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Prosa

Die Prosa-Beispiele behandeln verschiedene Genres wie Kinderbuch, Fantasy, Science Fiction, Comedy und Krimi. Sie enthalten Auszüge aus bekannten Werken und Kurzgeschichten, die jeweils kurze Handlungsabschnitte oder Charaktere vorstellen.

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Prosa 1 - Kinderbuch

Leseprobe aus Pu der Bär von A. A. Milne


deutsche (Neu)Übersetzung von Harry Rowohlt (1988)
Originalausgabe Buch 1: London 1926 | Auszug aus Buch 1, Kapitel 8 „Die Expotition zum Nordpohl“

Christopher Robin saß vor seiner Tür und zog sich gerade die großen Stiefel an. Sobald Pu die großen Stiefel
sah, wusste er, dass ein Abenteuer passieren würde, und er strich sich mit dem Pfotenrücken den Honig
von der Nase und er putzte sich so gut wie möglich heraus, um auszusehen, als wäre er zu allem bereit.
„Guten Morgen, Christopher Robin!“, rief er. (P)
„Hallo, Pu Bär. Ich komme nicht in diesen Stiefel.“ (CR)
„Das ist schlimm“, sagte Pu.
„Meinst du, du könntest dich freundlicherweise gegen mich lehnen, weil ich immer so stark ziehe, dass ich
immer wieder umfalle?“ (CR)
Pu setzte sich, grub seine Füße in den Boden und drückte heftig gegen Christopher Robins Rücken und
Christoper Robin drückte heftig gegen Pus Rücken und er zog und zog an seinem Stiefel, bis er ihn
angezogen hatte.
„Das war das“, sagte Pu, „was tun wir als Nächstes?“
„Wir gehen auf eine Expedition“, sagte Christopher Robin, als er aufstand und sich abbürstete. „Danke,
Pu“.
„Auf eine Expotition?“, sagte Pu eifrig, „ich glaube, auf so was war ich noch nie. Wohin müssen wir, um auf
diese Expodition zu kommen?“
„Expedition, dummer, alter Bär. Da ist ein „x“ drin“. (CR)
„Ach“, sagte Pu, „ich weiß“. Aber das stimmte eigentlich gar nicht.
„Wir werden den Nordpohl entdecken.“ (CR)
„Ach“, sagte Pu wieder, „was ist der Nordpohl?“
„Das ist eben etwas, das man entdeckt“, sagte Christopher Robin leichthin, denn genau wusste er es auch
nicht.
„Ach, verstehe“, sagte Pu, „sind Bären gut im Entdecken?“
„Natürlich sind sie das. Und Kaninchen und Känga und ihr alle ebenfalls. Es ist eine Expedition. Alle, und
zwar in einer langen Reihe. Sag schnell den anderen Bescheid, dass sie sich fertig machen, während ich
mein Gewehr überprüfe. Und wir müssen Proviant mitbringen.“ (CR)
„Was mitbringen?“ (P)
„Sachen zum Essen.“ (CR)
„Ach“, sagte Pu, „ich dachte, du hättest „Proviant“ gesagt. Ich gehe hin und sage Bescheid“.
Und er stapfte davon.
Prosa 2 - Fantasy/Science Fiction
Zusammengesetzte Leseprobe aus „Das Buch der Elfen“ von Tom S. Bender und „Ashes and Souls“ von
Ava Reed

Aussprache (fett=betont): Larsania, Kisaton, Ballina, Galantas

Die Welt stand still. Für einen kurzen Augenblick hielt sie den Atem an und mit ihr jedes Geschöpf, das
mehr Ewigkeit als Endlichkeit in sich trug. Man konnte die aus dem Takt geratene Balance ganz genau
spüren. Von einem Moment auf den anderen hatte sich etwas verändert. Etwas, das über die Grenzen des
Messbaren hinausging und nun alle betraf, ob sie wollten oder nicht. Das Universum war nicht geschaffen
für Ungleichgewicht. Alles brauchte ein Gegenstück.

Larsanias Truppen und die der Südelfen schritten durch den Wald. Sie durchquerten den Fluss, dicht
gefolgt von den Zwergen, die sich weiter hinten aufhielten. Tausend Elfen standen mit Pfeil und Bogen in
dichten Reihen den Truppen Kisatons gegenüber. Angesichts der Übermacht von Kisatons Truppen
erschienen die Elfen schutzlos und leicht zu besiegen.

Kisaton betrachtete amüsiert das Aufgebot der Elfen und lachte.

"Was wollt Ihr mit Euren Truppen gegen mich ausrichten?", schrie er/sie mit rauer Stimme. Er/sie lief vor
seinen Magiern auf und ab, ohne dabei die Elfen aus den Augen zu lassen. Sein/ihr Schwert leuchtete hell
auf und schoss einen Blitz gen Himmel. Dann stieß er/sie es in den Boden und lauter Donner ließ die Ebene
bis ins Tal von Ballina erbeben.

Alle ahnten, dass die Schlacht kurz bevorstand, wenn nicht ein Wunder geschah.

Kisaton richtete das Wort wieder an die Elfen: "Elfenvolk, hört mich an!" Seine/ihre Stimme klang
samtweich, als er/sie weitersprach, doch die Elfen ließen sich davon nicht beeindrucken. "Wie ihr seht,
habt ihr keine Chance, diese Schlacht zu gewinnen, also übergebt mir die Seiten. Sonst wird der Tod euch
schneller ereilen als ihr es euch in euren schlimmsten Träumen vorstellen könnt."

Galantas trat vor, und seine/ihre Gestalt wirkte würdevoll und unerschrocken. Er/sie hob sein/ihr Schwert.
"Du weißt sehr wohl, wem das Buch gehört. Wir werden die Seiten nicht kampflos hergeben. Das Elfenvolk
wird sie bis zum letzten Atemzug verteidigen."

Und wie zur Bestätigung erhoben seine Truppen gleichzeitig ihre Waffen und traten einen Schritt vor.

Prosa 3 – Comedy
Nach einer Kurzgeschichte von Hans-Peter Gaußmann aus „Was einem so einfällt“, 2010
Es ist wieder einmal Wochenende und diesmal eins von den ganz schlimmen. Da lob ich mir meine ruhigen
Tage im Büro, da bin ich lustig und heiter und niemand nervt mich mit seinen Blödheiten. Noch vor dem
Frühstück, also quasi mitten in der Nacht, lässt mich meine bessere Hälfte bereits wissen, dass ich heute
den Wochengroßeinkauf zu erledigen hätte. Na großartig.
Supermarkt am Samstagvormittag. Der blanke Horror. Also ob das Gewusel der Pensionisten und anderen
Menschen ohne echten Job, die natürlich auch genau jetzt für die ganze Woche einkaufen müssen, nicht
genug wäre, füllen die lästigen Angestellten die Regale garantiert genau dann auf, wenn du endlich dein
Scheißregal gefunden hast und das Zeug in den Wagen schmeißen willst.
Ich also lasse mir mit Spiegelei und Toast und allem anderen schön viel Zeit, aber dieser Kelch geht leider
nicht an mir vorüber. Also dann doch alle leeren Kisten und Flaschen ins Auto und ab geht’s. Also fast, denn
in diesem Moment läutet mein Handy. Es ist Hermann, ein recht hübscher Kollege aus dem Büro, der für
mich schwärmt. Naja, kein Wunder, bei meinem Charme.
„Ja, was gibt’s, warum rufst du an?“, schnauze ich leicht genervt ins Telefon, denn ich bin gerade damit
beschäftigt die letzte Kiste Leergut ins Auto zu bugsieren. „Ich vermisse dich, mein Schatz!“, flötet
Hermann unbeirrt, als würde er meine Genervtheit nicht wahrnehmen. Was für eine unsensible Person.
„Kommst du heute Nachmittag wieder zu mir? So um drei? Hab mir was ganz Besonderes für dich
überlegt“, setzt Hermann noch einen drauf. „Nein, tu ich nicht, will ich nicht, hab keine Zeit!“, gebe ich
schroff zurück und schalte das Handy aus. Also wirklich, merkt der nicht, dass ich beschäftigt bin? Als
attraktiver Mensch hat man’s wirklich schwer.

Prosa 4 - Krimi/Thriller
Leseprobe von Dieter Kschwendt-Michel
Sie riss die Tür auf und stolperte die Stufen hinunter in den Hof. Der Kies knirschte unter ihren Füßen.
Ruckartig bewegte sie ihren Kopf nach links und rechts und starrte in die Dunkelheit. Nichts. „Da war doch
was…“, stieß sie zwischen zusammengepressten Zähnen mühsam hervor, „ich war mir sicher, dass…“.
Nichts.
Der Hof, der sich vor ihr bis zum knapp 100 Meter entfernten Waldrand erstreckte, lag in völliger
Dunkelheit. Sie hätte die Lampe über der Eingangstür zum Haus längst reparieren sollen. Aber immer fand
sie tausend Ausreden, warum gerade an diesem Tag nicht. Und am nächsten auch nicht. „Verdammt“,
murmelte sie.
Es war eine pechschwarze Nacht, die angesagten Gewitter ließen auf sich warten. Dunkle Wolkenfetzen
hingen vor einem fahlen Mond, leise strich der Wind durch die Bäume des nahen Waldes. Nichts. Die Frau
starrte noch einmal in Richtung der dunklen Bäume, drehte sich dann vorsichtig um und schlurfte langsam
über den kiesbestreuten Hof zurück in Richtung Haus.
In diesem Moment knackten Zweige. Nicht einzelne, dünne, sondern mehrere, kräftige, als ob ein wildes
Tier dabei wäre, sich seinen Weg durch das Unterholz freizukämpfen. Die Frau fuhr herum. Sie riss eine
schwere Pistole heraus, die hinten im Hosenbund steckte, und stapfte mit schwankenden Schritten in
Richtung der dunklen Bäume. Unsicher, wohin sie ihre Waffe richten sollte, zielte sie mit zitternder Hand
mal nach links, mal nach rechts. „Los, komm raus!“, schrie sie mit vor Entsetzen heißerer Kehle, „ich weiß
doch, dass du da bist! Zeig dich, ich hab keine Angst vor dir!“
Nichts rührte sich. Als die Frau, die weiter wie paralysiert in die Dunkelheit starrte, das leise, pfeifende
Geräusch wahrnahm, war es bereits zu spät. Überrascht bemerkte sie den kurzen Pfeil, der bis zum Schaft
in ihre Brust eindrang. Den zweiten und dritten in Hals und Bauch registrierte sie schon nicht mehr. Sie riss
die Augen auf, sackte unmittelbar zusammen und blieb regungslos liegen. Dann war wieder alles still.

Prosa 5 - Fantasy/Science Fiction 2


Leseprobe aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams

Mr. L. Prosser war, wie man so schön sagt, auch nur ein Mensch. Mit anderen Worten, er war eine auf
Kohlenstoff basierende zweifüßige, vom Affen abstammende Bioform. Genauer gesagt, er war vierzig, fett
und mies und arbeitete in der Gemeindeverwaltung.
Außerdem war er komischerweise, obwohl er es nicht wusste, in männlicher Linie ein direkter Nachfahre
von Dschingis Khan, wenn auch die vielen Generationen und Rassenmischungen seither seine Gene so
verheddert hatten, dass er keine eindeutig mongolischen Eigenschaften mehr besaß, und die einzigen
Überreste seiner mächtigen Vorfahren äußerten sich bei Mr. L. Prosser in ausgesprochener Fettleibigkeit
und einer Vorliebe für kleine Pelzhüte.

Er war absolut kein großer Krieger: im Gegenteil, er war ein nervöser, ängstlicher Mann. Heute war er
besonders nervös und ängstlich, denn irgendwas an seinem Auftrag war ernstlich schiefgelaufen - und
dieser Auftrag war, dafür zu sorgen, dass Dents Haus noch vor Ende des Tages aus dem Wege geräumt
wäre.

"Hören Sie doch auf damit, Mr. Dent", sagte er, "Sie wissen, damit kommen Sie nicht durch. Sie können ja
nicht ewig hier vor dem Bulldozer rumliegen." Er versuchte, mit seinen Augen aggressiv zu blitzen, aber das
taten sie einfach nicht. Arthur lag im Matsch und hackte zurück. "Macht mir nichts aus", sagte er, "mal
sehen, wer eher rostet."

"Tut mir leid, aber Sie müssen den Tatsachen ins Auge sehen", sagte Mr. Prosser, packte seinen Pelzhut
und drehte ihn auf seinem Kopf herum, "diese Umgehungsstraße muss gebaut werden, und sie wird
gebaut!" "Ich höre zum ersten Mal davon", sagte Arthur, "warum muss sie denn gebaut werden?" Mr.
Prosser drohte ihm ein kleines bisschen mit dem Finger, dann ließ er das und steckte ihn wieder weg. "Was
soll das heißen, warum muss sie denn gebaut werden?" fragte er, "es ist eine Umgehungsstraße. Und
Umgehungsstraßen baut man eben."

Prosa 6 - Krimi/Thriller 2
Leseprobe aus „Drei Witwen“ von Catherine Quinn
„Ich frage mich, ob Sie noch irgendetwas dazu erzählen wollen, was in der Nacht passiert ist?“
„Aber ich hab Ihnen schon alles erzählt, was ich weiß, Officer!“
„Wirklich? Die Leiche scheint mir ziemlich übel zugerichtet. Ich bin zwar kein Arzt, aber auf mich wirkt es
so, als hätte sie zusätzlich zur tödlichen Verletzung am Hinterkopf einige gebrochene Rippen. Und am Ohr
hatte sie auch eine Verletzung.“
Officer Brewer tippt mit dem Zeigefinger der rechten Hand sein eigenes Ohr an.
„Und bei Ihnen sind mir Blutergüsse aufgefallen, die ich ebenfalls seltsam finde. So, als hätte Sie jemand zu
fest angepackt. Möchten Sie mir dazu etwas sagen?“
Nachdenklich sieht er mich an.
„Ich habe viele Fälle von häuslicher Gewalt gesehen. Wenn ich raten sollte, würde ich sagen, Sie und Emily
hatten eine Auseinandersetzung. Sie hat Sie am Arm gepackt und Sie haben sie weggestoßen. Dann ist sie
irgendwo mit dem Kopf aufgeschlagen und hat sich auch noch die Rippen gebrochen. Ist es so passiert?“
„Nein, ist es nicht“.
Ich merke, dass ich in alte Muster aus meiner Kindheit zurückfalle und mich in mich selbst zurückziehe.
Officer Brewer scheint plötzlich sehr weit weg zu sein.
„Hören Sie zu“, setzt er wieder an und ich muss mich auf sein Gesicht konzentrieren, das jetzt direkt vor
meinem auftaucht, „ich werde jetzt ganz offen sein: die Beweise sprechen eindeutig gegen Sie. Ich bin in
einer halben Stunde wieder da, dann will ich, dass Sie reden.“
Er knallt die Tür zum Verhörraum zu und ich bin allein. Ich starre an die Wand gegenüber und registriere
den berühmten Spiegel, den man aus jeder Polizeiserie kennt. Ob er jetzt dahinter steht und mich ansieht?
Mit meinen Gedanken mir selbst überlassen ziehe ich mich wieder in mich zurück. Was soll ich Officer
Brewer erzählen, was ich nicht schon gesagt habe? Ich habe keine Ahnung, was letzte Nacht passiert ist.
Scheiße. Wie komme ich da wieder raus?

Prosa 7 – Comedy 2
Leseprobe von Dieter Kschwendt-Michel

Sie wälzte sich schlaflos im Bett herum. Zum x-ten Mal griff sie nach ihrem Smartphone, drückte den
Powerknopf und starrte auf das Display, das in der Dunkelheit aufleuchtete. Es war kurz vor vier. Ihre
Gedanken wanderten zum vor ihr liegenden Arbeitstag: Termine, Termine, Termine. Und dazwischen zwei
völlig sinnlose Meetings, die sie nur davon abhalten würden, ihre Arbeit zu erledigen.
„Mails checken?“, schoss es ihr unmittelbar durch den Kopf. „Sonst hast du keine Sorgen“, murmelte sie
halblaut und verwarf den Gedanken sofort wieder. Sie brauchte unbedingt noch etwas Schlaf. Aber daraus
wurde nichts. Sie musste lauter gesprochen haben, als ihr bewusst gewesen war, denn von der anderen
Seite des Bettes ertönte jetzt ein lautes Schnarchen, gefolgt vom rasselnden Ausstoß der Atemluft. Dann
ein weiteres Schnarchen. „Na großartig“, stöhnte sie, „wie soll ich bei dem Lärm jetzt wieder einschlafen?“
Nachdem sie weitere zehn Minuten schlaflos zur Decke gestarrt hatte, fiel ihr etwas ein: eine Freundin
hatte ihr letzte Woche doch erzählt, was frau in so einem Fall tun könne. Mitten ins Schnarchgeräusch
hinein mehrmals laut mit der Zunge schnalzen. „Echt jetzt?“, dachte sie, „das soll funktionieren?“ Sie
musste grinsen. „Egal, außer Schlaf hab‘ ich ja nichts zu verlieren.“
Als sich drüben die nächste Schnarchattacke zu entfalten begann, schnalzte sie mehrmals laut mit der
Zunge. Und tatsächlich: das Schnarchen wurde abrupt leiser und erstarb. Nebenan wurde friedlich
geatmet. „Das gibt’s ja nicht, das klappt wirklich!“, dachte sie begeistert und schloss erleichtert die Augen,
um vor Beginn ihres anstrengenden Tages noch etwas Schlaf zu finden. In diesem Moment krähte vor dem
Schlafzimmerfenster ein Hahn. Sie riss die Augen auf: „Ob das bei Tieren auch funktioniert?“

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