an zum
Wettbewerb, auf der Suche nach dem Durchbruch. Im Umgang mit anderen ist
wichtig zu wissen: Einweihung braucht Einladung. Es ist deine persönliche
Integrität, dein Mut, dich in Neues einzulassen, der dann wiederum anderen Mut
macht. Und durch deine Fähigkeit, mit dieser Transformation, mit dem Schock des
Übergangs umzugehen, bist du ein guter Begleiter für diese Prozesse.
Für alle sakral Offenen ist dies ein herausfordernder Kanal – denn der Wunsch,
Erster zu sein, kann euch weit über die Grenzen des Gesunden hinaustreiben – als
Beispiel ganz pragmatisch: erster im Job bedeutet dann: von morgens früh bis
abends spät. Für ein offenes Sakral potentiell lebensgefährlich. (Dann hilft nur das
Wissen: wirklich gesehen wirst du nur, wenn du das Deine lebst und tust, auf deine
Weise – nicht etwa das offene Zentrum bedienst. Die besondere Kraft des Kanals
liegt in seiner Frequenz, nicht im alles-selbst-tun).

Kanal 26-44 Verbindung zwischen Ego-Herz-Willenszentrum und Milz


Ein Design der Übermittler Schaltkreis: Stamm, Ego
Besonderheit: 44 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Hier geht es um die geschickte und passende Nutzung der Energie. Du hast die
besondere Gabe, etwas zu vermitteln oder zu verkaufen – ob nun Dinge, Ideen,
Vorstellungen oder neue Produkte. Du sprichst die Sprache deines Gegenübers,
findest die Worte, die ihn erreichen und berühren. Viele Filmemacher, Politiker
(und Autoverkäufer) haben diesen Kanal, denn er kann einfach Verbindungen
herstellen. Die Milz hat das „Näschen“ für die Erfolg versprechenden Projekte und
kann die Sachen an den Mann, an die Frau bringen. Natürlich braucht es ein
Gewollt-werden. Dann kannst du die Ware liefern – und im Austausch einen Wert
generieren. Es braucht einen Austausch, das ist gesund.
Wahrscheinlich magst du es nicht, brav acht Stunden am Schreibtisch zu sitzen,
denn oft schaffst du viel mehr in kürzerer Zeit und liebst es, Dinge auf deine Weise
zu tun. Du kannst Ideen umsetzen, so dass wirklich etwas daraus wird. Du tust sie
zwar vielleicht für dich, aber es dient einem größeren Nutzen - wenn wir bei dem
192
Beispiel des Autoverkäufers bleiben – auch wenn er für sich erfolgreich sein will –
der Verkäufer des Jahres sorgt dennoch dafür, dass auch die Firma gut dasteht. Es
ist ein Stammeskanal – und dient allen durch den Erfolg des Einzelnen. Und ohne
diese Energie der Übermittlung kommt selbst das beste Produkt nicht zum Erfolg.
Ideal ist für dich, wenn andere deine Gaben erkennen und du gebeten wirst, für sie
tätig zu sein.
Natürlich hat alles zwei Seiten. Es gibt durchaus auch eine manipulative Tendenz,
auf der anderen Seite eben das Eröffnen neuer Möglichkeiten, begeistern,
mitreißen, inspirieren. Durch die Aktivierung der Milz hast du einen besonderen
Bezug zum Jetzt, das richtige Timing. Du ahnst einfach, was stimmig und gut ist,
spürst intuitiv, was Menschen brauchen, oft lange bevor sie es selbst wissen. Du
sprichst manchmal recht locker, aber tief innen ist ein Bedürfnis, einen Beitrag zu
leisten für die Welt, du bist kreativ und führst die Dinge in die richtige Richtung, ob
nun Projekte, Beziehungen, Verbindungen. Achte auf das richtige Maß, denn es ist
die gesamte Energie, um die es geht (auch Geld ist Energie, aber eben nicht nur),
ideal ist, wenn es dir und dann allen dient. An dich zuerst zu denken – ein Gebot
hier, das nichts mit negativem Egoismus zu tun hat, sondern bedeutet ganz gesund
für dich: ich zuerst. Dann kann es auch anderen nutzen.

Kanal 27-50 die Verbindung von Sakral und Milz


Ein Design der Versorger Schaltkreis: Stamm, Schützen
Das ist ein nährender Kanal und es ist dir wichtig, zu nähren und zu unterstützen,
um andere am Leben zu halten, um sicherzustellen, dass der Stamm, die
Gemeinschaft überlebt und dass alles passiert, was es dazu braucht. Das kann ein
nährendes Kümmern sein, so wie Mutter Theresa, oder aber ein Bereitstellen der
Ressourcen als verantwortlicher Hüter, fast unpersönlich. Menschen vertrauen dir
und wenden sich an dich, wenn sie Unterstützung und Hilfe brauchen. Es kann viele
Formen annehmen, als Wächter der Gesetze einer Gruppe, wie ein Gewissen des
Stammes oder ein Versorgen von Alten und Kranken, Kindern und
Schutzbedürftigen.
Viele, die im Sozial- oder Gesundheitsbereich tätig sind, haben diesen Kanal. Es ist
dir ein Anliegen, zu unterstützen. Du nimmst die Werte, Gewohnheiten und
Vorschriften deines Systems auf, setzt sie ein, so dass es allen dient. Achte darauf,
dass du nicht für alle anderen mit arbeitest, oder alle anderen über dich stellst.
Denn du darfst und sollst vorangehen, durch deine Selbst-fürsorge Vorbild zu sein.
Nicht aufopfern!!! Du bist wichtig, denn wir lernen nur durch Vorbilder, und wenn
du gut für dich sorgst, bist du auch für die anderen heilsam. Hier gilt alles, was man
besonders in der energetischen Ausbildung lehrt: sorge gut für dich, dass du
193
bequem sitzt, gut versorgt bist – dann kannst du auch Heilung weiterleiten. Ein
bisschen so wie die Anleitung im Flugzeug: „Bitte im Notfall erst selbst die
Sauerstoffmaske aufsetzen, dann dem Hilfebedürftigen“. Wir lernen über Vorbilder
und Nachahmung. Ermächtigung zur Selbstfürsorge ist das Stichwort. Am besten ist
es, du lässt dich fragen - wenn jemand deine Hilfe möchte, sollte er den ersten
Schritt tun und darum bitten (denn es ist eine sakrale Verbindung - um für dich
korrekt zu sein, braucht es diese sakrale Reaktion – ein „Ja, ich mag etwas geben“).

Kanal 28-38 eine Verbindung von der Wurzel zur Milz


Kanal der Anstrengung – die Suche nach dem Sinn im Leben
Schaltkreis Individuell, Wissen
Besonderheit: 28 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Dieser Kanal verbindet zwei Tore, die sehr viel mit deiner persönlichen
Überzeugung zu tun haben. Du hast die Gabe und Kraft, wenn du etwas für richtig
erachtest, es zu verfolgen, dich mit aller Konsequenz für das einzusetzen, wovon du
überzeugt bist. Von der Wurzel kommt die Kraft und der Druck, für deine
Überzeugungen einzustehen, koste es, was es wolle. Du bist ein Kämpfer. (Was
auch bedeutet, ein gewisses Maß an körperlicher Aktivität tut dir gut, es ent-spannt
den Druck, unter dem du stehst. Vor allem falls du einen wichtigen Termin vor dir
hast, kann es sehr helfen, vorab ein wenig Sport zu treiben, du wirst entspannter
und ruhiger sein).
Du willst und musst dich entwickeln und weiterkommen, auf deine Weise, auf
deinem Weg. Das wiederum hat eine Auswirkung auf deine Umwelt. Neues in die
Welt zu bringen ist die Gabe und Wirkung dieser Energie. So wie es in der
Japanischen Schwertkunst die besten Schwerter sind, die unzählige Male
geschmiedet und gehämmert werden, so wirst du vom Leben in gleicher Weise
geprüft und musst dich beweisen. Du kennst es wahrscheinlich gar nicht anders –
und für manche ist ja schwierig leichter als leicht – denn das können sie. Du kannst
durch den stärksten Sturm gehen, da bist du trittsicher. Wenn etwas ungerecht ist,
verändert werden muss, dann bist du unbeirrbar, gehst voran und wandelst es.
Umgekehrt wirst du durch das Leben auf intensive Weise geprüft; alles, was du als
Entwicklungspotential mitbringst, muss ja getestet, auf Sicherheit untersucht
werden. Und so ist diese Herausforderung, die Anstrengung Teil deines Lebens – du
hast es anstrengend, und du kannst auch für andere anstrengend sein.
Idealerweise dient deine „Mission“ allen, denn du gibst nicht auf, egal was kommt
– und so kann das Neue durch dich in die Welt kommen. Es gab vor Jahren den Hit
„When the going gets tough, the tough get going“ – das beschreibt Menschen mit
diesem Kanal recht gut. Oder auch Frank Sinatras „My Way“. Denn für diesen
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Kanal gibt es nur den eigenen Weg, allen Widrigkeiten zum Trotz. Es geht um
Einzigartigkeit, dein individuelles Leben mit deinem ganz eigenen Sinn – und das
wiederum trägt bei zur Entwicklung der Menschheit, der individuelle Schaltkreis
öffnet neue Wege.
Für jene, die mit jemandem leben, der diesen Kanal hat: sie hören euch wirklich
nicht. Die 28-38er sind so sehr mit ihrem Weg beschäftigt, dass sie oft rein
akustisch nicht hören, was ein anderer sagt. Das kann natürlich mitunter sehr stur
rüberkommen. Jedoch ist das keine böse Absicht, es ist ihr innerer Fokus auf den
Sinn, das Ringen um das Wesentliche, das keinen Raum, keine Offenheit für
anderes lässt. Denn schließlich ist der Sinn in diesem so individuellen Kanal,
unbeirrbar durch das Bestehende etwas potentiell Neues in die Welt zu bringen.
Daher ist ihre Beharrlichkeit ist aus gutem Grund „eingebaut“, wenn es ein
wichtiges Ziel zu verfolgen gilt, darf man sich nicht ablenken lassen. Der Arzt in der
Notaufnahme, der gerade um das Leben eines Menschen ringt, kann nicht mal
eben ans Telefon gehen, um zu klären, ob er abends lieber Pudding oder Eis zum
Nachtisch möchte. Das ist keine Missachtung und nicht persönlich. Die Suche nach
dem Sinn kann natürlich auch dazu führen, Risiken einzugehen – ob nun beim
Besteigen des Himalaya zu Selbstfindung oder im Casino beim Roulett – wo man
wieder und wieder setzt, um mit einem gelungenen Wurf die Verluste der
Verangenheit auszugleichen und dem eigenen Tun doch noch einen Sinn zu
verleihen. Das kann die Firma sein, die vererbt werden soll und so
weiterbestehend Sinn-stiften soll oder ein potentiell zu großes Engagement mit
dem Wunsch, die Karriere der Kinder sinnvoll zu lenken. Klar ist, je mehr der
Mensch lernt, ganz authentisch er selbst zu sein, umso sinn-voller wird alles, was er
tut und teilt – denn wirklich uns selbst gibt es nur ein einziges Mal.

Kanal 29-46 eine Verbindung von Sakral und Selbst


Der Kanal der Entdeckung – ein Design erfolgreich zu sein, wo andere versagen
Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Besonderheit: 46 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Hier geht es um Hingabe, ein sich Einlassen auf die Erfahrung und Entdeckung des
Lebens. Es fällt auf, wenn jemand mit diesem Kanal den Raum betritt. Es ist eine
Ausstrahlung von Entdeckung, Energie, Lebendigkeit.

Wichtig ist für dich, alle Erwartungen loszulassen, dich auf das Erleben einzulassen.
Wir alle wollen natürlich gern wissen, was bei einem Projekt herauskommt – aber
das geht hier nicht. Es geht um das Einlassen auf das Erleben. Wenn die Erwartung
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losgelassen ist – dann erst bewegt sich die Energie auf die diesem Kanal
innenwohnende „magische“ Weise. Alles steht und fällt mit der stimmigen sakralen
Reaktion, und das braucht Übung, denn das wunderbare Tor 29 möchte ja immer
gern JA sagen. Da es dazu noch die Fähigkeit hat, auch schwierige Umstände
durchzuhalten, ist es besonders wichtig, dass es dann wenigstens die für dich
richtigen sind! Sonst kannst du dich darin gefangen fühlen. Denn dein Ja zählt ja,
du hältst dann durch, egal ob richtig für dich oder nicht. Hinzu kommt, dass du alles
immer sehr körperlich fühlen wirst – Tor 46 sorgt für diese direkte Verbindung zum
fühlenden Erfahren, dein Körper lehrt dich und wird deutlich machen, falls du nur
vom Kopf her ja gesagt hast, und du Dinge tust, die für dich nicht stimmig sind.
Mit diesem Kanal setzt du aufs Ganze, gehst dem fernen neuen Land entgegen,
ohne zu wissen, was werden wird. Es ist einer der tantrischen Kanäle, es geht
darum, Energie zu wandeln und zu erhöhen. Du kannst auch anderen Menschen
behilflich sein, mit ihren Projekten „in Gang“ zu kommen, weil du selbst so
hingegeben sein kannst. Du kannst dich auch in deinen Erfahrungen und Projekten
verlieren, in diesem Wirbelwind von Entdeckung. Am Ende kommt dann das Glück
dazu – es gibt den Satz zu diesem Kanal „Erfolg haben, wo andere versagen“. Aber
– als zweite Seiten der Münze sozusagen – auch die Möglichkeit zu „versagen, wo
andere Erfolg haben“ (falls es nicht stimmig war). Aber mit Tor 46 kommt immer
auch eine Extraprise Glück und Erfolg – also erstmal mit stimmiger Reaktion
einlassen – Erwartungen loslassen – durchhalten – und den Erfolg genießen.

Kanal 30-41 eine Verbindung von Wurzel und Emotionen


Der Kanal des Erkennens – ein Design fokussierter Energie
Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Besonderheit: 41 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Willkommen zu den Emotionen. Du hast unendlich starke Ideen, Visionen für das
Leben und die Welt. Die Wurzel drängt – hin zum Gefühl. Es ist dir wichtig, auf eine
bessere Zukunft zu vertrauen, in der etwas Neues in die Welt kommt, Menschen
besser miteinander umgehen.
Es mag ein vertrautes Ringen in dir geben: du willst das Positive, aber das Negative
kann schwierig sein – daher ist es manchmal leichter, sich mit anderen
zusammenzutun. Es braucht auf jeden Fall immer das (so unbeliebte) Abwarten,
denn die emotionale Klarheit kommt nur über die Zeit. Und Tor 41 in der Wurzel,
das Tor vom Beginn der menschlichen Erfahrung, unser genetisches Startcodon, hat
unglaubliche Ideen und Visionen. Hier sitzt das Sehnen nach all dem, was die
menschliche Erfahrung zu bieten hat, ein echter Hunger nach Erfahrung. Hier

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startet die Erkundung, die sich dann mit Kanal 36-35 fortsetzt – um letztendlich in
Weisheit zu münden (der Weg kann lang sein).
Tor 30 sehnt sich nach dem Schönen, das wieder und wieder gefühlt werden soll –
da braucht es Klarheit. Und vor allem ein Loslassen der Erwartung, sonst ist das
Leiden vorprogrammiert, dann kommt Enttäuschung. Stell dir gern alles vor, was
du ersehnst und erhoffst, aber dann übergib es – zum höchsten Wohle aller – an
welche spirituelle Stelle auch immer. Und lass los. Doch bitte (bitte!) – versuche
nicht, es herzustellen, denn wenn du das ganze Sehnen hineingibst und nicht
loslässt, dann führt der Druck der Wurzel zu großem Schmerz. Genieße dein
Träumen, lass es andere inspirieren und lass das Leben sich entfalten. Der Satz
„Möge dieses oder etwas Besseres geschehen“ kann helfen, dann bleibt die
Erfahrung frei.
Diesen Kanal zu haben kann sich anfühlen, wie auf dem Drachen zu reiten - es
drängt und tobt und dennoch gilt es zu warten bis Klarheit kommt, denn sonst
bringt man sich mit intensiven Emotionen von Drama zu Drama. Die Krise ist ein
Teil dieses Kanals, und weiterführend auch von Kanal 36-35, das ist einfach die
Übungsenergie. Aber wenn es dir gelingt, nach und nach wirklich zu unterscheiden,
was genussvolle Vision und was umgesetzte und erlebte Erfahrung sein soll, kannst
du voller Weisheit das große Kino der Inkarnation genießen.

Kanal 32-54 eine Verbindung von Wurzel und Milz


Der Kanal der Transformation – das Design, getrieben zu sein / Aufsteigen und
transformieren Schaltkreis: Stamm, Ego
Das Bedürfnis, etwas wachsen zu lassen, selbst zu wachsen, zu transformieren,
Erfolg zu haben ist ein zentraler Teil in dir. Der Wunsch, Anerkennung zu finden
wirkt als Motivator – im Idealfall so, dass die anderen deinen Beitrag auch sehen
und ehren. Der Drive in dir ist extrem stark – um Erfolg zu haben bist du immer
bereit, mehr und härter zu arbeiten als alle anderen – da gilt es, achtsam auf sich
zu schauen. Die Falle, ein Workaholic zu werden, ist für Kanal 54-32 groß. Du
bringst Transformation – auf jeder Ebene, auch im Spirituellen geht es für dich um
Entwicklung und Erweiterung (mit der vierten Linie in Tor 54 ist Erleuchtung das
Thema).
Auch zu diesem Kanal gehört zu wissen, was dient. Wer sich an „Ein Mann will
nach oben“ von Fallada erinnert, Karl Siebrecht verkörpert die Energie dieses
Kanals: alles tun, jede Anstrengung auf sich nehmen, um weiterzukommen. So liegt
auch die Bereitschaft, günstige Umstände zu nutzen in diesem Kanal, zum Beispiel
das Nach-Oben-Kommen durch dienliche Allianzen zu fördern (als aufstrebender

197
Junior die Tochter vom Firmeninhaber zu heiraten - dieses Klischee zeigt, was
gemeint ist).
Wichtig: es braucht ein Gleichgewicht, ideal ist, wenn dein Tun gleichermaßen dir
und den anderen dient. Die Mischung aus Vertrauen, Geschehen-lassen und deiner
Entschlossenheit ist das Erfolgsrezept. Ehre deine Energie, teile deine Träume mit
jenen, die sie auch zu schätzen wissen. Dann kommt Unterstützung und es wird
produktiv. Es braucht das Im-Austausch, in Verbindung mit Anderen sein. Das ist
kein Rambo-Kanal. Wenn durch Andere würdigende Unterstützung kommt, kann
Wunderbares bewirkt werden.

Kanal 34-57 die Verbindung von Sakral und Milz


Der Kanal der Macht – ein Design des Archetyps Integrationskanal – mehr als
Individuell
Das ist der Powerkanal schlechthin. Die Power aus dem stärksten Tor im Sakral in
Verbindung mit der absoluten Wahrnehmung im Jetzt. Du hast die Fähigkeit zu
überleben, intuitiv das Richtige zu tun, im Augenblick zu sein in deinem Körper,
sehr präsent.
Du ahnst, hörst, spürst, worum es gerade geht – absolute Kraft gepaart mit großer
Sanftheit und Intuition – und du bringst Leben, Lebendigkeit, Veränderung in das
Leben der Menschen oder in Projekte. Es heißt, dass Margaret Thatcher diesen
Kanal hat – und sie hat ja damals mit einer unglaublichen Kraft das ganze Land
verändert (egal, wie man sonst politisch zu ihr steht), es ist einfach eine
umwälzende, alles bewegende Energie, vor allem, wenn das Thema „Überleben“
angesprochen ist.
Ein Klient bestätigte diese Geschichte – seine kleine Tochter mit Kanal 34-57 sprang
aus Angst vor einem bissigen Hund aus dem Stand auf einen Tisch – rein physisch
eigentlich nicht nachvollziehbar. Aber Kanal 34-57 macht alles möglich. Oder meine
Mutter, eine eher vorsichtige Fahrerin, hatte in den 1960er Jahren im Winter einen
Unfall mit dem Auto. Sie rutschte einen tiefen Abhang hinunter. Legt sofort,
äußerlich völlig cool, den Rückwärtsgang ein und brachte den Wagen wieder auf
die Fahrbahn. (Danach ist sie allerdings ein Jahr nicht mehr Auto gefahren). In der
akuten Situation können Menschen mit der 34-57 kurz „mal eben“ Superkräfte
entwickeln und über physische Grenzen hinauswachsen. Denn: es geht um ihr
individuelles Überleben. Und auch wenn die Individualität eines Menschen mit
diesem Kanal bedroht ist, er sich anpassen soll, sich zurücknehmen, kann es zu
einer Explosion von Tor 34 – „Macht, Kraft, Gewalt“ kommen, dann wird sehr
deutlich eine Grenze gezeigt: “Hallo, so nicht mit mir, ich bin, wie ich bin“!

198
Es ist dir vielleicht ein Bedürfnis, Dinge zu tun, die das Leben verbessern, etwas
Gutes zu bewirken. Aber Priorität in allem ist: es muss für dich passen. Das ist der
Imperativ der Milz. Es darf und muss um dich gehen, 34-57 ist ein grundlegend
persönlicher Kanal – es geht um dein Überleben, deine Bedürfnisse, dein
Wohlbefinden. Dadurch belebst du, inspirierst und zeigst, wie man im Jetzt leben
kann, in völliger Annahme des Augenblicks. Wie in allen Kanälen der Integration
und des individuellen Schaltkreises gibt es Zeiten der Melancholie, des sich alleine
und so anders Fühlens – doch auch diese gilt es einfach anzunehmen, im Jetzt.
Denn auch hier gilt – es wird sich wandeln. Und wenn es ein Sakrales Uhum, ein Ja
als Reaktion gibt, das im Jetzt stimmig ist, wirst du zwar nicht direkt Tote zum
Leben erwecken, aber beinahe.
Da kaum ein anderer Kanal so intensiv mit dem eigenen stimmigen Weg verbunden
ist füge ich an dieser Stelle eine kleine Warnung ein: diese Verbindung ist
machtvoll, für das eigene Überleben. Somit haben diese Menschen ein sehr
schlagkräftiges Immunsystem – der Gegner wird “plattgemacht”. Wenn das aber
nicht zugelassen wird, tobt diese Energie ja dennoch mit Macht im System, sie darf
nur nicht heraus,
das kann gravierende Folgen haben, denn sie kann sich gegen uns selbst wenden.
Wenn jemand mit der 34-57 etwas im Leben tut, was langfristig ganz und gar nicht
richtig für ihn ist, kann der Körper extrem heftig reagieren, ob mit einer
Autoimmunerkrankung oder ähnlich intensiver Symptomatik. Hier am Beispiel von
Dorothee erläutert: Sie hatte ihr ganzes Leben von eine Stelle im Forschungslabor
in Kanada geträumt und alles dafür getan. Endlich war es soweit, sie bekam den
Vertrag. Zeitgleich erkrankte ihre Schwiegermutter und Dorothee stimmte
widerwillig zu, nach Thüringen zu ziehen und sie dort zu pflegen, die
Forschungsstelle sagte sie ab. Nur kurz danach erkrankte sie selbst schwer an einer
Autoimmunstörung. Ich schreibe das nicht um jemandem Angst zu machen,
sondern um zu verdeutlichen, dass unser innerer Kompass uns dienen will und wir
nur durch ein authentisches, uns gemäßes Leben wirklich auch anderen hilfreich
sein können.

Kanal 35-36 eine Verbindung von Emotion und Kehle


Der Kanal der Vergänglichkeit – Ein Design des Hans Dampf in allen Gassen
Schaltkreis : Kollektiv, Sinnfinden
Wow, was für eine Reise! Es gibt in dir einen so intensiven Impuls, wirklich alles zu
erleben, zu entdecken, zu fühlen. Immer mit dem Ziel, DAS EINE, Besondere,
Richtige zu finden.

199
Die große Verlockung für Menschen mit diesem Kanal ist, nicht zu warten bis die
emotionale Welle durch ist, bis Klarheit kommt, sondern impulsiv aus dem
Augenblick heraus zu handeln. Das kann dazu führen, dass du dich in wirklich jedes
Abenteuer stürzt, ob nun Indiana-Jones-mäßig oder mit dem nächsten hübschen
Mädel/Typen, das/der vorbeikommt. Denn es glaubt ja in dir immer wieder
„das/die/der ist „es“ jetzt, und für den Augenblick mag das stimmen – nur kurz
danach, wenn die Welle weitergelaufen ist, wahrscheinlich schon nicht mehr.
Das dramatische Auf und Ab ist Teil der Energie dieses Kanals - du willst Neues, du
willst Veränderung. Das kann Beziehung schwierig machen, gerade weil es in
diesem Kanal diese sexuell-romantische Komponente gibt, die ewige Suche.
Grundsätzlich steht dahinter der Antrieb, Neues zu entdecken – für das Überleben
der Spezies ist das sehr dienlich, für das persönliche Glück nicht unbedingt.
Für Menschen mit diesem Kanal sind Dramen und Krisen „eingebaut“, sie gehören
zum Leben dazu – und haben eine Wirkung auf andere, die mit ihnen
zusammenkommen. Die explosive Kraft von Tor 36 neigt dazu, sich in alles
hineinzustürzen und sich völlig verlassen zu fühlen, wenn „es“ nicht geklappt hat,
wenn die Erfahrung sich als nicht so wie gewünscht erweist. Das kann intime
Beziehungen schwierig machen (wichtig, das ist ein Aspekt, aber er wird sicher
nicht von jeder 35-36 so gelebt!), entweder der Partner einer 36-35 macht mit bei
diesen Abenteuern und merkt zu spät, dass ihm dies nicht entspricht, oder er kann
mit den Krisen, die damit einhergehen, nicht umgehen. Für jemanden, dem Treue
wichtig ist, kann die Beziehung zu einer 36-35 schwierig und schmerzhaft sein,
denn die Suche nach emotionalen Erfahrungen hat für diesen Kanal oft eine
sexuelle Komponente – was für alle Beteiligten oft zu Enttäuschungen führt.
Was helfen kann: Es geht bei diesem Kanal um DICH, um das, was die Welt mit dir
macht, weniger um den Anderen. Um die Weisheit, dass es letztendlich nicht das
Heilbringende im Außen ist, sondern dass es um einen inneren Prozess und
Reichtum geht, um die Fülle all des Möglichen – und den Frieden, der weiß, dass
nicht das Haben-müssen und im-Außen-suchen zum Ziel führt, sondern die innere
Erkenntnis. Weisheit liegt darin, unterscheiden zu lernen, welche Erfahrungen dich
wirklich rufen, mit deinem Wesen resonnieren. Alles „mitzunehmen“ macht dich
nicht satt, es führt von dir weg. Es geht um die Bereicherung des Wesens, die Tiefe
zu vergrößern. Am Ende kann ein Mensch stehen, der die Welt kennt, der alle
menschlichen Gefühle kennt und aus dieser Erfahrung weise geworden ist. Der
Reife und emotionale Tiefe entwickelt hat und das Leben annehmen kann, so wie
es ist. Ein echter Krisen-Experte.

200
Kanal 37-40 die Verbindung zwischen Emotionen und Ego-Herz-Willenszentrum
Der Kanal der Gemeinschaft – ein Design von einem Teil, der das Ganze sucht
Schaltkreis: Stamm, Ego
Besonderheit: 40 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Hier geht es um Gemeinschaft, um Gerechtigkeit und den Umgang miteinander. Du
bist ein sehr verlässlicher Mensch, dein Wort hat Wert. Du magst den persönlichen
Umgang, in Verhandlungen den direkten Kontakt. Wenn du die für dich richtige
Gruppe findest, wo Ehrlichkeit und Fairness herrschen, wo es Loyalität gibt, bist du
am richtigen Ort. Langzeitbeziehungen, die für beide erfüllend und von Vorteil sind,
finden sich hier.
Ein anderer Name für diesen Kanal ist auch der Ehevertrag – es wurde verhandelt
und beide Seiten hatten einen Vorteil davon. Du hast die Fähigkeit, für die
Gemeinschaft tätig zu sein und das Passende zu liefern. Für dich liegen Freude und
Liebe darin, für das große Ganze etwas zu tun – und im Idealfall dafür gewürdigt
und geschätzt zu werden. Was es zu beachten gilt: Von deiner Seite aus wird oft
das Gefühl bestehen, man habe doch einen klaren Deal – ohne darüber zu
sprechen. Dann kann es passieren, dass dies dem anderen nicht bewusst ist, er sich
nicht daran hält, was dich immer tief treffen wird.

Bei Kindern mit diesem Kanal kann man klare Absprachen treffen, das ist einfach
für sie. Menschen mit der 37-40 lieben Verlässlichkeit, am liebsten per Handschlag
besiegelte Absprachen, sie sind herzlich, das Menschliche ist wichtig. Das Bild des
Kanals ist: Gemeinsam etwas bewegen! Du schätzt eine Ethik im Umgang
miteinander und es trifft dich wahrscheinlich tief, wenn das nicht eingehalten wird.
Es kann großen Schmerz machen, wenn eine Absprache nicht eingehalten wird,
und dafür hast du überhaupt kein Verständnis. Aber wenn der Deal stimmt bist du
verlässlich, ausdauernd und mit ganzem Herzen dabei.
Dieser Kanal als Teil des Kreuzes der Planung hat unser Leben in den letzten
Jahrhunderten massiv bestimmt - er hat eine Wirkung auf das Zusammenleben der
meisten Menschen. Denn er bringt für beide Seiten einen Nutzen. Ich fahre z.B.
immer extra durch die halbe Stadt zu einem Friseursalon, denn man kennt mich da,
der immer gleiche Friseur hat sich die Millimeterzahl für meinen Haarschnitt
gemerkt und ich brauche nichts zu erklären. Das ist angenehm, fühlt sich freundlich
und wertschätzend an – und er hat eine treue Kundin, die sich auch von der 1.5
jährigen Dauerbaustelle (darin ist Wuppertal echt gut) vor seiner Tür nicht berirren
lässt. Oder man hat einen Laden, in dem man einkauft, weil es so vertraut ist,
unabhängig vom Preis. Für manche ist es auch das Urlaubsziel, wo man fast ein
201
zweites Zuhause hat. Solche Deals machen das Leben leichter, sie haben sich
bewährt.

Kanal 39-55 eine Verbindung zwischen Wurzel und Emotionen


Der Kanal der Emotion – ein Design der Launenhaftigkeit
Schaltkreis: Individuell, Wissen
Besonderheit: 55 ist ein Liebestor, siehe Kapitel Beziehungen
Es geht um intensivstes Gefühl und das Auf und Ab einer Welle; höchste Höhen,
tiefste Tiefen. Wie Ra sagt: from joy to pain and back again - von der Freude zum
Schmerz und wieder zurück. Von Lebensfreude zu Lebensenttäuschung. Das Glas
ist halb voll, und kurz danach halb leer. Das will erst mal einfach nur angenommen
sein. Es ist eine Bewegung der Stimmungen und wenn du in einer davon bist, gibt
es auch wenig, was das verändern kann. Aber: Musik hilft, du hast eine starke
Affinität zum Klang (natürlich auch zum gesprochenen Wort, zum Tonfall).
Du hast eine außergewöhnliche Kreativität, die wahrscheinlich besonders in
melancholischen Phasen aktiv wird; wer glücklich ist, schreibt meistens keine
Gedichte. Es ist nicht ganz so leicht, das Gefühl aus dir heraus zu bringen - dann
sucht es den Kontakt mit der Welt, dem Anderen. Du kannst den Anderen
provozieren - entweder zu der passenden Stimmung oder um herauszufinden, wie
er „tickt“ - auf diese Weise sortieren sich die für dich passenden Menschen aus.
Deutlich gesagt: wer sich durch dich auf unangenehme Weise provoziert fühlt, ist
nicht passend für dich, ganz einfach. Natürlich hat die Stimmung, in der du dich
befindest, großen Einfluss auf das, was du im anderen bewirkst – um die
gewünschte Wirkung zu haben, musst auch du dich in der dafür passende Frequenz
befinden. Und wenn du gerade nicht gesellig bist – genieße einfach deine Zeit mit
dir alleine, das ist besser für alle.
Lerne, deine Stimmungen zu achten, zu respektieren, dass wenn du dich nicht
danach fühlst, weder Gesellschaft, Essen, Berührung oder Arbeit passend sind. In
der gesunden Form kann die Tiefe deiner Gefühle dich zu einem authentischen
Leben führen – und die traurigen Gefühle können in Kunst und Poesie oder auf der
Bühne eingesetzt werden. Wenn aber diese Bandbreite nicht da sein darf, verlagert
sich die Energie und es mag sein, dass du versuchst, die melancholischen Zustände
mit Süchten aller Art wie z.B. Essen, Drogen und ähnlichem zu lösen. Heilend ist
hier die Beschäftigung mit deiner Verbindung zur Quelle, zu jener Kraft, die allem
zugrunde liegt, wie auch immer du sie nennen willst. Wenn du Vertrauen haben
kannst, dass alles zu dir kommt, dass du versorgt bist, dann kann auch der Umgang
mit Essen sich wandeln. Essen ist ein Thema – ob du nun gerade etwas isst, wenn

202
es dir nicht gut geht, oder gerade nicht - auf jeden Fall ist der Umgang mit Nahrung
wichtig.
Es ist als wärest du in tiefster Weise mit allen Höhen und Tiefen des Fühlens
verbunden – und die Anderen können nicht immer damit umgehen. Dann hilft es
sehr, einen eigenen Raum zu haben, für Rückzug und die Möglichkeit, diese Tiefe in
dir da sein zu lassen.
Falls du alles bis hierher gelesen hast und den Kopf schüttelst, weil du ein eher
beherrschter, ruhiger Mensch bist (der sich höchstens immer wieder wundert,
warum sein Umfeld so ausflipppt): es kann sein, dass du - gerade weil sich deine
Gefühle manchmal von Minute zu Minute verändern – beschlossen hast, ihnen
nicht mehr zu vertrauen. Dann darf der “kühle Kopf” regieren – doch die Energie
bleibt ja. Und so sind es dann oft Familie und Beziehungen, die Kollegen im Job, die
diese Energie aufnehmen und ausdrücken. Dann ist der Weg, deine Emotionaliät
anzunehmen, sie zu fühlen und entsprechend zu kommunizieren. Und es ist ja nicht
gesagt, dass du nur, weil du gerade wütend bist, alles kurz und klein schlagen
musst. Mitteilen reicht. (Leider ist es oft so, dass Kinder mit diesem Kanal früh
lernen, dass sie mit ihrer emotionalen Intensität nicht akzeptiert werden und so
beginnen, ihre Emotionen zu unterdrücken. Das hat natürlich seinen Preis, daher
ist es für alle kostbar, wenn vielleicht dank Human Design diese emotional
schwingende Bandbreite wieder ins Leben kommen darf).
Ein Special: Menschen, mit diesem Kanal spüren nicht etwa eine Welle der
Emotionen, eher ein plötzliches und extrem machtvolles “Umschlagen” der
Stimmung, meist so stark, dass dies dann die einzige Wahrheit zu seien scheint. Es
braucht Wissen und Übung, um Beobachten zu lernen, dass es mehr als eine
Wahrheit gibt. Die Tiefe jedoch, die dieser Kanal bringt, ist beeindruckend und
bereichernd.

Kanal 42-53 eine Verbindung zwischen Wurzel und Sakral


Kanal der Reifung – das Gesetz von stirb und werde – ein unendlicher Prozess -
Ein Design ausgewogener Entwicklung, zyklisch Schaltkreis: Kollektiv,
Sinnfinden
Hier geht es um etwas Zyklisches, um Dinge, die einen Anfang, eine Mitte und ein
Ende haben und haben müssen. So funktioniert Leben, die menschliche Erfahrung.
Wie es in der Bibel heißt – „es gibt eine Zeit für alles, zu säen und zu ernten …“
Mit Kanal 42-53 ist es von besonderer Wichtigkeit, gut zu prüfen, zu welchen
Dingen und Projekten man JA sagt (Achtung: falls Tor 29 aktiv ist, da ist das Ja oft
schneller als man die innere Autorität zu Rate ziehen kann). Denn was begonnen
203
wird, muss auch vollendet werden und führt dazu, dass die Energie gebunden ist.
Also sollte das Ja den Dingen gelten, die du auch vollenden willst, denn ein
Abbrechen funktioniert nicht - solltest du etwas abbrechen, wirst du es später zu
Ende bringen müssen. Wenn du aber deiner Autorität und Strategie folgst,
„korrekt“ in einen solchen Zyklus eintrittst, kommt meist etwas dabei heraus, was
dir und anderen dienen kann. Vielleicht kennst du Menschen, die in allem gewisse
Lebenszyklen haben, sie ziehen alle zwei Jahre um, wechseln alle sieben Jahre die
Stelle, alle drei Jahre kommt eine neue Beziehung.
Solch ein Wandlungs- und Reifungsprozess ist dynamisch – und so gehören auch
immer wieder Krisen dazu, ganz ohne dass man etwas falsch gemacht hätte –
einfach weil diese Entwicklungsenergie intensive Prozessschritte durchlaufen kann.
Mein Tipp: Genieße die Reise! Stell sicher, dass du alles getan hast, damit es die
richtige Reise für dich ist. Aber ansonsten hör auf, den Prozess verändern zu
wollen, denn sobald er einmal begonnen hat, läuft er durch die verschiedenen
Phasen. Mit der unglaublichen Startenergie von Tor 53 kannst du natürlich auch
für Andere Dinge „beginnen“, sie anschieben und Starthilfe geben – wichtig ist hier,
auf die eigene Autorität zu hören. Im Laufe deines Lebens wirst du ein kostbarer
Berater werden, denn du kennst Prozesse – von Anfang bis Ende.

Kanal 47-64 eine Verbindung zwischen Ajna und Krone


Kanal der Abstraktion – ein Design der geistigen Aktivität vermischt mit Klarheit
Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Hier suchst du ganz sicher schon seit deiner Kindheit nach dem Sinn von
Erlebnissen.
Warum ist etwas bestimmtes im Leben passiert ist eine sehr häufige Frage in
diesem Kanal, er bringt den Druck, verstehen zu wollen.
Man könnte ihn auch den Zen-Koan Kanal nennen, denn Vorstellungen, um die
Welt zu verstehen, faszinieren dich. Du hast einen sehr wachen, erkundenden,
denkenden Geist, der sich mit Geschichte, dem Vergangenen und Theorien, aber
auch mit abstrakten Vorstellungen beschäftigt. Die Bedeutung des Lebens zu
finden ist ein Druck in diesem Kanal. Die Suche nach dem „Warum“ – in dem
Wunsch, daraus Sicherheit ableiten zu können. Meist gibt es natürlich im Leben
von Menschen mit der 47-64 etwas, das die Sinn-suche bedingt. Eine schwere
Krankheit, der Tod eines nahen Menschen, die Trennung der Eltern. Man will
verstehen, warum die Dinge so geschehen sind. Das kennen sicher viele von uns –
wir haben eine Autopanne und verpassen das Flugzeug, brechen uns das Bein und

204
landen im Krankenhaus für ein paar Wochen . Dann fragt man sich, welchen Sinn so
ein Erlebnis haben kann – und wenn er gefunden wird, kehrt Frieden ein.
Wichtig ist: erlaube dir, dass deine Erkenntnisse in Inspirationsmomenten kommen
– sie sind nicht ordentlich nacheinander sortiert, sondern eher wie ein Puzzle, mal
hier ein Teil und mal da – am Ende zeigt sich das Gesamtbild. Der Blick auf das
große Ganze – Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und die kollektive gute Richtung.
Es gibt immer den Wunsch, anderen zu vermitteln, was du erkennst. Du bist ein
großer Denker und kannst andere inspirieren, doch irgendwie geht es mehr um
Sichtweisen der Welt als um letztendliche Wahrheiten. Dein großer Wunsch ist
wahrscheinlich, über das Reflektieren von Wissen und Informationen aus der
Vergangenheit stimmige Voraussagen für die Zukunft abzuleiten.
Deine eigenen Lebensfragen kann dieser Kanal nicht beantworten, es ist eher die
Geschichte für die Anderen, um die es hier geht; die Momente der Klarheit, die
neue Perspektive, die sich immer wieder zeigt. Die besondere Gabe ist es,
abstrakte Bilder zu verbinden, das Nicht-Greifbare ein wenig fassbarer zu machen
und zu vermitteln. Verbindungen aufzuzeigen, auch wenn anderen sie gar nicht
erkennen können.

TORE

Hier geht es um Gaben, Potentiale, Herausforderungen, individuelle Aspekte des


Zentrums, in dem sie sich befinden. Sie gehören vom Thema her zum Zentrum –
agieren als Filter und Einfärbung der Energie, die zu diesem Zentrum fließt.
Wichtig zur Erinnerung: wir leben in einer dualen Welt. Und so kann man bei jeder
Gabe, fast jeder Aussage, sagen: so ist es – oder eben nicht. Wie zwei Seiten einer
Münze, geht es grundsätzlich eher um das Thema eines Tores, das in seiner hoch
schwingendsten, wunderbarsten Form gelebt sein kann – oder eben auch nicht.
Als Beispiel: Tor 10 im Selbst: es kann innige Selbstliebe zum Ausdruck bringen, die
andere auch zur Selbstliebe inspiriert – oder einfach sich selbst als Maß aller Dinge
sehen und egoistisch wirken. Thema in beiden Richtungen ist die Liebe zum Selbst
und wie sie gelebt werden kann.
Für alle Tore gilt: bitte achte auf deine für dich richtige Strategie und innere
Autorität. Denn: wenn du emotionale Autorität hast, kommt Wahrheit über die
Zeit – anders bei der Milzautorität, die spontan führt. Und ob deine Strategie nun
informieren, anspringen, warten oder eingeladen werden ist, macht für einige der
Toraspekte einen großen Unterschied. Hier kann es zu Herausforderungen
205
kommen, wenn eine Kraft nach vorne springen lassen will, die andere zurückhält.
Dann hilft es daran zu denken, dass wir an Herausforderungen wachsen - Sinn
unserer Reise ist die Erkenntnis und liebevolle Annahme unseres wahren Selbst. Es
ist ein Erfahrungsplanet. Es geht weder um allgemeingültiges „richtig“ noch
„falsch“, sondern eher um das Erkunden und weise-werden.
Ich selbst finde die Beschäftigung mit den Toren extrem spannend, denn sie gleicht
der Erkundung eines Drucksatzes mit Buchstaben; indem wir die Energien der
Anlagen erkunden, haben wir die Möglichkeit, immer mehr Ja zu uns selbst zu
sagen. Wirk-lich uns selbst zu leben in dieser so individuellen Form der Energie,
die uns alle bewegt. In diesen 64 Toren liegt unsere einzigartige Bestimmung, denn
sie machen ja die Informationen unserer DNA zugängig.19

In der Auflistung nenne ich zunächst den


1. Tornamen im Rave I Ging, danach den
2. Namen des Hexagramms und danach die
3. die Gabe, das Potential des Tores.
Danach folgen – als Angebot - ein paar Ideen zum hilfreichen Umgang mit dem
berührten Thema. Eben weil ein Tor eine ganze Bandbreite an Energien enthält.
Und weil die Beschäftigung mit dieser Bandbreite uns selbst klären und erweitern
kann – und auch eine ganz neue Weise, auf die Welt zu schauen, mit sich bringt.
Daran anschließend folgen ein paar Gedanken zur spirituellen Ebene des jeweiligen
Tores, in den drei großen Frequenzbändern von Schatten – dort finden wir immer
die meiste Angst und somit Verdunkelung des Eigentlichen, als nächsten
Entwicklungsschritt die Gabe, die verdeutlicht, welches Geschenk eigentlich in
dem Thema liegt. Und als letztes dann die am höchsten entwickelte Ebene, Richard
Rudd nutzt das Sanskritwort Siddhi. Hier geht es „darüber hinaus“, das Selbst in
seinem persönlichen Bezug wird transzendiert. Hierzu meint Rudd “Siddhis sind
Hardcore. Sie sind hart erarbeitet über viele Leben”, nichts, das uns einfach zu
zufällt.
Dieser letzte Teil ist inspiriert durch seine Arbeit, wer also noch tiefer eintauchen
möchte, sei an das sehr komplexe Buch „Die 64 Genschlüssel“ von Richard Rudd im
Humble Verlag verwiesen . Ich gebe diese Informationen inspiriert durch seine

19 Richard Rudd, The Gene Keys, Watkins Verlag 2015, S. 484.

206
Arbeit, jedoch auf meine Weise beschrieben, mit meinen Erfahrungen und
Inspirationen ergänzt und natürlich stark verkürzt weiter.
Schwingung ist für mich die spannendste Form von Magie, denn je schneller wir
schwingen, desto interessanter wird die Welt (sagt schon Lotte Ingrisch, Physikerin
und Autorin in ihrem Buch Physik des Jenseits). Ich biete seit vielen Jahren mediale
Ausbildungen an und liebe es, Menschen dabei zu begleiten, wie sie sich erweitern,
erheben und vertiefen, indem sie mehr zu dem werden, was sie sein können. Und
genieße es, das Glück zu beobachten, wenn sie den Kontakt mit der Geistigen Welt
als Realität annehmen, wenn sich ihre Wahrnehmung ausdehnt und sie fühlen oder
sehen oder wissen: da ist noch viel mehr und es ist genauso real wie meine Hand
auf meinem Arm, ich muss nur bereit sein, ein wenig anders hinzuschauen.
Wie eingangs gesagt, ich bin ein bodenständiger Mensch, mein Fokus ist hier, auf
unserem gelebten Leben, in dieser Erfahrungswelt. Aber ich liebe die
Zusammenarbeit mit allem, was zu uns gehört. Und wir sind vieles, auf mehreren
Ebenen. Schon in uns selbst wirken mehrere Aspekte: Kind, Weise, Krieger,
Richter, Kreative, Abenteurer, Mutter, Vater, Hexe, Heiler, Wächter und
Gefangene und viele mehr. Andreas Krüger nennt es “Tafelrunde der Seele” und
eine innere Reise dorthin lohnt sich immer wieder.
Dann gibt es die Ahnen, die in unseren Zellen weiterleben (siehe auch die
Forschung zum transgenerativen Trauma). Weiterhin die morphogenetischen
Felder, die uns mitnehmen, unser Denken und Verhalten bestimmen. Hinzu
kommt die Möglichkeit, dass es unzählige parallele Erlebniswelten gibt, viele
Paralleluniversen. Und natürlich: die Verbindung zu unserem Team in der
Geistigen Welt. Ein riesiges, holografisches Universum, viele Universen. Konkret
und praktisch viel zu viel, um es gleichzeitig „auf dem Schirm zu haben“ – und das
ist gottseidank auch gar nicht nötig.
Das Jetzt reicht völlig aus, denn in diesem Moment ist alles möglich und alles kann
gewandelt sein. Schön verdeutlicht wird dies in der Verfilmung der “Prophezeiung
von Celestine” von James Redfield, wo am Ende die Helden von der Polizei nicht
gesehen werden, da sie sich auf einer anderen Schwingungsebene befinden,
sichtbar nur für jene, die auch dort sind. Und dass unsere geliebten Verstorbenen
nach dem physischen Tod noch erreicht werden können, noch „da“ sind, zeigen
nicht zuletzt all die Berichte und Beweise der Medien der letzten beiden
Jahrhunderte. (Wer dazu mehr lesen möchte, siehe meine Artikel in der “raum &
zeit” oder mein Buch “Im Kontakt mit Spirit”, erschienen im Ehlers Verlag).
Es ist unendlich ergreifend, wenn die Liebe fühlbar wird, die zwischen der
sichtbaren und der unsichtbaren Ebene fließen darf. Ich habe vor Jahren eine junge
Mutter beraten, deren Sohn mit 15 Monaten an einem angeborenen schweren
Herzfehler gestorben ist. Sie hatte mit absoluter Hingabe für ihr Kind gesorgt und
207
war unglaublich tapfer gewesen. Als ihr Sohn sich (in der Channelsitzung) meldete,
kam er liebend und völlig fröhlich, für ihn gab es keine Trennung. Er tröstete und
ehrte, dankte, und nur einmal wurde er sehr deutlich und bestimmt - als sie über
den „Erzeuger“ schimpfte, der sie und das Kind im Stich gelassen hätte. Der Sohn
machte klar, dass der Vater zu ehren sei für seine Rolle, denn er habe sein Ins-
Leben-Kommen möglich gemacht. Der Deal sei gewesen, dass er zur Mutter
kommen wollte, um mit ihr Heilung und Öffnung zu erleben. Der Vater habe sich –
absprachegemäß – rausgehalten. Das sei sein Dienst und Geschenk und der Sohn
wünschte, dass dies respektvoll gesehen wurde. Wow.
Ein anderes Mal kam ein Elfjähriger zu seiner Mutter. Er war im Jahr zuvor ohne
jeden äußeren Grund in der Badewanne ertrunken – aber konnte ihr durch viele
Beweise vermitteln, dass er es wirklich ist, dass alles für ihn so wundervoll läuft,
weil er im Geistigen endlich erleben kann, wonach er sich auf der Erde vergeblich
sehnte. Es gelang ihm, ihr ein Gefühl dafür zu bringen, dass sie doch, angestoßen
durch diesen Verlust, eine Riesenentwicklung und Erweiterung erleben konnte. So
ist es eigentlich immer: Ein großer Dank der Verstorbenen, eine Würdigung für die
Bleibenden, und eine so tiefe Liebe. Und ein – wenn möglich - da-sein-wollen,
begleiten und trösten. Ich habe die Ehre, eine Klientin seit einem Jahr zu begleiten,
in dem ihr plötzlich verstorbener Mann sie ermutigt auf ihrem Weg – und sie und
ihre Kinder wirklich mehr und mehr werden, was sie wirklich sind und sein können.
Die geistige Ebene ist ein Teil von uns, kann in unser Leben hinein schwingen und
behilflich sein, dass wir alten Schmerz, die Schatten ehren und gehen lassen und
uns einlassen auf das, was möglich ist.
Und so trägt jede Torenergie im Human Design Chart einen spezifischen Schmerz,
einen Schatten – und eine Gabe, ein Geschenk, eine einzigartige Fähigkeit und
Energie, die wir in unser Leben und auf die Erde bringen können. Falls du sie
erkunden willst, geht das am besten über die für dich passende Form der
Hinwendung, ob in der Meditation oder in der Kontemplation oder immer mal
wieder, nebenbei. Aber Achtung, das hat nichts mit Nachdenken zu tun. Es ist
eher ein Einschwingen auf die Frequenz von Klarheit, Schönheit, Freude, die dann
über das ganze System als Farben, Formen, Gefühle, Bilder und Erfahrung immer
realer und kraftvoller wird.

Falls dich diese Ebene interessiert – die Anregungen dazu stehen am Ende der Tor-
Texte. Dabei ist mir ganz wichtig: die als „Schatten“ bezeichnete Frequenz ist nicht
an sich etwas Schlechtes, denn auch sie will angenommen und durchlichtet sein,
denn sie ist die Basis für die höchste Gabe. Im Osten wird oft das Bild der
Lotusblume verwendet, um zu zeigen, dass große Schönheit aus dem Sumpf
entstehen kann. Unsere Schatten sind das kostbarste Material des Wachstums,

208
denn sie befeuern letztendlich unsere Öffnung und die Entfaltung unseres ganz
einzigartigen Selbst. (Rudd beschreibt den Schatten als den Samen, die Gabe als
die Blüte und die Siddhi als die Frucht, sie hängen untrennbar zusammen). Für
jeden von uns – irgendwann – gibt es den Moment, wo es schmerzhafter wird,
verschlossen und in der Angst zu bleiben als den Mut zu haben, sich zu öffnen und
das Wagnis einzugehen, wahrhaftig lebendig zu sein.

Tor 1 im Selbst – schaut zu Tor 8 in der Kehle


1. Tor des Selbstausdrucks, 2. Das Schöpferische, Tor der Kreativität
3. ein Original sein Schaltkreis Individuell, Wissen
Tor 1 ist ein sehr individuelles, energievolles Tor. Eben die Nummer 1. Da ist sehr
viel Kraft, deinen persönlichen Ausdruck zu finden. Denn durch das, was du aus dir
heraus hervorbringst, aus deinem eigenen, einzigartigen Prozess entsteht eine
Wirkung auf deine Umgebung. Du bist ein Unikat. Du bist wahrlich da, um die Welt
zu verändern – nicht wegen der Welt, denn du schaust gar nicht zu den anderen,
aber du veränderst sie indirekt, indem du dein Neues hervorbringst, das wiederum
eine Wirkung hat.
Vom Hexagramm her ist die Eins das Yang im Yang, die männliche Energie. (Was
nicht bedeutet, dass eine Frau, die dieses Tor hat, männlich ist. Es heißt eher, dass
die Art dieser Energie sehr dynamisch wirkt, sehr nach außen wirkend gerichtet ist.)
Du kannst sehr gut Dinge alleine tun, auf deine individuelle Weise. Dir ist wichtig,
dass du es um der Kreativität willen, um deiner Schöpfung willen tust, nicht nur für
Geld. Du bringst ganz viel Originalität mit – höre auf deine Intuition und folge ihr.
Lass dir deine Zeit, lass dich nicht unter Druck setzen. Das Neue kommt nicht
kontinuierlich, sondern eher wie ein Blitz, ein Schub, und es braucht dafür Raum.
Manchmal musst du dich einfach zurückziehen, kreative Pausen einlegen, ruhen
lassen, damit es sich neu erfinden kann.
Erlaube dir, dieses Unikat zu sein, deine einzigartige Kraft, Kreativität und
Persönlichkeit auszudrücken. Denn die 1 schaut hoch zur Kehle – zu Tor Nr. 8 – wo
deine besondere Schöpfung in die Tat umgesetzt werden will.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Von der Verweigerung (mich will eh keiner,
die Welt ist anders, damit will ich nichts zu tun haben, ich ziehe mich zurück, ich
unterdrücke meiner Energie, lieber Depression als Aktion) hin zur Annahme des
Lebens, der Lebendigkeit, der kosmischen Ordnung. Schönheit nennt es Richard
Rudd, ein Ja zu allem, was ist. Du schöpfst, du erneuerst, du bringst etwas ganz
und gar Einzigartiges auf die Welt. Diese Einzigartigkeit ist da, ganz egal, ob ein
anderer sie erkennt oder nicht. Du bist etwas Besonderes!
209
Die spirituelle Ebene:
In der angespannten Form, dem Schatten, bringt Tor 1 ein Gefühl von
Niedergeschlagenheit und Leere mit sich. Dann hat der Mensch keinen Bezug zu
seinem wahren Sein, kann sich deprimiert und hoffnungslos fühlen. Oder aber es
wird die Flucht nach vorne angetreten, dann lebt man sehr extrem, riskiert
Gesundheit und Leben in hektischer Aktivität.

Die nächste Entwicklungsstufe ist dann, diese so unkontrollierbare Kraft für die
eigene Kreativität einzusetzen, geschehen zu lassen. Dann wird sie zur lebendigen
Kraft, macht den Menschen sichtbar. Andere möchten ihn vielleicht sogar als
Führer, versuchen ihn für sich einzuspannen, aber es braucht Freiheit, das freie
Aufblühen und auch ein sich-zurückziehen-dürfen, wenn die Schöpfungskraft in
ihrem Ruhemodus ist.
Die höchste Gabe von Tor 1 liegt in dem Erlebnis der Schönheit von allem was ist.
Der bedingungslosen Annahme der feurigen Lebendigkeit allen Seins, ein
verwirklichtes Einssein mit Allem, das nichts ausschließt und alles, es gleichzeitig
verzehrend, in sich aufnimmt.

Tor 2 im Selbst - schaut zu Tor 14 im Sakral


1 Tor des höheren Wissens 2. Das Empfangende, 3. Orientierung
Schaltkreis Individuell, Wissen
Du hast eine ganz besondere, wegweisende Kraft in dir. Es ist, als wenn du vom
Höheren Selbst deinen Weg empfängst, eine magnetische Anziehungskraft. In dir
gibt es einen magischen Kompass, verbunden mit dem Magnetischen Monopol, der
Richtung im Human Design. Es führt, nicht aktiv, sondern von innen heraus,
unbewusst. Und so kannst du oft auch bei anderen sehen, was sie brauchen, wohin
es für sie gehen kann. Entscheidend ist: diese innere Führung hat nichts mit dem
Denken oder dem Wollen zu tun, sie macht keine Kompromisse - und so kann es
sein, dass sich dein Weg auch von Menschen trennen wird, wenn sie in eine andere
Richtung gehen wollen. Du wirst in deinem Leben immer wieder berührt durch
Schönheit (oder auch das Gegenteil davon) und diese Energie bringt Wendungen,
neue Richtungen, ein Streben, als würdest du einem inneren Kompass folgen, der
dich zu der Entfaltung bewegt.
Du bist sehr individuell, hast eine sehr eigene Mission im Leben, du lebst anderen
vor, wie man es macht. Wenn du dir sicher bist, dass etwas deine richtige Richtung,
dein Weg ist, bist du davon nicht abzubringen. Du wirst von höherer Quelle, einer

210
Vision des Möglichen, geführt. Zu lernen, deiner Führung zu vertrauen, darum geht
es. Wahrscheinlich schätzt du die Fülle des Lebens, auch das Materielle, schöne
Dinge und auch Geld. Du hast eine sehr besondere, eigene Energie, die allem, wo
du gern dabei bist, eine besondere Ausstrahlung verleiht. Du beeinflusst das Feld,
in dem du dich befindest. Es geht nicht darum, diesen Weg zu ebnen, zu erbauen.
Du machst seine Energie fühlbar.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Im Englischen gibt es den Spruch „count
your blessings“ – wörtlich heißt das so viel wie: zähle deine Segnungen, wisse dich
und dein Leben zu schätzen. Richte deinen Blick auf die Fülle dessen, was da ist.
Und vertraue deinem inneren Kompass.
Die spirituelle Ebene:
Die Schattenseite der Zwei ist ein Gefühl von Getrennt- und Alleinsein. So sehr die
Zwei mit dem Yin im Yin, dem Urweiblichen verbunden ist, so tief kann hier das
Gefühl der Trennung davon sein, in der Angst, die ja viele gerade erleben, dass alles
ein schlimmes Ende nehmen wird. Dann fühlt sich der Mensch isoliert und
unverbunden mit dem Fluss des Lebens. Nichts ist leicht und „im flow“, sondern
asynchron. Das kann sich entweder als Zustand des Getrenntseins zeigen, einer
Isolation und Selbstbezogenheit, wie große Teile der Welt sie erleben (verbunden
mit dem Grundgefühl von Kummer und Leiden). Oder aber als Versuch, das Leben
zu kontrollieren und zu reglementieren. Rudd nennt hier als Beispiel auch alle
Versuche von Religion oder Wissenschaft, sich zwischen den Menschen und seine
Herzensverbindung zum Leben, zum Göttlichen, zu stellen.
Im zweiten Entwicklungsschritt geschieht eine völlig neue Ausrichtung, eine neue
Wahrnehmung des Lebens, wie ein In-Einklang-Kommen mit dem Fluss. Es fließt
mehr Energie, die eigene Einzigartigkeit beginnt sich zu entfalten. Man zieht neue
Erlebnisse an, „das magnetische Anziehungsfeld einer Person, die in der zweiten
Gabe zentriert ist, übt eine kraftvolle Wirkung auf alle sie Umgebenden aus, sprich
sie harmonisiert“20. Hier beginnt die Hingabe ans Leben zu wirken. Diese
Entwicklung ist in unsere DNA eingebettet, wird aktiviert mit der sich erhöhenden
Frequenz.
Auf der höchsten Ebene bringt die Energie von Tor 2 die Kraft der Einheit von allem
mit sich; der Mensch erlebt, was wir allgemein als „Erleuchtung“ bezeichnen. Ein
„Im-Herzen von allem, was ist sein“, ein alles Vereinen der Gegensätze.

20 [Link] S. 58
211
Tor 3 im Sakral, schaut zu Tor 60 in der Wurzel
1. Tor des Ordnens, 2. Die Anfangsschwierigkeit 3. Wandel, Veränderung
Schaltkreis Individuell, Wissen
Eine sehr intensive Energie für Veränderung und Erneuerung: Du öffnest die alte
Ordnung und bringst etwas Neues hinein. Du hast die Kraft des Durchhaltens, wenn
das Alte sich auflöst und die neue Ordnung sich setzt. Die Energie in Tor 3 ist
individuell, eigen und neu, eine Schöpferkraft aus dir heraus in die Welt – nur über
den Zeitpunkt hast du keine Kontrolle.
Die große Herausforderung in und für Tor 3 ist, warten zu können, bis die Energie
für Veränderung da ist. (Tor 60, die Schubkraft aus der Wurzel, muss wirken). Da
es in dir aber wie ein ständige Antrieb erscheinen kann, endlich etwas zu bewegen,
leidest du, wenn (scheinbar) nichts passiert. Das kann zu einem Gefühl von
Melancholie oder Depression führen. Die Lernaufgabe hier ist, einfach
anzunehmen, dass es gerade (noch) ist, wie es ist und kreativ mit der (Warte)-Zeit
umzugehen.
Tor 3 ist wunderbar aufgeschlossen für Neues, Kreatives – wenn du dich auf diese
Seite der Kraft konzentrierst, ist viel Lebendigkeit möglich. Denn wenn nach der
Wartezeit spontan und unvermittelt deine Kraft in Fluss kommt, kann es wie ein
Wunder wirken. Dann hast du die Fähigkeit, bei allem scheinbaren Chaos beständig
weiter ins Neue zu gehen (das bedeutet nicht, dass du völlig immun sein wirst, es
wird und darf immer auch Zeiten der Verwirrung geben – denn es braucht Zeit, bis
dieses Neue sich setzen kann). Dann entsteht eine Klarheit im Energiefluss, der
auch andere folgen können. Der Weg kann anfangs schwer sein, das ist wie ein
Prüfprozess, ob es wirklich das Richtige ist, aber auf diese Weise trennt sich auch
Spreu von Weizen und wenn sich dann etwas durchsetzt, bringt es alles voran.

Und wenn es grad mal schwierig ist: Wenn das Warten schmerzt und das Neue
ruft – spiele mit dem Druck, wandle ihn, indem du die Energiebewegung umkehrst,
statt mit dem Kopf gegen die Wand nach innen, atmend, tiefer eintauchen in die
Essenz. So sang ja schon Xavier Naidoo: „wir müssen geduldig sein, dann dauert es
nicht mehr lang“. Der Wandel ist Teil der Natur, der Puls wird kommen und die
Veränderung entsteht. Weise werden heißt hier, dem Timing der Welt vertrauen.
Die spirituelle Ebene:
Den Schatten beschreibt der chinesische Name dieses Tores schon sehr gut: die
Anfangsschwierigkeit oder auch das Chaos, die unüberschaubare Dunkelheit - und

212
daraus resultiert der Versuch, aus lauter Angst dieses Chaos kontrollieren zu
wollen. Die Anstrengung, die Lebendigkeit des Lebens zu kontrollieren, führt zur
Verkrampfung; nichts kann mehr fließen. Die andere Seite der dualen Münze ist
der Zorn, mit dem viele auf diese Unkontrollierbarkeit des Lebens reagieren.
Auf der nächsten Entwicklungsstufe werden diese Anfangsschwierigkeiten
transzendiert und eine Bereitschaft, sich aufs Leben einzulassen, entsteht. Die
spielerische Komponente kommt hinzu und bringt Wandel und Erneuerung, in sich
selbst und der Umwelt. Das Ringen um Kontrolle wird abgelöst durch eine sich
immer wieder wandelnde, flexible Haltung und das Eingehen immer wieder neuer
Verbindungen. So wie das I Ging ja in der Übersetzung „Buch der Wandlungen“
heißt, bringt Tor 3 diese erweiternde, emporstrebende Entwicklungsfähigkeit zum
Ausdruck.
In der höchsten Form der Entwicklung dieser Frequenz entsteht ein reines
Wahrnehmen des kosmischen Spiels namens Leben, ein sich immer weiter
Entfalten der Erkundung, frei von jedweder Schuld. Als wären wir alle ein großes
Ganzes, tanzend im Sein. Vielleicht kann man diese Ebene am ehesten in den
Geschichten der Sufis nachempfinden, die im kosmischen Tanz des Lebens das
Göttliche im Lebendigsein preisen.

Tor 4 im Ajna, schaut zu Tor 63 im Kopf


[Link] des Formulierens 2. Die Jugendtorheit 3. Thesen aufstellen
Schaltkreis: Kollektiv, Logik – Verstehen
Tor 4 ist ein Lösungs-Such-Tor. Es geht für dich darum, Antworten und Lösungen zu
finden mit dem Wunsch, eine sichere und gute Zukunft herzustellen. Wenn Kopf
und Ajna offen sind, kann der Druck sehr groß ein – dann gilt die Maxime der Frage
des offenen Zentrums: Dient mir mein Denken? Denn sonst kommst du nicht zur
Ruhe.
Du liebst es, wenn andere dich um Lösungen bitten, denn gerade für andere bist du
extrem kreativ und brillant. Nutze diese Kraft, sie kann vermeintlich Sicheres
überprüfen, du stellst die Dinge in Frage. Dazu gehört, zu erlauben, dass sich deine
Lösungen und Ideen durch das Erleben beweisen - tun sie es nicht, lass sie einfach
los. Es können sehr überraschende Dinge und Antworten kommen, aber es braucht
immer eine Überprüfung und das Hören-Wollen durch den Anderen. Denn die
Neigung kann sein, dir hypothetische Situationen zu erdenken und hypothetische
Antworten zu finden – in dem Wunsch, sich Sicherheit zu geben, falls so etwas
eintritt.

213
Hierbei gilt es jedoch im Auge zu behalten, dass dieses Sicher-sein wollen seine
Information nur aus der Vergangenheit, aus alten Erfahrungen zieht – und somit
nicht offen ist für eine neue Sichtweise. Und über die Beschäftigung mit dem
Unerwünschten kommt nicht wirklich das Erwünschte…
Und wenn es grad mal schwierig ist: Frage dich: Dient mir mein Denken? Tut es
gut, entspannt es, hilft es, löst es, ist es eingeladen …oder quält mich einfach eine
Dauerschleife des Unbeantwortbaren – dann hilft ein Mantra (so etwas wie „ich
wähle Frieden, ich wähle Vertrauen“) wenn du dies denkst, haben die anderen
Gedanken keinen Platz und dein Geist wird ruhiger! Diese Übung ist grandios,
braucht aber Geduld und Praxis, über ein paar Wochen merkt man erste Resultate,
der Geist hält die Klappe!
Die spirituelle Ebene:
Auch hier bezeichnet der chinesische Name sehr klar den Schatten: Jugendtorheit.
Wir folgen sprunghaft unseren Launen und missbrauchen das Denken, um diese
dann zu rechtfertigen. Wenn unser Denken die Autorität über unser Leben und
Verhalten bekommt, wird es problematisch, denn es ist ja nicht wirklich so –
darunter liegen meist unbearbeitete, unbewusste und ungelöste emotionale
Themen. Das Resultat ist dann Verbissenheit, Engstirnigkeit und Intoleranz. Man
denke nur an die rassistische Propaganda, ob im Dritten Reich oder heute. Da Tor 4
ermüdlich ist im Denken, ist es schwierig, aus der Gefangenschaft der Angst zu
entkommen. Viele werden gelähmt von ihr und verharren in einmal gefassten
Meinungen über sich und das Leben. Oder sie werden extrem kritisch und
anspruchs- oder vorwurfsvoll an das Außen, nur um enttäuscht festzustellen, dass
es nie gut genug ist.

Wenn es dann gelingt, vom Schatten zur Gabe zu schauen, braucht es den Mut, das
Denken des Verstandes zunächst loszulassen, um zu echtem Verständnis zu
gelangen. Dann erst kann sich all das Potential von Tor 4 entfalten, es wird zur
spielerischen Erkundung des Lebens und seiner Hintergründe, bringt Verstehen
und Entdeckungen.
In der höchsten Form erlöst Tor 4 den Menschen vom Druck des Wissen-Müssens,
transzendiert diesen in ein Wahrnehmen der Wahrheit des Ganzen, wird zu einem
von der Logik über das von Herz kommenden Annehmen. Rudd bezeichnet es als
Vergebung, die sich über alle Zeiten hinweg verbreitet und die Lasten der

214
Vergangenheit löst, die Ahnenlinien bereinigt und befreit. Sie vermittelt göttliche
Gnade und löst alle alte Schuld.21
Tor 5 im Sakral, schaut zu Tor 15 im Selbst
1. Tor der festen Rhythmen 2. Das Warten 3. Eigener Rhythmus
Schaltkreis: Kollektiv Logik – Verstehen
In Tor 5 geht es primär um deinen Rhythmus, um Gewohnheit, um Regelmäßigkeit.
Dieses Tor liebt sein Timing – und eine Regelmäßigkeit darin. Vielleicht hast du
Rituale, denen du folgst, und die dann für dich stimmig sind und dir helfen, fließend
und leicht durch den Tag zu kommen. Du hast die Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt
zu finden, Dinge zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Und dazu gehört auch zu warten,
bis es stimmt, bis dein Ja kommt – wobei dieses Warten dann für dich sehr
lebendig ist, weil es dir einfach entspricht.
Muster, Harmonien sind dir nah und du kannst sie gut ins Leben integrieren. Du
hast ein Gespür für die Gesetze der Natur, Zyklen, Rhythmen etc. sowohl mit der
Natur als auch mit Menschen. Bei Tor 5 geht es um das Leben und seine Gesetze,
und so steckt eine tiefe Kraft in diesem Rhythmus, wie ein Versprechen dessen,
was kommt. Es ist eine lebensbejahende Energie, wenn du dir erlaubst, ihr in dir zu
folgen. Dein Befinden wirkt sich stark auf Andere aus, es strahlt aus. Daher warte
auf den richtigen Zeitpunkt und folge der Harmonie und Struktur, die Teil deines
Wesens sind.

Grundsätzlich gilt für Menschen mit diesem Tor: die Regelmäßigkeit hat Vorrang. Es
ist natürlich am allerleichtesten, wenn du immer zu deiner Zeit aufstehen und
schlafen gehen kannst. Aber selbst wenn diese „eigentliche“ Zeit nachts um drei
wäre, ist es für dich dennoch leichter, wenn du – z.B. wegen deines Berufes –
immer um 12 schlafen gehst und um 7 aufstehst, als wenn du stark variierst.
Kindern mit diesem Tor tun die Eltern keinen Gefallen, wenn sie am Wochenende
statt um 20 Uhr als besondere “Ausnahme” mal erst um 1 Uhr ins Bett müssen –
das bringt den Rhythmus völlig durcheinander.
Und genauso, wie dieses Tor eben „seine Zeiten“ hat, so hat es eben auch seine
„Nicht-Zeiten“ – vergleichbar mit der Ansage „Sie rufen außerhalb unserer
Geschäftszeiten an“ – dann geht eben grad nichts – denn es ist nicht die Zeit für Tor
5.

21 Ebd. S. 78
215
Auch das Warten gehört zu diesem Tor, das „die Dinge zu ihrer Zeit geschehen
lassen“. Wer neben dem Kessel steht und wartet, dass das Wasser kocht, wird es
nicht beschleunigen – der dir eigene Frieden kommt, wenn du den Dingen ihren
Lauf lassen kannst.
Dieses Tor wird durch sein Gegenüber, die 15 mit ihren Extremen, natürlich
herausgefordert – und sollte sich dennoch nicht aus dem eigenen Rhythmus
bringen lassen. Und wenn man einmal lernt, dass der Partner feste Zeiten liebt und
braucht – dann kommt Verständnis und Annahme. Umgekehrt wäre es hilfreich,
nicht jedem das eigene Bedürfnis nach Regelmäßigkeit als Tugend zu predigen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Natur tut dir gut, denn alles Natürliche stärkt
deine innere Natur. Die Elemente mitzubekommen, genauso vielleicht die
Rhythmen des Jahres bewusst zu fokussieren, kann sehr heilsam für dich sein. Auch
wenn wir immer mehr in einer „24/7“ Welt leben, heißt das nicht, dass du dem
folgen musst. Mach dir klar, was du wann brauchst – und was wann eben nicht.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten begegnen uns in Tor 5 all die tiefliegenden Ängste, die mit dem Thema
„Zeit“ zu tun haben: die Angst vor dem Tod, die Angst, dass es keine Sicherheit,
keine Ordnung im Universum gibt - und oft die Grundüberzeugung, dass man dem
Leben nicht vertrauen kann. Und wenn der oben beschriebene eigene Rhythmus
keine sichere Basis hat, wenn der Mensch dem Leben misstraut, entsteht eine
Rastlosigkeit, eine Ungeduld, ein sich nicht-verankert-fühlen. Das kann sich als
Pessimismus äußern, der Überzeugung, dass es nicht und nie besser werden wird,
dass nichts Sinn macht. Oder aber der Mensch wird ungeduldig, drängt das Leben
und andere und ist mit den natürlichen Rhythmen nicht im Fluss.
Auf der Ebene der Gabe liegen dann Geduld und das Vertrauen in eben diesen
Fluss des Lebens. Diese bringt ein Entspannen, ein sich-Öffnen für einen friedlichen
Seinszustand. Dem Leben vertrauen – das bringt das gesamte System zum
Schwingen und zur Öffnung. Die Forschungen des Heart Math Institute machen
diesen Mechanismus deutlich: sie untersuchen die Aspekte Herz-Intelligenz und
Herz-Kohärenz und deren Auswirkung auf unser Leben.
Die höchste Ebene transzendiert Ungeduld und Geduld in die Zeitlosigkeit hinein, in
die Unsterblichkeit des Bewusstseins, von der u.a. die Lehren des Buddhismus
handeln. Dann löst sich das Individuelle auf, wird eins mit dem Ganzen, ungetrennt.
Dann endet das Hin und Her zwischen den Polaritäten, dann endet eigentlich auch
alles mit unserer Sprache Erfassbare und wird Teil von dem, was eben einfach ist.

216
Tor 6 – im Solar Plexus (Emotionen) – schaut zu Tor 59 im Sakral
[Link] der Reibung 2. Der Streit 3. Besonnenheit, emotionale Intelligenz
Schaltkreis: Stamm, Schützen
Tor 6 ist das Tor der Waage – mit ihm bestimmst du, wie du selbst und deine
Umgebung sich fühlen. Es geht um Öffnung der Energie, Öffnung zur Verbindung,
denn dieses Tor kann die Aura, das Energiesystem anderer berühren und öffnen für
Gefühle – oder eben eine klare Grenze ziehen.
Durch deine Ausstrahlung kannst du leicht mit anderen in Kontakt kommen und
fruchtbaren Austausch möglich machen – oder eben nicht. Du steuerst den Fluss
der Emotionen, die emotionale Balance. Tor 6 ist extrem machtvoll, es hat
sozusagen die Fäden in der Hand: alle Gefühle sind möglich, es entscheidet, ob es
Schließung oder Kampf gibt – oder das Einladen der Fruchtbarkeit und Nähe, denn
es schaut auf Tor 59 im Sakral, die Intimität. Du kannst Friedensstifter sein, oder
derjenige, der sagt: bis hier und nicht weiter. Du bist ein Schiedsrichter, denn du
hast die Balance in dir und sie strahlt aus. Wenn du friedlich bist, besteht die große
Chance, Frieden im Außen zu bewirken, und wenn Aggression in dir ist, wirkt auch
diese im Anderen. Wichtig ist, dass du für deine Dinge einstehst, dich auf
fruchtbare Konflikte einlässt – denn nur so kann echte Nähe entstehen.
Mich erinnert Tor 6 sehr an die Geschichte des Regenmachers: In einer Gegend, in
der viele Bauern ihre Felder hatten, hatte es schon seit langer Zeit nicht mehr
geregnet. Die Menschen waren verzweifelt, und als sie gar keinen Ausweg mehr
sahen, legten alle ihr letztes Geld zusammen und ließen einen berühmten
Regenmacher von weit her kommen. Dieser bat um eine Hütte, um sich
vorzubereiten. Man wies ihm eine leere Hütte zu und er verschwand darin – und
wurde auch am nächsten und übernächsten Tag nicht gesehen. Die Menschen
wurden ungeduldig – „was für ein Regenmacher soll das sein, der nichts tut als in
seiner Hütte zu sitzen“ schimpfte erst der eine und bald das ganze Dorf. Auch am
nächsten Tag erschien er nicht und die Leute wurden immer aufgebrachter. Doch
am Abend fing es an zu regnen. Die Leute feierten und gingen jubelnd zu seiner
Hütte und wollten wissen, wie er das denn gemacht habe. Seine Antwort: ich
fühlte, dass die Energie in dieser Landschaft nicht im Gleichgewicht ist. Also habe
ich mich selbst ins Gleichgewicht gebracht – und dann konnte das Richtige – der
Regen – einfach geschehen.

217
Daher: Wenn du deine Balance gefunden hast, strahlst du sie in die Welt – als
Angebot. Oder moderner: be the change you want to see in the world – sei selbst
der Wandel, den du in der Welt erleben möchtest.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Die geistige Welt hat mal gesagt: Frei gehen
kann nur, wer riskiert, von allen Seiten gesehen zu werden. Tor 6 kann helfen,
Klarheit zu bringen.
Für Beziehungen: die Reibung von Tor 6 bringt natürlich auch Anziehung. Das
Ehepaar bei Loriot, das sich über steingrau und mausgrau für die neue
Couchgarnitur einig wird, hat ganz sicher wenig davon – aber auch keine Intimität.
Echte Nähe, wirklicher Austausch braucht dieses Ringen um Öffnung, die Reibung
der Polarität – um dann Tiefe und Verbindung zu erlangen. Nebeneinander her ist
nicht zusammen, auch wenn immer noch viele Menschen aus Angst vor
Veränderung so leben.
Die spirituelle Ebene:
In der Schattenfrequenz dieses so emotionalen Tores wird der Name des
Hexagramms – der Streit – deutlich. Solange der Mensch gefangen ist in seinen
Emotionen und aus ihnen heraus agiert, gibt es ständig Konflikte. Echte
Kommunikation wird nahezu unmöglich. Hier kann man dann wahrlich vom „Kampf
der Geschlechter sprechen“. Aus der Anspannung heraus entsteht eine
permanente Abwehrhaltung, das System kommt unter Dauerstress. Das resultiert
in zwei unterschiedlichen Ausdrucksformen – entweder der Mensch versucht
ständig „den Deckel“ auf seinen Emotionen zu halten und sucht Frieden um jeden
Preis - was echten Austausch und eine ehrliche Kommunikation verhindert und
sicher irgendwann explodiert. Oder aber der Mensch läuft als ständiges Pulverfass
herum und geht immer wieder hoch.
Wenn die Schwingung sich dann erhöhen kann, zeigt sich die Gabe der Diplomatie.
Eine emotionale Reife wird fühlbar und wirkt – über die Aura der Person – auch auf
das Umfeld. Auf diese Weise kann echte Nähe und Verständigung entstehen.
Auf der höchsten Ebene findet sich in der Siddhi von Tor 6 der Friede – die so
persönlich empfundenen Emotionen werden transzendiert, alles in uns schließt
Frieden mit allem in der Welt. Rudd nennt diese Siddhi „den ursprünglichen und
zukünftigen Zustand der Menschheit”22. Die Entwicklung dieser Schwingung wird
die Frequenz des Körpers verwandeln und zum Schlüssel einer kollektiven
Bewusstseinserweiterung.

22 Ebd. (S. 96).


218
Tor 7 im Selbst, schaut zu Tor 31 in der Kehle
1 Tor der Rolle des Selbst 2. Das Heer 3. Das Führen und die Strategie
Schaltkreis: Kollektiv, Verstehen
Der Auftrag, anzuführen - als Dienst an der Gemeinschaft
Tor 7 ist ein Führungstor, hier geht es um deine führende Rolle im Kollektiv.
Wichtig ist, dass es ein demokratischer Prozess sein muss – die anderen
beauftragen dich zu führen – dann ist es stimmig. Du weißt, worauf es ankommt,
du kannst eine neue Ordnung einführen, das was nicht mehr dient, außer Kraft
setzen, Veränderung und Wandel einleiten. Der wichtigste Aspekt: es braucht den
Auftrag, die Einladung, die Bitte dazu. Es geht nicht um deine individuelle Macht,
sondern um deinen Dienst – ähnlich wie bei den Aborigines, hier hat jeder im
Stamm, ob nun Geschichtenerzähler, Medizinfrau oder Anführer – die gleiche
Wertigkeit, das gleiche Ansehen. So ist dein Führen dein Dienst, dieser sanfte
Impuls aus dem Selbst heraus. Du läufst keinem Trend nach, sondern musst dir und
dem, was du für richtig erkennst, treu sein. Du herrscht nicht durch Gesetze und
Regeln, sondern durch die Klarheit in deinem Herzen. Du kannst die Strategie
entwickeln, die es braucht, um nach vorne zu gelangen. Du führst. Dieses Führen
muss jedoch nicht immer sichtbar sein. Menschen mit Tor 7 (hier besonders
natürlich die Projektoren) können auch über ihre Inspiration und ihre Fragen
führen, sie führen und lenken den Geist des Anderen. Es ist ein großer Dienst,
wenn sie ihre Gabe, den anderen wirklich wahrzunehmen, vollführen und dann
eben dessen Energie auf Einladung so lenken, dass er seine Fähigkeiten optimal
nutzen kann und so erfolgreich und zufrieden wird.
Je nachdem, mit welchem „Zusatz“ durch die Linie dein Tor 7 verbunden ist, kommt
deine besondere Führungsrolle zum Tragen – immer vorbehaltlich, dass sie mit der
gemeinschaftlichen Energie verbunden ist. Es gibt mit der 7. 1 den autoritären
Führer (oder eben nicht, wie gesagt: Polarität) und den Demokraten der 7.2. Die
Energie in Tor 7 kann so wirklich in eine neue Zukunft führen, sie ermächtigt und
wirkt ermächtigend auf die anderen. Ohne Tor 31 wird man diese Führungskraft
vielleicht nicht ganz sehen, aber sie wirkt, ggfs. auch hinter den Kulissen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: auch hier gelten die Erkenntnisse der
Hirnforschung – wir lernen durch Vorbild und Nachahmung. Es geht um deine
Authentizität. Macht und Einfluss können nicht errungen werden, im besten Fall
entfaltet sich aus deiner Echtheit heraus der stimmige Weg.
Die spirituelle Ebene
219
Die Schattenfrequenz von Tor 7 ist uns so vertraut, dass wir oft vergessen, dass sie
nicht sein müsste. Hier geht es um die Spaltung – von Führerschaft, Autorität und
Macht und jenen, die dann folgen, die beherrscht werden, die sich als Opfer fühlen.
Wir neigen dazu, anderen Macht über uns zu geben und die Natur solcher Anführer
ist es, „ihre“ Leute in dieser Abhängigkeit zu halten. Wahre Führerschaft will nicht
führen, sie will freie Menschen, leider ist sie (noch) recht selten zu finden.
Dieser Schatten kann sich auf zweierlei Weise in der Welt zeigen. Die erste Variante
zeigt sich in der Unterdrückung der eigenen Führungsqualitäten: der Mensch zieht
sich zurück, lebt seine Gaben nicht, was einerseits auch körperliche Auswirkungen
haben kann, zum anderen aber verhindert, dass die Strahlkraft von Tor 7 in die
Welt gelangt. Andere übertreiben das Thema, dann wird aus Führungskraft
Diktatur. Der Mensch übt auf allen Ebenen Macht aus, manipuliert und suggeriert,
dass man ihn als Anführer braucht. Solche Strukturen sind besonders attraktiv für
jene, die ihre eigene Macht abgegeben haben, die tief in dem Gefühl, ein hilfloses
Opfer zu sein, feststecken und nach einem Führer suchen.
In der höheren Frequenzebene zeigt sich das Thema wahrer Führerschaft – eine
Anleitung zur Selbstermächtigung des Menschen. Ein Zusammenwirken
selbstständiger Menschen – zum Wohle und Dienste aller – das ist die Essenz der
Gabe von Tor 7. Gute Anführer müssen wirklich zuhören können, denn der Dienst
des Führens umfasst die Fähigkeit, das Eigene ein Stück zurückzustellen und offen
zu sein für die Bedürfnisse jener, denen man führend dient.
Wenn in einem Menschen diese Gabe entwickelt ist, strahlt er eine Energie von
Klärung aus, in seiner Gegenwart ist es viel leichter für andere, selbst
herauszufinden, wohin sie gehen wollen, was ihr Weg ist. Rudd beschreibt die
Entwicklung verschiedener Führungsrollen in der Wirtschaft – von der
althergebrachten autoritären Führung über einen Moderator bis hin zum Visionär.
Die Gabe in Tor 7 trägt die Energie des Moderators, des Vermittlers, der die
Fähigkeit hat, andere anzuleiten und so eine fruchtbare Basis schafft, auf der sich
Prozesse gesund entwickeln können. Nur wer sich ganz hingibt, kann wahrhaft
führen.
Auf der höchsten Schwingungsebene bringt die Energie von Tor 7 wahre Tugend,
Reinheit und Güte hervor. Tugendhafte Handlungen haben größte Kraft, so wie das
siebte Siegel die Rückkehr des Christusbewusstseins bringt und über ein kollektives
Fraktal von Menschen, die mit der höchsten Frequenz von Tor 7 schwingen, kommt
ein Aufblühen in die Welt, eine Führung, die in eine wirklich gute neue Zukunft
leitet. „Kinder, die in einer Aura von wirklicher Tugend aufwachsen, nehmen diese

220
Energie mit hinaus in die Welt, egal in welche Sphären sie abtauchen…“23. So
transformiert sich unsere Welt.
Tor 8 in der Kehle, schaut zu Tor 1
1. Tor des Beitragens und Förderns 2. Das Zusammenhalten 3. Fördern
Schaltkreis: individuell, Wissen
Führen durch Innovation und Inspiration – das kreative Rollenvorbild
Hier geht es um den einzigartigen Beitrag, den du leistest. Und du gehst wahrlich
voran und inspirierst dadurch andere, es dir gleichzutun. Du bist ein Vorbild in
deiner Einzigartigkeit. Die meisten von uns kennen aus Filmen solche Charaktere,
die völlig echt, unbestechlich, authentisch ihren Weg gehen, unzähmbar, rebellisch
und fokussiert. Dieses Beispiel inspiriert die anderen, regt zum Nachfolgen an,
weckt den Wunsch, selbst solche Authentizität zu finden.
Das kann einerseits dein eigener individueller Lebensstil sein – oder aber du
unterstützt andere dabei, sich zu entfalten. Du kannst helfen, in eine neue Richtung
zu gehen. Das Wichtigste dabei: Timing. Es braucht den passenden Zeitpunkt, den
Puls, der in der Individualität wirkt; nur dann kommt deine erneuernde Energie
auch an.
Du bist kein Zuschauer, sondern stehst mittendrin, in deinem individuellen Prozess.
Es geht um deine Art, Dinge zu tun, sich auszudrücken auf deine Weise. Du zeigst
den Weg in eine neue Zukunft – ganz individuell. Du bist ungewöhnlich – und es
geht darum, die Dinge auf deine Weise zu tun. Vielleicht als Lebensstil, den du
verkörperst, oder als Galeriebesitzer, Kunstagent oder als der Trendsetter selbst.
Das einzig wichtige Kriterium ist, dass es dein authentischer Ausdruck ist.
Das ist das Wichtigste: dass du dir folgst, deinem inneren Ruf. Du kannst
Menschen inspirieren, ein größeres Ganzes zu sehen, und aus dieser Vision heraus
dann ins Neue bringen. Es geht darum, dass du deinen Weg gehst, ohne auf die
Zustimmung der anderen zu schauen. Ein gutes Beispiel ist der Künstler, der ein
ganz neues innovatives Album/einen neuen Malstil herausbringt und als der
Newcomer des Jahres gefeiert wird – aber beim zweiten Album/Buch/ Bild geht’s
dann nicht mehr – denn dann wird er vom Erfolg oder vom Manager gedrängt, dem
ersten nachzufolgen. Und das geht nicht, Tor Nummer 8 folgt nicht, es ist neu.
Natürlich geht mit jeder Individualität auch das Gefühl von Nicht-Verstanden-Sein,
Allein-Sein einher – aber letztendlich öffnest du neue Horizonte für die
Gemeinschaft, für jene, die sehen und folgen können.

23 Ebd. S. 107
221
Und wenn es grad mal schwierig ist: Wie würde dein Leben aussehen, wenn du
auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest, wenn du keinerlei Kompromisse
machst? Was ruft in dir, gesagt, gesungen, gemalt, gelebt zu werden? Welchem
Menschen, welcher Richtung gibst du deine Unterstützung? Schau in dich hinein,
anstatt damit zu ringen, dass draußen (noch) nichts passiert. Und falls dich das
Gefühl des Unverstanden-Seins schmerzt – lenke den Fokus um auf das Besondere.
Lies eine Biographie bedeutender Erneuerer aus vergangenen Zeiten, das kann sehr
tröstlich sein.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten wird das so ungewöhnliche Tor 8 von der Angst beherrscht, anders zu
sein, aufzufallen, sich von den Anderen zu unterscheiden. Leider unterstützt unser
derzeitiges Schulsystem wenig die Individualität und presst die Kinder in
systemkonformes Verhalten. Daher wird für das Kind mit Tor 8 seine Individualität
oft als schmerzhaft und beängstigend wahrgenommen. Das wiederum verhindert
den Erfolg, der in der Einzigartigkeit liegen würde, denn wenn man gar nicht weiß,
wer man wirklich ist, wie soll da der Mut aufkommen, auszubrechen? Rudd nennt
diesen Schatten „Mittelmäßigkeit“, ein angepasstes Leben, wo doch eigentlich der
Freidenker, der Held, der furchtlose Innovator die Gabe dieses Tores ist.
Das kann sich entweder in einer sehr starren, engen Lebensweise zeigen, wo kein
Raum für Träume und Kreativität mehr ist. Oder aber der Mensch lebt eine äußere
Hülle von Kreativität und vielleicht sogar Erfolg - doch das ist wie eine Fassade, vor
jedem echten Gefühl läuft er davon.
Mit der höheren Schwingung erwacht das wahre Wesen, da tritt der Rebell in den
Vordergrund, der eben anders ist und sein darf. Dann lebt der Mensch seine
Individualität, seinen eigenen, echten Stil – gefüllt von seiner inneren Lebendigkeit
und Vielfalt. Ob er in die Masse passt, wird unwichtig. Die eigene und freie Weise,
in der Welt zu sein, wird Maßstab und kann auch andere berühren und befreien.

In der höchsten Frequenz – Vorzüglichkeit – strahlt die Einzigartigkeit der


Schöpfung durch Tor 8. So wie manche sagen, dass sich Gott durch die Menschen
erlebt, hat der Mensch mit der erfülltesten Schwingungsebene von Tor 8 die Gabe,
zum einen selbst das Unikat zu sein, als das er gekommen ist, und auch in Anderen,
in der ganzen Welt, diese Einzigartigkeit zu sehen. Im Fluss des Bewusstseins, alles
zu sein und zu sehen, und gleichzeitig jede völlig einzigartige Facette zu erkennen.
Die Siddhi-Ebene von Tor 8 zeigt keine Wege auf, denen man folgen kann, sondern
repräsentiert eine solche lebendige Klarheit, die den eigenen, völlig individuellen
Funken im anderen zünden kann. „Menschen mit der 8. Siddhi funkeln wie seltene,
kostbare Juwelen. Diese Leute erschaffen ihren eigenen Weg während sie auf ihm
222
gehen“.24 Hier hört das Suchen nach äußeren Maßgaben oder Autoritäten auf, hier
drückt sich das ganz existentielle Sein aus.
Tor 9 im Sakral - schaut zu Tor 52 in der Wurzel
1. Tor des Fokussierens 2. Des kleinen Zähmungskraft 3. Fokussieren, angewandte
Details. Schaltkreis: Kollektiv, Verstehen
Du hast ein besonderes Auge für Details, dir fallen Dinge auf, die andere gar nicht
mitbekommen. Du spürst die eine Stimme, die falsch klingt, siehst die eine Sache,
die nicht stimmt. Diese Sorgfalt braucht es, denn bevor du deine Kraft aktivierst,
musst du prüfen, wo sie sich im weiteren Prozess verhaken kann. Wie bei einem
Schlittenhundegespann – wo man, bevor man den Befehl zum losrennen gibst,
prüfen musst, ob die Leinen alle richtig liegen und nicht verknotet sind. Diese Gabe
zum Fokussieren und Prüfen ist sehr wichtig für das Gelingen einer Sache – nimm
dir die Zeit, die du brauchst. Du hast die Klarheit, dich auf diese eine Sache zu
konzentrieren und alle Details zu beachten. Diese Gabe, sich auf das Wesentliche
eines Prozesses konzentrieren zu können, ist extrem kostbar, auch wenn sie erst
mal unspektakulär erscheinen mag – aber wenn du etwas gefunden hast, was dir
Freude macht, bringt dich die Übung zur echten Meisterschaft. Dann geht dir diese
Tätigkeit so in Fleisch und Blut über, dass du immer mehr Feinheiten entdecken
wirst, es bis ins Detail entwickelst.
Wenn Tor 52 aus der Wurzel hinzukommt, ist es leichter, das richtige Timing zu
finden. Ist Tor 9 alleine, dann achte darauf, dass du genug Zeit hast, um dir wirklich
sicher zu sein. Du hast ein Auge für Details und die Klarheit des Fokus, Energie in
die richtige Bahn zu lenken. Der Vorteil ist: du kannst über diese Gabe verfügen, im
Dienste aller – oder auch in deinem eigenen Leben. Tor 9 hat die Gabe, Energie
weise einzusetzen, das Kostbare nicht zu „verheizen“, sondern wirkungsvoll
auszurichten.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Das Thema des Fokus kann sehr
herausfordernd sein und so ist es im übertragenen Sinne für Menschen mit Tor 9
sehr wichtig, das für sie stimmige Ziel „ins Visier“ zu nehmen, aus den
einengenden Mustern der Vergangenheit herauszutreten und sich verbindlich auf
ihr Ziel auszurichten. In dem Maße, in dem alte Überzeugungen und
Glaubensmuster aufgelöst werden, es darüber hinaus gehen darf, in dem du über
dich selbst hinauswächst, realisiert sich dein Wunsch, die beste Version deiner
Selbst zu erschaffen. Die Buddhisten ehren diese Energie im Herz Sutra: Gate gate

24 Rudd, ebd. S. 115


223
Pāragate Pārasamgate Bodhi svāhā. Gegangen, gegangen, hinübergegangen, ganz
hinübergegangen, oh welch ein Erwachen, vollkommener Segen!
Die spirituelle Ebene
Thema des 9. Tores ist es, das für dich stimmige Maß an Aktivität zu finden und in
allem, was du in deinem Leben tust, deinen Traum im Auge zu behalten.
Im Schatten wird es dich dazu (ver)führen, dich im Alltag zu verlieren, deine
Energie für alles, nur nicht deinen Weg zu verpulvern. Eines der Lieblingswörter
meiner Oma Erika, Jahrgang 1901, war „belanglos“. Damit meinte sie all die
Nichtigkeiten, die uns nicht mit Energie füllen und begeistern, denn sie rauben
unsere Kraft und lenken von unserem ureigenen Ausdruck ab. Dann geht das
Gefühl für die höhere Bestimmung verloren; der Mensch kann Wichtiges nicht
mehr von Äußerlichkeiten unterscheiden – aber den Mangel an Herzblut in seinem
Tun spürt jeder. Unzufriedenheit und ein Sich-Beklagen sind die Folge.
Dieser Schatten kann sich als ein innerer Widerwille gegen Veränderung zeigen.
Gelähmt von einer inneren Dynamik kann der Mensch keine Willenskraft
aktivieren, um sich aus den gewohnten Mustern zu befreien. Denn eine Befreiung
braucht die Bereitschaft, sich seinen Ängsten zu stellen. Es ist ein schwieriger Weg.
Die andere Seite der Schattenenergie zeigt sich nicht in Trägheit, sondern in einer
überaktiven Spaltung vom Innen – dann ist der Mensch extrem unruhig und
hyperaktiv, alles wird nach außen transportiert, es gibt keinerlei Struktur und Halt,
man kommt nicht zur Ruhe. Es ist schwierig, die Schattenebene von Tor 9 zu
verlassen, sie kann sich wie ein Moor anfühlen, in dem jeder Schritt zäh und
klebrig tiefer nach unten zu ziehen scheint, aber den inneren Traum, die eigene
Vision wieder zu finden hilft in eine höhere Schwingungsebene zu gelangen. Hier
braucht es einen neuen Fokus, die Ausrichtung auf das Erhebende, einen echten
Herzensweg (auch wenn das Wort ja leider sehr abgenutzt ist - hier stimmt es
tatsächlich).
In der höheren Frequenz findet die innere Kraft eine Richtung: es kommt die Gabe
der Entschlossenheit ins Feld. Wenn eine Haltung immer wieder eingenommen,
eine Handlung wieder und wieder ausgeführt wird, entsteht eine richtungweisende
Wirkung. Je öfter der Mensch auf sein Herz hört, desto klarer wird dessen
wegweisende Richtung und Führung, wird ein „Selbst-läufer“ und braucht immer
weniger eigene Energie. Rudd spricht von einer magnetischen Energie in Tor 9, die
beginnt, das Universum zu uns zu ziehen, der Verstand hört auf, sich einzumischen
und abzulenken, der Mensch kommt wirk-lich in eine Harmonie mit dem
Universum und betritt ein höheres Bewusstseinsfeld.
Auf der höchsten Schwingungsebene, der Unbesiegbarkeit, entfaltet sich die tiefe
Magie von Tor 9. In der buddhistischen Tradition gibt es die Praxis des Tonglen –
224
wo aus der Liebe zu allen Wesen der Praktizierende das Leid der anderen einatmet
und Heilung ausatmet, wo er sich selbst zur Nahrung für all die hungernden Geister
anbietet – und so heilt die Welt. Die Energie eines Menschen, bei dem die höchste
Frequenz von Tor 9 aktiviert ist, wirkt wie ein Laser, der beim anderen das
beleuchtet, was Heilung braucht, er zeigt die Schatten auf und wirkt allein durch
seine Anwesenheit erweckend und lösend.
Tor 10 im Selbst – schaut zu Tor 20 - Kehle, Tor 57- Milz, Tor 34 - Sakral
1. Tor des Verhalten des Selbst 2. Das Auftreten 3. Authentizität
Schaltkreis: Integration und Individuell – Zentrieren
Vielleicht eines der beeindrucktesten Tore – denn es geht um Selbstliebe. Um den
authentischen Ausdruck deiner Selbst – das echte, wahre Sein. Nicht in dem du
etwas werden willst oder künstlich darstellst, sondern in dem du dich in das hinein
entspannst, was du bist. Es gibt die Anlage, ein Vorbild zu sein – für ein glückliches,
erfülltes Leben. Wie die Hirnforschung sagt: wir lernen durch Vorbild und
Inspiration. Genau diese Ausstrahlung kann Tor 10 entfalten. So kann es in seiner
größten Vervollkommnung wirklich lehren, wie es geht, sich zu lieben, das Leben zu
lieben und auf gute, inspirierende Weise voranzugehen.
Der gelebte eigene Weg – bei dem du deinen Überzeugungen, dir selbst zu
vertrauen lernst. Es ist nicht wichtig, was die anderen über dich denken, stell nichts
künstlich her. Es geht in allem um Authentizität. In der Polarität des Tores schwingt
hier der Selbsthass mit – das sich-aufgeben für die Erwartungen das Außen, oder
auch die Selbstzentriertheit, wo es niemand anders zu geben scheint, wo sich der
Mensch nur noch um sich selbst zu drehen scheint. Oder der Mensch fühlt sich
hilflos, als Opfer der Umstände: „alle anderen sind schuld“ oder auch: “ich bin
völlig unfähig“. Keine dieser Haltungen dient – weder sich selbst noch der Welt. So
kann sich die Fülle von Tor 10 nicht entfalten; die Einladung dieses Tores ist es, in
allen Situationen des Lebens echt zu sein – und damit immer gut genug! Leben, auf
deine Art. Hierzu passt der Song von Whitney Houstons „the greatest love of all is
learning to love yourself“ – die größte Liebe von allen ist zu lernen, sich selbst zu
lieben. Tor 10 ist das Rollentor für die Verhaltensrollen im Leben.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Wenn es dir schwer fällt, dich selbst
anzunehmen, beginne mit der Wiederholung des Satzes „ich bin okay so wie ich
bin“. Oder übertreibe in die Gegenrichtung – „Alle anderen 7,6 Milliarden
Menschen auf der Welt sind okay, nur ich nicht“. Alles, was den denkenden Nicht-
Selbst-Verstand davon ablenkt, in vertrauten Bahnen zu denken, ist gut. Halte in
der Meditation dich selbst als das Kind, das du warst, in deinem Arm. Übe
Verständnis und Mitgefühl mit dir selbst.
Die spirituelle Ebene:
225
In der Schattenfrequenz von Tor 10 geht es vor allem um die extreme Fokussierung
auf die eigene Person, die eigene Besonderheit, den eigenen Körper, das eigene
Leben. Ein Mensch in dieser Schwingung sieht bei allem zunächst das eigene
Bedürfnis oder die eigene Haltung. Es ist ihm kaum möglich, sich auf den anderen
einzustellen und dessen Einzigartigkeit zu sehen. Man sieht dort dann nur, was
man ändern möchte. Dahinter steckt die Angst, eben nicht zu wissen, wer man ist.
Wir alle kennen Menschen, die nur auf ihr Äußeres schauen, sich, ihren Körper und
alles, was zu ihnen gehört ständig optimieren – und doch weit von ihrem wahren
Selbst entfernt sind. Die eine Ausdrucksform dieses Schattens ist die
Selbstverleugnung, dann ist kein Selbst-Bewusstsein da, das Innen fühlt sich leer an
und der Mensch sucht, die innere Leere im Außen zu füllen, z.B. auch durch die
Religion. Oder er lebt ganz narzisstisch, dann geht es nur noch (aber eben nicht
wirk-lich) um sich selbst, dann ist keine echte Beziehung zu anderen möglich.
Auf der höheren Schwingungsebene zeigt sich die wundervolle Natürlichkeit von
Tor 10: kreativ, einzigartig, besonders „man-selbst“ zu sein. Das mag einfach
klingen, ist jedoch ein komplexer Prozess. Er beginnt mit einer Entspannung und
dem Gefühl, endlich mehr Freiheit zu haben. Es folgt meist eine Zeit des Rückzugs
und der Suche, die letztendlich zum Loslassen eben jener Teile und Techniken
führt, die auf dem Weg hilfreich waren. So geschieht dem Menschen eine Art
Wiedergeburt hin zu dem echten Kern, der immer in ihm angelegt war und der
nun zum ersten Mal gelebt werden kann. Als letztes ist es am besten beschreibbar
als ein klares Sein, dem leuchtenden Ausdruck der eigenen Individualität. So
kommt das Neue in die Welt.
Auf der höchsten Frequenz strahlt einfach das Sein durch Tor 10, hier löst sich das
so mühsam gefundene Selbst der Gabenebene auf – denn es gibt keine
Unterschiede mehr, kein Denken, kein Getrenntsein von irgendetwas und somit
eben kein Ich. Arhat nannten die buddhistischen Weisen ein solches Wesen,
jenseits von aller Trennung, erleuchtet in einem erleuchteten Universum. Ohne
jeden Impuls, noch etwas tun oder verändern zu müssen, ganz im Wunder des
Augenblicks. Einen kleinen Geschmack gibt vielleicht das Bild der weisen
Großmutter, die auf ihre Enkelin schaut, die gerade all die Abenteuer des Lebens
mit ihren Aufs und Abs und all den Dramen erlebt - sie kennt und gleichzeitig von
einer ganz anderen Perspektive schaut - wo alles da sein darf, alles dazugehört, und
doch das Sein, das hinter den Dramen der Welt liegt, spürt25.

Tor 11 im Ajna - schaut zu Tor 56 in der Kehle

25 Ebd. Rudd S. 132


226
Das Tor der Ideen 2. Der Friede 3. neue Ideen Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Du möchtest die Dinge zum Besseren verändern und hast jede Menge Gedanken
und Ideen, wie die Gesellschaft verbessert werden kann und wie in einer
Gemeinschaft mehr Frieden entstehen kann. Dabei geht es dir immer um die
Gemeinschaft, also nicht nur um deine Gedanken und Ideen für dich und dein
Leben, sondern für alle. Wenn du versuchst, Sicherheit und Lösungen zu finden für
deine eigenen Probleme, wird dies nur zu weiterer Frustration und Verwirrung
führen. Auch wichtig zu be“denken“ ist, dass es bei Tor 11 nicht um Handlung und
direkte Aktion geht, sondern um Anregung durch Reflektion. Es ist spezialisiert auf
mentale Vorstellungen. Es sucht Sinn aus Erfahrungen, damit Frieden entstehen
kann.
Es ist das Tor des Geschichtenerzählers, und oft begleitet von glücklichen
Wendungen. Menschen mit Tor 11 haben häufig Glück, aber ein großer Teil ihres
Glücks besteht darin, dass sie den Sinn in Geschehnissen erkennen können. Sinn ist
kein objektives Kriterium, vielmehr muss ein Ereignis für die betreffende Person
Sinn ergeben. Wahrscheinlich bist du ein neugieriger Mensch – dich interessiert es
einfach, was vor sich geht, was die Welt zu bieten hat. Du versuchst, darin einen
Sinn zu finden – was oft, aber sicher nicht immer gelingen kann. Dann ist es wichtig
loszulassen, den Gedanken zu trainieren, dass es ganz sicher für irgendetwas gut
war, auch wenn sich der Sinn noch nicht zeigt.
Die große Herausforderung ist, auf keinen Fall diese Fülle an Ideen und
Möglichkeiten mit Arbeitsaufträgen zu verwechseln. Übe die Geduld zu warten, bis
der richtige Augenblick oder der richtige Mensch kommt, dann werden deine Ideen
gewollt und geehrt. Tor 11 hat eine suchende, reisende Energie, es geht weniger
um das Ankommen an einem bestimmten Ziel, sondern um die Erlebnisreise des
Lebens und all die Ideen, die das mit sich bringt.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Schreib deine Ideen auf, sammle und ehre
sie. Würdige deine Fülle, das ist schon ein großer Erfolg. Du bist eine inspirierende
Kraft der Kreativität auf diesem Planeten und bringst wichtige Anregung!
Die spirituelle Ebene:
So lichtvoll die Gabe von Tor 11 ist, so dunkel ist ihr Schatten. Wie schon unsere
Wissenschaftler sagen, nehmen wir nur einen winzigen Teil der uns umgebenden
und innerlich erfüllenden Welt wahr. Tor 11 hat viel mit der rechten, dem
Weiblichen zugeordneten Gehirnhälfte zu tun, wo Fluten von Bildern aus dem
Unbewussten sich zeigen können. Dort wirken die Archetypen und die Ängste und
haben Einfluss auf das menschliche Körpersystem. „Der 11. Schatten ist wahrhaft
ein Minenfeld an verlorenen Träumen, wirklichkeitsfremdem Benehmen,

227
Verleugnung, Schuld und Unterdrückung“.26 Ganz nach dem Bibelzitat auf Seite
127: „Wenn du nicht hervorbringst, was in dir ist, wird dich vernichten, was in dir
ist“ ist es auf Dauer für den Menschen im Schatten von Tor 11 sehr ungesund, in
einer Fantasiewelt zu leben, die keinen Ausdruck im echten gelebten Leben findet,
denn dann wendet sich die Energie gegen uns. Die andere Ausdrucksform ist die
Verblendung. Nicht der eigentliche, echte Kern, sondern eine Vorstellung wird
ergriffen. Der Mensch verbeißt sich in eine Idee, die aber nie realisiert wird, was zu
tiefer Enttäuschung, Wut und Verzweiflung führen kann.
Es braucht den echten Traum, die Kraft der inneren Quelle, die Verwirklichung
fruchtbar macht. Dann steigt die Energie zur Frequenz der Gabe. Dann können die
Bilder der inneren Welt sich zeigen, ein ganzer Fluss von Archetypen wird sichtbar.
Das ist herausfordernd! Denn manch einer identifiziert sich mit den Bildern, glaubt
dann, Jesus oder Kleopatra zu sein. Ich haben in meiner Praxis Menschen erlebt,
die in die Identifikation mit dieser inneren Fülle gerutscht waren.
Doch die Gabe von Tor 11 ist es, die Magie der Visionen und Bilder zu ehren, aber
sie nicht festzuschreiben. Bücher wie “The Secret” vermitteln das Gefühl, dass man
nur exakt genug visualisieren muss, um zu manifestieren. Doch die Kunst liegt
darin, zu träumen und auch an die Realisation zu glauben, aber dennoch
loszulassen und dem “wie” aus dem Weg zu gehen. “Let go and let God” sagten
meine medialen Lehrer in England – lass los und lass Gott (Gott hier gemeint als
Quelle, höchste Weisheit, wie auch immer es für dich passt). Rudd beschreibt, wie
stark die Gabe von Tor 11 zur Zeit in die Welt kommt, als ein Wieder-Erwachen der
weiblichen Kraft der rechten Gehirnhälfte, mit dem kollektiven Wissen alter
Stammeskulturen, mit einer neu erwachenden Kunst der Magie.
In seiner höchsten Schwingung ist die Kraft des 11ten Tores reines Licht. Sie wird
erreicht über einen Weg von Selbsterkundung und Annahme; wie ein Reinwaschen
lösen sich die einzelnen Archetypen auf. Im Feuer der Erfahrung schmilzt alles
weg, was nicht zu dem einzigartigem Bild gehört, dass der Mensch in sich trägt. Das
Identifizieren endet, alle Projektion oder Anstrengung löst sich in diesem
alchemistischen Prozess. Der Mensch ist zum ersten Mal echt, wirklich er selbst –
reines Licht des Bewusstseins hinter jeder Form. Die Leere, die Allgegenwart des
Göttlichen, das reine Licht der klaren Erkenntnis – es gibt viele Namen in allen
philosophischen, spirituellen und religiösen Systemen. Es liegt eine Zeitlosigkeit in
dieser Schwingung des Lichtes.
Gerade in unserer heutigen Zeit ist die „Lichtarbeit“ extrem populär. Leider lassen
manche dieser „Licht-und-Liebe“-Menschen etwas dazu Unabdingbares gerne

26 Rudd S. 136
228
außer Acht: um wirk-lich lichtvoller zu werden, braucht es die Annahme des
Schattens, der Dunkelheiten in uns. Sie müssen angenommen sein, um sich
wandeln zu können. Vor 20 Jahren beleuchtete Debbie Fords Buch „Die dunkle
Seite der Lichtjäger“ wunderbar den Heilweg, den eine Annahme der eigenen
Schatten ins Leben bringt. Und wer selbst schon Schritte auf dem Weg der inneren
Prozessarbeit gemacht hat, weiß, dass es ganz schön anstrengend werden kann,
wenn an einem Kurswochenende mehr Licht in das eigene System kommen durfte
– die Schatten stehen parat, um angenommen und bearbeitet zu sein.
Damit meine ich nicht, dass wir uns auf die schwierigen leidvollen Prozesse
versteifen sollten. Immer gilt, dass die positive Richtung im Blick behalten werden
sollte. Aber wie meine Freundin und langjährige Prozessbegleiterin Regina Löhr
immer wieder sagte: „Wo die Angst ist, geht der Weg lang“ – denn nur, wenn alles
durchlichtet worden ist, kann unser wahres Menschsein sich zeigen. Jenseits der
Dualität, eben reines Bewusstsein.

Tor 12 in der Kehle, schaut zu Tor 22 in den Emotionen


1. Das Tor der Vorsicht 2. Die Stockung 3. Angemessenheit, ob der emotionale
Ausdruck stimmig ist. Schaltkreis: Individuell, Wissen
Hier kann man wirklich sagen: Der Ton macht die Musik. Es geht um ganz viel
Gefühl und du kannst deine Stimmungen, überhaupt emotionale Dinge,
ausgesprochen gut ausdrücken. Aber: ganz wichtig ist hier, darauf zu achten, dass
der Zeitpunkt stimmt – dass also du in der richtigen Stimmung bist und dass deine
Zuhörer in der passenden rezeptiven Stimmung sind. Denn sonst kann die Energie
als zu intensiv wahrgenommen werden, dann führt es schnell zu Ablehnung.

Es ist ein Tor, das sich ausdrücken will. Viele große Schauspieler, Künstler, Musiker
haben diese Gabe, denn das Potential zum Bewegen und Berühren von Emotionen
ist beeindruckend. Tor 12 ist ein Tor, das etwas Neues, Veränderndes, Besonderes
und Mutatives in die Welt bringen kann. Und das führt dazu, dass es hier einen
sehr einzigartigen „Sicherheitsmechanismus“ gibt: es kann sein, dass du manchmal
keinen Ton rausbekommst, dann ist es das Tor des Stillstands, wo nichts geht. Der
Sinn dahinter wird leicht klar – in vergangenen Zeiten und auch heute an manchen
Orten der Welt konnte es einen leicht das Leben kosten, zum falschen Zeitpunkt zu
sprechen oder etwas, das verboten ist, auszudrücken. Viele haben für die Wahrheit
ihr Leben verloren. Du brauchst, dass du gewürdigt bist, wenn du sprichst. Und
wenn die Stimmung nicht stimmt, kann diese Gabe sich nicht ausdrücken, die
Quelle versiegt, die Schwingung wird nicht verbal freigesetzt.

229
Du hast einen sehr individuellen Ausdruck, du kommunizierst schon über die Aura -
man spürt, was du sagen würdest. Daher ist emotionale Klarheit sehr wichtig (Tor
12 schaut zu Tor 22 in den Emotionen). Du wünscht dir Harmonie und Kreativität,
du liebst es, in einem Feld von Visionen und Inspiration zu sein, in einer Welt der
Kommunikation und des Miteinander zu leben.
Kurz gesagt: Timing ist alles.
Und wenn es grad mal schwierig ist: „Ich vertraue, dass alles zum rechten
Zeitpunkt geschieht.“
Zweifle nicht dich oder das, was du sagen willst, an, sondern übe das Vertrauen,
dass der Moment, wo der Andere/die Welt hören will, was du sagst, kommen wird.
Wenn es besonders weh tut, stell dir vor, wie du einem Dreijährigen erklären willst,
welche Seminarabfolge an der Universität Sinn macht. Da ist klar – hier stimmt der
Zeitpunkt nicht. So ähnlich ist es auch, wenn du nicht sagen kannst, was in dir ist.
Die spirituelle Ebene
In der Schattenfrequenz von Tor 12 ist der Mensch verliebt in seine eigene
Einzigartigkeit - ohne zu erkennen, dass es zur echten Selbstliebe gehört, auch die
Anderen zu lieben. Hier glaubt man, dass es nur persönliche Macht ist, die das
innere Sehnen erfüllen kann. Grundgefühl dieses Schattens ist es, sich vom Leben
getrennt zu fühlen, sich nur auf sich selbst verlassen zu können und zu wollen. Die
eigene Besonderheit wird zelebriert. Das ist ein schmaler Pfad – denn jeder ist ja
besonders, einzigartig, und es ist wundervoll, sich selbst wahrhaftig zu lieben. Der
Schatten der Eitelkeit ist oft subtil, er verbirgt sich z.B. in spiritueller Entwicklung,
dem Gefühl, „weiter“ als andere zu sein. Dann kommt ein elitäres Gehabe zum
Vorschein. Leider ist hier gerade im Bereich der Esoterik ein echter
Schattentummelplatz. Und es fühlt sich vermeintlich ja so gut an, einem anderen zu
sagen, er wäre halt noch nicht so weit und man selbst völlig erleuchtet.
Bedauerlich, denn nichts trennt mehr vom echten Selbst und den Gaben von Tor 12
als diese Überheblichkeit. Eine andere Ausdrucksform der Schattenfrequenz liegt in
der besonderen Begabung für Sprache in Tor 12 – die dann eingesetzt wird, um
zielgerichtet und mit stark emotionaler Wirkung den anderen zu verletzen. Mit
laserhafter Präzision findet der Mensch dann die verletzlichen Punkte in Anderen –
sicher kein Weg zur Verbundenheit.
In der höheren Schwingungsebene von Tor 12 kann eben diese
Wahrnehmungskraft gesünder genutzt werden. Sie wird zu einer
Unterscheidungsfähigkeit; der Mensch sieht und fühlt sofort und präzise, wer und
was gut für ihn ist. Er sieht, wer authentisch ist und wer nicht, er spürt, welches
Verhalten echt ist. Die Gabe von Tor 12 ist es, immer weiter zu drängen, damit sich
Klarheit, Reinheit und Echtheit zeigen. Damit geht großes Feingefühl für alle
230
Nuancen des Lebens einher, auch in Bezug auf die Kunst. Viele Maler, Musiker,
Schauspieler haben dieses Tor. Durch die Beteiligung der emotionalen Ebene
kommt echte Leidenschaft mit ins Feld, die Suche nach Liebe, all die Schönheit –
und auch der Kummer, den das bringen kann. Die Energie der 12. Gabe wird
immer wieder Altes beenden, damit es weiter und höher hinaus gehen kann.
Auf der höchsten Schwingungsebene dann wird aus der Fähigkeit zu unterscheiden
eine wirkliche Reinheit des Herzens. Das ist die höchste Liebe zum Höchsten, die
alles mit einschließt. Der von dieser Frequenz erfüllte Mensch lässt sich in die
Liebe, in seine wahre Natur hineinfallen. In allen mystischen Überlieferungen
durchläuft der Mensch mehrere Phasen und die letzte davon ist die Annahme des
eigenen Todes, das Loslassen von allem, um dann mit reinem Herzen
wiedergeboren zu sein. Jemand, der diese Ebene von Tor 12 verwirklicht hat, trägt
das Göttliche in seinem Herzen; jede äußere Form oder Errungenschaft wird
unwichtig. Vielleicht kann am ehesten die Poesie der Sufis wie z.B. Rumi die Tiefe
und den Klang dieser Reinheit des Herzens wiedergeben – die Einheit von Ich und
dem Göttlichen als höchste Wirklichkeit.

Tor 13 im Selbst - schaut zu Tor 33 in der Kehle


1. Das Tor der Zuhörer 2. Gemeinschaft mit Menschen 3. Achtsames Zuhören
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Das Tor des Zuhörens. Das kennst du sicher – Menschen erzählen dir ihre
Geschichten. Sogar wildfremde Menschen, einfach so. Du strahlst einfach diese
Gabe des Zuhören-könnens aus, du bist ein Geschichten-Bewahrer. Die Menschen
erzählen dir ihre Geheimnisse und du sammelst Informationen, ohne den Druck, sie
wieder herausbringen zu müssen - sie bleiben einfach in dir. Du bist der
Schatzmeister des kollektiven Bewusstseins, denn all diese Geschichten formen
eine kostbare Sammlung des Erlebten. Über die Zeit findest du die genau passende
Mischung aus Mitgefühl und Weisheit, und wenn du etwas zu jemandem sagst, ist
es passend, angemessen und hilfreich. Dann wird aus dem heilenden Hören ein
Impuls in die richtige Richtung.
Dieses Zuhören können ist Teil deines Wesens. Menschen werden einfach darauf
reagieren. Daher geht es für dich darum, einen Weg zu finden, wie du damit gut
umgehen kannst, es als Gabe nutzen magst. Nicht zu vergessen ist aber auch: als
erstes und wichtigstes geht es natürlich auch darum, dir selbst zuzuhören, auf dein
Innerstes zu lauschen und die Erlebnisse deines Lebens wahrzunehmen. Genauso
wichtig ist es, dir klarzumachen, dass du – nur weil du es so gut kannst und die
anderen es wollen – nicht alles anhören musst. Dinge, die dich belasten, darfst du
ablehnen. Üben, auch “Nein – das möchte ich nicht hören” zu sagen.
231
Das Tor hat auch den Namen „der verlorene Sohn“ – in Anlehnung an die biblische
Geschichte des Sohnes, der seine Familie und Heimat verlies und nach vielen
Jahren der Erfahrungen in der Welt wieder heimkehrte, reich an Erlebtem.
Tor 13 ist ein Rollentor und bestimmt über deine für dich passende Art von
Offenheit anderen Menschen gegenüber und in der Verbindung zu ihnen. Immer
wirksam ist jedoch, dass man sich angezogen fühlen wird von dir und dir
anvertraut, was andere nie zu hören bekämen.
Gleichzeitig bist du wie eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft –
du trägst die Zeiten in dir und hast dann, im richtigen Moment, große Weisheit zu
teilen; du kannst vielleicht sogar den Lauf der Geschichte beeinflussen. Das kennen
wir sicher alle (und wenn auch nur aus Filmen): diese besondere Situation, wenn
jemand dir genau das Richtige zum genau richtigen Zeitpunkt sagt, und sich
dadurch der Weg deines Lebens in eine neue Richtung bewegen kann.
Und wenn es grad mal schwierig ist: auch wenn du der geborene Zuhörer bist -
du darfst durchaus auch mal nicht zur Verfügung stehen! Auch der Rückzug gehört
zu deinem Leben.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten des Tores ist der Mensch gefangen in der eigenen Vergangenheit. Ein
Missklang entsteht aus all dem negativ Erlebten der Vergangenheit, aus nicht
positiv erlebten Entscheidungen, aus dem Gefühl, durch nichts erfüllt zu sein und je
sein zu können. Das wirkt sich dann entweder so aus, dass man zwar hört, aber
nicht zuhört, ohne emotionale Verbindung mit anderen ist. Dann tut zwar nichts
mehr weh, aber es gibt auch keine emotionalen Höhen und Tiefen, alle Freude wird
der Vermeidung des Schmerzes geopfert. Oder aber es kommt eine Engstirnigkeit
zutage, dann lehnt der Mensch alles ab, was die anderen sagen. Eine negative,
pessimistische Weltsicht bekämpft jede Idee der positiven Veränderung. Fast
scheint es, als wäre es das Hobby dieser Menschen, andere zu widerlegen und von
ihrem Pessimismus zu überzeugen.
Mit der Annahme und dem Gewahrsein der eigenen, emotionalen Natur im Jetzt
entsteht Verständnis für sich selbst und somit für alle Menschen. Dieser Schritt ist
in jeder therapeutischen Arbeit, vor allem in der Arbeit mit der Geistigen Welt, wie
ich sie in meinen Kursen unterrichte, extrem wichtig. Erst wenn die eigenen
Gefühle und Haltungen bewusst und angenommen werden, kann sich der Blick für
den Anderen klären, dann kann echtes Zuhören geschehen, ohne durch die eigenen
Dinge geblendet zu sein.
Urteilsvermögen heißt diese Gabe, der Beobachter in uns erwacht. Dann darf alles
da sein, denn wir sind Erlebender und Zeuge zugleich, ein unabhängiges
Bewusstsein entsteht. Diese Prozesse – von der Dunkelheit über eine Zeit der
232
Prüfung ins Licht – waren schon immer Teil unserer menschlichen Geschichte,
Märchen und Mythen berichten davon. Wir durchleben diese Geschichte, die tief
in unseren Genen verankert ist, erinnern die Archetypen, die Heldenreise, sie sind
ein Entwicklungsweg der Seele, der gerade in dieser so intensiven Übergangszeit, in
der wir leben, eine ganz neue Bedeutung findet. Wir setzen an zu einem kollektiven
Bewusstseinssprung.

Auf der höchsten Ebene öffnen sich all die Informationen unserer Geschichte. Der
Mensch wird eine Art „kosmischer Bibliothekar“27, und über dieses tiefe Erkennen
gelangt er zu einer kosmischen Wahrnehmung, der Verbundenheit aller
Erscheinungen hinter der Fassade ihrer Form. Hörer und Gehörtes verschmelzen,
und so nennt Rudd die Empathie den Tod der individuellen Existenz .
Der Arzt und Hypnotherapeut Gunter Schmidt prägte den Satz „es ist nie zu spät für
eine glückliche Kindheit“ – denn wenn wir uns mit allen Sinnen an den vielleicht
einen guten Tag mit dem Vater erinnern, hat diese Erinnerung die Macht, Anderes,
Negatives, einfach zu „überschreiben“. Und das wiederum hat eine heilende
Wirkung auf unser ganzes System, verändert unsere DNA. Unsere Mythen sind
entstanden, weil die Ereignisse in einem bestimmten Licht gesehen, geschildert
und erzählt wurden, und mit der Siddhi der Empathie öffnet sich die Zeit. Es wird
möglich, zu wandeln und zu heilen. „Wenn dir die große kosmische Mutter zuhört,
heißt das, dass alle feinen Ängste an die Oberfläche kommen und liebevoll in
vollkommene Vergessenheit geraten“ 28. Um auf diese Ebene zu gelangen, müssen
wir bereit sein, uns ganz weit zu machen und all die Ängste der Vergangenheit
liebevoll anzunehmen, all die Schatten und Abwehr zu umarmen, nur dann kann
sich alles Trennende auflösen. Dieser Prozess der Annahme und Auflösung berührt
die tiefe Angst vor der Vernichtung – wie in der Heldenreise führt der Weg ins Licht
tatsächlich durch den Hades, durch das Tal des Todes.

Tor 14 im Sakral, schaut zu Tor 2 im Selbst


1. Das Tor, geschickt mit Macht umzugehen 2. Der Besitz von Großem 3. Umgang
mit Ressourcen, individuelle Schaffenskraft. Schaltkreis: Individuell, Wissen
Dieses Tor mag Fülle, Wohlstand, Materie. Es kann ein sehr glücksbringendes Tor
sein, denn mit ihm kommt die Fähigkeit, dass wenn du tust, was du liebst und

27 Rudd S. 157
28 Rudd S. 159
233
liebst, was du tust, du große Fülle erschaffen und halten kannst. Du kannst Großes
besitzen, die Energie von Tor 14 mag Materie und kann sie halten. Dabei geht es
weniger um das Geld an sich, es geht um einen Fülle-schaffenden Beitrag für die
Welt. Tor 14 ist von seiner Natur her individuell, und somit ist im Vordergrund
deine persönliche Mission, dein Weg, zu tun, was du liebst. Folge deiner Strategie
und Autorität, denn wenn du „korrekt darin bist, erschöpft sich die Energie nicht,
sondern du kannst „in den Besitz von Großem“ kommen, wie der Name schon sagt.
Hier leitet dich deine sakrale Reaktion: wenn es wirklich ja sagt in dir, dann wird es
gut. Dann ist hier eine unglaubliche Schubkraft, der Schlüssel für Veränderung. Es
geht in deinem Leben auf jeden Fall darum, diesen Schatz zu entdecken, zu dem
dein Schlüssel passt, diese besondere Kraft und Gabe zu öffnen. Und auf passende
Weise damit umzugehen.
Ein weiterer Aspekt ist hier aber auch, diese Fülle zu teilen – also andere teilhaben
zu lassen. Wenn du dich ausdrückst, mit deiner Vision, dann hast du den Schlüssel
zum Glück. Mit dieser Schaffenskraft kannst du einen kostbaren Beitrag für das
Allgemeinwohl schaffen (im Idealfall dienen deine Projekte tatsächlich sowohl dir
als auch der Gemeinschaft). Du kannst sehr geschickt mit Ressourcen umgehen und
vor allem, wenn eine Verbindung mit Tor 2 entsteht, kommt ein beinahe
alchemistischer Prozess in Gang. Fülle landet einfach bei dir.
Gleichzeitig mögen die meisten Menschen mit diesem Tor das Gefühl, etwas im
Rücken zu haben, Geld auf der Bank, eine Sicherheit, sonst fehlt der Boden unter
den Füssen. Erlaube dir, deine Richtung zu wählen, deine Fülle für deinen Weg zu
nutzen und dir eine Basis sicherzustellen.
Etwas witziges: sehr oft suchen Leute mit diesem Tor ihre Haus- oder
Autoschlüssel…
Und wenn es grad mal schwierig ist: halte kurz inne, spüre, wo wirk-lich deine
Leidenschaft, deine Begeisterung liegt. Spüre der Liebe zu dem, was du tust nach.
Und wenn du sie gar nicht finden kannst, leg eine Fülle-spür-Pause ein, wende dich
deiner Kreativität zu, deinen Ressourcen, der Fülle in dir. Wie wäre es, wenn sie
sich einfach so, wie eine sprudelnde Quelle ausdrücken dürfte?
Die spirituelle Ebene
Der Schatten von Tor 14 ist so verbreitet, dass die meisten Menschen ihn
wahrscheinlich als ganz normal ansehen. Der Kompromiss, da trifft man sich in der
Mitte – was aber in unserem Leben oft dazu führt, dass nichts mehr leuchtet und
begeistert. Schon früh wurden (und werden noch) Kinder dazu erzogen, nicht zu
viel zu wollen, sich nicht an Träume zu hängen, sondern etwas „Vernünftiges“ zu
lernen, damit sie einen Job bekommen. Tragisch alleine schon bei dem Gedanken,
wie das wohl für die 70 % Generatoren sein muss - nicht dem sakralen Ja, sondern
234
dem vernünftige Kompromiss zu folgen. Unsere Träume werden nicht als
Wegweiser geehrt, sondern abgetan. Zum Glück gewinnen Erneuerer unseres
Schulsystems wie Prof. Gerald Hüther immer mehr Gehör – denn in der
Vergangenheit ging es ja auch in der Schule um Einheitsbrei und Kompromisse,
nicht um Individualität, Originalität und den einzigartigen Beitrag, den wirklich
jeder Mensch mit ins Leben bringt.
Der Schatten von Tor 14 kostet Kraft. Er vernichtet unsere Schöpfungskraft und
wirkt sich entweder aus, indem er den Menschen fast verschwinden lässt in der
Masse, angepasst und ohne den Mut, auch mal „gegen den Strom“ zu schwimmen.
Dann geht immer mehr Lebensenergie verloren, ein erfülltes, sinnhaftes Leben ist
unmöglich. Oder aber der Mensch investiert seine gesamte Kraft in einen Beruf,
der nicht der Richtige ist, und versucht dort zu beweisen, dass er etwas Besonderes
ist. Er ringt um Anerkennung von außen, die doch nie wirklich nähren kann. Denn
in dem Nicht-Passenden ist ja das Eigene, Authentische und Besondere, das zum
Erfolg führen könnte, nicht gegeben.

Sobald der Mensch wagen kann, keine Kompromisse mehr einzugehen (auch wenn
das Angst macht), wächst jedoch die Verbindung zu sich selbst und zur eigenen
Kompetenz. Rudd beschreibt sie als die Verbindung von „Effizienz, Enthusiasmus,
Flexibilität und …Flair“. Wenn die eigene authentische Kraft so fließen kann, bringt
sie Echtheit und Erfolg - für das eigene Leben und auch in jede Gruppe hinein. Dann
werden kraftvoll neue Wege beschritten. Klar, dass diese Energie geradezu
magnetisch wirkt und den Erfolg anzieht. So wird ein Mensch mit dieser Gabe
erfolgreich sein und im Feld seiner Aura andere zu ihrem Erfolg führen.
Auf der höchsten Schwingungsebene wächst Tor 14 zur Kraft der Freigiebigkeit.
Vollkommen authentisch folgt der Mensch seinem innersten Kern, alles persönliche
Hoffen, Sehnen, alle Ängste und Begrenzungen haben sich aufgelöst. Dann wird die
Fülle und Kraft dieser Energie ausgestrahlt in das morphogenetische Feld (daher
der Name Freigiebigkeit) und lenkt alle in eine fruchtbare Richtung, zu materiellem
und auch spirituellem Wohlstand. Die Tatsache, dass hier in der Siddhi jede
Verhaftung an ein Persönliches endet, bringt Sicherheit, denn es geht eben nicht
um persönlichen Reichtum. Wir sind alle eins, leider sehr abgedroschen, aber
genau das zeigt Tor 14 in seiner erfüllten Kraft.

Tor 15 im Selbst, schaut zu Tor 5 im Sakral


1. Das Tor der Extreme 2. Die Bescheidenheit 3. Flexibilität
Schaltkreis Kollektiv, Verstehen

235
Es heißt „die Bescheidenheit“ und ist ein Tor der Extreme, vor allem der extremen
Rhythmen. Ein Tor der Flexibilität, das sich auf wechselnde Umstände einstellen
kann. Weiterhin ist Tor 15 eines der Liebestore – und zwar zur Menschheit, zu
allem, was es so geben kann. Die Liebe dazu, ein Mensch zu sein. Es bringt uns in
Verbindung mit allem, was zum Leben auf der Erde gehört. Zu allen Menschen, zur
Natur, zu Tieren, den Elementen und dem Feinstofflichen – alles in einem.
Wahrscheinlich bist du das, was man als Menschenfreund bezeichnet, jemand,
dem an den anderen liegt.

Menschen mit diesem Tor haben oft eine große magnetische Aura – etwas, das
einfach wahrgenommen wird. Es wirkt anziehend. Mit Tor 15 wird man gesehen,
auch wenn viele Menschen mit diesem Tor sich eher verstecken wollen. Dieses Tor
strahlt eine Energie aus, eine Aura, in der Menschen unterschiedlichster Richtung
zusammenkommen können. Vielleicht hast du Freunde in allen
Gesellschaftsschichten, denn du verbreitest ein Gefühl, dass alles da sein darf, so
wie es ist.
Du nimmst die anderen mit in deiner Schwingung: wenn es dir gut geht, dann
erhebst du dein Umfeld, trägst die Menschen ein Stück weit. Natürlich geht das
auch anders herum, wenn es dir schlecht geht, kannst du die anderen
herunterziehen, das ist aber in der Praxis seltener der Fall. Du bist ein „menschen-
liebender“ Mensch, du schaust auf das Gute und siehst sofort, wo du unterstützen
kannst. Du kannst einfach durch dein Da-sein große Harmonie bewirken. Und du
möchtest da-sein für andere, behilflich sein. Du willst das Leben der Menschen
verbessern. Und dafür wirkst du auf alles, was zu fest, zu rigide ist, auflösend,
aufbrechend. Wenn es nötig ist, kannst du außergewöhnliche Dinge vollbringen,
alles umstellen. Dann bist du der Wandel in Person. Ideal im Notfall, dann ist alles
in dir präsent, völlig flexibel.
Ganz anders als Tor 5, das seinen festen Rhythmus braucht, bist du sehr flexibel, ja
profitierst sogar von ganz extremen Schwankungen – Tor 15 ist ein Tor der Extreme
– es ist ein kollektives Tor – und in seiner höchsten Ausdrucksform sorgt es dafür,
dass alles dazugehören darf, das Toleranz für das Anderssein entsteht. Ganz
persönlich kann das für dein Leben bedeuten, dass du vielleicht an einem Tag nach
der Arbeit ausgehst, nur 2 Stunden schläfst, wieder arbeiten gehst, wieder
ausgehest, nochmal nur 3 Stunden schläfst, wieder arbeitest, und dann 20 Stunden
hintereinander schläfst. Für dich passt das, es ist deine Flexibilität.
Fairness ist dir wichtig, dafür setzt du dich ein. Ungerechtigkeit magst du gar nicht.
Du verlierst nie den Glauben an das Gute, du lässt dich immer wieder ein, auch
wenn du schmerzhafte Erfahrungen gemacht hast. Das bringt dir den Respekt
anderer ein, zu dir wenden sich die Menschen in Not. Da du nicht urteilst, können
236
sie in deiner Gegenwart sein, wie sie sind – das ist der Dienst von Tor 15: wenn du
dich annimmst, mit all deinen Extremen, dann gibst du diese Energie in die Welt
hinein und es entwickelt sich ein Feld der Annahme, ohne Urteil. Mit Tor 15 geht
eine große Unabhängigkeit, ein Bedürfnis nach Freiheit einher. Du kannst dich mit
allen gut verbinden, aber dir ist immer wichtig, dass niemand Kontrolle über dich
ausübt. Dass all die Verknüpfungen, die du schaffst, dir dennoch immer deine
Freiheit lassen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Die Natur ist immer hilfreich, z.B. falls du
Rhythmus-Probleme mit anderen hast (besonders mit Menschen mit Tor 5 kann es
schon mal herausfordernd sein). Dort kannst du dich als dieser Teil des Ganzen
erleben; das stärkt und nährt. Ganz individuell – und doch Teil des Ganzen.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten der 15 herrscht die Angst vor der Alltäglichkeit. Vor einer Routine, die
gefangen nimmt, vor der Eintönigkeit eines Lebens, dass nicht wirklich lebendig ist.
Wie schon Lotte Ingrisch in ihrem Buch „Physik des Jenseits“ sagt: je höher wir
schwingen, desto interessanter wird die Welt - je nach unserer Geisteshaltung
(Schwingung!) erleben wir die Welt vollkommen unterschiedlich. Und wenn der
Geist getrübt ist, manifestiert sich der Schatten der Eintönigkeit. Dann wird jede
Spannung vermieden. Das kann zur Lähmung führen, dann geht der Mensch in die
Depression, oder aber zu einer Sucht nach Extremen, die in ihrer Unruhe ein
Versuch ist, vor dem Gefühl davonzulaufen. Beides löst jedoch nicht den
lähmenden Schatten auf.
Denn dafür müssen wir bereit sein, dieses ganz gewöhnliche Leben anzunehmen.
Denn letztendlich hat unser Leben keine Bedeutung – aber wie wir mit dieser
Information umgehen, macht den vollkommenen Unterschied. In einer Haltung der
Erleuchtung wird so wie vom Buddha die vollkommene Leere erfahren – was zur
Befreiung und einem glückseligen Gefühl führt – oder aber zu tiefster Depression.
„Das ist wahrhaftig das Geheimnis des Bewusstseinsspektrums – dass jeder
Schattenzustand eine göttliche Gabe in sich verbirgt, kaum einen Atemzug
entfernt“ 29
Wenn es gelingt, anzunehmen, was ist und auch was nicht ist – ohne zu drängen
oder zu bremsen, sondern in Einklang mit der Welt – dann passiert etwas
Magisches. Aus Eintönigkeit wird Magnetismus – denn der Mensch kommt endlich
wieder in eine Übereinstimmung mit der Welt. Hier wohnt das „Gesetz der
Anziehung“, alles, was einer höheren Bestimmung dient, kommt magnetisch ins
Leben, fließend, organisch, eben als Teil der Natur. Solche Menschen leuchten vor

29 Rudd S. 173
237
Lebensenergie, voller Enthusiasmus und Offenheit. Diese Energie fühlt sich an wie
lebendig gelebte Liebe. Mir persönlich gefällt bei dieser Frequenz von Tor 15 die
Ehrung des Lebens als Mensch in dieser Welt - es gibt keine Trennung mehr von
Göttlichem und Alltäglichen, es ist ein allgegenwärtiges „Eins“. Mit dieser Frequenz
lernen wir, langsamer in den Rhythmen der Erde zu schwingen und das
Bewusstsein erweitert sich auf und um alles, was es berührt.
Die höchste Schwingungsebene von Tor 15 - Rudd bezeichnet sie als „Blüte“ - ist
ein Erwachen aller Gaben, eine magnetische Resonanz mit dem gesamten Leben,
unendliches Wachstum. Der Mensch lebt voller Begeisterung Gaben und Talente in
unbeschreiblicher Fülle und Intensität. Und das in einer Gleichzeitigkeit, die ein
wenig an Hermine Granger in Harry Potter erinnert, die auf magische Weise
mehrere Kurse gleichzeitig belegen konnte, weil sie alles so gerne lernen wollte.
Doch hier geschieht das alles mühelos und „die Zeit hört auf, in dir zu existieren“.
Diese Energie bringt – über ihre magnetische Wirkung – eine Frequenzerhöhung in
die Welt; wirkt in allen, die Kontakt mit einem Menschen in der Siddhi-Frequenz
von Tor 15 haben. Sie bringt uns als Menschheit „in Übereinstimmung mit einer
höheren Evolution“ und macht möglich, dass wir mit jenen mythischen Ebenen der
Legenden wie Shambala verschmelzen werden. Tief verankert in unserer DNA wird
dieses Programm eine „Kettenreaktion der Erleuchtung“ in Gang setzen.

Tor 16 in der Kehle, schaut zu Tor 48 in der Milz


1. Das Tor der Kunstfertigkeiten 2. Die Begeisterung 3. Fertigkeit, Vielfalt des
Könnens Schaltkreis Kollektiv, Verstehen
Ich bin sicher, du verfügst über eine ganze Reihe von wunderbaren Fähigkeiten und
Talenten, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast. Was auch immer du
beginnst, du wirst darin eine große Geschicklichkeit und Fähigkeit darin entwickeln.
Das ist etwas Besonderes, auch wenn du selbst es vielleicht nicht so sehen kannst.
Hierzu gehört allerdings für dich ganz selbstverständlich der Satz „ Übung macht
den Meister“. Du weißt instinktiv, dass es zur Perfektion immer Übung und Praxis
braucht, und so ist Tor 16 viel beschäftigt mit dem Perfektionieren von Fähigkeiten,
so wie ein großer Musiker sein Instrument so lange übt, bis es völlig mühelos wirkt.
Dieses Tor in der Kehle hat viel mit Begeisterung und Enthusiasmus zu tun. Du hast
ein Auge dafür zu sehen, was funktionieren kann und was nicht. Du identifizierst
dich mit dem, was dir sinnvoll erscheint und dem folgst du. Da es ein Tor im
Zentrum der Kommunikation ist, sprichst du deine Einstellung auch aus – aber
erwarte von den anderen nicht, dass sie immer mit der gleichen Begeisterung
dabei sind wie du, denn du hast diese Gabe des Sehens, was für dich stimmig ist.
Mit einer Aktivierung von Tor 16 hast du Zugang zu großem Enthusiasmus, man
238
hört schon an deiner Stimme, wenn dich etwas mitreißt. Aber Achtung – falls der
andere nicht ganz so begeistert von deiner Sache ist - nimm die Kritik
nichtpersönlich, nicht du bist gemeint, sondern das Thema, das vielleicht kritisiert
wird. (Gerade für Anfangs-begeisterte im Human Design und Tor 16 wichtig zu
wissen).
Du hast wahrscheinilich eine Neigung zur Selbstkritik, denn bei Tor 16 kann es dazu
kommen, dass du alles übersiehst, was du kannst, weil du immer glaubst, es habe
nicht genug Tiefe (das ist das gegenüberliegenden Tor 48). Vor allem kann es die
Befürchtung geben, nicht ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben, um das zu tun,
was dich erfüllt. Wenn du den Mut findest, deinen Träumen zu folgen, wird die Zeit
sich dem beugen! Dann wird alles möglich!
Und wenn es grad mal schwierig ist: Ehre deine Gaben! Würdige dein
Durchhaltevermögen, deine Disziplin und das Erreichte. Vielleicht erstellst du
einfach mal eine Liste der Dinge, mit denen du dich viel beschäftigt hast – auch
wenn du nicht glauben kannst, dass du darin ein Experte bist.
Die spirituelle Ebene:
Gleichgültigkeit - dieser Schatten mag harmlos klingen, aber wenn wir gleichgültig
sind, ist alles egal, da gibt es keine Einzigartigkeit, keine Liebe, kein echtes Leben.
Da schaut man weg, wenn andere leiden, da ist kein Antrieb, etwas zu wandeln und
zu bewirken, weder für sich noch für andere. Oft flieht ein Mensch im Schatten von
Tor 16 in die Ausrede, er habe „keine Zeit“, etwas Besonderes aus seinem Leben
zu machen, und die Gaben werden verschlossen. Oder der Zeitpunkt sei nicht
richtig. Diese Haltung führt zu einer Lähmung, dem Gefühl, eh nichts tun zu
können. Oder aber der Mensch reduziert sich ganz auf seinen Verstand, die
lebendige Welt wird ausgeschlossen. Dann zählen nur Informationen und Technik,
nicht aber die kreative Lebendigkeit des Lebens.
Wenn die Frequenz sich erhöht, kommen die Fertigkeiten von Tor 16 in ganz neuer
Weise zum Ausdruck; eine Vielseitigkeit entsteht, die über einzelne Techniken
hinausgeht. Sie werden „zu einer Leiter in dein wahres Selbst“30. Dann kann sich
der Mensch auf die jeweils benötigte Fertigkeit einschwingen, sie aus dem DNA -
Feld nehmen und nutzen. Es geht nicht mehr um die einzelnen entwickelten
Techniken, es ist ein Schwingungsfeld vielfältiger Gaben. So wie die großen
Künstler der Vergangenheit (z.B. da Vinci) auf mehreren Gebieten brillierten, sich
frei und inspiriert sowohl in der Kunst als auch in der Wissenschaft bewegten.

30 (Rudd S. 185)
239
Nachhaltigkeit ist auch ein Teil von Tor 16, die Praxis der Selbstversorgung und der
umfassenden Verbindung mit allen Bereichen, die es dazu braucht. Lebens-Kunst.

Auf der höchsten Schwingungsebene finden wir die Meisterschaft. Da wird alles
losgelassen, was zunächst entwickelt und befreit und dann lebendig wurde. Man
könnte die Siddhi von Tor 16 als eine Art Blaupause des Lebens an sich bezeichnen,
sie trägt alle menschlichen Betätigungsfelder auf magische Weise in sich und
transzendiert sie gleichzeitig. Sie dient dem Ganzen und hat keine individuelle
Bindung mehr; wie ein kosmisches Theaterstück, das sehr kunstvoll und kreativ die
Menschen aufweckt aus der Gleichgültigkeit ihres Schattens.

Tor 17 im Ajna, schaut auf Tor 62 in der Kehle


1. Das Tor der Meinungen und Einstellungen 2. Die Nachfolge 3. Weitblick
Schaltkreis Kollektiv, Verstehen
Du bist auf der Suche nach einem Konzept, einer Idee oder Meinung, auf die sich
alle verlassen können, die Sicherheit verspricht. Es ist ein Tor im Geist, das darauf
brennt, sich auszudrücken - was nicht immer leicht ist, denn deine Erkenntnisse
äußern sich manchmal eher als Bilder, du hast eine sehr visuelle Art des
Wahrnehmens. Du nimmst Sachverhalte mental extrem schnell auf, kannst sie
dann manchmal nicht so leicht in Worte fassen, um sie weiterzugeben. Thema ist
in diesem Tor das Organisieren der Gedanken und Strukturen und eine
funktionierende Form der Weitergabe. Und so überprüfst du immer wieder deine
Haltung zum Wahrgenommenen, deine Meinung im Leben. Wahrscheinlich hast zu
fast allem eine Meinung, über die du dich dann auch gern austauschst. Du liebst es
jedoch, gut vorbereitet zu sein, Informationen zusammenzutragen, um eine
logische Analyse der Gedanken zu vollziehen. (Achte vielleicht ein bisschen darauf,
dass du im Gespräch mit Anderen nicht zu viele Details heranführst, das kann den
Anderen überfordern.)
Du bist fair und unparteiisch. Dein Wunsch ist immer, zu erklären und Verstehen zu
ermöglichen. Dieses Verstehen soll dann für die Zukunft hilfreich sein. Daher
wechseln sich der Druck, zu verstehen und zu erklären ab mit dem Zweifel, ob alles
stimmig ist und es kann in dir die Sorge geben, dass niemand dich versteht.
Leichter wird es in Zusammenarbeit mit dem gegenüberliegenden Tor 62, wo die
passenden Worte gefunden und anderen vermittelt werden können. Dein
Wunsch, das Leben logisch betrachten und einordnen zu können, wird immer
präsent sein – es ist jedoch dienlich, dir immer wieder klarzumachen, dass nicht
alles mit Logik allein betrachtet und erfasst werden kann. Erlaube die Fülle der

240
Sichtweisen auf das Leben, sie dürfen einander ergänzen, ohne dass nur eine davon
richtig sein muss.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Erlaube dir, immer wieder in die
Entspannung und das Vertrauen zu gehen, dass die für dich richtigen Menschen
hören wollen, was du zu sagen hast und deine Wahrheit zu schätzen wissen
werden.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 17 herrscht die Meinung, das Urteil im Verstand, über das
Leben des Menschen. So wie das Wort Ur-teil schon nahelegt, wird hier durch das
Denken eine Trennung bewirkt, man projiziert auf die Welt „da draußen“ die Fehler
und Mängel, die aus Konditionierung und Erfahrungen der Kindheit entstanden
sind. Hier entsteht das „Schubladendenken“, das so viele Menschen haben; der
Blick für das „große Ganze“, der in uns allen angelegt ist, geht verloren, wenn nur
die linke Gehirnhälfte gefragt ist und wir nur sehen, worauf wir konditioniert sind.
Der Schatten von Tor 17 macht „die logisch-intellektuelle Sichtweise zum Dreh-
und Angelpunkt deiner neuro-linguistischen Realität“31. Das kann sich entweder
darin zeigen, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen, uns in Selbstkritik
verlieren und ständig vermeintliche Beweise unserer Überzeugung, nicht gut
genug zu sein, sammeln. Oder aber der Mensch vertritt stur und rechthaberisch
sein „richtiges“ und logisches Denken - weit verbreitet in unserer Welt.
Wir alle sind anfällig für Beeinflussung und Informationen, und wenn etwas
unserem Denken entspricht, nehmen wir es viel leichter auf. Wir versuchen
Sicherheit zu finden in starren Standpunkten und werden somit immer wieder
Opfer von Manipulation.
Erst wenn sich die Schwingung von Tor 17 erhöht, kommt eine Offenheit ins Feld,
dann ist die Gabe Weitsicht - ein Transzendieren von begrenzenden Meinungen.
Die Informationen werden nicht mehr vom Verstand eingefärbt und andere
Dimensionen können erfasst werden. Der Mensch beginnt Möglichkeiten zu sehen,
immer noch logisch, doch jetzt als „göttliche Mathematik der Evolution“, eine
Vorausschau auf mögliche Zukünfte. So können neue ökonomische Strukturen und
kommunale Netzwerke gesehen werden – und deren Verwirklichung wird
gefördert.
Auf der höchsten Ebene wird diese Weitsicht dann zu einer Allwissenheit, das
Dritte Auge ist ganz geöffnet, Wahrnehmender und Wahrgenommenes verschmilzt

31 (Rudd S. 194)
241
zum All-Einen, das Herz öffnet sich ganz. Der Körper wird zu einem reinen
Bewusstseinsinstrument und so drückt sich das Ganze im Spiel der Maya, dem
erlebten Leben, aus. So erklären sich die Sätze der Zen-Meister zu ihren Schülern,
genauso wie das oft erstaunliche Verhalten der mystischen Lehrer – sie sprengen
den Rahmen des Verstandes und öffnen den Geist des Suchenden. In der Siddhi
von Tor 17 liegt Vollkommenheit in allem, in jeder Entscheidung, jedem Weg, jeder
Wahl, weil sie Ausdruck des All-Einen ist. Und um Allwissenheit zu erlangen, muss
und wird der Einzelne als Individuum sich auflösen im reinen Bewusstsein.

Tor 18 in der Milz schaut auf Tor 58 in der Wurzel


1. Das Tor des Korrigierens 2. Die Arbeit am Verdorbenen 3. Ausdruck von Kritik zur
Korrektur Schaltkreis Kollektiv, Verstehen
Mit Tor 18 hast du die Fähigkeit, zu sehen, was verbessert werden muss, damit das
verändert werden kann, was keinem mehr dient. Du stellst Dinge in Frage, siehst,
was nicht funktioniert. Wie alle Milztore hat es mit dem Thema des Überlebens zu
tun. Ein Instinkt, und genauso schnell und unwillkürlich kommen deine Vorschläge
der Verbesserung, denn du siehst die Muster aus der Vergangenheit, die nicht
länger dienlich sind.
Hier kommt der Schatten: diese Gabe ist am besten genutzt, wenn du sie korrekt
anwendest, denn sie ist eine kollektive Fähigkeit. Sie gehört in gesellschaftliche
Zusammenhänge, sei es im Politischen oder in der Gesundheitsbranche – überall
wo ein „Fehlersuchen“ dienlich und konstruktiv, ja sogar lebensrettend sein kann.
Auf Beziehungen oder auf dich selbst angewandt kann die Kritik jedoch
problematisch werden. Denn wenn du ständig an dir selbst herumkritisiert, oder an
deinem Partner, dann entstehen unweigerlich Probleme. Lenke die Energie in den
passenden Bereich – es braucht idealerweise eine Einladung – und dann bist du ein
wunderbarer Erneuerer und Sicherheit-geber. Ein Klient hatte dieses Tor, und er
arbeitet als Sicherheitsbeauftragter für Notausgänge, er inspizierte Gebäude um zu
prüfen, ob alle Notvorrichtungen gut erreichbar und gewartet waren. Perfekt!
Fokussiere dich darauf, deine Gabe als konstruktiv zu sehen und übe, freundlich mit
dir zu sein. Dazu ist es dienlich, mitzubekommen, wie dein innerer Dialog klingt.
Eine Übung aus meinen Kursen: einfach mal 10 Minuten jeden Gedanken über sich
selbst laut aussprechen. Solltest du danach erkannt haben, dass du gar keine
Feinde mehr brauchst (weil du dich selbst die ganze Zeit fertig machst), übe
Freundlichkeit mit dir, einen wohl-wollenden Blick auf dich. Anstatt die Kritik nach
innen zu richten, lenke den Fokus von Tor 18 auf kollektive Ziele, denn da ist er
extrem dienlich. Ehre dich für deine Gaben. Würdige dich. Und wähle vielleicht ein
bis zwei Sätze über dich, die freundlich sind. Diese lässt du innerlich wie auf einem
242
Tonband für dich ablaufen, denn das stärkt die Neuausrichtung dieses inneren
Fokus. Und die Übung, wie man einem anderen mitteilt, dass man selbst ganz
persönlich einen anderen Geschmack hat, ist auch durchaus nützlich.
Ein Gedanke in Bezug auf Beziehungen: in Tor 18 ist oft eine Prägung durch die
Erlebnisse mit Vater bzw. Mutter, der die Verbindung zum jeweils anderen
Geschlecht beeinflusst. Das kann sein, dass Mutter/Vater besonders toll waren und
scheinbar kein Partner mithalten kann, oder dass sie etwas verdorben haben im
Umgang mit dir und du daher noch einen offenen Konflikt hast, der sich auswirkt.
Falls z.B. der Vater die Familie verlassen hat, glaubt „es“ in dir, dass alle Männer
letztendlich unzuverlässig sind, genauso natürlich, wenn es einen Schmerz mit der
Mutter gibt.

Und wenn es grad mal schwierig ist: Ehre deine Wahrnehmung. Vielleicht hilft es
dir, aufzuschreiben, was dir auffällt. Aber übe zu warten, bis sie eingeladen ist,
bzw. bis ein anderer sie auch hören mag. Wo sabotierst du dich in deinem Leben?
Prüfe, was es in deinem persönlichen Leben loszulassen gilt.
Die spirituelle Ebene: Der tiefe Schatten von Tor 18 ist das Urteil, meist schon von
Kindheit an wirksam. Wir lernen nicht die Fülle dessen, was wir haben zu sehen,
sondern fühlen uns als Opfer von Umständen, sehen immer nur, was fehlt, was
nicht stimmt und beklagen uns. Im Schatten will der Mensch dann ständig recht
haben, beharrt auf den zu kritisierenden Dingen, sucht geradezu nach dem
Fehlerhaften im Leben und in sich selbst. Die eine Möglichkeit ist extreme
Selbstkritik, ein alles durchdringendes Gefühl der Minderwertigkeit. Die andere
Ausdrucksform des Schattens ist ein überzogenes Gefühl der Überlegenheit, das zu
Respektlosigkeit gegenüber jeder Autorität führt. Der Auslöser für beides sind oft
die Erlebnisse im Elternhaus, wenn entweder zu viel Kritik und Negativität
herrschte oder die Eltern als schwach erlebt wurden und keine Richtung und
persönliche Integrität vermitteln konnten. Die Lernaufgabe des Schattens ist, zu
erkennen, dass das Leben unser Spiegel ist, ja sogar „unser übergeordneter Körper“
(Rudd S. 249) und wir verantwortlich sind für die Art unseres Erlebens. Damit endet
das Opferbewusstsein.
Auf der höheren Schwingungsebene bringt Tor 18 die Gabe der Integrität und
fordert den Menschen auf, alle Bereiche der Konditionierung der Kindheit und
Jugend zu heilen und zu lösen. Die eigene, persönliche Integrität als hoher
Standard erfordert den Mut, all das herauszufordern, was dir nicht entspricht. Es
geht um die objektive Kraft des Urteilens, ohne etwas persönlich zu nehmen. Wir
dürfen lernen, aus der Kraft des Herzens heraus weise und voller Barmherzigkeit zu
sein.

243
Auf dem Übergang zur höchsten Schwingungsebene – der Vollkommenheit –
geschieht zunächst etwas Herausforderndes; je mehr der Mensch seine Integrität
für das Ganze als Dienst annimmt, desto mehr „Baustellen“ entdeckt er, immer
mehr Bereiche, in denen etwas verbessert werden müsste. Hier wurzelt das
Gebet der Bodhisattvas, die auf den Eingang ins Höchste Bewusstsein verzichten,
um allen Wesen behilflich zu sein, die Befreiung zu erlangen. Wir dienen dem
Ganzen, allen Wesen, der Welt, bis sie Vollkommenheit erreicht haben. In diesem
Bereich findet sich der Schlüssel für geistiges Heilen, für mentale, emotionale und
physische Gesundheit. Es ist ein Paradoxon, denn Vollkommenheit bedeutet ja
eigentlich, dass alles, so wie es ist, vollkommen ist. Das wir nichts tun müssen. Und
doch – gleichzeitig – weil es eben um die Verkörperung in der Dualität, der Maya
geht, gibt es Verbesserung, Vervollkommnung, Wachstum und Entwicklung.
Die Siddhi von Tor 18 trägt unglaubliche mentale Kraft: der Mensch sieht dann in
jedem Gegenüber dessen höchstes Potential und kann so, alleine durch diesen
Blick, dessen Frequenz anheben. In diesem sich immer erweiternden Mentalkörper
ist beides gehalten, der individuelle Mensch und die Menschheit als ein ganzes
Sein. Die völlige Annahme aller Formen, aller Arten, in der Welt zu sein und
gleichzeitig das „darüber hinaus gehen“, hin zum Höchsten.

Tor 19 in der Basis, schaut zu Tor 49 in den Emotionen


1. Das Tor des Anspruchs 2. Die Annäherung 3. Erfüllung von Bedürfnissen
Schaltkreis Stamm, Ego
Dieses Tor bringt zwei wichtige Aspekte mit: Der erste ist der Wunsch, wirklich
gemeint und gewollt zu werden, in einer Gemeinschaft dazuzugehören und darin
dafür zu sorgen, dass alle bekommen, was sie brauchen. Als zweites hast du eine
außergewöhnlich starke Gabe, dich in andere einzufühlen, zu wissen, was ein
Anderer braucht, manchmal sogar, bevor der Betreffende es selbst spürt. Du
kannst in ihn hinein schauen, und weißt, was zutiefst gewünscht, gebraucht und
ersehnt wird. Diese Sensitivität von Tor 19 ist sehr beeindruckend, als gäbe es
keinen Unterschied zwischen dem eigenen Gefühl und dem Gespür für das
Gegenüber. Das Fühlen und Berühren sind entscheidende Elemente. Besonders
Kinder mit diesem Tor sind sehr sensibel. Es gibt in ihnen angelegt ein starkes
Sehnen in die richtige Verbindung und Verbundenheit hinein. Dabei brauchen sie
einen sanften Umgang; Eltern die rumschreien, oder gar schlagen sind unerträglich
für sie, alles Grobe ist extrem schmerzhaft für diese Kinder – ganz besonders,
wenn das Emotionszentrum offen ist.
Als Mensch mit Tor 19 magst du keine Trennung; Zusammengehörigkeit bedeutet
dir ganz viel, am liebsten wäre es dir wahrscheinlich, wenn alle, die deiner Familie,
244
zur Gemeinschaft gehören auch zusammen sind (wenn es die für dich richtigen
Menschen sind natürlich). Gleichzeitig gibt es ein tiefes und wichtiges Bedürfnis
nach Rückzug in dir – ein anspruchsvoller Balanceakt! Es gilt Vertrauen zu
entwickeln in die Prozesse der Gefühle, das Nah- und auch mal Fern-seins in
Verbindungen, damit eine sichere Basis im Leben entstehen kann.
Tor 19 ist ein Stammestor – und damit geht immer auch die Notwendigkeit des
Gebens und Nehmens einher – daher ist es wichtig, etwas anzubieten zu haben,
um wirklich dazuzugehören. Dann entsteht ein befriedigender Austausch, du
bekommst, was du brauchst und kannst deine Gaben erfüllend den anderen zur
Verfügung stellen. Und so dient ein Teil deiner Feinfühligkeit auch dem Erspüren,
was ein Anderer brauchen könnte – um so größere Chancen zu haben, dass dein
Angebot gut aufgenommen wird – denn im Stamm ist es halt so, dass es ein Geben
und Nehmen gibt. Einfach nur zum Anderen hinzugehen und zu sagen, was du
brauchst, wird nicht immer funktionieren – und je besser du deinen Teil des Deals
präsentieren kannst, desto größer deine Chancen, zu bekommen, was du brauchst.
Ob es nun Zugehörigkeit, Nahrung oder Sicherheit ist
Ein Mensch mit Tor 19 braucht Berührung und Zärtlichkeit, das Gefühl
angenommen zu sein. Gleichzeitig sind diese Menschen extrem selektiv – es muss
sich gut und richtig anfühlen. Ob das nun die Beschaffenheit von Materialien ist,
der Stoff der kratzt, unangenehm ist, die Beschaffenheit der Nahrung, die
Konsistenz, das Gefühl im Mund beim Essen, all das ist für die 19 sehr wichtig und
hat eine extrem große Auswirkung. Die Herausforderung dabei ist, dass dies viele
Menschen gar nicht nachvollziehen können. Also ehre deine Feinheit und für alle,
die mit einem Tor 19-Menschen zu tun haben: respektiert diese Feinheit und Gabe.
Sie stellen sich nicht an, wenn das Kartoffelpüree noch Stückchen hat, mag die 19
es wahrscheinlich nicht essen.
Als Beispiel der ESD-Bereich, in dem hochleistungsfähige, hochempfindliche
Mikrochips für Computer gebaut werden. Hier kann man nicht einfach mit
Straßenschuhen und Sandwich in der Hand reingehen, es braucht Achtsamkeit,
besondere Kleidung und Handhabung. Dafür sind die Dinger aber auch extrem
leistungsfähig. Mit Tor 19 kommen körperliche und spirituelle Nahrung
zusammen, es muss einfach stimmig sein auf allen Ebenen. Und für die meisten
19er ist ein gut gefüllter Kühlschrank sehr wichtig – Vorrat an Nahrung zu haben –
dieses Bedürfnis stammt auch aus der Vergangenheit - der Hintergrund ist: “Falls
ich nicht dazugehören darf, habe ich zumindest eine Sicherheitsreserve da”.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Manchmal entsteht in dir das Gefühl, dass
niemand dich sieht und wichtig nimmt. Dass gerade deine Bedürfnisse nicht
gesehen werden. Bevor du dich zurückziehst, prüfe, ob es sein kann, dass der

245
Andere gar nicht mitbekommt, was du brauchst. Nicht jeder ist so feinfühlig wie
du.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten handelt das Thema des 19ten Tores von der Co-Abhängigkeit, dem
nach draußen-schauen, zu einer Autorität, zu externen Quellen unseres Heils. Ob
nun im Job, im Partner, im Leben und unserem Versorgt-sein oder in Gott ganz
grundsätzlich. Das Thema der Religionen wurzelt hier – denn wenn wir im Außen
suchen (was im Innen zu finden ist) werden wir abhängig von externen
Bedingungen. Viele dieser Co-Abhängigkeits-Verhältnisse wandeln sich zur Zeit,
alleine in Familien, wo nicht mehr die Frau abhängig von Mann zuhause sitzt und
den Haushalt und die Kinder hütet und brav ihre Ausgaben in ein Haushaltsbuch
einträgt. Ganz wichtig hier ist auch die Verbindung zur Nahrung, die „gebraucht“
wird, alles im Schatten sucht im Aussen.
Die eine „Spielart“ des Schattenebene von Tor 19 ist die Bedürftigkeit, dann macht
sich der Mensch in einer ungesunden Mischung aus Opfertum, Manipulation und
Schuldzuweisungen abhängig. Oder braucht es, gebraucht zu werden, oder lebt von
negativer Aufmerksamkeit und rutscht von einem Drama ins nächste, landet in
missbräuchlichen und gewalttägigen Beziehungen. Die andere Variante für den
Menschen in eine Isolation, dann braucht er (vermeindlich) niemand mehr und
verkündet seine absolute Unabhängigkeit. Pocht aber auf seine Einsamkeit und
wird oft wütend, wenn sich dann tatsächlich niemand kümmert. Jeder von uns
kennt sicher von beiden Varianten des Schattens mehr als genug Beispiele.
Helfen kann hier nur ein Heraustreten aus diesem ungesunden Kreislauf, sich un-
abhängig zu machen. Denn wenn die Frequenz sich dann erhöhen kann, zeigt sich
die Gabe der Feinfühligkeit. Hier wird alles nährend, die Umgebung, das Chi;
gefühlte Fülle, die auf der Gabenfrequenz uns selbst und die anderen nährt. Die
besondere Begabung des Berührens weitet sich aus, nicht nur im Physischen, auch
energetisch und in jedem künstlerischen Ausdruck gibt es hier eine Fülle von
Wahrnehmung und Eindrücken, die sich auch als Synästhesien zeigen können (dann
werden z. B. Farben nicht nur gesehen, sondern gefühlt, gerochen oder gehört,
Musik gesehen. Beeindruckend!). Rudd beschreibt daher den 19. Genschlüssel als
eines der Portale zur Wahrnehmung anderer energetischer Ebenen, ob wir sie nun
Engel oder Devas nennen, besonders auch das Tierreich (Stichwort
Pferdeflüsterer). Es gibt Zugang zu all den anderen Bewusstseinsebenen und
parallelen Dimensionen. (Natürlich kann diese Öffnung auch im Schatten genutzt
sein, dann allerdings führt sie wirklich in ebensolche Schattenbereiche). Es braucht
die lichtvolle Ausrichtung der Gabe, damit die passende Ebene angesprochen wird.

246
Menschen mit dieser Frequenz spüren einfach, was ein Anderer braucht und so
schaffen sie eine gute Balance in Gemeinschaften, können Beziehungen klären,
materielle und energetische Bedürfnisse spüren und stärken.
Die höchste Schwingungsebene von Tor 19 nennt Rudd „das Liebesopfer“ und
verdeutlicht damit, dass letztendlich das Persönliche, Individuelle irgendwann
„geopfert“ wird, um in eine höhere Form der göttlichen Bestimmung überzugehen.
Dann wird alles geteilt, es ist tiefste Hingabe, die dann auf eine höhere Ebene
trägt. Aus der Co-Abhängigkeit in eine Unabhängigkeit zu wachsen ist die erste
Herausforderung. Die zweite dann ist es, das so mühsam Erworbene wieder
herzuschenken, loszulassen, in eine Neugeburt hinein. So wie eine Raupe sich
herschenken muss in die Verpuppung und jede Form aufgibt – um als
Schmetterling neu zu sein.
Wir Menschen haben seit jeher Übergangsrituale praktiziert, denn Mutation,
Wandel liegt in unserer DNA begründet. Die 19. Siddhi wird laut Rudd eine der
ersten sein, die sich in naher Zukunft verbreitet, das Wahrnehmungsbewusstsein
wird sich erweitern. Es geht um ein Gefühl des Ganzen, extrem feinfühlig und
verbunden mit der Umgebung. Der Mythos von Gaia als ein einziges lebendiges
System, als Einheit all ihrer Wesen.

Tor 20 in der Kehle – schaut zu Tor 57, Tor 10 und Tor 34,
1. Das Tor des Jetzt 2. Die Betrachtung 3. Gegenwärtigkeit im Jetzt
Schaltkreis: Individuell/ Integration Wissen
Das Tor des Jetzt. Denn hier geht es wirklich darum, jetzt in diesem Augenblick zu
sein und sich nicht beeinflussen zu lassen von Vergangenheit oder Zukunft,
sondern im gegenwärtigen Moment zu bleiben.
Und du hast die Gabe, zu wissen, was es gerade jetzt braucht, eine Intuition, die
dich leitet. Du bekommst einen Impuls, sei es jemand anzurufen, etwas zu sagen,
etwas zu tun – viel schneller, als es durchdacht werden kann. Das kann für andere
herausfordernd sein, da sie es nicht nachvollziehen können. Sie kann etwas
Mystisches haben, diese Gegenwärtigkeit im Augenblick - wie ja auch Eckhard Tolle
sie beschreibt. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass diese Präsenz im Jetzt eben
gerade nicht bedeutet, dass du alles sofort tun oder sagen sollst. Die Übung ist,
wirklich innezuhalten, den guten Augenblick zu finden, nicht in die Ängste oder
Besorgnis zu rutschen, ob denn stimmt, was du da wahrnimmst. Einfach mit
Klarheit betrachten, was im Jetzt gegeben ist. Diese Klarheit bringt den Frieden. In
diesem Tor klingt wirklich die ganze asiatische Weisheitslehre mit an, das Wu-Wei,
tun, ohne zu tun. Die kosmische Ordnung zu ehren, die Zeitlosigkeit des
Augenblicks, der Gegenwart von allem was ist zu erleben, in der es nichts zu tun
247
gibt. Und dann, wenn der Moment gekommen ist, geschieht die Bewegung aus
dieser Präsenz heraus.
Tor 20 ist ein ausgesprochen machtvolles Tor, denn es liegt in der Kehle – begegnet
da Tor 57 – der durchdringenden Wahrnehmung, Tor 10 der Selbstermächtigung,
Tor 34 – der Kraft. In seinem höchsten Ausdruck tut es das Richtige, egal was die
Anderen sagen. Es nimmt die Impulse all der anderen Tore, die mit ihm verbunden
sind, und führt sie zu Weisheit und Integrität. Da es ein Tor der Kehle ist, hat seine
Kraft und Gabe natürlich auch direkt etwas mit Kommunikation oder auch
Handlung zu tun. Da gilt die Empfehlung, zu fragen, ob der andere es hören
möchte. Denn egal ob es noch so wahr ist, das andere darf mit entscheiden, ob er
etwas, das ihn betrifft, auch hören möchte. Und du tust dir den Gefallen, dass
auch willkommen ist, was du weitergibst.
In seiner höchsten Form schenkt Tor 20 dir und der Welt intuitives Wissen,
Gegenwärtigkeit, Wandel und Selbstliebe. Ein Gegenwärtig-sein, einfach da,
ähnlich wie Eckart Tolle es in seinem Buch „Jetzt“ beschreibt. Dann wird das
Einssein mit allem, eine umfassende Präsenz des Göttlichen fühlbar.
Im Schatten wird es ein Tor des blinden Aktionismus, dann fühlst du eine
vermeintliche Lebendigkeit beim Tun, doch es ist eher eine hektische Energie, kein
gesunder „Flow“ aus deinem wahren Wesen heraus.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Atmen – egal in welcher Tradition, ist ein
wunderbarer Weg, sich mit dem gegenwärtigen Augenblick zu verbinden. Und
vielleicht zu prüfen, wo du unbedingt aktiv sein willst, tun willst. Und welche
Gefühle du damit vielleicht vermeiden möchtest oder herstellen willst. Wie geht es
dir mit dem Gedanken: “es geschieht durch mich zum richtigen Zeitpunkt”?
Die spirituelle Ebene
In der Schattenebene geht es um unser Zögern, wirklich ins Leben einzutauchen.
Das Bewusstsein bleibt am Rande der menschlichen Form, daher nennt man diesen
Schatten Oberflächlichkeit. Allem voran ist es unser Verstand, unser Denken, das
uns daran hindert, uns wirklich eins mit dem Leben zu fühlen. Wie immer im
Schatten führt dies zu Angst und einer Erstarrung, immer weniger Lebendigkeit ist
da, der Mensch fühlt sich fehl am Platz in diesem Leben. Oder aber die Energie
drängt nach außen, zur Aktion, dann wirkt er hektisch und unkonzentriert. Diese
Schwingung ist in unserer modernen Gesellschaft besonders stark zu beobachten.
Auf der höheren Frequenzebene - die sich einstellt, sobald sich das Denken in ein
Wahr-nehmen verwandeln kann – bringt die Gabe von Tor 20 Hingabe und
Frieden, im Vertrauen in die Rhythmen des Lebens. Es ist nicht mehr der Verstand,
der versucht das Leben zu kontrollieren, sondern das ganze Wesen, nun in
Übereinstimmung mit dem Leben, das erlebt und wählt entsprechend seiner
248
wahren Natur. Das bringt Sicherheit, und so bezeichnet Rudd die Gabe von Tor 20
als „Fundament für ein glückliches Leben“ 32. Eltern in dieser Schwingung bieten
ihren Kindern automatisch die beste Grundlage zur ihrer Entwicklung, dann
entsteht wahre Selbstsicherheit in Vertrauen auf das Leben selbst.
Wenn diese Ebene in der medialen Arbeit erreicht wird, entsteht in dem Menschen
ein Gefühl von Gehalten- und Geborgen-sein, man fühlt sich nicht mehr alleine,
sondern verbunden und unterstützt. Es ist menschlich, dafür gern Namen finden zu
wollen, ob nun Geistiger Führer, Engel, Gott selbst. Oder einfach die Verbindung
mit unserem höheren Selbst, dem, was wir eben auch sind. Wichtig ist, hier nicht
dem Verstand wieder eine Tür zu öffnen, denn er möchte sich natürlich wieder ein
Bild machen und Regeln aufstellen. Dabei geht es um Offenheit, ein Fließen lassen.
“Let go and let God“.
Das Beste wird geschehen, von selbst, vertrau dich dem Leben an, denn wenn das
Innen entspannen darf, ist Raum für Führung durch deine innere Quelle.
Auf der höchsten Schwingungsebene zeigt sich eine wahrhaft einzigartige Präsenz,
die allem Sein zugrundliegende Natur. Die Gegenwart Gottes durch den Men-
schen – immer wieder haben die Mystiker davon gesprochen und in der Siddhi von
Tor 20 zeigt sie sich – einfach so, durch die reine Anwesenheit eines solchen
Menschen. Dann wird alles Persönliche weggeschwemmt von dieser
durchlichtenden Präsenz, alle Zeit, alle Trennung löst sich auf. Vollkommende
Entspannung, vollkommene Annahme. Das kann nicht erklärt werden, dafür gibt es
keine Worte und so fällt ein solcher Mensch aus dem Leben der „normalen
Gesellschaft“ heraus , alles, selbst die Aufnahme von Nahrung kann wegfallen – so
beschrieben in der „Autobiografie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda über
Giri Bala, Ananda Moya Ma und andere Heilige. Wie wundervoll, wenn der Klang
dieser Präsenz durch unsere Welt wirken darf, als Schwingung in der Ursprache der
Schöpfung alles berührt.

Tor 21 im Ego/Herz/Willenszentrum – schaut zu Tor 45 in der Kehle.


1 Das Tor des Jägers 2 Das Durchbeißen 3. Autorität und Selbstbestimmung
Schaltkreis Stamm, Ego
Dieses Tor hat viel mit den Themen Autorität, Kontrolle und dem Lenken von
Energie zu tun. Du bist immer da am besten, wenn du Chef bist in deinem Bereich,
oder zumindest der Geschäftsführer, eben einfach derjenige, der den Kurs

32 Rudd, ebd. S. 227


249
bestimmt. Vor allem aber derjenige, der über die materiellen Ressourcen
bestimmt. Dann kannst du einerseits „dein Ding“ machen, sorgst jedoch immer
auch auf wunderbare Weise für die Bedürfnisse der Gemeinschaft, für die du
stehst und schaust, dass alle versorgt sind. (Es ist ein Stammestor, „die Deinen“
gehören immer dazu). Ideal für dich ist, wenn Autorität und Kraft bei dir liegen;
wenn es darum geht, einen Prozess zu kontrollieren im Dienste der Gemeinschaft,
denn du hast alles, was es braucht, diesen dann für alle durchzubringen. Es ist
jedoch schwierig, wenn du nicht leiten kannst, wenn du Teil eines demokratischen
Prozesses bist und es um Absprachen geht. Das dauert dir zum einen zu lange, zum
anderen schreit alles in dir, dass du die Entscheidungen treffen musst. Daher ist es
wichtig, dass du deiner Strategie und Autorität folgst, sonst erlebst du heftige
Widerstände. Wenn du ein Generator bist, musst du für diese Position gefragt
werden, damit es deine echte sakrale Reaktion ist, die dich leitet. Als Projektor
brauchst du die Einladung, zu führen und für einen Manifestor mit diesem Tor ist es
unabdingbar, die anderen zu informieren, bevor er seine Macht ausübt, denn sonst
wird der Widerstand riesengroß.
Du magst es überhaupt nicht, wenn dich jemand kontrollieren will. Wenn dir einer
sagt, was zu tun ist und über die Schulter guckt, kannst du damit nicht leben. Oft
ist es schon bei Babys mit Tor 21 eine echte Herausforderung, ihnen andere Sachen
anzuziehen, wenn sie das gerade nicht wollen. Es geht darum, dass du die Kontrolle
hast – über was auch immer, Geld, Besitz, Materie, dann blühst du auf; wenn du
das Ruder in der Hand hast ist alles gut, die ganze Kraft kommt nach vorn. In der
Rolle, wo du lenken und leiten kannst, wo du Ressourcen entdeckst und
sicherstellen kannst, erlebst du Erfolg und Zufriedenheit. Es wird wahrscheinlich
immer wieder auch im Körper das Thema von Spannung geben, Tor 21 beeinflusst
den Muskeltonus und es braucht Ent-spannendes.
Beruflich ist wahrscheinlich eine Art Selbständigkeit, oder zumindest ein eigener
Bereich für dich die richtige Wahl. Du magst Materie – und so ist es wahrscheinlich,
dass du deine Dinge liebst und sie gern für dich hast. Probleme können kommen,
wenn in einer Beziehung der eine Tor 45 hat und der andere Tor 21. Dann will Tor
45 unter Umständen das Geld ausgeben und Tor 21 sagt Nein. Auch hier gilt: es ist
eine Mechanik, nicht persönlich! Wenn sie bewusst wird, wird es viel leichter.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es kann helfen, sich klarzumachen, dass die
beste Führung über das eigene Vorbild funktioniert, und es manchmal besser ist,
nicht zu versuchen, über andere Kontrolle ausüben zu wollen. Nimm dich deiner
Ängste an und stärke dein Vertrauen.
Die spirituelle Ebene
Das große Schattenthema von Tor 21 ist die Kontrolle über Geld, Ressourcen,
Macht - am liebsten über das Leben selbst. So entstanden hierarchische Systeme,
250
Könige und Untertanen, Kastensysteme und auch der Kapitalismus der Neuzeit.
Das kann sich auf zwei Arten zeigen – entweder der Mensch negiert seine
persönliche Macht, gibt die Kontrolle über sein Leben ab, genauso die
Eigenverantwortung - schuld sind dann „die Umstände“ und „die Anderen“. Oder
aber auf der anderen Seite des Extrems versucht der Mensch im Schatten von Tor
21 alles und jeden zu kontrollieren. Hier darf es dann keine Veränderungen geben,
das Leben und jegliche Lebendigkeit wird in Regeln gepresst. Er sucht in der
Hierarchie Macht zu haben, latente Wut ist immer da und kann jederzeit
ausbrechen.
In der höheren Frequenzebene wird die Gabe der 21 deutlich, die wahre
Führerschaft, in der Kontrolle ein Dienst ist, der aus dem Herzen kommt. Hier
entfaltet sich echte Autorität, sie inspiriert Vertrauen und Loyalität im anderen.
Ein solches System braucht beide Seiten, jenen, der die Autorität hat und für alle
entscheidet, der aber dadurch auch die Verantwortung für die Gruppe trägt. Dann
steht dieser Eine für den Willen der ganzen Gruppe, dann ist seine Kontrolle
gleichzeitig sein Dienst am Ganzen. Beide liefern sich einander aus, Hierarchie
endet, ein Ganzes entsteht. „Tatsache ist, dass die vollständige Hingabe die Meister
zu Dienern und die Diener zu Meistern werden lässt.“ ( Rudd S. 238).
Um die höchste Ebene von Tor 21 zu erreichen, brauchte es zuvor die Begegnung
mit Kontrolle und Kontrollverlust im Schatten, die Bereitschaft, die ganze
Bandbreite menschlicher Erfahrungen zu durchschreiten. Viele Mythen erzählen
von den Meistern dieser Siddhi, die bereit waren, mit Tapferkeit sich für das
höchste Ideal, die Verschmelzung mit dem Göttlichen, hinzugeben. Die Ritter,
Helden und Heldinnen, die für die Verbindung und Gleichheit aller Wesen
eintraten. Der männliche Pol (Kontrolle) gibt sich in den weiblichen (Hingabe und
Vertrauen) und so gelangen beide zu einer Kraft, die darüber hinausgeht.
Ähnlich wie im buddhistischen Gruß „Namaste – das Göttliche in mir ehrt das
Göttliche in dir“ verneigt sich der Mensch dann in jeder Begegnung vor dem Adel
des Gegenübers. Hierarchie, Postionen in der Welt, jedwede Kontrolle fallen weg.
Was bleibt ist absolute Vertrauenswürdigkeit, das Gefühl von Gemeinschaft und
Einssein, ohne dass es eine Rolle spielt, an welcher Stelle der Einzelne gerade
seinen Dienst vollbringt.

Tor 22 im Solar Plexus – schaut zu Tor 12 in der Kehle


1. Das Tor der Offenheit 2. Die Anmut 3. Stimmung im Rahmen der Emotionen
Schaltkreis Individuell, Wissen

251
Tor 22 bringt die Energie von Offenheit und einen ganz besonderen Charme, eine
Anziehungskraft, der sich kaum jemand entziehen kann. Es ist eine Ausstrahlung,
die besonders in Gesellschaft wirkt – Menschen fühlen sich von dir angezogen,
auch weil du so gut zuhören kannst. Das Geschenk ist darin, dass du meistens erst
zuhörst und danach etwas sagst, auf diese Weise bereitest du den Boden und dein
Sprechen kann gut genommen werden. Es ist immer deine eigene Offenheit, die im
anderen die Öffnung bewirkt.
Bei diesem Tor gibt es etwas Wichtiges zu beachten: du gibst immer genau die
Stimmung weiter, die in dir ist – wenn du also „gut drauf“ bist, wird die ganze
Gesellschaft durch deine Anwesenheit beschwingt, alles was du sagst, wird gut
aufgenommen und verstanden. Aber in gleicher Weise gilt: wenn es dir nicht gut
geht, du vielleicht gar keine Lust auf die Party hast, bleib zuhause! Denn auch deine
schlechte Stimmung wird sich verbreiten. Weil es ein Tor in den Emotionen ist,
braucht es die angemessene Zeit, denn dann kann deine Tiefe, die Emotionalität
und dein Verstehen der Welt vom Anderen genommen werden und behilflich sein.
Es gilt immer beides - dein Glück strahlt und nimmt alle mit, oder es geht dir nicht
gut und du ziehst dich zurück. Achte auf das Timing: wann sollte ich sprechen,
wann sollte ich schweigen? Anfangs, in jungen Jahren, kann es sein, dass dich Stille
nervös macht und du etwas sagen willst, obwohl es sich gar nicht richtig anfühlt.
Doch wenn du es erzwingst, führt das nicht wirklich zum Erfolg. Im Laufe des
Lebens geht es bei Tor 22 darum, wirklich zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt
zu sprechen gekommen ist. Wie bei einem Dirigenten, der im passenden Moment
den Einsatz der Musiker lenkt. Sonst ist alles dissonant. Aus dieser Weisheit des
richtigen Augenblicks kann sich im Laufe deines Lebens eine große Eleganz
entwickeln. Eine weitere Erfahrungsübung ist es, dass du aus den besonderen
Momenten mit einem Anderen – in all der Magie, die vielleicht darin lag – nicht
automatisch etwas für die Zukunft ableiten kannst. Es ist der magische Moment,
jetzt. Er kann völlig Neues ins Erleben bringen und erst die Zeit wird zeigen, was
daraus wird. Du bist emotional. Darin liegt ein großes Geschenk. Aber passendes
Timing macht DEN Unterschied.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Besinne dich auf deine Wahrnehmungsgabe,
stell dir vor, all das Drama, das du fühlst oder wahrnimmst, sei draußen, beim
Anderen – was würdest du dann sagen oder tun? Such dir einen weisen Menschen
aus und stelle dir vor, was er oder sie dann sagen würde. Oder übertreibe maßlos
und sieh die Bildzeitungsüberschrift vor dir – das bringt bestimmt ein Grinsen auf
dein Gesicht.
Die spirituelle Ebene
Tor 22 kommt große Bedeutung zu, hier kann die göttliche Frequenz den Körper
berühren und erwecken. Im Schatten handelt es von den großen Dramen der
252
menschlichen Existenz und der Sehnsucht nach Erlösung. Alle menschlichen
Gedanken, Gefühle, Taten und Absichten werden in einem Quantenfeld der
Erinnerung gespeichert und in Tor 22 liegt diese ganze Bandbreite menschlicher
Gefühle. Unsere Beziehungsprobleme haben meist hier ihren Ursprung. Die
wichtigste Lektion in Tor 22 ist, diese Gefühle nicht zu unterdrücken, zu verteufeln,
sondern sie als Ausdruck des Lebens zu betrachten – ohne sie jedoch zwanghaft
auszuagieren. Indem wir sie kennen- und anzunehmen lernen, transformiert sich
das Leiden Stück um Stück. Wie die Buddhisten sagen: „Es ist, was auch immer es
ist. Und dann ist es etwas anderes“ . Unsere Gefühle sind kostbar, Rudd beschreibt
sie als von Gott in uns hineingelegt, damit wir vertrauen lernen. Wichtig ist die
Kunst der Unterscheidung: wann sollte und darf etwas ausgelebt werden und
wann will es einfach nur gefühlt werden ? Die erste Ausdrucksform des Schattens
von Tor 22 ist die Angst vor Kontrollverlust (Entehrung nennt es Rudd). Der
Mensch hält seine so intensiven Gefühle zurück, zeigt eine (über)anständige,
beherrschte Oberfläche, doch im Verborgenen, Inneren brodeln verbotene
Gelüste, Wut und Hass. In der zweiten Variante brechen diese Gefühle sich
unkontrolliert Bahn, der Mensch kann seine emotionalen Reaktionen nicht
zurückhalten und ihre zerstörerische Kraft richtet sich leicht gegen andere. Hier
findet sich z.B. der Künstler, der in seiner emotionalen Explosivität grandiose
Kunstwerke erschafft – im menschlichen Umgang, in seinen privaten Beziehungen
aber eher einer Spur der Verwüstung hinter sich lässt.
Wenn der Mensch lernt, sich auf eine andere Weise seinen Gefühlen zuzuwenden,
sie in sich fließen zu lassen lernt, ohne sie ausagieren zu müssen, kommt nach und
nach die Gabe der Güte ins Feld. Sie bringt Gnade in das Leben jener, bei denen sie
aktiv wird, genauso wie zu allen, mit denen sie Kontakt haben. Sie hilft, negative
Emotionen zu befreien, so wie ein Lied oder eine Buchzeile Menschen tief berühren
kann, manchmal Tränen laufen lässt, öffnet. Auf der Ebene der Gabe beginnt sich
das eigene Karma aufzulösen, die mitgebrachten Belastungen lösen sich aus den
Zellen, aus der DNA. Der Mensch ist wirklich beseelt, seine Seele drückt sich aus
und das Leben ist erfüllt von Kunst, Musik, dem Zauber der Welt.
Die höchste Schwingungsebene von Tor 22 ist die Gnade. Sie ist der wahre Zustand
unseres Seins; wenn sie unser Leben berührt, werden alle menschlichen Emotionen
sofort in Liebe verwandelt. Dann sind wir Liebe und erleben nichts anderes.

Tor 23 in der Kehle – schaut zu Tor 43 im Ajna.


1. Das Tor der Assimilation 2. Die Zersplitterung 3. Klarheit und Neues Wissen
Schaltkreis individuell, Wissen

253
Das Tor der Klarheit. Das ist wirklich ein Tor, das die Welt verändern kann, und
genau mit dieser Energie musst du umgehen. Du hast ein Wissen in dir,
Erkenntnisse über das Leben, das die Welt der Menschen verändern kann – und
dieses Wissen möchte nach vorne, möchte gesprochen sein. Es drängt dich, zu
sprechen (oft ohne, dass du vorher weisst, was “es” aus dir sagen möchte).
Doch hier ist es von größter Bedeutung, dass dein Gegenüber auch hören möchte,
was du sagst, denn wenn du sprichst, obwohl die anderen nicht bereit sind, tut
man dich als Spinner ab (früher passierte unter Umständen weit Schlimmeres).
Wenn du sprichst, wenn sie bereit sind, offenbarst du neue Möglichkeiten – auch
oft für dich, denn manchmal hörst du das Neue auch erst, wenn du es aussprichst.
Quantensprünge gehören zu diesem Themenfeld, aber auch der tiefe Schmerz,
nicht richtig „rüberbringen“ zu können, was du meinst. Daher die Bitte, auf den
passenden Moment zu warten, denn das neue Wissen muss auch in dir den
richtigen Zusammenhang gefunden haben. Das geschieht nicht kontinuierlich,
sondern eher in Erkenntnissprüngen. Daher: das was du sagen kannst, dient allen –
aber sie müssen es hören wollen. Und wisse, dass es nicht immer beim ersten
Hören direkt für den anderen verständlich sein wird. Denn was du sagst ist neu und
ungewöhnlich, kreativ, anders, und das kann Zeit brauchen, um verstanden zu
werden.
Und wenn es grad mal schwierig ist: gib nicht auf, ehre deine Erkenntnisse und
Gaben. Auch wenn es wehtun kann – ihr Wert kommt nicht, weil andere es auch so
sehen. Schon Christus sprach vom „Perlen vor die Säue werfen“ und er wählte
seine Sprache immer abgestimmt auf sein Gegenüber– alles andere vertieft nur das
Gefühl des Unverstanden-seins. Aber er hätte sicher nie geglaubt, dass seine
Wahrheit nicht stimmt – nur weil ein anderer sie (noch) nicht verstehen kann.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 23 ringt der Verstand mit der immer komplexer werdenden
Welt, es geht um das Recht-haben, um den Versuch, ein Gefühl der Sicherheit über
den Verstand erreichen oder erzwingen zu können. Hier gibt es kein „mit dem
Herzen hören“, sondern Worte können zu Waffen werden, das Sprechen dient
dann der Verbreitung von Doktrinen anstatt im Dienste des Verständnisses und der
Vermittlung von echtem Wissen und Erkenntnissen zu dienen. Das Thema „Timing“
ist hier zentral, das Richtige zum falschen Zeitpunkt kann nur falsch rüberkommen,
man platzt mit unpassenden Dingen heraus. In dieser Frequenz kann es entweder
dazu kommen, dass die Menschen gar nichts mehr sagen, sie schweigen aus Angst,
falsch verstanden zu werden oder finden nicht die passenden Worte. Dieser
Zustand kann bis zur völligen Lähmung führen. Oder aber sie werden zu einem

254
„tropfenden Wasserhahn“, sprechen ständig, finden nicht die passenden Worte
und drehen sich mit endlosen Versuchen im Kreis.

Erst wenn die Schwingung sich erhöht kommt Klarheit. Dann ist die Gabe von Tor
23 die Einfachheit. Wer schon einmal versucht hat, einen kurzen Text über etwas
zu schreiben, weiß, wie herausfordernd das sein kann, es ist viel leichter, viele
Worte zu benutzen als die Passenden zu finden, die es einfach und klar
beschreiben. Hier wird das Wesentliche erfasst und ausgesprochen, wie in einem
Schriftzeichen von höchster Klarheit und Eleganz. Die Gegenwart eines Menschen
mit der 23. Gabe wirkt klärend auf andere, ihre Originalität und ihr Humor
inspirierend.
Auf der höchsten Ebene nennt Rudd diese Energie Quintessenz, sie wirkt fast
alchemistisch auf jeden, der mit ihr in Berührung kommt. Hier spricht das reine
Bewusstsein durch den Körper, völlig unvermittelt und ungefiltert. Das kann wie
ein himmliches Erwecken für jene wirken, die gerade im Energiefeld der Person in
der 23ten Siddhi sind. Hier gibt es keine Absicht, sondern nur einen sich immer
wieder neu im authentischen Jetzt entfaltenden Weg.

Tor 24 im Ajna – schaut auf Tor 61 im Kopf


1. Das Tor des Rationalisierens 2. Die Wiederkehr 3. Innenschau
Schaltkreis Individuell, Wissen
Eigentlich bist du ein lebendiger Think tank, kreativ und ungewöhnlich in deinem
Denken, versucht es in dir, neue Erkenntnisse zu finden, Durchbrüche zu
erschaffen. Doch Mutation und Kreativität sind nicht planbar – und oft werden alte
Muster besonders stark, bevor eine Veränderung geschieht (so wie ein sterbender
Baum sehr viele Früchte trägt) – daher verbeiß dich nicht in bestimmte Muster,
sondern erlaube den neuen Erkenntnissen, zu ihrer Zeit zu kommen – oder eben
nicht. Tor 24 ist ständig mit Denken, dem Verarbeiten von Informationen
beschäftigt. Dein Verstand prüft diese ständig neu, um herauszufinden, was
funktioniert und was nicht. Ziel dieses Denkprozesses ist die Stille der Erkenntnis –
die du brauchst und ersehnst. Wenn aus dem Lauschen der Stimme im Kopf zu viel
wird, und aus dem Denken Grübeln wird, kann dir Musik sehr helfen, diese
Schwingung der Stille in dir zu erreichen, denn wenn der mentale Druck nachlässt,
kommt Harmonie. Es kann sich melancholisch anfühlen, wenn der Gedanke nicht
gelöst werden kann, denn dann gehst du immer wieder und wieder die gleichen
Gedankengänge durch. Daher gilt es sich zu fragen, ob das Denken wirklich dient
und du dich auf das Neue ausrichtest.

255
Dir sind die Mysterien des Lebens nahe, und darin hast du die Gabe, Menschen mit
all deinem Hintergrund von Wissen über das Vergangene gerade für eine neue
Richtung zu inspirieren. Das ist dann die Ernte, dass aus dem Grübeln über das
Vergangene eine tiefe Erkenntnis und Neuausrichtung kommen kann. Die Gabe von
Tor 24 ist, wirklich Neues greifbar zu erfassen und über die Zeit auch erklären zu
können, zu prüfen, was Sinn macht – und was nicht.
Und wenn es grad mal schwierig ist: erinnere dich, dass es nicht die Aufgabe des
Geistes ist, Entscheidungen zu treffen! Lenke die Aufmerksamkeit weg vom
Wissen-müssen, Lösen-müssen hin zum Staunen über das Mysterium des Lebens,
schau dir einen Film über Naturwunder an mit der inneren Ausrichtung der Ehrung
und des Staunens. Welt der Wunder.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten von Tor 24 treffen wir eine der großen Mächte des Schattens – die
Sucht. Konditionierte Muster, Gewohnheiten der Welt-sicht und des Denkens
führen zu sehr einheitlichen und festen Verschaltungen in unserem Gehirn. Ein sich
selbst immer wieder bestätigender Regelkreis – der trotz der ständigen Erneuerung
unserer Zellen dazu führt, dass wir das immer wieder Gleiche reproduzieren, die
gleiche Neurochemie aufgrund der immer gleichen Gedanken von Angst und
Sorge. Das Leiden, die Suche nach Linderung ist tief in unsere Zellen eingebaut.
Nicht umsonst geht es bei den Vier edlen Wahrheiten im Buddhismus um das
Leiden und seine Überwindung. Der Schmerz des Menschseins, das Getrennt-Sein
von der Einheit. Rudd nennt ihn „sakrale Wunde“ und sie ist schon in unserer DNS
verankert. Der physische Körper sehnt sich nach Sicherheit, Nahrung, Wärme. Der
astrale Körper verlangt darüber hinaus nach lustvollen Empfindungen, Sehnsüchte,
Gelüste, Gefühle, alle Begierden kommen aus dieser Energie. Die nächste Ebene
des Leidens kommt über der Verstand, über unser Denken, über Projektionen
und Konstrukte. Dies verlagert die Quelle unseres vermeintlichen Glücks nach
außen und wir jagen „dem nächsten Schuss“ hinterher, ob nun in der Suche nach
dem Richtigen, oder nach Anerkennung oder Liebe, nach Alkohol oder Drogen, der
Süße des Lebens oder dem Kick des Adrenalin. Klar ist, dass dieses Außen niemals
den Wandel im Innen, tief in der Wurzel unserer DNS bewirken kann. Wandel kann
immer dann möglich werden, wenn die Leere und Suche gefühlt werden kann,
wenn der Mensch aushalten kann, dass etwas fehlt – ohne sofort wieder etwas
darüber zu decken. Sich abzuspeisen, zu fixen.
In der Beobachtung im Schatten unterscheiden sich zwei Reaktionen auf diesen
Urschmerz in uns: in der ersten erstarrt der Mensch, geht in Depression und
Hilflosigkeit oder in geistigen Erstarrung und Rigidität um diese Leere und Stille
nicht zu spüren. Sie betäuben sich. Oder aber die Angst vor dem inneren Gefühl
wird mit Aktionismus überlagert, mit viel Arbeit oder körperlichen

256
Extremanstrengungen. Bloß nicht zur Ruhe kommen ist hier die Devise, sie sind
ständig auf der Flucht vor dem Gefühl.
Auf der Ebene der Gabe kommt eine magische Kraft zum Tragen – dann wird die
Leere zu einer Öffnung, dann kann ganz Neues, nie Dagewesenes über die Kraft
von Tor 24 entstehen. Das Gehirn geht neue Wege, die Mysterien öffnen sich.
Dann wird aus der schmerzhaften Leere und Sucht im Schatten eine kreative Kraft,
aus dem Nicht-Wissen ein Wagen, der Mut, sich für das Unbekannte zu öffnen.
Auf der höchsten Schwingungsebene von Tor 24, der Stille, hört das Denken, das
sich-getrennt-fühlen von der Welt einfach auf. Dann gibt es keine Leere mehr, die
gefüllt werden müsste, keine Suche nach etwas im Außen.

Tor 25 im Selbst, schaut zu Tor 51 im Ego


1. Das Tor der spirituellen Haltung des Selbst 2. Die Unschuld 3. Natürlichkeit
Schaltkreis Individuell, zentrieren
Dieses Tor im Selbst hat eine wunderschöne Energie, eine große Natürlichkeit und
Unschuld. Menschen mit Tor 25 haben einfach eine sehr offene, positiv
ausgerichtete Haltung zum Leben. Es ist eines der Liebestore, jedoch geht es nicht
um Persönliches, sondern um eine universelle Liebe, einfach in den Menschen das
Gute zu sehen. (Dieses Gute meint das Echt-Sein, so sein, wie du bist, ohne
Masken oder Show). Du strahlst einfach das Vertrauen aus, das alles gut wird - das
mag manchmal naiv wirken, ist aber ein tiefer Ausdruck von Unschuld und
Offenheit.
Ein weiteres Thema ist das Heilen alter Verletzungen, Tor 25 ist das Tor des
verwundeten Heilers, des Schamanen, der auf dem Weg durch das Leben geprüft
wurde. Es geht darum, dass Wunden geheilt werden, und du bist ein Heiler.
Wahrscheinlich hast du das auch ohne groß darüber nachzudenken auch ein Leben
lang getan, vielleicht die Hände aufgelegt, wenn jemand Schmerzen hatte, einfach
so, ohne, dass du dafür etwas lernen musstest, es ist dieser unschuldige, mit dem
wahren Sein verbundene Zustand. Und diese Natürlichkeit gilt es einfach zu
umarmen und zu nehmen.
Gleichzeitig liebst du es, der Erste zu sein, der Beste, der Erfolgreichste, egal, worin.
Es ist dir ein inniges Bedürfnis, vor Anderen neue Ebenen zu erreichen. Mit deinem
großen Mut kannst du auch Menschen inspirieren, sich Dinge zu trauen, die sie
allein nicht tun würden. Du bringst Dinge in Gang, du initiierst durch deine bloße
Anwesenheit. Du bist kreativ und wagst immer wieder Neues, genießt es, mit dir
und anderen bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Der potentielle Schmerz
kann sein, dass du dich als nicht wichtig erlebst – und daher immer wieder nach
257
dieser Wirkung suchst. Es ist die Schubkraft der Grenzüberschreitung, die immer
danach ruft, weiter zu gehen. Das Erste-sein wollen ist nicht gegen die anderen, es
ist für dich. Du bist gern vorne und willst in deiner Einzigartigkeit vorne stehen –
mit großer Natürlichkeit. Dein Geschenk: die Liebe für das Leben, das reine
Lebendig-sein, völlig wertfrei und offen zu sehen. Eines der Lebensthemen eines
Menschen mit Tor 25 ist die Reise zum wahren Selbst – du wirst nicht
umhinkommen, nach ihm zu suchen, dich zu fragen, wer oder was du wirklich bist –
und auf diesem Weg dich auf eine Reise ins Unbekannte einzulassen. Alles bisher
Erlernte und Geübte fallen zu lassen, dich mutig und nackt zu zeigen – unschuldig
und ohne Maske, du selbst.
Und wenn es grad mal schwierig ist: frag dich einfach, was die Liebe tun würde in
deiner Situation. Und erwarte das Beste, wie auch immer es aussehen mag. Vertrau
deiner inneren Führung.
Die spirituelle Ebene:
In der Schattenfrequenz von Tor 25 ist es eng. Da herrscht Angst – vor dem Leben,
vor dem Lebendigsein genauso wie die noch tiefer liegende Angst vor dem Nichts,
vor dem Chaos, vor der Auslöschung. Das kann sich äußern als die Unfähigkeit, sich
den eigenen Schmerz, die eigene Wunde anzuschauen, das sich Zurück-halten, das
sich selbst Gefangen-halten. Das sehe ich immer wieder bei Klienten, diese
unglaubliche Energieanstrengung, alles in sich wegzusperren – und die grandiose
Öffnung, wenn sie endlich loslassen können. Andere sind so tief von ihrem
Schmerz abgespalten, dass sie kalt und unberührbar werden. Dann wird jede Nähe
vermieden, oft sind solche Menschen gerade zu den ihnen nahestehenden
Menschen sehr verletzend, denn jede Herzensnähe würde sie ja den eigenen
Schmerz spüren lassen. Die Wut und Aggression soll ihnen den anderen vom Leibe
halten. Befreien kann beide Schattenformen nur der Mut, die Angst zu spüren, ihr
zu begegnen, sie anzunehmen. Nicht umsonst beginnen auch die Heilgebete aller
Anonymen Alkoholiker mit eben dieser Annahme dessen, was ist.
Denn wenn es gelingt und die Frequenz sich erhöht, bringt Tor 25 die Gabe der
Annahme. Es darf sein, ich darf sein. Das ist die Basis, und sobald die Öffnung
geschieht, löst sich der Schrecken der Angst, mehr Energie kann fließen und der
Mensch bekommt einen positiveren, optimistischeren Blick aufs Leben. Allerdings
ist dies kein einmaliger Vorgang, es braucht Geduld, die Bereitschaft, sich immer
wieder mit neuen oder auch manchmal den gleichen Schatten zu beschäftigen. Die
geistige Welt gab hier mal das Bild einer Schaukel – wenn wir als Kinder besonders
weit nach vorne schwingen wollten, brauchte es den Schwung in die scheinbar
entgegengesetzte Richtung – dahin, wo wir doch nicht hinwollten – um dahin zu
gelangen, wo wir möchten. Und so ist es eine lange Schaukelbewegung von
glücklicher Sein und wieder im Alten zu landen – und noch glücklicher nach vorne

258
zu schwingen. Besonders bei den ersten Malen, wo wir endlich frei zu sein
scheinen, wo wir die Liebe und Leichtigkeit der neuen Ebene fühlen, ist es sehr
schmerzhaft zu realisieren, dass sie noch nicht das endgültige „Ankommen“ war.
Aber mit der Zeit lernen wir, auch das anzunehmen, das ist die Gabe von Tor 25.
Tiefer und tiefer wird der eigene Schmerz angenommen, durchlichtet und
durchliebt, und damit darf auch der Schmerz der anderen genommen und
transformiert sein. Es kommt das Geschenk, dass sich der Mensch als Teil des
Ganzen sieht, eine Verbindung und Verbundenheit zu Anderen spürt und weniger
urteilend ist. In dieser Gabe liegt eine berührende Unschuld, eine Offenheit, der
Vorgeschmack zu der Liebe zu allem was ist.
Diese entfaltet sich dann in der höchsten Frequenz von Tor 25 – der Universellen
Liebe. Der Bodhisattva, der zum Wohle aller Wesen auf die letztendliche
Erleuchtung verzichtet, um ihnen zu helfen, das Leiden zu überwinden. Christus,
der am Kreuz sein Blut gibt, um alle vom Leiden zu befreien - das sind die Bilder,
die mit der höchsten Ebene des Genschlüssels von Tor 25 verbunden sind. „Die 25.
Siddhi ist der Heilige Gral aller Suchenden“ schreibt Rudd33 - durch die Annahme
von allem was ist gelangen wir zu uns – in allem, was ist.

Tor 26 im Ego, schaut zu Tor 44 in der Milz


1. Das Tor der Egoisten 2. Der Großen Zähmungskraft 3. Taktik
Schaltkreis Stamm, Ego, Kooperation
Du bist designt, dir wichtig zu sein. An dich zuerst zu denken und selbstbewusst
und kraftvoll für dich einzustehen. Unbeirrbar. Das ist vollkommen wertfrei zu
verstehen - mit diesem Tor geht es einfach darum, alles im Leben gut für dich zu
nutzen. Tor 26 heisst Tor des Egoisten und gleichzeitig ist es ein Stammestor. Auf
der profanen Ebene geht es vielleicht um das, was für dich gut ist, aber damit
verbunden kann auch der Vorteil aller sein. Wenn du für deine Firma den wichtigen
Vertrag reinholst, bekommst du vielleicht eine Beförderung – aber alle anderen
haben auch etwas davon: ihr Arbeitsplatz ist gesichert und vielleicht gibt es sogar
einen Bonus.
Du hast die Fähigkeit, auf sehr elegante Weise Dinge „an den Mann (die Frau)“ zu
bringen. Du verfügst über große Überzeugungskraft, kannst deine Worte der
Situation entsprechend wählen und nutzen. Du kannst Träume verkaufen und
vermitteln, und dabei besonders die Vergangenheit so erscheinen lassen, dass es

33 Ebd. S. 297
259
dir dienlich ist. Du kannst gut mit Sprache umgehen; so sprechen, wie dein Zuhörer
es verstehen kann. Natürlich ist es ein schmaler Pfad, nah an der Manipulation,
aber ohne jede Wertung! Tor 26 braucht immer wieder auch Ruhe, oft auch mehr
Schlaf als andere – und um das zu bekommen, hilft manchen die Fähigkeit, die
Dinge günstig für sich auszulegen. So wird die Gabe der Übertreibung für manche
26er immer wieder mal zum einem Selbstschutzmechanismus.
Du magst es, mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Profit zu sichern,
Tor 26 ist ein Überlebenstor, das Abkürzungen findet. Ein Tor, das gern in eine
Position gelangt, in der es nicht mehr arbeiten muss fürs Überleben. Es dient dir
und anderen sehr, wenn du nur Versprechen abgibst, die du halten kannst,
gleichzeitig aber auch immer darauf achtest, dass es eine gesunde Balance
zwischen Arbeit und Ruhephasen gibt. Du darfst durchaus derjenige sein, der
anderen den Traum verkauft und sich dann ausruht; das Entscheidende ist die
Wahrung deiner Integrität dabei. Sie ist der Gradmesser. Du könntest Menschen
etwas vormachen, sie lenken – aber gleichzeitig auch Wichtiges, Dienliches
bewirken. Und als Beispiel: ein wirklich guter Verkäufer wird nicht lügen, er wird
einfach so informieren, dass es ihm Erfolg bringt. Und langfristiger Erfolg braucht
immer eine solide Basis.
Es kann sein, dass es dir schwer fällt, dich auf Kritik einzulassen oder vergangene
Fehler einzugestehen und so aus ihnen zu lernen – denn zur Sicherung deiner
Selbstbehauptung blendest du instinktiv aus, was dich in Frage stellen könnte.
Menschen mit diesem Tor finden meist einen guten Grund, warum nicht möglich
ist, was sie nicht möchten. Dein Ja zu dir ist die wichtigste Grundlage für dein
Wohlbefinden und hat definitiv Vorrang. Du kannst wunder-volles vollbringen,
wenn es für dich stimmt. Und sonst darf es in dir einfach „nein danke“ sagen.
Und denk daran: Es ist ein Tor im Willenszentrum, daher braucht es immer wieder
Pausen. Kurzbeschreibung im Reading: Wunder vollbringen – Pause-Pause-Pause –
Wunder vollbringen – Pause……
Und wenn es grad mal schwierig ist: Was ist die Wahrheit deines Herzens? Was
liebst du, was sind deine wahren Werte? Auch wenn es ein wenig abgenutzt
klingen mag: Folge dem Weg und der Führung deines Herzens.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten versucht die Willenskraft von Tor 26 aus der Angst heraus das Leben zu
kontrollieren. Das resultiert in einer Art von Stolz, dem Glauben, das Leben dem
eigenen Willen beugen zu können – leider aber auch in einem Getrenntsein vom
größeren Ganzen. Dann wird vermeintliche Macht als Schutz vor dem tiefen
Gefühl der Angst dadurch herbeigeführt, andere herabzusetzen und zu
manipulieren. Oder aber der Mensch lebt offen das, was wir im Negativen als
260
„Ego“ bezeichnen, mit einer Überheblichkeit und Herablassung anderen gegenüber
– was dann zur Folge hat, dass diese ihn mit Ablehnung und Feindseligkeit
betrachten. Fallada beschreibt diesen Kampf unter Einsatz aller Willenskraft 1941
in seinem Roman „Ein Mann will nach oben“. Wichtig ist zu verstehen, dass der
Schatten mit einem Gefühl von absoluter Isolation verbunden ist – oft glaubt der
Mensch im Schatten von Tor 26 zutiefst, dass, wenn er sich nicht selbst hilft, es
niemand tun wird. Er erlebt sich als vollkommen abgeschnitten vom restlichen
Universum und sein persönlicher Wille ist alles, was es gibt und was ihn vor dem
Untergang schützt.
Es gibt den schönen Satz von „meinen Angelegenheiten, deinen Angelegenheiten
und Gottes Angelegenheiten“. Wenn Tor 26 sich in eine Hingabe an das Leben
entspannen kann, die Illusion aufgibt, das Leben kontrollieren zu können und zu
müssen, kommt es in Kontakt mit der eigentlichen Kraft. Das wird möglich, wenn
die echte Intention hinter dem Willen, die „höhere Bestimmung“ gespürt werden
darf. Dann lädt die Frequenz der Gabe immer mehr Licht in das ganze System, die
DNA erwacht zu ihrem Potential. Solche Menschen strahlen eine echte Kraft aus,
sie lieben und feiern sich und ihre Botschaft. Im Positiven als „Rampensau“ können
sie ihre Botschaft rüberbringen, sie manipulieren dann offen, als Einladung zu ihrer
Energie. Die Gabe der 26 spielt mit ihrer Wirkung, mit der Kraft des Egos – ohne
sich mit dem Ego zu identifizieren.
Auf der höchsten Schwingungsebene – und wirklich erst da – transzendiert der
Mensch ebendieses Ego in der Vereinigung mit der höchsten Ebene, die sich dann
auch körperlich verankert. In diesem „Alles-sein“ verschmilzt der Mensch mit
seiner Umgebung. Das ganze Konzept von „Ego“ löst sich auf, er ist eins mit der
ganzen Existenz geworden. Der spielerische Anteil bleibt bestehen, „göttliche
Gauner“ nennt sie Rudd, völlig gleich-gültig dem gegenüber, was andere in sie
hineinprojizieren. Sie lieben es, Menschen wachzukitzeln, ihnen zu zeigen, dass die
Gesetze und Regeln, die wir aufgebaut haben, für das wahre Bewusstsein völlig
ohne Bedeutung sind. Sie haben keine Absicht – und doch hat ihr Tanz aus Spiel
und heiterer Gleich-gültigkeit tiefe Wirkung auf jeden, der mit so einem Menschen
in Kontakt kommt.

Tor 27 im Sakral, schaut zu Tor 50 in der Milz


1. Das Tor des Hegens, Nährens und Pflegens 2. Die Ernährung 3. Fürsorge
Schaltkreis Stamm, Schützen
Von der Energieausrichtung her wäre ein weiterer Name: das Mutter-Theresa-Tor.
Hier geht es um Fürsorge, du hast die Fähigkeit und auch den Impuls, für andere zu
sorgen, für deine Liebsten, aber auch für dein Team, deine Gemeinschaft. Es ist ein
261
in dir angelegter Drang und gleichzeitig hast du meist auch die dazu passende Kraft,
dich um andere zu kümmern, für ihr Wohlergehen zu sorgen.
Das kleine, liebevolle Extra, das Leibgericht, das Kümmern sind deine leichteste
Übung. Wichtig ist nur, auch für dich selbst zu sorgen, denn all zu leicht vergisst du
dich. Wie in dem Beispiel im Flugzeug – wo es darum geht, erst sich selbst die
Sauerstoffmaske umzulegen und dann dem Hilfebedürftigen. Lerne einfach, für
dich gut zu sorgen – dann können zum einen die anderen es besser annehmen (ein
Ernährungsberater, der völlig fertig aussieht, inspiriert sicher niemand zu einer
gesunden Lebensweise) und du bewirkst weniger Widerstand. Es ist eine sehr
warme, unterstützende Energie. Wichtig ist: das Tor liegt im Sakral, also warte, bis
du um Hilfe gebeten wirst und mit einer positiven sakralen Reaktion antwortest.
Für Partner von Tor 27: falls du jetzt darauf wartest, dass dein Partner dir einen
zum Herzchen geschnittenen Toast zum Frühstück bringt - so muss sich die Energie
nicht zeigen. Aber er wird sicher dafür sorgen, dass ihr habt, was ihr braucht und
dass alle, die “dazugehören” mit dem Lebensnotwendigen versorgt sind. Tor 27 ist
aus tiefstem Antrieb ein soziales Tor.
Und wenn es grad mal schwierig ist: erinnere dich – Menschen lernen am besten
durch gute Vorbilder, sorge gut für dich und lehre so andere durch dein
Vorangehen, wie das geht – und wie attraktiv das aussieht, so dass sie von selbst
inspiriert werden, auch gut für sich zu sorgen. Wenn du merkst, dass du den
anderen bedrängen möchtest, sich weiterzuentwickeln, atme einfach eine Weile
für dich Vertrauen und Fürsorge ein und aus.

Die spirituelle Ebene:


Im Schatten von Tor 27 steht das Thema der Selbstsucht – die Überzeugung, dass
der einzige Weg zum Überleben darin liegt, nur an sich selbst zu denken. Fressen
oder gefressen werden, das war in vergangenen Zeiten ein Überlebensmotto. In
unserer Entwicklung als Menschheit jedoch geht es um das Transzendieren dieser
Haltung – denn das wird klar: wenn wir überleben, dann gemeinsam.
Die Schattenfrequenz kann sich entweder als ein vermeintliches Aufopfern zeigen
– dann gibt der Mensch, aber ohne echte Beteiligung, opfert sich auf und
verausgabt sich, ohne selbst etwas zu nehmen; es gibt keinen echten Austausch. So
erschöpfen sich die Ressourcen und die Gesundheit leidet. Oder aber das
Gegenteil: hier ist das Geben rein strategisch – um etwas dafür zu bekommen.
Wenn das nicht funktioniert, zeigt sich bei solchen Menschen schnell die Wut und
die vermeintliche Großzügigkeit offenbart ihr wahres Gesicht als Berechnung.

262
Die meisten von uns kennen sicher die im Internet kursierenden Filme von Tieren,
die einander retten oder von Menschen, die viel riskieren, um Menschen und
Tiere aus einer Notlage zu befreien. Nächstenliebe – die höhere Schwingungsebene
von Tor 27 rückt immer mehr in den Vordergrund der Beachtung. Es macht
glücklich, etwas zu geben, anderen behilflich zu sein. Es zeigte sich, dass schon die
Fürsorge für eine Petrischale, das zweimal am Tag danach schauen, eine positive
Wirkung auf an Depression erkrankte Menschen hat. Über die Nächstenliebe
finden wir Sinn und Verbundenheit - „Im Wesentlichen unterstützt sie die
Selbstbefähigung von Individuen durch die tief empfundene, gemeinschaftliche
Bindung“. 34. Menschen mit der Gabe von Tor 27 sind großzügig, sie verstehen
zutiefst die Verbindung der natürlichen Rhythmen und Gesetze, Geben und
Nehmen, Hegen und Gedeihen. Sie sind lebendiges, wirkendes Vertrauen und
haben eine heilsame Ausstrahlung auf jeden, der mit ihnen in Kontakt kommt.
Auf der höchsten Schwingungsebene bringt die Energie von Tor 27 echte
Selbstlosigkeit. Das Thema des Nährens verändert sich allein schon dahingehend,
dass die physische Nahrung in der Zukunft mit dem Erwachen der Siddhi auf der
Welt ihre Notwendigkeit verlieren wird. Die Siddhi-Ebene dieses Tores erinnert an
die Geschichten der großen Weisen, die in einer Aura von Liebe und Barmherzigkeit
zutiefst mit allem und allen verbunden sind. Dieser Quantensprung in die
Verbundenheit stellt unglaubliche Energien zur Verfügung, und so können sie –
fast ohne zu ermüden - Unglaubliches bewirken. Rudd spricht von wahren
Wunderheilungen, welche im Licht von Selbstlosigkeit vollbracht werden können.

Tor 28 in der Milz, schaut auf Tor 38 in der Wurzel


1. Das Tor der Spieler 2. Des Großen Übergewicht 3. Risiko und Sinnsuche
Schaltkreis individuell, Wissen
Ein sehr spannendes, individuelles Tor, in dem es darum geht, mit dem Risiko und
der Lebendigkeit des Lebens umzugehen. Es sucht den Sinn, es ringt mit dem Sinn
und so kann sich das Leben schwierig anfühlen, anstrengend. Wahrscheinlich gehst
du auch öfter mal ohne darüber nachzudenken Risiken ein, indem du deinem Weg
suchst oder ihm folgst – denn das ist eine ganz entscheidende Komponente bei Tor
28: dein Weg, dein Sinn. Wenn du etwas als richtig erkannt hast oder beschlossen
hast, etwas zu tun, lässt du dich nicht abbringen, auch nicht, wenn es massiven
Gegenwind gibt, auch nicht, wenn du ganz alleine da stehst. Du folgst dem, was für
dich richtig ist. Manchmal ist Gegenwind sogar förderlich für dich, denn dann
spürst du dich. Wenn du diese Lebendigkeit in dir fühlst, dann bist du ganz im

34 Rudd S. 312
263
Leben. Ein Beispiel: Vor über 15 Jahren gab es hier in NRW einen großen Sturm –
und es war polizeilich verboten, in den Wald zu gehen. Was mich – mit meinen Tor
28 – jedoch nicht davon abhielt, genau das zu tun – ich musste einfach in den Wald,
der Sturm passte zu meinem Innengefühl. Und es war ein absolut grandioses
Gefühl, in dieser extremen Naturgewalt zu stehe. Ich habe mich einfach dem Sturm
geöffnet und genossen.
Es ist ein Tor in der Milz – und wie alle Milztore hat es auch mit unseren kollektiven
Urängsten zu tun. Das kann im anderen Extrem des Tores auch dazu führen, dass
man gar nichts mehr tut, sich zu einer Couch Potato verwandelt und zuhause
bleibt, vermeintlich jedes Risiko vermeidet. Dann aber verschwindet auch die
Lebendigkeit. Es ist der Kampf für deinen Weg, der dir Lebendigkeit bringt, denn
wenn der Sinn für dich da ist, wächst du einfach über dich hinaus. Der Hintergrund
dieser Energie ist, sich mit den Ängsten vor der Sinnlosigkeit, vor dem Tod zu
beschäftigen und sie zu erlösen, herauszufinden, wofür es sich zu leben lohnt!
Dafür muss es dein Leben sein, nicht das, wie vielleicht Eltern, Partner, Familie,
Ahnen es leben würden. Dein ganz eigener Weg.
Und wenn es grad mal schwierig ist: nimm das Ringen sportlich. Es ist tatsächlich
eine Einstellungssache, wie wir Hindernissen im Leben begegnen. Wenn ich denke,
alle und alles sind gegen mich, fühlt es sich schrecklich an. Aber wenn ich mir
vorstelle, wie sich meine (energetischen) Muskeln stärken, indem ich
Herausforderungen meistere, kann eine besondere Kraft der Freude und
Sinnhaftigkeit entstehen.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten von Tor 28 begegnet uns die vielleicht tiefste menschliche Angst: die
Angst vor dem Tod und der Sinnlosigkeit unseres Lebens.
Gleichzeitig kann diese Angst beflügeln, ehrlich machen, uns ganz werden lassen –
wenn wir es wagen können, die inneren Dämonen zu betrachten und nicht länger
wegzusperren. Dieses Tor ist sehr intensiv mit dem Klang, der Schwingung
verbunden. Daher ist es sicher kein Zufall, dass so viele schamanische Kulturen mit
Klang und Vibration arbeiten. Man reist mit der Trommel in die Unterwelt und dort
werden Seelenteile zurückgeholt. Wenn wir wieder ganz werden, heil werden,
kann der Sinn des Lebens sich zeigen. Viele der sogenannten „Lichtarbeiter“ wollen
genau das vermeiden, setzen die vermeintliche frohe Maske von „Licht-und-Liebe“
auf und kommen aber in ihrer Entwicklung nicht weiter, denn solange der
Schatten, das Dunkel nicht da sein darf, braucht es extrem viel Energie, ihn zu
verdrängen. Und mit nur 50 % der Energie kann man nicht vollständig und erfüllt
sein. Dann wird das Leben bedeutungslos, ohne tiefen Sinn. Wie bei einem Pendel:
wenn wir verhindern wollen, dass es in schmerzhafte Bereiche ausschlägt, wird es
auch kaum noch in die andere Richtung der Freude gelangen. Alles bleibt
264
mittelmäßig, gedämpft, sinn-los. Die andere „Spielart“ des Schattens ist das Risiko,
dann wird die tiefe Angst überdeckt mit allem, was Adrenalinkicks verspricht, der
Mensch flieht vor dem Gefühl durch Daueraktivität und ständiges in-Bewegung-
sein . Solche Menschen haben große Angst vor der Stille und der Innenschau.
Wenn der Mut kommt, sich dem Schatten zu öffnen, lernen wir, die Gabe der
Totalität zu leben - dann darf sich alles zeigen, dann dürfen wir echt und ganz sein,
mit Licht und Schatten und allen Nuancen dazwischen. 100 % ich selbst,
authentisch, echt. Denn frei bewegen kann sich nur jemand, der riskiert, von allen
Seiten gesehen zu sein. Dann wird das Leben ein Schauspiel, wir spielen unsere
Rolle, das kann vergnüglich sein und auch spannend. Und die Dämonen des
Schattens entpuppen sich, werden Unterstützer und Helfer. (So auch in der
buddhistischen Praxis des Dämonenfütterns – wir stellen uns vor, unserem inneren
Dämon gegenüber zu sitzen. Und fragen ihn, was er von uns will. Dann fragen wir,
was er braucht und wie er sich fühlen wird, wenn er bekommen hat, was er
braucht. Und damit dann nähren wir ihn. Letztendlich wandelt er sich – zum
Unterstützer).35
Auf der höchsten Schwingungsebene bringt Tor 28 das Thema der Unsterblichkeit
ins Feld. Nicht jedoch als körperlich ewiges Leben, sondern als eine Auflösung der
Zeit – voll und ganz im Jetzt zu leben. „Während Totalität bedeutet, das Leben bis
ins Äußerste hinein zu leben, bedeutet Unsterblichkeit in den immerwährenden
Moment hinein zu sterben“. Dieses “Sterben” darf hier als ein alles Loslassen
verstanden werden, eine vollständige Hingabe. Dazu muss die Identität so
umfassend losgelassen sein, dass es nichts mehr gibt, das sterben kann. Das
Bewusstsein bleibt, das sich von Form zu Form bewegt. Die besondere
Ausstrahlung von Menschen, in denen die Siddhi von Tor 28 verwirklicht ist, zeigt
sich vor allem darin, dass sie die Schatten der Anderen beleuchten, sie machen
Ängste sichtbar und bringen sie so ans und ins Licht. Die dunkle, nicht gewollte
Seite kann berührt und angenommen werden. Wenn wir das Dunkle umarmen,
wird seine wahre Natur sichtbar und alles transzendiert.

Tor 29 im Sakral, schaut zu Tor 46 im Selbst


1. Das Tor des Ja-Sagens 2. Das Abgründige 3. Verbindlichkeit und Durchhalten
Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Ja. Ein sehr spannendes Tor, ich kenne es gut. Ich fang mal positiv an, denn es hat
die Kraft, durchzuhalten, extrem schwierige Umstände zu überwinden. Falls es

35 Rudd, S. 323.
265
überhaupt möglich ist, schafft es dieses Tor, Dinge zu einem guten Ausgang zu
bringen. Tor 29 hält durch. Außerdem ist es ein sehr sinnliches, fühlendes Tor.
Aber: es sollten die Sachen sein, die für dich auch stimmen und passen. Denn in der
krassesten Form ist es das Ja-Sager-Tor. Und wenn ich dieses Wort sage, lachen
Klienten mit diesem Tor immer – sie wissen nämlich sofort, was ich meine. Ich
könnte hier unzählige eigene Beispiele aufführen – denn früher war es so, dass ich
einfach immer Ja gesagt habe, wenn ein anderer mich um etwas bat. Geradezu
absurd. Und ohne zu berücksichtigen, ob es auch für mich stimmt. Dass ein Ja zu
einer Bitte auch ein Nein zu mir sein kann, habe ich nur mühsam gelernt.
Es ist ein sakrales Tor, es springt an – und daher der Rat: gib dir einen Augenblick -
lauf durch die Wohnung, koch dir einen Tee, frage dich, ob du es wirklich wirklich
willst - und dann antworte. Das Ja-Sager-Tor kann fatale Auswirkungen haben,
besonders in Kombination mit einem offenen Willenszentrum, das im Nicht-Selbst
ja seinen Wert beweisen will, oder der offenen Milz, die alles tut, um den anderen
zu halten, im offenen Selbst, um geliebt zu werden, im offenen Sakral, das zeigen
will, dass es alles schafft und durchhält. Überall hier ist die Verführung, über die
eigenen Grenzen zu gehen, extrem groß. Doch das geht an deine Substanz und
deine Energie. Und kann krank machen. Andererseits trägst du mit diesem Tor –
wenn du im Sinne deiner Autorität und Strategie korrekt bist - die Kraft in dir,
Träume wahr werden zu lassen. Ehre sie!
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es heißt nicht umsonst, nur wer Nein sagen
kann, kann auch ja sagen. Es braucht die Fähigkeit der Unterscheidung! Prüfe –
urteilsfrei – warum du Ja sagen willst, ob es dir Liebe bringen soll, ob es deinen
Wert erhöhen soll - und dann wende dich diesem Teil in dir wohlwollend zu.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 29 schwingen all die Aspekte des Themas Verbindlichkeit, die
sich eben nicht korrekt einlassen auf das Leben, die nur halb-herzig sind. Das ist
zum einen die tiefe Erschöpfung, die entsteht, wenn Menschen auf Biegen und
Brechen an etwas festhalten, obwohl es nicht funktioniert oder einfach zu Ende ist.
Sie bleiben dabei und könnten letztendlich daran zerbrechen. Oder aber sie
vermeiden jede Art von Verbindlichkeit und lassen sich gar nicht ein. Dann folgt auf
ein vorschnelles Ja der Rückzug und ein Gefühl von Enttäuschung und Scham. Oder
aber Ärger, wenn andere von ihnen einfordern wollen, was sie versprochen hatten
und nicht halten.
Durch die Betrachtung des eigenen Schattens der sich wiederholenden Muster in
Tor 29 kann letztendlich Freiheit entstehen. Indem Zyklen und Erfahrungen
irgendwann klar erkannt und abgeschlossen, vollendet werden können, geschieht
ein Quantensprung: dann kommen Erfolg und Glück. Gerade im Bereich der
266
Beziehungen ist die Schattenebene stark verbreitet; schließlich ist es ja das Tor der
Sinnlichkeit, der Sexualität und Beziehung, des Sich-Einlassens auf das Leben. Das
kann zu Drama, Leid und Chaos führen – oder aber, wenn die Ebene der Gabe
erreicht wird, zu einer echten Verbindlichkeit.
Dann hören wir auf, dem Leben im Weg zu stehen und erlauben dem Fluss, sich zu
entfalten und kommen in den Genuss seiner Fruchtbarkeit. Irgendwo habe ich mal
gelesen, wir mögen uns doch einfach vorstellen, dass Gott (was auch immer das für
dich bedeutet) dir am Morgen zusagt, er werde sich um alle deine Belange
kümmern – und du kannst einfach den Tag genießen. Ob es nun „go with the
flow“ heißt, oder „gib dich dem Leben hin“, gemeint ist immer wieder, einfach
Vertrauen in die Erfahrung zu haben, sie korrekt (gemäß Autorität und Strategie) zu
beginnen und dann loszulassen. Und wirklich dabei zu sein. Wahre Verbindlichkeit
hat nichts mit Moral und Gesetzen zu tun, sie ist eher eine Hingabe an den Prozess,
an die tief verwurzelte Macht des Kreislaufs von Anfang, Mitte und Ende, und führt
zu einem Reichtum an Leben. Menschen mit dieser Gabe folgen ihrem Innersten,
geben sich ganz hin, ihrer Führung, ihrer Richtung und Authentizität. Sie treffen
klare Entscheidungen, in Wahrhaftigkeit.
Auf der höchsten Schwingungsebene trägt Tor 29 das Thema der Hingabe, der Weg
des Herzens. Damit einher geht, das kleine Selbst loszulassen, sich hineinzugeben
in etwas Größeres. In den Dienst für das große Ganze, das eine Wesen, das wir alle
sind. Dies sind die Vokabeln der großen Mystiker, wo Geliebter und Liebender
eines werden, wo der Anbetende verschmilzt mit dem Angebeteten. Ein
solcherMensch verströmt und empfängt Liebe, wohin auch immer er sich befindet.
Er wird zur Verkörperung des Göttlichen, alles Persönliche ist darin aufgelöst. Hier
ist kein Raum für Religionen, Moral oder Grenzen mehr - die sinnliche, lebendige
Energie erfasst das innerste Herz der Menschen. „Hingegeben zu sein bedeutet, für
immer im Schoß des Göttlichen zu ruhen“.36

Tor 30 im Solar Plexus, schaut zu Tor 41 in der Wurzel


1. Das Tor des Erkennens der Gefühle 2. Das Feuer 3. Feurigkeit / das Verlangen,
Schönes wieder zu erleben Schaltkreis: Kollektiv, Sinnfinden
Tor 30 brennt. Vor Begierde, neue Erfahrungen zu machen, Gefühle zu fühlen, das
Leben zu entdecken und zu erleben. In dir ist eine so intensive emotionale Energie,
zu erkunden und zu fühlen. Das Tor heißt nicht umsonst das Feuer.

36 Rudd, S. 335
267
Hier ist der Antrieb, intensiv zu fühlen und all das herbeizusehnen, was Erfüllung
bringen soll. Das kann fast unersättlich wirken. Der weise Rat hier ist, nicht aus der
Feurigkeit des Moments heraus zu entscheiden (das Resultat kennen wir sicher
alle), sondern die Welle der Emotionen abzuwarten, damit Klarheit entstehen
kann.
Das wirklich Herausfordernde an diesem Tor ist die rückwärtsgewandte Energie.
Denn Tor 30 möchte immer, dass es nochmal so schön wird wie damals. Und lernt
doch schmerzlich, dass Wiederholung nicht funktioniert – ob nun die Reise an den
Ort, wo man so gern war, und der sich im nächsten Urlaub als laut und schmutzig
zeigt – oder bestimmte Situationen und Gefühle mit den Liebsten.
Spannenderweise führt diese Energie zur Veränderung – meist jedoch
widerstrebend: weil es so sehr sucht nach dem schönen alten Gefühl/Ort, entdeckt
es dann das Neue. Fährt dann in eine neue Stadt – oder wandert weiter ins nächste
Tal, immer in der Hoffnung, dass es da dann wieder so schön sein wird wie
damals… Vielleicht sammelst du gern Erinnerungen, und die Intensität von Tor 30
bringt bei deren Betrachtung genau das Gefühl zurück, oder es sind Fotos, wo beim
Betrachten alles wieder „da“ ist, genau wie damals, beim Erleben. Oder in dir sind
Sequenzen gespeichert – dort der Spaziergang, diese Runde mit dem Rad – es
berührt die Erinnerung. Loslassen ist schwer für Menschen mit Tor 30 (richtig
schwer wird es, wenn auch noch die Milz und das Selbst offen ist; eine Trennung
vom Partner, weil er einem nicht gut tut, ist in dieser Kombination kaum zu
ertragen). Leidenschaft, Schmerz, Sehnsucht, und immer wieder Wachstum, die
Fähigkeit zu Veränderung - damit bringst du Lebendigkeit in die Welt, die ganze
bunte Palette des Lebens. Weisheit kommt, wenn du erlauben kannst, dass das
Leben geschieht. Wenn du nicht mehr an deiner Sehnsucht, deinen Erwartungen
hängst – denn die wird eh nie dauerhaft erfüllt – offenbart sich langsam die
Schönheit in allem. Enjoy the ride – dieser Satz passt gut zu Tor 30 – genieße die
Reise, anstatt ständig zu versuchen, den Lauf des Flusses zu verändern. Tipp: Wann
immer es geht – schlaf drüber. Erkunde deine Lebendigkeit, aber entscheide weise,
welche Träume dann umgesetzt werden.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Vielleicht kennst The Work von Byron Katie
– die vier Fragen und eine Umkehrung. Hier der Einfachheit halber am Beispiel
einer Klientin erklärt: Anna möchte ganz dringend, dass ihr Freund Thomas mit ihr
im Sommer nach Ägypten fährt. Sie war dort vor Jahren schon einmal allein - es
war ein mystisches, intensives Erlebnis, gefehlt hat damals nur der Partner, mit
dem sie es teilen konnte. Nun möchte sie es – endlich mit ihrem Liebsten – noch
einmal und vollkommen erleben. Aber: Thomas will dort nicht hin. (Er kann Hitze
nicht gut vertragen, außerdem ist ihm Ägypten zu schmutzig, zu laut und
überhaupt liebt er Schnee und Berge). Sie streiten seit Wochen darüber. Großes

268
Drama. Annas gefühlter Satz lautet „Wenn er mich wirklich liebt, sollte er mit mir
nach Ägypten fahren wollen“.
Die erste Frage von The Work dazu ist: Ist das wahr?
Anna: Hm, na ja, ich wünsch es mir halt, aber natürlich sollte er nicht, er ist ja ein
freier Mensch. (Oder genauso legitim: ja sollte er! Wenn er mich liebt, sollte er mit
mir zusammen sein wollen und mir diese Freude machen!)
Satz 2: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Anna: Hm, na ja, wer weiß schon, was für den Anderen richtig ist. Also (seufzt)
nein.
Satz 3: Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Anna: Ich finde ihn doof, lieblos, unsensibel, grausam, will es ihm heimzahlen,
genieße den Abend mit ihm nicht, will keine Zärtlichkeiten. Kurzum: ich bin
unglücklich und es geht mir schlecht.
Satz 4: Wer wärst du ohne den Gedanken?
Anna: Na dann wäre ich entspannt, würde genießen, dass er mich zum Essen
eingeladen hat, wir hätten Spaß, wären gern zusammen. Dann würde ich merken,
wie sehr er mich liebt und dass er sogar oft mir zuliebe etwas macht (und würde
verstehen, dass er Wärme nicht gut verträgt und am liebsten Winterurlaube
bucht).
Und die Umkehrung des Glaubenssatzes:
Und du merkst wahrscheinlich beim Lesen schon – sie sind mit Sicherheit wahrer,
als der Ausgangssatz. Es gibt immer unterschiedlich viele Umkehrungen, es geht
hier nicht darum, die „wahre“ Wahrheit zu finden, die es ja nun mal nicht gibt,
sondern uns zu öffnen für andere Möglichkeiten, weitere Blickwinkel auf die nur
scheinbar so einzige Wahrheit.
Anna: Wenn er mich liebt, sollte er nicht mit mir nach Ägypten fahren wollen“.
(Lieben heißt nicht recht-machen. Und er soll ja auch sich lieben).
Wenn ich ihn liebe, sollte ich nicht mit ihm nach Ägypten fahren wollen“ (weil er
keine Hitze verträgt und mir wichtig ist, dass es uns beiden gut geht).
Wenn ich mich liebe, sollte ich mit mir nach Ägypten fahren wollen“. (Mich lieben
heißt auch, gut für mich sorgen, mir eine Freude machen).
Tor 30 ist eine Einladung – die Intensität deiner Visionen zu genießen und zu ehren,
sie zu fühlen und dich dann zu öffnen, für die bestmögliche Realisation deiner
Wünsche. Kleine Anmerkung von mir als Tor 30-Inhaberin: Rückblickend auf mein
269
Leben kann ich sehr überzeugt sagen: Danke, danke, danke, dass nicht all meine
Wünsche so wie von mir geträumt in Erfüllung gegangen sind. Ich liebe die
Kreativität von Spirit. Und heute grinse ich einfach, wenn ich merke, dass mein
Kanal 41-30 sich etwas zusammenträumt und hofft, und schau einfach, was daraus
wird.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 30 regiert die Begierde, ein Hunger, der einerseits durchaus
physischer Natur sein kann, aber vor allem ein Hunger, der zu Erfahrungen treibt.
Tor 30 treibt den Menschen unnachgiebig mit der Sehnsucht nach Befriedigung des
Hungers – und das führt zwangsläufig zu Erfahrung seiner selbst. Die Buddhisten
sagen nicht ohne Grund, dass die Begierde Ursache für unser Leiden ist. Unsere
Anhaftung, das Haben-wollen treibt uns an, immer neue Wege zu erforschen, doch
im Außen, durch das Bekommen wird der innere Hunger nicht gestillt. Das kennt
sicher jeder von uns, der im Shoppingrausch etwas kauft, man fühlt sich kurz gut,
und dann wieder genauso wie vorher. Durch Füttern werden unsere Begierden
nicht nachhaltig satt, und da es zudem noch gefährlich sein kann, der Leidenschaft
der Suche zu folgen, wählen viele Menschen in der Schattenenergie von Tor 30 die
Unterdrückung aller Gefühle, körperlichen und seelischen Gelüste. Doch auch das
bringt keinen Frieden, denn dann unterdrücken wir auch unsere Lebenskraft und
das Leben wird todernst. Wir löschen das innere Feuer in dem Versuch, die
Begierden loszuwerden. Hier ist das Schreckensbild die Kerze, die an beiden Enden
brennt. Die andere Ausdrucksform der Schattenfrequenz ist die Leichtsinnigkeit.
Hier gibt es keinerlei Versuch, die Begierde zu kontrollieren, im Gegenteil, sie wird
ausgelebt bis zur Erschöpfung. Dieses Extrem zehrt alles auf und führt zum
Ausbrennen.
In der Ebene der Gabe kommt eine Leichtigkeit ins Feld, die daraus resultiert, dass
wir aufgeben, es selbst transformieren zu wollen. So wie das Gebet der AA37 damit
beginnt, anzuerkennen, dass wir es nicht allein können, bringt die Gabe
Vertrauen ins Feld. Wenn wir unsere Hilflosigkeit annehmen, geschieht das
Wunder – wir erweitern uns auf eine höhere Wahrnehmungsebene – auf der wir

37 Anonyme Alkoholiker, so und ähnlich im Internet nachzulesen:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut,
Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu
unterscheiden. Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und
Wertschätzung für alles, was ich habe, Toleranz gegenüber jenen mit anderen
Schwierigkeiten, und die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen, nur für heute.

270
nicht mehr getrennt sind, auf der, wie es die Sufis sagen würden „Liebender und
Geliebter eins sind“. Aus dieser Energie stammen die Geschichten der Weisen, die
das Leben als kosmischen Witz, als eine große und wunderbare Inszenierung sehen
können. Humor gehört untrennbar zur Leichtigkeit dazu, wenn wir nicht mehr in
den Fängen der Begierden leiden, sondern sie interessiert erleben und geschehen-
lassen können, wird das Ganze wirklich vergnüglich. Das von Herzen und freundlich
über-sich-selbst lachen-können bringt eine neue Sichtweise und bringt immer mehr
Licht in den Körper und das ganze Energiesystem.
Auf der höchsten Frequenzenzebene von Tor 30 wartet die Verzückung. Die
göttliche Ekstase der Mystiker, für uns Westler eher unvertraut, bekannt aus den
östlichen Überlieferungen. Es heißt, dass die Siddhi-Ebene im menschlichen Körper
Hormone freisetzt38, das Energiesystem schwingt auf höchster Frequenz.
Alles verbrennt im göttlichen Feuer. Wer sich diesem Thema von Tor 30 nahefühlt,
kann in dem Lebensbericht von Ireena Tweedie Mein Weg durchs Feuer ein Gefühl
für diesen Weg der brennenden Sehnsucht bis hin zur Göttlichen Gnade nachlesen.

Tor 31 in der Kehle, schaut zu Tor 13 im Ajna


1. Das Tor des Führens 2. Die Einwirkung 3. Einfluss auf andere
Schaltkreis Kollektiv, Verstehen /Logik
Das Tor des demokratischen Führers. Du hast Einfluss, Wirkung. Selbst wenn du
nicht der Anführer bist, hören die Menschen auf dich, auf das was du sagst. Du
hast die Gabe zu sehen, wohin Wege führen und bist gemeint als jemand, der in
eine neue Zukunft führen kann, denn du hast alle Gaben, die es dazu braucht -
wenn du dazu den Auftrag der Gemeinschaft hast. Hier geht es wirklich um Führen
als Dienst, ein Dienen durch das Anführen. Es braucht den Auftrag des Kollektivs.
Du leitest durch dein Sprechen; du kannst ausdrücken, in welche Richtung es
gehen soll. Du hast eine Wirkung, du bist derjenige, der vorne steht. Du bewegst
Menschen – wozu auch immer. Das Wichtige dabei ist jedoch, dass du dem
Kollektiv, der Gemeinschaft damit dienst. „Wie kann ich behilflich sein?“ ist die
Frage hier. Das ist dir ein tiefes Bedürfnis und es braucht dazu, dass du authentisch
bist, dass du selbst lebst, was du verkündest. Prüfe, ob du dir selbst treu bist, und
ob das, was du lebst, deinen Überzeugungen entspricht.

38 das Thema der Zirbeldrüse hat auch Dieter Broers in seinem letzten Buch untersucht,
über sie kommt das Licht in den Körper, sie ist das Portal zu höheren Dimensionen.

271
So wie ein Lehrer ohne Schüler kein Lehrer ist, so bist du ohne Menschen, die dich
beauftragen, auch kein Führer. (Wichtig ist hier: Führer heißt auch: Vermittler,
Erklärer, Lehrer.) Aber alles, was du sagst, hat große Wirkung. Die Menschen
schauen auf dich. Achte, dass du sprichst, wenn es passend ist – im Idealfall, wie es
deiner inneren Autorität und Strategie entspricht. Dann folgen die Leute dir, weil
du eine große Klarheit verkörpern kannst. Tor 31 hat die Kraft, die Gemeinschaft zu
bewegen. Denk nur immer daran, für wen du führst; wende dich den Menschen zu,
für die du vorne stehst. Wir kennen das Beispiel des Mathelehrers – der völlig
absorbiert in seine Formeln vorne an der Tafel steht – und keiner kann folgen. Und
dann denke an den Lehrer, der sich den Schülern zuwendet und so die Freude, den
Sinn dessen, was er erklärt, vermitteln kann. Er bringt sein Wissen ein und erfüllt so
seine Aufgabe.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Verbinde dich mit der Quelle – wie auch
immer sie für dich aussieht. Und spüre auch deine Verbundenheit mit den
Menschen; schließlich ist es so, dass wir alle weit mehr teilen als dass uns trennt.
Was ist Einheit für dich?
Die spirituelle Ebene:
Ein besonderer Aspekt der Energie von Tor 31 ist das Thema der Sprache. Sie formt
unseren Geist, konditioniert unser Erleben der Welt in extremer Weise. Rudd nennt
den Schatten Arroganz, in dessen Frequenz wir glauben, frei zu sein und die Welt,
die Natur zu kontrollieren. Das kann sich zum einen als falsche Demut äußern,
dann ordnet der Mensch sich anderen freiwillig unter und ist stets damit
beschäftigt, sich zu fragen, was die anderen wohl über ihn denken könnten. Die
andere Ausdrucksform der Schattenfrequenz ist der Spott, von oben herab, über
allem stehend schaut dieser Mensch auf die anderen. Er sieht, wie leicht sie
manipuliert und konditioniert werden können. Da er sich nach Anerkennung sehnt,
entsteht eine Zwickmühle, denn wenn ich die anderen nicht achte, kann mir auch
ihre Anerkennung nicht wirklich etwas bedeuten, und so bleibt nur die Flucht in
Spott und Arroganz.
Erst wenn wir erkennen, wie trügerisch Worte sein können, wie potentiell
manipulativ unsere Sprache unser Denken beeinflusst, erhöht sich die Schwingung.
So wie der berühmte Philosoph Sokrates feststellte: „Ich weiß, dass ich nichts
weiß“ bringt diese Erkenntnis die Grundlage echter Führerschaft – Demut.
Menschen in der Frequenz der Gabe wollen meist gar nicht vorne stehen – sie
werden dazu berufen, weil sie spüren können, was die anderen wünschen und
brauchen und durch ihre Art, ihre Worte und die Form der Präsentation diese
Wünsche aufgreifen können. Wo der Mensch im Schatten angstvoll schaute, was
die anderen wohl von ihm denken, kommt hier Klarheit ins Spiel. Es sind zwei
Rollen, die einander bedingen – Führer und Geführter, Schaf und Schäfer und im

272
Führen liegt eben auch ein Dienst. Ein Mensch in der Frequenz der Gabe spürt, was
es braucht, um zu kommunizieren - Worte, Klang, Bilder und immer mehr die
Ebene des Herzens. Die Energie wandelt, und da Tor 31 spürt, was als nächstes in
die Welt kommen wird, geschieht hier eine große Öffnung hin zu einem
„kollektiven Herzen“.
Die Siddhi, die höchste Frequenzebene, ist dann die Demut, in der sich die
Individualität auflöst, da alle Trennung verschwindet hin zu dem einen Sein.
„Für die 31. Siddhi wird alles Verhalten als eine überpersönliche Manifestierung
von Ganzheit gesehen und deshalb gibt es dort kein Konzept eines unabhängig
Handelnden.“ 39 Es gibt nur noch Bewusstsein, welches das Leben beobachtet, frei
von Absicht.

Tor 32 in der Milz, schaut zu Tor 54 in der Wurzel


1. Das Tor der Kontinuität 2. Die Dauer 3. Kontinuität
Schaltkreis: Stamm, Ego/Kooperation
Die besondere Gabe und Kraft in Tor 32 ist, dass du meist genau weißt, was oder
wer die Kraft oder das Potential für eine Sache hat. Diese kannst du dann fördern
und unterstützen, so dass alle davon profitieren. Einerseits bist du ein Bewahrer,
du sicherst die Kontinuität, erhältst den Status Quo aufrecht, wenn das gut und
richtig erscheint. Aber du weisst auch, wann es an der Zeit ist, Dinge zu verändern,
dann lässt du los, öffnest dich für Neues. Es gilt, die Gabe der Feinjustierung, der
Balance zwischen Bewahren und Wandeln immer weiter zu entwickeln.
Die Milz – und ganz besonders Tor 32, ist grundsätzlich konservativ ausgerichtet,
schließlich geht es ums Überleben. Sie lässt Veränderung zu, das Motto ist jedoch:
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Darin liegt der Schlüssel zu langfristigem
Erfolg, die Gabe, einen Kurs aufrechtzuerhalten und zu bewahren, ihn gleichzeitig
aber auch immer wieder neu anzupassen. Es ist ein Stammestor, und im Stamm
wirkt die Notwendigkeit, dass Dinge funktionieren müssen, damit das Überleben
der Gruppe sichergestellt ist. Experimente – einfach mal so – das ist viel zu riskant.
Daher ist die Grundhaltung der zum Stammesschaltkreis gehörenden Tore auf
Kontinuität ausgerichtet. Aber – wenn die Umstände sich verändern, braucht es die
Fähigkeit, flexibel mitzugehen, zumal unsere Zeit immer schnellere
Veränderungsprozesse mit sich bringt. Dies ist die Aufgabe und Gabe in Tor 32 –
Sicherheit zu geben – in Bewahrung und in Wandel.

39 Rudd 353
273
Bei vielen Menschen mit Tor 32 findet sich die Befürchtung, dass dass all die
Träume, Visionen und Möglichkeiten nicht zur Erfüllung kommen werden. Solange
wir nicht bewusst mit diesem Thema umgehen, ist immer unterschwellig eine
Angst da, dass es nicht klappen könnte, dass entweder man selbst versagt oder die
Umstände die Erfüllung nicht zulassen. Die Kraft jedoch ist, dass du stetig und
verlässlich voran gehen kannst und weißt, was beachtet werden muss. Du kannst
die Balance halten und das Neue im Wandel annehmen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Nimm dich deiner Ängste an, so wie es eine
liebevolle Mutter, ein liebevoller Vater tun würde – voller Hinwendung, mit-
fühlend, aber nicht im gleichen Gefühl. Was würdest du tun, beginnen, oder
verändern, wenn ein Scheitern ausgeschlossen wäre?
Die spirituelle Ebene:
Unsere Schatten sind so schwer zu transzendieren, weil sie in unseren Zellen, in
unserer DNA verankert sind. Und der Schatten von Tor 32 gehört zu unseren
allertiefsten Ängsten – der Angst vor dem Versagen, einzeln und als Spezies: nicht
zu überleben, nicht dazuzugehören. Nicht von ungefähr war unter den
Naturvölkern die schlimmste Strafe, vom Stamm ausgeschlossen zu werden, in der
Existenz ignoriert zu werden. Tatsächlich starben die meisten so Bestraften daran.
In der heutigen Zeit versuchen viele, diese Angst über das Geld (haben) in Schach
zu halten, aber auch das kann die Angst nicht heilen - erst wenn wir uns erlauben
können, uns als Teil des Ganzen zu sehen und zu fühlen, werden sich unsere Sorgen
auflösen, dann kann Universum durch uns fließen. Im Schatten jedoch bleiben
zwei Formen, wie die Angst vor dem Versagen sich zeigt: entweder eng und
fundamentalistisch, „wir gegen den Rest der Welt“, dann isoliert der Mensch sich
bewußt, trennt sich ab von allen anderen. Oder aber die Schattenfrequenz zeigt
sich als Zerrissenheit, dann verliert man die Verbindung zum Fluss des Lebens und
nichts läuft reibungslos. Der Mensch fühlt sich abgeschnitten und getrennt, isoliert
und hilflos, etwas daran zu ändern.
Erst wenn es gelingt, über den Tellerrand der eigenen kleinen Welt zu schauen –
sich auf etwas Größeres auszurichten - , kommt eine besondere Kraft zur Wirkung:
die Gabe der Bewahrung. Dann hat der Mensch die Fähigkeit, seinen Instinkten für
Sinnhaftes zu vertrauen. Eine Balance zu finden zwischen dem, was bewahrt
werden sollte und dem, was verändert werden muss. Er folgt den Rhythmen der
Natur, wie ein guter Gärtner, der aussortiert, zurückschneidet und nährt.
Menschen mit dieser Gabe können in Beziehungen sicher unterscheiden, wo es
Verbündete gibt und welche Beziehungsgeflechte tragfähig sind – eine
unschätzbare Fähigkeit in Unternehmen und Gemeinschaften.

274
Wenn die Angst vollständig transzendiert wurde, erwacht die Siddhi der Ehrfurcht.
Wenn wir immer mehr dem Ganzen dienen, voller Hingabe an das Leben, kommt
immer mehr Licht in jede Zelle. Dann wird alles, was wir erleben, ein Wunder.
Rudd beschreibt, dass alle großen Eingeweihten in sogenannten Erblinien der
Energie geboren wurden; so steht ein jeder auf den Schultern derer, die vor ihm
waren und ermöglicht jenen, die über sie hinauswachsen, wiederum auf ihren
Schultern zu stehen. Alles wird als kostbar erkannt, jene, durch die wir sein können
und jene, die nach uns kommen. Ein Verehren von Allem, was ist.

Tor 33 in der Kehle, schaut zu Tor 13 im Ajna,


1. Das Tor der Zurückgezogenheit 2. Der Rückzug 3. Rückzug zur Verarbeitung des
Gehörten Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Tor 33 ist ein Geschichten-Erzähler-Tor. Du hast die besondere Gabe, Erlebtes und
Gehörtes so zusammenzufassen und wiederzugeben, dass Menschen davon
profitieren und lernen können. Nicht umsonst ist das Geschichtenerzählen einer
der ältesten Berufe der Welt, denn die Macht des gesprochenen Wortes ist groß.
Worte bewegen und machen Erkenntnisse und Wachstum auch beim Hörer
möglich (ähnlich wie die Spiegelneuronen beim Zuschauen). Du bist ein sehr guter
Zuhörer. So sammelst du die Informationen, die du dann weitergeben kannst und
hast ein ausgesprochen gutes Gedächtnis. Du sammelst und verbindest
Hintergründe, daher brauchst du auch immer wieder Zeit, dich zurückzuziehen,
allein zu sein, damit sich all das Aufgenommene ordnen kann. Danach kannst du
wieder nach vorne treten und dich mitteilen. Erlaube dir diese Bewegung, Teil der
Gemeinschaft zu sein und genauso dich wieder zurückzuziehen und zu reflektieren.
Man nennt dieses Tor auch das Tor der Umsicht, denn es geht darum, die Dinge zur
rechten Zeit zu tun. Du bist ein Geheimnis-Bewahrer. Menschen erzählen dir ihre
Geheimnisse und sie sind sicher bei dir – einzig die besondere Zuhörergabe von Tor
13 kann es manchmal schaffen, sie dir zur entlocken. Du kannst wunderbar
erzählen – wenn du beachtest, was mitgeteilt werden soll und was besser
ungesagt bleibt. Viele Historiker haben dieses Tor und machen so die
Errungenschaften und Entdeckungen der Vergangenheit zugängig. Achte darauf, dir
die Erholung zu erlauben, die DU brauchst – hier geht es um deine ganz persönliche
Form und nicht um das, was andere vielleicht erwarten. Rückzug ist
lebensnotwendig für dich!

Und wenn es grad mal schwierig ist: Du lebst jetzt! Lass dich nicht von Ängsten
der Vergangenheit zurückhalten. Prüfe, ob sie wirklich heute noch relevant sind.
Und experimentiere damit, welche Veränderungen deine eigene Geschichte erlebt,
275
je nachdem, von welchem Blickwinkel du sie betrachtest. Was hält dich zurück?
Welcher Wandel könnte /sollte geschehen?
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 33 sind wir gefangen von den Sehnsüchten und Handlungen
vergangener Zeiten, dem Karma, den Sanskaras. Dann bringt der Schatten des
Vergessens uns dazu, immer wieder die alten Geschichten zu wiederholen. Wir
finden uns in Beziehungen mit Menschen, die wir zu kennen glauben und mit
denen uns oft intensivste Gefühle und Abhängigkeiten, aber keine Leichtigkeit,
keine Freude, verbinden. Doch können sie machtvolle Werkzeuge der
Transformation sein, zwingen sie uns doch oft, aus unserem Leid heraus eine neue
Ebene anzustreben; durch das Erinnern und Betrachten z.B. in einer Therapie eine
neue Sichtweise zu finden.
Solange der Mensch noch im Schatten gefangen ist, kann es einerseits sein, dass er
extrem zurückgezogen ist, keinen Austausch und Ausdruck findet. Er isoliert sich,
versteckt sich vor den Menschen, und fürchtet, seinen Panzer aufgeben zu müssen.
Beziehung und Intimität werden – da sie Nähe und Offenheit voraussetzen - meist
vermieden. Auf der anderen Seite kann sich die Energie auch als Wut ausdrücken,
als Kritik an der Welt und in der Provokation anderer. Das wiederum löst Wut im
Anderen aus und führt zu Trennung.
Wenn jedoch langsam im Menschen Erwachen geschieht, zeigen sich die Weisheit
und die Liebesfähigkeit, die im Schatten latent vorhanden waren. Auf der Ebene
der Gabe kommt Achtsamkeit ins Feld – das Wahrnehmen und Beobachten der
Impulse, ohne ihnen jedoch ausgeliefert zu sein. Der Beobachter erwacht – wir
bekommen mit, was in uns geschieht. Das ist in jeder Heilarbeit ein tiefgreifender
Schritt, der zum Erwachen aus unserem Leiden führt – indem die Anhaftung und
Identifikation losgelassen werden kann. In diesem Prozess kommen wir immer
mehr in den Geschmack unserer eigentlichen und freien Essenz.
Die höchste Schwingungsebene von Tor 33 bringt die Offenbarung – all dessen, was
wir sein können. Die Erinnerung an das Vergangene löst sich auf, das wahre Wesen
wird spürbar. Alles wird erleuchtet und so ist die 33. Siddhi auch ein Zugangsportal
zu höheren Welten und trägt gleichzeitig auch die Transzendenz dieser in sich.
In dem Wissen, dass letztendlich alles Illusion ist, lösen sich alle Begrifflichkeiten
auf. Bleibt abzuwarten, bis wir es erleben – in dem Wissen, dass es, wenn es soweit
ist, kein Wir, kein Ich mehr geben wird, das es erlebt - weil die Auflösung des
Individuellen als getrennter Existenz ja schon Bedingung für das Erlangen jener
höheren Ebenen ist. Und das Wissen, dass sie letztendlich alle schon da sind, dass
nichts getan und verändert sein muss, macht kosmischen Witz komplett.

276
Tor 34 im Sakral, schaut zu Tor 57 - Milz, Tor 10 - Selbst, Tor 20 - Kehle
1. Das Tor der Macht und Gewalt 2. Des Großen Macht 3. Individuelle Stärke
Kanäle der Integration und Schaltkreis Individuell, Zentrieren
Power Power Power. Dies ist das Tor, aus dem der Kanal des Manifestierenden
Generators hervorgeht. Tor 34 ist das stärkste Tor im Sakralzentrum, seine
Schwingung ist Macht, Kraft, Gewalt, Energie – wofür auch immer.
Es ist auch das Tor der Authentizität, denn es geht darum, deine Dinge mit dieser
Kraft zu tun. Das, was für dich stimmig ist. Es ist deine Energie, individuell, für
deine Sachen. Das ist nicht egoistisch, das ist stimmig so – dein Treibstoff für
deinen einzigartigen Ausdruck deiner Kraft. Es ist die Bewegung, vieles auch
gleichzeitig in Gang zu setzten. Wenn jemand mit diesem Tor in den Raum kommt,
wird das jeder spüren. Du kannst anderen zeigen, wie diese Kraft in ihrer
individuellen Stärke als Vorbild wirken kann und den Weg zeigt.
Das Besondere, und vielleicht sehr Herausfordernde an der Energie von Tor 34 ist,
dass es sich oft seiner Kraft nicht bewusst ist. Diese Menschen bekommen einfach
nicht mit, wie sie wirken, was in ihnen vor sich geht. So wie echte Helden keinerlei
Gefühl für das eigene Heldentum haben. Die große Besonderheit hier ist, dass ein
Mensch mit Tor 34 sich selbst bestärken kann – es geht nicht darum, wie die
anderen finden, was er tut, er kann sich in seiner Einzigartigkeit zeigen. Denn
dieses Tor ist vielen – potentiell konditionierenden – Einflüssen ausgesetzt (da es
sich mit so vielen anderen verbinden kann). Und so kann der Mensch, wenn er
nicht lebt, was das seine ist, sehr erschöpft werden, vor allem im Familienkontext.
Menschen mit diesem Tor sind einfach extrem busy. Und auch, wenn sich Tor 34 im
Sakral befindet, ist seine Ausrichtung nicht unbedingt sexuell (es gibt den Witz,
diese Leute seien zu beschäftigt um Sex zu haben), es geht einfach um Energie –
deine Kraft, deinen Ausdruck in die Welt zu bringen. Wichtig ist immer, auf die
sakrale Reaktion zu warten. Es ist ein Generator-Tor, es muss „anspringen“.
Im Umgang hilft, sich das Ergebnis der Re-Aktion vorzustellen, zu spüren, dass die
Energie an die (für dich !!) richtigen Orte führen wird. Die Energie von Tor 34 steht
von seiner eigentlichen Ausrichtung her nur dem Menschen selbst zur Verfügung:
für deine Einzigartigkeit, für dein Überleben, für deinen Ausdruck als du selbst. Das
ist dann das Charisma (so heißt der Kanal) – deine so ganz authentische,
individuelle Ausstrahlung von Energie.

Wenn Tor 34 nicht leben kann, was in ihm steckt, kann es zu Depression,
Autoimmunerkrankungen und tiefster Frustration kommen, denn was nicht raus
kann, aber einen solchen Druck verspürt, geht nach innen – das führt zu Schmerz

277
und dem Unterdrücken, der De-pression. In ihrer ganzen Ausrichtung ist die Kraft
von Tor 34 deine eigene – es geht darum, wie du sie einsetzt, in deinem Leben.
Wenn du ein Kind mit Tor 34 hast, ist es wichtig, ihm Freiheit und
Bewegungsmöglichkeiten zu geben, gleichzeitig aber auch angemessene Grenzen
(denn es kann sehr schwer für es sein, Grenzen anzuerkennen oder gar als dienlich
zu verstehen).
Und wenn es grad mal schwierig ist: Achte auf den Unterschied – ist es ein
Anspringen oder will ich initiieren? Visualisiere, fühle hinein in das, was sein kann,
um in dir ein Gefühl von Stimmigkeit zu spüren – oder eben nicht. Leben als du
selbst, darum geht es in Tor 34.
Die spirituelle Ebene:
Der Schatten von Tor 34 begegnet uns in jeder Nachrichtensendung, überall auf der
Welt. Gewalt – die Bereitschaft, seine Interessen gegen die Anderen
durchzusetzen, mit aller Macht, Kraft und eben Gewalt. Dieser Antrieb ist meist
blind, er sieht nicht, was er tut und was mit dem Anderen geschieht. Wenn der
Kampf einmal begonnen ist, kann der Mensch nicht zurücktreten, kann das einmal
Begonnene nicht beenden. Ist taub für alles, was andere ihm hilfreich zurufen, er
will das Gewünschte erzwingen. Der Schatten von Tor 34 zeigt sich entweder in
einer extremen und ungesunden Zurückhaltung, einer Angst vor der eigenen
Wirkungskraft. Meist haben diese Leute eine schwierige Kindheit gehabt, mussten
um zu überleben ihre Kraft zurückhalten. Das führt zu müden, depressiven, sich
selbst niedermachenden Erwachsenen, ohne Antrieb und Energie. Oder der
Mensch wirkt extrem rechthaberisch und versucht mit Gewalt, anderen seinen
Willen aufzuzwingen. Bully nennt man solche Typen im Englischen, ein Tyrann und
Schläger, der andere bedrängt. Tragisch ist, dass diese Menschen oft gar nicht
mitbekommen, wie sie wirken - ihre Dickköpfigkeit kann sie daher in schwierige
Situationen bringen, da sie unfähig sind, ihr Verhalten zu verändern. Hier hilft nur,
einen echten Sinn, ein Einsatzziel für diese große Kraft zu finden. Wenn die
Frequenz sich dann erhöht, zeigt sich die Gabe der menschlichen Stärke. Gewalt
und Stärke scheinen auf den ersten Blick aus der gleichen Wortfamilie zu kommen,
aber der Unterschied ist groß - denn echte Stärke hat etwas mit Angemessenheit zu
tun, sie fließt in stimmiger Intensität und passendem Timing, in Übereinstimmung
mit der Welt. Rudd nennt sie die Gabe der Helden – Menschen, die Großes tun und
bewegen, ganz ohne dabei sich selbst zu betrachten, ohne persönliche Absicht.
Physisch geht mit der 34. Gabe oft ein „individueller Flair“ einher, etwas sehr
Besonderes, für andere Attraktives. Eine innere und äußere Authentizität.
Spektakulär gerade, weil derjenige es nicht darauf anlegt.
Auf der höchsten Schwingungsebene zeigt sich diese Energie als Würde. Reines
Gewahrsein, die Schönheit des Bewusstseins in der Form. „Die göttliche Essenz der
278
Schöpfung kann sich nur dann frei im Körper bewegen, wenn die Identität
aufgehört hat, zu existieren.“ Es bleibt die besondere Ausdrucksform der
Schwingung über den Körper, so mögen die anmutigen Bewegungen des Tai Chi
oder Chi Gong, des Yoga entstanden sein – Leere in Bewegung, sakrale Kunst.
Wenn ein Mensch die höchste Ebene von Tor 34 verwirklicht hat, ist jede
körperliche oder persönliche Verhaftung gelöst und das ganze Universum kann in
ihm gegenwärtig sein.

Tor 35 in der Kehle, schaut zu Tor 36 in den Emotionen


1. Das Tor der Veränderung 2. Der Fortschritt 3. Fortschritt / Emotionale Erfahrung
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Hier ruft das Abenteuer, die Erfahrung in der Welt. Mit diesem Tor lockt ständig
das Neue und Unbekannte, anfangs fast egal, was es ist. Alles Normale langweilt
schnell, der Hunger nach neuen Erlebnissen, die erfühlt und entdeckt werden
wollen, lenkt die Energie. Das Sammeln von Erlebnissen führt im Idealfall
(irgendwann) zur Weisheit und so hilft es, die Fähigkeit der Unterscheidung
zu üben, damit du fühlen kannst, welche Erfahrungen sinnvoll sind, dich
weiterbringen und deine Weisheit mehren, und welche dann doch besser
vermieden werden.
Menschen mit diesem Tor haben eine sehr niedrige Schwelle für Langeweile – das
führt oft dazu, dass sie sich in alle möglichen Erlebnisse stürzen. Am Ende können
sie Führer sein, eine erfahrene Quelle von Rat und Erfahrung, die andere
unterstützen kann. Vor allem sehnt sich Tor 35 nach emotionalem Erleben, es will
immer wieder wissen, was im nächsten Menschen zu entdecken liegt. Hier gilt es,
die Erfahrung dann um ihrer selbst willen anzunehmen und den Beobachter in sich
zu schulen, denn Tor 35 liegt im kollektiven Schaltkreis - es drängt, den Sinn zu
finden, Erleben für alle zu entschlüsseln.
Du hast die Gabe, eigentlich alles lernen zu können, was du möchtest. Vor allem
der Bereich des persönlichen Erfahrens und Erlebens fasziniert dich. Und im Laufe
der Zeit kann sich ein besonderes Gespür für die Prozesse dieses Erlebens
entwickeln, für die Gefühle und Lektionen, die dazugehören. Die Energie in dem
Schaltkreis, zu dem Tor 35 gehört, hat etwas Zyklisches – durch immer
wiederkehrende Prozesse von Erkundung und Erfahrung – also Veränderung – wird
sich Altes lösen, losgelassen werden müssen, und eine Zeit des Übergangs bringt
dann Neues.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Übe zu unterscheiden, welche Erfahrung du
(eigentlich) schon gemacht hast, die keine Wiederholung braucht. Für welche
Erfahrungen – und Auswirkungen – gilt es, die Verantwortung zu übernehmen?
279
Man sagt, dass Tor 35 Erfahrungen für alle anderen mit macht, damit diese manche
davon nicht machen müssen. Ehre diesen Dienst. Und ehre die Weisheit, die dann
für alle daraus entsteht.
Die spirituelle Ebene:
Hunger – der Schatten von Tor 35 – treibt uns in die Welt, auf der Suche nach
irgendetwas Neuem, das satt machen kann. Auch dieser Schatten ist biochemisch
in uns verankert, und nicht zufällig erhöhen unsere Such-Süchte wie Sex, Essen,
Spielen oder Drogen den Serotoninspiegel im Körper, der ein Gefühl der
(zeitweisen) Sättigung bringt. Da die Erfüllung auf dieser Ebene nicht von Dauer ist,
kommt Unzufriedenheit. Wir sind enttäuscht und klagen im Außen das an, was uns
doch geben soll, was wir brauchen: die Umstände, den Partner, das Leben.
Erst wenn wir bereit sind, uns diesen Mechanismus wirklich zu vergegenwärtigen,
unser genetisches Verlangen verstehen, können wir den Fängen des Schattens
entkommen. Bis dahin wirkt entweder die Verdrängung: all die sehnenden
Impulse werden verdrängt, was allerdings auch dazu führt, dass die gesamte
Lebendigkeit unterdrückt wird. Das Leben wird langweilig, glanzlos. Oder aber der
Mensch flüchtet sich in das Gegenteil, füllt das Leben zwanghaft mit Action, sucht
ununterbrochen den nächsten Kick, der den Hunger stillen soll und findet so nie zu
sich selbst.
Der einzige Weg aus der Sucht des Hungers heraus ist die Hinwendung nach innen,
ins eigene Herz. Sich einzulassen auf das Abenteuer des Lebens, geführt durch die
Liebe, die innen nährt – so kommt die Gabe von Tor 35 zum Ausdruck. Ein wirklich
alchemistischer Prozess, sich bedingungslos einzulassen, vertrauensvoll
hinzugeben. Wenn der Mensch bereit ist, sich bewusst auf das Abenteuer der Liebe
einzulassen, wird alles in ihm gewandelt, die Gene verändern sich, Glück wird quasi
in den Zellen installiert. Das Geheimnis ist, die Liebe in so viele Bereiche unseres
Lebens hineinzulassen wie möglich – das verändert alles, was wir sind.

Über diese wirklich stoffliche, chemische Wandlung der DNA führt die Entwicklung
zur Siddhi der Grenzenlosigkeit. Grenzenlosigkeit ist reines Bewusstsein, da ist
niemand Persönliches mehr, der sie erlebt. Aber alleine schon die Beschäftigung
mit dieser Siddhi wandelt, wir rutschen vom Verstand ins Herz, öffnen uns. Reine,
bedingungslose Liebe wirkt so stark, dass jeder Bruchteil, den wir davon fühlen, uns
nachhaltig verwandeln kann. Wunder geschehen – sie lösen unsere Begrenzungen
auf, lassen uns wahre spirituelle Macht fühlen.

Tor 36 in den Emotionen, schaut zu Tor 35 in der Kehle


280
1. Das Tor der Krise 2. Die Verfinsterung des Lichts 3. Berührbarkeit
Schaltkreis Kollektiv Sinnfinden
Wow, das ist ein intensives Tor. Es macht seinem Namen „Tor der Krise“ oftmals
Ehre, hier geht es um die absolute Bandbreite der Emotionen. Tor 36 erlebt alles.
Du fühlst unendlich viel, tief, hoch, extrem und es scheint, als wenn krisenhafte
Erlebnisse dich immer wieder finden und durchschütteln. Dazu gehört die
Sehnsucht nach der „einen richtigen Erfahrung“ – und auf dem Weg dahin alles,
was möglich ist, zu fühlen. Genau wie in Tor 35 holt dich die Langeweile schnell ein
und es treibt dich weiter, zu neuen Erkundungen. Du liebst das Neue, es fasziniert
dich, es ist, als wenn jedes Neue dir ein Paradies verspricht – allerdings wirst du
genauso oft wieder herausfallen. Du erlebst Veränderung, und du bringst
Veränderung in deine Beziehungen. All-entscheidend für das Resultat, dass Sinn-
finden, ist, dass du dich auf die Erfahrungen gemäß deiner Autorität und Strategie
einlässt.
Sieh die Dramen nicht als deinen Feind, sondern als deinen Lehrer. Das führt zu
Berührbarkeit – durch die Energien, die dich durchströmen, aber auch zu Weisheit,
wenn du lernst, all das zu haben und zu erleben, aber auch mit dem, was man
„Beobachter“ nennt, zu betrachten. Am Ende steht Weisheit über die Welt, über
die Gefühle und das Leben. Denn letztendlich ist dieses Sehnen und Erkunden-
wollen auch und zutiefst ein innerer Prozess, es geht um dich in deiner Vielfalt und
Fülle, nicht darum, jedem Rock und jeder Reise zu folgen.
Du willst fühlen – besonders, wenn über Tor 35 der Wunsch nach Ausdruck des
Gefühls hinzukommt. Wichtig ist, dass du dabei deiner inneren Autorität folgst –
und sollte diese in den Emotionen liegen, dann geht es darum, dieses Warten und
Erkunden der Erfahrung zu üben. Sonst wird der Druck in dir zu groß und aus einem
Gefühl der Unzulänglichkeit kommt es zu allen möglichen Handlungen, die
wiederum Leid verursachen. Doch bis es so weit ist, gehst du von Erfahrung zu
Erfahrung, immer in der Sehnsucht, dass dies endlich „das Richtige“ ist. Und wenn
es – wieder mal – doch nicht das Richtige war, wenn die Enttäuschung kommt, weil
die Welle sich verändert, kommt bald die nächste. Und so kann dieses Tor
besonders für das Thema Partnerschaft/Ehe herausfordernd sein – die Liebes-
Eifersuchtsdramen im Kino beschreiben dies auf anschauliche Weise. Wenn du also
einen Partner mit Tor 36 oder gar dem Kanal 35-36 hast, kann dieses Wissen
immerhin helfen, zu verstehen, welche Dynamik in deinem Partner wirkt.
Tor 36 hat auch eine sexuelle Komponente, es ist berührbar auf allen Ebenen:
Mitgerissen werden, sich in ein Erleben einfach ohne nachzudenken (i.e. abwarten)
hineinstürzen, und auch dieses sich-zerrissen-fühlen geschieht leicht, wird durch
die Sehnsucht nach dem „richtigen“ Erlebnis befeuert - und will angenommen sein,
damit später vielleicht die Fähigkeit steht, weise Entscheidungen zu treffen.

281
Eigentlich wartest du die ganze Zeit, dass jemand oder etwas dich triggert, damit
du in das Gefühl kommst – für das Umfeld kann das manchmal herausfordernd
sein.
Und wenn es grad mal schwierig ist: erinnere dich an die Welle der Emotionen –
Wahrheit kommt nur über die Zeit. Folge deiner Strategie und Autorität, fokussiere
deine Klarheit (ein bissl so wie im Zentrum eines Tornados, da ist es ruhig). Es geht
um deine Wahrheit, deine Reise zu dir und die Weisheit der Tiefe, in der
Berührbarkeit dennoch Frieden zu finden, Wildwasser-Rafting mit innerem Zen.
Die spirituelle Ebene:
Der Schatten von Tor 36 ist etwas, das alle Menschen – ob sie das Tor nun aktiviert
haben oder nicht - erleben: die emotionale Aufgewühltheit, die innere Unruhe,
dass jeden Augenblick etwas Schreckliches geschehen könnte. Die Energie treibt zu
immer neuen Erfahrungen. Auf kollektiver Ebene ist das sehr sinnvoll, so klärt sich,
welche Erfahrungen gefährlich sind, was Sinn macht. So finden wir die gute
Richtung für alle. Für den Einzelnen kann sich das allerdings anfühlen wie in einem
Versuchslabor; es ist sicher kein Zufall, dass im Fernsehen die Seifenopern so
beliebt sind, dramatische Aufs und Abs ohne Ende. Tor 36 ist ja intensiv mit dem
Thema Beziehungen verbunden, im Schatten sind es Lust, Leiden-schaft und
Schuld, die das Drehbuch beherrschen. Das alles macht Sinn, dieses Leiden
befeuert unsere Bereitschaft nach Heilung und Entwicklung. Die dunkle Nacht der
Seele – sie gehört untrennbar zur Schattenebene von Tor 36, es zieht Krise um
Krise in das Leben des Menschen, damit er daraus lernt und sie letztendlich
transzendiert.
In den Menschen, die in der Schattenfrequenz feststecken und die ihre emotionale
Aufgewühltheit aber unterdrücken, entsteht eine alles umfassende Nervosität. Sie
bleiben zwar äußerlich ruhig, aber die Spannung tobt im Körper und wirkt auch auf
die Menschen in ihrem Umfeld. Ohne Angst machen zu wollen, gilt es hier darauf
zu achten, was eine Daueranspannung im Körper anrichten kann. Die andere
„Spielart“ des Schattens ist dann die gelebte Seifenoper - Affairen, Seitensprünge,
Schuldgefühle, das ganze Drama menschlicher Emotion findet hier statt. Tragisch
ist, dass dem Menschen selbst oft gar nicht bewusst wird, wie er selbst immer
wieder für diese Krisen sorgt.

Es braucht Ehrlichkeit, ein Annehmen der Gefühle. Sobald der Mensch bereit ist,
sich seiner Sexualität, seiner Sehnsucht zu stellen und sie anzunehmen, bewusst zu
sehen, kann die Gabe der Mitmenschlichkeit sich zeigen. Dann beginnen wir, das
eigene Leid zu verstehen und zu erlösen und werden offen für andere, können

282
mitfühlen und Anteil nehmen. Nicht umsonst heißt es im Gebet des Dalai Lamas
„möge ich jedem Wesen zeigen, dass ich Anteil nehme an seinem Schicksal“.
Dann leben wir mit einem offenen Herzen, all die emotionalen Dramen dürfen sein
und wir können ihnen mit immer mehr Weisheit und Reife begegnen. Erst wenn
wir es wagen, in die tiefsten Verliese unserer Seele hinabzusteigen und die dort
vergessenen Teile unserer Selbst heimholen in uns, können wir wirklich ganz und
heil werden. Dann erst sind wir zutiefst menschlich, erfüllt von dem Mut, das
„ganze Paket“ des Lebens anzunehmen und zu durchlieben.

So steigt die Frequenz auf, wird auf der Ebene der Siddhi reines Mitgefühl.
Passenderweise ist heute, wo ich dies schreibe, Ostersonntag - das Leben von
Christus ist sinnbildlich für den Weg, den es in Tor 36 zu gehen gilt. Die Annahme
des Leidens als Mensch, das er-leben und die Transzendenz in ein allumfassendes
Mitgefühl hinein. Unsere Prüfungen sind existentiell, und indem wir sie annehmen,
durchlichten wir alles. Wir spüren einen Menschen, in dem die 36. Siddhi
verwirklicht ist, an dem Frieden in seinem Wesen, er strahlt aus und berührt. Oft
leben diese Verwirklichten in Krisengebieten und helfen anderen; sie können –
voller Sanftmut - Wunder wirken, heißt es.

Tor 37 in den Emotionen, schaut zu Tor 40 im Ego/Herz/Willenszentrum


1. Das Tor der Freundschaft 2. Die Sippe 3. Loyalität
Schaltkreis Stamm, Ego/ Kooperation
Es geht um Gemeinschaft, Freundschaft, Familie, Loyalität und
Zusammengehörigkeit. Dir ist Freundschaft aus tiefsten Herzen wichtig, ein für-
einander-da sein, Geben und Nehmen, in Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Dabei
schätzt du jedoch Ehrlichkeit – du magst es überhaupt nicht, wenn Menschen ihr
Wort nicht halten, andere ausnutzen, sich nicht sozial verhalten. Dann kann dein so
warmherziges Wesen kühl und bitter werden. Du liebst Harmonie, in ihren Dienst
stellst du dein Tun, und bist besonders begabt, auf andere zuzugehen und Frieden
zu fördern. Deine Energie braucht den Austausch, kann Menschen willkommen
heißen, voller Freundlichkeit. Du bist ein Sinnesmensch – es geht um Berührung
und Nähren – das gemeinsame Essen, auch das Geschäftsessen – gehört dazu. Zu
Tor 37 gehören der Mund, die Zunge, das Aufnehmen der Nahrung. Wer einen
Partner mit Tor 37 hat – bitte streicheln und umarmen! Das wirkt viel mehr als
1000 Liebesschwüre.
Man nennt die 37er gern den Archetyp des Familienmenschen (allerdings meiner
Beobachtung nach kann das sehr gut auch deine Wahlfamilie sein, deine Leute halt,
283
nicht notwendigerweise die Herkunftsfamilie, aber natürlich auch). Deine Heimat
im Sinne von Zugehörigkeit ist ein wichtiges Thema, du hast die Gabe, dir überall
wo du hinkommst, eine Heimat zu schaffen, dich zuhause zu fühlen. Freunde sind
wichtig, wahrscheinlich hast du einen großen Freundeskreis, deine Gruppe von
Menschen, mit denen du dich wohl fühlst. Dann darf es familiär und vertraut
zugehen – Tor 37 liebt und lebt Langzeitbeziehungen. Und dafür ist unabdingbar
wichtig: es muss für beide Beteiligten lohnend sein (ist schließlich ein Stammestor,
da ist das Thema „lohnend“ einfach eingebaut), es muss für beide etwas Gutes
dabei sein, Geben und Nehmen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Sage dir innerlich: Ich atme Frieden ein, ich
atme Frieden aus. Und wie der Dalai Lama empfiehlt: triff keine Entscheidungen,
bevor du das Thema nicht mindestens von sechs Standpunkten aus betrachtet hast.
Übe außerdem, klar zu kommunizieren, was du brauchst - es geht immer um
Fairness für alle Beteiligten, nur dann kann dauerhafte Harmonie und Frieden
entstehen.
Die spirituelle Ebene:
In seinem Schatten trägt Tor 37 eine Schwäche, etwas Schwächendes, wie es
besonders in der Haltung der bislang vorherrschenden männlichen Sichtweise auf
das Weibliche zu finden ist. (Natürlich geht es eigentlich um die Kräfte von Yin und
Yang und ihrem Gleichgewicht). Die Schattenfrequenz von Tor 37 gehört bald der
Vergangenheit an, denn kollektiv bewegen wir uns aus dieser Frequenz heraus. So
wie die Zeit des „Kreuzes der Planung“ (Tore 37-40-16-9) dem Ende zugeht, so
wandelt sich auch das Rollenmuster der Frau als schwächerer, abhängiger Mensch.
Im Schatten fühlt sich der Mensch nicht unterstützt, ohne Kraft und Vertrauen in
einer fremden Welt. Das kann sich darin äußern, dass der Mensch sehr emotional
lebt und handelt, ohne jedoch echten Kontakt zu seinem Herzen zu haben - dann
geht es in den Emotionen ständig auf und ab und führt vom Echten weg. Oder aber
er verhärtet sein Herz und flüchtet sich in Verachtung anderer, versucht sich auf
Kosten anderer nach vorne zu bringen.
Wenn sich diese Schwingung erhöhen darf, kommt ein Respekt vor allem Leben
auf, dann ist klar, dass wir alle gleich geboren wurden, dass alle Menschen
gleichwertig sind. Dann lebt der Mensch aus seinem Herzen heraus, in
Verbundenheit zur „Familie“ aller Menschen. Das erinnert an das Gebet des Dalai
Lama, in dem es heißt „ und möge ich jedem Lebewesen zeigen, dass ich Anteil
nehme an seinem Schicksal“. Dann können wir geben, ohne Bedingungen daran zu
knüpfen oder etwas zurück zu erwarten. So wie Christus lehrte, andere zu lieben
wie sich selbst, wird hier Tor 37 wahrlich ein Tor der Freundschaft und Liebe zu
allen Menschen.

284
Die höchstentwickelte Frequenz von Tor 37 nennt Rudd Zärtlichkeit, die alles
umfassende Hingabe an die innere Macht der Annahme und liebevollen
Umarmung. Es geht auch um die mystische Vereinigung des Männlichen und
Weiblichen, deren Innigkeit auch eine Transzendierung der Sexualität in eben
tiefste zärtliche Hingabe bewirkt. Der Archetyp des Mütterlichen, der nicht mehr
persönlich ist oder das Persönliche erfüllt, sondern sich ausdrückt in der liebevollen
Umarmung der gesamten Menschheit.
Tor 38 in der Wurzel, schaut zu Tor 28 in der Milz
1. Das Tor der Kämpfer 2. Der Gegensatz 3. Beharrlichkeit, unbeugsames
Durchhalten Schaltkreis Individuell, Wissen
Hier geht es um absolute Entschlossenheit, um Beharrlichkeit und die Fähigkeit, am
Ball zu bleiben, egal wie die Umstände sind. Es liegt eine tiefe Unbeugsamkeit in
diesem Tor, welche die eigene Integrität verteidigt. Der eigene Weg, gegen alle
Widerstände, wird gegangen. Das Tor liegt in dem Druckzentrum Wurzel, hier ist
der Schub, alles Hindernde aus dem Weg zu räumen. Du hast die Fähigkeit, jede
Autorität in Frage zu stellen, du kämpfst für deine Individualität. Wichtig dabei ist
jedoch, zu prüfen, wann diese Gabe wirklich passend und angemessen ist, denn
sonst erlebst du mehr Ablehnung als nötig. (Vielleicht kennst du den Pinguin mit
dem Schild „Dagegen“ aus dem Kinderbuch? So muss es nicht immer sein). Tor 38
ist anstrengend, aber gesund. Es ist manchmal fast so, als käme es erst richtig in
Schwung, wenn es Widerstände zu überwinden gilt. Vielleicht kennen manche den
Song aus den 80ern noch „when the going gets tough, the tough get going“ von
Billy Ocean – das könnte die Hymne von Tor 38 (und natürlich besonders des
ganzen Kanals 28-38) sein.
Es kann ein schmaler Pfad sein zwischen Fanatismus und dem Zum-Ausdruck-
bringen der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Weges. Tor 38 hört nicht auf
andere, es ist daher sehr schwer, von außen Einfluss zu nehmen. (Mein Vater
bestand noch mit 85 darauf, die Reifen, die er bis 75 mit der Haltung „dafür Geld
ausgeben, das muss nicht sein, mach ich schon“ selbst gewechselt hatte, in der
Garage bei sich zu lagern und zweimal im Jahr ins Auto zu wuchten, um sie zur
Werkstatt zu bringen, statt sie dort einlagern zu lassen). Gut zureden? Keine
Chance. Beeindruckend – auf jeden Fall. Ob es immer so sein muss, ist wie bei
allem eine Frage der Haltung.
Durch die Wurzelenergie kannst du einfach eine sehr starke wandelnde Kraft für
Veränderung sein, für dich und für andere. Du nimmst nichts hin, nur weil es so
ist – wenn du das Gefühl hast, dass etwas verändert werden muss, dann wirst du
dies bewirken. Es ist das Tor der kämpferischen Menschen, und so liegt es dir eher
nahe, Gegensätze zu sehen und zu betonen, denn es geht um deine Individualität.

285
Du lehnst jene ab, die dich konditionieren wollen, damit du sein kannst, wer du
bist.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Ehre deine Einzigartigkeit, deinen Weg, dein
Sein. Alles, was ganz „es selbst“ ist, bereichert diese Welt, denn es ist einzigartig
und war vorher noch nicht da. Nicht jeder kann und wird so entschlossen nach
seinem Sinn suchen oder dich verstehen können. Es ist ein individuelles Tor.
Die spirituelle Ebene:
Hier findet sich im Schatten der Kampf. Der Kampf gegen Bedrohungen, gegen
andere und gegen sich selbst. Der Mensch ringt verbissen, und je weniger Sinn und
Richtung er fühlt, desto unnachgiebiger kämpft er, hält fest. Dann drückt sich die
Trauer darüber, keinen Sinn zu fühlen, in Wut aus, oftmals gegen jene, die nahe
sind. Und auf der kollektiven Ebene bleibt das Muster ähnlich, viele Kriege
entstanden und entstehen dadurch, dass mächtige Menschen aufgrund
persönlicher Aspekte aggressiv auf andere reagieren. In unserem Erleben zeigen
sich zwei Hauptvarianten des Schattens von Tor 38 – das „Miesmachen“, dann
verschließt der Mensch alle Energie tief in seinem Körper, findet sich selbst schuld
an seinem Elend, seiner Depression und verharrt darin. Die andere Form ist
aggressiv, dann wird alle Wut und Aggression auf die anderen projiziert und die
Energie aktiv kämpfend entladen. Liebevolle Beziehungen zu führen wird so extrem
schwierig. Für beide Schatten gilt – sobald der Mensch einen Sinn finden kann, ein
höheres Ziel, kann die Energie neue Wege finden und eine heilsamere Richtung
nehmen – hin zu etwas Gutem.
Mit dem Anstieg der Schwingung kommt die Gabe der Ausdauer – denn wenn der
Mensch den passenden „Kampf“ gefunden hat, indem er seine Kraft für etwas
Sinnvolles einsetzen kann, löst sich die Negativität auf. Ausdauer ist eine Gabe, in
der Hindernisse überwunden werden können, der Mensch hält durch, bleibt dabei.
Oft sind das sehr körperlich starke, aktive Menschen, die aber voller Besonnenheit
unterscheiden gelernt haben, wann es zu handeln gilt und wann es Ruhe und
Abwarten braucht. Wichtigste Leitkraft hierbei ist die Liebe, sie bringt den Sinn.
Allen Hindernissen zum Trotz siegreich sein – das ist die Heldengeschichte von
Menschen, die die Essenz der 38. Gabe leben, sie füllt Kinosäle und Buchregale, so
etwas zieht uns an und inspiriert.

Auf der höchsten Frequenzebene entsteht die Siddhi der Ehre. Diese Schwingung
meint, dass der Mensch sein höchstes Potential lebt, seine Wahrheit zum Ausdruck
bringt. Unberührbar durch das Bild der Anderen von ihm folgt er seiner inneren
Größe und trägt dazu bei, dass alle Kämpfe enden können. Das Konzept von
„gewinnen“ und „verlieren“ wird transzendiert, Licht und Dunkelheit würdigen
286
einander und lösen sich auf. Die Band Silbermond berührt in ihrem Lied „Krieger
des Lichts“ diese Qualität.

Tor 39 in der Wurzel, schaut zu Tor 55 in den Emotionen


1. Das Tor des Provozierens 2. Das Hemmnis 3. Emotionaler Ausdruck und
Befreiung Schaltkreis individuell, Wissen
Dies ist ein recht herausforderndes Tor – insofern, dass seine Energie andere dazu
bringen kann, sehr intensiv zu reagieren. Es provoziert – wirkt auf andere
emotional herausfordernd. Schon deine reine Anwesenheit kann diesen Effekt
haben, aber du hast auch Vergnügen daran, aus anderen hervorzulocken, was in
ihnen ist. Fast eine Lust, zu „pieksen“, wo der andere empfindlich ist.
Es ist sein sehr kreatives Tor, viele Künstler haben Tor 39 und die damit
verbundene Intensität der Emotionen. Es hat eine große Sensitivität, besonders für
Musik, du bist sicher sehr empfindsam für Klang. Es kann den Aspekt beinhalten,
Nahrung sehr wichtig zu finden, Vorräte zu haben, jederzeit essen zu können, um
darin Sicherheit zu finden. Genauso findet sich natürlich das Thema, Nahrung
abzulehnen oder vieles nicht zu vertragen.
Eine Weile kann alles ruhig sein, und nichts geschieht, und dann plötzlich explodiert
es in dir. Diese Intensität will angenommen sein; das Extreme, etwas Verrückte,
dient der Erkundung von Emotionen aller Art. Es kann sogar sein, dass du dich
selbst schockierst, mit etwas, das du sagst oder tust. Eine große Herausforderung
für Menschen mit diesem Tor ist, dass das Provozieren so verboten ist und es
Kindern früh ausgetrieben wird.
Dabei will Provokation ja nicht jemand das Leben schwer machen, sie soll eher ein
Kompass für Authentizität sein. Wie ein Maßstab für die richtigen Menschen in
deinem Leben – denn wenn jemand zu dir passt und du bist echt, so wie du bist –
wunderbar. Und wer dich als provozierend ablehnt, ist eh nicht der richtige Mensch
für dich.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Ehre die Gabe, Wandel und Entwicklung
anzuschubsen. Und prüfe, wo du dir Leute „vom Leibe halten willst“ und warum.
Wo suchst du im Grunde Nähe und Verbindung?
Die spirituelle Ebene:
287
Die Schattenfrequenz von Tor 39 kennen wir sicher alle, unabhängig davon, ob das
Tor bei uns angelegt ist oder als „Nicht-Selbst“ wirkt. Provokation, das können
Worte sein, die in einem bestimmten Tonfall, einer Tonlage oder Ausdrucksweise
gesprochen werden und die unsere Knöpfe mit sofortiger Wirkung drücken. Wir
nehmen es persönlich, bis in unsere Zellen hinein. Die Reaktion ist eine
Gewaltbereitschaft, ein Aggressionspotential, wir wollen zurückschlagen – oder
geben uns als Opfer geschlagen. Dann hört der Mensch auf, tief zu atmen, alles
wird abgeflacht, tiefe Müdigkeit entsteht. Der innere Hunger nach Lebendigkeit
wird oft zu einem physischen Hunger verzerrt und der Mensch wird nie satt, die
Nahrung wird nicht richtig verstoffwechselt. Rudd verweist hier auf die
Fettleibigkeit im Westen und die Unterernährung in anderen Teilen der Welt - auch
hier sehen wir eine duale Variante des gleichen Themas der Gefangenschaft in
einer niedrigen Schwingung.
Diese zeigt sich entweder in einem Gefühl des Gefangenseins, dann ist die Angst so
stark, dass sie die Lebensenergie einfriert. Der Mensch ist in allem total reduziert,
meist ohne es selbst zu spüren. (Hier ist es beeindruckend, wenn z.B. in einem Kurs
ein Aufwachen passieren darf, wenn die Lebendigkeit endlich ausgedrückt werden
darf. Der Kraftzuwachs ist enorm). Der andere Ausdruck des Schattens der 39 ist
dann die Provokation, der eigene Schmerz wird nach außen gebracht und auf den
anderen projiziert. Studien zeigen, dass Kinder, wenn sie keine Chance sehen, für
das, was sie sind und können, positiv verstärkt zu werden, sich auf das Provozieren
und Stören der Anderen verlegen – dann ist negative Aufmerksamkeit immer noch
besser als gar keine. Und wenn dieser Zustand lange genug besteht, werden bei der
Bestätigung einer negativen Sichtweise im Gehirn sogar Belohnungssubstanzen
ausgeschüttet - der Teufelskreis ist komplett.

Zur Zeit wird die Arbeit von Dr. Gerald Hüther immer bekannter, der mit seiner
Praxis vom Wiedererwecken der Lernlust und dem Fokus auf den im Menschen
angelegten kreativen Forscher und Schöpfungsdrang hilft, unser Schulsystem
(hoffentlich!) zu erneuern. Diesen Tatendrang bringt die höhere Frequenz von Tor
39 wieder zum Vorschein, wir erleben eine De-Konditionierung als
Neuerweckung40. Jetzt provoziert Tor 39 Lebendigkeit, es lockt Erweiterung und
fruchtbare Energien hervor. Wie sein Programmierungspartner, Tor 38 (das in der
Wurzel genau gegenüber liegt) ist auch die 39 ein Kämpfer und drängt zu neuen
Taten, zur Befreiung aus der Gefangenschaft des Schattens der Angst.

40 Rudd, S. 425
288
Auf der höchsten Schwingungsebene bringt Tor 39 die Befreiung - ein
Quantensprung der Öffnung, vollkommen kreativ und neu, unbegrenzt,
verschmelzend in das Sein an sich. Dann gibt es nicht mehr den individuellen,
persönlichen Ausdruck dieses Menschen, es ist eher ein Teil der gesamten
Kreativität und Freiheit. Da es sich bei Tor 39 um eine durchweg sehr physische
Energie handelt, wirkt dies auch hier; es ist fast wie ein physischer Tod all der alten
Vorstellungen, Pläne, Erwartungen, ein nackter Quantensprung, der dann, nach
dem Sterben des Alten, zur Ekstase führt.
Dies erinnert an die Formulierungen des Tao Te King: denn das, was beschrieben
werden kann, ist es eben nicht und all die nicht-dies, nicht-das-Worte, die wir für
diesen Zustand jenseits aller Beschreibungen finden können - sie sind es eben
nicht. Aber sie lassen vielleicht ahnen. Das kleine Selbst stirbt und das Eigentliche
ist Teil des Ganzen. Von hier kommt dann die alles durchdringende Kraft der
Klarheit. Die Ausstrahlung eines Menschen mit dieser Ebene von Tor 39 wird
sofort zur tiefsten Verletzung seines Gegenübers vordringen, mit der Einladung, sie
zu befreien.

Tor 40 im Ego, schaut zu Tor 37 in den Emotionen


1. Das Tor des Alleinseins 2. Die Befreiung 3. Die willentliche Entscheidung
Schaltkreis Stamm, Ego/ Kooperation
Du hast die Fähigkeit, dich entschieden für eine Sache einzusetzen. Wenn du bereit
bist, etwas für die Familie, die Gemeinschaft zu tun, dann wirst du es auch
umsetzen. Du gibst nicht auf, bei dir kommen die Dinge zur Vollendung. Du hast die
Gabe, Dinge alleine umsetzen zu können – achte nur darauf, dass du daraus keine
übertriebene Tugend machst – man darf sich gerne auch mal helfen lassen.
Alleinsein ist ein grundlegendes Thema in diesem Tor. Du liebst und brauchst das
Alleinsein, Zeit für dich; denn wenn du etwas für andere getan hast, ist es sehr
notwendig für deine Art von Energie, dich zu regenerieren, deine Pausen zu haben
und zu wahren. Du bist ein fairer Mensch, Ehrlichkeit ist dir wichtig – denk nur
daran, auch fair zu dir selbst zu sein.
Tor 40 ist ein Tor im Ego –Herz-Willens-Zentrum, und da gibt es eine besondere
Verbindung. Grundsätzlich heißt es für alles im Ego: ich schaue auf mich, tue, was
mir gut tut, es muss sich lohnen für mich. Aber: Wenn Tor 40 jemanden liebt, dann
tust es auch etwas für ihn. Beinahe, als würden beide fest zusammengehören - das
Gefühl der Liebe und das Versorgen. Tor 40 erwacht, wenn es jemanden zu lieben
hat. Wie viel jemand mit Tor 40 arbeitet, hängt wirklich davon ab, wie viel er liebt.
Und wenn du nicht liebst, dann tust du auch mal nichts für den anderen. Was völlig
in Ordnung ist. Wenn jemand sehr im Nicht-Selbst ist, kommen Sätze wie: Guck
289
doch, was ich alles für uns tue. Ich habe das alles nur für dich getan. Dann will die
40 sich die Liebe verdienen, arbeitet bis zum Umfallen und bettelt förmlich darum,
gesehen und dafür geliebt zu sein. Das spannende an Tor 40 ist, dass es
grundsätzlich das Tor des Alleinseins ist, für mich, meine Sachen, meine Energie.
Aber wenn es sich öffnet für jemand, wenn es liebt und wenn es zu einer
Gemeinschaft dazugehört, wird es stärker, da ist dann viel mehr Kraft vorhanden.
Doch auch dann braucht es Pausen, es ist ein Tor im Ego - Pausen sind
lebensnotwendig!!! Damit du etwas tun möchtest, braucht es diese emotionale
Komponente. Einer der Effekte von Tor 40 ist, sich manchmal allein und ungeliebt
zu fühlen – selbst inmitten von Menschen, die dich lieben. Schau daher einfach
zweimal, ob das wirklich stimmt.
Und es gibt immer wieder Leute, die Tor 40 erzählen, was es denn alles machen
soll. Schreib doch ein Buch, gib doch Kurse, mach doch mit bei unserem Projekt,
kümmer dich doch um xy - unzählige Ratschläge, wie du mit deiner Energie und
Tatkraft umgehen sollst. Hier gibt es nur eine Antwort: „Danke, aber nein danke,
ich guck gern selbst, was ich wirklich will. Wofür ich brenne, was ich liebe, was ich
möchte. Und ansonsten mach ich Pause.“ Deine Energie gehört dir. Und die Gabe
„nein“ zu sagen ist angelegt - wenn es nicht stimmt für dich, sag einfach Nein.
Es gibt bei dir eine Verbindung zwischen Geschäftskontakten und
freundschaftlichen Kontakten – die Ebene der Freundschaft und des Wohlwollens
ist immer da und bestimmt die Atmosphäre des Umgangs. Ein anderes Stichwort ist
das Thema „Vergebung“ – dir selbst und anderen zu vergeben ist wie ein
mitschwingender Auftrag in Tor 40 und bringt große Freiheit und Energie. Jenes
„ich darf“ – ich darf für mich sein und ich darf für Andere etwas tun – weil es mir
Freude macht, nicht weil ich etwas schuldig bin oder ich es muss. Sollte dein Ego-
Zentrum offen sein, dann denk immer an deine Pausen, denn hier ist die
Verlockung der Energie sehr groß, sich zu überanstrengen, über die eigenen
Grenzen zu gehen, um für die anderen etwas zu bewirken.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Sich zurückziehen ist erlaubt.
Frag dich immer mal wieder: Was liebe ich? Was will ich mit meiner Energie tun?
(oder vielleicht vorsichtiger: Wenn es denn erlaubt und ohne Leiden für andere
wäre: was würde ich gerne wollen?)
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 40 kennt der Mensch seinen Wert nicht und wagt es aus Angst
vor Trennung oft nicht, Nein zum Außen zu sagen und sich selbst den Raum und die
Energie zu nehmen, die er braucht. Dann strengt man sich an bis zur Erschöpfung,
geht faule Kompromisse ein und lässt andere die eigene Willenskraft ausnützen. So
entsteht eine Dauer-Anspannung, die körperliche Probleme mit sich bringt (Magen,
Energiehaushalt) und zum Burnout führen kann.
290
Trotz aller Anstrengung fühlt sich der Mensch getrennt vom Leben, opfert sich auf;
und aus dem eigenen Mangel heraus sucht man sich Partner oder
Arbeitssituationen, die genau das beinhalten – und fühlt sich ausgenutzt. In
anderer Form wird der zugrundeliegende Schmerz des Getrenntseins zu Zorn: dann
wird voller Verachtung jede Nähe abgelehnt und der Mensch versucht, Macht darin
zu finden, andere auszunutzen oder zu unterdrücken in dem Versuch, dem tiefen
inneren Kummer zu entkommen. Der Bezug zu den eigenen Emotionen geht
verloren, Isolation entsteht. Auch wenn hier vermeintlich viel Energie zur
Verfügung steht, fühlt der Mensch sich leer, wütend und allein. Eine
Daueranspannung ist die Folge. Wenn Menschen mit diesem Tor sich ihrem
emotionalen Schmerz nicht stellen, liegt hier eine große Gefahr und
Wahrscheinlichkeit für einen körperlichen Ausdruck – dann zeigt der Körper das
Thema, um das es geht, über Krankheit. Im Schatten liegt das Thema der
Grenzziehung, das Tor 40 mit sich bringt, also ein von sich selbst und der Welt
getrennt sein.
Wenn die Frequenz in Tor 40 im Laufe der Entwicklung ansteigt, tritt die
ursprünglich innewohnende, echte Kraft zutage. Hier lernt der Mensch, eine
gesunde Grenze zu finden, Nein zu sagen zu Dingen, die für ihn nicht gut und
stimmig sind. Rudd nennt es die Gabe der Entschlossenheit, ein
Unterscheidungsvermögen, wann es um den echten und stimmigen Dienst an der
Welt geht (der dann gut tut und Energie bringt!) und wann der Mensch für sich
selbst Fürsorge, Vergnügen und Entspannung braucht. Tor 40 lehrt uns, dass die
Welt nicht nur Arbeit und Anspannung ist, sondern dass das Beste geschehen kann,
wenn wir ent-spannt und im Fluss sind. Auf der Gaben-Ebene kann Tor 40 Energie
einsparen, wird jedoch nie geizig, aber achtsam mit den Ressourcen umgehen.
Dann ist für das Richtige ganz viel Kraft da – eben weil es eine Pause machen
kann, wenn sie nötig ist. Mit der Gabe der Entschlossenheit stimmt die Energie
einer Handlung von Anfang an und generiert so Vertrauen - dann kommt auch
Unterstützung von außen dazu. Die schon angesprochene Gabe des Alleinseins von
Tor 40 ist ein sehr kreativer Prozess, ein kraftvoller innerer Reichtum der
Schöpfung.
In seiner höchsten Ebene bezeichnet man die Energie von Tor 40 als göttlichen
Willen. In der Erleuchtung strahlt die klare Energie des Bewusstseins machtvoll aus
dem Menschen heraus. Das Außergewöhnliche an dieser Frequenz ist, dass der
Weg alleine gegangen wird und in seiner letztendlichen Konsequenz weder religiös
noch spirituell oder göttlich ist – es ist ein Alleinsein (All-ein-sein), das erst
entstehen kann, wenn das Objekt der Suche sich zerschlagen hat. Ein Zustand
jenseits aller Konzepte in vollständiger Transzendenz, auch des Transzendierten.

291
Tor 41 in der Wurzel, schaut zu Tor 30 im Solar Plexus
1. Das Tor der Einschränkung 2. Die Minderung 3. Hoffnung und Sehnsucht
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Mit Tor 41 beginnt die menschliche Reise und Erfahrung, es ist das Start-Codon. Es
ist das Tor der Sehnsucht, des Hungers nach Erleben von Gefühlen, des Traums, der
Vorstellung – und ja, Menschen mit Tor 41 haben eine unglaublich lebendige
Fantasie. Die Vorstellung all dessen, was möglich wäre, was man vielleicht nicht
lebt, ist Teil deines Seins. Es bedeutet nicht, dass du unzufrieden mit deinem Leben
sein musst, aber die Welt deiner Vorstellung ist mindestens so intensiv wie dein
Leben in der Welt. Gefühle sind dein Treibstoff, sie locken dich ins Leben hinein. Es
drängt dich nach immer neuen Erfahrungen, du sehnst dich nach Erfüllung,
Tagträume über das Ausleben deiner wildesten Fantasien, Filme, Bücher – alles was
Emotionen bewegt, gehört zu dir.
Die Übung ist, Geduld zu entwickeln, dass vielleicht nicht alles sofort umgesetzt
werden kann oder muss (so wie bei einem kleinen Kind, das jede Minute ein
anderes Spielzeug haben will), sondern abwarten zu lernen, was stimmig ist, was
sich entwickeln kann, welche Vision umgesetzt werden kann. Mit Tor 41 kommt
aber auch die Kraft, in die Welt zu bringen, was du mitbringst, denn die Wurzel hat
ja den Druck, zu schaffen und auch zu schöpfen. Hier braucht es Klarheit – über
das, was verwirklicht werden soll, und was einfach kostbare Imagination bleibt.
Frieden kommt, wenn du deine Erwartungen loslassen kannst und frei erlebst, was
kommt - und darin dann immer wieder Neues entdeckst.
Viele Schriftsteller haben dieses Tor, sie nutzen die Fülle und den Reichtum ihrer
Fantasie, um die Geschichte der Menschheit zu erweitern, zu inspirieren, neue
Blickwinkel, neue Möglichkeiten zu beleuchten. So erwecken sie die Sehnsucht
nach all dem, was noch sein könnte.

Und wenn es grad mal schwierig ist: lass das Ergebnis los, lass die Hoffnung los,
lass dein Bild vom Leben los. Nicht um zu entsagen. Sondern um erleben zu dürfen,
dass sich die Dinge, die deiner Strategie und Autorität entsprechen, die zu deinem
Leben gehören, auch erfüllen. Überraschend, vielleicht auf ganz anderem Weg als
in deinen Bildern, aber dennoch wirst du so Wunder erleben und lebendig sein,
anstatt die ganze Zeit frustriert, weil es nicht so ist, wie du es gern hättest.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten von Tor 41 träumen wir. In dem Glauben, dass sich die Fantasien
schon eines Tages verwirklichen werden. Das bindet uns an immer neue Träume
und Vorstellungen, die das Rad des Samsara immer weiter drehen. Als Menschen
292
haben wir einen evolutionären Druck in uns, uns weiterzuentwickeln, es soll
weitergehen, in eine bessere Zukunft. Wenn wir uns leer fühlen, träumen wir von
der Fülle, dem Seelengefährten, dem Traumleben oder dem Stück Torte. Oder wir
sind zu voll von allem in uns, fühlen uns niedergedrückt von der Last der
Vergangenheit, dann suchen wir uns zu entleeren.
Nie jedoch ist der Mensch im Schatten von Tor 41 im Jetzt, zufrieden,
einverstanden. Es braucht den Mut, sich einerseits wahrhaftig zu den eigenen
Träumen zu bekennen und sich auf den Weg zu machen, sie zu leben. Und
andererseits die Unterscheidungsfähigkeit, denn manche Träume sind eben einfach
dazu da, geträumt zu werden. Im Schatten kann es jedoch sein, dass ein Mensch
sich vollständig in eine Traumwelt zurückzieht, dann flieht er vor dem Leben,
nichts davon wird gelebt. Oder aber es ist zu viel, dann erschöpft der Mensch sich,
bringt sich vor lauter Hyperaktivität selbst in Schwierigkeiten, verschleudert seine
Energie, ohne je irgendwo anzukommen oder echte Beziehungen aufbauen zu
können.
Wenn die Energie eine höhere Schwingungsebene erreicht, entsteht eine
besondere Verbindung zum morphogenetischen Feld, die Gabe der Antizipation.
Das macht diese Menschen zu begabten Anführern, sie ahnen, was kommt und
können sich einschwingen auf all jene, die hilfreich und fähig sind. In der
Gabenfrequenz von Tor 41 geht es darum, sich auf die Blaupause selbst
einzuschwingen und „herunterzuladen“ was dienlich ist. Dann manifestiert sich der
Traum. Wird transportiert bis ins Körperliche hinein, hat Auswirkung auf die
gesamte Biochemie, die Codes unserer DNA.
Auf der höchsten Schwingungsebene entsteht aus Tor 41 die Siddhi der Emanation.
Sie beschreibt die Quelle aller Schöpfung, das grenzenlose Licht, die Unendlichkeit,
das jenseits aller Beschreibungen liegende. Die Quelle von Allem. Sie liegt allen
anderen wahren Siddhi-Zuständen zugrunde. So wie Tor 41 der Anfang aller
Erfahrung war, so ist es auch das Darüber-Hinaus. Erleuchtung ist die Wirkung
eines Codes, der tief in unserer DNA ausgelöst werden kann, eine Emanation, die
aus unbekannter Quelle aufsteigt. Sie kann nicht beschrieben werden, es gibt
keinen Weg dorthin. Das lässt an die Weisheit des Tao te King denken, „der Weg,
der beschrieben werden kann ist nicht der ewige Weg, der Name, der genannt
werden kann ist nicht der ewige Name. Das Namenlose ist der Ursprung des
Himmels und der Erde….“

Tor 42 im Sakral, schaut zu Tor 53 in der Wurzel


1. Das Tor des Wachstums 2. Die Mehrung 3. Abschluss eines Zyklus
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
293
Bei der Energie dieses Tores geht es um Wachstum und Vollendung. Es ist ein Tor
mit dem Potential, Dinge zum Abschluss zu bringen. Daher gibt es das Bestreben,
den ganzen Zyklus der Entwicklung durchzuhalten, dann kommt der Impuls der
Vollendung. Im Ideallfall bringst du so die Ernte ein – denn nur Boden vorbereiten,
aussähen und dann wachsen lassen, bringt das Korn ja nicht in den Speicher – es
muss dann auch geerntet werden und in die Kornkammer gebracht werden. Erst
und nur das Vollenden des ganzen Zyklus bringt Erfolg. Ernte. Manchmal kommt
die Ernte durch ein Loslassen, im passenden Augenblick. Ein Abschließen eines
Prozesses, damit wieder etwas Neues kommen kann.
Hier ist besonders wichtig, dass du schaust, was für dich richtig ist, was deiner
Strategie und Autorität entspricht, damit es auch die für dich richtige Erfahrung ist.
Denn wenn die Erfahrung nicht stimmig ist, hängst du fest, bis sie beendet ist und
das tut dir nicht gut. Besonders schwierig kann dies werden, wenn es um
Beziehungen geht. Grundsätzlich bist du jemand, dem es leicht fällt, anderen
behilflich zu sein, und im Gegenzug kommt dann auch viel Gutes zu dir. Es muss nur
unbedingt auch für dich stimmig sein!
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es mag helfen zu wissen, dass für dich das
Abwarten der richtigen Erfahrung (im Sinne deiner inneren Autorität) schwer sein
kann. Übe deine Klarheit! Welche Prozesse kommen zum Ende, welche Schritte
braucht es? Wie ist dein Vertrauen, dass sich eine neue Tür öffnen wird? Was darf
losgelassen sein? Was bedeutet „Vollenden“ für dich?
Die spirituelle Ebene:
Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Schatten – Erwartung. Und doch schrecklich
in seiner Auswirkung, denn wir Menschen erwarten so vieles - dass unser Leben
besser wird, dass das Ersehnte geschieht, wir verschieben unser Glück auf ein
„wenn x… dann wird y“. Und übersehen unser Jetzt. Spannenderweise ist in diesen
Genschlüssel der Tod mit einprogrammiert, das Beenden. Er regelt die Sieben-
Jahres-Prozesse unseres Körpers, der Erneuerung der Zellen bringt – und den Tod
der Alten. Auch im Human Design braucht es mindestens jene ersten sieben Jahre,
bis das Befolgen unserer Autorität und Strategie in die Körperebene eingehen,
wahrlich Teil von uns geworden sind. Immer wenn unser Leben chaotisch wird,
dürfen wir prüfen, wo wir festhalten, wo wir dem Sterbe- und Erneuerungsprozess
im Wege stehen. Wenn ich zurückblicke, bin ich so dankbar für die vielen Male, wo
meine Erwartungen enttäuscht wurden. Denn in dem (erzwungenen) Loslassen
geschah immer das Gleiche – mit klarerem Blick konnte ich nur dankbar sein, dass
ich nicht bekommen hatte, was ich wollte. Wir verpassen unser Leben, wenn wir es
festlegen wollen - wer nur nach roten Autos schaut, wird eine Menge unterwegs
nicht sehen. Jede Erwartung, ob positiv oder negativ, schränkt uns ein, lässt uns all
das Kostbare übersehen, das Jetzt da ist.

294
Wenn ein Mensch in der Schattenenergie von Tor 42 verhaftet ist, kann er
krampfhaft an allem festhalten, habgierig sein. Die Dinge sollen bleiben wie sie
sind, man will das Ende von etwas nicht wahr haben. Dass eine Beziehung, ein Job
zu Ende sind. Dass wir älter werden, uns verändern. Widerstand kennzeichnet
diese Prozesse – und viel Schmerz. Wenn wir den Wandel nicht erlauben wollen,
kostet uns das unsere Lebendigkeit – ein hoher Preis. Oder aber wir bringen nichts
zu Ende, sind unzuverlässig und unverbindlich. Wir versuchen, Enttäuschung zu
vermeiden, indem wir uns nie wirklich einlassen. Aber wenn wir eine Erfahrung
nicht bis zu ihrem Ende durchleben, werden wir gezwungen sein, sie wieder und
wieder zu erleben. “Lass doch einfach los” – ein gut gemeinter und auf der
Schattenebene meist nicht zu beherzigender Rat.
Doch wenn der Mensch irgendwann bereit ist, die Erwartungen loszulassen, sich
ganz einzulassen, jedes Gefühl anzunehmen und zu fühlen und nichts mehr zu
unterdrücken (womit nicht gemeint ist, dass alles ausgelebt werden muss oder
sollte, aber eben anerkannt), kann die Gabe der Losgelöstheit entstehen. Wenn wir
uns dem Leben anvertrauen, wird sie von selbst manifest. Dann können wir Freude
empfinden, in allem was geschieht gegenwärtig sein. Das Leben darf sich entfalten.
Und wir können es erleben, erfahren, kosten, fühlen und gleichzeitig auch
beobachten. Losgelöst von der Erwartung, wie es gerade sein sollte. Wir hören auf,
das Leben kontrollieren zu wollen. Enjoy the movie, sagte Ra, genieß den Film.
Das führt zu der wundervollen Siddhi namens Jubelfeier. Wenn sie in einem
Menschen explodiert41, dann endet die Dualität. Die Wahrnehmung, der
Beobachter, verschmelzen mit der reinen Quelle des Bewusstseins. Wirklich fassen
können wir jenen Zustand nicht, in dem alles Teil der Jubelfeier ist: geboren
werden und sterben, Bewusstsein in allen Erscheinungen. Vielleicht kannst du ihn
ein wenig fühlen, wenn du dir eine Aufzeichnung von Mooji im Internet anschaust.
Mooji laughs; oft lacht er einfach mit dem Menschen, und die Frage, die diesen
bewegt hat, löst sich auf, sie fallen in das Große Ganze hinein, in der es keine
Trennung, keine Probleme mehr gibt.

Tor 43 im Ajna, schaut zu Tor 23 in der Kehle


1. Das Tor der Einsicht 2. Der Durchbruch 3. Eigene Einsicht und Erkenntnis
Schaltkreis Individuell, Wissen
Hier geht es um deine Fähigkeit, völlig neue Einsichten zu empfangen, in dir zu
verarbeiten und – natürlich besonders in der Verbindung mit Tor 23 in der Kehle –

41 Rudd S. 452
295
dann auch weiterzugeben, du kannst wirklich Neues vermitteln. Diese Impulse
kommen einfach, unerwartet. Und das ist die Herausforderung – denn es gilt
dennoch zu warten, bis der andere auch bereit ist zu hören, was du zu sagen hast.
Das kann die neue Vision von einer besseren Welt sein, eine tiefgreifende
Erkenntnis über das Leben, eine brillante Erfindung. Doch wie immer gilt: warte,
bis es gehört werden will. Das macht den Unterschied zwischen Genie oder Freak –
wie der Kanal, der mit Tor 23 in der Kehle entsteht, dann heißt. Ist dein Wissen
willkommen, bist du ein Genie, das einen neuen Blick auf die Welt bieten kann. Als
praktischer Tipp: schreib es auf – und zwar völlig egal, ob du „schreiben kannst“
oder nicht, denn das Aufschreiben macht die Dinge greifbar, gibt ihnen eine
Struktur – mit deren Hilfe es manchmal dann leichter ist, vom anderen verstanden
zu werden.
Du inspirierst, weist zu neuen Ufern. Du hast eine sehr einzigartige Stimme, und
kannst – wenn es denn gehört werden will – auf besondere Weise sprechen. Wenn
du jedoch wiedergeben sollst, was andere vorgeben, kann es schwierig sein, das
rauszubringen, denn es ist ja nicht deines. Du hörst nicht gut oder gerne, was
andere sagen, es braucht immer deinen inneren Prozess der Durcharbeitung und
Einsicht – dann kommt Verstehen und der Wunsch, das Verstandene
weiterzugeben.
Dazu dann ein Tipp: Gib den Menschen Zeit, über das Gehörte nachzudenken.
Denn es kann sein, dass du – weil du ja so erfüllt von deiner Sichtweise bist – sie
sehr intensiv vertrittst und der andere dich nicht versteht. Daher nochmal der Rat:
Menschen brauchen Zeit, sich an Neues zu gewöhnen; tröste dich mit dem Wissen,
dass du – wenn sie bereit sind – helfen kannst, eine wirklich neue Sichtweise der
Welt zu etablieren. Nichts an dir ist falsch, nur weil ein Anderer es nicht versteht.
Da mag die Vergangenheit helfen: erinnere dich, dass man lange jene verlachte, die
sagten, dass die Erde rund und nicht flach ist. Und Menschen aus dem Mittelalter
das Internet zu erklären braucht eben auch Zeit.
Die spirituelle Ebene:
Auf der Schattenebene wirkt die Energie von Tor 43 als Taubheit, der Mensch
bekommt nicht mit, was in ihm vorgeht, er hört die innere Stimme nicht. Er sucht
das Glück im Außen und versucht angestrengt, die nötigen Parameter dafür zu
kontrollieren, um die tiefe Unsicherheit und Angst im Inneren nicht fühlen zu
müssen. Dann glauben wir, mit dem richtigen Partner wäre alles gut, wenn wir nur
genug Geld hätten, den perfekten Körper, den idealen Job – dann wären wir
glücklich. Der Durchbruch (so der chinesische Name des Tores) kommt oft durch
die Ent-täuschung, denn das Konstrukt kann ja nicht funktionieren - dauerhaftes,
echtes Glück kann nicht im Außen gefunden werden.

296
Doch bis dahin zeigt sich der Schatten von Tor 43 entweder in beständigen Sorgen,
die dazu führen, dass man ständig damit beschäftigt ist, eine nach der anderen
„abzuarbeiten“, nur damit fünf neue direkt warten - oder aber die Sorge ist, einfach
nicht in diese Welt zu passen, ein Aussätziger zu sein. Die andere Ausdrucksform
ist, dass der Mensch redet – beinahe zwanghaft, ohne jedoch auf den anderen zu
schauen – und versucht sich mitzuteilen, doch genau das Gegenteil erreicht.
Wenn die grundlegende Angst gesehen und angenommen werden kann, entsteht
endlich der Raum, in dem der rebellische Geist, die große Kreativität, die in Tor 43
liegt, sich zu entfalten beginnt. Dann entwickelt sich die Gabe der Einsicht – denn
der Mensch ist angelegt, in seiner Einzigartigkeit, Held/Heldin des eigenen Lebens
zu sein, innovativ, neu, anders. Endlich hört er auf die Stimme im Innen – nicht
mehr wie zuvor auf das Außen, die Gesellschaft, die er ablehnt. (Denn das ist klar:
nur „dagegen“ bringt uns nicht ans Ziel, führt nicht zur Erneuerung). Tor 43 ist
schwingend, akustisch – und wenn der Durchbruch ins Echte, Eigene geschieht,
öffnen sich die Zellen, die DNS wird im Kern berührt und beginnt mit der Sequenz
der Transformation. Satori – Momente der plötzlich durchbrechenden Erkenntnis
entstehen. Daraus ergibt sich eine große Entspanntheit, ein aus dem Innen-heraus-
leben, mühelos und sich gemäß.
Auf der höchsten Frequenzebene entsteht die Siddhi Epiphanie, die innere
Manifestierung des Göttlichen. Dann wird der Mensch vom Persönlichen in einer
allumfassenden Selbst-aufgabe zur Verkörperung des Göttlichen Seins, reinem
Bewusstsein. Auch hier bleibt der Energiecharakter des Tores erhalten – es kommt
plötzlich und unerwartet, eben ein Durchbruch. Tor 43 ist eines der sieben Tore der
Gnade, es erlöst vollkommen das Thema der Angst vor Zurückweisung. Es bringt
die Realisation im Herzen, dass nichts je genommen sein kann, nichts fehlen kann,
alles perfekt ist – und somit die Freiheit, einfach so zu sein, wie es sich tief aus dem
Inneren heraus richtig anfühlt. Vergnügt, erheitert, und erfüllt von dem kosmischen
Witz, zu wissen, dass wir gar nichts wissen.

Tor 44 in der Milz, schaut zu Tor 26 im Ego-Herz-Willenszentrum


1. Das Tor der Wachsamkeit 2. Das Entgegenkommen 3. Zusammenarbeit und
Mustererkennung Schaltkreis Stamm – Ego/ Kooperation
Tor 44 hat ganz viel mit der Fähigkeit zu tun, günstige Umstände zu schaffen und
wahrzunehmen. Du kannst Informationen genau so formulieren, dass dein
Gegenüber sie verstehen kann. Du ahnst einfach, was funktioniert, welche Trends
sich durchsetzen werden, welche Ideen Sinn machen, du hast ein Gespür (einen
Riecher) für Möglichkeiten und Gelegenheiten. Verbunden mit der Begabung,

297
dieses auch genau und immer für den anderen passend zu kommunizieren, ist es
natürlich auch ein Tor, das verkaufen kann.
Es ist ein vorsichtiges Tor; seine Energie ist kühl und besonnen, denn es liegt in der
Milz – hier geht es bei allem ums Überleben. In der entspannten Form schaust du,
was es gerade braucht, bist spontan und beweglich. Du erinnerst dich, was in der
Vergangenheit funktioniert hat und was nicht – damit Fehler nicht wiederholt
werden und die Weisheit des Erlebten das Neue besser macht. Im nicht so
günstigen Fall hängst du fest an genau dieser Vergangenheit und die Furcht, dass
sich etwas Negatives wiederholen könnte, lähmt dich. Hier braucht es deine
Beobachterposition, die dich aus einer Sorgenschleife holt, denn die Vergangenheit
dient, um daraus zu lernen, nicht aber um lauter Befürchtungen für die Zukunft aus
ihr abzuleiten.
Du bist ein sehr effektiver Mensch, du weißt, was funktioniert, mit wem z.B. eine
Kooperation funktioniert. Das kann auch dazu führen, dass du immer Ausschau
hältst nach jemandem, mit dem zusammen du erfolgreich sein kannst. Natürlich
gibt es viele Ebenen, wie sich diese Gaben ausdrücken: entweder du verkaufst
wirklich Autos, oder aber du berätst mithilfe deiner Gabe jene, die zu dir kommen.
Dann zeigt sich deine Fähigkeit, auf sehr beeindruckende und den Anderen
sehende Weise zu beraten. Du erkennst intuitiv, welche Gaben dein Gegenüber
hat , siehst was entfaltet werden sollte und kannst gut helfen, ihm dies zugängig zu
machen - ob als Therapeut oder in lehrender Funktion. Das Besondere an der 44 ist
diese besondere Wachheit, der klare Blick auf das, was ist – im Jetzt.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Was gibt es noch loszulassen an
Vergangenem? Gibt es alte Ängste oder Befürchtungen in dir, die nichts mit dem
Jetzt zu tun haben? Musst du etwas bereinigen, neu kalibrieren? „Es darf gewesen
sein“ – mit diesem Satz kommt Frieden. Übe, zwischen Weisheit und Befürchtung
zu unterscheiden.
Die spirituelle Ebene:
Unsere menschlichen Beziehungen liegen in den Händen von Tor 44 – denn wir
ziehen je nach unserer eigenen Schwingung Menschen in unser Leben, die – so wie
choreografiert - Teil unseres Erlebens, unseres Schicksals sind. Wir erleben
bestimmte Lektionen mit ihnen, entwickeln uns weiter, die Schwingung kann sich
erheben. Und falls wir die Lernerfahrung nicht abschließen können, kommt sie
wieder. Und wieder, und wieder, das kennen sicher viele aus den Mustern alter
schmerzhafter Beziehungen – wir erleben es, bis das Thema dann abgeschlossen
ist. Der Film „und täglich grüßt das Murmeltier“ zeigt mit dem immer gleichen Tag
und Verhaltensübungen, dass es um ein Sich-Weiterentwickeln geht – dann kommt
Wandel. Wenn der Mensch einen Schritt weiterkommt, wirkt dies direkt auf sein

298
ganzes Umfeld, bzw. seine Welt – denn echter Wandel kann nur von innen, aus
dem Einzelnen entstehen.
Auf der Schattenebene erleben wir, wie stark Muster der Vergangenheit unsere
Beziehungen zu anderen beeinträchtigen. Hintergrund ist natürlich, dass sie so
geklärt werden können. Aber wenn sehr traumatische Erlebnisse stattgefunden
haben, kann der Mensch in einem Misstrauen gefangen sein – dann setzt er alles
daran, dass sich das Schreckliche nicht wiederholt – vermeidet Nähe und
verschließt sich innerlich vor neuen Erfahrungen. Er wird zum Gegangenen seiner
Vergangenheit. Oder aber er geht immer wieder die gleichen verletzten und
verletzenden Beziehungen ein; findet sich immer wieder mit Partnern, die ihn nicht
sehen und achten, die seine Ressourcen missbrauchen. Er erschöpft sich in dem
Versuch, passend zu werden für das doch grundsätzlich nicht–Passende. Hier
finden wir auch die Menschen, die von Beziehung zu Beziehung gehen, sie immer
wieder abbrechen und sich in der gleichen Situation wiederfinden. Solange dieses
Muster nicht durchbrochen werden kann, sitzt der Mensch in einem Kreislauf des
Schmerzes gefangen.
Wenn die Frequenz des Tores sich erhöhen kann, beginnt sich die Gabe der
Teamarbeit zu zeigen – dann kann der Mensch Andere schon im ersten Augenblick
der Begegnung wahrnehmen, sie lesen. Er hat ein „Näschen“ für den Anderen (hier
wirkt tatsächlich die Gabe des Riechens und Spürens). Diese Fähigkeit hat den
tiefen Sinn, den Menschen mit „seinen Leuten“ zusammenzubringen, mit den
Menschen, die wirklich förderlich sind. Ein Mensch mit dieser Gabe kann riechen,
mit wem zusammen er weitergehen kann, wer „dazu“ gehört. Hintergrund hierfür
ist, dass wir mit diesen feinstofflich wie „ein Körper“ verbunden sind, der sich
wieder und wieder in unterschiedliche Aspekte aufteilt, um sich zu erfahren. Diese
Information des Fraktals bleibt über die Inkarnationen hinweg bestehen und die
Gabe in Tor 44 ist es, die Menschen zu erkennen, die zum eigenen Leben
gehören42. Potentiale solcher Verbindungen sind vollkommenes Vertrauen,
bedingungslose Liebe.
Auf der höchsten Schwingungsebene steht die Siddhi der Synarchie. Wörtlich
bedeutet das kollektive Regierung und soll zum Ausdruck bringen, dass sich mit
dieser Ebene das Äußere auflöst - der Mensch kann sich im Bewusstsein frei
bewegen auf den fraktalen Linien in Raum und Zeit. Vergangenheit, Zukunft,
parallele Inkarnationen, all das öffnet sich in der Transzendenz von Tor 44. Die

42 Innerhalb des übergeordneten Körpers haben eure Zellen etwas miteinander zu


erledigen, Rudd S. 469

299
Siddhi beinhaltet den Zugang zur Quelle, oder auch dem Quellcode aller Fraktale43.
Hier geht man davon aus, dass jeder Mensch ein Fraktal des ursprünglichen
Beginns unseres materiellen Universums in sich trägt – somit mit dem Ursprung
von Allem verbunden ist. In der Computersprache wäre das der Quell-Code, der
wiederum nur mit dem passenden Zugangs-Code zugängig ist. Tor 44 kann hier als
Zugangs-Code zu allen Quell-Codes verstanden werden; die Verwirklichung der
Siddhi-Ebene beginnt die sakrale Wunde des Leiden, das die Welterfahrung der
Menschen immer schon begleitet hat, zu heilen und der Himmel auf Erden wird
spürbar.

Tor 45 in der Kehle, schaut zu Tor 21 im Ego-Herz-Willenszentrum


1. Das Tor der Sammler 2. Die Sammlung 3. Materieller und immaterieller Besitz,
König/Königin Schaltkreis Stamm, Zentrieren
Man nennt es nicht umsonst das Tor des Königs / der Königin. Du bist da, um die
Gemeinschaft besonders in materieller Hinsicht zu führen, in Fülle und Reichtum.
Das ist deine Rolle, du gibst den Ton an, du bist sichtbar. In dieser Energie liegt
tatsächlich etwas Königliches, denn in diesem Stammestor schwingt eine Energie
mit, wie wir sie meist aus Filmen und Geschichten kennen. Wie bei jedem guten
König geht es weniger um das Selber-Tun, sondern darum, dein Volk zu inspirieren,
zu arbeiten, zu vermehren, Fülle zu erschaffen und auf sich zu nehmen, was es
dazu braucht. Es geht nicht um Demokratie, sondern um ein sichtbar-an-der-Spitze
-stehen, für die Werte der Gemeinschaft zu stehen, repräsentativ zu sein in Ethik,
Philosophie und eben auch Materie. Du bist ein loyaler Herrscher, „deine Leute“
lässt du nicht im Stich.
Die Übung ist, zu delegieren, Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit zu inspirieren,
deine Führung weise und bedacht auszuüben. In Verbindung mit Tor 21
beansprucht die 45 immer die Führung. Sollte diese Kombination in zwei Menschen
zusammenkommen kann das zu großen Spannungen führen! Da helfen oft nur zwei
„Regierungsbereiche“. Bei Menschen mit diesem Tor schwingt immer das Gefühl
mit: „es steht mir zu“, und irgendwie kommt das Geld immer zu ihnen, auf den
spannendsten Wegen. Und der Umgang mit dem Geld, z.B. indem man einkaufen
geht und sich das für sich Passende gönnt, tut Tor 45 gut, die Freude an materiellen
Dingen gehört einfach zu diesem Tor.

43 dem sogenannten Drei-Quellen-Code“ aus der Chaostheorie. Vgl. Rudd S. 471 – der
interessierte Leser sei hier gern zu eigener Nachforschung eingeladen, davon hab ich nicht
genug Ahnung.

300
Und wenn es grad mal schwierig ist: Beschäftige dich mit deiner Schöpfungskraft
– prüfe deine Geisteshaltung und finde deine Wahrheit.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten hält uns die Energie von Tor 45 in einer hierarchischen Struktur im
System gefangen, das Thema ist Dominanz. Ursprünglich stammt dies aus der alten
Stammeskultur, mit klaren Rangordnungen und Werten, denn diese war
angewiesen auf gemeinschaftliche Aktionen, z.B. die Versorgung mit Nahrung.
Doch da diese sich immer mehr auflösen, die Suche nach sozialer Sicherheit aber
bleibt, hat sich die Energie immer mehr auf den Bezug zu Geld und Macht
verlagert. Für die Mehrheit der Menschen zeigt sich dieser Schatten, indem sie sich
beugen und fügen, furchtsam vor den Autoritäten sich der Führung unterwerfen.
Die andere Ausdrucksform ist der Aufstieg um jeden Preis, um Macht über die
anderen zu haben und oben zu stehen. Erlösung liegt darin, aus dem System
auszusteigen, die eigene echte Macht zu finden, ganz man selbst zu sein.
So entsteht auf der höheren Ebene die Gabe der Heterarchie, das Zusammenspiel
der Kräfte, Individuum und Interessengemeinschaften wirken zusammen – zum
Wohle aller. Netzwerke, Strukturen, die sich gegenseitig respektieren und
unterstützen, fruchtbare Kooperation. Dann braucht es nicht einen, der alle Fäden
in der Hand hält, sondern durch gegenseitiges Wohlwollen und Respekt profitieren
alle. In diesem Tor liegt die Zukunft einer gerechteren und nachhaltigeren
Verteilung unserer Ressourcen und der Erfolg von wirtschaftlichen und sozialen
Unternehmungen. In letzter Konsequenz wird die Gabe von Tor 45 zu einer
völligen Neuordnung der Weltwirtschaft und der Geldverteilung auf der Welt
führen.
Auf der Ebene der Siddhi, der höchsten Frequenz, zeigt sich die Kommunion, der
kosmische Versammlungspunkt für das höhere Bewusstsein44, der Verbundenheit
Aller mit Allem. Individuum, Familie, Gemeinschaft - sie verschmelzen zu einem
echten Ganzen. Menschen, in denen diese Siddhi verwirklicht ist, transzendieren
jedes Gefühl von Getrenntsein und strahlen dies in ihre Umgebung aus. Es geht um
das Hingeben all der Erwartungen, Sehnsüchte, Hoffnungen des kleinen Selbst –
damit das große Wesen im Innen erwachen kann. Damit werden alle karmischen
Reste in der DNS transformiert.

Tor 46 im Selbst, schaut zu Tor 29 im Sakral

44 Rudd S. 480
301
1. Das Tor der Entschlossenheit des Selbst 2. Das Empordringen 3. Offenheit für
günstige Umstände Schalkreis Kollektiv, Sinnfinden
Ich liebe den englischen Namen für dieses Tor – Serendipity – was so viel wie
„glückliche Umstände“ bedeutet, oder auch „die Gabe, zufällig glückliche und
unerwartete Entdeckungen zu machen“ – nicht umsonst nennen oft
Pferdebesitzer ihr Rennpferd so. Mit diesem Tor bist du einfach öfter als andere zur
rechten Zeit am rechten Ort, und zwar auf die richtige Weise. Das heißt Glück und
Zufall sind deine Verbündeten. Es geht bei diesem Tor um Erfahrung, es ist
hingewandt zu Tor 29 im Sakral, und das Thema ist, dass diese Erfahrungen auch
durchgehalten werden können, denn nur dann offenbart sich ihr Wert. Menschen
mit dem ganzen Kanal 29-46 können durchhalten und haben Erfolg, wo andere
versagen. Entschlossenheit ist ein wichtiges Thema, und gleichzeitig offen zu
bleiben, nicht starr einen Kurs zu verfolgen. Es geht darum, dich einzulassen auf
Erfahrungen, auf das Leben, ohne vorher zu wissen, wohin es führt – in dem
Wissen, dass oft das Glück auf deiner Seite sein wird.
Tor 46 hat viel mit der Liebe zum Verkörpert-sein zu tun – also ganz grundlegend
werden sich deine Themen im Körper zeigen – dein Körper zeigt dir, worum es
geht. Es geht darum, diesen Körper zu lieben, zu pflegen, sich seiner Bedürfnisse
anzunehmen. Wahrscheinlich liebst du es, massiert zu werden, berührt zu werden,
Sport zu treiben, es gibt einfach eine intensive Verbindung zur Körperlichkeit (wie
bei allen Toren gilt: es ist sehr so – oder eben gerade gar nicht). Auf jeden Fall ist
dieses „in einem Körper sein“ ein Thema in deinem Leben. Mit dem Körper die
Welt spüren, mit allen Sinnen da sein. Viele Körperkünstler (Sport, Performance)
und auch Heiler haben dieses Tor. Du bringst anderen Menschen eine Öffnung zur
Heilung auch ihres Körpers, du transportierst Körperlichkeit.
Und wenn es grad mal schwierig ist: ehre die so direkten Botschaften deines
Körpers. Wenn er schmerzt – schau und hör hin; er ist dein Verbündeter, nicht
etwa dein Feind. Er spricht die Wahrheit deiner Seele und kann dich führen - wenn
du mit und nicht gegen ihn gehst.
Die spirituelle Ebene:
Die Schattenebene von Tor 46 heißt Ernsthaftigkeit. Ihre Auswirkung ist, eben nicht
in Übereinstimmung mit dem Ganzen zu sein. Der Mensch macht sich Sorgen,
hängt ständig im Sog von Hoffnung und Befürchtung. Glaubt, das Leben solle
anders sein, als es gerade ist. Wenn ein Kind von Eltern mit diesem Schatten
erzogen wird, prägt sich die Ernsthaftigkeit und Sorge in die Zellen - dann wird der
Körper genau das Gegenteil seiner ursprünglichen Begabung zu Selbstliebe und
Glück. Wenn nicht der Körper, sondern das Denken uns führt, wird der Weg
anstrengend und voller Hindernisse. Das führt dazu, dass der Mensch in der
Schattenenergie von Tor 46 sich vor dem Leben und der eigenen Körperlichkeit
302
versteckt, wie eingefroren wirken kann und seinen Körper ablehnt. Oder er fällt in
das andere Extrem, lebt äußerlich demonstrativ genussvoll, diese Fassade kostet
aber viel Kraft. Dahinter steckt die gleiche traurige Ernsthaftigkeit und nicht etwa
Lebensfreude.
Heilend wirkt, wenn Vertrauen ins Leben kommen darf: „Die Formel für ein
wundervolles Leben ist einfach: bewege dich leichten Schrittes und sorge dich nicht
zu sehr. Das Leben führt dich schon dahin, wo es dich hin haben will“45. Passend
dazu: ich sah gestern Abend die Kinovorschau für eine Komödie über eine junge
Frau, die sich selbst nicht mochte, weil sie nicht ganz dem gängigen Schönheitsideal
entsprach. Durch eine Kopfverletzung änderte sich jedoch ihre Selbstwahrnehmung
und sie fand sich plötzlich wunderschön – und begann, sich dementsprechend zu
verhalten. Natürlich reagiert auch ihr Umfeld ganz neu auf sie. (So viel zumindest
verriet der Trailer). Die gute Nachricht ist, dass es zur Befreiung aus der
Schattenebene von Tor 46 nur eins braucht – Annahme. Sich selbst – mit allem,
was dazugehört – anzunehmen, das Leben anzunehmen, so wie es gerade ist.
Daraus wiederum entsteht Dankbarkeit und die Gabe der Freude. Wenn wir
einfach annehmen können, was gerade ist, wird es gut. So wie Byron Katie, die sich
im Flugzeug an einem Gepäckfach den Kopf stieß, dies mit einem „oh, das hab ich
wohl gerade gebraucht“ kommentierte. Annehmen, was ist. Dann sind wir frei. Und
ohne Widerstand steht viel mehr Energie zur Verfügung, die dann die Wirkung zur
Freude hat. Wie leicht das sein kann, zeigt sich z.B. bei Tierkindern – sie spielen,
und lernen doch so alles, was sie später zum Überleben brauchen. Ein Mensch auf
der Gaben-Ebene von Tor 46 strahlt eine wundervolle Gegenwärtigkeit aus. Er ist
einfach da, jetzt. Und ganz präsent im Körper, daher meist auch physisch sehr
attraktiv, weil er so lebendig ist. Das Leben fügt sich auf wunderbare Weise und er
braucht nicht mehr zu kämpfen für das Eine, gegen das Andere - Synchronizität
entsteht. Let go and let God – lass los und überlass es Gott. Wenn wir offen
bleiben für die Freude, der Welt mit dem Staunen begegnen können, das wir als
Kinder hatten, dann kann sich die Magie des Lebens entfalten. Enjoy the ride –
genieße die Reise.
Und es kann noch besser werden. Wenn sich die Schwingung weiter erhöht,
berühren wir die Siddhi der Ekstase. Sie erfasst das Herz des Menschen, das
Denken löst sich auf, sie führt in ein Feld beglückenden Tanzes. Die Aura eines
solchen Menschen hebt alle anderen um ihn herum mit an.

45 Rudd S. 485
303
Tor 47 im Ajna, schaut zu Tor 64 in der Krone
1. Das Tor des Begreifens 2. Die Bedrängnis 3. Erinnern und Begreifen
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Vertraue darauf, dass die Antwort zu dir kommt. Denn du hast eine unglaubliche
Fähigkeit zu denken, aus Altem etwas Neues zu schaffen und einen Sinn zu finden.
Du bist ständig damit beschäftigt, den besonderen Moment der Klarheit, der
Erleuchtung zu erlangen. Und es denkt und ringt und sucht in dir. Die Einladung ist:
entspann dich, kämpfe nicht darum, denn es kommt von selbst. Du musst nicht
sofort eine Lösung haben, sie stellt sich von selbst ein. Wenn du offen und
entspannt bist, kannst du die Zeit der Verwirrung, der Suche gut überstehen. Wenn
du aber darum ringst, wird es schwierig, denn dann kann eine Verbissenheit
entstehen. Tor 47 funktioniert nicht wie steter Tropfen der den Stein höhlt,
sondern – zu ihrem Moment – kommt die Erkenntnis ganz von selbst. Es geht um
das Jetzt, den gegenwärtigen Moment. Erlaube, dass sich das Puzzle von selbst
klärt. Denn dann kann Tor 47 einen völlig neuen Weg öffnen.
Das Tor heißt „die Bedrängnis“ – es hält Rückschau auf das eigene Leben, auf
Schwieriges und Leidvolles und sucht den Sinn darin. Es hat eine schwierige
Ausgangslage, häufig ist Menschen mit diesem Tor etwas Schweres, Schwieriges
geschehen, oft in ihrer Jugend. Daran hatte niemand Schuld, darum geht es nicht.
Es geht um den Sinn darin. Die Herausforderung ist, dass dieser Sinn von dir immer
wieder in Frage gestellt wird, auf der Suche nach einem Sinn, den man dann
glauben kann. Es ist ein kollektives Tor, kann Lehrreiches und Inspirierendes
greifbar machen. Es steht in Verbindung zu den Archetypen des Menschseins,
bringt uns in Kontakt mit dem tiefsten Leid und unserer Angst – und kann zu ihrer
Erlösung führen, wenn sie da sein darf, wenn sie angeschaut und erlöst wird. Ganz
nach dem Motto von Konfuzius: es ist besser, eine Kerze anzuzünden als über die
Dunkelheit zu klagen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Übe deinen Geist positiv auszurichten (die
drei Sätze sind auch hier sehr hilfreich – immer wenn das Gedankenkarussell dich
in Endlosschleifen des Denkens fangen will, denke stattdessen 2-3 Sätze, die dir gut
tun, die eine neue Richtung geben. Z.B. „ich wähle Frieden“, „ich wähle Zuversicht“,
„ich wähle Vertrauen“). Das verhindert das immer gleiche Grübeln und das
Auslösen negativer Neurotransmitter, die die immer gleichen schlechten Gefühle
bewirken. Und es macht uns langfristig friedlicher und positiver. Dann gelingt es
immer besser, zu warten, bis der passende Augenblick kommt, das Erwünschte und
Erkannte in die Welt zu bringen. Das Wichtigste: lass nicht den Druck dein Leben
regieren.
Die spirituelle Ebene:

304
Im Schatten von Tor 47 lagert ein ganzes Depot an Kummer und Leiden unserer
Vorfahren; Rudd spricht vom „Lagerhaus des menschlichen Karma“. Inzwischen ist
die Existenz und Wirkung transgenerativer Traumata bekannt - unsere DNS trägt
Erinnerungen, ist ein genetisches Gedächtnis in unserem Blut, eine Sammlung der
Erlebnisse, vor allem auch der Lasten unserer Ahnen. Und so heißt die
Schattenfrequenz von Tor 47 Unterdrückung – solange wir nicht bereit sind, unsere
tiefsten Ängste, die Monster in unserem Keller zu konfrontieren, sondern sie
weiterhin wegsperren, können wir nicht aufsteigen, kann kein Wandel zum Licht
entstehen.
Dann gibt der Mensch einfach auf, lässt die Hoffnung los, dass es besser werden
kann. Er richtet sich ein in Kompromissen und ist wie gelähmt, weil er sich den
darunterliegenden Gefühlen nicht stellen will. Oder aber er wird völlig dogmatisch,
sucht sein Umfeld zu kontrollieren und seine Weltanschauung scheint in Stein
gemeißelt zu sein. Jede Anregung zur Selbsterkundung wird abgeschmettert.
Wenn es dem Menschen möglich wird, dem Schatten zu begegnen, ihn zuzulassen,
wird Wandel und Transformation möglich. Mit dem Mut, echt zu werden, ganz zu
sein, das Leben und sich selbst in seiner Ganzheit anzunehmen, entfaltet sich die
Gabe von Tor 47 – Verwandlung. Dann werden wir lebende Alchemisten, denn
dieser magische Prozess der Öffnung und Wandlung macht echte Quantensprünge
möglich. Indem der Mensch nichts mehr aussperrt, sondern sich auf seine
Lebendigkeit einlässt, kann auch das Leiden transzendiert werden.
Dies führt zur höchsten Schwingungsebene von Tor 47, der Verklärung. Rudd
vergleicht diesen Prozess mit dem Leben von Christus, der all diese alchemistischen
Transmutationen durchlief, nichts zurückhielt und alles umarmte. Diese Annahme
bringt höchste Lichtfrequenz in jede Zelle. Und so ist die Kreuzigung, die zur
verwirklichten Siddhi führt (wie passend, ich schreibe diesen Text „zufällig“ am
Abend vor Karfreitag) ein Prozess des individuellen Abstiegs in die Hölle der
Unterwelt, die erfüllt ist von eigenem, aber vor allem auch kollektivem Leid. Der
kollektiven Angst der Menschheit vor Tod und Auslöschung, die tief in unserer DNS
eingebettet ist. Wenn diese dann vom Menschen angenommen, auf sich
genommen wird, verwandelt sie sich, wird selbst zum Heiligen Geist. In der
buddhistischen Praxis Tonglen atmet der Praktizierende alles Leid der Welt ein und
atmet Glück und Segen für alle Wesen aus. So wird das Leid als Teil unserer Praxis
angenommen, in Mitgefühl verwandelt und zu einem Katalysator des Heilsamen.

Tor 48 in der Milz, schaut zu Tor 16 in der Kehle


1. Das Tor der Tiefe 2. Der Brunnen 3. Tiefe
Schaltkreis: Kollektiv, Verstehen
305
Tor 48 wird das Tor der Tiefe genannt – denn darum geht es dir. Deine größte
Angst wäre „out of your depth“ zu sein, in Untiefen zu gelangen, mit denen du
nicht umgehen kannst. Doch du kannst wählen, wie viel Tiefe du zulässt, in
Beziehungen, in deinem Ausdruck. Die Einladung ist, dass du selbst deine Tiefe,
deine vorhandenen Gaben, anerkennst. Denn sonst rennt Tor 48 ziellos umher und
macht alle möglichen Ausbildungen, lernt und lernt und ist doch nie erfüllt. Das
kann zu unglaublicher Frustration und Bitterkeit führen. Da wundert nicht, dass
man es auch das Tor der Schwarzen Magie nennt. Doch sobald du dein Augenmerk
auf deine Tiefe lenkst, kommt Entspannung und all die Gaben zeigen sich, ganz
mühelos. Es geht um ein Durchdringen und ein tiefes Verstehen, du kannst
herausfinden, was wirklich funktioniert und es so ganz erfassen. Dabei ist beinahe
egal, worum es geht – ob es ein perfekt gelingendes Souflee ist (und das braucht
echt Übung) oder ein soziales oder politisches Thema, oder ob du als Heiler die
Zusammenhänge im menschlichen Körper oder der Energien studiert, du gelangst
zum Kern des Ganzen – wenn du dir Zeit lässt. Denn diese Tiefe kann nicht „mal
eben“ entstehen.
Erlaube dir zu warten, bis Menschen zu dir zu kommen werden, weil deine Tiefe
Wert hat, magnetisch wirkt. Aus Tor 48 kommt der Verbesserungsvorschlag, du
siehst, wie man etwas anders machen kann. Doch zum einen fehlt vielleicht die 16
in der Kehle, die es umsetzen kann. Vor allem aber droht Frustration, denn wenn
du nicht gefragt wirst nach deinem Verbesserungsvorschlag, wirst du Ablehnung
erfahren – es braucht die Einladung!! Du musst nichts tun, um gut genug zu sein,
übe deiner Tiefe zu vertrauen, dass Lösungen aus dir heraus aufsteigen, spontan
kommen Antworten, die du einfach kennst – und diese Weisheit kannst du
weitergeben. Verlass dich darauf, dass alles da ist, was es braucht – für dich und
andere.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Lenke die Aufmerksamkeit auf deinen Atem
und denke dabei: Ich atme Fülle ein, ich atme Fülle aus. Ich bin. Alles, was es
braucht, ist da, zu jedem Zeitpunkt. Ich bin. Jetzt.
Die spirituelle Ebene:
Was für eine Angst im Schatten von Tor 48. Hier glaubt der Mensch, grundlegend
nicht gut genug, unzulänglich zu sein. Es gibt einen besonderen Bezug zu dem
zweiten siebenjährigen Entwicklungszyklus eines Menschen – einer Zeit, in der
besonders die emotionalen Frequenzen der Eltern und der Gesellschaft die
Pubertierenden prägen und verunsichern. Kaum jemand lernt den stimmigen
Umgang mit Emotionen, was dazu führt, dass die meisten von uns sich ihnen
machtlos ausgeliefert fühlen, wie Kinder davon überwältigt werden. Als Zuflucht
wird dann die Anhäufung von Wissen und Fertigkeiten gesehen, aber da es nicht
organisch von innen kommt, sondern wie ein Schutzschild gewaltsam vor die Angst

306
gehalten wird, kann es nicht wirklich helfen. Im Schatten von Tor 48, das ja im
chinesischen Namen „der Brunnen“ heißt, schwingt die Angst vor dem weiblichen
Mysterium mit. Die Grund-urkraft des Universums, das ungeformte Dunkel, das
Yin, die weibliche Kraft. Das erinnert sofort an die Hexenverfolgung im Mittelalter,
auch diese Ängste schwingen im Schatten von Tor 48 mit. Als Schattenmuster
zeigen sich diese beiden Extreme: die Mehrheit, die ihre Angst tief begräbt und den
starren Mustern der Gesellschaft folgt – und somit in Kauf nimmt, dass das Leben
wenig Geschmack hat. Der Bereich in der Mitte des Pendels, wo es wenig Ausschlag
nach links oder rechts gibt, kaum Freude, dafür aber auch wenig akutes Leid. Oder
frei nach Loriot „Steingrau mit einem freundlichen Mausgrau“. Oder aber die Wut
regiert, dann wird der Mensch grausam und skrupellos, manipuliert andere, sucht
Machtpositionen im System. Doch die Angst unter der Wut bleibt – und macht ihn
genauso unfrei wie die anderen.
Licht ins Dunkel des Schattens kommt über das Vertrauen – ins Leben und in den
Körper. Nicht nur die Schattenebene von Tor 48 ist sehr körperlich, sondern auch
ihre Erlösung. Wenn wir bereit sind, unsere Ängste anzunehmen, entsteht Wandel,
denn das Schlimmste ist meist die Angst vor der Angst. Eine Klientin konnte in
kürzester Zeit ihre jahrzehntelangen Ängste drastisch reduzieren, als sie ihnen
erlaubte, nachts unten an ihrem Bett zu schlafen und sie so erkannte, dass sie sie
nicht vernichten. Wenn wir vertrauen lernen, dass das Richtige zum richtigen
Zeitpunkt in unser Leben kommen wird, löst sich die Angst. (Wunderbar erläutert in
der Geschichte von Mojud von Osho).
Dann entsteht die Gabe des Einfallsreichtums – wenn wir im Nicht-Wissen nicht
länger in Angst, Panik und Verzweiflung verfallen, sondern offen und vertrauensvoll
bleiben, kommen die Antworten und Lösungen zu uns. Die dem Menschen
innewohnende Kreativität wird freigesetzt, ganz wundervolle Gaben zeigen sich.
Der Brunnen wird zu einem Füllhorn der Kreativität und Freude. Diese innere
Quelle dient dir und der Welt; indem du dich öffnest, können die Anderen Wasser
aus deinem Brunnen schöpfen und dir wird deine Fülle bewusst.
Auf der höchsten Schwingungsebene führt dieser Prozess zur Siddhi der Weisheit,
die in letzter Konsequenz eine Annahme der Leere, des Nicht-wissens ist. Rudd
nutzt hier den Begriff des „ungesicherten Seins“ – der letztendlichen Wahrheit
unserer Reise auf der Erde – nichts ist sicher. Wenn wir dies annehmen können,
hört auch die Angst vor dem Tod auf, denn es gibt kein Vergehen, nur ein
Zurückfallen in die Unendlichkeit. Vom Beginn der Reise – dem Gefühl der
Unzulänglichkeit - führt alles zu dieser Erkenntnis: Echte Weisheit kann nie über
Wissen erlangt werden, sie ist ein Annehmen des Alltäglichen, des verkörperten
Lebens, und der Unterschied der körperlichen Empfindungen löst sich auf – es gibt
nichts anderes als Weisheit und Harmonie. Und so ist ein Mensch in der 48. Siddhi
eben das: „ein absolut gewöhnlicher Mensch“. Frei von Angst.
307
Tor 49 im Solar Plexus, schaut zu Tor 19 in der Wurzel
1. Das Tor der Prinzipien 2. Die Umwälzung 3. Sensitivität und Prinzipien
Schaltkreis Stamm, Ego – Kooperation
Hier geht es um Prinzipien. Dieses Tor hat die Fähigkeit, klar das für den Menschen
Richtige und Falsche zu unterscheiden und aus Situationen und Beziehungen
herauszutreten, wenn sie nicht stimmig sind. Es kann Nein sagen. Es geht um die
emotionale Stabilität und es lässt nur die Dinge und Menschen zu sich, die den
eigenen Prinzipien entsprechen. Es ist ein machtvolles Stammestor, und so
entscheidet es darüber, wer zur Gemeinschaft gehören kann und wer nicht. Es hat
auch die Gabe, Wandel zu initiieren, es kann Revolution bringen gegen ein
bestehendes Regime, wenn es nicht mehr stimmig ist.
Die Gabe dieser Energie ist, dass du sehr sensitiv bist, sehr einfühlsam. Wenn
jemand für dich passt, schätzt du Berührung und Nähe. Deine Sensitivität ist ein
Messinstrument, sie zeigt dir an, wer dazu gehören kann und wer nicht.
Andererseits kannst du aber auch extrem klar, fast unsensitiv sein und sagen: du
nicht, das nicht. Es muss passen, da gibt es keinen Kompromiss. Denn ES in dir
entscheidet, was bedeutet: wenn deine Prinzipien verletzt werden, kannst du
diesem Menschen nichts mehr geben, er kann nicht mehr in deiner Nähe sein –
selbst wenn du dir selbst gut zureden würdest (falls du das wollen würdest), es
geht nicht. Du bist genetisch festgelegt, nur derjenige, der dazugehört, bekommt
etwas.
Dir ist eine Verbindung Gleichgesinnter wichtig, diese unterstützt du und sie
unterstützt dich. Kernaspekte sind Klarheit und Stimmigkeit. In einer Partnerschaft
bestimmt Tor 49 grundlegend natürlich, ob es zu dieser überhaupt kommt und legt
im Weiteren auch die Regeln der Beziehung und Nähe fest. Und damit es rund
wird, bezeichnet man es auch als das Tor der Scheidung – denn sollten im
Gegenschluss diese Regeln nicht mehr eingehalten werden, wird es die Trennung
herbeiführen. Für den Partner solcher Menschen wichtig zu wissen: ein Nein ist ein
Nein, Menschen mit Tor 49 sind echte Radikale, sie meinen, was sie sagen. Wenn
sie dir die gepackte Tasche in den Flur stellen, bleibt nur die Option, dir eine neue
Bleibe zu suchen.
Tor 49 hat eine Verbindung zum Magen – und da es ja als Tor der Prinzipien
darüber wacht, wer zur Gemeinschaft dazugehören darf und wer nicht – reagiert es
sehr stark auf das, was passt – oder eben nicht. Menschen mit diesem Tor spüren,
mit wem sie einen Kontakt, auch einen Hautkontakt haben mögen. Was
aufgenommen werden darf, ganz wörtlich, auch in den Magen gelangen darf.
Wenn sie über dieses Gefühl hinweggehen, kann echter Ekel oder Übelkeit
308
entstehen, wenn jemand (egal, wie freundlich oder nett er auch sein mag) nicht für
das eigene System richtig ist. Tor 49 wird auch das Tor des Dompteurs genannt,
denn es bringt die Gabe mit sich, eine enge Verbindung mit Tieren einzugehen und
sie zu lenken.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Tor 49 hängt mit der Säureproduktion im
Magen zusammen – daher ist klar, wer seine eigenen Grenzen achtet, den eigenen
Rahmen des Verträglichen, dem bekommt das Leben gut. Wer seine eigenen
Warnsignale ignoriert, dem schlägt das Unverdauliche auf den Magen. Das gleiche
gilt für alles, was den sozialen Umgang betrifft - es dient das Wissen, dass der
Andere sicher auch seine Gründe für sein Verhalten hat, auch wenn er für mich
gerade so nicht passend ist. Vieles ist Mechanik, es ist nicht persönlich. Mir obliegt
die freundliche Verantwortung für meine Klarheit. Und für die Partner von Tor 49 –
sollte dein Liebste(r) grade sehr “ätzend” drauf sein: Füttern kann helfen.
Die spirituelle Ebene
Emotional getrennt zu sein ist der Schatten von Tor 49, Rudd nennt ihn Reaktion.
In seiner tiefsten Form liegt hier der Impuls, den potentiellen Bedroher, den
Fremden, den Andersartigen zu töten. Diese Reaktion ist überall auf der Welt zu
beobachten. Ein Stamm, eine Gruppe fühlt sich in ihrer emotionalen Identität
bedroht und reagiert mit Kampf und Krieg. Zutiefst geprägt von der Stammesebene
sind „meine Leute gut, die anderen böse“. Dieser Schatten von Tor 49 ist auch in
der Paarbeziehung zu beobachten, er betrifft unsere tiefe Angst vor
Zurückweisung.
Entscheidend für die Überwindung der Reaktion in der Schattenfrequenz ist das
Erwachen zu der Erkenntnis unserer Verbundenheit. Wenn irgendwann universell
klar werden darf, wie vernetzt und verbunden wir sind – über unser Energiefeld,
die Aura, über das Herzfeld, über unsere Genetik – wird sich diese Angst hoffentlich
auflösen. Bis dahin gibt es zwei Ausdrucksformen des Schattens – der Mensch ist
entweder träge, alle Echtheit und Lebendigkeit wird reduziert, man zeigt seine
echten Gefühle nicht, damit nichts passiert. Daraus folgt, dass es keine echte Nähe
geben kann. Oder aber der Andere wird (sicherheitshalber) schon zurückgewiesen,
bevor er zu nahe kommen könnte. Dann verlässt man lieber den Partner bevor er
uns verletzen oder verlassen könnte. Lebt alleine, damit nichts wehtut – erlebt
aber nie Erfüllung, denn ein entscheidender Teil der Energie von Tor 49 ist es ja, in
Verbindung zu sein.
Wenn sich die Schwingung erhöht – und das ist in der Tat heute weltweit auch zu
beobachten – geschieht eine Revolution. Dann wird nicht länger der Andere
getötet, sondern die niedrige Schwingung aufgelöst. Das geschieht durchaus auch
explosiv - die Gabe von Tor 49 bringt den starken Impuls mit sich, alles Ineffiziente,
Überholte in der Gesellschaft zu zerstören. Menschen mit der Gabe dieses Tores
309
sprengen alle kulturellen, ethnischen und sozialen Grenzen. Sie suchen Konflikte zu
lösen und sind den emotionalen Vorurteilen ihrer Herkunft nicht mehr ausgeliefert.
Hierin sieht Rudd den Motor einer sich transformierenden Weltkultur, denn „die
Vision, welche die 49. Gabe in sich trägt, ist ein Abdruck, der aus dem kollektiven
Unbewussten entspringt und diese tiefe mystische Wahrheit vereinigt alles
Arbeiten auf der Ebene der Gabe.“46
Das führt auf der höchsten Schwingungsebene dann zur Siddhi der Neugeburt –
eine Art Dimensionswechsel hin zur Freiheit. „Es ist die 49. Siddhi, welche unsere
Welt wieder neu aufbaut, nachdem die 49. Gabe sie auseinander genommen
hat“47. Dann hat sich unsere Angst völlig aufgelöst. In dieser Ebene geht es um die
mystische Trennung – hin zu einer neuen Spezies. Dann werden zwei
Menschentypen nebeneinander existieren – mit einer völlig anderen
Wahrnehmung der Welt. Die einen, dem „Alten“ verhafteten, erleben aus ihrer
angstbasierten Sichtweise heraus, während das Bewusstsein der Anderen auf einer
völlig anderen Ebene ist. „Dieser evolutionäre Sprung hängt davon ab, ob wir
unseren Gaben folgen. Unsere Vision von einer vollkommenen Zukunft ist präzise
das, was die nötige Frequenzschwingung erschafft, um die genetische Verzweigung
unser Spezies auszulösen. Alle Siddhis handeln letztendlich von der Neugeburt –
wenn wir bleiben, wie wir sind, werden wir sie nie erleben. Das wusste schon
Goethe, wie er in seinem berühmten Gedicht im west-östlichen Diwan schreibt:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Tor 50 in der Milz, schaut zu Tor 27 im Sakral


1. Das Tor der Werte 2. Der Tiegel, das Opfergefäß 3. Werte und Regeln
Schaltkreis Stamm, Nähren
Du bist ein Wächter und Hüter für die Gesetze der Gemeinschaft, für das, was
richtig und falsch ist. Es geht um Werte und Gesetze, die weitergegeben werden,
oft von Generation zu Generation, um die Sicherheit zu gewährleisten. Es ist ein
Stammestor - und selbst wenn du eine sehr individuelle Art hast im Leben zu sein,
wird dieses Tor – wenn es bei dir aktiv ist – dazu führen, dass du dich diesen

46 Rudd, S. 516
47 Ebd. S. 517
310
gemeinschaftlichen Dingen dennoch zumindest teilweise unterordnest und ihnen
folgst. Das lässt sich natürlich durch die über Jahrtausende währende Prägung
erklären, wo der Zusammenhalt und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem
Stamm, absolut überlebenswichtig waren. Dieses Bedürfnis ist eingebrannt in
unsere Zellen. Solche Regeln waren praktizierte Liebe, damit alle überleben
konnten.
Und so fühlst du dich für andere verantwortlich, kümmerst dich um ihr Wohl,
unabhängig davon, ob es nun gerade für dich persönlich das Angenehmste ist.
Viele Klienten mit diesem Tor lächeln, wenn sie davon hören, denn sie sind unter
„ihren Leuten“ – also in der Firma, zuhause oder im Sportverein schon dafür
bekannt, dass sie die Regeln festlegen, sie sind die „Bestimmer“. Sie machen keine
Kompromisse, denn die Werte in diesem Tor sind für den Menschen festgelegt -
seine Ethik, seine Kompetenz erfordert, dass er entscheiden kann, was sein darf
und was nicht. Das kann in Beziehungen durchaus schwierig sein, vor allem, falls
beide Eltern dieses Tor haben – dann hilft es, wenn vielleicht jeder für einen
anderen Bereich zuständig ist. Denn jeder muss seine Werte vertreten, da gibt es
wenig Flexibilität. Achte aber immer auch auf dich – besonders wenn das sakrale
Gegenüber, das Tor 27 nicht definiert ist -, es geht dann darum, dich um dich
selbst zu kümmern, Verantwortung für dich zu übernehmen. Denn nichts inspiriert
mehr, als das Vorangehen mit gutem Vorbild. Wir lernen durch Vorbilder, durch
Nachahmung. Wenn dein Emotionalzentrum (Solar Plexus) offen ist, bist du
natürlich sehr empfänglich für alles, was in der Gesellschaft vor sich geht, und es
kann sein, dass du dich schuldig fühlst, nicht genug tun zu können, um für alle da zu
sein, oder dass du Verantwortung übernimmst, die nicht die deine ist – aber mach
dir klar: das ist eine Verlockung des Nicht-Selbst.
Das Aufrechterhalten deiner Gemeinschaft wird immer ein wichtiger Impuls in
deinem Leben sein. Es geht letztendlich darum, die für dich passende Weise zu
finden.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es kann die Furcht geben, nicht gut für dich
und die dir wichtigen Menschen sorgen zu können – denn Tor 50 liegt in der Milz,
trägt alte Ängste in sich. Dann hilft es, sich klarzumachen, dass es JETZT anders sein
wird und kann, als befürchtet. Was kannst du tun, verändern, um eine gute Lösung
für alle – dich eingeschlossen - zu sehen? Oft hilft ja schon der erste, kleine Schritt:
Was würde jetzt, in diesem Augenblick, hilfreich sein? Wie steht es um deine
Selbstliebe? Was braucht Heilung und Unterstützung, damit deine Liebe frei
fließen kann? Bedenke: Auch Grenzen setzen kann Liebe sein!
Die spirituelle Ebene:
Tor 50 liegt in der Milz – und ist natürlich von der milzeigenen Schattenenergie, der
Angst betroffen. In der Schattenfrequenz geht es um eine Verfälschung der
311
Wahrnehmung durch den Filter der Angst und Befürchtung. Alte hierarchische
Strukturen trennen Völker und Gruppen aller Art, Unterdrückung und Korruption
sind die Folge. Für die meisten Menschen führt das dazu, dass sie sich als Opfer
erleben und gelähmt werden durch ihr Gefühl der Ohnmacht - sie bleiben
gefangen im System. Die andere Reaktion im Schatten ist ein verantwortungsloses
Ausnutzen der Hierarchie, wann immer möglich. Der alte Satz vom „nach Oben
Buckeln und nach Unten treten“ beschreibt dies recht passend. Unternehmen, die
nichts außer ihrem Profit sehen sowie jede Art von Korruption gehören dazu.
Erst wenn sich die Frequenz dann erhöht, klärt sich die Wahrnehmung. Dann kann
Tor 50 dazu beitragen, echte Werte in Respekt und Ehrlichkeit für Alle
auszudrücken. Ein Gleichgewicht entsteht. Rudd vergleicht Menschen mit dieser
entwickelten Frequenz von Tor 50 mit Köchen, die genau wissen, wer was in
welcher Form braucht und welche Zutaten dafür nötig sind. So bringt Tor 50
soziales Gleichgewicht und legt die Grundlage für eine tragfähige Gemeinschaft.
In der höchsten Schwingung herrscht Harmonie, alle Teile finden sich in
harmonischer Resonanz. Das Gefühl der Trennung löst sich auf, der Mensch ist im
Ein-Klang mit dem Universum. Die Ausstrahlung dieser Energie wirkt so stark, dass
nicht nur die Person, in der sich diese Gabe zeigt, sondern auch Andere in deren
Umfeld mit erhoben werden, in harmonische und himmlische Sphären und zu
einem Zusammenleben unter Gleichen, einer Heterarchie. Rudd bezeichnet den
50. Genschlüssel als einen der wichtigsten für die Menschheit, denn in dieser
höchsten Schwingung kann er uns alle zu einem harmonischen und friedvollen
Orchester schönster Symphonien zusammenführen.

Tor 51 im Ego-Herz-Willenszentrum, schaut zu Tor 25 im Selbst


1. Das Tor des Schocks 2. Das Erregende 3. Mut, Schock, Neues, Erster sein
Schaltkreis Individuell, zentrieren
Du bist mutig. Und du gehst an Orte, wo andere nicht hingehen. Du bist fähig und
willens, neues Terrain zu erkunden, etwas völlig Neues zu erleben. Du bringst Dinge
in Gang, öffnest neue Möglichkeiten. Diese Energie kann andere allerdings
schockieren. Denn du hast eine Initiationskraft, die gern an die Grenze des
Machbaren geht, du sprengst die alten Umstände. Du liebst es vielleicht, Erster
oder Bester zu sein, du gehst voran. Vielleicht hast du selbst auch schockierende,
lebensverändernde Erfahrungen gemacht – die dich zum einen das Leben aus
einem anderen Blickwinkel haben sehen lassen, die deine vertrauten Umstände
durchrüttelten, die dich vielleicht auch in intensiven Kontakt mit Spirit, mit der
Geistigen Welt, gebracht haben. Es ist damit auch ein mystisches Tor, es führt zu
„neuen Ufern“.
312
Du kannst Grenzen überschreiten. Tor 51 hat eine ganz besondere Kraft, mit der
Herausforderung und dem Chaos des Lebens umzugehen. Es ist deine Energie, ehre
sie. Und wisse einfach um die Wirkung. Hab vielleicht einfach im Hinterkopf, dass
nicht jeder gleich gut mit diesem Schock umgehen kann. Gleichzeitig ist es aber für
Menschen in deiner Gegenwart viel leichter, einen Schock zu verarbeiten, deine
Energie unterstützt sie bei der Konfrontation mit dem Neuen, wie ein
Integrationshelfer. Ein großes Geschenk - falls es z.B. eine schwere Nachricht zu
überbringen gilt, wird es für die Empfänger deutlich leichter, wenn du das tust.
Stillstand ist schwierig für dich, es drängt in dir voran, und gleichzeitig natürlich
öffnen sich auch in dir immer wieder neue Türen. Achte nur darauf, dass diese
vielleicht riskanten Unternehmungen für dich in deiner Autorität und Strategie
stimmig sind.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Du bewegst, du initiierst, du bringst in
Kontakt mit dem Leben. Im Englischen gibt es den Ausdruck „own it“ - nimm es
ganz zu dir – dann kommt die Kraft. Und aus eigenem Umgang weiß ich, wie
heilend und öffnend die wohl-platzierte Schockkraft dieses Tores sein kann.
(Dynamit ist ja auch – achtsam angewendet – sehr nützlich).
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten der 51, des Schocks, wirkt die Unkontrollierbarkeit des Lebens.
Jederzeit kann etwas geschehen, und dies versetzt das Innere des Menschen in
Aufruhr. So findet man keine Ruhe, die Energie drängt und weiß dennoch nicht,
wohin – das kann zu Zerstörung und wahrlich schockierendem Verhalten führen –
wie z.B. Übergriffe in der U-Bahn, ohne Achtung vor dem menschlichen Leben. Auf
der passiven Seite wirkt der Schatten der 51 wie eine Depression; die Angst
übernimmt die Kontrolle, die Lebendigkeit wird vollkommen unterdrückt. Von
außen gibt es keinen Weg zu diesem Menschen. Hier bleibt die Hoffnung, dass ein
Schock wiederum zu der Erkenntnis führt, dass nur er selbst sich retten kann.
Im aktiven Ausdruck des Schattens sucht der Mensch den Wettkampf mit sich,
anderen und der Welt; geht große Risiken ein, wirkt scheinbar furchtlos. Darunter
liegt jedoch eine Abspaltung von sich selbst, um die Angst nicht mehr spüren zu
müssen. Hier wird das Leben aufs Spiel gesetzt, der innere Aufruhr, die Wut über
die Hilflosigkeit als Feindseligkeit gegen Andere ausgedrückt. Hier kann es helfen,
ein sinn-erfülltes Projekt zu finden, einen konstruktiven Kanal für den inneren
Druck zu öffnen.
Diese Fähigkeit, etwas kreatives Neues zu schaffen, kommt in der höheren
Schwingung von Tor 51 zum Tragen. Es trägt in sich den „Aktivierungscode der

313
individuellen Befähigung“48. Es bringt das innerste Eigene, die Gabe in die Welt.
Bahnt neue, bislang unbekannte Wege. Hier geht es darum, der eigenen Weisheit
und Wahrheit zu folgen, nicht der Anderer. Die 51 trägt in sich eine mystische
Reise, denn es gilt alles in der eigenen Unterwelt zu erkunden, um dann als Ziel
zum eigenen Herzen zu gelangen. Hier wartet der Sprung auf eine völlig neue
Bewusstseinsebene (und wie mir die Geistige Welt einmal dazu sagte: du kannst
kein Geländer auf eine völlig neue Ebene bauen, da ist keine Treppe). Wenn ein
Mensch mit der Gabe von Tor 51 sich mit anderen vergleicht, geht es darum, die
Einzigartigkeit herauszufinden, um wirklich ganz und gar man selbst zu sein. Das
Gelernte muss zurückbleiben und der Weg führt mitten durch die eigene, ganz
persönliche Angst. Hier gilt es, dem eigenen Herzen zu vertrauen, die Masse zu
verlassen und mutig voran zu gehen, nach dem guten alten Star Trek Motto „mutig
dorthin zu gehen, wo noch kein Mensch zuvor hingegangen ist“. Dieser Mut des
eigenen, neuen Weges wird belohnt durch Synchronizitäten und günstige
Umstände. So wird ein Mensch mit der Gabe von Tor 51 wahrlich ein Initiator, sie
verändern das morphogenetische Feld. Der Aufruhr, der im Schatten im Innen
erlebt wurde, wird jetzt ein energetisches Wirken (auch wenn es in Anderen
durchaus Aufruhr bewirken kann, es ist und bleibt das Tor der Erregung, des
Schocks).
In der höchsten Schwingungsebene steht das Erwachen. Ein viel strapaziertes Wort,
denn letztendlich kann nur der Erwachte verstehen, was es wirklich bedeutet - es
ist nicht erklärbar, nicht herstellbar. Klar ist, dass sich alle Trennung aufhebt, dass
es kein getrenntes Selbst mehr gibt. Auf die Entwicklung der Menschheit hin
gesehen liegt hier eine große Bedeutung in Tor 51. Der Erwachte wirkt, bringt
durch sein Sein die Energie wie in Kreisen immer mehr in die Welt.

Tor 52 in der Wurzel, schaut zu Tor 9 im Sakral


1. Das Tor der Untätigkeit und Ruhe 2. Das Stillhalten/Der Berg 3. Ruhe
Schaltkreis Kollektiv, Verstehen
Tor 52 erinnert an den Bogenschützen, der in völliger Konzentration und doch
gleichzeitig entspannt dasteht, fokussiert - um in dem Moment, wo alles stimmt,
den Pfeil abzuschießen indem er loslässt. Du kannst (und solltest) in einer
scheinbaren Untätigkeit sein, bis der perfekte Moment für das Handeln kommt.

48 Rudd, S. 533
314
Daher ist wichtig, dass du in deiner Arbeit solche Zeiten hast – denn dann ist es
dieser Fokus, der für dich und das Kollektiv alles in die richtige Richtung bringt.
Eine Herausforderung ist, dass die Energie in Tor 52 zum Handeln in Tor 9 schaut –
und so ist zum einen die Ungeduld ein großes Thema, oft verbunden mit dem
Widerstand gegen jedes für dich unpassendes Timing. Durch den Wurzeldruck ist
es für Menschen mit Tor 52 oft sehr schwer, lange genug innezuhalten, bis der
richtige Moment kommt, aber nur in dann ist die Energie passend eingesetzt. Ein
Handeln zum falschen Zeitpunkt führt zur Frustration und zum Verschwenden von
Energie. Sinn der Konzentration ist ja, genau das zu finden, was das Richtige ist,
was dein Ding ist, was du tun willst – ob in deinem Leben generell oder gerade in
deinem Thema. Und bis das gefunden ist – warte, tu nichts. Das Richtige wird sich
zeigen. Die wahre Kraft dieses Tores liegt innen, scheinbar völlig still. Aus dieser
Stille heraus zeigt sich alles Wissen, was du brauchst, und wenn du erlauben
kannst, dass dieses innere vollkommene Timing sich zeigt, dann hat die Handlung,
wenn sie „geschieht“, unendliche Kraft. Dann entsteht das Wu-Wei aus der
taoistischen Weisheitslehre, wo es als “Tun ohne zu tun” beschrieben ist, und
dennoch wird alles getan.

Und wenn es grad mal schwierig ist: Bewusstes Atmen kann helfen. Und sich
erinnern, zur Not auch immer wieder, dass auch der beste Scharfschütze genau
zielen muss, und das braucht Ruhe und Geduld. Alles, was dich die Verbindung mit
der Weisheit des großen Ganzen spüren lässt, kann helfen, dich in die Führung der
Energie zu entspannen.
Die spirituelle Ebene:
Der Schatten von Tor 52 ist aus unserer Zeit kaum wegzudenken: Stress. Kaum
etwas anderes wirkt so beeinträchtigend auf unser körperliches Fahrzeug. Ein
kollektiver Druck, zutiefst mit unserem gesamten Leben und Erleben der Welt
verbunden, besonders wenn wir in dem einheitlichen Energiefeld der niedrigen
Schwingung sind. Wir leben in einer auf vielen Ebenen Stress bewirkenden Welt;
Strahlungsfelder, Belastungen der Lebensmittel, Existenzängste – das alles landet
in unserem Energiefeld und wird von dort aus weitergegeben. (Wir erinnern uns an
die Neutrinos – sie durchströmen uns und geben unsere Informationen an unsere
Umwelt ab - Stress hoch Million). Das kann zum einen dazu führen, dass der
Mensch fast apathisch wird, da es keinen Ausweg zu geben scheint. Depression ist
die Folge. (Spannend hier ist die Beobachtung, dass es hilft, wenn diese Menschen
eine Aufgabe finden, anderen behilflich sind). Die andere Auswirkung der
Schattenebene ist jene ruhelose Aktivität, der Mensch ist dauernd „auf Adrenalin“,
die grundlegende Angst wird verdrängt, indem die Energie ununterbrochen auf

315
Hochtouren läuft. Hier hilft, sich liebevoll der zugrundeliegenden Angst
anzunehmen.
Letztendlich führt nur die Anhebung der eigenen Schwingung aus dem Schatten
heraus. Eine gesunde Balance von Aktivität und Passivität zu finden - die Gabe der
Zurückhaltung nennt das Rudd. Sie ermöglicht gesundes Wachstum, das Aufgehen
der (eben auch inneren, in uns bereitstehenden, auf Entfaltung wartenden) Saat –
zur rechten Zeit. In seiner Kurzgeschichte „Mojud“ schildert Osho einen Menschen,
der dem „rechten“ Impuls zu folgen lernt. Die Botschaft ist, dass wir immer
bekommen, was wir brauchen - zum richtigen Zeitpunkt. Unser Problem ist nur,
dass wir immer glauben, „jetzt, sofort“ sei der richtige Zeitpunkt. Mit der Gabe von
Tor 52 lernen wir den gesunden Umgang mit Stille und Wachstum.
Und auf der höchsten Frequenzebene zeigt sich die Siddhi der Kosmischen Ruhe.
Andere Worte sind Nirwana, das Nichts, die Leere und absolute Erleuchtung. Das
Ende jeder Polarität. Es mag sich anfühlen wie im Zentrum aller Erscheinungen, der
Torus. Ein Mensch, in dem diese Schwingungsebene verwirklicht ist, bringt durch
seine Anwesenheit den Stress der Zeit und Getriebenheit in seiner Umgebung zur
Auflösung – Wu Wei – Tun ohne zu Tun – alles gegenwärtig im Jetzt.

Tor 53 in der Wurzel, schaut zu Tor 42 im Sakral


1. Das Tor der Anfänge 2. Die Entwicklung 3. Antrieb und Bereitschaft etwas Neues
zu beginnen
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Hier ist die Kraft, etwas Neues in Gang zu bringen, etwas zu starten. Die
Bereitschaft, es voranzubringen, auch wenn es anfangs schwierig ist. Du hast die
Gabe, auch ganz alleine loszulegen und unglaubliche Kraft zu mobilisieren. Es ist
allerdings nicht immer leicht, die Dinge dann auch zu Ende zu bringen. Daher ist es
wichtig, zu prüfen, ob das, was du beginnst, stimmig ist für dich. Wenn du dich in
passender Weise auf etwas einlässt, dich für etwas engagierst, wird die Energie des
Beginnens sich von selbst entfalten, die Wurzelkraft –einmal korrekt freigesetzt –
wirkt dann der Vollendung entgegen. Du hast eine unglaubliche Bereitschaft,
Dinge zu initiieren – daher braucht es die dir entsprechende Strategie und
Autorität, um zu klären, was stimmig ist.
Es mag sein, dass du den Druck verspürst, Dinge be- oder vollenden zu müssen –
besonders, wenn Tor 42 im Sakral nicht definiert ist. Ich habe dieses Tor selbst (was
jedem klar ist, der meinen Schreibtisch sieht… so viele begonnene Projekte) und
seit ich das weiß, nehme ich mich immer wieder an die Hand, wenn es darum geht,
die Steuern nicht nur rauszusuchen, sondern auch in den Umschlag zu tun und zur
316
Post zu bringen. Das hilft. Ideal ist, wenn du in deinem Beruf diese Gabe besonders
nutzen kannst. Tor 53 ist grandios im Beginnen von Projekten – aber bitte nicht in
den Bereichen, wo es darum geht, alles bis zu Ende zu bringen – denn das Tor ist
weit entfernt von der Kehle – die ja Dinge bewegt. Es ist reine Wurzelkraft, die
Kraft für Neubeginn und Wachstum. Diese gibst du auch in deinem Feld weiter und
kannst für Andere diese Entwicklungsenergie ausstrahlen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Hier würde ich gern den wunderbaren
Hermann Hesse , einen Manifestor, Dichter und Romanschriftsteller, zitieren
(Gedicht Stufen, nach [Link]
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!
Die spirituelle Ebene
Im Schatten ist die 53 das Tor der Unreife. Gefangen in der Angst, das Leben nicht
kontrollieren zu können oder nicht zu begreifen, führt sie dazu, dass wir alles
festhalten und anhäufen wollen. Dann kann es sein, dass der Mensch alles Neue
ablehnt, starr in den vertrauten Bahnen bleibt - gelähmt von der Angst, was sein
könnte, versucht er, um jeden (!) Preis die Kontrolle zu behalten. Oder aber man
übertreibt den im Tor 53 innewohnenden Impuls des Beginnens und ist so
sprunghaft, dass nichts gelingen kann. Das führt zu großen Irritationen im
Beziehungsumfeld und zu Frustration bei der Person selbst, denn auch wenn
scheinbar immer etwas Neues beginnt, läßt man sich ja nicht wirklich darauf ein
und es kann keine Befriedigung entstehen.
In der höheren Schwingungsebene wird aus dieser zu Neuem drängenden Energie
eine echte Expansion, eine Erweiterung des ganzen Wesens, das ständige Über-
sich-hinaus-Wachsen ergreift das ganze Leben, ein ständiges Weiterentwickeln ist
317
das Thema. Die Herrschaft des Verstandes wird transzendiert, die Energie führt ins
Herz hinein. Es geht darum, sich ins Leben hineinzugeben – und somit auch
loszulassen, wer man selbst zu sein glaubt. Spannend ist, dass auf dieser Ebene
ganz natürlich der im Schatten so ersehnte Wohlstand eintritt - als Teil des
Lebensflusses, nicht als festhaltende Anhäufung von Materie.
In der höchsten Frequenz begegnet uns Überfluss, ein Leben voller unendlicher
Anfänge, in immer neuen Formen. Das sich in die Materie ergießende, fließende
Bewusstsein. Wieder natürlich in letzter Konsequenz ein Eins-sein mit Allem was
ist, frei von den Grenzen der Form. Wenn es zugleich Welle, Luft, Boden und
Ozean ist, gibt es keine Bewegung mehr, keine Identifikation, dann ist alles zugleich
– und darin liegt tiefster Frieden. Im Lamrim (Stufenweg der Erleuchtung, Methode
der Gelugpa-Tradition des Dalai Lama) üben die Praktizierenden täglich immer eine
Minute den Satz im Geist zu halten „das Wesen meines Bewusstseins ist Klarheit
und Erkenntnis“. Und dann, irgendwann nach langer, oft denkender Praxis, kommt
der Schüler zu einem Moment, wo er für den Bruchteil einer Sekunde etwas hinter
dem Satz erkennt. Das lässt ahnen, was mit diesem “jenseits der Wahrnehmung”
gemeint sein kann, jene ungeformte Leere, in der alles ist. Und auch nicht. Damit
endet die Evolution, denn nichts beginnt mehr, nichts endet.

Tor 54 in der Wurzel, schaut zu Tor 32 in der Milz


1. Das Tor des Ehrgeizigen 2. Das heiratende Mädchen 3. Aufstieg und manchmal
auch Erleuchtung
Schaltkreis Stamm, Ego – Kooperation
Ein wirklich spannendes Tor, da es so viele Ebenen berührt. Die rein materielle des
Erfolges und die sehr spirituelle der Erleuchtung. Es geht um den Antrieb, Erfolg zu
haben. Die Entschlossenheit, alles zu tun, was es braucht, um eine Basis zu haben,
weiterzukommen, Erfolg zu haben, Anerkennung zu bekommen, seine Träume zu
verwirklichen.
Es gibt die Ebene zu arbeiten, um Erfolg zu haben, alles zu tun, nie innezuhalten,
um das zu erreichen - für sich und für die Gemeinschaft. (Da gibt es den Satz „jede
54 will eine 45 werden. Die Frage ist, was muss sie dazu loslassen, um gesund zu
bleiben?“) Wir kennen aus der Vergangenheit solche Geschichten, wo ein junger
Mann alles tut, was nötig ist, von früh bis spät arbeitet, sich für die Firma
unentbehrlich macht. Die Tochter des Chefs heiratet und nach 40 Jahren dann vom
Hilfsarbeiter zum Direktor aufgestiegen ist. Falladas „Ein Mann will nach oben“ –
eine Geschichte von Tor 54 in der materiellen Welt. Die Gefahr ist, dass Tor 54 sehr
bitter werden kann, wenn es nicht funktioniert, wenn die harte Anstrengung nicht
zu Erfolg führt. Oder – wie Jack London es in einer Kurzgeschichte beschreibt: er
318
schildert das Leben eines Mannes, der über genau geplante drei Jahre nur arbeitet,
auf alles andere verzichtet, sich das Essen vom Mund abspart, um dann einen
Karrieresprung machen zu können – und kurz bevor es soweit ist, von einem Auto
überfahren wird. Dumm gelaufen. Daher ist gerade bei Tor 54 wichtig, das Leben
im Jetzt zu ehren, deine Träume zu spüren und dem Universum zu vertrauen, dass
es in stimmiger Weise Unterstützung bieten wird.
Die andere Ebene ist die spirituelle Entwicklung - den Impuls des
„Weiterkommens“ so zu nutzen, dass es zur Verwirklichung im Nicht-Materiellen
drängt. Doch auch hierbei: erlaube dir Pausen. Jede Praxis, die dich deinen Wert
fühlen lässt, einfach so, ohne die ständige Anstrengung, den Druck der
Entwicklung, tut gut. Du kannst wirklich etwas in Gang bringen, dein „Drive“ ist
unvergleichlich, aber achte auf deine innere Autorität und Strategie. Wenn
gesehen und geschätzt wird, was du tust, geht es dir gut. Vielleicht dient dir auch
das Bild einer Quelle, die einfach mühelos sprudelt und aus der viele trinken
können – im Gegensatz zu jemandem, der eine Technik perfektioniert hat, mit der
er möglichst viel Wasser mit Eimern aus einem Brunnen ziehen kann. Das erste ist
langfristig gesünder.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Ehre deine Bereitschaft zu Wachstum und
Entwicklung. Es ist sicher bewundernswert, „alles“ für einen Traum zu tun. Aber
manchmal ist weniger mehr, dann ist das Vertrauen in ein Fließen und ein sich von
selbst entfalten genau das, was es braucht, damit der nächste Schritt geschehen
darf.
Die spirituelle Ebene
Der Schatten von Tor 54 treibt auf tiefste Weise aus der Unzufriedenheit heraus
den Menschen an, immer mehr haben zu wollen, immer mehr sein zu wollen. Vor
allem in materieller Hinsicht, die Gier nach Statussymbolen und Anerkennung von
oben, ein Ringen in der Hierarchie. Das kann sich einerseits nach anfänglicher
Enttäuschung in einer desillusionierten Haltung zeigen, wo der Mensch sich
machtlos fühlt, etwas zu erreichen und es deshalb einfach aufgibt. Das kann zu
Depressionen führen oder dem vorgeblichen Verneinen jeder Materie, der Flucht
ins Spirituelle (zu dem Tor 54 ja eben eine sehr besondere Verbindung hat). Die
Gefahr darin ist, dass alles Materielle, auch der Körper, außer Acht gelassen wird.
Hier braucht es dann Körperlichkeit, um die Schwingung erhöhen zu können. Die
andere Schattenfrequenz ist die reine Gier, dann häuft der Mensch im Außen alles
an uns verschließt er sich im Inneren immer mehr. Dickens Weihnachtsgeschichte
von Ebenezer Scrooge zeigt ein solches Leben.
Auf der höheren Schwingungsebene wandelt sich die Energie in das Bestreben,
darüber hinaus zu gehen – hinaus über die reine Materie, über die Anerkennung,
über die Position in der Welt. Dann trägt die Gabe dazu bei, dass gesunde Systeme
319
entstehen, dass alle zusammenwirken, dass zugunsten der Gemeinschaft echte
Entwicklung geschieht. Immer mehr Firmen öffnen sich für eine solche Haltung. Die
Gabe der 54 ist eine feine Wahrnehmung für Energie (auch in Form von Geld), die
am besten im direkten Kontakt funktioniert. Sie wirkt transformierend und
Energiefrequenzen erhöhend.
In der höchsten Ebene beinhaltet die Siddhi von Tor 54 den Prozess des Aufstiegs,
die alchemistische Verwandlung von Materie in spirituelle Essenz49. Wichtig ist,
dass jeder Aufstiegsweg zutiefst persönlich ist, ein allgemein gültiges Rezept gibt es
nicht. Es würde uns nichts nutzen, zu leben wie Herr Tolle und auf einer Parkbank
auf den Moment des Erwachens zu warten, wahrscheinlich wird es uns einfach nur
kalt. Wenn der Same des Aufstiegs im System des Menschen verankert ist, wird er
sich über die Schwingungsanhebung entfalten, das Physische transformieren und
verfeinern. Wer einen Geschmack über solche Prozesse bekommen möchte, kann –
nur als ein Beispiel – die Biografie von Irina Tweedie „Mein Weg durchs Feuer“
lesen, denn tatsächlich wird hier im Feuer der Transformation alles Alte abgelöst.
Rudd spricht sehr weise von diesem Weg nur für jene, die „ihm angehören“; für alle
anderen, die ihn vielleicht erzwingen wollen, kann es sehr gefährlich sein. Wenn es
dein Weg ist, wird er entstehen.

Tor 55 in den Emotionen, schaut zu Tor 39 in der Wurzel


1. Das Tor des Geistes 2. Die Fülle 3. Emotionale Fülle und Spirit
Schaltkreis individuell, Wissen
Das ganz große Kino. Denn hier sind alle Emotionen vorhanden - von größter
Freude zu tiefster Melancholie. Daher heißt Tor 55 auch Tor der Fülle. Du kannst
dich extrem erfüllt fühlen, oder absolut leer, deprimiert, in tiefster Dunkelheit.
Dann hilft z.B. die Musik und jede Form von Kreativität. Du hast eine extrem tiefe
Empfindungsfähigkeit, die einfach ihren Ausdruck sucht. Deine Stimmungen geben
Zugang zu einzigartiger Kreativität. Viele Künstler, Dichter und Musiker haben
dieses Tor.
Allein schon, wie etwas gesagt wird, hat eine Auswirkung auf dich. Du bist ein
akustischer Mensch, du fängst feine Schwingungen auf. Überhaupt wird die
Verbundenheit zur Musik, zum Klang eine wichtige Rolle spielen, genauso wie ein
Mensch mit Tor 55 wahrscheinlich Poesie, die Kunst der Worte und Gedanken
schätzt – immer auf der Suche nach dem Mysterium, dem „Mehr“ in der Welt.

49 Rudd S. 564
320
Manchmal scheint es, als wartet etwas in dir darauf, durch die Welt provoziert zu
werden (Tor 39, das Tor der Provokation, liegt gegenüber), um deine Gefühle zu
erkunden und zu wissen, wer du bist. Da alles möglich ist, wissen Andere nie, was
sie erwartet, und so kann ein Mensch mit Tor 55 von Anderen als unberechenbar
wahrgenommen werden. Ganz grundsätzlich kann man sagen: es ist das Tor der
(richtigen) Geisteshaltung – der „Spirit“, in dem du die Welt und dich betrachtest,
entscheidet, was du sehen wirst und wie es dir damit geht.
Ein weiteres Thema ist das Nähren, Essen, das zu-dir-nehmen – der Welt, der
Gefühle, von Nahrung. Das sich-füllen (und alle erdenklichen Essstörungen im
Schatten des Tores). Der Gedanke, dass Fülle da ist und du sie nur zulassen musst,
dass die Welle der Emotionen dich tragen wird, kann helfen. Wenn du das Auf und
Ab der Welle annehmen kannst (wie Ra sagt: from joy to pain and back again)
kommt Ein-verstanden-sein. Sobald es Gleichgesinnte gibt, Menschen, die dich
verstehen, wird es leichter.
Tor 55 trägt aber auch das Potential zu einer Freiheit in sich – wenn alles einfach
fließen und da sein darf, ohne dass es vermieden oder festgehalten werden muss,
sondern einfach schwingen kann. Dann kommst du ins Jetzt, in eine Annahme, die
nichts mehr mit dem Gefühl zu tun hat, ein Opfer von Emotionen oder Umständen
zu sein, sondern in eine Weisheit, die das Ganze umfasst. Wahrscheinlich kennst
du die Unterscheidung zwischen Leuten, die das Glas hab voll oder halb leer sehen.
Mit der Freiheit, die in Tor 55 entstehen kann, siehst du beides – und den Raum um
das Glas herum, in der das Füllen des Glases geschieht.
Eine Besonderheit gerade bei Tor 55: es kann sein, dass Menschen mit diesem
extrem emotionalen Tor völlig kühl und unemotional wirken und sich auch selbst so
beschreiben. Intensive Gefühlsausdrücke in Anderen werden ebenfalls abgelehnt.
Wenn man jedoch das Umfeld dieser Menschen betrachtet, dann geht es da hoch
her – dann leben die anderen die Emotionen des Tor 55 - Inhabers. Natürlich gibt
es einen großen Unterschied, wenn dieses Tor in einem definierten
Emotionalzentrum quasi immer wirkt oder in einem offenen Zentrum immer dann
aktiv wird, wenn dieses durch einen Transit oder einen anderen Menschen
definiert wird.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Mach dir klar, dass du die Fülle in allem
erleben kannst, einfach indem du annimmst, was gerade ist. Übe das Vertrauen
darin, dass Fülle kommt, dass es zu dir fließen wird. Die Engländer sagen „let go
and let God“ – lass los und lass Gott (machen). Das Universum IST Fülle. Wenn ein
Gefühl gerade ganz extrem da ist – stell dir vor, du siehst dich aus der Distanz von
oben wohlwollend an.
Die spirituelle Ebene:

321
Kein Tor hat größere Bedeutung für unser menschliches Leben heute als die 55.
Rudd widmet ihm 35 Seiten, rund sieben Mal mehr als den anderen Toren, denn es
ist der Schlüssel für den großen Wandel in unserer Zeit. Es umspannt die
Frequenzen vom Opferdasein im Schatten hin zur Freiheit in der Gaben und Siddhi-
Ebene – unserer tiefsten Sehnsucht. Im Schatten ernten wir, wie wir gesät haben.
Gemeint ist damit, dass unser Glück oder Unglück von unserer Betrachtungsweise
der Situation abhängt. “Wie gehe ich mit dem um, was geschieht” ist die zentrale
Frage.50 Auch der bekannte Therapeut und Autor Chuck Spezzano widmet einen
Großteil seines Lebenswerkes der Erlösung unserer Opferrollen. Wir entscheiden –
sind wir das Opfer der Umstände oder übernehmen wir Verantwortung für unser
(Er-)leben? Nur im zweiten Fall können wir uns als machtvoll erleben, im ersten
sind halt immer „die Anderen“ schuld und der Mensch bleibt gefangen. Bleiben wir
in den Mustern unserer Ahnen oder wachen wir auf? Erst wenn wir zu verstehen
beginnen, dass wir in unseren unbewussten Glaubensmustern gefangen waren,
können wir anfangen, sie zu transzendieren.
Auf die Frage, wer denn der erleuchtetste Mensch sei, den er je getroffen habe,
erwiderte der bekannte Klangheiler und Therapeut Tom Kenyon (Tom ist weit
gereist und hat in seinen Studien zur Klangheilung und mystischen Traditionen all
die „Großen“ Lehrer und Weisen der Welt getroffen): „Ein Tellerwäscher in
Brooklyn“. Erleuchtung ist nicht das verklärt blitzende jenseitige Paradies, ich
glaube vielmehr, sie ist ein “echt im Jetzt da sein, wo ich gerade bin”. Viele von uns
suchen nach einem „Anderswo“, dem guten richtigen Ort, und so kann Spiritualität
im Schatten von Tor 55 auch fortziehen vom eigenen Leben. Dann wird die
Erlösung auf dieses „Anderswo“ verschoben und man landet auf einem Weg, der
zwar das Gefühl vermittelt, schon angekommen zu sein, aber noch immer im
Schatten verhaftet ist. Ob der Mensch nun einem Lehrer/Guru folgt oder einer
Lehre, oder aber auf der Suche nach dem Seelenpartner ist, mit dem alles gut sein
wird, oder vom einem zum anderen zieht - solange der Glaube an das „Richtige“
bleibt, kann echte Freiheit nicht entstehen. Denn sie braucht kein passendes
Außen, kein Handeln, sie ist ein Erweitern in alles, was ist. Das Problem ist, dass all
die Gefühle von Liebe die Romantik im Schatten gefangen halten – denn solange
wir nach dem suchen, was uns aus dem Gefängnis der Einsamkeit befreit,

50 Vor ein paar Tagen habe ich aus Versehen den großen (altmodischen) Hand-Kaffeefilter
in meiner Küche umgestoßen, direkt nachdem ich ihn mit sprudeln kochendem Wasser
gefüllt hatte. Als sich das Kaffeemehl in meiner ganzen Küche verteilte, kam aus mir ganz
spontan nur ein “danke, danke, dass ich nichts abbekommen habe”(denn auch das Gefühl
kenne ich). Und die Dankbarkeit blieb – die ganze Zeit beim Aufwischen der Sauerei. Die
passende Sichtweise kann echt helfen.

322
übersehen wir, dass auch diese Sucht nach dem „richtigen“ Gefühl uns weiterhin
unfrei sein lässt. Chaos und Drama sind die Folge.
Die gute Nachricht: Rudd schildert die großen Entwicklungszyklen der
Menschheitsgeschichte – demzufolge wir im letzten Drittel stehen und schließt,
dass unser tief verwurzelter Wunsch nach dem Happy End des Dramas sich gerade
deshalb erfüllen wird. „Und weil es in unserer DNA steht, müssen und werden wir
Zeuge der Wiedergeburt des Garten Eden sein, wo wir auf immer und ewig in
Frieden leben werden“51. Mit dem großen Wandel, der Mutation von Tor 55 wird
das Drama enden, denn die Auf- und Abbewegung von tiefstem Leid zu höchsten
Höhen kommt zum Erliegen. Bis das geschieht, gibt es zwei
Hauptsausdrucksformen des Schattens: zum einen das Jammern darüber, dass alles
so schrecklich ist. (Ein bissl wie bei Kindern „alle sind sooo gemein zu mir“ –
natürlich in erwachsen-versteckter Form.) Damit jedoch ist der Mensch gefangen in
der Ohnmacht - „es geschieht mir und ich kann nichts ändern“ ist sein Gefühl.
Oder aber der Andere ist schuld, die Eltern, die Umstände, der Partner. Dann wird
die innere Wut nach Außen projiziert und man bleibt in der Falle des Dramas.
Vielen, die schon etwas länger auf dem Weg der Selbsterkundung und Entwicklung
unterwegs sind, ist sicher aufgefallen, dass die Dinge sich heute schneller klären
und entfalten. Ein Klientin, die schon seit über 30 Jahren Erfahrungen in
verschiedensten Therapieansätzen und Methoden gemacht hat, meinte neulich,
dass sie für den Prozess, den sie jetzt innerhalb von Stunden oder Tagen
durchlaufen und erlösen kann, sie früher Jahre gebraucht hätte. Zu anderen Zeiten
mussten die Priesterinnen tagelang fasten und Einkehr halten, bevor dann ein
Orakelsatz durch sie gesprochen werden konnte – heute sind (auch qualitativ gute)
Channelbotschaften „mal eben so“ möglich. Die Schwingung steigt. Für alle, auch
wenn nicht jeder gleich darauf reagiert. Der kommende Wandel wird noch
einschneidender: es wird zu 2027 hin, wenn der Uranus, der ja schon 1781 den
großen energetischen Wandel hin zu den 9 Zentren gebracht hat, eine völlige
Veränderung im Emotionalzentrum bzw. Solar Plexus (und dort vor allem in Tor 55)
geben. Wir transformieren unsere Emotionen. (Es gibt drei dieser großen
Zeitmarker: 1987 die harmonische Konvergenz, 2012 die melodische Resonanz und
dann 2027 die rhythmische Symphonie, die zusammen das prägende Feld schaffen
für eine neue Schwingungsebene auf der Erde - Rudd vergleicht sie mit
Schwangerschaft, Geburt und schließlich der Ernte).
Dieser Prozess ist zutiefst verwandelnd - über Tor 59, die Intimität, beginnt der
Prozess der Öffnung, unsere Herzen werden über unsere Beziehungen
aufgebrochen, der romantisch-sehnende Aspekt von Tor 55 kommt hinzu und

51 Rudd, S. 578
323
beides führt zu tiefer Erschütterung, denn alles muss geöffnet, aufgedeckt werden.
Das Verborgene kommt ans Licht – denn nur so kann Heilung geschehen. Ein
zutiefst alchemistischer Prozess, in dem wir als Menschheit letztendlich das
Opferbewusstsein transzendieren. Je mehr Menschen diese Offenheit erlangen, je
mehr wir leben, was wir lieben, desto höher schwingt die Energie und kann immer
mehr auch Anderen den Schritt in die Befreiung ermöglichen. Die ganz einfache
Wahrheit, dass die Rettung der Welt bei uns selbst beginnt, zeigt sich auch hier. Die
Hoffnung ist, wir werden endlich lernen, einfach nur zu sein.
Beziehungen haben endlich eine Chance, aufzusteigen zu einer echten Vereinigung,
einer Unio Mystica - nicht nur der Einzelne, sondern das erleuchtete Paar findet
Erfüllung. Die Wunde der Trennung der Geschlechter heilt, Sexualität wird weniger
wichtig werden, dafür rücken Kreativität und ein höheres Bewusstsein in den
Vordergrund. Der Kelch ist nicht mehr halb voll oder halb leer, wie in Tor 55 in der
Welle, sondern er fließt beständig über. Im Englischen heißt es „to fall in love“, in
Liebe fallen, doch dann werden wir in der Liebe aufsteigen.
In der höheren Schwingung werden Emotionen nicht mehr im Auf und Ab des
Dramatischen sein, sondern als Nuancen wahrnehmbar, ein
Kommunikationsmittel. Wir lernen, die Wellen zu reiten, anstatt in ihnen
unterzugehen. Ruhe, Gelassenheit, Frieden entstehen – und sie verbreiten sich.
Weltweit.
Der momentane Entgiftungsprozess, den viele Menschen erleben (die Körper
speichern u.U. Fett oder Wasser, der Salzhaushalt kann betroffen sein) dient der
Transformation der kollektiven Opferschwingung (laut Rudd ist Fett das Benzin der
Mutation – wie tröstlich). Und in der Tat beobachte ich seit Jahren, dass Viele kurz-
und mittelfristige Gewichtszunahmen auf dem Weg der inneren Heilung und
Transformation erleben. Zum einen, weil höhere Schwingungsfrequenzen über das
Wassersystem im Körper laufen - und Fett kann leicht in Wasser gespeichert
werden. Und zweitens braucht die Erweiterung, Entgiftung und Transformation ein
besonderes Maß an Schutz und Raum, und der Körper hilft, wenn es im Inneren
noch nicht verankert sein kann.
Nach dem Wandel wird Nahrung grundsätzlich weniger wichtig sein, wir werden
transparenter, unser Wahrnehmungsbewusstsein verbindet uns intensiver mit
dem Tier- und Pflanzenreich. Grundsätzlich kann man sagen: Ruhe und Frieden, das
Einfach-Sein tritt in den Vordergrund des Lebens. Der Solar Plexus hat in der Tat
eine enge Verbindung zur Sonne – ihre Energie wird in dieser sich wandelnden
Frequenz immer wichtiger für uns werden. Geld, Macht, Lohnarbeit ohne Freude –
da sehen wir schon jetzt große Veränderungen, und ich bin zuversichtlich, dass wir
in dieser neuen Energie glückliche Wege finden, in Freiheit unser Leben auf der
Erde zu genießen – endlich einmal!

324
Freiheit hat einen Preis – wie die geistige Welt einmal sagte: „Frei gehen kann nur,
wer riskiert, von allen Seiten gesehen zu werden“. Wir müssen unsere Schatten
anschauen, sie umarmen und durchlichten, um diese unsere neue Welt zu erleben.
Unsere Gene wirken – in jede Richtung – und die Ausrichtung unseres Bewusstseins
hilft bei der Transformation (vgl. auch die Arbeit von Bruce Lipton und vielen
anderen, die die Verbindung von Aufmerksamkeit und Erleben untersuchen).

Tor 56 in der Kehle, schaut zu Tor 11 im Ajna


1. Das Tor der Anregung 2. Der Wanderer 3. Anregende Geschichten und Ideen
Schaltkreis Kollektiv, Sinnfinden
Man könnte es das Geschichten-Erzähler-Tor nennen. Du kannst unglaublich gut
und lebendig erzählen, du hast eine sehr besondere Sprache. Dein Sprechen öffnet
für Verstehen. Es ist dir wichtig, dass deine Geschichten den Menschen helfen,
ihnen eine neue Richtung zeigen. Du übersetzt – echtes Leben, Gesehenes,
Gehörtes, Erlebtes - in Sprache, in kommuniziertes Verständlich-machen. Du
beziehst Fakten mit ein, aber das Besondere ist vor allem die Interpretation, das
Gefühl, das Mitschwingen. Du hast die Gabe, dem Gesprochenen die Richtung zu
geben, damit sie den gewünschten emotionalen Effekt haben.
Tor 56 ist auch das Tor des Reisenden, du gehst durch die Welt - zuhause ist, wo du
gerade bist, und so kommt immer Neues in dein Erzählen hinein. Du liebst es,
Geschichten zu erzählen, in denen es um das echte Leben geht, und so machst du
Menschen Dinge zugängig, die vielleicht nie in ihr Leben gekommen wären. Über
dich können sie dann selbst das Neue, Fremde kennenlernen, über deine
Geschichte Verständnis erlangen und den Sinn in vielem erleben. Daher erlaube
dir, all die äußeren, vielleicht aber auch inneren Reisen (dann erzählst du vielleicht
von Seelenreisen und inneren Welten) zu unternehmen, und dann mit den anderen
zu teilen – das ist dein Geschenk. Solltest du eine offene Kehle haben, warte lieber,
bis die Menschen dich fragen, denn sonst kann es zu viel werden. Ehre deine
besondere Gabe, die Fähigkeit zu haben, Menschen in Gefühle zu bringen und
ihnen neue Bereiche der Welt zu eröffnen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Falls dich gerade niemand hört – hör du dir
zu! Deine Geschichte ist kostbar, weil sie ist. Nicht nur, weil ein Anderer zuhört.
Die spirituelle Ebene:
Ablenkung ist der Name des Schattens von Tor 56 - die Suche im Außen, das
„immer mehr“ an Anregung und Ablenkung. Heute ist dieser Schatten überall in
unserer modernen Welt gegenwärtig - der ständige Griff zum Handy, Telefon,

325
Kühlschrank überdeckt effektiv, dass es oft an innerem Frieden und Ruhe fehlt.
Ständige Reizüberflutung verhindert die Auseinandersetzung mit sich selbst und die
Bezugnahme auf die Welt. Oder aber der Mensch lebt das völlige Gegenteil, zieht
sich vom Außen in sein Innen zurück und lebt in einer Fantasiewelt. Sieht nur noch,
was er sehen will. Die Lebendigkeit, der aktive Austausch mit der Welt ist verloren.
Auf der höheren Schwingungsebene der Gabe wird die wahre Kraft in Tor 56
deutlich – anstelle von Ablenkung zeigt sich eine Bereicherung. Dann sind wir in der
Lage, wirklich gut für uns zu sorgen, entscheiden zu können, was gerade „dran“ ist
und was nicht. Wir sind nicht mehr Opfer unserer Sinne, sondern lernen, das
wirklich Beste aus unserem Leben zu machen. Zu der Gabe gehört, dass auf eine
fast alchemistische Weise Menschen mit diesem Tor auch negative, niedrig
schwingende Energien aufnehmen und zu etwas ganz Anderem, Höheren wandeln
können. So wie der Vorschlag von Gunter Schmidt, Probleme doch lieber als
Projekte zu bezeichnen – schon fühlt es sich ganz anders an. Wenn sich diese
Frequenz in einem Menschen öffnet, beginnt er oft zu meditieren, seine höheren
Sinne zu entdecken. Und gleichzeitig lernt er, die Sinne auszubalancieren, eine
gesunde Form für sich zu finden – was ihn wiederum zu einem Vorbild für andere
werden lässt. Diese Menschen bekommen einen Blick für die Wunder dieser Welt,
für den Genuss, sie wirklich zu kosten und ihre Schönheit zu sehen. Diese Wunder
teilen sie dann mit den anderen, über die Gabe des inspirierten und inspirierenden
Sprechens öffnen sie die Ohren und Herzen ihrer Zuhörer.
In der höchsten Schwingungsebene spricht Rudd von der Trunkenheit, in der Siddhi
von Tor 56 finden sich die Mythen aller hedonistischen Gottheiten, die die
Geheimnisse, Freuden, und Genüsse der Materie kannten und priesen. „Es geht
um göttlichen Genuss, so Rudd, um die Fülle und Reinheit all dessen, was möglich
ist. So wie im Schatten die Sucht Dingen wie dem Handy, dem Bildschirm, Drogen
oder Alkohol galt, so wandelt sie sich hier in die Trunkenheit der Liebe, die in
übervoller Ekstase ihre Liebe teilt. Vgl. hier die Poesie der Sufis, z.B. Khalil Gibran
“Von der Liebe”. Solche von Siddhi 56 Erleuchtete sind überschäumendes Leben,
direkt aus dem Herzen des Göttlichen. Wenn diese Siddhi als Möglichkeit in einem
Menschen angelegt ist, wird das Thema der Liebe und auch des Leidens, der
Annahme des Leidens, sicher Teil der Lebenserfahrung sein. Dann geht es darum,
sich von ihr, wie Gibran schreibt „sieben und mahlen zu lassen – um ein Teil vom
Herzen des Lebens zu werden, und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen.“
Sicher kein leichter Weg!

Tor 57 in der Milz, schaut zu Tor 20 in der Kehle, Tor 10 im Selbst, Tor 34 im Sakral
1. Das Tor der intuitiven Einsicht 2. Das Sanfte 3. Intuitives Bewusstsein, Klarheit,
Präsenz Schaltkreis Individuell Wissen / Integration
326
Deine Wahrheit zeigt sich. Jetzt. Tor 57 hat sehr viel mit dem Thema der Intuition
zu tun, es fühlt, was für dich gerade jetzt stimmig ist. Und es geht um die
Verbindung zu Spirit, zum Göttlichen – und dem Geführtsein durch diese innere
Stimme. Es ist ein sanftes Tor, Dissonanzen tun dir weh. Es geht um Stimmigkeit.
Die 57 ist mit der Fähigkeit des Hellhörens verbunden, als würde – ganz leise, wie
ein Hauch – von der rechten Seite des Kopfes eine Stimme kommen, die zu dir
spricht. Eine sanfte und doch sehr klare Energie für das, was gerade jetzt richtig
und stimmig für dich ist – oder eben nicht. Die Stimme der Milz ist leise, und sie
spricht nur einmal. Das kann es schwierig machen, gerade, wenn es in deinem
Chart viele Motorzentren gibt, denn wie ein Motor draußen im Auto können diese
sehr laut sein und dann hat diese leise Stimme keine Chance, gehört und beachtet
zu sein. Jeder mit Tor 57 kennt dieses „hätte ich doch, wäre ich doch”... Oder “ich
hab es doch vorher genau gewusst“. Ja, haben wir. Aber nicht drauf gehört. Zum
Beispiel in dem Impuls, jemandem nicht die Hand zu geben, ihn (an diesem Tag
vielleicht nur) nicht zur Begrüßung zu umarmen, diesen einen Smoothie, den die
Freundin extra gemacht hat, dennoch nicht zu trinken – Impulse deines
Überlebensnavigators Milz. Richtig für dich – aber du wirst meist gar nicht wissen,
warum. Und potentiell sehr unhöflich in herkömmlichen Verhaltensnormen.
Oder eine andere kleine eigene Geschichte der Intuition: Ich war bei Freunden und
fuhr abends zurück nach Hause. Es gab zwei Wege, beide gleich lang. Meine
Intuition wollte mich links leiten. Aber mein Denken entschied: “nee, ich fahre
rechts, da bin ich länger nicht gefahren”. Als dann der freundliche Beamte mit der
Kelle winkte, war direkt klar, besser wäre ich meiner Intuition gefolgt, denn ohne
meine Fahrzeugpapiere zahlte ich nun 20 D-Mark Strafe. Lachend. (Was mir fast
noch einen Alkoholtest eingebracht hätte, da so viel Vergnügt-sein die Beamten
misstrauisch machte). Oder eine Klientin, die glücklich berichtete, sie habe ihrer
Intuition folgend im Elbtunnel scheinbar grundlos die Spur gewechselt – locker
durchgekommen erfuhr sie hinterher, dass ihre ursprüngliche Spur drei Stunden
Stau hatte. Aber es spricht halt leise, das Tor 57.
Deshalb ist das Echt-sein so wichtig, und auch die Erlaubnis zu finden, sich selbst
folgen zu dürfen. Denn solange unsere Konditionierungen und Verhaltensregeln
alles bestimmen, kann uns Tor 57 nicht führen. Wenn ich zum Beispiel auf
meinem Nicht-Selbst im offenen Sakral aus Tor 29 zu allem Ja sage, hat die
Intuition, wenn sie ein Nein fühlt, keine Chance. Wenn ich beweisen will, wie
wertvoll ich bin und mich ständig überanstrenge - wie kann Tor 57 mich dann
führen? Und wenn ich liebenswert sein muss, aber merke, ich mag Herrn Müller
nicht die Hand geben…tja, Pech. Wenn man jedoch bereit ist, dieser Stimme im
Jetzt zu folgen, wird sie lauter; entpuppt sich als eine innere Navigation, die dich
unbeirrbar und dir gemäß führen kann.

327
Wie hilfreich diese Intuition sein kann, zeigt eine weitere Geschichte aus meinem
Leben (57 ist mein Sonnentor): Als mein Sohn gerade 2 Jahre alt war, fuhren mein
Mann und ich mit ihm zum Zelten nach Frankreich. Ein wunderbarer Ort, wir waren
schon viele Male dort gewesen und hatten immer sehr nette Nachbarn gehabt.
Dieses Mal aber tauchte mitten im Urlaub im Wohnwagen neben unserem Zelt ein
Mann auf, den ich spontan absolut unangenehm fand – sowas passiert mir sehr
sehr selten. Er hat nichts gemacht, aber irgendwas an ihm war seltsam. Er suchte
immer wieder Kontakt, sprach mich an, wenn ich mit unserem Sohn spielte, wollte
dessen Aufmerksamkeit erregen. Ich folgte meinem Impuls, war sehr kühl, für
meine Verhältnisse unfreundlich, und ging auf Distanz. Wann immer er in die Nähe
von unserem spielenden Kind kam, holte ich meinen Sohn sofort dort weg. Ich
sprach darüber auch mit meinem Mann, aber weiter dachten wir uns nichts dabei.
Dann kam eines Abends ein Alarm, ein kleines Mädchen war verschwunden. Mein
Mann ging mit suchen, alle verbrachten die Nacht in den Dünen. Es stellte sich
heraus, dass die Kleine ermordet worden war, weggelockt von den Eltern unter
dem Versprechen, Brombeeren für sie zu sammeln. Und erst ein paar Tage später
erfuhren wir, dass der Mann im Wohnwagen neben uns der Mörder war. Er hatte
schon in Deutschland zwei Morde begangen und konnte in Frankreich nun
verhaftet werden.
Tor 57 ist extrem geräusch-sensitiv, und das geht in beide Richtungen – du kannst
vielleicht Spirit hören, aber genauso wird dich eine unpassende Musik
wahrscheinlich wahnsinnig machen, der Nachbar, der mit dem Schlüssel klimpert
oder der Hund, der bellt. Ehre deine Gaben! Und ein paar Ohropax in der Tasche
können Leben retten. Die geistige Welt hat mir mal gesagt, all diese Hellsinne seien
wie der ESD Bereich – diese extrem leistungsfähigen Computerchips. In diesen
Bereich darf man nicht mit Straßenkleidung und Butterbrot gehen, die Bauteile
sind empfindlich – und unendlich leistungsstark. Das hat mir geholfen, meine
vermeintliche Empfindlichkeit zu ehren als das, was sie ist: empfindsam und
sensitiv.
Menschen mit diesem Tor haben oft einen Drang, zu verwirklichen, was sie sein
könnten, und die Angst, dass man es nicht schafft, dass man nicht der Mensch
wird, der man sein möchte, zu leben was man leben möchte. Die Milz ist eben das
Zentrum der Ängste, und so ist die Frage immer: lasse ich die Angst nach vorne,
stelle immer wieder alles in Frage und grabe mir selbst das Wasser ab, oder folge
ich meiner Intuition und habe ein immer besser werdendes Navigationsgerät?
Denn dann, im Jetzt, gibt es keinen Grund zur Angst.
Die besondere Wahrnehmung ist immer da. Wenn es aber keine Verbindung zu Tor
20 in der Kehle gibt, kann es dazu kommen, dass du dich ständig selbst in Frage
stellst. Doch es geht um das Präsent-sein im Augenblick und nicht in der Angst, was
morgen sein könnte. Der Intuition und ihrem Ausdruck jetzt zu vertrauen. Dann bist
328
du völlig klar, blitzschnell, kein Gestern, kein Morgen. Nur deine Intuition. Du hast
die Gabe, zu improvisieren, dir fällt immer das Richtige ein, wenn du spontan bist.
Tor 57 kann auch eine mediale Gabe haben, einen Zugang zu anderen Ebenen der
Wirklichkeit, es ist das Spirit-Tor und ein Tor zu Spirit, der Geistigen Welt. All dies
passt natürlich zu der spirituellen Erkenntnis, dass es eben nur unser Jetzt wirklich
gibt. Wer da mehr lesen mag: Eckhard Tolle hat nicht nur sein Buch so benannt, es
ist auch wirk-lich eine Hilfe, das Jetzt mehr zu spüren.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Vertrau dir!!! Deine Wahrnehmung darf dein
Kompass sein. Und die anderen dürfen tun, was sie wollen – in ihrem Leben. Und
je nach Bedarf: Lies etwas über das Thema „Authentizität“, stell dich im Gefühl
hinter dich und lege dir die Hände auf die Schultern, flüstere in dein rechtes Ohr:
du darfst sein, wie du bist, vertrau dir und dem Leben.
Die spirituelle Ebene
Das Thema des Schattens in Tor 57 - die Angst vor dem, was kommen könnte - ist
genetisch in uns abgespeichert. Eine Schwingung, die in allen Menschen mit ihrer
akustischen Kraft wirkt, quasi omnipräsent, wie ein dauerhaftes Unbehagen. Schon
während der Zeugung und der ganzen Zeit im Mutterleib empfängt Tor 57 die
Ängste der Eltern, besonders der Mutter und diese werden dann während der
ersten 21 Lebensjahre fest in der DNA verankert. Unser Denken tut meist das seine,
sie noch zu verstärken. Die Anspannung aus Tor 51 und die Angst aus der 57
machen im Schatten eine Mischung , die uns fürchten lässt, was der Wind mit sich
bringt (Wind ist der Name von Hexagramm 57 und macht deutlich, dass es ja alles
durchdringt). Letztendlich haben all unsere Krankheiten ihre Wurzel in der Prägung
des 57. Tores.
Diese Schattenfrequenz kann sich einerseits in großem Zögern äußern, wenn die
Intuition, das klare Wissen im Jetzt, nicht gehört werden darf, weil der Mensch sich
auf sein Denken verlässt. Doch hier kann keine echte Führung gespürt werden, der
Mensch wird unsicher und lässt sich von seinem Sorgen-Karussel gefangen
nehmen. Die andere Auswirkung des Schattens wirkt ungestüm, dann prescht der
Mensch unüberlegt nach vorne, die Angst wird nicht transformiert, sondern
ignoriert, was zu viel Unruhe und unstimmigen Entscheidungen führen kann.
Weil kein anderer Genschlüssel so entscheidend mit unserer körperlichen Prägung
verbunden ist und gerade die Zeit der Schwangerschaft das Kind vollständig mit der
Frequenz der Mutter füllt, ist es enorm wichtig, unser Augenmerk auf diese
Konditionierung zu legen und sie zu wandeln. Unsere Intuition hat ja die Aufgabe,
uns natur-gemäß zu leiten, Rudd spricht von unserem inneren „Audiokanal, durch
den die Gesamtheit des Seins, mit ihren zahllosen Bestandteilen kommuniziert und

329
sie koordiniert.“52. Diese Seite der Waage braucht es dringend, um die eher
männliche Seite des Verstandes auszugleichen, damit wir in vertrauensvoller
Übereinstimmung mit dem Leben sein können.
Indem wir wieder lernen, auf unsere Intuition zu hören, steigt die Schwingung, und
so gelangen wir zu dem Punkt, an dem die Angst nicht mehr in uns ist, sondern
eher wahrnehmbar wird als Schwingungsfeld, das wir spüren und mit dem wir
umgehen können. Vergleichbar mit dem „Schmerzkörper“ , von dem Eckhart Tolle
spricht, einem kollektiven Speicher, in dem wir unbewusst oft landen, der aber, je
bewusster wir werden, transformiert und losgelassen werden kann.
Auf der höchsten Frequenzstufe wird die Kraft von Tor 57 zur alles umfassenden,
durchdringenden Klarheit. Die Wahrnehmung des Menschen dehnt sich über das
Jetzt hinweg aus, führt zu einem Ahnen und Wissen, was kommt – und dann auch
darüber hinaus wieder in ein ungetrenntes Sein, wo es nur völlig zeitloses Jetzt
gibt, frei von Angst, weil es nichts zu befürchten gibt.
In ihrem Wirken bleibt die 57 auch dem Körper verbunden, denn hier liegt die
Heilung. In ihrer sanftmütigen Kraft wandelt die Schwingung unsere DNA. „Klarheit
ist die Erkenntnis, dass alles in Sanftheit miteinander verbunden ist“53.
“Stimmgabel Gottes” nennt er solche Menschen, denn in ihrer Gegenwart erhebt
ihre Sanftheit auch die Anderen. Und wenn es uns allen jetzt schon gelingt, immer
öfter die Sanftmut allem Leben gegenüber zu fühlen, zu praktizieren, zu leben –
dann „steht der Wind günstig“, dass immer mehr der 57. Gabe in unser Erleben
kommt.

Tor 58 in der Wurzel, schaut zu Tor 18 in der Milz


1. Das Tor der Lebensfreude 2. Das Heitere 3. Lebensfreude und Verbesserung
Schaltkreis Kollektiv, Verstehen
In diesem Tor streckt der Antrieb und Impuls, Freude zu ermöglichen. Und da ich ja
gern mit den Ressourcen eines Tores beginne: du hast in dir die Fähigkeit, innigste
Lebensfreude auszustrahlen, eine Begeisterung für das Leben, die ansteckend
wirkt. Ähnlich wie man sich einfach mitfreut, wenn man ein glückliches Baby sieht.
Menschen mit Tor 58 können einfach wunderbar ihre Begeisterung teilen, sie
können das Buffet des Lebens sehen und genießen.

52 Rudd, S. 618-9
53 Rudd S. 622
330
Aber: da du so genau sehen kannst, wie schön es sein könnte, hast du einen sehr
klaren Blick für all das, was dem im Wege steht. Es gibt einen echten Druck, zu
sehen, was verbessert oder verändert werden müsste, damit es dann gut ist.
Leicht nachzuvollziehen, dass dies in Beziehungen nicht so hilfreich oder
willkommen ist. Hier ist das Befolgen deiner Strategie und Autorität sehr wichtig –
warte auf den passenden Augenblick, in dem deine Wahrnehmung gehört werden
will und kann. Wenn du dem folgst, entsteht Freude an dir selbst und ein Gefühl
der Dankbarkeit. Du kannst anderen den Weg zur Freude aufzeigen, es braucht nur
das passende Timing und die Einladung dazu.
Menschen mit Tor 58 neigen dazu, dem anderen zu sagen: „Wenn du nicht so
griesgrämig, unordentlich, unpünktlich…xyz wärest, dann wäre es schön“. Ra selbst
gab das Beispiel zu diesem Tor: Stell dir vor, du hast mit ganz vielen Putzfrauen
gemeinsam dein Wohnzimmer gereinigt. Wenn jemand mit Tor 58 reinkommt, wird
er dir sofort sagen, wo es noch schmutzig ist. Er meint das ja nicht böse, sondern
im Gegenteil – Hilfe zur Korrektur! Aber es kommt nicht wirklich gut an. Eine
Klientin mit diesem Tor, der ich empfohlen habe, ihren Verbesserungsblick mal
nicht in der Beziehung anzuwenden, rief nach drei Wochen wieder an, um mir zu
erzählen, dass es jetzt wieder prima läuft mit ihrem Freund. Und letzte Woche
erzählte eine Klientin, deren Tochter dieses Tor hat, dass die Kleine im Alter von
vier Jahren schon das Gesicht der Mutter im Kindergarten gemustert habe und mit
Fingerzeig auf die Augen meinte: „Mama, Falten“. Tja. Immerhin weiß die Mama
nun, wie es um sie steht. Mit 38!
Potentiell ist dieser Blick wunderbar und hilfreich, aber: es ist eine kollektive
Fähigkeit. Sie darf der Allgemeinheit zu Gute kommen, in Beziehungen hat sie
nichts zu suchen. Ein Klient mit diesem Tor nutzt seine Gaben, indem er in
Gebäuden prüft, ob auch alle Sicherheitsbestimmungen erfüllt werden, ob die
Notausgänge frei sind. Auch sehr nützlich ist es z.B. in der Medizinforschung, wo
neue Medikamente auf Nebenwirkungen überprüft werden müssen. Das kann Tor
58 wunderbar. Man muss es haben wollen. Und wir leben halt auf einem dualen
Planeten, Perfektion gibt es - wenn überhaupt - nur kurz und so ist es nützlich, die
Aufmerksamkeit immer wieder auf das Positive zu lenken. Dieses Tor will Freude
leben und weitergeben. Wenn es das Gefühl hat, nichts bewirken zu können,
kommt Bitterkeit. Doch eines ist sicher – ein Mensch mit diesem Tor bleibt nie
stehen, denn Freude ist hier kein Gefühl, das da ist oder nicht, sie ist ein Antrieb,
Verbesserung zu bewirken; sie bewegt den Menschen zum Besseren hin – ein
Leben lang. Und noch eine Gabe: wenn du das für dich Richtige gefunden hast,
kannst du dabei bleiben und es immer weiter perfektionieren.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Du willst behilflich sein? Ehre dich dafür!!!
Sieh deine gute Absicht. Und ganz behutsam, dich vor dir verbeugend, wechsel

331
den Blick auf den Anderen, dass der vielleicht gerade nicht bereit ist, etwas über
sich zu hören, dass er das Recht hat, die Dinge auf seine Weise zu tun und zu
sehen, dass sein Fokus vielleicht ganz woanders liegt. Entspanne dich, atme
Frieden ein und aus. In diesem Tor liegt die Gabe, einfach so, aus dir heraus, ohne
jeden äußeren Grund zutiefst glücklich zu sein.
Die spirituelle Ebene
Die Kraft der Lebensenergie in Tor 58 ist so stark, dass sie alle Frequenzen
gleichermaßen durchdringt, sogar die Einteilung in Schatten, Gabe und Siddhi
sprengt, denn das Leben drängt uns immer weiter, wie schon Hesse schreibt in
seinem Gedicht Stufen.
Im Bild des I Ging wird Tor 58 mit dem See dargestellt, und so ist die eigentliche,
wahre Natur dieser Energie ein friedliches Bild. Im Schatten geht diese Verbindung
zu unserer wahren Natur verloren. In einem Gefühl der Unzufriedenheit glauben
wir, dass unser Verstand nur genau genug herausfinden muss, was verbessert
werden müsste, damit es gut wird. Darin liegt jedoch der Haken, denn über das
Denken kann dieser Weg nicht gefunden werden. Eine ganze Industrie lebt davon,
uns zu verkaufen, was vermeintlich Freude bringen soll. Wenn ich nur die neue
Einbauküche, das neue Auto, das tolle Outfit, einen anderen Job, ein besseres
Haus, einen Partner hätte, wäre ich glücklich. Natürlich funktioniert das so nicht,
und hierin liegt ein großer Dienst des Schattens von Tor 58. Die Glückssuche –
befeuert durch die Wurzelmotorkraft – lässt den Menschen nicht in eine (falsche)
Ruhe kommen, er sucht im Außen, oder bei den anderen, findet dort nichts, sucht
dann im Inneren, bei sich selbst nach Verbesserung, glaubt mal an die eine
Heilslehre oder den Lehrer, dann die andere, nur um am Ende zu der Erkenntnis zu
gelangen, dass es nicht und durch nichts „gemacht“ werden kann.
Dieser Schatten „erschöpft dich, bis du in die Knie gehst“ 54 - doch dies ist ein wohl-
wollender, dienlicher Prozess, denn über das Aufgeben der Anstrengung und Suche
wird die wahre Natur – des ruhigen Sees – der die ganze Zeit über da war, wieder
fühlbar. Und wenn die Anstrengung abfällt, wird die Gabe sichtbar: Lebensfreude.
Auf diesem Weg durch die Schattenfrequenz gibt es nichts, das den Prozess
aufhalten kann – denn die Unzufriedenheit drängt uns immer weiter, bis wir
schließlich loslassen, den Fluss des Lebens einfach fließen lassen. Dann erleben wir
die höhere Frequenz der Lebensfreude.
Indem wir annehmen, dass wir nichts optimieren, nichts tun müssen und können,
um Erfüllung zu finden, indem der Verstand aufgeben muss, kommt eine positive

54 Rudd S. 625
332
Rückkoppelung mit unseren Zellen, mit der DNS in Gang. Das, was vorher nach
draußen gewandt war, implodiert und befreit den ganzen Mechanismus. Leben
ohne Widerstände nennt es Rudd. Dann bist du einfach so, wie du bist - und das
Leben darf sich so, wie es einzigartig durch dich leuchtet, ausdrücken. Freude steigt
auf, du bist glücklich, einfach so.
Dann wird der Mensch wie die gefüllte Schale (Bild Bernhard von Clairvaux -
geben, wenn man selbst gefüllt ist), dann wird unser ganz individueller Dienst in
der Welt ein Ausdruck unseres lebendigen Fülle-Seins. Menschen mit dieser Gabe
bringen alleine schon durch ihre Anwesenheit andere „in Fluss“, in eine höhere
Ebene der Lebendigkeit. Paulo Coelho beschreibt diesen Suche-Prozess, getrieben
aus der Unzufriedenheit in die Welt hinein, um die Welt herum bis wieder zurück
auf die Bank des Anfangs - wo der Schatz verborgen war, die ganze Zeit (Der
Alchemist). Es gibt viele Gleichnisse, in denen es immer wieder darum geht, dass
das Kostbarste in uns selbst verborgen ist, weil wir da erst nach langem Suchen
nachschauen. Und nur dann sind wir der Mensch, der den Schatz auch bergen
kann. Tor 58 kann wirklich vermitteln, dass die Freude des Einzelnen auch die
Freude Aller ist, wenn sie - auf der kollektiven Ebene des Tores – das große Ganze,
das Kollektiv unserer Welt erfüllen wird.
Auf der höchsten Schwingungsebene bringt Tor 58 wahrlich Glückseligkeit. Die
Anhaftungen an eine getrennte Existenz lösen sich auf, die Erleuchtung in der
Frequenz dieses Tores ist ein Loslassen in die wahre Natur des Friedens hinein – in
das Bild des stillen Sees, in das reine Bewusstsein. Dann flutet diese innerste
Klarheit das ganze Wesen des Menschen und nimmt alle Grenzen und Anhaftungen
mit fort. Wir haben immer wieder Vorstellungen von Erleuchtung, oder auch wie
Glückseligkeit aussehen oder sich anfühlen soll. Doch auch diese werden, bzw.
müssen, transzendiert werden, es gibt eben nichts, was das beschreiben kann, das
doch alles ist. Und da Erleuchung – egal mit welcher Technik – nicht erreicht, nicht
gemacht werden kann: enjoy the ride – genieße einfach die Reise. Je mehr
Lebensfreude wir dabei empfinden, desto näher sind wir an den Möglichkeiten in
Tor 58.

Tor 59 im Sakral, schaut zu Tor 6 im Solar Plexus,


1. Das Tor der Sexualität 2. Die Auflösung 3. Intimität und Fruchtbarkeit
Schaltkreis Stamm, Schützen
Ein Tor der Fruchtbarkeit und Intimität. Und es bringt eine ganz besondere
Ausstrahlung – es öffnet die Aura der Menschen für das Thema „fruchtbare
Verbindung“, für Intimität. Nicht nur in der Sexualität, auch in der Kreativität, der
Nähe. Natürlich ist es – wie alle Tor-Themen – in der Dualität zu sehen, aber der
333
entscheidende Teil ist, dass diese Intimität auf jeden Fall ein Thema in deinem
Leben sein wird, und sich auf deine Kontakte mit anderen auswirkt. Es ist eine
Energie, die einfach wirkt. Ohne, dass du etwas tust oder sagst. Sie wirkt durch dein
Energiefeld. Egal, womit du gerade beschäftigt bist, es hat nichts mit dem Willen
oder Gedanken oder Gefühlen zu tun, es ist eine Mechanik. Und nicht jeder kann
oder mag mit ihr umgehen, und so kann es sein, dass dich Menschen ablehnen –
ohne dich zu kennen! Es ist nichts Persönliches, es ist einfach diese Aura öffnende
Kraft, die in manchen ein Gefühl macht, dass sie nicht haben wollen. Du als Mensch
hast damit nichts zu tun, es ist mechanisch! Und wirkt immer, auch wenn du
gerade vielleicht ganz „woanders“ bist. Es drückt beim anderen auf seinen
(verletzten) Knopf – und je nachdem, welche Themen er dort hat, reagiert er dann.
Auf der anderen Seite kann es aber auch dazu kommen, dass sich alle möglichen
Menschen ganz besonders von dieser Energie angezogen fühlen – dann geht es
darum zu schauen, was Du willst und welche Verhaltensweise für dich stimmig ist –
denn Tor 59 ist ein Rollentor. Hier zeigt sich durch die Linie, wie es zu der für dich
richtigen Intimität kommt. Mit einer vierten Linie zum Beispiel – also 59.4 – geht es
um Freundschaft und Vertrautheit; du wirst also erst eine freundschaftliche
Beziehung aufbauen, bevor es zur Intimität kommt. Ein One-Night-Stand kommt
eher für die Linie 6 in Frage, und die scheue Zwei ist gleichzeitig ein Naturtalent,
wenn sie ihrer Autorität und Strategie folgt. (Mehr dazu unter “Rollentore”).
Die Energie des Tores wirkt wie ein Imperativ – Verbindung! Es ist auch eine
intensive Kraft für Arbeit und Kreativität – immer mit Emotionen verbunden, die 59
sucht Seelenverwandschaft, in Innigkeit, Intimität. Hier ist die Gabe, wahre
Verbundenheit mit Allem zu spüren. Es geht darum, als ganzes Wesen von dieser
Verbindung ergriffen zu sein.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Das singt schon Whitney Houston: The
greatest love of all… is learning to love yourself (die größte Liebe von allen ist zu
lernen, dich selbst zu lieben). Sei dir nah, nimm dich wichtig, liebe deine Liebe.
Und wage es, mit und in der Welt zu sein, in der Erfahrung. Ohne dass es ein Urteil
gibt.
Die spirituelle Ebene
Die Schattenebene von Tor 59 ist die Angst vor dem Unbekannten im Anderen, die
wiederum eine Spannung und Reibung erzeugt - und Unehrlichkeit. Das kann dazu
führen, dass der Mensch sich ausgeschlossen fühlt, als wäre die Welt nicht passend
für ihn - und so verbannt er sich selbst, schließt sich mit seinen
Abwehrmechanismen ein und versucht so, Kontrolle über sein emotionales Umfeld
zu haben. Tragisch, denn es hält im Opfersein gefangen. Oder aber der Mensch
geht aggressiv nach vorne, drängt sich anderen auf und leidet dann, wenn er

334
Zurückweisung erfährt. Doch ob nun Opfer oder vermeintliche Dominanz, beides
trennt von wahrer Intimität und hält in der Angst vor Kontrollverlust gefangen.
Die Gabe von Tor 59: wenn der Mensch den Mut gefunden hat, seinen inneren
Dämonen zu begegnen und sich ehrlich seinen Schatten zu stellen, beginnt die
innere Reinigung. Dann stellen wir uns den inneren Ängsten, dem Verbotenen,
Verborgenen, und wahre Intimität wird möglich. So wie die menschliche
Sexualkraft in vielen Traditionen genutzt wurde, um – quasi alchemistisch – höhere
spirituelle Zustände zu erreichen, bringt die Gabe der Intimität eine sehr klare und
konkrete Grundbedingung ins Feld: bedingungslose Ehrlichkeit, Echtheit, Annahme
von Allem, auch des Schattens. Ein Balanceakt: so wie ein Laser heilen und auch
vernichten kann, liegt in der Sexualität die Quelle für beides - größte Kreativität,
das Lebenspendende genauso wie für Vernichtung und Destruktivität. Sie bewegt
sich spiralförmig, folgt den in allem Leben herrschenden Gesetzen der fraktalen
Geometrie. Wenn nun zwei Menschen zusammenkommen, kann auf der Ebene der
Gabe der Intimität echte Verbindung entstehen. Dann formt sich eine dritte Aura,
alchemistisch, und das Herzzentrum öffnet sich – meist in einem chaotischen, alles
Alte vernichtenden Prozess, der dann zu einer völlig neuen Ebene führt. Den
chaotischen Teil, der unsere Sexualität in alle möglichen Ausdrucksformen bringt,
erleben wir kollektiv zur Zeit auf der Erde – und die Ebene der Siddhi wird wohl
noch eine Weile auf sich warten lassen.
Aber wenn die höchste Schwingungsebene von Tor 59 erreicht ist, wird alles
transparent. Rudd schreibt „Transparenz ist das, was übrigbleibt, wenn die
Evolution bedeutungslos wird“55. Dann gibt es keine Absicht mehr, kein Woher
oder Wohin, und die Grenzen, die unserer Vereinigung im Wege stehen, sind
aufgelöst. In der Transparenz gibt es keine „Anderen“ mehr; Innen und Außen sind
ungetrennt. So heißt es im Herzsutra Gate, gate, paragate, parasamgate, bodhi,
svaha! Gegangen, gegangen, hinübergegangen, vollends darüber hinausgegangen,
Erwachen - leuchte auf“. Transparenz macht viel Sinn – wenn wir uns einen
Moment lang vorstellen, Gott ist nicht oben im Himmel, sondern in uns. Denn dann
können wir ihn in uns selbst und in allem sehen. Namaste!

Tor 60 in der Wurzel, schaut zu Tor 3 im Sakral


1. Das Tor des Akzeptierens 2. Die Beschränkung 3. Anerkennen was ist / Basis für
Wandel Schaltkreis individuell, Wissen

55 Ebd. S. 639
335
Erfüllung. Annehmen was ist. Daraus kommt die Kraft, darüber hinauszugehen.
Du bist wahrscheinlich ein pragmatischer Mensch – nach dem Satz: wenn das
Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus. Diese Begegnung mit Begrenzung
und scheinbarer Stagnation; Zeiten, in denen sich trotz dem intensiven Wunsch
nach Veränderung nichts bewegt, gehören einfach zu deinem Leben - daher wirst
du höchstwahrscheinlich irgendwann darin Weisheit entwickeln. Das hat etwas
Zen-haftes, nimmst du das Hindernis vollständig an, löst es sich auf.
Achte darauf, dass du dich nicht im Widerstand verlierst oder im Kampf gegen das,
was ist, oder weil du nicht weißt, wie es geschehen wird, sondern dein Vertrauen
stärkst, dass deine Manifestation zum rechten Zeitpunkt geschehen wird. Für dich
geschieht Veränderung (wenn die denn geschieht) beinahe schlagartig, wie ein
Vulkanausbruch, plötzlich ist alles anders. Beziehung, Job, Wohnung, alles neu.
Wenn gerade nichts passiert, kann ein Gefühl der Unruhe oder
Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression entstehen – denn du kannst nicht
machen, dass es anders wird. Doch darin liegt die besondere Kraft von Tor 60. So
wie man im Winter nichts von der Blume sieht – und sie dann, im passenden
Moment des Frühlings, aus der Erde hervorbricht. Es braucht Vertrauen. Der Schub
kommt. Vertrauen ist das große Thema in Tor 60.
Der Wunsch nach Veränderung in dir ist groß, übe aber gleichzeitig anzunehmen,
dass du es nicht bewirken kannst – lenke die Aufmerksamkeit weg vom Ringen und
Anders-haben-wollen, dann kann das Neue entstehen. Wenn es dann passiert,
wenn diese Kraft frei und der Wachstumsschub initiiert wird, ist es immer hilfreich,
andere zu informieren, denn die Druckkraft der Wurzel wirkt auf die Menschen in
deiner Umgebung, die dann nicht verstehen, worauf sie reagieren. Und als Tipp
zum in dich schauen: wir alle leben mit unzähligen Begrenzungen - sie sind normal,
so wie die Wände deines Wohnzimmers. Nur wenn wir dagegen anrennen wollen,
werden sie ein Problem. Es mag helfen zu prüfen, wo du so gegen eine Grenze in
dir ankämpfst; wenn du eine neue Haltung finden kannst, löst sich das Problem.
Osho hat eine Geschichte geschrieben, in der ein solches Vertrauen und die
Weisheit des rechten Zeitpunkts Thema sind: „Mojud, der Mann mit dem
unerklärlichen Leben“. Fazit dieser bemerkenswerten Sufi-Geschichte ist: Wir
bekommen alles was wir brauchen, zum rechten Zeitpunkt. Schmerzen kommen,
weil wir immer meinen zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist. Eine Geschichte
dazu: Gregg Braden reiste in Tibet und Nepal in die entlegensten Bergklöster. Eines
Tages kam er – nach einer wilden Kletterpartie - zu einem weisen alten Mönch, der
in einem Bergkloster in einer Höhle lebte. Der alte Mann hatte schwere Arthrose –
und Braden meinte besorgt, dann könne er ja die Berghöhle und das Kloster gar
nicht mehr verlassen, worauf der Alte strahlend erwiderte: “Ja, ist das nicht
fantastisch” ? Annahme dessen was ist...
336
Und wenn es grad mal schwierig ist: schau nach Innen, öffne dich für dieses
riesige Universum in dir, in dem alles ist. Atme. Wisse, dass es sich wandeln wird.
Erst in dir, dann in deiner Welt.
Die spirituelle Ebene
Im Schatten wird die Energie von Tor 60 als Beschränkung erlebt. Bindende und
oftmals die Lebendigkeit unterdrückende Gesetze und in ihrer Rigidität erstickende
Strukturen sind ein Ausdruck dieser Energie, genauso wie einschränkende
Überzeugungen, aus der Vergangenheit stammende Vorgaben. Moralisch religiöse
Zwänge und Dogmen. Die Vorstellung vom Wunder des Universums, der Magie des
Lebens und seiner vielfältigen, unplanbaren Möglichkeiten ist hier fremd. Diese
beschränkende Kraft kann sich einerseits in einem Leben nach starren Vorgaben
und Plänen zeigen, welche die innere Haltlosigkeit und Angst überdecken sollen,
oder aber in extremer innerer Sturheit und Starrheit, die alles „andere“ ablehnt
und bekämpft.
Wenn die Schwingung sich erhöht, kommt die inneliegende Kraft von Tor 60 zur
Wirkung – die Kenntnis von Strukturen und Beschränkungen wird zur Gabe des
Realismus. Dann kommt die Weisheit zum Einsatz, Veränderung in
Übereinstimmung mit den Gegebenheiten durchzuführen. Man könnte auch von
gesundem Menschenverstand sprechen, einem Gefühl für Möglichkeiten und ihre
Durchführbarkeit. So entstehen gesunde Räume der Erneuerung. Gerade durch den
Rahmen einer realistischen Haltung kann echte Magie überhaupt wirksam werden.
Besonders die Sprache ist ein wichtiges Transportmittel für die Frequenz der Gabe,
denn Tor 60 ist zutiefst akustisch (wie überhaupt der individuelle Schaltkreis), und
letztendlich ist ja das gesamte Universum Klang, Schwingung. Indem ein Mensch
mit dieser Gabe das menschliche Leben annimmt, so wie es auf der Erde mit all
seinen Beschränkungen und Notwendigkeiten ist – ohne sich davon gefangen
nehmen zu lassen – entsteht der Raum für Transzendenz. Magisch. Die Begrenzung
annehmend und dennoch nicht gefangen von ihr. “Wunder sind natürlich” heißt es
im Kurs in Wundern. Leben ist weit mehr als das Beschreibbare und doch bewegt
es sich in der sichtbaren, strukturierten Form.
Auf der höchsten Frequenzebene entsteht so die Siddhi der Gerechtigkeit.
Gemeint ist hier etwas jenseits des Beschreibbaren. Die Erkenntnisse der
Quantenphysik lassen uns einen Geschmack von dieser Ebene kosten – indem sie
ein Universum beschreiben, das jenseits der physischen Gesetze des
Beobachtbaren steht. Ob man es nun als Schicksal, Magie, Zufall oder Göttliche
Kraft bezeichnet – es wirkt. In einem Menschen, in dem sich diese Siddhi
verwirklicht, lösen sich die programmierenden Muster auf, auch die Grenzen
zwischen Leben und Tod und der Zeit. So wie die Legenden um mystische Lehrer,
Babaji z.B., der über die Jahrhunderte immer wieder erschienen und gelehrt haben

337
soll und immer wieder die Gesetze von Form und Materie überschritt. Rudd
schreibt, dass diese Siddhi als letzte verwirklicht werden wird – denn dann übergibt
sie die menschliche Form hinein in die Merkaba, den Lichtkörper der Erde und
weiter in das große Ganze hinein, das hinter jeder Form liegt.
Tor 61 – in der Krone, schaut zu Tor 24 im Ajna
1. Das Tor der Geheimnisse 2. Innere Wahrheit 3. Erforschung und Inspiration
Schaltkreis: Individuell, Wissen
Tor 61 sagt: Ich weiß. Du weißt Dinge einfach, ohne sie herleiten zu können; sie
sind einfach plötzlich da. Daher hat dieses Tor auch eine mystische Note.
Inspiration, Erkenntnisse und Wissen sind einfach und unerwartet zugängig. Das
sind die Highlights, die Momente, wo wie ein Blitz alles klar wird.
Die übrige Zeit will Tor 61 wissen, sucht die Geheimnisse zu ergründen, das
Unbekannte kennenzulernen. Dann denkt es die ganze Zeit, wie ein Programm im
Hintergrund, wie eine Stimme, die ständig spricht. Wenn das zu viel wird, wenn es
ein Druck wird, unbedingt erkennen zu müssen, kann zum Beispiel Musik zur
Entspannung beitragen und eine Pause geben. Denn die Energie will genossen,
erlebt sein, sie muss das Mysterium nicht lösen. Es ist ein tief spirituelles Tor, bei
dem es um individuelle Erkenntnis geht, auch um Erkenntnis des Transzendenten.
Es tut Menschen mit diesem Tor unendlich gut, einfach Raum und Zeit zu haben für
ihre Gedanken, diese inneren Reisen ins Unbekannte, deine eigene innere Welt.
Inspiriert zu werden, von Spirit gefüllt zu werden. Oft „weißt“ du auch Dinge, die
aber noch so weit in der Zukunft liegen, dass dieses Wissen konkret im Jetzt nicht
wirklich hilft, sondern eher wieder losgelassen werden muss, damit die Prozesse,
die es auf dem Weg dahin braucht, geschehen können. In Tor 61 liegt wirklich eine
ganz eigene Verbindung zum Mysterium, zu Spirit und deiner inneren Welt.
Dieses Tor kann sehr unter Druck stehen, wissen zu müssen, Antworten zu finden.
Zum einen braucht es die weise Unterscheidung, welche Fragen überhaupt sinnvoll
sind, und zum anderen ist es wichtig immer wieder innerlich loszulassen, wenn du
dich zu sehr aufs Antwort-finden fixierst - dann kannst du sehen, wie konstruktiv
deine Fragen sein können.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Genieße dich und dein Denken, das
Mysterium, ohne die Erwartung, etwas verstehen oder lösen zu müssen. Und
wenn das nicht klappt, wähle einen Satz, der dich stärkt (z.B. Ich wähle Vertrauen,
ich wähle….) und wiederhole ihn in deinem Geist, anstatt dir ständig die Zähne am
Knochen des Denkens abzubrechen). Das beruhigt und bringt Frieden. Genieße
deine Zeiten der Stille.
Die spirituelle Ebene
338
Das Hexagramm heißt „innere Wahrheit“ und diese zu finden ist Thema des
Schwingungsprozesses in Tor 61. Der Schatten ist weit getrennt von der wahren
Natur des Geistes und sucht doch ständig danach, das „Warum“ hinter den Dingen
zu finden. Rudd bezeichnet ihn als „Psychose“ – einfach weil die Trennung von der
tatsächlichen Wirklichkeit so tief in uns verankert ist. Es gibt einen unendlichen
Druck verstehen zu wollen, der oft in die Zuflucht zu Religionen oder der
Wissenschaft und des Denkens treibt – doch beides gibt die eigene Macht ab,
begrenzt. Dies zeigt sich in einer tiefen Enttäuschung; wenn der Mensch keinen
Weg findet, mit diesem Druck der Suche nach dem höheren (tieferen) Sinn
umzugehen, verdrängt er diesen aus seinem Leben. Dann bleibt ein leises Gefühl
des Unbehagens, während er ein Leben in ganz traditionellen Bahnen führt, doch
nichts wird ihn wirklich erfüllen. Die andere Variante ist der Fanatismus, dann soll
eine fixe Vorstellung zur Lösung werden und wird missionarisch verfolgt.
Wenn die Schwingung sich erhebt, mehr Licht in das System kommt, wird die
innewohnende Gabe der Inspiration sichtbar. Hier beginnt ein äußert kreativer
Weg, in dem sich die innere Wahrheit – so der Name des Hexagramms – in
Momenten der Erkenntnis zu zeigen beginnt. Anstatt weiterhin im Außen zu
suchen, geht es um das Finden Gottes in uns selbst. Der Ausdruck ist dann
originell, einzigartig, fließend in einem Strom des Bewusstseins aus einer höheren
Quelle der Erkenntnis.
In der höchsten Frequenz - Rudd nennt sie Unantastbarkeit – betreten wir den
Raum der inneren Stille, der inneren Wahrheit. Das Einssein mit dem Göttlichen,
die wahre Realität. Es ist, als wäre der Mensch gleichzeitig leer – eben auch leer
von der menschlichen Begrenzung – und unendlich erfüllt – von allem, was ist. Die
Gegenwart eines solchen zur Siddhi Erwachten ist von unbeschreiblicher Intensität,
ein lebendiges Mysterium. Bis wir auf dieser Ebene angelangt sind, braucht es wohl
noch eine Weile – aber die Gabe der Inspiration ist bis dahin ja auch schon wunder-
voll.

Tor 62 in der Kehle, schaut zu Tor 17 im Ajna


1. Das Tor der Detailarbeit 2. Des kleinen Übergewicht 3. Details und Organisation
Schaltkreis Kollektiv, Logik/ Verstehen
Fakten bitte! Du hast die Fähigkeit, Dinge, Fakten und Zusammenhänge zu
erkennen, hast einen Blick für Strukturen und kannst organisieren. Du kannst
sehen, wie etwas funktionieren kann, und wenn du es dann ordnest und
ausdrückst, können die anderen das auch verstehen. Du kannst denken und
erklären. Du magst Fakten und Details und kannst sie auf brillante Weise
ausdrücken. Du kannst Muster aus Details deutlich werden lassen und logische
339
Zusammenhänge greifbar machen - wenn du etwas erläuterst, vermittelst du
Verstehen.
Tor 62 ist mit dem Auge verbunden - du bist ein visueller Mensch. Bildhafte
Darstellungen, Grafiken und Schaubilder sind dir leicht zugängig und du kannst sie
erstellen und vermitteln. Es gibt natürlich auch den Wunsch, mit diesen Fähigkeiten
verstanden zu werden, eine Wirkung zu haben. Wichtig ist immer die praktische
Umsetzung. Du kannst etwas, das du wahrnimmst, leicht umsetzen, Experimente
durchführen, vermitteln und lehren. Es ist nicht immer leicht, zu warten, bis die
Leute auch hören wollen, was du zu sagen hast – die große Herausforderung dieses
Tores. Doch wenn du zum unpassenden Zeitpunkt sprichst, werden deine
Informationen die anderen eher verwirren oder erschlagen – es braucht den
passenden Kontext. Eine lehrende Tätigkeit ist hier natürlich wunderbar. Oder du
programmierst, organisierst, erfasst Daten und entwirfst Pläne zur Nutzung. Dein
Blick für die Details ist deine Gabe. Du sammelst sie, erfasst sie – und kannst dann
oft etwas in ihnen erkennen, was ein Anderer nicht sieht.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Sprich deine Wahrheit. Wenn du ganz
wahrhaftig bist, berührt von dem, was du vermittelst, wirst du die anderen
erreichen und ihnen neue Horizonte öffnen.
Die spirituelle Ebene
Auf der Schattenebene zeigt sich die Energie von Tor 62 als Ausdruck des Intellekts
(was nichts mit Intelligenz zu tun hat). Es geht dabei um die Manipulation durch
Sprache, das mentale Programmieren und dem Festhalten an
Nebensächlichkeiten. Amtsdeutsch wäre ein schönes Beispiel – wo der Bezug zum
Lebendigen fehlt, wo nur die Vorgaben und nicht aktive Intelligenz die Regeln
bestimmen. Z.B. hörte ich gerade im Radio, dass nun vor Gericht verhandelt
werden muss, ob eine Frau, die als Säugling von der Mutter weggegeben wurde,
niemals mit ihr Kontakt hatte und im Heim aufwuchs, im Alter von 50 Jahren nun
die Pflegekosten ihrer leiblichen Mutter für das Altersheim übernehmen müsse. So
wirken Regeln, die getrennt von einer höheren Intelligenz und Empathie
durchgesetzt werden sollen.
Der Schatten von Tor 62 kann sich entweder in einer geistigen Gefangenschaft
zeigen, in obsessiver Besessenheit von Details, ohne jede Lebendigkeit. Ein Pedant.
Oder aber der Mensch lebt die Übermacht des Verstandes, dann werden die
Details und Fakten zu einem Machtkampf, der zwar intellektuelle Anerkennung
bringen kann, aber letztendlich im Negativen endet, denn alles zielt nur darauf ab,
den anderen zu widerlegen.
Erst wenn die Schwingung sich erhöht, kann die in diesem Tor liegende Gabe der
Präzision deutlich werden, sie öffnet die Enge des Schattens. Dann kann erkannt
340
werden, wie wir uns selbst Leid erschaffen haben durch den Fokus auf irrelevante
Details oder unsere Obsession. Zum einen entsteht dann eine gesunde Demut –
denn der Verstand kann eben nicht alles erfassen - zum anderen eine große
Freiheit und Lebendigkeit. Wenn das Herz führen darf und der Verstand folgt, kann
die echte Herzensintelligenz sich zeigen. Dann ist einfach viel mehr da. Als Beispiel:
wenn der Schatten das Meer als “H2O plus variierender Salzgehalt” beschreibt,
wird in der Gabenfrequenz auch das Gefühl beim Anblick des Meeres mit berührt,
das Gefühl, im Meer zu sein uvm. „Wenn die Gabe der Präzision etwas beschreibt,
dann verwendet sie Fakten und Daten auf eine inspirierende und aufregende
Weise und nicht dumpf und trocken.” 56 Dann ist solch ein Mensch ein begnadeter
Redner, wird gesehen und gehört – und berührt! Dann wird die Magie der Worte
deutlich, das Sprechen wird ein Dienst, Worte in Liebe gesprochen transportieren
diese Liebe. Wenn dieser Mensch seine innere Wahrheit kommuniziert wird
deutlich, dass es die höhere Ebene ist, die sich ausdrückt, und die Worte
bekommen eine wirklich transformierende Kraft.
Mit dem Übergang auf die höchste Frequenzebene, die Siddhi, endet das
Persönliche – wie ja letztendlich bei allen Toren in dieser Ebene. Es sind
unterschiedliche Facetten des Ganzen, Unbeschreiblichen, die sie beleuchten. Im
Fall von Tor 62 ist es die Makellosigkeit, die entsteht. Reines Bewusstsein, jenseits
aller Begrenzung oder Unterteilung in gut oder schlecht. Menschen, in denen diese
Siddhi verwirklicht ist, sprechen manchmal völlig brilliant, mögen hochintellektuell
wirken, und im nächsten Augenblick schildern sie die Dinge mit ganz anderen
Worten – sie können die Sprache in eindrucksvoller Weise verwenden, um Dinge
klar werden zu lassen. Meister der göttlichen Sprache nennt sie Rudd. Es ist ein
Tun, Sprechen, Sein aus dem Ganzen heraus, ohne noch mit dem persönlichen
Selbst identifiziert zu sein. Alles ist, wie es sein sollte, und der Mensch spricht die
Sprache des Lichts.

Tor 63 im Kopf, schaut zu Tor 4 im Ajna,


[Link] Tor des Zweifels 2. Nach der Vollendung 3. Beweise
Kollektiver Schaltkreis, Verstehen/ Logik
Das Tor des Zweifels. Aber das wusstest du sicher schon. Du bist einfach jemand,
der Dinge grundsätzlich immer wieder in Frage stellt. Der Druck der Gedanken ist
immer da, dein Verstand ist sehr skeptisch, er sucht Antworten und überprüft alles
immer wieder. Hintergrund ist natürlich der Wunsch nach Sicherheit, nach einer

56 Rudd S. 667
341
guten Basis für die Zukunft, auf die man bauen kann. Daher stellst du erst einmal
alles in Frage, ob es denn Bestand hat, ob es sicher ist.
Beweise, Begründungen werden wieder und wieder untersucht, als gäbe es eine
magische Anziehung all der Dinge, die nicht sicher sind, noch nicht ganz
durchdacht. Das Wissen darum kann jedoch helfen, sich nicht einfach im Druck des
Denkens zu verlieren. Es gilt zu üben, dein Vertrauen in dich zu stärken und auch im
Umgang mit Fehlern eine vielleicht etwas entspanntere Haltung zu finden.
Im beruflichen Kontext wirst du vielleicht eine Tätigkeit haben, wo diese Fähigkeit
genutzt wird – hier ist der richtige Einsatzort. Der Tipp wäre, im privaten Umgang
mit Menschen darauf zu achten, nicht zu kritisch und skeptisch zu sein, denn sonst
schaffst du immer wieder Distanz statt Nähe oder stellst dich selbst so oft in Frage,
dass du nicht mehr vorangehen kannst. Jedoch sind die Fragen, die von dir
kommen, wichtig, denn sie dienen ja der Überprüfung von Fragen und Theorien.
Wer würde schon über eine Hängebrücke gehen, wenn die Statik nicht gesichert
ist, das Material auf Haltbarkeit geprüft etc. Wenn du jedoch auch noch immer
wieder den Sinn der Brücke in Frage stellst, wird es irgendwann schwierig, sie zu
nutzen. Überprüfe, wenn etwas unsicher erscheint, wenn es der logischen
Untersuchung nicht standhält, darin liegt deine Kraft. In Gemeinschaft mit anderen
wird dieser kritische Druck, die Suche nach Antworten, die deine Aura
transportiert, für alle zum Antrieb, gute Möglichkeiten für die Zukunft zu finden.
Zweifel ist einfach Teil deiner Selbst, aber es kann sehr helfen, dein Vertrauen in
dich zu stärken und einmal getroffene Entscheidungen (du hast ganz sicher lange
genug darüber nachgedacht) dann auch anzunehmen.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es kann helfen, sich aus einer
beobachtenden Perspektive zu erinnern, wo du vielleicht in der Kindheit
Unsicherheit oder etwas, das du als Fehler erlebt hast, erfahren hast – um die
Situation aus einer anderen Perspektive neu einzuschätzen. Die geistige Welt
betont immer wieder, dass wir auf einem Erfahrungsplaneten leben. Fehler gibt es
nicht, nur Lernerlebnisse. Im Augenblick läuft gerade ein Lied in den Charts mit der
Zeile „bad ideas make the best memories“ – und tatsächlich blicken wir oft
amüsiert auf die Dinge zurück, die uns in der Situation wie Fehler vorkamen, doch
letztendlich haben wir unseren Horizont durch das Erleben erweitert. Erlaube dir,
das Leben geschehen zu lassen, vertraue dir und dem Leben.
Die spirituelle Ebene:
Im Schatten wirkt in Tor 63 der ständige Zweifel, wie ein unbewusster mentaler
Druck, der zu einer dauerhaften Unruhe führen kann. Das kann sich wie ein
Problem anfühlen und dazu führen, dass man in rigider Logik und Dogmen
Sicherheit sucht – oder aber der Druck zur Weiterentwicklung, zur letztendlichen
342
Transzendenz der reinen Logik sein. Sehr belastend wird es, wenn sich das ständige
Hinterfragen als Selbstzweifel äußert, dem wir Glauben schenken und der alles in
unserem Leben untergräbt. Dann führt das Kreisen der hinterfragenden Gedanken
dazu, dass der Mensch ängstlich und besorgt ununterbrochen grübelt und weder
Ruhe noch eine innere Haltung finden kann. Oder aber man misstraut der Welt, der
Selbstzweifel wird ausgelagert und im Anderen gesehen. Wer Paul Wazlawiks
Geschichte vom Hammer kennt, weiß, welch fatale Folgen das für unser Erleben
der Welt haben kann.
Wenn die Schwingung sich erhöht, kann sich die grundlegende Energie neu zeigen
– dann geht es nicht mehr um das Zweifeln, sondern die Erkundung der Welt.
Offenheit ist die neue Zutat; wir erleben und betrachten ohne Erwartung oder
Befürchtung. Hier ist der Forscher zu finden, der immer tiefer in die Materie
vordringt, immer komplexere Zusammenhänge studiert. Ab einer gewissen Tiefe
der Betrachtung wird dann die Verbundenheit von Betrachter und Betrachtetem
deutlich, die spirituelle Ebene kommt hinzu. Die Frage, wer wir sind und wohin wir
gehen führt letztendlich zur Auflösung der Logik, da sie nicht mit ihr beantwortet
werden kann.
Auf der höchsten Frequenzebene von Tor 63 geht es dann um Wahrheit. Jene
Wahrheit, dass es kein endgültiges Wissen, keine alles umfassende Erkenntnis
geben kann. Nur ein Anerkennen des Zweifels, in dem sich alles auflöst. Wie ein
Rätsel, bei dem wir einem Weg (dem der Logik und des Zweifels) folgen können
und das sich am Ende selbst auflöst. „Wie der Buddha musst du studieren, dich
selbst disziplinieren, anstrengen und klettern, bis du zum Gipfel hinauf gelangst,
nur um dann festzustellen, dass die Antwort schon die ganze Zeit da war, sogar
schon vor dem Beginn deiner Reise. Der Fragende wird zur Frage, die Suche sucht
sich selbst.” „Nach der Vollendung“ heißt das Tor, einfach zu Sein, in der Wahrheit
aller Erscheinungen.

Tor 64 im Kopf, schaut zu Tor 47 im Ajna


[Link] Tor der Verwirrung 2. Vor der Vollendung 3. Reflexion des Vergangenen
Kollektiver Schaltkreis, Sinnfinden
Du denkst viel über das Vergangene nach, um daraus einen Sinn zu finden, eine
Erklärung und damit eine Sicherheit für die Zukunft. Der Sinn darin ist, zuzulassen,
dass aus dem Vergangenen eine Erkenntnis gewonnen wird, die dann Klarheit und
neue Perspektiven bringt. Dieser Prozess findet in der rechten Hemisphäre statt,
das bedeutet, er ist grundsätzlich nicht logisch, nicht linear – er vollzieht sich eher
in Kreisen und Assoziationen Du näherst dich der Sache an – und dann ist auf
einmal die Information da, so komplex, dass sie vielleicht gar nicht ganz verarbeitet
343
und vermittelt werden kann. Erlaube dir deine Art, mit Information umzugehen, es
gibt vielleicht keine Abfolge von „a führt zu b und m zu n“.
Man nennt Tor 64 auch Tor der Verwirrung – denn diese ungefilterte Menge von
Erinnerungen, Informationen, Bildern der Vergangenheit, die ständig in deinem
Kopf kreisen, kann zu großem Druck und eben Verwirrung führen. Es gibt keine
logische Methode, sie zu ordnen, der Prozess kann nicht schrittweise gesteuert und
kontrolliert werden. Es geht um dein Timing, deine Art. Oft sprechen Menschen mit
diesem Tor in „Kreisen“, sie nähern sich dem Ganzen von mehreren Seiten an. Die
eigentliche Erkenntnis kommt dann plötzlich, in einem Geistesblitz, sie ist kein
Produkt stetigen Bemühens, das führt eher zur Verwirrung.
Erlaube dir zu warten, einfach Angenehmes zu tun, deine Gedanken in eine
entspannte Richtung zu lenken. Für Kinder kann es hilfreich sein, ihre
Informationen in Bildern oder Teilaspekten festzuhalten, so wie sie kommen, und
sie dann später, vielleicht auch mit Hilfe von anderen, zu ordnen. Es geht immer
um die Erfahrung, die aus Erlebnissen gewonnen wird – und die Art, wie sie
verarbeitet (verdaut) werden kann. Es geht um das Vertrauen, dem Universum zu
vertrauen, dass das, was du als Information bekommst, sich auf passende Weise
umsetzen wird, ohne dass du Schritt um Schritt kontrollieren musst. Es geht bei Tor
64 nicht darum, etwas zu tun, zu manifestieren – es darf einfach die Klarheit, die
kommt, mit anderen teilen – in dem Vertrauen, dass es die passende Form finden
wird. Grundsätzlich sind es schon deine Fragen, die Wert haben, die Suche nach
dem Sinn, dies ist Teil deiner Ausstrahlung, darum geht es in deinem Leben immer
wieder. Heilsam ist, wenn du dies einfach da-sein lassen kannst, ohne dich davon
„drücken“ zu lassen, denn es braucht keine Antwort auf alle diese Sinnfragen, um
im Jetzt zu leben. Und wenn sich dann etwas offenbart – wundervoll.
Und wenn es grad mal schwierig ist: Es hilft, sich z.B. in Ruhe oder Meditation
immer wieder auf das größere Ganze einlassen, dann kommen diese ganz
besonderen Inspirationen zu Tor 64. Und immer wieder die Frage: dient mir mein
Denken? Die wirkliche Aufgabe (und Gabe) dieses Tores ist nicht das Ringen um
Klarheit, eher das Offensein für Offenbarung.
Die spirituelle Ebene
Verwirrung ist der große Schatten von Tor 64 – das Licht im Inneren kann nicht
gesehen werden und wir fühlen uns getrennt. Die Wissenschaft zeigt eindrücklich,
wie unser Denken sich auf unsere Biochemie auswirkt – wir programmieren uns
innerlich selbst - leidvolle, negative Gedanken machen uns unwohl und eng,
hoffnungslos. Ererbte Muster prägen unsere DNS, der Schmerz ist allgegenwärtig.
Das führt bei vielen Menschen in der Schattenfrequenz von Tor 64 dazu, einfach
dem zu folgen, was jene vor ihnen getan haben. Sich anzupassen, „so ist das Leben
halt“, damit die Verwirrung (scheinbar) unter Kontrolle gehalten wird. Wenn sich
344
hier bei mir in Wuppertal ältere Leute treffen kommt auf die Frage: „Wie geht’s?“
die unweigerliche Antwort „Na ja, muss“, “Passt schon”. Bei Anderen bricht sich
der Schatten in Aggression Bahn, dann ist der Andere schuld, das Leben, die Welt.

Je mehr Licht ins System kommen kann, je höher die Schwingung steigt, desto
mehr wandelt sich die Verwirrung. Wenn der Schmerz, den wir alle in uns tragen,
an die Oberfläche kommen darf, sich zeigen darf, öffnet sich das System. Dies ist
der Hintergrund für Meditation, Kontemplation, die Öffnung in jeder Therapie: Das
Weggedrückte, Abgespaltene muss bewusst werden, gefühlt werden.
Angenommen sein und da sein dürfen. All die Verdrängungs- und
Ablenkungsmechanismen brauchen viel Energie, das immer um das Gleiche
kreisende Denken verhindert die Befreiung aus der Verwirrung. Wenn sich diese
Kraft dann befreien darf, entsteht die Gabe der Vorstellungskraft. Echte
Lebenskraft, Kreativität und Erkundungsfreude. So wie Goethe aus dem eigenen
Weltschmerz heraus in dem Roman „Die Leiden des jungen W.“ ein
beeindruckendes Werk schuf, kann die Annahme auch der schmerzlichsten
Gefühle eine Art Alchemie in uns bewirken - sie transformieren in etwas Neues und
Bereicherndes. Wenn wir unsere Dämonen endlich füttern anstatt sie zu
bekämpfen (vgl. Übung Tsultrim Alione) wandeln sie sich zu Unterstützern. Die
Gabe der Vorstellungskraft ist so kostbar, weil sie so einzigartig ist – wenn jeder
von uns das Besondere hervorbringen kann, das so nur in ihm ist, kommt etwas
völlig Neues auf die Welt. Das erinnert mich an den Leitsatz aus der Lieblingsserie
meiner Kindheit – Raumschiff Enterprise – wo es immer darum ging, dorthin zu
gehen, wo noch niemand vorher war. Neue Welten zu entdecken.
Die höchste Ebene von Tor 64 führt dann genau dorthin – in neue Welten – denn
hier findet sich die Siddhi der Erleuchtung. Es ist ja letztendlich unmöglich, die
Ebene der Siddhi so zu beschreiben, dass wir sie nachvollziehen können, denn
Worte können diese Frequenz nicht erfassen. Wenn wir aber die Worte des
Verstehen-wollenden Verstandes hinter uns lassen können und mit dem wahren
Wesen hören, kann in der Stille wahrgenommen werden. Wenn wir uns dann in der
Frequenz eines Menschen, in dem die 64. Siddhi verwirklicht ist, befinden, kann es
sein, dass diese Resonanz öffnend wirkt, das innerste Wesen erreicht. Ein
tantrischer Weg, der nur mit dem Herzen befolgt werden kann, in dem Logik,
Sprache, Muster nur Hilfsmittel sein können. Wenn dieses innere Licht entzündet
ist, wird auch die DNS zu immer mehr reinem Licht. Dann beginnt auch die Form
aufzusteigen - so erklärt sich der Heiligenschein, der in der spirituellen Kunst um
den Kopf oder ganzen Körper jener Erleuchteten gezeigt wird. In der 64. Siddhi
zeigt sich die Manifestation göttlicher Gedanken und Schöpferkraft in der Form,

345
Frequenzen der Manifestation – „man wird zur Staffelei der Vorstellungskraft des
Universums selbst“57 .

Beziehungen

Jetzt wird es spannend, denn nirgends werden wir mehr und intensiver
konditioniert als in der Verbindung mit anderen Menschen. Das Wichtigste zuerst:
wenn wir – ob nun mit Human Designwissen oder ohne – einem anderen
Menschen wirklich begegnen und mit ihm in Beziehung treten, lernen wir ein völlig
neues Universum kennen. Und so könnte es, mit der Bereitschaft, sich wirklich
einzulassen, mit Hinwendung und wohlwollendem Verstehen und Entdecken auch
immer bleiben, denn wenn wir echt sind, uns selbst leben, so wie wir sind – und
nicht unsere Masken und Fassaden, unser Nicht-Selbst - dann bleibt es spannend.
Wenn wir wirklich lebendig sind, authentisch wir selbst, dann wissen wir ja vorher
selbst nicht, wie wir sein werden – dann sind wir „live“. Und dann bleibt auch der
andere ein Wunder, das es immer wieder neu zu entdecken gilt.
Aber so einfach ist das nicht, denn wir sind zum einen in uns selbst ja meist nicht
unser “wirkliches Ich”, sondern leben aus einem Cocktail aus alten Verletzungen,
Missverständnissen, unserem Nicht-Selbst. Und gehen dann nach der anfänglichen
Phase der Verliebtheit und Projektion von „er/sie ist alles, was ich mir gewünscht
habe“ dazu über, zu glauben, der andere funktioniert wie wir, in der Annahme,
dass die Welt doch eben so ist, wie wir sie sehen. Hier lauert das Nicht-Selbst in
verführerischer Weise. Denn der andere verändert uns ja, sobald wir nicht bei uns
sind, auf unsere Strategie und Autorität hören, sondern auf die Sirenengesänge der
offenen Zentren, ihren Verlockungen und der Definition durch den Anderen.

Vorab: es macht Sinn, wenn du deine offenen Zentren kennst und die Verführung
des Nicht-Selbst dort, (siehe Kapitel „offene Zentren“). Hier die Kurzform,
beginnend mit der Wurzel, die Stress vermeiden will und dann lieber tut, was der
andere will, den Emotionen, die Unangenehmes vermeiden wollen und „lieber
lieb“ sind und den Ball flach halten, der Milz, die festhält an dem, der sie ihr
definiert und denkt „du tust mir so gut“ und dabei übersieht, dass die Verbindung
vielleicht gar nicht dienlich, nicht gesund ist. Das Sakral, das denkt „mit dir bin ich
stark und lebendig“ und seine Grenzen übersieht, sich zu sehr anstrengt und zu viel

57 Rudd S. 690
346
arbeitet. Das offene Ego, das seinen Wert nicht kennt oder kurzfristig total
überhöht und kämpft, das offene Selbst auf der Suche nach Liebe und Richtung,
bereit, dem „Einen“ auf seinem Weg zu folgen, ohne zu prüfen, ob das auch für sich
selbst passt. Die offene Kehle, die sich leicht überrannt fühlt von der Definition und
die so froh ist, mit dem Anderen etwas umsetzen zu können, doch dabei oft nicht
merkt, dass es die Projekte des Anderen sind, die sich manifestieren. Und der
offene Kopf (mit dem Ajna), der entweder vom anderen überfüllt wird und
nachgibt oder aber dicht macht und seine Gabe, offen zu sein und Vielfalt zu sehen,
verliert.

Wer bin ich? Das kommt meistens darauf an, mit wem ich gerade zusammen bin.
Wie sehr andere Felder uns beeinflussen können, weiß sicher jeder, der als
(eigentlich) Erwachsener einmal seine Eltern besucht hat. Eine meiner
Lieblingsanekdoten: die Frau eines berühmten Meditationsmeisters trifft eine
Bekannte auf der Straße. Diese erkundigt sich, wie es denn für den großen Meister
in Indien war. „Oh, ganz wunderbar“, sagt seine Frau, “er kam wieder, völlig
erleuchtet. Bis gestern.“ „Wieso, was ist denn gestern passiert?“ erkundigt sich die
Bekannte. „Da hat er seine Mutter auf der Straße getroffen“.
Vieles hängt also davon ab, mit wem wir gerade zusammen sind. Wenn wir das
wissen, können wir diesen Effekt gern auch nutzen - so mancher unerfüllter
Kinderwunsch erfüllt sich dann in einer Nacht im Hotel, im Aurafeld Anderer - und
alleine eine Fahrt im Fahrstuhl mit einer fremden Person kann in uns neue
Gedanken und Gefühle inspirieren. Auch ein neuer Nachbar kann die Beziehung
verändern, genauso wie Besuch. Eine frisch verheiratete und sehr verliebte
Klientin kam vor einiger Zeit völlig unglücklich zur Beratung: „Zu Hause verstehen
wir uns prima, und kaum sind wir bei Freunden, fängt mein Mann an, mit mir zu
streiten und mir vorzuhalten, was ihn stört“. Die Erklärung: die beiden haben zwar
gemeinsam Kopf und Ajna definiert, aber keine Verbindung zur Kehle, sie können
also alleine nicht immer ausdrücken, was sie denken. Aber wenn im Zusammensein
mit anderen die Verbindung entsteht (wie ein Überbrückungskabel), rutscht alles
heraus. Heute gehen die beiden regelmäßig ins Cafe, da können sie reden (das
Aurafeld der fremden Leute überbrückt ihre Ajna-Kehle-Spaltung) und sie können
ihre Gedanken ohne peinliche Szenen klären.

Beziehung - hier liegt schon in der Wortbedeutung die Herausforderung: eigentlich


bedeutet es ja „ich nehme Bezug auf etwas“. (Und ich grenze es jetzt einfach mal
ein auf „einen anderen Menschen“). Klingt sehr einleuchtend, aber schon da fängt
es an: Wie oft nehmen wir wirklich Bezug auf die andere Person, sehen sie also, so
347
wie sie ist, in diesem Augenblick? Alleine schon unser Gehirn spart ja gerne
Rechenleistung – und was es zu kennen glaubt, wird gar nicht erst neu betrachtet,
sondern der vorhandene Wert benutzt. Dass wir bestenfalls 10 % der gesamten
wahrnehmbaren Realität wahrnehmen können, hilft natürlich auch nicht wirklich –
wir neigen dazu, eben die vertrauten Dinge zu sehen, denn da sind die meisten
Bahnungen und Gewohnheits-Verknüpfungen im Gehirn. So die Geschichte von
Magellan, der in Südamerika vor Anker ging, und die Eingeborenen nicht
nachvollziehen konnten, wie er denn dorthin gelangt war. Sie konnten das Schiff
einfach nicht sehen. Nur der Dorfschamane, der durch seine Reisen in andere
Bereiche geübt war, konnte das Schiff erkennen. Neue Sichtweisen brauchen
Übung. (Im Folgenden gehe ich mehr auf Paar-Beziehungen ein, aber viele der
Dynamiken können auch auf alle anderen Beziehungen übertragen werden).
Auch allgemein bekannt: Wir suchen uns sehr gern gerade in Paarbeziehungen
Menschen, mit denen wir unseren Mutter-Vater-Themen betrachten können –
idealerweise um sie zu heilen, meist jedoch bleibt es beim Wiederholen. Eine
echte, aktuelle Bezugnahme auf den Menschen vor mir – das passiert äußerst
selten. Ein Klient amüsierte sich sehr, als er erkannte, dass er sich stets
Freundinnen suchte, die mit den gleichen Toren wie zuvor seine Mutter seine
Spaltungen (die Tore, die seine Spaltung schließen würden) überbrückten. Einmal
hatte er drei Freundinnen gleichzeitig, jede mit einem der Tore, die ihn
„komplettierten“.
Ein weiterer herausfordernder Faktor ist: Wir gehen meist davon aus, dass der
andere so denkt-fühlt-handelt wie ich. Ein fundamentales Missverständnis. Der
Dalai Lama rät jedem, sich einen Sachverhalt von sechs verschiedenen Blickwinkeln
aus anzusehen, bevor man agiert. Oder eben in der Human Design Sprache – sich
zu verdeutlichen, dass die Energie im System des Anderen vielleicht ganz anders
fließt, dass es viele mögliche Gründe für sein Verhalten gibt – aber sicher keinen
objektiv für alle gültigen „wahren“ Grund.
Der Wunsch, verstanden zu werden ist ein tiefes menschliches Bedürfnis. Und
gottseidank kann man zumindest die Grundlagen hierfür üben, daher hier ein
kleines und sehr hilfreiches „Werkzeug zur Beziehungspflege“: Nehmt euch eine
halbe Stunde Zeit. Kein Telefon, keine Klingel. Ihr seid wichtig. Und dann spricht
erst der eine, am besten in Ich-Botschaften, wie es ihm geht. Der andere hört zu,
ohne zu unterbrechen (schwierig, ich weiß). Gern eine Viertelstunde, aber schon 10
Minuten sind ein Anfang. Dann ist der Andere dran. Wieder gilt – er spricht über
sich, seine Gefühle, was in ihm geschieht, was es in ihm denkt. Unkommentiert.
Danach ist noch einmal 5 Minuten der Erste dran, dann nochmal der Zweite. Und
danach werden die Themen für den Tag zur Seite gelegt. Diese Übung kann bei
Bedarf gern täglich praktiziert werden, und grundsätzlich gern zumindest
wöchentlich – sie hat schon einigen Klientenpaaren die Beziehung gerettet.
348
Einer der Aspekte meiner Arbeit, den ich besonders liebe, ist, wenn ich meinem
Gegenüber zum einen mein Verstehen anbieten kann und dann auch vielleicht eine
neue Sichtweise aufzeigen darf, wie man die Sache auch noch sehen kann - das
öffnet für die Menschen oft ganz neue Welten. Dann können wir neu gemeinsam
auf das Problem schauen (ich mag den Ausdruck „Projekt“ viel lieber, denn das
bringt zum Ausdruck, dass wir dabei ja auch wachsen und lernen können). In
Beziehung zu treten heißt für beide Partner immer, sich mit dem Thema von
Erwartungen und Projektionen zu beschäftigen, denn zu Beginn sehen wir ja meist
nicht wirklich, wie der Andere ist, sondern projizieren die Erfüllung unserer
Sehnsüchte auf ihn und landen in den Nicht-Selbst-Aspekten. Da hilft nur echte
Bereitschaft zu erkennen.
Der Mangel an Kommunikation bringt so viel Kummer, all diese Miss-Verständnisse
zwischen Menschen, die sich kostbar sind (oder es zumindest am Anfang einmal
waren). Ich habe viele Jahre lang „übersetzt“ zwischen den Paaren, die in meine
Praxis kamen, und ich liebe es, wenn es gelingt, dass sie einander dann besser
verstehen. (Nur nebenbei, ich glaube sehr viel ist schon mit jeweils einer kleinen
Korrektur auf beiden Seiten gewonnen: Wenn die Frauen lernen könnten, direkt zu
sprechen, in dem Augenblick, wo ihnen etwas nicht gefällt, anstatt zu sammeln und
zu sammeln, und dann den ganzen Sack mit all den Vorwürfen der letzten Monate
dem Mann vor die Füße zu kippen. Erstens – er erinnert sich wirklich nicht mehr
daran! Und zweitens, ganz ehrlich, so ein Sack voll ist schon eine echte
Herausforderung. Und noch ein zweiter Punkt: meiner Erfahrung nach tun Männer
fast alles (oder eben tun es nicht) um das Gefühl zu vermeiden, etwas nicht zu
können. Sie sagen lieber „ich will nicht“ anstelle von „ich kann nicht“. Alleine das zu
wissen, hilft vielen Frauen, die aus erfahrenem Schmerz in ihrer Lebensgeschichte
heraus gelernt haben, alleine klarzukommen, sehr. Ihr Kummer ist – egal wie
schlecht es ihnen geht – ihnen wird nicht geholfen, alle denken immer „du machst
das schon“. Denn sie wirken sehr kompetent - und kein Mann riskiert, es nicht so
gut zu können wie sie. Dann lieber nichts tun.

Und für die Männer: Wort halten bewirkt Wunder. Wenn ein Mann sagt: ich räume
die Garage am Wochenende auf, sollte er das auch tun – nicht weil die Garage so
wichtig ist, aber ganz archaisch fühlt die Frau, dass sie sich auf ihn und sein Wort
verlassen kann, und entspannt sich. Das wiederum ist für die meisten Männer sehr
angenehm, denn eine entspannte Frau hat mehr Licht in sich, sie leuchtet und das
ist attraktiv. Auch wenn seit der Steinzeit viele Jahrtausende vergangen sind,
manches ist einfach in unseren Zellen verankert. Und so gibt es Dynamiken, die

349
bleiben. Aber: wenn wir sie verstehen, können sie ihre Wirksamkeit verlieren, denn
was ins Bewusstsein gelangt, kann sich wandeln.
Und wenn wir dann unsere innere Autorität und Strategie an ihre Stelle setzen, und
das Gehirn vom Entscheidungs-treffer zum Varianten-beleuchter umfunktionieren,
kommt Freude in das Ganze. Dann können wir – gerade weil wir bei uns sind, uns
(in gesunder Weise) wichtig nehmen und der inneren Führung folgen – den
Anderen in seiner Einzigartigkeit erkennen lernen. Dann genießen wir, was
gemeinsam schön ist, feiern, was wir zusammen Neues erschaffen, können
staunen lernen, wie anders man sein kann, und können dem Herausfordernden
mit dem Mut, zu lernen und aneinander zu wachsen, begegnen.
Nur ein paar lose Beispiele zu einer heilsamen Nutzung: Ein Klientenpaar – beide
Architekten. Sie hat eine definierte Kehle, er eine offene. Gemeinsam mit ihr erlebt
auch er, dass seine Worte wirken, er hat Kraft, sich durchzusetzen und genießt,
dass sie gemeinsam so effektiv sind. Und im Gespräch gestand er grinsend: „Wenn
sie mal nicht da ist, helf ich mir und sag den Leuten „meine Frau hat gesagt, so soll
es gemacht werden“. Bei allen Gesprächen mit schwierigen Kunden jedoch lässt sie
ihm den Vortritt, denn „er spricht so wunderbar die Sprache des Kunden“.
Ein anderes Paar – beide Projektoren – definieren gemeinsam ihr Sakral und
genießen diese Lebendigkeit aus vollen Zügen. Weise geworden nach anfänglichem
Arbeitsrausch (denn das scheinbar definierte Sakral führt ja zu einem Gefühl von
mehr Kraft) achten sie jetzt darauf, sich nicht zu überanstrengen, aber nutzen diese
Energie für Genuss und gemeinsame Lebensfreude.
Grundsätzlich gilt, dass es in Verbindungen von Energietypen mit wahrnehmenden
Typen (also Manifestor und beide Generatoren mit einem Projektor oder
Reflektor) sehr hilfreich ist, den Input der letzteren zu ehren, denn sie geben ein
Feedback zu der Kraft des Anderen. Und umgekehrt liefern die Generatoren die
Energie für die zweite Gruppe. Das kann eine wundervolle Kooperation sein – oder
ein Gerangel um Einfluss und Macht.
Natürlich sind Beziehungen für Menschen unterschiedlich wichtig – den größten
Stellenwert haben sie sicher für Generatoren mit einer Spaltung – denn wenn dann
endlich der „Richtige“ gefunden ist (oft eben jeder, der die Spaltung überbrückt)
scheint alles vollkommen zu sein. Zunächst. Denn es ist klar: wenn ich einen
Anderen brauche, um mich vollständig zu fühlen, steht noch ein wenig innere
Heilarbeit an, „lieben“ und „brauchen“ sind eben nicht die gleichen Vokabeln. Und
die Überbrückung einer Spaltung hat nichts mit dem Menschen als Partner zu tun,
ist also kein Garant für eine langfristig funktionierende Partnerschaft. Menschen
mit einer einfachen Definition oder einer dreifachen oder vierfachen Spaltung sind
meist unabhängiger, sie können sich meist leichter aus Beziehungen heraus
bewegen, für die einfache Spaltung kann das sehr viel schwieriger sein. Und falls
350
dein Partner deine Spaltung überbrückt, also das Tor hat, das für deine Definition
eine Verbindung herstellt - und sollte dieses Brückentor auch noch eines der
Liebestore sein – wird es noch viel schwerer (mehr dazu unter „Tore der Liebe“).

Sichtbar wird die Veränderung, die mit uns in Beziehung vorgeht, in einem
sogenannten

Komposit
Es zeigt die energetische Auswirkung der Begegnung auf, beschreibt sie mit den
Worten: Kompromiss, Dominanz, Gefährtenschaft und Elektromagnetik.

Und hier beide zusammen, als Paar

351
Wenn sich zwei Charts „treffen“ entsteht viel Neues, z.B. über Kanäle, die aus
gegenüberliegenden liegenden Toren beider Partner entstehen.
Dazu folgende Begriffe:

Gefährtenschaft Keine Sorge, wenn


nichts aktiviert ist, heißt das nicht, dass
ihr nicht Gefährten seid! Es heißt nur, dass
wir meist das, was in uns ist, nicht so sehr im
beim Partner suchen. Bei gemeinsam
aktivierten Toren und Kanälen haben beide
Partner die gleichen Themen. Das bedeutet
allerdings nicht zwangsläufig, dass sie auch
gleich damit umgehen.

Dominanz Kanäle: Hier hat einer von


beiden den ganzen Kanal, der andere hat
dort keine Aktivierungen. Dann sieht man
den Anderen einfach so, wie er ist. (Und
wenn man das schrecklich fände, wäre
man ja wahrscheinlich nicht mit ihm in
Verbindung). Ein anderer Name für diese
Kanäle ist „Bewunderung“ – oft sind wir
beeindruckt von dem, was der Andere kann.

Kompromiss Kanäle: Sie können heraus-


fordernd sein, denn hier haben beide ein
gemeinsames Tor, einer aber den ganzen
Kanal. Dann setzt sich der mit dem
ganzen Kanal
durch.
Das kann schwierig sein, muss es aber
nicht! Verstehen hilft. Die Kompromiss-
kanäle sind auf jeden Fall der heraus-
forderndste Aspekt im Komposit, denn

352
der Partner, der nur das Tor hat, muss
nachgeben. Mechanik.

In den Elektromagnetischen Kanälen


liegt euer gemeinsames Neues – das
kribbelt und bringt ( vorher und für uns
alleine unbekannte) Energien ins Fließen.
Je nachdem, wie viele Kanäle gemeinsam
geschlossen werden (das entsteht, weil
der eine ein Tor hat und der Andere das
gegenüberliegende im Kanal) kann es aber
auch ganz schön explosiv werden. Oft
findet sich hier die gemeinsame
Aufgabe des Paares: das bringen wir
zusammen in die Welt.
(Siehe auch Liebestore)
Wenn in diesem neuen „Gemeinsamen“ nun Zentren definiert werden, die vorher
offen waren, kann das sehr kraftvoll sein, z.B. wenn beide Partner ein offenes
Sakral haben, das gemeinsam definiert wird, entsteht das Gefühl: „mit dir
zusammen bin ich lebendig und kraftvoll“. Wenn sie die Kehle zusammen
definierenkri, egen sie gemeinsam ihre Projekte gut kommuniziert und umgesetzt
etc.
Um ein Beispiel für die Kompromiss-Kanäle zu geben. Susanne hat Tor 58 in der
Wurzel, sie sieht, was getan werden müsste, damit es schön ist. Und sie würde
gerne das Schlafzimmer renovieren. Klaus, ihr Mann, hat den ganzen Kanal 58-18.
Und er möchte jedes Wochenende zum Sommerhaus raus aufs Land fahren und
dort die Veranda streichen und etliche andere Verschönerungen vornehmen
(Susan ist da nicht gerne, sie würde das ganze Ding am liebsten abreißen und neu
bauen). Klar ist hier: das Schlafzimmer wird wohl nicht gestrichen, Klaus mit der
Energie des ganzen Kanals setzt sich durch. Hat ein Partner sehr viel „Übermacht“
in diesen Kompromissen, kann das die Beziehung belasten, dann fühlt sich der eine
überfordert, der andere übermächtig - und sollten dann noch mehrere
elektromagnetische Kanäle hinzukommen. „knallt“ es leicht. Solche Beziehungen
sind sehr bewegt, es braucht viel Verständnis und Zeit für echte Klärung.
Funktionieren kann das trotzdem wunderbar – wenn beide sich bewusst bleiben:
es ist nicht persönlich! Im Nicht-Selbst ist der Kompromiss für den Partner, der nur
ein Tor hat, oft mit dem Gefühl des „Vor-die-Wand-laufens“ zu beschreiben. Hier
finden sich potentiell die größten Trennungsgründe.

353
Wichtig natürlich: das alles sind nur Hinweise, wie etwas sein kann… Was hilft hier
wirklich? Strategie und Autorität, denn sie sorgen dafür, dass wir überhaupt wir
selbst sind in der Verbindung, dass wir bei uns sind und gut für uns sorgen können.
Als erstes schaue ich immer auf die Zentren, die beide schon definiert mitbringen.
Darin liegt die Übereinstimmung des Paares: “oh, du bist so wie ich”. Das fühlt sich
schön an, entspannt. Ein Gleichklang. Hier ist der Themen-Ort, an dem sich ein Paar
treffen kann, auch wenn es anderswo gerade schwierig ist. Im Rahmen der
energetischen Veränderung, die seit einiger Zeit und verstärkt in den nächsten
Jahrzehnten stattfindet (wir sind sozusagen eine Übergangs-Spezies), lässt sich
beobachten, dass der genetische Imperativ der Vielfalt deutlich nachlässt. Früher
entstanden Paarbeziehungen meist zwischen Menschen, die sehr gegensätzliche
Definitionen hatten, da war kaum ein gemeinsam definiertes Zentrum. Sehr
attraktiv, sehr explosiv und somit sehr schwierig zu leben – aber genetisch total viel
Potential – für überlebensstarken Nachwuchs. Heute ist zu beobachten, dass
immer mehr Beziehungen in einem Gleichklang sind, viele gemeinsame Zentren,
weniger Explosivität, dafür mehr Annehmlichkeit. Hier ist, was beide teilen, hier
können wir uns entspannen. Hier finden wir Frieden. Und keine Sorge – schon ein
gemeinsames Zentrum kann reichen, dann trifft man sich eben besonders gut in
diesem Thema.
In den eigenen offenen Zentren ist man mit dem Anderen zunächst nie ganz
entspannt, da er so anders ist und es immer ein Thema sein wird. So sind
emotional Definierte sehr gern mit anderen Definierten, denn mit emotional
Offenen werden Gefühle und Befindlichkeiten immer ein Thema sein. Denn es
macht ja so viel mit dem Offenen. Ra erzählte von sich, er liebe fette Egos – da er
selbst eines habe und die anderen hätten damit eben kein Problem. Ganz im
Gegensatz zu offenen Egos eben. Wir mögen es in der Beziehung, wenn der Andere
den gleichen Antrieb hat, ob nun die Wurzel, das Sakral oder die Emotion – denn
dann funktioniert er wie ich, und er hat höchstwahrscheinlich auch kein Problem
damit, wie ich eben bin. Anderereits ist das Anders-sein natürlich immer spannend.
Die gemeinsame Definition sagt aus, ob ihr gemeinsam über alles reden könnt
(einfache Definition) oder ob es eine Spaltung bleibt. Wenn das der Fall ist, kann es
z.B. in Gesellschaft dazu kommen, dass man dem Anderen plötzlich Vorhaltungen
macht, streitet – einfach weil vielleicht eine Kehlverbindung geschlossen wird :
alles was vorher nur gedacht wurde, kann nun, durch die Überbrückungs-
verbindung der anderen Auras, ausgesprochen werden. Das kann herausfordernd
sei. Bei Paaren mit einer Spaltung kann es hilfreich sein, wichtige
Beziehungsgespräche einfach im Cafe zu führen. Dann wird die Spaltung durch die
Aura der anderen Gäste „überbrückt“, ohne dass man durch sie abgelenkt würde.

354
Wenn zwei Personen energetisch zusammenkommen, ist es meist so, dass im
Komposit mehr Zentren definiert werden als für jeden alleine. Wieviele es sind, hat
eine Wirkung auf die Beziehung:
Manche Paare fühlen sich an, als wären sie ein geschlossenes System - das sind
dann jene, die zusammen alle Zentren definieren, 9:0. Gefühlt ist dann alles
vorhanden, man kann sehr auf den Partner fixiert sein; schwierig, wenn hier ein
Dritter (z.B. ein Kind) hinzukommt. Die 8:1 (acht Zentren werden definiert, eines
bleibt offen) nennt Ra „eight to one - have some fun“ – denn wenn beide Partner
das gleiche offene Zentrum haben, geht hier das gemeinsame Interesse hin. Das
Thema einer solche Beziehung ist wirklich zu lernen, gemeinsam Spass zu haben.
Bei 7:2 kann es schon anders sein, weil dann unter Umständen der eine Partner
sich für alles im offenen Kopf interessiert, der andere landet in den Themen der
offenen Emotionen. Hier braucht es sicher Arbeit an der Beziehung (Ra reimt
daher seven to two - work to do), um immer wieder zusammenzukommen.
Bei einem Verhältnis von 6 definierten und 3 offenen Zentren reimt Ra „6 zu 3 –
seid besser frei“ – hier braucht es Offenheit, solche Paare nehmen wir von außen
vielleicht gar nicht so intensiv als Paar wahr. Das bedeutet nicht, dass sie keine
intensive Beziehungen haben können, es wird nur immer Zeiten der „Freiheit“
geben, vielleicht leben sie nicht zusammen oder haben Berufe, die sie immer
wieder in unterschiedliche Richtungen und Reisen führen. Und bei einer
Verbindung von 5 definierten und 4 offen bleibenden Zentren reimt er „five to
four- no couple any more“ – soviel wie „fünf zu vier, kein Pärchen hier“– aber das
muss überhaupt nicht heissen, dass die Beziehung nicht gut sein kann – sie ist nur
sehr offen, und braucht Bewußtsein und Kommunikation.

Typen-Chemie
Wenn Generator auf Generator trifft, passt immerhin schon mal die grundlegende
Art, mit dem anderen umzugehen – nämlich das Fragen-stellen. Es ist grandios, was
ein Generator-Paar schnell alles klären kann, wenn beide einander Ja/Nein Fragen
stellen. Warnung: auch „Liebst du mich noch?“ oder „Findest du mich attraktiv?“
werden mit ehrlichem Uhum oder UmUm beantwortet.
Hier wird dann die innere Autorität wichtig – emotional, dann braucht es Zeit, oder
sakral, dann kann es schnell sein und das hat zur Folge, dass jeder auf sich selbst
hören muss. Selbst wenn beide die gleiche innere Autorität haben, bedeutet es ja
nicht zwangsläufig, dass beide immer das Gleiche wollen. Für beide gilt – auch
wenn die Beziehung für einen Generator (vor allem mit einer Spaltung) sehr, sehr
wichtig ist, werden sie wahrscheinlich noch etwas Anderes neben der Beziehung
brauchen – z.B. eine erfüllende Arbeit, wo das Thema „Befriedigung“ erlebt
355
werden kann. Und falls du mit einem Generator zusammen bist: ihn zu fragen ist
das Respektvollste, was du tun kannst. Nicht sagen, was er tun soll, sondern:
fragen. Und als Generator erfolgt über deine Reaktion die passende Bezugnahme
auf deinen Partner, das Echte im Jetzt. Ich unterscheide hier nicht zwischen
Generator und Manifestierendem Generator, denn die grundlegende Strategie ist
für beide die Gleiche. Aber zu beachten ist die unterschiedliche Herangehensweise
an die Dinge - siehe Kapitel Typen. Besonders gemeinsam etwas zu unternehmen
birgt so seine Herausforderungen.
Generator und Projektor – aufgrund der Häufigkeit der beiden Typen eine
verbreitete Kombination. Zum einen ist klar – die Arbeit gehört zum Generator -
oder „out-gesourct“, denn da ja meist keiner Lust auf Hausarbeit hat, aber beim
Projektor im „Beipackzettel“ steht: „ist nicht zum Arbeiten auf der Welt, sondern
um Energien anderer zu lenken und sich ansonsten auch gerne mal auszuruhen“,
ist es nicht ideal, wenn dieser Zuhause alles machen muss. Also bleibt die Arbeit
beim Generator-Partner oder eben bei einer Haushaltshilfe (wenn beide
gemeinsam erfolgreich genug sind, was ja in dieser Kombi gut möglich ist). In einer
solchen Beziehung kann eines der Dauer-Problem-Themen sein, dass der Projektor
gern den Generator lenken möchte – sobald er dies aber ohne Einladung tut, auf
Abwehr stoßen wird. Hier ist der Tipp für den Projektor: fragen. Es macht einen
riesigen Unterschied, ob du deine Wahrnehmung einfach „raushaust“ oder fragst:
„Magst du was hören/darf ich was dazu sagen?“. Ein Tipp an die Generatoren-
Partner: macht euch vielleicht ein bissl „weit“ im Hören und bedenkt, euer
Projektor-Liebste/r meint es höchstwahrscheinlich nicht als Angriff oder Kritik,
sondern hat etwas Gutes für euch im Sinn. Dieser „Abwehr-Effekt, wenn ein
Projektor uneingeladen spricht, ist “betriebsbedingt”, mechanisch - und nicht böse
gemeint.
Und für den Projektor: du bist so kostbar! Ich habe viele verzweifelte Projektor-
Frauen in der Beratung erlebt, die – vor ihrer Bekanntschaft mit Human Design –
alles von Vitaminspritzen bis zu Aufbaukuren, Personal Training uvm. versucht
hatten, um „nicht so schlapp und leistungsschwach“ zu sein. Denn im
Zusammensein mit ihrem MG oder Generator-Partner hatten sie das Gefühl, „ein
looser“ (eigene Worte) zu sein. Gottseidank gelingt es oft, dass sie ihre Projektor-
Gaben als solche erkennen und beginnen, sie erfolgreich einzusetzen.
Wenn es gut läuft, kann dieses Paar aber sehr erfolgreich sein. Eine (wirklich so
geschehene) Geschichte eines solchen Paares: Samstagmorgen. Er fragt: “Schatz,
was liegt denn heute an?” Sie (Projektor mit nur zwei definierten Zentren, Ajna und
Kehle) sagt ihrem Mann, dass an dem Tag noch eingekauft werden müsse, einiges
aus dem Baumarkt geholt und im Garten viel zu tun sei. Dann legt sie sich in den
Liegestuhl und liest den Rest des Tages. Ihr Mann fährt einkaufen und zum
Baumarkt und arbeitet bis kurz vor dem Dunkelwerden im Garten, kommt dann zu
356
ihr an den Liegestuhl und strahlt sie an: „Super, Schatz, heute haben wir ja total viel
geschafft, das Gegrillte ist jetzt fertig, wir können essen“. Und meint das so.
Projektor-Generator-Erfolgsstory.
Das Thema „wer macht die Arbeit“ bleibt auch bei den anderen Kombinationen
Manifestor-Projektor oder Manifestor-Generator und bei allen Verbindungen mit
dem Reflektor. Denn: eben nur das definierte Sakral hat die Energie für dauerhafte
Arbeit. Wenn es dafür anspringt!
Wer mit einem Manifestor zusammen ist: hier gilt das Informieren des Partners für
beide als wichtigste Strategie. Ein Manifestor wird immer Freiheit brauchen und
„sein Ding“ machen müssen – aber das heißt nicht, dass er nicht liebt. Und das
Bedürfnis, seinem Inneren zu folgen, ist nicht gegen den anderen gerichtet.
Grundbedürfnis des Manifestors ist es, eine Auswirkung zu haben – günstig ist hier,
wenn dies vor allem auch außerhalb der Beziehung einen Ort findet und nicht am
Partner ausgelebt werden muss. Da Manifestoren per Definition der eher
unlenkbare Typus sind, ist es auch für einen Projektor-Partner gut, wenn er nicht
beim Manifestor, sondern in einem beruflichen Umwelt lenken und leiten kann.
Und ein sehr wichtiger Unterschied: Projektoren werden gern gefragt und
angesprochen (potentielle Einladung). Manifestoren eher nicht! Denn ihr Job ist es
ja, zu initiieren und dazu gehört dann auch, die Verbindung herzustellen, bzw.
Offenheit zu initiieren. Ein Beispiel aus eigener Praxis: Wenn ich einen Kurs gebe,
freue ich mich sehr auf und an den Menschen, die zu mir kommen. Dann kann
jeder mich alles fragen und das ist total schön. Vor Human Design habe ich oft
folgendes Szenario erlebt: Wenn eine Pause war, ich den Raum aber noch nicht
völlig verlassen hatte (weil ich neues Wasser hole, für den nächsten Kursteil ein
Chart ausdrucke etc.) kam es immer wieder vor, dass ein Projektor die „günstige
Gelegenheit“ nutzen und mir (jetzt wo er mich vermeintlich für sich hatte) etwas
erzählen oder mich etwas fragen wollte. Das riss mich aber aus meinem Tun und
fühlte sich an, als würde mir gewaltsam etwas abgerungen, was sich sehr
erschöpfend anfühlte. Denn ich hatte nicht signalisiert „ich bin verfügbar“, sondern
ich bin beschäftigt. (Heute informiere ich früher, das hilft). Daher: wenn euer
Manifestor-Partner sein Ding macht – lasst ihn nach Möglichkeit. Und falls das nicht
geht, wäre vorher die Ansprache: „Ich muss dich bitte mal was fragen..“ immer ein
zumindest halbguter Weg. Denn natürlich werdet ihr als wahrnehmendes
Projektorwesen genau fühlen, wenn da gerade irgendwas unangenehm war.

Wie auch für den Projektor gilt für den Manifestor und Reflektor: Wenn ihr mit
einem Generator zusammen seid, denkt daran: ihr habt ein offenes Sakral!! Ihr
seid nicht für Dauer-Power konstruiert. Ihr nehmt Schaden, wenn ihr euch
verhaltet wie sie. Sakral Offene brauchen Pausen und sind deshalb nicht schwach
357
oder schlecht! Und im Idealfall, egal wie sehr ihr euch liebt, wie sehr ihr es genießt,
mit eurem Partner zu sein: alleine schlafen kann sakral Offenen das Leben
verlängern. Denn das offene Sakral regeneriert sehr viel langsamer als das
Definierte. Und in Gegenwart eines definierenden Sakrals wird dauernd Energie
gepusht. (Außerdem werden wir nachts immer vom anderen konditioniert, für
beide nicht ideal.) Ein Generator ist belebend! Nicht umsonst heißt der Satz des
offenen Sakrals zum definierten: „Mit dir fühle ich mich lebendig, kraftvoll und
sexy“. Gerne. Nur bitte nicht über deine eigenen Grenzen hinweg. Denn das ist eine
ausgeliehene Energie, die – wenn wir mit ihr pausenlos gefüllt sind – zu
Erschöpfung und sogar Burnout führen kann. Und ich spreche ja auch nur von
alleine schlafen.
Für den Reflektor gilt in allem das, was ich zu den sakral Offenen geschrieben habe.
Und für sie in ganz besonderem Maße: der richtige Ort. Der Ort ist wichtiger als
die Menschen, auch wenn das seltsam klingen mag. Aber ein Reflektor spiegelt das
System, in dem er sich befindet: die ganze Familie, die Firma. Aber an einem Ort,
wo er sich nicht wohlfühlt, ist er nichts, ein Schatten seiner selbst. In einer
Beziehung ist es also von größter Bedeutung, dass der Reflektor-Partner den Ort
bestimmt und mag. Gleichermaßen braucht es die Offenheit des Partners, mit
diesem so wandelbaren Wesen immer wieder neu umzugehen – wir erinnern uns,
es sind die Transite, die in einem Mondumlauf das ganze Wesen des Reflektors auf
unterschiedlichste Weise berühren und verwandeln. Da ist man eigentlich immer
mit mehreren Partnern zusammen - was ja durchaus reizvoll sein kann, wenn man
die Erwartungen loslässt.

Aus welchem Schaltkreis kommst du?


Es macht immer Sinn zu schauen, welche Schaltkreise in beiden Partnern aktiviert
sind – und ggfs. dem Stammesmenschen den individuellen Partner nahezubringen
– und umgekehrt. Eine besondere Dynamik kann ins Feld kommen, wenn sich in
der Elektromagnetik plötzlich ganz neue Schwerpunkte bilden – neulich hatte ich
ein Paar zur Beratung, das sich im gemeinsamen Leben kaum noch
wiedererkannte: beide waren jeder für sich sehr individuell, zusammen jedoch
aktivierten sie drei Stammeskanäle – und tatsächlich lebten sie als Paar eine sehr
viel engere Verbindung zu ihren Herkunftsfamilien.

358
Zentren und Beziehungen58
Hier kann es ganz besonders „tricky“ werden, denn zunächst ist es sehr attraktiv,
durch den Partner „definiert“ zu werden, da kommen tolle neue Energien, man
fühlt sich ganz anders. Hier gilt es jedoch, ganz deutlich zu unterscheiden, ob wir
über das Nicht-Selbst* sprechen oder über das, was wir wirklich sind. (*Zur
Erinnerung: das Nicht-Selbst meint alles, was nicht unserer Anlage, unserer
Strategie und inneren Autorität entspricht – ob nun in einem definierten oder
offenen Bereich. Was wir eben nicht sind! Was wir von außen übernommen
haben, wo wir konditioniert worden sind und werden, oder wo wir unserem
Denken oder Befürchtungen gestatten, uns zu steuern. Es ist vor allem eine
Verlockung, sich gerade über die Themen und Zentren zu definieren, wo wir offen
sind - so wie sich die sakral Offenen z.B. über Arbeiten und Anstrengung beweisen
wollen, etc.)
Wenn du wirklich du selbst bist, deiner Strategie und deiner inneren Autorität
folgst, dann ist alles gut. Immer. Dann ist es völlig gleich-gültig, ob du ein offenes
oder ein definiertes Zentrum hast, denn dann gehst du dir entsprechend damit
um. Du lebst dich und nicht das, was du nicht bist. Dann wird die Begegnung zu
etwas Neuem, Spannendem: ich kann mich selbst immer wieder neu entdecken
durch und mit dem Anderen. Die folgenden Hinweise beziehen sich somit auf die
Nicht-Selbst-Vorgänge und ihre Verlockungen, Verstrickungen und Probleme, die
daraus entstehen können. Im Nicht-Selbst kann die Definition Macht sein, wie eine
Waffe, und die Offenheit der Zentren verzerrt, beugt, übernimmt und verdreht
sich.

Grundsätzliche Mechaniken:
Für ein offenes Zentrum ist es neu, spannend und interessant, durch einen Partner
definiert zu werden. Dann erlebt es z.B. mehr Lebendigkeit, Kraft, Sicherheit,
Wohlbefinden als dies allein der Fall ist. Etwas Neues, Unbekanntes, zu
Erkundendes kommt hinzu. Und sollte es der Fall sein, dass zwei offene Zentren
dann zusammen als Paar definiert werden, kann es ein echter Zugewinn sein.
Wenn z.B. Paul und Ingrid, beide mit offener Kehle, gemeinsam eine definierte
Kehle haben, werden sie wahrscheinlich erleben, dass sie zusammen mehr Wirkung

58 siehe als Grundlage natürlich: „definierte und offene Zentren“

359
haben, dass sie dann Dinge besser bewegen und wirkungsvoller sprechen können
als jeder für sich allein.
Wenn aber einer der Partner definiert ist und der andere offen, kommt es
einerseits zur oben beschriebenen Anziehung – aber auch zu einer Abwehr, denn
definiert-werden kann ja auch wie eine Übernahme wirken, wie eine Kraft, die
überwältigt. Dann fühlt sich das offene Zentrum machtlos und wird ablehnend oder
frustriert. Dann kommen Ausgleichsmechanismen zum Tragen (man könnte sie
auch mit einem „Heimzahlen“ vergleichen) – wie gesagt, alles nur, wenn das Nicht-
Selbst am Werke ist, wenn die Partner unbewusst agieren und reagieren.
Aber: Achtung, das ist nichts Bewusstes. All das geschieht, ohne dass wir etwas
davon mitbekommen. Dann „rächt“ sich der Partner, der z.B. durch das definierte
Sakral überanstrengt wird, indem er sich mit einer Definition oder anderen Kraft
seines Charts durchsetzt. All das ist der Liebe nicht wirklich dienlich – daher finde
ich das Erkennen und Erklären-können durch die Betrachtung der Partner-Charts so
spannend. Ganz im Sinne von „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ - durch ein Sehen
und Verstehen kann wirklich ein ganz neuer Frieden kommen, eine Gelassenheit
und eine wohltuende neue Sichtweise. Und ein größerer Genuss an der Vielfalt der
jeweils anderen Person.
Am Anfang jedoch ist es meist sehr spannend: „Mit dir fühle ich mich lebendig und
kraftvoll“, sagt das offene Sakral zum Definierten – und so gewinnt auch scheinbar
erst mal das offene Sakral eines Projektors oder Manifestors mehr Lebens-Kraft,
wenn er mit einem Generator zusammen ist. Aber: sie ist ja nur ausgeliehen, sie
passt nicht zum eigenen gesunden „Betriebssystem“ und kann so zu
Überanstrengung führen – das merken die Offenen aber immer erst später (und
manchmal zu spät). Denn: auch wenn ich mich „mit dir so lebendig fühle, als
könnte ich Bäume ausreißen“ gilt: offen bleibt grundlegend offen und ist nicht zum
dauerhaften Bäume-ausreißen gemacht.
Die Folge kann auch eine Ablehnung des Partners sein – viele sakral offene
Partner fühlen sich durch den anderen innerlich gedrängt, aktiver zu sein als ihnen
eigentlich und dauerhaft lieb ist. Und so kann die Definition neben dem Attraktiven
auch etwas Irritierendes und unbewusst Ablehnendes in die Beziehung bringen .
Meist sind es sogar die sakral Offenen, die unbedingt neben ihrem Generator-
Partner schlafen wollen; aber sie zahlen einen hohen Preis, denn ihr offenes Sakral
kann sich dann nicht wirklich regenerieren - auf Dauer erschöpfen sie. Daher lohnt
sich die Überlegung wirklich, ob nicht getrennte Schlafräume möglich sind.
Gegenseitige Besuche dort sind zudem etwas, das immer wieder Neues und
Anregung in Beziehung bringen kann. Denn es kann für beide ein Genuss sein, den
Partner mehr „bei sich“, so wie er wirklich ist zu erleben (wenn er im eigenen Raum
geschlafen hat) und nicht als die Mischung der Beziehung, die sonst entsteht.
360
Ansonsten werden wir alle nachts durch den Partner konditioniert, wachen nicht
wirklich als wir selbst auf.

„Du gibst mir Sicherheit“ – so empfindet es die offene Wurzel. Der Preis ist aber
auch „du machst mir Druck“. Und daraus können ungesunde Muster entstehen,
dann macht vielleicht die offene Wurzel alles, was die Definierte möchte, erledigt
die gewünschten Aufgaben, damit der Druck nachlässt. Aber das bleibt nicht ohne
Folgen – irgendwo braucht ja alles einen Ausgleich. Und dann wird die „Revanche“
mit einem Zentrum geschehen, wo der andere mehr Wirkungskraft hat (ob nun
durch Liebes- oder Sexentzug „bestraft“ wird, negativ wird’s auf jeden Fall).
Da sich eine offene Milz in Gegenwart einer Definierten meist viel wohler fühlt,
hängt sie an dem Partner, nimmt vielleicht auch Dinge und Dynamiken hin, die ihr
überhaupt nicht gut tun – weil doch der Partner mit dem Milz-definierenden Effekt
sich so gut anfühlt. Die offene Milz tut sich schwer, Jobs oder Beziehungen
loszulassen, sie hält lange, nachdem es nicht mehr gut tut, fest. Selbst für
körperliche Gewalt findet sie u.U. noch Entschuldigungen.
Sehr verlockend kann auch die Definition des Selbst sein – dann hat der Offene
endlich ein Gefühl von Richtung – „mit dir weiß ich, wohin es geht, bei dir fühle ich
meine Mitte“. In Wahrheit ist es jedoch der Weg und die Mitte des Anderen. Es
kann ein fast physisches Wohlgefühl machen, als wäre ein fehlendes Puzzlestück
endlich an seinem Platz – und doch ist es für den Offenen lebensnotwendig, sich
auf seine Autorität zu verlassen, denn nur sie zeigt die wahre eigene Richtung.
Unbewusst ist es oft ein Gefühl, als würde der Offene mehr lieben, mehr an dem
Partner hängen, der ihm das Selbst definiert – und doch ist es reine Mechanik und
darf sehr gern überprüft werden. Sehr verlockend hier die 4 transpersonalen Tore
der Liebe, siehe Seite 257.
Werden die Emotionen definiert, kommt ein komplexer und in der Wirkung sehr
dramatischer Mechanismus in Gang - dann füllt und dominiert das Gefühl des
definierten Zentrums natürlich das offene und der Offene bemüht sich, Frieden zu
schaffen, dafür zu sorgen, dass es dem anderen gut geht – was ja so eben nicht
funktionieren kann. Das lernen wir schon ganz früh: das offene Zentrum bemüht
sich dann z.B. brav zu sein, damit die Mama nicht traurig ist, fröhlich zu lächeln,
damit es dem Anderen gut gehen soll. Oder beim definierten Zentrum schlechte
Stimmung zu verbreiten, damit der andere tut, was ich möchte.
Als kleiner Anreiz: in einer echten Beziehung, in der jeder sich seiner Definition
oder Offenheit gemäß verhält, liegt ein Portal zum Himmel: Wenn der Definierte
glücklich ist, füllt es den Offenen mit noch mehr Glück, das wiederum beflügelt den
Partner und sie erleben den Himmel auf Erden. Und im umgekehrten Fall, anstatt in
361
die Hölle zu fallen, geht der emotional Offene vielleicht in Zukunft einfach ein Stück
spazieren, bis die Welle des Definierten an einer anderen Stelle ist .
Dann wäre da noch das offene Ego-Herz-Willenszentrum – mit der Verlockung, den
eigenen Wert zu beweisen, aber in der Verbindung wird sich immer derjenige mit
der Definition durchsetzen, wenn er/sie etwas will oder eben nicht will – dann wird
es so geschehen. Und zwei offene Egos ringen „gern“ um die Macht, dann gibt es
immer wieder Streit – der zu nichts führt. Ich habe Klienten erlebt, die sich fast
körperlich in dieses Ringen um Macht einbrachten.
Die definierte Kehle – die sich durchsetzt in Handlung und Sprache und die sooo
verlockend ist für die Offenheit. Dieses Gefühl „mit dir gemeinsam kann ich
erschaffen“. Herausforderung ist, dass es eher um das gehen wird, was der
Definierte erschaffen will.
Der offene Kopf und das offene Ajna – wird konditioniert mit den Vorstellungen,
der Art zu Denken, welche der Definierte vorgibt. Entweder führt dies zum
Nachgeben (wie du sagst ist es richtig) oder dazu, dass der Offene einfach nicht
mehr zuhört, sich verschließt und somit seine Beweglichkeit verliert. Immer wieder
höre ich von Paaren, die sich über Jahre streiten, weil der Offene versucht, dem
Definierten Vorstellungen aufzudrängen, sich endlich mal durchsetzen will. Aber:
definiert zu sein, bedeutet doch, seine eigene, festgelegte Art zu denken zu haben,
die Welt zu sehen. Das Ringen um Macht, das so trennend sein kann. Für das
offene Zentrum gilt es, das Denken einfach geschehen zu lassen, aber ihm nicht
Autorität zu verleihen.
Für die Begegnung der unterschiedlichen Profile empfehle ich, das Kapitel über die
Linien zu lesen, hier kommt schon viel Verständnis zustande, wenn ihr versteht,
was dem Anderen so wichtig ist. Auch hier gilt: alles, was gleich ist, ist meist
leichter für uns, denn da kennen wir uns aus. Und bei allem anderen haben wir
eben etwas zu erkunden – ist doch auch gut. Es kommt immer auf die innere
Haltung zu den Dingen an. Wenn ich als Zwei verstehen kann, warum mein Partner,
der eine Eins ist, immer wieder nachbohrt, sich auskennen will (eben weil ich weiß,
dass es in ihm drängt, Sicherheit zu haben), kann ich entspannter sein. Und wenn
es für die Zwei eben unbedingt diese eine, teure Jacke sein muss, weil nur die
richtig ist, kann die Drei ruhig bleiben und nicht auf dem Praktischen, Günstigen
bestehen. So viel Vielfalt und Frieden sind möglich.
Die nächste Ebene betrifft unsere innere Autorität und die daraus erfolgende
Strategie – und die ggfs. auftretenden Unterschiede in der Beziehung.
Mehr als 50 % der Menschen brauchen viel Zeit, um eine für sie stimmige
Entscheidung zu treffen – zum einen die vielen emotional Definierten und dann die
Reflektoren und Projektoren ohne innere Autorität. Hier gilt es, abzuwarten, mit
362
vielen verschiedenen Menschen zu sprechen, zuzuhören, und dann wirken zu
lassen, bis am Ende das Eigene gefunden wird.
Mittel-„schnell“ ist die Autorität im Selbst (wirklich alleine Selbst-Gespräche
führen, hin-hören, was es in dir sagt) und das Ego (auch hier gilt es, sich zuzuhören,
herauszufinden, was du liebst und willst).
Und die flottesten inneren Antworten kommen zum einen über die sakrale
Autorität mit ihre Re-aktion im Jetzt, aus dem Bauch heraus geführt mit einem
Uhum oder UhmUm, und durch die schnelle Milz – das absolute Wissen aus dem
Körper, was JETZT für mich richtig ist. Sie ist die älteste Autorität (das macht Sinn:
wissen, ob diese Beere essbar ist, ob ich durch diese Schlucht gehen sollte, oder ob
ein Säbelzahntiger auf mich lauert - total praktisch. Nur heute: ich buche fünf
Monate im Voraus meinen Urlaub, sonst kostet er 30 % mehr – sehr, sehr
schwierig). Denn das Wissen ist spontan da, und hat keine Tiefe und Aussagekraft
für die Zukunft.
Hieraus wird schon klar, wie herausfordernd es sein kann, sich dann als Paar, in
einer Mischung z.B. von emotionaler Autorität und Milzautorität auf etwas zu
einigen. Der eine (Milz) ist ultraspontan und der andere verabscheut spontane
Planänderungen, das kann total nerven. Was definitiv nicht funktioniert sind
Kompromisse - es hilft gar nichts, wenn der Emotionale ein „bissl schneller macht“
und die Milz sich in Geduld übt! Dann hat man zwei Verwirrte, deren
Entscheidungen für beide falsch sind. Dann sind beide nicht sie selbst und es
kommt nichts Gutes dabei heraus. Gleichheit macht es meist leichter: Zwei
Emotionale sind recht stabil, sie nehmen die Welle des Anderen nicht so
schmerzhaft wahr wie es für einen emotional Offenen ist, und können einander
(meist) gut lassen. Zwei Sakrale können einander fragen und haben ein Gefühl
dafür, wie der andere „tickt“. Das gleiche gilt für Selbst und Ego, die Milz, keine
Autorität und das Abwarten und Erleben, bis der Monat herum ist - was ich selbst
an mir kenne, kann ich im anderen meist besser verstehen.
Mich fragte heute eine Klientin: „ja aber, wenn doch der mit den Definitionen sich
durchsetzt, dann habe ich doch gar keine Chance!“. Eine grandiose und – aus
unserer Konditionierung heraus – völlig berechtigte Frage. Aber: wenn wir wirklich
wir selbst sind – unserer Strategie, unsere inneren Autorität folgen, um die
Verlockungen der Nicht-Selbst Themen wissen, ihnen aber nicht folgen – was soll
denn dann geschehen? Dann sind wir absolut stabil in uns – und das gibt immer
Freiheit
Ra schreibt in You and Love/Sex/Friendship:

363
“Das Entscheidende ist, dich selbst zu lieben. Wenn du dich selbst liebst, brauchst
du die Liebe eines anderen nicht. Das ist wundervoll. Liebe sollte ein Extra sein, wie
Süßigkeiten. Sie sollte einfach etwas wirklich Köstliches sein.”

Wenn dann Kinder kommen:


Es gibt sicher nichts Verändernderes, als wenn aus einem Paar Eltern werden –
auch aus Human Design Sicht. Zum einen sind die Kinder oft eine Ergänzung,
bringen eine „Antwort“ auf die Fragen (der offenen Zentren) der Eltern.
Gleichzeitig bringen sie so viele Herausforderungen mit sich, wenn sie Zentren
definiert haben, die bei ihren Eltern offen sind. Ihre Aura wirkt – sofort und
verändernd auf das Mutter-Vater Gespann. Man möge sich nur vorstellen – wenn
dann das Kind mit definierten Emotionen und definiertem Herz-Wille-Ego zu
offenen Eltern kommt. Im Nicht-Selbst haben diese dann wenig entgegenzusetzen.
Wenn sie sich jedoch der Dynamik bewusst sind, können viele Machtkämpfe
vermieden werden und eine klare Kommunikation entsteht. Dann können eben
diese Eltern ihr Kind wahrnehmen – und hilfreiche Führung anbieten.
Oder im Beispiel einer Projektorin und eines Generators. Er genoss es, Zentrum
ihrer gerichteten Aufmerksamkeit zu sein. Jetzt haben sie ein Kind – und natürlich
ist das jetzt wichtig und alle Energie und Aufmerksamkeit der Mutter geht dorthin
– und der Generator-Partner fühlt sich verlassen. Auch wenn einer der Partner mit
dem Kind eine 9:0 Verbindung hat, kann es vorkommen, dass sich der andere
Elternteil „außen vor“ fühlt, als wäre er überflüssig. Wichtig ist, nichts davon muss
eintreten – vor allem nicht, wenn sich die Eltern bewusst sind, was geschieht.
Um es noch interessanter zu machen, beginnt in allen Verbindungen von mehr als
zwei Menschen die Dynamik des Penta zu wirken. Es umfasst Gruppen von 3-15
Menschen59 und immer maximal fünf gehören in ein Penta. Somit landet jede
Kleingruppe von 3-5 Personen in der energetischen Wirkungsweise eines Penta.
Hier zählen ausschließlich die Kanäle zwischen Sakral, Selbst und Kehle. Es geht also
nicht um das Fühlen, nicht ums Denken und auch die Wünsche des Einzelnen
spielen hier (energetisch) keine Rolle. Wie ein vereinheitlichendes Feld saugt das
Penta die Mitglieder in bestimmte Rollen hinein, die mit ihnen als ganzes Wesen
unter Umständen nur wenig zu tun haben. Ra selbst amüsierte sich darüber, dass
seine Mutter ihn nie für wirklich lebensfähig hielt, ihm gar nicht zutraute, seinen
Lebensunterhalt bestreiten zu können. In der Energie des Pentas konnte sie ihn
nicht sehen. Vielleicht kennst du Menschen, die von den Eltern in höchsten Tönen

59 danach nennt man alles ab 16 Personen ein Wa, nochmal eine andere Dynamik, die wir
im Alltag erleben, z.B beim Einkaufen, auf Hochzeiten und Firmenfeiern

364
gelobt und vor ihren Geschwistern bevorzugt werden – doch außerhalb dieses
Familienpentas ist von den „besonderen Gaben“ dieser Person nichts zu sehen.
Und die Geschwister sind vielleicht extrem begabt. Beim Penta geht es um den
Beitrag, den der Einzelne für die eigene Gruppe leisten kann (aus dem
Geschichtsunterricht sind uns sicher allen erfolgreiche Familiendynastien
bekannt). Es geht um Profit für diese Gemeinschaft, um eine Optimierung und
Sicherung, um Regeln und ihre Einhaltung. Zentrales Moment ist natürlich die
sakrale Arbeitskraft.
Für mich war dies die Erklärung, warum ich mich in (Familien)-Gruppen nie sehr
wohl gefühlt habe, ich gehe da einfach unter, meine Gaben kommen nicht zur
Wirkung (als Manifestor bin ich ja eh in solchen Konstellationen eher „außen vor“)
und da ich fast keine Aktivierungen im Penta habe, ist das für mich keine
wirkungsvolle Umgebung. (Ganz anders natürlich, wenn ich als Seminarleiterin
Kurse gebe, denn dann ist meine Rolle von vorn herein klar und gewünscht, dann
ist das wunderbar. Dann ist mein individueller projizierter Kanal der
durchdringenden Wahrnehmung eingeladen (20-57).
Wird ein Penta „komplett“ durch die Gruppenmitglieder, funktioniert es wirklich
gut, dann „läuft“ alles in der Familie, dem Team. Dann können fünf Leute so
effektiv, erfolgreich, produktiv sein wie acht andere (das nennt man dann Dream
Team, natürlich heiß begehrt in jeder Firma). Das sind dann die Familien, auf die
man von außen schaut und denkt: wow, so kann es sein. Sie sind erfolgreich und
produktiv, haben einen starken Zusammenhalt und Zufriedenheit. Wenn aber mehr
als die maximal fünf Personen zusammenkommen (z.B. wenn noch ein weiteres
Kind kommt) kann es für die Nachzügler u.U. gefühlt keinen Platz mehr geben, sie
werden (für das Penta) nicht gebraucht und finden darin keine Position. Das sind
oft die Kinder, die ganz früh von zuhause weg gehen oder lange
Auslandsaufenthalte wählen oder einfach möglichst viel „woanders“ sind.
Für die Menschen der neuen Zeit (Ra nannte sie Raves), die Kinder, die ab 2027
nach und nach auf die Welt kommen werden, ist diese Pentastrukur ihre normale
Lebensform, sie sind nicht gemacht, um alleine zu sein, sie fühlen sich zu ihrem
Team hingezogen und leben das Penta extrem erfolgreich und völlig bewusst. Aber
das ist gefühlt für uns fremd, sie werden anders sein als wir.

365
Und was wäre ein Kapitel über
Beziehungen ohne

Die Tore der Liebe60

25-15-46-10
10-44-40-58-41-28-55

Es mag erstaunen, dass von den zehn61 Toren der Liebe nur eines im
Emotionalzentrum zu finden ist. Das allein lädt schon ein, darüber nachzudenken,
was Liebe denn eigentlich genau ist. Spontan denken die meisten sicher vor allem
an die romantische Liebe (die im längsten Teil unserer Menschheitsgeschichte
allerdings kaum eine Rolle spielte), die Eltern-Kind-Liebe, die freundschaftliche
Liebe. Aber es gibt noch mehr:
Sitz der ersten vier Liebestore ist das Selbst. Die Tore des Inkarnationskreuzes
Vessel of Love, Gefäß der Liebe, bringen eine überpersönliche Qualität der Liebe ins
Feld. Da geht es um mehr als nur das romantische Gegenüber - sie haben eine
transzendente Qualität. Der Mensch liebt – aber nicht dich, es ist nicht persönlich.
Es ist eher so, als wenn es durch ihn hindurch liebt. Das bringt eine Menge
Potential für Verwechslungen mit sich!
Die anderen Tore der Liebe sind verteilt über mehrere Zentren und sie bringen das
mit sich, was wir als persönliche Liebe empfinden – was Ra aber auch als die
„Illusions of Love“ bezeichnet; denn je nachdem, welche dieser Tore in einer
Beziehung aktiviert werden, haben wir das Gefühl, “es ist mein Gegenüber, das
diese Art der Liebe bringt, ich brauche ihn/sie dazu”. Manche Leser kennen sicher
das Gefühl in Beziehungen, dass einer den Anderen mehr zu lieben scheint. Auch
das ist auf eine einfache Mechanik zurückzuführen – wenn einer der Partner ein
Tor der Liebe in einem offenen Zentrum hat und der andere dann die Definition

60 Natürlich gelten für die folgenden Tore auch die Beschreibungen im entsprechenden Kapitel. Im
Folgenden liegt der Fokus auf einer anderen Ebene der Energie – dem jeweiligen Ausdruck der Liebe –
und den Herausforderungen, die sie in unsere Beziehungen zueinander und zur Welt bringen.

61 (bzw. 11, Tor 10 hat 2 Dimensionen)

366
bringt, bedeutet diese Verbindung für den Offenen einfach viel mehr. Es ist viel
spektakulärer – und fühlt sich somit an wie „du bist der Eine, die Liebe meines
Lebens“. Diese Wirkung erlebt der Definierte so nicht. Reine Mechanik.
Das Geschenk des Wissens hilft – denn es nimmt ja nicht das gute Gefühl, es hilft
nur zu verstehen, wenn etwas scheinbar ungleich oder problematisch ist – man
kann es erkunden und somit anders damit umgehen. Wenn die Tore eines
Menschen in offenen Zentren sind, wird er Sehnsucht erleben, die Hoffnung auf
Erfüllung - und wenn dann der Andere geht, kommt das, wovon viele Songtexte
handeln: es fühlt sich an, als habe der andere all seine Liebe genommen, er fühlt
sich leer und allein, der Schmerz ist überwältigend.

Und hier das Komposit – was geschieht,


wenn beide zusammen sind:

Partner 1
Offene Liebestore im offenen Selbst .
Ihnen gegenüber ( im Kanal) liegen
definierte Tore des Partners,
der offenen 46 liegt die 29 gegenüber, Die offenen Tore/Zentren von Partner 1
werden durch Partner 2 als
der offenen 25 die definierte 51.
Kompromisskanal definiert (er bringt
den ganzen Kanal mit, oder im Falle
Partner 2
Definierte Zentren. Aktivierte von 29-46 eben Tor 46, eine
unpersönliche Liebestore elektromagnetischeVerbindung). Das
führt dazu, dass sich Partner 2 immer
durchsetzen wird und dass Partner 1
das Gefühl hat, mehr zu lieben, denn
sein Selbst (Liebe und Richtung) und
auch noch die Tore der Liebe werden
definiert. Aber: das alles ist nicht persönlich, führt aber leicht zu Verwechslungen.

367
Gut zu wissen ist: du wirst da ein Gefühl von Leichtigkeit und Stimmigkeit in der
Liebe erleben, wo du definiert bist - und wirst die Neigung haben, da, wo du offen
bist, nach ihr zu suchen. Each of us is unique in our capacity for love and we all
have it.62 Jeder von uns ist einzigartig in unserer Fähigkeit zu lieben – und wir alle
haben sie. Aber in unterschiedlicher Form. Wach beobachtend – eben als Passagier
auf der Reise unseres Lebens – ist alles gut. Und nicht in jeder unserer Beziehungen
werden alle unsere Liebestore aktiviert – wir haben also eher Potentiale für die
Liebe und erleben uns unterschiedlich. Und dort, wo ein Liebestor in einem
offenen Zentrum ist, werden wir vom Leben getestet, müssen schmerzhafte
Erfahrungen machen – um (wenn wir Glück haben), aufzuwachen.

Die transpersonalen Tore der Liebe (im Selbst)63 10 – 15 – 46 – 25


Hier geht es um jene Liebe, die größer ist als das Persönliche. Solche Menschen
sind total liebevoll, voller Liebe im Umgang mit dem Anderen, ob Gefährte, Freund,
Liebstem. Aber es ist trotzdem nicht nur auf diesen Menschen bezogen und das
kann für den Anderen sehr enttäuschend sein. Ra`s Rat für sie: Genieß die Liebe.
Sie ist wirklich schön. Genieße es, mit solch einem Menschen zu sein, ähnlich als
wärest du in einer sehr wohltuenden Landschaft – sie tut dir gut und du kannst
alles in ihr aufnehmen – aber sie ist auch unpersönlich. Oder besser gesagt: über-
persönlich.
Fangen wir an mit Tor 25, der Unschuld (im ersten Viertel, siehe
Inkarnationskreuze). Sie ist der Ursprung aller Liebe, die Universelle Liebe –
liebevoll zu sein in diesem Universum, allem gegenüber. Es heißt ja auch Tor des
Priesters/ der Priesterin - die sehr liebevoll sein können und doch nicht ihr
Gegenüber in seinem ganz privaten Persönlichen damit meinen, sondern das
Wesen als Ganzes, als Teil des Ganzen. Das kann problematisch werden, falls du
einen Lehrer, Chef, Kollegen mit diesem Tor hast. Denn sobald du diese Liebe
persönlich machen willst, wird der Andere sich abwenden. Wir leben in der
Polarität – und die andere Seite dieser Liebe ist das totale Abwenden, statt Wärme
Kälte, ein komplettes Nein.
Deshalb ist es so wichtig zu wissen, wer und wie wir sind – damit wir es nicht falsch
verstehen und leiden. Ra schreibt, falsch verstandene transpersonale Tore der
Liebe führen zu einem Horrortrip für alle Beteiligten. Jene mit dem Tor werden als
oberflächlich und lieblos beschimpft und der andere, der die Liebe persönlich
erzwingen will, leidet Höllenqualen. Wenn ich das Scheinen der Sonne einfach nur

62 Ra, The Love Series, S. 14


63 Auf dem Bild auf S. 380 in rosa eingezeichnet
368
genießen kann, kann ich einen wunderbaren Tag haben. Das große Ganze, das
Göttliche, diese Liebe strahlt in Tor 25.

Tor 15 – die Liebe zur Menschheit (im zweiten Viertel). Während Tor 25 die Liebe
zu allem war, wird es in Tor 15 schon persönlicher – denn es geht um die Liebe zum
Menschen, zum Mensch-sein. Und dafür braucht es Regeln; das Tor liegt im
logischen Schaltkreis, für die Gemeinschaft. Es beginnt so grundlegend wie: lass
deinen Nachbarn am Leben, auch wenn er fremd erscheint und andere Dinge tut
als wir. Ra nutzt hier das Beispiel eines (anständigen, guten) Politikers, der allen im
Publikum die Hand schüttelt, damit sie ihn bei seinem Einsatz für mehr Frieden,
bessere Schulen oder was auch immer – im Dienste des Ganzen – unterstützen. Das
ist ehrlich gemeint und doch geht es nicht um den Einzelnen persönlich. Es geht
darum, dass die Menschen liebevoller miteinander umgehen. Darin liegt das
höchste Ziel von Tor 15 – Toleranz, die Würde des Menschen ist unantastbar.
Natürlich ist auch dieses Tor nicht unfehlbar aber ich beschreibe ja hier die
Grundenergie. Und da ist Tor 15 kollektiv. Es geht um die menschliche Spezies. Das
ist nicht persönlich.
Im dritten Viertel, der Dualität, steht Tor 46 – die Liebe zum/im Körper. Der Körper
ist unser Tempel, der Satz ist sicher nicht neu, bringt aber die Wirkung von Tor 46
gut zum Ausdruck. Wir sind von der Liebe zu Allem über das Menschliche nun ganz
klar in einem menschlichen Körper angelangt, in-karnieren – in einen Körper
kommen. In Tor 46 sitzen die tiefsten Ängste unseres Menschseins und hier ist
auch die magische Öffnung. Wenn wir unserer Strategie und Autorität folgen, gern
auch noch unserem Primary Health System (=PHS , zu diesem Thema später mehr),
dann wird dieses magische Fahrzeug sich in seiner Schönheit zeigen können (denn
dann muss es nicht die ganze Zeit mit Widerständen und dem Nicht-Selbst ringen).
Dieses Sich-Einlassen im Körper wird nun vom Anderen oft missverstanden – als ein
Einlassen, ein Versprechen an ihn persönlich. Doch das wird in der Beziehung nicht
funktionieren.
Gerade Frauen sind so damit beschäftigt, ihren Körper abzulehnen, an ihm
herumzukritisieren, dass sie die wundervolle Botschaft von Tor 46 nicht hören – es
geht darum, die Schönheit der Form, des Körpers eines jeden zu sehen. Seine Liebe
ist Form, die Form des Körpers ist Liebe, erschaffen als ein Akt der Liebe64. Sobald
wir wirklich wir selbst sind, werden wir entdecken, dass wir das beste Fahrzeug von
allen haben, eben weil es authentisch wir selbst ist. Wie schon in der Rubrik Tore
erwähnt, liebe ich den Namen von Tor 46, Serendipity, glückliche Umstände. Es

64 Ra Uru Hu im Audio Transkript des Vortrags The Love Series S. 25


369
heißt hier: im richtigen Körper am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Das kann nur
gelingen, wenn wir diesen Körper annehmen. Dann klärt sich, wofür wir Hingabe
und Engagement zeigen. Viele meiner Klienten und Freunde mit diesem Tor sind
Körperarbeiter, Masseure, Hand-heiler, die allein durch ihr Berühren vermitteln:
du, dein Körper, bist okay, wunderbar, kümmere dich darum. Einen anderen
Maßstab gibt es nicht. Das ist die Liebeserfahrung, die über Tor 46 vermittelt wird:
genieße die Reise in deinem Körper. Aber es sagt eben nicht zwangsläufig dabei
auch: ich will dich, ich liebe dich auf persönliche Weise, in persönlicher
Paarbeziehung.

Tor 10 – zugeordnet zum letzten Viertel, der Mutation – ist das letzte der
transpersonalen Liebestore und das einzige, das gleichzeitig auch noch ein Tor der
persönlichen Liebe ist. Es ist das Tor der Liebe zum Lebendigsein. Tor 10 ist extrem
komplex, zum einen, da es sich mit so vielen anderen Toren verbinden kann und
weil es so zutiefst individuell ist, meist ganz und gar mit sich beschäftigt.
Auf der transpersonalen Ebene trägt es – als Tor des Verhaltens – die Schwingung
der Freude, am Leben zu sein, mit all den Erfahrungen, die dazugehören. Auch dem
Schrecklichen. Es ist einfach da. Tor 10 liebt die Welt so, wie sie ist. Mit dem
Schmerz, dem Hässlichen, dem Schönen, dem Beeindruckenden und dem
Profanen. Einfach so. Weil es ist. Damit trägt es die Schwingung der Annahme in
sich – ohne Bedingungen. Auf der persönlichen Ebene geht es hier tatsächlich um
Selbstliebe. Und da wird es schwierig, denn ein Selbst, das sich nicht liebt, wird die
Welt ablehnen und hassen. „The not-self that does not love itself hates the
world“65. Und so sucht das so auf sich bezogene Tor 10 auch in der Verbindung mit
dem Anderen sich selbst zu finden und zu lieben. Denn wenn ein Anderer mich
liebt, muss es ja etwas in mir geben, was liebenswert ist. Wenn ein Mensch nur Tor
10 hat, nicht einen der Kanäle, gibt es oft dieses Warten auf die Liebe, dass jemand
kommt und ihn liebt. Eine wirklich schwierige Mischung in einem Tor, das so
individuell ist, so sehr im Eigenen und doch braucht und sucht, dass es geliebt wird.
Die Wirkung der persönlichen Liebestore ist letztendlich, uns dazu zu bewegen, uns
auf den Anderen einzulassen, uns hinein ziehen zu lassen in eine Erfahrung der
Verbindung. Aber das Finden der Liebe zu uns selbst kann nicht durch das Außen
kommen, sondern dadurch, dass wir wirklich wir selbst werden. Denn all diese
Tore beschreiben Facetten der Liebe, Einfärbungen und bieten im Nicht-Selbst

65 Das Nicht-Selbst, das sich nicht liebt, hasst die Welt. Ra, Transkript The Love Series,
S.30

370
Raum für Verzerrung und Missverständnis. Sie beschreiben jedoch nicht die Liebe
selbst!
Das Nicht-Selbst in Tor 10 z.B. sagt in der vermeintlichen Liebe (eigentlich aber der
Nicht-Selbst-Mechanik) zum Anderen mit Tor 20: „Ich liebe dich, weil du mich
erweckst“. Zu Tor 57: „ Ich liebe dich, weil du mir zeigst, wie perfekt die Liebe sein
kann“. Oder auch : „Ohne dich kann ich nicht überleben“. Und zu Tor 34 dann: „ich
liebe dich, weil du mir hilfst zu leben, was für mich richtig ist“. 66 Es geht nicht
darum, dass wir nicht konditioniert werden – das gehört zur Reise als Mensch dazu.
Aber wir können lernen, als wir selbst mit den Dingen umzugehen. Und dann wird
aus einem „ich brauche dich zum Überleben“ ein „wie schön, dass du da bist und
wir zusammen durchs Leben gehen, ohne dich wäre es viel schwieriger. Und ich
weiss, dass ich auch für dich eine Unterstützung sein kann.“
Ich finde es unglaublich spannend und erhellend, auf all die Geschichten meines
Leben zu schauen und – zumindest bei den größeren Beziehungen – nachschauen
zu können: ah, da war ich im Nicht-Selbst, in der Mechanik verfangen und habe sie
so persönlich genommen - denn es hat echt wehgetan – und nicht funktioniert.
Weiter zu Tor 44, dem Tor der Liebe des Talentes, des Erfolgs (Der Satz im Nicht-
Selbst: “ich liebe dich, denn ohne dich wäre ich nicht erfolgreich”). Eine potentiell
schwierige Verbindung, die in der alten Rollenteilung von Mann und Frau oft als ein
Kampf im Sinne von „du wärest nichts ohne mich“ sichtbar wird. Er sagt es als der
Brötchenverdiener, sie als die, die zuhause alles zusammenhält. Im Nicht-Selbst ist
dieser Konflikt Standard – und bringt größten Kummer.
In Wahrheit können wir doch nicht ohne den anderen erfolgreich sein. Wenn wir
unsere Gaben und Talente nutzen – zum Wohle aller – werden wir eben auch alle
teilhaben am Erfolg. Genialer Plan! Er erinnert mich an die unterschiedlichen Bilder
eines antiken Vergleichs, in dem Himmel und Hölle dargestellt wurden: Auf beiden
Bildern war der Tisch reich gedeckt. Und die Wesen hatten lange Löffel. In der Hölle
versuchte jeder, sich das Essen in den eigenen Mund zu führen, was nicht
funktionierte - sie verhungerten. Und im Himmel fütterten sie einander – und alle
wurden satt. Solch eine gesunde Verbindung kann Tor 44 als Liebe in die Welt
bringen, ein sich-gegenseitig-zum-Erfolg-verhelfen. Und im Nicht-Selbst eines
offenen Zentrums glaubt es zu lieben, wenn es durch den Partner aktiviert wird,
wenn der andere ihm Geld bringt. Potentiell schmerzhafte Verwechslung.

66 vgl. Ra, S. 37
371
Die Ego-Liebe – Tor 40. Tor 40 tut etwas für den Menschen, den es liebt, es scheint
fast darauf zu warten, seine Liebe unter Beweis stellen zu dürfen. Und hofft dann,
im Gegenzug dafür gesehen und geliebt zu werden. Besonders natürlich, wenn das
Tor in einem offenen Ego liegt – oh die Verlockung. Im Nicht-Selbst so schmerzhaft,
denn daraus wird nichts werden. Nichts außer dem echten Selbst kann Tor 40
sättigen und die eigene Liebeswertigkeit fühlen lassen. Auch wenn es das immer
wieder über Geld und Anstrengung versuchen mag. (Energie-Geld-Liebe, sie
hängen eng zusammen). Eigentlich fast schon selbst ein Scherz, dass dieses Egotor
nur dann weiß, dass es liebt, wenn es für jemanden arbeitet. In der Welt ist das
Nicht-Selbst dieses Musters sehr verbreitet - Eltern, die von ihren Kindern Liebe,
Gehorsam und Dankbarkeit dafür erwarten, dass sie doch so viel für sie tun. Dieser
Gedanke „ich tue das alles nur für meine Familie, meinen Partner, meine Kinder,
meine Belegschaft“ ist so nah, er entsteht einfach. Aber es ist eben die Liebe, die
etwas gibt, die etwas bereitstellt.
Das Ego ist bekanntlich nicht zum Arbeiten auf der Welt – und es tut nur dann
etwas, wenn es das will, wenn es ihm dient. Wenn es sich geliebt fühlt und wenn es
sich liebend fühlt, kommt Kraft und es gibt. Wenn es nicht liebt, wird es wenig zu
tun bereit sein. Ra scherzte darüber, dass er (mit definiertem Ego und Tor 40) 15
Jahre hart für seine Familie gearbeitet habe und sich jetzt ausruhen würde –
schließlich habe er es alles für sie / für uns getan. Er nannte es scherzhaft seinen
„Messias-Komplex“ und und gleichzeitig fand er es schrecklich. Aber er hat auch
zugestanden, dass er sich erst, als er begann, das Human Design zu vermitteln, als
liebevollen Menschen erleben konnte – denn durch dieses Tun hat er die Liebe in
sich gespürt.
Ein Tor 40, das niemanden liebt, wird auch nichts tun, denn der Treibstoff für die
Aktion, für die Willenskraft im Herz-Wille-Ego ist Liebe. Und wenn der Deal stimmt,
dann ist es gut – sie backt voller Liebe die Kekse und er isst sie. Er renoviert das
Wohnzimmer an seinem freien Tag und sie setzt sich lächelnd hinein – “schön ist es
geworden, Liebster”.

Tor 58 – das Erschaffen der perfekten Liebe. Denn es sieht, was verändert werden
müsste, damit es schön sein kann. Die Liebe, die sich im Korrigieren zeigt („Ich liebe
dich. Ich nehme wahr, dass du nicht perfekt bist. Ich werde dich korrigieren, damit
du perfekt bist.” Was für ein Liebesdienst). Ein kollektives Tor, aber so schwer, es
nicht persönlich zu nehmen in der Verbindung. Für diesen Menschen ist es seine
Art, Liebe zu zeigen – ganz schön herausfordernd, wahrscheinlich eine der
schwierigsten Liebesverbindungen – vor allem, wenn wir nicht wach sind, wenn wir
nicht wir selbst sind. Aber Tor 58 ist ein Aspekt des Kreuzes des Dienens – es ist ein
Dienst, es zeigt auch die Stärke, die in der Liebe steckt. Das Nicht-Selbst möchte all

372
die erfolgten Korrekturen für sich verbuchen - aber das Geschenk, das wir
bekommen, wenn wir wir selbst sind, ist die Lenkung der Aufmerksamkeit. Tor 58
stellt das, was ist, in Frage. Der Vater, der das wackelige oberste Regalbrett im
Zimmer seiner Tochter sieht und kommentiert, die Mutter, die ihren Sohn damit
nervt, die schmutzigen Teller nicht unter dem Bett zu horten, weil Schimmel
schädlich ist – sie lieben! Das ist ihre Art, Liebe zu zeigen – und dadurch springt
ganz sicher nichts für sie raus – sie tun es für den Anderen.

Auf der anderen Seite der Wurzel steht Tor 41, das Tor vom Traum der Liebe. Mit
ihm beginnt ja unsere ganze menschliche Reise, es ist unser Startcodon. Und ohne
Traum von etwas Schönem, warum sollte ich überhaupt beginnen?
Es ist ein Tor im Sinnfinden, im abstrakten Schaltkreis, und hier geht es um
Erfahrung. Um die Erfahrung der Liebe – und dazu gehört hier fest verbunden auch
die Sexualität. Nur in Tor 41 ist die Sexualität tief und untrennbar mit der Liebe
verknüpft – man kann schon ahnen, welch Dramen hier warten. Diese Liebe will
gefühlt werden – auf allen Ebenen – und das geht nicht ohne Sexualität. Das ist ein
unglaublicher Druck, ein Sehnen und auch eine große Verwirrung. „Make love,
Liebe machen“ heißt Sex haben im Englischen, diesen Ausdruck hat sich bestimmt
Tor 41 ausgedacht. Wo doch jeder (außer Tor 41 vielleicht) weiß, dass Sex natürlich
sehr wohl auch ohne Liebe funktioniert. Und Begehren, Sehnen ist nicht Lieben. Im
Nicht-Selbst glaubt Tor 41, dass es liebt, was es begehrt. Tragisch für Beziehungen,
wenn die Messlatte für die Liebe die Qualität ihrer Sexualität ist - für das Nicht-
Selbst kann man eher sagen, die Begierde und das Sehen töten die Liebe, denn sie
fixiert sie auf eine Form.
In der entspannten Form erlaubt Tor 41 einfach, die Fantasien und Träume der
Liebe zu genießen, in der ganzen Palette der Sehnsüchte von Romanze bis
Pornografie, je nach Geschmack - Tor 41 kann Hollywood deutliche Konkurrenz
machen. Passt ja zur Maya – der großen Illusion, die wir erleben. Dann fantasiert
dein Partner vielleicht, während ihr zusammen seid, über jemand oder etwas
anderes – und Liebe ist auch, dass das so sein darf. Es hat nichts mit dir zu tun! Und
nimmt dir auch nichts weg.
Wenn ein Paar in ihrer Verbindung die 41 und 30 in die Elektromagnetik bringt, ist
oft zu beobachten, dass sie ein bissl wie „Romeo und Julia“ leben - sie können
zueinander nicht kommen, sie leben oft räumlich getrennt. Eine Fernbeziehung
voller Sehnsucht. Aber gleichgültig sind sie sich nie, es brennt, wenn sie sich sehen
– und funktioniert doch oft nicht so gut im längeren Zusammensein.

373
Mit Tor 28 kommt wieder eine individuelle Qualität der Liebe ins Feld – und mit ihr
die besondere Affinität zum Akustischen. Worte der Liebe, die Romantik der Suche.
Und in Tor 28 geht es um den Sinn des Ganzen. Damit geht einher, dass diese Liebe
sich melancholisch anfühlen kann – eine kreative Muse, die sowohl in Tor 28 als
auch in Tor 55 wartet. In Tor 28 geht es zusätzlich um ein Ringen für den Sinn, das
mit dem Lieben verknüpft ist. Das kann natürlich tragisch enden – Ra erinnert an
Romeo und Julia: „Da ist kein Sinn und Zweck. Ich finde keinen Sinn. Wenn ich dich
nicht haben kann, gibt es keinen Sinn“.67
Für Tor 28 ist es zutiefst verführerisch zu glauben, dass es nur in der Liebe zu einem
anderen Menschen seinen Sinn finden wird. Und in einem so extrem individuellen
Tor wie der 28 geht dieses Ringen um die Liebe mit dem anderen sehr tief. Es ist
ein Milztor – entscheidet, ob es uns gut geht oder eben nicht. Ja, man kann einen
Sinn in der Liebe finden – aber das kann nicht hergestellt werden, im Individuellen
(Tor 28 gehört zum Individuellen Schaltkreis) kommt das Wissen, wenn es kommt –
oder eben nicht. Daher betont Ra immer wieder, wie wichtig es ist, als wir selbst in
Verbindungen zu treten – dann wird es richtig sein.
Liebe zu leben ist nicht einfach (klingt aber so hübsch, blütenverziert) und die Liebe
in Tor 28 bringt die Kraft, auch die Anstrengung darin durchzuhalten. Echt zu sein,
auch in unseren Begrenzungen. „If you’re correct and your way is to struggle to
find purpose through love, it will be just right for you and you will get through that
satori. You will. You’ll get to that place of purposefulness and then all of it is
worthwhile.“68 Liebende mit Tor 28 sprechen Liebe – und sie ringen sprechend um
Liebe und sie kämpfen um Liebe. Das kann wunderschön sein, kreativ und
aufbauend, Gedichte der Liebe und auch ein hässlicher Kampf und verletzende
Worte im Schmerz. Oder das Schweigen, das Nicht-mehr-Sprehen mit dem
Anderen, der totale Liebesentzug von Tor 28. Das Ringen um Liebe – wenn du du
selbst bist, ist es ist ein wichtiger Teil auf dem Weg zum Sinn – oder im Nicht-Selbst
bleibt es einfach Kampf. Die Magie in Tor 28 ist, dass der Mensch auch in einer
Liebesbeziehung seine Individualität bewahren kann - dann bestärken die Partner
sich gegenseitig, um gemeinsam sinnerfüllt zu leben.
Meine Eltern haben sich recht viel gestritten – für mich als Kind (und Doppel-
Waage) ganz schrecklich. Erst als ich lange schon erwachsen war, habe ich

67 Ra, The love series, S. 68


68 Ebd. S. 70. Wenn du korrekt bist und es dein Weg ist, darum zu ringen, einen Sinn durch
die Liebe zu finden, dann wird das auch genau richtig für dich sein und du wirst
durchkommen, zu diesem Satori. Wirst du. Du gelangst dann an diesen Ort voller Sinn und
dann hat sich all das dafür gelohnt.

374
verstanden – das war ihre Art der Liebe. Vielleicht hat sie sich nicht immer schön
angefühlt, aber sie hat gehalten, jahrzehntelang. Ra betont, dass wir immer
denken, alles müsse sich gut anfühlen - aber so läuft es halt nicht. Im Nicht-Selbst
ist das unerträglich, denn es hat Angst und ist schwach, voller Frustration und
Schmerz versteckt es sich hinter Konzepten, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun
haben. Daher der Aufruf, aufzuwachen, als du selbst zu leben – dann kommt genau
die Liebe zu uns, die zu uns gehört. Denn wenn sie in uns ist, erleben wir sie auch
im Außen. Unsere Schwingung bringt alles in unser Feld, was zu uns gehört. Was
nicht bedeutet, dass die Aufs und Abs enden, sie sind einfach Teil unserer
menschlichen Erfahrung. Aber unsere Sichtweise darauf wandelt sich. Wie wir
darüber denken, wie wir es deuten – wie wir es erleben. Natürlich werden
schmerzhafte Erlebnisse wehtun. Aber sie sind Teil unserer Erfahrung als Menschen
und es gelingt uns vielleicht immer mehr, einen Sinn darin entdecken – sie
können uns uns selbst näher bringen. Tor 28 bringt diese Liebe im mit-dem-
Anderen-sein, egal, wie viel Anstrengung es dafür braucht.
Das letzte Tor in dieser Reihe ist die 55 – in den Emotionen, im Solar Plexus. Wie
schon an anderer Stelle erwähnt: der Ort, wo die große Mutation stattfinden wird,
hier bleibt nichts, wie es ist. Es ist ein schwankendes, launisches Tor, und daher ist
unter Umständen der Mensch nie dauerhaft sicher, ob er den Anderen wirklich
liebt, oder ob der andere ihn wirklich liebt. Das bringt einen schrecklichen Druck,
hieraus entstammen alle Essstörungen und all die emotionalen Zusammenbrüche.
Zugleich hat Tor 55 einen intensiven Zugang zum Geist der Liebe – wenn es eine
berührende Musik hört, wenn der andere Worte in einer bestimmten Tonlage
spricht. Die Liebe in diesem Tor hat etwas Unfassbares, Mystisches. Potentiell aber
auch Unerfülltes – vielleicht liebt der Mensch ohne Erwiderung jemand, der ihn
nicht sieht, oder den er nicht haben kann. All die großen Liebesgedichte handeln
von solch einer unerfüllten Liebe.
Diese Ahnung, dass es eine große Veränderung geben wird, dass etwas „im
Kommen“ ist, haben die meisten Menschen mit Tor 55. Im Nicht-Selbst kann das
dazu führen, dass der Mensch sich fragt, warum er keine Entscheidungen treffen
kann, ob er den Anderen nun liebt oder nicht. Dann ist er nie sicher. Kann sich oft
melancholisch fühlen – und doch tief innen spüren: es wird anders werden.

Um die Mechanik deutlicher werden zu lassen, hier nun einige der


herausfordernden Effekte, die in den Toren der Liebe entstehen können:
Dein Partner überbrückt deine Spaltung in einem Tor der Liebe. Dann glaubst du, er
ist DIE Liebe. Und umgekehrt, wenn in einer Beziehung deine Liebestore durch den
Partner nicht aktiviert werden, „erwischt“ es dich nicht, dann fühlt es sich vielleicht
eher wie eine gute Freundschaft an. Wenn dann z.B. ein Freund zu Besuch kommt
375
und seine Gegenwart die Liebestore aktiviert, können alle möglichen Effekte
entstehen. Z.B. wenn du Tor 41 hast, und euer gemeinsamer Freund Jan kommt zu
Besuch mit seinem Tor 30, dann fantasierst du auf einmal über Andere, vielleicht
sogar über Jan, und glaubst, du müsstest nun die Verbindung mit deinem Partner
beenden. Oder es kommt ein Kind in die Ehe und bringt Tor 30 mit. Dann wird
(mechanisch) auch das Träumen über andere aktiviert – und man könnte denken,
die Ehe ist zu Ende. Nein, nur eine Aktivierung wurde geschlossen und die
Mechanik wirkt. Wenn du wach bist, du selbst – kein Problem. Wenn du aber im
Nicht-Selbst der Sehnsucht landest, kann es sein, dass du die Beziehung verlässt. Ra
erzählte hier eine eigene Geschichte – mit seinem hängenden Tor 41. Er war frisch
verheiratet, auf der Hochzeitsreise. Und seine Frau oben im Zimmer. Er fuhr allein
mit dem Aufzug nach unten, traf dort auf eine Frau, hatte spontan Sex mit ihr und
dachte in diesem Moment: das hier ist meine Liebesgefährtin, nicht die oben im
Zimmer. Das ging vorüber, passierte ihm aber noch häufiger, bis er die Dynamik
von Tor 41 tiefer erkannte.
Besonders spürbar werden die Liebestore auch in den Kompromiss-Kanälen, denn
nicht nur setzt sich der eine immer durch – es wird auch mit dem Gefühl der Liebe,
bzw. eben Nicht-Liebe, des Nicht-Geliebt-Werdens verknüpft. Wenn dein Partner
Tor 10 mit der 34 verbunden hat, wirst du ihm wahrscheinlich vorwerfen, dass er
immer nur an sich selbst denkt. Ja, stimmt. Und dadurch, so absurd das klingen
mag, zeigt er seine Liebe zu dir, denn so ist Tor 10 in der Liebe. Oder die
Kombination Tor 40 und Tor 10. Dann lautet der Vorwurf“ Du denkst nur an dich,
dabei tue ich alles für dich“.
Spannend werden die Kombinationen, z.B. er hat Tor 55 und Kanal 37-40. Sie hat
nur die 37. Denkbar wäre folgendes Ehealltags-Szenario: der Deal ist, sie macht die
Wäsche und kocht, er bringt den Müll raus. Aber er (mit dem definierten Ego durch
den Kanal) bringt den Müll eben nicht raus, obwohl sie ihren Teil des Deals
eingehalten hat. Sie beschwert sich: “Du hast doch gesagt ... wir hatten doch
vereinbart!” Aber er mit Tor 55, dem Ich-weiß-nicht-Tor sagt: “Ich weiß nicht, ob
ich diesen Deal so will”. Und das, nachdem der andere seinen Teil des Deals schon
eingehalten hat – es kommt zu Stress und Streit.
Ra hatte viele Beziehungen, in denen er einen Kompromiss erlebte in seinem Tor
62: Frau und Tochter hatten den ganzen Kanal 17-62 (keine Liebestore, nur
Kompromisskanal). Und er beschreibt, dass er sie oft am liebsten erschlagen wollte,
weil sie nicht zuhörten, weil sie immer unbeirrbar glauben, zu wissen, was richtig
ist. Und er hatte keine Chance. Später lachte er darüber – ja so ist es eben.
Kompromisskanal.

376
Und wenn es eine Dominanz gibt in den Liebestoren, dann leuchtet dein Partner
Liebe für dich - wow, ist das schön! Weil du ihn da frei sehen kannst. Und wenn es
gar keine Dominanzkanäle in einer Beziehung gibt, ist es für dich schwer, deinen
Partner ganz wahrzunehmen, denn dann kennst du ihn ja nur in der Beziehung und
potentiell eben in der Konditionierung durch euch; wie er „draußen“, für Andere
ist, kannst du dann nicht sehen.
Viele unserer Liebestor-Erwartungen klingen wir die Cartoons in der Bildzeitung,
die mit „Liebe ist…“ begannen. Wenn wir sie jedoch kennenlernen, haben wir eine
Chance, frei zu werden von ihrer konditionierenden Kraft. Und uns – das Wunder –
und das wundervolle andere Wesen in seiner Andersartigkeit sein zu lassen. Zu
beobachten, die Reise zu genießen.
Was genau wo und wie wirkt, ist individuell und braucht eine genaue Betrachtung
der Komposit-Charts zwischen zwei Menschen. Und natürlich sagen diese nur
etwas aus über mögliche Herausforderungen oder Verstärkungen – wie eine
Beziehung wirklich gelebt wird, kann man daraus nicht ableiten – gottseidank.
Das heißt: nichts ist unmöglich! Enden möchte ich mit einem Zitat von Ra zu dem,
was gerade in unserer Zeit viele ersehnen – den Seelenpartner, den einen
Menschen, der alles in uns heilt und erfüllt. DIE eine große, alles umfassende Liebe:
One of our illusions is that we can have the “soul mate” relationship. Well, I prefer
that you see that as a relationship between your personality crystal and your
design crystal. You´re more likely to find your soul mate inside than you’re ever
going to find it outside.”69

Wenn uns das gelingt, wenn der Passagier das Fahrzeug liebt, erleben wir eine
zutiefst beglückende Reise auf der Erde. Seelengefährtenschaft mit uns selbst.
Und das Spannende ist, wenn wir nicht länger suchen und brauchen, wird es für
alle anderen viel leichter, uns etwas anzubieten. Dann darf Beziehung die Sahne
auf dem Kuchen sein und es noch ein bisschen köstlicher machen ….
Und wer weiß - wenn dein Partner nicht mehr alles für dich sein muss, kannst du
vielleicht das Wunderbare und Einzigartige in ihm besser sehen.

69 Eine unserer Illusionen ist, dass wir eine Seelengefährten-Beziehung haben können.
Nun, ich bevorzuge es als eine Beziehung zwischen deinem Persönlichkeitskristall und dem
Design Kristall anzusehen. Denn du findet mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit deinen
Seelengefährten in dir als draußen.“

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Weiterführendes - die Ebenen unter dem Sichtbaren –PHS und Rave
Psychology

PHS – Thema Gesundheit und Umgebung

Dieses Buch soll ja primär eine Einladung zum Erkunden und Erleben sein. Und da
ist und bleibt das Allerwichtigste: deine innere Autorität und deine Strategie.
Solltest du aber nach einer Weile Lust haben, die tieferen Aspekte des Human
Design Systems zu entdecken, gibt es noch eine weitere „Welt“ unter den Linien,
also Informationen, die sich aus der Tiefenstruktur deines Charts ergeben. Sie
betreffen Ernährung und Gesundheit, den für dich optimalen Lebensraum, deine
Motivation im Leben und deine Sichtweise.
Hier liegen die Ebenen von Farbe, Ton und Basen – sie beziehen sich auf der Seite
des Designs auf den Körper (siehe PHS weiter unten) und die für dich ideale
Umgebung, also den Ort, an dem du dich, bzw. genauer gesagt dein Körper sich
optimal energetisch entfalten und ausdrücken kann. Das kann auf einem Berg sein,
auf dem Marktplatz oder in der Küche/Produktionsstätte – wobei klar wird, es
sind weniger die konkreten Orte gemeint, sondern das, was sie bedeuten und mit
sich bringen. Manch einer ist auf Action ausgelegt, andere brauchen Ruhe und
Abgeschiedenheit, ihre Höhle. An dem für dich passenden Ort, in der für deinen
Körper richtigen Umgebung wirst du dich sehr wohl fühlen, weniger Widerstand
erleben (also anders herum: günstige Umstände) und mit den für dich passenden
Menschen zusammenkommen.

Auf der Seite der Persönlichkeit zeigt sich die für dich stimmige Perspektive, die
Sichtweise aufs Leben und die Motivation, das Bewusstsein. (Ra nennt das Rave
Psychology). Hier erklärt er: Dieser Weg gibt dem Passagier (also der
Persönlichkeit, die ja eben einfach der Beobachter ihrer Reise durch die Maya ist)
die Möglichkeit, seine spezifische Linie in der Illusion zu erkennen und – hoffentlich
– anzunehmen. Indem er sie annimmt, transformiert er das Bewusstsein des
Passagiers“70. Wir alle sind designt, sehr unterschiedlich auf die Welt zu schauen,
anderes wahrzunehmen, ein anderes Erlebnis unserer Reise zu haben. Dieser so
einzigartige Blick auf das Ganze ist unser Geschenk an die Welt.
Um mit diesen Angaben sicher arbeiten zu können, braucht es jedoch eine sehr
genaue Geburtszeit, daher sind sie – noch – nicht für jeden nutzbar, denn für jene

70 Ra Uru Hu, Rave Psychologie, Band 1, Human Design Services, S. 64


378
von uns, die vor mehreren Jahrzehnten geboren worden sind, gibt es oft keine
präzisen Uhrzeiten für den Moment, wo das Kind den Mutterleib vollständig
verlassen hat. Für Geburten heute jedoch stehen dann diese Zusatzinformationen
immer häufiger zur Verfügung. Farbe, Ton, Base – sie werden durch den
Neutrinostrom imprägniert, der durch die Planeten fließt und uns viel
tiefgreifender prägt, als bislang angenommen.
Klar ist auch: eigentlich sind die Informationen viel grundlegender, denn die
Prägung erfolgt ja im sechsten Schwangerschaftsmonat durch den Neutrinostrom
im Design. Und das noch Spannendere: nicht nur dieser Neutrinostrom imprägniert
uns, sondern auch wir ihn, schließlich enden die Neutrinos ja nicht in uns, sondern
schwingen weiter – diesmal berührt durch den Menschen und sein Wesen. Daher
ist jeder Schritt, den ein Einzelner zu seiner wahren Natur macht, jede
Seelenentwicklung so kostbar – denn wir teilen sie wirk-lich alleine schon durch
unser Sein mit der Welt. Je mehr wir unsere Wahrheit leben, desto größer wird
unser Beitrag für alle.
Die Natur, die uns umgibt, ist also das Resultat des Neutrinostromes, der durch
lebendige Zellen gefiltert und geformt ist – daher macht es durchaus Sinn, sich das
nähere Lebensumfeld anzuschauen. Und ganz klar ist, wenn wir an einem Ort
leben, wo es uns gar nicht gefällt – er hat Wirkung auf uns! Auch ohne offenes
Selbst.

Die Variable - eine weitere Komponente, die eine große Auswirkung auf unser
Erleben und Verhalten haben kann: Sie bringt die Frage: links oder rechts – aktiv
oder passiv?
Auf manchen Charts sieht man Pfeile nach Links oder Rechts oder
Buchstabenkombinationen (alles von LLLL bis RRRR ist möglich, 16 Variationen).
Sie geben Auskunft über die Variablen, Informationen „unter“ der Linie. Wie zu
erwarten war, ist auch dieser Bereich sehr komplex. Grob gesagt gilt: Wenn die
Ausrichtung L, also nach links ist, zeigt dieser Mensch eine eher strategische und
fokussierte Herangehensweise. Ganz pragmatisch wird das Problem gesehen und
aktiv die Lösung angestrebt. So kennen wir die Regie des Verstandes, Methodik,
Schulung in vorgegebenen und bekannten Strukturen. Im Körperlichen tut Aktivität
gut, Menschen mit der linken Variablen im Design entspannen oft mehr bei sanfter
Bewegung als einfach auf der Couch. Aktiv sein ist förderlich. Oder eher
“beschäftigt sein” mit etwas – denn natürlich wirken hier die unterschiedlichen
Komponenten weiterhin zusammen. “Links” im Körper zu sein ist für den Projektor
sicher keine Einladung, den Abend mit Leistungssport zu verbringen. Aber vielleicht
dem Partner beim Kochen zuzuschauen, oder im Fernsehen ein Spiel zu betrachten

379
oder etwas im Internet zu recherchieren. Ein bissl Yoga oder ein langsamer
Spaziergang – das hilft, zu entspannen.

Ganz anders sieht es aus, wenn eine primär „rechte“ Ausrichtung gegeben ist. Hier
ist eine große Tiefe, der Mensch ist rezeptiv, aufnehmend. Es geht nicht um Urteile
und festgelegte Wege, sondern um eine automatische, ständige Wahrnehmung all
dessen, was da ist. (Wenn du einen „passiven Körper“ hast, nimmt er
ununterbrochen alle Informationen der Umgebung auf. Das bedeutet, er braucht
ansonsten eher weniger intensiven Sport und Anstrengung, denn wie eine App auf
dem Smartphone arbeitet er ohnehin Non-Stop.) Diese rechte Ausrichtung bringt
für die Zukunft eine große Quelle von Weisheit und Offenheit, eine neue Richtung.
Für Menschen mit der rechten Variablen auf der Design-Seite kommt den
Informationen des PHS noch größere Bedeutung zu als für die mit linker
Ausrichtung. Ra spricht von der entscheidenden Zutat. Denn sie wurden aufgrund
der Empfänglichkeit der rechten Variable sehr intensiv konditioniert – die
konditionierende Schwingung im Elternhaus, in ihrer Umwelt wird ja im Körper
gepeichert, sammelt sich an. Und da die Schwingung (der standardisierten
Ernährung) sehr homogenisiert ist, hat die Individualität der Menschen mit der
rechten Variablen wenig Chance, sich auszubilden – Ra spricht davon, dass das
Fahrzeug (der Körper auf jeder Ebene ) homogenisiert wird, bis hin zur Ebene der
Drüsen und der Zellebene71.
Die Herausforderung für die rechte Ausprägung ist vor allem, dass die
Informationen nicht klassisch geordnet abrufbar sind, sondern eher
kontextbezogen intuitiv. Es ist alles da, gespeichert. Nur kann es nicht gezielt
abgefragt werden. Wenn Menschen mit dieser Ausprägung aber etwas gefragt
werden, kommt meist eine ganze Fülle an Informationen zum Vorschein. Schule in
der herkömmlichen Art ist für sie allerdings oft schwierig, denn der Satz „nun
konzentrier dich doch mal“ – sinnvoll vielleicht für die Linken, denn sie sind dafür
gebaut – ist für eine rechte Ausprägung in ihrer Offenheit reiner Stress - hier wird
ja ohnehin schon alles aufgenommen, da wäre „entspann dich“ ein besserer Rat.
Leider fühlen Menschen mit „rechter“ Betonung sich oft dumm, denn ihre Art des
Wissens entspricht nicht der herkömmlichen Sichtweise. Aber das wird sich
wandeln, und dann zeigt sich, dass in dieser Passivität unglaubliches Potential
schlummert. Falls du Kinder mit der rechten Variable hast, hilft es sehr, wenn sie

380
sich mit dem beschäftigen dürfen, was sie interessiert, dann lernen sie unglaublich
schnell. Und sie lernen gut “nebenbei”.
Wer seine persönlichen Variablen herausfinden möchte, kann dies kostenfrei
finden unter: [Link] Oder mich
anschreiben unter institut@[Link]

1. Die Körper-Ebene
Dieser Bereich heißt PHS – Primary Health System
Wohl niemand würde Diesel in seinen Porsche füllen, wenn dieser Benzin oder
Super braucht – dazu wäre ihm das Auto zu kostbar. Ihm wäre klar, dass es damit
nicht die bestmögliche Leistung erbringt. Mit uns selbst gehen wir oft anders um,
geprägt durch Erziehung, Gewohnheiten und Mangel an Wissen. Mit dem Thema
Ernährung könnte man ganze Bibliotheken füllen – fast jede Woche gibt es neue,
„bahnbrechende“ oder „revolutionäre“ Erkenntnisse der endlich für alle passenden
Ernährungsweise. Bei nichts sind Menschen fixierter, dogmatischer oder
allergischer gegen Einmischung. Aber selbst das erklärt sich aus dem Human Design
heraus: Die Tore, die mit Ernährung zu tun haben, liegen fast alle in Verbindung
mit unserem Emotionalzentrum!

Das aus den Informationen der persönlichen Berechnung „unter der Linie“
hervorgehende PHS bietet einen völlig anderen Zugang. Es geht um das, was
Körper und Verdauungssystem brauchen, um optimal zu funktionieren, damit wir
jenseits des reinen Lebens und Überlebens die Grundlage haben, unsere
Einzigartigkeit zu entfalten. Allerdings gilt, was auch Ra immer wieder betont hat:
wenn ich nicht zuerst und intensiv übe, meiner Strategie und meiner inneren
Autorität zu folgen, macht das PHS wenig Sinn: Die Beschäftigung mit der
Grundlage von Typ, Zentren, dem Bewusstwerden des Nicht-Selbst und seinen
Fallstricken kommt zuerst!
In den letzten Jahren seiner Arbeit und Forschung hat sich Ra besonders auf die
Ebenen unter den Linien konzentriert. Hier geht es unter anderem darum, welche
Form der Ernährung bzw. der Aufnahme der Nahrung einem Menschen entspricht
und dient. Traditionell gilt es ja als gut und richtig, dass die Familie zusammen isst.
Was aber, wenn das dem einen oder anderen gar nicht entspricht? Viele
scheinbare „Störungen“ bekommen aus der Sicht des PHS eine ganz neue
Bedeutung und Erklärung. Genau wie das Chart eines Menschen ein ganz

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persönliches, einzigartiges Bild ergibt, hat auch Jeder seine individuelle Form, wie
er Nahrung am besten verdauen kann, man spricht von „Farbe“ und „Ton“. Das
Ganze ist sehr komplex und es gibt Experten, die sich auf dieses Wissen spezialisiert
haben. Die Farbe gibt hierbei die Oberkategorie an, diese wird durch den
jeweiligen Ton in eine von zwei Seiten „fixiert“, wie z.B. laut oder leise, offen oder
geschlossen (und auch da geht es noch viel tiefer).

Für alle sechs „Farben“ gilt, dass es einen Unterschied macht, ob die linke oder die
rechte Seite aktiviert ist, das bringt eine gravierende Abwandlung des
Grundthemas mit sich. Hierfür zuständig ist der Ton, die Töne 1-3 fixieren die Farbe
in der linken Variante (aktiv), 4-6 dann die rechte (passiv, rezeptiv). Weiterhin ist
es spannend, das Aufnehmen von Nahrung, aber auch das Aufnehmen von Wissen
und Informationen in Bezug auf diese Farben zu betrachten.

1 Appetit
Menschen mit der ersten Farbe, sie heißt “Appetit” haben ein Verdauungssystem,
das es braucht, eines nach dem anderen zu essen. Ra nennt es das
Verdauungssystem des Höhlenmenschen, denn damals gab es ja noch keine
Backöfen, in denen raffinierte Aufläufe hergestellt werden konnten. Es wurde eine
Sache gegessen, dann eine andere, es war die Zeit der Jäger und Sammler.
Wenn dies deine Ernährungsform ist, gilt es, soviel wie möglich einfache Speisen zu
essen, naturbelassen bzw. einfach zubereitet, ohne viele Gewürze. Industriell
hergestellte Lebensmittel, Fast Food, komplizierte Würzmischungen – all das tut dir
nicht wirklich gut. Perfekt wäre, das Essen nacheinander zu sich zu nehmen, also
komplett erst z.B. die Möhren, dann Broccoli, dann Kartoffeln, kein Mischen, keine
Eintöpfe. Salat einfach vor oder nach dem Essen etc. Wenn man genau beobachtet
– manche Kinder tun das von sich aus, Babies „wissen“ mit intuitiver
Körperintelligenz ganz genau, was sie brauchen, nur wird es ihnen meist
„abzivilisiert“ (mit Aufforderungen wie: “Nun probier doch mal die Kartoffeln mit
der Sauce und dem Fleisch, Kind, das schmeckt viel besser so”).

Mit einer Aktivierung der linken Seite ist das „Riechen“ dein führender Sinn - so
wählst du sicher aus, was dir bekommt. Was für dich nicht passend duftet, sollte
auch nicht gegessen werden. Wahrscheinlich magst du es am liebsten, einfach zu
essen, wenn du auch Hunger hast. Dann darf es auch gerne eine größere Menge

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sein und dann dauert es eine Weile, bis Essen überhaupt wieder ein Thema ist.
Dann fastest du (=isst eben nichts), magst vielleicht sogar dieses Gefühl, ganz leer
zu sein, erst dann magst du wieder essen. Dein Immunsystem ist kraftvoll und
leistungsfähig, über die für dich passende Ernährungsweise wird es weiter gestärkt
und du bist insgesamt leistungsfähiger – die beste Grundlage, um ganz du selbst zu
sein.
Ist die Aktivierung bei dir „rechts“, dann gilt das gleiche wie oben - die Nahrung
sollte einfach, klar und am besten nicht vermischt sein. Aber es bekommt dir
besser, wenn du über den Tag hinweg immer wieder kleinere Mengen zu dir
nimmst (vergleichbar mit dem Naschen von einem Buffet). Und du kannst
innerhalb der Speisenabfolge dann auch eher mal von Möhren, Broccoli und
Kartoffel wieder zu den Möhren greifen. Deine Wahrnehmungsgabe ist das
Berühren der Nahrung, sie handzuhaben tut dir gut. Natürlich ist es da perfekt,
wenn du selbst für dich kochst, alleine schon das Auswählen z.B. auf dem
Wochenmarkt wirkt stärkend.

2 Geschmack
Auch dieses Verdauungssystem geht zurück auf eine Zeit, in der Menschen in einer
bestimmten Region lebten und sich primär von dem ernährten, was dort wuchs.
Dann war es für Küstenbewohner vielleicht Fisch, für jene im Wald Wurzeln und
Kräuter und hin und wieder Wild. Daraus ergibt sich für die heutige Zeit, dass
Menschen mit der zweiten Farbe, dem Geschmack, oft eine eher kleine Bandbreite
von Nahrungsmitteln gut vertragen, nämlich jene, die regional sind, von guter
Qualität und möglichst nicht industriell stark verarbeitet (auch hier ist Fast Food
keine so gute Idee). Alles dreht sich darum, was man wirklich mag. Eigentlich das
Lieblingsfrühstück, das Lieblingsmittagessen etc. zu finden – und ruhig immer zu
essen. Das sind die Leute, die beim Italiener um die Ecke immer die Nummer 22
essen – und das passt. Es geht um Wiederholung - das, was man mag wird immer
wieder so zubereitet. Sollte sogar von der immer gleichen Firma und in der immer
gleichen Zubereitungsweise sein. Hier gibt es die beiden Varianten „offen“ und
„geschlossen“.

Wenn du links, also offen bist, kann man dich am besten als Gourmet bezeichnen,
du bist ein Fein-schmecker, kannst sehr gerne neue Dinge kosten, aber wenn sie
dir nicht schmecken oder nicht gut bekommen, solltest du sie nie mehr zu dir
nehmen. Dein Geruchssinn ist gut entwickelt – und darf und sollte für die Auswahl
der Nahrungsmittel auch genutzt werden. Das kann natürlich herausfordernd sein
383
– ich erinnere mich noch, als mein früherer Mann in jungen Jahren zum ersten Mal
bei meinen Eltern zum Essen eingeladen war und an dem Essen auf dem Teller roch
– meine Mutter war total beleidigt, weil sie dachte, er wäre der Meinung, das
Essen könne verdorben sein. Dabei war es nur seine Art zu prüfen, ob es für ihn
passt. Daher macht es in Gesellschaft Sinn, vielleicht zu sagen, dass du das Essen
dann einfach besser verdauen kannst (was die Wahrheit ist) wenn du intensiv
daran schnupperst. Dein Geruchssinn ist dir ein sicherer Führer. Wichtig ist, dass
deine Nahrung gute Qualität hat, aber vor allem eben: sie muss dir schmecken und
bekommen. Ideal ist natürlich, wenn diese Ernährung schon als Baby beginnt
(Wenn ein “offenes” Baby etwas ausspuckt, sollte ihm dieses Nahrungsmittel nicht
mehr serviert werden). Für Erwachsene, die sich umstellen wollen, braucht es
einen völligen Neuanfang, keine Kompromisse. Es gibt keine Vorgaben über die Art
der Nahrung, sie kann mal kalt und mal warm sein.
Die zweite Seite (rechts) nennt sich geschlossen – da gibt es ein inneres Wissen,
ob etwas für einen stimmt oder nicht. (An alle Eltern: wenn ihr so ein Kind habt,
wird all das „nun probier doch mal, sei doch offen für Neues“ ihm nicht dienlich
sein). Meine Cousine war so ein Fall, sie hat mit beeindruckender „Sturheit“ als
Kind nur Brühe, Würstchen und Nudeln gegessen. Und Vanilleeis und
Vollmilchschokolade. Sonst nichts, über Jahre hinweg. Zwang man sie zu etwas
anderem wurde sie krank. Sie machte nicht mal den Mund auf für „falsche“
Speisen. Sie ist heute Mitte 40 und erfreut sich bester Gesundheit.
Das Berühren der Nahrung hilft dir bei der Auswahl, hochwertige Nahrungsmittel
tun dir gut. Auch hier ist es am sinnvollsten, selbst zu kochen. Neues solltest du
möglichst selten ausprobieren, denn diese extreme Selektivität ist für deinen
Körper ein Schutz, dein gutes Immunsystem wird so gestärkt.

3 Durst
Mit der dritten Farbe (auch hier bezieht es sich auf die Hexagramme: die dritte
Linie ist die letzte im unteren Trigramm) kommt eine neue Richtung. Sie ist
„energetisch“, es geht um die Erwärmung oder kalte Verwendung der
Lebensmittel, daher der Name Durst. Er weist schon darauf hin, dass hier gerade
auch dem Trinken und seiner Temperatur große Bedeutung zukommt. Das Essen
sollte grundsätzlich gern feucht, also saftig sein.

Wenn du die Aktivierung links hast, braucht dein Verdauungssystem Wärme. Alle
Nahrung sollte warm/heiß zu sich genommen werden, das unterstützt ein zu kühles
Verdauungssystem. Sorry, das bedeutet: egal wie heiß es ist, kein Eis (wenn das
nun gar nicht erträglich scheint, oder es um dein Kind geht: dann wenigstens „Eis
384
mit Heiß, also z.B. mit heißen Himbeeren), kein kaltes Bier. Heißes Wasser, Tee,
auch gern im Sommer. Alles sollte über der eigenen Körpertemperatur liegen.
Vielleicht gilt es zu experimentieren, wie warm alles sein sollte – und auch wichtig:
das Riechen ist dein innerer Führer zur passenden Auswahl. Neben den Getränken
kommt auch Suppen, Saucen etc. eine Bedeutung zu - alles, was das Essen warm
und geschmeidig macht. Auch scharfes Essen wird gut vertragen und ist dienlich.

Auf der rechten Seite ist das Thema Kalt – das Verdauungssystem verbrennt zu
stark und die Nährstoffe können nicht aufgenommen werden. Durch kalte Nahrung
wird es auf eine gute Funktionsweise abgekühlt (das heißt nicht, du musst alles roh
essen, nur eben kein heißes Goulasch auf die frisch gekochten Nudeln, sondern
abkühlen lassen). Vor allem braucht es hier gekühlte Getränke, gutes Wasser ist
natürlich ideal. Auf der rechten Seite ist es das Berühren, dein Tastsinn, der dich
leitet. „Anfassen erlaubt“ gilt für dich beim Einkauf, auch wieder klar, dass das
selbst Kochen gut passt. Scharfes Essen ist nicht angebracht.
Natürlich ist es lästig, ständig auf diese Dinge zu achten – aber du wirst feststellen,
wie sehr sich deine Wahrnehmung verbessert, wie viel klarer dein Denken wird,
wie viel mehr Energie du hast, wenn du „deiner“ Ernährungsweise folgst.
Dies waren die drei Farben, bei denen es um das geht, WAS man isst. Beginnend
mit der vierten Farbe wird das unwichtig, hier geht es mehr um die Frequenz, in
der ich esse, die Umgebung beim Essen wird wichtig, die passende Schwingung um
uns herum bestimmt, ob unser Körper aus dem Angebot herausfiltern kann, was er
braucht – oder nicht.

4 Berührung
Bei der vierten Farbe mit dem Namen Berührung geht es um die Schwingung um
den Menschen herum und nicht mehr um das, was gegessen wird. Man kann es
sich vorstellen als ein Berührt-werden durch die Umgebungs-Energien beim Essen.
Das Verdauungssystem ist modern, es kann vieles in jeglicher Reihenfolge und
Temperatur verdauen.
Hier braucht der Mensch mit einer linken Ausrichtung Ruhe beim Essen, wenn
überhaupt vielleicht sanfte Musik, angenehme, ruhige Gesellschaft. Das macht z.B.
im Restaurant Essen zu einer Herausforderung. Wenn neben der Vier beim Essen
Kinder rumtoben oder Leute hinter ihr herumlaufen, wird ihr Magen ein fester
Knoten und es wird Verdauungsprobleme geben. Hier hilft das PHS sehr, auf sich
selbst Rücksicht zu nehmen und nicht etwa zu denken „ich sollte mich nicht so
anstellen“. Es liegt auf der Hand, dass manche Familienessen, wo es angespannt
385
und dramatisch zugeht, Gift sind für die Disposition der linken Seite. Der führende
Sinn ist der Geruch. Was nicht gut riecht, sollte nicht gegessen werden. Wenn es in
der Umgebung unruhig ist, kann es dazu kommen, dass du entweder viel zu viel ist,
weil du gar nicht mitbekommst, was du isst, oder es kommt zu Magenproblemen
nach dem Essen. Die Nahrung kann nicht richtig verdaut werden. Alleine essen ist
für die meisten Vierer mit linker Aktivierung angenehm, dann kann das Maß an
Anregung selbst dosiert werden. Grundsätzlich gilt, dass dein Verdauungssystem
Beruhigung braucht. Das gilt auch für die Stimmung, es braucht auch emotionale
Harmonie. Du bist ein Genießer, dein Fokus darf auf der Nahrung und ihrem Duft
liegen. Ein Tipp, der vielen Vieren angenehm ist – im Gras liegen, den Duft spüren.
Die rechte Seite braucht es laut, lebendig, bewegt. Sprechen, bewegen, Musik
hören. Der perfekte Gesellschaftsesser. Das Bild der fröhlichen italienischen Familie
beim Essen: abends draußen, Kinder spielen, alle sind ausgelassen, reden
durcheinander, singen und genießen ist absolut dein Ding. Dein Verdauungssystem
braucht Anregung, dazu gehört auch das Unterwegs essen, in der Kneipe, beim
Gespräch. Das Berühren der Nahrung ist wichtig. Dein Tastsinn leitet dich, schon
im Aussuchen auf dem Wochenmarkt. Diese sinnliche Qualität macht auch das
Kochen in und für Gesellschaft perfekt für dich.
Ra selbst hatte die ruhige, linke Vier, sein Sohn die rechte, laute. Das macht ein
bekömmliches Essen zusammen letztendlich unmöglich.

5 Klang
Die fünfte Farbe ist das Geräusch. Auch hier gilt, dein Verdauungssystem ist
modern, du kannst vieles verdauen. Was du zu dir nimmst ist nicht so relevant –
aber umso wichtiger wird, wie laut oder leise es um dich herum ist.

Die linke Seite der fünften Farbe braucht es lebendig, das Verdauungssystem
benötigt Anregung. Musik im Restaurant, glücklich spielende Kinder, eine live-Band
oder ein Akkordeonspieler am Cafe. Alles fein und hilfreich. Ra beschreibt die
Geschichte einer Freundin, die unter chronischer Migräne litt. Sie war eine „linke“
Fünf. Als sie sich zum Essen Kopfhörer aufsetzte und laut ihre Lieblingsmusik hörte,
verschwand die Migräne für immer. Auf der linken Seite führt dich dein
Geruchssinn - was nicht gut riecht, sollte nicht gegessen werden. Und natürlich
solltest du die Musik, die Geräusche mögen, die du während des Essens hörst;
einfach nur laut (Essen neben dem Presslufthammer) bringt nicht den
gewünschten Effekt der Anregung. Ra empfiehlt hier wirklich, die persönliche
Lieblingsmusik laut und direkt beim Essen zu hören.

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Auf der rechten Seite sind jene, die es ruhig brauchen. Vielleicht völlige Stille,
einfach Essen, schon fast ein bissl Zen-mäßig oder eine ganz sanfte Musik. Das
Berühren ist deine Wahrnehmungsgabe, du magst es, dein Essen anzufassen, selbst
zuzubereiten. Du bist sehr geräuschempfindlich und wenn es zu laut war beim
Essen (oder auch in dir) kann der Magen schmerzen und drücken oder die
Verdauung ist beeinträchtigt. Einfach essen. Restaurants mit Musikbeschallung sind
für dich leider kein guter Ort zum Essen. Nur in der Stille kann dein
Verdauungssystem aus der Nahrung herausfiltern, was du brauchst. Das schließt
natürlich auch deine innere Ruhe mit ein, völlig gestresst zu essen tut nicht gut.

6 Licht
Als letztes kommt die sechste Farbe – sie heißt Licht.
Menschen mit dieser Frequenz haben ein sehr sensibles, durch Licht bewegtes
Verdauungssystem. Die linke Seite braucht direktes Licht, am besten die helle
Sonne, damit eine optimale Verdauung der Nahrung stattfindet. Wenn es dunkel
ist, verdaut es nicht. Ideal für dich ist es, draußen, in direktem Licht zu essen. Wenn
das nicht geht, ist u.U. die Anschaffung einer Tageslichtlampe über dem Esstisch
sinnvoll. Allerdings gilt grundsätzlich, dass es dir wahrscheinlich am besten gehen
wird, wenn du nur tagsüber Nahrung zu dir nimmst. Dein Geruchssinn führt dich
bei der Auswahl der Nahrung: was nicht gut riecht, passt nicht für dich. Die
meisten “Lichtesser” lieben Lebensmittel, die wirklich im der Sonne gewachsen
sind,
Die rechte Seite hingegen braucht es eher dunkel, also nicht draußen, nicht im
hellen Licht zu essen. Nur dann hat das System genügend Ruhe zu verdauen. Hier
finden sich die Nacht-Esser. Wenn das so nicht umsetzbar sein sollte, wäre mein
Tipp, wirklich dunkle Räume für die Mahlzeiten zu nutzen und zumindest die
Hauptmahlzeit auf den späteren Abend zu verlegen. Deine Führung ist der Tastsinn,
das Spüren, Fühlen der Nahrung. Auch hier gilt, dass es am günstigsten ist, wenn du
selbst kochst. Die meisten Nachtesser, die endlich beginnen, wirklich am Abend
noch gut zu essen strahlen und sagen: “endlich bin ich satt”. Tagsüber mögen sie
meist wirklich nur wenig zu sich nehmen, vergessen das Essen sogar. Aber der
Imbiss spätabends beglückt.
Eine aktuelle Geschichte hierzu: Tom, 5 Jahre, MG und Nachtesser, genau wie seine
Mutter. Doch da „man“ ja sagt, dass man abends nicht viel essen soll, gab es nur
früh am Abend leichte Kost, dann nichts mehr. Und einen allabendlichen Kampf
mit Tom, der immer wieder ankam mit „Mama, ich hab Hunger“. (Auch die Mama
liebt es „satt nach einem dicken Essen ins Bett zu gehen“ – was jedoch nie erlaubt
war) Seid dem PHS-Reading darf Tom abends essen – und verschwindet danach
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ganz friedlich in seinem Bett. Beide schlafen „um Welten besser“. Und Mama und
Papa haben endlich wieder abends auch mal Zeit für einander.

Achtung, es kann sein, dass wir jeweils in die andere Seite „verrutschen“, dann
essen jene, die eigentlich Anregung und Klang beim Essen brauchen, ganz Zen-
mäßig in der Stille und umgekehrt. Mein Tipp dazu wäre: einfach mal eine Woche
lang das Eigene ausprobieren, dann merkt man schon, ob es passt. Meist kommt
dann eine viel größere Wachheit und Klarheit.

Die Supergabe des Körpers – der Ton


Über den jeweiligen Ton auf der Designseite in unserer unbewussten Sonne
kommt noch eine weitere Fokussierung in das System (nicht nur die Variante links
oder rechts). Der Ton legt fest, wie unser Körper gebaut ist und was unsere
körperliche und das Gehirn betreffende “Supergabe” sein kann (auf eine andere
Weise als die sichtbaren Zentren). Die Töne 1-3 rufen ein Ja, hin zu oder Nein, weg
davon, hervor – was ist förderlich für das Leben und was nicht. Die Töne 4-6 haben
das Thema einer Differenzierung der Wahrnehmung. Je klarer du lernst, dir gemäß
zu leben, in der für dich förderlichen Weise Nahrung zu dir zu nehmen, umso
stärker wird die Gabe im Ton. Dann hast du z.B. mit dem ersten Ton einen
“Riecher” für Erfolg, ein Näschen für gute Gelegenheiten und die passenden
Menschen. Oder spürst mit dem sechsten Ton vielleicht sogar über die Entfernung,
was sich für dich richtig anfühlt und was nicht. Also eine große Differenzierung,
eine tiefe innere Navigation zu deinem Wohl.
Mit dem ersten Ton wirst du am Essen riechen mögen, deine Gabe des Riechens
kann und darf sogar so weit gehen, dass du an allem schnupperst. Er ist der Milz
zugeordnet, er führt dich hin zu etwas, weil es gut riecht, oder eben weg davon
(daher nennt man ihn bzw. seine Base reaktiv). Grundlage ist die Verteidigung des
Immunsystems durch den Geruchssinn, wie immer in der Eins geht es um
Sicherheit. Wie gravierend der Geruchssinn ist, zeigt sich z.B. daran, dass er starken
Einfluss auf die Wahl unseres Partners hat.
Der zweite Ton bezieht den ersten quasi mit ein, hier geht es um das Schmecken –
und ohne riechen schmeckt man ja nichts. Hier lässt das Immunsystem also nichts
in uns hinein, das uns nicht schmeckt und schädlich sein kann. Somit geht es
wirklich darum, zu essen was schmeckt - das kann sehr variabel sein - ob heiß oder
kalt, viel oder wenig. Eine Besonderheit hier ist, dass man immer seine ganz
persönliche Salzbalance finden muss. Es kann sein, dass du wesentlich mehr Salz
388
magst und verträgst als „normal“, oder eben viel weniger. Und passend dazu: das
Schwitzen (Sauna, Sport) ist auch individuell, vielleicht magst du das sehr. Dieser
Ton ist selektiv - was wird integriert, was nicht. Auch dein Geschmack in Bezug auf
andere Aspekte deines Lebens sollte respektiert sein!
Nun geht es weiter, hier ist das Ajna der Ort der Schutzwahrnehmung - falls du
einen dritten Ton hast, sollte das Essen (und das Leben) dich auch visuell
ansprechen; deine Intuition funktioniert durch das Sehen. Da ist klar, dass
hochwertige, gute Nahrungsmittel sicher zu bevorzugen sind. Der dritte Ton ist das
fokussierte Sehen, er kann Muster erkennen und auch, wo sie unterbrochen sind.
Somit kann man gut sehen, ob etwas für uns potentiell gefährlich ist oder nicht. Es
geht um die objektive Betrachtung der Materie.

In den drei höheren Tönen geht es wie gesagt um die Wahrnehmung:


Und so schließen Menschen mit dem vierten Ton gern die Augen, nicht nur beim
Essen, sondern immer, wenn es um die Wahrnehmung geht, es ist ein inneres
Sehen. Spannenderweise kann es auch das vermeintliche Gegenteil sein, dann
schaut man für einen Augenblick mit ganz weiten Augen auf etwas. Er wird als
umfängliches Sehen bezeichnet und ist ganzheitlich zu verstehen, es geht um das
Ganze und die Verbindung der Teile untereinander. Mit dieser Aktivierung sieht
der Mensch das Beziehungsgefüge aller untereinander und auch, was daraus
werden kann. Der vierte Ton ist mit dem Ajna verbunden. Hier werden ganze Bilder
abgespeichert – so wie wir uns anhand des inneren Bildes die gesamte (Gefühls-)
Erinnerung an einen Augenblick wieder herbeirufen können. Die Energie des
vierten Tones ist die Öffnung – für Verbindung und Verknüpfung.
Mit dem fünften Ton bewegt sich die Evolution zur Zukunft hin – über die
Wahrnehmung des Spürens im Solar Plexus wandelt sich der Körper. Hier bereitet
sich die Entwicklung auf die Raves vor, die „neuen“ Kinder mit einem wirklich als
Bewusstseinszentrum funktionierenden Solar Plexus, ohne seine Welle – dieser
Sinn ist also noch in der Entwicklung. Der fünfte Ton bringt große Feinfühligkeit für
die umgebende Energie. Es geht um das Emotionale, das Fühlen. Es geht darum,
wie sich etwas für mich anfühlt, ganz subjektiv – und das kann sich natürlich
verändern im Laufe des Lebens. Wir hören zugleich immer auch die emotionale
Botschaft einer Aussage, nicht nur akustisch, sondern energetisch. Für Menschen
mit diesem Ton ist Zucker - die Süße - immer ein Thema. Sie können auch sehr
sensibel auf zuviel Technik und Strahlung reagieren.
Und mit einem sechsten Ton ist es das Wichtigste, dein Essen wirklich zu berühren.
Essen ist ein sinnliches Erlebnis – das Berühren dient dem „Zueigen-machen“. Mit
den Fingern essen oder was für dich der passende Weg ist (wie immer ist auch hier
389
die Sechs eigen). Der sechste Ton ist der Haut zugeordnet, bezieht sich aber auch
auf alles andere, was uns berührt, was uns innerlich erreicht und bewegt. Er geht
über die ersten fünf hinaus, hier kann gespürt werden, was uns verbindet. Hier
nehmen wir die höchsten und feinsten Frequenzen wahr - der Mensch kann sehr
empfindsam auf die Umwelt reagieren (was sich dann evtl. über die Haut zeigt,
man denke nur an die mit emotionalem Hintergrund verbundenen Hautauschläge
uvm). Dieser Mensch wird sehr fein-fühlig auf Licht und Berührung reagieren.

Da geht er hin – der Traum vom “heile-Welt-alle-zusammen-ist-schön-


Mittagessen”. Aber es kommt etwas viel Kostbareres, eine Hilfestellung, wie es uns
allen gut gehen kann, wie jeder von uns immer mehr zu der einzigartigen Person
werden kann, die es nur ein Mal auf der Welt gibt – er/sie selbst.

Falls sich deine Kinder beim Essen immer streiten, obwohl du nichts lieber willst als
Ruhe – wahrscheinlich sind sie eine Vier oder Fünf mit aktiver Seite und du die
ruhige Variante. Dann generieren sie sich Bewegung und Klang – was für ihr
Verdauungssystem passend ist – eigentlich sehr weise. Manchmal ist es dann viel
verbindender, wenn du einfach vor- oder nachher essen würdest, alleine und in
Ruhe. Um ganz entspannt und hingewandt bei deinen Kindern beim Essen zu
sitzen, und die Musik darf an sein, lebendige Gespräche finden statt – alles kein
Stressfaktor mehr für dich, denn du hast ja auf deine Weise gegessen. Danach ist
alles möglich. Ich selbst bin eine „leise Fünf“ und habe endlich die Erklärung,
warum mir das Essen im Restaurant so oft nicht bekommen ist, obwohl ich
eigentlich einen prima Magen habe ... es ist mir dort einfach zu laut. Wenn ich
ehrlich bin – am Schönsten ist Essen für mich alleine, in Ruhe, einfach so. Seit ich
weiß, was ich bin, versuche ich immer mehr, dem Rechnung zu tragen. Essen gehe
ich mit Freunden eigentlich nur im Sommer, wenn wir draußen sitzen können,
ohne Musik (es war sicher ein rechter Fünfer, der Restaurantmusik erfunden hat!).
Und ansonsten ist es meine Erlaubnis, besser für mich zu sorgen, auf meine Art
Rücksicht zu nehmen, das ist wunderbar.

All das Obige sind Empfehlungen und sollten nur befolgt werden, wenn es ein
inneres Ja dazu gibt – und auch hier gilt es zu bedenken, dass das Wissen dazu ja
primär für die jetzigen und kommenden Kinder gedacht ist; wir Erwachsenen
dürfen einfach die Hintergründe kennen, um die Kinder zu lassen, falls sie von sich
aus ihre Form der Nahrungsaufnahme wählen. Damit der kleine Tom mit der
sechsten Farbe (rechts) nicht gegen seinen Willen das Frühstück als wichtigste
Mahlzeit des Tages essen muss und dafür abends nach acht nichts mehr essen darf,
390
und damit Mona beim Essen ihre Musik vom Handy hören darf, weil sie als (linke)
Fünf dann einfach besser verdaut und endlich kein Bauchweh mehr nach den
Mahlzeiten hat. Was nicht verbogen wird, kann gerade wachsen, und so ersparen
wir unseren Kindern die Jahrzehnte der De-Konditionierung, die wir selbst mühsam
durchlaufen – wie wunderbar.
Und wenn du Lust hast, deine Ernährungsstrategie, deine Umgebung, deine
Motivation und Sichtweise zu leben, wirst du weniger Widerstände erleben. Es
wird leichter, du wirst dich klarer fühlen, das Denken wird tiefgründiger, deine
Individualität viel ausgeprägter - das allein ist der Hintergrund der Informationen.
Auf keinen Fall sollen sie eine neue Ernährungs-”Heilslehre” darstellen, im
Gegenteil: die Förderung individueller Freiheit und Echtheit.

Umgebung – wo geht es dir gut?

Über die Farbresonanzen der Mondknoten im Design findet sich dann auch die für
dich richtige Umgebung. Dabei sind die ersten drei Farben verstärkt Orte, die von
Menschen erschaffen worden sind, die vierte, fünfte und sechste Farbe bezieht sich
im Namen und auch teilweise konkret auf natürliche Umgebungen. Natürlich sind
sie nicht immer ganz wörtlich zu nehmen.

1 Höhle
Mit der Eins braucht es für dich deine Höhle, deine sichere Umgebung, deinen
Raum, über den du die Entscheidungshoheit hast. Er sollte nach deinem
Geschmack eingerichtet sein, damit du dich wirklich wohlfühlst. Du magst es
wahrscheinlich, wenn es eher weniger Fenster gibt, bzw. wenn zu viel von außen
„sichtbar“ ist, wirst du sicher einen Sichtschutz anbringen. Du bist ein „drinnen“-
Mensch und solltest nicht gezwungen werden, nach draußen zu gehen, nur weil
vielleicht die Sonne scheint; sich geschützt fühlen steht für die Wohlbefindlichkeit
an erster Stelle. Für deinen Raum gilt: Du solltest entscheiden können, wer zu dir
hineinkommt. Die Engländer haben den schönen Spruch „my home is my castle“
(mein Zuhause ist mein Schloss), das passt der Eins genau. Auch in deinem Auto ist
es sicher angenehm für dich.

391
Mit der linken Ausrichtung brauchst du es exklusiv - ideal ist eigentlich, wenn
immer nur eine Person zu dir kommt, dann kannst du am besten auf den Anderen
eingehen. Als praktisches Beispiel vielleicht der Therapeut in seiner Praxis - es
kommt ein einzelner angemeldeter Klient. Sehr problematisch für die Eins sind
Arbeitsumgebungen wie ein Großraumbüro oder auf dem Marktplatz (wie in der 2)
etc. Zeiten des Rückzugs von der Welt, ein Abtauchen in deine Höhle sind sehr
heilsam für dich.
Ist die Ausrichtung rechts, können auch gern mehrere Menschen zu dir in deinen
Raum kommen. Du schätzt es, sie in ihrer Interaktion beobachten zu können, um
dich einzubringen, wenn es sinnvoll ist. Ein praktisches Beispiel wäre die Arbeit als
Seminarleiter in deiner eigenen Praxis, wo du den Teilnehmern einen Rahmen
gibst, ihren Umgang miteinander beobachtest und passende Interventionen
anbietest.

2 Marktplatz
In der Zwei kommt etwas völlig anderes, da geht es um ein bewegtes und
abwechslungsreiches Außen, eine Art Marktplatz-Umgebung. Praktisch bedeutet
das, einen Ort, an dem viele Kontakte möglich sind. Auswahl zu haben ist für
Menschen mit dieser Farbe das A und O, sonst finden sie nicht das für sie Richtige.
Natürlich bietet da eine Stadt die günstigere Basis. Auch virtuelle Märkte sind ein
guter Ort für die Zwei, denn hier ist extrem viel Auswahl gegeben und dank
moderner Medien auch ein Austausch möglich.
Mit der linken Ausrichtung ist es für dich wichtig, auswählen zu können und dann
aktiv auf die Menschen zugehen zu können, mit denen du in Verbindung treten
möchtest. Dann kannst du deine Themen und Ziele ansprechen, gibst die Richtung
eurer Interaktion und Kommunikation vor. Das kann in einer Mensa oder Messe
sein, in einer Fußgängerpassage oder einem großem Einkaufszentrum, überall, wo
viele Anregungen und Menschen sind. Busy Business - du brauchst es geschäftig.
Die rechte Seite ist eher passiv, auch hier braucht es einen Ort, an dem du vielen
Menschen begegnen kannst – aber die Möglichkeit hast, passiv zu bleiben und
abzuwarten, bis andere mit dir Verbindung aufnehmen. Dann spürst du, was sie
brauchen, kannst mit deinem Mitgefühl und deiner Feinfühligkeit auf sie eingehen.
Wahrscheinlich würdest du dich an einem Messestand wohlfühlen, wo einzelne
Besucher zu dir kommen und dich um Rat bitten.

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3 Küche
Die Drei hat den Namen Küche – doch keine Sorge, du wirst nicht an den
heimischen Herd verbannt. Gemeint ist ein produktives Umfeld, eine Energie der
Aktivität und Kreativität. Es geht um das Gestalten, das Verwandeln von Energien
und das Produzieren von etwas Neuem.
Wenn deine Ausrichtung hier links ist, geht es um energievolle Aktion, dann bist du
aktiv in deiner Umgebung (Werkstatt, Praxis, Küche, Bäckerei, Fabrik) und wandelst
unter Einsatz deiner Energie Dinge um. Dabei kann die Umgebung feucht oder heiß
sein, das bedeutet, es darf auch um Gefühle gehen, mal „heiß hergehen“. Wasser
und Wärme – auch in der Umgebung – kannst du gut vertragen und sie tun dir gut
(ob nun in der Sauna oder im Regenwald).
Ist die Ausrichtung rechts, dann ist die Energie eher kühl und trocken, dann kann es
auch um geistige Prozesse gehen. Es wird auch hier gestaltet, bearbeitet, neu
zusammengefügt. Hier steht der grundsätzlich produktive Aspekt mehr im
Vordergrund, weniger dein eigener Energieeinsatz. Viel Wasser in deiner
Umgebung ist wahrscheinlich nicht so angenehm für dich – eine trockene
Umgebung tut dir gut. (Es muss ja nicht sofort die Wüste sein, aber feucht-schwüle
Gegenden magst du sicher nicht so sehr). Meine therapeutische Praxis, mein
Seminarraum – meine perfekte Küche.

4 Berg
Mit dem vierten Ton ist es dienlich, dem Bild des „Berges“ zu folgen – du
profitierst sehr von einer Umgebung, in der du den Überblick hast. Das kann gerne
wirklich ein Wohnort oben auf dem Berg sein (das stärkt deine mentalen
Fähigkeiten), aber auch eine künstliche Höhe, die dir den Überblick von oben
(vielleicht von einer Dachterasse) bietet ist gut.
Wenn bei dir die linke Ausrichtung aktiv ist, geht es um aktiven Umgang und
Interaktion mit deiner Umgebung. Dann steigst du auch sicher gern physisch auf
deinen Berg, ob nun in den 6. Stock oder in der Natur. Wenn du „den Kopf
freibekommen“ musst, wäre so ein Aufstieg für dich genau die richtige
Verhaltensweise. Grundsätzlich magst und brauchst du den Austausch mit anderen,
ein aktives Leben.
Die rechte Ausrichtung bringt mehr Passivität – es ist günstiger für dich, wenn die
Menschen auf dich zukommen, wenn sie die Initiative ergreifen, um Kontakt mit dir
aufzunehmen. Dann steigen sie zu dir hoch, kommen zu Besuch. Die körperliche

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Aktivität ist nicht so notwendig, du kannst gern den Lift benutzen, um in den 6.
Stock oder auf den Berg zu gelangen.

5 Tal
Mit dem fünften Ton ist dein Ort das „Tal“ – mitten in der Zivilisation, also direkt in
oder zumindest sehr in der Nähe einer Stadt, einem Ort wo es lebendig zugeht, wo
„Action“ ist, wo es Geräusche und Anregung gibt. Wo vielleicht Menschen
vorbeilaufen, kleine Unterhaltungen sich ergeben, wo das Leben um dich herum
brandet. Klar ist, hier wäre es von Vorteil, im Erdgeschoss zu leben – wo dann leicht
ein Heraustreten möglich ist.
In der linken Ausprägung, dem “engen Tal”, darf es gerne wirklich lebendig sein,
damit deine Aktivität mit angeregt wird. Dann kannst du aktiv auf andere zugehen,
dich beteiligen und so deine Wirkung haben, deinen einzigartigen Beitrag leisten.
Da triffst du vielleicht in der Stadt Bekannte, man tauscht sich aus, isst oder trinkt
zusammen - Kommunikation ist wichtig.
Mit der Ausrichtung rechts darf es gern ein „weites Tal“ sein. Es ist gut, wenn alles
in der Nähe ist, du magst aber einen gewissen Abstand, die Geräuschkulisse darf
gedämpft sein. Dann spürst du alles um dich herum, kannst aber immer selbst
entscheiden, wann du teilnehmen möchtest, wann du in Kontakt trittst und wann
nicht. Vielleicht sitzt du gern allein auf dem Marktplatz im Cafe und das Leben
geschieht um dich herum.

6 Ufer/ Küste
Hier geht es – wie immer in der Sechs – um das Thema der Transformation. Die für
dich dienliche Umgebung ist das „Ufer“, ein Ort des Übergangs. Dort, wo es
Grenzen gibt, die überschritten werden können, ein Jenseits des Greifbaren halt.
Der Horizont – und seine Erweiterung.
In der linken Seite geht es um natürliche Übergänge, die dir einen weiten Blick
ermöglichen. Also z.B. das Meer, wo fester Boden und Wasser ineinander
übergehen und du bis zum Horizont schauen kannst. Oder ein Waldrand, eine
Wiese am See; immer Orte, wo das eine in das andere übergeht und du weit
schauen kannst. Wahrscheinlich magst du es gern, in der Natur zu sein. Diese
Umgebung korrespondiert mit deinen inneren Transformationen, begünstigt deine
Aktivität, selbst zu neuen Ufern aufzubrechen.
Mit der rechten Ausrichtung können diese Ufer auch menschengeschaffen sein,
hier geht es eher um verschiedene Einflüsse, Energien oder auch Kulturen. Als

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inspirierende Beispiele: am Hafen, in einem Grenzgebiet oder von der Energie her
auch ein Flughafen. Dort gelingt es dir viel leichter, zu transformieren, was von
außen zu dir kommt. Die Umgebung öffnet in dir –während du passiv sein kannst –
einen völlig neuen Ausblick auf die Dinge, die beiden Aspekte im Außen öffnen in
dir die Ebene darüber, des „Mehr“.

RAVE PSYCHOLOGY

Nun geht es im Chart nach rechts, auf die Seite der Persönlichkeit – hier kommt die
Information von der Persönlichkeits-Sonne, der Persönlicheits-Erde und den
Mondknoten im Bewußten. Hier zeigt sich unsere Motivation im Leben, das kann
z.B. Hoffnung sein, genauso aber auch Schuld oder Unschuld. Auch die für jeden
passende, ihm gemäße Sichtweise (Perspektive) aufs Leben wird hier sichtbar.
Denn ob du designt bist, persönlich oder sozial, realistisch oder politisch auf die
Welt zu schauen, macht einen großen Unterschied und nur über die wirklich deine
Sichtweise kann dein Geist seine einzigartige Kraft entfalten. Nur dann kannst du
eben ganz individuell einzigartig denken, die Welt auf deine Weise begreifen und
verstehen. Sonst bleiben wir Standard, wo wir doch als Unikat gedacht sind. Ra
nennt unsere einzigartige und unterschiedliche Motivation und Sichtweise ein
Geschenk. Wir sind hier, um die Welt so zu sehen, wie es geplant ist für uns: „Only
then can we fullfill our purpose” – nur dann erfüllen wir unseren Auftrag.

Dieser Ansatz rückt vieles gerade - denn auch wenn Menschen das gleiche im
Außen erleben oder betrachten, wird es sich gemäß ihrer Motivation und
Sichtweise völlig unterscheiden. Mit anderer Haltung und einer ganz anderen
Sichtweise auf das Leben. Mit Motivation meint Ra eben die Gründe, der innere
Antrieb, warum wir Dinge tun oder nicht tun. ( Es ist ein großer Unterschied, ob ich
zu meinem Nachbarn „Hallo“ sage, weil ich befürchte, dass er mich sonst ablehnt
oder hoffe, dass er mir seinen Rasenmäher leiht oder weil ich ihn mag. )

Gerade im Bereich unserer Motivation im Leben werden wir immer wieder in eine
bestimmte Richtung „verrutschen“, es ist eine feste Eigenart der Farbe, dass sie
sich in ihr Gegenteil „verschiebt“. Dann treffen wir eben nicht die richtigen
Entscheidungen, sondern leben das Gegenteil davon, was wiederum nicht die
eigentliche Kraft hat. Denn wenn die Hoffnung nicht meine echte Motivation ist,
wird z.B. das Hoffen, dass in der eigentlich so pragmatischen und Fehler
behebenden Fünf entstehen, nicht kraftvoll sein, sie nicht tragen. Und gleichzeitig
395
lernen wir immer wieder auch aus dem Verrutschen, es bringt uns in Bewegung.
Wenn wir um diese Mechanik wissen, entsteht Klarheit und Kraft.
Um es noch spannender zu machen - auch andere Menschen können dich aus
deiner Farbe, der für dich passenden Motivation oder Sichtweise herausziehen.
Wenn du z.B. eine Zwei bist – mit der passenden Haltung Hoffnung und dein
Partner ist eine Fünf (Schuld), ist die Gefahr sehr groß, dass ihr jeweils das Leben,
die Haltung des anderen lebt. Das wiederum führt nicht zu den für euch jeweils
passenden Erlebnissen. Natürlich macht es hier einen Unterschied, ob du ein
Generator oder ein Projektor bist – denn für Projektoren ist es ja ihre Natur, offen
zu sein für den Anderen, ihn ins eigene System zu nehmen – und daher absolut
fatal, wenn dieser andere sie ständig von ihrer Art, mit Informationen umzugehen,
wegbringt und zum Gegenteil dessen programmiert, was sie wirklich sind. Aber:
Wissen dient! „Who’s watching?“ fragt Ra – darum geht es, die Magie liegt in der
Bewusstheit, dass es passiert und in der Beobachtung des Ganzen. Wir leben im
Maya-Land, aber immerhin bekommen wir das so mit.

Mit der Aktivierung der ersten Farbe in deinem Chart ist deine Motivation im
Leben die Angst, bzw. die Sicherheit.
Die für dich stimmige Motivation im Leben ist die Sicherheit, du hast ein Auge für
alles, was eine sichere Grundlage schaffen kann, damit die Angst überwunden
werden kann und dein Leben (Überleben) sicher ist. Somit wirst du alles tun, was
dazu beiträgt, für dich Sicherheit zu erlangen und alles, was unsicher scheint,
ablehnen. Mit dieser Farbe geht somit eine eingebaute Überlebens-Intelligenz
einher, ein durchdringendes Schauen und Erkennen. Du siehst die Angst in der
Welt, du siehst, wer Angst hat, du siehst, wo es unsicher ist.
Du bist vorrausschauend, prüfst, sammelst Informationen, tust somit alles, um eine
gute und fundierte Basis zu etablieren, auf der du aufbauen und Entscheidungen
treffen kannst. Du magst dich auskennen. Du tust dich mit anderen zusammen,
wenn das für das Überleben dienlich ist – du bist aber auch fähig, dich alleine
durchzuschlagen, wenn das die erfolgversprechendere Strategie ist. Du verfügst
über eine sehr praktische Intelligenz und viel Pragmatismus; alles, was es für den
Weg zur Sicherheit hin braucht.

ABER: Die große Verlockung ist die Verschiebung in die vierte Farbe (das
Bedürfnis), sich ablenken zu lassen von dem, was andere brauchen oder was du
gerade zu brauchen glaubst. Dann rennst du in das brennende Haus, um die
Wertsachen zu retten oder willst freundlich die Katze des Nachbarn vom Dach
holen, überschätzt dich und fällst von der Leiter. Dann setzt du eben gerade keine
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intelligenten und pragmatischen Prioritäten, sondern verpennst die Abgabefrist für
den Architektenwettbewerb, weil du mit deinen Freunden in der Kneipe warst, weil
du so gerne mit ihnen zusammen sein wolltest oder Klaus sooo gerne wollte, dass
du mitkommst.
Wichtig ist: nichts davon ist grundsätzlich falsch. Aber dir dient es, bei deinen
Lebensentscheidungen im Auge zu behalten, dass die Überwindung der Angst mit
dem Ziel der Sicherheit im Leben dich auf deinen für dich richtigen Lebensweg
führt. Die Ablenkung durch die Verschiebung ist aber auch eine Übung in
Beweglichkeit - sie muss nicht eliminiert werden, schließlich ist das Ganze so
gemacht, um uns einen Eindruck zu vermitteln, wie die Dinge sein könnten. (Ra,
Projector Transformation)

Die zweite Motivation ist die Hoffnung


Das klingt ja erst mal wunderbar, mit Hoffnung und dem Vertrauen durchs Leben
zu gehen, dass sich deine Erwartungen erfüllen, dass dein Überleben gesichert ist,
einfach so, ohne dass du dich darum sorgen müsstest. Du weißt nicht „wie“, aber
du kannst vertrauen, „dass“. So wird es dann auch möglich, über diese einfache
Sicherheit zu überleben hinauszugehen - und die Spiritualität bekommt eine
wichtige Rolle in deinem Leben. Mit der zweiten Farbe geht es um das darüber
Hinausgehende, die großen Fragen des Lebens, Glaube und Wissen. „Egal was
kommt, es wird gut, sowieso. Immer geht 'ne neue Tür auf, irgendwo“ sang 2017
Mark Foster, und so dürfte auch die Hymne der Zwei lauten.
ABER: niemand kann kontrollierender und negativer sein als die zweite Farbe,
denn sie verschiebt in die Fünf - die Schuld - und will bestimmen und festhalten. In
dieser Motivationsverschiebung rutschen die Menschen dann oft in die
Überzeugung ab, dass alles schlecht ist, dass sie krank sind, sie misstrauen allem
und jedem. Oder wollen die Dinge in Ordnung bringen, reparieren – wissen aber
nicht wirklich, wo genau sie ansetzen müssen, denn das ist nicht ihre Aufgabe und
so verlieren sie ihre Kraft. Alles wandelt sich für die Zwei, wenn es z.B. durch eine
spirituelle Praxis gelingt, eine andere geistige Haltung zu finden – eben die der
Hoffnung, dann wird alles möglich.

In der dritten Farbe ist die Motivation im Leben die Sehnsucht bzw. das
Verlangen
Du magst das Besondere – in jeder Hinsicht. Einfach nur normal reicht der drei

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nicht wirklich aus, du schätzt materielle Dinge, aber auch eine Position, in der du
angesehen und gewürdigt bist. Du kannst führen und magst vorne stehen,
einflussreich sein. (Zitat einer Klientin mit dieser Motivation: “ich will einfach ein
geiles Leben haben, in jeder Hinsicht”) Du bringst die Dinge in Gang, hast Wirkung.
Versuch und Irrtum gehören bei der Drei dazu, aber dein Verlangen, das Beste zu
erreichen, bewegt dich, ein Leben lang „am Ball zu bleiben“. Etwas besser kann es
schließlich immer noch werden. Ra nennt die Drei die Power-Farbe, es geht um
Gewinner und Verlierer und wie man sie erkennt. Die Drei ist tatsächlich der
geborene Anführer, oft braucht es außergewöhnliche Umstände, damit sie diese
Rolle annehmen, aber die Begabung wartet darauf
ABER: du hast in der Verschiebung zur sechsten Farbe, der Unschuld, die Neigung,
dich rauszuhalten, zu meinen, dass du nicht führen kannst, dass du dich besser
nicht einmischen solltest. Ra selbst erzählt diese Geschichte über sich, er wollte
gerne „unschuldig“ sein, hat sich völlig auf Ibiza zurückgezogen und wollte selbst
nach der Erfahrung mit der Stimme nicht die Führung der Lehre des Human Design
übernehmen.72 Und doch ist niemand zum Führen besser geeignet als die dritte
Farbe, sie ist ein Naturtalent, man kann fast sagen „es führt“ aus dem Instinkt
heraus. Viele der unfreiwilligen Anführer in der Not haben die dritte Farbe.

Mit der Farbe Vier geht es um das Thema Bedürfnis


Du hast die besondere Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, du
spürst und weißt, was der Andere braucht. Und es ist dir ein natürliches Anliegen,
behilflich zu sein, den anderen zu unterstützen, damit er bekommt, was er braucht.
Du spürst die Befindlichkeit deines Gegenübers, weißt vielleicht früher als er selbst,
dass er Durst hat, eine Umarmung braucht, Stress hat mit einem Termin, den du
abnehmen kannst. Vierer helfen, dass alle versorgt sind, leisten einen wichtigen
Beitrag für die Gemeinschaft. Auf der inneren Ebene bringt die Vier das Thema mit
sich, vom Schüler zum Meister zu werden, sich zu entwickeln, Meisterschaft – auch
im Umgang mit dem Thema Bedürfnis zu erlangen, denn der Umgang mit den
eigenen Bedürfnissen ist oft schwierig für die Vier. Da sie in der Wahrnehmung oft
beim Anderen ist, tut sie sich schwer damit, ihre eigenen Bedürfnisse angemessen
auszudrücken, ja sie überhaupt wichtig zu nehmen. Hier liegt ihr größtes Lernfeld.
Denn die Vier ist ja da um zu lernen, sich der eigenen Bedürfnisse anzunehmen
und für sie einzustehen. Und das besonderen an der Vier ist es, dass sie sich in alle

72 (I was always saying it wasn‘t my fault, don‘t put it on me, I am not responsible, a real
innocent. I did that for decades. Being pulled away from my life, being pulled away from the
way I was meant to be. From my life.)

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anderen Farben verschieben kann und wird – was allerdings auch Sinn macht, denn
so lernt sie ja wiederum ihre eigenen Bedürfnisse besser kennen, indem sie die
Verschiedenheit und Vielfalt erkunden.
ABER: Die Besonderheit der Vier ist, dass sie tatsächlich in alle anderen Farben
verschiebt – letztendlich lernt sie ja so, was ihre Bedürfnisse sind.
Ihre direkte Verschiebung ist die Eins und kann aus Angst besessen werden von
dem Thema „Sicherheit“. Dann versucht sie, das Leben sicher zu machen. Das
beginnt beim eigenen Körper in der Illusion, hier ja direkten Zugriff zu haben, dann
wird optimiert und kontrolliert. Sie versucht, auf unerwartete Umstände
vorbereitet zu sein, verriegelt die Türen und hortet für den Notfall. Die
„verschobene“ Vier hat Notfallpläne für alles Mögliche im Kopf, denkt diese
Szenarien durch.
Besonders im Umgang mit Anderen führt diese Angst zu Problemen. Manche Vierer
verzichten lieber ganz auf persönliche Beziehungen, dann sorgen sie lieber für die
Anderen als zu riskieren, ihre eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und
enttäuscht zu werden. Die Vier übertreibt dann ihre Empathie, sie versucht sich
Sicherheit zu verschaffen, indem sie vor der Bedürfnis-Äußerung abcheckt, ob der
andere vielleicht in der Lage und bereit ist, auf sie einzugehen. Dieses Prüfen
verändert natürlich die Energie und meist beschließt die Vier dann, lieber zu
verzichten. Die eigenen Bedürfnisse aus Angst nicht zu kommunizieren ist natürlich
ungesund – daher gilt es für Menschen mit der vierten Farbe zu lernen, mutig und
direkt zu dem zu stehen, was sie brauchen, und dem Leben zu vertrauen.

Die fünfte Farbe bringt die Motivation der Schuld bzw. Verantwortung mit sich
Hier geht es ganz praktisch darum, Lösungen zu finden; herauszufinden, woran es
liegt, dass etwas nicht funktioniert – um es dann verbessern zu können oder eine
neue Richtung einzuschlagen. Die Fünf bringt ja immer eine praktische Energie und
potentiell große Wirkung. Dafür muss sie bereit sein, die Verantwortung zu
übernehmen, was wiederum dazu führen kann, dass sie – zumindest aus der Sicht
Anderer – auch schuld sein kann, wenn etwas passiert oder nicht funktioniert,
wenn die Erwartungen der anderen enttäuscht werden. Schuld sein, herausfinden,
wer oder was schuld an etwas ist, diese Themen gehören einfach in dein Leben,
wenn du diese Motivation hast – aber eben auch die grandiose Fähigkeit,
funktionierende Verbesserungen in die Welt zu bringen. Die Themen müssen nur
angepackt werden.

399
ABER: Gerade das wird erschwert, wenn die Fünf sich in die Zwei verschiebt, dann
hofft sie nämlich, dass alles schon besser werden wird, tut aber nichts dafür. Es ist
ein Riesenunterschied, ob ich vertrauensvoll ins Leben schaue und weiß, alles wird
gut (so die echte zweite Farbe) oder aber nicht handle, obwohl es nötig wäre, weil
ich blind hoffe. Wenn du ein Loch im Dach hast, braucht es eine Handlung, auch
wenn du vielleicht Fehler beim Reparieren machen könntest, denn von selbst wird
es nicht heilen.

Die sechste Farbe bringt das Thema Unschuld ins Leben und damit die gelebte
Authentizität (und Nicht-Einmischung)
Beobachtend, absichtslos und unparteiisch darf dein Blick aufs Leben sein. Diese
Gabe, von oben zu schauen, das Ganze zu sehen ohne einzugreifen gehört ja zur
Energie der Sechs, genauso wie der Aufruf, wirklich du selbst zu sein. Authentisch
und echt zu sein, deine ganz individuelle Art, dein Leben zu führen. Das geht nur,
wenn sich die Sechs nicht einmischt, sondern das gesamte Bild sieht. Das ist nicht
so einfach, wie es klingt, denn es kann leicht mit einem Mangel an Motivation
gleichgesetzt werden. Doch du bist nicht dafür da, um zu tun, sondern um zu
beobachten; nicht um zu führen und alles in Ordnung zu bringen. Einfach
wahrnehmen, sein. Ein Zeuge sein.
ABER: Die Verlockung in der Verschiebung zur Drei ist dann gerade, dass die so
absichtslos offen gemeinte Sechs glaubt, sie müsse der Anführer sein. Dann wird
sie zum selbsternannten Sprecher einer Gruppe, schreibt sich Projekte auf die
Fahne und zieht in den Kampf. Wie bei allem, was wir eben nicht sind, kann das
nicht funktionieren, denn da ist ja keine echte Gabe und Kraft dahinter. Und da
jedes Anführen automatisch eine Parteilichkeit mit sich bringt, denn dann gibt es
Dinge die eben dazugehören müssen und andere, für die kein Raum ist, geht die
kostbare Gabe des Beobachten-könnens und Authentisch-lebens verloren. Und
damit verlieren dann alle – denn es gibt kein Vorbild mehr.

Sichtweise
Ein weiterer Aspekt der Rave Psychologie auf der Seite der Persönlichkeit ist die dir
eigene, für dich passende Sichtweise aufs Leben, die sich in den Mondknoten
findet. Das führt dazu, dass wir, selbst wenn wir das gleiche beobachten würden,
wir es ganz anders einordnen. Sie ähneln in vielen Aspekten den Motivationen,
aber das Spannende ist: deine Sichtweise auf das Leben, das was du siehst, wenn
du nach außen schaust, kann sich sehr von deiner Motivation unterscheiden, dich
auch hier in eine andere Richtung ziehen.

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1 - Überleben - forschend und erkundend
Die Sichtweise der Eins ist davon geprägt, nach Sicherheit zu suchen. Du hast einen
Blick dafür, wer gut ausgerüstet ist fürs Leben. Das betrifft zum einen dein privates
soziales Umfeld – eine Eins wird wahrscheinlich nicht unbedingt einen Partner
wählen, der nicht in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt zu verdienen (Sicherheit
zu bieten hat). Du bist ein Spezialist für Dinge, die funktionieren, kannst hinter die
Fassade schauen. Diese Fähigkeit kommt dir auch beruflich sicher zugute, du siehst
sofort, welche Firma solide ist, welcher Mitarbeiter vertrauenswürdig, wer für
einen Job geeignet ist und wer nicht.
Wichtig ist zu realisieren, dass dieser Fokus und Blick für das Tragfähige, Sichere
und Förderliche nicht eine Laune, sondern unverzichtbare Basis für dein
Wohlbefinden ist (und wie bei der Motivation kann und wird es so sein, dass sich
deine Sichtweise verschiebt, hin auf die Vier, dann läßt du dich von Bedürfnissen
leiten und in die Irre führen).

2 - Möglichkeit – die philosophische Weltsicht.


Du hast einen weiten und offenen Geist, der all die Möglichkeiten sieht, das Große
Ganze. Und so geht der Blick der Zwei auch auf die Bereiche, wo das Alltägliche
oder Beweisbare an seine Grenzen kommt, hin zum Außergewöhnlichen. Das kann
von Vorteil sein, denn so ist die Zwei offen für neue, den Horizont sprengende
Erkenntnisse. Als Beispiel sei hier an die Geschichte von Magellan erinnert, der an
der Südspitze Amerikas in Tierra del Fuego vor Anker ging. Die dort ansässigen
Indianer konnten seine Schiffe nicht sehen – nur der Dorfschamane, der durch
seine Arbeit mit anderen Schwingungswelten einen offeneren Geist hatte. Er hatte
bestimmt die Sichtweise der Zwei. Genauso kann eine Zwei sicher leichter Bereiche
wie das Geistige Heilen oder die Wirkungskräfte der Gedanken für möglich halten,
ist eben offen für das „Mehr“.
Und auch hier – es gibt die Transferenz zu Wahrscheinlichkeit, zur realistischen
Fünf. Dann versuchst du, zu kontrollieren und abzuwägen – und bist nicht bei dir.

3 - Macht - Power - Verlangen – Politisch


Die Sichtweise der Drei hat einen klaren Blick für Kraft und Macht in ihrer Umwelt.
Politisch könnte man sie nennen – sie kann mit Strukturen und Zusammenhängen
umgehen, hat ein Gespür für die passenden Verbindungen und auch für das soziale
Umfeld, in dem sie sich bewegt. Sie sieht, was ausgebaut werden kann und sollte
und was nicht nützlich ist. Dein Blick auf die Welt erfasst sofort Chancen und

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Wege, dein Leben und auch das deiner Umgebung zu verändern, zu entwickeln und
dienlicher zu gestalten. Du siehst, wer nützlich für dich sein kann, wer sich
erfolgreich oder Erfolg versprechend verhält und was dem materiellen Erfolg
dienlich ist. (Wenn die Drei verrutscht, hält sie sich raus und glaubt, eh nichts
verändern zu können).

4 - Was braucht es? ein sozial geprägter Blick auf die Welt
Mit dieser Farbe siehst du vor allem, was in der Welt, in deinem sozialen Gefüge
gebraucht wird und wie das Fehlende herbeigeführt werden kann. Du siehst sofort,
wo es Ungerechtigkeit gibt und spürst deutlich die Bedürfnisse der Menschen, vor
allem jener, denen es nicht so gut geht. Mit dieser Sichtweise erkennst du, welche
Hilfestellungen es gerade braucht, wo dein Beitrag am unterstützendsten ist.
Du kannst unterscheiden, was Sinn macht und wo Hilfe am dringendsten gebraucht
wird. Natürlich denkt man bei dieser Beschreibung sofort ans Rote Kreuz, aber die
vierte Farbe bringt diese Sichtweise auch in ihre ganz persönlichen
zwischenmenschlichen Begegnungen ein, genauso wie sie fähig ist, sehr globale
Menschheitsthemen auf diese Weise zu betrachten. Und natürlich geht es auch um
die eigenen Wünsche und Belange, die gespürt und erfüllt sein wollen. (Verrutscht
fürchtet die Vier, sich einzulassen und zu helfen. Auch wagt sie es nicht, ihre
eigenen Bedürfnisse zu artikulieren.)

5 - realistisch – es geht um die Wahrscheinlichkeit


Mit der fünften Farbe wird es praktisch; hier wird das realistisch Machbare
gesehen. Das bringt meist große Zielsicherheit mit sich – du hast den Fokus auf
dem Projekt und siehst den Kontext, in dem es am besten umgesetzt werden kann.
Diese Farbe bringt eine gute Urteils- und Unterscheidungsfähigkeit mit sich, du
erkennst ganz pragmatisch den besten Weg. Neue Wege werden geprüft, damit
erfolgreiche Verbesserungen umgesetzt werden können. Ein Näschen für das
Machbare könnte man diese Sichtweise nennen und sie kann dich sehr erfolgreich
werden lassen. Die Dinge, für die du dich einsetzt, funktionieren meist. (Verrutscht
hofft die Fünf, dass schon alles werden wird und legt die Hände in den Schoß).

6 – Persönlich, selbstbezogen
Mit diesem Blick aufs Leben nimmst du alles sehr persönlich, um durch den
Vergleich dir selbst näher zu kommen und dich zu entwickeln. Es geht dir um deine
Individualität – nicht um das Außen, auf das du schaust. Du willst dich immer tiefer

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erkunden, entwickelst deine ganz persönliche Art in der Welt zu sein.
Wahrscheinlich magst du es überhaupt nicht, wenn andere dich kritisieren oder
deine Handlungsweise kommentieren. Hintergrund ist – wie immer bei der Energie
der Sechs – das „Darüber hinaus“, die Energie der Transformation. (Verrutscht will
die Sechs sich einmischen, das Ruder rumreißen und führen).

Nachdem nun alle Motivationen und Sichtweisen beleuchtet sind, lade ich zu
einem kleinen Gedankenspiel ein: wenn die Motivation eines Menschen
„Sicherheit“ ist und die Sichtweise forschend und erkundend – prima, das passt ja
gut zusammen. Aber was, wenn die gleiche Motivation kombiniert wird mit der
Sichtweise der Zwei, die auf alle Möglichkeiten schaut, offen und bereit für das
Unbekannte? Dann wird es herausfordernd ! Das Nicht-Selbst ist stets gegenwärtig,
die Haltung, die nicht die unsere ist – aber über das Da-Sein-Lassen und
Beobachten haben wir die einmalige Gelegenheit, mit der Zeit immer mehr der
Mensch zu sein, als der wir angelegt sind, und die Welt auf unsere so einzigartige
Art zu erleben – der Passagier beobachtet die Welt. Und wie die Wissenschaft
deutlich gemacht hat, verwandelt sich das Betrachtete durch den Vorgang der
Betrachtung.

403
Ausblick Human Design und Arbeitswelt
Human Design kann noch mehr:
Nicht nur kann man schon anhand eines Charts viel über mögliche
Berufe- und Berufungsbereiche sagen, auch für Teams und
Institutionen bieten die Informationen viel Hilfreiches.

Wer hätte nicht gerne statt eines dysfunktionalen Teams, wo


vielleicht acht Leute die Effizienz von fünfen erbringen, ein echtes
Dream Team? In dem alle mit Freude und Synergie zusammen
weit mehr erreichen und diese Fünf entspannt die Effizienz von
Acht haben?
Alles möglich – mit der stimmigen Zusammensetzung im
sogenannten „Penta“, der Verbindung, die in Gruppen von 3 bis 15
Menschen entsteht. (ein wenig habe ich hierüber schon im Kapitel
Beziehungen erzählt, doch im Arbeitsteam gelten natürlich auch
andere Regeln). Von besonderer Bedeutung für diese Betrachtung
sind die Tore und Kanäle „in der Mitte“ – zwischen Sakral, Selbst
und Kehle. Wenn hier „alles da“ ist, funktioniert das Team optimal,
es ist funktional, erfolgreich, produktiv, stabil und alle fühlen sich
wohl. Leider sind im Schnitt vier von fünf Teams dysfunktional, für
die fehlenden Ressourcen (= die nicht vorhandenen Tore) wird viel
Energie aufgewandt.

404
Dies ist der Einsatzbereich der Businessrichtung des Human Design
BG5 (Base Group) und OC16 (Organizing Channels 16) für größere
Gruppen, oder auch der 64 Keys von Nicole und Andreas Ebhart.

Nebenbei: wenn du ein Manifestor oder Reflektor bist, wird das Team dich sicher
nicht besonders ansprechen – und das ist völlig okay so, denn es ist nicht deine
Domaine. Der Manifestor will in Frieden „Seines“ machen und initiieren, der
Reflektor braucht die Ungebundenheit und Freiheit von Rollen, um seinen Job, das
große Ganze zu betrachten, zu erfüllen. Und als Projektor – Achtung, deine
Position ist von außen nach innen schauend, im 1:1 Kontakt mit den Anderen, sonst
landest du im Team in Rollen, die dich zum Sklaven machen. Chef-sein ist natürlich
was anderes, das passt. Sehr viele meiner im Businessbereich tätigen Klienten sind
Projektoren in Führungspostionen – oder sie ringen damit, genau diese (noch) nicht
zu haben.

Natürlich gibt es auch für jeden Typ spezifische Berufe, welche die Gaben und
Neigungen berücksichtigen - genauso leicht kann sich zeigen, was
höchstwahrscheinlich kein Ticket zum Erfolg werden wird.

Auch wenn mir im Laufe des Schreibens immer weitere Ideen kommen, was ich
gerne noch weitergeben würde, komme ich hier mit einem großen Dank an Ra Uru
Hu für sein Lebenswerk und den Mut und die Liebe, es zu lehren und an die
wunderbaren Vermittler Richard Rudd, Peter Schoeber, Chetan Parkyn, Nicole und
Andreas Eberhart und viele andere nun (erstmal) zum Ende.

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Ein mindestens so großer Dank gilt meinem Spirit Team, meiner Freundin Regina
fürs Ermutigen und immer wieder Lesen meiner Texte, meinem Sohn Nick für den
stetigen Austausch im lebendigen Design-Experiment und sein Feedback, und all
meinen wundervollen Klienten und Seminarteilnehmern, denn ohne euch hätte ich
dieses Buch nie geschrieben! Und ich danke meinem Leben – mit all seinen
Erfahrungen und allen Menschen, die daran Anteil haben und hatten. Es war und
ist wahrlich die Reise wert.

Natürlich und mit großer Freude biete ich auch persönliche Human Design
Beratungen sowohl live als auch am Telefon und über Zoom an und natürlich
diverse Ausbildungsvarianten - live und auf Zoom. Mehr dazu unter
[Link], dort sind auch ausgewählte Interviews zum
Thema verlinkt.

Literaturangaben:
Mehrfach zitiert habe ich aus
Ra Uru Hu and Lynda Bunnell, The Definitive Book of Human Design,
The Sciene of Differentiation, , HDC Publishing, 2011
[Link] mit Vorträgen, Workshops und Artikeln von Ra,
das sind über die Jahre extrem viele, sie bilden den Hintergrund.

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Einige Zitate stammen aus den Sexual Type and Signature-Readings.
Andere aus den mehrtägigen Workshops zum Projektor von 2005.
Ra Uru Hu ,Rave Psychologie Band 1 und 2, Human Design Services, 2015
Workshops und Vorträge von und mit Ra Uru Hu, Peter Schöber, 64 Keys sowie
deren Bücher.
Für Englisch versierte Leser (besonders für die Generatoren) vielleicht interessant:
das Buch „A Revolution of One“, von Mary Ann Winninger, in dem sie ganz
wunderbar ihren eigenen Prozess mit Human Design beschreibt.
Richard Rudd, The Gene Keys, Watkins Verlag 2015
Weitere Bücher von Christiane Tietze:

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