Fasse
Fasse
Dissertationsschrift:
Abstract (deutsch):
Gegenstand der vorliegenden Dissertationsschrift ist das zumeist als
Revolution of Military Affairs wahrgenommene Auftreten der ersten
Panzer. Diese „Tanks“ der Jahre 1916-1918 mit den ihnen innewohnenden
Möglichkeiten, das blutige Patt des Stellungskrieges an der Westfront
aufzuheben, beeinflußten der Legende nach das Kriegsende 1918 erheblich.
Die Alliierten erkannten das Potential der neuen Waffe, ließen sich von
frühen Rückschlägen nicht entmutigen und besaßen gegen Ende des Krieges
eine gepanzerte Speerspitze ihrer nun modern auf Feuer und Bewegung
ausgelegten Offensiven, denen man deutscherseits angeblich nichts
entgegenzusetzen hatte. Die deutsche Führung, anscheinend geprägt durch
technikfeindliche und geradezu blauäugig agierende Köpfe, verpaßte bis
zuletzt ignorant jede Chance, ihrerseits auf diese die Landkriegführung bis
heute prägende Waffe zu setzen und selbst Tanks in Massen zu produzieren.
Im Sommer 1918 kollabierten die deutschen Linien, als britische,
französische und amerikanische Tankgeschwader unaufhaltsam auf sie und
ihre technisch und taktisch plötzlich hoffnungslos unterlegenen Verteidiger
einstürmten.
Inwieweit diese plausibel erscheinende Darstellung den Realitäten in
höchsten Führungskreisen beider Seiten und auf den Gefechtsfeldern
entsprach, ist eine grundsätzliche Frage innerhalb der vorliegenden
Dissertation. Anhand der operationsgeschichtlichen Untersuchung der
namhaftesten Tankeinsätze zwischen dem ersten Auftreten der neuen Waffe
im September 1916 und ihrem Siegeslauf im Sommer 1918 wird geklärt,
welcher Anteil am alliierten Sieg den frühen Panzern zuzubilligen ist und
inwiefern sich die deutsche Führung tatsächlich eines letztlich
katastrophalen „Versagens“ schuldig machte.
Militärgeschichte
Erster Weltkrieg
Westfront
Tank
3
Abstract (English):
The central theme of this thesis is the appearance on the battlefield of the
first armoured vehicles, an event generally held to have been a revolution in
military affairs. The exploits of these so-called ‘tanks’ of 1916 -1918, which
had the inherent capability of breaking the bloody deadlock of trench
warfare, contributed greatly during the interwar period to the promotion of a
myth, which went roughly as follows:
The Allies had recognised the potential of this new weapon; did not allow
themselves to be deflected by early setbacks and so, towards the end of the
war, their modern offensives, founded on the joint principles of fire and
manoeuvre, possessed an armoured spearhead, against which the Germans
had no answer. The German High Command, seemingly technophobic and
blundering, ignored right to the bitter end, the chance to throw their weight
behind the development and mass production of weapons, which to this day
play a key role in land warfare. In the summer of 1918 the German lines
simply folded in the face of British, French and American tank squadrons
which rolled forward unstoppably to assault a defence which was suddenly
and hopelessly tactically and technically inferior.
The fundamental question of this thesis is to what extent this apparently
plausible representation of the facts actually corresponds to the reality, both
in the High Commands of both sides and on the battlefield. On the basis of
historical-operational analysis of the most notable tank actions between the
first appearance of the new weapon in September 1916 and its advance to
victory during the summer of 1918, the thesis explores how much credit for
the Allied victory is due to these early armoured vehicles and to what extent
the German High Command itself was actually responsible for this final,
catastrophic failure.
Military History
World War One
Western Front
Tank
4
1. EINLEITUNG..................................................................................... 9
1.1. VORBEMERKUNGEN......................................................................... 9
1.2. DER BETRACHTUNGSGEGENSTAND................................................ 14
1.2.1. Wie „General Tank“ den Ersten Weltkrieg gewann. .......... 20
1.2.2. Wieso „General Tank“ den Ersten Weltkrieg nicht gewann.
............................................................................................. 26
1.3. ANMERKUNGEN ZUR HERANGEHENS- UND ARBEITSWEISE............ 38
9.1. DER PLAN, DER ANGREIFER UND DIE TANKUNTERSTÜTZUNG. .... 318
9.2. DIE VERTEIDIGER. ....................................................................... 331
9.3. DIE KÄMPFE AM [Link] 1917. ........................................ 356
9.4. DIE FORTSETZUNG DER KÄMPFE VOM 21.-[Link] 1917. . 375
9.5. DER DEUTSCHE GEGENANGRIFF UND DAS AUSKLINGEN DER
SCHLACHT. .................................................................................. 384
9.6. TANKS UND TANKABWEHR IN DEN KÄMPFEN BEI CAMBRAI:
BEWERTUNGEN UND REAKTIONEN. ............................................. 398
9.6.1. Britische Perspektiven und Reaktionen. ............................ 417
9.6.2. Deutsche Perspektiven und Reaktionen............................. 435
11.1. DER PLAN, DIE ANGREIFER UND DIE TANKUNTERSTÜTZUNG. ..... 501
11.2. DIE VERTEIDIGER. ....................................................................... 505
11.3. DIE KÄMPFE AM [Link] 1918. .................................................... 521
11.4. DIE WEITEREN KÄMPFE BIS ZUM ABSCHLUß DER SCHLACHT,
ANFANG AUGUST 1918................................................................ 531
11.5. TANKS UND TANKABWEHR IN DER ABWEHRSCHLACHT ZWISCHEN
SOISSONS UND REIMS: BEWERTUNGEN UND REAKTIONEN. ......... 534
11.5.1. Alliierte Perspektiven und Reaktionen............................... 540
11.5.2. Deutsche Perspektiven und Reaktionen............................. 545
7
1. Einleitung.
1.1. Vorbemerkungen.
Das Thema der vorliegenden Arbeit vereinigt in sich eine Vielzahl von
Aspekten, die mit dem „Tank“ oder frühen „Panzer“ 1 sowie dessen
Entstehungs- und Einsatzgeschichte im Komplex einer militärtechnischen
Revolution 2 verbunden sind. Diese wurden in den vergangenen rund 90
Jahren in kriegs-, operations- und technik- sowie in jüngerer Zeit auch in
kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Betrachtungen 3 von vielen
verschiedenen Seiten behandelt. Der Verfasser einer heutigen Untersuchung
muß demnach gute Gründe haben und zwar sowohl in Hinsicht auf neue
Erkenntnisse, als auch bezüglich einer geschichtswissenschaftlichen
Legitimation und Relevanz einer neuerlichen Abhandlung, um sich heute
diesem Themenfeld zu widmen.
In Hinblick auf die vorliegende Untersuchung von neuen Erkenntnissen zu
sprechen, scheint angesichts der bisherigen Bearbeitungsdichte des
Themenkomplexes auf den ersten Blick recht verfänglich. Sicherlich läßt
1
Die Unterscheidung zwischen „Tank“ (oder „Kampfwagen“ u.ä. überkommenen
Begrifflichkeiten) und „Panzer“ ist dadurch zu kennzeichnen, daß ersterer die während des
Weltkrieges ausgeprägte Vorstufe, den bzw. die Archetypen, darstellt und der Terminus
„Panzer“ die in den 20er und 30er begonnenen und bis heute andauernden, technischen und
einsatztechnischen Evolutionsstufen aller Art subsumiert. Die Trennung beider
Begrifflichkeiten macht aus militärischer und militärtechnologischer Perspektive Sinn, da
sie die unter Bedingungen eines Krieges geborene Innovation von den Möglichkeiten und
Grundlagen ihrer Modifikation und Transformation in anschließenden Friedenszeiten mit
ungebremst weiterlaufenden, zivilen Entwicklungen abgrenzt; siehe dazu Stahlschmidt,
Rainer: Quellen und Fragestellungen einer deutschen Technikgeschichte des frühen
[Link] bis 1945 (Studien zu Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im
neunzehnten Jahrhundert, Bd. 8), Göttingen 1977, S. 118ff.
2
Zum Begriff, seiner Bedeutung als Ausgangspunkt für die militärwissenschaftliche
Auseinandersetzung mit Kriegführung im Spannungsfeld technischer Innovationen sowie
speziell zum Gegenstand einer Military Revolution des Ersten Weltkrieges siehe Gray,
Colin S.: Strategy For Chaos. Revolutions in Military Affairs and The Evidence of History,
London/Portland 2003, S. 8ff. bzw. S. 170ff.
3
Um zwei Betrachtungen anzuführen, die diesen auf den ersten Blick nicht genuin
militärischen Teilbereich mit hoch interessanten Ansätzen erschlossen, seien genannt: Tate,
Trudi: The Culture of the Tank, 1916-1918. In Modernism/Modernity 4.1. (1997), S. 69-87,
und Wright, Patrick: Tank. The Progress of a Montrous War Machine, London 2000.
10
sich immer ein Aktenbestand benennen, der nach Ansicht eines Bearbeiters
noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Und es gibt immer wieder
auch mehr oder weniger isolierte Einzelaspekte, die, je nach Verlagerung
des Betrachtungsschwerpunktes eines Autors im Gegensatz zu vorherigen
Arbeiten, zu wenig Berücksichtigung gefunden zu haben scheinen 4 . Das
Ziel der vorliegenden Dissertation ist es aber nicht, dergestalt ausgemachte
„Detaillücken“ zu schließen oder, im Gegensatz dazu, das Bild von der
Frühphase der Entwicklungsgeschichte des Panzers (!) zwangsweise
grundlegend revidieren zu wollen. Der Panzer wird im Ergebnis weiterhin
ein Kriegsmittel bleiben, das die Landkriegführung des [Link]
geprägt hat, und auch weiterhin eine Waffe sein, die, in ihrer Ur- und
Frühform als „Tank“ des Weltkrieges, ihren –allerdings noch genauer zu
bestimmenden- Einfluß auf den Ausgang des globalen Ringens zwischen
1916 und 1918 hatte. Es geht vielmehr darum, skeptisch und durchaus
befreit von einer in weiten Teilen der vergangenen 90 Jahre gepflegten,
meist national veranlagten und auf wehrwissenschaftlichen Gewinn
zielenden, „applikativen“ Kriegsgeschichtsschreibung sowie unbelastet von
individuell-intuitiven oder politischen Vorbehalten 5 an ein Thema
4
Als Beispiel einer historiographisch bewährten Legitimation für eine nochmalige
Beschäftigung mit einem vielfach und vermeintlich bereits abschließend bearbeiteten
Thema findet sich die Anführung „neuen Materials das manches Werthvolle enthält“ etwa
in einer Abhandlung über den Siebenjährigen Krieg von 1868 (Erstauflage); siehe Paulig,
F.R.: Geschichte des siebenjährigen Krieges. Ein Beitrag zur deutschen Geschichte der
Jahre 1740-1763, Frankfurt a. O. 101879, S. IV.
5
Siehe Nowosadtko, Jutta: Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die
Militärgeschichte (Historische Einführungen, Bd. 6), Tübingen 2002. Die Autorin geht an
mehreren Stellen, so bereits im Vorwort und ersten Kapitel (siehe S. 7 und 9), auf eine
„Hypothek“ der Militärgeschichte und die gegen sie, ihren Wert und ihre Bearbeiter nicht
selten vorgebrachten Vorbehalte aller Art ein. Zudem ist in Hinsicht auf die frühere
Auseinandersetzung mit Militär- beziehungsweise Kriegsgeschichte festzuhalten, daß sie -
zumindest in Deutschland- massiv (militär-) politischen Prärogativen unterworfen war; zur
Entwicklung der Kriegsgeschichtsschreibung siehe ebenda, S. 35ff., Deist, Wilhelm:
Bemerkungen zur Entwicklung der Militärgeschichte in Deutschland, in Kühne,
Thomas/Ziemann, Benjamin (Hg.): Was ist Militärgeschichte? (Krieg in der Geschichte,
Bd. 6.) München u.a. 2006, S. 315-322, und, hinsichtlich der Operationsgeschichte als
Teilbereich sehr aufschlußreich, Showalter, Dennis E.: Militärgeschichte als
11
8
Siehe Abschn. 1.2.1. (Querverweise auf die vorliegende Arbeit werden fernerhin mit
„Abschn.“ oder „Kap.“ gekennzeichnet.)
9
Siehe Pidgeon, Trevor: The Tanks At Flers. An Account Of The First Use Of Tanks In
War At The Battle Of Flers-Courcelette. The Somme 15th September 1916, 2 Bde, Cobham
1995. Zu nennen wären einige Arbeiten mit ähnlich operationsgeschichtlichem und auf
einzelne Schlachten fokussiertem Blickwinkel, wie etwa Showalter, Dennis E.:
Tannenberg. Clash of Empires, Hamden 1991, oder Guénaff, Didier/Jurkiewicz, Bruno: Les
Chars De La Victoire, Louviers 2004, sowie einige der als Reiseführer angelegten und sich
neuerdings intensiv mit der deutschen Perspektive befassenden Bände der Battleground
Europe Serie von Pen & Sword; siehe bspw. Sheldon, Jack: The Germans At Thiepval
(Battleground Europe), Barnsley 2006. Daß gerade in Hinsicht auf die deutschen
Perspektiven Handlungsbedarf erkannt wurde, legen außerdem Arbeiten nahe, die in
direktem Zusammenhang mit dem [Link] des Beginns der Sommeschlacht von 1916
entstanden sind; so Sheldon, Jack: The German Army on the Somme 1914-1916, Barnsley
2005, Hirschfeld, Gerhard/Krumeich, Gerd/Renz, Irina (Hg.): Die Deutschen an der
Somme. Krieg, Besatzung, Verbrannte Erde, Essen 2006, und Duffy, Christopher: Through
German Eyes: The British & the Somme 1916, London 2006.
10
Siehe Herbst, S. 27.
13
11
Siehe Nowosadtko, S.138ff.
12
Siehe ebenda, S. 140f.
14
Bereits Anfang der 1920er Jahre interessierte das deutsche Reichsarchiv ein
Sachverhalt, der, als „Tankfrage“ bezeichnet, unter dem Siegel der
Verschwiegenheit zum Gegenstand intensiver Untersuchung wurde 14 . Die
13
„Griffen in den Jahrzehnten zuvor vor allem ehemalige oder aktive Militärs zur Feder,
die ihre eigene Vergangenheit zu bewältigen suchten, so finden sich nun jüngere
Historikerinnen und Historiker, die das Feld unvoreingenommen angehen.“ Zitiert nach
Pröve, Ralf (Hg.): Klio in Uniform? Probleme und Perspektiven einer modernen
Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, Köln u.a. 1997, S. 1f.
14
Siehe Bundesarchiv-Militärarchiv (ferner als BA-MA zitiert), RH 61/50768. Die
Arbeitsanweisung für die Bearbeitung der Tankfrage durch den Mitarbeiter Jochim von
15
Beschäftigung mit dem Tank sowie mit allen mit ihm, seiner Produktion,
seiner Bekämpfung und seinen Leistungen während des Krieges
verbundenen Aspekten wurde dadurch motiviert, daß man die
Wirkungsweise der von den Alliierten in Massen eingesetzten Kampfwagen
so klar vor Augen hatte wie ihr nahezu völliges Fehlen in den eigenen
Reihen und einen wenigstens intuitiv mit diesem Umstand verbundenen,
äußerst bitter erachteten Ausgang des Krieges. Schon während der
Endphase desselben waren zudem Vorwürfe von Seiten der Politik und aus
dem Heer laut geworden, die sich gegen die damals entscheidende [Link] 15
als Urheber eines diesbezüglich gravierenden, rüstungstechnischen
16
Versäumnisses gerichtet hatten . Die Begründungen für das Fehlen
deutscher Tankmassen, wie sie von Ludendorff in seinen
Kriegserinnerungen von 1919 und in einer Dokumentenedition von 1920 als
teilweises Eigenverschulden durch Uneinsichtigkeit, maßgeblich aber mit
Verweis auf rüstungstechnische Mangellagen bemerkenswert rasch nach
Kriegsende gegeben worden waren 17 , befriedigten offenkundig schon
1921 enthielt den Passus, daß die Ergebnisse keinesfalls in „unrechte Hände“ fallen dürften.
Daß Geheimhaltung bei allen, auch den von auswärts hinzugezogenen Fachleuten von
Bedeutung war, erschließt sich etwa aus dem Briefverkehr des Reicharchivs mit
„Rheinmetall“, wobei auf die unerwünschten Auswirkungen der Postzensur durch die im
Rheinland stehenden Kräfte des „Feindbundes“ verwiesen wurde.
15
Da es in der vorliegenden Arbeit um einen Betrachtungszeitraum geht, der in erster Linie
der [Link] (Hindenburg und Ludendorff) zuzuordnen ist, wird ferner, unter
Berücksichtigung der Ausnahmen, nur noch von der „OHL“ die Rede sein.
16
Siehe BA-MA, RH 61/50768: Arbeitsanweisung des Reichsarchivs an seinen Mitarbeiter
Jochim hinsichtlich einer anzufertigenden Studie über die „Tankfrage“, 1921.
17
Siehe Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, Berlin 41919, und
Ludendorff, Erich (Hg.): Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18,
Berlin 1920. Die ausdrucksstärksten Passagen finden sich im zuletzt genannten Titel, S.
525 und bes. S. 536f., während die Kriegserinnerungen auf die „Tankfrage“ an zahlreichen
Stellen und in direktem Zusammenhang mit einzelnen Operationen eingehen. Die Aussagen
Ludendorffs fanden weite Verbreitung, so etwa auch durch sie unterstützende Passagen in
den Veröffentlichungen ranghoher Exmilitärs; siehe bspw. Kuhl, Hermann v.: Die
Kriegslage im Herbst 1918. Warum konnten wir weiterkämpfen? Eine Entgegnung auf die
Schrift von Adolf Köster: Konnten wir weiterkämpfen im Herbst 1918? Berlin 21922, und
Kuhl, Hermann v.: Der Weltkrieg 1914-1918. Dem deutschen Volke dargestellt, Bd. 2,
Berlin 1929, bes. S. 234f.
16
damals nicht. Gleiches galt für den mit dem eigenen Tankbau verbundenen
Komplex der Konstruktion wirkungsvoller Tankabwehrwaffen. Deren
Fehlen wurde mancherorts ebenfalls als „kriegsentscheidende“ Unterlassung
angeführt, was für den Direktor des diesbezüglich wenigstens
mitverantwortlichen Allgemeinen Kriegs-Departements im (preußischen)
Kriegsministerium, von Wrisberg, 1922 Anlaß genug war, eine eindeutig als
Rechtfertigungsschrift identifizierbare Veröffentlichung anzustreben 18 .
All diese Antworten und Rechtfertigungen hielten weder die amtlichen
Geschichtsschreiber, noch sonstwie schriftstellernde, Schlachten und den
Kriegsausgang analysierende Militärs und Ex-Militärs, Historiographen und
Betrachter jeglicher Provenienz davon ab, überaus kritisch zu werten. Noch
1995 widmete sich ein deutscher Doktorand intensiv dem deutschen
„Panzerbau im Ersten Weltkrieg“, um bis dahin offengebliebene Fragen
endlich zu beantworten 19 . Beachtenswert ist hierbei, daß auch diesmal jene
schon lange vor 1939 festgestellte Beschränktheit der früheren deutschen
Führung hinsichtlich der Möglichkeiten von Tanks sowie die grundsätzliche
Nichtigkeit rüstungstechnischer Gründe für ihren einmal mehr als nicht
ausreichend forciert betrachteten Bau festgehalten wurden 20 .
Für die vorliegende Arbeit viel wesentlicher als dieser Komplex des
deutschen Tankbaues bis Kriegsende 1918, von dem am Rande der
folgenden Betrachtungen noch zu zeigen sein wird, daß er real nicht in
direktem Zusammenhang mit einer angeblich kriegsentscheidenden
Wirkung alliierter Kampfwagen stand 21 , ist, was sich als Basis für die nach
1918 geschriebenen Betrachtungen über den alliierten Tank und seine im
18
Wrisberg berief sich ausdrücklich auf derartige Vorwürfe, die sich gegen ihn persönlich
und sein Amt als Mitverursacher eines Versäumnisses „besonders in einer, aber
kriegsentscheidenden Frage, nämlich im Bau von Tanks und Konstruktion von
Tankabwehrmitteln“ richteten. Siehe Wrisberg, Ernst v.: Wehr und Waffen 1914-1918
(Erinnerungen an die Kriegsjahre im Preußischen Kriegsministerium, Bd. 3), Leipzig 1922,
S. 158.
19
Siehe Kaufhold-Roll, Heinrich: Der deutsche Panzerbau im Ersten Weltkrieg, Osnabrück
1995.
20
Unterlagen, die dies untermauern, finden sich in BA-MA, RH 61/50535 und ebenda, RH
61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr.
21
Siehe Abschn. 4.3. mit einem Exkurs zum deutschen Tankbau.
17
Weltkrieg gezeigten Leistungen eruieren läßt. Dies, und damit zugleich die
bisherige wissenschaftlich-schriftstellerische Herangehensweise an das
Thema, scheint, zumindest bei frühen deutschen Autoren und vielleicht auch
später, seit Ende des Zweiten Weltkrieges, unter dem Gesichtspunkt eines
gewissen, möglicherweise gar internationalen „Konsenses“, durch das nicht
von ungefähr genährte und dementsprechend sichere Gefühl geprägt
(gewesen) zu sein, daß die deutschen Verantwortlichen bis 1918 eine
heutzutage überdeutlich erkennbare militärtechnologische Revolution
verschlafen 22 und nicht zuletzt deshalb den Weltkrieg verloren hatten. Ein
für die vorliegende Arbeit überaus wichtiger 23 , nach 1918 schreibender
Generalmajor (der Reichswehr a.D.) Petter schrieb dazu in seiner Studie
über die deutschen Kampfwagen-Abwehr:
„Das zunehmende Interesse der Heimat, sowohl der militärischen als auch der
Zivildienststellen, des Reichstags und des Privatlebens an den Kampfw. ist gerade
im Berichtzeitraum [gemeint ist der Berichtzeitraum des zitierten Kapitels seiner
Arbeit, ab Juli 1918] festzustellen. Jedermann war sich im Zweifel, ob unsere
Abwehr dem immer und immer wieder durch die Kriegstagesberichte und die Presse
gemeldeten Ansturm feindl. Kampfw. standhalten würde. Ein banges Ahnen
durchzog Heimat und Feld. Und das war nur zu berechtigt.“ 24
22
Erweitern läßt sich dieser fatale Eindruck von mangelnden Fähigkeiten und fehlendem
Intellekt der militärischen Elite auch in Hinsicht auf die legendär-grauenhaften Zustände
des Stellungs- und Materialkrieges selbst. Dieser Punkt, der des zugelassenen und als
unabänderbar in Kauf genommenen Stellungskrieges, wird seinen Teil dazu beigetragen
haben, die Darstellung des Tank als verabsäumte militärtechnische Revolution zu
beflügeln. Zum „Mythos“ der versagenden Militärelite im Stellungskrieg siehe Raths, Ralf:
„Fehlen Sandsäcke, so ist der Graben mit feindlichen Leichen zu verstopfen.“ Die
Entwicklung der deutschen Landkriegführung 1906 bis 1918 im Spiegel von
Dienstvorschriften und Publizistik. Magisterarbeit, Historisches Seminar Universität
Hannover 2004, S. 1ff.
23
Siehe Abschn. 1.3.
24
Zitiert nach BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 265.
18
25
Siehe Fuller; John F.C.: Tanks In The Great War 1914-1918, o.O. 1920 (Neudruck
Nashville o.J.), S. xi. Die Widmung des Verfassers auf S. ix ist bezeichnend für seine
Auffassung von der kriegsentscheidenden Wirkung des Tank: „I dedicate this book to the
modern knights in armour [...], who through their own high courage and noble
determination on the battlefield, maintained Liberty and accomplished Victory.“
26
Guderian zitierte einen der Väter der modernen (gepanzerten) Kriegführung, den
französischen General Buat, mit den Worten: „Von den zwei Elementen der Taktik hatte
bisher nur eines von der Maschine nutzen: nämlich das Feuer. Es hatte sogar so viel
Nutzen, daß die Bewegung im Gefecht nahezu aufhörte. [...] Nun gibt das Erscheinen des
Motors auf dem Schlachtfelde der Bewegung ihre ganze Bedeutung zurück.“ Zitiert nach
Guderian, Heinz: Die Panzertruppen und ihr Zusammenwirken mit den anderen Waffen,
Berlin 1937, S. 1. Vor dem Hintergrund der Effektivität der Tanks sind stellvertretend für
die intensive Auseinandersetzung mit der Materie einige weitere Titel zu nennen: Guderian,
Heinz: Achtung-Panzer! Die Entwicklung der Panzerwaffe, ihre Kampftaktik und ihre
operativen Möglichkeiten, Stuttgart 51937, Nehring, Walther K.: Kampfwagen an die Front.
Das Buch vom Kampfwagen (Tank), Leipzig 1935, und ders.: Die Geschichte der
deutschen Panzerwaffe 1916-1945, Neudruck Augsburg 1995.
27
Zum Stand der Debatte über die „Tankfrage“ aus britischer Sicht, die auch in den 1990er
Jahren um die Bedeutung der frühen Panzer für den Kriegsausgang kreiste, siehe Travers,
Tim: Could the Tanks of 1918 Have Been War-Winners for the British Expeditionary
Force? In Journal of Contemporary History, Bd. 27, Nr. 3 (1992), S. 389ff.
28
Siehe Fuller: Tanks, S. xvii.
19
29
Siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 1.
30
Siehe bspw. Donnelly, Tom/Naylor, Sean: Clash of Chariots. The Great Tank Battles,
New York 1996, S. xiii: „Nevertheless, the tank –along with the airplane- has defined the
character of high-technology conventional warfare in the twentieth century.“
31
Diesen wählte schon Black, um einen populären, dem Ansehen der Militärgeschichte
nicht unbedingt zuträglichen Zugang zum Themenfeld „Weapons and Battlefields“ zu
kennzeichnen: „In many respects, the popular fascination with machines is a continuation
of the schoolboy interest in making replicas that was vastly enhanced by the development
of plastic technology and was exploited by Airfix [einem bekannten Hersteller von
Militärminiaturen und Militär-Modellbausätzen].” Zitiert nach Black, Jeremy: Rethinking
Military History, London/New York 2004, S. 33.
32
Selbst für den Bereich ernsthafter Auseinandersetzungen mit dem Thema ist diese
„Faszination“ oftmals, beispielsweise als Spielen mit bedeutungsschwangeren Begriffen
oder Bildern zu erkennen. So etwa in Buchtiteln und bei der bildhaften
Umschlaggestaltung; siehe bspw. Smithers, A.J.: A new Excalibur. The Development of the
Tank 1909-1939, London 1986, oder Wright: Tank- Das Cover zeigt die auf den Betrachter
eingeschwenkte, beeindruckende (?!) Rohrmündung eines modernen Kampfpanzers.
20
33
Dieser Eindruck ist zugegebenermaßen ein äußerst subjektiver. Der Verfasser gewann
ihn aus eigener Erfahrung, sowohl als unbedarfter Laie, als auch als Angehöriger einer mit
Leopard 2 ausgerüsteten Einheit, und war keineswegs erstaunt, als er eine (Propaganda-
)Aufnahme aus den 30er Jahren sah, auf welcher zahlreiche, überaus interessiert
erscheinende Kinder einen Panzerkampfwagen der Wehrmacht „in Besitz nahmen“; siehe
dazu Oberlindober, Hanns (Hg.): Deutsche Kriegsopferversorgung. Monatszeitschrift der
Frontsoldaten und Kriegsopfer der National-Sozialistischen Kriegsopferversorgung
(NSKOV.) e.V., [Link]. Folge 4 (Januar 1938), S. 31. Zuweilen sieht man bei derartigen
Gelegenheiten neben „leuchtenden Augen“ und Begeisterung allerdings auch eine Art
Schauder, der sich –auf Nachfrage- dadurch erklärt, daß ein Zuschauer es sich auszumalen
vermag, wie es sein muß, der Waffe im Kampf so hilflos entgegentreten zu müssen wie in
diesem Moment, in dem er im Zweifelsfall nur mit einem Photoapparat ausgestattet ist.
Dem Verfasser schien es übrigens auch so, als sei demgegenüber die Perspektive der
Panzerbesatzung, über beißende Gerüche und geringe Sichtmöglichkeiten beim
Ausstellungsexponat hinaus, etwas nicht einkalkuliertes.
34
Guderian schrieb hierzu in Die Panzertruppen, S. 1f.: „Es wurde dargelegt, wie aus dem
Werkzeug des Stellungskrieges zum Überwinden von Drahthindernissen und Gräben in den
Nachkriegsjahren eine hochbewegliche, schnelle, handlich zu gliedernde Waffe des
Bewegungskrieges entstand.“ Auf S. 5 sprach er die Unterschiede zwischen Tank und
Panzer noch einmal deutlich an: „Das Hauptkennzeichen der Nachkriegspanzerwagen ist
gegenüber den Weltkriegskonstruktionen wesentlich gesteigerte Geschwindigkeit, [...].
Panzerung, Waffenwirkung, Richt-, Sicht- und Nachrichtenmittel sind seit dem Krieg
wesentlich verbessert.“
21
35
Der Begriff wurde von Nowosadtko, S. 163, übernommen, da er einen Teil
positivistischer, meist reich bebilderter und mit Schlachtensiegen und –siegern befaßter
Darstellungen treffend illustriert, den man tatsächlich nicht nur im Zusammenhang mit
„Tiger“, „Panther“ und „SS-Panzerkorps“ zu finden vermag, sondern in ganz ähnlicher
Form auch für den Zeitraum 1916-1918. Hier freilich ohne die (deutsche) Betrachter
augenblicklich aufschreckenden Termini und ganz offensichtlichen Bezüge zum
Nationalsozialismus.
36
Die nun folgenden Aussagen finden sich so oder in leicht variierender Form in der
Literatur wieder und sollten als Synthese verstanden werden. Als Literaturnachweis, der
sich an dieser Stelle und in Vorgriff auf in der Arbeit aufgegriffene Titel keineswegs
erschöpfen will, seien genannt: Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste
Weltkrieg, München 2002, bes. S. 217 sowie S. 223f., Heydecker, Joe J.: Der Grosse Krieg
1914-1918. Von Sarajewo bis Versailles, Neudruck Berlin 1997, S. 397-415, Mai, Gunther:
Das Ende des Kaiserreiches. Politik und Kriegführung im Ersten Weltkrieg, München
3
1997, S. 146, Oliver, Kate (u.a. Bearb.): Der Erste Weltkrieg. Vom Attentat in Sarajevo bis
zum Friedensvertrag von Versailles, Hildesheim 2002, S. 52f., Furtado, Peter (u.a. Bearb.):
Der Erste Weltkrieg 1914-1918 (Geschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 2), Gütersloh 1992,
S. 88f., und die Internetseiten des Deutschen Historischen Museums zum Tank und seiner
Rezeption: H[Link] und
H[Link]
egszeit/[Link] . (Stand vom 14.10.2004; sofern es in den
Anmerkungen nicht anders angegeben ist, entspricht der Stand der zitierten Internetseiten
dem am 13.10.2006.)
22
37
In die Bearbeitungszeit der vorliegenden Arbeit fiel der [Link] dieses Ereignisses,
das u.a. mit einem „Zeitzeichen“ des WDR gewürdigt wurde. Im Text und Begleittext der
Sendung finden sich zahlreiche Elemente des dargelegten, heutigen Bildes vom Tank und
seiner Wirkung wieder; siehe
H[Link]
mlH und
H[Link]
H (Beide Seiten nach dem Stand vom 15.9.2006).
38
Siehe hierzu vor allem Childs, David J.: A Peripheral Weapon? The Production and
Employment of British Tanks in the First World War, London/Westport 1999. Ebenda, S.
2, ist bereits resümierend und als Entgegnung auf Zweifler zu lesen: „The story of the
British tank in the First World War is one of triumph, of hope and expectation over the
reality (at first) of disappointing performance and poor reliability. It could so easily have
been consigned to the ranks of the many technical also-rans that this period threw up- but
the tank was no ‘peripheral weapon’.”
39
Siehe Werth: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 404.
23
40
Eindringlich sind die Worte Falls’: „However this may be, the Battle of Cambrai was the
type of the battle of the future and its influence on the Second World War was as great as
that on the remainder of the First.“ Zitiert nach Falls, Cyril : The First World War, London
1960, S. 303. Die Worte eines anderen, namhaften Militärgeschichtsschreibers, Liddell
Hart, der über Cambrai als „Wasserscheide“ zwischen dem seit Jahren andauernden
Stellungskrieg und den modernen Methoden, die 1918 den Sieg brachten, gesprochen hatte,
finden sich bspw. in Johnson, J.H.: Stalemate! The Great Trench Warfare Battles of 1915-
1917, London 1995, S. 199, und Winter, Dennis: Haig’s Command. A Reassessment, o.O.
o.J. (1991), S. 114.
24
41
Heydecker, S. 414, nennt etwa für den [Link] 1918 „dreihundertdreißig kleine,
überraschend schnelle und unglaublich wendige Renault-Tanks“. Keine im Kern selten
auffindbare Aussage, aber letztlich alles andere als realitätsnah; siehe und vergleiche
Angaben in Kap. 11.
42
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 547.
43
Zum „Panzer“ des Oberleutnant Burstyn siehe Ogorkiewicz, Richard: Technologie der
Panzer I. Entwicklungsgeschichte, Panzerschutz, Konfiguration (Truppendienst
Taschenbuch, Bd. 40A), Wien o.J., S. 18ff., und Kabisch, Ernst: Somme 1916, Berlin 1937,
S. 155. Ziemlich unkonventionell beriefen sich deutsche Militärschriftsteller der
Zwischenkriegszeit auf Burstyn, um den Panzer als ursprünglich „deutsche“ bzw.
„großdeutsche“ Erfindung darzustellen.
25
44
Siehe dazu King, John: „Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?“ Writing and Rewriting
the First World War (Das Luminar. Schriften zu Ernst und Friedrich Georg Jünger, Bd. 2),
Schnellroda 2003, S. 189ff.
45
Siehe etwa auch die in jeder Weise interessante Rezension zum Neudruck eines
Standardwerkes zur Entwicklungs- und Einsatzgeschichte des Tank aus deutscher
Perspektive: Stragand, August-Wilhelm: Heigl’s Taschenbuch der Tanks, in Die Zinnfigur,
Heft 8/1976, S. 251ff. Dem Leserkreis der Zeitschrift, den man in historischen Fragen als
durchaus bewandert annehmen möchte, lieferte der Rezensent eine eindeutige, auf das
Versagen der deutschen Führung gerichtete Positionierung: „Die beharrenden Kräfte in der
Armee konnten zwei Dinge einfach nicht verstehen: daß es erstens die englischen und
französischen Tanks waren, die uns 1918 die militärische Niederlage beibrachten
(Verhältnis der eigenen Tanks zu denen der Alliierten wie 1:110!), und zweitens konnten
sich die Herren einfach nicht zu dem Gedanken bequemen, daß Panzer einen integrierenden
Bestandteil jeder modernen Armee darstellten.“ Zitiert nach ebenda, S. 252. Beachtlich ist
in diesem Kontext, daß der Verfasser zwar darauf einging, daß sich große Teile der
militärischen Führung nach 1918 daran machten, ihr tatsächliches „Versagen“ durch
Momente wie den „Dolchstoß“ zu kaschieren, bei ihm aber kein dahingehender Verdacht
aufkam, mit dem rezensierten Taschenbuch der Tanks ein anderes Propagandainstrument
dieser Zeit, nämlich ein solches der „Panzerbefürworter“ innerhalb der aufrüstenden
Wehrmacht, in Händen zu halten.
46
Siehe Heydecker, S. 412: „Tatsächlich sind sich alle Historiker heute darüber einig, daß
`General Tank´ den Krieg für die Alliierten gewonnen hat. [... .] Am letzten Tag des
26
Krieges verfügte das deutsche Oberkommando aber nur über fünfundvierzig Stück [Tanks],
während die Alliierten viele tausend im Feld hatten: Mannesmut gegen eine Armee
feuerspeiender Maschinen!“
47
Siehe Fuller, John F.C.: Erinnerungen eines freimütigen Soldaten, Berlin 1937.
48
Siehe Fuller: Tanks, S. xvii f.
49
Daran beteiligt waren neben Fuller auch andere, ehemalige Angehörige des Tank Corps,
die sich –allerdings auch nicht gänzlich ohne Blick auf kritische Aspekte- einer ruhmvollen
Aufarbeitung der Vergangenheit ihrer Waffengattung widmeten; siehe bspw. William-Ellis,
Clough/William-Ellis, A.: The Tank Corps, o.O. 1919, und Mitchell, F.: Tank Warfare. The
Story Of The Tanks In The Great War, London u.a. 1933.
27
50
Die Literatur zu Protagonisten und Antagonisten des Ausbaues der Panzertruppe der
Wehrmacht und dabei auftretender Hemmnisse im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges liefert
hierzu zahlreiche Einblicke, die, wegen ihres themenüberschreitenden Charakters weit über
das Jahr 1918 hinaus, hier nicht angeführt sind. Genannt sei allerdings ein damit eng
verbundener Artikel Nehrings, welcher Kritik und Zweiflern auf einem für die vorliegende
Arbeit relevanten Sektor, dem der Panzerabwehr, entgegentrat; siehe Nehring, Walther K.:
Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, [Link]. 1936, Heft 2, S. 182-203.
51
Siehe hierzu Pöhlmann, Markus: Von Versailles nach Armageddon: Totalisierung und
Kriegserwartung in deutschen Militärzeitschriften, in Förster, Stig: An der Schwelle zum
Totalen Krieg. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft 1919-1939 (Krieg in
der Geschichte, Bd. 13), Paderborn u.a. 2002, S. 358ff.
52
Siehe dazu etwa Gerhard Hirschfelds Ausführungen unter:
H[Link]
und_internationalen_Geschichtsschreibung.html#art1H .
53
Zum Begriff mit seiner Antipode „Friedenskultur“ nach 1945 siehe Kühne, Thomas:
„Friedenskultur“, Zeitgeschichte, Historische Friedensforschung, in Kühne, Thomas (Hg.):
Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945
(Jahrbuch für Historische Friedensforschung, [Link]. 2000), Hamburg 2000, S. 13-33.
28
54
Die Sachkritik am Führungsstil der hohen Generalität des Weltkrieges blieb
augenscheinlich stark durch die Kategorien „Ehrbegriff“ und „Berufsethos“ in ihren mehr
oder weniger glaubwürdigen Ausprägungen begrenzt. So behielt sich Ludendorffs
Spezialist für schwierige Lagen, Loßberg, seine Kritik bis zu einer Veröffentlichung nach
dem Ableben des Ersten Generalquartiermeisters –und Mentors- vor. Und darin findet man
selbst schwere persönliche Angriffe, wegen menschlich unverständlichen, aber schließlich
doch den persönlichen Belastungen eines großen Feldherrn und seines Blickes für das
„Große und Ganze“ entsprechend hinzunehmenden Verhaltens, nur in abgeschwächter
Weise. Und dieses, am Beispiel des Umgangs mit dem General v. Nagel in der Schlacht bei
Arras 1917, besonders deutliche Verfahren (siehe Abschn. 5.6.2.) findet sich auch
anderswo, wie etwa in einzelnen Bänden der offiziösen Reihe „Die Schlachten des
Weltkrieges“. Wo Versäumnisse und Fehlurteile der Führung klar und bis zu einem
gewissen Grad auch als individuell nachweisbar dargelegt wurden, fehlte üblicherweise der
letzte Schritt, nämlich die explizite Benennung von Verantwortlichen und die ausdrückliche
Formulierung ihrer Versäumnisse. Siehe hierzu Loßberg, Fritz v.: Meine Tätigkeit im
Weltkriege 1914-1918, Berlin 1939, und andere, in den Abschnitten der vorliegenden
Arbeit thematisierte Titel der Aufarbeitungs- und Memoirenliteratur aus der
Zwischenkriegszeit.
55
Darunter ist auch die militärische Führung der OHL zu fassen, die es besonders in der
Schlußphase des Krieges nicht unterlassen hatte, „Führung und Truppe“ mannigfaltigen
Versagens anzuklagen (siehe bes. Kap. 5. und Kap. 9ff.). Die Wirkung der in Ludendorffs
„Kriegserinnerungen“ und den „Urkunden“ schriftlich fixierten Aussagen als Stimulans der
Veteranen für Erklärungs- oder Rehabilitierungsversuche, die auf die durch den Tank
ausgedrückte, materielle Überlegenheit des Feindes abzielten oder direkt gegen die
Wehrbereitschaft des eigenen Volkes gerichtet waren, scheint immens gewesen zu sein.
29
56
Siehe hierzu auch Wilhelm, Hans-Heinrich: Heinz Guderian- „Panzerpapst“ und
Generalstabschef, in Smelser, Ronald/Syring, Enrico: Die Militärelite des Dritten Reiches.
27 biographische Skizzen, Berlin/Frankfurt a.M. 1995, S. 190.
30
57
Ein sehr gutes Beispiel dafür stellen die Schriften Kabischs, eines
Divisionskommandeurs des Ersten Weltkrieges, dar. Deren Wert, der durch Bestrebungen
des Autors zur Informationsgewinnung und die zum Teil überaus kritischen Worte
gegenüber der Minderleistung von Vorgesetzten verdeutlicht wird (siehe Kap. 9. und Kap.
12.), wurde offenbar durch die Militanz seiner Sprache (die Ausdruck einer gewissen
Gesinnung sein mußte und dies bis zu einem gewissen Grad wohl auch war) und den
unbestreitbaren Charakter seiner Schriften als revanchistische oder wehrkraftfördernde
(Jugend-) Literatur im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges paralysiert; siehe hierzu Kabisch,
Ernst: Der schwarze Tag. Die Nebelschlacht vor Amiens (8./[Link] 1918), Berlin 1933,
und ders.: Gegen englische Panzerdrachen, Stuttgart 1938.
58
Siehe dazu Kap. 9.
59
Siehe dazu die beiden vergleichbaren Fallstudien zu Körner und Weddigen bei Schilling,
Réne: Das Erbe des Heroismus. Theodor Körner und Otto Weddigen in den beiden
deutschen Staaten von 1945 bis 1990, in Kühne, Thomas (Hg.): Von der Kriegskultur zur
Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945 (Jahrbuch für Historische
Friedensforschung, [Link]. 2000), Hamburg 2000, S. 94-109.
31
60
Zum Tankgewehr siehe Kern, Wolfgang: Das Tankgewehr Mauser M 1918, Hürth 2002.
Was die Beschäftigung mit einer Waffe generell schwierig gestaltet, ist sicherlich der
Eindruck, den solche Ausarbeitungen von sich aus, etwa als „Machwerke“ von
gesellschaftlich und wissenschaftlich gleichermaßen inakzeptablen „Waffennarren“,
erwecken können. Zu einem solchen, sich im Zweifelsfall vielleicht zu vorschnell aber sich
eben dennoch aufdrängenden Urteil siehe die Abbildungen im obengenannten Titel, S. 60
und S. 129ff.
61
An erster Stelle sind in diesem Kontext tatsächlich Fullers „Erinnerungen“
(englischsprachige Erstausgabe 1936) zu nennen, die, neben allen Verheißungen von
zukünftig auf Panzerfahrzeugen und umfassender Motorisierung der Armee aufgebauten
Landstreitkräften, ein sehr düsteres und in vielen Passagen kaum zur stringent-
erfolgreichen, frühen Panzerentwicklung passendes Bild zeichnen.
62
Als Beispiele seien die bezeichnend wortkarge Darstellung des ersten französischen
Tankeinsatzes am 16.4.1917 im französischen amtlichen Werk (siehe auch Kap. 6.), der
Kommentar des britischen amtlichen Werkes zur Rolle der Tanks am 8.8.1918 im Spiegel
deutscher Auffassungen (siehe auch Kap. 12.) und die amerikanische Darstellung des
Kampfes südwestlich Soissons, bei Missy-aux-Bois, am 18.7.1918 (siehe auch Kap. 11.)
32
65
Sichtbar ist dies in den Memoiren Fochs und besonders in der Darstellung der alliierten
und deutschen Kräfteverhältnisse von 1918 durch General Paquet, welcher sich auf die
Unterlagen der französischen Feindaufklärung berief. Tanks spielen in beiden
Veröffentlichungen eine denkbar untergeordnete Rolle, wobei Paquet auch explizit
nachzuweisen versuchte, daß eine deutsche militärische Niederlage von 1918 an der
zunehmenden Schwäche der Armee beziehungsweise der wachsenden numerischen und
qualitativen Überlegenheit der Alliierten, demnach anhand der Zahl eingesetzter und
einsatzfähiger Divisionen, abzulesen war. Siehe dazu Foch, Ferdinand: Meine
Kriegserinnerungen 1914-1918, Leipzig 1931, und Paquet: La Défaite militaire de
l’Allemagne en 1918. L’usure des effectifs allemands. La stratégie allemande et la
manoevre des Alliés, Paris 1925.
66
Im Zusammenhang mit dem üblicherweise „glorreich“ dargestellten FT-17 von 1918,
dem „char Renault“, findet sich etwa folgendes, zeitgenössisches Zitat für 1918: „Le char
Renault est, par définition, un appareil qui est en panne, mais qui cependant, consent à
marcher quelquefois!“ Zitiert nach Goya, S. 368.
67
Ein Autor schrieb hierzu, in Bezug auf die Wirkung der deutschen Artillerie im
Verhältnis zu den 430 Tanks, die am 8.8.1918 den „schwarzen Tag des deutschen Heeres“
herbeigeführt haben sollen, überaus eindeutig: „Trotzdem wäre es ein Irrtum, anzunehmen,
daß die Tanks, weil ihnen die Zukunft gehörte, im Jahre 1918 eine wirkungsvollere Waffe
als Bruchmüllers [der deutsche Artillerie-Spezialist des Weltkrieges] Kanonen gewesen
wären. [... .] Am 21.März war die Mehrzahl der Tanktypen, die den Alliierten bereits zur
Verfügung standen, für tiefe Einbrüche und Bewegungsoperationen kaum besser geeignet
als Bruchmüllers Kanonen. Niedrige Geschwindigkeit und Unzuverlässigkeit hätten ihre
Hauptleistung, wie die der deutschen Kanonen auf den ersten Tag beschränkt. Selbst im
August, als die britische Armee mit großen Mengen leichter und schneller Tanks [...]
ausgerüstet worden war, wurde in Hinsicht auf Durchbruch und Demoralisierung keine
größere Wirkung als die von Hutier [dt. General, der als Urheber moderner, offensiver
Infanterietaktik und Meister der Durchbruchschlacht gilt] am 21.März erzielt.“ Zitiert nach
34
Werk zum Weltkrieg hatte diesbezüglich bereits 1948 geurteilt, daß die bis
dahin von deutscher Seite mit großem Eifer vorgetragene Auffassung, daß
man letztlich den in Massen eingesetzten Tanks unterlegen gewesen sei,
einer kritischen Untersuchung nicht standhielte 68 .
Dieser Sichtweise haben sich bis heute zahlreiche Betrachter der Westfront
im Zeitraum 1916 bis 1918 angeschlossen. Doch bleibt nach wie vor und
selbst über hier und dort vorhandene Reminiszenzen an deutsche
Perspektiven 69 hinaus festzuhalten, daß es sich entweder um Erkenntnisse
aus auf die „alliierte“ Sicht konzentrierten und primär mit „alliierten“
Quellen und „alliierter“ Literatur erarbeiteten Analysen handelt. Andere
Aussagen, die ohne angemessene und archivaliengestützte Berücksichtigung
der deutschen Sichtweise getroffen wurden, fielen letztlich vage, unscharf
und keineswegs hinreichend erklärend aus 70 .
Barnett, Corelli: Anatomie des Krieges. Eine Studie über Hintergründe und entscheidende
Phasen des Ersten Weltkrieges, Esslingen/München 1963, S. 410f.
68
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. IV.
69
Die Bearbeiter der MO gingen tatsächlich auch auf den deutschen Feind ein, doch
wenigstens in den bis direkt nach 1945 erschienen Bänden durchweg auf Basis von
Materialien und Auskünften aus zweiter Hand, etwa aus Truppengeschichten und durch
Mitteilungen des deutschen Reicharchivs (u.a. amtlicher Stellen; siehe bspw. MO 1917, Bd.
1, S. xii). Eine kritische Beleuchtung der hiermit gegebenen Informationen kam über die
Darlegung von Diskrepanzen in der Darstellung und über die mehr oder weniger vage
Artikulation von Zweifeln augenscheinlich nicht hinaus. Eine Beschäftigung mit
Materialien älterer deutscher Provenienz läßt sich auch für die lange nach 1945
geschriebene Literatur attestieren, wobei die fehlende Kritik beziehungsweise die fehlende
Berücksichtigung des Gesamtkontextes des Zustandekommens solcher Mitteilungen und
ihrer Repräsentativität sichtbar bleibt. Belege hierfür bieten die Ausführungen Keegans und
Paschalls zur Tankschlacht bei Cambrai und, um einen der seltenen deutschen Titel zu
nennen, der Anmerkungsapparat der Arbeit Gollas zur selben Schlacht; siehe Keegan, John:
Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Hamburg 2001, S. 512f., und Paschall:
Defeat, S. 110ff., bzw. Golla, Karl-Heinz: Tanks...Tanks! Die britischen
Angriffsoperationen bei Cambrai. 20.-[Link] 1917. Der Beginn einer neuen Ära der
Landkriegführung? O.O. o.J. (Libri Books on Demand 2000).
70
Drei Beispiele sind Strachan, Hew: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie
2
Erster Weltkrieg, Paderborn u.a. 2004, S.278, Harris, J. Paul: Das britische
Expeditionsheer, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 122f., und Stevenson, David: 1914-1918.
Der Erste Weltkrieg, Düsseldorf 2006, S. 526f. Stevenson schrieb, nachdem er von
35
Aus dem Tank wird eine bis zuletzt mit eklatanten Mängeln behaftete
Unterstützungswaffe, taktisch leidlich erfolgreich, vor allem dazu geeignet,
Gesundheit und Leben der eigenen Infanteristen zu sparen. Und aus
tausenden alliierter Fahrzeuge, wie sie in Abschnitt 1.2.1. für oft
tabellarische Kräfteübersichten bei Kriegsende angeführt sind, werden
plötzlich nur einige hundert, von denen im Einsatz der größte Teil –bei
Amiens zwischen dem 8. und [Link] 1918 392 von 430 Fahrzeugen 71 -
verloren ging, ohne einen tatsächlich durchschlagendenden Erfolg erringen
oder den Krieg mit gepanzertem Stoß in das deutsch-besetzte Hinterland der
Westfront beenden zu können. Warum die OHL, die demgemäß während
des Krieges Gründe genug gehabt zu haben scheint, den Tank zu mißachten,
sich auf Basis der Aussagen Ludendorffs nach 1918 selbst eines zumindest
gewissen „Versagens“ bezichtigte und weshalb die militärische Niederlage
bis heute eng mit dem Themenkomplex Tank verbunden bleibt, muß erst
einmal schleierhaft sein 72 . Ebenso unklar bleibt die Antwort auf die Frage
nach der Grundlage einer augenscheinlich doch recht wirkungsvollen
Bekämpfung der Kampfwagen an der Westfront in den großen Schlachten
der beiden letzten Kriegsjahre.
Die Beurteilung der Leistungen und Wirkungsweisen von Tanks scheint ein
grundlegendes Problem darzustellen, mit dem die skizzierten Sichtweisen
auf den Ursprung des heutigen Panzers, über den Verlauf der damaligen
Kampfhandlungen und über die Qualitäten der früheren Heeresleitungen
und verantwortlichen Führer stehen und fallen. Die diesbezüglich
technischen und taktischen Unzulänglichkeiten der Tanks sowie von mehreren hundert, die
1918 von deutschen Artilleristen abgeschossen worden waren, gesprochen hatte (S. 527):
„Die Tanks konnten einen wichtigen Beitrag als Teil einer Kombination von
Waffensystemen leisten, aber sie waren für sich genommen kein Instrument für den Sieg.“
71
Diese Zahlen liefert Stevenson, S. 526. Zum Problem mit derartigen Angaben siehe
Abschn. 1.3.
72
Pöhlmann wies in seiner Arbeit zur amtlichen deutschen Geschichtsschreibung zum
Weltkrieg bereits darauf hin, daß es hinsichtlich der Person Ludendorffs und seiner Rolle
„in den Nachkriegsdiskussionen um Fragen der deutschen Weltkriegführung“ bis heute
erhebliche Defizite gibt; siehe dazu Pöhlmann, Markus: Kriegsgeschichte und
Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung
1914-1956 (Krieg in der Geschichte, Bd. 12), Paderborn u.a. 2002, S. 259.
36
73
Siehe Heydecker, S. 413f.: „Drei große Tankschlachten hat der Erste Weltkrieg zu
verzeichnen: Cambrai, Villers Cotterets und Amiens.“ Daß tiefergehende Erkenntnis zur
Rezeption der Tanks auch auf den kleineren Einsätzen beruhen könnte, wird hier nicht
berücksichtigt, ebensowenig, daß es zu strukturellen und technischen Veränderungen
innerhalb der Tankwaffe und zweier Kriegsjahre gekommen sein könnte.
74
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 537: „Dem Feind gleiche Massen deutscher Tanks
entgegenzustellen, waren wir nicht in der Lage. Sie herzustellen, ging über die Kräfte
unserer aufs äußerste angespannten Industrie, oder andere wichtige Dinge hätten liegen
bleiben müssen.“ Als Beispiel für eine unreflektierte Rezeption siehe Chickering, S. 217.
75
Will man den Kreis über Generale wie Wrisberg oder Kuhl hinaus -Kuhl, der Ansichten
und Handlungsweisen seines direkten Karriere-Konkurrenten Ludendorff aus Zeiten lange
vor Kriegsaubruch grundsätzlich negativ gegenüber stand- erweitern, so liegt es nahe,
Fuller oder Guderian (oder etwa auch den längst vergessenen Österreicher, Ritter von
Eimannsberger) darunter zu subsumieren. Beide, und ihre Panzer befürwortende, ziemlich
internationale „Entourage“, konnten auf diesen, aus leidvoller deutscher Erfahrung
gewonnenen Aussagen in ihrem Sinne aufbauen und auf frühere Versäumnisse sowie auf
bekannte und dann allseits anerkannte Lehren aus dem Weltkrieg verweisen. Zum heute
recht unbeachteten „Panzerbefürworter“ aus Österreich siehe dessen maßgeblichste
Veröffentlichung zum panzertechnischen Erbe des Weltkrieges: Eimannsberger, Ludwig
Ritter v.: Der Kampfwagenkrieg, Berlin/München 1938.
37
76
Siehe Foerster, Wolfgang: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine
seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges, Wiesbaden 1952.
77
Obwohl nicht allzu weit vorgegriffen werden soll, liegt hier ein Verweis auf Ludendorffs
Unfähigkeit, den Realitäten nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensiven 1918 ins Auge zu
sehen, nahe. Epkenhans führte dies bereits näher aus und verwies zudem auf Symptome des
inneren Zusammenbruchs, die tatsächlich weit vor der zweiten „Tankschlacht“ und
alliierten Gegenoffensive vom 18.7.1918 im Heer auftraten; siehe Epkenhans, Michael: Die
Politik der militärischen Führung 1918: „Kontinuität der Illusionen und das Dilemma der
Wahrheit“, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 217-233, hier bes. S. 221. Verwiesen sei im
Zusammenhang mit heeresinternen bzw. psychologischen Aspekten und ihrer Bedeutung
für den Zusammenbruch auch auf Ziemann, Benjamin: Enttäuschte Erwartungen und
kollektive Erschöpfung. Die deutschen Soldaten an der Westfront 1918 auf dem Weg zur
Revolution, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 165-182. In beiden Betrachtungen spielt der
Tank als Urheber von spätestens ab Sommer 1918 immer deutlicher werdenden
Auflösungserscheinungen keine Rolle; vergleiche Heydecker, S. 415.
78
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage Fleischers in einer Arbeit zur
Entwicklung der Panzerabwehr im Deutschland der Zwischenkriegszeit, worin dieser
Aspekt sehr klar zum Ausdruck kam: „In der nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland
erschienenen Literatur wurde oft zur Rechtfertigung der Niederlage von 1918 als eine
wichtige Ursache auf das massenhafte Vorhandensein von Panzern auf Seiten der Entente
verwiesen. Das war ein Versuch, die Verantwortung für die Niederlage des deutschen
Imperialismus auf die Militärtechnik und die für ihre Beschaffung zuständigen
Dienststellen zu reduzieren. Dieser Rechtfertigungsversuch ist in Hinblick auf die
38
Der Ansatz des Verfassers, die „Tankfrage“ unter Maßgabe der soeben
angeführten Bemerkungen zu betrachten, ergab wenigstens drei zu
beachtende zeitliche Dimensionen: Diejenige des auf Basis langjähriger
Forschungsarbeit und durch weitgehend unberücksichtigtes deutsches
Archivgut heute faßbaren Geschehens, diejenige einer bis zum Kriegsende
und damit quasi „zeitgenössischen“ sowie diejenige einer besonders in der
Zwischenkriegszeit und durch Entwicklungen bis 1945 geprägten späteren
Sichtweise.
Um diese Bereiche zusammenzubringen und dabei nicht durch
übergestülpten Strukturalismus oder unnötige Selbstbegrenzung des
Betrachtungsgegenstandes auf eine zuvor fehlende und jetzt eventuell zu
isoliert herausgestellte deutsche Perspektive den Charakter der Arbeit als
eine die bestehende Forschung ergänzende Untersuchung zu verwässern,
war es notwendig, nach früheren Bearbeitungsbeispielen für den
Themenkomplex zu schauen.
Pidgeons Ausarbeitung wurde oben bereits genannt 79 , und hierin findet sich
der Versuch, die Beschreibung von zeitlich eng eingegrenzten
Kampfhandlungen in einen größeren Kontext einzubauen und die Sicht der
in diesem Fall relevanten deutsch-britischen Kontrahenten im Sinne von
Reaktionen und Bewertungen zu berücksichtigen. Zudem gefiel die
narrative Darstellungsart bei Pidgeon, da sie für die Revision einer Kette
von zu schildernden Schlachten, Entwicklungen und Entscheidungen
zwischen 1916 und 1918 die Möglichkeit bot, eine stark von militärischen
Fachtermini geprägte, um nicht zu sagen oft auch „zähe“ Materie bis zu
einem gewissen Grad in gefälliger Weise aufbereiten zu können.
Ein namhafter früherer Versuch einer Chronologie, der von Zeschwitz
bearbeitete Teil III von „Heigl’s Taschenbuch der Tanks“ aus den späten
30er Jahren 80 , muß aus Sicht des heutigen Betrachters zwangsweise unter
dem Manko leiden, daß er hinsichtlich seiner Sprache sowie der gewählten
Darstellungsart nach ausdrücklich für ein militärisches Fachpublikum
unternommen wurde. Außerdem ist das Werk vielfach zu einsilbig, zu
oberflächlich und dazu noch, im Sinne der Unterstützung der
zeitgenössischen „Panzerbefürworter“, nicht selten überaus interpoliert 81 .
Vergleichbares gilt für eine dankenswert deskriptive aber auf die deutsche
Sicht begrenzte Darstellung der Tankabwehr des Weltkrieges aus den frühen
79
Siehe Abschn. 1.1.
80
Siehe Zeschwitz, G.P. v.: Heigl’s Taschenbuch der Tanks, Teil III: Der Panzerkampf,
Berlin/München 1938.
81
In Guderians Vorwort zum Taschenbuch der Tanks, Teil III, ist hinsichtlich dieser
Faktoren und einer damals gepflegten „applikativen Geschichtsschreibung“ zu lesen: „Fritz
Heigl, [...,] hatte von Anbeginn die Absicht, ein Standardwerk über die Panzer zu schaffen,
das nicht nur waffen- und kraftfahrtechnische Bilder und Zahlen bieten sollte, sondern
vielmehr durch kriegsgeschichtliche Darstellungen früherer Kämpfe und Angaben über die
Fechtweise nach dem großen Kriege auch auf taktischem und operativem Gebiet
richtungweisend und belehrend wirken konnte. [... .] Die Meinungen über Kampfwert und
Kampfverfahren der Panzer gehen weiter auseinander denn je. Die Erinnerungen an die
Schlachten des Weltkrieges sind verblaßt. [... .] Es war unerläßlich eine Sammlung aller
[hervorgeh.] bisher gemachten Kriegserfahrungen in knapper sachlicher Form
herbeizuführen, die einerseits als Nachschlagewerk dienen kann und andererseits gestattet,
die Grundsätze für die operative, taktische und kriegswirtschaftliche Entwicklung der
Panzerwaffe aus diesem Buch der Geschichte abzuleiten.“
40
82
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr. Die Ehren-
Rangliste führte Petter für 1914 als Lehrer der Militärtechnischen Akademie zu Berlin auf.
Sein Stammtruppenteil war das Kraftfahr-Bataillon und 1926 war er als Oberstleutnant im
Reichswehrministerium. Petter war Anfang der 20er Jahre Stabschef der Inspektion der
Kraftfahrtruppen und kannte Guderian persönlich, nachdem dieser in den Stab versetzt
worden war. Die Abhandlung zur Kampfwagen-Abwehr (und einige weitere Arbeiten zum
Themenkomplex) verfaßte er aus dem Ruhestand heraus, als Generalmajor a.D. Siehe dazu
Deutscher Offizier-Bund (Hg.): Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres. Auf
Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen, Berlin
1926 (Neudruck Osnabrück 1990), S. 627, und Macksey, Kenneth: Guderian der
Panzergeneral, Düsseldorf/Wien 1976, S. 62.
83
Siehe Abschn. 1.2.1.
84
Nach einer an das jeweils vorausgegangene Kapitel anknüpfenden Einleitung unter der
Kapitelüberschrift folgen die Abschnitte „Der Plan, die Angreifer und die
Tankunterstützung“, „Die Verteidiger“, die Darstellung der Kämpfe in chronologischer
Abfolge und ein in historiographischen Überblick sowie die zeitgenössische, alliierte
41
87
Die Wortwahl innerhalb der vorliegenden Arbeit wurde maßgeblich von der Prägnanz
oder eben der simplen Übernahme zeitgenössischer Begrifflichkeiten geprägt.
Dementsprechend ist „amerikanisch“ ferner grundsätzlich in Bezug auf die Vereinigten
Staaten von Amerika, ihren politischen und militärischen Aktionen, Streitkräften, Bürgern
etc. zu begreifen.
88
Siehe dazu Kap. 8.
43
89
Siehe dazu Kap. 4. und 7.
90
Benannt werden in BA-MA, RH 61/50768 diverse Akten des Chefs des
Feldkraftfahrwesens sowie zwei Bände „Panzerwagen“, die von der (3.) OHL angelegt
worden waren. Petter nannte in RH 61/50769 Unterlagen der „OHL Ic über Panzerwagen,
Tankbekämpfung [,] Tankabwehr, Taktik, Panzer-MG-Wagen“. Diese Akten scheinen
allesamt verloren gegangen zu sein.
91
Siehe KA, HGr Rupprecht. Gerade im Zusammenhang mit diesem monumentalen
Bestand sei eine Anmerkung zur Zitierweise von Archivalien innerhalb der vorliegenden
Arbeit angebracht. Die in den drei besuchten Archiven auffindbaren Bestände sind sehr
uneinheitlich erschlossen, was eine wunschgemäß einheitliche Zitierweise von Grund auf
zumindest schwierig gestaltet. Will man dem nach erwähnten Schriftstücken suchenden
Leser Arbeit ersparen und das Auffinden genannter Dokumente nicht unnötig erschweren,
kann es nicht genügen, den Bestand KA, HGr Rupprecht, mit der zusätzlichen Angabe des
Bundes und mehr oder weniger Details zum jeweils genutzten Schriftstück zu zitieren.
Gerade die Bunde dieses Bestandes glänzen dadurch, den Betrachter mit zahlreichen Akten
44
94
HStAS, M 33/2.
95
Würde man geschichtliche Zufälle nicht kennen, könnte bei einem Betrachter
möglichweise der Eindruck entstehen, daß Württemberger eine besondere Affinität für
„Tankdrachen“ hatten. Mit den Geschehnissen zwischen den ersten Tankeinsätzen an der
Somme 1916, bei Thiepval (siehe Abschn. 3.4.), und besonders mit denen bei Bullecourt im
April 1917, wo erstmals Tanks erobert wurden (siehe Abschn. 5.4.), sind sie jedenfalls so
verbunden, wie mit den Ereignissen bei Cambrai 1917 (siehe Kap. 9.) und Soissons 1918
(siehe Kap. 11.), in deren Fokus das XIII. (Württembergische) AK stand.
96
Der Bestand BA-MA, RH 61, der die Arbeitsunterlagen der früheren Forschungsanstalt
des Heeres umfaßt, entpuppte sich diesbezüglich sowohl als unschätzbare als auch mit
Findbuch allein kaum zu erfassende Fundgrube. So fanden sich beispielsweise
aufschlußreichste und zeitnah zum Geschehen verfaßte Berichte zum 16.4.1917 unter der
Signatur BA-MA, RH 61/50597, die laut elektronischem Findbuch verschiedene
Unterlagen aus den Jahren 1943/44 zu „Kriegserfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg“
verspricht. Und dies ist bei der Masse der Akten dieses Bestandes kein Einzelfall.
46
97
Der letzte Fall bezog sich auf den Umstand, daß selbst Suchmöglichkeiten elektronischer
Findbücher und die Gewöhnung eines Betrachters an die zuweilen merkwürdigen
Erfassungsprioritäten der Verfertiger dieser Hilfen nicht davor schützen, mit „falschen“
Suchbegriffen zu arbeiten. Panzer statt Tank und Panzerabwehr statt Tankabwehr mag
dabei noch angehen, doch relevante Signaturen über die Suchformel „-abwehr“ (siehe BA-
MA, RH 61/50601) eruieren zu müssen, ist letztlich so müßig, wie im HStAS die
Unbekannten und Variablen in der Schreibweise des Stabsquartieres des XIII.
(Württembergischen) Armeekorps 1917, Caudry, überprüfen zu müssen.
98
Zur Thematik und zum Begriff siehe Wette, Wolfram (Hg.): Der Krieg des kleinen
Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 21992.
99
Zur Quellenproblematik siehe ebenda, S. 18ff.
47
100
Die Diskussion um die Wirkungsweise der panzerbrechenden Gewehr- und
Maschinengewehr-Munition, die SmK-Patronen, nach den Kämpfen bei Cambrai 1917 sind
dafür auf deutscher Seite so bezeichnend, wie es die dortigen Auswertungen der Kämpfe ab
Sommer 1918 sind. Tatsächlich sollte es nicht erst 1918 von höchsten Stellen sogar zur
Forderung nach Berücksichtigung auch kritischer Stimmen „von unten“ kommen, die bis
dahin -nun offenkundig geworden- durch überzogenen Positivismus auf Dienstwegen und
dort auffindbare Interessenlagen ungehört verhallt waren; siehe bspw. HStAS, M 33/2, Bü.
72: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5131 geh. op. vom 26.10.1917, und ebenda, Bü.
300: HGr Kronprinz Ia/Ic Nr. 6438 geheim vom 27.8.1918.
101
Siehe dazu Deist, Wilhelm: Verdeckter Militärstreik im Kriegsjahr 1918? In Wette: Der
Krieg des kleinen Mannes, S. 162, Anm. 8.
48
102
Eine Anfrage des Verfassers zu Aufstellungen über „Verlustzahlen“ oder vergleichbaren
Unterlagen, aus denen einsatzbereite Fahrzeuge, Ausfälle aller Art und blutige Verluste in
den einzelnen Kampfhandlungen ersichtlich wären, wurde über den früheren Heeresattaché
des Vereinigten Königreiches in Berlin, Jack Sheldon, an das Imperial War Museum in
London gesandt. Die Antwort (Christopher Hunt vom 20.4.2006) fiel insofern erstaunlich
aus, als daß auf Angaben in namhaftesten Veröffentlichungen (bspw. Fuller) verwiesen und
zugleich die Frage aufgeworfen wurde, wie „Verluste“ zu definieren seien: In welchem
Zeitfenster, durch Beschuß, durch technischen Defekt, total, reparabel in welcher Zeit, wie
lange ausgefallen usw.? Die reichhaltigen Unterlagen des Tank Corps, so führte die
Antwort ferner aus, seien diesbezüglich bislang tatsächlich noch nicht untersucht und
ausgewertet worden. Für die französische Seite sei hier ergänzt, daß Goya, S. 360, zwar
Zahlen für Verluste der artillerie d’assaut bis zum Kriegsende liefert, diese allerdings genau
dem in der Antwort des Imperial War Museums genannten Problems mangelnder
Differenzierung zu unterliegen scheinen; siehe dazu auch Abschn. 13.2.
49
103
Diesen Vorteil, der primär eine Frage von publizierten oder publizierbaren Seiten sowie,
formuliert man etwas boshaft, „griffigen“ Äußerungen zu sein scheint, bietet vielleicht nur
die (qualifizierende) wissenschaftliche Facharbeit, die hinsichtlich der Faktoren Zeit und
Kosten im Regelfall zu Lasten des Verfassers geht. Anhand der für diese Arbeit genutzten
Überblicksdarstellungen, welche weit über die Tank-Thematik hinaus für „populäre Bilder“
verantwortlich sind, ließe sich jedenfalls leicht -und ohne nähere Bezeichnung der
Fallbeispiele an dieser Stelle- der Wert von Anmerkungen zu Fundorten für „Zahlen“
nachweisen.
104
Fuller ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Es beschleicht einen dann der Gedanke an
eine besondere Intentionslage, wenn man im Abgleich mit anderen Publikationen
vergegenwärtigt hat, in seinen Erinnerungen Angaben zu finden, die seinen ehemaligen
Vorgesetzten zu allem anderen als zu Ruhm und Ehre gereichen und wenigstens
stellenweise ziemlich unkonventionell den Zusammenhang zwischen von ihm als unfähig
erachteten Vorgesetzten, versäumten Gelegenheiten und hohen Ausfallraten „seines“ Tank
Corps entwickeln. Der Gedanke an eine sehr spezielle, über beschönigende Darstellungen
des Egos hinausgehende und bis zu diesem Maß auch mit redlichen Mitteln verfolgten
Absicht beschleicht einen jedenfalls dann, wenn man weiß, daß sich ein aus dem aktiven
Dienst verabschiedeter und damit von vielen Zwängen befreiter, letztlich völlig frustrierter
Fuller zur Zeit der Veröffentlichung seiner Erinnerungen (1936) in die Reihen der
britischen Faschisten verirrt hatte; siehe hierzu
H[Link] . (Stand vom 16.01.2007.)
105
Siehe etwa Abschn. 12.3. mit Angaben zur französisch-britischen Offensive vor am
Amiens im August 1918.
50
2. „Die Zukunft ist dunkler als je.“ Die Westfront 1914-1916 und die
Geburtsstunde des Tank.
Das folgende Kapitel umfaßt einige Bemerkungen, die dem Zeitpunkt des
ersten Auftretens von Tanks auf einem Schlachtfeld unbedingt
vorauszuschicken sind, da der seit Ende 1914 ausgebildete Charakter der
Kämpfe an der Westfront wesentlichen Einfluß auf die Schaffung und den
Einsatz der neuen Waffe hatte. In welcher Form sich dieser Einfluß
bemerkbar machte, mag bereits dadurch illustriert sein, daß es noch 1923,
im Zusammenhang mit einer auf jüngsten Erfahrungen basierenden
deutschen Vorschrift nach Kriegsende, über den „Kampfwagen“ hieß, er sei
„nach dem heutigen Stand der Technik im wesentlichen eine Waffe des
Stellungskrieges“ 106 .
106
Siehe Pöhlmann, Markus: Von Versailles nach Armageddon, S. 363. Nach Pöhlmann
handelte es sich um einen Kommentar zur Darstellung der Kampfwagen in der „Vorschrift
zu Führung und Gefecht der verbundenen Waffen“, 1923 von einem Hauptmann v.d.
Leyden veröffentlicht.
107
Siehe Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Hamburg 2001, S.
49ff.
108
Siehe dazu Balck, William: Entwicklung der Taktik im Weltkriege, Berlin 1920, S. 50.
51
109
Siehe ebenda, S. 256. Am [Link] 1914 hatte Moltke das Eingraben und Halten
befohlen. Bereits einige Tage später standen die Verbündeten einer schier ununterbrochen
erscheinenden Linie deutscher Feldbefestigungen gegenüber. Die Umsetzung von
Falkenhayns Vorstellung, den Feind noch im September aus der neuen Frontlinie heraus
angreifen zu können, scheiterte an den verfügbaren Mitteln; siehe Otto, Helmut/Schmiedel,
Karl: Der erste Weltkrieg. Dokumente, Berlin-Ost 1977, Dok. Nr. 25, S. 91f.
110
Das Tragische hinter der so lange unreflektiert verehrten Symbolik des Langemarck-
Mythos zeigt die Darstellung von Unruh mehr als deutlich; siehe Unruh, Karl: Langemarck.
Legende und Wirklichkeit, Koblenz 1986.
111
Siehe Abschn. 7.2. und 12.5.2.
112
Siehe RA, Bd. 7, S. 3ff.
113
Die Kämpfe in der Champagne treten unter allen Sektoren, an denen um die
Jahreswende 1914/15 intensive Kampfhandlungen stattfanden, als die möglicherweise
ersten hervor, die sich stellungskriegtypisch langandauernd und materialaufwendig
gestalteten. Zwischen dem 20.12.1914 und Mitte Februar 1915 erfolgten in der Champagne
52
Die mit der Wahl der Defensive für die Westfront einhergehende
Verlagerung der Operationen auf den östlichen Kriegsschauplatz versprach
nach Ansicht Falkenhayns zwar nicht, dort einen endgültigen Sieg über den
gefährlichen russischen Gegner baldigst erringen zu können 117 , sie sicherte
jedoch die Grenzen des Reiches, entlastete den Wiener Verbündeten und bot
die Gelegenheit für wenigstens prestigeträchtige militärische Erfolge, die
sich 1915 in der Tat auch einstellen sollten 118 . Im Maßstab der Kriegslage
werfen und in der Offensive gegen Deutschland und seine Verbündeten das
Heil zu suchen.
Die Angriffe des Jahres 1915, die durch die von französischer Seite
initiierte, deutscherseits als „Winterschlacht in der Champagne“ 122 bekannte
Operation eingeleitet wurden, zeichneten sich bereits dadurch aus, daß ein
Mehr an Artillerie, Infanterie und Material aller Art eingesetzt wurde 123 . Die
Schlachten begannen ein Ausmaß anzunehmen, dessen Materialverbrauch
für Begegnungsschlachten im Stil des Bewegungskrieges allein aus
logistischen Gründen undenkbar gewesen war. Der waffentechnische
Fortschritt und die durch die Leistungssteigerung der Rüstungsindustrien in
immer größeren Mengen verfügbaren Kriegsmittel wurden zusehends zum
Kennzeichen des Krieges im Westen. Schwierigkeiten, wie sie etwa in
Deutschland aufgrund des verhinderten Salpeterzuflusses für die
Munitionsfertigung 1914 aufgetreten waren 124 , konnten überwunden
werden, und die Vermehrung von Technik und Material auf beiden Seiten
der Front war in vollem Gange, während sich ein unverwechselbarer Stil der
Operationen als Durchbruchs- beziehungsweise Abwehrschlachten
entwickelte.
122
Vom 19.2. bis 21.3.1915; siehe dazu auch Bloem, Walter: Der Weltbrand, Berlin 1922,
S. 136ff. Vorausgegangen war vom 8. bis 14.1. die „Schlacht bei Soissons“, die von ihren
Charakteristiken her zu den oben genannten lokalen Gefechten zählt. Der im Gegenangriff
erzielte deutsche Erfolg brachte 5.200 Gefangene, 35 Geschütze und 6 Maschinengewehre
ein; siehe dazu Cron: Mein Kriegstagebuch, Nr. 57, und RA, Bd. 7, S. 23ff.
123
Unter dem legendären Eindruck der Schlachten vor Verdun und an der Somme 1916
scheint dieser Umstand vielfach nicht beachtet worden zu sein. Wenn die Verlustzahlen
etwa für die Schlacht bei Arras 1915, die sich nach Chickering, S. 74, auf 132.000 Soldaten
des Empire und 73.000 Deutsche belaufen haben sollen, im Vergleich zu den über eine
Million Ausfällen in der Sommeschlacht von 1916 auch gering erscheinen mögen, sollte
auf den wesentlich begrenzteren Angriffsraum und die geringere Dauer der Schlacht
hingewiesen werden. Schilderungen der Schlachten von 1915 zeigen bereits denselben
Wahnsinn, der zum Kennzeichen der folgenden Schlachten geworden ist: „Der Lorettoberg
ist ein wüstes Konglomerat von Trichtern und Grabenstücken. Kein Baum und kein Strauch
grünt mehr dort oben. [...] Die Toten liegen unbeerdigt im Niemandsland.“; siehe
Beumelburg, Werner: Sperrfeuer um Deutschland, Oldenburg 1929, S. 133.
124
Siehe Afflerbach, S. 198.
55
Das Resultat der ersten Offensiven der Verbündeten gegen die deutschen
Stellungen war niederschmetternd. Falkenhayns Vorstellungen von der
Überlegenheit des Verteidigenden im Stellungskrieg und das Vertrauen auf
die Leistungsfähigkeit der eigenen Truppen bewahrheiteten sich
125
offenkundig . Die Antwort hierauf war, das Mehr an Material und
Verbänden verfügbar zu machen 126 , das die Deutschen durch die Wirkung
der Masse seiner derzeitigen Vorteile berauben und seine Widerstandskraft
durch mit überlegenen Kräften und Mitteln mit Vehemenz und Elan
vorgetragene Angriffe ersticken würde. 1916 rechnete man damit, daß
dieses Maß an Überlegenheit vorhanden sein und sein Ausspielen an der
Westfront innerhalb dieses Jahres die Entscheidung zugunsten der Entente
bringen würde 127 .
Die deutschen Siege an der Ostfront 1915, auch die österreichisch-
ungarischen Abwehrerfolge gegen den neuen Kriegsgegner Italien und
diejenigen des neuen Verbündeten Türkei gegen britische und französische
Truppen, waren bedeutend. Doch sie waren keinesfalls genug, um den
Waffenerfolg der Mittelmächte in diesem Krieg überhaupt noch in Aussicht
stellen zu können 128 . Was als Ergebnis dieser Erkenntnis von dem nach
einem Ausweg aus der prekären Lage suchenden Falkenhayn im Winter
1915 als deutscher Plan für eine offensive Operation gegen Verdun
formuliert wurde, ist legendär und zugleich berüchtigt 129 . Die Umsetzung
der theoretischen Grundlage dieses Angriffes, in der Quintessenz das
Ausspielen der taktischen Überlegenheit des Verteidigers gegenüber einem
zu blindwütigen Gegenangriffen verleiteten Feind 130 , scheiterte aus
verschiedenen Gründen, die hier allerdings nicht diskutiert werden müssen.
Die mit dem heute aberwitzig erscheinenden und letztlich völlig
gescheiterten Angriffsplan, dem Bild ungeheurer Mengen eingesetzten
125
Siehe Falkenhayn, S. 44.
126
Einen Überblick über die Rüstungsanstrengungen der Entente bietet Keegan, S. 386f.
127
Siehe RA, Bd. 10, S. 44ff., und Afflerbach, S. 351.
128
Vergleiche Kruse, Wolfgang: Kriegsziele, Kriegsstrategien, Kriegsdiplomatie, in Kruse,
Wolfgang (Hg.): Eine Welt von Feinden. Der Große Krieg 1914-1918, Frankfurt a. M.
1997, S. 25-42, S. 30f.
129
Zur sogenannten „Weihnachtsdenkschrift“ siehe RA, Bd. 10, S. 1ff.
130
Siehe RA, Bd. 10, S. 10ff., und Afflerbach, S. 363.
56
Materials und unerhörten Verlusten von jeweils deutlich mehr als 300.000
Deutschen und Franzosen 131 verbundene Schlacht wurde für Deutsche und
Franzosen zum dauerhaften Symbol der „Materialschlacht“ des Ersten
Weltkrieges 132 .
Noch während man hier beschäftigt war, diese Symbolkraft auf dramatische
Weise zu rechtfertigen, entbrannte eine für die Briten nicht weniger
symbolträchtige Materialschlacht.
Die Schlacht an der Somme, die nach einwöchigem Trommelfeuer mit einer
bis dahin selbst auch bei Verdun nicht dagewesenen Artilleriekonzentration
am [Link] 1916 infanteristisch begann, wurde zum Weltkriegs-Trauma des
Empire. Am ersten Tag starben, und die Resonanz auf dieses Ereignis ist
vor Ort zur jährlichen Wiederkehr des Datums bis heute spürbar, knapp
20.000 britische Soldaten. Rund 40.000 weitere fielen an diesem einzigen
Tag zudem verwundet oder vermißt aus 133 . Auf den Willen zur Fortsetzung
der beiden Schlachten auf britischer und französischer Seite hatten die
tragischen Verlustzahlen keinen Einfluß, genauso wenig auf den Glauben,
mit maximalem Materialeinsatz, der von deutscher Seite mit einer gewissen
Verzweiflung wahrgenommen wurde 134 , doch noch die Oberhand gewinnen
zu können.
Diesen Tatsachen hatte sich auch die neue deutsche Heeresleitung, die
[Link], unter Hindenburg und Ludendorff zu stellen, als sie Ende August
1916 ihr Amt übernahm und sich mit den Verhältnissen an der Westfront
131
Siehe Strachan, Hew: The First World War. A new illustrated History, London u.a.
2003, S. 184. Dort sind für die deutsche Seite rund 337.000 und für die französische rund
377.000 Mann Verlust angegeben.
132
Kabisch etwa bezeichnete sie auch als die „reinste Form“ der Materialschlacht; siehe
Kabisch, Ernst: Streitfragen des Weltkrieges 1914-1918, Stuttgart 1924, S. 235.
133
Siehe Keegan, S. 412.
134
Siehe bspw. Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 189: „Die Ausstattung der
Ententearmeen mit Kriegsmaterial war auf eine bisher unbekannte Höhe gebracht. Die
Sommeschlacht bewies es täglich klarer, wie weit der Vorsprung des Feindes war.“
Verschärft wurde dieser Umstand natürlich auch durch den jetzt ausgeprägten
Mehrfrontenkrieg mit zusätzlichen Gegnern, wobei das totgesagte Rußland parallel zu den
schweren Kämpfen an der Wesfront mit einer Generaloffensive aufwarten konnte und die
Lage zusätzlich verschärfte.
57
vertraut machte 135 . Den Befehl zu geben, das sinnlos-blutige Ringen vor
Verdun im Angesicht der Sommeschlacht per Dekret zu beenden, blieb eine
nur theoretisch wirksame Maßnahme 136 , denn die Aggressivität der beiden
Hauptgegner im Westen bedingte eine deutsche Gefangenschaft in beiden
Schlachten. Der Appell an die Widerstandskraft des okkult verehrten
deutschen Soldaten, etwas, das sich wie ein roter Faden durch die noch
folgenden Kapitel der vorliegenden Arbeit ziehen wird, und der Glaube,
dem Feind so lange widerstehen zu können, bis sich seine Offensivkraft und
beziehungsweise oder die politische Unterstützung für die von ihm
praktizierte Kriegführung erschöpfte, waren die einzigen
Hoffnungsschimmer, derer man sich in deutschen Hauptquartieren an der
Westfront im Sommer und Spätsommer 1916 –die [Link] von hier bis zur
Entlassung Ludendorffs im Oktober 1918 137 - hingeben konnte. „Die
Zukunft ist dunkler als je“, urteilte Hindenburg Ende August 1916 138 .
135
Siehe ebenda, S. 208ff.
136
Siehe ebenda, S. 210 und 228f.
137
Siehe Kap. [Link]., bes. Kap. 13.
138
Zitat Hindenburgs vom [Link] 1916 nach RA, Bd. 11, S. 3.
139
Siehe etwa Schulte, Bernd F.: Die deutsche Armee 1900-1914. Zwischen Beharren und
Verändern, Düsseldorf 1977, S. 308: „Die Waffentechnik stellte der offensiven
Kriegführung schon im taktischen Bereich erhebliche Hindernisse in den Weg, die sich
1870 wie 1904/05 bei Deutschen und Japanern in großen Verlusten ausgedrückt hatten.“
58
140
Siehe Arndt, Hans: Der Luftkrieg, in Schwarte, Max: Der Weltkampf um Ehre und
Recht, Bd. 4, Leipzig o.J., S. 530. Bereits die einleitenden Worte des Beitrages (S. 529ff.)
beinhalten zahlreiche Hinweise auf technische und menschliche Ursachen für die
schleppende und bis 1914 noch in den Anfängen steckende Luftrüstung.
141
Beispiele auf allen Gebieten, die von diesen militärtechnischen Innovationen betroffen
wurden, finden sich im RA, Anlagenband I zum Ergänzungsband Kriegsrüstung und
Kriegswirtschaft. Schulte, S. 61, schrieb als Fazit der Entwicklung bis zum „technischen
Quinquenat“ von 1911: „Die Finanzfrage und die Mittel, welche an die Flotte gingen,
hemmten bis 1909 den Ausbau der Armee [...].“
142
Bezeichnend ist eben, daß zwischen dem ersten Typ, dem MG 01 und dem Standardtyp
des Ersten Weltkrieges, dem MG 08, nicht nur der Modellnummer entsprechend sieben
Jahre vergingen, sondern auch alle anderen mit dem Projekt verbundenen Fragen Zeit in
Anspruch nahmen. Dasselbe läßt sich auch für eine neue leichte Feldhaubitze anführen. Das
Modell 1898 wurde aus finanziellen Gründen nicht sofort eingeführt, sondern als lFH 98/09
1909 zum Standardtyp bestimmt. Um die Parallelität der Verhältnisse und Probleme zu
illustrieren, kann man auf das französische Maschinengewehr verweisen, von dem erst
1914 ein konkurrenzfähiges Muster vorhanden war.
59
143
Siehe Linnenkohl, Hans: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze. Der Wettlauf zwischen
Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, Bonn 1996, S. 22f. Der Aufwand für eine einzige
Maschinengewehr-Kompanie war bedeutend. Die Zurückhaltung der militärisch
Verantwortlichen gegenüber der komplizierten neuen Waffe wird außerdem angedeutet:
„Alles dies läßt die Einführung des MGs in allen damaligen Armeen besser verstehen,
wenn auch das damalige Verhalten der Militärs nach heutiger Kenntnis der Dinge noch
immer unverständlich bleibt. Eine Nahaufnahme der direkt vor dem Krieg zugrunde
liegenden Verhältnisse in Großbritannien findet sich bei Fuller: Erinnerungen, S. 27ff.
144
Siehe Schulte, S. 69ff. und 311ff.
145
Siehe hierzu RA: Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft, S. 85: „Zwar drängte auch der
Generalstab wiederholt auf eine bessere und umfangreichere Bewertung der für die
neuzeitliche Kriegführung unentbehrlichen technischen Hilfsmittel. Aber das
Kriegsministerium war dazu nicht in der Lage, da es vor einem Versuch zurückscheute,
durch Nachtragsforderungen den engen [finanziellen] Rahmen des laufenden Quinquenats
zugunsten der technischen Bedürfnisse zu erweitern, mochte man auch von der
Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung der Kriegstechnik auch durchaus
überzeugt sein.“ Diese Handlungsmaxime änderte sich erst mit der Heeresvorlage von
1912, die unter dem Eindruck der damaligen außenpolitischen Lage und eines immensen
Nachholbedarfs umfangreiche Forderungen formulierte; siehe ebenda, ab S. 172.
60
146
Die numerische Überlegenheit blieb ein bedeutender Faktor, dessen Herstellung
gegenüber den potentiellen Kriegsgegnern als Hauptmotiv der Heeresvorlagen deutlich
hervorsticht; siehe bspw. RA: Ergänzungsband I, S. 124. Daneben blieb der tradierte
Anspruch auf Qualität erhalten; siehe Schulte, S. 78ff.
147
Siehe Sußdorf, Walter: Das Feldkraftfahrwesen in Schwarte, Max (Hg.): Der Weltkampf
um Ehre und Recht, Bd. 6, Berlin/ Leipzig o.J., S. 337.
148
Siehe RA: Kriegrüstung und Kriegswirtschaft, Anlagen zum ersten Band, Berlin 1930,
S. 282f.
149
Siehe Abschn. 2.3.
61
150
Siehe Wrisberg, S. 158f. Für den Gesamtbereich der Heeresmotorisierung findet sich
dies auch angedeutet in RA, Ergänzungsband I, S. 280. Bei der Feldartillerie war es um die
Jahrhundertwende auch schon zu solch einem Fall beziehungsweise abschreckenden
Beispiel gekommen. Das gerade neueingeführte Feldgeschütz 1896 wurde augenblicklich
von der modernen französischen Konkurrenz betroffen; siehe Linnenkohl: Vom
Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 76ff.
151
Siehe Ortenburg, Georg: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Millionenheere
(Heerwesen der Neuzeit, Bd. V.1.), Bonn 1992, S. 151: „Die Kraftäußerungen des Tieres
wurde durch den Einsatz der blanken Waffen im Handgemenge verstärkt und gab damit der
Kavallerie ihren offensiven Geist, der selbst im Zeitalter der Mehrladegewehre noch zu
erkennen war.“
152
Inwieweit dieser Faktor eine Rolle spielte, kann nicht deutlich gesagt werden. Auffällig
ist jedenfalls, daß immer wieder weitblickende Offiziere mit verhältnismäßig geringem
Dienstalter und Dienstgrad Vorreiterrollen einnahmen; siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß
zur Feuerwalze, S. 33ff., und siehe vor allem –für die britische Seite und den Tank- Kap. 2.
153
Siehe etwa Fuller: Erinnerungen, S. 7 bzw. S. 29. Fuller schrieb zu dieser Feststellung in
seiner autobiographischen Abrechnung mit technikfeindlichen Vorgesetzten, daß er trotz
der von ihm selbst vor Kriegsausbruch geäußerten Mahnungen und Warnungen hinsichtlich
der Wirkung moderner (Schnellfeuer-)Waffen zugestehen müsse, daß Phantasie zum
Erkennen ihrer Bedeutung gehörte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 7 bzw. S. 29.
62
154
Siehe Perrett, Bryan: Iron Fist. Classic Armoured Warfare, London 1995, S. 15, und
Spielberger, Walter L.: Die gepanzerten Radfahrzeuge des deutschen Heeres 1905-1945
(Militärfahrzeuge, Bd. 4), Stuttgart 1974, S. 11.
155
Eine vor Kriegsausbruch mehrmals geforderte Mobilitätserhöhung bei der Fußartillerie
bedingte bis 1914 einen zumindest in der ersten Kriegshälfte sehr signifikanten Vorteil
Deutschlands an der Westfront. Nur deutsche Verbände führten mobile
Belagerungsartillerie mit sich. Außerdem sind Minenwerfer und speziell zur Niederringung
von Festungen gedachte Pionier-Belagerungtrains zu nennen. Siehe RA, Ergänzungsband,
S. 251ff. und S. 264f. Siehe auch Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 88f.,
und Balck, S. 23.
156
Siehe Abschn. 1.2.1. Zur Qualität der nach 1918 geäußerten Vorwürfe gegen die
militärisch Verantwortlichen siehe Pöhlmann: Von Versailles nach Armageddon, S. 339f.
157
Siehe dazu auch Balck, S. 4f., mit Andeutungen zum auch damals schon
vorherrschenden Zweifel an der Realitätsnähe der Manöver.
63
Vorschriften vor 1914 158 . Diese gaben tatsächlich nämlich Auskunft über
den Gebrauch des Schanzzeuges 159 , dessen Bestand in den Feldformationen
direkt vor dem Krieg noch einmal vermehrt worden war 160 , instruierten über
Herstellung von Hindernissen und Drahtverhauen 161 sowie umfassend über
den Bau von Schützengräben, Eindeckungen und Unterständen. Auf die
Leistungsfähigkeit der neuen Waffen wurde durchweg eingegangen. Ob die
wenigen Jahre bis Kriegsbeginn ausreichten, um allen Beteiligten vor
Augen führen zu können, welche Auswirkungen die technischen
Neuerungen auf das Kriegsbild haben würden, bleibt auch unter dem Aspekt
des etwa bei Kaisermanövern geradezu „öffentlich“ abgefragten und daher
vielleicht auch zwangsweise anachronistisch-heroischen
Ausbildungsspektrums der Truppen letztlich fraglich 162 .
158
An erster Stelle ist die Feldbefestigungsvorschrift (F.B., D.V.E. Nr. 230) von 1906 zu
nennen, die Anweisung für den Bau und die Anlage von Stellungen für die verschiedenen
Waffengattungen beinhaltet. Im Exerzier-Reglement für die Infanterie (Ex.R.f.d.I.) von
1906 wurde die Fähigkeit der Infanterie zur selbständigen Anlage von Feldbefestigungen
verlangt, s. Ziff. 314, bzw. Ziff. 310-314, S. 92f. Die Felddienst-Ordnung (F.O., D.V.E. Nr.
267) von 1908 enthält keinen Abschnitt explizit zu Aspekten eines Stellungskrieges,
rekurriert aber auf Fälle, in denen „ungedeckte“ Truppenteile eine Rolle spielen. Bedeutend
ist dies vor allem im Kapitel zur Waffenwirkung (Ziff. 575-597, S. 171-176).
159
Dessen Bedeutung selbst beim Angriff wurde hervorgehoben: „Auch beim Angriff wird
das Schanzzeug zur Festhaltung gewonnener Abschnitte und zur Schaffung neuer
Ausgangsstellungen für das weitere Vorgehen wertvolle Dienste leisten; selbst im
feindlichen Feuer kann sein Gebrauch von Nutzen sein.“, siehe F.B. Ziff. 7, S. 3.
160
Siehe Balck, S. 19.
161
Siehe FB Ziff. 80-87, S. 50-54.
162
Dagegen spricht auf der formellen Seite bspw. der Abschnitt zu Waffenwirkung in der
FO, Ziff. 575-597, S. 171-176, wo es u.a. heißt: „Die große Feuergeschwindigkeit, das enge
Zusammenhalten der Geschoßgarbe und die Möglichkeit, mehrere Maschinengewehre auf
beschränktem Raume zu vereinen, ergeben raschen, durchschlagenden Erfolg auch auf
weite Entfernungen.“; siehe ebenda, Ziff. 581, S. 172f. Im ExR, Ziff. 308, S. 92, wurde
darauf hingewiesen, daß Bewegungen auf freiem Gelände angesichts des freien
Schußfeldes für den Gegner „ungünstig“ seien. Dem Schützen sollte in der Ausbildung
gezeigt werden „welche Gegenstände nur Deckungen gegen Sicht, welche Deckung gegen
feindliches Feuer gewähren, [...]; auch die Verwertung von Befestigungsanlagen ist zu
lehren.“ (Ebenda, Ziff. 151, S. 49).
64
Der Eindruck jedenfalls, daß man nun gar keine neuen militärtheoretischen
und wissenschaftlichen Erkenntnisse aus eigenem, heeresinternen Diskurs
oder aus der Betrachtung der jüngsten Kriege in Südafrika und im Fernen
Osten gewonnen hatte 163 , kann nicht bestätigt werden. Vor dem Hintergrund
der bisherigen Ausführungen ist gerade bei der infanteristisch
grundlegendsten Vorschrift, dem Exerzierreglement für die Infanterie von
1906, relevant, daß sie als Lösungsmaxime für den Angriff auf einen zur
Verteidigung bereiten Gegner kaum mehr als Reminiszenzen an die
Kriegführung des [Link] anbieten konnte. Was auffindbar ist, ist
das Postulat des Ausgleichs feindlicher Waffenwirkung durch überlegene
„Moral“ und althergebrachte Möglichkeiten von allerorten internalisierten
Vorstellungen von Disziplin 164 . Bei „Angriff auf einen zur Verteidigung
entwickelten Feind“ sollte unter Umständen, die durch die
Unabwägbarkeiten der Gesamtlage diktiert werden würden, möglichst die
Dunkelheit genutzt werden. Mit oder ohne Schutz durch die Dunkelheit, es
blieb als Leitbild jedenfalls ein nur im günstigen Fall artilleristisch
vorbereiteter Sturmangriff mit gefälltem Seitengewehr 165 .
Das Ergebnis war 1914 das Aufeinandertreffen anachronistisch agierender
Heere mit daraus zwangsweise resultierenden hohen Verlusten. Es war gar
nicht mehr nötig, dem überkommenen Bild des „heroischen“
Infanterieangriffes mit blanker Waffe nachzueifern, um extreme Verluste zu
erleiden. Selbst die Annäherung an den Feind in fortschrittlicher „offener
Ordnung“ 166 endete oft genug blutig im infanteristischen und
artilleristischen Massen- und Schnellfeuer des Feindes. Beispiele für die
Tragik dieser Realität auf dem Schlachtfeld, der von den Soldaten kaum
etwas anderes als das Maximum an Willensstärke und Opferbereitschaft
entgegenzusetzen war, lassen sich für den Zeitraum des Bewegungskrieges
genauso finden wie in den anschließenden Schlachten des Stellungskrieges.
163
Siehe dazu Balck, S. 4ff. Vergleiche Mai, S. 68, und Schulte, S. 304f.
164
Siehe Schulte, S. 293ff.
165
Siehe ExR, Ziff. 362ff., S. 104ff. Für die Kompanie mit etwa 250 Mann wurde eine
Angriffsbreite von 150m vorgeschlagen, womit die Grundlage für die oben angeführte
Waffenwirkung der modernen Gewehre und Maschinengewehre, nämlich eine gewisse
„Dichte“ des Zieles, gegeben war.
166
Siehe ebenda, Ziff. 142ff., S. 47ff.
65
167
Sehr klar herausgearbeitet bei Unruh: Langemarck. Vergleiche damit die pathetisch-
nationale Verklärung bei Thimmermann, Hermann: Der Sturm auf Langemarck. Von einem
der dabei war, München 1933. Siehe auch Hüppauf, Bernd: Schlachtenmythen und die
Konstruktion des „neuen Menschen“ in Hirschfeld, Gerhard (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich
hier mehr als Mensch...“, Essen 1993, S. 53-103.
168
„Von den zwei Elementen der Taktik hatte bisher nur eines von der Maschine nutzen:
nämlich das Feuer. Es hatte sogar so viel Nutzen, daß die Bewegung im Gefecht nahezu
aufhörte.“ Aussage des französischen Generals Buat, zitiert nach Guderian, Heinz: Die
Panzertruppen und ihr Zusammenwirken mit den anderen Waffen, Berlin 1937, S. 1.
169
Siehe dazu Ludendorff, Erich: Der totale Krieg, München 1935, S. 4ff.
66
170
Siehe Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 31, S. 109f., Falkenhayn, S. 30f., und Afflerbach, S.
210.
171
Über den enormen Bedarf orientiert Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 90ff.
172
Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 102ff.
173
Mitte 1916 wurden die ersten „leichten M.G.-Trupps“ des deutschen Heeres gebildet,
nachdem Briten und Franzosen vorangegangen waren; siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß
zur Feuerwalze, S. 179ff., und Cron, Hermann: Geschichte des deutschen Heeres im
Weltkriege 1914-1918, Berlin 1937 (Neudruck Osnabrück 1990), S. 130ff.
67
Waffe der Infanterie 174 , deren Kompanien dieses neue Gewehr erhielten.
Vom früheren Charakter einer technisch komplizierten, geschützähnlichen
Waffe „Maschinengewehr“ blieb wenig 175 , als sie, quasi durch „jedermann“
zu bedienen, in immer größerer Zahl im Heer eingeführt wurde.
Das Infanteriegewehr, die ursprüngliche Hauptbewaffnung der Infanterie,
verlor im Grabenkrieg an Bedeutung. An dessen Stelle traten das
Maschinengewehr und besonders die Handgranate 176 . Nach ersten
Improvisationen durch die Truppe fand dieses Kampfmittel der Pioniere, die
in bescheidenem Ausmaß auch noch Flammenwerfer 177 und den
altertümlichen Minenkrieg 178 einbringen sollten, 1915 weiteste Verbreitung.
Auf kurze Entfernung im Angriff und in der Abwehr sehr wirksam fehlte
den Grabenbesatzungen aber noch ein Kampfmittel auf mittelkurze
Entfernungen, für die ein Artillerieeinsatz zu gefährlich, zu
überproportioniert oder zu ungenau war. Gewehrgranaten, die vor allem auf
französischer Seite fester Bestandteil der Ausrüstung innerhalb der
Infanteriekompanien wurden, waren eine Möglichkeit, dieses Problem zu
beseitigen. Ein zweites, allerdings sehr viel aufwendigeres, war der Einsatz
von „Grabengeschützen“ aller Art. Älteres eigenes Geschützmaterial oder
modernes aus der Kriegsbeute und dem Bestand von vor Ort verfügbaren
Artillerieformationen wurde weit vorgezogen eingesetzt.
Sehr viel praktikabler schien der Einsatz von „Graben-Artillerie“ in Form
leichtbeweglicher Ladungswerfer zum Steilfeuerbeschuß aus Deckungen
heraus. In Deutschland wurden leichte Minenwerfer seit September 1915
von der Infanterie aus den Händen der mit ihnen ursprünglich –eben für den
174
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 131, und Linnenkohl: Vom
Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 181.
175
Ein Vergleich zu den ersten Informationen über Maschinengewehre (bspw. Organisation
in „Batterien“ und Abhandlung im Kapitel zu Geschützmaterial) unterstreicht die
bemerkenswerte Entwicklungsgeschwindigkeit; siehe bspw. Hein (Bearb.): Das kleine
Buch vom Deutschen Heere. Hand- und Nachschlagebuch zur Belehrung über die deutsche
Kriegsmacht, Kiel/Leipzig 1901 (Reprint Augsburg 1998), S. 146f.
176
Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 440ff.
177
Siehe Dewar, Michael: The First Flame Attacks in Fitzsimons, Bernhard (Ed.): Tanks &
Weapons of World War I, London 1973, S. 48-50.
178
Siehe Kap. 8.
68
179
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 178f.
180
Siehe dazu Hogg, Ian V.: the guns 1914-1918, New York 1971, S. 8, und Pope,
Stephen/Wheal, Elizabeth-Anne : Dictionary Of The First World War, Barnsley 22003, S.
38ff.
181
Siehe dazu auch Pöhlmann, Markus: Stellungskrieg, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg,
S. 866.
182
Siehe Fuller, John F.C.: Die entartete Kunst Krieg zu führen 1789-1961, Köln 1964, S.
189.
69
genügendem Maße getroffen wurden konnten, ist tatsächlich bis zur ersten
„Tankschlacht“ bei Cambrai 1917 183 nicht der Fall gewesen.
Die Ausschau nach Auswegen aus dieser prekären Lage des Angreifers, der
den Sieg in der Offensive suchte, oder irgendwann im Angriff suchen
mußte, beschränkte sich aber nicht allein auf die Frage nach der richtigen,
der „kritischen“ Menge eingesetzten Materials und in die Schlacht
geworfener Truppen, die den Verteidiger irgendwann ersticken mußte. Die
Antwort wurde auch nicht nur auf Seite der Entente gesucht, welcher, wie
oben gezeigt, die Rolle des Angreifers durch den Kriegsverlauf aufgedrängt
worden war.
Der erste Versuch, des Materials Herr zu werden, wurde von deutscher Seite
unternommen 184 . Er war Ausgeburt der Überzeugung Falkenhayns, daß der
Einsatz gänzlich neuer Kriegsmittel eine Wende bringen könnte 185 und ein
glücklicher Ausgang des Krieges allein davon abhing, daß den eigenen
Truppen der Durchbruch an der Westfront gelänge. Unter der Devise „Der
Krieg ist Notwehr und kennt kein Gebot“ 186 wurden Versuche deutscher
Wissenschaftler bei der Schaffung eines wirkungsvollen Kampfstoffes trotz
ethischer und völkerrechtlicher Bedenken unterstützt.
Bereits Ende 1914 war das „Abblasen“ von Gasen in Flandern ins Auge
gefaßt worden. Nach ersten Versuchen mit nicht tödlichen Reizgasen
wartete eine Gruppe Wissenschaftler um Fritz Haber mit einem Chlorgas
auf, das in größerer Menge aus Stahlzylindern „abgeblasen“ werden konnte.
Der erste Einsatz, am [Link] 1915 nördlich Ypern, war unerwartet
erfolgreich 187 . Er war sogar so tödlich erfolgreich, daß für die Ausnutzung
der plötzlich entstandenen Frontlücke keine ausreichenden Kräfte zur
Verfügung standen. Wie Groehler anmerkte, beschränkte sich die
tatsächliche Wirkung vor Ort auf einen taktischen Erfolg, der allerdings
183
Siehe Kap. 9.
184
Siehe Fuller: Die entartete Kunst, S. 189ff.
185
Siehe Afflerbach, S. 260.
186
Siehe Groehler, Olaf: Der Lautlose Tod. Einsatz und Entwicklung deutscher Giftgase
von 1914-1945, Hamburg 1989, S. 26.
187
Siehe ebenda, S. 36ff.
70
188
Groehler, S. 39 bzw. 40.
189
Sichtbar ist dies etwa am Titelbild einer bis heute nachgedruckten, pazifistischen
Veröffentlichung der 20er Jahre, wo mit der Unterschrift „Gottes Ebenbild mit Gasmaske“
ein deutscher Soldat beim Sturmlauf mit gefälltem Gewehr zu sehen ist; siehe Friedrich,
Ernst: Krieg dem Kriege, Frankfurt a.M. 241992.
71
190
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 86: „Bald erkannte man, daß der
traditionelle Korpsverband im Stellungskriege schwer aufrecht zu erhalten war. Rein
schematisch gesehen, konnte dort, wo heute zwei Divisionen genügten, morgen schon das
Doppelte oder Dreifache notwendig werden.“
191
Die bisherigen Ergebnisse aus einer noch nicht abgeschlossenen Untersuchung Christian
Stachelbecks am MGFA zur [Link] legen nahe, daß dies für bayerische Verbände in
wesentlich geringerem Ausmaß galt, als es für das preußische Heer und die ihm
angeschlossenen Kontingente galt. Die Frage der landsmannschaftlichen Homogenität
beziehungsweise des Für und Wider gegen den geschlossenen Korpsverband beschäftigte
Militärs den ganzen Krieg über, wie aus der Forderung zu seiner Wiederherstellung von
Seiten des deutschen und preußischen Kronprinzen noch Mitte Oktober 1918 abzulesen ist;
siehe BA-MA, RH 61/50601: HGr Kronprinz an OHL vom 17.10.1918, S. 3.
192
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 98ff.
72
193
Dies galt für weite Teile der neuformierten technischen und Spezial-Formationen des
Heeres; siehe ebenda, S. 75.
194
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 86.
73
195
Siehe ebenda, S. 92f. bzw. S. 100.
196
Zu den Anfängen moderner Truppenbetreuung siehe Hugo, Melchior v.: Fürsorge für
das geistige Leben im Heere, Wohlfahrtseinrichtungen usw. in Schwarte, Max (Hg.): Der
Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 8, Berlin/Leipzig o.J., S. 348-388.
74
197
Balck nennt die Herbstschlacht in der Champagne von 1915 als ausschlaggebenden
Anlaß zum Überdenken der geltenden Einsatzgrundsätze; siehe ebenda, S. 70ff. bzw. S. 82,
vergleiche Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 105.
198
Zitiert nach Balck, S. 83.
75
199
Siehe Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 106ff.
200
Siehe Kap. 5.
201
Zur Verarbeitung des „Frontalltages“ mit den Schrecken des Schlachtfeldes und seinen
Gefahren siehe bspw. Krumeich, Gerd: Kriegsgeschichte im Wandel in Hirschfeld, Gerhard
(u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“, S. 24, Ulrich, Bernd/Ziemann,
Benjamin (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit, Quellen und
Dokumente, Frankfurt am Main 1994, und Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin: Das
soldatische Kriegserlebnis in Kruse: Eine Welt von Feinden, S. 127-158.
202
Zum Sektor der sogenannten Heeresmißstände, die in nahezu allen Bereichen des
soldatischen Kriegserlebnisses in den nicht für diese neue Art von Kriegführung
gewappneten Streitkräften auszumachen sind, siehe Hobohm, Martin: Soziale
76
war dazu angetan, nur allzu verständlichen, menschlichen Sorgen 203 -etwa
um Haus und Hof, Arbeitsplatz und Familie, gesunde und baldige
Rückkehr- zunehmend größeren Raum in den Köpfen der Soldaten
einzuräumen.
Die wahre Bedeutung dieser Vorgänge sollte sich wenigstens für die
höheren und höchsten Führungsstäbe und ihre Vertreter in den
französischen und deutschen Streitkräften ziemlich unerwartet offenbaren:
In den sogenannten „Meutereien“ innerhalb des französischen Heeres von
1917 beziehungsweise dem „inneren Zusammenbruch“ der deutschen
Streitkräfte 1918 204 . Bezeichnenderweise traten beide Phänomene auf,
nachdem Truppen in als „kriegsentscheidend“ deklarierte Offensiven
getrieben worden waren und darin mit denkbar größtem Elan und größter
Einsatzbereitschaft den Weg zum Sieg und damit zur Rückkehr in die
Heimat vergeblich gesucht hatten.
207
Siehe Perrett, S. 14f.
208
Siehe ebenda, S. 15.
209
Siehe ebenda, S. 15.
78
210
In der Einleitung zu Mackseys Beitrag findet sich die Kombination „mistrust und
apathy“ als Begründung für die zeitliche Verschleppung der Einführung von Panzern durch
die militärisch Verantwortlichen; siehe Macksey, Kenneth: The Tank Story, in
Fitzsimmons, Bernard (Hg.): Tanks & Weapons Of World War I, London 1977, S. 88.
211
Siehe Spielberger, S. 15. In Deutschland wurden aus diesem Grund die bis hierhin sehr
umfangreichen Versuche mit Straßenpanzerwagen 1910 eingestellt.
212
Das von der Firma Ehrhardt vorgestellte „Ballon-Verfolgungsfahrzeug“ von 1906 wurde
nicht eingeführt. Dennoch gab es ab 1912 wieder Pläne, die motorisierte Ballon-Abwehr zu
realisieren, was 1915 zu brauchbaren Fahrzeugen führte; siehe Spielberger, S. 15.
213
Siehe Abschn. 1.2.1.
79
214
Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 20.
215
Siehe auch Macksey, Kenneth: The Tank Story, in Fitzsimmons, S. 88.
216
Siehe Smithers: Excalibur, S. 11. Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 19, verweist
zudem darauf, daß der Kettenantrieb insgesamt noch viel zu wenig bekannt gewesen sei.
Mangelndes Vertrauen in diese Technik konnte somit neben die offenbar gewordenen
technischen Mängel und praktisch nicht gelösten Fragen treten.
217
Die Darstellungen in den bisher aufgeführten Titeln unterscheiden sich deutlich. Der
Verfasser schließt sich den Feststellungen Ogorkiewiczs: Technologie der Panzer, S. 22f.,
an.
218
In allen kriegführenden Heeren wurden nach Kriegsausbruch vor allem zivile Fahrzeuge
aller Art zu verschiedensten Zwecken eingesetzt. In der britischen Armee gab es bei
Mobilmachung neben 80 Lkw, 20 Pkw und 15 Krädern auch 36 „traction-engines“
(Smithers: Excalibur, S. 11). Unter diesen befanden sich bis spätestens Oktober 1914 auch
einige amerikanische „Holt caterpillar tractors“; siehe Perrett, S. 35.
219
Fuller: Tanks, S. 18.
80
Wenn man von der Idee des dampfbetriebenen Typs, der baldigst zugunsten
des Dieselmotors aufgegeben wurde, einmal absieht, geht aus dem Text
220
Smithers: Excalibur, S. 15f.
221
Siehe Cooper, Bryan: The Ironclads Of Cambrai. The First Great Tank Battle, London
1967 (Neudruck 2002), S. 22.
222
Zitiert nach Smithers: Excalibur, S. 17.
223
Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 19
81
bereits viel von dem hervor, was den Tank des Ersten Weltkrieges zukünftig
zu einer wirklichen Waffe machen sollte.
Am [Link] 1915 wurden Versuche mit einem Holt tractor, der zur
Simulation des Gewichtes von Panzerung, Besatzung und Waffen einen mit
Sandsäcken beschwerten Anhänger zu ziehen hatte, angestellt. Zwar hatte
der Druck der Regierung 224 Kitchener dazu bewegen können, sein
Einverständnis zu dieser praktischen Demonstration zu geben, doch die
Ergebnisse des Tages bedeuteten einen herben Rückschlag für die
Befürworter des Unternehmens. Um das Anliegen eines „Landkreuzers“
nicht versanden zu lassen, entschloß sich Churchill dazu, mit Mitteln der
Marine, also Mitteln seines eigenen Verantwortungsbereiches, weiter zu
arbeiten 225 .
Am [Link] wurde das Landship Commitee gegründet, das unter der
Regie Tennyson d’Eyncourts, des Direktors der Marine-Konstruktions-
Abteilung, auf die Fähigkeiten vornehmlich junger 226 Ingenieure,
Wissenschaftler und Praktiker, wie man sie in den Reihen des RNAS finden
konnte, setzte 227 . Trotz anfänglich auch in der Marine vorhandener
Widerstände 228 , deren gewichtigster Teil mit erfolgreicher
Überzeugungsarbeit an Churchills Nachfolger Balfour –Churchill selbst war
inzwischen Opfer der von ihm forcierten Gallipoli-Unternehmung
geworden- beseitigt werden konnte, entstand im Juni 1915 das Konzept zu
einem „machine-gun destroyer“. Dieser sollte die deutsche Haupt-
Verteidigungswaffe im Stellungskrieg, das Maschinengewehr, effektiv
bekämpfen können 229 .
224
Dieser Druck ist in der Literatur nicht näher spezifiziert, wird sich sehr wahrscheinlich
aber aus Churchills Engagement ergeben haben.
225
Siehe auch Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 228, mit näheren Angaben zum Umfang
von Churchills Unterstützung im Jahr 1917.
226
Wie Smithers (Excalibur, S. 21) angibt, war das älteste Mitglied des Komitees aus den
Reihen des RNAS gerade einmal 36 Jahre alt.
227
Siehe Perrett, S. 35
228
Siehe ebenda. Angeführt wird von Perret besonders der vierte Seelord, Lambert, der sich
in drastischen Worten artikulierte und vom Plan des „Landschiffs“ wenig angetan war.
229
Siehe Fuller: Tanks, S. 21.
82
230
Spezifikationen bei Fuller: Tanks, S. 23.
231
Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 26.
232
Siehe Cooper: Cambrai, S. 30f.
233
Siehe Fuller: Tanks, S. 29.
83
234
Siehe ebenda, S. 30.
235
Siehe ebenda und Cooper: Cambrai, S. 32.
236
Siehe Fuller: Tanks, S. 31 und Cooper: Cambrai, S. 31f.
237
An der Spitze des Komitees stand bezeichnenderweise ein Oberleutnant. Es handelte
sich um den 36jährigen „Bertie“ Stern. Ein Mann mit besten Verbindungen zur Politik und
Finanzwelt („for he was the most clubbable of the men“), ausgewiesen
unternehmungslustig, was seine Beteiligung am Krieg anbelangt, und als freiwilliges
Mitglied der motorisierten Abteilung des RNAS mit Erfahrung im Umgang mit
Dienststellen, Vorgesetzten, Behörden und Fahrzeugen gesegnet; siehe Smithers, S. 18ff.
238
Hierbei empfahl sich scheinbar besonders das Personal des Motor Machine Gun Corps,
einer motorisierten Einheit des MGC, das Anziehungspunkt für junge Freiwillige mit
technischem Verständnis und einer Prise Abenteuerlust gewesen war. Smithers, S. 60,
nennt in deren Reihen u.a. den Sohn des früheren Präsidenten Roosevelt und eine Anzahl
weiterer Freiwilliger aus den Vereinigten Staaten und Kanada. Cooper: Cambrai, S. 32,
berichtet von großen Schwierigkeiten mit der Rekrutierung für die Heavy Section, die nur
mit Überzeugungsarbeit im Schatten der Geheimhaltung vollzogen werden konnte.
84
239
Siehe Wright, S. 30 und 34f. Siehe auch Fuller: Tanks, S. 51, mit dem Hinweis
Swintons, daß bis zur vollen Einsatzbereitschaft der Tanks absolute Geheimhaltung zu
wahren sei.
240
Siehe Wright, S. 30. Vergleiche Holmes, Richard: Brazen Chariots, unter
[Link]/history/lj/warslj/guns_09.shtmlH [Stand vom 14.10.2004]. Nach Holmes
stammt die Bezeichnung Tank aus der Produktionsphase, in der Arbeiter die vermeintlich
für die Kriegführung in Mesopotamien bestimmten Teile mobiler Wasserbehälter so
nannten.
241
Siehe Fuller: Tanks, S. 50ff.
242
„The Tanks cannot win battles by themselves”, ist zweifelsfrei eine der zentralen
Aussagen in Swintons Memorandum; siehe Fuller: Tanks, S. 52.
243
Diese Vorstellung blieb bis zum Kriegsjahr 1918 ohne praktische Entsprechung; siehe
Kap. [Link].
85
244
Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 51.
245
Siehe Kap. 6.
246
Siehe Wright, S. 33f.
247
Siehe Cooper: Cambrai, S. 33, und Fuller: Tanks, S. 54.
248
Siehe Abschn. 1.2.1.
86
249
Churchill hatte bereits in seinem Brief an Premierminister Asquith von Januar 1915
darauf verwiesen: „One of the most serious dangers that we are exposed to is the possibility
that the Germans are acting and preparing all these surprises [Tanks, alle Arten von
gepanzerten Kriegsmitteln, künstlicher Nebel], and that we may at any time find ourselves
exposed to some entirely new form of attack.” Zitiert nach Fuller: Tanks, S. 20. Tatsächlich
scheint die erste Meldung über britische Ansätze auf dem Sektor neuartig motorisierter
Landkriegführung mittels gepanzerter Fahrzeuge bereits am 15.10.1915 auf deutscher Seite
angekommen zu sein. Ein Nachrichtenoffizier der OHL bei einer Armee (ferner „NO“) gab
zu Protokoll, daß in Großbritannien ein Wettbewerb zum „Lösen militärischer Probleme,
darunter auch von Auto-Mitrailleusen“ stattfand. Die Begriffswahl, die eher auf einen
damals ja auch bereits bekannten, bewaffneten Kraftwagen (Panzerwagen) als auf ein
Kettenfahrzeug neuer Art hinwies, mag dazu beigetragen haben, daß dieser Beobachtung
kein besonderer Wert beigemessen wurde. Siehe dazu BA-MA, RH 61/50768: Manuskript
Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 2.
250
Siehe Wright, S. 35, und Cooper: Cambrai, S. 34.
87
251
Siehe Cooper: Cambrai, S. 33.
252
Siehe Wright, S. 37.
253
Die Verzeichnisse des Reichsarchivs zu den in der Sommeschlacht 1916 eingesetzten
Divisionen und ihren Verlusten, RA, Bd. 10 u. 11, Anlage 3 bzw. 4, bieten hierzu gute
Einblicke. Einsatzzeiten für die Infanterie von einer Woche unter Verlust von 25-30 oder
auch mehr Prozent der Stärke waren Normalität.
88
Qualität der eigenen Truppe vorfand 254 und darin bestärkt werden konnte,
daß das Resultat der Schlacht letztlich kaum ein Durchbruch des Feindes
sein würde. Stellungsteile, deren Einnahme vom Angreifer für den ersten
Tag der Schlacht vorgesehen waren, wurden zum Teil dauerhaft behauptet,
und mit einem System von Gegenstößen und Gegenangriffen konnten die
Pendel der lokalen Entscheidungen zum Teil, wie etwa bei Poizières, wo
sechs Wochen gefochten wurde, über lange Zeit in Bewegung gehalten
werden. Der britische Gegner kam in Meterstrecken in grober Richtung
Bapaume voran, während die Franzosen vor Péronne kämpften, ohne dort
im Verlauf der Schlacht noch besorgniserregende Fortschritte machen zu
können. Die Schlacht vor Verdun dauerte an.
Einen strategischen Lichtblick für die Entente stellte der Kriegseintritt
Rumäniens an der Seite der Alliierten in Aussicht, der seit dem [Link]
abzusehen war und am 27. des Monats Realität wurde. Um diesen
angemessen in Wert zu setzen, war es notwendig, den Druck auf die
Mittelmächte aufrechtzuerhalten. Nach französischer und deutscher
Sichtweise 255 war es vor allem Marschall Joffre, der Haig darin bestärkte,
mit den derzeitigen Angriffen fortzufahren, was im September 1916 zu
einheitlichen Offensiven auf möglichst allen Kriegsschauplätzen führen
sollte 256 . Wenn Haig vom Sinn weiterer Operationen an der Somme
scheinbar auch von sich selbst aus überzeugt war und glaubte, daß bei
anhaltendem Druck ein Kollaps der deutschen Widerstandskraft noch im
Herbst 1916 zu erreichen war, so zweifelten bedeutende Männer in der
Heimat 257 . Drei Faktoren, nämlich die Ansichten des französischen
Verbündeten, die eigene Hoffnung auf die Ermattung des Gegners und die
Skepsis, mit der seine Somme-Operation in der Heimat betrachtet wurde,
254
Angriffsziele des Feindes, die bereits am [Link] genommen sein sollten, befanden sich zu
diesem Zeitpunkt noch immer fest in deutscher Hand. So etwa Serre, Beaumont-Hamel und
Thiepval.
255
Siehe LAF, Bd. V.1., Paris 1931, S. X und RA, Bd. 11, S. 51.
256
Siehe Ebenda. Anzumerken ist, daß Joffre ausdrücklich nicht annahm, daß ein Sieg noch
1916 zu erreichen war. Erreichbar schien „der Zusammenbruch der Angriffskraft“, dem
1917 die Vernichtung der „Verteidigungskraft“ der Mittelmächte folgen würde.
257
Namentlich Lloyd George und Winston Churchill. Siehe Johnson, J.H.: Stalemate! The
Great Trench Warfare Battles of 1915-1917, London 1995, S. 80 und Perrett, S. 41.
89
veranlaßten Haig dazu, für den September alle Kräfte zu sammeln und zum
Großangriff auf breiter Front überzugehen. Wie die OHL nach Abklingen
der Schlacht an der Somme öffentlich resümieren ließ, gab es in der Tat
einen bedeutenden Unterschied zwischen der für beide Seiten schon so
blutig-verlustreichen britischen Taktik im Juli und August 1916 und dem,
was sich im September -zum ersten Mal seit dem bis dahin ultimativen
Großkampfgeschehen vom [Link] wieder- offenbarte. Aus der „planlosen
Taktik des allgemeinen Drucks“ 258 wurde ein konzentrierter Großangriff.
Die Befehlshaber der an der Somme kämpfenden Reserve- und der
[Link], Gough und Rawlinson, wurden im August von Haig beauftragt,
Angriffspläne für Mitte des nächsten Monats zu erarbeiten, worin auch der
erstmalige Einsatz von Tanks vorzusehen war 259 .
258
Zitiert nach Baer, C.H. (Hg.): Der Völkerkrieg. Eine Chronik der Ereignisse seit dem 1.
Juli 1914. Mit sämtlichen amtlichen Kundgebungen der Mittelmächte, ergänzt durch alle
wichtigeren Meldungen der Entente-Staaten und die wertvollsten zeitgenössischen
Berichte, Bd. 19, Stuttgart 1918, S. 6. Das Zitat bezieht sich auf einen Pressebericht aus
dem Großen Hauptquartier vom [Link] 1916.
259
Siehe Liddle, Peter H.: The 1916 Battle of the Somme. A Reappraisal, London 1992, S.
93.
90
260
Abb. nach Volkmann, Erich O.: Der große Krieg 1914-1918. Kurzgefaßte Darstellung
auf Grund der amtlichen Werke, Berlin 61938, S. 169.
91
261
Abb. nach MO 1916, Bd. 2, S. 320/321.
92
Ein von Rawlinson erdachter Angriff über mehrere Tage hinweg, der die
Tanks als abendlich-nächtliche Sturmspitzen vorsah, entsprach nicht Haigs
Vorstellungen einer entscheidenden Operation 262 . Bei der abgeänderten
Fassung, die beherzte Teilangriffe im Vorfeld beinhaltete, sollten drei Korps
am [Link] 1916 Combles ([Link]), Flers ([Link]) und
Martinpuich ([Link]) angreifen. Rechts davon würde die Reserve-Armee
gegen Courcelette und links würden die Franzosen zeitgleich vorstoßen. Die
Verteilung der Tanks war dabei ursprünglich so geregelt, daß von den 49
vorhandenen Fahrzeugen jeweils 17 zwei und acht dem dritten angreifenden
Korps Rawlinsons sowie sieben der Reserve-Armee zugeteilt werden
sollten 263 .
Die Tanks flossen erst kurz vor dem Angriff in ihre Bereitstellungsräume
ein. Sie sollten in Gruppen zu zwei oder drei Fahrzeugen durch Gassen in
der eigenen Feuerwalze mit ihr zusammen fünf Minuten vor der Infanterie
die deutschen Stellungen erreichen. Hinter den Sturmtruppen wurde ein
Kavallerie-Korps versammelt, um den beabsichtigten Durchbruch, der durch
die Eroberung von Morval, Les Boeufs, Gueudecourt und Flers erreicht
werden würde, augenblicklich ausnutzen zu können 264 . Die Anzahl der zum
Einsatz zwischen Thiepval und Combles vorgesehenen Infanteriedivisionen
der beiden englischen Armeen betrug 12.
Beginnend am Dritten des Monats setzten die vorbereitenden Teilangriffe
ein, die unter den üblich gewordenen schweren Verlusten auf beiden Seiten
zur Wegnahme so namhafter, strategisch gleichzeitig aber auch so
unbedeutender Trümmerstätten wie Guillemont oder Ginchy führten.
Von den zuerst 49 verfügbaren Tanks blieben für den Angriff am
[Link] lediglich 36 einsatzbereit 265 , was die Diskrepanz zwischen
der oben genannten, angestrebten Verteilung der Fahrzeuge auf die
262
Siehe ebenda, S. 94.
263
Siehe Fuller: Tanks, S. 54.
264
Die detaillierte Darstellung des Angriffsplans findet sich in MO 1916, Bd. 2, S. 288ff.
265
Fuller nennt 32 Fahrzeuge; siehe Fuller: Tanks, S. 55.
93
266
Siehe Abschn. 3.5.1.
267
Um dem Leser ferner die teils überlangen und sich wiederholenden
Truppenbezeichnungen zu ersparen, werden sie abgekürzt angeführt. Sie sind im
Abkürzungsverzeichnis im Anhang der vorliegenden Arbeit erläutert und aufgelistet; siehe
Abschn. 0.
268
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 126, Akt 213, Bl. 143, mit dem Ablöseplan der
Heeresgruppe vom 14.9.16.
269
Siehe Weniger, Heinrich u.a. (Bearb.): Das K.B. [Link]-Regiment Großherzog
Ernst Ludwig von Hessen (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee,
Bd. 59), München 1929, S. 72.
270
Siehe Fuhrmann, Hans u.a. (Bearb.): Königlich Preußisches Reserve Infanterie-
Regiment Nr. 211 im Weltkriege 1914-1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd.
18), Berlin 1933, S. 167.
94
271
Siehe TG RIR 211, S. 160 und S. 179. Die Angabe bezieht sich auf das RFAR 45 am
8.9. und 15.9.16. Die TG RFAR 45 gibt wenig detaillierte Angaben über vorhandenes und
verlorenes Geschützmaterial am 15.9., dem „Ehrentag des Regiments“, erwähnt aber
mehrfach stärkstes Feuer auf ihren Stellungen und Geschützausfälle; siehe Eckert, Otto
(Hg.): Erinnerungen aus den Kriegserlebnissen des Reserve-Feldartillerie-Regiments Nr. 45
(Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 346), Oldenburg 1932, S. 122ff.
272
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt 177, Bl. 41. Es handelt sich um eine
Stärkemeldung der HGr Rupprecht an die OHL vom 16.9.16.
273
Nach MO 1916, Bd. 2, S. 293, verfügte allein die britische [Link] am 15.9. über mehr
als 1.200 Geschütze. Die Geschützzahl lag numerisch auf dem Niveau der deutschen
[Link] bei ihrem Angriff auf den Festungsbereich von Verdun am 21.2.16; siehe RA, Bd.
10, Anlage 1.
274
Siehe TG RIR 211, S. 156ff. Siehe auch Seiler, Reinhard (Bearb.): [Link]
Infanterie-Regiment Nr. 161 (Aus Deutschlands großer Zeit, Heldentaten deutscher
Regimenter, Bd. 109), Zeulenroda 1939, S. 175.
95
275
Siehe RA, Bd. 13, S. 54, Anm. 1. Die Bataillone waren ihrerseits ebenfalls schwächer,
da die Sollstärke von über 1.000 Mann nicht aufrecht zu erhalten war. Legt man den
Durchschnitt für diesen Zeitpunkt auf 850 Mann, hatte eine deutsche Division 7.650
Infanteristen, eine britische aber 12.000.
276
Die individuelle Wahrnehmung der Augenzeugen in den deutschen Abschnitten fiel
offensichtlich verschieden. So findet sich einerseits die Bemerkung eines erst kurz vor
Angriffsbeginn einsetzenden Trommelfeuers, dann wieder die Aussage, daß es seit dem
[Link] ununterbrochen „schwerstes Feuer“ gab; siehe etwa Etzel, Hans (Bearb.):
Das K.B. [Link]-Regiment Wrede (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter,
Bayerische Armee, Bd. 51), Würzburg 1927, S. 89.
277
Siehe TG IR 161, S. 173. Vergleiche Bayerisches Kriegsarchiv (Hg.): Die Bayern im
Großen Kriege 1914-1918. Auf Grund der amtlichen Kriegsakten dargestellt, München
2
1923, S. 284. Dort wird angegeben, daß das Feuer bis 2 Uhr abflaute, um dann ab 6.30 Uhr
wieder zum Trommelfeuer zu werden.
278
Siehe TG [Link] 5, S. 72. Die Uneinheitlichkeit in der Umsetzung des Angriffsplans
bestätigt MO 1916, Bd. 2 auch im Rückgriff auf deutsche Quellen; siehe bspw. S. 312,
Anm. 2, mit dem Hinweis, daß beim [Link] 7 zwei Tanks hinter der stürmenden Infanterie
fuhren.
96
festhalten ließ, daß (Schlacht-) Flieger und Tanks noch während des
Trommelfeuers und deutlich vor der Infanterie angriffen 279 . Bei der
[Link]-Division ([Link]) vor Combles, auf dem östlichen Flügel des
Angriffsstreifens der britischen [Link], traten ebenfalls um 7 Uhr Tanks
auf 280 , denen noch vor der Steigerung des Artilleriefeuers eine Stunde zuvor
Stoßtrupps vorausgegangen waren 281 .
Bei Combles, einem der herausragenden deutschen Stellungspunkte dieser
Phase der Sommeschlacht, sah sich unter vielen anderen deutschen
Soldaten der Führer der [Link] des RIR 28 (12./RIR 28), Leutnant
der Reserve Noak, mit einem der angreifenden Tanks konfrontiert. Nach
erstem erstaunten Zögern, so berichtete er später 282 , erkannte er die Gefahr,
die „das Ding“, feuerspeiend und über „Granattrichter und Minenlöcher“
hinwegfahrend, für seinen Abschnitt bedeutete. Der weibliche Tank, dem er
sich direkt gegenübersah, war eines von zwei Fahrzeugen, die hier
eingesetzt wurden. Nach Darstellung in der Truppengeschichte empfingen
Noaks Leute die feindliche Infanterie mit verheerendem Feuer, während
einer der beiden erkannten Tanks mit Handgranatenwürfen –„boldly
attacked by german bombers“ 283 - auf den Benzintank ausgeschaltet werden
konnte. Der andere Tank unterstütze die angreifende Infanterie mit Feuer
seiner Maschinengewehre über einen Zeitraum von mehreren Stunden
hinweg, ohne daß hier, von Noak und in der Truppengeschichte des RIR 28,
etwas von seinem weiteren Schicksal zu erfahren wäre, oder sein Eingreifen
den letztendlich vergeblichen Angriff auf Combles wesentlich beeinflußt
hätte 284 . Die Truppengeschichte des IR 161 berichtet über diesen ersten
Kontakt mit dem „neuzeitlichen Kriegsmittel“ vor Ort allerdings ergänzend,
279
Siehe TG RIR 211, S. 172. Bemerkenswert ist hierbei, daß ein eigener Angriff des
Regiments vor Courcelette direkt in den britischen Großangriff lief (S. 170).
280
Siehe TG IR 161, S. 173, und Peters, Erich: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 28 im
Weltkrieg 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 206), Berlin 1927, S.
108.
281
Siehe TG RIR 28, S. 108.
282
Die Darstellung folgt Zentner, Christian: Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs,
München 1982, S. 186f.
283
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 309.
284
Siehe TG RIR 28, S. 103ff. Siehe auch MO 1916, Bd. 2, S. 308f.
97
daß zwei -demnach beide- Tanks letztlich in Brand gerieten und von ihren
Besatzungen fluchtartig verlassen wurden 285 . Immerhin hatten beide
Fahrzeuge zumindest noch am Gefecht teilgenommen, was einem Großteil
der andernorts vorhandenen Tanks verwehrt blieb. Noch schlimmer, bei der
britischen [Link] fielen zwei von drei Tanks aus und der verbliebene
Wagen feuerte zeitweise auf die eigene Truppe 286 . Nachdem sein
Kommandant schließlich über die Lage aufgeklärt worden war und der Tank
endlich auf den Feind wirken sollte, erhielt er starkes
Maschinengewehrfeuer, das mit Sondermunition („SmK“), über die noch zu
sprechen sein wird 287 , Treffer und im wahrsten Sinne des Wortes
durchschlagende Wirkung erzielte. Wegen Treibstoffmangels aber mußte
der Tank schließlich umkehren und die angreifende Infanterie dem üblichen
Schicksal im deutschen Abwehrfeuer überlassen 288 . Bei der britischen
Garde-Division, die mit zehn Tanks hatte angreifen sollen, schieden sechs
vor aktiver Beteiligung aus, während die verbliebenen Wagen wenig
Eindruck auf den Gegner machten und zusätzlich noch die Angriffsrichtung
aus den Augen verloren 289 . Die Hauptlast des Kampfes lag auf der
Infanterie, die unter schwersten Verlusten in den bis zur Nacht dauernden
Kämpfen wenig von dem erreichte, was für den Tag vorgesehen war.
Combles blieb in deutscher Hand.
Bei Courcelette, das schwer befestigt die Straße Albert-Bapaume sperrte,
verlief der britische Angriff erfolgreicher, wobei der Anteil der Tanks am
Erfolg deutlich festzustellen ist. Das Kanadische Korps, dem der Angriff
zufiel, wurde von sechs Tanks der C-Kompanie unter Hauptmann Inglis
begleitet, die eingangs als wundersame Neuheiten von den Infanteristen
bestaunt wurden:
285
Siehe TG IR 161, S. 173. Dort wird auch auf die erste Definition der Tanks im
deutschen militärischen Sprachgebrauch verwiesen, die sie als „Panzerautomobile“
titulierte.
286
Siehe auch unten zum Angriff auf den Foureaux-Wald.
287
Siehe Abschn. 4.1.
288
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 310.
289
Siehe ebenda, S. 311f.
98
„How painfully slow it travelled. Down and up the shell holes it clambered, a
weird, ungainly monster, moving relentlessly forward.“ 290
Wie stark ihre Wirkung, gepaart mit dem bis zum Eindringen der Infanterie
wirkenden Artilleriefeuer, war, davon konnte man sich in den genommenen,
mit deutschen Gefallenen angefüllten Gräben augenblicklich überzeugen 291 .
Wie das britische amtliche Werk aussagt, gaben die Tanks den Infanteristen
„a feeling of superiority and security“ 292 . Allerdings hatten nicht alle
Besatzungen Anteil am Erfolg des Tages. Von den sechs Tanks fielen vier
vor eigentlicher Gefechtsberührung aus. Davon waren zwei von Problemen
mit der Lenkung betroffen und blieben in einem Granattrichter
beziehungsweise einem Verbindungsgraben stecken. Ein anderer teilte
später das Schicksal, nachdem er einen Granattreffer auf die Steuerräder
erhalten hatte. Der vierte Tank warf die Kette. Die beiden übriggebliebenen
Fahrzeuge, darunter auch der Wagen Inglis’, der schon vor Angriffsbeginn
ein Steuerrad durch Artillerietreffer verloren hatte, nahmen am Angriff teil:
„Soon after crossing our front line trench a group of about 50 Germans came up
towards the tank, and to surrender.“ 293
290
Private Donald Fraser, 31st Battalion Canadian Infantry; zitiert nach Reed, Paul:
Courcelette (Battleground Europe), Barnsley 1998, S. 47.
291
Ebenda, S. 48: „[…] completely wiped out every Heiny.“ Es handelt sich insgesamt um
eine durchaus anschauliche und „lebendige“ Schilderung moderner Waffenwirkung in den
Worten eines einfachen Soldaten.
292
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 339.
293
Bericht Hauptmann Inglis’; zitiert nach Reed, S. 49.
294
Siehe Reed, S. 50, vgl. Abschn. 3.5.1.
99
zusammen. Ein Urteil über die Verteidiger von Courcelette besagt, daß sie,
abgesehen von den Maschinengewehr-Bedienungen, von minderer Qualität
gewesen seien und schlecht geführt worden waren 295 . In der
Truppengeschichte des RIR 211 wurde hinsichtlich des Ausgangs der
Kämpfe vom Versagen der eigenen Artillerie und dem erfolgreichen
Vordringen des Feindes in die kritischen Bereiche zwischen den
Regimentsabschnitten gesprochen 296 . Das RFAR 45, das Feldartillerie-
Regiment der [Link], hatte demgegenüber nach eigenen Angaben am
[Link] 1916 die gewaltige Zahl von 34.800 Granaten verschossen
und 19 seiner dem Soll-Bestand nach vorhandenen 36 Geschütze
verloren 297 . Sicherlich können diese Zahlen kaum als Anzeichen für
etwaiges „Versagen“ oder mangelnden Kampfeswillen gewertet werden.
Östlich von Courcelette gingen die drei Divisionen des britischen [Link]
zum Angriff gegen den High Wood (Fureaux-Wald) und Martinpuich vor.
Um den Wald zu nehmen, waren vier Tanks als Unterstützung der Infanterie
vorgesehen. Die Überbleibsel des Waldes schienen für einen Tankeinsatz
kaum günstig zu sein, weshalb zwei Fahrzeuge versuchten, sie von Osten
her zu umfassen. Das Resultat war, daß beide die Richtung verloren und
auch hier ein Tank auf eigene Truppen feuerte, bevor er sich festfuhr. Ein
dritter Tank, der den Infanterieangriff im Wald begleitete, wurde zuerst
durch einen deutschen Infanteristen angegangen, der auf das Fahrzeugdeck
geklettert war und ein Besatzungsmitglied mit einer Handwaffe verwunden
konnte, bevor der Wagen durch Artillerietreffer in Brand geschossen
wurde 298 . Der vierte Tank fuhr sich fest. Im Abschnitt westlich des Waldes
gingen zwei Tanks mit einer Brigade der [Link] vor. Sie waren nach
295
Siehe Reed, S. 56.
296
Siehe TG RIR 211, S. 173f.
297
Siehe TG RFAR 45, S. 126. Das Soll des Regiments lag bei 36 Geschützen. Der
Geschützbestand am Morgen des 15.9. ließ sich vom Verfasser nicht belegen. Die Anzahl
verschossener Munition übertrifft die üblichen Tagesraten der Geschütze –siehe bspw. KA,
HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 64: AOK 2 Fussa.B. Nr. 4134/17 vom
7.2.1917- um ein Vielfaches, war aber im sogenannten Großkampf offenkundig nicht
ungewöhnlich. So sind für zwei Divisionen in der Schlacht bei Arras 1917 jeweils über
50.000 Schuß nachgewiesen worden; siehe RA, Bd. 12, S. 252.
298
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 332, und RA, Bd. 11, S. 69, Anm. 1.
100
299
Siehe MO 1916, S. 333f.
300
Siehe ebenda, S. 333f.
301
Siehe ebenda, S. 334f.
302
Siehe TG [Link] 5, S. 72.
101
Bis etwa 8.20 Uhr hatten sich die Verbände der mittleren Angriffsdivision
(41.) auf Flers herangearbeitet, nachdem sich hier die Auflösung jedes
303
Etwa bei der [Link]. auf dem rechten Flügel des Angriffs, wobei ein begleitender Tank
durch deutsche Artillerie bewegungsunfähig geschossen wurde; siehe MO 1916, Bd. 2, S.
319.
304
Siehe TG [Link] 5, S. 72.
305
Zitiert nach MO 1916, Bd. 2, S. 319. Die Stellungsbezeichnungen beziehen sich auf die
ersten deutschen Positionen nördlich und nordöstlich des Delville-Waldes im
Angriffsbereich der brit. [Link].
306
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 320. Switch Line war die deutsche Hauptverteidigungslinie
auf halbem Weg zwischen dem Delville-Wald und Flers.
102
Bis 10 Uhr war der deutsche Widerstand gebrochen, doch an ein weiteres
Vordringen auf das Angriffsziel Gueudecourt war kaum noch zu denken.
Auf deutscher Seite waren die nach vorne befohlenen Ruhebataillone vor
dem Ort, in einem Graben der britischerseits Gird Trench genannt wurde
und als Sperriegel fungierte, in Stellung gegangen 309 . Außerdem setzte jetzt
massives deutsches Artilleriefeuer ein, das den britischen Infanteriestoß mit
zusammengeschmolzenen Truppen im Keim erstickte 310 .
An Tanks kamen aus dem gesamten Gefechtsabschnitt des [Link]
vormittags nur zwei über den Gird Trench hinaus. Beide trafen noch am
Vormittag vor Gueudecourt auf deutsche Feldartillerie 311 . „D.5“ beschoß
die Artilleristen und wartete einige Zeit vergeblich auf die eigene Infanterie,
dann wurde er von den Geschützen südlich des Ortes zerstört. „D.6“ traf
einige hundert Meter westlich davon auf eine Batterie, von der ein Geschütz
ausgeschaltet werden konnte, bevor der Tank selbst abgeschossen wurde.
307
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 323: “Three other tanks (D6, D9, D17) had begun to move
along the eastern edge of the village, smashing machine guns, and spreading panic among
the defenders who survived.”
308
Siehe ebenda, S. 323, siehe auch Heydecker, S. 397f., und Pidgeon, Trevor: The Tanks
At Flers. An Account Of The First Use Of Tanks In War At The Battle Of Flers-
Courcelette. The Somme 15th September 1916, Bd. 1, Cobham 1995, S. 170.
309
Siehe TG [Link] 5, S. 75. Der Befehl für die ab 11 Uhr eintreffenden Bataillone lautete
ursprünglich, einen Gegenangriff auf Flers durchzuführen. Erst am Nachmittag kam es
dazu, erschöpfte sich aber vor Erreichen des Ortes.
310
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 326ff.
311
Siehe ebenda, S. 327ff.
103
Über dieses erste direkte Duell zwischen Tanks und Feldartillerie kursiert
eine Legende, die in direktem Zusammenhang zu den späteren
Ereignissen 312 von Cambrai 1917 steht und auch deshalb von Interesse ist.
Eine Feldartillerie-Batterie unter einem gewissen Freiherrn von Watter soll
auf freiem Feld „bei Flers“ aufgefahren sein und „feuerte in direktem Schuß
auf die Stahlkästen“ 313 . Der einzige dafür in Frage kommende Freiherr von
Watter, Ernst, ein Hauptmann vom FAR 29 314 , dessen [Link] am
[Link] östlich Gueudecourt auch tatsächlich im Einsatz war, ist in
der Truppengeschichte des Regiments für den Ort nicht nachweisbar oder in
einer relevanten Stellenbesetzung genannt. Stattdessen findet sich dort eine
Passage, die sich mit den britischen Angaben zum Verlust von „D.5“ und
„D.6“ halbwegs deckt 315 . Zwei Leutnants des FAR 29, die als
Verbindungsoffiziere bei der Infanterie gewesen waren, trafen bei ihrem
Rückweg auf eine „fast verlassene“ Batterie und bemannten sie. Zwei Tanks
sollen abgeschossen worden sein, wobei allerdings ein Geschütz vernichtet
wurde und einer der beiden Leutnants fiel 316 .
Am Spätnachmittag, als die britischen Versuche, den Angriff in Richtung
auf Gueudecourt zu erneuern, vor allem am deutschen Artilleriefeuer
scheiterten, wurden wahrscheinlich durch das [Link] 12 zwei weitere Tanks
abgeschossen 317 . Einen fünften Abschuß reklamierte das FAR 77 für
sich 318 .
312
Siehe Kap. 9.
313
Siehe Zentner, Christian: Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs, S. 187.
314
Siehe Ehren-Rangliste, S. 986. Der im Zusammenhang mit dem Kap. 9. zu Cambrai
relevante Freiherr von Watter (Kurt, zuletzt Generalmajor und Artillerie-Kommandeur 27)
findet sich auf S. 985. Als Kommandeur der Artillerie der [Link] machte er Erfahrungen mit
der Tankabwehr in der Schlacht bei Arras 1917.
315
Aus MO 1916, Bd. 2, gehen Angaben zu den deutschen Gegnern nur bedingt hervor,
was sicher aufgrund des Schicksals der Tanks und fehlender Zeugen verständlich sein
dürfte.
316
Siehe Gerok (Bearb.): Das 2.württ. Feldartillerie-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von
Bayern“ im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-
1918, Bd. 19), Stuttgart 1921, S. 59.
317
Siehe TG [Link] 5, S. 76. Bei den Fahrzeugen handelte es sich wahrscheinlich um „D.9“
und „D.17“, die vom [Link] 12 zerstört wurden. In dessen Truppengeschichte findet sich
der Hinweis darauf, daß vom Regiment die ersten beiden Tanks des Weltkrieges
104
Am Konzept des Gesamtangriffs mit allen Mitteln wurde auch ohne Tanks
festgehalten und den ganzen Monat auf die bekannte Art und Weise weiter
gekämpft. Die Fortschritte waren allerdings vom selben Typus, den man seit
abgeschossen wurden, doch daran ist aufgrund der zeitlichen Versetzung zu den
Abschüssen von „D.5“ und „D.6“ sowie der Angaben der TG FAR 29 zu zweifeln; siehe
Vereinigung der Offiziere des ehem. Kgl. bayer. [Link]-Regiments (Hg.):
Geschichte des ehemaligen Königlich bayerischen [Link]-Regiments, München
1935, S. 53f.
318
Siehe Benary, Albert (Bearb.): Das Ehrenbuch der ehemaligen Deutschen Feldartillerie,
Berlin 1930, S. 403. Geschildert wird die Vernichtung eines Tanks durch einen Zug der
1./FAR 77 aus der Sicht eines britischen Offiziers und Augenzeugen.
319
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 352.
320
Siry? Laut Ehren-Rangliste, S. 829, 1914 Leutnant im [Link] 2 und Hauptmann im
Reichsheer. Ein Offizier oder Reserveoffizier namens Stry konnte vom Verfasser nicht
nachgewiesen werden.
321
Zitiert nach Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 399.
105
dem Auftakt der Schlacht kannte. Links blieb das Bollwerk Thiepval, rechts
der Anker Combles und im Zentrum der Sperriegel von Gueudecourt in
deutscher Hand.
Daran etwas zu ändern, beabsichtigte der Großangriff ab dem [Link].
In Hinblick auf die Konzeption des Angriffs scheint es für die Beschreibung
zu genügen, daß sie dem Vorbild der Schlacht vom [Link] folgte, mit
ebenso großen Truppenmassen und auf vergleichbarer Breite angelegt
war 322 . 13 Tanks wurden bereitgestellt, doch wie zuvor kam es auch nun
wieder ohne direkte Feindeinwirkung zum Ausfall zahlreicher Fahrzeuge.
Bei Thiepval und vor Gueudecourt kamen insgesamt drei Fahrzeuge zum
Einsatz.
Für den [Link] gibt das britische amtliche Werk an, daß ein Tank,
der Teile der [Link] begleitete, die aus südlicher Richtung in Thiepval
eindrangen, schon durch seine Präsenz dazu beitrug, den Feind zu
demoralisieren und zur Aufgabe zu bringen 323 . Weniger freiwillig endete
dagegen der Widerstand, den die Verteidiger der benachbarten [Link]
entgegensetzten. Im Westteil von Thiepval kam es zu erbitterten
Nahkämpfen und vorrückende Teile wurden mit Maschinengewehrfeuer
aufgehalten. Ein Tank erschien und „crushed all resistance“ 324 . Wie die
Truppengeschichte des IR 180, das Thiepval seit Beginn der Schlacht gegen
alle Angriffe gehalten hatte, gegenteilig aussagt, wurde das Schicksal dieser
Bastion infanteristisch besiegelt, indem es dem Feind gelang, von Süden
und Südosten her einzudringen 325 . Hinsichtlich des zuletzt genannten Tanks,
der laut Truppengeschichte des IR 180 samt begleitender Infanterie
schließlich vor einem intakten Hindernis aufgehalten worden sein soll 326 ,
mag dies zutreffen. Daß der andere Tank, bei der [Link], allerdings
einige Bedeutung hatte, was den schnellen Zugang zum Ort und das
322
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 370ff.
323
Siehe ebenda, S. 403.
324
Siehe ebenda, S. 405.
325
Siehe Vischer (Bearb.): Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914-
1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 9), Stuttgart 1921,
S. 52.
326
Siehe TG IR 180, S. 52.
106
327
Siehe auch Fuller: Tanks, S. 57. Fuller erwähnt hier auch, daß sich beide Tanks später in
Granattrichtern festfuhren.
328
Deutscherseits erfaßt bei Kabisch, Ernst: Gegen englische Panzerdrachen, Stuttgart
1938, S. 10. Eine hinsichtlich Zeit und Ort weniger detaillierte, dafür aber mit allen
Facetten der Authentizität geschmückte Fassung dieser Geschichte findet sich als „ A True
Story Of The Tanks“ von Lance-Corporal Harry Rayner in The War Illustrated,
Amalgamated Press London, vom [Link] 1916, S. 250. (Ferner wird die Zeitung als
TWI zitiert.)
329
Dies mag allerdings darin begründet sein, daß auch von deutscher Seite Geschehnisse im
Trubel der Schlacht nicht überliefert worden sind. Für beide Parteien, Angreifer und
Verteidiger, kann es sich um das tödliche Ende der Beteiligten während der Schlacht, deren
Gefangennahme durch die jeweilige Gegenseite oder langwierige Verwundungen handeln,
welche Stellungnahmen verhinderten. Hinzu kommt, daß sich gerade auf deutscher Seite,
die den Zusammenbruch von 1918 zu verkraften hatte, erst wieder ein Interesse an diesen
„vergeblichen Taten“ langsam entwickeln mußte und diese Begebenheit in der Masse an
gedenkens- und beachtenswert erachteten Geschehnisse unterging.
330
Siehe Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Weltkrieg, S. 288: „Manche Bataillone
bestanden nur noch aus einigen Unteroffizieren und Mannschaften. Aber die Möglichkeit,
sie aus dem Kampf zu ziehen, war [am [Link]] noch nicht gegeben. Die Schlacht
ging weiter.“
107
331
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 384 und Fuller: Tanks, S. 57 (Wiedergabe des entsprechenden
Gefechtsberichts des [Link]).
332
Siehe Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im großen Kriege, S. 288. Die im Anschluß
an das Zitat zu findende Aussage, daß andere bayerische Einheiten durch einen Tankangriff
am Nachmittag zum Rückzug gezwungen wurden, findet in den britischen Darstellungen
keine Entsprechung.
333
Siehe Fuller: Tanks, S. 58.
108
Schlamm stecken, doch so nah am Feind, daß wenigstens einer mit Kanonen
und Maschinengewehren in den Kampf eingreifen konnte. Das direkte
Resultat war die Gefangennahme der erstaunlich großen Anzahl von 400
deutschen Soldaten 334 . Diese Episode wurde von Fuller später als
„Gefangennahme der 400“ durch die insgesamt 16 Mann starke Besatzung
der beiden Tanks damit als ein herausragendes Ereignis geschildert. Und
dies hat in der Feuerwirkung des einen Fahrzeugs sicherlich die
Berechtigung zur Anerkennung als ein erstes, bemerkenswertes und
ernstzunehmendes Beispiel effektiver psychologischer und taktischer
Wirkung der neuen Waffe auf den Feind 335 .
Die Meinungen über die ersten Kampfeinsätze von Tanks an der Somme
1916 variieren stark. Dabei ist festzustellen, daß der Zeitpunkt und
Standpunkt des Betrachters in den letzten Jahrzehnten von
ausschlaggebender Bedeutung für die Interpretation der Vorkommnisse war,
was sich nahezu von selbst schon aus dem Informationsgrad, der Quantität
und Qualität der Informationen, wenn nicht grundsätzlich aus der Intention
des Schreibenden ergab. Ein Paradebeispiel hierfür liefert Eisgrubers
„Achtung-Tanks!“ 336 , ein pseudoauthentisches Machwerk der späten 30er
Jahre, das durch Pathos und ungehemmtes Spiel mit den historischen
Gegebenheiten ein patriotisch-national verklärtes Bild des Kampfes von
„Männern gegen Maschinen“ schuf. Die schon bei Kabisch 337 zu findende
334
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 505f.
335
Siehe Fuller: Tanks, S. 58. Fuller verschwieg dabei allerdings, daß Teile eines
nordirischen Bataillons die Gefangennahme tatkräftigt unterstützten; siehe MO 1916, Bd. 2,
S. 506.
336
Eisgruber, Heinz: Achtung- Tanks! Berlin 1939.
337
Kabisch: Gegen englische Tankdrachen (1938). Hier ist die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem Phänomen Tank im Abgleich von deutschen und britischen
Informationsquellen noch deutlich wahrzunehmen. Obwohl Kabisch das Buch eigenen
Aussagen nach als Jugendbuch für „Knaben im Alter von 12-15 Jahren“ dachte und sich
dieser Anspruch in der lebendigen Darstellung und einem martialischen Grundtenor im
Sinne eines Appells an die Jugend zum Nacheifern widerspiegelt, bemühte sich Kabisch
offenbar ernsthaft um die Feststellung von Fakten. Für das Fallbeispiel Cambrai 1917
109
wurde er etwa bei der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres vorstellig und
bat höflichst und erfolgreich um die Überlassung des Berichts des Kommandeurs der
[Link]; siehe BA-MA, RH 61/51766: Anfrage Kabischs an die Kriegsgeschichtliche
Forschungsanstalt des Heeres vom 2.6.1937.
338
Siehe Eisgruber: Achtung- Tanks! S. 50ff.
339
Siehe ebenda, S. 52f.
340
Siehe Keegan, S. 416 siehe auch Johnson, Stalemate, S. 81.
341
Siehe vor allem Muther, S. 63 und 113f., der sich dieses generellen Vorwurfs besonders
hinsichtlich der Sommeschlacht von 1916 widmete und ihm widersprach.
110
Die Sommeschlacht von 1916 endete, ohne daß die Tanks an ihrem
Ausgang einen größeren Anteil hatten. Auch die Operationen, an denen die
Tanks beteiligt waren, mußten als marginale Siege gelten, weil Ziele nur
bedingt erreicht und so blutig wie oft zuvor erkauft worden waren. Auch die
4.000 Gefangenen des [Link] machten im Gesamtmaßstab kaum
etwas aus, noch weniger die genommenen deutschen Stellungen und die
Eroberung einiger Dorftrümmer. Daran schuld, so wurde vielfach später
gesagt 343 , war, was die Tanks angeht, vor allem ihre geringe Zahl. Diesem
Gedanken ist unschwer zu folgen, bedenkt man die geographische und
zeitliche Ausdehnung der Schlacht und legt der Annahme noch nicht einmal
zugrunde, daß ein unbestimmtes Mehr an Tanks den augenblicklichen
Kollaps der deutschen Westfront nach sich gezogen hätte 344 .
Von den 36 Tanks, die am [Link] ihre Sturmausgangsstellungen
verließen, hatte nur ein geringer Teil aktiv in die Kämpfe eingreifen können.
Von diesen minimal neun, maximal 27 Fahrzeugen, die nach teilweise sehr
eigenwilligen Berechnungen diverser Autoren angeführt werden können 345 ,
342
Siehe Abschn. 1.2.1.
343
Siehe Heydecker, S. 399, vergleiche Kabisch, Ernst: Somme 1916, Berlin 1937, S. 165f.
344
Siehe dazu Pidgeon,: Flers-Courcelette, S. 205. Der Autor bezieht sich auf die
ungenutzte Möglichkeit, die noch im Vereinigten Königreich vorhandenen Kräfte für den
ersten Angriff einzusetzen und formulierte: „The 25 tanks of A company which arrived in
France just too late to take part might have made a difference to the outcome of the battle
had it been possible to delay this, but it was not.“
345
Siehe ebenda: „ It is our [the author’s] view that they [the tanks] achieved much,
certainly more than they are normally given credit for. The German records testify to this,
for they contain numerous references to the heavy losses caused by tanks enfilading
trenches and crushing strong points. The British records, no doubt for reasons peculiary
British, dwell at least as much on the shortcomings of the machine. The most widely quoted
‘score-cards’ claim that of 49 tanks available, no more than 36 reached their starting ponts
111
and only 9 moved ahead of the infantry. The reality, as usual, is a litte more complex. The
figure of 36 is certainly correct but data contained in original documents indicates that,
quite apart from those tanks in the canadian sector which were ordered not to precede the
infantry, as many as 17 may be have advanced ahead of them at some stage [!] of the
attack. The total could be as high as 22. [… .] On the 15th, a total of 27 tanks reached the
German front line, […].“
346
Zwei vor Combles, zwei am Foureaux-Wald und fünf vor Gueudecourt.
347
Zudem waren die Auswirkungen verschieden und differierten zwischen Fahrzeugbrand,
wie bei einem Tank am Foureaux-Wald, und einer minimalen Behinderung, wie sie an
Inglis’ Tank durch Verlust eines Steuerrads auftrat; siehe Abschn. 3.3.
348
Siehe Pidgeon: Flers-Coucelette, S. 206.
349
Siehe The War Illustrated, [Link] 1916, S. 250: „It was like the old tale of a snail
who climbed up the side of a wall three feet and then slipped back two feet. That was
exactly what was happening and every time `Black Bertha´ made a big dash and climbed
partly up the crater side, only to slip back as soon as her stroke was exhausted, we nearly
convulsed with laughter.” Augenzeugenbericht des Lance-Corporal Rayner.
350
Moderne Kampfpanzer liegen etwa bei über 20 bis knapp 30 Ps/t. Selbst ein kaum als
beweglich zu beschreibender deutscher Tiger (P) „Ferdinand“ bzw. “Elefant“ des Zweiten
Weltkriegs lag um 10 Ps/t.
112
351
Siehe Smithers: Excalibur, S. 78. Eine vom Tank Corps im Vorfeld der Kämpfe von
Cambrai 1917 herausgegebene Schrift verwies darauf, daß noch beim verbesserten
Schalldämpfer des damals gebrauchten Mark IV Tanks Fahrtgeräusche in 227m Entfernung
wahrgenommen werden konnten, sofern sie nicht durch Maschinengewehr- oder
Artilleriefeuer überlagert wurden; siehe Borchert, Martin: Der Kampf gegen Tanks.
Dargestellt an den Ereignissen der Doppelschlacht bei Cambrai, Berlin 1931, S. 27.
352
Siehe Smithers: Excalibur, S. 78.
353
Siehe ebenda, S 76ff.
354
Siehe ebenda, S. 78f. Wie hier angeführt wird, ließ Stern bei den Franzosen und in den
USA nach Motorenalternativen suchen, war jedoch erfolglos.
355
Siehe Wright, S. 48.
113
Das, was bei Treffern mit der Besatzung geschah, wurde scheinbar nicht nur
in der Presse nicht thematisiert, sondern von der Führung möglicherweise
sogar als unabänderbar hingenommen. Beschreibungen über das Ende eines
Tanks und seiner Insassen aus deutscher Feder -oder durch deutsche
Aufnahmen dokumentiert 357 - legen jedenfalls nahe, daß es sich beim Tod
im Tank um ein elendiges Sterben als „lebendige Fackel“ handelte, dem als
Alternative das Verenden am Tank, im Kugelhagel, gegenüberstand. Der
Wirkung kleinerer Geschosse, etwa der SmK-Sondermunition, welcher am
[Link] zumindest ein Tank bei der [Link] begegnet war 358 , in
Hinsicht auf eine verschiedenartig verursachte Splitterwirkung im
Fahrzeug 359 , wie sie sich etwa auch durch das Bersten der gläsernen
Periskope ergeben konnte, setzte man simple Lösungen entgegen.
Sonderbekleidung für Tankbesatzungen, deren Erscheinungsformen sich für
den Rest des Krieges auf beiden Seiten schließlich als visuelle Reminiszenz
356
Zitiert nach Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 25, S. 206. Der schweizerische
Zeitungsbericht wurde am 6.8.1917 durch die Frankfurter Zeitung in Deutschland publik
gemacht und bezieht sich wahrscheinlich auf den ersten Kampfeinsatz von Panzern des
Typs [Link] bei Laffaux am 5.5.1917. Zu den Einsatzbedingungen siehe auch
Fletcher: Tanks and Trenches sowie Perret, S. 39f.
357
Siehe etwa die Aufnahmen in Rex, Hermann: Der Weltkrieg in seiner rauhen
Wirklichkeit. Das Frontkämpferwerk. 600 Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und
Filmamtes und des Kriegsphotographen Hermann Rex, Oberammergau 1926.
358
Siehe Abschn. 3.3. und zum Hintergrund der SmK-Munition Abschn. 4.3.
359
Siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 16, mit dem Bericht von Lt. Hufham zum
15.9.1916: „They never fired again, both gunners were dead I believe, several bullets and
small shells had penetrated our armour plate, […].”
114
360
Siehe Perrett, S. 41.
361
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 371.
115
zu beheben war 362 , war die Tatsache, daß das Personal bislang keine
Gefechtserfahrung im Verband, teilweise auch gar keine, was den einzelnen
Mann anging 363 , besaß. Dieser Faktor galt nicht nur für die kämpfenden
Teile, sondern auch für die Instandsetzung und Versorgung, die erstmals mit
den Einsatzszenarien in einer –dazu noch gigantischen- Schlacht
konfrontiert waren 364 . Die Überlebenden des Tank Detachment sicherten
diesbezüglich zweifelsfrei einen „Erfahrungspool“, der sich später positiv
auswirken konnte. Die Zusammenarbeit zwischen Tanks und den
traditionellen Waffengattungen steckte noch in den Kinderschuhen 365 . Von
den von Fuller angegebenen, aber in seinen Memoiren leider nicht genauer
definierten besonderen Vorkehrungen zum Tankeinsatz im November 1916
einmal abgesehen, fehlt der Hinweis auf ein intensives Trainieren der
Kooperation oder des „Gefechts der verbundenen Waffen“ nach späterem
Verständnis. Gerade für Infanterie und Tanks, die der Einsatzgrundlage und
der Logik nach am engsten zusammenarbeiten mußten, fehlten
Erfahrungswerte 366 . Schuld an diesem Versäumnis muß nach
Menschenverständnis die geringe Anzahl Fahrzeuge und die Kriegslage, die
kaum Raum für intensive Fühlungnahme zwischen den Waffengattungen
lassen konnte, sein. Vor allem, weil die knappe Präsenzzeit des Tank
Detachment in Frankreich vor der Schlacht für „dynamische Waffenshows“
verbraucht wurde 367 .
Wenn man so will, war der erste Tankeinsatz ein empirisches Experiment,
forciert vollzogen und vordergründig wenig erfolgreich. Es bot keinen
Anlaß, am bisherigen Angriffsverfahren und den „normal tactical
methods“ 368 irgend etwas zu ändern. Wenn Haig am [Link] trotzdem
362
Siehe Fuller: Tanks, S. 59: „Further it must be remembered that, whatever tests are
carried out under peace conditions, the only true test of efficiency is war, consequently the
final test a machine or weapon should get is its first battle […].” Siehe auch MO 1916, Bd.
2, S. 365.
363
Siehe Liddle: Somme, S. 106.
364
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 365.
365
Siehe ebenda, S. 364f.
366
Siehe Pidgeon: Flers-Courcelette, S. 205.
367
Siehe Abschn. 2.3.
368
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 367.
116
1.000 zusätzliche Tanks in Auftrag geben ließ, dann wegen der Hilfe,
welche die neue Waffe als reine Infanterieunterstützung 369 für seine Art der
Kriegführung bedeuten konnte. Es ist nicht klar, inwieweit er die später von
Fuller als Lehren 370 definierten Erfahrungen erkannt hatte oder sie ihm
überhaupt dargelegt wurden 371 . Doch fest steht, daß aus den Tankeinsätzen
an der Somme etwas hervorging, daß ihn ungeachtet der propagandistischen
Aufarbeitung und trotz einiger Skepsis in seinem Umfeld bei Stäben und in
der Heimat am Tank festhalten ließ. Tatsächlich war diese Skepsis
offensichtlich weit verbreitet 372 und bedingte sogar die Annullierung des
gewünschten Bauauftrages, die nur durch direkte Intervention Sterns bei
Lloyd George, dem dieser Vorgang trotz seiner herausragenden Funktion als
Vorsitzender des Kriegsrates nicht bekannt geworden war, rückgängig
gemacht werden konnte 373 .
Deutlich positive Auswirkungen hatten Tanks auf die Psyche der Truppe 374 .
Wie Wright im bezeichnenderweise „Big Joke“ betitelten Kapitel
darstellte 375 , vermittelten das neue Kriegsmittel, seine Eigenartigkeit und
das Wissen um seine Existenz allein auf der eigenen Seite ein
bemerkenswertes Glücks- und Überlegenheitsgefühl. Dieses wirkte, wie das
britische amtliche Werk einschränkend aussagt 376 , effektiv zwar nur zeitlich
begrenzt auf die eigene Infanterie, etwa bis sie sich in den altbekannten
369
Siehe ebenda, S. 367, siehe auch Larson: Armored Warfare, S. 58.
370
Siehe Fuller: Tanks, S. 58f.
371
Fuller formulierte später im Zusammenhang mit den Tankeinsätzen bei Arras und in
Flandern 1917 harsche Kritik am fehlenden Verstand und Gespür des Oberbefehlshabers
gegenüber der neuen revolutionären Waffen und bezweifelte, daß man im Großen
Hauptquartier die entsprechenden Berichte überhaupt las; siehe Fuller: Erinnerungen, S.
101f.
372
Siehe Larson: Armored Warfare, S. 58: „The army’s reaction to the day’s work
[15.9.1916] was generally negative.”
373
Siehe Cooper: Cambrai, S. 45 und Larson: Armored Warfare, S. 58.
374
Diese Wirkung sollte sich später auch auf deutscher Seite, beim Gebrauch eigener
Panzerwagen, einstellen: „Eigene Panzerwagen, auch beim Auftreten in geringer Zahl,
stärken die Moral der Infanterie im Gefecht außerordentlich.“ Siehe KA, HGr Rupprecht,
Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0119: AOK 17 Iabl Nr. 7816 op. vom 7.9.1918, Ziff. b).
375
Siehe Wright, S. 38ff.
376
Siehe MO 1916, Bd. 2, S.
117
Der Vergleich des Tanks mit dem biblischen Untier Behemoth 380 ist
bemerkenswert und liegt am Anfang einer Kette von oftmals
mystifizierenden und mythologisierenden Gleichsetzungen, die sich bis
heute im Zusammenhang mit den Tanks gehalten hat 381 . Viel wesentlicher
aber ist, daß diese Passage nicht allein die Wirkung der Tanks auf die eigene
377
Siehe dazu besonders Tate: The Culture of the Tank, S. 70ff.
378
Siehe etwa TWI vom [Link] 1916, S. 179ff.: „The Battle of the `Tanks´”. Es wird
vom Einsatz des Tanks “Creme de Menthe” bei Courcelette berichtet.
379
Siehe ebenda, S. 182.
380
Siehe H[Link] dort steht u.a., daß der
Begriff „Behemoth“ auf jedes große, kräftige und unbekannte Wesen angewendet werden
kann, aus dem Hebräischen stammt und Plural von „Biest“ sei.
381
Ein Beispiel ist die von Smithers im Buchtitel vorgenommene Verknüpfung zwischen
der Bedeutung der Siegfriedsage sicherlich gleichzusetzenden, urenglischen Artuslegende
und dem Tank als „A New Excalibur“. Auf deutscher Seite fallen Bezüge zur Siegfriedsage
auf.
118
Truppe schildert, sondern auch diejenige auf den Feind. Tanks ohne
Bindung an die Infanterie waren dem deutschen Abwehrfeuer offensichtlich
unterlegen gewesen. Dort aber, wo die beiden eng verbunden kämpften,
namentlich in Flers und noch deutlicher am [Link] und am
[Link], war die Wirkung trotz ihrer geringen Zahl groß 382 . Die
Berichte, die Anfang Oktober 1916 das Hauptquartier Haigs erreichten,
bestätigten diese Einschätzung des Tanks insofern, als daß „in dealing with
strongpoints and villages when the infantry was held up it had an undoubted
value.“ 383 In diesen Fällen ist von Panik an zahlreichen Stellen die Rede und
der Eindruck, daß die ersten Tanks am [Link] (zumindest) bei
„vielen deutschen Soldaten Panik“ verursachten 384 , ist bis heute mit ihrem
ersten Einsatz und dem Namen Flers verbunden 385 . Hierzu kann man
einschränkend sagen, daß sich Beispiele für geradezu suizidgleiche
Tapferkeit und Flucht- und Paniksymptome die Waage halten, was im
britischen amtlichen Werk (1938) andeutungsweise auch eingeräumt
wurde 386 . Wenn am [Link] „Panik“ auftrat, dann sicherlich als Folge
der Verknüpfung von Umständen, deren Wirkung menschlich zutiefst
verständlich ist und den neuartigen Tank lediglich als „Tüpfelchen auf dem
382
Cooper: Cambrai, S. 44, schrieb: „The smart part played by the tanks, however
successful on a local scale, was overlooked in the general sense of failure.“ Von dieser
Einschätzung ausgenommen blieb nach Cooper Haig; siehe S. 45.
383
Zitiert nach MO 1916, Bd. 2, S. 367. Die Passage bezieht sich auf die Einschätzungen
Rawlinsons.
384
Siehe H[Link] oder
H[Link] (Seiten des
Panzermuseums Munster).
385
Daran beteiligt ist mit allergrößter Sicherheit auch die Vehemenz, mit der die britische
Presse die Erfolge der Tanks von 1916 ausschlachtete. Ein Paradebeispiel dafür von 1917
ist Philip Gibbs Artikel „The Germans on the Somme“ aus dem Daily Chronicle; siehe
H[Link] .
386
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 363: „The Germans fought bravely and well […]. Some
surrenders, it is true, were induced by the great havoc wrought by the British bombardment,
and local panics were caused by individual tanks; but there was no sign of widespread
demoralization.”
119
387
Auch Fuller attestiert dem Tank eine vor allem moralisch destruktive Wirkung, die
nichts mit den Gefechtsleistungen gemein hat: „... we find exactly the same lowering of
moral by self-suggested fear [!], fear based on the inability to overcome the danger.“ Dies
schrieb er über die Wirkung deutscher Tankangriffe auf britische Truppen 1918, aber ohne
den Gebrauch des Panikbegriffs; siehe Fuller: Tanks, S. 215.
388
Siehe Kap. 9., 11. und 12.
389
Siehe „Angststörungen und Phobien. Definition von Ängsten, Panikattacken und
Phobien“ unter H[Link] .
390
Siehe Fuller: Tanks, S. 56ff.
391
Siehe ebenda, S. 58.
120
die Bedeutung der ersten Tankeinsätze für die britische Seite nur mit
größtem zeitlichen Abstand und in Kenntnis über den weiteren Verlauf der
Evolutionsgeschichte des Panzers anschließen. Die eigentliche Begründung
für das Weiterverfolgen der Tankidee durch Haig trotz aller Widerstände ist
jedenfalls in einem Element zu erblicken, das mit den bisher angewandten
„normal tactical methods“ verbunden war, weniger mit
Einsatzmöglichkeiten eines zukünftigen „Tank Corps“ oder gar einer
„Panzerwaffe“ nach den theoretischen Vorstellungen der 20er und frühen
30er Jahre. Der Tank war, unabhängig von jedem Aspekt, der ihn
alleinagierend als erfolgreich auswies, ein den üblichen Waffenkanon
begleitendes Instrument, welches das Leben von Infanteristen, im
Zweifelsfall Wählern und Staatsbürgern, auf die eine übergeordnete
politische Führung immer stärker ihre Hand legte, schonen konnte 392 .
Lediglich rüstungstechnisch anspruchsvoll, personell gegenüber dem Faktor
mobiler Feuerkraft geradezu billig, war das neue Kriegsgerät dazu in der
Lage, wenigstens punktuell sein taktisches Gewicht in einem günstigen
Verhältnis zwischen Kosten und Wirkung in die Waagschale werfen zu
können 393 .
Das größte Problem für die deutsche Seite war die Informationsbeschaffung.
Dieser auf den ersten Blick banale Punkt, der nur von wenigen
Historiographen überhaupt gewürdigt wurde, mußte die allergrößte
Bedeutung für eine Bewertung der folgenden Handlungen und die
Unterstellung eines „Versagens“ der deutschen Führung haben. Heydecker
kam nach offensichtlich recht oberflächlicher Beurteilung der allgemeinen
Umstände und mit der Hilfe des Artikels eines Kriegsberichterstatters 394 zu
dem Schluß, daß die deutschen Befehlsstellen schon direkt um den
392
Siehe Smithers: Excalibur, S. 74, und Griffith: Battle Tactics, S. 58.
393
Um ein Beispiel anzufügen, das Haig zweifelsfrei bekannt wurde, genügt es, darauf zu
verweisen, daß die drei Tanks, die Flers am 15.9.1916 umgingen und flankierend wirkten,
lediglich 24 Mann Besatzung hatten, aber gleichzeitig mindestens die Feuerkraft einer
geschlossenen Maschinengewehrkompanie repräsentierten; siehe Abschn. 3.3.
394
Es handelte sich um den weiter unten angeführten Bericht Dammerts.
121
395
Siehe Heydecker, S. 398.
396
In den „Erfahrungen aus der Sommeschlacht“ der OHL wurde auf Tanks nicht
eingegangen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 17: Chef d.
Genst. d. Feldheeres, Ia/Ib Nr. 175 geh. op. vom 25.9.16. Spätere Erfahrungsberichte, die
sich mit der Sommeschlacht befaßten und durch die OHL verbreitet wurden, widmeten sich
dem Aspekt ebenfalls nicht; siehe BA-MA, PH 5 II/350 mit dem Kommentar des AOK 5 zu
den Erfahrungen der [Link].
397
Zu diesen Problemen siehe Pidgeon: Flers-Courcelette, 186ff. Der Autor gibt, u.v.a.
höchst interessanten und für den Erkenntnisgewinn der deutschen Führung unterhalb der
Ebene des AOK 6 relevanten Dokumenten, den ersten Bericht des NO AOK 6 über eine
Gefangenenbefragung wieder (S. 187).
398
Die 3. und [Link] waren nach dem Verlust von ca. 5.400 bzw. 6.000 Mann am 17.9
abgelöst und ab 20.9. der [Link] zugeteilt worden; siehe RA, Bd. 10, Anlage 3, S. 10, Nr.
68 u. 69. Es liegt also auf der Hand, daß die Berichte zum Auftreten der Tanks beim AOK
6 eingingen.
122
Inwieweit der Gebrauch des Begriffes „Panik“ allein auf die erhebliche
Anzahl Gefangener während der Kämpfe Mitte September und nicht auf
eine Analyse der lokalen Vorkommnisse zurückzuführen ist, muß unklar
bleiben 403 . Dessen ungeachtet ist primär zu attestieren, daß das AOK 6 den
Tanks durch die Faktoren Überraschung und moralische Wirkung auf die
eigene Truppe eine durchaus ernstzunehmende Wirkung zusprach. Das
AOK 6 war mit dieser Sichtweise nicht allein, wie durch die Tatsache belegt
wird, daß die OHL, ebenfalls am [Link], der Heeresgruppe Kronprinz
befahl, die Infanterie-Geschütz-Batterie Nr. 1 (3,7cm Kanonen) an das AOK
1 an der Somme zu überweisen. Der Verwendungszweck der Batterie war
zudem eindeutig beziehungsweise der Gefährdung durch die neue Waffe des
399
KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 24: AOK 6, Ia. Nr. 70450 vom
5.10.16, Ziff. I.
400
Siehe ebenda.
401
Vergleiche den Bericht des Lt. d. R. Noack in Abschn. 3.3.
402
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 24: AOK 6, Ia. Nr. 70450,
Ziff. II.
403
„Be that as it may, the reaction of troops on the ground to the tanks’ appearance seems
to have varied from place to place and from unit to unit, indeed from man to man, as one
might expect. There were somme surprising scenes of great bravery, as in High Wood
against D13, and there were scenes of panic, as the [german] High Command later
conceded.“ Zitiert nach Pidgeon: Flers-Courcelette, S. 186.
123
404
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 124: HGr Rupprecht Ia 771 g. Art.
vom 5.10.1916.
405
Siehe ebenda, Bl. 119-118: HGr Rupprecht Ia Art. I 749 g.
406
Siehe ebenda, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 36: HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 1126
vom 15.10.1916.
407
Siehe ebenda, Ziff. 1 und Skizzen-Anlage 1.
408
Siehe Abschn. 3.3.
124
Der zweite Tanktyp 409 (II) erinnert nur in bescheidenstem Ausmaß an das
Original. Auffällig ist allerdings, daß keinerlei Räder am Heck, stattdessen
aber ein durch Zahnräder angetriebener, umlaufender „Radgürtel“,
verzeichnet wurde. Möglicherweise kam dieser Typus durch Beobachtung
eines weit von den Beobachtern entfernten, an- oder abgeschossenen
Fahrzeuges zustande, was die angenommenen Abmessungen des Tanks, das
Kaliber der beiden mitgeführten Geschütze mit bis zu 7,5cm und eine
Panzerung von 2,5cm erklären mag. Ein Fahrzeug diesen Typs, so wurde in
einer knappen Behandlung der Bekämpfungsmöglichkeiten gesagt, soll auf
5,5km durch eine 10cm Kanonen-Batterie mit großer Wirkung beschossen
worden sein, was die Qualitäten der Fußartillerie-Geschütze für die
Tankbekämpfung unterstrich 410 . Neben diesen würde die Verwendung
vorgeschobener Feldgeschütze und kleinkalibriger „Marine-
Landungsgeschütze“ bei der zukünftigen Bekämpfung in Betracht gezogen
werden.
Am [Link] 411 wurde durch die Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht eine
Art Zusatzerklärung zu den bisherigen Berichten über „englische
Kampfwagen“ veröffentlicht, die der Gesamtheit bis dahin eingereichter
Berichte einen im nachhinein ziemlich kuriosen Tribut zollte. Zwar hatte
man aus Gefangenenverhören die Tarnbezeichnung „Tank“ erfahren, was
der deutschen Sprache für etwa zwanzig Jahre neue Wortschöpfungen
bescheren sollte, und man hatte sogar einen Hinweis auf den technischen
Ursprung der „Tank’s“ (sic!) durch die Bezeichnung als „Cater Pillars“
bekommen, doch ungeachtet dessen kamen nun zwei zusätzliche Typen
eingesetzter Fahrzeuge zutage, welche die Schere zwischen Phantasie und
Realität noch stärker auseinanderklaffen ließen.
409
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 36, Ziff. 2 und Skizzen-
Anlage 2.
410
Siehe ebenda, Ziff. 2: „Zur Bekämpfung auf weitere Entfernungen erscheinen ausser
Feldartillerie besonders auch 10cm und s.F.H. Batterien geeignet.“
411
Siehe ebenda, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia Art.I Nr. 1248 vom 21.10.1916. In der
Zweitüberlieferung in HStAS, M 33/2, Bü. 307 findet sich als Verteiler AOK 4 Fussa. Nr.
192.16.I. Das Dokument erreichte am 4.11.1916 das GK [Link] und seine unterstellten
Divisionen.
125
Der erste Typ 412 (III) kommt dem Original dem Eindruck und den heute
verifizierbaren Informationen nach am nächsten und hatte äußerlich
Ähnlichkeit mit dem früher genannten, neun Meter langen Riesen-Tank des
Typ I. Abgesehen von den diesmal zu gering bemessenen Dimensionen des
Fahrzeuges 413 waren das Paar hinterer Steuerräder, die umlaufenden
Gleisketten, die seitlichen Waffengondeln, die Art der Bewaffnung eines
„männlichen“ Mark I, der „100 PS Petroleum-Motor“, die Besatzung mit
einem Offizier und sieben Mann, ja sogar mitgeführte Brieftauben erkannt
worden.
Im deutlichsten Gegensatz zu diesem Fortschritt in der Tankerkennung
findet sich als zweiter Typ 414 (IV) eine Art gepanzertes „Ei“. Dieses
erschien in der Skizze als –vermutlich- dreirädriges Radfahrzeug mit vorne
angebrachten Kufen und wenigstens einem hinteren Rad, das sich im Sinne
eines Schaufelrads in den Boden gegraben haben soll, um den Tank
vorwärts zu bewegen. Laut den von einem hervorragenden Chronisten des
ersten Tankeinsatzes, Pidgeon, 1995 publizierten Informationen, handelte es
sich bei diesem „Ei“ um das Ergebnis der Beobachtungen eines
Vizefeldwebels am [Link] 1916 415 .
Die verschiedenartige Ausführung und die Eiform des „englischen
Kampfkraftwagens“ kursierte noch einige Zeit 416 . Deshalb ist es auch zur
Illustration der Schwierigkeiten, denen sich die deutsche Seite bei der
Aufklärung des Mysteriums Tank gegenübersah, nicht unbegründet, auf
diese Informationen näher einzugehen. Bei den letzten Kämpfen um
Thiepval Ende September 1916 traten, wie oben berichtet wurde 417 , zwei
412
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia
Art.I Nr. 1248 vom 21.10.1916, Ziff. 1 und Anlage 1.
413
4,5m Länge, 3m Breite über alles und eine Höhe von 3m bis zum Fahrzeugdach.
414
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia
Art.I Nr. 1248 vom 21.10.1916, Ziff. 2 und Anlage 2.
415
Siehe Pidgeon: Flers-Courcelette, S. 191.
416
Vom Zeitpunkt her die späteste Bezugnahme, die hinsichtlich verschiedener britischer
Tanktypen 1916/17 auffindbar war, findet sich in Frerk, Friedrich: Arrasschlacht, Aisne-
und Champagnefront, Leipzig/Siegen 1917, S. 121f. Das patriotisch-pathetisch
überfrachtete „Durchhalte-Büchlein“ erschien nach dem [Link] 1917 (siehe ebenda, S. 158).
417
Siehe Abschn. 3.3.
126
Tanks aktiv auf. Über einen liegt ein Bericht des IR 180 vor 418 , der
offensichtlich seine Zeit brauchte, um bis zur Heeresgruppe
vorzudringen 419 . Der Kommandeur des IR 180 schilderte in einem Bericht
vom [Link], daß sich am britischen Angriff vom [Link] 1916 ein
sehr langsames und bei Granattrichtern stockendes „Panzerautomobil“
beteiligt hatte:
„Länge des Panzerautomobils 5-6m. Seine Gestalt war eiförmig. Auf dem
Automobil war ein viereckiger, niedriger Aufsatz, aus dem die M.G. feuerten. Zahl
derselben konnte nicht festgestellt werden. Vor dem Panzerautomobil befanden sich
Schaufeln, die die Erde beiseite schafften. Ueber die Art der Fortbewegung des
Panzerautomobils können die Augenzeugen keine Angaben machen.“
Dies galt ebenfalls für die Annahme, daß vom Fahrzeug aus Minen
verschossen wurden und ihm bis zu 40 Soldaten entstiegen waren.
Ein vergleichbares Bild, für dessen Zustandekommen vom Verfasser keine
näheren Erklärungen gefunden werden konnten, welches aber
unüberschaubar Parallelen zum Bericht des IR 180 und dem „Ei“, Typ IV,
vom [Link] aufweist, bot ein am [Link] 1916 veröffentlichter
Artikel des Kriegsberichterstatters Dr. Dammert im „Stuttgarter Neues
Tageblatt“ 420 . Hierin wurde über die zwischen Combles und Thiepval
aufgetretenen Panzerkraftwagen gesagt, daß sie „meist die Form eines Eies“
hatten 421 . Sie bewegten sich auf Kettenbändern fort und wurden durch ein
am hinteren Ende des Wagens angebrachtes „Schwanzstück, dessen Räder
sich mit Wucht in die Grabenwand einwühlen und so das Geheuse
ruckweise vorwärts schieben“, gesteuert und bewegt 422 . Der Benzinmotor
wurde ebenfalls genannt. Auf die Unterscheidung zwischen männlicher und
418
Siehe HStAS, M 99, Bü. 142, Bl. 833: IR 180 I Nr. 427 vom 4.10.1916.
419
Da die „Eiform“ hier erstmals genannt ist, scheint der Bericht einen interessanten
Indikator für die Zeit, die Meldungen der Truppe an höhere oder höchste Dienststellen
brauchten, zu bieten.
420
Zitiert nach Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 19, S. 109ff.: „Die Panzerkraftwagen
(Tanks) in der Sommeschlacht.“ Ob der Verfasser des Zeitungsartikels, Dr. R. Dammert,
Augenzeuge war, er seine Informationen aus der Auslandspresse synthetisierte oder durch
deutsche Stäbe informiert wurde, muß unklar bleiben. Vergleiche Heydecker, S. 398.
421
Siehe Dammert: Panzerkraftwagen, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 19, S. 110.
422
Siehe ebenda.
127
423
Siehe ebenda.
424
Pidgeon zitierte die möglicherweise erste Gefangenenbefragung, wobei das
entsprechende Dokument des NO AOK 6 vom 18.9.1916 angab, es handele sich um einen
Angehörigen des MMGC. Ob es ein „Monteur“ war, bleibt fragwürdig. Siehe Pidgeon:
Flers-Courcelette, S. 187.
425
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia
Art.I Nr. 1248 vom 21.10.1916, Abschnitt „Bekämpfung“.
128
426
Siehe ebenda.
427
Zu diesem Ergebnis kam auch Pidgeon, der sich, wie bereits angeführt, der deutschen
Archivalien zum Sachverhalt in vorbildlicher Weise angenommen und sie in einem „The
German View“ benannten Kapitel ausgewertet hat: „The threat posed by the first tanks was
therefore not underestimated and it was still being closely analysed, and methods of
combating it were being studied, well into 1917.“ Zitiert nach Pidgeon: Flers-Courcelette,
S. 196.
428
Siehe Abschn. 4.3.
429
Zitiert nach Muther, S. 114. Der Bau eigener Panzerwagen war bereits am 11.10.1916
von der OHL verlangt worden; siehe RH 61/50770: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr.
36808 op. vom 11.10.1916, und Kaufhold-Roll, S. 36.
430
Siehe auch die Einschätzung Jägers: „If the old question which was here first, the
chicken or the egg? was asked of the tank or the anti-tank gun, there is no doubt: the
129
antidote came first. [… .] But in World War One, for the Germans the antitank artillery
came before the tanks.” Zitiert nach Jäger, Herbert: German Artillery of World War One,
Ramsbury 2001, S. 141.
431
Siehe Abschn. 3.5.2.
432
Siehe ebenda.
433
Siehe RH 61/50770: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 36808 op. vom 11.10.1916, wo
dies bereits deutlich zum Ausdruck kam und zeitgleich vor einer voreiligen Überbewertung
der taktischen Bedeutung gewarnt wurde.
434
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: K.M. Allg. Kriegs-Dep. Nr. 193/1.17.A4. vom
11.1.1917. Das Schriftstück findet sich undatiert und offensichtlich in leicht abweichender
Form bei Muther als Anlage 3, S. 337.
130
435
Siehe ebenda, Ziff. 8.
436
Siehe ebenda, Ziff. 2-3.
437
Siehe ebenda, Ziff. 1.
438
Siehe Zitat aus der Anordnung des KM bei Muther, S. 115: „Die englischen
Panzerwagen haben sich als eine Waffe erwiesen, deren Wirkung nicht unterschätzt werden
darf. Die Herstellung geeigneter Abwehrmittel ist besonders wichtig.“
131
439
Siehe ebenda: „Es muß betont werden, daß bei der Lage der deutschen Waffenindustrie
nur ganz einfache, leicht herzustellende Konstruktionen dem Zweck entsprechen würden.“
Verschärfend mußten die Anforderungen des „Hindenburg-Programms“ hierauf wirken;
siehe RA, Bd. 12, S. 18ff.
440
Später wurden 10-30mm für möglich gehalten; siehe Armeeoberkommando 6 (Hg.):
AOK 6 Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der Bekaempfung der feindl.
Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie (Nachweis über Bibliothek des MGFA,
Signatur 53000), S. 2f., Ziff. 5.
441
Siehe Muther, S. 66. Cron erwähnt den Vorgang nicht.
442
Das Geschütz wurde bei der Feldartillerie ab Frühjahr 1917 durch eine für den
Stellungskrieg durch größere Reichweite geeignetere Feldkanone, die 7,7cm FK 16,
ergänzt. Zu einer vollständigen Verdrängung der FK 96 n/A kam es bis Kriegende nicht,
und der Unterschied beider Geschütztypen vor allem hinsichtlich ihres Gewichts (1.020Kg
zu 1.325Kg bei der FK 16) spielte im Rahmen der Tankabwehr keine Rolle. Inwieweit die
Anfang 1917 begonnene Ausgabe der FK 16 das Freiwerden von Rohren der FK 96 für
Infanterie- und Nahkampfgeschütze positiv beeinflußte, muß so unklar bleiben wie die
Möglichkeit, daß die Erkenntnis eines zu geringen Rüstungsvolumens zum vollständigen
Ersatz der älteren Kanonen Auswirkungen auf das Ende der Nahkampfbatterien hatte. Zu
den beiden Geschütztypen siehe Linnekohl, S. 74 und S. 219.
132
443
Siehe Abschn. 3.5.2.
444
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 39: HGr
Rupprecht Ia. Art. I. Nr. 1919 vom 3.1.1917. Der Bericht verweist auch auf größer
dimensionierte, stärker bewaffnete und gepanzerte Tanks von 10 bis 11m Länge, die nach
Gefangenenaussagen in Zukunft auftreten würden. Siehe dazu auch HStAS, M 33/2, Bü.
581: N.O. 1 Nr. 2596 vom 1.1.1917 mit dem Hinweis auf das wahrscheinliche Auftreten
der verbesserten Tanks in der kommenden Frühjahrsschlacht. Siehe auch AOK 6 Art. I. Nr.
98452 vom 25.3.1917, S. 2f., Ziff. 2-6.
445
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721 [auch in Bü. 307 auffindbar]: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917 und siehe Cron,: Geschichte des deutschen
Heeres, S. 151f.
446
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom
10.1.1917, ebenda, AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917 und ebenda, Gruppe C (GK
[Link]) Abtg. Ia Nr. 1100 vom 22.1.1917. Trotz aller späteren Einwände in den
Erfahrungsberichten der NKB verweist die Bitte des FAR 74 um Rückversetzung der
überstellten, gut ausgebildeten Mannschaften auf diesen Umstand; siehe KA, HGr
Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 20113.
447
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom
10.1.1917, Ziff. 5), ebenda, AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917 und ebenda, Gruppe C
(GK [Link]) Abtg. Ia Nr. 1100 vom 22.1.1917.
133
sehr schwierig gestalten mußte und auch sollte, war die kuriose und vom
ursprünglichen Plan der OHL abweichende Idee 448 , daß die
Nahkampfbatterien quasi als bodenständige Verbände bei den Gruppen
formiert werden sollten. Bodenständig mußte dabei nicht nur bedeuten, daß
die Batterien fest den Gruppen zugeordnet waren, sondern auch, daß sie
tatsächlich unbeweglich waren. Die Batterien verfügten laut
Stärkenachweisung über keine Protzen und Munitionswagen für die
Geschütze und über lediglich vier Zugpferde als Bespannung für einen
Lebensmittel- und einen Packwagen 449 . Das Bespannungsproblem konnte
bei Bewegungen im Gruppenbereich sicher durch die kurzfristige Zuteilung
von Pferden gelöst werden, doch bei Verschiebungen über diesen
Befehlsraum hinaus mußten Schwierigkeiten vorprogrammiert sein. Als
mobile Tankabwehr-Reserve der OHL, für die sie nach Aussagen in der
Tankabwehrvorschrift des AOK 6 vom 25.März 1917 gedacht sein
mußten 450 , waren die Nahkampfbatterien ausstattungstechnisch jedenfalls
denkbar schlecht gerüstet.
Der Weg zu einer speziellen „Tankabwehrkanone“ (Tak) dauerte bis weit
ins Jahr 1918 451 , was sich vor allem –neben den hohen Anforderungen an
eine Neukonstruktion- wohl auch daraus ergab, daß man einen Zufallsfund
an der Westfront machte, der vorläufig von den Sorgen entband, kostbare
Ressourcen für Neuentwicklungen freigeben zu müssen 452 und davon
448
Am 10.1. war angeordnet worden, daß die AOK bei der Aufstellung, Ausbildung und
Verteilung der NKB die ausschlaggebenden Instanzen darstellen sollten. Wie in einer
Anordnung des AOK 1 vom 19.1. aber deutlich wird, wurde der praktische Teil der Arbeit -
samt Vorschlägen für die Verteilung und Zuweisung- an die Gruppen delegiert; siehe
HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917,
Ziff. 4.)ff.
449
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom
10.1.1917, Anlage. Die Batterien sollten eine Stärke von 1 Leutnant, 1
Offizierstellvertreter, 1 Vizewachtmeister, 8 Unteroffizieren, 8 Gefreiten, 46 Gemeinen und
3 Trainsoldaten haben. Sanitätspersonal und eine Feldküche waren nicht vorgesehen.
450
Siehe Abschn. 4.2.
451
Siehe Kap. 13.
452
Eine Anordnung an die APK, ihre Arbeit an neuen Tankabwehrgeschützen einzustellen
oder mit weniger Anstrengungen weiterzuführen, konnte in den vom Verfasser
eingesehenen Archivalien nicht aufgefunden werden.
134
453
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. [Link]. vom
25.2.1917. Siehe auch Muther, S. 67 und S. 114, und Kosar, Franz: Panzerabwehrkanonen
1916-1977, Stuttgart 1977, S. 48.
454
Die deutsche Entsprechung war die 3,7cm Graben-Kanone, die vereinzelt als
Grabenartillerie zur Abwehr von Infanterie und zur Bekämpfung von Stützpunkten und
MG-Nestern genutzt wurde.
455
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. [Link]. vom
25.2.1917. Bemerkenswert ist hierbei, daß vielleicht zum ersten Mal überhaupt der Faktor
der Belehrung der deutschen Truppen als Gegengewicht zur moralischen Wirkung der
Tanks von Ludendorff gefordert wurde. Siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit.
456
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 5, Ziff. 14.
457
Namentlich die 7,7cm Kanonen-Granate 15 mit Panzerkopf ([Link]. 15 m.P.) und
Hartkerngeschosse für die kleineren Kaliber. Die Leistungsdaten der [Link]. 15 m.P.
versprachen bei einem Aufschlagswinkel von 90 Grad noch über 2.000m, bei 60 Grad bis
zu 2.000m durchschlagende Wirkung auf Panzerplatten von 40 beziehungsweise 35mm;
siehe Muther, Anlage 8 zum „Panzerplattenbeschuß der A.P.K. mit Geschützen der leichten
Artillerie“, S. 353. Britische Dokumente verweisen längst nach Auflösung der NKB auf die
Zuweisung dieses Munitionstyps; siehe General Staff (Intelligence): Notes On German
Shells, General Headquarters 1st May, 1918, S. 80, und AOK 6 Art. I, Nr. 98452 vom
25.3.1917, S. 8, Ziff. 27.
135
458
KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0001: Merkblatt der HGr Rupprecht zu
Tankabwehrgeschützen und deren Wirkungsweisen vom 7.4.1917.
459
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 581: N.O.1. Nr. 2596 vom 1.1.1917 und ebenda, Bü. 721:
HGr Rupprecht Ia Art. I. Nr. 1919 vom 3.1.1917.
460
Siehe Weeks, John: Men Against Tanks. A History of Anti-Tank Warfare, New York
1975, S. 22, und Eckhardt, Werner/Morawietz, Otto: Die Handwaffen des brandenburgisch-
preußisch-deutschen Heeres 1640-1945, Hamburg 1957, S. 52.
461
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 55.
462
Siehe Eckhardt/Morawietz: Handwaffen, S. 52.
136
463
Siehe AOK 6 Art. I, Nr. 98452, S. 4, Ziff. 13. Die Unsicherheit gegenüber den
Wirkungsmöglichkeiten der infanteristischen Tankbekämpfung fand ihren Ausdruck auch
darin, daß der Aspekt Tankabwehr in der neuen „Ausbildungsvorschrift für die
Fußtruppen” (A.V.F. 1917) keinerlei Berücksichtigung fand und erst nach der Schlacht von
Cambrai in den zweiten Entwurf der Vorschrift integriert wurde.
464
Siehe Fischbacher (Bearb.): Nachtrag zu dem Nachschlagewerk über: Die
Kriegsgebührnisse des Heeres. Abgeschlossen am [Link] 1916, Berlin 1916, S. 56,
Nr. 21. Wenngleich es sich bei den Geldern nicht um Zahlungen an einzelne Soldaten
handelte, sollten sie ihnen dennoch als Teil der Kompanie- oder Batteriekassen, etwa zum
Erwerb von Marketenderwaren, als Preisgelder bei Sportveranstaltungen oder zur
Ausrichtung von Festivitäten zugute kommen können.
465
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter: Kampfwagen-Abwehr, S. 9f. Für
Bayern ließ das Kriegsministerium am 10.2.1917 verlautbaren, daß der König der
„Kompanie usw.“, die einen feindlichen Tank außer Gefecht setzt, 500RM Geldprämie
zusagte. Grundlage der Bewilligung war vor allem ein ausführlicher Bericht über den
Vorgang samt Skizze, der dem Kriegsministerium nach Prüfung durch vorgesetzte
Dienststellen zukommen sollte; siehe KA, PiBtl 14, Bd. 6: Kriegsministerium München Nr.
18634 vom 10.2.1917. Belegt ist die Tankprämie vielfach, u.a. in einem Bericht der NKB
206, wo auf ausstehende 2.500RM für die Vernichtung von fünf Tanks am 11.4.1917
hingewiesen wurde; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 18666.
137
466
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 47850 op.
([Link]) vom 16.3.1917, Ziff. 3.
467
Siehe ebenda: „Allgemein ist zu erwarten, daß die Tanks sehr schwerfällig und langsam
sind, vorzügliche Ziele bieten und trotz Panzerung sehr verletzlich bleiben. Ein Grund zur
Beunruhigung liegt nach allen Versuchsergebnissen bei guter Organisation der Abwehr
nicht vor. Selbstverständlich müssen aber Artillerie und Infanterie die Nerven behalten und
mit Ruhe ihren Angriffen entgegensehen. [...;] die Infanterie muß wissen, daß sie sich im
Einzelfall zur Not noch allein helfen kann.“
468
Siehe auch Abschn. 7.2.
469
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der Bekaempfung der
feindl. Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie. Nebenbei sei angefügt, daß die
Vorschrift trotz der Begrifflichkeit „Panzerkampfwagen“ im Titel den ersten
durchgehenden Gebrauch der Bezeichnung „Tank“ in offiziellen Dokumenten enthielt.
138
470
Ebenda, S. 1f. Im Gegensatz etwa zu HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d.
Feldheeres II Nr. 47850 op. ([Link]) fehlt der Anweisung zur Tankbekämpfung des
AOK 6 ein Verteiler. Dennoch kann aufgrund der Ausfertigung als gedruckte, mehrseitige
Vorschrift, die u.a. auch die einzig auffindbare praktische und detaillierte
Gebrauchsanweisung für Nahkampf- und sonstige Sondergeschütze von Seiten eines AOK
enthält, kaum strittig sein, daß sie für weite Verbreitung im Heer vorgesehen war.
471
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 2, Ziff. 1. Die Aufstellung französischer
Tankverbände nahm man schon seit November 1916 an, wie ein früherer Hinweis auf eine
„artillerie d’assault“ belegt; siehe HStAS, M33/2, Bü. 307: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr.
4219 vom 17.11.1916.
472
Grundsätzlich gemäß Typ III (s.o.) als männliche und weibliche Version. Einen
interessanten Zusatz stellte die Vermutung dar, daß der britische Tank zum „Abblasen von
Gas“ geeignet sei. Hieraus formulierte das AOK 6 die Maxime, daß Gasmasken
bereitgehalten werden müssen, wenn mit einem Tankangriff zu rechnen sei; siehe AOK 6,
Art. I. Nr. 98452, S. 2, Ziff. 2. und S. 8, Ziff. 25 und HStAS, M 33/2, Bü. 721: HGr
Rupprecht Ia Art. I Nr. 8000 vom 18.1.1917, Ziff. 8.
473
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 2f., Abschn. A.I.
474
Wie sie von deutschen Beobachtern etwa für das uneinheitliche Vorstoßen am
[Link] 1916 bemerkt worden waren.
475
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 3, Ziff. 8.
139
476
Siehe ebenda, S. 3f, Ziff. 9 und 10.
477
Siehe ebenda, S. 3, Ziff. 9.
478
Ebenda, S. 4, Ziff. 11 und 12.
479
Siehe Kap. 9., 11. und 12.
480
Diesem heute sicher zuzubilligenden und damals schon als feste Grundlage
angenommenen Umstand der langsamen Fortbewegung widersprachen einlaufende
Berichte noch Ende März 1917. Zu einem kleineren Tankeinsatz (5 Fahrzeuge) bei Villers-
Faucon am 27.3.1917 schrieb ein Augenzeuge: „Für deckungslose Infanterie ist das
Fahrzeug, wenn es überraschend auftritt, zweifellos ein gefährlicher Gegner. Seine
Bekämpfung durch Artillerie wird durch die große Geschwindigkeit, mit der es sich
bewegt, sehr erschwert.“ Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0001: AOK 1
Ia Nr. 2478 geheim vom 29.3.17.
140
Ziel“ bieten mußte 481 . Abhängig von den Geschütztypen, welche von der
Fußartillerie und Feldartillerie gebraucht wurden, ergaben sich zwei
grundlegende Bekämpfungsarten, die im Oktober bereits vom Stabschef der
Heeresgruppe Rupprecht, von Kuhl, angeführt worden waren 482 , nämlich
die Fern- und die Nahbekämpfung.
Neben den Berichten von Augenzeugen und ersten Analysen der Vorgänge
konnte nun auch auf Ergebnisse von Truppenversuchen 483 zurückgegriffen
werden. Die Waffen der schweren Artillerie, weittragende Kanonen und
großkalibrige Steilfeuergeschütze, wurden für eine geradezu prophylaktisch
wirkende Bekämpfung auf große Entfernung als ideal angesehen, wobei ihre
Aufgaben klar definiert wurden:
„Haupterfordernis: fruehzeitiges Erkennen und Bekaempfen: (dies bester Schutz
gegen Tanks). Endziel: Vernichtung durch Massenfeuer ganzer Batterien, bevor
Tanks zum Nahangriff uebergehen.“ 484
481
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 4, Ziff. 14. Über die Möglichkeiten der Infanterie
war man noch im Zweifel.
482
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37, Abschnitt
„Bekämpfung“ bzw. Abschn. 3.5.2.
483
Siehe ebenda, Nr. 51: HGr Rupprecht Abt. I/Art. Nr. 9730 vom 13.2.17: Ziff 3.) d). Dort
wird von Beschußtests auf gegen ein „leider vorläufig nicht beweglich darstellbares Ziel“
berichtet. Während die Schüsse der 10cmK oft über das Ziel hinausgingen, war die
Wirkung der schweren Feldhaubitzen „verhältnismäßig rasch und gut“.
484
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 6, Ziff. 19.
485
Ebenda, S. 7, Ziff. 24.
141
486
Siehe ebenda. Auf der unteren Ebene werden die Führer der Nahkampfbatterien, die
„mit der Oberaufsicht über die 3,7 und 5cm Kanonen beauftragten Offiziere, sowie die
uebrigen vorgesetzten Stellen“ (S. 18f., Ziff. 56) genannt. Die Erwähnung der
Artilleriekommandeure ist zwar auffindbar (S. 19, Ziff. 57), doch bleibt eine Lücke auf
Ebene der Artillerie-(Unter-)Gruppen, der Abteilungen und Bataillone, gerade dort, wo die
Feuertätigkeit während des Gefechts geleitet und koordiniert wurde.
487
Angesichts der damals gerade ausgearbeiteten Vorschriften zur Abwehr im
Stellungskrieg, die keine „vorderste Infanterielinie“ nach früherem Verständnis mehr
kannte, bleibt diese Ortsbestimmung sehr vage. Die neue „Vorpostenlinie“ wird in der
Anweisung nicht explizit genannt, und es wird zudem noch von „Korps“ (S. 14, Ziff. 43)
gesprochen, wo „Gruppe“ der richtigere Begriff gewesen wäre. Der Befehl zur Aufstellung
der NKB enthielt die Angabe, daß die Geschütze 500 bis 1.500m hinter der vordersten
Linie zur Tank- und Sturmabwehr bereitstehen sollten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721:
Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic/II Nr. 43710 op. vom 10.1.1917, Ziff. 3).
488
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 8, Ziff. 26 und S. 14, Ziff. 43 und 44.
142
489
Siehe ebenda, S. 10, Ziff. 34 und S. 15f., Ziff. 48. Dort, S. 16: „Von besonderer
Wichtigkeit ist es, dass die Geschuetze bis zu Beginn der Tankbekaempfung unentdeckt
bleiben. Gute Maskierung ist daher besonders noetig. Grundbedingung ist: direkte
Beobachtung und direktes Richten. Die 3,7cm-K. und 5cm K.i.P.L. [Kanone in Panzer-
Lafette] sind wie die Nahkampfgeschuetze einzeln einzusetzen.“
490
Siehe ebenda, S 13, Ziff. 38 und S. 18f., Ziff. 56.
491
Die Formulierungen finden sich in BA-MA, PH 5 II/350. AOK 5 zu Erfahrungen der
[Link] in der Sommeschlacht, S. 5, Ziff. 24.
492
Siehe ebenda, S. 9, Ziff. 29: „Je eine Nahkampfbatterie ist fuer Einsatz in einem
Divisions-Abschnitt an einer Hauptkampffront vorgesehen.“ Diese geringe Ausstattung
nahm man wohl nicht nur wegen der wenigen Geschütze und Batterien notgedrungen in
Kauf, sondern auch wegen der Effektivität, die man sich von der Fernbekämpfung
versprach. Für die Infanteriegeschütze, die im Sonderfall zur Tankbekämpfung
herangezogen werden sollten, galten den Nahkampfgeschützen vollends gleichende
Anweisungen, wie aus einer undatierten aber wohl frühen Anweisung des
143
allerdings nur dann und dort möglich, wo die OHL die besondere
Gefährdung eines Abschnittes zugestand 493 . Wie sich dieser Anspruch im
Hinblick auf die Ausstattung der Nahkampfbatterien und ihrer zuvor
attestierten Bodenständigkeit bei den Gruppen umsetzen lassen sollte, wurde
mit keinem Wort erläutert. Die Vorbereitungen für die speziellen
Feuerstellungen der Nahkampfgeschütze, die mehrere Schießscharten und
Rampen zum Herausziehen der Geschütze in offene Feuerstellungen haben
mußten, sollten dennoch in allen Divisionsabschnitten der Westfront
vorbereitet werden 494 , womit man der Möglichkeit der Vermehrung der
Tanks und ihrer Mobilität im Mindestmaß Rechnung trug.
Neben die Nahkampfgeschütze würden ergänzend die kleinkalibrigen
Waffen, 3,7cm und 5cm Kanonen, treten, die den Generalkommandos
zugewiesen werden sollten. Für sie galten dieselben Anweisungen wie für
Nahkampfgeschütze, und auch hier wurde ihre geringe Zahl
beziehungsweise der lokale Bedarf als Grundlage der Zuweisung
definiert 495 . Auch aus diesem Grund führte das AOK 6 in einem letzten
Abschnitt zur Nahbekämpfung an, daß alle Teile der Artillerie jederzeit zur
Tankbekämpfung befähigt sein müßten 496 . Sobald sich Tanks als „günstiges
Ziel“ zeigten, und erst recht bei einem direkten Angriff der Kampfwagen
auf die Batteriestellung, sollten sie augenblicklich eingreifen, gleich, ob mit
einem einzelnen oder mit allen Geschützen 497 .
Zusätzlich zur aktiven Bekämpfung der Tanks durch Infanterie, Fern- und
Nahbekämpfung umfaßte die Anweisung Elemente einer passiven
Tankabwehr. Schon durch Kuhl war dies angedacht worden 498 und auch
diverse Stäbe hatten dazu Überlegungen angestellt 499 . Nun forderte man
zumindest im Wirkungsbereich der für die Nahbekämpfung vorgesehenen
Geschütze „künstliche Hindernisse“, welche die Tanks wenigstens in ihrer
Bewegungsfähigkeit hindern können sollten 500 . Als Mittel wurden tiefe
Gräben und Baumverhaue auf Straßen empfohlen 501 , wobei keine genaueren
Angaben zur Ausführung, etwa notwendige Breite oder Tiefe der Gräben,
gemacht wurden.
Die Anweisung ist in ihren Ausführungen insgesamt recht vage gehalten,
sieht man von den genaueren Bestimmungen zur eigentlich „aktiven“
Bekämpfung, nämlich zum Schießen 502 auf Tanks, einmal ab. Wichtige
Fragen blieben offen und wurden ganz offensichtlich der Bearbeitung
untergeordneter Dienststellen oder gar der praktischen und
situationsbedingten Lösung auf dem Gefechtsfeld überlassen. Dennoch stellt
sie den konzeptionellen Abschluß der Auswertungsphase von Tankeinsätzen
während der Sommeschlacht und die Grundlage für die daran
anschließenden Konfrontationen dar. Der für die Gesamtbetrachtung der
Tankabwehr vielleicht wichtigste Punkt, nämlich der Umstand, daß die
Infanterie in die nächste Schlacht ohne eigene Abwehrmittel zog und im
Zweifelsfall sogar noch durch die eigene, artilleristische Tankabwehr würde
Opfer erleiden müssen 503 , bedarf noch vor der Schilderung des April 1917
499
Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 721: AOK 1 Ia/Art. Nr. 29191 geh. Vom 31.1.1917.
Empfohlen wurden unter Ziff. 5 („Pioniertechnische Schutzmaßnahmen“)
Straßensprengungen, die Anlage von 7-9m unter der Erde gelegenen Minenstollen und die
Bereitstellung geballter Ladungen. Inwieweit das AOK die Dimensionen der Tankgefahr in
vollkommener Naivität verkannte, steht angesichts der beiden ersten Maßnahmen und des
mit ihnen verbundenen Aufwands außer Frage. Andere Ideen müssen sicher im
Zusammenhang mit dem geringen Wissen über die Grabenüberschreitfähigkeit der Tanks
gesehen werden, so etwa der Vorschlag des Kommandeurs der Pioniere bei der Gruppe C
der [Link], Wege durch 2m breite und 1m tiefe Fallgruben zu sperren; siehe HStAS, M
33/2, Bü. 721: Gruppe C (GK [Link]) Ia. Pi. Nr. 3928/249/I. vom 7.3.1917.
500
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 9, Ziff. 33a) und S. 5, Ziff. 16.
501
Siehe ebenda, S. 5, Ziff. 16.
502
Siehe ebenda, S. 11ff., Ziff. 36ff. und S. 16, Ziff. 49f.
503
Ebenda, S. 5f. Ziff. 17: „Verluste bei unserer Infanterie durch Nahbekaempfung der
Tanks in unseren vorderen Linien vielleicht stellenweise nicht zu vermeiden. Infanterie
muss aber wissen, dass diese in keinem Verhaeltnis zu dem von unbekaempften Tanks
145
verursachten Schaden [stehen], muss auch zur Ueberzeugung erzogen werden, dass sie bei
Annaeherung von Tanks ausharren kann in der sicheren Erwartung, dass Artillerie sie in
kurzer Zeit von drohender Gefahr befreien wird und so den großen moralischen Eindruck,
den die anfahrenden Tanks hervorrufen, ueberwinden lernen.“ Siehe dazu Abschn. 7.1. mit
entsprechenden Anmerkungen zu Verlusten bei den Nahkampfgeschützen bzw. KA, HGr
Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 1248 vom
21.10.1916, Abschnitt „Bekämpfung“.
504
Siehe Kap. 5.
505
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452, S. 6, Ziff. 17.
506
Vergleiche RA, Bd. 12, S. 16. Im Rahmen der Recherchen zur vorliegenden Arbeit fand
sich der erste Hinweis auf den Versuch zur Einbindung der Minenwerfer in die
Tankbekämpfung auf Divisionsebene bei der Minenwerfer-Kompanie 199, der [Link].
Hierbei wurde ins Auge gefaßt, die schweren und mittleren Werfer mittels „Tank-
B[eobachtungs]-Stellen“ in die Abwehr einzubeziehen und auch für sie die
Tankbekämpfung zur Priorität zu machen; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: MWK 199 Nr.
653/17 vom 6.4.1917: „Merkblatt für Bekämpfung von Tanks durch schw. und mittl.
Minenwerfer.“
146
Wie richtig das AOK 6 mit der Masse seiner Annahmen und Anordnungen
vorerst lag, sollte es drei Wochen nach Herausgabe der Anweisung selbst
belegen können, da es unter Generaloberst Freiherr von Falkenhausen und
seinem Stabschef, Generalmajor von Nagel, im April 1917 im Mittelpunkt
der „Osterschlacht bei Arras“ stehen sollte.
507
Siehe Abschn. 3.5.2.
508
Siehe Abschn. 1.2.1.
147
509
Siehe Kauhold-Roll, S. 38f.
510
Siehe ebenda, S. 39.
511
Ebenda, S. 41.
512
Siehe ebenda. S. 42ff.
148
513
Siehe BA-MA, RH 61/50770: Gr. Hauptquartier an KM (A7V) vom 2.3.1918.
514
Siehe ebenda, KRA Nr. M.c. 5855/[Link] vom 3.3.1917. Vergleiche hierzu eine
Stellungnahme der Forschungsanstalt des Heeres von Hildebrand aus dem Jahr 1941, worin
festgehalten wird: „Von der Rohstoffseite her ist der Bau von Panzerkampfwagen
zweifellos nicht mehr verzögert worden als die Fertigung von Kriegsmitteln überhaupt.“
Hildebrand sah die Rohstofflage demnach nicht als ausschlaggebenden Punkt für
unterlassenen Tankbau an, sondern als grundsätzliches Manko einer wirtschaftlich stark
begrenzten Kriegführung; siehe ebenda, RH 61/50535: Stellungnahme Hildebrand vom
4.3.1941, S. 1.
515
Siehe Kauhold-Roll, S. 33ff. und S. 55.
516
Zur Beurteilung des A7V durch die OHL –„als Panzerkampfwagen genügt er nicht“-
siehe auch BA-MA, RH 61/50770: Chef d. Genst. d. Feldheeres Iv Nr. 50257 op. vom
15.3.1917.
517
Siehe Kaufhold-Roll, S. 60ff.
518
Ebenda, S. 77. Bei Fuller findet sich im Zusammenhang mit britischen
Neukonstruktionen von Tanks die bemerkenswerte Aussage, daß die Auslieferung des
149
Fahrzeugen operativ hätte anfangen können, wurde damals und wird von
den meisten Historiographen bis heute nicht ausgeführt oder per se als klar
und deutlich erkennbar vorausgesetzt. Der Tank als Infanterieunterstützung
war die auf britischer Seite bis zur Schlacht von Cambrai 1917 –mehr oder
weniger- akzeptierte Rolle in einem Kampfverfahren, das auf Offensive und
Materialüberlegenheit ausgelegt war. Welchen Vorteil hätte es über ein
taktisch wirksames Maß hinaus für eine deutsche Armee an der Westfront
1917 bedeutet, wichtigste Rüstungsvorhaben zurückzustellen, um mit einer
Anzahl oder auch einer „Masse“ 519 von von zweifelhafter
Betriebstoffzufuhr abhängiger Tanks aus der strategischen Defensive heraus
agieren zu können?
Angesichts eines Bewegungskrieges, der 1914 mit frischen und viel
beweglicheren Truppen gescheitert war und sich zu einem mit dauerhaft
unterlegenen Truppen geführten Festungskrieg größten Ausmaßes
gewandelt hatte sowie angesichts einer Feststellung der OHL aus Zeiten der
Sommeschlacht 1916, daß die deutsche Infanterie „nicht mehr dieselbe ist
wie früher“ 520 , können hier nur Zweifel bleiben. Vor allem bleiben auf der
Grundlage einer Einschätzung der Handlungsweise einer höchsten Führung
vor dem Hintergrund der jeweils beziehungsweise damals vorhandenen
Informationen und Lagebilder, aber auch dann, wenn man spätere Aussagen
aus der kritischen Phase des Zusammenbruchs des deutschen Heeres von
1918 in Betracht zieht, solche Zweifel. So fällt es schwer, den Lobreden auf
den A7V, der tatsächlich Vorteile gegenüber seinen britischen oder
Mark IV vor der Schlacht bei Arras 1917 durch die „niedrige Rangbewertung der
Tankmotoren“ mitverschuldet worden sei; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88 und S. 93.
519
Siehe etwa Kuhl Hermann v.: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der
Offensive von 1918 (Bd. 3/1 der [Link] des Untersuchungsausschusses des Reichstages:
Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918), Berlin 1927, S. 81.
520
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 6: HGr
Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.11.16, S. 2. Hinzu kommt als Indiz für eine zukünftig
ebenfalls zunehmende „Mangellage“, daß bereits nach der Sommeschlacht die Sollstärke
der Bataillone von vormals über 1.000 auf 800 Mann verringert werden mußte; siehe
ebenda, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 612: HGr Rupprecht Ic No 1794 geh. vom 16.12.1916. Das
Schriftstück wurde mit einiger Begründung zusätzlich zum „geh.“ mit einem signifikanten
„streng vertraulich“ gekennzeichnet.
150
521
Siehe ebenda, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0119: AOK 17 Iabl Nr. 7816 op. vom 7.9.1918.,
Ziff. c). In diesem Bericht wird ausdrücklich auf den guten Willen der Besatzungen, die
positive, moralische Wirkung auf die eigene Truppe und auf den Bedarf zum Ausbau der
eigenen Panzerwaffe verwiesen. Insgesamt seien die eingesetzten, eigenen Fahrzeuge
allerdings wenig erfolgreich gewesen.
522
Als ein Beispiel sei auf den deutschen Angriff beiderseits Reims am [Link] 1918
hingewiesen, wo ein Teil der deutschen Tanks durch französische Tankabwehr-Minen, ein
anderer durch Geschützfeuer außer Gefecht gesetzt wurde; siehe dazu Stenger, Alfred: Der
letzte deutsche Angriff. Reims 1918 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 34),
Berlin/Oldenburg 1930, S. 129f., und Abschn. 11.5.2.
523
Dieser schloß ein, daß den jetzt vehement eigene Tanks fordernden höheren Stäben von
der OHL die neuen verbesserten Typen in Aussicht gestellt wurden, während die A7V den
geringen Fähigkeiten der „Raupenwagen“ entsprächen. Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd.
125, Akt: 210, Bl. 0127: OHL an HGr Rupprecht vom 14.9.1918.
524
Siehe dazu Kap. [Link].
525
Kaufhold-Roll benutzt den Begriff mehrmals und möglicherweise auch mit Bezug zu
Quellen. Hiermit dürfte allerdings kaum das Bild einer selbständig operierenden,
eigenständigen Waffengattung mit operativen Großverbänden nach Vorbild der späteren
Wehrmacht gemeint sein. Dafür fehlt jeder Hinweis darauf, daß man während des Krieges
mehr mit eigenen Tanks zu leisten beabsichtigte, als der Feind mit seinen Fahrzeugen als
Speerspitze von Infanterieangriffen vorgelegt hatte; siehe dazu BA-MA, RH 61/50769:
Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 166f.
151
Wäre es nicht auch möglich, daß Fuller nicht die tatsächliche, die taktische
und direkte Konfrontation zwischen gegnerischen Tanks auf dem
Schlachtfeld meinte, sondern den gegenseitigen Schlagabtausch zwischen
mit Tanks angreifenden Streitkräften auf operativer Ebene? Eine mögliche
Antwort bietet ein Artikel Nehrings zur Panzerabwehr von 1936, der im
Kern vor allem ein Plädoyer für den Einsatz des Panzers als
526
Siehe Einleitung der vorliegenden Arbeit.
527
Siehe Fuller: Erinnerungen, 102: „Ich erklärte weiterhin, daß, alles in allem, die beste
Tankabwehrwaffe der Tank selbst sei.“ Siehe auch ebenda, S. 207. Fuller hatte die These
schon 1935 in seinem Buch „The Army Of My Time“ formuliert, jedenfalls bezog sich
Guderian auf dortige Aussagen; siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 18.
528
Siehe Abschn. 1.2.
529
Zitiert nach Asprey, Robert B.: The German High Command At War. Hindenburg And
Ludendorff Conduct World War I, New York 1991, S. 354.
152
530
Siehe Nehring, Walther K.: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, [Link].
1936, Heft 2, S. 182-203.
531
Siehe ebenda, S. 191. Die Aussage Fullers erwähnte Nehring indirekt, indem er darauf
verwies, daß beim Royal Tank Corps bereits der Grundsatz galt, daß „die Panzerabwehr
stets die erste und vornehmste Pflicht einer jeden Panzertruppe ist“.
532
Siehe Guderian: Die Panzertruppen, S. 13f.
533
Siehe ebenda, S. 5: „Das Hauptkennzeichen der Nachkriegspanzerwagen ist die
gegenüber den Weltkriegskonstruktionen wesentlich gesteigerte Geschwindigkeit, [...].
Panzerung, Waffenwirkung, Richt-, Sicht- und Nachrichtenmittel sind seit dem Kriege
wesentlich verbessert.“
534
Siehe ebenda, S. 33. Auf S. 18 zitierte Guderian Fuller und dessen These, daß Tanks die
besten Tankabwehrmittel seien.
153
5. „They had not had a good day”. Tanks und Tankabwehr in der
Osterschlacht bei Arras, April 1917.
535
Siehe Strachan: The First World War, S. 190f.
536
Siehe Johnson: Stalemate, S. 94: „He [Lloyd George] maintained that he [Nivelle] was
not a believer in prolonged battles of attrition such as the Somme. His method was one
short, decisive rupture, achieved within forty-eight hours, followed by the destruction of the
enemy’s reserves in open fighting. Lloyd George’s fears of yet another costly offensive
were thereby dispelled.”
537
Das „Wegbefördern“ von höchsten Führern, wie es auf deutscher Seite beim Wechsel
zur [Link] unter Falkenhayn vorgekommen war, läßt sich folgendermaßen beschreiben:
„[...] General Joffre was promoted out of battle planning in favour of General Nivelle who
had what was thought to be the answer to the deadlock on French soil.“ Zitiert nach
Oldham, Peter: The Hindenburg Line (Battleground Europe), London 1997, S. 17.
538
Siehe RA, Bd. 12, S. 100ff. Der Plan ging noch auf Joffre zurück; siehe LAF, Bd. V.1.,
S. X.
154
539
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 418ff. Dort geht es um Friktionen zwischen Haig und Nivelle
wegen der britischen Offensive in Flandern. Siehe und vergleiche hierzu Strachan: The
First World War, S. 238, und siehe RA, Bd. 12, S. 108ff.
540
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 176, und Kap. 8.
541
Siehe Jürgensen, Wilhelm: Das Füsilier-Regiment Königin Nr. 86 im Weltkriege
(Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 86), Oldenburg 1925, S. 150.
542
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 121f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia
No 281 [Link]. vom 6.10.16, und ebenda, Bl. 76f.: HGr Rupprecht Id 578 g vom 27.9.16.
Die Weisung an die unterstellten AOK enthält die Ausbaupriorität von „Siegfried“.
Anordnungen zur Ausführung und zu Fragen, die den Rückzug und die Stellung betreffen,
finden sich vor allem in Bd. 88, Akt: 36. Laut RA, Bd. 12, S. 119, erging ein erster Befehl
der OHL in Sachen Siegfried-Stellung am 9.9.1916.
155
543
Siehe RA, Bd. 12, S. 125.
544
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 323, und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 52ff.
545
Den erst einmal sehr plausiblen Überlegungen zur versäumten Gelegenheit eines
deutschen Stoßes in die britische Folgebewegung (diskutiert bei Venohr: Ludendorff, S.
190f.) ist hinzuzufügen, daß die Lageeinschätzungen der betroffenen AOK eher das Risiko
großangelegter feindlicher Offensiven in die eigene Rückzugsbewegung unterstrichen;
siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 88, Akt: 36, Bl. 0034: AOK 6 Ia No 546 geh. vom 5.3.1917,
und ebenda, Bl. 0038: AOK 2 Ia Nr. 84/März. geh. vom 4.3.1917. Siehe auch RA, Bd. 12,
S. 70ff.
546
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 171f.
156
547
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 203.
157
der Somme, die systematisch ausgewertet worden waren 548 , die Vorschrift
„Grundsätze für die Abwehrschlacht im Stellungskriege“ erschienen, der am
15. des Monats die Neufassung der „Einzelheiten über Stellungsbau“
folgte 549 . Grundlage des neuen Abwehrverfahrens wurde das Übergehen zu
einer Auffassung der Front als tiefgegliederter Verteidigungszone (bis zu
10km Tiefe 550 ), die das zuvor praktizierte Festhalten an einer klar
definierten vordersten Linie ablöste. Tiefe Gliederung der Verbände, die
Vermeidung jeglicher Kräftekonzentration im feindlichen Feuer und die
Reaktion auf feindliche Einbrüche mit augenblicklichen Gegenstößen und
vorbereiteten Gegenangriffen als „elastisches Kampfverfahren“ 551 waren die
taktischen Hauptmerkmale der neuen Abwehrmethode. Für den
Stellungsbau wurden wenigstens zwei Grabenlinien, die ihrerseits aus einer
Anzahl Gräben bestehen mußten, und die Anlage einer Vielzahl Stützpunkte
und Widerstandsnester zwischen und hinter diesen vorgesehen 552 . Beim
Stellungsverlauf sollten vorteilhafte topographisch-geographische
Gegebenheiten ausgenutzt werden, wobei es mehr als nur Indizien dafür
gibt, daß die Möglichkeiten zur aktiven und passiven Tankabwehr
Berücksichtigung finden sollten 553 . So liegen von verschiedenen
548
Siehe etwa die „Erfahrungen aus der Sommeschlacht“ des AOK 1, die sich als
Nachdruck des AOK 7 in der Überlieferung der Heeresgruppe Kronprinz wiederfindet: BA-
MA, PH 5 II/350. Siehe auch RA, Bd. 12, S. 32ff.
549
Siehe RA, Bd. 12, S. 38.
550
Statt der bisher üblichen zwei oder wenig mehr Kilometer; siehe ebenda, S. 41.
551
Ebenda, S. 45ff.
552
Ebenda, S. 40ff.
553
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 268: HGr Rupprecht Ia/2775 geheim.
vom 12.4.1917. Siehe auch Förster, Gerhard/ Paulus, Nikolaus: Abriß der Geschichte der
Panzerwaffe, Berlin-Ost 1977, S. 22. Die hier genannten „Panzergräben“ beziehen sich
wahrscheinlich auf den Umstand, daß später darauf hingearbeitet wurde, die Stellungsteile
so breit auszuführen, daß Tanks sie nicht überwinden können würden. Andererseits
begegnet einem ein solcher, archivalisch nicht nachgewiesener Panzergraben, 5m breit und
3m tief, auch in der Aisneschlacht vor Juvincourt wieder; siehe Taschenbuch der Tanks,
Teil III, S. 15. Daß auch nach dem Rückzug auf die Siegfried-Stellung an die Anlage
umfangreicher Bauten zur Tankabwehr gedacht wurde, belegt ein Befehl des AOK 1, worin
der Bau von „Fanggruben“ mit 3-4m Tiefe und 12-15m Breite [!] angeordnet wurde; siehe
HStAS, M 33/2, Bü. 307: AOK 1 [unles.] S Nr. 2462 geheim vom 25.3.1917, Ziff. 2.
158
554
Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 307: AOK 1 Ia Nr. 28459 vom 19.1.1917, Anm. zu Pkt.
8, ebenda: HGr Rupprecht Ia Art. I Nr. 8000 vom 18.1.1917, Ziff. 6, ebenda: Gruppe C
(GK [Link]) Ia. Pi. Nr. 3928/249/I. vom 7.3.1917, ebenda: AOK 1 [unles.] S Nr. 2462
geheim vom 25.3.1917 und ebenda, Bü. 722: Gruppe C (GK [Link]) Nr. Ia 1063 op. vom
16.3.1917. Welche Bedeutung der Anlage solcher Einrichtungen zur Tankabwehr
zugesprochen wurde, kann vielleicht durch die kuriose Anfrage der [Link] beim GK
[Link] gezeigt werden, denn man bat um Aufschieben des Baues von Tankabwehr-
Geschützständen zugunsten der eigentlichen Batteriestellungen und dringend benötigter
Unterkünfte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 722: [Link] [Link]. 6224 vom 11.4.1917.
555
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, Bl. 693ff.: HGr Rupprecht Id Nr. 6822
vom 31.12.1916. Hierbei handelt es sich um eine Aufstellung zum Personalbedarf beim
Ausbau der Siegfried- und der ergänzenden Wotan-Stellung. An Baukräften wurden etwa
25.000 militärische Kräfte aus Pionier- und Landsturmformationen aufgeführt, dazu fast
dieselbe Anzahl Kriegsgefangener, Tausende deutscher Zivilarbeiter sowie
zwangsverpflichtete Angehörige der „Zivilarbeiter-Bataillone“, für die Siegfried-Stellung
insgesamt 68.500 und für die Wotanstellung 14.400 Mann.
556
Hierbei handelte es sich paralleler Überlieferung nach um die Gruppe „Quéant“. In der
Übergangsphase zwischen „Korps“ und „Gruppen“ wurden den Generalkommandos
zwischenzeitlich die Namen der Kommandierenden Generale, dann ein Buchstabe und
zuletzt eine „Örtlichkeit“ (Siehe RA, Bd. 12, S. 291, Anm. 1) zugewiesen. Beim GK
[Link] handelt es sich dementsprechend um das „[Link]“, die „Gruppe A“ der [Link],
die „Gruppe Moser“ und letztendlich die „Gruppe Quéant“; siehe auch Cron: Geschichte
des deutschen Heeres, S. 86ff.
159
„Leider können aber meine Eindrücke über die Linienführung und den Ausbau
der mit dem schönen und hoffnungsvollen Namen Siegfried geschmückten
Verteidigungslinie keine durchweg erfreulichen sein. [... .] Die Stellung selbst ist
unfertig; man hat hier mit der Bauleitung durch Zivilingenieure recht unliebsame
Erfahrungen gemacht: Blendwerk an den Straßen und Ortschaften, an den andern
weniger bequemen Stellen wenig oder nichts oder auch Unzweckmäßiges und
Unvollendetes. Von letzterem namentlich, mitten in den vordersten Gräben drin, eine
große Anzahl von mächtigen Baugruben für Betonunterstände, deren Fertigstellung
nicht gelungen ist. [... .] Die Truppe ist daher fraglos einigermaßen enttäuscht.“ 557
Der Chef des Stabes der Gruppe Arras (GK [Link]), Oberstleutnant von
Thaer, urteilte ebenso deutlich und verwies darauf, daß die „Siegfried-
Stellung nur ein riesiger Graben“ gewesen sei, hinter dem nichts
fertiggestellt war 558 . Die Heeresgruppe Rupprecht hatte „gute, von langer
Hand vorbereitete Stellungen“ 559 zugesagt, nun verlangte sie umfangreiche
Schanzarbeiten von den neuen Stellungsbesatzungen 560 . Daß es sich bei den
Aussagen zu Defiziten der Siegfried-Stellung keineswegs um lokale
Einzelfälle handelt, belegen Berichte von anderen Sektoren. So schrieb das
557
Zitiert nach Moser, Otto v.: Feldzugsaufzeichnungen 1914-1918 als Brigade-,
Divisionskommandeur und als kommandierender General, Stuttgart 1928, S. 280f. Siehe
auch Deutelmoser, Adolf: Die [Link]-Division im Weltkrieg 1914-18 (Württembergs
Heer im Weltkrieg, Heft 5), Stuttgart 1925, S. 56. Ein Luftbild der Stellungen vor
Bullecourt bestätigt tiefe Drahthindernisse, aber eben auch das Fehlen der Unterstände;
siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 33 bzw. S. 34/35. Siehe auch RA, Bd. 12, S. 128:
„Die Siegfried-Stellung war, wenn auch ihr Ausbau in den letzten Wochen wesentlich
raschere Fortschritte gemacht hatte als früher, im Sinne der Anweisungen der Obersten
Heeresleitung vom September 1916 noch keineswegs fertig“. Trotz dieser
Zustandsbeschreibung von Januar 1917 glaubte man bei der Heeresgruppe Rupprecht
daran, eine halbwegs fertiggestellte Siegfried-Stellung im März beziehen zu können; siehe
ebenda.
558
Siehe Kaehler, Siegfried (Hg.): Generalmajor a.D. Albrecht v. Thaer. Generalstabsdienst
an der Front und in der O.H.L. Aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen 1915-1919,
Göttingen 1958, S. 107 (Brief vom 28.3.1917).
559
Siehe RA, Bd. 12, S. 145.
560
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 281 und Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S.
109 (Tagebucheintrag vom 6.4.1917).
160
Generalkommando des [Link] Anfang April 561 , daß weite Teile der
Stellungen neu angelegt werden müßten, da die lokalen Baustäbe bei der
Anlage von Hinterhangstellungen die Bedürfnisse der Beobachtung
vernachlässigt hätten. Die Bauvorhaben seien wegen Arbeiter- und
Materialmangels zudem in weiten Teilen unerledigt geblieben. Kritik an der
Linienführung kam auch von einzelnen Divisionen, die das Fehlen jeglichen
taktischen Verständnisses und eines einheitlichen Bauplans bei den
Baustäben anführten 562 . Und nicht zuletzt die mit der übergeordneten
Bauleitung betrauten Pioniere legten der Heeresgruppe Rupprecht
gleichlautende Berichte vor, die bei keinem Verantwortlichen und
Betroffenen einen Zweifel daran aufkommen lassen konnten, daß das
Vorhaben weit hinter den Wünschen zurückgeblieben war 563 .
Im Gegensatz zu diesen eindeutigen Stellungnahmen 564 führten -damals wie
heute- wohl vor allem der Umfang der Arbeiten, wie er auf britischer und
französischer Seite durch Fliegerbeobachtung festgestellt oder darauf
basierend vermutet werden konnte 565 , und die Kenntnisse über vorgesehene
Anlagen 566 dahin, die Siegfried-Stellung als unüberwindliches Hindernis zu
561
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: Gruppe C (GK [Link]) vom 3.4.1917: Entwurf zur
von der HGr Rupprecht am 10.3.1917 eingeforderten Denkschrift zu Alberich-Siegfried,
Teil 4: Alberich Zeit, Ziff. c).
562
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: [Link] Abt. I J. Nr. 4394 vom 31.3.1917, Ziff. 4.c), und
ebenda: [Link] Abt. I Nr 5938 geheim vom 31.3.1917, Ziff. 4.c).
563
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 239: Stabsoffizier d. Pioniere Nr. 64 B. Nr. 1614/17. vom
24.3.1917.
564
Es ist noch anzufügen, daß die HGr Rupprecht diese letztendlich als wahr hinnahm, wie
aus dem Befragungstext an die [Link] wegen ihrer Erfahrungen bei den Kämpfen
hervorgeht; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: [Link] Abt. Ia. Nr. 1523 vom 10.5.1917, Ziff.
1.).
565
Siehe Johnson: Stalemate, S. 96. Zu bedenken ist hierbei, daß angesichts der
winterlichen Witterungsverhältnisse und der deutschen Luftüberlegenheit im „Bloody
April“ kaum eine effektive Luftaufklärung gegeben sein konnte. Im Umkehrschluß mögen
also vor allem Vorurteile gegenüber einer vorbereiteten Stellung, die man nicht genauer
beobachten konnte, maßgebend gewesen sein; siehe dazu auch MO 1917, Bd. 1, S. 87ff.
566
Wie bei Oldham ersichtlich, wird bis heute nicht in Frage gestellt, ob die so
umfangreichen Pläne für die Siegfried-Stellung auch tatsächlich umgesetzt wurden.
Vielmehr erscheint die Anlage bereits für das Frühjahr 1917 als „impassible barrier“; siehe
Oldham: The Hindenburg Line, S. 28ff. Siehe auch Johnson: Stalemate, S. 96, wo von
161
Der Angriffsplan vom 12.März 1917 sah vor, daß der Südflügel der
britischen [Link] (Horne) am [Link] die Vimy-Höhe nehmen sollte,
571
Abb. nach Banks, Arthur: A Military Atlas of the First World War. A map history of the
war 1914-18 on land, sea and in the air, Barnsley 31997, S. 169.
163
während die [Link] (Allenby), auf Breite der Stellungen von nördlich
Arras bis Croisilles angreifend, den Durchbruch durch die Siegfried-
Stellung erzwingen würde. Unterstützend würde am Tag nach dem ersten
Angriff die britische 5. Armee (Gough) gegen die deutschen Stellungen
südöstlich Croisilles vorgehen 572 . Die Armeen verfügten im Angriffsbereich
über 18 Divisionen in der ersten Welle, 13 in der zweiten Welle und eine
zusätzliche Reserve von drei Divisionen. Darunter befanden sich vier
Kavalleriedivisionen, die hinter den Angriffsräumen zur Ausnutzung des
Durchbruchs in Richtung Cambrai bereitgestellt wurden. Die
Artilleriemassierung umfaßte weit mehr als 2.800 Geschütze 573 , denen unter
größtem Aufwand Unmengen an Munition zugeführt worden waren 574 . Am
[Link] begann das vorbereitende Artilleriefeuer mit infernalischer
Stärke 575 .
Tanks sollten an der Operation teilnehmen, wobei sich allerdings für die
beiden neuen Köpfe des Tank Detachments, Elles und seinen im Dezember
hinzugetreten Stabschef Fuller, die Frage ergab, wie dieser Einsatz aussehen
sollte. Die Konzentration von Tanks gegen die Siegfried-Stellung in
größerem Maßstab, ein gezielter Einsatz an einer Stelle, wobei Fuller den
Abschnitt Bullecourt als Operationsgebiet vorsah, und die Verteilung der
Fahrzeuge auf alle angreifenden Verbände der gesamten Angriffsfront stand
vorerst im Raum 576 . Was als Plan für Einsatz und Verteilung heraus kam,
entsprach im Großen und Ganzen der Wahrnehmung der neuen Waffe durch
höhere Stäbe seit der Sommeschlacht: Acht Tanks wurden der [Link], 40
der [Link] und 12 der [Link] zugeteilt. Diese Kräfteverteilung mag
zuerst noch den Anschein relativer Stärke vermitteln, doch verfliegt dieser
572
Siehe RA, Bd. 12, S. 205.
573
Ebenda, Anlage 28. Gezählt ist hier lediglich die britische [Link] mit den
angrenzenden Teilen der [Link] gegen den Vimy-Rücken.
574
Siehe RA, Bd. 12, S. 208.
575
Siehe Behrmann, Franz/Brandt, Walther (Bearb.): Die Osterschlacht bei Arras 1917
(Schlachten des Weltkrieges, Bd. 28). Teil I: Zwischen Lens und Scarpe, Berlin/Oldenburg
1929, S. 30ff., RA, Bd. 12, S. 208, und Ählhäus, Joseph (Hg.): Die [Link] in
der Osterschlacht bei Arras. Der Kampf um die Vimy-Höhe (vom [Link] bis [Link]
1917), Mannheim 1938, S. 21ff.
576
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 95f.
164
Eindruck, wenn rechnerisch maximal vier bis fünf Tanks auf eine Division
entfielen 577 .
Die genaue Anzahl an einem Ort und gegen ein Ziel einzusetzender
Fahrzeuge richtete sich nach der Bedeutung, die der feindlichen Position
beigemessen wurde, und es scheint, nach Abgleich der späteren Aussagen
Fullers 578 und der Angaben zur Planung in den Military Operations 579 , so
gewesen zu sein, daß die Tanks mit weiterer Entwicklung der Schlacht nicht
mehr nur als Infanteriebegleitung, sondern wiederum, wie an der Somme,
auch als einsame Speerspitze gegen die entferntesten Stellungen eingesetzt
werden sollten. Die Wegnahme der ersten Stellung war Aufgabe der
Infanterie, das Vorarbeiten durch und gegen die nächsten Positionen Sache
von Tanks und Infanterie und die Öffnung des Weges durch die letzte Linie
primäre Aufgabe des Tank Detachments, dem Kavallerie zur Ausnutzung
des Durchbruchs –„coute qu’il coute“- folgen würde 580 .
Die geringe Zahl der für die Schlacht verfügbaren Tanks erklärt sich unter
anderem daraus, daß der Ausbau des Tank Detachment keineswegs
abgeschlossen, die Produktionszahl der Neufahrzeuge 581 gering und eine
Anzahl Tanks zu einem wenig erfolgreichen Einsatz nach Palästina 582
entsandt worden war. Mehr noch, bei den 60 für Arras versammelten
Kampfwagen handelte es sich nicht um neu- und vollwertige
Kampffahrzeuge. Vorhanden waren instandgesetzte Wagen des Typs Mark I
und geringer gepanzerte Trainingsfahrzeuge vom Typ Mark II 583 .
577
Den vier Divisionen des [Link] waren 16 Fahrzeuge zugeteilt, dem benachbarten
[Link] mit seinen drei Divisionen dieselbe Anzahl; siehe RA, Bd. 12, S. 207.
578
Siehe Fuller: Tanks, S. 82f.
579
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 186f.
580
Siehe ebenda, S. 180f. und 186f, und Fuller: Erinnerungen, S. 96.
581
Der Typ Mark IV, bei dem gegenüber den Vorgängertypen die Panzerung von 10 auf
12mm verstärkt war, sollte ursprünglich einsatzbereit sein, kam für die Eröffnung der
Schlacht von Arras aber zu spät; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 93 und Wright, S. 74.
582
Acht Tanks nahmen am 17.4.1917 an der „[Link] von Gaza“ teil, wo sie,
bezeichnenderweise erst nachdem die Infanterie die türkischen Verteidiger zur Flucht und
Aufgabe bewegt hatten, einige Erfolge gegen verbliebene Stützpunkte erzielten. Insgesamt
entsprechen die Ergebnisse dieses Einsatzes den Erfahrungen aus der Sommeschlacht; siehe
Fuller: Tanks, S. 98ff.
583
Siehe Wright, S. 74, und Fletcher: Tanks and Trenches, S. 21f.
165
Für das Tank Detachment stand die Offensive von Anfang an unter keinem
guten Stern, was sich auch durch kleinere Zwischenfälle, etwa einen
Bahnunfall, bei dem große Treibstoffmengen verbrannten 584 , und durch
einen ungünstigen Wetterumschwung direkt vor Angriffsbeginn zeigt. Als
die Tanks in der Nacht zum [Link] in ihre Bereitstellungsräume einflossen,
hatte starker Schneeregen 585 vor allem das verwüstete Gelände an der
Vimy-Höhe in einen Morast verwandelt. Die Hälfte der hier zum Angriff
vorgesehenen acht Tanks fiel schon beim Anmarsch aus 586 , und ein von
Fuller so wichtig erachteter Flankenangriff der [Link] gegen die
Siegfried-Stellung bei Bullecourt mußte witterungsbedingt vom 10. auf den
[Link] verschoben werden.
584
Siehe Fuller: Tanks, S. 84f. und Fuller: Erinnerungen, S. 96.
585
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 202.
586
Siehe Fuller: Tanks, S. 85.
587
Laut RA, Bd. 12, S. 208, waren darauf 1.100 feindliche Geschütze gerichtet.
588
Siehe ebenda, Beilagen 8 und 9.
166
589
Keegan, S. 452, spricht von 24km Entfernung der Reserven zur Front.
590
Siehe Frauenholz, Eugen v. (Hg.): Kronprinz Rupprecht von Bayern. Mein
Kriegstagebuch, Bd. 2, München 1929, S. 135.
591
Siehe ebenda, S. 202f. Auch in den Beilagen 8 und 9 fehlt jeder Hinweis auf neun
Divisionen als Reserven, wie sie bei Behrmann/Brandt: Osterschlacht, Teil I, S. 22 erwähnt
werden. Der Ursprung der dortigen, äußerst positiven Einschätzungen zu Umfang und
Zustand von Truppen und Stellungen negiert scheinbar bewußt wichtige Gegebenheiten.
Auch das in RA, Bd. 12, S. 219 und S. 221, genannte Garde-Reserve-Korps als
bereitstehende Eingreifreserve ist etwas ominös, da die Heeresgruppe das GRK (mit [Link]
und [Link]) in kritischer Lage tatsächlich als Baustab für die Wotan-Stellung gewählt
hatte; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 268: HGr Rupprecht Ia/2775 vom
12.4.1917. Siehe auch Cron: Mein Kriegstagebuch, S. 143, mit dem Hinweis, daß das GRK
bis zum 14.4. Reserve war und dementsprechend nicht zum Kampfeinsatz kam.
592
So bei der [Link] und [Link]; siehe Gemmingen-Guttenberg-Fürfeld, Frhr. v.: Das
Grenadier-Regiment Königin Olga (1.Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918 (Die
Württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 39), Stuttgart 1927, S. 194,
und Brandenstein, v.: Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3.Württ.) Nr. 121 (Die
Württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 18), Stuttgart 1921, S. 87f.
Hierbei ist nicht nur kein Wort über Tankabwehrausbildung zu finden, sondern sogar, beim
IR 121, S. 88, die Aussage, daß man über dieses Kriegsmittel vor dem Einsatz in der
Schlacht lediglich durch „Wort und Bild“ in Kenntnis gesetzt worden war. Vergleiche
Abschn. 6.2. der vorliegenden Arbeit. Beim FAR 45 der [Link] gehörte andererseits das
Schießen auf „Tanks“ (definitiv nur gegen improvisierte Tank-Zielscheiben, da kein
Hartziel zur Verfügung gestanden haben kann) zur Vorbereitung auf die Schlacht; siehe
Bene, Otto: Das Lauenburgische Feldartillerie-Regiment Nr. 45 (Erinnerungsblätter
deutscher Regimenter, Bd. 63), Oldenburg 1923, S. 71.
167
Arras eine Bemerkung vom [Link], daß eine „Riesenschlacht wie an der
Somme“, deutlich „schneller als das A.O.K. denkt“, zu erwarten sei 593 .
Der Zustand der Verbände wurde laut der Beurteilung des Kampfwertes
durch die Heeresgruppe Rupprecht fast durchweg mit „vollkampffähig“
angegeben. Lediglich die [Link] und [Link] 594 der Gruppe A der [Link]
sowie die [Link], die hinter der Naht zwischen 1. und [Link] stand und
eigentlich für Stellungsbau-Arbeiten vorgesehen war 595 , bedurften drei bis
vier Wochen beziehungsweise weniger als drei Wochen Ruhe, um auf volle
Kampfkraft zu kommen 596 . Die Wirkung des feindlichen, vorbereitenden
Artilleriefeuers ging an den Divisionen natürlich nicht spurlos vorüber,
weshalb für die betroffenen Teile am [Link] nicht näher spezifizierte
„Einschränkungen“ der Kampfkraft attestiert wurden 597 .
Die deutsche Artillerie war der feindlichen numerisch deutlich unterlegen
und umfaßte bei der [Link] etwas mehr als 1.000 Rohre 598 . Davon fielen
laut Angabe des deutschen amtlichen Werkes bis zum Beginn der
Infanterieschlacht schätzungsweise 20% aus 599 . Vergasung von Batterien,
unterbrochene Kommunikations- und Versorgungswege sowie chronischer
Munitionsmangel beeinträchtigte ihre Wirkungsmöglichkeiten zudem
nachhaltig 600 .
593
Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 108, und HStAS, M 33/2, Bü. 581: N.O.1. Nr.
3616 vom 23.3.1917. Die Meldung des Nachrichten-Offiziers der OHL beim AOK 1
besagte, daß laut Aussage eines australischen Gefangenen mit einer Offensive bei Arras
gerechnet werden müsse, da viel Artillerie dorthin verlegt werde. Diese Information fand
beim AOK 6 offenbar keinen Widerhall.
594
Diese wurde noch vor Angriffsbeginn durch die ausgeruhte [Link] abgelöst und Reserve
hinter der Gruppe A der [Link].
595
Siehe RA, Bd. 12, S. 202.
596
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 272: HGr Rupprecht zur
Beurteilung der eigenen Divisionen vom 7.4.1917. Siehe und vergleiche RA, Bd. 12, S.
212.
597
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 272: HGr Rupprecht zur
Beurteilung der eigenen Divisionen vom 7.4.1917.
598
Siehe RA, Bd. 12, Anlage 28.
599
Siehe ebenda, S. 212, und vergleiche ebenda, S. 204.
600
Siehe ebenda, S. 213.
168
601
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0001: HGr Rupprecht zu
Tankabwehrgeschützen und ihren Wirkungsweisen vom 7.4.1917.
602
Siehe ebenda.
603
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 581, mit Meldungen des Nachrichten-Offiziers der OHL
beim AOK 1. Dabei N.O. 1. Nr. 2596 vom 1.1.1917, N.O.1. Nr. 3091 vom 10.2.1917 und
N.O.1. Nr. 3616 vom 23.3.1917.
604
Zumindest in einer der durchgesehenen Truppengeschichten wurden im Gelände bei der
[Link] verteilte Geschütze einer NKB genannt; siehe Zimmerle, Eduard (Bearb.): Das
3.Württembergische Feldartillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914-1918 (Die
württembergischen Regimenter im Weltkrieg, Bd. 23), Stuttgart 1922, S. 72.
169
605
Vergleiche Abschn. 11.5.2., 12.2. und 12.5.2.
606
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 211 und S. 220.
607
Siehe etwa Gerok (Bearb.): Das 2.württ. Feldartillerie-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold
von Bayern“ im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg
1914-1918, Bd. 19), Stuttgart 1921, S. 67f. Ausdrücklich wird von Zerstörung der
Stellungen, fehlender Verpflegung und der psychischen Wirkung des Artilleriebeschusses
(Apathie) gesprochen.
608
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 212.
609
Siehe ebenda. Vergleiche Fuller: Erinnerungen, S. 101. Dort steht, wie bei Fuller nicht
anders zu erwarten, überaus positiv formuliert: „Am 9. waren die Deutschen demoralisiert,
und die Aktion der Tanks war in jedem Falle, wo sie ihr Ziel erreicht hatten, entscheidend
gewesen.“
170
gegenüberliegenden Lager, bei der Gruppe Arras, allerdings darin, daß man
einem Phantom nachjagte. Generalstabschef von Thaer schrieb dazu, daß
ein durchgebrochener Tank auf einer Straße hinter der eigenen Linie in
Munitions-Kolonnen „wirtschaftete“ 610 . Dasselbe nahm man auch bei der
Gruppe A an, wo ein Geschütz des FAR 49 der [Link] eiligst zur
Tankabwehr gegen eine gleichartige und ebenso absolut fiktive Bedrohung -
welche allein durch Nervosität und Gerüchte verursacht sein konnte-
gerufen wurde 611 .
Nördlich anschließend, beim [Link], waren acht Tanks der [Link]
des C-Bataillons in Zweiergruppen eingesetzt. Sechs Wagen blieben auch
hier stecken, und von dieser Gruppe wird nur ein Tank als hilfreiche
Unterstützung des Angriffs, bei der Einnahme von Tilloy, erwähnt 612 .
Hinsichtlich eines anderen Paares Tanks, das bei der [Link] des Korps’
angriff, bemerkte der Bearbeiter des Bandes der Military Operations zu
Arras, Cyril Falls, sarkastisch, daß es angesichts der Tankverluste dieses
Tages geradezu wundersam erschien, daß einer der beiden Tanks am
Nachmittag noch zu einem erfolgreichen Einsatz kam 613 .
Beim [Link] sah es mit der Tankunterstützung noch düsterer aus. Von
den acht Fahrzeugen der [Link] des C-Bataillons fuhren sich alle
frühzeitig fest oder wurden vor einem für die britische Infanterie spürbaren
Nutzen abgeschossen 614 .
Genauso ungünstig und dennoch ohne negativen Einfluß auf das Ergebnis
des Kampfgeschehens verlief der Einsatz der acht Tanks der [Link]. Ohne
Feindberührung setzte das aufgeweichte und von Trichtern übersäte
610
Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 110 (Brief oder Tagebucheintrag vom
9.4.1917). Zum „wirtschaften“ von Tanks im Hintergelände siehe auch –dort erstmalig
vorgekommen- Abschn. 12.3. zum „schwarzen Tag des deutschen Heeres“, dem 8.8.1918.
611
Siehe TG FAR 49, S. 73. Auf welchem Tag dieses Vorkommnis zu datieren ist (vor dem
11.4.), wird aus dem Text nicht deutlich. Es ist auch möglich, daß es sich bei den beiden
„durchgebrochenen“ Tanks um ein und denselben am 9.4.1917 handelte.
612
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 216f.
613
Siehe ebenda, S. 224: „Valuable aid was given by a single tank which –almost
miraculously if we reckon its chances by average of the tank casualties- reached this
position, worked down it, and put at least two machine guns out of action.“
614
Siehe ebenda, S. 227f.
171
615
Siehe Fuller: Tanks, S. 85. Vergleiche RA, Bd. 12, S. 213, wo davon gesprochen wird,
daß drei der acht Tanks abgeschossen wurden. Andernorts werden sogar 15 angreifende
Tanks erwähnt; siehe Deutsche Verlagsanstalt: Kriegsberichte aus dem Großen
Hauptquartier. Heft 28: Arras 1917, Berlin/ Stuttgart 1917, S. 8.
616
Thaer schrieb dazu: „Riesig sind die Verluste“. Die TG FAR 60 berichtet von am 11.4.
zur Ablösung gesammelten „Trümmern der Stellungstruppen“, die gerade noch dazu in der
Lage waren, Bedeckung für Artillerie zu „markieren“; siehe Kaehler: Generalmajor v.
Thaer, S. 109, und verschiedene Bearb.: Geschichte des Großherzoglich Mecklenburgische
Feldartillerie-Regiments Nr. 60 im Weltkriege 1914-1918, Hamburg 1921, S. 127.
617
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 225.
618
Siehe ebenda, S. 237.
619
Siehe RA, Bd. 12, S. 214.
620
Siehe ebenda, S. 221ff., und MO 1917, Bd. 1, S. 244ff.
172
wegen, geschehen war 621 und auch noch später der Fall sein sollte 622 . Die
Beteiligung von Tanks an diesen Angriffen war kaum der Rede wert und
fand später in der recht lapidaren Bemerkung des deutschen amtlichen
Werks ihren nicht unberechtigten Höhepunkt, daß es gelang, „die auch von
Tanks begleiteten weiteren Angriffe der Engländer unter blutigsten
Verlusten abzuweisen.“ 623
Die britischen Hoffnungen auf einen günstigen Verlauf der Schlacht bei
Arras mußten am Abend des [Link] trotz 11.000 Gefangener und einer
größeren Beute an Geschützen und Maschinengewehren eher gering
ausfallen 624 . Sogar der Sieg auf der Vimy-Höhe sollte marginaler Natur
bleiben, nachdem sich die deutsche Führung zwangsweise zur
Zurückverlegung der dort unhaltbar erscheinenden Linien um fünf
Kilometer entschlossen hatte 625 .
Dennoch galt für die britische Seite ganz grundsätzlich, die französische
Offensive kämpfend abzuwarten und feindliche Kräfte zu binden. Der
rechte Flügel der [Link], der sich bislang nur in Form von
Ablenkungsangriffen beteiligt hatte, konnte jetzt noch in den Kampf
geworfen werden, um ein vorzeitiges Erstarren der Front zu verhindern und
vielleicht doch noch den Durchbruch zu erzwingen. Für den [Link] wurde
eine erneuerte und kombinierte Offensive der britischen 3. und [Link]
vorgesehen 626 .
621
Und dabei blieb es auch an den folgenden Tagen der Schlacht; siehe etwa MO 1917, Bd.
1, S. 368.
622
Siehe Kap. 9.f.
623
Siehe RA, Bd. 12, S. 223.
624
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 258.
625
Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 85, und TG FAR 60, S. 127.
626
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 258f.
173
627
Ebenda, S. 260.
628
Siehe RA, Bd. 12, S. 227. Eine Entsprechung in den MO ist nicht auffindbar.
629
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 262f.
630
Siehe Johnson: Stalemate, S. 107. Der letzte deutsche Widerstand auf dem Vimy-
Rücken wurde am Nachmittag des 10.4. durch das Kanadische Korps gebrochen.
631
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 265.
632
Behrmann/Brandt: Osterschlacht, [Link], S. 77f. Die Art der Darstellung mit dem
Hinweis auf jungen bayerischen „Ersatz, der noch nie im Kampf gestanden hat“ (S. 78) legt
nahe, daß es sich bei den Schilderungen zur Tankabwehr um versuchte „Ehrenrettung“
handelt, die den Verlust Monchys kaschieren sollte. Hinweise auf derartige
Vorgehensweisen in den deutschen Truppengeschichten findet man auch in den MO; siehe
MO 1917, Bd. 1, S. 298.
174
633
Behrmann/Brandt: Osterschlacht, [Link], S. 78, Moser: Die Württemberger im
Weltkrieg, S. 522ff. und Johnson: Stalemate, S. 108.
634
I. Australian & New Zealand Army Corps.
635
Noch am 11.4.1917 wurde die Gruppe der [Link] unterstellt, womit die Grundlage
einer einheitlichen Kampfführung vor Arras geschaffen wurde.
636
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 360.
637
Siehe ebenda.
638
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 98.
639
Ein Tank fiel vor Beginn des Angriffs aus; siehe MO 1917, Bd. 1, S. 364.
175
640
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 363.
641
Siehe Fuller: Tanks, S. 87. Die Verteilung der Tanks im Angriffsstreifen folgte der Idee
der „Trident Tactics“, die drei Angriffsspitzen vorsah; siehe Abschn. 5.6.1. der
vorliegenden Arbeit.
642
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 362.
643
Siehe ebenda, S. 364.
644
Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 513, und vergleiche Johnson:
Stalemate, S. 110.
645
Siehe TG FAR 49, S. 73.
176
646
Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 515, und MO 1917, Bd. 1, S. 366.
647
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 366.
648
Siehe TG [Link], S. 57.
649
Siehe RA, Bd. 12, S. 228. In der ersten Erfolgsmeldung der HGr Rupprecht wurde von
Verlusten in Höhe von 1.000 Mann, 27 eingebrachten MG und neun zerstörten Tanks (von
12) gesprochen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 311: Lagemeldung HGr
Rupprecht vom 12.4.1917.
650
Siehe Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 514
651
Siehe ebenda S. 516.
652
Siehe TG [Link], S. 57, und TG FAR 49, S. 73. Das FAR 49 nennt noch besonders die
erfolgreiche Beteiligung der 6./RFAR 26 bei der Tankbekämpfung.
177
653
Siehe Klaus, Max (Bearb.): Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr.
26 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-18,
Bd. 45), Stuttgart 1929, S. 73.
654
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: Gkdo. [Link] Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort:
Artillerie-Kommandeur Nr. 27 XIII I.-Nr. 1774 vom 15.4.1917.
655
Siehe ebenda, [Link] Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Ziff. II.) d). Ob sich der Terminus
„Tankgeschütz“ eindeutig allein auf Nahkampfgeschütze bezog, kann allerdings bezweifelt
werden, da Ziff. II.) e) die von der Infanterie bedienten Grabenkanonen als wirksamste
Waffe gegen Tanks empfahl. Hinweise und Beschreibungen von Beispielen ihrer
Leistungsfähigkeit ließen sich allerdings nirgends finden.
656
Siehe TG [Link], S. 57. So wie von 12 angreifenden Tanks gesprochen wird, tauchen in
deutschen Schilderungen grundsätzlich drei Fahrzeuge auf, die unbehelligt zu den
britischen Linien zurückkehrten.
657
Siehe Warner, Philip: Field Marshal Earl Haig, London 1991, S. 227.
178
Reserven 658 , und den Erschöpfungsgrad beim Angreifer 659 nach drei Tagen
Materialschlacht merklich verringert. Bereits wieder am [Link] wurden
Vorstöße mit Tanks und Infanterie vorgetragen und von den Deutschen
abgewiesen 660 , was für die weiteren Kämpfe bis Mitte Mai Programm
werden sollte und der Schlacht in Verlauf und im Ergebnis einen den
Kämpfen an der Somme von 1916 entsprechenden Charakter gab 661 .
Da sich die Rolle der Tanks in diesen Kämpfen aus deutscher
Wahrnehmung heraus nicht von den bisherigen Erfahrungen unterschied
und es auch beim Großangriff am [Link] gelang, sieben Fahrzeuge zu
zerstören 662 , erübrigt sich eine detailliertere Beschreibung des Geschehens.
5.6. Tanks und Tankabwehr in der Schlacht von Arras: Bewertungen und
Reaktionen.
Die Schlacht bei Arras von 1917 ist insgesamt als überaus bedeutend
einzuschätzen, wenngleich die ersten zwei Schlachttage nicht die
Überprüfung des neuen deutschen Abwehrverfahrens vor dem Hintergrund
einer britischen Großoffensive bekannten Typs zeigten. Vielmehr war es der
unfreiwillige Beleg für die Notwendigkeit, ein solches Verfahren
umzusetzen und eine gute, wenngleich gefahrvolle Gelegenheit, frühere
Schwächen nochmals vor Augen geführt zu bekommen. Auf der anderen
Seite, der britischen, folgte Arras der Sommeschlacht und brachte in
658
Nach Cron: Mein Kriegstagebuch, S. 143, trafen bis Ende April 12 Divisionen als
Verstärkung für das AOK 6 ein. Bis zum Abschluß der Schlacht am [Link] erhöhte sich
die Zahl auf 20. Hinzu kamen zahlreiche artilleristische und sonstige Verbände; siehe RA,
Bd. 12, S. 232.
659
Siehe Johnson: Stalemate, S. 111.
660
Siehe etwa Wagner, Rudolf (Hg.): Das [Link]-Elsässische Feldartillerie-Regiment Nr.
51 im Weltkriege 1914/1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd. 31), Berlin 1936,
S. 176, oder, als Beispiel vom 23.4.1917, Moser: Die Württemberger im Weltkrieg, S. 522,
und RA, Bd. 12, S. 249.
661
Siehe Johnson: Stalemate, S. 111: „The offensive was now developing into a pattern of
piecemeal operations so familiar from the later stages of the Somme battle.“
662
Siehe RA, Bd. 12, S. 251.
179
663
Für die ersten drei Tage, die mit den größten Erfolgen verbunden waren, werden von
Keegan, S. 453, 20.000 britische Verluste genannt. Die Verluste der drei bei Arras
kämpfenden britischen Armeen im April und Mai beliefen sich laut MO 1917, Bd. 1, S.
556f., auf etwa 150.000 Mann, während die deutsche [Link] 85.000 Mann verlor.
664
Eine besondere Ausnahme stellen die für den Abschnitt Arras und Vimy
charakteristischen Tunnelsysteme dar, die auch größeren Verbänden eine geschützte
Annäherung an die Sturmausgangsstellungen ermöglichen konnten.
665
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 239, und Keegan, S. 453.
666
Die offizielle Seite des kanadischen Ministeriums für Veteranenangelegenheiten selbst
spricht allerdings in vielen Passagen zur Schlacht (bzw. zur Begründung für das
eindrucksvolle Denkmal) vom singulären Charakter des Erfolges innerhalb der Schlacht.
H[Link] . Zur
Bedeutung der Operation gegen die Vimy-Höhe siehe auch Cave, Nigel: Vimy Ridge
(Battleground Europe), London 1996, S. 147f.
180
Schilderungen. Bei Keegan etwa ist eine solche kaum noch als realitätsnah
zu bezeichnen: Die bei Bullecourt angreifende australische Division, nur
durch einige wenige Tanks begleitet, wurde mit diesen zusammen vor einem
intakten Drahthindernis aufgehalten- so weit die dubiose
667
Zusammenfassung . Chickering ließ den Tanks „während des
Hauptangriffs“, den er nicht datierte, eine besondere Rolle zukommen 668 ,
die er nicht näher definiert. Der Internetbeitrag des „Lebendigen virtuellen
Museums Online“ des Deutschen Historischen Museums zu Arras 1917
spricht zwar von den zum Angriff versammelten Tanks, läßt ihre Rolle
während der Schlacht aber außer Acht 669 . Und Heydecker, der bis hierhin
schon mit einer Geschichte des Tanks im Ersten Weltkrieg „aus einem Guß“
wenig geglänzt hat, verzichtete zur Gänze auf Überlegungen zu den
Tankeinsätzen bei Arras 670 , während in einer der neuesten und
schwergewichtigsten deutschen Veröffentlichungen zum allgemeinen
Themenbereich, der „Enzyklopädie Erster Weltkrieg“, ein Beitrag vom
Verdun-Spezialisten Werth zum Stichwort „Cambrai“ veröffentlicht wurde,
in dem von einem „kleineren Panzerangriff bei Arras 1917“ die Rede ist 671 .
Die Probleme, die Verfasser von Überblicksdarstellungen offensichtlich mit
den Tanks und erst recht mit den völlig vernachlässigten Aspekten der
Tankabwehr bei Arras haben, lassen sich auch in Bewertungen innerhalb der
Fachliteratur finden. Wenn man die geringe Wirkung der Tanks nicht
unberücksichtigt lassen konnte, so blieb die Möglichkeit, sie in den Vorwurf
des Versagens der deutschen Führung zu integrieren, oder darauf zu
verweisen, daß selbst in der Niederlage „Siege“ und der Kern zum späteren,
endgültigen Sieg von 1918 steckten. Ogorkiewicz etwa faßte Arras,
Champagne und Flandern 1917 zusammen, um ohne nähere Betrachtung der
jeweiligen Vorkommnisse und Maßnahmen auf beiden Seiten zu dem
667
Siehe Keegan, S. 453.
668
Chickering, S. 211.
669
Siehe H[Link]
670
Siehe Heydecker, S. 412f. Dort wird unter dem Titel „Verwegene Husarenstücke: mit
Pistolen gegen Tanks“ ein mehr als fragwürdiges Beispiel für Auslassung bedeutender
Sachverhalte zugunsten einer stringenten Argumentation gegeben. Auch zum Desaster der
französischen Tanks in der Champagne fehlt jedes Wort.
671
Siehe Werth, German: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 404.
181
672
Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 22.
673
Siehe Perrett, S. 46.
674
Siehe etwa Larson: Armoured Warfare, S. 59, oder Fletcher: Tanks and Trenches, S. 21.
Vergleiche Haythornthwaite, Philip J.: The World War One Fact Book, London u.a. 1992,
S. 37.
675
Siehe Abschn. 3.5.1.
676
Siehe ebenda.
182
Schlacht war die Zeit nachweislich mit Auswertung der Erfahrungen und
Schaffung theoretischer Grundlagen für weitere Einsätze verbracht
worden 677 . Es erschien das von Fuller verfaßte „Ausbildungsbüchlein Nr.
16“ 678 , das die zu erreichende Struktur der Verbände, Regelung der
Kommunikationsmöglichkeiten durch Blink-Signale und vor allem die
Kampf- und Einsatzformen der Tankformationen regelte. Unabhängig vom
reglementarischen Fortschritt, den diese Schrift insgesamt für das Tank
Detachment bedeutete, bleibt unverkennbar, daß der Weg zur operativen
Panzerstreitmacht noch weit war. Fuller selbst stellte dies in seinen
Erinnerungen auch fest 679 und sah die Gründe für das Scheitern der Tanks
beim Auftakt der Schlacht von Arras in zwei Faktoren. Der eine verband
sich mit den Tanktypen Mark I und II selbst, die den Anforderungen in
technischer und zahlenmäßiger Hinsicht nicht genügen konnten 680 , und der
andere betraf die Uneinsichtigkeit der höheren Führung:
„Obwohl uns die Deutschen viel zu schaffen machten, machte uns Sir Douglas
Haig und sein ungewöhnlich phantasiearmer Generalstab [,...,] unendlich mehr zu
schaffen.“ 681
Bezeichnend dafür war, daß das „Büchlein Nr. 16“ wegen seiner
Bestimmungen zu den Artillerievorbereitungen, die nicht länger als 48
Stunden dauern sollten, um dem Feind keine Gelegenheit zum Heranführen
von Reserven zu geben und den Tanks ein trichterübersätes Schlachtfeld zu
677
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88ff.
678
Die einzelnen Teile der Schrift lauteten Tankorganisation, Tanktaktik, Zusammenarbeit
der Tanks mit anderen Waffen, Vorbereitungen zur Offensive, Nachschubwesen,
Verbindungswesen, Verstärkungen, Tarnungsmethoden, Hinzu kam ein Anhang mit
diversen zusätzlichen Detailregelungen und Tabellen; Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 89.
679
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 89: „Damals dachte man nämlich noch nicht daran, Tanks
selbständig einzusetzen.“ Der Satz bezieht sich zweifelsfrei auf die Idee einer operativ
autarken, gepanzerten Speerspitze der Armee.
680
Siehe ebenda, S. 93, und Fuller: Tanks, S. 89.
681
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 88, und vergleiche Fuller: Tanks, S. 89. Bezeichnend für
das frühe Erscheinungsjahr des Buches (1920) dürfte im Gegensatz zu den „Erinnerungen“
sein, daß innerhalb seiner Darstellung die Kritik an der obersten Führung unartikuliert
blieb. So endet das Kapitel zu den Tanks bei Arras, S. 89, mit einem Glückwunsch-
Telegramm Haigs zum hervorragenden Einsatz der Tanks bis zum Abend des 10.4.1917.
183
682
. Eine wirklich richtungweisende Idee der
Vorschrift, nämlich das Aufgeben des langanhaltenden Feuers zugunsten
der Tanks, welche der Infanterie schnell und für den Feind überraschend
Gassen durch die feindlichen Hindernisse bahnen sollten, fand als Folge
keine Verbreitung. Vor Arras wurde genauso auf Trommelfeuer gesetzt wie
zuvor und noch danach. Die Umsetzung der Vorstellungen zu einem
kombinierten Tank- und Infanterieangriff, bei dem die verfügbare
Panzerkraft konzentriert zu einem gezielten Durchbruch zusammengezogen
werden sollte, fand bis zur Planung des Angriffs von Bullecourt ebenfalls
keine Anerkennung, so daß die früheren Anweisungen aus dem Stab des
Oberbefehlshabers bindend bleiben mußten 683 . Die „normal tactical
methods“ 684 blieben bei den Planungen zur Offensive von Arras unberührt.
Tanks waren primär Infanteriebegleitung, ohne daß ihr Einsatz
formationstechnisch oder zahlenmäßig fest geregelt war. Anzahl der Ziele
und erkannter Bedarf ließen es schließlich zu, daß bei Arras sehr
verschieden starke Gruppen von Tanks auf dem Schlachtfeld zu finden
waren. Immerhin fehlen für diese Kämpfe Hinweise darauf, daß es bei den
Tankbesatzungen wie an der Somme zu Desorientierung oder gar
Feuereröffnung auf eigene Truppen kam. Ganz im Gegenteil, denn ein
wirklich signifikanter Fortschritt war anscheinend bei der Ausbildung
gemacht worden. So urteilte der Kommandierende General im Abschnitt vor
Monchy:
„I certainly never again want to be without tanks, when so well commanded and
led.“ 685
Fuller ging in dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter, zitierte einen
Bericht, der den Tankbesatzungen ebenfalls ein hervorragendes Zeugnis
ausstellte, und gab die Wertung ab, daß Arras den „Triumph der Ausbildung
682
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 91.
683
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 75.
684
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 367, und Abschn. 3.5.1.
685
General Aylmer Haldane, zitiert nach Perrett, S. 46. Siehe auch Fuller: Tanks, S. 89f.:
„This fine fighting spirit was undoubtedly due to the excellent leadership all officers and
N.C.O.s had exercised during individual and collective training; and to the full recreational
training given to the battalions during these periods, games and sports as a fighting basis
having been sedulously cultivated.”
184
686
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 100f. Vergleiche Fuller: Tanks, S. 88, wo es zu diesem
harten Urteil nicht kam.
687
Siehe Wright, S. 74, und Fuller: Erinnerungen, S. 100. Siehe auch MO 1917, Bd. 1, S.
239: „Owing to rapid expansion, only the original nucleus of the personnel was well
trained, and the steering was often unskilled.“
688
Siehe Pemberton, Max: The Victory of Vimy Ridge, in TWI vom 28.4.1917, S. 244.
Pemberton blieb mit näheren Ausführungen zum “Tank on Telegraph Hill” sparsam: „To
this [den beherzten Angriff der Infanterie] our old friend the `tank´ contributed gallantly.
We shall hear some droll stories of him when all the truth is written.”
689
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 239.
690
Die durch deutsche Stellen reklamierte Zahl beläuft sich auf 15; siehe RA, Bd. 12, S.
220 und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135. Auf S. 137 wird nur von 12
zerstörten Tanks gesprochen, was allerdings auf den Zeitpunkt der Eintragung bzw.
Aktualität der zugrundeliegenden Berichte zurückzuführen sein dürfte.
691
Siehe Abschn. 5.3.
185
692
Siehe Fuller: Tanks, S. 88: „ […] though the number of casualties sustained exceeded
expectation.“ Legt man 15 zerstörte Tanks zugrunde, ergibt sich eine Verlustquote von
37,5% der Einsatzstärke bei der [Link] am 9.4.1917.
693
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 96.
694
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 360.
695
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 90, Abb. 4, und Fuller: Tanks, S. 87.
186
verzichtet wurde 696 . Der Erfolg blieb versagt, was neben Gründen, die auf
der deutschen Seite zu finden sind, auch daran lag, daß der Angriffsplan
mehrfach geändert worden war, was Verwirrung schuf. Außerdem traten
Tanks letztendlich nicht einheitlich zum Angriff an und die Zusammenarbeit
zwischen Infanterie und Tanks vorab nicht geübt werden konnte 697 . Mehr
noch, falsche Berichte während des Kampfes suggerierten einen
durchschlagenden Erfolg, weswegen es für die vor intakten Stellungen
kämpfende Infanterie nach dem Ausfall der Tanks auch keine Entlastung
durch Artillerieunterstützung gab 698 . Multiples Versagen ist hier zu
attestieren, das kaum mit Haig und dessen Stab in Verbindung zu bringen
ist, wenn man nicht den großen Bogen zurück zur allgemein-theoretischen
Gesamtkonzeption der Tankverwendung bei einer Offensive des
Kriegsjahres 1917 schlagen will. Mit einem konzentriert eingesetzten Mehr
von verfügbaren und besseren Fahrzeugen hätten die Erfolge zwischen dem
9. und [Link] zum Durchbruch ausgebaut werden können, urteilte
Fuller 699 :
„Tankwellen in Staffeln hintereinander mit starker Reserve hätten zweifellos
einen Durchgang für die Infanterie erzwungen und so die Deutschen genötigt,
zurückzuweichen. Die Desorganisation der Deutschen wäre stärker und anhaltender
gewesen, so aber blieb der Angriff der Tanks ohne Unterstützung. Er verpuffte.
Seine Dauer war streng begrenzt, weil zu wenig Tanks und keine Reserven zur
Verfügung standen.“ 700
Grundsätzlich ähneln die Lehren von Arras also denen aus der
Sommeschlacht und ließen den Visionär –sowie den viel später über die
Vorgänge Schreibenden- auf eine Zukunft verweisen, in der die jetzt längst
696
Siehe Fuller: Tanks, S. 88: „The interest of the Bullecourt operation lies in the fact that it
was the first occasion on which tanks were used to replace artillery.“ Siehe auch Fletcher:
Tanks and Trenches, S. 38, mit dem Gefechtsbericht der [Link]-Brigade zum 11.4.1917.
697
Siehe Fuller: Tanks, S. 88, und MO 1917, Bd. 1, S. 364f.
698
„Meanwhile the Australians were fighting it out with no artillery support except for fire
on distant objectives, and no help from the higher command. About 10 A.M. a concerted
series of counter-attacks developed from all sides […].” Zitiert nach MO 1917, Bd. 1, S.
368.
699
Siehe Fuller: Tanks, S. 89 und Erinnerungen, S. 93f. und S. 100f.
700
Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 100.
187
bekannten Mängel behoben sein würden 701 . Die große Schwierigkeit mußte
darin bestehen, der Führung die notwendigen Zugeständnisse an materieller
und konzeptioneller Freiheit abzugewinnen. Wie wenig Aussicht darauf
nach den Kämpfen im April und Mai 1917 bestand, stellten die vom
Generalstab im Mai 1917 herausgegebenen „Anweisungen über den
Gebrauch der Tanks und über die Grundgedanken bei ihrer Verwendung als
Hilfsmittel beim Infanterieangriff (S.S. 164)“ 702 deutlich unter Beweis.
Unausgegorener und teilweise widersprüchlicher Inhalt, wie Fuller ihn für
die Notwendigkeit umfangreicher Artillerievorbereitung im Gegensatz zur
Feststellung, daß Tanks sich für einen Einsatz im zerschossenen oder
aufgeweichten Gelände nicht eigneten, erkannte 703 , manifestierte sich
allerorten. Und das machte die Vorschrift zu einer Art Fundgrube für oder
gegen dieses oder jenes Verfahren. Richtungsweisend oder gar bindend
scheint an ihr nichts gewesen zu sein, wie der Einsatz auf einem definitiv
nicht geeigneten Gefechtsfeld in Flandern und die lokale Abänderung der
Grundlagen des Angriffs bei Cambrai noch deutlich machen sollten 704 .
701
Siehe etwa MO 1917, Bd. 1, S. 239.
702
So der Titel der deutschen Übersetzung der S.S. 164, die am 7.1.1918 vom NO AOK 2
veröffentlicht wurde; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 178ff.
703
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102. Vielerlei Merkwürdigkeiten wären zu benennen,
etwa die Ansicht, daß Tanks (im Schlamm) versunkene Drahtverhaue niederwalzen
könnten (HStAS, M 33/2, Bü. 330, S.6 des Originals von SS 164, Ziff. 6.V.) oder daß
Infanterie einerseits gar nicht mit Tanks vorgehen sollte (Orig. S. 6, Ziff. 6), um sich dem
feindlichen Artilleriefeuer zu entziehen, dann aber doch in den Räumen zwischen den
Fahrzeugen „zu folgen“ hätte (Orig. S. 7, Ziff. 8).
704
Siehe Abschn. 8.1. und 9.1.
705
Dieser Zustand zog sich zumindest bis zum 11.4.1917 hin. Kuhl vermerkte noch für
diesen Tag: „Mehrfach mit Ludendorff gesprochen war sehr niedergeschlagen. Die Ursache
[für das Geschehen vom 9.4.] ist nicht klar, wird jetzt ermittelt.“ Zitiert nach BA-MA, RH
61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 54 (Tagebucheintrag vom 11.4.1917).
188
706
Siehe dazu auch RA, Bd. 12, S. 32 mit dem Hinweis auf Schwierigkeiten, die sich
Ludendorff bei der Verordnung des unter Ägide des Oberstleutnants Bauer erarbeiteten
neuen Verfahrens geboten hatten.
707
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334.
708
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Eintrag aus dem Fernsprechbuch
(der HGr Rupprecht) vom 11.4.1917.
709
Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 109 (Brief oder Tagebucheintrag vom
9.4.1917).
710
Auszüge aus den von Kaehler edierten Selbstzeugnissen Thaers finden sich bei
Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135, und RA, Bd. 12, S. 220.
711
Siehe Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 110.
189
„Die zahlreichen Tanks, die der Gegner in diesen Kämpfen einsetzte, erwiesen
sich obwohl wieder viele von ihnen vernichtet wurden doch wieder als wirksames
Angriffsmittel, vor allem bei Nacht.“ 712
Bezüglich der Ergebnisse der Befragung zweier Offiziere der 11. und
[Link] verfaßte die OHL am [Link] ein Fernschreiben 713 . Daraus ging
hervor, daß einmal die deutsche Artillerie besonders unter den ungünstigen
Stellungsbauverhältnissen in der Siegfried-Stellung gelitten hatte, und daß
dort, wo die Tiefengliederung eingenommen worden war, durchaus auch
ohne Eingreifen der Reserven lange Zeit ausgehalten werden konnte 714 . Zu
den Tanks sagten die befragten Offiziere aus, daß sie in geringer Zahl, bei
Tage und vornehmlich auf Straßen vorgegangen waren und, wenngleich sie
in einigen Fällen durch die Linie stoßen konnten, allesamt und baldigst
Opfer der Artillerie geworden waren. Die Sondergeschütze zur Tankabwehr
hatten daran keinen Anteil gehabt, da sie offenbar unzureichend gedeckt
eingebaut gewesen waren und von der feindlichen Artillerie frühzeitig
zerstört werden konnten 715 . Das Fazit legte den Grund des anfänglichen
Mißerfolges bei Arras ganz klar in den Bereich der unzureichenden
Umsetzung der Tiefengliederung, die ohne die Bereitstellung von
Eingreifreserven nah hinter der Front, welche ihrerseits wenig ausgebaut
gewesen war, scheitern mußte 716 . Hinzu kam „lokales Versagen der
vorderen Infanterie an einer Stelle“, nämlich der als „Schuldigen“
ausgemachten [Link]. Dieser Umstand wurde als eine maßgebliche
Erklärung des Mißerfolges mehrmals genannt und fand schließlich auch
Eingang in Ludendorffs Kriegserinnerungen 717 . Der Einsatz „besonderer
712
Zitiert nach KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 256: HGr Rupprecht,
Wochenmeldung vom 13.4.1917.
713
KA, HS 3402: Fernschreiben der OHL an AOK 1, dort aufgenommen als AOK 1 Ia Nr.
30 geheim vom 15.4.1917. Der Verteilungsplan in 40 Exemplaren betraf sämtliche
Gruppenstäbe, Divisionen und Offiziere der einzelnen Waffengattungen im Stab des AOK.
714
Ebenda, Ziff. 1.) u. 7.).
715
Ebenda, Ziff. 5.).
716
Ebenda, Abschn.: Besonderer Eindruck.
717
Ebenda, Ziff. 7.) bzw. 8.). Bei der [Link] hätte das Zentrum versagt, was sich für die
Flügel und dann für die benachbarten Divisionsabschnitte dramatisch auswirkte. Siehe auch
Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334, mit dem Hinweis auf das Versagen einer Division,
„die sonst als gut galt“. Ludendorffs „zweite rechte Hand“ neben Wetzell, der damalige
190
Mittel (Tanks, Gas)“ hatte seiner Ansicht nach keine besondere Rolle
gespielt.
Der ausschlaggebende Faktor für das deutsche Desaster vom [Link] 1917
konnte den ersten Erkenntnissen nach bereits schnell und eindeutig bei den
Dispositionen des AOK 6 vor der Schlacht verortet werden. Diese
Erkenntnis, die in unzureichender Umsetzung der Tiefengliederung und
Bereitstellung der vorhandenen Reserven zu Gegenstoß und Gegenangriff
hinter der bedrohten Front kulminierte 718 , kostete den Stabschef der
[Link], Generalmajor Freiherr von Nagel zu Aichberg 719 , nach dem Fall
Monchys am [Link] seine Dienststellung 720 . Dem nach Eindruck des
Hauptmann Geyer, notierte dazu: „Hauptgrund der Niederlagen vom 24.10., 15.12.16 [bei
Verdun] und 9.4.17 ist das Versagen unserer Infanterie, hervorgerufen durch
Vernachlässigung.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 33.
718
Vermeintliche Belege für das vielseitigste Versagen der Armeeführung lieferte Kuhl mit
seinen „Kriegserinnerungen“ von 1932, deren Nutzung er auch in jedem Einzelfall seiner
Genehmigung unterwarf; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Einträge
nach dem 11.4.1917, bes. Tagebucheintrag vom 14.4.1917. Das deutsche amtliche Werk
berichtete überdies davon, daß Kuhl als Generalstabschef der Heeresgruppe am [Link]
direkt beim AOK 6 intervenieren mußte, um, statt eines verspäteten und gefährlichen
Gegenangriffs ohne ausreichende Vorbereitungszeit, die Zurücknahme der Front zu
erreichen; siehe RA, Bd. 12, S. 225. Dieser Umstand trug zweifelsfrei auch seinen Teil
dazu bei, die Führung und das Ansehen des AOK 6 zu belasten. Siehe auch Kaehler:
Generalmajor v. Thaer, S. 107ff., und Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 135.
Dort wird von frühzeitigen Mahnungen der HGr gegenüber dem AOK 6 wegen bislang
unterlassenem Heranziehen von Reserven gesprochen.
719
Der General beendete den Krieg als Kommandeur der [Link], was, im Vergleich zur
Verwendung als Stabschef des AOK 6, einer signifikanten Zurücksetzung gleichkam. Er
fiel bei „Straßenkämpfen in München“ im Mai 1919; siehe Ehren-Rangliste, Bd. 2, S. 768.
720
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, Eintrag aus dem Fernsprechbuch
der HGr Rupprecht vom 11.4.1917. Kurz zuvor hatte Ludendorff Kuhl gegenüber noch
angezweifelt, ob es sinnvoll sei, das AOK 1, das erfolgreiche Führergespann von der
Somme, Below und Loßberg, um der Rettung der Lage willen und angesichts eines
geschwundenen Vertrauens in den Stab des AOK 6, mit der Weiterführung der Schlacht zu
betrauen. Von der Absetzung bzw. klaren Abstrafung Nagels hatte er zu diesem Zeitpunkt
ausdrücklich Abstand genommen; siehe ebenda. Der bayerische General befand sich mit
seinem Schicksal, das er offenbar lautlos ertrug, in allerbester preußisch-deutscher
Gesellschaft, was ein durchaus markantes, sehr viel älteres Beispiel dokumentieren kann.
Ein Chronist des Siebenjährigen Krieges hielt im Zusammenhang mit der zornigen
191
Abstrafung des Herzogs von Bevern durch Friedrich den Großen fest: „Ich will noch eins
hinzufügen, welches leider den Lesern seltsam erscheinen wird. Daß nämlich von Bevern
kein Laut der Klage kam. Nichts als Stillschweigen und ergebener Fleiß mit seinen armen
Mitteln kam von Bevern. [... .] Was, wie ich bemerke, eine übliche Verhaltungsweise
preußischer Generale und Soldaten war, wenn sie unverdient oder verdient in
Widerwärtigkeiten dieser Art gerieten. Und es ist eine viel bessere als die des
Beschwerdeführens in den Zeitungen und Forderns einer Untersuchungskommission unter
dem Vorsitz des Chaos und des vierten Standes heutzutage.“ Zitiert nach Carlyle, Thomas:
Geschichte Friedrichs des Zweiten genannt der Große. Neu herausgegeben und bearbeitet
auf Grund der Originalübersetzung von Georg Dittrich, Bd. 5, Meersburg 1928, S. 169f.
721
Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 141. Von Apathie sprach der
Stabschef des Kronprinzen allerdings nicht, sondern davon, daß sich Falkenhausen einfach
nicht damit hätte abfinden können, samt seines Stabes des vollständigen Versagens
überführt worden zu sein; siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl,
Tagebucheintrag vom 14.4.1917.
722
Siehe ebenda, S. 140, mit dem Vermerk einer Aussage Kuhls über Loßberg: „Wenn
überhaupt noch etwas zu machen ist, kann der es machen.“ Siehe auch RA, Bd. 12, S. 229.
723
Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 133: „Es rächt sich jetzt, daß die
[Link] in den letzten Tagen mit Munition sparte, ihre Reserven, diesseitigen Mahnungen
entgegen, wegen Unterkunftsschwierigkeiten nicht nahe genug an die Stellungsdivisionen
herangezogen und auch nicht rechtzeitig das Heranziehen von Reserven der Heeresgruppe
erbeten hatte. Ich kann mir den Vorwurf nicht ersparen, daß ich dem Oberkommando der
[Link] ein näheres Heranziehen seiner Reserven hätte befehlen sollen [;... .]“
192
Ob der Eindruck wirklich richtig war, wird weiter unten zu klären sein, doch
gerade hinsichtlich der Tankgefahr bleibt bei Thaer offen, inwieweit er sich
des Problems zuvor angenommen und Einblick in die bisherigen
724
Siehe RA, Bd. 12, S. 291, und Abschn. 6.2. der vorliegenden Arbeit.
725
Siehe Loßberg, Fritz v.: Meine Tätigkeit im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1939, S.
284f.
726
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 311: Lagemeldung HGr Rupprecht
vom 12.4.1917. Die Kernaussage umfaßte die Feststellung, daß trotz der Tanks keine
nennenswerten Erfolge erzielt worden waren.
727
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 292. Der „Tankbericht“ wurde laut Aussage
Mosers direkt an die OHL und alle AOKs der West- und Ostfront gesandt.
728
Zitiert nach Kaehler: Generalmajor v. Thaer, S. 113 (Brief vom 19.4.1917).
193
Untersuchungen und deren Ergebnisse hatte. Denn auffällig ist, daß er zwei
Tage später behauptete, mit „alarmbereit vorgezogenen Halbbatterien“ zur
Abwehr der „Tankbestien“ im direkten Richten ein neues Abwehrverfahren
verordnet zu haben 729 . Dieses Verfahren wurde schon ein halbes Jahr zuvor
in den ersten Äußerungen der Heeresgruppe Rupprecht und in der
Tankabwehrvorschrift des AOK 6 vom März 1917 als Möglichkeit
beziehungsweise Notwendigkeit angeführt 730 und seit Beginn der Kämpfe
von Arras bei der [Link] bereits auch praktiziert 731 . Inwieweit Thaers
obige Kritik allein auf einen momentanen Eindruck zurückzuführen ist, der
sich aus nicht überliefertem Austausch mit der Armee oder der
Heeresgruppe bis zum [Link] ergab, also bis zu einem Zeitpunkt, an dem
man bei der übergeordneten Führung auch schon vom Scheitern der
französischen Tanks an der Aisne wußte, muß unklar bleiben.
Möglicherweise waren es auch schnell getroffene Aussagen an der Schlacht
unbeteiligter Dritter, wie des GK [Link], das schon am [Link] von dem
bei Arras erbrachten Beweis für den Erfolg „planmäßiger, gut vorbereiteter
Bekämpfung der Tanks“ gesprochen hatte 732 , die ihn aufschrecken ließen.
Sehr wahrscheinlich und damit verbunden ist, daß sich Thaer auf die
möglichen Auswirkungen der aufwendig gestalteten Mitteilungen der
Gruppe A über die Ereignisse bei Bullecourt bezog, die seit dem [Link] in
großer Anzahl verbreitet wurden 733 . Der Tenor dieser Sammlung von
729
Ebenda, S. 114 (Brief vom 21.4.1917).
730
KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 37: HGr Rupprecht Ia Art.I Nr.
1248 vom 21.10.1916, Abschnitt Bekämpfung: „Es wird sich empfehlen, in jedem
Abschnitt eine oder mehrere Batterien zu bestimmen, die jeden erkannten
Kampfkraftwagen ohne weiteres und ohne Rücksicht auf sonstige Kampfaufgaben unter
Feuer nehmen.“ Siehe auch AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917: Anweisung der
Bekaempfung der feindl. Panzerkampfwagen (Tanks) durch Artillerie, Ziff. 15.b), Ziff. 26.
Ziff. 31 besagt nochmals ausdrücklich, daß beim Fehlen von Nahkampfbatterien zum
direkten Beschuß von Tanks „rechtzeitiges Eingreifen anderer Artillerie sichergestellt“ sein
müsse.
731
Siehe TG FAR 49, S. 73. Siehe auch TG FAR 51, S. 176, mit dem Hinweis auf
unbespannte und bespannte Einzelgeschütze, die zur Tankabwehr bereitgestellt wurden.
732
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: GK [Link] Ia Art. No 113 op. vom 11.4.1917.
733
Siehe ebenda, Bü. 573: GK [Link] Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917: Berichte über den am
11.4.1917 erfolgten englischen Tankangriff. Bis auf das soeben zitierte Deckblatt handelt es
194
sich bei allen wiedergegebenen Befehlen und Inhalten um Material, das vor dem [Link]
an höhere Stäbe weitergeleitet worden war. Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S.
292. Daß die Aussage des GK [Link] vom 11.4. mit den Erfahrungen Mosers bei
Bullecourt in direkter Verbindung stehen könnte, ergibt sich daraus, daß Moser in seinen
Aufzeichnungen angab, dem kommandierenden General des [Link], Theodor Frhr. v.
Watter, noch am selben Tag Mitteilung über Bullecourt gemacht zu haben; siehe ebenda.
734
Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK [Link] Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort:
[Link] Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, bzw. GR 123 Nr. 3687 Kr. 3 vom 13.4.1917, Abschn.
D.
735
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13f.: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917,
Abschn. IV.
195
736
Diesen Effekt benannte die [Link] in ihrem Erfahrungsbericht ausdrücklich und gab an,
daß die Nähe der Artillerie zur Infanterie hebend auf die Stimmung der Truppe wirke,
„denn die Infanterie hat das Gefühl, daß sie gegen alle Wechselfälle sofort über Artl.-
Schutz verfügt u. selbständig sofort die Stelle bezeichnen kann, wo Artl.-Hilfe dringend
ist.“ Siehe HStAS, M 206, Bü. 9: Gr Arras Ia Nr. 6051 Geheim. vom 28.4.1917.
737
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13f.: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917,
Abschn. II.
738
Siehe dazu auch Abschn. 6.5.2. und 7.2. der vorliegenden Arbeit.
739
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917.
740
Siehe ebenda, Ziff. 4.
741
Siehe ebenda.
196
ist die eine Sache, daß hierbei eben wahrscheinlich keine Fernbekämpfung
im eigentlichen Sinne vorliegt, sondern ein eher zwangsweises Einspringen
in die Rolle der Sonder- und Feldartilleriegeschütze, die andere. Immerhin
wird nur an dieser Stelle und nur von einem Geschütz gesprochen, was den
Ausnahmecharakter dieses Vorkommnisses unterstreicht. Die geringe
Bedeutung der Fernbekämpfung von Tanks dürfte sich unzweifelhaft aus
den Verlusten der Artillerie im Verlauf der Kämpfe erklären, wobei die
zeitgleich gewonnenen Erfahrungen aus der Aisneschlacht dem
widersprechend ausfallen sollten 742 . Die zahlreichen Hinweise auf die
Bedeutung der Gefechtsfeldaufklärung und
743
Kommunikationsmöglichkeiten legen es auch nahe, daß diese während
der Schlacht in großem Umfang ausgefallen waren und somit keine
wirkungsvolle Fernbekämpfung organisiert werden konnte 744 . Gemäß der
Anweisungen, daß Tanks Primärziele aller Geschütze in Reichweite sein
sollten 745 , war es zu einer recht unkoordinierten und nach Ermessen der
Führer vor Ort praktizierten artilleristischen Tankabwehr gekommen 746 .
Diese war allerdings selbst ohne Sondermunition derart erfolgreich 747 , daß
man für die Zukunft empfahl, den Batterieführern „voellig freie Hand zu
lassen“ 748 .
Die Bewertung der übrigen Abwehrmittel, besonders der beiden „neuen“
Mittel, endete günstig. SmK-Munition war sehr wirkungsvoll gegen die
dünner gepanzerten Teile, besonders die Seitenwände und Benzintanks. Und
selbst Maschinengewehr- und Gewehrfeuer mit gewöhnlicher Munition
brachte offensichtlich den Vorteil, daß sie die Tankbesatzungen zum
742
Siehe Abschn. 6.5.2.
743
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim vom 26.4.1917: Erfahrungen und
Folgerungen aus den Kämpfen um Arras, Ziff. II.
744
Siehe ebenda: Fernschreiben der OHL an AOK 1 vom 15.4.1917, Ziff. 2 und 6.
745
Siehe AOK 6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 17f., Abschn. VI.
746
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4.
Hingewiesen wird auf Einzelfeuer statt des ursprünglich als angemessen erachteten
Salvenfeuers der schweren Geschütze.
747
Siehe ebenda. Genannt wurden Sprenggranaten der Feld- und Fußartillerie, deren
Splitterwirkung auch ohne direkte Treffer verheerend wirkte.
748
Siehe ebenda. Siehe auch Abschn. 6.5.2.
197
Schließen der Schieß- und Sichtscharten zwang 749 . Die Untersuchung der
Rolle der Minenwerfer, die, wie man angesichts der knappen Zeilen und
Ausdrucksweise vermuten darf, noch nicht abgeschlossen war, ergab, daß
sie „angeblich grosse Loecher“ in die Seitenwände der Tanks gerissen
hatten 750 . Dies bedeutete eine deutliche Empfehlung dieser Waffen für die
Tankabwehr. Bei den Handgranaten, also einer bei der Infanterie massenhaft
vorhandenen Waffe, konnte wiederum die Unzulänglichkeit einzelner
Sprengkörper bestätigt werden. Was etwas verwundert, ist, daß hier aber
nicht die geballte Ladung, sondern gleichzeitig geworfene, einzelne
Handgranaten als effektive Abwehrmöglichkeit präsentiert wurden. Die
Wirkung hätte wenigstens in einem Fall in der Beschädigung der
Panzerkette gelegen, was der Artillerie die Ausschaltung des
bewegungsunfähigen Tanks erleichtert habe 751 . Der letzte Punkt der
Betrachtung der Tankabwehrmittel betraf die passive Tankabwehr 752 . Etwas
kurios nimmt sich dabei die Aussage aus, daß es die unfertigen Baugruben
der Siegfried-Stellung gewesen seien, die erfolgreich als Tankfallen fungiert
hatten. Gräben von 2,50m Breite wurden als ernstes Hindernis für
Kampfwagen deklariert, was sich als einziges der bislang aufgeführten
Ergebnisse der Gefechtsanalysen später als schwerwiegender Trugschluß
herausstellen und erstaunlicherweise noch im Sommer 1918 als Maxime
gelten sollte 753 . Um noch einmal auf Thaers Kritik an der höchsten Führung
zurückzukommen, liegt in der Breite der „Tankfallen“, die er mit
mindestens vier Meter Breite angab, der einzige sichtbare Unterschied
zwischen den Anweisungen und Erklärungen der Heeresgruppe und seinen
eigenen, die im Namen der Gruppe Arras am [Link] erschienen 754 . Nicht
nur, daß Thaer hierin außerordentlich deutliche Anleihen bei den
749
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4.a).
750
Siehe ebenda, Ziff. 4.b)., und HStAS, M 200, Bü. 34: Minenwerfer-Abt. GR 123 vom
25.4.1917.
751
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Ziff. 4.c).
752
Siehe ebenda, Ziff. 4.d).
753
Siehe Abschn. 9.6.2. und Abschn. 12.5.2.
754
Siehe BA-MA, RH 61/50597: GK [Link] Ia Nr. 6085 vom 29.4.1917, Ziff. III. Das auch
mit einer Zeichnung eines „männlichen“ Mark II ausgestattete Merkblatt hatte einen
Verteiler bis hinab zu den Kompanien.
198
Erfahrungen der [Link] bei Bullecourt machte 755 , sondern, daß er das
Zutrauen der Truppe in die vielseitigen Tankabwehrmittel 756 besonders zu
fördern suchte, muß vor dem Hintergrund seines Tagebucheintrages vom
[Link] auffallen und merkwürdig erscheinen. Von der von ihm zuvor
unterstellten Wehrlosigkeit der Infanterie ist an dieser Stelle nichts zu
finden, ebenso wenig von Relativierung der Abwehrerfolge oder einer
irgendwie gearteten Opposition zu den möglicherweise zu positiv geratenen
Auswertungen des Geschehens durch andere Dienststellen und Stäbe.
Man muß an dieser Stelle nochmals unterstreichen, daß die Abwehrmittel
durchaus zahlreich waren. Daß die deutsche Führung zumindest oberhalb
der Ebene der Divisionen den Tank als Gefahr nicht wahrgenommen haben
sollte, ist in den Erklärungen zur Schlacht von Arras nicht nachweisbar.
Ganz das Gegenteil ist der Fall, denn in den Verlautbarungen der
Heeresgruppe Rupprecht am 21. und [Link] gestand man ihnen wiederum
große moralische Wirkung auf die deutschen Truppen zu 757 . Diese sollte
durch die schon zuvor geforderte Priorität der Tankbekämpfung für alle
Geschützarten relativiert und ihr durch „fortgesetzte Belehrung“ der
Infanterie über die vielfältigen Abwehrmöglichkeiten nachhaltig
entgegengetreten werden 758 . Hiermit wurde ein Anspruch formuliert, der
hier nicht erstmalig vorkam und als einer der wichtigsten Momente der
deutschen Tankabwehr des Ersten Weltkrieges weiter zu verfolgen sein
wird 759 .
755
Siehe ebenda, Ziff. II.
756
Thaer schrieb etwa zur SmK-Munition, daß damit ausgerüstete Infanterie imstande sei,
einen Tank kampfunfähig zu machen (Ziff. III.3.), daß Minenwerfer aller Art zur
Tankabwehr geeignet seien (Ziff. III.4.) und Nahkampfgeschütze, Infanteriegeschütze,
Grabenkanonen sowie bespannte Feldartillerie-Kanonenzüge hervorragend wirken würden
(Ziff. III.5.).
757
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917,
Abschn. IV. und KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.:
Allgemeines Urteil über die Tanks.
758
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 13: HGr Rupprecht Ia Nr. 2853 geh. vom 21.4.1917,
Abschn. IV.
759
Siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit.
199
760
Siehe Pierrefeu, Jean de: L’Offensive Du 16 Avril. La Vérité sur l’affaire Nivelle, Paris
1919, S. 14ff.
761
Siehe Strachan: The First World War, S. 237f., und Rocquerol, J.: Le Chemin Des
Dames 1917, Paris 1934, S. 86f.
762
Siehe Buffetaut, Yves: The 1917 Spring Offensives. Arras, Vimy, le Chemin des
Dames, Paris 1997, S. 102. Namentlich Foch und de Castelnau wurden vorab ihrer
Kommandos enthoben.
763
Ausschlaggebend war die Erkenntnis Michelers, daß sich seit den ersten Planungen die
Feindlage zusehends änderte und damit die auf positivistischen Annahmen beruhenden
200
[Link] verlegte 768 , freilich ohne Absicht, ihn zu verwerfen, dann auch
wegen des Zugzwanges, den das offensichtliche Erlahmen der britischen
Anstrengungen bei Arras schuf.
768
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 619.
769
Siehe RA, Bd. 12, S. 101ff.
770
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 579.
771
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 612f.
772
Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 36, mit einem Zitat Nivelles: „Nous romprons
le front allemand quand nous voudrons à la condition de ne pas nous attaquer au point le
plus fort et de faire l’opération par surprise et attaquer brusquée.“
202
Abb. 5: Karte zur Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne 773 .
Hierzu versammelte Nivelle eine bis dahin nicht gesehene Masse von
Truppen und Material, die in zwei Armeen in Stellung auf den Flügeln (3.
und 4.), zwei Angriffsarmeen (6. unter Mangin und 5. unter Mazel) sowie
zwei Reservearmeen (10. unter Duchêne unter 1. unter Fayolle) gegliedert
773
Abb. nach Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 103.
203
774
Siehe RA, Bd. 12, S. 305f.
775
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 616f. Vergleiche RA, Bd. 12, Beilage 28 b), Anm. 2. Dort sind
für die 5., 6. und [Link] und zwei Korps der [Link] insgesamt 4.798 Geschütze
angegeben.
776
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 619ff., und LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1251, 1266, 1315,
1332 und 1345.
777
Ebenda, S. 622.
204
778
Siehe RA, Bd. 12, S. 307. Davon waren laut Angabe in LAF, Bd. V.1., S. 617, 500
Beobachtungsflugzeuge.
779
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 620f.
780
Siehe ebenda, S. 618.
781
Siehe ebenda, S. 617.
782
Siehe auch Kap. 2. der vorliegenden Arbeit.
783
Siehe Goya, S. 335.
784
Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 15, und Ogorkiewicz, Richard M.: The French Tank
Force, in Fitzsimons (Hg.): Tanks and Weapons of World War I, S. 98.
205
Zeit 785 . Trotz dieser Probleme forderte Nivelle im März 1917 2.500 Tanks
an 786 .
Was im April 1917 zur Verfügung stand, war eine Armada aus den beiden
Fahrzeugtypen. Der char d`assaut [Link] M16 war mit 23 Tonnen das
schwergewichtigste Modell der französischen Streitkräfte während des
Krieges und hatte als Hauptbewaffnung eine im Bug untergebrachte 75mm
Feldkanone M1897. Die geringe Dimension des Chassis im Vergleich zum
Aufbau und das schwere, weit über das Chassis herausragende Geschütz
ermöglichten eine nur geringe Beweglichkeit im Gelände 787 . Geringfügig
besser sah es beim CA-1 aus 788 , der mit 13,5 Tonnen Gewicht 789 nur halb so
schwer war wie die britischen Gegenstücke. Bei einer Besatzung von sechs
Mann verfügte er über eine kurze, recht eigenwillig auf der rechten Bugseite
angebrachte 75mm Kanone und zwei Maschinengewehre in Kugelblenden
an den Fahrzeugseiten. Die Panzerung lag mit 11mm zwar auf dem Niveau
der Mark-Typen, doch wegen der Gefährlichkeit der deutschen SmK-
Munition wurde an einzelnen Stellen am Bug und an den vorderen Flanken
zusätzliche Panzerung bis auf ein für den [Link] 1917 nachweisbares
Gesamtniveau von 24mm angebracht 790 . Die Geschwindigkeit des
Schneider, etwa 2-4km/h 791 , war mit derjenigen der britischen Tanks
wenigstens vergleichbar, seine Grabenüberschreitfähigkeit mit 1,50-1,80m
785
Förster/Paulus: Abriß, S. 16. Ogorkiewicz gibt dazu ferner an, daß die ersten acht CA-1,
die bis Ende November 1916 ausgeliefert worden waren, wegen Verzögerung in der
Panzerstahlproduktion nur mit minderwertigem Schutz versehen und deshalb lediglich als
Trainingsfahrzeuge zu gebrauchen waren; siehe Ogorkiewicz: The French Tank Force, S.
100.
786
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 578.
787
Förster/Paulus: Abriß, S. 16, und Ogorkiewicz: The French Tank Force, S. 101.
788
Informationen zum Fahrzeug und seiner Entwicklungsgeschichte finden sich unter:
H[Link] .
789
Die Angaben zum Gewicht des CA-1 schwanken zwischen 12,5 und 13,5t, was
vermutlich auf die verschieden starken, zusätzlich angebrachten Panzerplatten
zurückzuführen ist.
790
Siehe KA, HS 3402 : Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 4.
791
Siehe Hellot: Histoire De La Guerre Mondiale, Bd. III : Le Commandement Des
Généraux Nivelle Et Pétain 1917, Paris 1936, S. 29.
206
allerdings geringer 792 . Alles in allem, so scheint es auf dem Papier, hatte
sich das lange Warten auf eigene Tanks gelohnt und zwei Fahrzeuge 793
verfügbar gemacht, die hinsichtlich Bewaffnung und Panzerschutz
erfolgversprechend ausgeführt waren. Die [Link] waren schwer
bewaffnet und demnach als „Angriffs-“ oder „Sturm-Artillerie“ zu
betrachten. Die CA-1 waren deutlich kleiner und für die Verfolgung des
zurückweichenden deutschen Gegners nach vollendetem Durchbruch
vorgesehen. Aus diesem Grund erklärt sich mit großer Wahrscheinlichkeit
auch die riskante Maßnahme, daß der im Vergleich zu den britischen Tanks
(37km) schon große Fahrbereich der CA-1 (60km) mittels zusätzlicher
Treibstoffbehälter, die ungeschützt außerhalb der Fahrzeuge angebracht
waren, erhöht wurde 794 .
Organisatorisch waren unter dem Befehl Estiennes, der zum General
befördert das Kommando über die „Artillerie d’Assaut“ inne hatte,
Gruppen 795 gebildet worden. Diese, die bei einer Ausstattung mit CA-1 aus
Batterien mit insgesamt je 16 Fahrzeugen bestanden, waren als autarke
Unterstützung für Korps vorgesehen 796 . Sie verfügten dementsprechend
über eigene Unterstützungsteile und Logistik und waren im April 1917
zukunftweisender zusammengesetzt als die schwachen Bataillone des Tank
Detachments. Konzeptionell handelte es sich bei den Vorstellungen ihres
Einsatzes um eine Zwischenform, die Fähigkeiten zur
Infanterieunterstützung und die Möglichkeiten der Tanks, einen Durchbruch
aufgrund eigener Durchschlagskraft zu erreichen, nebeneinanderstellte. Die
Nähe zu den frühen Ideen Swintons und den Visionen Fullers, hin zu einer
vollends dem Durchbruch geweihten, gepanzerten Speerspitze des Heeres,
sind dabei unverkennbar. Und sie schlugen sich im Januar 1917 in Estiennes
792
Siehe Ogorkiewicz: The French Tank Force, S. 99.
793
Zum FT-17 siehe Abschn. 6.5.2.
794
Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 20.
795
Um keinerlei unnötige Verwirrung mit dem verschiedenartig gebrauchten Begriff
(„Groupement“ als Verband mehrerer „Groupes“) zuzulassen, wird ferner für die
„Groupes“ der Terminus „Abteilung“ und für „Groupements“ derjenige der „Gruppen“
gebraucht werden. Die 1918 auftretenden Einheiten mit FT-17 wurden in Bataillonen
formiert.
796
Siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 36f.
207
„ordre général no 1“ 797 deutlich nieder. Ein Teil der Wagen sollte die
Infanterie begleiten und mit den Bordwaffen gegnerische
Verteidigungspositionen niederkämpfen, nach Möglichkeit aber, auch ohne
Infanteriebegleitung, immer den Weg tief in die feindlichen Stellungen
suchen 798 . Primäre Aufgabe wenigstens des anderen Teils der gepanzerten
Streitmacht war grundsätzlich der Stoß gegen die letzten deutschen
Stellungen, um sich selbst und auch der Kavallerie einen Raum für den
strategischen Durchbruch zu schaffen 799 . Für den Angriff am [Link]
wurden die Tanks exklusiv zum Stoß durch die dritte deutsche Stellung und
darüber hinaus vorgesehen 800 .
Für die Offensive schieden die [Link] wegen technischer Probleme
aus, während die CA-1 in der Größenordnung von 128 Fahrzeugen am
[Link] zum Angriff bereit waren. Sie wurden der [Link] unterstellt 801 ,
deren [Link] d’Armée ([Link]) die Einsatzgruppe „Chaubès“ mit 48
Fahrzeugen und deren [Link] 80 Tanks der Gruppe „Bossut“, beide
benannt nach ihren Kommandeuren, zugeteilt wurde 802 . Eine derart große
Konzentration bei einer Angriffsarmee hatte es bisher nicht gegeben und
797
Siehe Pesqueur, Michel: L’évolution du concept français d’emploi chars entre 1917 et
1924. De l’espoir d’une révolution stratégique à un immobilisme tactique unter :
H[Link] .
798
Siehe ebenda.
799
Siehe auch Boucher, J.: L’Arme Blindée Dans La Guerre. Origine, Èvolution De La
Stratégie. Opérations Dans La Deuxième Guerre Mondiale, Rôle Futur (Collections De
Memoires, Études Et Documents Pour Servir A L’Histoire De La Guerre), Paris 1953, S.
15.
800
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.
801
Ursprünglich war für die [Link] die Panzergruppe „Lefèvre“ mit zwei Gruppen
Schneider und einer Gruppe [Link] vorgesehen gewesen; siehe LAF, Bd. V.1., S.
578. Sie nahm an den Gefechten des 16.4.1917 allerdings nicht teil, wofür im frz. amtlichen
Werk keinerlei Erklärung geliefert wird. Die Gesamtzahl der am 16.4.1917 eingesetzten
Tanks wird von einigen Autoren zuweilen auch mit 132, 121, 124 oder 130 angegeben;
siehe bspw. Guttenberg, Erich Frhr. v./Meyer-Gerlach, Georg: Das Königlich Bayerische
Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 5, München 1938, S. 124, Roqucerol: Chemin Des
Dames, S. 116, oder Loez, André: Le Baptême Du Feu Des Chars D’Assaut Français. Aux
Origines De La Défaite De 1940? In Offenstadt, Nicolas (Hg.) : Le Chemin des Dames. De
l’événement à la mémoire, o.O. 2004, S. 111.
802
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 578 und S. 617.
208
803
Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1101.
804
Siehe ebenda, Bd. V.1., S. 617 und S. 646.
805
Nach einer unterstützenden Abfrage der Entfernungen und Fahrtzeiten über
[Link] mit einer zugrundegelegten, optimistischen
Marschgeschwindigkeit von 5km/h ergibt sich für das Ziel Corbeny eine reale Distanz von
11,23km, die in 2 Stunden 14 zurückgelegt werden könnte, und für das Ziel Prouvais
19,66km bei einer Fahrtdauer von 3 Stunden 55. Nicht berücksichtigt sind technische
Defekte, Feindbeschuß, Schwierigkeiten mit Auswirkungen auf die Geschwindigkeit, die
sich etwa aus der Anzahl der Fahrzeuge und beim Überwinden von Engpässen wie Gräben
ergeben könnten, sowie die Zeit, die zum Organisieren und Formieren der Tankgruppen
direkt vor dem Eingreifen ins Gefecht benötigt wird.
806
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661. Dort bestätigt für das Spitzenfahrzeug der
Kolonne Chaubès.
807
Siehe Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 103.
808
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 617.
209
809
Zitiert nach ebenda, S. 619. Siehe auch Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 122. Keegan, S.
455f., gibt hierzu das Beispiel der Aussage des britischen Verbindungsoffiziers Spears, der
über seine Beobachtung am Morgen des 16.4.1917 schrieb: „Eine fast freudige Erregung,
eine geradezu optimistische Erwartung überkam die Truppen. Rings um mich sah ich
grinsende Gesichter von Männern, deren Augen leuchteten. Als sie meine Uniform sahen,
kamen einige Soldaten erwartungsvoll auf mich zu. `Die Deutschen werden uns nicht
standhalten..., ebenso wenig wie euch bei Arras. Sie liefen regelrecht davon, nicht wahr?´
Die Wirkung der fröhlichen Stimmen wurde erhöht durch die Lichtreflexe auf Tausenden
von blauen Stahlhelmen.“
810
Angesichts der angenommenen Kräfteüberschüsse der Franzosen war schon seit
Jahresbeginn kein Zweifel über eine kommende Frühjahrsoffensive vorhanden; siehe RA,
Bd. 12, S. 79, Hoeppner, v.: Deutschlands Krieg in der Luft, Leipzig 1921, S. 106, und
Haehnelt: In den Abwehrschlachten 1917, in Neumann, Paul G. (Hg.): Die deutschen
Luftstreitkräfte im Weltkriege, Berlin 1920, S. 478.
210
811
Siehe ebenda.
812
Siehe ebenda, S. 280. Die Beute des 15.2.1917 soll nach anderen Angaben aus genauen
Plänen für die Offensive bestanden haben, die aus dem Unterstand des Neffen Nivelles,
eines Hauptmanns, geborgen werden konnten; siehe etwa Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 110,
Goes, Gustav: Chemin des Dames, Hamburg 1938, S. 96 und, in abgeschwächter Form,
Ettighofer, Paul C.: Eine Armee meutert. Schicksalstage Frankreichs, Gütersloh 1937, S.
52ff. und S. 91ff. Dieser Behauptung ist insofern zu widersprechen, als daß die
französischen Dokumente zwar detailliert die Veränderung der Angriffsweise mit
Massenangriffen, Tankunterstützung, massivster Artillerievorbereitung und weitgesteckten
Zielen darstellten, über Ort, Zeit und Verbände jedoch keine Information preisgaben. Wie
wichtig die gewonnenen Informationen dennoch waren, zeigte sich darin, daß sie im März
1917 von der OHL für eine gedruckte Informationsschrift ausgewertet wurden; siehe Chef
des Generalstabes des Feldheeres: Das französische Angriffsverfahren nach den unter dem
[Link] 1916 von der O.H.L. herausgegebenen „Anweisungen über Ziel und
Vorbedingungen für eine allgemeine Offensive.“ (Nachweis über MGFA, Bibliothek,
Signatur Gn 6680.)
813
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 65f.: AOK 2 Abt. Ia. Nr. 700/April. vom 11.4.1917,
Ziff. 2.f), und ebenda, Bl. 61f.: AOK 1 Ia/Ib Nr. 2519 vom 7.4.1917, Ziff. 2.). Hier sind im
Verteiler auch die AOK 3 und 7 zu finden.
211
814
Siehe RA, Bd. 12, S. 280f., und Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 87.
815
Siehe RA, Bd. 12, S. 282. Gen. d. Inf. v. Boehn ersetzte Generaloberst v. Schubert am
12.3.1917 als Befehlshaber der [Link]. Die Neuordnung der Befehlsverhältnisse war nach
RA, Bd. 12, S. 282 am 5.3., laut Kronprinz Wilhelm schon am 1.3. angeordnet worden;
siehe Kronprinz Wilhelm: Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf, Berlin
1923, S. 268.
816
Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 269.
817
Ebenda, S. 271.
818
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 15. Es wäre zu erwarten gewesen, daß dieses
besonders eindrucksvoll ausgeführte Element der passiven Tankabwehr zumindest in den
der Schlacht folgenden Berichten Erwähnung gefunden hätte.
212
Tanks besonders hinderlich sein konnten, ist in Hinblick auf die geringe
Grabenüberschreitfähigkeit des CA-1 dagegen wahrscheinlich 819 .
Noch einmal, am [Link] 1917, gelangten aufschlußreiche Dokumente in
deutschen Besitz, die bei einem Vorstoß von Verbänden auf dem linken
Flügel der [Link] nordwestlich von Reims eingebracht werden konnten.
Sie offenbarten Umfang, Ziele und die erheblichen Kräfte, die für den
Angriff des französischen [Link] und seiner nächsten Nachbarn vorgesehen
waren. Deutsche Reserven konnten diesen Erkenntnissen nach in diesem
Frontsektor sehr günstig aufgestellt werden 820 .
Die Kräfte der deutschen Verteidiger, die sich noch am [Link] auf die
nicht unbeträchtliche Feuerkraft von 2.431 Geschützen stützen konnten 821 ,
gliederten sich direkt vor dem Beginn der Infanterieschlacht in 15
Stellungsdivisionen bei der 7. und 10 Stellungsdivisionen auf dem rechten
Flügel der [Link] 822 . In einer ersten Linie von Eingreifdivisionen, die
allesamt in Abständen von etwa fünf bis knapp acht Kilometern hinter der
vordersten Linie standen 823 , befanden sich bei der [Link] sieben
Divisionen. Ihre Verteilung folgte ganz offensichtlich dem
Angriffsschwerpunkt der französischen 6., 5. und [Link] bei den
819
Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21. Die Breite der ersten deutschen Gräben wird
dort mit 4-5m angegeben.
820
Siehe RA, Bd. 12, S. 288.
821
Siehe ebenda, Beilage 28 b). Da es sich um die Zahl bei Beginn des Infanterieangriffs
handelt, ist die ursprüngliche Rohrzahl und damit auch der Geschützverlust während der
zehntägigen Beschießung nicht berücksichtigt. Nimmt man die 80% Geschützstärke der
Gruppe Sissonne bis zum [Link] 1917 als Anhalt (siehe RA, Bd. 12, S. 295), dann hätte
die frühere deutsche Artilleriestärke über 2.900, wahrscheinlich sogar mehr Geschütze
betragen.
822
Die Zählung folgt den Einzeichnungen in RA, Bd. 12, Beilage 13. Für die [Link] sind
lediglich die drei rechten Flügelgruppen, Reims, Prosnes und Py, gezählt. Das AOK 1
(Fritz v. Below und v. Loßberg, dann, in der Champagne, v. Klüber) wurde am 12.4. für die
erwartete Champagneschlacht freigestellt, übernahm aber erst am 16.4. mittags den Befehl
über die Verbände beiderseits Reims, zwischen 7. und [Link]; siehe Kronprinz Wilhelm:
Erinnerungen, S. 273f., und RA, Bd. 12, S. 292.
823
Interessanterweise gibt das RA, Bd. 12, S. 291 an, daß die Eingreifdivisionen erst nach
den negativen Erfahrungen bei Arras am [Link] freigegeben worden sind, womit man den
stetigen Forderungen der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz erst sehr spät entsprach.
213
824
Siehe Nash: The 251 divisions.
825
Darunter bei der [Link] die [Link], [Link], [Link], [Link], [Link], [Link] und [Link],
welche nach Nashs Edition der „251 divisions“ wenigstens als hochwertige Gegner
([Link] und besser) angesehen wurden.
826
Ein Armeebefehl des AOK 7 vom 5.3.1917 lautete: „Die längst angekündigte
Frühjahrsoffensive unserer Gegner scheint –beschleunigt durch die Erfolge unserer
wackeren U-Boote- nahe bevorzustehen und wird sich mit einem Hauptstoß gegen den seit
so vielen Monaten ruhigen Abschnitt der [Link] richten. Die Armee ist bereit, den
Gegner zu empfangen und ihn heimzuschicken. Ihr wißt, worum es sich handelt und was
Ihr zu tun habt. Schaut Euch um! Die Vernichtung von Stadt und Land, Wald und Flur, die
214
Ihr erblickt, droht in noch viel schlimmeren Maße unserem Vaterlande, wenn wir nicht
siegen. Wir kämpfen hier an der Aisne für Hof und Herd, Weib und Kind, genau so, als
wenn wir die Wacht am Rhein hielten. Wir müssen festhalten, was mit dem Blute so vieler
Kameraden erstritten ist [...]. Darum haltet scharfen Ausblick, zumal bei Nacht und Nebel,
daß wir nicht überrascht werden. Seid hart wie Stahl im Feuer und so, wie es unser Kaiser
erwartet. Gebt feste deutsche Hiebe jedem, der Euch nahe kommt, ob es ein weißer,
schwarzer oder brauner Franzose ist. Schlagt zu, bis unser Feind ganz weich wird und um
den deutschen Frieden bittet, den er vor wenigen Wochen in hochmütiger Verblendung
zurückgewiesen hat. Wer möchte ohne diesen siegreichen Frieden zurückkehren? Was
nützte uns das Leben, wenn wir die Sklaven unserer Feinde würden? Nein, das wollen wir
nicht! Wir wollen siegen, und wir werden siegen, weil wir siegen müssen!“ Zitiert nach TG
IR 79, S. 352f.
827
Siehe RA, Bd. 12, S. 282, Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 265ff., und Kuhl: Der
Weltkrieg, Bd. 2, S. 88.
828
Siehe RA, Bd. 12, S. 283 und S. 287ff.
829
Teile der [Link] waren noch bis Anfang April 1917 als Übungsdivision zum Kursus für
höhere Offiziere in Sedan abkommandiert; siehe Engelmann, Wilhelm (Bearb.): Geschichte
des Feldartillerie-Regiments Nr. 99 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 230),
Berlin 1927, S. 66f., und Rudorff, Franz v.: Das Füsilier-Regiment General Ludendorff
(Niederrheinisches) Nr. 39 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher
215
und den Zweck hatten, elementare Fähigkeiten für den Stellungskrieg und
für die neue Lage modifizierte Grundsätzlichkeiten des längst vergessenen
Bewegungskrieges, etwa das Stoßtruppverfahren, zu vermitteln 830 . Wie
wenigstens eine Truppengeschichte aus den Reihen der [Link] aussagt,
gehörten zum theoretischen Teil der Ausbildung der Infanterie auch
Belehrungen über Tanks und Tankbekämpfung, deren Grundlage
gesammelte und schriftlich fixierte Erfahrungen und Ratschläge waren,
welche reichlich kursiert sein sollen 831 . Praktische Tankabwehrübungen im
direkten Richten und gegen selbstgebaute „Tankscheiben“ wurden
nachweislich bei der Artillerie der [Link], [Link], [Link] und [Link]
durchgeführt 832 . Als Verstärkung der Tankabwehr waren im Bereich der
Gruppen Vailly, Liesse und Sissonne der [Link] zusätzlich neun
Nahkampfbatterien eingeschoben worden 833 . Das Auftreten der
französischen Kampfwagen wurde also durchaus erwartet und mit einer
Zuteilung von Sondergeschützen in einer der [Link] vor Arras zumindest
größengleichen Form gewürdigt 834 . Ferner schufen die Generalkommandos
Regimenter, Bd. 125), Berlin 1925, S. 125f. Sonst kamen für die Ausbildung Aufenthalte
auf Truppenübungsplätzen, etwa demjenigen der Gruppe Sissone, oder bei den Quartieren
in Frage.
830
Dazu gehörte auch die Ausbildung an Übungswerken, die im Gegenstoß mit Stoßtrupps
„genommen“ wurden; siehe etwa TG FR 39, S.125f., oder Demmler, Ernst (u.a.): Das K.B.
Reserve-Infanterie-Regiment 12 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische
Armee, Bd. 80), München 1934, S. 209f.
831
Siehe TG [Link] 12, S. 210.
832
Siehe Dieterich, Karl (u.a. Bearb.): Das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46
im Kriege 1914-1918, Braunschweig 1934, S. 227, Verschiedene Verfasser: General Oskar
Freiherr von Watter, Hamburg o.J., S. 26 [weiterhin zitiert als „Watter“.], Köhn, Herrmann:
Erstes Garde Feldartillerie-Regiment und seine reitende Abteilung (Ehrenblätter deutscher
Regimenter, Bd. 258), Teil I, Oldenburg 1925, S. 327, und Oertzen, v.: Das [Link]-
Feldartillerie-Regiment im Weltkriege (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd. 64), Zeulenroda
1933, S. 153.
833
Siehe Goes: Chemin des Dames, S. 195f.
834
Da Archivalien fehlen, sind weitere Tankabwehrmittel bei der 7. nicht festzustellen
gewesen. Bei der [Link] wurde wahrscheinlich ebenfalls auf eine umfangreichere
Zuteilung von Sondergeschützen geachtet, wie einem Bericht des Führers der durch 5cm
Kanonen i.P.L. ergänzten NKB 241 (bei der [Link]) zu entnehmen ist; siehe Strobel:
Nahkampfbatterie. Die Nahkampfbatterie 241 in den Kämpfen um den Hochberg April
216
1917 in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 454f. Das AOK 6 verfügte über neun
Nahkampfbatterien; siehe Abschn. 5.2. der vorliegenden Arbeit.
835
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 1.
836
Neben der [Link], die am 16.4. in Linie vor der ebenso vorher geschulten [Link] im
Abschnitt vor Juvincourt lag, ließen sich auch für die [Link], [Link], [Link], [Link] und
[Link] besondere Ausbildungsmaßnahmen im Vorfeld der Schlacht ausmachen.
837
Siehe TG FR 39, S. 125 mit dem Hinweis auf hervorragende Erholungsmöglichkeiten
während der Ausbildungsphase. Wie die TG [Link] 12, S. 213 angibt, waren bei ihrer
zeitweiligen Verwendung als Stellungsdivision zwar Möglichkeiten für regelmäßige
Ablösungen gegeben, gleichzeitig aber wurde der Ausbau der Stellungen mit allen Mitteln
gefordert. Die TG FAR 99, S. 73, spricht ebenfalls von Belastungen durch Stellungsbau,
besonders aber durch eine zeitweilige Zuteilung zur [Link], wobei Kampfverluste
eintraten, bevor die Batterien wieder der [Link] unterstellt wurden.
838
Siehe RA, Bd. 12, S. 295, und vergleiche die mysteriöse Darstellung bei Chickering, S.
212: „Viele Granaten, die die Franzosen während der ersten neun Tage über der
Champagne abwarfen, fielen hauptsächlich ins Leere, da die Deutschen ohne Wissen der
Franzosen das Gebiet zuvor geräumt hatten.“
217
839
Der Kronprinz schrieb über die Wirkung der französischen Artillerievorbereitung, daß
die Verluste durch das Artilleriefeuer stiegen und daß die Nerven der Truppen durch das
lange Abwarten „bis zum äußersten gespannt“ waren, während ihre Haltung gut und
zuversichtlich gewesen sei; siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 274. Vergleichbare
Aussagen finden sich in RA, Bd. 12, S. 293, wo von „zuversichtlicher Stimmung“, aber
auch „nicht unerheblichen Verlusten und weitgehender Stellungszerstörungen“ gesprochen
wird. Auch als Folge des Feuers mußte die angeschlagene [Link] der Gruppe Brimont am
[Link] von der als Eingreifdivision vorgesehenen [Link] abgelöst werden. Ebenso waren
Ablösungen für Teile der [Link] vorgesehen, die als nicht mehr kampffähig erachtet
wurden; siehe BA-MA, RH 61/51741: Manuskript v. Stützner, S. 57.
840
Dieser wurde den Angreifern in den der Schlacht folgenden Berichten zumindest für den
ersten Sturmangriff zugebilligt, so etwa durch die BED: „Der erste Ansturm des Feindes
war schneidig, der im Graben eingedrungene Feind leistete jedoch unseren sofort
vordringenden Stoßtrupps nur geringen Widerstand- die Teilangriffe hatten keine
energische Stoßkraft mehr.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/50597: Bayerische Ersatz-
Division Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil B., Ziff. 14.).
841
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 634.
842
Siehe ebenda, S. 635 ([Link]), S. 636 ([Link] und [Link]) und S. 637f. ([Link]).
843
Siehe ebenda, S. 638ff.
844
Siehe RA, Bd. 12, Beilage 15.
218
845
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 640.
846
Siehe ebenda.
847
Siehe ebenda. Daß hiermit der Glaube Nivelles an den Sinn der Fortsetzung der Schlacht
bestärkt werden mußte, könnte ein Grund für die Aufnahme dieser Passage in das frz.
amtliche Werk gewesen sein. Jedenfalls behauptete Balck in seiner Arbeit über den
Stellungskrieg später, Nivelle habe vom neuen Abwehrverfahren seines Gegners gewußt,
wobei sich dies für den Nachrichtenoffizier und seine Meldung definitiv nicht sagen läßt;
siehe Balck, S. 101.
848
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 643.
849
Siehe ebenda, S. 644.
850
Siehe ebenda, S. 644. Das [Link] der [Link] wurde in der Nacht 19 mal angegriffen.
851
Siehe ebenda, S. 644f.
219
852
Siehe ebenda, S. 645.
853
Siehe RA, Bd. 12, Beilage 16.
854
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.
855
Siehe TG [Link] 5, S. 113, und Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im großen
Kriege, S. 376ff.
856
Siehe TG [Link] 5, S. 113.
857
Siehe ebenda und TG [Link] 12, S. 218f.
220
entwickeln sollten 858 , aber durch das mit Trichtern übersäte Gelände nur
langsam vorankamen 859 .
Was dann, in einem Zeitfenster zwischen circa 11.30 Uhr deutscher Zeit,
der ersten Meldung über das Vorgehen einzelner Tanks auf Guignicourt,
und 14.30 Uhr französischer Zeit, dem im französischen amtlichen Werk
angegebenen Zeitpunkt des Eingreifens Bossuts, geschah 860 , ist kaum
rekonstruierbar und demzufolge nur in Schlaglichtern und
Momentaufnahmen darstellbar 861 .
Bei Guignicourt jedenfalls traten am Mittag „mehrere Tanks“ in langer
Reihe auf den Ort zufahrend auf, die ein hervorragendes Ziel für zwei
leichte Feldhaubitzen der 8./[Link] 5 unter Leutnant d.R. Ibach boten:
„Ich ließ mit dem rechten Geschütz in aller Ruhe die Richtung nehmen, die
Tanks noch soweit vorfahren, daß sie in ihrer ganzen Größe angerichtet werden
konnten, und schoß zuerst den Führertank mit ungefähr 4 Schuß in Brand, mit 5-6
Schuß dann den zweiten, während der dritte gleichzeitig mit dem zweiten zum
Halten kam. Er schien gefechtsunfähig geworden zu sein. Gleichzeitig hatte auch die
linke Haubitze 10-12 Schuß auf die gleichen Tanks abgegeben und einwandfrei
Treffer erzielt. [... .] Um 3.30 meldete der seitliche Aufklärer in der linken Flanke,
daß 4 feindliche Tanks im Aisnegrund vorgehen. Ich ließ die Tanks bis in die Höhe
der Batterie vorfahren, um einwandfrei anrichten lassen zu können. Sämtliche 4
Tanks wurden auf eine Entfernung von 100-250m von den beiden Geschützen
zerstört.“ 862
Unterstützt wurde die Tankabwehr nördlich der Aisne auch durch Teile der
Feldartillerie der [Link], die zumindest in Zugstärke innerhalb einer mit FAR
108 kombinierten Nahtbatterie unter Leutnant der Reserve Müller (4./FAR
858
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646.
859
Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 133.
860
Siehe TG [Link] 5, S. 119, bzw. LAF, Bd. V.1., S. 646. Anzumerken ist angesichts
variierender Zeitangaben in deutschen Schilderungen, daß man am 16.4.1917 auf
Sommerzeit umstellte; siehe TG [Link] 5, S. 113.
861
Einen Überblick über den Einsatz der Tankeinheiten bietet Micheletti, Eric: Berry-Au-
Bac 16 avril 1917 à 6h30, la première attaque des chars d’assaut français, in Gazette des
Armes Nr. 116, April 1983, S. 37-42.
862
Zitiert nach einem Bericht des Leutnants Ibach in TG [Link] 5, S. 119f. Für die
Tankabwehrleistung, die insgesamt sieben Abschüsse am 16.4. umfaßte, wurde Ibach mit
dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. Siehe auch Bayerisches
Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege, S. 378.
221
17) nachweisbar sind. Die Batterie wirkte offenbar parallel zur 8./[Link] 5
Ibachs gegen die ersten Tanks, die im Aisnetal vorgingen:
„Schon richtete eine 400m rechts stehende bayer. Nahtbatterie ihr Feuer gegen
die vorgehenden Tanks. Mehrere blieben liegen, aber ein Teil schwenkt auf 4./17
ein. Jetzt gilts. Scharfes Kommando durchschneidet den Lärm der tobenden
Schlacht. Die gelichteten Bedienungen reißen die Geschütze herum, erfassen das
Ziel. Das Feuer fliegt und schon hat’s den ersten Tank erwischt. Das Feuer fliegt: der
zweite, der dritte, bleibt liegen, der vierte auf 100m vor der Batterie.“ 863
863
Zitiert nach Schönfeldt: Nahtbatterie. Die [Link] des [Link] Feldartillerie-
Regiments Nr. 17 am Damenweg am [Link] 1917 in Benary: Das Ehrenbuch der
Feldartillerie, S. 456f.
864
Siehe Zindler (Hg.): Regimentsgeschichte des Feldartillerieregimentes No. 108,
Hamburg 1919, S. 75
865
Siehe Watter, S. 27.
866
Siehe TG FAR 108, S. 75ff. Beide Batterien erhielten im Juli 1917 die ihnen für
insgesamt drei Abschüsse zustehende Tankprämie. Der Führer des Zuges der 4. Batterie,
Leutnant Apel, wurde für die Tank- und Infanteriebekämpfung mit dem Eisernen Kreuz 1.
und die involvierten Bedienungen der beiden Geschütze mit dem Eisernen Kreuz [Link]
ausgezeichnet.
867
Siehe TG FR 39, S. 130, TG FAR 99, S. 74, und Müller-Loebnitz, Wilhelm (Bearb.):
Das Ehrenbuch der Westfalen. Die Westfalen im Weltkrieg, Stuttgart o.J., S. 394ff. Das
FAR 99 nahm neun Abschüsse für sich in Anspruch.
868
Siehe TG [Link] 5, S. 122. Die TG spricht lediglich von fünf Fahrzeugen, während der
meldende Offizier, Oberleutnant Simm, später angab, daß es 26 waren. Siehe KA, HS
222
können, besaß nur noch ein feuerbereites Geschütz und dieses war nutzlos,
da der zuständige Richtschütze nach Aussage des Batterieführers,
Oberleutnant Simm, „vollständig versagte“. Hinzu kam ein klemmender
Verschluß, der durch eine minderwertige Eisenkartusche hervorgerufen
worden war 869 . Der Batterieführer wurde nun, zwangsweise zur Passivität
verurteilt, Zeuge der Wirkungsweise der Tankabwehr verschiedener
Batterien, die unter dem Befehl der I./FAR 500 unter Hauptmann der
Landwehr Bieberstein standen 870 . Nachdem der Gegenangriff der [Link]
eingesetzt hatte, explodierten die Benzinbehälter von vier Tanks, die nach
Ansicht Simms in das Feuer eines nicht näher bezeichneten bayerischen
Einzelgeschützes geraten waren:
„Ein grandioses Bild, ich sehe noch wie heute brennende Mannschaften aus den
Tanks stürzen und wie brennende Fackeln zusammenfallen.“ 871
2027: Schilderung über Tankbekämpfung der 4./[Link] 5 durch Oblt. d.R. Simm vom
21.4.1927. Anlaß des Berichtes war übrigens die Frage nach der Rolle eines gewissen
Gefreiten Reimers, der als ehemaliger Angehöriger der Batterie Simm behauptete, auf sich
allein gestellt mehrere Tanks zerstört zu haben.
869
Siehe ebenda.
870
Siehe Bieberstein: Mein schwerster Tag im Jahre 1917. Die [Link] des
Feldartillerieregiments Nr. 500 am [Link] 1917 an der Straße Juvincourt-Guignicourt in
Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 457ff. Bieberstein führte offensichtlich eine
aus verschiedenen Batterien unterschiedlicher Truppenteile bestehende Artillerie-
Untergruppe.
871
Zitiert nach KA, HS 2027: Schilderung über Tankbekämpfung der 4./[Link] 5 durch
Oblt. d.R. Simm vom 21.4.1927.
872
Zitiert nach Bieberstein, in Benary: Das Ehrenbuch der Feldartillerie, S. 458.
223
Der Hauptangriff der Gruppe Bossut, der nach deutschen Angaben mit etwa
50 bis 64 Tanks zwischen 12 und 14 Uhr gegen Guignicourt und Juvincourt
vorgetragen wurde 873 , konnte nach einigen, unbestimmbar hohen Ausfällen
durch Fahrzeugpannen im Anmarsch zuerst unter dem Schutz der gedeckten
Annäherungswege und des Rauchs einschlagender Granaten erfolgen 874 .
Sobald die Tanks aber die Niederungen an der Aisne und der Miette
verließen, und ohne Infanterieunterstützung 875 , welche die teilweise in
Nahkampf mit den Tanks verwickelte Artillerie hätte eliminieren können, in
Reihe oder entfaltet zum Angriff übergingen, gerieten sie in das Feuer der
intakten deutschen Geschütze. Am Mittag scheint der Kampf zwischen
Tanks und Infanterie einerseits und deutschen Geschützen, Resten der
Stellungsbesatzungen und Truppenteilen, die zum Gegenangriff übergingen,
andererseits äußerst erbittert gewesen zu sein. Einzelnen Tanks gelang es
offensichtlich, wie auch Biebersteins Aussage bestätigt, durchzubrechen und
Batterien in Flanken und Rücken anzugreifen 876 , doch am Ausgang der
Kämpfe, der durch die große Zahl Tankausfälle und deutsche
Eingreiftruppen entschieden wurden, änderte dies nichts. Bossut fiel 877 und
873
Siehe TG [Link] 5, S. 123f, TG [Link] 12, S. 220f., TG FAR 99, S. 74f., und KA, HS
3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 2. Die Schilderung des
Geschehens bei Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111f., angefangen beim Zeitpunkt des
Eingreifens (nach 8.30h) und endend mit der Behauptung, daß fünf Tanks am Mittag die
Erfüllung ihres Gefechtsauftrags in Form der Wegnahme der zweiten deutschen Stellung
vor Juvincourt ohne Infanteriebegleitung gelang, entbehrt der Grundlage und widerspricht
anderen Aussagen.
874
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 2.: „Sie
[die Tanks] wurden bei den ungünstigen Uebersichtsverhaeltnissen des Abschnitts von
rückwaertigen Punkten bei der dichten Rauchlagerung infolge des starken Artillerie-Feuers
und der Zerstoerung aller Verbindungsmittel zu vorgeschobenen Beobachtern erst bemerkt,
als sie sich der Artillerie-Schutzstellung naeherten.“
875
Rocquerol nannte als Begründung die schlechte Verständigung zwischen Tanks und
Infanterie; siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 117.
876
Siehe auch KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 2: „[...] teilweise
brachen sie unter Schnellfeuer aus ihren Geschützen und Maschinengewehren durch die
Artillerie-Schutzstellung durch: dabei fuhren sie ohne Aufenthalt durch die
Drahthindernisse und über die Graeben.“ Siehe auch Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern
im Großen Kriege, S. 378.
877
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 647, und ebenda, Annexes 2, Ann. 1661.
224
878
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 2. Diese Zahl umfaßte
29 Fahrzeuge zwischen der früheren ersten deutschen Stellung und der
Artillerieschutzstellung sowie drei, die von den Franzosen vom Schlachtfeld geborgen
werden konnten. Inwieweit die Abschüsse von Guignicourt und im Anmarsch vernichtete
Tanks mitgezählt worden sind, ist unklar. Die Gruppe Sissonne rechnete jedenfalls mit
einem Mehr an Abschüssen in unbekannter Größenordnung.
879
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.
880
Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661.
881
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 1.
882
Siehe ebenda.
225
aufwirbelte, daß kein gezielter Schuß auf die Fahrzeuggruppe mehr möglich
war 883 . In der Rekonstruktion der Abschüsse des FAR 111 findet sich die
Aussage, daß von einer der beiden großen Fahrzeuggruppen bereits nach
zehn Minuten fünf der 12 anrückenden Tanks zum Stehen gebracht werden
konnten 884 . Bei insgesamt nur vier Volltreffern konnten bis zum Nachmittag
insgesamt 22 oder gar 24 Tanks in Brand geschossen oder anderweitig
gestoppt werden 885 . An dem vollständigen Abwehrerfolg beteiligt war vor
allem der Umstand, daß zumindest eine Kolonne, die bei der [Link]
vorging, nicht dazu in der Lage war, den von der Infanterie bereits
genommenen ersten deutschen Graben zu überwinden 886 . Nach
französischer Aussage gelangten von der Gruppe Chaubès lediglich acht
Fahrzeuge zurück zu ihren Ausgangsstellungen 887 , während die
Besatzungen der an- und abgeschossenen Fahrzeuge -viele intakte wurden
angesichts der verzweifelten Lage offenbar auch selbständig verlassen- nach
883
Siehe Benary, Albert (Bearb.): Geschichte des Fußartillerie-Regiments General-
Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3 und seiner Kriegsformationen (Deutsche Tat
im Weltkriege, Bd. 57), Berlin 1937, S. 204.
884
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4: FAR
111 Nr. 116/17 geh. vom 8.6.1917. Es handelt sich hierbei um einen Bericht des Regiments
„L“ zur Abwehr des französischen Tankangriffs gegen die BED am 16.4.1917. Das
Regiment „L“ war eine gemischte Artilleriegruppe mit einer Feldartillerie-Batterie (7,7cm)
und fünf Fußartillerie-Batterien (10, 15 und 21cm); siehe auch Taschenbuch der Tanks, Teil
III, S. 194 (dort nur vier Fußartillerie-Batterien angegeben).
885
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4. Der
Bericht der Gruppe Sissonne vom 20.4. nannte 18 sichere Abschüsse, zu denen
wahrscheinlich aber noch mehr kämen; siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I.
Nr. 811, Ziff. 1.
886
Bei Hellot ist zu lesen, daß die Tanks Chaubès’ in Kolonne vorfuhren und das
Spitzenfahrzeug beim Überwinden des ersten deutschen Grabens Schwierigkeiten hatte.
Dies verhinderte jegliches weitere Vorgehen der dahinter auflaufenden Tanks und führte
dazu, daß die Besatzungen sie unter heftigstem Artilleriebeschuß aufgaben; siehe Hellot:
Nivelle Et Pétain, S. 133. Diese Darstellung beruht augenscheinlich auf dem am 24.4.1917
vom [Link] verfaßten Bericht über den Tankeinsatz; siehe LAF, V.1. Annexes 2, Ann. 1661.
Siehe auch Abschn. 6.5.1. der vorliegenden Arbeit.
887
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.
226
888
Siehe ebenda, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661. Für das Verlassen der Fahrzeuge, die
dann unbeweglich auf dem Gefechtsfeld standen und beste Ziele boten, sprechen auch die
unerwartet geringen Verlustzahlen der Gruppe: 9 Tote, 38 Verwundete, 4 Vermißte; siehe
ebenda.
889
Siehe BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917: Erfahrungen aus den
jüngsten Kämpfen, Teil [Link]., Ziff. II.)e.: „Die im Abschnitt der Division vorgeführten
Tanks (etwa 25) waren erledigt, ehe sie unsere Linien erreichten, sie haben den
Angriffstruppen also keine Stütze gegeben.“ Für den Stellungsteil der [Link] wird in RA,
Bd. 12, S. 317, angegeben, daß die Tanks bis auf Höhe der deutschen Stellungen vor
Beginn des Angriffs vorkamen. Diese waren von französischer Infanterie bereits
genommen worden.
890
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 648.
227
891
Abb. nach Goes: Chemin des Dames, S. 111.
892
Wegen der zeitlichen Nähe zum Geschehen am 16.4.1917 sei an dieser Stelle lediglich
auf den Tankangriff am 5.5. verwiesen. Der Angriff gegen Malmaison im Oktober des
Jahres gehörte zwar trotz des zeitlichen Abstandes noch zu den Folgekämpfen der Aisne-
und Champagneschlacht, doch wird auf ihn in Hinblick auf die chronologische Darstellung
innerhalb der vorliegenden Arbeit in Kap. 8. eingegangen werden.
893
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 1. und 2. bzw.
Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 17, wo von einem vorgesehenen Tankangriff bei der
französischen [Link] für den 17.4. gesprochen wird, der abgesagt wurde.
228
894
Archivalien, die auf die Vorkommnisse anspielen, waren nicht zu finden und das
deutsche amtliche Werk beschränkt sich auf Minimalaussagen, was darauf hindeutet, daß
keine Außergewöhnlichkeiten wahrgenommen wurden, die in irgend einer Form den
bisherigen Erfahrungen entgegen standen; siehe RA, Bd. 12, S. 362ff.
895
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 18.
896
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 767f. Vom ersten Einsatz der [Link] wird hier mit keinem
Wort berichtet, anders als im Taschenbuch der Tanks, Bd. III, S. 18. Wie nicht anders zu
erwarten, differieren auch die Zahlenangaben zu eingesetzten und zerstörten Fahrzeugen in
der Literatur erheblich.
897
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 768: „La division provisoire Brécard dépasse le moulin de
Laffaux, grâce au concours efficace des chars qui réduisent au silence les nombreuses
mitrailleuses, sous abris bétonnés, auxquelles se heurte la droite de la division.“ Siehe auch
RH 61/51741: Manuskript v. Stützners, S. 215.
898
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 768.
899
Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 113.
900
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 19. Dort sind 27 angreifende Panzerwagen
angegeben.
229
als partieller Erfolg 901 scheint angebracht, bedenkt man, daß hiermit
wenigstens die bedingte Tauglichkeit der Fahrzeuge unter günstigen
Geländeverhältnissen und die Erfolgsaussichten für Tanks in enger
Kooperation mit der Infanterie dokumentiert werden konnten 902 .
Das Hauptaugenmerk der späteren Betrachter des Geschehens lag vor allem
auf den Auswirkungen, welche das Desaster der gescheiterten Offensive für
die französische Armee und Kriegführung mit sich brachte. Und diese
Folgen hatten, zusammen mit den ganz spezifischen Anlagen und dem
Verlauf der Offensive, ihren Anteil daran, daß die Schlacht nicht als eines
der „gewohnten Gemetzel“, als das sie Chickering beschrieb 903 , angesehen
werden kann.
Am Abend des [Link] war unter den Soldaten bereits das Bewußtsein
vorhanden, daß die erlittenen Verluste –vielleicht 15.500 Gefallene, 60.000
Verwundete und 20.500 Vermißte bis zum [Link] 904 - in keinem
Verhältnis zu erreichten, erhofften und propagierten Zielen standen 905 .
Hinzu kam eine bemerkenswerte Unordnung in den rückwärtigen
Armeebereichen der beiden Angriffsarmeen, die auf die große
Truppenansammlung auf engstem Raum und eklatante Organisationsmängel
901
Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 113 und S. 114.
902
Siehe Goya, S. 347.
903
Siehe Chickering, S. 212.
904
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1917, Tabl. I. Die aufgerundeten Zahlen beziehen
sich auf die Verluste der 4. (17.000), 5. (48.000), 6. (20.000) und [Link] (4.000) und
sind wegen der Wirrnisse innerhalb einer laufenden Operation mit größtem Vorbehalt zu
gebrauchen. Für den Gesamtzeitraum April-Juli 1917 und die gesamten französischen
Streitkräfte (!) bringt Pierrefeu eine Aufstellung, die bei insgesamt 279.000 Ausfällen
110.000 Tote, Vermißte und Gefangene sowie 169.000 Verwundete ausweist; siehe
Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 143.
905
Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 119, und Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril,
S. 100ff. Pierrefeu gibt die Beobachtungen eines Nachrichtenoffiziers des Hauptquartiers
wieder, der sich im rückwärtigen Bereich der 5. und [Link] aufhielt.
230
zurückzuführen war 906 . Alles in allem war dies ein sehr guter Nährboden für
Gerüchte, welche die Verluste und Zustände in der Feuerlinie betrafen, und
gab Anlaß zu einer rapiden Verschlechterung der Stimmung, die sich schon
am 17. in Rufen nach Frieden und in Unmutsbekundungen gegenüber einer
geradezu als kriminell erachteten Führung artikulierte. Dieser wurde
unterstellt, die ihnen anvertrauten Soldaten fahrlässig in den Tod geschickt
zu haben 907 . Wie die Aussage eines schwerverwundeten Stabsoffiziers,
Oberstleutnant Nieger, bekunden kann, blieb der Unmut und die maßlose
Enttäuschung nicht allein Sache der unteren Chargen und Gemeinen:
„C’est à pleurer. Notre attaque, une boucherie plus exactement, m’a laissé un
souvenir épouvantable. Nous sommes revenus aux plus mauvais jours de 1914 et
1915. Je n’ai jamais vu affaire aussi mal montée, aussi mal préparée. Quoi qu’il
puisse m’en coûter, je veux le dire et le répéter…“ 908 .
An den Zuständen, die bis Ende des Monats in offene Verweigerung von
Truppenteilen übergingen und zusammen mit deutlichen Anzeichen
sinkender Kriegsbereitschaft der französischen Bevölkerung Ausmaße einer
überaus bedrohlichen und gesamtstaatlichen Krise erreichten 909 , änderte die
906
Siehe Goes: Chemin des Dames, S. 137. Wie auch Strachan: The First World War, S.
241, und Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 150ff., bemerken, dürfte vor allem die
Versorgung der zahlreichen Verwundeten einen bedeutenden Mißstand mit Eigengewicht
für die Stimmungslage aller direkt Betroffenen und indirekt Beteiligten bedeutet haben. Die
Zahl der Verwundeten und Kranken beziffert das frz. amtliche Werk für den Zeitraum bis
zum 25.4. auf rund 65.700 Mann, die über die Lazarette versorgt und in rückwärtige
Sanitätseinrichtungen verbracht worden waren. Zu diesen kamen noch 15.500 leichter
Verwundete, die bei ihren Truppenteilen oder im Operationsgebiet verblieben; siehe LAF,
Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1917, Tabl. II.
907
Siehe Pierrefeu: L’Offensive Du 16 Avril, S. 101.
908
Siehe ebenda, S. 102. Keegan schrieb zum Verhältnis zwischen Offizieren und
Mannschaften bezüglich des Charakters der Verweigerungen: „[... ,] `Meuterei´ zieht
normalerweise Gewalt gegen Vorgesetzte nach sich. Die Ordnung blieb jedoch im Ganzen
erhalten, und die `Meuterer´ wandten gegen ihre Offiziere keine Gewalt an. Im Gegenteil,
während der `Meutereien´ waren die Beziehungen zwischen den einfachen Soldaten und
den Offizieren durch einen seltsamen gegenseitigen Respekt gekennzeichnet, als hätten
beide Seiten erkannt, dass sie gemeinsam Opfer einer Tortur waren, die für die
Mannschaften schließlich unerträglich wurde.“ Zitiert nach Keegan, S. 458.
909
Siehe Strachan: The First World War, S. 241.
231
910
Der Absetzung waren am 29.4. die Einsetzung Pétains als, wenn man so sagen darf,
„Generalstabschef zur besonderen Verwendung beim Kriegsminister“ und der Nivelle
telefonisch übermittelte Befehl des Kriegsministers zum Aussetzen eines nördlich von
Reims vorgesehenen Angriffs vorausgegangen. Am 10.5. forderte Präsident Poincaré den
Rücktritt des Generalissimus, welcher jedoch ablehnte. Daß Nivelle versuchte, den ihm so
ergebenen Mangin als Sündenbock zu opfern, mag menschliche Abgründe offenbaren.
Tatsache ist, daß Mangin Nivelle beim Marsch „in die Wüste“, nämlich nach Nordafrika,
nur wenige Tage vorausging, um aus der aktiven Gestaltung der militärischen Geschichte
des Ersten Weltkrieges bis zur Krisenlage des Sommers 1918 zu verschwinden; siehe
Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 153ff., und Abschn. 10.2.
911
Siehe ebenda, S. 241ff., Chickering, S. 213, und Kap. 8.
912
Siehe oben bzw. Bathe, Rolf: Frankreichs schwerste Stunde. Die Meuterei der Armee
1917. Eine historische Studie, Potsdam 1933. Vorgelegen hat dem Verfasser die 3.
erweiterte Auflage, Potsdam 1937. Die Parallelen zu anderen Autoren der Zeit sind nur
allzu offensichtlich; siehe auch Abschn. 3.5. der vorliegenden Arbeit.
232
913
Siehe dazu Strachan: The First World War, S. 241f., der diesen Aspekt besonders betont.
Ebenso Keegan, S. 459. Vergleiche Chickering, S. 212. Sehr detailliert beschrieben sind die
Rahmenbedingungen und die lange „disziplinartechnische Vorgeschichte“ der Ereignisse
bei Pedroncini, Guy: Les Mutineries De 1917 (Publications De La Faculté Des Lettres Et
Sciences Humaines De Paris-Sorbonne, Recherches, Bd. XXXV), Paris 1967, S. 21ff.
914
Siehe Ettighofer: Eine Armee meutert, S. 184.
915
Siehe Bathe: Frankreichs schwerste Stunde, S. 116.
916
So sind bei Ettighofer, der in allen seinen Büchern zu überaus „lebendiger“
Szenenmalerei neigt, viele auf den ersten Blick interessante Details faßbar, doch bleiben sie
aufgrund fehlender Nachweise und angesichts einer dürftigen Literaturliste äußerst
fragwürdig. Dementsprechend konnte ein interessanter Umstand wie der Hinweis
„Estiennes“ (der Name selbst fällt nicht) gegenüber General Mazel, bezüglich des
schwierigen Geländes bei Juvincourt (S. 183), in der vorliegenden Arbeit nicht
berücksichtigt werden. Überhaupt sind Unklarheiten feststellbar, die eine Vielzahl Fragen
offen lassen und den Aussagewert des Buches mindern müssen. Als Führer eines einzigen
angreifenden Tankverbandes von 132 Fahrzeugen wird beispielsweise ein Oberst der
Pioniere genannt (S. 183f.). Tatsächlich gab es nun definitiv zwei gepanzerte
Einsatzgruppen. Estienne, der mit dem Oberst zu identifizieren wäre, nahm nicht persönlich
am Gefecht teil und fiel auch nicht. Für Bathe gilt eine vergleichbare Tendenz, allerdings,
angesichts eines umfangreicheren Literaturverzeichnisses und eines rudimentär
vorhandenen Nachweises der Zitate, in abgeschwächter Form. An der Überzeichnung des
„Frontkämpfers“ mangelt es dagegen auch hier nicht, wie ein Beispiel verdeutlichen mag:
„Die verbissene Wut der zerhämmerten Verteidiger steht gegen den wilden Elan des
Angreifers. Kein Bericht meldet die Taten dieser unbekannten Soldaten des Großen
233
Krieges, dieser einsamen Trichterkämpfer, die ihre Stellung im wahrsten Sinne des Wortes
bis zum letzten Mann gehalten haben.“ (S. 103.) Wie es angesichts dieser Entschlossenheit
und dieses Todesmutes zu Tausenden deutschen Gefangenen am ersten Tag der Schlacht
kam, ließ der Autor offen.
917
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 645ff.
918
Siehe ebenda, S. 647.
919
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661 bzw. 1415.
920
Siehe Bathe: Frankreichs schwerste Stunde, S. 115f., und Rocquerol: Chemin Des
Dames, S. 117.
234
921
Schon bei Frerk, der direkt nach der Schlacht schrieb, ist dies besonders deutlich und
steht zweifellos im Zusammenhang mit der propagandistischen Verwertung der Kämpfe
(siehe Abschn. 7.2. der vorliegenden Arbeit): „Deutsche Artilleristen aber stehen überall an
der Front und werden auch weiterhin dafür sorgen, daß die gepriesenen Tanks nichts weiter
zu bedeuten haben, als einen ziemlich harmlosen Bluff, der wirklich nicht geeignet ist,
Furcht und Verwirrung in die Reihen der Männer zu tragen, die einem zehn oder
mehrtägigem Trommelfeuer ungeheuerlicher Art getrotzt haben.“ Zitiert nach Frerk:
Arrasschlacht, S. 126.
922
Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 131. Bezogen auf die Zahl von 20.000
deutschen Gefangenen und große Beute an Geschützen und Maschinengewehren bis zum
20.4.1917 urteilte er: „Ces résultats ne sont certainement pas des indices de défaite.“
923
Besonders augenscheinlich bei Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 168f. und S. 174. Im
Zusammenhang mit Aktivitäten „pazifistischer Elemente“ (S. 169) im rückwärtigen
Heeresbereich, einer verbreiteten sozialistischen Agitation (S. 174) und Arbeiterstreiks
fallen die argumentativen Parallelen zu den späteren Vertretern des „Dolchstoßes“ auf
deutscher Seite besonders auf. Dasselbe gilt, abgesehen vom Bezugspunkt des
Kriegsausgangs, für jeglichen Ansatz zur Propagierung der These, „im Felde unbesiegt“
geblieben sein.
235
daß im Einsatzraum der Gruppe Bossuts der einzig wirklich tiefe Einbruch
in die deutschen Stellungen stattfand, lag somit nahe 924 .
Die zweite Richtung zielte mit einer Spitze gegen die politische Führung
Frankreichs, die es wider besseren Wissens und trotz aller Möglichkeit nicht
schaffte, französische Staatsbürger vor den abstrusen -und längst vor Beginn
des Infanterieangriffs gescheiterten- Plänen Nivelles zu schützen 925 .
Politiker und vor allem Nivelle selbst standen im Zentrum der Kritik 926 . Der
Mut der Truppen, darunter auch besonders derjenige der Tankbesatzungen,
konnte dementsprechend symbolisch für das grundsätzlich gute
Menschenmaterial 927 , um den schauderhaften Ausdruck zu gebrauchen, der
französischen Armee stehen und anhand der erlittenen Verluste die
konzeptionellen und ideellen Defizite verschiedener Ebenen der
militärischen und politischen Führung bestens illustrieren. Innerhalb der
Gesamtdebatte um die Qualitäten der militärischen und politischen Führer
dieser Zeit scheint die Frage nach der Rolle der Tanks allerdings von
marginaler Bedeutung gewesen zu sein 928 .
Beiden Richtungen inne wohnt das Lob und die Anerkennung für Pétain,
der Frankreich aus der Krise führte und -zusammen mit Foch und später
Clemenceau- den Sieg von 1918 erst ermöglichte. Teile dieser Sichtweise
und der als zweite Richtung verzeichneten Anschauungen lassen sich, neben
924
Das frz. amtliche Werk beschränkte sich angesichts der dürftigen Schilderungen im
Hauptband V.1. darauf, Nivelles Lobadresse vom [Link] als Anlage zu veröffentlichen;
siehe LAF, Bd. V.1., S. 646f. und Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1553.
925
Besonders eindrucksvoll nachweisbar bei Heydecker, S. 375ff.
926
Siehe etwa Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 92f. Man beachte auch Pierrefeus
Ausführungen zur Konferenz vom [Link] oder seine Anspielungen auf Nivelles „ordres
primitifs“, die angesichts sachkundiger Kritik und Zweifel der vom Autor als fähig
erachteten Generalität (bes. Micheler und Pétain) unverändert blieben; siehe Pierrefeu:
L’Offensive Du 16 Avril, S. 66ff. bzw. S. 40f.
927
Wie etwa bei Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 116f. erkennbar ist, hielt man sich
diesbezüglich an die Vorlagen der amtlichen Geschichtsschreibung. Abgesehen von der
Erwähnung nur einer Panzergruppe zu 132 Fahrzeugen unter Bossut ist die Passage zu
deren Eingreifen nahezu deckungsgleich übernommen worden.
928
Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 108, oder auch Miquel, Pierre: Le Chemin des
Dames. Enquête de la plus effroyable hécatombe de la Grande Guerre, Paris 1997, S. 164f.
Hier wurden dem Einsatz der Chars lediglich zwei von 270 Buchseiten gewidmet.
236
929
Siehe etwa Berghahn: Sarajewo, S. 110, wo von 200.000 Gefallenen Franzosen in den
ersten zehn Tagen der Schlacht die Rede ist.
930
Siehe Keegan, S. 457, der von 128 Renault-Tanks (FT-17, dessen Prototyp erst im Juli
des Jahres getestet wurde!) spricht, die sich im Gelände festgefahren haben sollen, bevor
sie wirken konnten.
931
Die Zahl anführbarer Titel, gedruckter oder im Internet auf mehr oder weniger
zitierfähigen Websites auffindbarer Textstellen, ist gewaltig.
932
Siehe bspw. Chickering, S. 212, oder Heydecker, S. 375ff. (Abschnitte zur „Nivelle-
Offensive“) bzw. S. 397ff. (Kapitel zur Geschichte der Panzer).
933
Siehe Buffetaut: The 1917 Spring Offensives, S. 188. Es sei zu diesem Titel und zur
Textstelle noch angemerkt, daß die Darstellung der alliierten Panzertruppen deutlich dem in
der Einleitung der vorliegenden Arbeit dargestellten, heutigen Bild folgt. Nicht nur ist
„tanks“ das letzte, bedeutungsschwangere Wort seines Buches, sondern Pétains
Hoffnungen auf die Waffenhilfe der USA werden als Enttäuschung dargestellt, während die
(französischen) Panzer rechtzeitig –zum Entscheiden des Krieges- vorhanden waren.
934
Siehe Abschn. 3.5.1.
237
hatte 935 . Viel eher ist Fuller beizupflichten, der davon sprach, daß manche
Erfahrungen nur im Gefecht gewonnen werden können, um daraus
praktische Erfahrungen zu sammeln und Lehren für die Zukunft zu
formulieren 936 . Beachtenswert ist dabei, das der Preis für diese Erfahrungen
im Fall der französischen Armee 1917 in jeder Hinsicht wesentlich höher
war als derjenige, den die Briten an der Somme und bei Arras zu zahlen
hatten. An personellen Verlusten der Artillerie d’Assaut waren 33 Offiziere
und 147 Unteroffiziere und Mannschaften, 25% der eingesetzten Soldaten,
zu beklagen 937 . Diese Quote ist angesichts der Zahl der verlorenen
Fahrzeuge noch gering zu nennen. Die Zahl der abgeschossenen Tanks
belief sich auf wenigstens 57 938 , wobei diesen noch eine beträchtliche
Anzahl technikbedingter Ausfälle an die Seite zu stellen ist. Lediglich 11
Tanks kamen mehr oder weniger unbeschädigt zurück zu den
Ausgangsstellungen 939 . Damit manifestierten sich in Relation zur Zahl
eingesetzter Fahrzeuge schwere materielle Verluste (ca. 50% 940 ), die sich in
935
Siehe Cooper: Cambrai, S. 33.
936
Siehe Fuller: Tanks, S. 58.
937
Ganz im Gegensatz zu den Fahrzeugverlusten präsentieren sich die personellen Verluste
von insgesamt180 Mann, die durchweg in der angegebenen Größe beziffert werden,
erstaunlich einheitlich; siehe etwa Loez: Le Baptême Du Feu, S. 112.
938
Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 117 und Bathe : Frankreichs schwerste
Stunde, S. 116, wobei Bathe 64 weitere Wagen als „kampfunfähig geschossen“ (!)
hinzufügt. Das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 16, gibt 66 und Boucher: L’Arme
Blindée, S. 21 sogar 76 abgeschossene Fahrzeuge an. Als Gesamtverlust findet sich bei
Förster/Paulus: Abriß, S. 20, die Zahl von 81 Tanks, davon 60 Ausfälle wegen technischer
Mängel (u.a. Brände, die wegen Überhitzung des Motors entstanden sein sollen).
939
Siehe Rocquerol : Chemin Des Dames, S. 117.
940
Die prozentuale Berechnung muß der zugrundeliegenden Anzahl eingesetzter und durch
Feindeinwirkung zerstörter Fahrzeuge zwangsweise folgen und variiert dementsprechend
von Autor zu Autor. Mit etwa 50% liegt man am unteren Ende einer Bandbreite, die etwa
im Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 16, mit 53% und Boucher: L’Arme Blindée, S. 21,
mit 57% markiert wird. Unter Einbeziehung der technischen Ausfälle und nur 11
zurückgekehrter Tanks kommt man allerdings leicht auf einen Wert bei oder gar über 90%.
Die wohl zuletzt publizierten Zahlen liefert Goya, S. 345, mit 121 eingesetzten und 76
verlorenen Fahrzeugen, worin 57 Verluste durch Feindeinwirkung eingeschlossen sind.
238
941
Siehe Falls, Cyril : The First World War, London 1960, S. 260.
942
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661: Compte rendu sur l’emploi des chars
d’assaut, le 16 avril 1917.
943
Die von Förster/Paulus genannte Zahl von 60 geländebedingten oder technischen
Ausfällen scheint eine passable Angabe darzustellen; siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 20.
944
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661: „ La 1re tranchée allemande, large des près
de 3 m. et très profonde, n’est pas encore suffisamment aménagée lorsque arrive le char de
tête. Il tente néanmoins le passage, bascule en avant et obstrue la piste commencée.“
945
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 646f.
946
Sehr viel klarer als etwa das frz. amtliche Werk, welches lediglich von schlechter
Verbindung oder Koordination zwischen Tanks und Infanterie ausgehen ließ (S. 647),
sprach Rocquerol davon, daß der Infanterieangriff im Feuer deutscher Maschinengewehre
liegen blieb; siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 116.
239
Sie stellte sich auch dann ein, wenn kein direkter Artillerietreffer Ursache
sein konnte, sondern zeigte ihre für die Besatzung so grauenvollen
Konsequenzen schon, wenn Granaten in der Nähe der Fahrzeuge
947
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1661, Ziff. a) und c).
948
Siehe ebenda.
949
Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 15 bzw. S. 21.
950
Siehe dazu Goya, S. 343ff.
951
Zitiert nach Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111. Es handelt sich um einen Auszug aus
den unveröffentlichten Erinnerungen eines Colonel Bourgoin.
240
952
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 3, KA, HGr Rupprecht,
Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4 und LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann.
1415.
953
Siehe auch Förster/Paulus: Abriß, S. 20.
241
954
Siehe Rocquerol: Chemin Des Dames, S. 119, und Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167. Die
besondere taktische und moralische Wirkung der deutschen MG wurde auch in deutschen
Berichten zur Schlacht besonders betont ; siehe bspw. BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr.
4437 vom 23.4.1917, Teil B., Ziff. 2.), oder BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr.
2437 vom 25.4.1917, Ziff. 8.): „Masch.-Gew. im Zwischengelände und
Nahkampfgeschütze sind zugweise und unter Führung von Offizieren oder Offizier-
Diensttuern einzusetzen. Von fester Hand geführte Masch.-Gew. im Zwischengelände
haben gegen Flanke und Rücken des eingebrochenen Feindes ausschlaggebend gewirkt.“
955
Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 92.
956
Siehe MO 1916, Bd. 2, S. 367, bzw. Abschn. 3.5.1. der vorliegenden Arbeit.
957
Nicht umsonst wurde bei einer Besprechung der Verantwortlichen britischen und
französischen Militärs und Politiker am 4./5.5.1917 von Lloyd George angeregt, daß die
Generalität demnächst Details militärischer Operationen für sich und möglichst geheim
halten sollten; siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 151. Die Geheimhaltungsfrage spielt in
den Darstellungen der Schlacht generell eine bemerkenswerte Rolle, wobei zu betonen
bleibt, daß es kaum möglich sein konnte, den Aufmarsch der halben französischen Armee
an der Aisne einem Gegner gegenüber zu verschleiern, der das Einschießen einer immensen
242
Wollte man diese Beobachtung allein für 1916 geltend akzeptieren, so ist
anzuführen, daß durch das neue deutsche Abwehrverfahren mit Gliederung
in eine Tiefe, welche die Reichweite der feindlichen Artillerie und die
Ausdauer der Infanterie an ihre Leistungsgrenzen führte, 1917 ein
zusätzlicher Malus auf Seiten des Angreifers hinzukam 958 .
Hinsichtlich der parallelen Erfahrungen der britischen Seite mit ihren
Fahrzeugen sei auf taktischer Ebene noch auf die Mängel bei der
Koordination der einzelnen Gruppen und in der Kommunikation zwischen
den Fahrzeugen und mit der Infanterie hingewiesen 959 . Bestätigung findet
diese Wahrnehmung bereits dadurch, daß es nach Durchsicht einschlägiger
Literatur und der vorhandenen deutschen Quellen kein Bild gemeinsamen
Vorrollens der jeweiligen Tankgruppen gegen die deutschen Linien gibt,
sondern vielmehr ein Erscheinen und Verschwinden in ganz
unterschiedlicher Stärke und über einen längeren Zeitraum hinweg 960 .
Hauptmann Chanoine, der Führer der Abteilung 6 in der Gruppe Bossut,
fühlte sich angesichts der Lage auf dem Schlachtfeld am Spätnachmittag des
[Link] dazu berufen, über den Kopf seines Vorgesetzten hinweg der
[Link] Bericht zu erstatten. Hierbei dokumentierte sich die verworrene
Situation deutlich dadurch, daß Chanoine zum Schicksal des Nachfolgers
Bossuts im Kommando, Forsanz, keinerlei Mitteilung machen und über die
Situation der verschiedenen Abteilungen nur so viel sagen konnte, daß er
zahlreiche Fahrzeuge habe brennen sehen 961 . Eine Verständigung zumindest
Anzahl von Batterien bemerken mußte und durch seine Luftüberlegenheit besonders
günstige Möglichkeiten zur Einsichtnahme in die feindlichen Stellungen und rückwärtigen
Anlagen besaß.
958
Siehe ebenda, S. 121. Hellot beruft sich auf einen Bericht General de Mitrys vom
28.4.1917 zu Ursachen des Mißerfolgs am 16.4. Darin wurde als einer der Hauptgründe für
die geringe Tiefenwirkung gegen deutsche Stellungen angeführt, daß die weittragende
französische Artillerie über zu geringe Munitionsbestände verfügte und durch den Zwang,
in den Feuerbereich deutscher Geschütze verlegt werden zu müssen, um gegen entfernte
Ziele wirken zu können, erhebliche Verluste (25% im Bereich der [Link]) hinnehmen
mußte.
959
Siehe auch Boucher: L’Arme Blindée, S. 21.
960
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Nr. 811, Ziff. 3 und KA, HGr
Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17, Nr. 4.
961
Siehe LAF, Bd. V.1. Annexes 2, Ann. 1415.
243
zwischen den Abteilungsführern lag dieser Meldung zufolge nicht vor 962 .
Immerhin, und dies unterscheidet den ersten französischen vom ersten
britischen Tankeinsatz, liegen keinerlei Berichte über „kopfloses“ Agieren
auf dem Gefechtsfeld vor, bei dem die Tanks Angriffsrichtung und
Angriffsziele aus den Augen verloren hatten, oder gar eigene Truppen
beschossen wurden 963 . Die Ausbildungszeit war für die Franzosen deutlich
länger gewesen, und es scheint durchaus so, als hätten die Besatzungen auch
ohne direkte Kommunikationsmöglichkeiten auf dem Gefechtsfeld sehr
genau gewußt, was wie zu tun sei- etwa der Angriff auf Batteriestellungen
von rückwärts 964 . Was die generelle Wirkung der Tanks auf dem
Schlachtfeld angeht, kann kaum fraglich sein, daß von ihnen keine
besondere moralische Wirkung auf die übrigen Truppen, vor allem die
französische Infanterie ausging- und wenn doch, dann sicherlich keine
positive. Noch im Zusammenhang mit dem ersten, als solchen später
honorierten, erfolgreichen Einsatz der Tanks bei Malmaison im Oktober des
Jahres 1917 965 findet man folgende Aussage aus den Reihen der Infanterie
über ihren Wert:
„L’Invention n’est pas mauvaise, mais ça manque de perfectionnement et ce
n’est pas assez solide, il ne faut pas compter là-dessus.“ 966
Die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Infanterie und allen anderen
Waffengattungen wurde als Erfahrung aus dem Einsatz mitgenommen und
Programm für die Zukunft 967 .
Diese Zukunft lag vor allem in den Händen des neuen
Oberkommandierenden Pétain, der sich, in ganz allgemeiner und
offensichtlicher Parallelität zu seinem Konterpart Ludendorff, mit
dringlicheren und sehr viel allgemeineren Problemkomplexen
auseinanderzusetzen hatte als dem mehr oder weniger geklärten Spezialfall
962
Siehe auch Loez: Le Baptême Du Feu, S. 111.
963
Vergleiche Abschn. 3.5.1.
964
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim vom 26.4.1917, Ziff. IV.
965
Siehe dazu Kap. 8.
966
Zitiert nach Nicot, Jean: Les Poilus Ont La Parole. Dans les tranchées: Lettres du front
1917-1918, o.O. 1998, S. 66, Anm. 6.
967
Siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21 mit dem Verweis auf die Schlacht von
Malmaison im Oktober 1917. Siehe dazu Kap. 8.
244
der Tanks. Wie es für Ludendorff das Gewinnen von Zeit durch
„Durchhalten“ mit neuem Abwehrverfahren, unter Steigerung der
Rüstungsproduktion, Aufrechterhaltung der Disziplin, „Manneszucht“ und
Kriegsbereitschaft an der Front und in der Heimat war, um die Aussicht auf
eine entscheidende Angriffsoperation zu schaffen, so stand Pétain dem
Problem der Rekonstitution der Offensivkraft seiner Armeen, denselben
Problemen von Disziplin und Durchhaltevermögen und der Hoffnung auf
das Überstehen einer schweren Zeit in der Defensive bis zur Möglichkeit
eines kriegsentscheidenden Schlages gegenüber. In der ersten Phase,
derjenigen der Wiederherstellung der Armee, die am [Link] auf der Pariser
Konferenz mit der Aufgabe der Offensivpläne Nivelles und der britisch-
französischen Verständigung über die Umsetzung einer Ermattungsstrategie
mit einer Kette von kleinen, lokal und zeitlich begrenzten Angriffen
militärstrategisch eingeleitet wurde 968 , konnte den französischen Tanks eine
wichtige Rolle zukommen. Wie am [Link] bei Laffaux gezeigt wurde, hatten
die vorhandenen Fahrzeuge trotz ihrer vielseitigen Mängel einen gewissen,
den britischen Erfahrungen entsprechenden Offensiv- und Gefechtswert.
Dieser bestand unter den Prämissen, daß sie mit klar definierten und nicht
zu weit gesteckten Zielen als Infanterieunterstützung 969 überraschend auf
einem Gelände eingesetzt wurden, das sie nicht von vornherein vor kaum
lösbare Probleme stellte. Zudem, und das muß auffallen, war die artillerie
d’assaut von den Unruhen in der Armee scheinbar nur wenig betroffen und
ging bei Laffaux, zusammen mit Kolonialtruppen und Kavallerie, ins
Gefecht, was ihren Wert situationsbedingt erhöhen mußte 970 . Und
968
Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 151.
969
Der Aussage Bouchers zum Übergehen auf Einsatzcharakter als Begleitwaffe der
Infanterie ist im Zusammenhang mit dieser ersten Phase und unter Verweis auf die Mängel
der CA-1 und [Link] zuzustimmen. Was die Adaption französischer taktischer
Überlegungen hinsichtlich Aufbau und Einsatz operativer Panzerstreitkräfte durch die
britische Seite betrifft, muß ihm unter Hinweis auf die Ereignisse in Flandern 1917
widersprochen werden; siehe Boucher: L’Arme Blindée, S. 21, vergleiche Förster/Paulus:
Abriß, S. 20, bzw. siehe Kap. 8.
970
Neben den Kolonialtruppen mag der Hinweis auf die improvisierte Division Brécard, die
aus drei Regimentern abgesessener Kavallerie bestand (Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 148.),
die Notlage bei der Beschaffung angriffsfähiger und –williger Verbände illustrieren. Die
245
Aufschlüsselung der Verbände, in denen gerichtlich geahndete Fälle von Verweigerung o.ä.
vorkamen, weisen keinen Teil der Artillerie d’Assaut als betroffen aus; siehe Pedroncini:
Mutineries, S. 62 und S. 184.
971
Ein Beispiel für diese Haltung der Angehörigen der Artillerie d’Assaut bietet Loez:
„Nous étions furieux de n’avoir pas été engagés et réclamions à cri de prendre part à une
attaque quelle qu’elle fût.“ Siehe Loez: Le Baptême Du Feu, S. 112.
“Nous étions furieux de n’avoir pas été
972
Faßbar ist die erfolgreiche Umdeutung der Katastrophe des 16.4.1917 in einen
glorreichen Gründungsmythos der französischen Panzertruppe bei Corlieu-Jouve: Ceux Des
Chars D’Assaut, Paris 1932, S. 18f.
973
Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167.
974
Siehe ebenda.
246
Für Ludendorff schwand die Bedeutung der noch laufenden Kämpfe an der
Aisne und in der Champagne offensichtlich besonders deshalb, weil aus den
von ihm verfolgten Einbrüchen in die deutschen Linien, worunter derjenige
mit Tanks bei Juvincourt speziell genannt wurde 981 , keine strategische Krise
975
Siehe Ogorkiewicz: Technologie der Panzer, S. 29.
976
Der Anspruch an den Typ drückte sich im Ausdruck der „faible tonnage“ aus, der als
Bezeichnung für das Fahrzeug von Renault mit dem Kürzel „FT“ übernommen wurde.
977
Förster/Paulus: Abriß, S. 28.
978
Siehe ebenda, S. 25f.
979
Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 167.
980
Siehe Kap. 8. bzw. Abschn. 8.1.
981
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 337.
247
982
Siehe ebenda, S. 338. Siehe auch Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 287, und Kuhl:
Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 91.
983
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 16f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia 2996 geh. op. vom
29.4.1917. Die stellungstechnischen Erfahrungen wurden am 10.6.1917 in einer bindenden
Vorschrift von der OHL zusammengefaßt und ersetzten Teile der praktisch zuvor nicht
erprobten „Vorschrift für die Abwehr im Stellungskriege“; siehe BA-MA, RH 61/51702:
Solger, W.: Die Entwicklung des Stellungskrieges von Ende 1914 bis zum Sommer 1917,
Teil D.: Die Erfahrungen der Frühjahrsschlachten 1917 (vom 14.12.1938), S. 1.
984
Siehe Abschn. 5.6.2.
985
Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917.
248
986
Siehe KA, HS 3402: HGr Kronprinz Ib Nr. 1797 geh. vom 27.4.1917. Das Schreiben der
HGr Rupprecht (Ia Nr. 2853) war zuvor bei der HGr Kronprinz zur Verteilung gekommen,
wie KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim. vom 26.4.1917, belegen kann. Hierbei
handelte es sich um eine auszugsweise Wiedergabe mit umfangreichem Verteiler bis zu den
Divisionen und Sonder-Stabsoffizieren der einzelnen Waffengattungen des AOK. Daß im
Verteiler auch die HGr Kronprinz erscheint, erstaunt ein wenig, denn es legt fast nahe, an
einen intensiveren Austausch zwischen AOK 1 und HGr Rupprecht als direkt zwischen den
beiden HGr zu glauben.
987
Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 3.).
988
Siehe ebenda: Anonymes Schreiben über „Gefechtsausdehnungen“ vom 10.3.1944.
Bezug genommen wird auf die Angaben in „Die Abwehrschlacht im Stellungskriege“ von
Dezember 1916. Die Verbreiterung der Divisionsabschnitte wurde Solger zufolge in die
Vorschrift der OHL vom 10.6.1917 aufgenommen; siehe ebenda, RH 61/51702: Solger:
Entwicklung des Stellungskrieges, Teil D., S. 6.
989
Siehe ebenda, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 1.).
249
990
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 179 geheim. vom 26.4.1917, Ziff. II. Ausdrücklich
wurde darauf hingewiesen, daß diese Kontrollen durch einen Offizier persönlich
vorzunehmen seien, was auf eine klare Wahrnehmung der möglichen Defizite bei lediglich
schriftlicher Meldung durch die Truppenteile deutet. Es handelt sich sehr wahrscheinlich
um einen Bezugspunkt zum festgestellten „Versagen“ der [Link] bei Arras; siehe Abschn.
5.6.2.
991
Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff.4.), 6.),
12.), 13.), 15.) bis 17.).
992
Siehe LAF, Bd. V.1., S. 640 bzw. 652. Die deutschen Verluste sind in detaillierter
Aufstellung übrigens nicht in den einschlägigen Veröffentlichungen –von den Memoiren
des Kronprinzen Wilhelm über Bathe, Goes und Ettighofer bis hin zum Reichsarchiv- zu
finden. In RA, Bd. 12, S. 410, nennt lediglich einen Verlust von 163.000 Mann bis Ende
Juni 1917.
993
Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 278.
994
Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 9.).
250
Auffällig ist bei den Schriften der Heeresgruppe Kronprinz, daß Aspekte,
welche nicht die eigenen erfolgreichen Dispositionen betrafen, kaum
Eingang in sie fanden, wenngleich sie von untergeordneten Stäben deutlich
hervorgehoben wurden. Besonders wichtig für die Bewertung des Erfolges
hätte hierbei der Umstand sein müssen, daß zahlreiche Fehler des Feindes
bei der Planung der Schlacht vorgelegen hatten, durch welche die Abwehr
erheblich einfacher geworden war. Die BED sprach dementsprechend ganz
unverblümt davon, daß die Wahl des Angriffsgeländes, ein allzu strenger
Zeitplan und die geringe Artilleriewirkung sehr nachteilige Folgen für den
französischen Angriff gehabt hatten 995 . Wie sich die Aussicht auf
zukünftige Abwehrerfolge ohne diese Faktoren oder gar mit besonderen
Vorteilen für den Feind gestalten würde, wurde in den zur weiteren
Verbreitung 996 gedachten Schriften der Heeresgruppe nicht thematisiert.
Auch zur Tankabwehr fehlen besondere Hinweise, wenngleich man
durchaus damit hätte rechnen können, daß ein besonderer Umgang mit dem
Phänomen des umfassenden Erfolges gegen die erstmalig aufgetretenen
französischen Tanks von Seiten der Heeresgruppe Kronprinz baldigst
vorgelegen hätte 997 .
Mit Einschränkung eines möglichen Quellenverlustes liegen nur an zwei
Stellen direkte Bezugspunkte zum Themenkomplex Tank und Tankabwehr
995
Siehe ebenda, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil A., Ziff. 4.). Siehe
auch ebenda, Teil [Link]., Ziff. II.)7.)d.), mit übereinstimmender Aussage des Artillerie-
Kommandeurs der Division. Der Gesamtbestand der Erfahrungen der Division mit Tanks
gelangte am 1.5.1917 in die Hände der Armeeabteilung C (Ia. Nr. 1075 geh.). Wie bei der
Auswertung der Sommeschlacht bereits gesehen (siehe Abschn. 3.5.2.), konnten nach der
Überstellung eines Verbandes in einen anderen Führungsbereich Berichte –falls überhaupt-
erst auf Umwegen zum früheren Führungsstab gelangen. Die BED wurde Ende April der
AAbt C überstellt.
996
Das Schreiben der HGr Kronprinz vom 25.4.1917 liegt im Bestand BA-MA, RH
61/50597 als Exemplar der Armee-Abteilung C vor, welche die Verteilung bis zu den
Regimentern vorsah.
997
Im Gegensatz dazu veröffentlichte die HGr Rupprecht zusammen mit der Meldung über
die Tanks bei Arras auch neueste Erkenntnisse über französische Fahrzeuge, ihre Bauart
und ihre Verwendung; siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395. vom 28.4.1917,
Abschn. B.
251
vor 998 . Im Schreiben vom [Link] wurde ausdrücklich auf die Bedeutung
der Tiefenstaffelung der Artilleriebeobachtung hingewiesen 999 , und im
Kommentar zum Erfahrungsbericht der Heeresgruppe Rupprecht sprach
man sich für genaue Regelung der artilleristischen Tankabwehr vor Beginn
der Kämpfe aus, die durch den Batterien zugewiesene Zielstreifen für
Tankabwehr gewährleistet sein sollte. Daß man den Batterien und Führern
vor Ort völlig freie Hand lassen könne, wie es die Heeresgruppe Rupprecht
am [Link] geschrieben hatte 1000 , wurde verneint, da sich die bisherige
Regelung bewährt habe. Diese Auffassung ist angesichts der vorhandenen
Schilderungen aus der Schlacht nur schwer nachzuvollziehen, denn viel eher
scheint das unkoordinierte Feuer aller (noch) vorhandenen Geschütze
erfolgreich dem Grundsatz der Primärbekämpfung von Kampfwagen in
Reichweite gefolgt zu sein. Daß der Wunsch nach Feuerleitung bei der
Tankbekämpfung und ganz allgemeiner „Ordnung“ der Verbände und
Aufgaben einer Grundlinie des Führungsdenkens folgte, braucht sicherlich
nicht hervorgehoben werden, ganz gleich, ob sich entsprechende
Anordnungen im Gefecht tatsächlich würden aufrecht erhalten und
umsetzen lassen 1001 . Zudem muß dem Oberkommando der Heeresgruppe
Kronprinz zugebilligt werden, daß es sich auf Meldungen und Analysen
untergeordneter Dienststellen stützen mußte, die mit Zeitverzögerung
eintrafen und als augenblicklich ausreichende und umfassende
Auswertungen gelten konnten.
998
Petters Bericht spricht von einer „Beschreibung eines franz. Kampfw. von Schneider &
Co.-Creuzot“, die von der HGr Kronprinz „bald“ nach dem 16.4.1917 angefertigt worden
sein soll. Da diese nicht vorlag und Petter Inhalt, Erscheinungsbild und Herausgabedatum
offen läßt, blieb sie für die vorliegende Arbeit unberücksichtigt. Siehe BA-MA, RH
61/50769,: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 91.
999
Siehe BA-MA, RH 61/50597: HGr Kronprinz Ib Nr. 2437 vom 25.4.1917, Ziff. 6.).
1000
Siehe KA, HS 3402: HGr Kronprinz Ib Nr. 1797 geh. vom 27.4.1917, Ziff.: Zu IV.
Letzter Absatz.
1001
So sah der Teil 8 des Sammelheftes für den Stellungskrieg für alle Waffen vom
1.3.1917 vor, daß gelenkte Feuerzusammenfassung aller Artillerieteile gegen Tanks ins
Auge gefaßt werden sollte; siehe BA-MA, RH 61/50769, Manuskript Petter zur
Kampfwagen-Abwehr, S. 299.
252
1002
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, bzw.
Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917. Das AOK 1 führte im Verteiler
die Sonder-Stabsoffiziere der Waffengattungen, die ihm zugeteilten Gruppen und die HGr
Kronprinz auf, wobei ein „Vorrat fuer neu eintreffende Divisionen“ angelegt wurde.
1003
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, Ziff. 1.
1004
Siehe ebenda, Ziff. 2 und Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917,
Ziff. 2; dort: „Die zwischen [Link] und Artillerie-Schutzstellung eingesetzten
Nahkampfgeschütze waren durch die vorhergehende Artillerie-Vorbereitung der Franzosen
ausser Gefecht gesetzt.“ Ebenda, Ziff. 5.c): „Vorgeschobene Nahkampfgeschütze bleiben
bei der dem Angriff vorhergehenden Artillerievorbereitung meist nur da erhalten, wo sie
geschickt dem Gelaende angepasst und schusssicher eingebaut sind.“
253
1005
Siehe Abschn. 7.1.
1006
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, Ziff. 2. Der hier in
einer abgesetzten Zeile auffindbare Hinweis, daß Nahkampfgeschütze ihre Ziele
grundsätzlich direkt anzurichten hätten, verweist auf unzureichende Ausbildung der
Bedienungen von Kanonen. Dies wird durch die Forderung nach zugweisem Einsatz der
Geschütze unter Befehl des Zugführers nochmals unterstrichen.
1007
Siehe ebenda, Ziff. 4. und 5.
1008
Siehe Abschn. 7.1.
254
1009
Siehe BA-MA, RH 61/50601: KM AD. Nr. 1331.17.g.A4 vom 6.5.1917 (Beurteilung
der frz. Tanks und deutschen Abwehrmöglichkeiten durch die A4) und KA, HS 3402:
Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 4. Das Bergen von
Fahrzeugen war angesichts der erheblichen Schäden an den Fahrwerken unmöglich, daher
wurde umgehend mit dem Ausbau von Teilen begonnen. Einige Photographien
abgeschossener CA-1 und ihrer abmontierten Haupt- und Sekundärbewaffnung wurden im
Juni 1917 von der Abteilung Fremde Heere des Generalstabs in Umlauf gebracht. Daß auf
jegliche Kommentierung der Abbildungen verzichtet wurde, mag den Charakter der
Bildsammlung als auf visuellen Eindruck und Effekt zielende Propaganda nahelegen; siehe
HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde Heere Nr. 4532 a.
vom 6.6.1917: Französische Tanks und ihre Waffen.
1010
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff.
3.: „Gegen Tanks hatten alle eingesetzten Geschütze sehr gute Wirkung. Waehrend bei
Feldgeschützen (Feldkan. auch ohne Panzer und ohne Verzoegerung) Volltreffer die Panzer
glatt durchschlugen und die Tanks vernichteten, scheinen bei den schweren Kalibern
(besonders bei den sehr wirksamen s.F.H.) schon groessere Splitter die Waende zu
durchschlagen und gute Brandwirkung zu haben; [... ] .“
1011
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Abt. Felda, Berichte April-Aug.’17,
Nr. 4: FAR 111 Nr. 116/17 geh. vom 8.6.1917. Bei 7 Fahrzeugen konnte
Explosionswirkung festgestellt werden, 10 weitere wurden durch Beschuß umgeworfen (!)
oder zum Stehen gebracht. Das Regiment sprach ausdrücklich auch davon, daß die
gezeigten Leistungen hinter denen der Nahkampfgeschütze nicht zurückgeblieben seien
und, mehr noch, in gewisser Weise diejenigen der bespannten Feldartillerie-Reserven
übertroffen hätten. Diese wären schon beim Auffahren von französischer Artillerie erfaßt
und außer Gefecht gesetzt worden. Der Punkt scheint in der Diskussion um die Zukunft der
Nahkampfgeschütze Mai 1917 vollends untergegangen zu sein; siehe Abschn. 7.1.
255
unglaublichen Fall, bei dem die Salve einer Batterie schwerer Feldhaubitzen
auf eine Fahrzeugabteilung vier Kampfwagen außer Gefecht gesetzt haben
soll 1012 . Die BED ging nach dem Hinweis ihres Artillerie-Kommandeurs,
der den feindlichen Tanks gerade einmal so viel Platz in seinem Bericht
einräumte, um von ihrer vollständigen Vernichtung zu sprechen 1013 , schnell
dazu über, ein umfassendes und überaus knapp formuliertes Resümee zu
ziehen:
„Feindliche Tanks sind sehr leicht zu erkennen. Unbeholfen und schwerfällig. Es
darf ihnen kein zu großer Wert beigemessen werden.“ 1014
Von den höheren Stäben nicht in dieser klaren Form als Fazit in
Verlautbarungen aufgenommen, deckten sich hierin die Sichtweisen von
Divisionen aus der Arras- und der Aisneschlacht, die gegen Tanks
erfolgreich gekämpft hatten 1015 . Aufgrund dieser Berichte mußten Gruppen,
Armeen und Heeresgruppen ihre Urteile fällen und die OHL über weiteres
Vorgehen und die zukünftigen Rahmenbedingungen für die Tankabwehr
entscheiden. Bei der Klarheit der vorliegenden Ergebnisse hinsichtlich
französischer Tanks und des an Hauptkampfabschnitten zahlreich
vorhandenen Geschützmaterials 1016 kann also kaum verwundern, daß man
deutscherseits zu einem positiven Urteil hinsichtlich der bisherigen eigenen
Dispositionen kam. Was an dieser Stelle und auch ganz unabhängig von der
Frage nach eigenem Tankbau, diversen anderen Versäumnissen oder der
Unfähigkeit, sich die weitere Evolution von Tanks vorstellen zu können,
generell fragwürdig erscheint, ist die geringe Berücksichtigung der
1012
Siehe KA, HS 3402: Gruppenkommando S. Abt. I. Art. Nr. 811 vom 20.4.1917, Ziff. 3.
Von dem Vorkommnis setzte man die Presse ebenfalls in Kenntnis, wie entsprechende
Passagen der Berliner Illustrirte Zeitung, [Link]., Nr. 19 vom 13.5.1917, S. 266, belegen.
1013
Siehe BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom 23.4.1917, Teil [Link]., Ziff. II.)e.).
1014
Zitiert nach ebenda, Teil B., Ziff. 13.).
1015
Siehe Abschn. 5.6.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK [Link] Ia Nr. 1620 vom
21.4.1917, dort: [Link] Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Abschn. D.
1016
Die Artillerie-Abteilung des Kriegsministeriums urteilte hierzu generalisierend: „Alle
eingesetzten Geschütze hatten sehr gute Wirkung. Feldkanonen auch mit gewöhnlicher
Munition; bei schweren Kalibern durchschlagen anscheinend große Sprengstücke die
Panzerwände. Die Tanks gerieten meist in Brand oder explodierten.“ Zitiert nach BA-MA,
RH 61/50601: KM AD. Nr. 1331.17.g. A4 vom 6.5.1917, Ziff. 3.
256
speziellen Verhältnisse, unter denen an der Aisne und in der Champagne ein
Abwehrerfolg hatte errungen werden können. Eine sträflich lange
Vorwarnzeit, Luftüberlegenheit im entscheidenden Moment und
erfolgreiche Erdaufklärung hatten Vorteile gebracht, die in dieser Form
kaum dauerhaft hätten erwartet werden können. Zudem waren die eigenen
Verluste, die Ausfälle an kriegserfahrenen –und man bedenke, auch an
tankabwehrerfahrenen- Soldaten, nicht so unbeträchtlich, als daß man sie
auf Dauer würde ignorieren können. Wie stark in den deutschen
Streitkräften die Vorstellung der überlegenen eigenen Qualitäten gegenüber
feindlichen Quantitäten und damit das Unverständnis für die wenigstens
langfristig wirksame alliierte Ermattungsstrategie verankert war, ist nicht
zuletzt noch darin zu ersehen, daß die deutsche amtliche
Geschichtsschreibung von 1939 sechsstellige Personalverluste in dieser
Schlacht als „Zahlen geringer Bedeutung“ beurteilte 1017 , da sie im
Großkampf immer zu erwarten und angesichts des Erfolges verschmerzbar
gewesen seien.
Die Ergebnisse, die bis Ende April 1917 aus den Kämpfen mit britischen
und französischen Kampfwagen vorlagen, waren für die deutsche
Tankabwehr äußerst bedeutend und umfangreich. Und dies nicht nur
aufgrund der eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Auswertung von
Gefangenenbefragungen. So war in der Verlautbarung der Heeresgruppe
Rupprecht vom [Link] auch die Rede von Aussagen gefangener
Tankbesatzungen, die zu Protokoll gegeben hatten, daß die Tanks ein
verfehltes Kriegsmittel seien, deren Einführung lediglich die Erwägung
ihres moralischen Eindrucks auf die eigene und die feindliche Truppe
1017
Siehe RA, Bd. 12, S. 410.
257
zugrunde gelegen habe 1018 . Hier mit Blick auf die späteren Ereignisse
darauf zu verweisen, daß es sich bei derartigen Aussagen um eklatante
(Selbst-) Täuschung der deutschen Seite handelte, entbehrt nicht des
Charmes, den Blick in die Zukunft und die Fähigkeit der deutschen
Führung, diesen Blick in irgend einer Form zu vollziehen, ins Spiel bringen
zu können. Doch gerade in Hinsicht auf die Möglichkeit einer
Weiterentwicklung der Tankwaffen auf französischer und britischer Seite
fehlten der deutschen Führung offensichtlich handfeste, durch die
Feindaufklärung erbrachte, rationale Grundlagen. Allein die Aussicht auf
ein schwereres und größeres britisches Modell, von dem man Anfang Januar
1917 gehört hatte 1019 , läßt sich in diesem Zusammenhang fassen. Dies
alleine konnte nach den Maßstäben von April-Mai 1917 kaum als
Bedrohung gelten, da man sich zuvor auf eine stärkere Panzerung eingestellt
hatte und die technischen Fähigkeiten eines zweifelsfrei schwerfälligeren
Tanks, den der britische Mark V* 1020 später tatsächlich bedeuten sollte,
noch begrenzter sein mußten als diejenigen der bekannten Typen. Der
Vorstellung größerer Tankmassen konnte man insofern begegnen, als die
Anzahl der vorhandenen Tankabwehrwaffen oder solcher Waffen, die nach
dem Erfahrungsstand für diese Aufgabe in Frage kommen konnten,
beträchtlich war. Nimmt man als Maßstab eine Division nach dem bei Cron
für den Stand Anfang Mai 1917 dargelegten Bild 1021 , dann ergibt sich, daß
108 schwere und 72 leichte Maschinengewehre, 36 leichte, acht mittlere und
vier schwere Minenwerfer, 24 Feldkanonen 7,7cm und 12 leichte
Feldhaubitzen 10,5cm vorhanden waren. Wo diese Zahlen noch nicht
erreicht waren, sollten sie umgehend erreicht und, was die Zuteilung von
schweren und leichten Maschinengewehren sowie einer ständigen
Fußartilleriekomponente der Divisionen betrifft 1022 , zukünftig sogar
übertroffen werden. Handgranaten waren zudem überall in Massen
1018
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.:
Allgemeines Urteil über die Tanks.
1019
Siehe ebenda, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Bl. 39: HGr Rupprecht
Ia. Art. I. Nr. 1919, 3.1.1917.
1020
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 119.
1021
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 117ff.
1022
Siehe ebenda, S. 100, S. 118 und S. 150.
258
1023
Siehe Augustin, Friedrich: Die Pioniere und ihre Kampfmittel, in Schwarte, Max (Hg.):
Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 6, Berlin/Leipzig o.J., S. 186. Nach dortiger
Aussage wurden von Divisionen an einem Großkampftag 30.000 Handgranaten verbraucht.
1024
Sie ist zudem auch noch sehr viel später als Idee präsent. In einer Fachpublikation von
1936 wurde ein Bestand von insgesamt nur 54 (3,7cm) Panzerabwehrkanonen, die für die
aktive Panzerabwehr innerhalb einer Infanteriedivision in Frage kamen, ausgegangen und
dies als ausreichend betrachtet. „Da im Normalfalle die Panzerabwehrkanonen der Division
genügen, so erscheint meist nicht erforderlich zu sein, eine zusätzliche, an sich mögliche,
Panzerabwehr zu benutzen, sofern dies nicht außerordentlich leicht und mit ganz
besonderem Vorteil geschehen könnte. Hierzu kämen nur [!] die Pioniere in Betracht.“
Zitiert nach Schell, A. v.: Kampf gegen Panzerwagen, Berlin 1936, S. 31.
1025
Siehe Frerk: Arrasschlacht, S. 126, und Nicolai, Georg: Schillers „Jungfrau von
Orleans“ und der Weltkrieg, in Liller Kriegszeitung (Hg.): Sommerlese 1917, Lille 1917, S.
207: „Die englischen Tanks. Dies Furchtbild der erschreckenden Einbildung/Wird, naeher
angesehn, in nichts verschwinden.“
259
1026
Das Dokument lag im Original nicht vor. Petter nahm darauf aber Bezug und bietet eine
knappe Zusammenfassung; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur
Kampfwagen-Abwehr, S. 91f.
1027
Siehe ebenda, S. 94. Bemerkenswert ist die Leichtigkeit, mit der Petter über die
Tankabwehrerfahrungen der verschiedenen Dienststellen bei Arras und an der Aisne
hinweggeht. Ebenso, daß die Flandernschlacht keine Berücksichtigung findet und die
Sichtweise der Alliierten vollends ausgeklammert bleibt. Die Folge ist gerade für den hier
relevanten Zeitraum, daß mit Hypothesen gearbeitet wird, denen ungeprüft und undiskutiert
Allgemeingültigkeit unterstellt wird.
1028
Als Beleg für die Richtigkeit dieser Annahme und dafür, daß der Umstand schon
während des Krieges auffällig war, kann das Schreiben des bayerischen Generals v.
Gebsattel an das Kriegsministerium in München dienen; siehe Ulrich, Bernd/Ziemann,
Benjamin (Hg.): Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit, Frankfurt 1995,
Dok. Nr. 52. Zudem findet sich im Zusammenhang mit der Überprüfung von Fällen
unerlaubter Entfernungen von der Truppe Anfang 1917 die Meldung des AOK 1, daß bei
einer Division definitiv Überläufer als Vermißte geführt würden; siehe HStAS, M 33/2, Bü.
28, Bl. 37: AOK 1 Ia/III Nr. 28233 streng geheim! vom 17.1.1917.
1029
Petter zweifelte vor allem auch an der Effizienz der SmK-Munition, für deren
Wirkungsweise ihm lediglich der im Bericht der [Link] für Bullecourt geschilderte Fall
vorlag. Tatsächlich aber machte dieselbe Division bereits wieder am 3.5.1917 Erfahrungen
damit, als von 8 angreifenden Tanks 2 durch Artillerie und 3 durch Maschinengewehre
kampfunfähig gemacht werden konnten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: [Link] Abt. Ia. Nr.
1523 vom 10.5.1917, Ziff. 8.).
260
der Tanks zu glauben, der dem deutschen Heer an der Westfront gefährlich
werden könnte. Nach dem, was bisher über die britische Seite geschrieben
wurde, muß es zudem fraglich erscheinen, ob diese Gefahr per se, gerade in
Hinsicht auf ein tiefergehendes, „visionäres“ Verständnis der neuartigen
Waffe bei der für ihren Einsatz letztendlich ausschlaggebenden Führung
vorhanden war. Der Vorreiter der modernen, operativen Panzerstreitmacht,
Fuller, jedenfalls ließ in seinen Äußerungen keinen Zweifel daran, daß an
die Umsetzung seiner Vorstellungen zu diesem Zeitpunkt keiner der
Verantwortlichen an entscheidender Stelle dachte 1030 . Außerdem muß man,
zurück im zeitlichen Kontext und beim deutschen Wissensstand im Frühjahr
1917, auch berücksichtigen, daß die deutsche Seite zwischen Oktober 1916
und Mitte April 1917 aufgrund mangelnden Detailwissens Gefahr gelaufen
war, sich mit den die Tanks und ihre Abwehr betreffenden Entscheidungen
verspekuliert zu haben. Eine kritische Lage, aus der man im April 1917
überaus erfreulich erlöst wurde, da sich Mutmaßungen und Anordnungen
als richtig oder sogar unnötig vor- und umsichtig erwiesen hatten. Ein
phantastisches Mehr an Leistung der Tanks anzunehmen lag offensichtlich
nicht nahe, und ob ein solches während des Krieges überhaupt feststellbar
ist, bleibt im Rahmen der vorliegenden Arbeit weiterhin zu überprüfen. Was
allerdings ganz deutlich aus den Annahmen der OHL hervorgeht, ist eine
grundsätzliche Unterschätzung der alliierten Kontrahenten, denen in dieser
Phase des Krieges vollends abgesprochen wurde, aus eigenen Fehlern lernen
zu können. Etwas, das Monate später als falsch zugegeben werden
mußte 1031 . Der Blick in die Zukunft, nicht auf Grundlage von Meldungen
über zu Erwartendes, sondern Kraft eigener Vorstellungsgabe oder vielleicht
auch unter den Parametern eines „worst case“ Szenarios lag der OHL
augenscheinlich nicht.
Im späten Frühjahr 1917 ergab sich also nicht von ungefähr ein dem
innerhalb von sieben Monaten empirisch und analytisch belegten Bild der
1030
Siehe Abschn. 5.6.1.
1031
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 136: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde
Heere Nr. 6730a. Geheim. vom Dezember 1917. Bestätigt wurde der britischen Führung
nach den Kämpfen von Cambrai, dazugelernt zu haben und besonders auch die Tanks gut
genutzt zu haben.
261
Interessanterweise konnte man 1918, als der Zwang zum Bau solcher
Waffen zu einem verstärkten Druck auf die Verantwortlichen führte, binnen
1032
Eine chronologische Aufstellung der Anfragen und Antworten zur Aufnahme des
Tankbaus in die Dringlichkeitsstufe 1 belegt, daß es bereits Mitte Februar zu einem
Gesinnungswechsel der OHL gekommen sein muß, der am [Link] 1917 mit dem Hinweis
darauf, daß nur „allerwichtigste Dinge“ Priorität haben sollten, manifestiert wurde; siehe
BA-MA, RH 61/50768: Studie Hildebrandt, S. 1a ff. (Aufstellung der Ereignisse in
chronologischer Reihenfolge).
1033
Siehe Abschn. 10.2. und Kap. 13.
1034
Siehe Muther, S. 115, und Abschn. 4.1. der vorliegenden Arbeit.
1035
Die Darstellung von Muther indiziert, daß es sich kaum um eine befohlene
Verzögerung oder gar einen Abbruch der Versuche handelte, sondern vielmehr um eine
langwierige Versuchsphase mit mehreren Baumustern, die, gewissenhaft ausgeführt, eben
eine gewisse Zeit brauchte und daher 1917 keine greifbaren Ergebnisse mehr lieferte. Siehe
Muther, S. 116.
1036
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917, Ziff.
1.).
262
1037
Diese Erkenntnis, nämlich daß eben zuvor kein ausreichender Druck der OHL (u.a.)
vorhanden war, findet sich schon in der Arbeit Jochims von 1921, wo dies für den Tankbau
attestiert wurde; siehe BA-MA, RH 61/50768: Ausarbeitung Jochim, S. 4.
1038
Abgesehen davon fehlen selbstredend die einer Waffengattung eigenen höheren
Vorgesetzten oder die notwendige Stellung mit einer dauernden Vertretung und Inspektion
beim Generalstab.
263
Arras recht positiv 1039 , für die Kämpfe an der Aisne und in der Champagne
aber weniger günstig ausfallen 1040 . Die statische Aufstellung der
Nahkampfgeschütze hinter der ersten Infanterielinie hatte zu lokal
unterschiedlichen aber generell hohen Verlusten geführt. Die übrigen
Sondergeschütze, die zur Tankabwehr zugewiesen worden waren, betraf
dies offensichtlich genauso, denn kein Fall eines Tankabschusses durch sie
ließ sich zweifelsfrei eruieren 1041 . Bis Mitte August 1917 mehrten sich
dann auch die Ansichten über die Ineffektivität der kleinkalibrigen
Sondergeschütze und die Wünsche, sie ganz zurückzuziehen 1042 .
Ernste Zweifel am Sinn der Nahkampfbatterien könnten bei der OHL schon
Ende April 1917 aufgekommen sein, als man zumindest das AOK 2 mit
Nachdruck darauf hinwies, daß die augenblickliche Ausstattung der
Batterien mit 500 Schuß Munition nur darauf deuten könnten, daß sich bei
der lokalen Führung noch kein Verständnis für den Zweck der Geschütze
entwickelt habe. 250 Schuß seien für die Tankbekämpfung durch ein
solches Schweigegeschütz vollkommen ausreichend 1043 . Nachdem die
Erfahrungsberichte aus den beiden Schlachten im April eingelaufen waren,
trafen Anfang Mai die eingeforderten Gefechts- und Erfahrungsberichte der
1039
Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 573: Gkdo. [Link] Ia Nr. 1620 vom 21.4.1917, dort:
[Link] Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, Ziff. II.)d).: „Tankgeschütze sind nicht zu entbehren;
namentlich zur Bekämpfung von Tanks, die unsere Stellungen durchbrochen haben, und
zur Bekämpfung der ihnen folgenden Infanterie sind sie wertvoll.“ Unter Ziff. II.) e) findet
sich als Quintessenz der infanteristischen Tankabwehrerfahrungen bezeichnenderweise die
Forderung nach handlichen Grabenkanonen für die Infanterie.
1040
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Nr. 204 geheim. vom 28.4.1917, bzw. Abschn. 6.5.2.
1041
Siehe und vergleiche Abschn. 5.4.
1042
Noch im Mai 1917 ließ das AOK verlautbaren, daß die 3,7 und 5cm Kanonen für einen
Einsatz in vorderster Linie ungeeignet seien. Nach den Erfahrungen in der
Flandernschlacht, die es nahelegten, für sie MG mit SmK-Munition als Ersatz zu
betrachten, sprachen sich die HGr Rupprecht und etwa das GK [Link] dafür aus, die
kleinen Geschütze wegen Nutzlosigkeit aus der Linie zu nehmen. Siehe HStAS, M 33/2,
Bü. 721: AOK 2 Ia 223 Mai/Art. 2392/17 vom 14.5.1917, Ziff. [Link] 7.), bzw. ebenda,
HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 24097 vom 3.8.1917, Ziff. 1.), und ebenda, Gruppe Caudry (GK
[Link]) Abt. Artl. Nr. 13575 vom 14.8.1917.
1043
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: Telegramm aus dem Großen Hauptquartier an AOK 2
vom 26.4.1917.
264
1044
Zitiert nach KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 17155: Übersendung des
Erfahrungsberichts der NKB 220 an die HGr Rupprecht. Siehe auch ebenda, Bl. 16593:
AOK 6 IIa Nr. 12101 vom 9.5.1917 an HGr Rupprecht wegen Kommentierung des Berichts
der NKB 220. Dort wird von „Gleichgültigkeit“ und „Interesselosigkeit“ der Vorgesetzten
gegenüber den Belangen der NKB gesprochen.
1045
Siehe ebenda, Bl. 17155: Erfahrungsbericht der NKB 220. Mit 19 Mann sei drei
Wochen in vorderster Linie ausgehalten worden, was zur vollkommenen körperlichen und
„moralischen“ Erschöpfung geführt habe.
1046
Siehe etwa ebenda, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 18666: Bericht der NKB 206, oder ebenda, Bl.
18516f: Bericht der NKB 205, und ebenda, Bl. 802/17II: Bericht der NKB 202.
1047
Siehe ebenda, Bl. 16593: AOK 6 IIa Nr. 12101 vom 9.5.1917.
265
vor oder nachdem man ihn hatte wissen lassen, daß disziplinarische
Sanktionen in Aussicht standen, eintrat, muß dahingestellt bleiben. Die
„beleidigenden Aeusserungen“ jedenfalls sind im überlieferten Schriftgut
nicht auszumachen. Dagegen bezog sich Ludendorff noch auf die
Quintessenz der insgesamt sehr kritischen Erfahrungsberichte und
formulierte als zumindest einen Punkt der Begründung zur Auflösung der
Nahkampfbatterien am [Link] 1917, daß sie in ihrer augenblicklichen Form
nicht lebensfähig seien 1048 .
Veränderungen, welche die genannten organisatorischen und die
mittlerweile bekannten taktischen Mißstände hätten beseitigen können,
spielten in den weiteren Überlegungen keine wirkliche Rolle 1049 . Mit der
Verlautbarung vom [Link] 1917, die besagte, daß die Nahkampf- und
Infanteriegeschützbatterien zu einem Zeitpunkt aufgestellt worden seien, an
dem es ausreichend verfügbares Geschützmaterial gegeben habe, was nun
nicht mehr der Fall sei und die hohen Geschützverluste 1050 der
Sonderbatterien inakzeptabel machte, war die Auflösung beschlossen 1051 .
Daß man nicht nur bei der OHL dachte, sich die ersatzlose Streichung der
gerade aufgestellten Sonderwaffe leisten zu können, wurde in den folgenden
Tagen durch verschiedene Rückmeldungen auf den Auflösungsbefehl
unterstrichen. Das AOK 6 meldete am [Link] keinerlei Bedenken an und
wies auf die vielfältigen Möglichkeiten der Tankbekämpfung durch
schwerere Artillerie, Maschinengewehre mit SmK-Munition und die
Bereitstellung beweglicher Züge der Feldartillerie hin, welche völlig
1048
Siehe ebenda, Bl. 16722: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 54958 op. vom 10.5.1917.
1049
Die OHL selbst hatte noch am 1.5.1917 empfohlen, die Nahkampfgeschütze aus der
Zone des voraussichtlich stärksten feindlichen Artilleriefeuers herauszuziehen und sie
behelfsmäßig zu bespannen; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur
Kampfwagen-Abwehr, S. 91.
1050
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 16722: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic
Nr. 54958 op. vom 10.5.1917. Es wurde angeführt, daß bei einer Heeresgruppe 47
Nahkampfgeschütze verlorengegangen waren. Mit knapp einem Sechstel der insgesamt
verfügbaren Nahkampfgeschütze handelt es sich tatsächlich um ein erhebliches Ausmaß,
wobei angeführt werden muß, daß unter den Terminus „Nahkampfgeschütz“ sehr
wahrscheinlich auch die übrigen Sondergeschütze (3,7cm usw.) subsumiert worden sind.
1051
Ebenda.
266
1052
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 17243: AOK 6 Art. I Nr. 13898/1921
vom 18.5.1917.
1053
Siehe ebenda, Bl. 17243b: HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 17243 vom 20.5.1917.
1054
Siehe ebenda, Bl. 17380: AOK 2 Ia Nr. 265 Mai/Artl. 2488/17 vom 20.5.1917.
1055
Siehe Abschn. 6.5.2.
1056
Einige Batterien sollten für Sonderzwecke erhalten bleiben, u.a. bei den
Sturmbataillonen; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: 41, Bl. 16722: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ic Nr. 54958 op. vom 10.5.1917. Aus einigen NKB wurden nach Mai 1917 noch
IGB gebildet. Offensichtlich waren das Geschützmaterial und die Leistungen
unbefriedigend, so daß es im November 1917 zum Befehl für die Auflösung der IGB kam;
siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 152.
267
1057
Siehe KA, HS 3402: Sturmbataillon Nr. 5 (Rohr) Nr. 1479 geheim vom 8.12.1917.
1058
Siehe ebenda: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 73762. op. vom 21.12.1917. Darin:
„Dabei stelle ich aber anheim, vor allem auch Feldartillerie-Batterien mit neuem Gerät, die
mit der Infanterie gut eingespielt sind, für diese Zwecke zu verwenden und nicht in der Inf.-
Geschütz-Batterie das ausschlaggebende Kampfmittel zur Begleitung der Angriffs-
Infanterie zu erblicken.“
1059
Siehe HStAS, M 33/2, Bü 307: [Link] Ia. 3478 vom 12.10.1917, Ziff. 7.)e).
1060
Siehe Abschn. 13.1.
268
Was die OHL den deutschen Truppen, besonders der Infanterie, nach der
Auswertung der Frühjahrsschlachten 1917 zuzumuten gedachte, war auch
ohne die Beachtung des Sonderfalls Tankabwehr äußerst viel. Die Verbände
sollten gemäß der letzten Bestimmungen des neuen Abwehrverfahrens
relativ breite Sektoren in großer Tiefe besetzen, was zur Folge haben mußte,
daß kleinere und kleinste Teileinheiten verstreut und nahezu auf sich gestellt
im Gelände vorzufinden sein würden. Die Bedeutung der Unterführer und
von „Disziplin und Manneszucht“ in Maschinengewehr-, Minenwerfer- und
Geschützbedingungen, Gruppen, Korporalschaften, Halbzügen und Zügen
mußte angesichts einer auf striktes Halten und gleichzeitiger Fähigkeit zu
Gegenstoß und Gegenangriff ausgelegten Taktik außerordentliche Größe
annehmen. Gerade auch dann, wenn der Schutz, den man durch
umfangreiche Erdarbeiten an der Westfront immer wieder geschaffen hatte,
für die vordersten Stellungsteile per Befehl genommen wurde und man sich
zukünftig, vielleicht noch nicht einmal übertrieben überspitzt
ausgedrückt 1061 , quasi auf freiem Feld dem feindlichen Artilleriefeuer und
zu erwartenden Massensturm zu stellen haben würde 1062 . Im Wortlaut eines
Armeebefehlshabers klang der hohe Anspruch der Führung an die
Kampfkraft der Truppe unter diesen Bedingungen folgendermaßen:
1061
Siehe dazu Abschn. 10.1., Kap. 12. und 13.
1062
Siehe BA-MA, PH 5 I/11, Bl. 16f.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia 2996 [Link]. vom
29.4.1917. Allgemeingültig wurden die neuen Grundsätze zum Stellungsbau durch eine
Vorschrift vom 10.6.1917; siehe RH 61/51702: Solger: Entwicklung des Stellungskrieges,
Teil D., S. 1. Besonderen Anlaß für die harte Entscheidung, auf umfangreichen Ausbau und
Wiederaufbau durch Artillerie zerstörter Stellungen zu verzichten, dürfte maßgeblich die
HGr Rupprecht mit ihren Erfahrungen aus der Schlacht bei Arras bedeutet haben. Die
(zugegebenen) stellungsbautechnischen Defizite der Siegfriedstellung hatten durch die
bewegliche Führung der Abwehr aufgewogen werden können. Die HGr schrieb dazu: „Es
zeigte sich also, daß die Mängel im Ausbau der Stellungen nicht die nachteiligen Folgen
hatten, die man hätte annehmen können. Es hat sich vielmehr aus der Notlage ein
Kampfverfahren herausgebildet, in dem eine sehr beachtenswerte Weiterentwicklung
unserer Grundsätze über Verteidigung im Stellungskrieg zu erblicken ist.“ Zitiert nach
HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 88: HGr Rupprecht Ic Nr. 2941 geh. vom 2.5.1917.
269
„Ich bin mir bewusst, dass diese Grundsaetze [des Abwehrverfahrens] nicht neu
sind und dass hoeher als alle theoretische Belehrung der Geist der Truppe wiegt.
Daher Aufrechterhaltung der strengen Manneszucht, Erziehung zu energischen
Gegenstössen, Durchdringung aller Mannschaften mit dem Grundsatz, dass eine
brave Truppe, auch wenn sie abgeschnitten ist, weiter kaempft, bis sie durch
Gegenstoss befreit ist, oder sich durchschlaegt.“ 1063
1063
Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 66: AOK 2 Abt. Ia. Nr. 700/April Geheim.
vom 11.4.1917, Ziff. 3.
1064
Siehe dazu die Analyse des Archivrats Obkirchners, der diese Vorkommnisse als erste
und überaus deutliche Warnsignale für sinkende Moral und Kampfbereitschaft der Truppe
wertete: „Die Truppe hatte nicht überall bis zum Äußersten gekämpft und, nachdem sie
umgangen war, sich nicht mit aufgepflanztem Seitengewehr durchgeschlagen, sondern sich
gefangen gegeben.“ Siehe BA-MA, RH 61/51507: Forschungsarbeit Obkirchner: Die
Entwicklung der Stimmung im Heere 1916/17, S. 15.
1065
Siehe Kap. 9., 11. und 12.
1066
Ludendorffs Aussage dazu, daß eine Division, die [Link], versagt habe, die zuvor als
gut galt, macht aber deutlich, daß die gerade genannten Gründe nicht in Anrechnung
gebracht wurden; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 334. Gleiches gilt für die
Bewertung der 3. und [Link] am 15.9.1916 bei Flers, denen Fälle von Panik nachgesagt
wurden, während Erschöpfungsgrad und Beispiele für äußerst tapferes Verhalten aus den
Bewertungen herausblieben.
270
„geistigen und physischen Kräfte der Führer und Truppe“ 1067 gefunden
worden zu sein. Die Auswirkungen dieser Sichtweisen waren
schwerwiegend. Sie waren extrem negativ, was die Form einer vielleicht als
Betriebsblindheit zu charakterisierenden und auf Basis selektiver
Wahrnehmung erfolgenden Ausklammerung der eigenen Schwächen betraf,
und dezent positiv 1068 , wenn aus dem erwachenden Interesse der [Link] für
die Stimmung in der Truppe diverse Ansätze zur Besserungen der
Lebenssituation der Soldaten entsprangen.
Daß sich die Stimmungslage in der Heimat mit zunehmender Kriegsdauer
und unter erschwerten Lebenssituationen stark veränderte, wurde von
Dienststellen in der Heimat recht frühzeitig wahrgenommen. Seit Anfang
1916, als es im Deutschen Reich sogenannte Straßenkundgebungen gab und
zur Verbreitung von Flugblättern kam, die „Frieden heischenden Inhalt“ 1069
hatten, wurde die Sorge zusehends größer, daß aus der bestehenden Lage
fatalste Folgen für die Wehrkraft und damit die erfolgreiche Fortsetzung des
Krieges entstehen könnten. So prophetisch die Worte manches Zuständigen
waren, so verbohrt meinten andere unter dem Deckmantel angeblicher
Ungerechtigkeiten allein die Agitation und Umtriebe sozialistischer und
1067
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 31: Chef d. Genst. d. Feldheeres I Nr. 36632 vom
8.10.1916. Bemerkenswert sind auch die Zeilen des Kronprinzen zu diesem Sachverhalt,
die trotz ihres Erscheinens Jahre nach Kriegsende, wenig Sensibilität für die Gründe hinter
beobachtetem moralischem Verschleiß der Truppen oder für die eigene materielle
Unterlegenheit ausweisen; siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 283.
1068
Einzelne Inhalte der Bestrebungen dürften an sich positiv aufgenommen worden sein,
vor allem auf dem Sektor der Truppenbetreuung. Dennoch konnte etwa die Heraufsetzung
der Löhnung Ende 1917 nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten. Die Masse der
Heeresmißstände, wie sie etwa im Gutachten Hobohms für den Untersuchungsausschuß des
Reichstages aufgezählt wurden, blieb unberührt und vor allem die propagandistischen
Tätigkeiten wurden in der Nachkriegsbetrachtung (gerade auch durch Ludendorff selbst)
und der historiographischen Aufarbeitung weitgehend als ineffektiv aufgefaßt; siehe etwa
Ulrich, Bernd/Ziemann, Benjamin: Das soldatische Kriegserlebnis, in Kruse: Eine Welt von
Feinden, S. 149.
1069
Siehe Deist, Wilhelm (Bearb.): Militär und Innenpolitik im Ersten Weltkrieg (Quellen
zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Zweite Reihe: Militär
und Politik), Bd. I, Düsseldorf 1970, Dok. Nr. 126. Es handelt sich um ein Schreiben des
bayerischen KM an die bayerischen Staatsminister wegen der Stimmung in Armee und
Heimat vom 1.2.1916.
271
1070
Siehe ebenda, Dok. Nr. 108, Nr. 109 und bes. Nr. 127, worin deutlich wird, wie wenig
Verständnis man (hier das bayerische KM) für die Verhältnisse und Lebensrealitäten der
Bevölkerung aufbringen konnte.
1071
Siehe BA-MA, RH 61/51507: Forschungsarbeit Obkircher: Die Entwicklung der
Stimmung im Heere 1916/17, S. 45.
1072
Siehe Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 136.
1073
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte u. Verfügungen, Nr. 6: HGr
Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.9.1916, HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 29f.: AOK 6 Ia Nr.
69014 vom 27.9.1916, und ebenda, Bl. 31: Chef d. Genst. d. Feldheeres I Nr. 36632 vom
8.10.1916.
1074
Siehe Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 135, ein Schreiben Ludendorffs an die AOKs
wegen Aufklärung der Truppe über wirtschaftliche Fragen vom 18.10.1916. Auf der einen
Seite nahm der Erste Generalquartiermeister seine Soldaten geradezu in Schutz, wenn er
ihre Beteiligung an der Verbreitung von Gerüchten über die wirtschaftliche Situation auf
Unwissenheit und Urteilslosigkeit und nicht auf einen bösen Willen zurückführt, auf der
anderen Seite ist überaus deutlich, daß die ja tatsächlich zunehmend fatale Lage als Grund
des Mißmuts an der Front als Gerücht abgetan wurde.
1075
Ludendorff schrieb über diese Situation: „Die Kraft daheim war schwer getroffen. Wir
dachten mit Sorge an unseren Lebensunterhalt, aber auch an unsere seelische Spannkraft.“
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 242. Die Bedeutung des Friedensangebotes lag
einerseits darin, daß es im Ausland als Zeichen der deutschen Schwäche aufgefaßt werden
konnte, andererseits in seiner gleichartigen innenpolitischen Wirkung, die den Glauben der
Truppen und Heimat an einen „Sieg-“ oder einen „Verständigungsfrieden“ und damit die
272
Hoffnung auf eine erfolgreiche Fortführung des Krieges untergraben mußte. Siehe ebenda,
S. 243.
1076
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte u. Verfügungen, Nr. 6: HGr
Rupprecht Ia Nr. 609 geh. vom 27.9.1916.
1077
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 38: Generalquartiermeister II Nr. 40332/1636 vom
8.1.1917.
1078
Siehe ebenda, Bl. 39: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 44158 op. vom 9.1.1917 ,
Ziff. 1.).
1079
Siehe ebenda, Ziff. 2.).
1080
Siehe ebenda, Bl. 42: [Link] Abt. I 169 geh. vom 17.1.1917, und ebenda, Bl. 44: [Link]
Abtlg. Ia. Br. B. Nr. 208 I geh. vom 18.1.1917.
1081
Siehe ebenda, Bl. 37: AOK 1 Ia/III Nr. 28233 streng geheim! vom 17.1.1917.
273
1082
Besonders deutlich wird der kuriose Umstand, daß man „Mißstände, Ungerechtigkeiten
und Ungehörigkeiten“ erkannt hatte, sie aber als bei einem derart großen Heer für
unabänderlich deklarierte, bei Deist: Militär, Bd. I, Dok. Nr. 127. Festhalten kann man, daß
zwischen dieser Aussage des bayerischen KM vom 1.2.1916 und der Sicht der OHL ein
Jahr später definitiv ein gravierender Unterschied bestand, der seine Wurzeln in den
unübersehbaren Auswirkungen des Negierens solcher Zustände und der Überforderung der
Truppen hatte.
1083
Siehe dazu Hugo, Melchior v.: Fürsorge für das geistige Leben im Heere,
Wohlfahrtseinrichtungen usw., in Schwarte: Der Weltkampf, Bd. 8, S. 348-388.
1084
Siehe Abschn. 6.2.
1085
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 309.
274
taktischer Erfahrungen und auf den Kampf um „Hof und Herd, Weib und
Kind“ 1086 eingeschworen, durchstanden diese Verbände den Massensturm
des Feindes „und bewiesen ihre alte Überlegenheit über den Erbfeind“ 1087
zu dem Zeitpunkt, an dem die Stimmung in der Heimat in Form von
Massenstreiks an einem neuen Tiefpunkt angekommen war. Daß hieraus
von Seiten der obersten Führung eine Bestätigung für die Richtigkeit der
ergriffenen Maßnahmen auf einem neu beschrittenen Weg der psychisch-
physischen Beeinflussung der Leistungsfähigkeit von Truppen sowie die
Wahrnehmung ungebrochenen und beständigen Kampfeswillens
synthetisiert wurde, mag man den Lobpreisungen für die Tapferkeit der
Truppen entsprechend voraussetzen können 1088 . Wo es definitiv zu einer
solchen Synthese kam, die jedoch als Rückschluß von den Leistungen
einiger weniger Verbänden in ganz spezifischer Lage und an einem
bestimmten Frontabschnitt auf die Masse des Heeres fragwürdig sein muß,
war auf dem Teilsektor der Tankbekämpfung.
Wie die Schreckensrufe von Cambrai und vor allem 1918 erkennen zu
lassen, ging wenigstens die OHL davon aus, daß die als „Tankschrecken“
klassifizierte moralische Wirkung der feindlichen Kampfwagen auf die
Truppen Mitte 1917 überwunden gewesen sei 1089 . Eine Meinung, die durch
die Aussagen mit Tanks konfrontierter Verbände und höherer Dienstellen
untermauert wurde, wie unter Verweis auf die Berichte der BED und die
1086
Siehe Abschn. 6.2.
1087
Siehe Die Schlacht um Reims, Bericht von besonderer deutscher Seite vom 12.5.1917,
in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 102.
1088
Zu diesem Schluß kam auch Obkircher in seiner Ausarbeitung und betonte dabei: „Die
O.H.L. war hierin nicht blind. Aber an den ganzen [hervorgeh.] Ernst zu glauben und
demgemäss mit rücksichtsloser Schärfe vorzugehen, daran scheint sie unbewußt gehemmt
worden zu sein durch den in unzähligen, bitterschweren Kämpfen festgegründeten Glauben
an den deutschen Soldaten, auch für die Zukunft.“ Siehe BA-MA, RH 61/51507:
Forschungsarbeit Obkircher: Die Entwicklung der Stimmung im Heeres 1916/17, S. 51.
1089
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 93: „Die
O.H.L., die mit Ernst der Frühjahrsoffensive der Entente im Jahre 1917 entgegengesehen
hatte, glaubte mit den vorgetragenen Ergebnissen zufrieden sein zu können. Die Kampfw.-
Gefahr schien durch die getroffenen Maßnahmen gebannt zu sein.“ Bestätigung erfuhr
diese Einstellung durch die weiteren Kämpfe des Jahres bis zur Schlacht von Cambrai;
siehe dazu Abschn. 8.2.
275
[Link] nochmals angeführt werden kann 1090 : Das Gefühl der Ohnmacht
gegenüber den Tanks war beseitigt und ihnen kein großer Wert
beizumessen. Oder, wie es die Worte eines damals bekannten Dramatikers
und Schriftstellers zu den Kämpfen bei Bullecourt am [Link] verhießen:
„Siegfried hatte wie einst den Lindwurm zerschmettert“ 1091 . Daß bislang nur
eine handvoll Divisionen überhaupt mit dem neuen Kriegsmittel der
Alliierten in Berührung gekommen war, daß etwa die Infanterie der BED
gar nicht in Nahkämpfe mit Tanks verwickelt worden war und ihr Urteil
allein auf den Erfolgen der artilleristischen Fernbekämpfung unter
günstigsten Verhältnissen fußte, oder daß die [Link] ein bestens
ausgebildeter und überdurchschnittlich kampfstarker Verband war 1092 , so
wie es auch für die [Link], [Link] und eine Reihe anderer Divisionen galt, die
an den Erfolgen im April direkt beteiligt gewesen waren, spielte für den
Blick auf die Gesamtheit des Westheeres und für den Ausblick in die
Zukunft ganz offensichtlich keine Rolle. Mehr noch, die wichtige
Beobachtung, daß unabhängig von der Güte, Gefechtsstärke und
angenommenen Zuverlässigkeit eines Verbandes bei jedem Tankangriff ein
kritisches, psychologisches Moment vorhanden war, das erst überwunden
sein wollte, um einen Abwehrerfolg zu ermöglichen 1093 , geriet in den
1090
Siehe Abschn. 5.6.2. und 6.5.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: GK [Link] Ia Nr.
1620 vom 21.4.1917, dort: [Link] Abtl. Ia, 1130 vom 14.4.1917, bzw. GR 123 Nr. 3687 Kr.
3 vom 13.4.1917, Abschn. C. und D., und BA-MA, RH 61/50597: BED Ic. Nr. 4437 vom
23.4.1917, Teil B., Ziff. 13.).
1091
Siehe Lilienstein, Heinrich: Im Kampf mit dem feurigen Drachen, in Baer (Hg.): Der
Völkerkrieg, Bd. 23, S. 98f.
1092
Siehe MO 1917, Bd. 1, S. 364, Anm. 2, und Nash: The 251 Divisions, S. 372f. Dort
findet sich als Bewertung für 1917 (S. 372): „The 27th Division has fought well ever since
the beginning of the war”, und für 1918 (S. 373): „The 27th has always been considered
one of the very best German divisions […].“ Die Division war Anfang 1917 die erste
“Übungsdivision” der OHL bei den neu geschaffenen Lehrkursen für höhere Führer in
Solesmes und Valenciennes. Der Führer der Gruppe A, v. Moser, war der frühere
Kommandeur der Division und mit der Durchführung und Organisation dieser Kurse
beauftragt worden; siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 266ff. und TG [Link], S.
52f.
1093
Siehe etwa KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.:
Allgemeines Urteil über die Tanks. Dort liest man: „Der moralische Eindruck auf unsere
276
Wie wenig Erfolg dieser Belehrung der Truppen bislang vergönnt gewesen
war, mag man am Beispiel des AOK 6 erkennen können, welches schon im
Oktober 1916 darauf verwiesen hatte, wie wichtig es sei, „dass auch bei uns
jeder Mann von diesen Wagen gehört hat und weiss, dass sie bei richtiger
Bekaempfung nicht gefährlich sind“ 1096 . Bekanntermaßen änderten der
Befehl und die übrigen Aktivitäten des AOK nichts an den Ergebnissen der
Konfrontation zwischen Tanks und Infanterie an den beiden ersten Tagen
der Schlacht bei Arras. Die Diskrepanz zwischen theoretischer Belehrung
und praktischem Erleben war wohl zu extrem, als daß schriftliche
Zusammenstellungen der Tankabwehrmittel, die ab Mai 1917 auch als
Merkblätter zu finden waren 1097 , allein dagegenhalten konnten. Zumal dann,
wenn solches Schriftgut als Einzelleistung von Stäben erschien, die den
zeitweilig unterstellten Verbänden auf Basis ganz eigener Auffassung des
Infanterie, den das Auftreten der Tanks verursacht, war besonders bei den Kaempfen am 9.
und 11.4. noch immer ein grosser.“ Beachtenswert ist der Gebrauch des Präsenz im
Gegensatz zu jeglicher Vergangenheitsform, welche die Überzeugtheit von einer
Beseitigung dieses Phänomens durch die letzten Erfolge hätte dokumentieren können.
1094
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 79: AOK 2 Nr. 223/ Mai, Art. 2392/17 vom
14.5.1917. Es handelt sich um den Begleitenden Text zum angefügten und unten zitierten
Merkblatt (Bl. 80).
1095
Siehe KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395 vom 28.4.1917, Abschn.:
Allgemeines Urteil über die Tanks.
1096
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 24: AOK 6 Ia.
Nr. 70450 vom 5.10.1916, Ziff. III.
1097
Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 80: AOK 2 Ia 223 Mai/ Art. 2392/17 vom
14.5.1917: Merkblatt für Tankabwehr.
277
1098
Das Merkblatt des AOK 2 verzichtete aufgrund der eingegangenen Berichte, wohl
maßgeblich derer zu den Ereignissen in der Champagne, darauf, die Feldartillerie als
Abwehrmittel überhaupt aufzuführen. Der Schwerpunkt wurde, wie schon in der
Anweisung des AOK 6 vom 25.3.1917, auf die schwere Artillerie gelegt; siehe ebenda,
Ziff. A.
1099
Diesen geradezu unverständlichen Fall dokumentiert das Merkblatt des AOK 2, dessen
Entwurf in HStAS, M 33/2, Bü. 330, noch die Verteilung bis hinab zu den Kompanien
vorsah. In Bü. 721, der Sammlung der für Tankabwehrfragen relevanten Dokumente des
GK [Link], erscheint der Zusatz dieses Verteilers nicht mehr. Statt dessen nur noch der
Hinweis auf mündliche Belehrung; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721, AOK 2 Ia 223 Mai/Art.
2392/17 vom 14.5.1917, mit dem Zusatz der Gruppe Caudry (GK [Link]) Ia, Art., Ic Nr.
813 op. vom 18.5.1917.
1100
Siehe etwa HStAS, M 33/2, Bü. 573: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 47850 op.
[Link] vom 16.3.1917.
1101
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 43, Akt: Eigene Berichte und Verfügungen, Nr. 51:
HGr Rupprecht Art. I/Art. Nr. 9730 vom 13.2.1917, TG FAR 45, S. 71, TG FAR 46, S.
226, TG [Link], Teil I, S. 327, TG [Link], S. 153, und Watter, S. 26 (für FAR 108).
278
1102
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: HGr Rupprecht Ia Art. Nr. 8000. vom 18.1.1917. Unter
Ziff. 9. wird erwähnt, daß die HGr die Zuweisung von Tank-Zielscheiben („Simulaker“) in
Originalgröße an Schießschulen, Übungsplätze und Beobachterschulen der Artillerie in der
Heimat bei der OHL anregen wolle, während man zeitgleich die Artillerie-Werkstätten der
eigenen AOKs damit beauftragen wolle, für die eigenen Schießplätze und den Übungsplatz
der „Übungs-Division“ (Valenciennes) Scheiben zu fertigen. Da von der [Link] nicht
darüber berichtet wurde, daß sie als Übungsdivision solche Simulaker nutzte, muß fraglich
sein, ob die Ideen der HGr zur Umsetzung kamen. Für die Artillerie-Schießschule in
Jüterbog fand sich –in Ermangelung aussagekräftiger Archivalien- zumindest ein einzelner
Hinweis auf Belehrung in Tankfragen und praktische Schießübungen der (Fuß-) Artillerie
auf „Masken von Tanks“, die über den Schießplatz gezogen wurden; siehe Hartung,
Wilhelm: Großkampf, Männer und Granaten! Wiesbaden 1930, S. 313.
1103
Siehe Abschn. 12.5.2.
1104
Siehe Watter, S. 26. Die familiäre Bindung an einen in Tankabwehrfragen sehr
erfahrenen Mann, den Artillerie-Kommandeur der [Link], sowie die militärische Herkunft v.
Watters aus den Reihen der Feldartillerie führte zu einer hohen Sensibilität für die
Probleme mit dem neuen Kriegsmittel und seiner Bekämpfung. Belegt sind Schauschießen
der Feldartillerie auf Tankscheiben vor den Augen der Infanteristen, was in Ermangelung
von Beutefahrzeugen die vielleicht einzige Möglichkeit bot, ein stärkeres Vertrauen in die
Hilfe und die Fähigkeiten der Schwesterwaffe zu schaffen.
279
1105
Siehe Lipp, Anne: Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten
und ihre Deutung 1914-1918 (Kritische Studien zur Geisteswissenschaft, Bd. 159),
Göttingen 2003, S. 155. Dem von der Autorin im Zusammenhang mit der Tankbekämpfung
erweckten Eindruck, daß lediglich der „Wille“ von der OHL als ausschlaggebendes
Moment definiert und propagiert wurde, ist allerdings entgegenzutreten.
1106
Siehe BA-MA, RH 61/50768: Ausarbeitung Jochim, S. 3.
1107
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 241ff.
280
1108
Siehe ebenda, S. 242 und S. 242f.
1109
Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 85 (Eintrag vom 17.1.1917) bzw. S.
65 (Eintrag vom 22.11.1916).
1110
Indizien dafür liefern u.a. die Vielzahl der authentischen Abbildungen und
Photographien zerschossener oder eroberter Tanks, die sich ab Mai 1917 zum ersten Mal in
illustrierten Zeitungen fanden, sowie eine immense Anzahl Postkarten mit Tankmotiven,
die sich bis heute, als offensichtlich tausendfach reproduzierte, zeitgenössische
Photographien verbreitet, in Angeboten bekannter Internet-Auktionshäuser und des
Militariahandels auffinden lassen. Letzteres basiert auf einem subjektiven Eindruck des
Verfassers, mag aber mit geringem Aufwand überprüft werden und seine Bestätigung
finden können. Zur Veröffentlichung erster Bildquellen zur erfolgreichen Tankbekämfung
siehe bspw. Berliner Illustrirte Zeitung, [Link]., Nr. 19 vom 13.5.1917, S. 265, und Nr.
20 vom 20.5.1917, Titelblatt sowie S. 279, oder Die Wochenschau, Verlag W. Girradet,
Essen/Düsseldorf/Berlin, Nr. 19 vom 12.5.1917, S. 593 und Nr. 20 vom 19.5.1917, S. 616f.
281
B. (Zur Aisne-Champagne-Schlacht.)
1111
Gedicht eines nicht genannten Verfassers, gedruckt bei Frerk: Arrasschlacht, S. 127. Es
kann spekuliert werden, ob es sich bei dem Gedicht um das Erzeugnis einer amtlichen
Propagandaeinrichtung, etwa der Feldpressestelle, handelt.
282
Wie das letzte Gedicht eines Infanterieoffiziers des IR 158 der [Link] zeigt,
hielt man es bei der Verarbeitung der Ereignisse, deren Zeuge der Verfasser
wohl nicht gewesen ist, nicht allzu sehr mit der Wahrheit. Die lange Reihe
„Tank an Tank“ gehört zweifelsfrei in den Bereich der Propagandamärchen,
wie sie von amtlicher Seite über die Aisneschlacht verbreitet wurden 1113 .
Überhaupt verweist der Inhalt des Gedichts viel eher auf die Kämpfe gegen
die Gruppe Chaubès als auf das Geschehen im Einsatzraum der [Link] bei
Juvincourt.
Darüber, wie die weniger poetisch veranlagten Soldaten, die Augenzeugen
und direkt Beteiligten der Kämpfe –vor allem die Angehörigen der
Stellungsdivisionen vom [Link] 1917- über diese Art der Aufarbeitung
ihrer Erlebnisse dachten, konnten Hinweise leider nicht gefunden werden.
1112
Gedicht von Leutnant Zeh, IR 158 der [Link], gedruckt in Die Feldgraue. Kriegszeitung
mit Bildschmuck, herausgegeben im Felde v. d. [Link]., Nr. 15, September 1917, S. 24.
1113
Siehe Die Schlacht bei Reims, von besonderer deutscher Stelle, in Baer (Hg.): Der
Völkerkrieg, Bd. 23, S. 101. Darin ließ man verlauten, daß am Abend des 16.4.1917 von 50
angreifenden Tanks „32 in langer Reihe niedergemörsert als formlose Eisenklumpen“ auf
dem Gefechtsfeld lagen.
283
1114
Siehe Abschn. 6.5.1.
1115
Siehe Strachan: The First World War, S. 245f., und Johnson: Stalemate, S. 124f.
1116
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. viii und S. 425.
1117
Siehe dazu das positivistisch geratene Memorandum Haigs vom 12.6.1917 in MO 1917,
Bd. 2, App. XII, S. 423ff. Verwegen muß dabei die Behauptung erscheinen, daß die
Verluste des deutschen Gegners in der Abwehr diejenigen des britischen Angreifers bislang
übertroffen hätten (S. 424).
284
1118
Siehe Keegan, S. 493, und Chickering, S. 213.
1119
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 217.
285
Der erste Teil der britischen Operationen gegen die deutsche [Link] in
Flandern begann am [Link] 1917 mit einem Angriff gegen den Wytschaete-
Bogen. Nach der bislang intensivsten Artillerievorbereitung des Krieges, die
mit mehr als 2.200 Geschützen über 17 Tage gegen erkannte Positionen und
Batterien effektiv durchgeführt wurde 1120 , legten 19 Minensprengungen mit
einer unerhört destruktiven Wirkung gegen die vordersten feindlichen
Stellungen und die Gefechtsstärken und Kampfmoral ihrer Besatzungen 1121
den Grundstein zu einer deutschen Niederlage, die Mitte Juni mit der
Wegnahme des Frontbogens durch den Angreifer endete und die Briten von
einer potentiellen Flankenbedrohung der späteren Hauptoperationen im
Norden befreite 1122 .
Der lokale Erfolg im Wytschaete-Bogen entsprach den Grundsätzen der
Ermattungsstrategie und dem Bild vorheriger Schlachten: Der erste
Angriffstag war ähnlich erfolgreich wie der [Link] bei Arras verlaufen.
Zum Preis recht geringer Verluste war relativ viel Gelände gewonnen und
die feindlichen Stellungstruppen geworfen worden, während zunehmender
deutscher Widerstand mit zahlreichen Gegenstößen das weitere Vordringen
der erschöpften Angreifer am Abend des [Link] verhindern konnte und
damit die Erfolgsaussichten für die folgenden Tage deutlich
einschränkte 1123 . Nun hätten weitere, begrenzte Einzeloperationen an
anderen Abschnitten der Westfront oder auch andernorts folgen können.
1120
Siehe Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege, S. 387
1121
Die britische Miniertätigkeit bei der Gruppe Wytschaete (GK [Link]) verminderte
sich seit Ende April zusehends und wurde zuerst als deutliches Anzeichen für
bevorstehende Unternehmungen gewertet. Im Mai schenkte man diesem Sachverhalt keine
besondere Aufmerksamkeit mehr und wurde schließlich durch den immensen Umfang der
Sprengungen vollends überrascht; siehe RA, Bd. 12, S. 430ff. und S. 453ff. Nach einer
dortigen Aussage (S. 456) blieben der [Link] nach den Sprengungen und dem ersten
Infanterieangriff der Briten von drei Kampfbataillonen (zu je ca. 750 Mann) lediglich drei
Offiziere und 30 Mann. Das britische amtliche Werk weist zudem aus, daß die deutsche
Gegenwehr vielerorts bemerkenswert schwach war, was auf die psychische Wirkung des
vorbereitenden Artilleriefeuers und die Minensprengungen zurückgeführt werden kann;
siehe bspw. MO 1917, Bd. 2, S. 59.
1122
Siehe RA, Bd. 12, S. 467f.
1123
Siehe Prior, Robin/Wilson, Trevor: Passchendaele. The Untold Story, London/New
Haven 1996, S. 62.
286
Doch für Haig waren die Junikämpfe, auch ungeachtet der gewonnenen
Möglichkeit zu einer Ausweitung des Erfolges vor Ort 1124 , lediglich ein
Vorspiel für die Flandernschlacht, was, als solches klar kommuniziert, bei
den britischen Politikern einige Besorgnis gegenüber den generellen
Erfolgschancen und den zu erwartenden Verlusten hervorrief. Tatsächlich
hatten beide Seiten bei den Kämpfen im Wytschaete-Bogen nahezu
identisch zu leiden gehabt und verbuchten jeweils Ausfälle in Höhe von
etwa 25.000 Mann 1125 . Was letztendlich den Ausschlag zur Zustimmung des
Kabinetts zur Eröffnung einer Großoffensive in Flandern gab, war die
Rückendeckung, die der erste Seelord, Jellicoe, Haig in Anbetracht der
Wirkung deutscher U-Boote bzw. gegenüber der möglichen Ausschaltung
deutscher U-Boot-Basen in Flandern gewährte 1126 .
Der deutschen [Link] unter General von Arnim, dem Oberst von Loßberg
als Chef des Stabes zugeteilt wurde, der Heeresgruppe Rupprecht sowie der
OHL war es durch die langwierige Vorbereitungsphase der britischen
Offensive möglich, mit einem gewissen Vorlauf abschätzen zu können, was
vom Gegner operativ zu erwarten sein würde. Zuerst behandelte man die
Vorbereitungen gegen den Wytschaete-Bogen noch als Ablenkungsangriff,
der deutsche Kräfte von den momentanen Großkampffronten bei Arras, an
der Aisne und in der Champagne wegziehen sollte 1127 , doch mit den
vermehrten britischen Aktivitäten auch nördlich des Sektors Wytschaete,
stieg die Wahrscheinlichkeit, daß eine Großoffensive in Flandern
bevorstand 1128 . Dementsprechend wurden zusätzliche Kräfte dorthin
gesandt 1129 , die bei ihrem Eintreffen zwar nicht als „vollkampffähig“ zu
bewerten waren 1130 , aber durch die zeitliche Versetzung zwischen den
Kämpfen im Juni und dem Auftakt der Flandernschlacht Ende Juli die
1124
Siehe ebenda, S. 64f.
1125
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 87, und RA, Bd. 13, S. 146.
1126
Siehe ebenda, S. 102ff.
1127
Siehe RA, Bd. 12, S. 431.
1128
Siehe ebenda, Bd. 13, S. 56.
1129
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 304ff.
1130
Siehe RA, Bd. 12, S. 445.
287
1131
Siehe etwa Benary (Bearb.): Königlich Preußisches [Link] Feldartillerie-
Regiment Nr. 20 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd. 14), Berlin 1932, S. 294,
Schatz, Josef (Hg.): Geschichte des badischen (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments
239, Stuttgart 1927, S. 121f., oder Großmann, August (Bearb.): Das K.B. Reserve-
Infanterie-Regiment Nr. 17 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Armee,
Heft 18), München 1923, S. 75. Eine gewisse Ambivalenz in der Ausfüllung der
Ausbildungs- und Erholungszeiten weist die Geschichte des RIR 240, eines
Schwesterregiments des RIR 239 in der [Link], aus. Gerade im Gegensatz zu der von
Ludendorff geforderten Ruhe waren unliebsame Besichtigungen, ausgedehnter Papierkrieg
und die Beschäftigung der Truppe mit körperlichen Arbeiten durchaus auch möglich, was
auf den Ermessensspielraum der mittleren Führung bei der Umsetzung von Weisungen
höherer und höchster Stäbe hindeutet; siehe Lennartz/Nagel: Geschichte des badischen
(später rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 240 (Aus Deutschlands großer Zeit, Bd.
119), Zeulenroda o.J. (nach 1938), S. 281f.
1132
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 71f.
1133
Siehe RA, Bd. 13, S. 55.
1134
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 365.
288
1135
Angaben zur Größenordnung der beiderseitigen Verluste variieren enorm, was nicht
zuletzt auch auf den Wunsch zurückgeführt werden kann, hieran Erfolg oder Mißerfolg der
Ermattungsstrategie bzw. des elastischen Abwehrverfahrens zu manifestieren. Außerdem,
und dies ist jedenfalls im britischen amtlichen Werk überaus deutlich, bestimmten
übertriebene und auf Gerüchten basierende Verlustziffern das Bild der Öffentlichkeit von
den (mangelhaften) Qualitäten der Führung. Zur Thematik siehe MO 1917, Bd. 2, S. 360ff.,
und eine diesbezügliche Klarstellung, die auf britische Verluste bis zu 350.000 Mann
deutet, bei Winter, Dennis: Haig’s Command. A Reassessment, o.O. o.J. (1991), S. 110ff.
1136
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 195ff., und hinsichtlich der Wirkung auf die
Moral der britischen Truppen auch Johnson: Stalemate, S. 168, und Strachan: The First
World War, S. 248.
1137
Am 24.10.1917 begann am Isonzo die kombinierte Offensive, in deren Verlauf die
italienischen Streitkräfte bis an die Piave zurückgeworfen wurden und nach dem Verlust
von mehreren hunderttausend Mann durch Truppen ihrer Verbündeten gestützt werden
mußten. Die Auswirkungen dieses Geschehens waren auf beiden Seiten gewaltig; siehe
dazu auch Kap. 9.
1138
Siehe RA, Bd. 13, S. 146.
289
und Unterführern, deren Verlust äußerst schmerzlich war 1139 und während
der Schlacht alarmierende Indizien für eine immer dünner werdende Decke
an personellen Ressourcen und ihre 1918 so deutlichen Auswirkungen
erkennbar werden ließ 1140 . Der bayerische Kronprinz vermerkte am
[Link] 1917 in seinem Tagebuch, daß sich die Ersatzlage nach den
Worten Ludendorffs bedenklich ausnahm und noch schwieriger werden
würde. Er hielt an dieser Stelle zudem fest, wie sehr er persönlich Zweifel
hege, ob die Einberufung des Jahrgangs 1900 ausreichen würde, um die
Belastungen eines weiteren Kriegsjahres überstehen zu können 1141 . Die
diesbezügliche Bedeutung des materiell aufwendigen und verlustreichen
Abwehrsieges in Flandern sowie derjenigen zuvor ist retrospektiv klar zu
erkennen und wurde auch nach der Schlacht, als es um die Möglichkeiten
einer eigenen Offensive im Frühjahr 1918 ging, nachweislich in die Reihe
der beachtenswerten Faktoren aufgenommen. Wie Kronprinz Rupprecht am
[Link] 1917 festhielt, gab Ludendorff in einer Besprechung mit ihm
und Kuhl zu, „daß eine weitere große Abwehrschlacht einen sehr
beträchtlichen Kräfteverbrauch zur Folge hätte, und daß die Frage des
Mannschaftsersatzes ihm Sorge bereite“ 1142 . Der stetige Abgang von
Kräften ohne wesentliche Verbesserung der strategischen Gesamtlage in
Hinblick auf einen baldigen siegreichen Ausgang des Krieges definierte also
maßgeblich den Zwang zur Offensive 1918 1143 . Die Erinnerung an diesen
1139
Siehe Philpott, William J.: Anglo-French Relations And Strategy On The Western
Front, 1914-1918 (Studies In Military And Strategic History), London 1996, S. 148.
1140
Beispielhaft für die Wahrnehmung dieses Umstandes auch in der Truppe mag die
Aussage des Kommandeurs der [Link] von Anfang August 1917 sein, der baldigste
Ablösung der Truppe mit dem Hinweis darauf forderte, daß neben Belastungen durch
Witterungs- und Versorgungsverhältnisse besonders der große Ausfall an voll
ausgebildeten und Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften das „Zusammenhalten
des jungen Ersatzes“ erschwerte; siehe Baumgarten-Crusius, Artur (Bearb.): Geschichte der
Sachsen im Weltkrieg (Sachsen in großer Zeit, Bd. III), Leipzig 1920, S. 75. Siehe auch
Paschall: Defeat, S. 78f.
1141
Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S.239.
1142
Siehe ebenda, S. 285.
1143
Siehe BA-MA, RH 61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, S. 8: „Sie
[die OHL] hatte sich trotzdem entschlossen, den Angriff im Frühjahre zu führen. Und trotz
der Ersatzlage oder gerade ihretwegen blieb ihr gar nichts anderes übrig. Eine
290
Verteidigungsweise Führung des Krieges im Jahre 1918 hätte eine viel schärfere
Aufzehrung der Reserven gebracht und dazu drohten die amerikanischen Millionenheere.“
Siehe dazu auch Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 314f.
1144
Siehe Kap. [Link].
1145
Siehe hierzu die Karten in Kap. 6.
1146
Siehe RA, Bd. 13, S. 116, und LAF, Bd. V.2., S. 985ff.
1147
Siehe RA, Bd. 13, S. 117. 1.790 französische Geschütze waren vorhanden.
1148
Siehe LAF, Bd. V.2., S. 968 und S. 1007ff. Die Bedeutung der Erringung der
Luftherrschaft wird auch betont bei Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 207.
291
erobert worden 1149 . Mehr noch, die eingangs definierten und geschickt
gewählten Operationsziele waren binnen kürzester Zeit erreicht worden,
was, durch ihre günstige Lage in der Flanke der Siegfried-Stellung, des
Chemin des Dames und der Ailette, den Verteidiger zur Aufgabe der
„Laffaux-Ecke“ und des „Damenweges“ zwang. Bezeichnenderweise
erfolgte die deutsche Rückzugsbewegung ab dem [Link] 1150 , dem
französischerseits als Datum des Endes der Schlacht festgelegten Tag,
womit der operative Erfolg der begrenzten Unternehmung besonders
unterstrichen wird. Der Hauptgewinn, die Wegnahme des Chemin des
Dames, um den seit April 1917 so erbittert gestritten worden war und der
daher von besonderer Symbolkraft war, wurde ohne Massenverluste des
Angreifers erzielt. Gleichzeitig manifestierte die Schlacht von Malmaison
für die Zeitgenossen das Ende der Krise innerhalb des französischen
Heeres 1151 .
Tanks waren an allen drei Operationen der Briten und Franzosen beteiligt,
wobei ihre Leistungen genauso ambivalent erscheinen, wie die gerade
angeführte Zusammenfassung der jeweiligen Schlacht ausgefallen ist.
Die detaillierten Planungen der britischen Seite für die Flandernoperationen
reichten wenigstens bis Anfang 1917 zurück, wie aus diversen im amtlichen
Werk edierten Memoranden hervorgeht. Den Tanks wurde dabei eine Rolle
zugewiesen, die sich zuerst augenscheinlich an die Vorstellung eines
gepanzerten Stoßarmes hielt, welcher über die genommene erste deutsche
Stellung hinweg tief in hintere Verteidigungslinien des Feindes stoßen
sollte 1152 . Ziel war ein Durchbruch, Mittel waren Überraschung und eine
große Anzahl konzentriert eingesetzter Tanks 1153 . Diese Vorstellungen
entsprachen im Grundsatz denjenigen, die von führenden Köpfen des Tank
1149
Siehe LAF, Bd. V.2., S. 1106, und RA, Bd. 13, S. 123.
1150
Zur sogenannten „Bunzelwitz-Bewegung“ siehe RA, Bd. 13, S. 122.
1151
Siehe Philpott: Anglo-French Relations, S. 149, und Pedroncini, Guy: Pétain. Général
En Chef 1917-1918, Paris 1974, S. 108.
1152
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 410ff.
1153
Siehe ebenda, S. 414.
292
Detachment propagiert worden waren und besonders von Fuller als Rezept
erfolgreichen Einsatzes nach Arras gefordert worden waren 1154 . Die Zeichen
für die endliche Berücksichtigung der Ideen innerhalb des Tank Detachment
schienen sich seit April insgesamt zu bessern. Denn mit dem Einverständnis
Haigs zur Aufstockung des Fahrzeug- und Personalbestandes auf 18
Kampfbataillone und umfangreiche Unterstützungsteile 1155 , wurde doch
wenigstens deutlich, daß ein guter Wille vorhanden war, der auf Vertrauen
in die Leistungsfähigkeit der gepanzerten Streitmacht gebaut zu sein schien.
Nun fragte die Führung der britischen Truppen in Frankreich sogar an,
inwieweit Kampfwagen an einer vollkommen neuartigen „Panzer-
Operation“ 1156 , einer amphibischen Landung im Rücken des Feindes an der
flandrischen Küste (Operation „Hush“), teilhaben könnten. Ein Plan, der
angesichts einer Vielzahl technischer und taktischer Schwierigkeiten kaum
realisierbar war und dann auch fallengelassen wurde, aber ganz offenbar
von den Köpfen des Tank Detachment als Gelegenheit zur Darbietung
eigener Improvisationskunst und zu intensivierter Interaktion mit der
Führung genutzt wurde 1157 . Die Hoffnungen auf die Möglichkeit der
Mitsprache und Einflußnahme bei den Operationen in Flandern waren
allerdings trügerisch, wenngleich ihr bis direkt vor Beginn der Schlacht
noch dadurch symbolisch Ausdruck verliehen wurde, daß das Tank
Detachment, offiziell die Heavy Branch des Machine Gun Corps, am [Link]
1917 als „Tank Corps“ in die Reihe der Waffengattungen des Heeres
aufgenommen wurde.
Die Zuführung des neuen Tanktyps Mark IV, der mit 12mm Panzerung
gegen deutsche SmK-Munition sicher sein sollte, lief ab Mitte April 1917
zwar endlich an, erfolgte aber nicht in der zugesagten Größenordnung und
brachte Aufwand bei der Ausbildung der Besatzungen mit sich 1158 . Die
1154
Siehe Abschn. 5.6.1.
1155
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 103f. Gemessen an den damaligen neun
Kampfbataillonen handelte es sich wenigstens um eine Verdoppelung des Bestandes an
Kampffahrzeugen.
1156
Siehe ebenda, S. 106.
1157
Siehe ebenda, S. 106f., und William-Ellis: Tank Corps, S. 69ff.
1158
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102: „Der Mark-IV-Tank kam nun in großen Massen an
[vergleiche Fuller: Tanks, S. 109, wo er gerade einmal von der Umrüstung von zwei der
293
neun Bataillone im Mai 1917 spricht.] und wir mußten ihn von neuem armieren und zum
großen Teil mit der Ausbildung von vorne anfangen.“ Zum Mark IV siehe auch William-
Ellis: Tank Corps, S. 64.
1159
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 105.
1160
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 65f., bzw. MO 1917, Bd. 2, Anhänge, bspw. S.
418ff. mit Zuteilungen im Vorfeld der Kämpfe im Wytschaete-Bogen. Interessanterweise
kommentierte Fuller diese Einsatzweise, die er selbst ja oft zuvor kritisiert hatte, im
Zusammenhang mit der Flandernoperation nicht explizit als Manko, sondern versteifte sich
auf die Konkurrenz zur Artillerie und deren Rolle als Vorbereitungswerkzeug der Angriffe.
1161
Fuller nennt für den Verlust der Überraschung eine symptomatische Begebenheit am
16.7.1917, bei der Haigs Stabschef Kiggell auf die direkte Frage des technischen Leiters
der Heavy Branch, Capper, nach den Möglichkeiten eines überraschenden Panzerangriffs
für das Aufreiben der deutschen Reserven nach bekanntem Muster mit großem
Artillerieeinsatz plädierte. Wie an dieser Aussage ersichtlich, stand der Tank in den Augen
der obersten Führung als Instrument definitiv nicht zur Diskussion, um im Rahmen der
Ermattungsstrategie in großer Zahl und überraschend schwere Schläge schnell und in
Bezug auf die zu erwartenden eigenen Verluste relativ günstig zu erreichen. Siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 119.
294
1162
„Der flandrische Boden besteht aus einer sehr weichen und fruchtbaren Humusschicht,
die 1 bis 3 Meter unter die Erdoberfläche reicht. Unter dieser Erdschicht liegt eine
undurchlässige Tonschicht von rd. einem Meter Dicke. Wird diese durch Artilleriewirkung
zerschlagen, so quillt das Grundwasser nach oben und füllt die Geschoßtrichter bis zum
Rande mit Wasser.“ Zitiert nach Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 294.
1163
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 379.
1164
Neben diesen waren noch je sechs Ersatz- und Versorgungstanks der Typen Mark I und
II vorhanden; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 110, und William-Ellis: Tank Corps, S. 65.
1165
Die Zahlen differieren wie üblich und belaufen sich auf 40, 46 oder 48 eingesetzte
Tanks für den 7.6.1917. Fuller führt dazu aus, daß 40 bei Angriffsbeginn und später
zusätzlich noch 24 Reservefahrzeuge eingesetzt wurden; siehe Fuller: Tanks, S. 110 bzw. S.
111.
295
1166
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 67: „The majority of 48 tanks of the II Tank Brigade
(Colonel A. Courage) allotted for the morning assault had been unable to keep pace with
the infantry owing to the broken state of the ground, which had reduced their speed to about
ten yards a minute.“ Siehe auch Marshall-Cornwall, James: Haig As Military Commander,
London 1973, S. 231.
1167
Siehe Cooper: Cambrai, S. 58, und MO 1917, Bd. 2, S. 63; dort: „Two machine guns in
action at the edge of the village were at once rushed, but on the left, machine-gun fire from
Swayne’s Farm, 400 yards north of the village, harassed the advance until a tank crashed
through the place, forcing the thirty Germans within to surrender.”
1168
Siehe Fuller: Tanks, S. 111, und MO 1917, Bd. 2, S. 70.
1169
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 21. Über die Verluste wird sich bei anderen
Autoren eher ausgeschwiegen, doch zumindest bei Marshall-Cornwall: Haig, S. 231, findet
sich die Zahl von 11 durch direkte Treffer ausgeschalteten Tanks. Diese bezieht sich sehr
wahrscheinlich auf die Gesamtausfälle des Tank Detachment bis zum Ende der Schlacht
um den Wytschaete-Bogen.
1170
Siehe ebenda.
1171
Siehe Fuller: Tanks, S. 110.
296
1172
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 87 und S. 97.
1173
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 78f.
1174
Siehe ebenda, S. 79: „Sometimes Tanks would thrash away with their unditching beams
until their vain efforts to struggle out of some quaking quagmire on to better ground
overheated the engines or caused the machine to settle down so hopelessly in the oozing
mud as to be flooded out. Save on the very worst ground, however, the unditching beam
proved a most effective contrivance, and but little have been done in the Ypres fighting
without it.“
1175
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 80.
297
1176
Was diesen Punkt betrifft, wies Fuller in seinen Erinnerungen (S. 131) darauf hin, daß
es im Vorfeld der Flandernschlacht nicht nur zur engeren Fühlung kam, sondern die
Tankoffiziere als Berater der Infanteriestäbe fungierten. Das implizierte wohl einen
taktischen Vorteil bei der Zusammenarbeit und Koordination, andererseits war es
deutliches Zeichen der untergeordneten Bedeutung der Tanks als reine
Unterstützungswaffe.
1177
Siehe ebenda, S. 79, und Fuller: Tanks, S. 118.
1178
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 79: „This system was to prove invaluable when,
later, the tides of battle had obliterated all the nearer landmarks, and men wandered
hopelessly lost in the increasing desolation.“
1179
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 81.
1180
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 23. Davon waren 216 Mark IV
Kampffahrzeuge, 36 Nachschubwagen der Typen Mark I und II und zwei weitere Mark IV
dienten als Träger für Funkgeräte zur Nutzung außerhalb der Fahrzeuge.
1181
Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 116.
298
1182
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 91, und MO 1917, Bd. 2, bspw. S. 151 oder S.
202f.
1183
Berühmt-berüchtigt war dabei die Straße Ypern-Menin (Menin Road), deren Verlauf als
„Tank Graveyard“ bekannt wurde. Durch deutsche Tankabwehrgeschütze und Artillerie, so
jedenfalls die auf deutscher Seite im Detail nicht zu bestätigende britische Darstellung,
wurden in diesem Angriffssektor 19 der 52 am 31.7.1917 angreifenden Tanks
abgeschossen. 22 weitere Wagen fuhren sich fest; siehe MO 1917, Bd. 2, S. 157 bzw. S.
157, Anm. 1; siehe auch Johnson: Stalemate, S. 141, und Wright, S. 78.
1184
Siehe dazu auch Griffith: Battle Tactics, S. 163. Den erfolgreichen Fliegereinsatz nennt
William-Ellis: Tanks Corps, S. 84 und S. 86. Siehe dazu auch Abschn. 8.2.
1185
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 27.
1186
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 134.
1187
Eine Aufstellung der Tankbeteiligungen bei Operationen bis zum 9.10.1917 bietet das
Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 31.
1188
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 139, und Perret, S 48.
299
„[Link] negotiate bad ground. [Link] ground on a battlefield will always be bad.
[Link] Tanks are no good on a battlefield.” 1189
1189
Zitiert nach William-Ellis: Tank Corps, S. 89. Siehe auch Cooper: Cambrai, S. 59.
1190
Die Zahl findet sich bei Griffith: Battle Tactics, S. 163. Legt man 254 Tanks bei Beginn
der Schlacht zugrunde, ergibt sich ein Ausfall von 74,8%.
1191
Siehe Abschn. 1.2.1.
1192
Siehe MO 1917, Bd. 2, S. 243, Anm. 3, und ebenda, S. 379f.
1193
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 156f.
1194
Siehe ebenda.
300
der [Link]-Brigade schrieb Fuller in seinen Erinnerungen die für die Lage
vor Ort und die Situation des Tank Corps’ in dieser „Schlamm-Schlacht“
insgesamt bezeichnende Passage:
„Ein Angriff folgte dem anderen, ein paar Meter Sumpfboden wurden erobert,
ein paar Meter verloren, während Schützenlinien vorne Maschendraht legten, um zu
verhindern, daß die Mannschaften im Schlamm einsanken. Ein typisches Beispiel
war der Angriff am [Link]: 18 Tanks des E-Bataillons und 12 des D-
Bataillons gingen ins Gefecht. Von diesen erreichte nur einer sein Ziel, 19 blieben
stecken, 5 erhielten Volltreffer und fünf hatten Pannen. Der Boden war jetzt so
durchgebuttert, daß einige Tanks im Matsch verschwanden.“ 1195
1195
Zitiert nach ebenda, S. 142.
1196
Siehe bspw. Pedroncini: Pétain, S. 105, oder Falls: First World War, S. 285.
1197
Ende August 1917 war ein auf diesen Grundsätzen basierender französischer Angriff
bei Verdun erfolgt. Auch ohne Beteiligung von Tanks und ohne wirkliche Überraschung
brachen die Franzosen tief in die deutschen Stellungen ein. Das Ereignis mag
verdeutlichen, daß die deutsche Verteidigung außerhalb der erkannten Großkampfsektoren,
die Material und Truppen aufsogen, unter erheblicher Schwächung litt. Dieser Umstand
fand keinerlei Würdigung in Ludendorffs Kriegserinnerungen aber Eingang in das KTB des
Kronprinzen Rupprecht; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 381f., und Frauenholz:
Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 268f. (Eintrag vom 6.10.1917 wegen Verminderung
frischer Kräfte für Flandern durch eine erwartete Offensive bei der 7. und [Link]). Auch
auf die Niederlage der [Link] bei Verdun folgten durch Ludendorff persönlich
angeordnete Personalveränderungen. Der Stabschef des AOK 5, der Kommandeur und der
Stabschef des [Link] wurden über den Kopf des Armeeführers, von Gallwitz, hinweg ihrer
Posten enthoben. Gallwitz schrieb: „Es war einleuchtend, daß die Massnahmen eine
Quittung für den Mißerfolg des [Link] darstellten. Obwohl General Ludendorff nicht
mein Vorgesetzter, auch nicht für die Handhabung der Personalien verantwortlich war,
301
Dasselbe galt für die chars d’assaut, wobei ihnen auf Grundlage der
bekannten Fahrzeugmängel, der recht geringen Anzahl einsetzbarer
Fahrzeuge und der bisherigen Erfahrungen keineswegs „visionäre“ und
damit möglicherweise zu anspruchsvolle Aufgaben zugemutet wurden,
sondern genau das, was als Uridee ihr Zweck sein sollte. In diesem Sinne
setzte man sie als Begleitwaffe der Infanterie ein, der von
Maschinengewehren und Widerstandsnestern gesäuberte Gassen in die
feindlichen Stellungen hinein gebahnt werden sollten.
Die technischen Unzulänglichkeiten der Typen [Link] und Schneider
zeigten sich bei dieser Gelegenheit erwartungsgemäß wieder, wie durch
wenigstens 27 vor Angriffsbeginn steckengebliebene Fahrzeuge, 15 weitere,
mit technischen Pannen behaftete Wagen sowie zahlreiche
Kommandantenausfälle durch „Kopfverletzungen“, die durch fehlende
Alternativen zum Beobachten „über Luke“ verursacht worden waren,
dokumentiert wird 1198 . Lediglich neun Tanks sollen durch deutsche
Waffenwirkung ausgefallen sein 1199 , und diejenigen der 67 eingesetzten
Fahrzeuge, die in den Kampf gegen die erschütterten deutschen Verteidiger,
die mit durch Gas- und Artilleriebeschuß massiv dezimierter
Artillerieunterstützung kämpfen mußten und nach hinten durch
französisches Feuer von Versorgung und Reserven abgeschnitten
wurden 1200 , eintraten, bewiesen ihre Nützlichkeit 1201 . Diese ähnelte in ihrer
wusste ich doch, dass er die Seele aller wichtigen persönlichen Maßnahmen war.“ Zitiert
nach BA-MA, N 2214/32: Nachlaß Obkircher, Auszüge aus von Gallwitz, Bd. II‚ Erleben
im Westen 1916/18, S. 5.
1198
Siehe Hellot: Nivelle Et Pétain, S. 206f.
1199
Siehe Goya, S. 349.
1200
Siehe RA, Bd. 13, S. 119. Wie effektiv die französische Aufklärung und die Planung
des Artillerieeinsatzes gearbeitet hatten, belegt ein Abschnitt ebenda: „Hinter einer
Feuerwalze, die zum Beispiel bei der auf Allemant angreifenden Division 16 Schuß in der
Minute auf 100 Meter der deutschen Front legte und in Sprüngen von 50 Metern bis 655
morgens vorwärtsrollte, folgten die Sturmwellen. Sie fanden die Grabenbesatzungen wie
Stoßreserven meist niedergekämpft. Die deutsche Artillerie südlich der Ailette blieb infolge
von Verlusten, Munitionsknappheit, Zerstörung aller Nachrichtenmittel und mangelnder
Beobachtungsmöglichkeiten fast ohne Wirkung. Die Artillerie des zweiten Treffens konnte
nur durch vorgesandte Offiziere Klarheit gewinnen und erst dann das Feuer aufnehmen.“
Zum Zustand der Verteidiger und Verlauf der Kämpfe siehe auch Müller-Loebnitz: Das
302
8.2. Tankabwehr.
Ehrenbuch der Westfalen, S. 429ff. Die [Link] betonte in ihrem Bericht über die Schlacht
ausdrücklich die verheerende Wirkung des Gasbeschusses und der Artillerie-Kommandeur
der [Link] berichtete über eklatantes Versagen des vorgesetzten Stabes (Gr Vailly) bei der
Munitionsversorgung der Batterien; siehe HStAS, M 206, Bü. 9: Chef d. Genst. d.
Feldheeres II. Nr. 5345 geh. op. vom 16.11.1917: Erfahrungen der [Link] über französisches
Gasschießen, bzw. ebenda, M 30/1, Bü. 72: HGr Albrecht Artl. 192 vom 10.11.1917.
1201
Siehe LAF, Bd. V.2., S. 1107f.
1202
Siehe bspw. Pendroncini: Pétain, S. 106 : „Une fois encore les chars les [die deutschen
Maschinengewehre] réduisent au silence. Au cours de l’attaque de la seconde position ils
jouèrent une rôle décisif : ils annihilèrent les défenses de la tranchée Dennewitz, écrasèrent
les mitrailleuses du bois Planté, et s’emparèrent sans coup férir de deux batteries.“
1203
Siehe Abschn. 6.5.1.
303
1204
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, etwa S. 382 und S. 392f. Anzumerken ist, daß
die Frage Räumung des Wytschaete-Bogens und der Laffaux-Ecke im Vorfeld beider
Schlachten von verschiedenen Stellen angesprochen und von Ludendorff schließlich
abschlägig beantwortet worden war. Die Stabschefs der beiden bei Malmaison betroffenen
Gruppenkommandos wurden nach dem Desaster durch Ludendorff ihrer Posten enthoben,
was dem heutigen Betrachter durchaus als Stringenz im Führungsverhalten der [Link]
erscheinen muß; siehe RA, Bd. 13, S. 122.
1205
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 392.
1206
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 297, S. 300 und S. 303. Die dort
wiedergegebenen Anordnungen wurden von Loßberg am 27.6.1917 den Verbänden der
[Link] bekanntgegeben. Wie aus der TG FAR 20, S.297 und S. 307, hervorgeht, wurden
diese Züge direkt den Infanterie-Regimentern unterstellt und konnten durch diese
angefordert und eingesetzt werden. Mit der SmK-Munition konnten, entgegen jeder
anderweitigen Behauptung, Erfolge gegen die neuen Mark IV Tanks errungen werden;
siehe TG RIR 240, S. 295, mit einem lebendigen Gefechtsbericht vom 5.8.1917. Vergleiche
William-Ellis: Tank Corps, S. 68.
1207
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 303.
304
Die Realität war nur bedingt Inhalt derartiger Ausführungen, wie mit der
Frage nach einer frontnahen deutschen Perspektive -und zwar einem Blick
„von unten“- schnell nachgewiesen werden kann. In der Truppengeschichte
des FAR 20 findet sich eine solche Perspektive, nämlich die Sichtweise
eines Zugführers, dessen beide Geschütze am [Link] 1917 in Flandern
zur Tankbekämpfung herangezogen wurden. Das Vorbringen der Geschütze
durch die unter massivem Beschuß liegende Trichterwüste sowie der Kampf
selbst gestalteten sich derart mörderisch, daß man aufgrund der Aussagen
versucht ist, von einem Himmelfahrtskommando zu sprechen 1209 . Daß sich
1208
Zitiert nach Scheuermann, W.: Die Tanks in der flandrischen Schlacht, in Baer (Hg.):
Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 164f. Anzunehmen ist aufgrund der Details dieses Berichtes,
daß er gar nicht die Tanks in der Flandernschlacht 1917 betraf, sondern für die Schlacht bei
Arras im April 1917 gedacht, aber später veröffentlicht worden ist.
1209
Siehe TG FAR 20, S. 307ff. Nicht umsonst fanden wohl auch Soldaten eines
Nachbarzuges Erwähnung, die den in die Schlacht rückenden Kameraden „mitleidig“
nachgeschaut haben sollen, weil deren gesunde Rückkehr nicht zu erwarten gewesen sei.
Aus den Passagen der TG zum Kampf gegen Tanks in Flandern spricht eindeutig auch der
305
Stolz auf die eigene Leistung, wie er durch ein Gedicht (S. 320) dokumentiert wird.
Worüber nicht hinweggetäuscht werden kann, sind die extremen Umstände, unter denen die
Tankabwehr zu arbeiten hatte und die Wirkung des verschlammten Gefechtsfeldes.
1210
Siehe Abschn. 7.2.
1211
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 152f.: AOK 7 Ia Nr. 101/Nov.17. vom 14.11.1917:
Rückblick auf die Gefechte vom 23.-25.10.1917. Ebenda (Bl. 153) wird angeführt, daß die
306
feindlichen Erfolge durch die Häufung der bekannten Kampfmittel, besonders des
Massenfeuers der Artillerie, des Gaseinsatzes und der Tanks, errungen wurden. Besondere
Erwähnung fand, daß die [Link] bei Malmaison heftigst von Panzerwagen angegriffen
worden war, denen sie nicht standhalten konnte. Konterkariert wird der Inhalt der
Archivalie durch die propagandistische Abhandlung der Schlacht von Malmaison von
amtlicher Seite. Mit keinem Wort wurde auf Tanks eingegangen, mit keinem Wort wurde
der Zwang zum Rückzug vom Chemin des Dames angeführt und der Grundtenor
kulminierte überaus realitätsverfremdend in einer „blutigen Nase“, die sich der französische
Angreifer nach einem „örtlichen Anfangserfolg“ geholt habe; siehe: Die Oktoberschlacht
an der Aisne (Schlacht bei Malmaison). Bericht aus dem deutschen Großen Hauptquartier
vom [Link] 1917, in Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 203-205. Zum Verlauf
des Kampfes im Rahmen der [Link] siehe auch Müller-Loebnitz: Das Ehrenbuch der
Westfalen, S. 429f.
1212
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240):
Tagebucheintrag Kuhls vom 1.11.1917: „‚Ludendorff: ..... Die [Link] werde morgen den
Chemin des Dames räumen“’ Damit ist ein vernichtendes Urteil gesprochen über das ganze
Verhalten der [Link] nach der Aisne-Schlacht. Sie wollte ihre Stellung nach vorn
verbessern. Das wurde damals allgemein gepriesen, auch von der O.H.L. Kostete sehr viel
Truppen und Munition und war doch ohne Erfolg! Ich habe dies damals für gänzlich
verfehlt gehalten, dies nutzlose Bataillieren. Nun ist diese ganze Taktik bankerott. Das war
es auch, was heute Ludendorff so große Sorge machte.“
307
1213
Siehe HStAS, M 33/2, Bü: 330, Bl. 125ff.: AOK 4 Ia/g No 776/August vom 26.8.1917:
Wichtigste Erfahrungen der Kampfreserven der Armee aus den Schlachten am 31.7 und
16.8.1917. Betont wurde ausdrücklich (Bl. 128), daß der britische Feind der „mit
aufgepflanztem Bajonett und Hurrah vorgehenden Infanterie“ nicht standhielt.
Informationen zur Tankabwehr durch Feldartillerie der Eingreiftruppen waren nicht
enthalten.
1214
Besonders kritisch zeigt sich in diesem Zusammenhang der Chef der Gruppe
Wytschaete, Oberstleutnant v. Thaer. Für Ende September 1917 findet sich in seinen
Aufzeichnungen eine Passage zum erheblichen Kräfteverbrauch während der Kämpfe in
Flandern, und er verwies auf das Fehlen von Tanks auf deutscher Seite: „Hätten wir Tanks,
und zwar in größeren Mengen, die könnten uns helfen, aber wir Deutsche haben keine.“
Siehe Otto/Schmiedel, Dok. 104, S. 263. Nachdem was bislang über die britischen Tanks in
Flandern angeführt wurde, kann man sich auch hier nur schwerlich der Meinung Thaers
anschließen (siehe Abschn. 5.6.2.).
1215
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917.
Adressaten des von Kuhl unterzeichneten Schreibens, das mit größter Wahrscheinlichkeit
von den Erfahrungen des AOK 4 angeregt worden war, waren AOK 2, 4 und 6. Nicht zu
überprüfen war die enthaltene Aussage, daß es ursprünglich die Heeresgruppe Rupprecht
gewesen sei, welche die Konstruktion einer „Muskete“, der Tankabwehrwaffe der
Infanterie, angeregt habe.
308
1216
Siehe Kap. 7.
1217
Siehe Kap. 5. und BA-MA, PH 6 I/29, Bl. 147: Anfrage der HGr Kronprinz bei der
HGr Rupprecht wegen neuer Erkenntnisse bei der Tankabwehr vom 3.10.1917.
Neuigkeiten wurden nicht ausgetauscht, wohl aber längst in Frage zu stellende Angaben,
wie zur Graben-Überschreitfähigkeit der britischen Tanks, die mit zu geringen 2,50m
Breite angegeben wurde, weitergereicht. Vergleiche BA-MA, RH 61/50769: Manuskript
Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 115, wo auf die Erfahrungen der HGr Rupprecht mit
den Baugruben der Siegfriedlinie hingewiesen wird. Die HGr teilte laut Petter auf die
Anfrage hin mit, daß Tankfallen von 4m Breite und Tiefe Erfolg versprachen.
1218
Siehe William-Ellis: Tanks Corps, S. 84 und S. 86, bzw. Abschn. 8.1.
1219
Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 146. Suggeriert wird hier die außerordentliche
Wirkung von Fliegern gegen Tanks auch an anderer Stelle, etwa durch eine Zeichnung in
Eberhardt, Walter v. (Hg.): Unsere Luftstreitkräfte 1914-1918. Ein Denkmal deutschen
Heldentums, Berlin 1930, S. 289. Die Abbildung zeigt tieffliegende Bomber beim Angriff
auf britische Tanks und findet sich ohne Textbezug innerhalb eines Berichts Görings zu
Luftkämpfen in der Flandernschlacht.
309
1220
Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 121.
1221
Siehe BA-MA, RH 61/50864: Friedrich Wilhelm v. Stein-Liebenstein: Die
Flandernschlacht im Sommer 1917 und ihr Einfluss auf Tätigkeit und weitere Entwicklung
der deutschen Luftwaffe, Textband. Stein-Liebenstein verfaßte die Arbeit als Major an der
Luftkriegsakademie.
1222
Siehe ebenda, S. 23 (31.7.1917), S. 31 (16.8.1917) und S. 43f. (20.9.1917).
1223
Siehe ebenda, S. 31.
1224
Siehe ebenda, S. 47f. Nähere Angaben zur Herkunft dieser Information machte Stein-
Liebenstein bedauerlicherweise nicht, und er nannte auch kein Beispiel für ein derartiges
Vorkommnis.
310
1225
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 94.
Gemeint ist der Teil 12 des Sammelhefts der Vorschriften über den Stellungskrieg für alle
Waffen, „Verwendung und Einsatz von Schlachtfliegern“.
1226
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 302.
Ebenda, S. 105, wird auch darauf hingewiesen, daß für die Tankabwehr, die mit SmK-
Munition gewährleistet werden sollte, auch Tests mit einer 2cm Bordkanone eingeleitet
wurden.
1227
Siehe BA-MA, RH 61/50864, Textband, S. 32. Erwähnt wurde das Eingreifen des
Kraftwagen-Flak-Zuges 4 in ein Gefecht gegen britische Infanterie am 16.8.1917, wobei
der Feind mit Schrapnell-Feuer gestoppt werden konnte.
1228
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 105.
1229
Einen Überblick zur Entwicklung der Flugabwehrtruppe und deren Geschützmaterial
während des Krieges bietet Kriegsgeschichtliche Abteilung der Luftwaffe (Hg.):
Entwicklung und Einsatz der deutschen Flakwaffe und des Luftschutzes im Weltkriege
311
(Kriegsgeschichtliche Einzelschriften der Luftwaffe, Bd. 1), Berlin 1938. Auf den
Erdeinsatz der Flak wird darin allerdings mit keinem Wort eingegangen. Vergleiche
Grimme: Flugabwehr und Heimatluftschutz, in Neumann: Die deutschen Luftstreitkräfte, S.
572. Die innerhalb des Beitrages vorhandene Schilderung von Oblt. Grunow (S. 575) zur
Tankbekämpfung durch Flak zwischen Somme und Avre bezieht sich zweifelsfrei auf
Kämpfe im August 1918 und keinesfalls, wie dort angegeben, auf das Kriegsjahr 1916.
1230
Siehe Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte in der Abwehrschlacht zwischen
Somme und Oise vom 8. bis [Link] 1918 und der Rückblick auf ihre vorausgegangene
Entwicklung (Die deutschen Luftstreitkräfte von ihrer Entstehung bis zum Ende des
Weltkrieges 1918, Bd. 6), Berlin 1942, S. 152.
1231
Siehe Muther, S. 70, und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-
Abwehr, S. 106. Die Festlegung der GPK durch das KM hinsichtlich der Fertigung eines
13mm Maschinengewehrs zur Tank- und Fliegerbekämpfung (Tuf-MG) erfolgte am
25.10.1917. Siehe dazu auch Michael, St: Deutsches Tuf-MG. 1918, in Zeitschrift für
Heereskunde, Nr. 142/143, Jg. 1955, S. 61: „So erhielt Anfang Oktober 1917 die Gewehr-
Prüfungs-Kommission (G.P.K.) vom Kriegsministerium den Auftrag, ein großkalibriges
M.G. zur Bekämpfung von Tanks und Fliegern zu schaffen, das schon im Frühjahr 1918 in
größerer Zahl an der Front zum Einsatz kommen sollte. Eine Besprechung am [Link]
1917 bei A2 [Infanterie-Abteilung des KM] brachte allein das Ergebnis, daß das Kaliber
der neuen Waffe 13mm sein sollte; mehr geschah eigentlich nicht.“
1232
Siehe BA-MA, RH 61/50768, Studie Hildebrandt, Teil 4a, S. 7ff., ebenda, RH
61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 95ff., und Klietmann, Kurt G.:
Der Bremer- und Marien-Wagen 1914-1918. Aus der Vorgeschichte der deutschen
Kampfwagen-Waffe im [Link], in Zeitschrift für Heereskunde, Nr. 138, Jg. 1954, S.
102-106. Dort werden 1917 parallel zum A7V getestete Fahrzeuge beschrieben.
312
9. „From mud, through blood, to the green fields beyond“. Tanks und
Tankabwehr in der Schlacht bei Cambrai, November-Dezember
1917.
Pläne für eine primär auf Tankmassen bauende Operation hatte es im Tank
Corps schon recht früh gegeben 1235 , doch in den bisherigen
Einsatzverfahren waren die Grundlagen, die hierfür geschaffen werden und
vorhanden sein mußten, durchweg vernachlässigt geblieben. Der Druck auf
das Tank Corps von seiten der militärischen Kritiker war derweil stetig
gestiegen, bis hin zu der im vorangegangenen Kapitel dargelegten
grundsätzlichen Frage nach seiner weiteren Existenz. Die einzige
Alternative, eine solche Entwicklung aufzuhalten und den Wert der neuen
Waffe vor ihrem kläglichen Ende zu demonstrieren, stellte eine Möglichkeit
zur Bewährung dar, die allein auf den bisherigen Erfahrungen und damit auf
dem Verzicht der üblichen Einsatzweise durch die höhere Führung basieren
1233
Siehe Hoeppner: Krieg in der Luft, S. 141. Das nach Kriegseintritt der USA aufgelegte
„Amerikaprogramm“ stellte die Luftrüstung in den Rüstungsprioritäten neben die U-Boot-
Waffe und wies ihr die zum Um- und Ausbau benötigten Arbeitskräfte und Rohstoffe zu.
1234
Siehe Kap. 9.
1235
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 102, mit dem Hinweis auf einen Vorschlag zum Einsatz
einer „Tankarmee“ mit mehr als 1.800 Fahrzeugen vom März 1917.
313
konnte 1236 . Den Plan für eine solche Operation, die auf der Grundlage
„Vorstoß, Schlag, Rückzug“ 1237 schon mit Rücksicht auf die durch Verluste
in Flandern schwindenden Kräfte und vielleicht auch mit Vorsicht
gegenüber der Einmischung zahlreicher höherer Infanterie- und
Artilleriestäbe relativ klein sowie auf 24 Stunden begrenzt geplant
wurde 1238 , konnte Anfang August 1917 zwischen Fuller und Elles diskutiert
werden. Letzterer verwarf Fullers ursprünglichen Plan eines Handstreichs
gegen [Link] 1239 , da ein solcher die Zusammenarbeit mit den Franzosen
voraussetzte und daher sehr wahrscheinlich vom Oberkommando abgelehnt
werden würde 1240 , so daß man nach einem anderen, für eine Tankoperation
geländetechnisch geeigneten Ort Ausschau hielt. Mit dem Abschnitt der
Siegfried-Stellung vor Cambrai im Bereich der britischen [Link] (Byng)
wurde dieser gefunden. Fullers Idee für einen Raid fußte auf Überraschung,
geeignetem Terrain für einen Tankeinsatz und dem Ziel, dem Feind
unabhängig von Geländegewinnen binnen kürzester Zeit schwerste Verluste
beizubringen 1241 .
1236
Bezeichnenderweise fand dieser Aspekt Eingang in den Angriffsbefehl des Tank Corps,
„Special Order, No. 6“ vom 19.11.1917: „To-morrow the Tank Corps will have the chance
for which it has been waiting for many months, to operate on good going in the van of
battle.“ Zitiert nach William-Ellis: Tank Corps, S. 108. Siehe auch Wright, S. 78.
1237
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 153.
1238
Siehe ebenda, S. 152. Vorgesehen waren für einen Schlag gegen [Link] zwei Tank-
Brigaden, zwei britische und zwei französische Divisionen sowie drei Kavallerie-
Divisionen zum Ausnutzen eines möglichen Erfolges oder als infanteristische Reserve.
1239
Dies ist durchaus als glücklicher Umstand für die britische Operation zu werten, da man
auf deutscher Seite Ende Oktober 1917 mit einer Unternehmung gegen die Stadt rechnete,
die Heeresgruppe Rupprecht ihr Augenmerk auf den Sektor gerichtet und für den Fall der
Fälle von der OHL Verstärkungen zugesichert bekommen hatte; siehe BA-MA, RH
61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht an OHL
wegen Möglichkeiten eines britischen Angriffs auf [Link] vom 29.10.1917.
1240
Offenbar sah nicht nur Fuller selbst Anzeichen für eine zutiefst „antifranzösische“
Einstellung Haigs, sondern zumindest auch Elles; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 106. Siehe
auch Travers: How The War Was Won, S. 70.
1241
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 153, und William-Ellis: Tank Corps, S. 101.
314
1242
Abb. oben nach nach H[Link] , Abb.
unten nach Banks, S. 174.
315
1243
Siehe Cooper: Cambrai, S. 68, und Fuller: Erinnerungen, S. 163.
316
Kanäle, im Norden durch das ungeflutete Bett des Canal du Nord und im
Osten und Süden durch den Canal de l’Escaut (auch Canal de Saint-Quentin
oder Schelde-Kanal), eingerahmt, was in den Augen Fullers einerseits
natürliche Grenzen des Tankeinsatzes definierte, andererseits aber auch
einen gewissen Schutz gegen zu erwartende deutsche Gegenangriffe bieten
konnte 1244 . Aus dieser Perspektive wurde das Schlachtfeld für einen
Handstreich als günstig beurteilt. Für alles darüber hinaus mußten die
Kanalbegrenzungen ein ernsthaftes Hindernis darstellen.
Die Vorstellungen Byngs, der sich für den Einsatz von Tanks schnell
erwärmen konnte, mögen allerdings bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von
der Idee Fullers für einen reinen Raid ohne weitergehende
Durchbruchabsichten abgewichen sein, da er mit der Idee einer größeren
Unternehmung seiner [Link] gegen den Sektor beziehungsweise Cambrai
schon selbst gespielt und den Gedanken an einen Durchbruch wohl auch
niemals aus den Augen verloren hatte 1245 . Im britischen amtlichen Werk ist
erstaunlicherweise in diesem Zusammenhang zu lesen, es sei Elles gewesen,
der Byng in einer Erweiterung der Pläne Fullers bestärkte 1246 .
Bei einer Präsentation der noch mehr oder weniger vagen Idee eines
Vorstoßes gegen Cambrai, die Byng Haig und dessen Stab am [Link]
1917 persönlich dargelegte, wurde mit Rücksicht auf die fortdauernde
Flandernschlacht, besonders aber durch die Intervention des Stabschefs
Haigs, Kiggell, gegen die neue Operation entschieden. Fallengelassen wurde
der Plan deshalb jedoch nicht, sondern fast konspirativ, wie William-Ellis es
formulierten 1247 , im kleinen Kreis durch Elles, Fuller, Byng und dessen Stab
weiter verfolgt, modifiziert und präzisiert 1248 .
Den Ausschlag für eine Operation bei Cambrai gab die sich ganz allgemein
verschlechternde Gesamtlage, welche dahin tendierte, mit dem Ausklingen
der verlustreichen Schlacht in Flandern, dem Zusammenbruch des
russischen Verbündeten und der Offensive der Mittelmächte gegen Italien
1244
Siehe Fuller: Tanks, S. 138f., und Fuller: Erinnerungen, S. 155f.
1245
Siehe Cooper: Cambrai, S. 66, MO 1917, Bd. 3, S. 8, und Paschall: Defeat, S. 105.
1246
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 7.
1247
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 101.
1248
Siehe ebenda, S. 77.
317
1249
Siehe ebenda, S. 74f.
1250
Siehe Cooper: Cambrai, S. 67: „Haig looked around for some operation that could be
mounted quickly to show immediate results in order to raise morale both at home and
among his troops.“
1251
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 152. Mit einem ganz ähnlichen Tenor warb auch Byng
bei Haig für die Operation; siehe Winter: Haig’s Command, S. 116.
1252
Siehe Marshall-Cornwall: Haig, S. 250.
1253
Siehe Cooper: Cambrai, S. 68, und Fuller: Erinnerungen, S. 163. Ebenda liest man:
„Hieraus ist ersichtlich, daß die Operation keineswegs ein Vorstoß, sondern vielmehr eine
entscheidende Schlacht war. Als ich [Fuller] zu dieser Erkenntnis kam, war ich entsetzt,
denn am [Link] hatte ich diesen Angriffsabschnitt deswegen ausgewählt, weil er gerade
für einen Vorstoß geeignet und für eine entscheidende Operation ungünstig war.“
318
Planungen der [Link] und mit Einverständnis Elles’ vom Raid in eine
großangelegte Operation entwickelt hatte. Und diese wurde von Haig selbst,
zum Leidwesen aller Beteiligter, als Durchbruchsschlacht auf Basis einer
nur fünfwöchigen Vorbereitungszeit verstanden 1254 . Allerdings behielt sich
Haig vor, beim Scheitern der Offensive innerhalb eines Zeitfensters von 48
Stunden, das auch von Fuller als Zeitraum bis zum Eintreffen deutscher
Reserven betrachtet wurde 1255 , den Abbruch der Operation anzuordnen 1256 .
Die Ziele, die mit dem als Operation „GY“ benannten Stoß in die Siegfried-
Stellung vor Cambrai erreicht werden sollten, wurden nach mehrmaligen
Eingaben Haigs am [Link] 1917 von Byng endgültig festgelegt. Im
Handstreich sollten die deutschen Stellungen zwischen dem Canal du Nord
bei Havrincourt und dem Schelde-Kanal bei Banteux durchbrochen werden,
um eigener Kavallerie den Stoß auf Cambrai, die zentral auf dem gedachten
Schlachtfeld gelegene Höhe des Bourlon-Waldes sowie auf das Ostufer des
Schelde-Kanals zu ermöglichen. Nach dem weiteren Vorankommen der
Hauptkräfte Richtung Norden und Nordosten würde die Kavallerie die
Übergänge über die nördlich Cambrai verlaufende Sensée sperren und so
die Grundlage für die völlige Vernichtung der deutschen Truppen zwischen
den Kanälen und dem Fluß schaffen 1257 .
Bedenkt man die erhebliche Ausdehnung des Schlachtfelds und die
verlängerten Linien, die bei einem Erfolg entstehen mußten 1258 , muß es
unverständlich erscheinen, weshalb für die Zeit nach der Vernichtung der
deutschen Kräfte keinerlei Anweisungen gegeben wurden. Es wurde
lediglich auf spätere Befehle verwiesen, die dem Kampfverlauf
entsprechend abgestimmt sein sollten 1259 und möglicherweise den sehr viel
1254
Siehe Winter: Haig’s Command, S. 115f.
1255
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 95.
1256
Siehe Winter: Haig’s Command, S. 118, und Marshall-Cornwall: Haig, S. 250
1257
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 18 bzw. App. 1 (The Third Army Plan), S. 306ff.
1258
Siehe dazu auch Abschn. 9.5.
1259
Siehe MO 1917, Bd. 3, App. 1, S. 307 und S. 308, sowie App. 2 (Third Army
Instructions to Cavalry Corps), S. 311.
319
1260
Siehe Winter: Haig’s Command, S. 116f. Fuller gab dagegen in einer frühen
Darstellung an, daß der Einsatzplan der [Link] bereits einen Stoß auf Valenciennes
beinhaltete; siehe Fuller: Tanks, S. 144. In die offiziellen Befehle floß dies aber nicht ein,
so weit man sie auf Grundlage der edierten Schriften in MO 1917, Bd. 3, als vollständig
betrachten kann.
1261
Siehe Prior/Wilson: Passchendaele, S. 179. Angezeigt wurde von den Verfassern der
verschwenderische Umgang mit Eliteverbänden, die, wie das Kanadische Korps,
unsinnigerweise in den letzten Zügen der Schlacht verbraucht wurden und für die Operation
gegen Cambrai nicht zur Verfügung standen. Winter gab zusätzlich dazu an, daß Byng das
Kanadische Korps im September noch für den Angriff auf Cambrai angefordert und dessen
Einsatz quasi als Grundbedingung für das Gelingen betrachtet hatte; siehe Winter: Haig’s
Command, S. 116.
1262
Siehe MO 1917, Bd. 3, Sketch 2 und 3.
1263
Siehe Cooper: Cambrai, S. 75. Es handelte sich um die 40., die 59. und die Garde-
Division, die erst im weiteren Verlauf der Schlacht aktiv wurden.
320
1264
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 23.
1265
Siehe ebenda und Zindler, Erwin: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in
Watter, S. 135 und S. 138.
1266
Siehe Golla: Tanks, S. 53.
1267
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S.105, und Fuller: Erinnerungen, S. 164.
1268
Zur Zusammensetzung der Artillerie siehe MO 1917, Bd. 3, S. 24f.
1269
Als Erfinder dieser Methode gilt auf britischer Seite der Artilleriekommandeur der
[Link], Brigadegeneral Tudor. Mit der Anwendung der Methode konnte der
Überraschungsfaktor gewahrt und gleichzeitig die ziemlich unkontrollierte Verwüstung des
Geländes an wichtigen Stellen, die bis dahin mit Massenfeuer auf Basis eines „trial and
321
des Tank Corps als Speerspitze des Angriffs. Aber anders als ursprünglich
angedacht, bedeutete letzteres keinesfalls, daß dem Tank Corps, wenn schon
nicht im operativen Maßstab, so doch zumindest die gewünschten Freiheiten
und tiefergehenden Einflußmöglichkeiten bei der taktischen Durchführung
überlassen wurden. Einmal dürfte die Frage nach Dienstgrad
beziehungsweise Anciennität der Führungspersönlichkeiten des Tank Corps
dagegen gesprochen haben. Denn ohne außerordentliche Vollmachten
konnten sie den dienstälteren und ranghöheren Kommandeuren der
Divisionen und Korps keine Vorschriften machen 1270 . Zum zweiten war das
Vertrauen dieser Generale –Byng eingeschlossen- in die Fähigkeiten der
Tanks augenscheinlich eher gering 1271 , was größere Einflußnahme der
Führung und Offiziere des Tank Corps zur Utopie und die gepanzerte
Streitmacht grundsätzlich zur Unterstützungswaffe der Infanterie machte.
Dagegen aufzubegehren kam der Spitze des Tank Corps offenbar nicht in
den Sinn 1272 . Es ging vielmehr darum, auf den durch diese Vorgesetzten
manifestierten Grundanlagen aufzubauen und weitgehende
Übereinstimmung mit dem Armeeoberkommando herzustellen, um
error“ Verfahrens durchgeführt worden war, vermieden werden; siehe MO 1917, Bd. 3, S.
6f., Smithers: Cambrai, S. 95, und Cooper: Cambrai, S. 80.
1270
Im Zusammenhang mit der Abänderung des Einsatzplans der Tanks bei der [Link]
(s.u.) schrieb Fuller von seiner Intervention beim Stab der [Link]. Dort wurde seine
Kritik zwar aufgenommen, „aber die Doktrin von der Kommandogewalt [der Divisions-
und Korpskommandeure] war zu tief eingewurzelt“ und nichts geschah; siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 178.
1271
Über eine Besprechung im Hauptquartier der [Link] am 8.11.1917 urteilte Fuller:
„Für mich war diese Besprechung von hohem psychologischen Interesse, denn sie zeigte,
daß nur sehr wenige von den anwesenden Generalen ein Verständnis für die Leistungen des
Tanks und infolgedessen auch kein Vertrauen in ihn besaßen.“ Siehe Fuller: Erinnerungen,
S. 169. Siehe dazu auch Cooper: Cambrai, S. 59, bzw. Abschn. 8.1.
1272
Fuller nahm dies sogar hin und formulierte für die Tanks die grundsätzliche
Einsatzmaxime, daß sie die feindlichen Stellungen zu durchbrechen, die Infanterie durch
die Einbruchzone zu begleiten und sie in den Grabengefechten zu schützen hätten; siehe
Fuller: Erinnerungen, S. 173. Ebenda, S. 175f., wird dies nochmals dadurch unterstrichen,
daß Fuller in einer Denkschrift vom 1.11.1917 auf den Charakter der Tanks als
Unterstützungswaffe der Infanterie und die Verantwortung der höheren Infanteriestäbe für
die gemeinsame Ausbildung einging.
322
1273
Diese Auffassung findet sich bei Fuller mehr oder weniger direkt geäußert wieder, und
er wog in seinen Kriegserinnerungen zwischen der aufgezwungenen Ausweitung seines
ursprünglichen Plans und den bei der Operation erstmals berücksichtigten Grundlagen und
Vorteilen (Überraschung, Wahl des Geländes, Aufgabe des vorbereitenden Trommelfeuers)
ab; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 163.
1274
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 104, und Fuller: Erinnerungen, S. 177.
1275
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 178.
1276
Siehe BA-MA, PH 3/560, Bl. 83f.: „Uebungen zusammen mit der Infanterie wurden
nach den von der [Link] herausgegebenen Instruktionen angestellt. Leider war die Zeit
nur kurz, da nur 8 Tage zur Verfügung standen. Es war dem [jeweiligen Tank-] Bataillon
auch nicht immer möglich, zusammen mit der Infanterie derjenigen Division zu üben, mit
welchen es den Angriff auszuführen hatte. Während der Uebungen konnte man erkennen,
dass die nötigen taktischen Bewegungen einem grossen Teile der Infanterie neu waren. [...
.] Während der Uebungen zeigten sowohl Tank- als auch Infanterie-Offiziere und
Mannschaften großen Eifer, und nur so konnten die guten Erfolge in der kurzen zur
Verfügung stehenden Zeit erreicht werden.“ Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug
aus den am 8.4.1918 vom NO AOK 2 weitergereichten „Erfahrungen der [Link]-Brigade
aus der Cambraischlacht“.
1277
Dazu gehörte allerdings nicht die vom Generalstab herausgegebene Denkschrift „S.S.
164“ von Mai 1917, die bis hinab zu den Bataillonen und Batterien verteilt wurde und
allgemeinere „Anweisungen über den Gebrauch der Tanks und über die Grundgedanken bei
323
Minutiös wurden in Fullers Abhandlung „S.G. 192“ für das Tank Corps die
Grundlagen des kommenden Einsatzes festgelegt 1278 . Die für einen
Angriffssektor vorgesehenen Tanks würden in zwei Gruppen auf die
einzelnen Angriffsziele stoßen. Eine vorgeschobene Gruppe sollte auf sich
gestellt vorgehen und etwaiges Abwehrfeuer niederkämpfen, und die von
Infanterie dicht gefolgte zweite Gruppe nachrücken, um in das
Stellungssystem einzubrechen. Die vorderste Tankwelle hatte aus den
Spitzenfahrzeugen (Advanced Guard Tanks) der als Grundeinheit gewählten
Sektion zu drei Fahrzeugen zu bestehen, denen die beiden übrigen Wagen
(Main Body Tanks) der Sektionen mit Begleitinfanterie als zweite Welle
folgen sollten. Alle Abstände, die zwischen dem Spitzenfahrzeug, den
beiden parallel dahinter fahrenden Wagen und der ihnen in Reihe folgenden
Infanteriezüge, in Tiefe und zu den Seiten, wurden von Fuller auf das
einheitliche Maß von 100 Yards (ca. 90m) bemessen 1279 . Die drei Fahrzeuge
der Sektion hatten sich beim Einbruch in das feindliche Stellungssystem
gegenseitig, etwa in Form eines „überschlagenden Vorgehens“ wie es heute
mit Panzerfahrzeugen der Bundeswehr üblich ist, zu decken und sollten
nach dem Niederringen der deutschen Gegenwehr einen Graben an einer
Stelle überwinden, um in derselben Manier gegen die nächste
Widerstandslinie des Feindes vorzugehen 1280 . Im Fall der Erschöpfung der
Angriffskraft einer Welle sollten Reserven über sie hinwegstoßen und
verhindern, daß die Operation frühzeitig zu einem Stillstand kam. Das
Verfahren wurde insgesamt durch die [Link] genehmigt, aber, ganz den
ihrer Anwendung als Hilfsmittel beim Infanterieangriff“ enthielt. Die enthaltene, zugleich
oberflächliche und schematische Deklassierung der Tanks als reine Infanterie-
Unterstützungswaffe, deren effizienteste Einsatzweise kaum thematisiert wurde, entsprach
in keiner Weise den Vorstellungen des Tank Corps; siehe dazu Abschn. 5.6.1. Siehe auch
Borchert: Tanks, S. 27, mit Auszügen und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 178ff. Es handelt
sich dabei um eine deutsche Übersetzung des erbeuteten Schriftstückes durch den NO AOK
2 vom 7.1.1918.
1278
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 172ff., und Borchert: Tanks, S. 7ff.
1279
Interessant ist, daß der Bericht der [Link]-Brigade den Abstand zwischen Spitzentanks
und Hauptkräften mit 135m angab, was kaum auf einer Fehlberechnung des deutschen
Übersetzers basiert haben dürfte; siehe BA-MA, PH 3/560, Bl. 83f. (S. 2), Ziff. II., zu b).
1280
Siehe Cooper: Cambrai, S. 78, Fuller: Tanks, S. 141f., und Fuller: Erinnerungen, S.
172ff., mit der ausführlichen Darstellung der Einsatzweise.
324
1281
Diese Auffassung hatte als Tatsache Eingang in die S.S. 164 von Mai 1917 gefunden;
siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 179, Ziff. 3.I., und ebenda, Bl. 180, Ziff. 6.: „Da das
Erscheinen der Tanks sofort das feindliche Artillerie-Sperrfeuer auf sich zieht, so muessen
die Tanks im allgemeinen weder der Infanterie vorausfahren noch zusammen mit der
Infanterie beim Anfang des Angriffs vorgehen.“
1282
Siehe Smithers: Cambrai, S. 94, und Fuller: Erinnerungen, S. 178. Dort wird die von
Harper befohlene Distanz mit 200-300m angegeben.
1283
Siehe Abschn. 9.6.
1284
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 35.
1285
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 165: „Dann wurde nämlich beschlossen, diese dürftige
Reserve auf eine Kompanie herabzusetzen und schließlich verzichtete man überhaupt auf
eine Reserve. Das war ein törichter und, wie ich zeigen werde, verhängnisvoller Beschluß.
[... .] Die Wahrheit ist, daß der Generalstab der [Link], der wegen der Neuartigkeit des
ganzen Angriffsplans naturgemäß etwas nervös war, den Befürchtungen der Korps- und
Divisions-Kommandeure zum Opfer fiel.“ Diese Einschätzung offenbart ein absolutes
Kuriosum insofern, als es zuvor ja zu den elementaren Wünschen der Heavy Branch und
des Tank Corps gehört hatte, endlich alle Kräfte vereinigen zu können. Daß dies nun
geschah, konnte unter diesen Bedingungen kaum Freude hervorrufen, denn schon für den
Auftakt der Kämpfe bei Arras im April 1917 war das Fehlen von Reserven als
schwerwiegender Fehler erkannt worden; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 100, bzw. Abschn.
5.6.1.
325
Über die Fragen der Angriffstaktik hinaus gab Fuller in der Abhandlung
„S.G. 192“ klare Anweisungen für die Kommunikation und Signalgebung
zwischen Tanks, Infanterie und Stäben 1286 , über die Aufgaben der „Tank-
Erkundungsoffiziere“, welche den Überblick über den Kampfverlauf
bewahren und daraufhin den Einsatz der Versorgungs- und Ersatzfahrzeuge
koordinieren sollten 1287 , über eingehende Aufklärungs- und
Orientierungsarbeit hinsichtlich des Geländes, der Anmarschwege,
Stabsquartiere, Feuerpläne der eigenen Artillerie und bestmöglichen
Ausgangsstellungen für den Angriff 1288 .
Mehrere bekannte Mißstände, die fast ausschließlich die Einsatzfähigkeit
der Tanks und zur Gänze ihre Effizienz in Zusammenarbeit mit anderen
Waffengattungen betrafen, wurden im Vorfeld der Operation mit besonderer
Aufmerksamkeit bedacht. Ein Problem, das gerade bei einem Angriff auf
eine für ihren hohen Ausbaugrad berüchtigte Feindstellung vorhanden war,
stellte das Überwinden der tiefen deutschen Drahthindernisse und Gräben
dar. Erstere wurden mit durchweg mehreren Dutzend Metern Tiefe
veranschlagt 1289 , was weniger für die Tanks selbst, als für die durch das
Drahtgewirr folgende Infanterie und Kavallerie problematisch sein mußte.
Die Breite der deutschen Gräben wurde mit 4-6m angegeben 1290 , eine
Distanz, die von keinem damaligen Kampfwagen ohne Hilfsmittel
überwunden werden konnte 1291 . Die eine Lösung stellten Spezialtanks dar,
die, als „Wirepullers“ 1292 durch ein „W“ als Zusatz zur Fahrzeugkennung
erkenntlich 1293 , mit hinterhergezogenen Ankern vor dem Gros der Truppen
1286
Siehe Borchert: Tanks, S. 23f.
1287
Siehe ebenda S. 22.
1288
Siehe ebenda, S. 17.
1289
„In front of the main line lay band of band and acre upon acre of dense wire; nowhere
was it less than 50 yards deep“; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 102.
1290
Siehe ebenda.
1291
Die Grabenüberschreitfähigkeit des Mark IV wurde in der S.S. 164 von Mai 1917 mit
2,70-3m angegeben; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 179, Ziff. 2.b).
1292
Siehe Borchert: Tanks, S. 38.
1293
Bspw. „F.W. 1“, was den „Wire cutter“ Nummer 1 des F-Bataillons markierte. Diese
Fahrzeuge, auch „Wire-crushers“ genannt, waren außerdem durch ein am Heck aufgemaltes
326
„WC“ erkennbar, wie Photos belegen; siehe etwa Cave, Nigel/Horsfall, Jack: Flesquières
(Battleground Europe), Barnsley 2003, S. 87.
1294
Siehe Smithers: Cambrai, S. 84, und Fuller: Erinnerungen, S. 166. Nach Fuller wurden
32 Fahrzeuge derartig ausgerüstet.
1295
Siehe ebenda, S. 82f., und William-Ellis: Tank Corps, S. 102.
1296
Wie wichtig die Faschinen für das Überwinden der Gräben waren, legte Smithers unter
Bezugnahme auf die Arbeit des „Chinese Labour Corps“, das mit seinen Arbeitern
wichtigen Anteil an der Fertigung hatte, folgendermaßen dar: „Their part in the play was
indispensable; no Labour Corps, no fascines. No fascines, no tank battle.“ Siehe Smithers:
Cambrai, S. 83. Das dort angeführte Verbot zum Gebrauch des despektierlichen Begriffs
„Kuli“ gegenüber den chinesischen Arbeitern fand, anders als die Betonung ihres Wertes
für das Tank Corps, durch Fuller allerdings keine Berücksichtigung; siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 145. In den MO findet man zusätzlich zu den Angaben über die Faschinen
die Bemerkung, daß bei einigen Infanterie-Truppenteilen transportable Brücken zum
Überwinden der breiten Gräben angefertigt wurden; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 15.
1297
Nach Fullers Denkschrift S.G. 192 betrug der Bedarf an Schmier- und Betriebsstoffen
für einen zehnstündigen Einsatz eines Tanks: 318l Benzin, 23l Motorenöl, 182l Wasser, 63l
Getriebeöl und 7 Pfund Schmierfett; siehe Borchert: Tanks, S. 23.
327
1298
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 161 und S. 166, sowie Smithers: Cambrai, S. 83. Nach
Aussagen bei beiden Autoren wurden 110 solcher Schlitten gefertigt.
1299
Nichtsdestotrotz wurde der Gebrauch der Transportschlitten durch deutsche Gefangene
bestätigt, die beim Zurückgehen hinter die britischen Linien solche Gerätschaften auf dem
Weg nach vorne sahen; siehe BA-MA, MSg 101/242: Bericht Major Hermsdorffs (RIR 90)
zum Verlauf des Kampfes bei Cambrai am 20.11.1917. Der Einsatz von „W“-Tanks
während der Schlacht wird durch MO 1917, Bd. 3, S. 56, und Hinweise auf erbeutete bzw.
abgeschossene Fahrzeuge dieses Typs bestätigt; siehe Borchert: Tanks, Anlage 1, S. 85f.
1300
Siehe Abschn. 8.1.
1301
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 105.
1302
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 27f.
328
auf die beiden Angriffs-Brigaden verteilt wurden 1303 . Die Tanks bei der
[Link] allein entsprachen ihrer Summe nach also derjenigen aller
verfügbaren Wagen beim Auftakt der Osterschlacht bei Arras, wobei ihre
[Link] mit 42 Fahrzeugen schon die Zahl der am [Link] tatsächlich
eingesetzten Tanks übertraf 1304 .
Da Überraschung und schnelles Erreichen der Höhen von Bourlon auf dem
linken, sowie der Kanalübergänge auf dem rechten Angriffsflügel für die
Operation der Tanks entscheidend waren, wurde auf Tarnung der
Bereitstellungsräume, detaillierte Beschreibung der Marschwege und
Angriffsziele besonderer Wert gelegt. So wie die Artillerie, die sich das
auffällige Einschießen sparen, bis zum Angriffsbeginn um 7.20 Uhr
(deutscher Zeit) abwarten und sich vor allem der Erfassung deutscher
Stellungen, Stabsquartiere und sonstiger Ziele widmen konnte 1305 , zogen
Angriffsinfanterie und Tanks bis zum Morgen des [Link] überall dort
unter, wo sie vor feindlicher Einsichtnahme geschützt waren.
Gebäudetrümmer, Gärten und Waldstücke dienten hierzu, wobei besonders
der nahe an den deutschen ersten Stellungen gelegene Wald von
Havrincourt beste Maskierungsmöglichkeiten „beinahe vor der Nase des
Feindes“, wie Fuller sich ausdrückte, bot 1306 . Wie die Infanterie
versammelten sich die Tanks bei Nacht. Da ihre Motorengeräusche die
deutschen Vorposten auf geschätzte 900m hätten alarmieren können,
wurden sie wenigstens in dieser Distanz zum Feind aufgestellt, zum Teil
auch noch deutlich weiter hinter der eigenen Linie 1307 . Der Weg aus den
Bereitstellungen in Richtung auf den Feind wurde mit Trassierband für
1303
Aufstellungen zur Verteilung der Tanks auf die Divisionen und ihre Brigaden finden
sich bei Fuller: Erinnerungen, S. 166, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41. Dabei
sind einige Unterschiede deutlich festzustellen, die sich wohlmöglich auf die
unterschiedliche Einberechnung der Reservetanks in die Fahrzeug-Gesamtzahl und
variierende Angaben zu den diversen Spezialfahrzeugen berufen können.
1304
Siehe Cooper: Cambrai, S. 77, bzw. Abschn. 5.1.
1305
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 25f.
1306
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 179, und MO 1917, Bd. 3, S. 36.
1307
Bereitstellungsräume lagen bei Gouzeaucourt, Villers Guislain, im bzw. am Dessart-
und Havrincourt-Wald sowie bei Villers Plouich. Zur Bereitstellung der Tanks siehe dazu
MO 1917, Bd. 3, S. 45f.
329
1308
Siehe ebenda. Ein weiterer Tank fiel mit technischen Problemen aus. Das Taschenbuch
der Tanks weist aus, daß insgesamt 16 Tanks vor Angriffsbeginn mit Pannen (aller Art)
ausfielen; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41, Anm. 3. Zu den Trassierbändern
siehe auch Abschn. 9.6.1.
1309
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 30f., und Fuller: Erinnerungen, S. 178f.
1310
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 44.
1311
Siehe ebenda, S. 46. Eine Brigade der [Link] kam am Morgen des 20.11. unter den
Befehl des [Link], während die [Link] ab 6.15 Uhr dem [Link] unterstellt wurde.
330
1312
Siehe Abschn. 9.2.
1313
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 41, Anm. 2.
1314
Elles regelte am 19.11. seine Nachfolge im Fall einer leichten, weniger ernsten und
ernsten Verwundung, verwies aber in ironischem Ton darauf, daß diese Regelungen der
Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Ausführung kommen bräuchten; siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 180.
1315
Siehe ebenda, S. 179.
1316
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 108: „The statement that the G.O.C. was to lead
the attack came as a great surprise to every one; it was probably greater surprise to some of
the authorities than it was even to the Tank Corps themselves. This decision was generally
accepted with pleasure by the fighting troops, but many of the more thoughtful were filled
with very great anxiety. It was clear that the General’s Tank, The ‘Hilda’, was going to be
trust close behind the barrage in a conspicuous position flying the flag; the dangers that it
ran were, therefore, greater than those run by any of the other Tanks. On the other hand, it
was generally realised that the Tank Corps had, in this action, a very great deal at stake; it
risked not merely machines and lives of its officers and men, but its existence.“ Fuller
urteilte über Elles’ Entscheidung, am Angriff selbst teilzunehmen, daß sie die eigentliche
331
und das Beispiel dieser Entscheidung Elles’ fand in der Folgezeit dauernden
Respekt 1317 , so wie man auch davon ausgehen kann, daß sich das spätere
Führen von Panzerverbänden „von vorne“ darauf berief. Daran änderte auch
der Umstand nichts, daß sich Elles’ Tank, „Hilda“, am [Link]
frühzeitig, um kurz nach 9 Uhr, festfuhr 1318 und von einer Führungsrolle des
Generals an der Spitze der Tanks schon wegen der weiträumigen Verteilung
der Truppe auf die Angriffsfront sowie ihrer Unterstellung unter die
Divisionen faktisch niemals die Rede sein konnte 1319 . Wie in einer der
verschiedenen Versionen zu Elles’ Führungsrolle am [Link] 1917
besonders pathetisch dargestellt wird, entsprach sein Verhalten der für die
Nachwelt lebendig gewordenen Hoffnung auf das Ende des elenden
Grabenkrieges und den Weg zum Sieg unter der inoffiziellen Devise des
Tank Corps: „From Mud, Through Blood, To The Green Fields
Beyond“ 1320 . Die Schlacht hatte damit noch vor ihrem eigentlichen, blutigen
Auftakt einen ersten Mythos hervorgebracht.
Die Ausgangslage für die Verbände der Gruppe Caudry (GK [Link],
Theodor Frhr. v. Watter), die den Abschnitt der [Link] (v.d. Marwitz) vor
geistige Schöpfung des Tanks Corps bedeutete und als Inspiration und Ansporn gelten
konnte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 180.
1317
Die Episode findet sich in nahezu allen Schilderungen der Tankschlacht bei Cambrai
mehr oder weniger breit ausgeführt wieder, wobei sich der zugrundeliegende Tenor
vielleicht am besten bei Paschall nachweisen läßt: „Cambrai was a battle that would forever
be marked by courage.“ Siehe Paschall: Defeat, S. 110. Dies schrieb er einen Absatz unter
der Aussage, daß Elles beim Angriff den (!) Spitzentank führen würde, und zwei Seiten vor
seinen Ausführungen über die herausragenden Leistungen des deutschen Majors Krebs bei
der Verteidigung von Flesquières am 20.11.1917 (siehe dazu Abschn. 9.3.). Besonders
betont wird das aufopferungsvolle Verhalten Elles’ bei William-Ellis: Tank Corps, S. 109f.
1318
Siehe Perrett, S. 51, und Cooper: Cambrai, S. 102.
1319
Als einzige Veröffentlichung, in der auf diese nachvollziehbare Einschränkung des
Mythos’ vom General an der Spitze der Tanks hingewiesen wurde, ließ sich vom Verfasser
ein Beitrag in der Militärwissenschaftlichen Rundschau ausmachen; siehe Müller, Eduard:
Der englische Panzerangriff bei Cambrai am 20.11.1917 und seine Lehren für die
Gegenwart, in Militärwissenschaftliche Rundschau, Heft 3/1939, S. 395.
1320
Siehe Perrett, S. 50.
332
Cambrai hielt, wurde durch die Anlage und Ausführung der Siegfried-
Stellung einerseits, andererseits maßgeblich durch die Belastungen des
Heeres während der Kämpfe seit Frühjahr 1917 geprägt. Vom Beziehen der
Siegfried-Stellung an hatte es wenig Material und Kräfte gegeben, die
vielfach gering ausgebauten Linien zu verstärken, oder an ihnen die für
notwendig erachteten Veränderungen vorzunehmen 1321 . In die Liste der
unterlassenen aber für die generelle Sicherheit des Stellungssystems
unumgänglichen Maßnahmen gehörte etwa die Niederlegung oder das
Niederbrennen des Waldes von Havrincourt, der, bei der bedrohlichen Nähe
der feindlichen Gräben vor dem Wald und dem gleichnamigen Ort, beste
Annäherungs- und Maskierungsmöglichkeiten für den Gegner bot. Wie
oben bereits gezeigt wurde, war dies eine Unterlassung mit großem Nutzen
für den verdeckten Aufmarsch der britischen Angreifer vor dem
[Link] 1917.
Im Gegensatz zu den Kampfräumen bei Arras, an der Aisne und in der
Champagne handelte es sich trotz der Bedeutung Cambrais als
Eisenbahnknotenpunkt 1322 um einen zu vernachlässigenden Sektor, bei dem
man unter Maßgabe der bisherigen Erfahrungen mit britischen und
französischen Großoperationen glaubte, Verstärkungen noch zeitig genug
heranführen zu können, bevor eine kritische Lage überhaupt Gestalt
annehmen konnte. Eine Überlegung und Annahme, die für weiteste, nämlich
die augenblicklich nicht von akuter Bedrohung gekennzeichnete Teile der
Westfront als Maxime der OHL angenommen werden muß 1323 und sich
1321
Siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 115: [Link] Ia Nr. 2138 op. vom 31.8.1917:
„Das Gelände vor der K1 Linie der S1 Stellung ist für den Angreifer im Allgemeinen
günstig. Sein Gelände überhöht teilweise das unsere. Die nicht annähernde Fertigstellung
des Siegfried, als die Rückzugskämpfe begannen, seine ungünstige taktische Lage und das
schnelle Folgen des Gegners haben unsere Vorgänger veranlasst, vor dem Siegfried
Gelände zu behalten, in Besitz zu nehmen, als Vorpostenzone zu sichern und allmählich
auszubauen.“ Siehe auch ebenda, Bü. 72: Gr Caudry Ia Nr. 49 op. (Entwurf vom
14.11.1917) abgegangen am 20.11.1917 an AOK 2 wegen Mängel der Gruppenstellung,
und Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 334.
1322
Siehe Golla: Tanks, S. 9.
1323
Tatsächlich galt sie auch nach der Erfahrung mit dem „überraschenden“ Angriff auf
Cambrai noch weiter, wie eine Antwort der OHL auf die dringende Bitte um Zuführung
333
von Verstärkungen durch die AAbt. B von Ende Dezember 1917 belegt. Die AAbt. hatte
darauf hingewiesen, daß der Munitionsbestand weit unter das Normalmaß gefallen sei,
woran auch Transportschwierigkeiten ihren Anteil hatten und erbat mit Unterstützung der
HGr, die ihrerseits vor jeglicher Überraschung durch baldigen Munitionsersatz geschützt
sein wollte, baldigste Aufstockung der Bestände. Die OHL sagte dies zu, vertröstete aber
gleichzeitig auf einen späteren Zeitpunkt, wenn hoher Munitionsverbrauch an anderen
Stellen geschwunden sei. Noch im Januar 1918 erinnerte die HGr die OHL an diese
Zusage, der „trotz wiederholter dringender Aufforderung“ und der trotz der Gefahr von
Überraschungsangriffen nicht nachgekommen worden war; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55,
Bl. 4802, Bl. 4401 und Bl. 5089.
1324
In den Anweisungen des AOK 2 zur besonderen Bedeutung dauernder
Aufklärungsarbeit durch Patrouillen fand sich für den Zeitraum direkt vor der Tankschlacht
der Hinweis auf die Dringlichkeit, die sich dafür nach den überraschenden Vorstößen bei
Verdun und Laffaux ergab; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 72: AOK 2 Ia Nr.328/Okt. geh. vom
31.10.1917.
1325
Der Frontsektor gehörte bereits seit längerer Teil zu den ruhigen Abschnitten, in denen
nur abgekämpfte Feindverbände festgestellt wurden; siehe bspw. KA, Heeresgruppe
Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 174: HGr Rupprecht Ia Nr. 3116 geh. vom 28.5.1917.
Enthalten ist der Hinweis an die OHL, daß die kampfkräftigen feindlichen Divisionen vor
dem AOK 2 aus der Front gezogen worden und lediglich abgekämpfte Divisionen
zurückgeblieben waren.
1326
Dokumente zum Austausch zwischen den Divisionen, der Gr Caudry und dem AOK 2
wegen der neuerkannten feindlichen Division und dem „Fall Havrincourt“ beinhaltet
HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 1ff.
1327
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 1ff.: AOK 2 Ia Nr. 323/Juni vom 29.6.1917.
334
1328
Es ist wahrlich bezeichnend für die Anlage der Siegfried-Stellung und die
Unmöglichkeit einer Behebung ihrer Mängel, daß der Wald und sein dichter Baumbestand
bereits fünf Monate vor der Tankschlacht derartige Beachtung fand; siehe ebenda, Bl. 1.
1329
Zu bedenken ist, daß um 4,5km Abschnittsbreiten als verträgliches Maß galten und
während der Flandernschlacht mit 2,5-3km sogar deutlich darunter gegangen wurde; siehe
BA-MA, RH 61/50597: Anonyme Ausarbeitung über „Gefechtsausdehnungen“ vom
10.3.1944, S. 2, bzw. Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 296.
1330
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 7.
1331
Siehe ebenda.
1332
Die in beiden Fällen zu erwartenden oder erwarteten Feindkräfte wurden nicht
spezifiziert. Ebenda, Bl. 5, nennt als Ausdehnung des Angriffs Havrincourt-Gonnelieu, also
recht genau die Breite der britischen Operation im November.
335
1333
Siehe ebenda, Bl. 3.
1334
Von der Nennung der eingeforderten Unterstützungsteile der Nachrichtentruppe, des
Sanitätsdienstes, der Kolonnen und Trains wurde mit Rücksicht auf ihre beträchtliche Zahl
vom Verfasser Abstand genommen.
1335
Siehe ebenda, Bl. 7: „Der Ausbau der Kampfzone, besonders der rückwärtigen
Stellungen, erfordert schnellen und reichlichen Einsatz von Stäben und Arbeitskräften. Es
wäre sehr erwünscht den Ausbau vor [hervorg.] Einsetzen des Angriffs bis zu einem
gewissen Abschluß zu bringen.“
1336
Siehe ebenda, Bl. 3 und Bl. 4.
336
1337
Siehe ebenda, Bl. 5 und Bl. 6.
1338
Auch diese Aufstellung ist nicht vollständig, sondern bezieht sich vornehmlich auf den
Kern an Kampftruppen oder jene Truppengattungen, die nach Ansicht des Verfassers für
den Verlauf der Kämpfe um Cambrai besonders relevant zu sein scheinen.
1339
Was nicht bedeutet haben dürfte, daß diese Kräfte bei der dortigen Stellungsdivision
vorhanden waren. Eingerechnet wurden wahrscheinlich alle Batterien, die bei Havrincourt
wirken konnten.
1340
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 3ff.
1341
Siehe ebenda, Bl. 12: Gruppe Caudry Ia Nr. 5/op. vom 2.7.1917.
337
drei Divisionen, an sich schon überaus ausgedehnt, was den Wunsch der
Gruppe, diesem Zustand abzuhelfen, nachvollziehbar gemacht hätte. Vor
allem dann, wenn man nicht selbst mit möglicherweise überzogen
wirkenden Forderungen an die übergeordneten Dienststellen heranzutreten
hatte, sondern das vorgesetzte AOK dies von sich aus tat und man sich
dessen Wünschen nur anzuschließen brauchte. Dann erstaunt, daß die
Gruppe selbst mit einer absolut ernstzunehmenden Bedrohung ihres
Abschnitts durch ein großes feindliches Unternehmen rechnete 1342 , aber
auch vor diesem Hintergrund auf maßgebliche Verstärkungen von sich aus
verzichtete.
Die Antwort der Heeresgruppe auf beide Schreiben fiel eindeutig aus 1343 .
Und sie läßt keinen Zweifel daran, daß es an der deutschen Westfront im
Frühjahr und erst recht ab Sommer 1917 Abschnitte gab, die, ungeachtet
ihrer Bedeutung oder ihrer auch durch höhere Stäbe mehr oder weniger
stichhaltig dargelegten Bedrohung, nicht dafür in Frage kamen, auf Kosten
der klar erkennbaren Hauptkampffronten möglicherweise unnötig mit
wertvollen Verbänden und Kampfmitteln versorgt zu werden 1344 . Vor allem,
wie die Heeresgruppe Rupprecht später auch einer erbosten OHL gegenüber
anführte 1345 , wenn die dortigen Stellungen vermeintlich gut ausgebaut
waren und Angriffe von mehr als rein örtlicher Bedeutung auszuschließen
schienen 1346 . Für beide Fälle, den kleinen Angriff auf Havrincourt und die
große Unternehmung gegen das definitiv strategische Ziel Cambrai, waren
keine Kräfte vorhanden, die als augenblickliche oder als in absehbarer Zeit
1342
Siehe ebenda.
1343
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 13: Heeresgruppe Rupprecht Ia Nr. 3354 geh. vom
3.7.1917.
1344
Besonders für die Zeit nach dem Beginn der britischen Offensive bei Cambrai läßt sich
dies nachweisen; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge
(Heft/Akt 240), bspw. HGr Kronprinz Ia 2204 geh. vom 21.11.1917 oder HGr Herzog
Albrecht an OHL vom 22.11.1917.
1345
Ludendorff kreidete der Heeresgruppe schon am 20.11.1917 an, daß sie sich um
potentielle Bedrohungen zu wenig gekümmert und ihr Augenmerk ausschließlich auf
Flandern gerichtet habe; siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 291f., und
Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394.
1346
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No
4561 geh. vom 24.11.1917.
338
1347
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 356, Bl. 13: Heeresgruppe Rupprecht Ia Nr. 3354 geh. vom
3.7.1917.
1348
Siehe ebenda.
1349
Der OHL bot die Diskussion um die Verstärkung des Sektors Cambrai offenbar ein
Paradebeispiel für unnötige Nervosität der untergeordneten Führung. Wie das Ausbleiben
eines britischen Angriffs unterstrich, konnte man derartigen Meldungen und Forderungen
mit Gelassenheit entgegensehen und tat dies auch im direkten Vorfeld der Kämpfe im
November; siehe BA-MA, RH 61/51766: Schreiben v. Ditfurths an die
Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres vom 28.1.1939.
1350
Die Aufklärung durch Patrouillenunternehmungen der Stellungsbesatzungen scheint auf
beiden Seiten intensiv gewesen zu sein. Das IR 395 ([Link]), das seit Ende September vor
Ort war, berichtete in seiner Truppengeschichte von Nacht für Nacht erfolgten
Erkundungsversuchen und auch davon, daß spezielle „Jagdkommandos“ aus Freiwilligen
gebildet wurden, um beim Feind Informationen zu beschaffen; siehe Gerth, Max (Bearb.):
Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 395, o.O. 1933, S. 137.
339
1351
Siehe Strutz, Georg: Die Tankschlacht bei Cambrai. 20.-[Link] 1917
(Schlachten des Weltkrieges, Bd. 31), Berlin 1929, S. 8. Siehe auch Golla: Tanks, S. 16f.
Hier allerdings fehlt bei allem Eingestehen der Schwächen der Stellungen vor Cambrai der
klar formulierte Gegensatz zu vorherigen Aussagen über die vollständige Adaption des
elastischen Abwehrverfahrens (S. 11ff.). Dabei muß klar sein, daß dieses nahezu unmöglich
war, wenn schon aufgrund der langen Divisionsabschnitte keine Kräfte für eine Gliederung
in die Tiefe vorhanden waren.
1352
Wie die TG RIR 90 ([Link]) festhielt, war der erste Kampfgraben der S-I
außerordentlich befestigt, was in den weiteren Schilderungen von den übrigen
Stellungsteilen nicht gesagt wurde; siehe Bibeljé-Schwerin: Cambrai. [Link] bis
[Link] 1917 in div. Bearb.: Großh. Meckl. R.-Inf.-Regt. Nr. 90 (Erinnerungsblätter
deutscher Regimenter, Bd. 153), Berlin/Oldenburg 1925, S. 232.
1353
Für den Bereich bei Banteux, in dem das RIR 19 ([Link]) ab Ende September eingesetzt
war, attestierte das Regiment -beispielhaft für die Zustände im Gruppenbereich- zwar gute
vordere Stellungen mit geräumigen und wohnlichen Unterständen, doch schon die durch bis
zu 100m Drahtverhau geschützte Zwischen-Stellung besaß vielfach nur angedeutete Gräben
und Baugruben für unfertige Unterstände; siehe Schwencke, Alexander (Bearb.):
Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 19 im Weltkriege 1914-1918
(Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 124), Berlin/Oldenburg/Ratzeburg i. Lbg.
1926, S. 275.
1354
Der Bericht des Regimentskommandeurs des RIR 227 bei seinem Vorrücken auf das
Gefechtsfeld am 20.11. bezeugt den geringen Ausbaugrad der S-II-Stellung deutlich: „[...]
wobei ich mit Mühe durch auf der Höhe angelegten Reihen-Hindernisse mit dahinter
gelegenen, etwa 1 Fuß tief angedeuteten Gräben hindurch kam. Einige größere Lücken im
Hindernis waren vorhanden. Ich ahnte nicht, daß dies die ‚[Link].’ Stellung, die zweite
Siegfriedstellung war.“ Siehe Giese, Franz (Bearb.): Geschichte des Reserve-Infanterie-
Regiments 227 im Weltkriege 1914/18, Halle a.S. 1931, S. 410.
340
1355
Dies kam in einer Mitteilung des AOK 2 zum Ausdruck, worin darauf verwiesen
wurde, daß der Stellungsbau trotz Arbeitskräftemangels nach Möglichkeit zu
berücksichtigen sei, um zumindest eklatante Schwächen der Linienführung zu beseitigen;
siehe HStAS, M 33/2, Bü. 72: AOK 2 Ia Nr. 230/Okt. geh. vom 29.10.1917.
1356
Siehe ebenda, M 206, Bü. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres II. Nr. 5370 geh. op. Geheim!
vom 18.11.1918.
1357
Friedensgleiche Zustände und Zivilleben gab es in Cambrai selbst und bis zur Schlacht
auch noch in den Dörfern Marcoing, Noyelles und Cantaing am Schelde-Kanal; siehe TG
RIR 90, S. 233, und Ulrich, Herbert (Bearb.): Res.-Inf.-Regiment 52 im Weltkriege
(Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 112), Cottbus 1925, S. 25.
1358
Siehe etwa Arnold, Paul u.a. (Bearb.): Regimentsgeschichte L.I.R. 384 1916-1918,
Hannover 1939, S. 12: „Es gibt auch einige Ruhetage, die natürlich durch den üblichen
Dienst und durch Instandsetzen der Sachen ausgefüllt sind. [... .] Es sind Tage, die auch
frohe Stunden und mancherlei Abwechslung bringen. Dazu gehört sogar eine Lustspiel-
Aufführung im Theater, das von den Lachsalven der alten Krieger erdröhnt.“
1359
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 5359 [Link]. vom
20.11.1917.
341
1360
Siehe ebenda, Bü. 142, S. 29: Mittagsmeldung der Gr Caudry an AOK 2 vom
13.11.1917.
342
Ersatz kam in der Folgezeit in spärlicher Zahl bei den Verbänden an, wie
verschiedene Meldungen des Gruppenkommandos mit nur sehr langsam
ansteigenden Gefechtsstärken zeigen 1361 . Die durchschnittliche Bataillons-
Gefechtstärke lag am [Link], in der letzten Stärkemeldung vor der
Schlacht, bei der abzulösenden [Link] auf dem Niveau von etwa 684 Mann,
wobei, wie für eine Landwehr-Division zu erwarten, allerdings ein im
Vergleich zu den anderen Divisionen der Gruppe erheblich größerer Anteil
von Soldaten „garnison-verwendungsfähig“ und damit minder tauglich für
den Kampfeinsatz war 1362 . In der [Link] lag die Bataillonsstärke bei 694, in
der [Link] bei 678 und bei der [Link] bei 674 Mann 1363 . Das Fehl war
angesichts einer normal geltenden Gefechtsstärke von 800 Mann je
Bataillon 1364 nicht unerheblich und besagt zudem noch nichts über die
innere Verfassung des jeweiligen Verbandes. Der eingestellte Ersatz war
oftmals unerfahren und minder gut ausgebildet, woran in den Divisions-
Feldrekrutendepots und durch Ausbildung in den Kampfverbänden zwar
versucht wurde, etwas zu ändern 1365 , doch wogegen, ohne Gelegenheit zu
1361
Zwischen dem 13.10. und dem 13.11.1917 erhöhte sich die durchschnittliche
Bataillons-Gefechtsstärke der Infanterie der [Link] um lediglich 79, die der [Link] um 56 und
die der [Link] um 24 Mann; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 150: Stärkemeldung Gr
Caudry Abt. IIb. Nr. 18060, 18180 vom 13.10.1917, und ebenda, Bl. 196: Stärkemeldung
Gr Caudry Abt. IIb. Nr. 20920 vom 13.11.1917.
1362
Bei 5082 Mann Gefechtsstärke waren 637 „g.v.“ gemeldete Soldaten eingeschlossen.
Zum Vergleich, und auch als Grund für die dringende Ablösung der Division, kann
angeführt werden, daß der numerisch stärkste Verband der Gruppe, die [Link], ein
Verhältnis von 6251:394 auswies; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 196: Stärkemeldung
Gr Caudry Abt. IIb. Nr. 20920 vom 13.11.1917.
1363
Siehe ebenda.
1364
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 117, Akt: 177, S. 612: HGr Rupprecht Ic No
1794 geh. vom 16.12.1916.
1365
Siehe etwa Dahlmann, Reinhold (Bearb.): Reserve-Infanterie-Rgt. Nr. 27 im Weltkriege
1914/1918, Berlin 1934, S. 346. Dort wird von Ausbildung beim jeweiligen Ruhebataillon
des Regiments gesprochen, wobei man sich auch eines Übungswerkes nördlich Marcoing
bediente.
343
1366
An dieser Stelle sei angemerkt, daß die OHL die bei Cambrai feststellbaren hohen
Gefangenenzahlen auf genau diesen Umstand zurückführte und -in Ermangelung
schlüssiger Alternativen und ohne Rücksicht auf die düstere Personallage- den zukünftigen
Einsatz schlecht ausgebildeten Ersatzes untersagte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d.
Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 5870 geh. op. vom 25.12.1917.
1367
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 35: AOK 2 Kampfwert-
Meldung vom 17.11.1917. Keine der klassifizierten Divisionen erreichte dabei den
höchsten Status als „vollkampffähig“. Die Verbände der Gruppe Arras, auf deren Schultern
maßgeblich auch der Gegenangriff vom 30.11.1917 lasten sollte (111., 240. und [Link]),
waren also zu diesem Zeitpunkt gleichfalls alles andere als voll einsatzfähig, was auch für
die Divisionen der Gruppe Quentin ([Link], 36. und [Link]) galt.
1368
Siehe ebenda.
1369
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 35: AOK 2 Kampfwert-
Meldung vom 17.11.1917.
344
1370
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 142: Gr Caudry Ia Nr. 300 op. vom 11.11.1917.
1371
Siehe ebenda, Bü. 72: AOK 2 Ia/Ie Nr. 37071/17 vom 28.10.1917.
1372
Siehe ebenda, Bü. 142: Morgen-, Mittags- und Abendmeldungen der unterstellten
Divisionen.
345
Mit einem solchen Teilangriff rechnete man bei der Gruppe Caudry bereits
zuvor, wobei aus Archivalien deutlich wird, daß die Anregung zu
Abwehrüberlegungen im Bereich Cambrai maßgeblich vom Stab der [Link]
kam. Am [Link] fragte die Division an, ob im „Fall Havrincourt“,
einem lokal begrenzt erwarteten Stoß auf die Divisionsstellung 1375 , das LIR
384 der [Link] in den eigenen Führungsbereich eingegliedert werden
könne 1376 . Anlaß dazu bot die Tatsache, daß der [Link] das RIR 27, das als
Gruppen- und Armeereserve abberufen worden war 1377 , nicht zur
1373
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240):
Schreiben der HGr Rupprecht an die OHL vom 29.10.1917 und Telegramm Ludendorffs
(Ia Nr. 5337 [Link].) an die HGr Rupprecht vom 14.11.1917.
1374
Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 32: HGr Rupprecht Ia
Nr. 4477 geh. vom 17.11.1917. Eine ähnlich lautende Erklärung der HGr findet sich auch
für den folgenden Tag: „Auch bei der [Link] sind Teilvorstöße des Gegners
wahrscheinlich.“ Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 55:
Mittagsmeldung HGr Rupprecht vom 18.11.1917.
1375
Siehe Nissen, Karl: Die Kämpfe in der Siegfriedstellung und die Tankschlacht bei
Cambrai. [Link] bis [Link] 1917, in Hülsemann (Hg.): Erinnerungsblätter der
ehemaligen Mansteiner. Geschichte des Infanterie-Regiments von Manstein
(Schleswigsches) Nr. 84 1914-1918. [Link], Hamburg 1923, S. 47f. Zur Vereinheitlichung
der Zitierweise der Truppengeschichten wird ferner auch für diese Sammlung von
Einzeldarstellungen die Abkürzung TG gebraucht. Sofern nicht anders angegeben, handelt
es sich ausschließlich um Beiträge aus der [Link] der Erinnerungsblätter zu den
Geschehnissen bei Cambrai 1917.
1376
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 1: [Link] Ia Nr. 2884 vom 16.11.1917.
1377
Zwei Bataillone waren Gruppenreserve bei Cambrai und eines war in den Sektor
[Link] gesandt worden; siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in
Watter, S. 133.
346
1378
Siehe ebenda, S. 131.
1379
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 1: Gr Caudry an [Link] und [Link] vom 18.11.1917.
Erstaunlich ist hierbei, daß der [Link] im Falle eines Angriffs damit faktisch nur ein
Regiment blieb. Daß die Zustimmung zur Unterstellung des LIR 384 unter die [Link] durch
das Gruppenkommando irgendwelche Auswirkungen auf die Vorbereitungen zur Schlacht
oder die Gefechtsführung am 20.11. gehabt hat, war nicht nachzuweisen.
1380
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 48ff. Wie die gemeldete Fliegertätigkeit auf
britischer Seite mit der Behauptung Zindlers (siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr
Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 132) zur wetterbedingten Unmöglichkeit deutscher
Luftaufklärung seit dem 12.11. in Einklang zu bringen ist, muß offen bleiben.
Möglicherweise ist der Grund für das Ausbleiben deutscher Luftaufklärung primär in zu
geringer Flugzeugausstattung des Gruppenabschnitts zu sehen. Vorhanden waren am
20.11.1917 lediglich zwei Fliegerabteilungen und eine Jagdstaffel, die am ersten
Schlachttag arg dezimiert und erst später durch herbeigeholte Einheiten verstärkt wurden;
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 19f.
1381
Siehe ebenda, S. 1ff. Auf S. 1 wurde ausgesagt, daß sich hinter der britischen Front im
zweiten Drittel des Monats „etwas lebhafterer Verkehr“ bemerkbar machte, sonst aber
„keinerlei Anzeichen für einen feindlichen Angriff“ vorhanden waren. Eine Aussage, die
schon in Hinsicht auf den spätestens seit dem 16.11. diskutierten „Fall Havrincourt“ stutzig
machen muß und eigentlich allen Angaben und Maßnahmen der Gruppe in der Zeit
zwischen dem 18. und 21.11.1917 deutlichst widerspricht; siehe vor allem HStAS, M 33/2,
Bü. 144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op. vom 21.11.1917.
347
wurden 1382 . Noch in den frühen Morgenstunden des 18. kamen auch
Ergebnisse starker Patrouillen zur Kenntnis der Divisionen, die, als größere
Erkundungsvorstöße vor dem Hintergrund zunehmender Aktivität beim
Feind ausgeführt, eine wachsende Unruhe der Frontkommandeure belegen.
Von der [Link] wurden an zwei Stellen „Rohrladungen mit Reißzündern“
im eigenen Drahtverhau ausgemacht und im Rahmen der Patrouille „Udine“
eine größere Anzahl Gefangene der britischen Stellungsdivision
eingebracht 1383 . Die Rohrladungen allein hätten angesichts der starken
Patrouillentätigkeit eventuell kaum alarmiert und alarmieren können, da nur
feindliche Truppen erkannt worden waren, deren Vorhandensein bereits
bekannt war 1384 , doch in Kombination mit dem Unternehmen „Venedig“ des
IR 84 der [Link] beinhalteten die Aufklärungsergebnisse tatsachlich
Erkenntnisgewinn und Brisanz. Vom IR 84 waren zwar ebenfalls nur
Gefangene der gegenüberliegenden Stellungsdivision eingebracht
worden 1385 , doch diese sprachen von einer bevorstehenden Ablösung ihrer
Division durch die 51.(Highland) Division 1386 , über Tanks im Wald von
Havrincourt 1387 und über einen für den [Link] geplanten
1382
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No
4561 geh. vom 24.11.1917.
1383
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 48, S. 50 und S. 52. Die Mittagsmeldung der
Gruppe (S. 52) nennt als Ergebnis von „Udine“ 35 Gefangene und fünf Maschinengewehre
als Beute.
1384
Genau dieser Faktor wurde von der HGr Rupprecht später zur Rechtfertigung
gebraucht, da man ja keinerlei Information über potentielle Angriffs-, sondern nur über
bereits erkannte Stellungstruppen erhalten hätte (!); siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht,
Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002f.: HGr Rupprecht Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.
1385
Siehe ebenda, S. 50 und S. 52.
1386
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 208, Bl. 54: Lagemeldung der HGr
Rupprecht vom 19.11.1917 mittags. Bemerkenswert ist hierbei, daß es also eineinhalb Tage
brauchte, um die Aussagen der Gefangenen vom 18.11. zur Kenntnis der Heeresgruppe zu
bringen.
1387
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No
4561 geh. vom 24.11.1917. Die TG IR 84, S. 48, sagt hierzu aus, daß von den britischen
Gefangenen erst nachträglich, also wohl nach ihrer Überweisung an eine höhere
Dienststelle (Die [Link] oder die Gruppe?) von bereitgestellten Tanks bei Trescault
gesprochen wurde. Dies reichte nach Aussage der TG aus, um die Division zu beunruhigen
und an einen „Angriff größeren Stiles zu denken“.
348
Großangriff 1388 auf den gleichnamigen Ort 1389 . Bei der [Link] der Gruppe
Arras wurde durch einen irischen Überläufer ebenfalls von einem baldigen
Angriffsunternehmen gegen Havrincourt gesprochen 1390 .
Für den Kommandeur der primär bedrohten [Link] ergab sich hieraus
umfangreicher Handlungsbedarf. Er beantragte bei der Gruppe die
Rückgabe des RIR 27, eine deutliche Verstärkung der schwachen, lediglich
aus neun Batterien des FAR 108 seiner Division, drei Fußartillerie-Batterien
mit älteren Beutegeschützen und zwei schweren deutschen Batterien
bestehenden Abschnittsartillerie 1391 sowie die Zuweisung von Artillerie-
und bezeichnenderweise auch von SmK-Munition 1392 . Nach Aussage
1388
Siehe Hegermann, B.: Die Patrouillenunternehmung am [Link] 1917, in TG
IR84, S. 63ff.
1389
Das Gruppenkommando schrieb hierzu, einmalig selbstkritisch und sich selbst
mehrfach widersprechend, daß es erst am 18.11.1917 früh „Veranlassung zu
Abwehrvorbereitungen“ gehabt hatte, nachdem Gefangene „von dem Vorhandensein
einzelner Tanks sprachen“ und einen Angriff auf Havrincourt am 20.11.1917 nahelegten.
Nach eigenen Angaben, die sich durch die überlieferten Akten des GK [Link] im HStAS,
M 33/2, ausdrücklich nicht bestätigen ließen, ergriff man daraufhin Maßnahmen in Form
von Anträgen beim AOK 2. Nachträglich betrachtet sei die Tiefengliederung der Infanterie
und Artillerie ausreichend gewesen, wenngleich Anordnungen der Gruppe und deren
Anträge beim AOK nicht mehr zur Geltung gekommen seien; siehe HStAS, M 33/2, Bü.
144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op. vom 21.11.1917.
1390
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 333. Moser fügte dieser Information bei, daß
es eine schon oft wiederholte Nachricht war, aber man nach den auch bei der Gruppe Arras
sehr beschränkten Möglichkeiten Vorsichtsmaßnahmen ergriff. Diese lassen sich durch die
Alarmbereitschaft seiner drei Divisionen ab 19.11. abends bestätigen; siehe ebenda, S. 336
und Brandes, Heinz (Bearb.): Geschichte des Kgl. Preuß. Infanterie-Regiments v. Voigts-
Rhetz ([Link].) Nr. 79 im Weltkrieg 1914-1918, Hildesheim o.J., S. 449.
1391
Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 131. Wie
gering diese Ausstattung an Artillerie für eine bevorstehende Abwehrschlacht ist, kann ein
Vergleich zur [Link] in der Aisne-Champagne-Schlacht verdeutlichen: Diese Division
verfügte damals über 18 Feldartillerie-, 6 sFH-, 2 Mörser-, 3 10cm- und 2 15cm-Batterien;
siehe HStAS, M 30/1, Bü. 72: HGr Albrecht Ia Nr. 4334 geh. op. vom 14.11.1917: Bericht
der [Link] über die Kämpfe am 16.4.1917, S. 7.
1392
Siehe Kabisch, Ernst: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73. Wie eine bewilligte
Anfrage Kabischs bei der Forschungsanstalt des Heeres von 1937 wegen der Überlassung
der Aufzeichnungen Oskar v. Watters nahelegt, dürften der Beitrag zu Cambrai im
Gedenkbuch für Watter (nach 1939) und das entsprechende Kapitel in „Gegen englische
349
Panzerdrachen“ (1938) maßgeblich auf den Aufzeichnungen des Kommandeurs der [Link]
beruhen. Dessen Bericht, der von Kabisch im Quellenverzeichnis zum Buch von 1938 auf
den [Link] 1928 datiert wird, ließ sich bei den Recherchen zur vorliegenden Arbeit
allerdings nicht in den durchgesehenen Unterlagen der Forschungsanstalt (BA-MA, RH 61)
oder im Nachlaß Watters (HStAS, M 660/047) auffinden; siehe BA-MA, RH 61/51766:
Anfrage Kabischs bei der Forschungsanstalt des Heeres vom 2.6.1937. Der Bericht Watters
bzw. dessen bei Kabisch deutlich werdenden Inhalte scheinen die Lösung für verschiedene
Unklarheiten hinsichtlich der Zeit bis zum Ende des ersten Schlachttages zu sein.
Unterstrichen wird ein negatives Bild der Leistungen des Gruppenkommandos, wobei sich
dieses für den heutigen Betrachter schon aus den oben geschilderten Vorgängen von
Juni/Juli 1917 angedeutet findet.
1393
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73.
1394
Zur SmK-Munition vgl. RA, Bd. 13, S. 126.
1395
Siehe TG RIR 27, S. 353. Munition wurde zugesagt, kam aber in großen Teilen zum
Verbrauch am 20.11. zu spät.
1396
Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 133.
1397
Siehe etwa TG RIR 90, S. 237: „Gegen 2 Uhr [morgens am 20.11.] kam die Nachricht
von der Brigade, nach Aussage des am Morgen eingebrachten Gefangenen habe der Gegner
Tanks bereit gestellt. Daraufhin wurde sofort die Ausgabe aller vorhandenen K-Munition
an die Maschinengewehre und an die Infanterie veranlaßt; viel K-Patronen kamen nicht auf
jedes Gewehr und auf jeden Mann, aber wir hatten eben nicht mehr.“ Siehe auch TG RIR
27, S. 353: „Der allergrößte Mangel herrschte an Smk-Patronen, die bei der knappen
Ausstattung der ‚ruhigen’ Front auch in kurzer Zeit gar nicht herbeizuschaffen waren.
Versucht worden ist es.“ Unklar bleibt hier, durch wen und auf welchem Weg die
Beschaffung angestrengt worden war.
350
1398
Siehe TG RIR 227, S. 416.
1399
Siehe TG RIR 90, 236.
1400
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, S. 54. Diese Bewegungen wurden von der Gruppe dem
AOK 2 mitgeteilt, allerdings ganz offenbar ohne weiteren Kommentar.
1401
Siehe ebenda, Bü. 143, Bl. 45.
1402
Siehe ebenda, Bü. 363: Gr Caudry Ia Nr. 381 op. vom 19.11.1917, Ziff. 1.) und 6.).
1403
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 73. Bei der späteren, mit sehr viel
Herzblut und zum Teil großer Schärfe zwischen Oskar Frhr. v. Watter und dem im
351
Reichsarchiv für die Reihe „Schlachten des Weltkrieges“ zuständigen Bearbeiter, Soldan,
geführten Diskussion um den geschilderten Hergang des Treffens und seine Ergebnisse
betonte Watter ausdrücklich, daß die [Link] mit der Unterstellung der [Link] fest rechnete.
Dabei unterstrich er, daß es zum Wesen dieser Kämpfe gehörte, daß bestimmte
Anordnungen schnell getroffen und wieder verworfen und oftmals auch gar nicht schriftlich
fixiert worden sind; siehe dazu HStAS, M 33/2, Bü. 660/047, Heft 16 (Diverse
Schriftwechsel Watters, dabei auch mit Soldan um die Jahreswende 1927/28).
1404
Siehe verschiedene Bearb.: Das Feldartillerie-Regiment 213 (Aus Deutschlands großer
Zeit, Bd. 14), Zeulenroda o.J., S. 158. Wie es dazu kam, daß eine Ansprache Oskar v.
Watters an die Abteilungsstäbe und Batterieführer des FAR 213 als ausführliches Zitat
Eingang in die Truppengeschichte fand und sich ihr Inhalt alles andere als mit den
Grundlagen des Einsatzes der beiden Abteilungen bei seiner Division deckt, muß fraglich
bleiben. Daß es, laut dem Zitat, am 19.11.1917 in den Augen des Kommandeurs der [Link]
keinerlei Anzeichen für bevorstehende Kämpfe gegeben haben soll, ist jedenfalls schon
wegen des diskutierten Szenarios „Fall Havrincourt“ vom 16.11.1917 abwegig und kann in
aller Deutlichkeit auf die bei Abfassung der TG offenbare Konkurrenz zwischen 54. und
[Link] um die „Lorbeeren“ von Cambrai verweisen.
1405
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 45.
1406
Siehe ebenda, Bü. 72: Gr Caudry Ia Nr. 384 op. vom 19.11.1917.
1407
Siehe ebenda, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S.
3, Ziff. 5.
352
1408
Siehe TG FAR 213, S. 158.
1409
Siehe Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in Watter, S. 132.
1410
Erinnert sei an die ungeheuren Verbrauchszahlen an Artilleriemunition in
vorangegangenen Kämpfen; siehe etwa Abschn. 3.3. Als Anhalt für den durchschnittlichen
(!) Tages-Munitionsverbrauch kann eine Aufstellung des AOK 2 von Anfang 1917 dienen,
die 250 Schuß für FK und lFH sowie 125 bzw. 100 Schuß für sFH und Mörser auswies;
siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 64: AOK 2 Fussa.
B. Nr. 4134/17. vom 7.2.1917. Und die Gr Caudry selbst hatte für einen Feuerschlag gegen
die gegenüberliegenden britischen Stellungen Ende Juni 1917 das AOK 2 um Überweisung
von 5.000 Schuß für Feldkanonen, 4.000 Schuß für lFH und 1.000 Schuß für sFH gebeten;
siehe HStAS, M 33/2, Bü. 256, Bl. 3: Gr Caudry Ia Nr. 1071 op. vom 29.6.1917.
1411
Siehe etwa TG FAR 213, S. 158.
1412
Siehe ebenda, S. 159.
353
1413
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 74.
1414
Siehe ebenda.
1415
Siehe TG RIR 52, S. 400, TG RIR 227, S. 410, und Bartenwerffer, Erich v./Herrmann,
Alfred (Bearb.): Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232 in Ost und West, Teil II
(Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 211, Teil II), Celle 1927, S. 97.
1416
Siehe TG RIR 227, S. 410. Die hier angeführte Information, daß die Ablösung der
[Link] vom 20. auf den 25. und 26.11. verschoben wurde, findet sich auch in der TG RIR
232 (S. 97), nicht aber in der TG RIR 52. Laut Strutz (Tankschlacht, S. 14) wurde in einem
Gruppenbefehl vom 19.11.1917 die Ablösung tatsächlich auf den 25./26.11. verschoben.
Dies ist um so interessanter, als sich hierin einmal mehr die geringe Bereitschaft des
Gruppenkommandos zeigt, die Infanterie der [Link] über die Lage und die Abmachungen
mit der [Link] zu orientieren.
354
man den Befehl des AOK 2 vom [Link] hinzuzieht, der ausdrücklich
davon sprach, daß die [Link] zum Einsatz bei Havrincourt -demnach
wenigstens im Stellungsabschnitt der [Link]- zur Verfügung stehe 1417 .
Insgesamt sind für den Tag vor der Schlacht nur Uneinheitlichkeiten in der
Lageauffassung durch die verschiedenen Stäbe feststellbar, und es wurden
keine der möglichen Bedrohung des Folgetages angemessenen Befehle
durch das Gruppenkommando gegeben. Die [Link] gab scheinbar keinerlei
Weisung für etwaige Abwehrvorkehrungen und die [Link] offenbar nur für
ihr an die [Link] anschließendes RIR 19 und das RFAR 9, welche am Abend
des 19. in erhöhte Alarmbereitschaft für den Morgen des 20. November
versetzt wurden 1418 . Ein Zug der Feldartillerie wurde im Abschnitt des RIR
19 weiter vorgezogen, was als Indiz für Tank- oder zumindest für
Sturmabwehrbereitschaft gewertet werden kann 1419 . Gleichzeitig wurde
allerdings die auch hier geringe Rohrdichte der Artillerie, welche die 36
Geschütze des RFAR 9 der [Link] auf eine Frontlänge von 9km verteilt sah,
durch den Befehl zum Stellungswechsel an eine dort befindliche 9cm
Landwehr-Fußartillerie-Batterie geschwächt 1420 . Zusätzlich befahl die [Link],
einen „Patruljenschleier“ vor die Stellung des RIR 19 zu legen 1421 . Über die
Abwehrvorkehrungen bei der [Link] können Angaben kaum gemacht
werden, doch zumindest in der Truppengeschichte des LIR 384 1422 findet
1417
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 3 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr.
232/Nov. Geheim! Armeebefehl Nr. 15/Nov. Vom 19.11.1917, Ziff. 1.).
1418
Siehe TG RIR 19, S. 282, und Keffler, Wilhelm (Bearb.): Das Königl. Preuß. Res.-
Feldartillerie-Regiment Nr. 9, Berlin 1938, S. 219.
1419
Siehe TG RFAR 9, S. 219.
1420
Siehe ebenda. Diese Batterie zu 8 Geschützen wurde zum Ausfüllen einer Lücke
gebraucht, die durch den wegen Umbewaffnung befohlenen Abtransport einer 15cm
Ringkanonen-Batterie aus dem Gruppenabschnitt direkt vor Beginn der Schlacht entstand.
1421
Siehe Moeller, Herbert/Reinicke, Georg: Der Krieg wie er ist! Erfahrungen und Lehren
der Truppe, Bd. 1, Berlin 1942, S. 182. Dort ist ein entsprechender Bataillonsbefehl des
I./RIR 19 vom frühen Morgen des 20.11.1917 wiedergegeben.
1422
Siehe TG LIR 384, S. 13. Da das Regiment der [Link] unterstand, dürfte die Angabe
über Gefechtsbereitschaft am Morgen des 19.11. (!) einen Schreibfehler darstellen. Zu
erwarten wäre diese ab Abend des 19. oder, wie bei der [Link], ab Morgen des 20.11.
gewesen.
355
sich der Hinweis auf erhöhte Gefechtsbereitschaft 1423 . Bei der [Link] galt
diese bereits ab Abend des [Link] und wurde durch weitere
Maßnahmen begleitet, von denen nur ein Teil bereits in Form der
angeordneten –aber eben nicht durchgeführten- Bereitstellung der Infanterie
der [Link] entlang des Schelde-Kanals genannt wurde. Die Kanalübergänge
wurden von den Pionieren der [Link] zur Sprengung vorbereitet 1424 , die
Stellungstruppe zog ihre kläglichen Reserven näher an sich heran und das
RIR 27 wurde als Eingreiftruppe hinter der Divisionsstellung versammelt.
Zum Preis der Verminderung der geringen Munitionsbestände wurden
außerdem für die frühen Morgenstunden des [Link] Feuerüberfälle
auf Anmarschwege und besondere Geländepunkte befohlen, die wohl dem
primären Zweck dienen sollten, den Feind zu einer Reaktion zu verleiten
und so Klarheit darüber zu gewinnen, mit welcher Kräfteansammlung man
es zu tun hatte. Dieser Plan ging nicht auf, da in der von deutschen
Beobachtern auffällig ruhig beschriebenen Nacht 1425 der britische
Gegenschlag erst mit dem Beginn der Offensive erfolgte. Wovon
wenigstens einige Truppenteile noch direkt vor dem Angriff Kenntnis
erhielten, war „ein Tank bei Havrincourt“ 1426 .
1423
Im Unterschied zur Alarmbereitschaft, die sich auf das Bereithalten zu einem Einsatz
bezog, bedeutete Gefechtsbereitschaft einen deutlich höheren Grad der
Abwehrvorbereitung, der eine Truppe in unmittelbarer Nähe zum Feind bei einem Angriff
jederzeit gefechtsbereit finden sollte; siehe und vgl. F.O., Ziff. 251, S. 67 und ebenda, Ziff.
401, S. 105f, und Immanuel (Bearb.): Lehnert’s Handbuch für den Truppenführer, Berlin
1915, Nr. 281, S. 117, und Nr. 319, S. 130f.
1424
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 76f. Wie hier ausgesagt wird, wurde
eine Besichtigung der Sprengvorbereitungen durch den Divisionskommandeur am 19.11.
kurzfristig abgesagt. Andernorts wird darauf verwiesen, daß noch am 20.11. keine Zünder
an den Sprengladungen angebracht worden waren; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 59.
1425
Siehe etwa TG IR 79, S. 451, und TG LIR 384, S. 13.
1426
Siehe Moeller/Reinicke, S. 183. Auf die Meldung hin wurde beim I./RIR 19 -und wohl
auch bei den anderen Teilen des Regiments- befohlen, SmK-Munition bereitzustellen.
356
Um etwa 7.20 Uhr begann die britische Artillerie mit ihrem Trommelfeuer
auf Breite der Gruppen Arras und Caudry 1427 . Zeitgleich setzten sich Tanks
und Infanterie in Bewegung und gingen unter dem Schutz der Dämmerung,
des Rauchs einschlagender Granaten und des dichten Boden- und
abgefeuerten künstlichen Nebels vor. Britische Kampfflieger begannen mit
Tiefangriffen oder drangen zur Feuerleitung in den deutschen Luftraum
ein 1428 .
An den Flanken des Angriffsraumes, bei den Verbänden der Gruppe Arras
und bei der [Link] und dem Großteil der [Link], wurde recht schnell
deutlich, daß die mehr oder minder heftig und zahlreich attackierenden
britischen Truppen keinen ernsthaften Angriff ausführten, sondern lediglich
Ablenkungsmaßnahmen inszenierten 1429 . Fast überall wurden vorfühlende
Patrouillen und kleinere Vorstöße rasch abgewehrt. Lediglich bei der [Link]
der Gruppe Arras kam es zu einem zeitweiligen Einbruch in die
Kampflinie 1430 . Nach einiger Zeit flaute in diesen Bereichen das feindliche
1427
Die Zeitangaben variieren wie üblich (siehe Abschn. 3.3.), wobei der auf britischer
Seite festgelegte Zeitpunkt 7.20 Uhr war, in deutschen offiziellen Berichten von 7.15 und in
den Truppengeschichten von 7-7.30 Uhr die Sprache ist.
1428
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 57: Flakgruppen-Kommandeur 4, Abendmeldung
vom 20.11.1917, TG IR 395, S. 141, TG RIR 19, S. 287, TG LIR 384, S. 13, TG FAR 213,
S. 160. Der Bericht der [Link] besagte in Hinsicht auf die feindlichen Fliegerkräfte:
„Fliegergeschwader niedrig fliegend und mit [Link].-Feuer die Gräben bestreichend,
warfen ebenfalls Brandbomben mit Leuchtwirkung ab.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü.
373a, Bl. 91: [Link] Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917. Die Brandbomben fanden
Erwähnung, da die britische Artillerie nach Aussage von Angehörigen der [Link] mit
Brandmunition schoß. Diese ist nicht endgültig nachweisbar, und es bliebe die Frage, ob es
sich um Beleuchtungs- oder Kampfmittel handelte.
1429
Bei der südlichen Flügeldivision der Gruppe Arras, der [Link], die an die [Link] der
Gruppe Caudry anschloß, wurden „Tanks“ mit MG beschossen , die sich schließlich als
Attrappen herausstellten; siehe dazu Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336, und TG IR
79, S. 452. Eine Bestätigung dieser bemerkenswerten Täuschungsmaßnahme fand sich in
den britischen Beschreibungen der Schlacht nicht.
1430
Siehe Strutz: Tankschlacht, Anm. auf S. 43, Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336f.,
TG IR 79, S. 452, TG IR 395, S. 141, TG IR 184, S. 62f., und Christian, Karl: Das
Heldenbuch vom Infanterie-Regiment 418, Frankfurt a.M. 1935, S. 106.
357
Artilleriefeuer ab, und den Tag über gab es für den größten Teil der
betroffenen Verbände kaum noch etwas anderes zu tun, als der Routine zu
folgen und den Berichten über das Geschehen auf dem Kernschlachtfeld zu
lauschen 1431 .
Dort herrschte nach der ersten Überraschung über die Intensität des
britischen Artilleriefeuers schnell das Chaos, denn Verbindungen rissen ab
und Meldungen über das Geschehen zwischen den Frontverbänden und an
die Führung blieben aus. Man war blind. Bei den Stäben wegen
Informationsmangels und vorne, im wahrsten Sinne des Wortes, weil die
Sichtverhältnisse erst auf kürzeste Distanz das Erkennen und die
Bekämpfung des Feindes erlaubten. Die psychologische Wirkung der
Kombination von mangelnder Sicht und plötzlich auftauchenden Infanterie-
und Tankmassen war zweifellos immens, wie ein Angehöriger des RIR 19
bezeugte:
„Alles wurde in Rauch und Qualm gehüllt. [... .] Da sahen wir sie: Infanterie in
mehreren Wellen und davor- dicke Tanks. [... .] Es geht eklich auf die Nerven, wenn
sich die Ungetüme langsam, aber unaufhaltbar auf Einen zuwälzen. Auch gegen uns
kroch ein solches heran immer näher und näher, Tod und Verderben speiend; darüber
ratternd und mit MG. schießend niedrig kreisende Flieger.“ 1432
1431
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 336f., TG IR 79, S. 452, TG IR 395, S. 141,
TG IR 184, S. 63, und TG IR 418, S. 106.
1432
Zitiert nach einem Feldpostbrief des Unteroffiziers Moes bei der 6./RIR 19 in TG RIR
19, S. 289f.
1433
Über das deutsche Artilleriefeuer urteilte das britische amtliche Werk, unter anderen
enthaltenden, wenig vorteilhaften Passagen ausgewählt, grundsätzlich: „Few casualties
were caused by the enemy’s counter-barrage, which was late, scattered and inaccurate.“
Zitiert nach MO 1917, Bd. 3, S. 54.
358
zu wenig Feuerkraft einbringen konnte 1434 , ihrerseits nichts sah 1435 , ihre
Munitionsbestände beim unsicher abgefeuerten Sperrfeuer rapide
zusammenschrumpften 1436 oder sie vom feindlichen Feuer selbst erfaßt
wurde 1437 . Die breiten Drahthindernisse wurden von den Tanks einfach
niedergewalzt, und mit der wenigen und scheinbar plötzlich wirkungslos
gewordenen SmK-Munition 1438 sowie Handgranaten war der Kampf der
deutschen Verteidiger so aussichtslos, daß sich selbst in den Reihen
nachweislich kampferprobter Regimenter wie der RIR 19 und 90 rasch
Entsetzen und Mutlosigkeit breit machte 1439 , die wohl nur teilweise durch
das Eingreifen beherzter Führer kompensiert werden konnte 1440 . Noch
schlimmer erging es den Angehörigen der [Link], die mit Tanks nicht
einmal theoretische Erfahrungen gemacht hatten, auf Ablösung hatten
hoffen können und, nachdem die SmK-Munition verschossen war, dem
gepanzerten Stoß hilflos ausgeliefert waren 1441 :
1434
Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen
Offiziere des RIR 90, S. 1, TG LIR 384, S. 15, TG FAR 108, S. 94, und TG RFAR 9, S.
220.
1435
Siehe TG RFAR 9. S. 220, und TG FAR 213, S. 169.
1436
Siehe TG FAR 213, S. 167f., und TG LIR 384, S. 14.
1437
Siehe TG FAR 213, S. 163, wo davon gesprochen wird, daß die 6./FAR 213 ihre drei
Geschütze bereits um 8 Uhr durch feindlichen Artilleriebeschuß verloren hatte. Die
Batterien des FAR 213 hatten offenbar ältere Stellungen übernommen, die dem Gegner
bekannt waren und bekam daher heftigstes Feuer; siehe auch ebenda, S. 165
1438
Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen
Offiziere des RIR 90, S. 2.
1439
Siehe TG RIR 19, S. 290, und BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und
21.11.1917 gefangenen Offiziere des RIR 90, S. 2: „Von der vorderen Linie kommen Leute
zurück, stehen unter Eindruck des Kampfes, truebe Stimmung, melden Tanks. Leute
angesteckt, sehen Sache als verloren an. Es Bedarf des Eingriffs um sie während des
feindlichen Feuers aus den Unterstaenden herauszuholen.“ (Aussage Lt. Schertz, 3./RIR 90,
Lage um 7.50 Uhr.)
1440
Siehe ebenda und HStAS, M 660/047, Heft 11: Brief Hptm. von Köllers an Watter vom
27.11.1927.
1441
Dies ist der TG LIR 384, S. 13, zu entnehmen, die die einzige Truppengeschichte der
Infanterie der [Link] darstellt. Archivalien speziell zum Kampf der [Link] bei Cambrai
fanden sich allenfalls innerhalb der Berichte des Gruppenkommandos.
359
„Es wirkt jedoch beklemmend und unheimlich, daß unser Feuer die Tanks gar
nicht zu berühren scheint. Auch der Schutz der Drahthindernisse versagt, die Drähte
reißen und knicken zusammen. Die Tanks überqueren die Gräben, streichen sie mit
Geschütz- und M.-G.-Feuer ab, stoßen ins Hinterland vor, den nachfolgenden Wellen
das vollständige Niederringen der Grabenbesatzungen überlassend. Ehe wir das bis
dahin nie Gesehene recht begriffen haben, sind die Tanks schon mitten unter
uns.“ 1442
Bis 9 Uhr waren die Gräben der S-I-Stellung auf der gesamten
Angriffsbreite in der Hand des Feindes, und es wurde von ihm zum Teil
schon darüber hinaus auf die Zwischen-Stellung, vorgegangen. Das LIR
387, das im Zentrum der [Link] stand, war offenbar vernichtet worden, ohne
daß sein Kommandeur überhaupt nur erahnte, was vorne geschah 1443 . Links
und rechts daneben, beim IR 84 und dem RIR 90 waren die Einbrüche tief,
die Verbindungen zwischen den Teileinheiten gingen durch den Zwang zum
Ausweichen gegenüber den vorrollenden Tanks verloren und auch hier gab
es für den Angreifer in den ersten Morgenstunden nichts, was ihn wirklich
aufhalten konnte. Die Tankverluste durch deutsches Sperrfeuer schienen
angesichts der vorrollende Masse unerheblich zu sein 1444 . Die Gegenwehr
der Reste beider Regimenter und auch des RIR 19 war auf der anderen Seite
aber auch verzweifelt 1445 , wobei man sich an Verteidigungsinseln
1442
Zitiert nach ebenda.
1443
Kabisch berichtete davon, daß der Regimentskommandeur noch um 9 Uhr an die [Link]
meldete, in seinem Abschnitt sei alles ruhig. „Kurze Zeit darauf mußte sich der
Regimentskommandeur davon überzeugen, daß die feindlichen Tanks schon in gefährlicher
Nähe seines Gefechtsstandes angelangt seien; sein Regiment war einfach weggewischt
worden, ohne daß er eine Meldung davon erhalten hatte.“ Zitiert nach Kabisch: Taktiker
und Stratege, in Watter, S. 84.
1444
Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen
Offiziere des RIR 90, S. 1 und S. 2. Gemeldet waren insgesamt fünf beobachtete
Tankabschüsse.
1445
Das britische amtliche Werk bemerkte etwa über den Vorstoß nach Ribécourt, das
zwischen S-I- und Z-Stellung lag und um etwa 9 Uhr angegriffen wurde, daß dort aus zwei
Stützpunkten heraus heftigster Widerstand („two centres of resistance held stubbornly out“)
geleistet wurde, bis Tanks ihn brachen; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 55. Es handelte sich bei
den erwähnten Verteidigern vor allem um Angehörige des LIR 387 (siehe ebenda, Anm. 1,
S. 56), die das gleiche Schicksal erlitten wie andere Teile links und rechts auch; siehe dazu
etwa TG RIR 90, S. 241.
360
1446
Die beiden Meldungen sind wiedergegeben in Steuben, Arndt v.: Harro Soltau, das
Lebensbild eines Frontoffiziers. Gefallen in der Tankschlacht bei Cambrai am
[Link] 1917, Hamburg 1936, S. 93. Ein Faksimile der ersten Meldung findet sich bei
Moeller/Reinicke, S. 200-201.
1447
Siehe ebenda.
1448
Siehe TG RIR 27, S. 362ff. Bezeichnend für den Verlauf des Gegenstoßes ist dabei der
Bericht des Kompanieführers [Link]/RIR 27, Stoltenberg: „Der Feind nahm uns zwischen
seine beiden Tankreihen, stellte uns mit seinen Geschützen und ermöglichte es so seiner
Infanterie, uns zu überwältigen. Während der ganzen Kampfhandlung zählte ich in meinem
Gefechtsabschnitt etwa drei Schuß deutscher Artillerie. Infanterieziele boten sich nur
selten, kurz und einzeln. Unser instinktiv abgegebenes Feuer konnte dem Feind keinen
361
nennenswerten Abbruch tun und hatte auf die Tanks keine Wirkung,-- zumal mein
Ersuchen um S.m.K.-Munition unberücksichtigt geblieben war.“ Zitiert nach ebenda, S.
365.
1449
Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen
Offiziere des RIR 90, S. 3.
1450
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 84f.
1451
Siehe TG FAR 213, S. 171, TG RIR 52, S. 401, und TG RIR 227, S. 411. In der TG
RIR 227 wird davon gesprochen, daß man gegen 9 Uhr einen Befehl zu sofortigem Einsatz
durch die [Link] bekommen hatte. Diesem Befehl wurde scheinbar insofern gefolgt, als daß
man sich –ohne Karten und Ortskenntnisse- zum Abmarsch bereit machte. Dasselbe galt
wohl auch für die 2./ und 3./FAR 213, die sich mittags mit Teilen des RIR 52 zusammen
auf dem Marktplatz in Cambrai versammelten. Die TG RIR 232, S. 98, berichtet ganz klar,
daß die Befehle der [Link] die drei Infanterieregimenter der [Link] erreichten, dann aber
offenbar ausgesetzt und durch die Sicherung der Kanallinie und des Südteils von Cambrai
ersetzt wurden.
362
1452
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 4 zum Bericht der Gr Caudry: Fernspruch Gr
Caudry an [Link] vom 20.11.1917, 9.40 Uhr vorm.
1453
Siehe TG RIR 232, S. 98. Diese Handlungsweise erstaunt zutiefst, bedenkt man die
Situation, in der diese Befehle erteilt wurden. Die Gruppe kam damit allerdings einer -
durch die Lage zweifelsfrei überholten- Anordnung des AOK 2 vom Vortag nach, die ein
Regiment der [Link] als Armeereserve gefordert hatte; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a,
Anlage 3 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 232/Nov. Geheim! Armeebefehl Nr.
15/Nov. vom 19.11.1917, Ziff. 2.).
1454
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 22: Lagemeldung des LIR 387 vom 20.11.1917,
10.30 Uhr.
1455
Siehe ebenda, Bl. 25: Fernspruch der Gr Caudry an die 107. und [Link] vom
20.11.1917, 10.50 Uhr.
363
1456
Siehe ebenda, Bü. 373a, Anlage 5 zum Bericht der Gr Caudry: Fernspruch Gr Caudry
an 107. und [Link] von 10.50 Uhr.
1457
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 86.
1458
Als erster Teil der Artillerieverstärkungen kam die 1./[Link] 5 um 10.30 Uhr mit der
Bahn in Cambrai an. Die Batterie wurde auch sogleich ausgeladen, doch wegen
Munitionsmangels kam ihr Einsatz frühestens für den 21.11. in Frage; siehe
Schlörer/Schwinn: Kriegstagebuch der [Link] [Link]. Fußart.-Regiments, Bühl (Baden)
1919, S. 42.
1459
Die ersten Verbände, die ab 16.30 Uhr in Cambrai eintrafen, waren das III./[Link]
unter Major Brederlow, das II./RIR 98 und das III./[Link] 13. Diese wurden am Abend des
20.11. als „Regiment Brederlow“ auf das Schlachtfeld geschickt; siehe KA, 1 R. Korps, Bd.
169: [Link] Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: Erfahrungen im Kampf gegen Tanks
(III./[Link]).
1460
Die Morgenmeldung der Gruppe Caudry an das AOK 2 beinhaltete lediglich starkes
Artilleriefeuer bei Havrincourt seit 6 Uhr; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 142, Bl. 59. Die ersten
Archivalien zu Meldungen über Kampfhandlungen in den Gruppenakten des HStAS ließen
sich mit den Mittagsmeldungen der Divisionen (ebenda, Bl. 61ff.) auffinden, wobei ein
vorheriger, mündlicher oder fernmündlicher Austausch über die Lage zwischen den Stäben
364
anzunehmen ist. Ludendorff wurde um 8 Uhr von Major Stappf, dem Generalstabschef des
AOK 2, telefonisch über Einbrüche bei der Gruppe in Kenntnis gesetzt. Die Informationen
mußten zwangsweise vage sein, und auch erst für den Mittag des 20.11. finden sich in
Kronprinz Rupprechts Aufzeichnungen genauere Angaben zum Ausmaß des britischen
Angriffs; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394, und Frauenholz: Kronprinz
Rupprecht, Bd. 2, S. 291.
1461
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394.
1462
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Anlage 7 zum Bericht der Gr Caudry: Fernschreiben
AOK 2 Ia Nr. 260/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, 14.25 Uhr. Bezeichnend für die
undurchsichtige Lage war die ausdrückliche Aufforderung an die Gruppe Caudry, sie
umgehend zu klären. Zudem wurde die [Link] als Eingreifdivision bei der Gruppe Arras
vorgesehen und nicht nach Cambrai beordert. Artilleristische Unterstützung hatte das AOK
2 bereits am Morgen in Form einiger Batterien der Gruppen Quentin und Oise zugesagt;
siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 20: Fernspruch AOK 2 an Gr. Caudry von 10.30 Uhr.
Eine Betrachtung dieser beiden Gruppen dürfte mit allergrößter Wahrscheinlichkeit
ergeben, daß sie selbst, in Hinsicht auf Divisionsbreiten und Reserven, nun in einem
genauso desolaten Zustand waren, wie die Gruppen Arras und Caudry zuvor.
1463
Siehe TG RIR 232, S. 101, und Strutz: Tankschlacht, S. 59. Laut Strutz gab die [Link]
den Befehl zur Sprengung der Hauptbrücke von Masnières und der Eisenbahnbrücke
Marcoing um 13.15 Uhr.
1464
Siehe Köller, Max-Georg v.: Im Stab während der Schlacht, in Watter, S. 95. Es wäre
möglich, daß diese Gerüchte in engerem Zusammenhang mit dem Aufklärungsunternehmen
durch Tanks bei der britischen [Link] oder Vorstößen der [Link] auf
Anneux standen (s.u.).
365
Die Situation auf dem Schlachtfeld war bis zum Mittag so weit eskaliert,
daß die Verbände der [Link] mit einem Teil auf Moeuvres und über die
Straße Bapaume-Cambrai nach Norden und mit einem anderen Teil bis
östlich Graincourt zurückgedrängt worden waren 1465 . Verbindung zwischen
den einzelnen Verbänden gab es nicht mehr, demgemäß auch keine „Linie“.
Schutz gegen Tanks, namentlich durch das divisionseigene FAR 282, war
nach einigen Erfolgen nicht mehr vorhanden, da sich die Batterien
verschossen hatten und begannen, sich abzusetzen 1466 . Zeitweilige
Unterstützung kam nach dem Aufklaren der Sichtverhältnisse noch vom
FAR 213, dem es gelang, vorgehende Infanterie unter Beschuß zu nehmen
und, nach eigenen Angaben, bei Havrincourt und Graincourt insgesamt elf
Tanks abzuschießen 1467 . Die Lage in diesem Sektor war dessen ungeachtet
überaus kritisch, denn die Reste der [Link] konnten dem Druck der
britischen 36. und [Link] unmöglich standhalten und gaben den
direkten Weg auf ein primäres Operationsziel des Angriffs, die Höhe des
Bourlon-Waldes, schließlich frei 1468 . Dies blieb der britischen [Link]
nicht verborgen. Eine vorausgeschickte Patrouille von drei Tanks meldete
den Rückzug der Deutschen und daß der Wald feindfrei sei 1469 . Was nun zu
erwarten gewesen wäre, nämlich der Stoß gegen den Bourlon-Wald und
über die Römerstraße nach Cambrai, blieb aus. Ursache hierfür waren die
Ereignisse bei der Nachbardivision vor Flesquières, die für die [Link]
bei jedem weiteren Vorstoß die Gefahr einer offenen rechten Flanke mit
sich zu bringen schien. Daher befahl der Divisionskommandeur um 15.45
Uhr jedes weitere Vorgehen zu unterlassen, woran sich aber nur zum Teil
gehalten wurde. Die Römerstraße wurde noch überschritten und dortige
1465
Siehe TG LIR 384, S. 14.
1466
Siehe ebenda.
1467
Siehe TG FAR 213, S. 161ff. Die Feuerunterstützung kam von der 5./FAR 213, die
nahe des Regimentsgefechtsstandes des LIR 384 stand. Bis 16 Uhr war die Artillerie- und
Infanteriemunition bei der Batterie verschossen, und sie gab ihre Stellung auf.
1468
Siehe TG LIR 384, S. 14. Die Truppengeschichte gibt an, daß noch bis 19 Uhr bei
Cantaing und Moeuvres gehalten worden sei. Von koordiniertem Widerstand kann dabei
allerdings keine Rede sein. Der Regimentsstab und Versprengte des LIR 384 zogen sich
angesichts der aussichtslosen Lage ab 13.30 Uhr auf Cantaing und dann Proville zurück.
1469
Siehe Cooper: Cambrai, S. 123.
366
1470
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 86. Ob der Kommandeur der [Link] den Befehl zum
Halt nicht bekam oder er ihn einfach ignorierte, muß offen bleiben. Eine frühere Version
der Begründung für das ausgebliebene Vorgehen der [Link] gegen Bourlon legte nahe,
daß die Erschöpfung der Truppe ausschlaggebend gewesen sei; siehe William-Ellis: Tank
Corps, S. 111. Eine Auffassung, die sicher den Divisionskommandeur so lange vor Kritik
gegenüber seiner Risikofeindlichkeit bewahren konnte, bis das britische amtliche Werk
(1948) die Verhältnisse zumindest anhand der gegebenen Befehle (ohne Wertung)
richtigstellte.
1471
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 57 und S. 58.
1472
Bei der 4./FAR 213 soll es wegen der Hanglage ihrer Feuerstellung unmöglich gewesen
sein, die Geschütze vollständig aus den Deckungen zu bringen, so daß sie im Gefecht nur
begrenzt wirken konnten. Die 8./FAR 213 konnte nur ein Geschütz zum Einsatz gegen die
Tanks bringen, da die Feuerstände der beiden anderen Geschütze äußerst ungünstig
angelegt waren; siehe TG FAR 213, S. 160 und S. 167.
1473
Die TG FAR 108 machte hierzu keine detaillierten Aussagen, während das FAR 213 im
Zusammenhang mit der Tankbekämpfung bei Flesquières 18 Abschüsse für sich
reklamierte und von Feuerentfernungen zwischen mehr als 800 und etwa 275m sprach;
siehe TG FAR 213, S. 160ff., und Abschn. 9.6.
367
wenigstens an dieser Stelle der gute Teil des Tages, wie der Bericht eines
Panzerkommandanten des E-Bataillons bezeugen dürfte:
„The trench in question was on the reverse slope of Flesquières Ridge, and
therefore out of our side. On gaining the crest of the ridge we seemed to walk right
into it. Tanks were all over the place; some with noses up, some afire, but all
motionless. At the time we hardly realized what had happened, however we spotted
the offending trench, packed with Huns, fully exposed, and all their fire seemed
concentrated on our tank. [… .] About 20 yards into the German wire we received a
direct hit which left a gaping hole in the side of the tank and wounded everyone
except the driver and myself, but fortunately left the engine still running. As my
gunners were out of action, and another shell landed amongst the sprockets, I
ordered my driver to reverse out of the wire.” 1474
Nach einigen Angaben fielen hier wohl bis zu 28 Tanks aus 1475 , von denen
mindestens 18 vor Ort liegenblieben oder ausbrannten 1476 . Der Legende
nach, die maßgeblich auf Haigs Aussagen zur Schlacht basiert, gingen 16
Abschüsse auf das Konto eines einzelnen deutschen Artillerieoffiziers, über
den später noch zu sprechen sein wird 1477 . Die nahezu ohne Tankschutz
deckungslos angreifende britische Infanterie wurde den Rest des Tages von
den deutschen Verteidigern unter Major Krebs in wechselhaft verlaufende
Kämpfe ohne wirkliche Fortschritte verwickelt 1478 . Wie die mehr oder
weniger zeitnah zum Geschehen verfaßten Aussagen deutscher Teilnehmer
an diesen Kämpfen zeigen, trug der sichtbare Erfolg der Artillerie gegen die
Tanks wesentlich dazu bei, die zusammengewürfelte Truppe Krebs’ zum
1474
Zitiert nach Fletcher: Tanks and Trenches, S. 80f. Der Kommandant berichtete noch
davon, daß ein niedrig fliegendes deutsches Flugzeug abgeschossen wurde, was eine
zeitliche Einordnung des Geschehens vor 14 Uhr erlaubt. Für 13.40 und 14 Uhr meldete
nämlich die Besatzung eines deutschen Beobachters, daß „Flesquières Park“ noch gehalten
würde. Das Flugzeug wurde kurz darauf abgeschossen und die beiden Insassen schlugen
sich nach hinten durch; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 55f.: Fliegergruppe Caudry,
Abendmeldung vom 20.11.1917, Ziff. 9.).
1475
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 57ff. und S. 90, Anm. 1. Mit 26 Tanks griff die [Link]
der Division an und verlor sie alle. Von den 10 Tanks der [Link] wurden die vorderen
Fahrzeuge ebenfalls abgeschossen.
1476
Siehe Cave/Horsfall: Flesquières, S. 95. Im Gegensatz zu den Angaben in den MO wird
hier von insgesamt 28 ausgefallenen Tanks gesprochen.
1477
Siehe Abschn. 9.6.
1478
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 82f.
368
1479
Siehe etwa TG RIR 27, S. 379, mit der Aussage eines Unteroffiziers der 6./RIR 27:
„Warum nur unsere Artillerie nicht schießt? Nach Hilfe ausschauend, gleitet rückwärts der
Blick. Da fährt hinter uns ein Geschütz auf, protzt ab und richtet das Rohr. Achtung! hallt’s
zu uns herüber. Schon saust der erste Schuß über unsere Köpfe weg. Dicht beim Tank
schlägt er ein. Der versucht zurückzuschleichen. Vergebens! Der zweite Schuß sitzt schon.“
1480
Siehe ebenda, S. 378, Bericht des Schützen Göpel, [Link]/RIR 27. Unter dem Bericht,
der damit endet, daß eine Gruppe auf den Tank zugehender Leute auf die britische
Infanterie trifft und abgewiesen wird, findet sich der Hinweis auf einen Artikel im
„Ronneburger Tageblatt“ vom 31.3.1918. Der Inhalt des Berichts, so wie er in der TG
veröffentlicht wurde, läßt seinen Gebrauch im Sinne deutscher Propaganda und damit das
Wohlwollen der Zensurstellen sehr gut möglich erscheinen. Immerhin zeigte er
persönlichen Mut, das Vorbild des Führers, die Stärke des Willens und der Männer
gegenüber der Technik und nicht zuletzt auch die Bösartigkeit des Feindes, der dem Bericht
zufolge zwei gefallene Unteroffiziere ausplünderte. Der Tenor anderer, unzweifelhaft nicht
propagandistisch genutzter Berichte und Aussagen der TG in Hinsicht auf die
Motivationslage der Verteidiger von Flesquières wurde jedenfalls getroffen, weshalb der
Auszug an dieser Stelle auch zitiert wurde.
1481
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 86, und Cave/Horsfall: Flesquières, S. 58.
369
Uhr angeregten Angriff mit Teilen der [Link] und der [Link]-
Division in den Rücken und die Südflanke der deutschen Verteidiger bei
Flesquières kam es nicht mehr, da die Koordination und Durchführung des
Unternehmens vor Einruch der Dunkelheit nicht realisierbar schienen 1482 .
Ganz anders sah die Lage weiter südlich aus, wo sich die Angreifer in
großer Zahl auf die Übergänge des Schelde-Kanals zu bewegte. Die Lage
des LIR 387, von dem kaum Informationen geblieben sind, ist äußerst
unklar, doch dürften sich seine Reste, zusammen mit den noch nicht
gefangenen oder aufgeriebenen Kampfgruppen der IR 84, RIR 27 und 90,
im Rückzug auf Noyelles, Marcoing und Masnières befunden haben 1483 .
Tanks waren überall im Gelände sichtbar und wo sich Widerstand zeigte,
gingen sie augenblicklich gegen die Verteidiger vor, denen der Schock
unzweifelhaft tief in den Knochen saß und denen die Munition auszugehen
drohte 1484 . Auch beim RIR 19 stand nun der Kanal –zwischen südöstlich
Masnières und Crèvecoeur- im Mittelpunkt der Kämpfe und nicht mehr die
vorgelagerte Hauptstellung. Immerhin konnte nach dem Einsatz eines
herangeführten Bataillons des IR 395 die Nordflanke der [Link] von der S-I-
Stellung bei Banteux in Richtung Nordosten gehalten werden 1485 , nachdem
auch in diesem Abschnitt der Kampffront alle verfügbaren Kräfte zur
1482
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 83.
1483
Die genauen Verluste am ersten Schlachttag sind schwer zu eruieren. Für das IR 84 und
RIR 90 führt Strutz allerdings eine Kampfstärkemeldung vom Morgen des 21.11. an. Vom
IR 84 waren 7 Offiziere, 1 Arzt und 181 Mann vorhanden, vom RIR 90 noch 4 Offiziere
und 229 Mann; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 72. Die TG LIR 384, S. 16, nennt für
denselben Zeitpunkt eine Regimentsstärke von 250 Mann mit 6 Maschinengewehren.
1484
Siehe BA-MA, MSg 101/242: Aussagen der am 20. und 21.11.1917 gefangenen
Offiziere des RIR 90, S. 4. Lt. Schmid, 11./RIR 90, sagte aus, daß seine
Verteidigungsstellung vor Marcoing nahezu vollständig eingeschlossen wurde, während
seine Soldaten durchschnittlich noch 10-15 Schuß Munition gehabt hätten und vier Tanks
auf Minimalentfernung zu feuern begannen bzw. sich der Position von den Flanken her
näherten. Es herrschte „groesste Verwirrung unter den Leuten“. Nach seiner Darstellung
gingen Einzelne bereits selbständig zurück und ließen sich nur teilweise wieder durch
Vorgesetzte daran hindern.
1485
Siehe TG RIR 19, S. 292.
370
1486
Siehe ebenda, S. 297. Es handelte sich maßgeblich um Angehörige der Bagagen und
das Personal eines Ausbildungskurses, die auch einige Maschinengewehre mitbrachten.
1487
Ein vorgeschobener Zug der 5./RFAR 9, der gegen 10 Uhr von Tanks überrollt wurde,
zwei lFH der 9./RFAR 9 und vier 15cm Ringkanonen, welche um 10.50 Uhr vom Feind an
der Zwischen-Stellung am Lateau-Wald genommen wurden; siehe TG RFAR 9, S. 221.
1488
Bspw. fielen dem letzten einsatzbereiten Geschütz der 9./RFAR 9 fünf Tanks zum
Opfer, ein weiterer wurde laut TG RIR 19 durch eine gerade ankommende 12cm Batterie
unbekannter Herkunft am Lateau-Wald zerstört; siehe TG RFAR 9, S. 222, bzw. RG RIR
19, S. 293f.
1489
Siehe dazu einige Schilderungen in MO 1917, Bd. 3, S. 66f.
1490
Siehe TG RIR 19, S. 297. Zuerst kamen zwei Kompanien des Rekrutendepots der
[Link], dann das Ruhebataillon des IR 395.
1491
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 64f. Warum die Sprengung der Brücke fehlgeschlagen war,
konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden.
371
1492
Siehe ebenda, S. 69.
1493
Siehe ebenda.
1494
Siehe ebenda, S. 65f.
1495
Siehe TG RIR 90, S. 242. Nach Aussage der TG sei die Zeit zum Sprengen zu kurz
gewesen. Siehe dazu auch Strutz: Tankschlacht, S. 59.
1496
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 73.
1497
Siehe ebenda, S. 74f., und Strutz: Tankschlacht, S. 59ff. Die TG RIR 227, S. 416,
spricht von drei Tanks, die an der Flot Ferme erschienen.
1498
Siehe TG RIR 232, S. 100, und Strutz: Tankschlacht, S. 58, wo ausdrücklich von der
Sprengung durch Pioniere berichtet wird.
1499
Siehe TG RIR 232, S. 98ff, und TG RIR 52, S. 403f.
372
Kräften abgewiesen 1500 und die vor Ort sichtbaren Tanks von mindestens
einer plötzlich auftauchenden Kraftwagen-Flak unter Feuer genommen 1501 .
An der Flot Ferme gelang es Angehörigen des RIR 227 –nach Aussage der
Truppengeschichte- mit Maschinengewehrfeuer einen der angreifenden
Tanks zum Stehen und durch anhaltenden SmK- und Minenwerferbeschuß
die beiden anderen Wagen zum Abdrehen auf Marcoing zu zwingen 1502 .
Daß ein weiterer Abschuß durch eine in der Truppengeschichte des RIR 27
genannte Kraftwagen-Flak erreicht wurde, ist trotz der schwierig zu
klärenden Details immerhin wahrscheinlich, da ausdrücklich angegeben
wurde, daß das abgeschossene Fahrzeug eingehend begutachtet wurde und
keine Beschädigungen durch Infanterie- beziehungsweise
Maschinengewehrbeschuß aufwies 1503 . Wie das britische amtliche Werk
1500
Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 65, und TG RIR 52, S. 405.
1501
Siehe TG RIR 52, S. 404 .Zwei K-Flak im Einsatz gegen Tanks an diesem Ort nennt
Strutz: Tankschlacht, S. 64, wobei es sich beim zweiten Geschütz um jenes gehandelt
haben dürfte, das an der Flot Ferme (s.u.) eingesetzt war. In die Abendmeldung des
zuständigen Flakgruppen-Kommandeurs fand dieses Geschehen keinen Eingang, berichtet
wurde lediglich von einem Tankabschuß am Lateau-Wald durch einen Zug der Flakbatterie
710 um etwa [Link]; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 143, Bl. 57: Flakgruppen-Kdr. 4,
Abendmeldung vom 20.11.1917.
1502
Siehe TG RIR 227, S. 416, und TG RIR 27, S. 399.
1503
Siehe TG RIR 27, S. 399: „ [...] ein Fliegerabwehrgeschütz war bis auf 500m
herangefahren und feuerte auch den ersten Tank, welcher nach ungefähr 25 Schüssen etwas
von der Straße abbog und in einem Ackerstück stehen blieb; fünf Mann der Besatzung
entflohen, als [Link]. Bergmann mit fünf Leuten, unter denen auch ich [ein gewisser
Musketier Kunze des RIR 27] mich befand, sich dem Tank näherte. [... .] Wir bargen die
fünf Maschinengewehre sowie zwei Brieftauben. Ich suchte noch an den Außenwänden
nach den Einschlägen der Infanteriegeschosse, fand aber nirgends ein Loch oder eine
Verbeulung, und nehme daher an, daß die Geschosse ohne Wirkung sind, nur könnten sie
durch die Schießscharten die [Link]ützen oder den Führer unschädlich machen.“ Die
spätere Aufnahme von Tankabschüssen, wie sie Borchert vornahm, weist einen
abgeschossenen weiblichen Tank zwischen Kanal und Bahnlinie südöstlich Flot Ferme aus,
während ein zweiter direkt vor Rumilly an der Straße nach Cambrai lag. Letzterer könnte
durch die K-Flak, der erste Tank durch das RIR 227 zum Stehen gebracht worden sein,
wobei die Frage bleibt, wie und wann die Soldaten des RIR 27 diesen begutachteten.
Zudem ist es möglich, daß der Tank an der Straße erst am nächsten Tag dort zum Stehen
373
kam; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105. Zur Verortung von Tankabschüsse siehe Borchert:
Tanks, Karte 1.
1504
Nach Informationen über die Homepage des Amts für Umweltschutz und
Stadtklimatologie der Stadt Stuttgart war der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs am
20.11.1917 in Paris 17.06 Uhr; siehe H[Link]
[Link]/mirror/[Link] .
1505
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 69f.
1506
Siehe TG FAR 213, S. 171ff. Es handelte sich um die 2./ und die 3./FAR 213. Die
Stellung der [Link] wurde durch die auf die S-II-Stellung vorgehenden Kräfte des
Feldrekrutendepots wieder gewonnen, und die Geschütze konnten abends noch
zurückgezogen werden. Die 1./FAR 213 war ab 16 Uhr bei Cantaing in Stellung gegangen,
ihr boten sich allerdings am 20.11. keine Einsatzmöglichkeiten mehr; siehe ebenda, S. 170.
1507
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 72, TG RIR 19, S. 297, und Strutz: Tankschlacht, S. 62f.
1508
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 71.
374
mehr 1509 , und mit dem schwindenden Tageslicht schliefen auch hier die
Kampfhandlungen ein- so weit ein, daß es der deutschen Seite möglich
wurde, durch Patrouillen mit den Verteidigern von Flesquières in Kontakt
zu treten 1510 . Flesquières wurde am frühen Morgen des [Link]
geräumt, und die knapp 600 Verteidiger zogen sich zuerst auf die deutsche
Linie bei Cantaing und dann nach Cambrai zurück 1511 .
Welch große Bedeutung der Widerstand bei Flesquières und der Aufbau
einer Verteidigungslinie bis zum Abend des ersten Tages der Schlacht auf
den Verlauf der Kämpfe und das Ergebnis der Schlacht insgesamt hatte, war
der deutschen Seite zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Mit der
Wiederaufnahme des Durchbruchsversuches durch den Feind war am
nächsten Tag zu rechnen und die eigene Lage angesichts der schweren
Verluste und trotz der bereits eingetroffenen Verstärkungen weiterhin
kritisch 1512 . Mit etwa 100 Geschützen war der größte Teil der
Stellungsartillerie verlorengegangen und die Zahl von allein 5.000
Gefangenen, welche die Briten bei ihrem Stoß, der stellenweise bis zu 7km
Tiefe in die deutschen Stellungen reichte, gemacht haben sollen, scheint
nicht zu hoch gegriffen zu sein 1513 .
Bis zum Morgen des [Link] wurden durch das AOK 2 verschiedene
Befehle an die Gruppen Arras und Caudry gegeben, die den Einsatz der
Verstärkungen, jetzt auch durch die 3. und [Link], die 34. und die [Link]
sowie sehr zahlreiche Artillerieformationen 1514 , regelten 1515 . Unter anderem
1509
Siehe ebenda, S. 72.
1510
Siehe TG RIR 232, S. 101.
1511
Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 68.
1512
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 9, und Strutz: Tankschlacht, S. 72.
1513
Siehe RA, Bd. 13, S. 130f. Tatsächlich führte eine Verlustaufstellung der Gr Caudry
mit „annähernden Zahlen“ für die [Link] und [Link] zusammen etwa 7.300 vermißte
Offiziere und Mannschaften an. Den allergrößten Teil dieser Soldaten dürften die
Gefangenen des ersten Schlachttages ausgemacht haben; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a:
Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 21.
1514
Das AOK 2 kündigte für die Gr Arras 12 und für die Gr Caudry 20 Feld- und
Fußartillerie-Batterien an, dazu als Armeereserve weitere 45 Batterien; siehe HStAS, M
33/2, Bü. 373a: Anlage 17 zum Bericht der Gr Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 296/Nov. Geheim!
vom 21.11.1917.
375
Sehr zum Erstaunen der deutschen Führung vor Ort kam es bis zum Mittag
des [Link] nicht zu einem massiven Angriff des Feindes. Beobachtet
wurden lediglich Bereitstellungen und Brückenbauarbeiten bei Masnières,
während auf den deutschen Stellungen stärkeres Artilleriefeuer lag und es
an einigen Stellen mehr oder minder intensive Plänkeleien gab 1518 .
Das RIR 232 hatte nach einem für den frühen Morgen -offenbar in
Verkennung der Lage und vorhandener Kräfte durch die deutsche
Führung 1519 - angedachten Gegenangriff auf Noyelles am Mittag begonnen
und war in den Ort eingedrungen, wo es zu Häuserkämpfen kam 1520 . Dann,
zwischen 12 und 13 Uhr, wiederholte sich der Machart nach das Bild vom
Vortag, wenngleich die Briten auch mit bescheideneren Mitteln angriffen.
Von Schlachtfliegern unterstützte Tanks und Sturmtruppen griffen die
deutschen Stellungen zwischen Moeuvres und Bourlon-Wald, bei Anneux,
1515
Siehe ebenda, Anlage 9: AOK 2 Ia/b Nr. 283/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, und
ebenda, Anlage 10: AOK 2 Ia Nr. 280/Nov. Vom 20.11.1917, 22.20 Uhr.
1516
Siehe ebenda, Anlage 10.
1517
Siehe ebenda, Anlage 11: Fernspruch der Gr Caudry an die [Link], [Link] und [Link] vom
21.11.1917, 10.40 Uhr. Siehe auch ebenda, Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 9.
1518
Siehe ebenda, Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom 30.12.1917, S. 10, und
Strutz: Tankschlacht, S. 70.
1519
Wer letztendlich den Befehl dazu gegeben hat, ist unklar. Jedenfalls hatte das AOK 2
noch am 20.11.1917 angeordnet, daß „planmäßige Gegenangriffe“ vorzubereiten seien.
Inwieweit sich diese auf die Idee zu einem massiven Gegenangriff, wie er dann am
30.11.1917 erfolgte (siehe Abschn. 9.5.), bezog und nicht auf zeitnahe Einzelaktionen,
bleibt ebenfalls fraglich; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Anlage 9 zum Bericht der Gr
Caudry: AOK 2 Ia/b Nr. 283/Nov. Geheim! vom 20.11.1917, Ziff. 1.)b).
1520
Siehe TG RIR 232, S. 103f.
376
bei Cantaing und beiderseits Rumilly an 1521 . Die Anzahl der eingesetzten
Tanks lag mit vielleicht 49 zwar deutlich unter der Größenordnung des
Vortages 1522 , doch auf der anderen Seite war nun auch die deutsche
Tankabwehr, repräsentiert durch Artillerie und SmK-Munition, so gut wie
nicht mehr existent 1523 . Die deutschen Verteidiger, einschließlich der nach
und nach eintreffenden Verstärkungen, hatten mit Masse auch noch niemals
gegen Tanks zu kämpfen gehabt und waren, so wie man es für die britischen
Tankbesatzungen angeführt findet 1524 , durchaus erschöpft, als sie in die
Gefechte eintraten.
Der Schwerpunkt der Operationen war von der britischen Führung in den
Nord- und Nordostbereich des Schlachtfeldes verlegt worden und zielte auf
die Wegnahme des Höhenzuges mit dem Bourlon-Wald und die
Erkämpfung des direkten Weges nach Cambrai über die von Bapaume
führende Straße 1525 . Die Fortsetzung des Angriffs in diese Richtung
versprach zumindest noch für den [Link] einen umfassenden Erfolg,
da mit dem Eintreffen umfangreicher deutscher Verstärkungen vor dem
nächsten Tag nicht gerechnet wurde 1526 .
Zwischen Moeuvres und Bourlon kam es am Nachmittag zu einigen
Fortschritten, so daß einige Tanks bis in den Südwestrand des Waldes
vordringen konnten 1527 . Die Infanterie war hierbei allerdings
zurückgeblieben und traf bei ihrem Vorgehen auf entschiedene
Gegenwehr 1528 , die maßgeblich auch auf den Einsatz einer kurz zuvor hinter
der [Link] bereitgestellten „Eingreifstaffel“ der [Link] beruhte 1529 . Auf der
anderen Seite des Schlachtfeldes, in der S-II-Stellung bei der Flot Ferme
1521
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 11ff.
1522
Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.
1523
Siehe TG RIR 232, S. 103ff., und TG RIR 52, S. 410f.
1524
Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.
1525
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 92f.
1526
Siehe Smithers: Cambrai, S. 124.
1527
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 113.
1528
Siehe ebenda.
1529
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 11.
377
und südlich, wo es seit dem Vortag einen Brückenkopf auf dem Ostufer des
Schelde-Kanals gab, griff britische Infanterie mit etwa zehn Tanks die
Stellungen des als Verstärkung eingerückten „Regiments Brederlow“ ab
Mittag an. Dessen Lage war ohne Artillerieunterstützung längere Zeit
überaus kritisch, doch zusammengefaßtes Maschinengewehr- und
Infanteriefeuer, zuerst auch noch mit SmK-, dann nur noch mit
gewöhnlicher Munition, zwang einige Tanks zum Umkehren 1530 . Andere
wurden von der Infanterie durch die eigene Linie gelassen, und es wurde
dann erfolgreich versucht, ihrem Feuer durch „elastisches Ausweichen“,
stetige Bewegungen und Schwenkungen innerhalb der
Verteidigungsstellung, zu entgehen, während man die britische Infanterie
mit unausgesetztem Beschuß auf Distanz hielt 1531 . Den Ausschlag
zugunsten der Deutschen brachte schließlich ein gerade vor Ort
eintreffender Zug der 7./RFAR 63, der auf freiem Feld abprotzte und
augenblicklich die Tanks unter Feuer nahm:
„Die Lage war kritisch; 3 Tanks waren durchgestoßen bis etwa 300m vor den
Regts.-Gefechtsstand; da erschien im Galopp ein Zug Artillerie, fuhr auf und neben
der Chaussee hinter diesem auf und eröffnete sofort das Feuer auf etwa 800-1000m,
das sehr gut lag. Der Führer-Tank, an seinen Bewegungen als solcher vermutet und
sehr schneidig vorgehend, wurde sofort in Brand geschossen; etwa 5-7 Tanks
wurden auf diese Weise erledigt, blieben liegen, teilweise brennend; Rest fuhr
zurück.“ 1532
Anders als soeben geschildert, wurden wohl nur zwei Tanks tatsächlich
zerstört und blieben mit einem weiteren zusammen, der sich festgefahren
1530
Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: [Link] Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: „Die K.-Munition
ging bald aus; das Feuer wurde mit S.-Munition fortgesetzt und hatte sichtlich auch gute
Wirkung, wahrscheinlich gegen die Schlitze, da das zusammengefaßte Massenfeuer, auch
der Infanterie, zweifellos, durch die Schlitze gehend, im Innern der Tanks durch
Splitterwirkung sich unangenehm bemerkbar gemacht haben wird. Jedenfalls drehte ein
Teil der Tanks ab und fuhr zurück.“ Das britische amtliche Werk bestätigte darüber hinaus
zahlreiche Durchschüsse durch die Panzerung der Tanks und urteilte über das Geschehen,
daß an dieser Stelle deutlich geworden war, daß die Mark IV nicht sicher gegen SmK-
Beschuß waren; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 104f.
1531
Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: [Link] Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917.
1532
Zitiert nach ebenda. Siehe dazu auch Strutz: Tankschlacht, S. 90.
378
hatte, auf dem Gefechtsfeld stehen 1533 . Zahlreiche andere Fahrzeuge waren
aber wenigstens so schwer beschädigt worden, daß sie das Gefecht
abbrechen mußten 1534 . Fortschritte wurden von der britischen Infanterie in
diesem Frontabschnitt am [Link] nicht mehr gemacht.
Im Zentrum des Schlachtfeldes, von Noyelles aus nach Norden, waren etwa
20-30 Tanks, einige Schwadronen und starke Infanteriekräfte vorgestoßen.
Für die Soldaten des RIR 232, die am Vormittag in Noyelles eingedrungen
waren, bot sich infolgedessen nur der Rückzug auf das Ostufer des
Kanals 1535 und, angesichts der überlegenen Massen und der Hilflosigkeit
gegenüber den Tanks, von denen nur einige wenige durch SmK-Beschuß
unschädlich gemacht werden konnten 1536 , auch für die nördlich
anschließenden Teile schließlich nur das Absetzen nach rückwärts an.
Cantaing und Anneux wurden nach hartem Kampf vom Angreifer erobert,
und um etwa 17 Uhr wurde deutscherseits das Zurückgehen auf eine neue
Verteidigungslinie, die zumindest dem Namen nach vorhandene Wotan-III-
Stellung hinter Fontaine, befohlen 1537 . Von den Tanks, die den
zurückgehenden Resten der deutschen Stellungsbesatzung nach Fontaine
folgten, konnten drei durch eine K-Flak der Batterie 7 zerstört werden 1538 ,
bevor der Ort in britische Hände fiel.
Obwohl der [Link] nicht gebracht hatte, was man auf Seite der
britischen Führung erhofft hatte, entschloß sich Haig zur Fortsetzung der
Operation wenigstens im nördlichen Abschnitt des bisherigen
1533
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105. Die Truppengeschichte des RFAR 63 nennt lediglich
einen sicheren Abschuß und daß zwei andere Tanks nach Treffern umkehrten; siehe
Parrisius, Felix: Geschichte des Res.-Feldartillerie-Regiments Nr. 63 (Erinnerungsblätter
deutscher Regimenter, Bd. 141), Oldenburg 1925, S. 96.
1534
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 105: „The tanks of A and F Battalions were, in the words of
one commander, ‚badly mauled’. Only three were lost, two by direct hits from enemy field
guns and one which reached Rumilly was stranded there, and remained in enemy hands; but
several had been set on fire and many were holed by armour piercing bullets.“
1535
Siehe TG RIR 232, S. 106.
1536
Siehe TG RIR 52, S. 415f., und TG RIR 232, S. 105.
1537
Siehe TG RIR 52, S. 421.
1538
Siehe TG FAR 213, S. 177.
379
Kampfraumes 1539 . Es waren noch Reserven vorhanden und man nahm an,
daß die deutschen Verstärkungen nicht ausreichen würden, um die erlittenen
Verluste zu decken. Außerdem würde die Front in Italien durch weitere
Angriffe indirekt zu stützen sein. Dieser Entschluß Haigs stand in
deutlichem Gegensatz zu den Grundsätzen, die dem Operationsplan in
seiner ursprünglichen und seiner dann am [Link] durchgeführten
Form zugrunde gelegen hatten. Ein Rückzug aus dem neugeschaffenen
Frontbogen vor Cambrai scheint außerhalb aller Überlegungen gelegen zu
haben 1540 , und der Wille der Deutschen, ihre Niederlage nicht größer
werden zu lassen, sowie die deutschen Kräfte, die dafür nach dem Ende der
Flandernschlacht frei waren, wurden ganz offensichtlich unterschätzt, ohne
sich der Begründung der früher getroffenen 48 Stunden-Regelung noch
bewußt zu sein 1541 . Dazu war gerade wegen der Lage in Italien die
Möglichkeit gegeben, daß britische Kräfte dorthin transferiert werden
müßten 1542 , und daß sich die geringen Reserven, die drei Divisionen des
[Link], bei der Fortsetzung der Operation gegen zahlreich herangeführte
deutsche Truppen relativ schnell verbrauchen könnten. Von einem
irgendwie gearteten Überraschungsfaktor konnte ebenfalls keine Rede mehr
sein. Die britischen Luftstreitkräfte wurden ab dem [Link] massiv
mit deutschen Fliegern konfrontiert, wobei schwere Verluste eintraten 1543 ,
1539
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 115f.
1540
So wurde als Grund für die Fortsetzung der Operation im Nordteil des genommenen
Geländes, direkt vor dem Höhenzug des Bourlon-Waldes, angeführt, daß die dortigen
britischen Stellungen vollständig vom Feind eingesehen werden konnten und sich daher
nicht für dauerhafte Verteidigung eigneten; siehe ebenda, S. 116, und Golla: Tanks; S. 64.
1541
Siehe Kap. 9.
1542
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 115f.. Die Rückgabe von zwei für Italien bestimmten
Divisionen wurde von Robertson für möglich erklärt, doch diese Entscheidung mußte
zwangsläufig von der Lageentwicklung auf dem italienischen Kriegsschauplatz abhängig
sein.
1543
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 133, Strutz: Tankschlacht, S. 102, und Bodenschatz, Karl:
Jagd in Flanderns Himmel. Aus sechzehn Kampfmonaten des Jagdgeschwaders Freiherr
von Richthofen, München 61941, S. 56f. Die deutsche Führung hatte zudem schon am
22.11. den rücksichtslosen Schlachtfliegereinsatz mit Maschinengewehren und Bomben
gegen Infanterie und Tanks gefordert; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 241: Kommandeur der
Flieger beim AOK 2 Abt. I Br.-B. Nr. 5143 vom 22.11.1917.
380
und die Hauptwaffe des ersten Angriffstages, das Tank Corps, verschliß sich
unter den Dauerbelastungen tagelangen Einsatzes zusehends. Schon am
Mittag des [Link] wurde das Herausziehen der augenblicklich nicht
im Kampf befindlichen Fahrzeuge zur Auffrischung befohlen und dann am
27. ihr vollständiger Abtransport befohlen 1544 . Bis zu diesem Tag, der
eigentlich das Ende der Kampfhandlungen bei Cambrai hätte bedeuten
können, aber letztendlich nur den Abschluß ihrer ersten Phase markierte,
kam es zu anhaltend schweren Kampfhandlungen um den Besitz von
Fontaine, Bourlon und den Bourlon-Wald.
Noch am [Link], der von britischer Seite für die Vorbereitung eines
Großangriffs am Folgetag genutzt werden sollte und verhältnismäßig ruhig
blieb 1545 , wurde Fontaine durch einen lokalen deutschen Angriff
genommen 1546 , und am Vormittag des 23. wiederum von britischer
Infanterie und zahlreichen Tanks angegriffen. Die Masse der Infanterie der
britischen [Link] wurde dabei von den Verteidigern durch Feuer
festgehalten, während diese die Tanks in das Dorf durchstoßen ließen und
sich dort mit ihnen im Nahkampf mit Maschinengewehren und
Handgranaten erfolgreich auseinandersetzten:
„One tank commander reported that when his tank entered the village everything
appeared very peaceful and it was difficult to find anything at which to shoot.
Suddenly, as if at a given signal, a terrific fire was opened from all sides, upon his
tank, chiefly with armour-piercing bullets. In a moment the tank was full of smoke
and flame, and most of its guns were put of action in a few minutes.“ 1547
1544
Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 17.
1545
Am frühen Morgen erfolgte ein britischer Vorstoß bei Crèvecoeur und Rumilly, der
jedoch abgewiesen wurde; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373: Gr Caudry zur Tankschlacht bei
Cambrai vom 30.12.1917, S. 13.
1546
Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 99.
1547
Zitiert nach MO 1917, Bd. 3, S. 127, Anm. 3.
1548
Siehe Strutz: Tankschlacht, S.103f., und MO 1917, Bd. 3, S. 127.
381
1549
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917, S. 16. Das britische amtliche Werk bezifferte die Tankausfälle beim Kampf um
das Dorf auf insgesamt 13; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 128. Deutlich mehr, nämlich 20
zerstörte Tanks, nannte die [Link] in ihrem Bericht zu den Kämpfen bei Cambrai; siehe
HStAS, M 33/2, Bü. 241: [Link] Ia Nr. 2292 vom 28.11.1917.
1550
Siehe Abschn. 3.3. mit Ausführungen zum Angriff auf den Fureaux-Wald am
15.9.1916.
1551
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 131. Ausdrücklich wurde auf den gleichartigen Charakter der
Kämpfe um Fontaine und Bourlon hingewiesen.
1552
Siehe Hansch, Johannes/Weidling, Fritz: Das Colbergsche Grenadier-Regiment Graf
Gneisenau ([Link]) Nr. 9 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher
Regimenter, Bd. 283), Berlin/Oldenburg 1929, S. 441f.
1553
Siehe Schulenburg-Wolfsburg, Graf v.d. (Bearb.): Geschichte des Garde-Füsilier-
Regiments (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 157), Berlin/Oldenburg 1926, S.
191ff.
382
1554
Siehe bspw. MO 1917, Bd. 3, S. 153: „The two companies of Grenadiers moving south
of the Bapaume-Cambrai road were almost wiped out by machine-gun fire from the
direction of la Folie Wood [südöstlich Fontaine]: All officers and N.C.O.’s fell, save one
sergeant who, with six men, fought his way trough to Fontaine church. Here he joined some
of the other two companies of the battalion which, in spite of the help the tanks had given
them, had also suffered heavily.” Siehe auch ebenda, S. 154.
1555
Siehe ebenda, S. 154.
1556
Siehe Moore, William: A Wood Called Bourlon. The cover-up after Cambrai, London
1988, S. 137.
1557
Siehe Strutz: Tankschlacht, S. 112ff.
1558
Siehe ebenda, S. 159ff., MO 1917, Bd. 3, S. 155f., und TG GR 9, S. 453.
1559
Siehe TG GFR, S. 195. Eine genauere Beschreibung der Machart dieser Fallen fehlt
leider, doch wird auf S. 196 auf Straßensperren Bezug genommen. Siehe auch MO 1917,
Bd. 3, S. 158, wo ausdrücklich von starken Barrikaden („strong barricades, stoutly
defended“) gesprochen wird, und bei Strutz: Tankschlacht, S. 166. Für die Anlage echter
383
denken kann, und Feldartillerie stand, auch mit zwei ins Dorf vorgezogenen
Geschützen, zur Sturm- und Tankabwehr bereit 1560 . Die Barrikaden
behinderten die Tanks beim Eindringen in das Dorf, und nach deutscher
Darstellung wurden drei durch die beiden Tankabwehrgeschütze
kampfunfähig gemacht sowie vier weitere auf spektakuläre Weise durch
Infanteristen außer Gefecht gesetzt 1561 :
„Leute der [Link]. kletterten zur größten Belustigung aller von hinten auf
zwei fahrende Tanks und brachten dieselben nach einer Rundfahrt durch den ganzen
Ort durch Hineinwerfen von Handgranaten von oben schließlich zum Stehen. Die
Unteroffiziere Donath und Meißner [Link]. setzten zwei weitere Tanks durch
geballte Ladungen und Handgranaten außer Gefecht und vernichteten die Mehrzahl
der Besatzungen, den Rest nahmen sie gefangen; die sofortige Verleihung des E.K. 1
war die Belohnung.“ 1562
„Fallen“ oder „Fallgruben“, wie sie für die passive Tankabwehr früher vorgeschlagen
worden waren, dürfte mit allergrößter Sicherheit die Zeit gefehlt haben.
1560
Siehe TG GFR, S. 196, und Strutz: Tankschlacht, S. 165.
1561
Im Zusammenhang mit den Zahlenangaben zu eingesetzten und zerstörten Tanks ist
eine Anmerkung Strutz’ von Interesse: „Die Zahl der abgeschossenen Tanks läßt sich
infolge der vielen Widersprüche, die ebenso wie am 20. oder 23.11. vorhanden sind, nicht
einwandfrei angeben, auch über die Zahl der gegen diesen Abschnitt [Dorf Bourlon]
vorgehenden Tanks lauten die Berichte verschieden, III./Garde-Füs.-Regts meldete ‚etwa
10 Tanks’.“ Zitiert nach Strutz: Tankschlacht, S. 165.
1562
Zitiert nach TG GFR, S. 196.
1563
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 158.
1564
Siehe RA, Bd. 13, S. 131, bzw. MO 1917, Bd. 3, S. 273.
384
deutlich höher, denn die deutsche Berechnung schloß auch etwa 10.000
Vermißte beziehungsweise Gefangene ein 1565 , deren größter Teil bereits am
ersten Schlachttag eingebracht worden war.
Das britische amtliche Werk formulierte die Lage nach dem [Link]
folgendermaßen:
„The limited success achieved by the Cambrai offensive now brought to a close,
had resulted in the creation of a British salient, some nine miles wide and four miles
deep, which was by no means easy to defend.“ 1566
1565
Die Gesamtzahl der deutschen Gefangenen belief sich am Ende der Kämpfe bei
Cambrai auf 11.100 Mann; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 273. Eine detaillierte Aufstellung der
britischen Verluste nach einzelnen Tagen existiert scheinbar nicht, sondern lediglich für
den Zeitraum 20.11.-8.12.1917; siehe ebenda, App. 22, S. 382.
1566
Zitiert nach ebenda, S. 164. Siehe auch Abschn. 9.2.
1567
Siehe BA-MA, RH 61/51766: Schreiben v. Ditfurths und Wetzells an die
Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres vom 28.1. bzw. 18.1.1939. Ditfurth
sagte hierin aus, daß Ludendorff und der Stabschef des AOK 2, Stappf, die Möglichkeit
eines deutschen Gegenangriffs auf einen tief und fest in einem „Sack“ gefangenen Gegner
bereits am 20.11.1917 diskutiert hätten. Und Wetzell berichtete davon, daß er mit Stappf
am Abend des 20. oder 21.11., der genaue Zeitpunkt war ihm nicht mehr bekannt, über die
Vorbedingungen einer solchen Unternehmung gesprochen habe. Dabei hätte man sich auf
die schnellstmögliche Umsetzung geeinigt, war sich allerdings auch bewußt, daß dafür
kurzfristig keine ausreichenden Kräfte vorhanden sein würden.
1568
Siehe ebenda, S. 5f., und HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die
Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 8f.
385
blieb 1569 . Der Wille des Feindes zur Fortsetzung seiner Unternehmungen bei
Cambrai schwand nach dem 27. augenscheinlich, der vormalige Angreifer
war in dem von ihm selbst geschaffenen Frontbogen gefesselt und zu drei
Seiten von den zahlreich herangezogenen deutschen Verstärkungen bei den
Gruppen Arras, Caudry und Busigny 1570 eingeschlossen.
Unter dem Decknamen „Winter“ sollte die Gruppe Busigny am
[Link] gegen 9 Uhr in Richtung Westen über Gonnelieu und Villers-
Guislain Richtung Gouzeaucourt und Fins vorstoßen, die Gruppe Caudry
bei „Götterdämmerung“ ihre seit dem [Link] verlorenen Teile der
Siegfried-Stellung zurückgewinnen und die Gruppe Arras unter dem
Tarnbegriff „Sturmflut“ 1571 , ab 12 Uhr und „soweit es noch möglich ist“,
westlich des Bourlon-Waldes angreifen 1572 . Das Unternehmen hatte,
abgesehen von den teilweise sehr verheißungsvollen Kodenamen und einem
den umfassenden Sieg versprechenden Tagesbefehl des
Armeeoberbefehlshabers 1573 , vor allem den Charakter eines begrenzten
1569
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 4. Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 344f.
1570
Es handelte sich um das GK [Link] (v. Kathen), das am 23.11.1917 zwischen Gr
Caudry und Gr Quentin eingeschoben worden war; siehe Strutz: Tankschlacht, S. 187.
1571
Oder auch nur noch „Flut“, nachdem das AOK 2 das zeitlich versetzte Antreten der Gr
Arras befohlen hatte und das Gruppenkommando davon alles andere als erbaut war; siehe
BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei
Cambrai 1917, S. 27, und Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 346.
1572
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 12: Armeebefehl AOK 2 Ia Nr. 631/Nov. vom 28.11.1917.
Siehe auch Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 345.
1573
Siehe BA-MA, MSg 101/200: Armeebefehl AOK 2 vom 29.11.1917: „Soldaten der
[Link]! Der Engländer hat durch überraschenden Einsatz von zahlreichen Tanks am
[Link]. einen Erfolg bei Cambrai errungen, durchzustoßen, wie er es wollte, ist ihm Dank
des glänzenden Widerstandes der hierfür eingesetzten Truppen nicht gelungen. Jetzt wollen
wir ihm durch umfassenden Gegenangriff aus seinem Anfangs-Erfolge eine Niederlage
bereiten. Das Vaterland blickt auf Euch und erwartet, dass jeder seine Pflicht tun wird. Also
drauf, mit Gottes Hülfe zum Sieg!“ Als Verteiler nennt der Armeebefehl die Einheiten bis
einschließlich der Bataillone und Feldartillerie-Abteilungen.
386
Angriffs, dem primär die „Abschnürung eines Teils der feindlichen Kräfte
im Bourlon-Wald und bei Marcoing“ zugrunde lag 1574 .
1574
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 28.
1575
Abb. nach Banks, S. 174.
387
1576
Siehe ebenda, S. 9 und S. 12a.
1577
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 4. Es wurde dabei betont, daß zwar ausreichend Munition
vorhanden sei, diese aber von den Divisionen selbst unzureichend verteilt würde. Die
Gruppe Busigny verwies in diesem Zusammenhang auf Transportschwierigkeiten und die
Möglichkeit nachhaltiger, negativer Folgen; siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript
Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 39.
1578
HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei Cambrai
vom 9.12.1917, S. 8f.
1579
Siehe ebenda, S. 2.
1580
Dieses wurde als solches auch in nahezu sämtlichen Geschichten der beteiligten
Truppenteile genannt. So etwa in Bund der Offiziere, Sanitäts-, Veterinäroffiziere und
Beamten [des] ehemaligen [Link]. Feldartillerie-Regiments Nr. 70 (Hg.): Chronik Nr. 14:
Cambrai, Münster o.J., S. 1: „Damit war die durch jahrelangen Stellungskrieg den
Anforderungen des Bewegungskriegs entfremdete Division [[Link], Gr Busigny] vor die
besonders schwierige Aufgabe des Übergangs vom Stellungs- zum Bewegungskrieg
gestellt! Für ihre Vorbereitungen dazu konnten nur wenige Tage gewährt werden-
Novembertage mit nur 8 Stunden Tageslicht!“
388
1581
Fehlende Ausbildung wurde im Grunde genommen durch Appelle an die Truppe
ersetzt, die dann beispielsweise bei der Gruppe Arras so lauten konnten: „Der Infanterie ist
zu erklären, daß diese Feuerwalze ihr bester Freund ist, weil sie den Gegner niederhält, und
daß jedes Zögern im Vorgehen dem Gegner Zeit läßt, sich wieder gefechtsbereit zu
machen.“ Oder: „Während die hinteren Wellen den Kampf um die Ortschaften führen,
gehen die vordersten Wellen weiter auf ihr Angriffsziel vor. Sich im weiteren Verlauf des
Angriffs bietender Widerstand [...] ist unter Zuhülfenahme der beweglichen Feldartillerie
und Ausnutzung jeder schnellen Umfassungsmöglichkeit zu brechen.“ Zitiert nach BA-
MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai,
S. 25 bzw. S. 26. Zu den vor allem auch praktischen Fragen und Schwierigkeiten der
Kommunikation und Logistik siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über
die Angriffsschlacht bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 3ff.
1582
Das KTB der Gr Busigny enthält dazu den Eintrag: „Das A.O.K. befiehlt als
Angriffstag den 30.11. Trotz ungünstiger Munitionslage und der Vorstellungen seitens des
Generalkommandos wird dieser Zeitpunkt festgehalten.“ Zitiert nach BA-MA, RH
61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 13.
1583
Siehe ebenda, S. 7 und S. 21, und BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und
Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht Ia Nr. 4579 geh. vom 25.11.1917.
1584
Der Abmarsch von 75 Tanks bei Masnères, Marcoing und Ribécourt mit Fahrtrichtung
Westen und Südwesten war von der Gr Caudry am 28.11.1917 festgestellt worden; siehe
HStAS, M 33/2, Bü. 894, Bl. 221: KTB Gr Caudry vom 28.11.1917.
389
1585
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai, S. 21, mit dem Protokoll eines Telefonats zwischen Kuhl und
Stappf am Abend des 28.11.1917.
1586
Siehe ebenda, S. 14f., und BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und
Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): HGr Rupprecht Ia Nr. 4613 geh. vom 28.11.1917.
1587
Erwähnt werden die Flammenwerfer in MO 1917, Bd. 3, S. 177, und von der Gr
Caudry; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht
bei Cambrai vom 9.12.1917, S. 1: „Verstärkung an Minenwerfern und Flammenwerfern
traf erst am letzten Tage vor dem Angriff ein, die Flammenwerfer zunächst ohne Öl.“ Wie
aus den verschiedenen Befehlen ersichtlich ist, handelte es sich bei den Minenwerfern zu
einem Großteil um Kompanien verschiedener Divisionen, die an einigen Punkten
zusammengezogen wurden. Dazu wurden auch Heerestruppen, wie das Minenwerfer-
Bataillon II bei der [Link] und X bei der [Link] herangezogen; siehe ebenda, S. 22, und
Isenburg: Das Königs-Infanterie-Regiment ([Link].) Nr. 145 im Großen Krieg 1914-
1918. Bd. II: Vom Eintreffen im Gebiet der [Link] ([Link] 1917) bis zur
Demobilmachung und Auflösung, Berlin 1923, S. 9, Anm. 2.
1588
Siehe Gruss, Hellmuth: Die Deutschen Sturmbataillone Im Weltkrieg. Aufbau Und
Verwendung (Schriften der Kriegsgeschichtlichen Abteilung Im Historischen Seminar Der
Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Heft 26), Berlin 1939, S. 96ff. Der Bericht der Gr
Caudry zum Gegenangriff bei Cambrai enthält keinerlei Hinweise auf den Einsatz des
Sturmbataillons.
390
Geheimhaltung 1589 , einer Feuerwalze und künstlichen Nebels 1590 vor der
eigenen Infanterie verzichtet. Lediglich der Bourlon-Wald und aufgeklärte
Batterie- und Infanteriestellungen sollten im Vorfeld des Angriffs intensiv
vergast und beschossen werden. Außerdem wurden, wie oben bereits
angedeutet, bespannte Teile der Feldartillerie zur direkten Begleitung der
Sturmtruppen abgestellt 1591 und zudem massive Schlachtfliegereinsätze
befohlen 1592 . Die Gesamtzahl der am Angriff beteiligten Divisionen belief
sich auf 18 mit etwa 1.200 Geschützen, denen 13 britische Infanterie- und
vier Kavallerie-Divisionen mit 1.150 Geschützen gegenüberstanden 1593 .
Ein begrenzter deutscher Angriff wurde von der britischen Führung zwar für
möglich gehalten, so etwa am exponierten Bourlon-Wald, jedoch
ausdrücklich keine großangelegte Unternehmung 1594 . Erstaunlich ist, daß
aber selbst dafür keine Abwehrvorbereitungen von der [Link] getroffen
1589
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai, bspw. S. 27: „Die Vorarbeiten zum Angriff sind streng geheim
zu halten.“ Oder ebenda, S. 21: „Auf Kuhls Fragen haben Sie Munition und Artillerie
antwortete Stappf mit ja. Zum Schluß sagte Kuhl: ‚Vor allem Vorsicht mit dem
Einschießen, daß er [der Feind] nichts merkt.’“
1590
Dieser findet sich zumindest in einem Befehl der Gruppe Arras wieder; siehe BA-MA,
RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S.
25. Man kann davon ausgehen, daß sich der Wert künstlichen Nebels spätestens mit den
Ereignissen des 20.11.1917 bewiesen hatte. Zuvor, schon 1916, hatte man offenbar in den
Reihen der HGr Rupprecht an den sinnvollen Gebrauch dieser Sondermunition bei (Gegen-
)Angriffen gedacht, war aber von der OHL darauf verwiesen worden, daß die geringen
Bestände an Nebelmunition ausschließlich zum Kennzeichnen gasverseuchter Flächen
gedacht und eine „Neufertigung vorläufig nicht beabsichtigt“ sei; siehe KA, Heeresgruppe
Rupprecht, Bd. 43, Akt: Fremde Berichte, Bl. 81: Anfrage der HGr Rupprecht an die OHL
wegen Nebelgeschossen vom 26.9.1916.
1591
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai, S. 22ff., mit den Angriffsbefehlen der drei Gruppen.
1592
Siehe ebenda, S. 27, und HStAS, M 33/2, Bü. 363: Gr Caudry Ia/c 79 op. geheim! vom
28.11.1917, Ziff. 2.) und 3.).
1593
Siehe RA, Bd. 13, S. 139.
1594
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 168: „But many at General Byng’s headquarters appear to
have been deeply influenced by the opinion of G.H.Q. Intelligence that the enemy’s losses
in Flanders and in the Cambrai battle had exhausted him to such an extent that a heavy
counter-offensive was hardly to be expected.“
391
1595
Siehe ebenda, S. 299f.
1596
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.
1597
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177ff.
1598
Siehe ebenda, S. 177.
1599
Siehe ebenda, bspw. S. 180. Die Parallele zwischen dem hier beschriebenen, aufgrund
dürftigster Lageinformationen agierenden Kommandeur der britischen [Link] und den
deutschen Führern am 20.11.1917 ist überaus deutlich.
1600
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.
1601
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177.
1602
Siehe ebenda: „Nevertheless few posts appear to have been attacked from the front, the
assault sweeping in between to envelope them from flanks and rear.“ Siehe dazu auch
Abschn. 9.6.
392
1603
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 18.
1604
Siehe BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche
Gegenangriff bei Cambrai, S. 39f.
1605
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 18f.
1606
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 351.
1607
Die Nachbardivision zur rechten Seite, die [Link] der Gr Caudry, war am Nachmittag in
dem erwähnten Grabengewirr der Siegfried-Stellung aufgehalten worden. Dem Befehl, an
diese Division und damit die Nachbargruppe Anschluß zu halten, konnte durch die [Link]
gemäß der Anordnung zum bedingungslosen und raschen Stoß auf Fins unmöglich
nachgekommen werden. Ihre Weisung beinhalte nämlich die Aussagen: „Je schneller [Link]
und [Link] in Richtung Fins vorstoßen, desto günstiger für uns. Anschluß zwischen den
Divisionen ist nach rechts [in Richtung Gr Caudry] zu suchen. Dies darf aber nicht dazu
393
[Link] ernster genommen wurde als andernorts, oder sei es, daß sie im
Unterschied zu den Verbänden an ihren Flanken auf geringeren Widerstand
traf 1608 , jedenfalls fand sie sich am frühen Nachmittag als einsamer Stoßkeil
inmitten der britischen Etappe bei Gouzeaucourt, 5km Luftlinie westlich der
deutschen Linien vom Morgen des [Link], wieder. Gegen ihre
vordersten Teile und Flanken kamen nach 14 Uhr britische Gegenstöße zur
Ausführung, die von Kavallerie eingeleitet und dann durch 36 Tanks 1609 und
Infanterie fortgesetzt wurden. Die Batterien des FAR 70 der [Link] protzten
überall ab, wo man sich Erfolg gegen die große Anzahl Ziele versprach, und
brachten mit der Infanterie zusammen die feindliche Kavallerieattacke zum
Scheitern 1610 . Gegen die Tanks wirkten die Feldgeschütze trotz
Munitionsmangel, der auch für die Infanterieteile der [Link] akut wurde 1611 ,
erfolgreich, und es gelang, fünf Tanks zu zerstören 1612 . Die Rückeroberung
führen, daß eine Division das Vorgehen der Neben-Div. abwartet.“ Zitiert nach BA-MA,
RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938: Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai, S. 34
(Angriffsbefehl der Gr Busigny).
1608
Das ist nach Schilderungen innerhalb der TG IR 145, Bd. II, allerdings anzuzweifeln.
Fast nebenbei wird dort auf S. 13 erwähnt, daß die Division als Erfahrung aus
vorangegangenen Kämpfen mitgenommen hatte, wie vielversprechend umfassende
Angriffe auf Stützpunkte waren. Zudem scheint die Wiederkehr des Bewegungskrieges
überaus motivierend gewirkt zu haben, wo sie sich deutlich zeigte; siehe ebenda, bspw. S.
16, Anm. 2.
1609
Die im Kampfgebiet noch vorhandenen Teile des Tank Corps war am Morgen alarmiert
worden und setzten sich in größter Eile Richtung Gouzeaucourt in Bewegung. Siehe BA-
MA, PH 3/561, Bl. 86: Erfahrungen der [Link]-Brigade in der Cambraischlacht, und siehe
MO 1917, Bd. 3, S. 189.
1610
Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 17f., und TG FAR 70, Chronik 14, S. 7f.
1611
Siehe TG FAR 145, Bd. II. S. 17.
1612
Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 86: Erfahrungen der [Link]-Brigade in der
Cambraischlacht, MO 1917, Bd. 3, S. 191, und Simon, Eduard: [Link]. Infanterie-
Regiment Nr. 67. Band II: Von den Kämpfen vor Verdun bis zum Ausgang des Weltkrieges
(Erinnerungsblätter Deutscher Regimenter, Bd. 156/II), Berlin 1927, S. 106. Im Gegensatz
dazu besagt TG FAR 70, Chronik 14, S. 11: „Wie der Engländer dann seine Tanks in
breiter Front –immer wieder neue- über den Höhenzug hinweg gegen uns vorschickt, wie
wir deren etwa 30 auf kurze Entfernung abschossen, so daß lauter Jubel in den Batterien
herrschte, wie seine Infanterie dann nur noch zaghafte Versuchte machte, hinter ihrem
deckenden Höhenzug hervor uns anzugreifen,- das werden weiter unten die damaligen
394
Batterieführer schildern.- Von unserem Sieg über die Tanks sagt der Bericht der
[Link].: ‚Dank unserer weit vorgezogenen schneidigen Feldartillerie wurde eine
erhebliche Zahl durch direkten Schuß vernichtet.’“ Die enorme Diskrepanz zwischen fünf
und 30 abgeschossenen Tanks könnte sich vor allem damit begründen lassen, daß die
Mehrfachzählung von Abschüssen vorkam und Fahrzeuge, scheinbar getroffen, als
stationäre Widerstandsnester vor der Infanterielinie blieben; siehe Taschenbuch der Tanks,
Teil III, S. 49.
1613
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 190.
1614
Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 18f. Nach dortiger Aussage bewirkte der Einbruch von drei
Tanks in die Linie des IR 67 auf der rechten Divisionsflanke die Krise. Siehe auch RA, Bd.
13, S. 140, wo die Bedeutung der Tanks beim britischen Gegenangriff nicht zuletzt dadurch
unterstrichen wird, daß man der Feldartillerie jedwede Abwehrleistung absprach. Daß sich
davon in der TG IR 67, Bd. II, nichts finden läßt, sondern zur Ehrenrettung des Regiments
ganz allgemein vom Zwang zum Rückzug wegen offener Divisionsflanken gesprochen
wird, kann demgegenüber aber nicht erstaunen.
1615
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 21: AOK 2 Ia 752/Nov. geh. vom 30.11.1917.
1616
Siehe Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 352, und RA, Bd. 13, S. 142.
1617
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 374: Bericht der Gr Caudry über die Angriffsschlacht bei
Cambrai vom 9.12.1917, S. 21: AOK 2 Ia 752/Nov. geh. vom 30.11.1917, Ziff. 6.) und 7.).
395
1618
Siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 209, der für ein Bataillon der Garde eine Stärke von 2
Offizieren und 151 Mann nennt, und Kipling, Rudyard: The Irish Guards In The Great War:
The Second Battalion, Staplehurst 1997, S. 160, der für dieses Bataillon der Irischen Garde
„400 Gewehre“ als Größenordnung nennt. Siehe auch TG IR 145, Bd. II, S. 28, Anm. 2,
welche die durchschnittliche Bataillonsgefechtsstärke vor dem deutschen Gegenangriff am
30.11. mit lediglich 642 Mann angibt. Über den Zustand der [Link] am Morgen des 1.12.
berichtet die TG FAR 70, Chronik 14, S. 14, unter Bezugnahme auf eine Meldung der
[Link]. vom 9.12.1917, daß innerhalb der Gliederung der Verbände Unordnung
herrschte und die gewählte Stellung taktisch von großem Nachteil war.
1619
Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 86f.: Erfahrungen der [Link]-Brigade in der
Cambraischlacht.
1620
Ebenda lassen sich 41 Fahrzeuge zählen. Das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 49,
nennt 39 und MO 1917, Bd. 3, S. 240, Anm. 3, führt die Bereitstellung von insgesamt 57
Tanks an.
1621
„An verschiedenen Stellen wurden zerdrückte M.G. gefunden, die mitsamt der
Mannschaft von den Tanks überfahren waren.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/561, Bl. 86.:
Erfahrungen der [Link]-Brigade in der Cambraischlacht. Diese eigentlich zu den Aussagen
über die Erschöpfung der deutschen Truppen vollends gegensätzliche Aussage dürfte in
erster Linie unterstreichen, welche Unterschiede es innerhalb einer Einheit und erst recht
innerhalb eines Verbandes hinsichtlich Kampf- und Leistungsbereitschaft der einzelnen
Soldaten geben konnte.
1622
Siehe ebenda.
396
Regen von Geschossen empfängt sie, die M.G., leichte wie schwere, richten ihren
Feuerstrahl auf ihre Flanken; tapfere Leute gehen ihnen mit Handgranaten zu Leibe.
Aber was nützt das! Wirkungslos prallen die Geschosse an der starken Panzerung
ab, auch die Handgranaten mit ihrer starken Splitterwirkung vermögen den Panzer
nicht zu zerreißen. Und nun eröffnen die Tanks, den Graben überschreitend und
rechts und links einschwenkend, ihrerseits das Feuer. Es ist fürchterlich. [... .] Wir
müssen zurück, um der völligen Vernichtung zu entgehen. [... .] Ein Glück, daß es
erst zu dämmern beginnt; sonst wäre wohl niemand dieser Hölle entronnen. Am
Hohlweg, an der nach Villers-Guislain führenden Straße, etwa 300 Meter rückwärts,
gelingt es den Offizieren, die Leute wieder zum Halten zu bringen.“ 1623
In dieser Lage, die den weiteren Verlauf des Gefechtes vollkommen offen
ließ, nahmen die Batterien des FAR 70 die der weichenden eigenen
Infanterie nachstoßenden Tanks unter Feuer. Wie am Vortag, so ging das
Duell mit der deutschen Feldartillerie für den Angreifer ungünstig aus. Es
wurden wohl mehr als 10 Tanks abgeschossen 1624 , und bereits gegen 11 Uhr
waren die entscheidenden Kampfhandlungen zwischen den völlig
erschöpften Kontrahenten vorüber 1625 .
Der Ausgang des [Link] mit seinen geringen Fortschritten markierte
grundsätzlich das Ende des deutschen Gegenangriffs, dem angesichts der
schweren Verluste und des Verbrauches der spärlichen Reserven von der
Führung keine durchschlagende Wirkung mehr zugesprochen wurde 1626 .
Zwar wurde an verschiedenen Stellen weiterhin schwer gekämpft, doch in
weit geringerem Ausmaß als zuvor und ohne entscheidenden Charakter 1627 .
1623
Zitiert nach TG IR 67, Bd. II, S. 109f. Vergleichbares findet sich auch in der TG IR
145, Bd. II, S. 23f. Der Bericht der [Link]-Brigade erwähnte „die niederschmetternde
Wirkung, welche die Tanks bei ihrem Erscheinen in den Reihen der deutschen Infanterie
verursachten. Viele Infanteristen standen sofort auf und ergaben sich; andere liefen davon“;
siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 88.
1624
Diese Zahl legt die TG FAR 70, Teil II, S. 16, nahe, während das Taschenbuch der
Tanks, Teil III, S. 49, für den 30.11. und 1.12.1917 zusammen 17 Abschüsse anführt.
Genauere Angaben enthalten weder die MO, noch der Bericht der [Link]-Brigade oder
andere der für die Darstellung genutzten Titel und Quellen.
1625
Siehe TG IR 145, Bd. II, S. 26.
1626
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240):
Tagebucheinträge Kuhls über ein Ferngespräch mit Ludendorff am 1.12.1917 und über eine
Besprechung mit dem AOK 2 am Abend des 2.12.1917.
1627
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 249ff.
397
Beide Seiten verlangte es nach Ruhe und Zeit zur Vorbereitung der sich
anbahnenden großen Ereignisse von 1918. Dabei fiel den Deutschen, die
sonst vor allem im Abschnitt der Gruppe Busigny Gelände gewonnen
hatten, noch ein bescheidener Teil der ehemaligen Siegfried-Stellung bei der
Gruppe Caudry zu. Dieser wurde vom Feind zwischen dem 4. und
[Link] geräumt, um die Front zu verkürzen und, mit Blick auf
zukünftige Entwicklungen, besser zu verteidigende Positionen beziehen zu
können 1628 .
Wenngleich die Geländegewinne beider Seiten in der Anfangsphase des
jeweiligen Angriffs, am 20. beziehungsweise am [Link], vor allem
im Verhältnis zu früheren Offensivunternehmungen an der Westfront groß
schienen, besaßen sie keinerlei strategische Bedeutung. Einbußen und
Zugewinne hielten sich nach Beendigung des britischen Absetzbewegung -
mit einem dezenten Vorteil für die Briten- annähernd die Waage. Dasselbe
gilt für die Verluste an Menschen und Material, wobei die amtliche deutsche
Darstellung von rund 41.000 Mann spricht, von denen 14.000 auf die Zeit
des Gegenangriffs ab dem [Link] entfielen und 11.000 Gefangene
subsumierte 1629 . Die britischen Ausfälle lagen mit schätzungsweise knapp
45.000 Mann, darunter 9.000 Gefangene, nur unwesentlich darüber 1630 .
Insgesamt betrachtet liegen mit diesen Zahlen und Aussagen deutliche
Hinweise auf eine Pattsituation vor, wie es sie mit ihrem Charakter als
deutscher Abwehrerfolg schon so oft zuvor gegeben hatte.
1628
Siehe S. 257ff. Ebenda, S. 257, werden die Motive Haigs für die Räumung eines Teils
der genommenen deutschen Stellungen deutlich dargelegt: „The Commander-in-Chief,
however, took a longer view: he expected that in spring the Germans would launch a large-
scale offensive, and in making preparations to meet it he could not afford to retain any
particularly vulnerable point.“
1629
Siehe RA, Bd. 13, S. 143.
1630
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 273 und S. 382, App. 22. Die Summe der deutschen Verluste
wurde auf bis zu 53.300 geschätzt. Unabhängig von jeglichen und vielleicht im Detail noch
so begründeten Zahlenspielen, bleibt hier letztendlich zu unterstreichen, daß beide Seiten
offenbar nur unwesentlich voneinander abweichend große Ausfälle zu beklagen hatten.
398
Von einem Patt bei Cambrai konnte nur beim Vergleich der bislang
üblichen Kategorien von Geländegewinnen und Verlusten gesprochen
werden 1631 . Schon die zeitgenössischen Darstellungen beider Seiten neigten
dazu, den Kämpfen eine besondere Aura zu verleihen, weil ein
apologetisches Ereignis ausgemacht wurde, das Auswirkungen bis auf die
Ebene des kommenden strategischen Erfolges der Alliierten von 1918 und
eine „militärtechnische Zeitenwende“ hinauf haben konnte. Im Zentrum
solcher Sichtweisen auf britischer Seite stand das Element des
konzentrierten Tank-Einsatzes und dessen Erfolg beim Durchstoßen der
legendär schwer befestigten Siegfried-Stellung 1632 . Was hier möglich
gewesen war, mußte späterhin, auch wenn 1918 zuerst noch ein letzter
Ansturm der Deutschen zu überstehen war, immer wieder möglich sein und
letztendlich den Sieg erzwingen 1633 . Die deutschen Verlautbarungen mit
unmittelbarer Nähe zum Geschehen bei Cambrai legten dagegen in üblicher
Manier den allergrößten Wert darauf, die Kämpfe als Beispiel für die selbst
mit Massen von Tanks nicht zu brechende Widerstandskraft des deutschen
Soldaten zu werten und die allesamt gescheiterten Durchbruchversuche der
Feinde im Jahre 1917 in einem Topf zu werfen, um sie ins Lächerliche zu
ziehen oder die Tragik ihres dramatischen Verlaufs beziehungsweise die
1631
Siehe etwa Keegan, S. 515, der das Resultat der Kämpfe als „ein passendes Symbol für
das prekäre Gleichgewicht der Macht an der Westfront Ende 1917“ betrachtete.
1632
Siehe bspw. Pemberton, Max: The Triumph Of The Tanks. How Sir Julian Byng’s
Army Broke the Hindenburg Line, in TWI vom 8.12.1917, S. 322. Siehe auch Sir Arthur
Conan Doyles späteren Bericht zu Cambrai, welcher dieselben Dinge ansprach, wenngleich
etwas analytischer und weniger propagandistisch; siehe
H[Link] .
1633
Es scheint schon beachtenswert, mit welcher Klarheit selbst die britische Presse die
deutsche Frühjahroffensive sehr früh ansprach und somit ihren Teil tat, um das Empire auf
eine schwere Prüfung vorzubereiten; siehe etwa Fraser, Lovat: The Hun’s Last Hope.
Gravity of the Coming German Offensive on the West, in TWI vom 29.12.1917, S. 382,
und ders.: War Problems Of The New Year, in TWI vom 5.1.1918, S. 402.
399
1634
Siehe bspw. Baer (Hg.): Der Völkerkrieg, Bd. 23, S. 218ff. Die Zeitungen arbeiteten
wie ihre Gegenstücke beim Feind stark mit Bildpropaganda, welche primär abgeschossene
und erbeutete Tanks zeigte, streckenweise aber auch auf britische Darstellungen
zurückkam, um sie zu widerlegen; siehe etwa Die Wochenschau, Nr. 3 vom 19.1.1918, S.
40, oder ebenda, Nr. 6 vom 9.2.1918, S. 87, wo sich des Vergleichs zwischen dem
Masseneinsatz von Tanks und Hannibals „ebensowenig erfolgreichen“ Elefanten
angenommen wurde.
1635
Siehe Baer (Hg.): Der Volkerkrieg, Bd. 23, S. 222f, und besonders Feldpressestelle im
Hauptquartier Mézières-Charleville (Hg.): Die Tankschlacht und die Angriffsschlacht bei
Cambrai, o.O. 1918. Das im Stil vorangegangener Erinnerungsschriften von
Kriegsberichterstattern bei der Heeresgruppe Rupprecht verfaßte Buch thematisierte auf
geringem Raum das Desaster vom 20.11., widmete sich aber ausführlich der erfolgreichen
Tankabwehr und besonders den Erfolgen im Gegenangriff seit dem 30.11. Es begann mit
den auf die bei Erscheinen (April 1918) bereits im Gange befindliche Frühjahrsoffensive
gemünzten Worten: „Dies Büchlein soll euch eine Erinnerung sein an die Schlacht bei
Cambrai, an diese schwere und merkwürdige Doppelschlacht, die vielleicht einmal als
Wendepunkt des Krieges im Westen berühmt werden wird.“
1636
Siehe bspw. Winter: Haig’s Command, S. 114, oder Johnson: Stalemate, S. 199, wo mit
den Worten Liddell Harts von Cambrai als „Wasserscheide“ zwischen dem seit Jahren
andauernden Stellungskrieg und den modernen Methoden, die 1918 den Sieg brachten,
gesprochen wird. Siehe auch Falls: First World War, S. 303: „However this may be, the
400
Seite, trotz allen Heldentums einzelner 1637 und den aus ihren Handlungen
resultierenden Folgen für die britische Operation, insgesamt hilflos
gegenüberstand. Vor allem auch zahlreiche Fehler auf britischer Seite, die
auf Standesdünkel, Uneinsichtigkeit oder mangelnder Risikobereitschaft
basierten, aber anhand der Lehren der Schlacht abgeschaltet werden
konnten, bewahrten die Deutschen Ende 1917 noch vor Schlimmerem 1638 .
Cambrai war, trotz des in üblichen Kategorien des vorangegangenen
Stellungskrieges seit 1914 bemessenen, ungünstigen Ausgangs für den
britischen Angreifer, also die erste der neuzeitlichen Schlachten, die 1918
die deutsche Niederlage besiegelten 1639 . Die deutsche Führung blieb auch
nun, nachdem doch Tankmassen die unüberwindliche Siegfried-Stellung an
einem Tag durchstoßen hatten, der neuen Waffe und ihrer konzentrierten
Verwendung gegenüber ignorant 1640 .
Battle of Cambrai was the type of the battle of the future and its influence on the Second
World War was as great as that on the remainder of the First.“ Siehe auch Cooper:
Cambrai, S. 225.
1637
Wie es bei Keegan durch die ausschlaggebende Bedeutung des an der Tankabwehr sehr
interessierten Kommandeurs der „[Link]“, „General der Artillerie von Walter“
[gemeint ist Oskar Frhr. v. Watter, seinerzeit Generalleutnant und Kommandeur der
[Link]-Division], und „Feldwebel Kurt Krüger“ [Unteroffizier Theodor Krüger]
dargestellt wird und bei Paschall noch intensiv durch die Verdienste Major Krebs’
Ergänzung findet; siehe Keegan, S. 513f. und Paschall: Defeat, S. 110ff.
1638
Siehe dazu etwa Paschall: Defeat, S. 115 und S. 125f., wo General Harpers Versagen
bei Flesquières bzw. die bislang noch fehlende Professionalität britischer Führer im
Umgang mit einem faktisch erreichten Durchbruch angesprochen wird. Siehe dazu auch
Marshall-Cornwall: Haig, S. 254, Cooper: Cambrai, S. 226, Larson: Armored Warfare, S.
60, und Förster/Paulus, S. 41.
1639
Siehe Heydecker, S. 414.
1640
Siehe Chickering, S. 217. Hier wird allerdings noch angefügt, daß, wenn dem Tank und
den Kämpfen bei Cambrai größere Bedeutung beigemessen worden wäre, keine
Möglichkeit mehr bestanden hätte, das Rüstungsdefizit im Bereich des Tankbaus
aufzuholen. Ohne eine derartige Einschränkung findet man Cambrai als Apologie des
deutschen Zusammenbruchs von 1918 etwa auf den Internetseiten des Lebendigen
Museums Online des DHM, wo ausgesagt wird, daß die Schlacht gezeigt habe, „daß die
Deutschen den alliierten Panzern keine wirksame Verteidigung entgegenzusetzen hatten.“
Siehe H[Link] und
H[Link] .
401
Einspruch gegen diese Auffassung der Kämpfe bei Cambrai, die sich in
neueren Überblicksdarstellungen oft sehr prägnant in wenigen Zeilen
formuliert findet, ist recht selten, sieht man von einschränkenden
Bemerkungen zu Einzelaspekten und verschieden gelagerten
Schwerpunkten in Schilderungen der Schlacht ab. Letzteres liegt zudem
häufig auf der Ebene taktischer Fragen und der Rolle einzelner Personen,
wie sie etwa bei der Bewertung des Geschehens bei Flesquières am
[Link] 1917 vorliegen. Mit dem Hinweis auf die Lehren, die von
britischer Seite aus Cambrai gezogen wurden, durften derartige Dinge als
Ausnahmeerscheinungen allerdings in der Kategorie der insgesamt wenig
bedeutenden Episoden abgelegt werden.
Anders sieht es mit Aussagen aus, die Cambrais Bedeutung als
unübersehbare Wendemarke der Landkriegführung in Frage stellen. So etwa
formuliert durch Kielmansegg (1968), der die Schwächen der britischen
Tanktruppe hervorhob und sich durch den Anfangserfolg des ersten
Schlachttages nicht in der Auffassung beirren ließ, daß die damalige
Technik den Einsatz von Tanks im Sinne moderner Panzerverbände
unmöglich gemacht habe. Griffith (1994) unterstrich diese Sichtweise noch
dadurch, daß er in vollkommener Opposition zum „populären“ Bild von
Tanks des Ersten Weltkrieges und ihrer quasi gebetsmühlenartig
apostrophierten entscheidenden Bedeutung aussagte, sie seien bis
Kriegsende 1918 „never anything more than an auxilary to the infantry for a
break-in battle“ gewesen 1641 . Eine Meinung, der sich auch Golla in seiner
kritischen Ausarbeitung zu Cambrai als Wendepunkt der Landkriegführung
im [Link] (2000 1642 ) anschloß. Für das Ereignis Cambrai führte
Griffith außerdem an, daß dort Tanks weit weniger ausschlaggebend für den
Erfolg des ersten Tages gewesen seien, als üblicherweise angenommen
wird, und daß die deutschen Stellungen und ihre Verteidiger
unverhältnismäßig schwach beziehungsweise wenige gewesen seien 1643 .
Letzteres darf auf Basis der vorherigen Aussagen dieses Kapitels als
1641
Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162.
1642
Gollas Ausarbeitung wurde als Book on Demand angeboten und im Jahr 2000 vom
Verfasser angeschafft. Das eigentliche Erscheinungsjahr geht aus dem Buch nicht hervor.
1643
Siehe Griffith, S. 164f.
402
bestätigt angesehen werden. Und ein Zusatz von Griffith, daß das Bild von
der Rolle des Tanks bis 1918 im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges
maßgeblich auch vom Zwang der deutschen Seite zur Rechtfertigung des
militärischen Zusammenbruchs von 1918 konstruiert und mit einem Netz
von Mythen belegt worden sei 1644 , verdient außerordentliche Beachtung,
gerade auch im Zusammenhang mit dem „Schlüsselereignis“ Cambrai.
Für die Überprüfung dieser recht wagemutigen Hypothese Griffith’ bietet
sich ein Blick auf die möglichen Protagonisten einer forcierten
Mythenkonstruktion auf deutscher Seite an. Ludendorffs Aussage zum
deutschen Kampfwagenbau, der angeblich wegen mangelnder Ressourcen
unterblieb und ein Versäumnis darstellte 1645 , wurde beim Reichsarchiv unter
dem Begriff der „Tankfrage“ und mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit
der Forschungsergebnisse spätestens ab 1921 unter die Lupe genommen 1646 .
Dabei kam es zur Sammlung und teilweise auch bereits zur Analyse von
Quellenmaterial, die 1932 mit den Ausarbeitungen des eng den
Kraftfahrtruppen verbundenen Generals Petter abschlossen 1647 . Die
Ergebnisse der Arbeiten Petters waren eindeutig und belegten den Wert des
Tanks während des Weltkrieges beziehungsweise von Panzerstreitkräften in
einem neuen Kriegsbild, so daß Adressaten seiner Ausführungen, etwa
Guderian und Nehring, bei ihrem Wirken für den Aufbau operativer
1644
Siehe ebenda, S. 162: „It [der Tank] also often seems to have held a disproportionately
central place, both during and after the war, in the complex web of German mythologies
that were so ingeniously spun to explain away the crushing allied victory. If this mythology
later accidentally encouraged the Germans to invest in a weapon that would finally evolve
into a serious instrument of breakout in 1939-41, then that surely had remarkably little to do
with the technical capabilities of any tank that ever took the field during the Great War
itself.“
1645
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 536f.
1646
Siehe BA-MA, RH 61/50768. Die Ausarbeitung Jochims („Studie über die Tankfrage“,
1921) beschäftigte sich mit der Frage der rüstungstechnischen Möglichkeiten des Reiches
im Weltkrieg und dem Anteil verschiedener Dienststellen und Personen am weitgehend
unterlassenen Panzerbau.
1647
Siehe BA-MA, RH 61/50769 (Kampfwagenabwehr) und ebenda, RH 61/50771
(Entwicklung der deutschen Kampfwagen).
403
Panzertruppen Nutzen aus ihnen ziehen konnten 1648 . Daß bei diesen
Arbeiten vor allem Momentaufnahmen, technische und taktische Details
sowie Vorschriften und Erlasse der OHL im Zentrum des Interesses standen,
während die Gesamtperspektive auf die Grundlagen der Kriegführung mit
Berücksichtigung einer Vielzahl strategisch bedeutender Fragen und der
Sichtweise des Gegners weitgehend außer acht gelassen wurden, scheint
damals von sekundärer Bedeutung gewesen zu sein 1649 . Das Beispiel der
Abhandlung der Kämpfe von Cambrai bei Petter ist diesbezüglich
exemplarisch für eine Facharbeit im Diskurs innerhalb des damaligen
Militärs 1650 und kulminierte ohne Erwähnung der schwächlichen Siegfried-
Stellung, ihrer wenigen Verteidiger, der nicht vorhandenen Reserven oder
der detaillierten Überprüfung von Führungsentscheidungen allein in den
Faktoren Überraschung und erstmaligem Masseneinsatz von Tanks 1651 .
Diese Deutung kollidierte zumindest partiell mit den in den
Truppengeschichten bereits artikulierten Ansichten bestimmter Kreise der
Weltkriegsveteranen, die sich schon 1919 mit dem Vorwurf Ludendorffs
konfrontiert gesehen hatten, daß es in ihren Reihen Ende 1917 und bei
Cambrai belegt bereits ein Nachlassen des Kampfwillens und Anzeichen für
„Drückebergerei“ gegeben habe 1652 . Die sich dadurch zum Kampf für
Anerkennung und Rehabilitation aufgerufen fühlenden Veteranen taten
einiges dafür, den deutschen Frontkämpfermythos durch Beispiele aus den
1648
Nehring zitierte Petter etwa in seiner Geschichte der deutschen Panzerwaffe mit dem
Fazit zu 1918: „Die feindlichen Kampfwagen hatten ganze Arbeit gegen uns geleistet; nicht
nur moralisch, sondern auch tatsächlich.“ Zitiert nach Nehring, Walter K.: Die Geschichte
der deutschen Panzerwaffe 1916 bis 1945, ND Augsburg 1995, S. 27. Guderian führte
Petters Denkschrift zur Kampfwagen-Abwehr von 1932 auch als Lehrmaterial in der
Reichswehr ein, und das Taschenbuch der Tanks, zumindest dessen Teil III, mit einem
Vorwort Guderians, kann als ein Medium zur weiteren Verbreitung der
Forschungsergebnisse Petters angesehen werden.
1649
Diese fehlten auch durchweg in Nehrings oder Guderians Schriften, wenn dort
Beispiele für den Kampf gegen oder mit Tanks im Weltkrieg angeführt wurden.
1650
So etwa dokumentiert durch Müllers Arbeit zur Tankschlacht in der
Militärwissenschaftlichen Rundschau, Heft 3/1939, S. 389-409.
1651
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 119.
1652
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 434.
404
Reihen der jeweils eigenen Einheit lebendig zu illustrieren 1653 und damit
kollektiv vieles, um jeden Verdacht, im Felde eventuell denn doch besiegt
worden zu sein, weit von sich zu weisen 1654 . Das Reichsarchiv hatte 1929
mit Strutz’ Band zu Cambrai aus der Reihe „Schlachten des Weltkrieges“
den Versuch zugelassen, Frontkämpferpathos nach Stil und Rhetorik der
deutschen Kriegspropaganda mit dem Unglück des materiell Unterlegenen
gegenüber den im größeren Maßstab unüberwindlichen gepanzerten
Vorboten einer modernen Landkriegführung in Einklang zu bringen 1655 .
Doch dies wirkte scheinbar nicht gänzlich überzeugend und wurde dem
Anliegen der Veteranen, besonders offenbar derjenigen aus den Reihen der
[Link], die sich bis dahin nicht genug gewürdigt und zu teilweise harscher
Kritik am Reichsarchiv und anderen Autoren aufgerufen fühlten 1656 , nicht
gerecht.
Gegenüber allen Verlautbarungen über schlacht- und kriegentscheidende
Tanks und allem, was 1918 geschehen war, waren doch auch die Taten
Soltaus und Krebs’ und all der „Feldgrauen“ im Kampf zwischen Männern
und Maschinen zu benennen. Außerdem hatte der Feind, Haig persönlich,
doch irgendwie auch davon gesprochen, daß der deutsche Widerstand bei
Flesquières den Ausschlag für das Scheitern der Offensive gegeben hätte
und gesagt, daß sich dabei ein deutscher Offizier, allein sein Geschütz bis
1653
Dies mußte keinesfalls bedeuten, daß mit Kritik und Schuldzuweisungen an Personen,
Einheiten und außerhalb des eigenen Regiments (o.ä.) gefällten Entscheidungen gespart
wurde. Beispielhaft sind hierfür im Rahmen der Kämpfe bei Cambrai die sich bei den
Feldartillerieregimentern selbst zugesprochenen Tankabschüsse, oder die in den
Truppengeschichten der 54., 107. und [Link] aufzufindenden, gegeneinander und auch
verbandsintern vorgebrachten Anschuldigungen. Insgesamt handelte es sich um den
Ausdruck einer Konkurrenz aller Beteiligter um den größten Anteil an Siegen und die
geringste Schuld bei Niederlagen.
1654
Ausdruck dessen konnte auch der Tank sein, der sich höchst symbolisch als Abbildung
auf Einbänden der Truppengeschichten solcher Einheiten findet, die für sich reklamierten,
auch mit diesem Kriegsmittel fertiggeworden zu sein; siehe etwa TG IR 67, Teil II, oder
TG RIR 52.
1655
Siehe etwa das Schlußwort in Strutz: Tankschlacht, S. 183. Siehe auch Eimannsberger:
Kampfwagenkrieg, S. 24.
1656
Siehe HStAS, M 660/047, Heft 11 und 16.
405
zum Schluß bedienend, besonders ausgezeichnet habe 1657 . Die Suche nach
diesem unbekannten Soldaten, in dem sich die Summe des zeitgemäß
apostrophierten Heldenmutes des Weltkriegs-Frontkämpfers gegen eine
materiell wie personell anscheinend unendlich überlegene „Welt von
Feinden“ vereinte, während er in der Truppengeschichte seines FAR 108
von 1919 nicht einmal Erwähnung gefunden hatte, dauerte bis Anfang der
30er Jahre. Dann erinnerte sich urplötzlich, nach langen, langen Jahren 1658 ,
ein gewisser Leutnant Behrmann, daß die gesuchte Person nur der am
[Link] gefallene Unteroffizier Theodor Krüger seiner 8./FAR 108
sein konnte 1659 . Daß Behrmanns Geschichte nicht zuletzt wegen der
Präzision seiner Angaben Ecken, Kanten und Haken aufwies 1660 , daß sehr
schnell und dauerhaft die Legende von 16 durch Krüger abgeschossene
Tanks aufkam, ohne daß diese in irgendeiner Form verifizierbar waren 1661 ,
oder daß Haigs Worte eventuell auf dem Zwang beruht haben könnten,
einen brauchbaren Grund, nämlich die durch den „Helden von Flesquières“
symbolisierte, todesverachtende Gegenwehr des Feindes, zu präsentieren,
1657
Siehe Hoffmann: Haig, S. 162.
1658
Hauptmann a. D. Dahlmann, ehemaliger Angehöriger des RIR 27 und Verfasser der TG
des Regiments, hatte 1927 im Zusammenhang mit seinen schriftlichen Aufzeichnungen an
Watter davon geschrieben, wie schwer und unsicher es sei, sich mit 10 Jahren Abstand zum
Geschehen auf seine Erinnerung zu verlassen. Einem Leutnant Behrmann, so darf man
sicher etwas sarkastisch ergänzen, machte sein Erinnerungsvermögen dagegen auch nach
13 Jahren ganz offensichtlich keine Probleme.
1659
Siehe Kabisch: Gegen englische Panzerdrachen, S. 67f.
1660
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Watter vom früheren Hauptmann Wille
(I./IR 84) schon Mitte der 20er Jahre darüber informiert worden war, daß Behrmann nach
seiner Gefangennahme bei Cambrai angegeben hatte, fünf Abschüsse bei Flesquières erzielt
zu haben; siehe HStAS, M 660/047, Heft 11: Bericht Willes vom 3.7.1924 über seine
Erlebnisse bei Cambrai, S. 16.
1661
Schon 1919 waren die vom FAR 108 reklamierten Tankabschüsse in den Reihen des
Regiments und auf einzelne Personen verteilt worden. Dabei waren auf Behrmanns 8./FAR
108 lediglich sechs entfallen; siehe TG FAR 108, S. 97. Das britische amtliche Werk
urteilte 1948, daß es unmöglich sei, die Tankverluste von Flesquières einem von einer
einzelnen Person bedienten Geschütz zuzuschreiben; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 59, Anm. 2.
Dagegen führten schon William-Ellis 1919 an, daß bei Flesquières 16 Tanks direkte Treffer
erhalten hatten, womit vielleicht die historiographische Grundlage für die Krüger
zugeschriebenen Abschüsse gefunden ist; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 111.
406
1662
Das britische amtliche Werk wies 1948 ausdrücklich darauf hin, daß von britischer
Seite keine verläßlichen Angaben zur Grundlage von Haigs Aussage gemacht werden
konnten; siehe MO 1917, Bd. 3, S 59, Anm. 2. Siehe auch Abschn. 9.6.1.
1663
Siehe Riebicke, S. 142f., und Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in
Watter, S. 146. Tatsächlich zeitigte die Einsetzung Krügers als „Held von Flesquières“
selbst in den Reihen der früheren Angehörigen der [Link] einigen Widerspruch oder
zumindest doch Skepsis. Grund dazu bot die Unklarheit der Gefechtssituation und
grundsätzlich die Unvereinbarkeit der von verschiedenen Personen zur Sache getroffenen
Aussagen; siehe HStAS, M 660/047, Heft 11.
1664
Siehe HStAS, M 660/047, Heft 15: Bericht über die Taten Krügers im Hamburger
Fremdenblatt vom 17.11.1937.
1665
Opposition aller Art und Herkunft, die Plänen zur Heeresmotorisierung auf Basis einer
Überbewertung der Leistungen von Tanks bzw. Kampfpanzern entgegenstand, wurde etwa
von Guderian, Nehring oder Manstein intensiv in ihren Memoiren abgehandelt; siehe
bspw.: Guderian, Heinz: Erinnerungen eines Soldaten, Heidelberg 1951, S. 19ff.
1666
Besonders deutlich wird dieser Gegensatz der Anschauungen in der TG RIR 27, S.
415f., in der sich einmal gegen das von Ludendorff entworfene Bild überraschter und
überrannter Stellungstruppen sowie ganz besonders gegen die darauf aufbauenden, von
407
Flesquières und den Frontkämpferkult spiegelt sich etwa in einem mit einer
rhetorischen Frage überschriebenen Kapitel -„Moral gegen Material bei
Cambrai?“- im Taschenbuch der Tanks wider, wobei die aus
Einzelleistungen gezogene Schlußfolgerung, allein mit „Moral“ gegen
Panzermassen bestehen zu können, als vollkommen falsch und
1667
militärtheoretisch irreführend herausgestellt wurde . Der „Tankschlacht
bei Cambrai“ nahm sich auch Guderian in seinem Buch „Achtung-Panzer!“
ausführlich an, wobei er die verzweifelt-heroischen Abwehrleistungen der
den Tanks gegenüber insgesamt hilflosen Truppe, daneben auch eine
lobenswerte aber doch vergebliche „Tatkraft“ ihrer übergeordneten Führung
auf der Ebene zwischen der [Link] und dem AOK 2 und natürlich primär den
schlachtentscheidenden Charakter in Massen eingesetzter Kampfwagen
hervorhob 1668 . An einem Ausgleich zwischen den Lagern im Sinne der
gerade charakterisierten Ausführungen Guderians, welche die militärisch
tatsächlich herausragende Leistungen und Frontkämpferpathos nicht
zwangsweise als retardierende Elemente bei der seelischen und materiellen
Aufrüstung des [Link] bestehen lassen mußten, waren
nationalsozialistisches Regime und Wehrmachtführung offenbar
gleichermaßen interessiert. Unteroffizier Krüger erhielt dementsprechend
am [Link] 1936 ein Denkmal am Kölner Rheinufer, das
„Reichsehrenmal der Deutschen Feldartillerie“, vom Waffenring der
deutschen Feldartillerie unter seinem Vorsitzenden Oskar Freiherr von
Watter gestiftet, das „den Letzten seiner Batterie“ 1669 in heroischer Pose
1670
Eine Abbildung des Denkmals findet sich in Giles, John: The Western Front Then And
Now, London 1992, S. 183.
1671
Siehe Watter, Oskar Frhr. v.: An der Spitze des Waffenrings der deutschen
Feldartillerie. Abschiedsgruß des Generals, in Watter, S. 228.
1672
Siehe HStAS, M 660/047, Heft 43: Festschrift zur Weihe des Reichsehrenmales der
Deutschen Feldartillerie in Köln a. Rhein am [Link] 1936 (Sondernummer der
Zeitschrift: „Die Deutsche Feldartillerie“), S. 8.
1673
Siehe Riebicke, S. 142. Auf telefonische Nachfrage bei potentiellen Nachfahren
Krügers in Garwitz hin wurde dem Verfasser bestätigt, daß dies mit großem Aufwand
geschah und zahlreiche „Goldfasane“, also Vertreter der NSDAP, und hohe Herren der
Veteranenverbände und der Wehrmacht anwesend waren.
1674
Im Rahmen der Begutachtung von Namen der Kasernen der Bundeswehr beim MGFA
im Jahr 2004 konnte der Verfasser Einsicht in die Unterlagen zur möglichen Benennung
einer „Unteroffizier-Krüger-Kaserne“ im Bereich des [Link] im Jahr 1965 nehmen.
Begründet wurde der Vorgang damit, daß sich Krüger zur Hebung des Ansehens der
Unteroffiziere in der Bundeswehr eignete, wobei seine Leistungen im Abschuß von 16
Tanks bei Cambrai und seinem Selbstopfer kulminierten ([Link], G1-Az 45-01-00, vom
22.9.1965). Die Bundeswehrkaserne in Kusel trägt seinen Namen bis auf den heutigen Tag.
1675
Siehe H[Link]
[Link]/Kasernen/Wehrkreis09/Kaserne_BuedingenKrueger-[Link] . Ein ganz
ähnlich gelagertes Beispiel findet sich mit der Winkelmann-Kaserne in Iserlohn, die ihren
Namen einem Vizewachtmeister des RFAR 63 verdankte, welcher 13 Tanks mit seinem
Geschütz abgeschossen haben soll; siehe dazu
H[Link] bzw. Kap. 13.
409
Bedeutung Cambrais, seiner Helden und der Tanks nicht nur in die Zeit des
Aufbaus deutscher Panzertruppen und allgemeiner Förderung der Wehr-
und Kriegsbereitschaft, sondern auch in die Zeit der Schaffung einer
Panzerabwehrtruppe 1676 , der man einen „Krüger“- beziehungsweise
„Cambrai-Kult“ als Gründungsmythos anheften konnte, damit sie in
Kategorien des damals als vorbildlich und heldenhaft Empfundenen dem
elitär-heroischen Ursprung der Panzertruppe nachzukommen vermochte 1677 .
Die Person Krügers, mit ihren sagenhaft-soldatischen Charakterzügen, die
den Kampf bis zur vollkommenen Selbstaufgabe auch in verzweifeltster
Lage verkörperte, wirkte in ihrer Vorbildfunktion generell äußerst
1676
Ohne vor den Kapiteln zu 1918 zu weit abzuschweifen und den Focus zu sehr auf die
deutsche Panzertruppe legen zu wollen, sei nebenbei erwähnt, wie, zeitgleich zu den
geschilderten Vorgängen, die heroischen Weltkriegs-Wurzeln der Panzertruppe im
Kinofilm gefeiert wurden. Im Ufa-Film „Unternehmen Michael“, Regie: Karl Ritter, 1937,
wird eine abgeschnittene deutsche Einheit von einem Beutetank mit Befehlen versorgt,
wobei im Kontext des Films klar ist (ab 1.06h Spielzeit), daß einmal nur ein Tank
überhaupt durch das feindliche Feuer zu den Eingeschlossenen durchkommen kann, dann
das dadurch, bei Gelingen der „Höllenfahrt“ des Vehikels, die moralische Wirkung auf die
eigenen Kräfte enorm ist (Spielzeit 1.07h: „Ein deutscher Tank! Ein deutscher!“) und das in
einem solchen Gefährt nur der Typus eines neuen Heeresoffiziers zu Hause sein kann. Es
handelt sich um einen Offizier, der dem Stereotyp des jungen dynamischen Jagdfliegers
entsprechen könnte, aber ohne irgendwelche snobistischen Allüren, ölverschmiert und mit
Ruß bedeckt, von einem feisten Unteroffizier einer Stabswache als „Schmierfink“
angesprochen werden kann (Spielzeit 0.59h). Als Beleg der literarischen Aufarbeitung der
Wurzeln der deutschen Panzertruppe in dieser Zeit können die Schriften Volckheims
angeführt werden, der aus einem reichen Fundus eigener Erfahrungen bei den ersten
Panzerverbänden 1918 schöpfen konnte und seit Mitte der 20er Jahre mit mehr oder
weniger wissenschaftlichem Impetus schrieb; siehe bspw. Volckheim, Ernst: Der
Kampfwagen in der heutigen Kriegführung, Berlin 1924, ders.: Deutsche Kampfwagen
greifen an, Berlin 1937 und ders.: Unsere neue Panzertruppe, Berlin 1938.
1677
Wie schwer das attestierte Versagen der OHL hinsichtlich des Erbes der neuen
Panzerabwehrtruppen wog, läßt sich an der Diplomarbeit Fleischers ersehen, selbst wenn
diese eher technisch orientiert ist und propagandistisch-ideologische Komplexe wie den
besagten Gründungsmythos ausklammerte; siehe Fleischer, Wolfgang: Die Entwicklung
der Panzerabwehr in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen. Diplomarbeit,
Militärgeschichtliches Institut der DDR, o.O. (Potsdam) o.J., S. 12f.
410
1678
Bezeichnend dafür und für die Verquickung von Wehrmachts- und Veteraneninteressen
war, was Watter 1938 in seiner Abschiedrede als Vorsitzender des Waffenrings der
deutschen Feldartillerie bezüglich des Krüger-Denkmals ausführte: „Als Motiv für die
Darstellung des bis zum letzten auch am zerschossenen Geschütz noch aufrechterhaltenen
Willens zum Widerstand, wurde die im englischen Heeresbericht ruhmvoll genannte Tat
eines Unteroffiziers des Feldartillerie-Regiments 108 in der Tankschlacht bei Cambrai
genommen. Es war für uns eine Genugtuung, daß der zur Enthüllung gekommene
Oberbefehlshaber des Heeres unter dem lebendigen Eindruck sich anerkennend dahin
aussprach, daß man bei diesem Denkmal sofort wisse, was damit gesagt sein soll.“ Zitiert
nach Watter, Oskar Frhr. v.: An der Spitze des Waffenrings der deutschen Feldartillerie.
Abschiedsgruß des Generals, in Watter, S. 228.
1679
Siehe dazu Behrenbeck, Sabine: Heldenkult oder Friedensmahnung? Kriegerdenkmale
nach beiden Weltkriegen, in Niedhart, Gottfried/Riesenberger, Dieter (Hg.): Lernen aus
dem Krieg? Deutsche Nachkriegszeiten 1918 und 1945 (Beiträge zur historischen
Friedensforschung), München 1992, S. 357f.
1680
Wie sehr viel ambivalenter dem Verlauf der Schlacht und ihren Führern begegnet
werden mußte oder hätte begegnet werden müssen, legen die bis heute überlieferten
Schriftwechsel und Ausarbeitungen der Forschungsanstalt zu Cambrai dar. Das Ergebnis,
RA, Bd. 13, S. 124-145, blieb dahinter weit zurück.
1681
Siehe BA-MA, RH 61/51766: Die Tankschlacht bei Cambrai Ende 1917.
1682
Das Reichskriegsministerium wies ausdrücklich darauf hin, daß sich der zuständige
Bearbeiter des Ministeriums mit „Wünschen für die Ausgestaltung des Aufsatzes“ an den
411
Krüger aber doch andere „Vorbilder“ wie etwa Major Krebs präsentierte
und auf die Aussagen Haigs zu Flesquières einging 1683 , nicht unerwähnt
bleiben, daß es 1917 bei Cambrai „die heute so zahlreichen und wirksamen
Panzerabwehrgeschütze“ noch ebensowenig gab, wie deutsche
1684
„Panzerkampfwagen“ . Daß das von Griffith genannte Netz von Mythen
um den Tank herum und die Dinge, die man am Krügerkult feststellen kann,
nicht allein Selbstzweck oder Zufallsergebnis einer vielschichtig geführten
Diskussion um den Ausgang des Krieges war, zeigt sich letztendlich
überdeutlich in Hitlers Rede im Sportpalast am [Link] 1938. Der
Anlaß dazu lag unzweifelhaft in der Außenpolitik begründet, der Inhalt der
Rede richtete sich aber intensiv auch nach innen. In einer Situation, in der
ungeheuerliche Gebietsansprüche an die Tschechoslowakei einen Krieg
immerhin möglich machten, offenbarte Hitler den Deutschen, daß man mit
„Milliarden“ aufgerüstet habe, um ein „neues Heer mit modernsten Waffen“
und eine Wehrmacht aufzubauen, die in der Welt respektiert werden würde,
sollte sie jemals in Erscheinung treten. Von Hitler besonders genannt
wurden eine Luftwaffe, „die Deutschland vor jedem denkbaren Angriff
schützt“ und, im Kontext der Weltkriegserfahrungen für die Zuhörer
wenigstens ebenso eindrucksvoll, „die beste Luftabwehr und die beste
Tankabwehr, die es auf der Erde gibt“ 1685 . Der Kunstgriff bestand darin,
etwaige Gegensätze in den Anschauungen über den Weltkrieg und aus
diesen resultierende Ängste, wie vor der damals so evidenten materiellen
und technischen Überlegenheit der Feinde mit ihrem Symbol auch in Form
der Tanks, durch die Suggestion einer nun für jeden aller Fälle bestmöglich
gerüsteten Wehrmacht zu beseitigen. Das nationalsozialistische Regime und
sein „Führer“ gaben eine Universalantwort durch das auf den im Weltkrieg
geborenen Typus des „Neuen Menschen“ 1686 gebaute und nun selbstredend
hochgerüstete Reich nach 1933. Und darin fanden alt und jung,
Frontkämpfergeneration und Jugend, Tankabwehr-Helden des Weltkrieges
und Panzeroffiziere der neuen Wehrmacht gleichermaßen ihren Platz 1687 .
1685
Siehe Klöss, Erhard (Hg.): Reden des Führers. Politik und Propaganda Adolf Hitlers
1922-1945, München 1967, S. 191.
1686
Wie forciert der Mythos von „Neuen Menschen“ des [Link] angelegt war und wie
sehr er auf ein mit Legenden überfrachtetes Fronterlebnis des Ersten Weltkrieges aufbaute,
zeigte eine Arbeit Hüppaufs. Darin wurden Langemarck, Verdun und Somme als die
zentralen Schlachtenmythen ausgemacht; siehe Hüppauf, Bernd: Schlachtenmythen und die
Konstruktion des „Neuen Menschen“, in Hirschfeld (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr
als Mensch“, S. 53-103. Cambrai blieb wohl zu sehr ein Spezialfall mit enger Bindung an
einen komplexen militärischen Fachdiskurs und zudem mit derart vielen problematischen
Fragen zur deutschen Führung des Weltkrieges behaftet, daß die Schlacht in der
Öffentlichkeit ausschließlich mit der markanten und generellen Vorbildfunktionen Krügers
als Konstruktionshilfe des Frontkämpfermythos’ nutzbringend sein konnte.
1687
Eines der in dieser Hinsicht ausdruckstärksten Produkte der Verquickung von
nationalsozialistisch heroisiertem Frontsoldatentum des Ersten Weltkrieges und neuem
Regime stellt die Rundfunkkampagne des Reichssenders Berlin von 1935 dar, die 1938 in
Buchform verarbeitet wurde. Unter den friedfertig und gut gemeint erscheinenden
Aspekten von Aussöhnung unter den Frontsoldaten aller Seiten, der Klärung der Schicksale
Vermißter und Gefallener sowie der Pflege von Kameradschaft kam ein Stück
413
Die noch immer offenen Fragen über Ursachen und Hintergründe der
Tankschlacht bei Cambrai wurden davon so weit in den Schatten gestellt,
daß sie in der Öffentlichkeit offenbar gar nicht weiterverfolgt wurden. Das
Gedenkbuch für einen der Hauptakteure der Schlacht, Oskar Freiherr von
Watter, das die zumindest dem Gruppenkommando Caudry gegenüber
kritischen Beiträge Kabischs und Zindlers beinhaltete, erschien zudem erst
nach Beginn des Zweiten Weltkrieges (um 1941). Man wird unterstellen
dürfen, daß die Interessenlage zu diesem Zeitpunkt noch weiter von
führungskritischen Ansätzen der Militär- und Kriegsgeschichte entfernt war,
als sie es schon früher, etwa innerhalb des Fachdiskurs’ der Wehrmacht zu
Ursprung, Bedeutung und Rolle der Tanks, gewesen ist. Einen
entsprechenden Eindruck vermittelt auch der Abschnitt zu Cambrai im 1942
von der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres fertiggestellten
Band 13 des Weltkriegswerkes 1688 . Wenngleich die Schwäche der
deutschen Stellungsbesatzungen am [Link] 1917 und die britischen
Gefangenenaussagen vor dem ersten Schlachttag angesprochen wurden, gab
man dem Leser keinerlei Hilfen für die Einordnung dieser Vorkommnisse
Musterpropaganda zustande, das in die Richtung wies, die in Hitlers Rede am 26.9.1938
zum Ausdruck gebracht werden sollte. Unter anderen Beispielen ist besonders das im Buch
enthaltene Hörspiel des bekannten Kriegsschriftstellers Ettighofer, „Traum am
Douaumont“ bemerkenswert. Es schildert den schaurig-fiktiven Besuch von drei bei
Verdun 1916 Gefallenen im nationalsozialistischen Deutschland von 1938 und zeigt deren
Beglückung im Angesicht der geistigen und materiellen Wiederaufrüstung ihres
Vaterlandes. Nachdem sie ihre „prachtvollen“ Nachfolger in „Feldgrau“ und dazu die
Flieger, Bomber („Fliegende Festungen“) und die von Kraftwagen gezogenen
Panzerabwehrgeschütze gesehen haben, kehren sie, beruhigt für die „Ewigkeit“, in ihre
Gräber zurück. Siehe Ettighofer, Paul C.: Traum am Douaumont. Ein Hörspiel von
Kameradschaft und Ehre, in ders.: „Wo bist du- Kamerad?“ Fronterlebnisse unbekannter
Soldaten, Essen 1938, S. 304-329.
1688
Wie an den überlieferten Manuskripten zu diesem Teil des Weltkriegswerkes deutlich
wird, wurden Passagen, die Uneinheitlichkeiten innerhalb des Führungsgebietes der Gruppe
Caudry vor dem 20.11.1917 illustrieren mußten sowie Fragen nach der Unterstellung von
Verbänden unter die [Link] für den „Fall Havrincourt“ hätten aufkommen lassen können,
gestrichen; siehe BA-MA, RH 61/51765, Heft/Akt 1826: Manuskript Renner zur Schlacht
bei Cambrai von 1939, S. 6.
414
an die Hand 1689 . Vollkommene Überraschung, die Tankmassen 1690 und das
–zu einem deutschen Sieg bei Cambrai 1917 genauso wie zum gewünschten
Eindruck des Krieges bis 1942 passende- Fazit, daß deutsche Truppen auch
ohne längere Vorbereitungen und mit geringeren Mitteln als der Feind
Erfolge erzielen konnten 1691 , bestärkten bereits formulierte,
interessengeleitete Anschauungen.
Eine einschneidende Zäsur auch für die Bewertung der Kämpfe bei Cambrai
1917 bedeutete das Kriegsende 1945. Die Sichtweisen Guderians und
anderer, welche die Kriegführung mittels gepanzerter Truppen
vorausgesehen, geplant und deren Möglichkeiten erschreckend
eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatten, waren zweifelsfrei bestätigt.
Alles was dagegen sprach, darunter auch die Fähigkeit, allein mittels
konventioneller Panzerabwehrwaffen gegen Panzertruppen bestehen zu
können, war ad absurdum geführt worden. Gleichzeitig waren durch die
politischen Veränderungen jegliche Verbingungen zu Frontkämpfer- und
Heldenkult als Inhalte einer deutschen Militärgeschichtsschreibung
abgebrochen worden, und man kehrte der Operationsgeschichte insgesamt
den Rücken zu. Dadurch entstanden zwei Lücken. Eine davon war bedingt
durch die Not der deutschen Historiographie, Operationen ohne neuere
Überprüfung der Grundlagen und unter weitgehender Ausschaltung der
diskreditierten Produkte der deutschen Militärgeschichtsschreibung der
Zwischenkriegszeit in einer auf einen vermeintlichen Kern reduzierten Form
zu präsentieren. Dies führte offensichtlich dazu, eher nach Maßgabe einer
„gefühlten Wahrheit“ und einer gewissen Logik zu urteilen. Eine Logik, die
1689
Siehe RA, Bd. 13, S. 125f. Dasselbe ist für „Der Weltkrieg wie er ist!“ von
Moeller/Reinicke, zwei Stabsoffiziere des OKW bzw. des OKH, zu sagen, die ihrer
Leserschaft 1942 Lehren des „Frontkämpfers“ des Ersten Weltkrieges an die Hand geben
wollten. Dahinter verbarg sich in erster Linie ein in Kapiteln zu verschiedenen
Gefechtsformen subsumiertes Konglomerat an Beispielen für Durchhaltewillen, kühlen
Professionalismus eines deutschen Über-Soldaten und Todesverachtung. Das entsprechend
konzipierte Kapitel zu Cambrai (S. 159-205) ließ es aus, grundlegende Fragen, etwa nach
dem Ursprung der augenscheinlich verzweifelten Lage der Truppe im Angesicht der
Tankmassen, zu stellen, oder diese gar zu beantworten.
1690
Siehe RA, Bd. 13, S. 126ff.
1691
Siehe ebenda, S. 145.
415
1692
Ein Paradebeispiel für diesen Umstand stellt der Artikel Werths zu Cambrai in der
„Enzyklopädie Erster Weltkrieg“ dar. Nicht nur die enthaltenen Information weisen
allergrößte Nähe zu englischsprachigen Darstellungen auf, sondern auch der einzige
Literaturhinweis, zu Smithers‘ „Cambrai“, ist bezeichnend. Mit einem Blick in Smithers’
Bemerkungen zu den von ihm selbst genutzten Quellen und Titeln wird deutlich, daß die
Perspektive des ehemaligen deutschen Kriegsgegners nahezu vollständig ausgeklammert
bleibt. Lediglich eine englische Übersetzung von Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ findet
überhaupt Erwähnung. Siehe Werth: Cambrai, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 403-
404, bzw. Smithers: Cambrai, S. 184ff.
1693
Siehe bspw. H[Link] (Stand vom
14.02.2006). Als internationale Enzyklopädie gedacht und mittlerweile von einem
zumindest zweifelhaften Ruf behaftet, der auch zahlreiche Kritiker auf den Plan rief, dürfte
Wikipedia eine der meistbesuchten Informationsplattformen weltweit sein.
Dementsprechend sollte dort dargebotenen Inhalten, etwa dem dubiosen Artikel zu
Cambrai, entsprechende Beachtung auch in einer wissenschaftlichen Arbeit geschenkt
werden dürfen.
416
1694
Siehe ebenda. Unter der Hutier-Taktik soll dem Artikel zufolge „gezieltes Einsetzen
dieser Stoßtruppen [?] in kleinen Operationsgebieten“ verstanden werden, was die
deutschen Erfolge von 1918 ermöglichte. Wie man durch den internen Wikipedia-Link zur
Seite über Oskar von Hutier erfahren kann, gilt er als Urheber der „Infiltrationstaktik“, die
u.a. bei Cambrai 1917 die Rückeroberung des während der Tankschlacht verlorenen
Geländes ermöglicht haben soll; siehe H[Link]
(Stand vom 14.02.2006).
1695
Siehe Gruss: Die Deutschen Sturmbataillone, S. 96.
1696
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 177.
1697
So formuliert in einem Bericht der durch Teile des Sturmbataillons 3 verstärkten [Link]
zu den Erfahrungen beim Gegenangriff; siehe Gruss: Die Deutschen Sturmbataillone, S.
96f. Smithers führte zudem an, daß die Angreifer sich im hügeligen Gelände sehr gut
verschiedener Einschnitte und Hohlwege bedienen konnten, Gas und Nebel die Sicht der
Verteidiger einschränkten und diese zudem massiv von deutschen Tief- und
Schlachtfliegern angegriffen wurden; siehe Smithers: Cambrai, S. 158f. Es wäre
demzufolge anzunehmen, daß die Wahrnehmung des deutschen Vorstoßes und seiner
Ausführung an vielen Stellen äußerst begrenzt war.
417
Der erste Eindruck, der sich aus dem unerhört tiefen Vorstoß in die
vermeintlich bestausgebaute deutsche Stellung an der Westfront mit ihrem
bedrohlich-vielsagenden Namen ergeben mußte und sich daraus bis heute
vielfach ergibt, war überwältigend. Die „Hindenburg-Line“ war binnen
weniger Stunden nicht nur auf 15km Breite und in 7km Tiefe eingedellt,
sondern, wie es schien, auch tatsächlich durchstoßen worden. Und wirklich,
so verdeutlicht es sich im Bild tausender Gefangener und scheinbar völlig
geschlagener, nur noch an einigen wenigen Stellen ernstzunehmenden
Widerstand leistender Verteidiger, gab es am Abend des [Link] 1917
1698
Hinweise auf eine derartige Durchbildung von Führern und Truppe ließen sich nicht
finden. Was, wie bei der [Link], gegeben zu sein scheint, sind Elemente des
Bewegungskrieges bei der früheren Ausbildung als Eingreifdivision oder divisions- oder
verbandsinterne Lehren aus vorherigen Kämpfen; Abschn. 9.5.
1699
Wie verbreitet die Annahme einer erheblichen Bedeutung der Sturmtruppen und der
Infiltrationstaktik bei Cambrai 1917 ist, kann mit geringem Aufwand, etwa mit den
Suchbegriffen „Stormtrooper Cambrai“, über Internet-Suchmaschinen überprüft werden.
Wie durch zahlreiche Ergebnisse nahegelegt wird, findet sich zumindest ein Ursprung der
Legende in einem Cambrai gewidmeten Kapitel einer neueren Arbeit zur Taktik der
deutschen Sturmtruppen des Ersten Weltkrieges; siehe Gudmundsson, Bruce I.: Stormtroop
Tactics, New York 1989, S. 140-154. Siehe auch Paschall: Defeat, S. 127, und Asprey: The
German High Command At War, S. 353, dort: „The storm struck early on November 30
with a brief but effective bombardment by gas and smoke shells. Small German units
composed of Sturmtruppen or storm troops used von Hutier’s new assault tactics to bypass
enemy strongpoints and penetrate weaker points in the British line. Lager units followed to
neutralize strongpoints while the spearhead advanced over two miles west of the British
line to be halted only with difficulty by infantry and tanks.”
418
1700
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 88. Fuller nannte in seinen Kriegserinnerungen die
Verlustzahlen der 16.(Infanterie-)Brigade, welche zwischen dem 20. und 23.11.1917 209
Mann verlor: „Jeder, der diese Verluste, mit denen irgendeiner Front-Brigade während der
ersten drei Tage des Kampfes entweder der Schlacht an der Somme oder der Schlacht von
Passchendaele vergleicht, wird verblüfft sein, wie niedrig sie sind.“ Zitiert nach Fuller:
Erinnerungen, S. 190.
1701
Ein Autor erwähnt ausdrücklich, daß es das erste Mal während des Krieges überhaupt
war, daß zu einer derart emotionsgeladenen Verkündigung einer absolut eindeutigen
Siegesbotschaft geschritten wurde; siehe Griffith: Battle Tactics, S. 164.
1702
Das Erinnerungsbüchlein der HGr Rupprecht zur Schlacht beinhaltete einen Abschnitt
zum „Stand des engl. Stimmungsbarometers waehrend der Schlacht“, worin Presseaussagen
verschiedener britischer Zeitungen zwischen den Extremen „Ein glaenzender Sieg“ (Times,
22.11.1917) und „Mißgeschick“ (Daily Telegraph, 6.12.1917) propagandistisch
ausgeschlachtet wurden. Das Glockenläuten wurde und wird in nahezu sämtlichen
Schriften zur Schlacht thematisiert; siehe u.v.a. Zindler: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei
Cambrai, in Watter, S. 136, oder Keegan, S. 514.
419
Gegners zum schnellen Heranführen von Reserven 1703 erst Gelegenheit dazu
gaben, die Glocken zu läuten, oder gar den Menschen in der Heimat, die
dazu aufgerufen waren den Klang des Glockengeläuts eindeutig zu
interpretieren 1704 , scheint auf unterer und mittlerer Führungsebene vor Ort
schnell der Eindruck einer verpaßten Chance Herr über die anfängliche
Überraschung gegenüber „der Glanzleistung des Krieges“ (Fuller 1705 )
geworden zu sein. In voller Überzeugung, daß es primär das Verdienst das
Tank Corps gewesen sei, das die Option auf die Vollendung des
weitreichenden Schlachtplans durch die Ausschaltung der deutschen
Verteidiger in ihren wohlbefestigten Stellungen geboten hatte 1706 , schrieb
der Kommandeur der [Link]-Brigade, Baker-Carr:
„Surely masses of galloping squadrons had passed through the ‚gap’ and were
riding ventre-à-terre through village and hamlet, cutting down the fleeing enemy
amid loud cheers from the down-trodden and enslaved peasantry. Not a bit of it. […
.] What a chance that day was missed! Never before and never again was such an
opportunity offered. [… .] Bourlon Wood, Bourlon Village and even Cambrai could
have been captured.” 1707
Und tatsächlich hatte die Kavallerie nach ihrem Eintreffen auf dem
Gefechtsfeld kaum etwas an Verdiensten aufzuweisen, die ihrer Rolle als
Speerspitze beim Ausnutzen des Erfolges entsprach. Lediglich die Attacke
einer einzigen Schwadron auf Rumilly wäre zu nennen. Und dieser Vorstoß
1703
Siehe Marshall-Cornwall: Haig, S. 251, Winter: Haig’s Command, S. 123f., und
Smithers: Cambrai, S. 124.
1704
Die unmittelbare Verbindung der Siegeszeichen und Pressemitteilungen mit dem Wert
des Tanks funktionierte in den Folgetagen so sehr, daß der Tank Synonym für
Siegeszuversicht generell werden konnte, als Werbemittel für Kriegsanleihen äußerst
erfolgreich war und dies über die Niederlage nach dem 30.11.1917 hinaus auch bleib; siehe
Wright, S. 81ff. „There has been no more popular appeal to investors, large and small, than
the Tank. This mysterious engine of war has excited the imagination and the curiosity of
everybody. Coming as it did out of the trenches direct to the homes of British people, it
touched the hearts of those part it was to remain in Blightly.“ Zitiert nach ebenda, S. 92.
1705
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 197.
1706
Durch eine Dankadresse des Befehlshabers der [Link] an Elles und dessen Tank
Corps wurde diese Auffassung am 27.11.1917 grundsätzlich manifestiert; siehe ebenda, S.
193.
1707
Zitiert nach Smithers: Cambrai, S. 122.
420
1708
Siehe Abschn. 9.3. und Paschall: Defeat, S. 114.
1709
Die britische Presse feierte den Einsatz der Schwadron als „one of the most thrilling
charges in British cavalry annals. The squadron sabred its way through a battery of German
guns and penetrated two miles into enemy territory. It fought its way back on foot, bringing
in all its wounded and a dozen prisoners, having killed 150 of the enemy and put a battery
out of action.“ Zitiert nach TWI vom 5.1.1918, S. 403. Die für den Umgang der
Kriegspropaganda mit Fakten große Beispielhaftigkeit dieser Darstellung läßt sich übrigens
bereits im Vergleich zu den zeitgenössischen Meldungen über die Episode, die tatsächlich
nur 9 deutsche Gefangene und 12 Überlebende der Schwadron zurück in den britischen
Linien sah, belegen; siehe H[Link]
bzw. den Bericht des mit dem Victoria Kreuz ausgezeichneten Schwadronführers, Lt.
Strachan, unter H[Link] .
1710
Siehe dazu MO 1917, Bd. 3, S. 279.
1711
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 190.
1712
Siehe RA, Bd. 13, S. 128.
421
1713
Zitiert nach HStAS, M 660/047, Heft 11: Bericht Willes vom 3.7.1924 über seine
Erlebnisse bei Cambrai, S. 8f. Auf S. 10 des Berichtes beschrieb Wille das „planlose
Herumkutschieren der englischen Batterien und auch die Reitübungen der Cavallerie“
zudem als „komisch“ und unterstrich nochmals die aus diesen Beobachtungen resultierende
Hoffnung der in Gefangenschaft geratenen Deutschen darauf, daß der Angriff „sehr bald
pariert werden würde“.
1714
Siehe TG IR 84, S. 91.
1715
Siehe MO 1917, Bd. 3, App. 6a (Third Army Artillery Instructions No. 18), S. 323.
422
1716
Siehe ebenda, App. 2 (Third Army Instructions To Cavalry Corps), S. 309.
1717
Siehe ebenda, S. 310.
1718
Siehe ebenda, S. 309f.
1719
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191: „Was die Tanks anbelangt, so mußten wir die
kampfmüde [Link] aus dem Abschnitt des [Link] in den des [Link] dirigieren, eine
Seitenbewegung, die die meisten Telegraphen- und Telephondrähte zerstörte und eine
grenzenlose Verwirrung hervorrief.“
1720
Daß es sich bei den Kommunikationsproblemen auch beim mit Funkstationen
ausgerüsteten Tank Corps um einen dauernden Zustand während der Kämpfe handelte,
führte der Bericht des Nachrichtenoffiziers der [Link]-Brigade deutlich aus. Sein Fazit für
die Belange des Tank Corps lautete: „Die Erfahrungen haben mich überzeugt, dass es
ausgeschlossen ist, bei grösseren Kampfhandlungen Unterstützung durch das bestehende
Nachrichtenmittelnetz zu bekommen. [... .] Die in der Druckvorschrift SS 167
vorgeschlagenen Einrichtungen haben völlig versagt. Um eine gut arbeitende Verbindung
vor der Kampfhandlung aufrecht erhalten zu können, ist es notwendig, einen Bauzug zu
haben, welcher rasch leichte Luftleitungen –am besten auf den leichten schwarz-weissen
Masten- herstellt. Dazu muß die Abteilung einen besonders hierfür eingerichteten 3
Tonnen-Kraftwagen haben. Kabelleitung ist unpraktisch, da die Leitungen dort, wo Tanks
operieren, auf Masten angebracht werden müssen, sonst werden sie dauernd von den Tanks
zerstört.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/561: Erfahrungen der [Link]-Brigade in der
423
Cambraischlacht, Bl. 90f. Über die Funkstationen des Tank Corps legte der Funkoffizier
der Brigade einen gesonderten Bericht vor (ebenda, Bl. 91), der Schwierigkeiten beim
Stellungswechsel und Transport des Gerätes herausstellte.
1721
Siehe Paschall: Defeat, S. 112: „Throughout the day the cavalry units moved from one
place to another, mostly on false information.“ Siehe dazu auch Cooper: Cambrai, S. 132ff.
1722
Siehe Cooper: Cambrai, S. 224, und Paschall: Defeat, S. 126: „An exploited
breakthrough would probably involve a maneuver of fifty to sixty miles. While losses
would decrease in the enemy rear, there was little doubt that a tank formation in 1917
would not be able to sustain a march of ten to twelve miles. That left only the infantry to
exploit a breakthrough, and there is no indication that the British were prepared to use their
foot soldiers in this role. Thus, although the British army hat demonstrated that it could
achieve a penetration, it was poorly prepared to sustain a breakthrough, and had little hope
of taking advantage of it.”
424
1723
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 281f. Zu den Angeboten siehe Abschn. 9.3. bzw. MO 1917,
Bd. 3, S. 86, Smithers: Cambrai, S. 121, und Cave/Horsfall: Flesquières, S. 58. Fullers
Vorstellung allerdings, daß die herankommende Kavallerie mit Leichtigkeit die Verteidiger
durch beherzte Attacke in Rücken und Flanke zur Aufgabe zwingen und den Ort „in einer
halben Stunde“ hätte säubern können, klingt, nach dem zu urteilen, was die Verteidiger
schon zuvor erfolgreich be- und überstanden hatten, mehr als optimistisch; siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 188.
1724
Tatsächlich findet sich nicht nur diese Beschuldigung in der umfangreichen Literatur
zur Schlacht, sondern generell der Vorwurf, daß Harpers Fehlentscheidungen beim Einsatz
der Tanks und damit das quasi zwangsweise existente Problem mit dem Bollwerk
Flesquières ursächlich für das Scheitern der gesamten Operation verantwortlich zu machen
sei; siehe dazu die Ausführungen bei Fuller: Erinnerungen, S. 187, worin die Kritik. Wie
für den Autor üblich, allerdings sehr stark auch gegen die höhere Führung, hier das
[Link], richtete, und siehe bspw. auch Smithers: Cambrai, S. 118ff. und Keegan, S. 514.
1725
Siehe dazu auch Moore: Bourlon, S. 72f.
1726
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 281.
425
1727
Siehe Abschn. 9.3. bzw. MO 1917, Bd. 3, S. 73.
1728
Siehe Moore: Bourlon, S. 82.
1729
Siehe Cooper: Cambrai, S. 126f.
1730
Siehe ebenda, S. 128.
1731
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191, William-Ellis: Tank Corps, S. 115, Moore:
Bourlon, S. 80, Cooper: Cambrai, S. 224, und Abschn. 9.2.
426
1732
Dies gilt im übrigen auch für die französischen Kräfte, die Gewehr bei Fuß standen, um
im Fall des Durchbruchs den Einsatzbefehl zu erhalten. Haig beschloß, sie nicht
heranzuführen, obwohl er die Fortsetzung des Unternehmens befahl und davon ausging, auf
zusätzliche Unterstützung angewiesen zu sein; siehe MO 1917, Bd. 3, S. 91. Zu der
Einschätzung des Verfassers, daß die tatsächlich vorhandenen Reserven nicht angemessen
genutzt wurden, kam auch Müller in seinem Artikel in der Militärwissenschaftlichen
Rundschau. Ihn interessierten die ihren Einsatz in der Praxis hemmenden Zustände
allerdings nicht; siehe Müller: Der englische Panzerangriff bei Cambrai, in
Militärwissenschaftliche Rundschau, Heft 3/1939, S. 408.
1733
Siehe MO 1917, Bd. 3, S. 293ff., Moore: Bourlon, S. 165ff., Marshall-Cornwall: Haig,
S. 254ff., und Johnson: Stalemate, S. 197f.
427
1734
Bei einer für die britische Seite positiv ausgelegten Berechnung, die auf qualitative
Wertungen vollends verzichtet und die deutsche [Link] als einsatzfähigen Kampfverband
einbezieht, kommt man auf ein Verhältnis der Infanteriebataillone von 120 britischen bei
der [Link] gegen 45 deutsche der Gruppe Caudry. Die 5 britischen Kavalleriedivisionen
sind nicht berücksichtigt und, für die Einschätzung der deutschen Abwehrkraft wesentlich,
die deutsche Artilleriestärke im Angriffssektor bleibt unverändert auf geringem Niveau.
1735
Siehe Abschn. 9.6.2.
428
das Tank Corps den Sieg errungen hatte 1736 . Sie boten und bieten Lesern bis
heute Beispiele für heroische Taten der Tankbesatzungen, wobei Elles’
persönliches Engagement stellvertretend genannt sei. Präsentiert wird das
Bild einer hervorragend verlaufenden Unternehmung, solange wie sich die
Tanks im Einsatz befanden. Der teilweise heldenhafte Widerstand des
Feindes wäre vergeblich gewesen, wenn doch die britische Kavallerie
gekommen wäre und der Haigsche beziehungsweise Byngsche Plan
Reserven vorgesehen hätte. Selbst die Verlust- und Ausfallzahlen des Tank
Corps fielen bei der zeitgenössischen Aufarbeitung des Geschehens
augenscheinlich genauso in den Schlagschatten des außer durch Tanks nicht
zu erklärenden Erreichten, wie sie in der Analyse durch Historiker als eher
unbedeutend oder gar als akzeptabel deklariert wurden 1737 . Daher auch die
schwerwiegende Schuld Harpers, der sich einer fatalen Tanktaktik hingab
und zusammen mit der tatenlosen Kavallerie den Tageserfolg erst riskieren
konnte. Und selbst dort, wo hinsichtlich der Einschränkung dieses Bildes
geradezu auf einer richtigen Fährte, nämlich auch beim Feind, gesucht
wurde 1738 , gelangte man zu pointiert und zu singulär beispielsweise bei der
Person des Kommandeurs der deutschen [Link] oder bei Major Krebs an.
Diesen konnte zumindest eine lokal gegebene Effizienz der deutschen
Gegenwehr attestiert werden, während die Meriten des Tank Corps
unangetastet blieben 1739 . Tatsächlich waren am [Link], eben in
1736
Siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 225: „Whatever it did not achieve, Cambrai proved
beyond any doubt the value of tanks. The Tank Corps came through with flying colours and
even Haig and others at GHQ were convinced.”
1737
Das Taschenbuch der Tanks bezeichnete die britischen Tankverluste „keineswegs als zu
hoch“, was die Durchdringung der Siegfried-Stellung bis zum Mittag des 20.11.1917
anbelangte. Es ging, für diesen unerklärlicherweise isoliert betrachteten Zeitraum, von 59
verlorenen Fahrzeugen (knapp über 16% der hier angenommenen 362 Tanks) aus; siehe
Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 46.
1738
Dabei wäre u.a. zu nennen Paschall: Defeat, S. 113. In diesem Fall tritt die Person des
Divisionskommandeurs, Watter, weit hinter dem als ausschlaggebend klassifizierten Krebs
zurück, dessen Taten quasi gleichberechtigt neben den Fehlentscheidungen Harpers
erscheinen. Erst mit Krebs –oder besser, erst bei Cambrai durch ihn- lernten die Deutschen
„to direct their machine-gun fire at the vision slits of a tank.“ (S. 114.)
1739
Siehe Keegan, S. 514. Kaum so klar wie hier wird dem Leser in wenigen Zeilen
dargelegt, wieviel Schuld Harper ganz persönlich daran trug, dem Befehlshaber der
429
[Link] (nicht Haig!) den Durchbruch versagt zu haben. Dies ist angesichts des
anzunehmenden Verbreitungsgrades des Buches bedauerlich.
1740
Siehe Moore: Bourlon, S. 82.
1741
Siehe TG FAR 108, S. 96.
1742
Vgl. Travers, Tim: How The War Was Won, S. 7. Selbst in diesem Buch, das durchaus
die Mängel des Mark IV und die blutigen Verluste gegen die deutsche Tankabwehr bei
Cambrai berücksichtigte, klang zumindest an, daß es die fehlende Nähe zwischen Tanks
und Infanterie war, welche der deutschen Feldartillerie die Gelegenheit zum effizienten
Einsatz bot. Dem ist generalisierend schon deshalb entgegenzutreten, weil die Reichweite
der Feldgeschütze erheblich größer war als diejenige der Infanteriewaffen, deren
Wirkungsmöglichkeit gegen weiter entfernt stehende Batterien dementsprechend gering
sein mußte.
1743
Bereits im September 1917 hatten Versuche mit dem Mark IV in der Heimat seine
fahrtechnischen Mängel herausgestellt; siehe Smithers: Excalibur, S. 146f.
430
Letzteres war für Fuller ein Aspekt, der unbedingte Beachtung verdiente,
wenn in der Zukunft „der Erfolg auf einer gesünderen Grundlage als auf
einem Glücksspiel aufgebaut sein sollte“ 1744 und veranlaßte ihn zum
Verfassen einer Abhandlung über deutsche Tankabwehr-Taktik und einer
weiteren zur besseren Koordination zwischen Infanterie und Tanks 1745 . Was
den Mark IV betraf, so stellte er eine Enttäuschung auch insofern dar, als er
die technischen und mechanischen Mängel seiner Vorgänger offenbar
geerbt hatte. Zu den 65 abgeschossenen Wagen kamen allein am ersten Tag
der Operation 71 mit Pannen aller Art und 43, die sich festgefahren hatten,
was bei einem Mittelwert von rund 367 eingesetzten Tanks eine
Ausfallquote von knapp 49% bedeutete 1746 . Damit war rund die Hälfte der
Fahrzeuge nach dem ersten Einsatz zumindest vorrübergehend unbrauchbar,
und für den Rest galt, daß sie und ihre Besatzungen dringend einer
Ruhepause für Regeneration und Instandsetzung bedurften. Wegen der
durch die Schwerpunktverschiebung vom Schelde-Kanal nach Bourlon am
Abend des [Link] notwendigen Bewegungen sowie der befohlenen
Weiterführung des Angriffs am Folgetag, blieb diese aus. Wie bei Einsätzen
zuvor, war die Kampfkraft der Tankverbände und damit die Aussicht auf
weitere Erfolge nach dem ersten Einsatz so weit verringert, daß Fuller am
Nachmittag des ersten Tages der Schlacht die Sinnlosigkeit ihrer
Fortsetzung feststellte 1747 .
1744
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 202, und MO 1917, Bd. 3, S. 290f.
1745
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 202.
1746
Die Zahlen für die Tankverluste und -ausfälle am 20.11.1917 werden durchweg so
angegeben, wie angeführt; siehe bspw. Cooper: Cambrai, S. 135. Für die folgenden Tage
fehlen entsprechende Angaben und sind letztendlich so unsicher wie die Gesamtzahl der am
ersten Schlachttag überhaupt eingesetzten Fahrzeuge.
1747
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 191: „Er [Elles] war fröhlich gestimmt, doch ich wußte,
daß die Schlacht vorüber war oder vielmehr, daß man ihre Beendigung hätte verkünden
müssen, denn ohne Reserven glich sie einem Motor, dem der Betriebsstoff ausgeht. [... .]
So weit war es eine Ritter-Turnierschlacht gewesen. Jetzt aber, infolge des Mangels an
Reserven, sollte es ein Handgemenge werden, eine Reihe von tapferen, heroischen,
verworrenen, hastig inszenierten, unsicheren Angriffen, in denen Infanterie und Tanks
hingeschlachtet und außer Gefecht gesetzt wurden, und zu keinem anderen Zweck, als nur
um die Schlacht fortzusetzen.“
431
1748
Zu den Fahrzeugdaten siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 25.
1749
Tatsächlich sollte mit der Serienproduktion bereits im Oktober 1917 begonnen werden,
was sich durch das Fehlen verschiedener Bauteile verschob; siehe dazu Childs, S. 34.
1750
Zu den Fahrzeugdaten siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 26f.
1751
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 114f.
1752
Siehe dazu Childs, S. 34ff.
432
1753
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 198.
1754
Siehe Fuller: Tanks, S. 153.
1755
Der Begriff ist zugegebenermaßen nur allzu schnell und nur allzu leichtfertig gebraucht.
Travers weist in seiner Arbeit berechtigterweise darauf hin, daß bezüglich der
Positionierung gegenüber dem Tank wenigstens vier Gruppen zu unterscheiden seien: Die
enthusiastischen Befürworter (bspw. Fuller und Churchill), die starken Befürworter, die
sich eine Schlüsselstellung der neuen technischen Waffe(n) wenigstens sehr gut vorstellen
konnten (Rawlinson oder der Befehlshaber des Mitte 1918 formierten Australischen Korps,
Monash; siehe Abschn. 10.2. und Kap. 12.), die Traditionalisten (Haig oder Harper) und die
graue Masse der Unentschlossenen. Fullers Erinnerungen machen dazu noch überdeutlich,
daß es jedenfalls in der erstgenannten, vordergründig so eindeutig positionierten Gruppe
deutliche Differenzen in den individuellen Anschauungen gab; siehe Travers: How The
War Was Won, S. 42f., bzw. Fuller: Erinnerungen, S. 199f.
1756
Die Planungen waren darauf ausgerichtet, zusätzlich zu den etwa 450 vorhandenen
Schneider und [Link] bis Ende 1918 30 Bataillone des leichten Typs FT-17 mit
insgesamt 4.000 Wagen zu formieren; siehe LAF, Bd. VI.2., S. 55.
1757
Dabei war durch Stern ein britisch-französisch-amerikanisches Projekt zum Bau eines
schweren Tanks, dem Mark VIII oder „Liberty Tank“, initiiert worden. Vom Mark VIII
sollten auf französischem Boden noch 1918 1.500 Stück für die britische und
amerikanische Armee gebaut werden, wozu es allerdings bis Kriegsende nicht mehr kam.
Von diesem Projekt erfuhr man auf deutscher Seite durch Gefangenaussagen im August
1918; siehe dazu Fuller: Erinnerungen, S. 200, Smithers: Excalibur, S. 145, bzw. HStAS, M
206, Bü. 9: GK zbV 54 Abtlg. Ic Nr. 170 vom 6.8.1918.
433
1758
Siehe Kap. 2.3.
1759
Zitiert nach Churchill, Winston: The World Crisis 1911-1918, Bd. II, London o.J.
(1923), S. 1271. Die Textpassage entstammt einem Memorandum Churchills an das War
Cabinet vom 5.3.1918 über das Rüstungsprogramm für 1919. Churchill sicherte sich
übrigens durch seine gerade in dieser Phase, nach Cambrai, „weitschauenden und gründlich
durchdachten Abhandlungen“ als Munitionsminister das Wohlwollen Fullers bis in dessen
Erinnerungen hinein, was angesichts der so breitgefächerten und scharfen Kritik des
visionen- und ideengeladenen, damaligen Oberstleutnants an Vorgesetzten aller Art und
Rangstufen schon beachtlich sein muß; siehe Fuller: Erinnerungen, bspw. S. 197.
434
Der letzte Satz dieses Zitats aus einem der bisherigen Kriegführung
beziehungsweise Haig persönlich gegenüber insgesamt kritischen Text
spielte darauf an, daß es den Traditionalisten unter den Militärs nach
Cambrai und unter dem Hinweis auf die Mängel des Tanks, wie sie sich
zuletzt bei Flesquières und in einem auf Tankabwehr eingestellten Feind
gezeigt hatten 1760 , nicht einfiel, sozusagen den „Diener“, die
Unterstützungswaffe Tank, zum „Herrn“ über die althergebrachten Träger
der Landkriegführung, die Infanterie, Kavallerie und Artillerie, zu machen
und mit bisherigen Auffassungen über die Durchführung von Offensiven
grundsätzlich zu brechen 1761 . Und dabei mußte verstärkend hinzukommen,
daß sich die strategische Lage Ende 1917 grundlegend gewandelt hatte und
den wie immer überaus ambitionierten Plänen Fullers oder den gleichsam
auf den „mechanisierten Sieg“ gemünzten Visionen Churchills in der
nächsten Zeit erheblichen Widerstand entgegenbringen mußte. Mit der
Aussicht auf eine auf Kriegsentscheidung ausgerichtete deutsche Offensive
im Frühjahr 1918 hatte sich die Rollenverteilung zwischen Angreifer und
Verteidiger an der Westfront grundlegend verändert. Und statt Fragen nach
Konzeption und Hauptträgern eigener Offensiven war für den Moment die
Stärke und die Stärkung der Abwehrkraft des britischen Heeres von alles
entscheidender Bedeutung. Angesichts des von Churchill Anfang Dezember
1917 selbst festgestellten Personaldefizits von 645.000 Mann bei den
britischen Streitkräften 1762 , konnte für die Multiplikation des Personals
eines um etliche Brigaden zu vergrößernden Tank Corps vorerst kein
Spielraum gegeben sein 1763 . Seine oben zitierten Ausführungen bezogen
sich dementsprechend auf einen späteren Zeitpunkt, nämlich das Jahr 1919,
auf das alle Anstrengungen zur Stärkung der technischen Waffen hin
ausgerichtet werden sollten. Für den Augenblick blieb die Möglichkeit, nach
Kräften auf diesen Zeitpunkt hinzuarbeiten und dem Tank Corps zumindest
1760
Siehe ebenda. Interessant ist, daß Fuller den zur Tankabwehr vorbereiteten Feind selbst
ja auch ausgemacht und zum Gegenstand von Abhandlungen gemacht hatte, diesen
Umstand seinerseits aber als zwingenden Grund für bessere und vor allem zahlreichere
Tanks anführte.
1761
Siehe dazu Travers: How The War Was Won, S. 37.
1762
Siehe Churchill: World Crisis, Bd. II, S. 1255.
1763
Siehe dazu auch Fuller: Erinnerungen, S. 199.
435
1764
Siehe ebenda, S. 103f. und S. 199, bzw. Kap. 8.
1765
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 199 und S. 218f., sowie Taschenbuch der Tanks, Teil III,
S. 50f.
1766
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240),
bspw.: HGr Rupprecht Ia Nr. 4372 geh. vom 5.11.1917. Das Dokument, das in seiner Form
keinen Einzelfall bei der Konzentration der HGr auf diesem Frontabschnitt darstellt,
beginnt mit den Worten: „Es ist jetzt schon zu erwägen, welche Maßnahmen nach
Beendigung des Großkampfes in Flandern zu treffen sind.“ Vergleichbare Aussagen wie
die folgenden detaillierten Anweisungen fehlen für andere Sektoren des Führungsbereiches
der HGr.
1767
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 394. Ludendorff wiederholte an dieser Stelle
zwar nicht den damals gegenüber Kronprinz Rupprecht vorgebrachten Vorwurf des
Versagens, bedeute dem Leser aber, daß sich das Absenden von Verstärkungen durch die
Abwesenheit des Stabschefs der Heeresgruppe verzögerte.
436
1768
Siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 292.
1769
Die Besprechung hatte am 11.11.1917 bei der HGr Rupprecht in Mons in Anwesenheit
der Stabschefs der HGr Kronprinz, der 2. und [Link] stattgefunden; siehe Frauenholz:
Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 284f., und Asprey: The German High Command At War, S.
349.
1770
Anders als Kronprinz Rupprecht ging Kuhl in seinen Aufzeichnungen mit keinem Wort
auf die Kritik Ludendorffs ein, sondern unterließ es zugunsten der Frage nach der
Bedeutung des deutschen Gegenangriffs und der Offensivplanungen für 1918 vielmehr,
überhaupt auf die „Tankschlacht“ einzugehen; siehe BA-MA, RH 61/50652:
Aufzeichnungen Kuhl, Einträge nach dem 21.11.1917.
1771
Die aus Kronprinz Rupprechts Aufzeichnungen herauszulesende Hoffnung, daß alles
halb so schlimm ausfallen würde, fand sich am Abend des 20.11. nicht bestätigt; siehe
Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 291f.
1772
Siehe dazu Abschn. 8.1. und 8.2.
1773
Ein besonders deutliches Beispiel dafür läßt sich mit den Vorgängen rund um das AOK
6 der Heeresgruppe Rupprecht in der Osterschlacht bei Arras von 1917 verorten, siehe
Abschn. 5.6.2.
437
stellte und versuchte, sich für das Geschehen zu rechtfertigen 1774 . Angeführt
wurde, daß die Gruppe alles erdenkliche und den geltenden Vorschriften
entsprechende getan habe, um den Abschnitt gegen Angriffe zu sichern, daß
sie sogar auf die Gefangenenaussagen vom [Link] hin ganz
kurzfristig noch spezielle Abwehrmaßnahmen ergriffen habe –die nicht
näher benannt wurden und wohl nicht hätten benannt werden können- und
die von ihr als „ausreichend“ bezeichnete -in Wahrheit aber minimale-
Tiefengliederung allein durch die große Zahl an feindlichen Tanks
überwunden worden sei. Eine sozusagen nach oben gerichtete Spitze,
welche einen real maßgeblichen Mißstand, nämlich den nahezu
vollständigen Ausfall der sonst so erfolgreichen Tank-Fernbekämpfung, auf
die Schultern des verantwortlichen AOK 2 verlagerte, führte man in Form
der geringen Artilleriekräfte im Abschnitt an. Außerdem, und dies ist ein
weiterer, in der militärischen Hierarchie nach oben durchgereichter
Vorwurf, nannte man als Grund für den britischen Erfolg den
notgedrungenen Einsatz der kampfschwachen [Link] in der Gruppenfront.
Vorbeugend und möglichlicherweise vornehmlich auf eventuelle Opposition
der [Link] gegenüber dieser insgesamt durchaus interpoliert erscheinenden
Darstellung gemünzt, wurde ferner angeführt, daß die [Link] am
[Link] zwar spät eintraf, sie das „Schicksal des Tages“ aber auch
durch frühzeitigeren Einsatz nicht hätte abwenden können 1775 . Irgendeine
Schuld beim Generalkommando ausmachen zu können, mußte auf
Grundlage der bisherigen Meldungen also ein negatives Licht sowohl auf
das AOK 2, als auch auf die Heeresgruppe werfen. Denn diese waren für die
Stärke beziehungsweise Schwäche des Abschnittes gegenüber der OHL
verantwortlich, hatten von den dortigen Zuständen gewußt und konnten
ihrerseits nichts anführen, was den ja auch alle Stäbe angenehm
entlastenden Überraschungsfaktor in Frage stellte, ohne sich selbst für
1774
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 144, Bl. 16: Gr Caudry Ia Nr. 403 op., Lagebeurteilung vom
21.11.1917, 11 Uhr.
1775
Einen aktenkundigen Hinweis auf Anschuldigungen gegen die Gruppe wegen des
Einsatzes der Division beziehungsweise deren Unterstellungsverhältnisse am 20.11. durch
das AOK 2 oder die Führung der [Link] ließ sich für diesen Zeitpunkt nicht ausmachen. Daß
das AOK etwa fernmündlich kompromittierende Fragen formuliert hatte, ist allerdings
möglich.
438
1776
Ludendorff ging auf die kritische Situation des Heeres und ihre Wahrnehmung durch
die OHL auch als Anlaß für den Entscheidungsschlag 1918 in seinen Kriegserinnerungen
ein. In den vom Verfasser gesichteten Archivalien zu den Kämpfen bei Cambrai fand sich
dazu nichts; siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 434.
1777
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721 AOK 2 Ia Nr. 434/Nov. vom 23.11.1917.
1778
Zu diesem Umstand schrieb der über einen primär auf den Unterlagen der höchsten
Kommandobehörden basierenden Artikel zu Cambrai erzürnte Krebs 1927 an den
Verfasser, den ehemaligen Stabschef der Gr Caudry, Müller-Loebnitz: „Das bedauere ich
[daß nur diese Akten benutzt wurden], zumal ich auch schon im Kriege –nach den Tagen
von Cambrai- den Eindruck hatte, dass zur Klarstellung der Ereignisse die Truppe und ihre
Führer, die doch in erster Linie dazu hätten beitragen müssen, nicht bezw. nicht genügend
herangezogen worden sind. [... .] Die über den Tankangriff am [Link].17 von
Generalfeldmarschall v. Hindenburg in seinen ‚Lebenserinnerungen’ und vom General
439
Ludendorff in seinen ‚Kriegserinnerungen’ gefällten Urteile können m.E. nur auf der
mündlichen und schriftlichen Berichterstattung der 54.I.D. vorgesetzten Kdobehörden
beruhen.“ Zitiert nach HStAS, M 660/047, Heft 16.
1779
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: AOK 2 Ia Nr. 434/Nov. vom 23.11.1917, Ziff. 1.).
Beachtenswert ist, daß ausgerechnet die infanteristische Tankbekämpfung zuerst genannt
wurde, nicht etwa die für die Schlacht wesentlich wichtigeren Defizite der artilleristischen
Fern- und Nahbekämpfung. Als Ziffer 2.) folgte die Abwehrleistung der deutschen
gegenüber der feindlichen Infanterie. Sehr überspitzt, aber wohl nicht zu unrecht, dürfte
man hier anführen, daß den übergeordneten Dienststellen damit das gegeben wurde, was
diese auch zur Beruhigung und Beschwichtigung hören wollten, vorher gehört hatten und
auch weiterhin, ungeachtet aller abweichenden Erkenntnisse, hören würden: Der deutsche
Soldat war dem Feind überlegen, gleich unter welchen Verhältnissen.
1780
Siehe ebenda, Ziff. 8.).
1781
Siehe ebenda, Ziff. 7.). Ziff. 4.) wies außerdem darauf hin, daß jedem Bataillon zwei
Geschütze zur Tankabwehr beigegeben worden waren und man darf annehmen, daß auch
dies als „Lehre“ verstanden werden sollte. Zu diesen Maßnahmen und ihrer längst erfolgten
Diskussion vgl. bspw. Abschn. 5.6.2., 6.5.2. und 7.1.
1782
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0002: HGr Rupprecht Ic No
4561 geh. vom 24.11.1917.
440
auch für die Heeresgruppe völlig überraschend gekommen. Daß dies nun
nur zum Teil stimmte, nämlich insofern als die neuesten
Aufklärungsberichte mit den Gefangenenaussagen seit dem [Link]
und der Meldung über die Anwesenheit von Tanks schnellstens an die
höheren Stäbe hätten weitergereicht werden müssen, was offenbar durch die
Gruppe Caudry oder das AOK 2 unterblieben war, ist richtig. Genauso
richtig ist aber auch, daß es die Heeresgruppe selbst gewesen war 1783 , die
anscheinend ohne tiefergehende Kenntnis über die Vorgänge an einzelnen
Frontabschnitten in ihren Lageberichten größere Feindangriffe parallel zum
Ausklingen der Flandernschlacht unwahrscheinlich hatte erscheinen
lassen 1784 . Sicher handelte es sich bei der Verfahrensweise mit der
Lagebeurteilung, die in der auf dem Dienstweg hier sichtbaren
Wirkungsweise von oben nach unten zutiefst merkwürdig und wenig
sinnvoll erscheint 1785 , um ein wahrhaftes Kuriosum. Aber es war ein
Zustand, der in der Situation Ende 1917 offensichtlich, wie etwa die
Ausführungen des Kommandeurs der Gruppe Arras nahelegen, von
zahlreichen untergeordneten Stäben hingenommen wurde 1786 . Die
1783
Wie aus den Aufzeichnungen Kuhls hervorgeht, erfuhr die HGr Rupprecht erst im
Laufe des 19.11. vom AOK 2, „daß irgend etwas bevorstände, aber auch offenbar nur ein
örtlicher Angriff“; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge
(Heft/Akt 240): Tagebucheintrag Kuhls vom 22.11.1917.
1784
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 32: HGr Rupprecht Ia Nr.
4477 geh. vom 17.11.1917, Lage bei [Link], und ebenda, Akt: 208, Bl. 55: Lagemeldung
der HGr Rupprecht vom 18.11.1917, mittags.
1785
Einen interessanten Beleg für diese Verfahrensweise stellte etwa auch die Warnung der
HGr Rupprecht durch die OHL vor feindlichen Truppenbewegungen bei [Link] dar,
das so weit nun nicht vom Sektor Cambrai entfernt war und wo man auf Bahnverkehr
hinter der englischen Front (!) aufmerksam geworden war; siehe BA-MA, RH 61/51714:
Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240): OHL (Ia Nr. 5337 geh. op.) an HGr
Rupprecht vom 14.11.1917.
1786
Moser sprach von einem weit verbreiteten Kadavergehorsam der kommandierenden
Generale gegenüber der höheren Führung. Den Gruppenkommandeuren sei der Einblick in
größere Zusammenhänge zudem verwehrt worden, was die Bildung eigener Urteile und die
Äußerung abweichender Meinungen von sich aus unterband. Mißtrauen gegenüber der
Armeeführung aber auch Abstumpfung seien die Folgen dieser Zustände gewesen. Auch
General v. Gallwitz führte entsprechende Anmerkungen zu Führungsverhältnissen an der
Westfront aus, allerdings von der Position des Armeeoberbefehlshabers der [Link] aus
441
gesehen. Nach schweren Mißerfolgen bei Verdun im Frühjahr 1917 sei eine Art
Kontrollsystem durch die OHL und dann die Heeresgruppe Kronprinz zum Prinzip erklärt
worden, das ihm mit tradierten Führungsgrundsätzen unvereinbar und zutiefst peinlich
erschien: „Wo sind unsere altpreußischen Grundsätze hin? Man verliert wirklich die Lust
an der eigenen Arbeit und die Verantwortungsfreudigkeit.“ Siehe Moser:
Feldzugsaufzeichnungen, S. 334, bzw. BA-MA, N 2214/32: Nachlaß Obkircher, Auszüge
aus von Gallwitz, Bd. II‚ Erleben im Westen 1916/18, S. 4.
1787
Schon 1916 hatte Kuhl die ersten Anregungen zur passiven Tankabwehr mittels
Hindernissen gegeben, und die Heeresgruppe Rupprecht wog sich spätestens seit den
Kämpfen bei Arras im Frühjahr hinter der Siegfried-Stellung in Sicherheit. Damals waren
Gräben von 2,50m Breite als für Tanks unüberwindlich und einige zufällig vorhandene
Baugruben in der eigenen Linie als musterhafte Tankfallen präsentiert worden. Siehe dazu
Abschn. 3.5.2. bzw. 5.6.2. und 8.2.
1788
So nicht zuletzt formuliert als Erfahrung der Osterschlacht von Arras, aber auch zuvor
bereits als äußerst bedeutender Faktor bei feindlichen Angriffen und vor allem für
Tankeinsätze eingestuft. Noch Mitte September 1917 hatte die HGr Rupprecht die
unterstellten Armeen darauf hingewiesen, daß es die in Rauch in Staub unerkannt an die
Truppe herangelangten Tanks gewesen waren, die für Verwirrung und Verluste
verantwortlich gemacht werden konnten; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht
Art. Nr. 27557 vom 16.9.1917. Die Anwesenheit von Tanks, die wenigstens seit der
Abwehrvorschrift des AOK 6 von März 1917 (siehe Abschn. 4.2.) uneingeschränkt als
Ankündigung eines größeren Angriffs gewertet werden mußte, war der HGr am 19.11.
bekannt, ohne daß es ihrerseits zu einer Reaktion auf die Bedrohung kam. Damals hatte
man u.a. gesagt: „Haupterfordernis: fruehzeitiges Erkennen und Bekaempfen: (dies bester
442
Bericht der Heeresgruppe deutlich vor Augen führen, wie sehr der Feind,
mit der ihm durch das für 1917 universelle Defensivverhalten des deutschen
Heeres gewährten Initiative und Handlungsfreiheit zur Gänze unterschätzt
worden war und man sich bei der Beurteilung einer unklaren Lage auf die
Stärke einer Stellung gestützt hatte, um deren strukturelle Schwächen und
geringe Besatzung man seit Monaten wußte 1789 .
Auch von seiten der Heeresgruppe fehlte nicht eine kleine, aber sicher
gerechtfertigte Spitze nach oben, die von dieser Position aus die OHL quasi
als „Mitwisser“ dieser Zustände direkt betraf:
„An Hauptkampffronten werden solche Tankangriffe angesichts der starken und
tiefgegliederten Artillerie des Verteidigers wohl kaum Aussicht auf Erfolg
haben.“ 1790
Schutz gegen Tanks). Endziel: Vernichtung durch Massenfeuer ganzer Batterien, bevor
Tanks zum Nahangriff uebergehen.“ Zitiert nach MGFA, Bibliothek, Signatur 53000: AOK
6, Art. I. Nr. 98452 vom 25.3.1917, S. 6, Ziff. 19.
1789
Siehe Kap. 5. und Abschn. 9.2.
1790
Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0003: HGr Rupprecht
Ic No 4561 geh. vom 24.11.1917.
1791
Loßberg äußerte gegenüber Kuhl, daß das AOK 6 am 9.4.1917 Opfer eines
Überraschungsangriff geworden sei, was nur möglich gewesen sei, weil man fest mit einem
mehrere Tage dauernden Trommelfeuer gerechnet habe; siehe BA-MA, RH 61/50652:
Aufzeichnungen Kuhl, S. 58, Eintrag zum 21.4.1917.
1792
Siehe Abschn. 8.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 152f.: AOK 7 Ia Nr. 101/Nov. 17
vom 14.11.1917.
443
1793
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241):
HGr Kronprinz Ia 2225 geh. (eingegangen bei OHL am 6.12.1917) und HGr Herzog
Albrecht Abtlg. Ia Nr. 4846 geh. op. vom 9.12.1917. Das GK [Link] bei der [Link]
sprach die Verhältnisse überaus deutlich an, indem es auf die „Notwendigkeit zur
Selbsthilfe“ zu sprechen kam, welche aus dem Mangel an Abwehrkräften resultierte; siehe
KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 88, Akt: 40, Bl. ILL 40 [Behelfsangabe d. Verf.]: Gr
Aubers Nr. 6193 Ia op. vom 25.11.1917.
1794
Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 27: HGr Rupprecht Ia
Nr. 4567 geh. vom 25.11.1917 (bei der OHL via Fernschreiber am 24.11.1917 abends
eingegangen).
1795
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240):
Auszug aus dem Bericht der HGr Rupprecht (Nr. 4567) nach den Unterlagen der
444
Operationsabteilung der OHL, die ihn mit Datum vom 25.11.1917 in ihre Akten aufnahm,
S. 2.
1796
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 206, Bl. 27: HGr Rupprecht Ia Nr.
4567 geh. vom 25.11.1917.
1797
Siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 240):
Auszug aus dem Bericht der HGr Rupprecht (Nr. 4567) nach den Unterlagen der
Operationsabteilung der OHL, S. 1.
1798
Siehe ebenda, S. 1f. Es wurde ausdrücklich gefordert, daß sämtliche Maschinengewehre
mit der Sondermunition auszustatten seien, was, wie die Heeresgruppe damit eingestand,
nicht der Fall gewesen war.
1799
Siehe ebenda, S. 1.
1800
Siehe ebenda: „Es ist dann gelungen, hinter den Tanks die Linien wieder zu schließen
und die nachfolgende feindliche Infanterie abzuwehren.- Ein Tank kann wohl Gelände
gewinnen, aber er wird es nicht behaupten. Das kann nur die folgende Infanterie. Wird der
Tank von seiner Inf. getrennt, dann wird es oft möglich sein, ihn zu erledigen, zumal er nur
eine beschränkte Munition mitführen kann.“
1801
Siehe ebenda, S. 2.
445
der West- und Ostfront vom [Link] 1917 sehen kann 1802 , nahm sie
die Ausflüchte und das Ausweichen der untergeordneten Stäbe hinsichtlich
der Grundlagen des überraschenden britischen Angriffs insofern an, als daß
erstaunlicherweise und ausnahmsweise keine (weiteren) unmittelbaren
Anschuldigungen erhoben wurden. Ludendorff ließ es sich aber andererseits
auch nicht nehmen, verschiedene Punkte anzusprechen, die sich als eine Art
Mängelliste für die erste Zeit der Tankabwehr bei Cambrai ausnehmen. So
wurde etwa ausdrücklich auf die Bedeutsamkeit der Feindaufklärung und
der Sorgfalt bei allen Tankabwehr-Dispositionen hingewiesen:
„Die Tanks sind ein nicht zu unterschätzendes Kampfmittel. Tankangriffe sind
aber hauptsächlich durch Ueberraschung wirksam. Bei rechtzeitigem Erkennen und
genügender Sorgfalt der Vorbereitungen sind die Abwehrmittel ausreichend, um
1803
feindliche Erfolge auch bei Masseneinsatz von Tanks zu vereiteln.“
Dies implizierte zumindest mittelbar eine scharfe Rüge im Sinne des vorher
schon gegenüber Kronprinz Rupprecht formulierten Vorwurfs der
Unaufmerksamkeit gegenüber potentiellen Bedrohungen. Die Kritik richtete
sich aber durchaus nicht nur gegen die Heeresgruppe, sondern ganz
besonders gegen die lokale, untergeordnete Führung bei Cambrai. Anlaß zu
letzterem dürfte unter anderem, bei dem man ein Muster in Ludendorffs
Herangehensweise bei der Fehlersuche in den Reihen der unteren Führung
und Truppe zu erkennen glauben kann 1804 , der Eindruck gewesen sein, der
durch die vorherigen Äußerungen des AOK 2 und der Heeresgruppe
erweckt worden war. Wenn die frisch ins Gefecht geworfene Infanterie nach
dem ersten Schlachttag mit den Tanks fertig geworden war, und zwar im
1802
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 46ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op.
vom 24.11.1917. Der Verteiler umfaßte die Heeresgruppen und AOK der Westfront, die
Inspektion der Artillerie-Schießschulen, die Artillerie-Übungsplätze, den
Generalstabskursus Sedan sowie den Kommandierenden General der Luftstreitkräfte. Der
Oberbefehlshaber Ost und die ihm unterstellten Heeresgruppen- und
Armeeoberkommandos wurden zudem „nachrichtlich“ informiert.
1803
Zitiert nach ebenda, Bl. 47, Abschn.: Allgemeines.
1804
Erinnert sei an die Aufarbeitung der Kämpfe bei Arras 1917, wo schnell die [Link]
und ihre Führung in den Focus des Interesses rückten, oder an die beiden Stabschefs, die
nach der Schlacht von Malmaison ihrer Stellung enthoben wurden; siehe Abschn. 5.6.2.
und 7.2.
446
1805
Siehe dazu Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396. Es findet sich hier auch der direkte
Bezug zu den erfolgreichen Kämpfen am 23.11.1917, was die besondere Wirkung des
Erfahrungsberichts des AOK 2 sowie gleichgearteter und noch folgender Gefechtsberichte
der nach dem 20.11. eingesetzten Verbände auf Ludendorffs Auffassung unterstreichen
dürfte.
1806
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 46: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom
24.11.1917, Ziff. 1.).
1807
Siehe ebenda, Ziff. 2.).
1808
Siehe Abschn. 4.2.
1809
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 47: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom
24.11.1917, Ziff. 3.). Die Flachbahnlafetten, die den direkten Schuß mit dem sonst nur zum
Steilfeuer geeigneten Minenwerfer ermöglichten, waren laut OHL bereits zur
Massenfertigung vorgesehen, würden aber in größerer Zahl erst in einigen Monaten
ausgeliefert werden.
1810
Siehe ebenda, Bl. 47, Abschn.: Allgemeines.
1811
Eine erste Darstellung mit genaueren Erkenntnissen über die Grundlagen des britischen
Angriffes scheint eine vom NO AOK 2 aufgrund erbeuteter Papiere und
447
[Link] und [Link] 1812 wurde also seitens der OHL angenommen, daß genau
dies nicht der Fall und damit die fehlende Kampfbereitschaft der Truppe die
eigentliche Ursache der schweren Krise gewesen war.
Ungeachtet auch späterer Aussagen und Meldungen aus dem Bereich der
Gruppe Caudry, ungeachtet der Belohnung der [Link] mit zwei Orden Pour
le Mérite (s.u.) oder der großen Anzahl abgeschossener Tanks vom ersten
Tag der Schlacht, fand diese Auffassung Eingang in Ludendorffs
Kriegserinnerungen von 1919, in denen er davon sprach, daß sich die
Stellungstruppen hatten überrennen lassen 1813 . Untermauert wurde der
augenscheinliche Unterschied zwischen den Gefechtsleistungen am 20.
November und den darauffolgenden Tagen dadurch, daß Einheiten, denen
nicht nur heute und hinsichtlich ihres Selbstverständnisses Elitecharakter
unterstellt werden kann, nämlich Teile der preußischen Garde, Berichte
herausbrachten, die in ihren Aussagen eindeutig waren und Ludendorffs
Sichtweisen auf die Möglichkeiten der deutschen Tankabwehr bis zum Ende
seiner Tätigkeit als Generalquartiermeister bestimmen würden 1814 . Das
„Regiment Brederlow“ beschrieb plastisch die Effizienz des Ausweichens
der Infanterie gegenüber den Tanks und deren tragisches Ende vor den
Rohren der herangaloppierenden Feldartillerie hinter der eigenen Linie 1815 .
Der Bericht schloß mit den Worten:
„Die Truppe ist zwar angestrengt, aber in vorzüglicher Stimmung; die
Überlegenheit über den englischen Gegner ist ihr erneut bewußt, die Tankgefahr als
Gefangenenaussagen gefertigte Meldung gewesen zu sein; siehe HStAS, M33/2, Bü. 373a,
Bl. 86ff.: NO AOK 2 Nr. 4803 vom 27.11.1917: Der englische Angriff vor der [Link].
1812
Die Reste der [Link] wurden von Cambrai aus an die Ostfront transportiert; siehe RA,
Bd. 13, Beilage 28b, S. 9. Berichte über ihren Einsatz bei Cambrai ließen sich in den
Unterlagen der Gr Caudry und der HGr Rupprecht nicht finden und womöglich ist dies ein
Hinweis auf einen durchaus eingeschränkten Meldeweg auch zwischen West und Ost, wenn
man davon ausgeht, daß die OHL ebenfalls keinen Erfahrungsbericht der Division erhielt.
1813
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396.
1814
So führte er dem Reichskanzler gegenüber noch am 17.10.1918 die herausragenden
Tankabwehrleistungen von Teilen der preußischen Garde an, um dem Argument der
allgemeinen Hilflosigkeit der Truppe den Wind aus den Segeln zu nehmen; siehe
Ludendorff: Urkunden, S. 567.
1815
Siehe KA, 1 R. Korps, Bd. 169: [Link] Ia Nr. 6804 vom 26.11.1917: Erfahrungen im
Kampf gegen Tanks.
448
leicht überwindbar vor Augen getreten, sobald die Infanterie ihren Zusammenhalt
behält und die Artillerie sie rechtzeitig unterstützt.“ 1816
1816
Zitiert nach ebenda, Abschn.: Lehren.
1817
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0008f.: [Link] I Nr. 11086
geh. (ohne Datum, nach dem 23.11.1917).
1818
Zitiert nach ebenda, Bl. 0009.
1819
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 241: [Link] Ia Nr. 2292 vom 28.11.1917.
1820
Siehe ebenda, Bü. 330, Bl. 157: Gr Caudry Ia 529 op. vom 27.11.1917. Bei Treffern sei
eine lange Stichflamme zu beobachten gewesen, die den Benzintank des Fahrzeuges zur
Explosion gebracht habe.
1821
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Bl. 0016: Gr Arras Abt Ia Tageb. Nr.
8310 geh. vom 7.12.1917.
1822
Siehe ebenda, Bl. 0013: Gr Busigny Ia Nr. 8974 geh. vom 8.12.1917. Bemerkenswert
ist, daß mit dem Geschehen nicht die [Link] (siehe und vgl. Abschn. 9.5.) in Verbindung
gebracht wurde, sondern die Artillerie der [Link].
449
Die Schlußfolgerungen der OHL aus der Schlacht von Cambrai mußten
demzufolge derart ausfallen, daß die geltenden Einsatzgrundsätze für die
Abwehrschlacht, sofern sie berücksichtigt wurden, die vorhandenen
Tankabwehr- und Kampfmittelmittel aller Art, falls die Führung vor Ort sie
zweckmäßig einsetzte, und die Leistungsfähigkeit der Truppe, wenn sie
taktisch und disziplinarisch richtig geführt wurde, vollends ausreichten, um
auch überraschendste Feindangriffe abwehren und gegen Tank- und
Infanteriemassen erfolgreich bestehen zu können. Daß der Tank ein
gefährliches Kriegsmittel darstellte, hatte sich wieder einmal unter Beweis
gestellt. Doch selbst dort, wo multiples Versagen der lokalen und
übergeordneten Führung oder die eng begrenzten militärischen Ressourcen
des deutschen Heeres einen feindlichen Anfangserfolg ermöglichten, waren
unter personell geschwächten und erschöpften Truppen, die von überall her
mehr oder weniger wahllos ins Gefecht geworfen wurden, ausreichende
Kräfte vorhanden, die dem Angreifer mit der im Endergebnis gewohnten
Höchstleistung den Sieg verwehrten. Das schien damals für die OHL eine
Tatsache zu sein, und man wird auch heute nicht umhin kommen, sie als
Summe der bis hierhin festgehaltenen Grundlagen als solche zu akzeptieren.
Den massiven, heeresinternen Einschränkungen, denen dieses Bild noch vor
der Jahreswende unterworfen war, darunter etwa die immer deutlicher
werdende Kriegsmüdigkeit 1823 und der immense Verschleiß der Truppe 1824 ,
1823
Gerade bei den von der Ostfront herangeführten Divisionen war dies in Form einer
hohen Desertionsrate von 10% zu spüren; siehe dazu Bessel, Richard: Die Heimkehr der
Soldaten. Das Bild der Frontsoldaten in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik, in
Hirschfeld (u.a. Hg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch...“, S. 264.
1824
Siehe bspw. BA-MA, RH 61/51714: Solger: Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt
241): OHL an die Heeresgruppen der Westfront wegen der Schonung württembergischer
Divisionen, denen die Heimat kaum noch Ersatz überweisen könne, oder ebenda: HGr
Rupprecht an OHL wegen 14 Divisionen des Heeresgruppenbereichs die 1917 keine
Ruhezeit von 3 Wochen gehabt hätten, oder KA, 11.I.D., Bd. 96: [Link] Ia Nr. 3150 op.,
worin die [Link] sehr klar taktische und individuenbezogene Mißstände zum Ausdruck
brachte, unter denen „der frische Geist in der Truppe“ litt. Nach einer Anfrage der OHL bei
einer nicht näher genannten Armee (5, 7 oder 2 kämen in Frage), die hohe Gefangenzahlen
bestätigen mußte, erklärte Ludendorff: „Der Ersatz ist mangelhaft ausgebildet, namentlich
die Disziplin läßt sehr zu wünschen übrig. Die Eindrücke des Kampfes sind dagegen immer
450
die noch im Dezember „öfter zu Klagen“ gegenüber der OHL führten 1825 ,
waren demgegenüber und mit der Aussicht auf mehrere Wochen Ruhe und
Ausbildung für die Verbände anscheinend nur von peripherer Bedeutung.
Da nach dem offensichtlichen Ausklingen der britischen
Angriffsoperationen bei Cambrai die Vorbereitung der
kriegsentscheidenden deutschen Offensive des kommenden Frühjahrs im
Zentrum des Interesses stand 1826 , waren Planung, Durchführung und
Auswertung des Gegenangriffs ab dem [Link] 1917 für die OHL
deutlich von größerem Interesse 1827 , als es irgendwelche, sozusagen
rückwärtsgewandten Diskussionen über Belange der „Abwehrschlacht“
überhaupt noch sein konnten 1828 . Und unter diese Belange der Abwehr im
1829
Moser notierte etwa für den 18.11.1917: „Der Armeeführer, General v. d. Marwitz,
besucht mit dem Armeechef, Major Stappf, zum dritten Male die Gruppe. Dieser dritte
Besuch gibt mir die vollends endgültige, aber freilich sehr unerfreuliche Klarheit darüber,
in welch schlimmes dienstliches Verhältnis und Verhängnis ich geraten bin.“ Zitiert nach
Moser: Feldzugsaufzeichnungen, S. 333f.
1830
Die Gruppe wurde am 11.12. durch einen scharf rügenden Bericht mit der Unterschrift
Hindenburgs direkt angesprochen. Behauptet wurde, daß verschiedene Grundsätze für die
Durchführung eines Angriffs bei der Gr Arras nicht klar zum Ausdruck gekommen seien
und daher nicht der Erfolg errungen wurde, der gewünscht war. Wie wenig
Erfolgsaussichten man der Gr bei ihrem Angriff schon zuvor attestiert hatte, war ohne
Bedeutung, genauso, daß der Befehl zu einem zeitlich hinter die beiden anderen Gruppen
gelagerten Angriff aufgezwungen worden war; siehe BA-MA, RH 61/51714: Solger:
Akten- und Tagebuchauszüge (Heft/Akt 241): Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 5680 geh.
op. vom 11.12.1917 bzw. und bspw. BA-MA, RH 61/51768: Manuskript Renner von 1938:
Der deutsche Gegenangriff bei Cambrai 1917, S. 37a.
452
schmeichelten, wie sie die zuvor formulierten und den ganzen Sachverhalt
quasi „abschließenden“ Erkenntnisse aus der Tankabwehr bei Cambrai
unangetastet ließen. Vom RIR 19 der [Link], die zu dieser Zeit noch immer
der Gruppe Caudry angehörte, wurde am 27. ein Bericht an das
Gruppenkommando weitergeleitet, der mit Kritik nicht sparte 1831 . Das
Regiment führte aus, daß Tanks, von denen man am [Link] 40 vor
dem Abschnitt gehabt hatte, durch ausreichende Artillerie zwar generell
abzuwehren gewesen wären, „dieser Fall aber nicht vorlag“ und man daher
keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt habe 1832 . Wegen der Wirkung der
SmK-Munition gab es beim Regiment zudem erhebliche Zweifel 1833 . Und
schließlich wurde als einzig zielführendes Mittel gegen das Bewußtsein
innerhalb einer „sonst wohlbewährten Truppe“, den Tanks völlig hilflos
ausgeliefert zu sein, gefordert, die Infanterie unbedingt mit einer Waffe
auszurüsten, „mit der sie jederzeit den Kampf gegen die Tanks auch dann
aufnehmen kann, wenn sie vollständig auf sich selbst angewiesen ist“ 1834 .
Diese Forderung deckte sich interessanterweise mit einer früheren der
Heeresgruppe Rupprecht, welche die OHL während der Flandernschlacht
vergeblich aufgefordert hatte, der Infanterie eine eigene Tankabwehrwaffe
zu verschaffen 1835 . Ob das RIR 19 mit seinen Ansichten überhaupt über die
Ebene des vorgesetzten Generalkommandos hinauskam, ist fraglich. In die
Akte der Gruppe Caudry zur Tankschlacht 1836 , die mit ihrem Charakter als
1831
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: RIR 19 Nr. 5855 vom 27.11.1917.
1832
Siehe ebenda, Ziff. 8.) a.).
1833
Siehe ebenda, Ziff. 8.) e). Die Zweifel wurden von der [Link] gestützt, nachdem man
Beschußtests auf liegengebliebene britische Tanks am Lateau-Wald durchgeführt hatte.
Lediglich an den Seiten und bei stehenden Ziel seien Durchschläge zu erreichen; siehe KA,
Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 211, Bl. 0017: [Link] Ia No. 4167 vom 8.12.1917.
1834
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 307: RIR 19 Nr. 5855 vom 27.11.1917, Ziff. 11.).
1835
Siehe Abschn. 8.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 573: HGr Rupprecht Art. Nr. 27557 vom
16.9.1917.
1836
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a: Gr Caudry zur Tankschlacht bei Cambrai vom
30.12.1917. Die Akte umfaßt in erster Linie eine sehr ausführliche Darstellung der
Tankschlacht aus der Perspektive des Gruppenkommandos. Enthalten ist aber auch der
Bericht der [Link] vom 28.11.1917, der als „kritische“ Anlage beigefügt wurde, sowie
dutzende Seiten mit Abschriften eigener Befehle und vor allem der Weisungen der höheren
und höchsten Vorgesetzten. Diese Abschriften lassen sich einerseits als Quellenmaterial bei
453
der Abfassung des Berichts des Generalkommandos identifizieren, andererseits legt es der
Gesamteindruck des Vorganges aber nahe, daß es sich um eine schriftlich fixierte
Rechtfertigung gegen etwaige Vorwürfe übergeordneter Stäbe handelte.
1837
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0010: AOK 2 Ia/M.G.O.
Nr. 286/Dez/1810/17 vom 10.12.1917. Im Armeebereich hatte kurz zuvor bereits die Gr
Quentin angeordnet, daß als Richtwert für die Bestände an SmK-Munition 30% anzusehen
seien. Zahlenangaben wurden nicht gemacht und auch nicht zwischen den beiden Standard-
Maschinengewehrtypen unterschieden; siehe ebenda, Bl. 0018: Gr Quentin Ia Nr.
538/Dezbr geheim vom 7.12.1917.
1838
Die OHL ging in ihrem Bericht vom 24.11. zwar auf die [Link]. 15 m.P. unter der
Bezeichnung „Sondergeschoss mit Panzerkopf“ ein, gab allerdings auch diesmal keine
Richtzahlen für Batteriebestände an; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 47: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ia/II. Nr. 71189 op. vom 24.11.1917, Ziff. 4.).
454
1839
Siehe BA-MA, PH 3/57: Chef d. Genst. d. Feldheeres II No 73004 op. vom 21.12.1917.
Es handelt sich um die Abschrift des Berichtes der [Link] zur Tankbekämpfung in
Versuchen vom 12.12.1917.
1840
Siehe ebenda, Abschn. I.
1841
Siehe ebenda, Abschn. III. Der leichte Minenwerfer schuf mit dem [Link]ß ein ca.
50cm großes Loch in der Panzerung, daß für die potentiellen Insassen tödlich gewesen
wäre. Der Minenwerfer mußte zum direkten Schuß behelfsmäßig eingerichtet werden, da
keine der wenigen testweise bereits an die Westfront ausgelieferten Flachbahnlafetten für
die Versuche zur Verfügung stand.
1842
Siehe ebenda, Abschn. II. 30-50% einer nicht spezifizierten Anzahl von Schüssen mit
Gewehr 98 und Maschinengewehr 08/15 ergaben laut Bericht Durchschläge.
1843
Ohne nähere Spezifizierung des Ziels, etwa nach Beschußwinkeln oder Art des
Fahrzeuges, das auch das Feuer auf einen schwachgepanzerten Mark II Versorgungs-Tank
beinhaltet haben könnte, bleiben an sich schon Fragen über Fragen an die Aussagekraft der
Versuche. Noch ganz davon zu schweigen, daß die strukturelle Integrität ab- und
angeschossener oder ausgebrannter Fahrzeuge, die seit wenigstens einigen Tagen auch der
winterlichen Witterung ausgesetzt waren, kaum einer der Fragestellung angemessenem
Relevanz der Beschußtests gerecht werden konnte.
1844
„Die Infanterie besitzt in geballten Ladungen, S.m.K. Munition und besonders dem
leichten Minenwerfer [für den bislang nur wenige Flachbahnlafetten vorhanden waren]
äußerst wirkungsvolle Tankabwehr- und Bekämpfungsmittel. Eine mit diesen Waffen wohl
ausgerüstete Infanterie braucht einen Tankangriff größeren Stils nicht zu scheuen. Ferner
darf sie kräftiger Unterstützung durch die Artillerie mit Tankabwehrgeschützen und
Sperrfeuer gewiß sein. Jedes [hervorgeh.] Feldartillerie-Geschoß ist im Volltreffer gegen
einen Tank von vernichtender Wirkung.“ Zitiert nach BA-MA, PH 3/57: Chef d. Genst. d.
Feldheeres II No 73004 op. vom 21.12.1917.
455
1845
Siehe ebenda, Abschn. I bzw. II.
1846
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 90ff.: [Link] Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917:
Erfahrungen der [Link] während der Schlacht von Cambrai vom 20.-23.11.1917.
1847
Die [Link], die ebenfalls bei der HGr Herzog Albrecht Verwendung gefunden hatte,
nahm den Bericht der [Link] Mitte Dezember in ihre Akten auf. Der Divisionskommandeur,
Ritter v. Kneußl, erschloß offenbar ohne weitere Kenntnis über den tatsächlichen
Sachverhalt mit wenigen Worten zwei grundsätzliche Mängel der Verteidigung des
Divisionsabschnittes am 20.11.1917, indem er auf dem Dokument die Fragen nach
ausreichenden Tankabwehrgeschützen und ausreichender Munition für die Artillerie
handschriftlich vermerkte; siehe KA, [Link], Bd. 96. In den Unterlagen der Heeresgruppe
oder den Verlautbarungen anderer Stäbe zur Tankschlacht fanden sich keinerlei Bezüge
bzw. Kommentare zum Bericht der [Link] oder dieser selbst.
1848
Kabisch führte dazu aus: „Mündlich hat mir General v. Watter dazu ergänzt, daß er ja
eigentlich, wenn er die Sache so, wie sie gewesen wäre, in seinem Gefechtsbericht hätte
aufnehmen wollen, das Generalkommando hätte anschuldigen müssen, denn bei diesem
habe das, was der Kommandierende General ihm mündlich in Cambrai gesagt hatte [siehe
Abschn. 9.2.], in keiner Weise mit dem gedeckt, was nachher von der Gruppe befohlen und
dazu ihm nicht einmal mitgeteilt worden war.“ Zitiert nach Kabisch: Taktiker und Stratege,
in Watter, S. 90.
456
1849
Sieh KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0014: [Link] Ia Nr. 2082/17
op. vom 28.11.1917. Die [Link] hatte mit Tanks bei Arras zu tun gehabt und bei Cambrai
insofern als sie zur Gruppe Arras gehörte und am Gegenangriff vom 30.11.1917 teilnahm.
Seit April 1917 hatte sie allerdings mit Tankabwehr nur indirekt zu bekommen. Als mit der
obligatorischen Einforderung von Erfahrungen in der Tankabwehr bei Cambrai an sie
herangetreten wurde, stand sie offenbar unter dem Zwang, etwas einreichen zu müssen,
obwohl sie grundsätzlich nichts sinnvolles oder zielführendes einzureichen hatte.
Nichtsdestotrotz wurde ein Bericht gefertigt, dessen Wert in jeder Hinsicht zweifelhaft
erscheint und etwa davon sprach, daß die Tanks zwar die bekannte Form gehabt hätten,
aber von verschiedener Größe gewesen seien.
1850
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 90.: [Link] Ia Nr. 3013 op. geh. vom 28.11.1917,
Ziff. 1.). Die Kritik an der Gr Caudry wurde an dieser Stelle auch ausgesprochen, denn
durch die Division angeforderte Artillerie kam nur in geringer Zahl und ohne Munition
(siehe auch ebenda, Bl. 95, Abschn.: Munition), und dringend gewünschte Gasmunition
„traf überhaupt nicht ein“.
1851
Siehe ebenda, Bl. 91f., Abschn.: Verwendung der eigenen Artillerie.
457
1852
Siehe ebenda, Bl. 93, Abschn.: Eigener Stellungsbau, Ziff. b).
1853
Siehe ebenda, Bl. 94, Abschn.: Munition. Nach Berechnungen der Division wären für
ihren Abschnitt von 9,2km Länge 10-12 Millionen (!) Schuß Infanteriemunition vonnöten
gewesen, was keineswegs der Fall war. Empfohlen wurden für jedes Maschinengewehr
6.000 Schuß, wovon die Hälfte SmK-Patronen sein sollten.
1854
Siehe ebenda, Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie, und Bl. 95,
Abschn.: Munition. Zur Wirkung der SmK-Munition führte der Bericht aus: „Das Urteil, ob
die S.m.K.-Patronen die Tankwände an schwachen Stellen durchschlagen, ist noch nicht
feststehend. Von manchen Seiten wird es geleugnet; wo es zugestanden wird, muß es sich
vielleicht um ältere Tanks mit schwachen Wänden handeln.“
1855
Siehe ebenda, Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie.
1856
Siehe ebenda, Bl. 91, Abschn.: Tanks, bzw. Bl. 92, Abschn.: Verwendung der eigenen
Infanterie.
1857
Siehe ebenda, Bl. 91, Abschn.: Tanks.
1858
Siehe ebenda, Bl. 91f., Abschn.: Verwendung der eigenen Artillerie.
458
1859
Ein hochrangiger Überlebender, der Kommandeur des RIR 90, der sich allerdings nicht
in den Diskurs der Erfahrungen einschalten konnte, weil er in britische Gefangenschaft
geraten war, sah dies mit gutem Grund anders. Er war zu der Erkenntnis gekommen, daß
die Lage auch durch „in Aussicht gestellte“ drei Eingreifbataillone nicht zu ändern gewesen
wäre, wenn diese keine Artillerieunterstützung gehabt hätten; siehe BA-MA, MSg 101/242:
Bericht Major Hermsdorffs (RIR 90) zum Verlauf des Kampfes bei Cambrai am
20.11.1917, Abschn. A.
1860
Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 373a, Bl. 92.: [Link] Ia Nr. 3013 op. geh. vom
28.11.1917, Abschn.: Verwendung der eigenen Infanterie.
459
1861
Siehe Kabisch: Taktiker und Stratege, in Watter, S. 91, und Hamelman, William G.:
The History of the Prussian Pour le Mérite Order, Bd. III: 1888-1918, Dallas 1986, S. 535,
Nr. 404: “Awarded the Pour le Mérite Order for outstanding leadership and distinguished
military planning and successful operations during the British tank attack at Cambrai on
November 20, 1917. After four days of fighting, the 54th Infantry Division brought the
British offensive to a halt in its sector and prevented a breakthrough in the German lines.”
1862
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 396.
1863
Siehe Abschn. 9.1.
1864
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 613: Gr Caudry Abt. I.c Nr. 2019 vom 21.1.1918. Der
eingesandte Bericht selbst ist im Büschel nicht enthalten, sondern lediglich die Antwort des
Gruppenkommandeurs, der mit Unterschrift zeichnete.
460
noch immer möglichen Abstrafung durch die OHL- so etwas wie Verrat aus
den eigenen Reihen, als er auf den für ihn bemerkenswerten Umstand
hinwies, daß der Verfasser seine an sich genaue aber nach Meinung des
Kommandierenden Generals natürlich völlig falsche Darstellung mit
internen Papieren und Quellen belegt hatte, die nicht jedermann zugänglich
sein konnten. Der Bericht der [Link] verschwand in einer Schublade oder
sonstwo, jedenfalls spielte er keine Rolle mehr.
Daß aus den Erfahrungen der Tankschlacht bei Cambrai, deren
Aufarbeitung den bis hierhin aufgezeigten Einschränkungen durch
irreführende, zurückgehaltene oder zu positivistisch-einseitige
Verlautbarungen unterlag, überhaupt etwas herauskommen konnte, daß die
deutsche Tankabwehr konzeptionell voranbringen konnte, scheint an sich
schwer denkbar zu sein. Doch tatsächlich sind selbst diejenigen Weisungen
und Befehle, die im Kern nichts als die Rekapitulation längst schon
veröffentlichter Erfahrungen bedeuteten 1865 , durchaus positiv zu sehen.
Schließlich dürfte, außer bei den noch immer wenigen Kampfverbänden,
die, wie die [Link], zuvor schon mit Tanks direkt in Berührung gekommen
waren und in deren Reihen man aufgrund persönlicher Erfahrung und
Eindrücke wußte, wie gefährlich das neue Kriegsgerät gegebenenfalls sein
konnte 1866 , kaum ein anderes Bild von dem neuen Kriegsmittel der Gegner
vorhanden gewesen sein, als das, was sich vielleicht für einen neugierigen
Offizier eines Stabes aus dem Papierberg an Berichten verschiedenster
Stäbe -und über die generelle Aussage der geringen Wirkung von Tanks
hinaus- ergeben konnte. Diese Umstände, der Papierberg, der durch die bei
nicht wenigen Divisionen oft wechselnden Unterstellungsverhältnisse
1865
Dazu gehörten -u.v.a. auf Guppen- oder Divisionsebene- Weisungen des AOK 1 zum
Gebrauch geballter Ladungen, des AOK 2 zu allgemeinen Abwehrmaßnahmen gegen
Tanks und Ausführungen der HGr Rupprecht zum Thema; siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia
Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918, KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl.
0012: AOK 2 Ias Nr. 226/Dez vom 10.12.1917 bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 182f.:
HGr Rupprecht Ic/Art. No 35761 vom 16.12.1917.
1866
Diese Annahme wird noch dadurch übertroffen, daß Hptm. Fürsen (ehem. IR 84) an
seinen früheren Divisionskommandeur im Zusammenhang mit den 1917 praktizierten
Tankabwehrübungen schrieb: „Euer Exzellenz haben uns dadurch den ‚Tank-Schrecken’
genommen.“ Siehe HStAS, M 660/047, Heft 11: Brief Fürsens an Watter vom 19.2.1924.
461
1867
Ohne Bezug zum Tank, sondern als eher generelle Beobachtung dieses Umstandes,
führte die [Link] zu ihren Erfahrungen in Flandern aus: „Sichtung und Beschränkung der
‚grundlegenden Befehle’ ist erwünscht. Sie haben einen Umfang angenommen, dass es
Neulingen in der Abwehrschlacht unmöglich ist, sich waehrend eines voruebergehenden
Einsatzes an der Front ihren Inhalt wirklich zu eigen zu machen.“ Zitiert nach KA, [Link],
Bd. 96: [Link] Abt. Ia Nr. 3150 op.: Erfahrungen der [Link].-Division bei ihrem Einsatz am
Houthulster-Wald vom 12.10.-13.11.17; Ziff. 2.). Die gleiche Aussage, allerdings so scharf
formuliert, daß der Verfasser anonym bleiben wollte, kam der OHL auch in einem
Schreiben zu Ohren, das in jeder Weise und zu zahlreichen Belangen ein „offenes Wort“
pflegte; siehe BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 103.
1868
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 124: AOK 2 Ia Nr. 626/Dez. Geheim! vom
24.12.1917. Petter führte in diesem Zusammenhang aus, daß für die von der Ostfront
herankommenden Verbände, die über nur sehr geringes Wissen um die Tankabwehr verfügt
haben dürften, keine besonderen Einweisungen befohlen oder Anweisungen herausgegeben
worden sind; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.
120.
1869
Das AOK 2, dessen Oberbefehlshaber die geschilderten Erlebnisse bei Cambrai hatte,
erließ im Februar besondere Weisungen für die Ausbildung in der Tankbekämpfung, deren
Grundlage die Erkenntnis war, daß wenigstens die moralische Wirkung der Tanks auf
Truppen, die nicht einmal über theoretische Abwehrmöglichkeiten orientiert seien,
zweifellos sei; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Ias Nr. 294/Febr. Geheim! vom
17.2.1918.
462
1870
Eine Bitte zur Anfertigung eines Merkblattes für die Truppe kam beim AOK 2 von der
Gr Oise; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0020: Gr Oise Ia Nr.
2747 geh. vom 8.12.1917.
1871
Das AOK 6 veröffentlichte bereits am 10.12. für den Armeebereich ein „Merkblatt für
die Tankbekämpfung“, worin einmal ausgesagt wurde, wie wichtig es sei, daß jeder Mann
wisse, „daß er nicht wehrlos ist“ (Ziff. B.I.6.) und dann die derzeit gültigen und gängigen
Abwehrmöglichkeiten zwischen Ausweichen der Infanterie (Ziff. B.I.4.) und dem
Anfordern von Schlachtfliegern (Ziff. B. III.1.) aufgezählt wurden; siehe ebenda, Bl. 0022:
AOK 6 Ia/Ib No 73871 vom 10.12.1917.
1872
Siehe ebenda, Bl. 0029: Kdr. d. Kraftfahrtruppen AOK 2 vom 23.12.1917: Merkblatt
zur Tankbekämpfung.
1873
Siehe ebenda. Rückseitig findet sich der Eingangsvermerk der HGr Rupprecht als Ic Nr.
36532 op. und der Befehl zur Anfertigung von 7.000 Exemplaren.
1874
Borchert veröffentlichte 1931 das aufschlußreiche Buch „Der Kampf gegen Tanks.
Dargestellt an den Ereignissen der Doppelschlacht von Cambrai“. Dort, S. 65, ist auch das
Merkblatt abgebildet. Wie man seinem Buch entnehmen kann, war er am zweiten Tag der
Schlacht zur „technischen Erkundung“ auf das Gefechtsfeld gesandt worden, wo er bei
Fontaine verwundet wurde. Seinem Kommando gelang es aber zügig, einen ersten Tank
fahrbereit zu machen und für Beschußtests hinter die deutschen Linien zu bringen. Eine
weiterer, der zahlreichen von Borcherts Leuten vom Schlachtfeld geborgenen Tanks, wurde
am 19.12.1917 der OHL vorgeführt und –so spekulierte Petter- dürfte seine Wirkung nicht
verfehlt haben. Dies führte zumindest auf dem Sektor des Tankbaus zu verstärkten
Maßnahmen, die auf deutsche Tankeinsätze im Rahmen der kommenden Offensive
gerichtet waren und der Tankproduktion jetzt in die Dringlichkeitsstufe I der Kriegsrüstung
verhalfen; siehe dazu BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr,
S. 141ff.
463
1875
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0037: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ic. Nr. 77655 geh. op. vom 8.3.1917.
1876
Siehe dazu BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.
143. Verworfen wurde die Idee, weil man feststellte, daß die durch Radfahrzeuge
hervorgerufenen Erschütterungen größer waren als die der Tanks. Wie sich Seismographen
auf einem Schlachtfeld, das noch immer von Artilleriefeuer geprägt war, praktisch hätte
bewähren können sollen, muß an sich wohl schleierhaft bleiben.
1877
Siehe ebenda, S. 145. Der entsprechende Befehl konnte in den Archivalien der
Heeresgruppe Rupprecht nicht aufgefunden werden, was es fraglich erscheinen lassen muß,
auf welche und wessen Anregung hin die OHL diese Weisung erteilte. Wichtig ist
jedenfalls, daß sie auch dieser Idee gegenüber aufgeschlossen war.
1878
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl. 0026: HGr Rupprecht Art.
Nr. 35407 vom 12.12.1917.
1879
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 145.
464
1880
Beim AOK 2 war mit den Tests zumindest das Jäger-Sturm-Bataillon 3 beauftragt
worden, und über das AOK 7 hinaus führte Petter Versuche bei der Heeres-Artillerie-
Schießschule Mouzon mit ebenfalls negativen Testergebnissen an; siehe dazu BA-MA, PH
10 III/22 und ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 148.
1881
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 147f.
Wie man auf S. 142 erfährt, war kurzzeitig auch im Gespräch, die in diversen Typen
vorhandenen „Raupenwagen“ als Träger für Kanonen zu nutzen, was von der OHL unter
Hinweis auf den Rüstungsbedarf für den Tankbau und sogenannte „Raupen-Lkw“ (für
Transportzwecke und als Artillerie-Zugmaschinen) abgelehnt wurde.
1882
Siehe ebenda, S. 124.
1883
Zum sogenannten „Tankfort“ siehe Abschn. 12.5.2.
465
Eine Reaktion der OHL auf diese Vorschläge, die hinsichtlich der
eigentlichen Bekämpfungsmittel auch etwa die Frage nach dem Gebrauch
von Flammenwerfern einschloß 1884 , ließ sich nicht auffinden und belegt
vordergründig einmal mehr eine nur dürftige Beschäftigung des wichtigsten
Führungsstabes mit ungelösten und neuen Tankabwehrfragen, deren
Relevanz sich andererseits auch in Beutedokumenten für jedermann, auch
Ludendorff, klar darstellte und entsprechende Würdigung erfuhr. Die OHL
veröffentlichte am [Link] ein italienisches Schriftstück zu
Entwicklung, Ausrüstung und Einsätzen der französischen und britischen
Tanktruppen mit dem Kommentar 1885 :
„Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass im kommenden Frühjahr Engländer und
Franzosen versuchen werden, sich durch überraschenden und gleichzeitigen
Masseneinsatz von Tanks und von niedrig fliegenden Schlachtfliegern die Basis für
einen grossen Schlachterfolg zu schaffen.“ 1886
Daß, wie Petter es sah 1887 , die OHL daraus nicht die entsprechenden
Folgerungen zog, lag darin begründet, daß es genau dieses kommende
Frühjahr sein sollte, das mit einem alles entscheidenden deutschen
Unternehmen die Gesamtheit dieser Bedrohungen würde eliminieren
können und die angesprochenen Fragen und notwendigen Rückschlüsse zu
Themen der Nachkriegszeit machen mußte. Die strategische Lage definierte
Prioritäten der Taktik, wobei die Tankabwehr nach dem Überstehen der
Abwehrschlachten von 1917 sekundärer Aspekt wurde, während die
Verstärkung der Angriffskraft des deutschen Heeres aber in den
Vordergrund trat. Insofern kann, wie es im deutschen amtlichen Werk zu
lesen ist, auch kaum davon gesprochen werden, daß der Eindruck der
Tankschlacht durch den letztendlichen Sieg bei Cambrai „völlig verwischt“
1884
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 125.
1885
Siehe KA, HS 3402: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abteilung Fremde Heere Nr. 4522
vom 26.12.1917: Übersetzung einer italienischen Denkschrift. Berichte des Hauptmanns
Cavaliere Alfredo Bennicelli über den Gebrauch der Panzerkraftwagen „chars-d’assaut und
Tanks“ im englischen und französischen Heere, August 1917.
1886
Zitiert nach BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.
137f.
1887
Siehe ebenda, S. 138.
466
worden sei 1888 . Die Erfahrungen aus den Kämpfen, die im Zugeständnis
effizienteren Gebrauchs von Tanks durch die Briten 1889 und die zumindest
in einen gewissen, noch nicht gegen den Feind getesteten Offensivwert der
Kampfwagen kulminierten, dazu gewiß auch die persönlichen Eindrücke bei
hohen und höchsten Persönlichkeiten der militärischen Führung aus den
erstmaligen Vorführungen von Beutefahrzeugen beinhalteten 1890 , mußten
unterstreichen, daß der Tank im Angriff tatsächlich einen Gefechtswert
hatte. Daher nahm man die Fertigung eigener Kampfwagen Anfang
Dezember 1917 in die allerhöchste Dringlichkeitsklasse der Kriegsrüstung
auf 1891 .
Da man die Offensive mit ihrem bekannten Ausgang am 21.März 1918 nur
mit einer Handvoll A7V und Beutetanks von Cambrai beginnen konnte und
tatsächlich ein Jahr vergangen war, in dem man den Bau eigener
Kampfwagen nur halbherzig betrieben hatte, bot sich späterhin eine große
Angriffsfläche für Kritik an der OHL 1892 . Bei dieser Kritik sollte allerdings
nicht unberücksichtigt sein, daß neben den Belegen für die unwiderlegbaren
Schwächen von Tanks, wie sie auf dem Gefechtsfeld und in Versuchsreihen
erkennbar waren, belegbar ist, daß man beim Gegner auch um die
Jahreswende 1917/18 noch auf deutsche Kampfwagenangriffe vorbereitet
war 1893 und die Alliierten außerdem über eine immens starke Artillerie, den
Hauptträger der damaligen Tankbekämpfung, verfügten. Über höhere
1888
Siehe RA, Bd. 13, S. 145.
1889
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 135: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abt. Fremde Heere
Nr. 6730a. Geheim. Dezember 1917: Die militärische Lage der Entente im Winter 1917/18,
Ziff. II.) 2.).
1890
Der Kommandeur der Chef der Kraftfahrtruppen AOK 2 führte der OHL am
19.12.1917 einen Tank vor, und anläßlich einer „Tankparade“, bei der Beutestücke der
Schlacht hinter der Front ausgestellt worden waren, besichtigten Kronprinz Rupprecht und
der Kaiser ein Fahrzeug; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur
Kampfwagen-Abwehr, S. 141, und Feldpressestelle im Hauptquartier Mézières-Charleville
(Hg.): Die Tankschlacht und die Angriffsschlacht bei Cambrai, o.O. 1918, S. 82ff.
1891
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 141.
1892
Siehe ebenda.
1893
Siehe Abschn. 4.1. und BA-MA, PH 3/561, Bl. 210f.: NO AOK 18 B. Nr. 1791 vom
20.4.1918: Französische Befehle des [Link] von Dezember 1917 u. Januar 1918 für
Tankbekämpfung bei vermutetem deutschem Tankangriff in Gegend [Link].
467
1894
Siehe etwa Kuhl Hermann v.: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der
Offensive von 1918 (Bd. 3/1 der [Link] des Untersuchungsausschusses des Reichstages:
Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918), Berlin 1927, S. 81: „Im
ganzen kann man wohl sagen, daß das neue Kriegsmittel dem Gegner im Jahre 1918 einen
wichtigen Vorsprung verschafft hat, und daß es für uns sowohl beim Angriff wie bei der
Verteidigung von großem Wert gewesen wäre. Bei unserer großen Offensive hätte es
wesentlich zur Überraschung, auf die es in erster Linie ankam, dienen können. Wir wissen
jetzt aus den Veröffentlichungen unserer Gegner, wie nahe wir Ende März dem Durchbruch
waren, bevor die französischen Truppen zur Unterstützung der völlig geschlagenen
Engländer herankamen. [... .] Es ist wohl nicht zu viel behauptet, daß dieser letzte noch
fehlende Druck erreicht worden wäre, wenn 600 Tanks unsere Infanterie schneller Bahn
freigemacht hätten.“ Die Schlußfolgerung Kuhls ließ vollends unbeachtet, wie viele
logistische Probleme bei der Heranführung, Versammlung und Instandhaltung von 600
Tanks vonnöten gewesen wären und an wie vielen praktischen Erfahrungen, welche Briten
und Franzosen in einem Jahr mit blutigen Verlusten bezahlt hatten, es deutscherseits schon
in Hinsicht auf Kooperation von Infanterie und Tanks fehlte.
1895
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 107.
468
Abb. 10: Karte zur „Großen Schlacht in Frankreich“, den ersten Teil der deutschen
Offensiven des Jahres 1918 1896 .
Bis zum [Link] durchstießen die 17., 2. und [Link] die britischen Linien
östlich des alten Sommeschlachtfelds und kamen im Rahmen der „Großen
Schlacht in Frankreich“ bis vor Amiens. Noch am [Link] griff die [Link]
französische und britische Truppen westlich Reims an und warf diese in drei
Tagen bis auf den Oise-Aisne-Kanal zurück. Am [Link] begann die
[Link] mit einem Angriff nördlich von Arras, und einen Tag später ging
in Flandern die [Link] vor, um am [Link] den Kemmelberg zu nehmen,
der von deutschen Militärschriftstellern der Zwischenkriegszeit zu einem
1896
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 260.
469
Symbol für die letzte, vergebliche Hoffnung auf ein siegreiches Kriegsende
auserkoren wurde 1897 . Nach einigen durch Umgliederung, Auffrischung und
Versammlung der Verbände erzwungenen Wochen erstürmte die [Link]
am [Link] den Chemin des Dames. Sie initiierte damit die bis Mitte Juni
andauernde „Schlacht zwischen Soissons und Reims“, die vom [Link] an
durch einen Angriff der [Link] auf Noyon begleitet wurde. Die letzte
deutsche Offensive des Krieges eröffneten die 1., die 3. und die [Link] am
[Link] 1918 in der Champagne.
Während dieser Offensiven spielten Tanks in den betroffenen
Frontabschnitten durchweg eine untergeordnete Rolle. Bedingt wurde dies
maßgeblich durch die Erfahrungen, die Briten und Franzosen mit ihnen in
der ersten Zeit der deutschen Offensive bis Anfang April zu machen hatten.
Den Beispielen aus der Abwehr bei Cambrai ab dem [Link] 1917
folgend 1898 hatte man der Angriffswaffe Tank einen Platz in der Defensive
zugedacht und auf britischer Seite 1899 die Verbände des Tank Corps
weiträumig hinter den potentiell bedrohten Abschnitten der Westfront
disloziert, um sie, der Infanterie zugeteilt, für augenblickliche Gegenstöße
bereit zu haben 1900 . Ein Plan, über dessen Aussichten sicherlich zu streiten
wäre. Doch vor dem Hintergrund dessen, was ab dem 21.März auf die
britischen Truppen zukam, nämlich ein Massensturm auf 40km Frontbreite
und nicht allein, eben wie bei Cambrai, die vorgepreschten Teile einzelner
Divisionen 1901 , kann kaum zweifelhaft sein, daß einem konzentrierten
Gegenangriff des Tank Corps unter dessen Führung, wie er von Fullers
1897
Siehe bspw. Cron: Mein Kriegstagebuch, S. 175: „Wenige Stunden haben darüber
entschieden, den Deutschen die sichere Hoffnung auf den Durchbruch, auf den Endsieg, zu
rauben. Tragik deutschen Schicksals!“
1898
Siehe Abschn. 9.5.
1899
Die französichen [Link] und Schneider waren für einen Gegenangriff im Raum
Compiègne versammelt worden. Da ein dort erwarteter deutscher Massen-Tank-Angriff
nicht stattfand und von der ersten deutschen Offensive die weiter nördlich gelegenen
britischen Frontabschnitte an der Somme betroffen waren, blieben der artillerie d’assaut die
bitteren Erfahrungen des Tank Corps vom März 1918 erspart und ihre Einheiten intakt.
Siehe dazu Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 52.
1900
Siehe dazu William-Ellis: Tank Corps, S. 153f., und Taschenbuch der Tanks, Teil III,
S. 50ff.
1901
Siehe Abschn. 9.5.
470
Warte aus richtig erschien 1902 , kaum mehr als ein lokaler Erfolg beschieden
gewesen wäre. Tatsache ist allerdings auch, daß unter den Bedingungen
Ende März nur etwa 180 der 370 vorhandenen Fahrzeuge in die Kämpfe
eingreifen konnten 1903 und ihrem Auftrag entsprechend Gegenstöße
durchführten 1904 . Diese waren in ihrer Wirkung insgesamt äußerst begrenzt,
wie der Befehlshaber der im Zentrum des deutschen Angriffs in Richtung
auf Amiens vorgehenden [Link], General von der Marwitz, in seinen
Aufzeichnung klar zum Ausdruck brachte:
„Gestern [am 23.März] ging’s wieder ein gutes Stück vorwärts, obgleich der
Engländer Tanks vorbrachte; die haben ihren Schrecken gründlich eingebüßt, es
heißt jetzt bloß noch: ‚es kam ein Gegenangriff auch mit Tanks, er wurde
abgewiesen, so und so viel Tanks erledigt.’“ 1905
Die britischen Linien kollabierten auf breiter Front und zum daraus
resultierenden allgemeinen Chaos und den Verlusten im Kampf traten beim
Tank Corps gravierende Probleme, welche durch lange Märsche im Rahmen
der unausweichlichen Rückzugsbewegung über das alte Sommeschlachtfeld
und schließlich auch darüber hinaus verursacht wurden. Wie Fuller für den
Raum Péronne am 23.März beispielhaft festhielt, mußte eine unbestimmt
große Anzahl von Fahrzeugen wegen Treibstoffmangels aufgegeben oder
vor den zu frühzeitig gesprengten Somme-Übergängen stehengelassen
werden 1906 . Ein Schicksal, das für die britischen Tankverbände in einem
1902
Siehe Fuller: Tanks, S. 177, und Fuller: Erinnerungen, S. 218f.
1903
Siehe ebenda und William-Ellis: Tank Corps, S. 171.
1904
Ein Beispiel ist ein gepanzerter Gegenstoß bei Bapaume am 22.3.1918. Von 25
eingesetzten Fahrzeugen sollen lediglich 9 zurückgekommen und 70% der Besatzungen
gefallen oder in Gefangenschaft geraten sein; siehe Toland, John: Gebe Gott, daß es nicht
zu spät ist. 1918. Entscheidungsjahr des Ersten Weltkrieges, München 1981, S. 52ff. Ein
weiteres Beispiel nennt das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 53f., mit dem Gegenangriff
der ersten Whippet-Tanks am 25.3.1918. Sonst siehe auch Fletcher: Tanks and Trenches, S.
95ff., Fuller: Erinnerungen, S. 220ff., und sehr ausführlich, William-Ellis: Tank Corps, S.
162ff.
1905
Zitiert nach Tschischwitz, v. (Hg.): General von der Marwitz. Weltkriegsbriefe, Berlin
1940, S. 284 (Tagebucheintrag vom 24.3.1918).
1906
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 223.
471
Zeitraum von etwas mehr als zwei Wochen symptomatisch war 1907 . Das
britische amtliche Werk führte diesbezüglich an, daß von den bei der völlig
zersprengten [Link] eingesetzten drei Tank-Bataillonen, die dem Soll
nach einen Fahrzeugbestand von 108 Fahrzeugen hatten, bereits am 24.März
nur noch sechs Tanks vorhanden waren. Der Rest war in Kämpfen
ausgefallen, wegen technischen Versagens oder wegen Treibstoffmangels
verloren worden 1908 .
Die Gesamtzahl der Tankverluste bis zum 27.März gab Fuller mit 120 Mark
IV an 1909 , was sicherlich zu niedrig angesetzt ist, wenn man über die gerade
genannten Verhältnisse bei der [Link] hinaus die Ausfälle bei den
Tankeinheiten der ebenfalls schwer getroffenen [Link] in Betracht zieht.
Die gepanzerten Beutestücke, die den verfolgenden Deutschen im wahrsten
Sinne des Wortes oftmals im Vorbeigehen zufielen, waren für die deutsche
Propaganda hervorragende Motive, die sich den Zeitungslesern an der Front
und in der Heimat als symbolträchtige Zeugnisse für die
Unwiderstehlichkeit der Offensive darstellen lassen konnten 1910 . Auch aus
der Befragung von Gefangenen ergab sich bis zum Ende der „großen
Schlacht in Frankreich“ am [Link] 1918 auf deutscher Seite das Bild
äußerst eingeschränkter Bedeutung der Tanks beim Versuch, sich den
Massen der Angreifer entgegenzustemmen 1911 . So berichtete der
Nachrichtenoffizier der OHL beim AOK 2 über den mitgehörten Inhalt
eines Gespräches zwischen drei in Gefangenschaft geratenen Offizieren,
unter denen sich der Kommandeur der Südafrikanischen Brigade befand.
Auf die von einem Mitgefangenen an ihn gerichtete Frage, ob er die Tanks
während der Kämpfe gesehen habe, antwortete der von der Kraft und der
professionellen Durchführung des Angriffs beeindruckte Brigadegeneral:
1907
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 171: „Out of 370 Tanks which were fit to fight,
only 180 saw action, a great many machines running out of supplies or being incapacitated
by some temporary mechanical trouble, and so lost without having fired a shot.“
1908
Siehe MO 1918, Bd. 1, S. 419.
1909
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 228.
1910
Siehe bspw. Die Wochenschau, Nr. 14 vom 6.4.1918, S. 229, oder ebenda, Nr. 15 vom
13.4.1918, S. 218.
1911
Siehe BA-MA, PH 3/560, bspw. Bl. 192 und Bl. 225.
472
So gern die damalige deutsche Leserschaft den Bericht auch zur Kenntnis
genommen haben dürfte, so wenig konnte von „Geschwätz“, falls es solches
überhaupt jemals gegeben hatte, auf britischer und französischer Seite nach
dem ersten Chaos noch die Rede sein. Und dies war ein Grund dafür, daß
den Tanks parallel zu den weiteren deutschen Angriffen eine zunehmend
größere Bedeutung zufiel.
Zum Zeitpunkt größter Besorgnis, als die Spitzen der britischen und der
französischen Streitkräfte begannen, sich nahezu unverhohlen gegenseitig
mangelnden Kampfeswillen und fehlende Bündnistreue vorzuwerfen, waren
die Regierungen beider Nationen anläßlich eines ausgesprochenen
Krisentreffens in Doullens am 26.März darin übereingekommen, die
Koordination der Operationen an der Westfront in die Hände des bisherigen
Stabschefs Pétains, General Foch, zu legen 1913 . Am [Link] erfolgte Fochs
Ernennung zum Befehlshaber der alliierten Truppen in Frankreich unter
dem Titel eines „général en chef des armées alliées en France“ 1914 . Bis zum
[Link] wurden seine Befugnisse auf die amerikanischen und italienischen
Truppen und auf alle europäischen Kriegsschauplätze erweitert 1915 . Der
Spielraum, der Foch für die erfolgreiche Fortsetzung der Kampfhandlungen
gegeben war, definierte sich maßgeblich durch die Stärke und den Ausgang
der weiterhin zu erwartenden deutschen Offensiven, so daß seine
Weisungen grundsätzlich die schnelle Reorganisation der Verteidigung in
bedrohten Abschnitten einforderten 1916 . Darüber hinaus sprach er ab Mitte
1912
Zitiert nach ebenda, Bl. 225.
1913
Zur Vorgeschichte der Ernennung Fochs siehe Travers: How The War Was Won, S.
66ff., und LAF, Bd. VI.1., S. 268ff.
1914
Siehe ebenda, Bd. VI.2., S. 10.
1915
Fochs Weisungsbefugnisse waren allerdings diversen Einschränkungen unterworfen,
worunter beispielsweise die Möglichkeit der verschiedenen nationalen Befehlshaber fiel,
beim Ausmachen einer durch Fochs Befehle verursachten Krise die eigene Regierung zu
informieren; zu den Regelungen siehe ebenda und dortige Textverweise, LAF, Bd. VI.1., S.
400ff., und Foch: Kriegserinnerungen, S. 280ff.
1916
Siehe LAF, Bd. VI.1., S. 270ff. und S. 405ff.
473
Was die Deutschen in den Abschnitten der Westfront betraf, denen die OHL
nach einer Offensive erst einmal jedwede strategische Bedeutung absprach,
so war sowohl das Schwinden an Mitteln als auch an Möglichkeiten und an
1917
Siehe ebenda, S. 405f., und Foch: Kriegserinnerungen, S. 298ff. und S. 331.
1918
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 12f.
1919
Siehe ebenda, Bd. VI.1., S. 417: „Sur le front du groupe d’armées de réserve, ou
l’ennemi n’entreprend plus aucune attaque, la Ier armée passe a l’offensive. Conformément
aux ordres donnés la vielle par le général Debeney, elle ne cherche pas un effort
d’ensemble; pour agir au plus vite, les corps d’armée lancent leurs attaques aussitôt que
chacune d’elles est prête, et après une courte préparation d’artillerie. Malheureusement, le
temps est pluvieux, couvert ; il rend difficile l’observation par avions ; nous nous heurtons,
enfin, à un adversaire qui a utilisé, lui aussi, les trois journées du 1er au 3er avril pour
s’organiser, s’échelonner en profondeur, disposer ses nombreuses mitrailleuses. A peu près
sur tout le front, nos attaques échouent sous le feu violent de l’infanterie allemande.“ Sechs
Tanks, die bei einem der Korps den Angriff begleiteten, konnten wegen Problemen mit
dem aufgeweichten Boden im Angriffsgelände keinen Erfolg bringen. Daß es, wie bei den
britischen Gegenstößen auch, in diesem Frontbereich an der Avre aber noch andere Gründe
für wenig erfolgreichen Tankeinsatz gab, legen einige auf den [Link] datierte
Photographien zerschossener CA-1 nahe; siehe Guénaff, Didier/Jurkiewicz, Bruno: Les
Chars De La Victoire, Louviers 2004, S. 32.
474
Diese Meinung teilten auch andere Personen und in großer Bandbreite eines
grundverschieden anzunehmenden Kenntnisstandes über die „größere“
Lage, die vorhandenen oder noch vorhandenen Mittel und die daraus
resultierenden Möglichkeiten. Zu nennen wäre beispielsweise der
Kommandeur der [Link], der mit äußerst kritischen Bemerkungen zu den
Erfolgschancen der Weiterführung der Offensive gegen einen nun nach
Manier der deutschen Tiefengliederung aufgestellten Feind an die OHL
herantrat 1921 . Ebenso kann Oberstleutnant Bauer angeführt werden, der bei
Ludendorff anmahnte, sich in dieser Situation nicht zu
Verzweiflungsschlägen hinreißen zu lassen, sondern sich, wie die Alliierten
es in den vergangenen Jahren vorgemacht hätten, die Zeit zur Auffrischung
der Verbände und für all die sonstigen und so zahl- und umfangreichen
1920
Zitiert nach RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 127 (Tagebucheintrag vom
6.4.1918). Den Blickwinkel seines Stabschefs teilte auch Kronprinz Rupprecht, wie aus
seinen Aufzeichnungen zum 5.4.1918 hervorgeht; siehe Frauenholz: Kronprinz Rupprecht,
Bd. 2, S. 371f.
1921
Siehe BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 75f. (Bericht der [Link] vom
9.4.1918.) Der Kommandeur der [Link] mag zu jenen privilegierten „Frontoffizieren“
gehört haben, über die ein Kritiker des deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs,
Generalmajor v. Gleich, schrieb, daß ihre Worte zu höheren Stäben nur durch
„irgendwelche näheren Beziehungen“ überhaupt durchdrangen; siehe Gleich, Gerold v.:
Die alte Armee und ihre Verirrungen. Eine kritische Studie, Leipzig 1919, S. 18. Ein Blick
in die „Privatakten“ Geyers scheint die Existenz einer solchen Kategorie von Offizieren zu
bestätigen.
475
1922
Siehe BA-MA, RH 61/50637: Privatakten Geyer, Bl. 73f. (Vortragsmanuskript vom
7.4.1918.)
1923
Siehe ebenda, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat
Volkmann Anfang August 1923, S. 3f. (zu Frage 5.).
1924
Bauer wies ausdrücklich darauf hin, daß die Herausgabe eines Befehls der OHL, aus
dem die Vorbereitung kommender Schläge ersichtlich sei, durchaus im Interesse der
psychischen Kampfkrafterhaltung der Truppe läge; siehe ebenda, RH 61/50637: Privatakten
Geyer, Bl. 174. Dem Hinweis ist zu entnehmen, daß Ludendorff selbst sich über die
Auswirkungen der gescheiterten Offensive auf die Moral der Truppe offensichtlich keine
grundlegenden Gedanken gemacht hatte, sondern hier der Einfachheit halber und ohne
weitere Erklärungen die Rückkehr zur Abwehr und anderswo ad hoc die Vorbereitung
neuer Angriffe befahl.
1925
Siehe bspw. ebenda, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 132ff., und Frauenholz:
Kronprinz, Bd. 2, S. 371ff. Die ad hoc gefaßten, schnell fallengelassenen oder
wiederaufgenommenen Pläne Ludendorffs samt dessen Eingriffe in taktische Belange der
untergeordneten Führung wurden nach 1918 in zahlreichen Schriften als problematisch
thematisiert; siehe dazu Storz, Dieter: „Aber was hätte anders geschehen sollen?“ Die
deutschen Offensiven an der Westfront 1918, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 73ff.
1926
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 494, und Venohr: Ludendorff, S. 308. Zur
Einstellung eines Armeebefehlshabers, dessen Truppen bis dahin nicht in die erste
Offensive involviert waren siehe Alter, Julius (Hg.): Ein Armeeführer erlebt den Weltkrieg.
Persönliche Aufzeichnungen des Generalobersten v. Einem, Leipzig 1938, S. 383
(Tagebucheintrag vom 31.3.1918): „Was soll nun werden? So fragen wir uns stündlich. [...
476
OHL zu verbuchen gewesen 1927 . Und über diese in jeder Hinsicht tragische
Zahl hinaus war aus dem 1917 diskutierten Ersatzproblem, das damals noch
als Damoklesschwert über der Fortführung der Krieges im kommenden Jahr
geschwebt hatte 1928 , eine unzweifelhaft akute Bedrohung geworden. Der
Jahrgang 1899, an welchem die OHL hinsichtlich der körperlichen und
mentalen Belastungsfähigkeit der Rekruten schon im Vorjahr ihre Zweifel
deutlich geäußert hatte 1929 , war bis Mai 1918 an der Front, so daß für die
nächsten Monate lediglich der Jahrgang 1900 mit erst einmal 304.000
kriegsverwendungsfähigen Rekruten zum Füllen der entstandenen Lücken
in Frage kam. Und dieser konnte frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit
vollem Gewicht zum Tragen kommen 1930 . Das unter Berücksichtigung der
Wiedergenesenen und sonstigen Ab- und Zugänge reingerechnete
monatliche Fehl beim Ersatzgeschäft lag Anfang April 1918 bereits bei
70.000 Mann und schien nur noch durch den wahrlich verzweifelten Schritt
zum Einstellen Kriegsverwendungsfähiger aus der Industrie halbwegs
abzuschwächen zu sein. 1931 . Hierbei handelte es sich um einen letztendlich
.] Denn schließlich haben wir die Offensive ja nicht gemacht, um einige Meilen weiter
wieder festzuliegen.“
1927
Siehe RA, Bd. 14, S. 254. Wie Middlebrook nach seinem Versuch zur Eruierung der
britischen (ca. 38.000) und deutschen Verluste (40.000) für den 21.3.1918 angab, handelte
es sich beim ersten Tag der Offensive um den verlustreichsten des ganzen Krieges; siehe
Middlebrook, Martin: Der 21.März 1918. Die Kaiserschlacht, Berlin/Frankfurt a.M./Wien
1979, S. 221.
1928
Siehe Kap. 8.
1929
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 5870 geh. op. vom
25.12.1917.
1930
Siehe BA-MA, RH 61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, S. 2 und
Anlage 56. Bis zum 29.7.1918 waren vom Jahrgang 1900 230.000 Mann eingezogen
worden, denen in Kürze 38.600 Mann folgen sollten.
1931
Siehe BA-MA, RH 61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, S. 9:
„Der Kräfteverbrauch der Frühjahrsoffensive war doch größer gewesen als man
vorausgesehen hatte, und so war man sich im Kriegsministerium im April 1918 darüber
vollkommen klar, daß die Ersatzfrage nunmehr in ein gefahrdrohendes Stadium getreten
war.“ Die Lösung dieses Problems sollte im Herausziehen Kriegsverwendungsfähiger aus
der Industrie und im Jahrgang 1900 gefunden werden, was angesichts der noch steigenden
Verluste und Abgangszahlen der kommenden Monate illusorisch wurde. Und schon Mitte
477
Mai wurde von der OHL festgestellt (siehe ebenda, Anlage 53): „Besondere Bestände in
der Heimat nicht mehr vorhanden. Jahrgang 1899 verausgabt.“
1932
Siehe Storz: Die deutschen Offensiven, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 89. Von
amtlicher deutscher Seite wurde die Zahl der Grippekranken im Juni mit 139.000 und für
Juli bereits mit 399.000 Mann angegeben; siehe BA-MA, RH 61/51862: Manuskript v.
Tieschowitz’ für RA, Bd. 14, S. 771.
1933
Siehe RA, Bd. 14, S. 516. Zu den nicht minder schweren, doch letztlich durch den
Einsatz amerikanischer Truppen aufgewogenen Verlusten der Alliierten siehe Foch:
Kriegserinnerungen, S. 306ff.
1934
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545. Beispiele für identische Entwicklungen
lassen sich in den Schriften Deists und Storz’ finden. Siehe Deist: Militärstreik, S. 146-167,
und dortige Anmerkungen zu weiterführender Literatur, sowie Storz: Die deutschen
Offensiven, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 51-95. Zudem wird im Kapitel zur
Abwehrschlacht bei Soissons (siehe Kap. 11.) darauf eingegangen werden. Siehe auch
Deist: Militärstreik, S. 152f.
1935
Siehe Kap. 12.
478
1936
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 310: [Link] Abt. Ia Nr. 2410 vom 8.5.1918. Siehe
auch Abschn. 11.2.
1937
Der Gefechtskalender der Division legt nahe, daß zwischen dem 21.3. und dem
19.5.1918 lediglich einige wenige Tage Ende März und Anfang April eine
Verschnaufpause ausgemacht haben können; siehe Cron: Mein Regiment, S. 109.
1938
Siehe dazu auch BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr,
S. 211, und Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 289ff. (Tagebucheinträge ab dem
7.4.1918). Noch für Anfang Juni 1918 hielt Marwitz fest, wie rückständig der Stellungsbau
bei seinen Truppen war: „Ich war in der Stellung, das ist aber hier anders als es in den
ausgebauten Stellungen, die wir früher hatten. Es gibt keine Annäherungsgräben und keine
Verbindungsgräben, zur vordersten Linie kann man überhaupt gar nicht gelangen, selbst
Meldeläufer können da am Tage nicht durchkommen, sie würden abgeschossen.“ Zitiert
nach ebenda, S. 296f., Eintrag zum 7.6.1918. Kronprinz Rupprechts Aufzeichnungen zum
6.4.1918 verweisen dagegen darauf, daß das AOK 2 Marwitz’ selbst dazu angeregt hatte,
von verstärktem Stellungsbau abzusehen, um dem Gegner keine Anzeichen für die
Einstellung der Offensive zu bieten und die Truppe zu schonen; siehe Frauenholz:
Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 373.
479
1939
Siehe Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 290f. (Tagebucheintrag vom 9.4.1918):
„Unsere Truppen haben’s ganz schrecklich schwer. Der Lehmpansch nach dem
fortgesetzten Regen ist unergründlich, Mann und Roß sind der Nässe ohne jeglichen Schutz
preisgegeben. Dörfer, oder irgendwelche Unterstände gibt’s eben in breiten Strecken
nicht.“
1940
Eindrucksvoll dokumentiert ist diese Entwicklung für das AOK 2 in HStAS, M 33/2,
Bü. 207. Zum Sachverhalt siehe auch Deist: Militärstreik, S. 152f.
1941
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 271: AOK 2 Ia Nr. 118/Mai vom 5.5.1918.
1942
Hobohm führte in seinem Bericht für den Untersuchungsausschuß des Reichstages
hinsichtlich der Appelle zum radikalen erzwingen von Disziplin und Gehorsam aus:
480
und konnte weiterhin Abschüsse vermelden 1945 . Allerdings klingen aus den
Verlautbarungen über das Kampfgeschehen auch Unbehagen und an die
übergeordnete Führung gerichtete Warnungen und Hilferufe heraus, die sich
beim AOK 2 am [Link] in einer Meldung über die zu den
gegenüberstehenden feindlichen Massen zusätzlich noch hinzugekommene
Elitedivision „Maroc“ 1946 und den Hinweis auf allein vier abgewehrte
Tankangriffe an einer einzigen Stelle der Front ausmachen lassen
können 1947 . Und was die von der OHL zuvor noch dargelegte Möglichkeit
anbelangte, den vom Feind derzeit genutzten Kampfwagen mit den
bekannten Mitteln widerstehen zu können, so wartete der
Nachrichtenoffizier des AOK 2 am [Link] 1918 mit einem ersten Hinweis
auf einen neuartigen „kleinen“ Tank der Franzosen auf, von dem Gefangene
berichtet hatten. Über deren wenig aufschlußreiche Aussagen zum neuen
Fahrzeug hinaus konnte man erfahren, daß auf alliierter Seite eine
großangelegte Angriffsschlacht vorbereitet wurde 1948 . Fünf Tage nach
diesen in ihrer Brisanz offensichtlich erkannten Befragungsergebnissen
lieferte der Nachrichtenoffizier bezeichnenderweise die Ergebnisse einer
1945
Siehe bspw. HStAS, M 33/2, Bü. 207, Bl. 40: AOK 2 Abendmeldung vom 26.4.1918.
1946
„La Division Marocaine“. Sie umfaßte neben Kolonialtruppen das Feldregiment der
französischen Fremdenlegion sowie ein russisches Bataillon. Zur Gliederung und zum
Gefechtskalender siehe H[Link] . Siehe auch
Abschn. 11.1. und 11.2.
1947
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 207, Bl. 9: AOK 2 Mittagsmeldung vom 26.4.1918.
1948
Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 203ff.: NO AOK 2 Nr. 1436 vom 21.4.1918: „Die Gef.
[Gefangenen] sind der Ansicht, dass der Tank gute Dienste leistet, besonders wenn das
Moment der Ueberraschung ausgeübt wird. Für die kommende grosse Offensive der
Franzosen rechnet man mit dem massenhaften Einsatz der kleinen Tanks. Auch die
Amerikaner werden sich an der Offensive mit Einsatz vieler Tanks des französischen
Modells beteiligen.“ Die vier bei Morisel an der Avre eingebrachten Gefangenen gehörten
zur Besatzung eines CA-1, der durch den Treffer eines leichten Minenwerfers außer
Gefecht gesetzt worden war. Sie berichteten über neue Fahrzeuge mit einer 37mm Kanone
als Hauptwaffe und einer Geschwindigkeit von bis zu 20km/h, von denen bereits 1.200
fertiggestellt seien. Dies entsprach keineswegs den Tatsachen, mußte aber für deutsche
Ohren überaus beunruhigend klingen.
482
1949
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 207, Bl. 60: NO AOK 2 Nr. 1521. vom 26.4.1918. Der
Urheber der „Nachbefragung“ ließ sich nicht ausmachen. Es wäre aber primär vom AOK 2,
dann von der HGr Rupprecht und zuletzt von der OHL auszugehen.
1950
Siehe ebenda. Das „Modell Renault“, 4m lang, 1,5m breit und 1,80m hoch, habe bei 18
bis 20PS Motorleistung eine Maximalgeschwindigkeit von 18 bis 20km/h, könne auf
längeren Strecken mit Lastkraftwagen transportiert werden und sei bei einer
durchschnittlichen Panzerstärke von 7mm, die am Turm aber größer sei, entweder mit
einem Maschinengewehr oder mit einer 3,7cm Kanone bewaffnet. Vergleiche hierzu
Abschn. 6.5.1.
1951
Siehe BA-MA, PH 3/561, Bl. 4: NO AOK 2 vom 18.5.1918. Tatsächlich sprach der
Bericht von nur sieben derzeit vorhandenen Fahrzeugen. Doch die Angabe ihrer
Geschwindigkeit mit 16km/h und ihr Vorhandensein an sich, hätte stärkeren Widerhall
erwarten lassen. Davon war weder in den eingesehenen Archivalien, noch in der
Memoirenliteratur etwas spürbar.
1952
Siehe Die Wochenschau, Nr. 27 vom 6.7.1918, S. 440.
1953
Ein solches wurde für den Whippet am 10.8.1918 und für den FT-17 sogar erst am
20.8.1918 herausgegeben; siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0052: Chef d.
Genst. d. Feldheeres Iv Nr. 92657 geh. op. vom 10.8.1918, bzw. ebenda, Bl. 0070: Chef d.
Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 94468 op. vom 20.8.1918. Siehe hierzu auch Abschn. 12.5.2.
483
dafür, daß die recht frühzeitigen Meldungen über den FT-17 und über den
Whippet ignoriert wurden 1954 und zusammen mit den Hinweisen auf die
Versammlung von Kräften für eine bevorstehende französisch-
amerikanische Großoffensive in den zeitgenössischen und späteren
Aufzeichnungen der höheren und höchsten Führer sowie den vom Verfasser
eingesehenen Archivalien der obersten Führungsebene keinen Widerhall
fanden 1955 , können unter einer allgemein verbreiteten euphemistisch- und
servil-fatalistischen Einstellung der Verantwortlichen subsumiert werden.
Euphemistisch, weil vielerorts geglaubt wurde, solange die Offensiven
durch die OHL fortgesetzt wurden und diese mit für die Verhältnisse der
Westfront erstaunlichen Ergebnissen aufwarten konnten, die Hoffnung auf
den kurz bevorstehenden Sieg nicht aufgeben zu brauchen. Servil, weil für
den Kenner der Statistiken des Ersatzgeschäfts in der Heimat der rein
mathematisch vorhersehbare Zusammenbruch genauso absehbar war, wie er
sich Frontbefehlshabern durch die zusehends katastrophaleren Zustände in
unterbesetzten und insgesamt vernachlässigten Führungsbereichen
1956
abzuzeichnen begann . Einen „Aufschrei“ der Wissenden gegenüber der
1954
Selbst wenn man annimmt, daß die Zeitangabe in der Aussage der französischen
Gefangenen, „im Herbst“, einen gewissen zeitlichen Spielraum für den Erfolg der
deutschen Truppen nahelegte und das Vertrauen auf die Weisheit der OHL und das von ihr
-aus den nur ihr selbst bekannten und überschaubaren Fakten- verlangte Bauen auf die
Stärke und Schlagkraft des Heeres selbst höchste und erfahrenste Offiziere in die Irre
führen konnte, bleibt die Feststellung, daß diese keine der gebotenen Chancen nutzten, um
auf die akuten, gravierenden und alle vorherigen Einschätzungen in Frage stellenden Fakten
hinzuweisen. Kurios mutet dabei auch an, daß im Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 203,
darauf hingewiesen werden konnte, der OHL sei im Juni ein erbeutetes Exemplar des FT-
17 zugegangen. Dieser Tank ging anscheinend im bürokratischen Sumpf des
Hauptquartiers unter, ohne von den Entscheidungsträgern bemerkt zu werden.
1955
Man darf daneben anführen, daß selbst ein mit einer Facharbeit betrauter Mitarbeiter
der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres, der mit kritischen Bemerkungen
nicht sparte und dessen Erkenntnisse auch nur zu einem Bruchteil in die amtliche
Veröffentlichung einflossen, im Zusammenhang mit dem [Link] 1918 von „Bataillonen
neuer leichter Renault-Wagen“ sprach; siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v.
Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 28.
1956
Bezeichnend für das Erkennen einer militärisch nicht zu rechtfertigenden und rational
nicht erklärbaren Situation sind die -bedauerlicherweise in Teilen zensiert- edierten
Aufzeichnungen Generaloberst v. Einems. Der Befehlshaber der [Link] in der
484
OHL oder gar dieser selbst gegenüber der Politik 1957 und dem Obersten
Kriegsherrn als Hinweis auf die Ausweglosigkeit der Situation sowie einen
Zwang zu Friedensverhandlungen oder auch als Aufzeigen der
Notwendigkeit operativer Alternativen zum Verbrauch der letzten Kräfte in
offenkundig doch wenig zielführenden aber ungeheuer verlustreichen
Angriffunternehmen unterblieb 1958 . Fatalistisch erklärt sich hiernach von
selbst. Die Möglichkeit einer deutschen Niederlage, die sich nach dem
Verbrauch der nicht mehr ersetzbaren Offensivkräfte zwangsweise
einstellen mußte und sich schon zeitig durch die eigenen Schwächen, den
Champagne schrieb zur Lage der [Link] im südlichen Teil des bis zum [Link]
gewonnen Frontbogens an der Somme: „Von der [Link] keine sonderlichen
Mitteilungen. Was die sehr bedeutende Ausbreitung der [Link] nach Westen bedeutet,
wissen wir nicht [X]. Vielleicht will man die Franzosen veranlassen, gegen sie anzurennen
und sich an ihr zu verbluten.“ Zitiert nach Alter: Generalobersten v. Einem, S. 383 (durch
den Herausgeber an der mit „X“ markierten Textstelle zensierter Tagebucheintrag vom
31.3.1918). Belegt wird durch die Passage einmal, daß die fatale Lage bei einer
Nachbararmee, die an der ersten Offensive teilgenommen hatte, schon anhand des durch
Tagesmeldungen in etlichen hundert Kilometer Entfernung entstandenen Kartenbildes
ausgemacht werden konnte. Ferner, daß trotz der offenkundigen Irrationalität eines mit
schwachen Kräften (letztlich dauerhaft) besetzt gehaltenen „Sommebogens“ nach einer
plausiblen Erklärung für diesen Umstand gesucht wurde. Statt den Kräftemangel, die
Erschöpfung und die Aussichtslosigkeit der Lage als offensichtlichen Offenbarungseid der
eigenen Armeen hinzunehmen, verfiel der frühere Kriegsminister darauf, das der Situation
wohl am wenigstens angebrachte Deutungsmuster mit den indirekten Hinweis auf Verdun
1916 und die materiell und personell unzweifelhaft verheerenden Schlachten von 1917
anzuführen.
1957
Abgesehen von der Affäre Kühlmann (siehe Kap. 11.) kann man allerdings anführen,
daß die Politik ihrerseits wenig Anstalten machte, sich kritisch mit der militärischen Lage
und den aus ihr zu ziehenden Schlußfolgerungen zu beschäftigen; siehe dazu Schwertfeger,
Bernhard: Die politischen und militärischen Verantwortlichkeiten im Verlaufe der
Offensive von 1918 (Bd. 2 der [Link] des Untersuchungsausschusses des Reichstages: Die
Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918), Berlin 1925, S. 179.
1958
Storz führte zumindest einen Versuch an, der andererseits aber auch nicht als
„Aufschrei“ zu deuten ist. Der zur OHL versetzte Thaer (siehe Kap. 5.) hatte nach Storz’
Worten am 1.5.1918 versucht, Hindenburg „die Augen über den Zustand der Armee zu
öffnen“. Dies mißlang, da der Marschall ganz im Sinne der obigen Ausführungen auf
zahlreiche Berichte über die „glänzende“ Stimmung der Truppe rekurrierte; siehe Storz:
Die deutschen Offensiven, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 88.
485
1959
Siehe dazu auch Kap. 11.
1960
Als Beispiel dafür seien an dieser Stelle die Memoiren Hindenburgs genannt, der im
Zusammenhang mit etwaigen Vorwürfen gegenüber unbegründeter Siegeshoffnungen und
dem darin implizierten Selbstbetrug vom „Vertrauen“ in die innere Stärke eines schon
immer rational überforderten aber doch auch immer wieder siegreichen Heeres sprach;
siehe Hindenburg, Paul v.: Aus meinem Leben, Leipzig 1920, S. 299.
1961
Das erste Mal im Gefecht war der FT-17 bereits einen Monat nach den ersten
Meldungen über ihn. Am 31.5.1918 wurden 30 Fahrzeuge bei einem Gegenstoß im Sektor
Soissons eingesetzt; siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 57f. Widerhall in den vom
Verfasser eingesehen Archivalien der höheren und höchsten Führung fand auch dieses
Ereignis nicht.
1962
Siehe Abschn. 9.5. bzw. Abschn. 11.5. sowie Kap. 11. und 12.
486
1963
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 156.
1964
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 494.
1965
Im Zusammenhang mit Streitigkeiten über die Darstellung des [Link] 1918 durch den
Bd. 35 der Reihe „Schlachten des Weltkrieges“ wies die Kriegsgeschichtliche
Forschungsanstalt darauf hin, daß die vom Verfasser, einem Archivrat a.D., geäußerte
Meinung eine rein private sei. In Hinblick auf gleichartige Auseinandersetzungen im
Umfeld der Aufarbeitung der Kämpfe von Cambrai 1917 (siehe Abschn. 9.6.) ist dies
insofern von Interesse, als daß die noch heute weitverbreiteten Bände der Reihe immer
wieder als deutschsprachige Primärquellen in englischsprachiger Literatur genannt werden
und ihnen zumindest ein „amtlicher Charakter“ unterstellt wird. Siehe Stenger, Alfred:
Schicksalswende. Von der Marne bis zur Vesle 1918 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 35),
Berlin/Oldenburg 1931, bzw. BA-MA, RH 61/52: Schriftwechsel und Berichtigungen zur
Darstellung der Kämpfe 1918 an der Westfront, Bl. 2ff.
1966
Siehe Stenger: Schicksalswende.
487
1967
Siehe Center Of Military History, United States Army (Hg.): United States Army in
The World War 1917-1918, Bd. I: Organization of the American Expeditionary Forces,
Washington 1948 (Reprint 1988), S. 19, und Trask, David E.: Cantigny, in Venzon, Anne
C./Miles, Paul L. (Hg.): The United States in the First World War. An Encyclopedia,
London/New York 1995, S. 125ff.
1968
Siehe Center of Military History: United States Army, Bd. I, S. 20.
1969
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 56.
1970
Siehe Hallas, James H.(Hg.): Doughboy War. The American Expeditionary Force in
World War I, Boulder/London 2000, S. 80 (Aussage von Lieutenant Daniel Sargent).
1971
Siehe Nash: The 251 divisions, S. 549.
1972
In zwei Truppengeschichten von Einheiten der [Link] ist nichts über eine besondere
Schulung in der Tankbekämpfung zu finden. Dagegen wird in ihnen ausdrücklich von
488
Unruhe bot das Geschehen für die deutsche Führung offenkundig nicht,
obwohl man sich bis zum [Link] als unfähig erwies 1973 , Cantigny den
Amerikaner wieder zu entreißen. Anlaß zur Beunruhigung gab es auch
nicht, obwohl die amerikanischen Truppen nun ganz offensichtlich nicht
mehr nur vereinzelt, sondern geschlossen sowie zu Angriffen befähigt in
Erscheinung getreten und ein kleiner, präziser Schlag nach dem von den
Franzosen vorexerzierten Modell von Malmaison 1917 Schwächen und
Mängel der deutschen Abwehr klar aufgezeigt hatte. Besonders das
Auftreten der Amerikaner im Angriff hätte eine Reaktion der OHL
gegenüber der politischen Führung des Reiches erwarten lassen- und
unzweifelhaft eine „strategische“ Reaktion. Schließlich hatte Ludendorff
gegenüber Vertretern der Reichtagsfraktionen schon im Sommer 1917 recht
unmißverständlich zum Ausdruck gebracht, daß das Auftreten
amerikanischer Truppen in größerer Zahl ab Sommer 1918
kriegsentscheidenden Charakter haben würde 1974 . Real war dies nun
gegeben.
Der zweite Gegenangriff, der besonders hervorgehoben werden soll, wurde
von französischer Seite unter dem Befehl des zurück an die Westfront
berufenen Generals Mangin 1975 am [Link] 1918 an der Matz durchgeführt.
Die Operation war erst tags zuvor als massiver Stoß in die Westflanke der in
Richtung Compiègne angreifenden deutschen [Link] angeordnet worden,
was die betroffenen französischen Führungsebenen vor nicht unerhebliche
Probleme bei der Koordination sowie beim Zusammenziehen der
vorgesehenen Verbände stellte und die Operation grundsätzlich der Gefahr
aussetzte, wie die britischen Gegenstöße vom März zu enden 1976 . Diese
Möglichkeit wurde vor dem Hintergrund des Wunsches zum Stoppen und
Demoralisieren der Deutschen allerdings in Kauf genommen 1977 , und man
versuchte, sie durch konzentrierten Tankeinsatz und das vorbereitende
Niederkämpfen der feindlichen Artillerie -beziehungsweise der damit
identischen Tankabwehr- zu relativieren. Über die Angriffsspitzen der
Infanterie von vier Divisionen hinweg sollten insgesamt 147 [Link]
und Schneider in die deutschen Stellungen stoßen 1978 . Beurteilt man den
Angriff vom [Link] anhand der Zahl von 72 abgeschossenen Tanks 1979 , die
Opfer der nicht ausgeschalteten und numerisch starken deutschen Artillerie
wurden, so belegte er die Effizienz der deutschen Tankabwehr gegen
bekannte Fahrzeugtypen nach dem Muster, das den Abwehrerfolgen im
Frühjahr 1917 zugrundegelegen hatte 1980 . Blickt man dagegen auf die
Wirkung, welche der französische Einbruch von bis zu 5km Tiefe erzielte
und hält fest, daß kein größeres beziehungsweise ferneres Operationsziel
des Angriffes vorgesehen war, sondern das Beabsichtigte erreicht wurde,
stellte er einen erheblichen Erfolg dar 1981 . Der [Link] war der
the wilderness until mid 1918, when the similary aggressive Foch recalled him to command
the Tenth Army, [...].“ Zitiert nach Pope, Stephen/Wheal Elizabeth-Anne: Dictionary Of
The First World War, Barnsley 22003, S. 302.
1976
Siehe Guénaff/Jurkiewiecz: Les Chars, S. 38f.
1977
Siehe dazu LAF, Bd. VI.2., S. 319f.
1978
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 62f.
1979
Siehe Guénaff/Jurkiewiecz: Les Chars, S. 97. Die Zahl von 144 eingesetzten und 63
verlorenen Fahrzeugen liefert das Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 63, und Goya, S. 351,
nennt 163 eingesetzte und 73 verlorene Tanks.
1980
Detaillierte Angaben zu Verlauf und Ergebnissen des Tankeinsatzes sowie
Informationen über die beteiligten Abteilungen der vier französischen Panzergruppen
liefern Guénaff/Jurkiewiecz: Les Chars, S. 49ff.
1981
Siehe dazu auch Blaxland, Gregory: Amiens 1918, London 1968, S. 140.
490
1982
Siehe Bose, Thilo v.: Wachsende Schwierigkeiten. Vergebliches Ringen vor
Compiègne, Villers-Cotterêts und Reims (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 33),
Berlin/Oldenburg 1930, S. 162. Siehe und vergleiche LAF, Bd. VI.2., S. 333f.
1983
Zur Vorgeschichte, den einzelnen Planungsschritten und zum genauen Verlauf der
Schlacht siehe Bean, C. E.: The Australian Imperial Force In France During The Allied
Offensive, 1918 (The Official History Of Australia In The War Of 1914-1918, Bd. VI),
Sydney 1942, S. 242ff.
1984
Ein deutscher Bericht über den Kampfwert britischer Divisionen von Januar 1918
beurteilte die bei Arras und mehrfach an der Somme und in Flandern aufgetretene [Link].
Division als „gute Angriffsdivision“ und ordnete sie damit der zweithöchsten
Bewertungskategorie zu; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 536: Abt. Fremde Heere Nr. 4610
Geheim! vom 1.1.1918, Anlage 3, S. 7.
1985
Siehe Abschn. 9.6.1.
491
Nebels. Die neuen Mark V sah sein Plan als reine Unterstützungswaffen der
Infanterie vor, die mit ihr zusammen in die feindlichen Stellungen
eindringen und vorhandenen Widerstand niederkämpfen sollten. Auf die
enge Zusammenarbeit beider Waffen wurde allergrößter Wert gelegt, so
daß, wie Fuller in diesem Zusammenhang einmal erfreut bemerkte, „wenige
Tage vor Beginn der Schlacht zwischen beiden Formationen
[Waffengattungen] die engste Kameradschaft herrschte“ 1986 . Dies war um
so wichtiger, als die australische [Link] im vorherigen Jahr bei
Bullecourt einschlägig negative Erfahrungen mit dem neuen Kriegsmittel zu
sammeln gehabt hatte 1987 . Diesbezügliche Sorgen erwiesen sich als
unbegründet. Die deutschen Verteidiger, die nach Ablösung einer vollends
verbrauchten Division zur erfahrungsgemäß erstklassigen [Link]
gehörten 1988 , wurden binnen kurzer Zeit aus ihren vordersten Stellungen
gedrängt und verloren allein 1.500 Gefangene, während beim Angreifer
Gesamtverluste in Höhe von rund 700 Mann eingetreten waren 1989 .
Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff durch Artillerievorbereitung
hatte es nicht gegeben, die deutschen Stellungen waren, wie die
Truppengeschichte des IR 15 es formulierte, „dürftig und lückenhaft
ausgebaut“, zu geringer Ersatz für frühere Ausfälle sowie die grassierende
Grippe hatten für geringe Gefechtsstärken gesorgt 1990 . Und zu allem
Überfluß war die Artillerie der [Link] zum Zeitpunkt des Angriffs gerade
erst mit der Übernahme ihrer Stellungen befaßt 1991 , so daß kaum
artilleristische Feuerkraft zur Abwehr zur Verfügung stand. Mit der
Artillerie war der Hauptträger der von der „großkampferfahrenen“ Division
1986
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 253.
1987
Siehe Abschn. 5.4.
1988
Siehe Nash: The 251 Divisions, S. 228.
1989
Siehe Fuller: Tanks, S. 207.
1990
Siehe Groos, Carl/Rudloff, Werner v. (Bearb.): Infanterie-Regiment Herwarth von
Bittenfeld ([Link]älisches) Nr. 13 im Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher
Regimenter, Bd. 222), Berlin 1927, S. 306f., und Riebensahm, Gustav (Bearb.): Infanterie-
Regiment Prinz Friedrich der Niederlande ([Link]älisches) Nr. 15 im Weltkriege 1914-18,
Minden 1931, S. 345ff.
1991
Siehe Windhorst, Karl (Bearb.): Das Mindensche Feldartillerie-Regiment Nr. 58 im
Weltkriege 1914-1918, Dortmund o.J. (1930), S. 264.
492
1992
Siehe ebenda, S. 269.
1993
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 115. Das Taschenbuch der Tanks, Teil III,
S. 70, spricht von drei Tanks, die vom Angreifer später geborgen werden konnten. Fuller
gibt an, daß fünf Tanks getroffen und später zurückgebracht worden seien; siehe Fuller:
Tanks, S. 207.
1994
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 114.
1995
„An Schnelligkeit, Kürze und Vollständigkeit des Erfolges kann keine Schlacht des
Krieges sich mit der von Hamel messen.“ Zitiert nach Fuller Erinnerungen, S. 255.
1996
Siehe dazu RH 61/52014: Manuskript zur Abwehrschlacht zwischen Somme und Oise
vom [Link] bis [Link] 1918, S. 3. Dem Text zufolge hatten die Kämpfe gezeigt,
daß „die deutsche Infanterie nicht mehr ein so furchtbarer Gegner sei wie in den
vorhergehenden Jahren und daß die deutschen Verteidigungsanlagen im Vergleich mit
früheren Zeiten nur geringen Wert hätten.“
1997
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 3, und Kap. 12.
493
1998
Weder in RA, Bd. 14, noch in einem Band der offiziösen Reihe „Schlachten des
Weltkrieges“ wird auf die Schlacht am [Link] im Kontext der obigen Ausführungen explizit
eingegangen.
1999
Siehe Kern, Wolfgang: Das Tankgewehr Mauser M 1918, Hürth 2002, S. 114.
2000
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 205f.,
sowie Abschn. 4.1. und 8.2.
2001
Siehe Kern: Das Tankgewehr, S. 118 und S. 121ff. Petter gab als
Durchschlagleistungen an, daß auf 200m noch 22mm und auf 500m noch 20mm Panzerung
durchschlagen werden konnten. Hierbei dürfte es sich um theoretische Zahlen handeln,
welche in der Realität vor allem vom Auftreffwinkel des Hartkerngeschosses auf das Ziel
abhängig waren; siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-
Abwehr, S. 205.
494
Die strategische Gesamtlage hatte sich für das Deutsche Reich und seine
Verbündeten bis Ende Juni 1918 zusehends negativ entwickelt. Mit der
Reichstagsrede des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, von Kühlmann,
der das Offensichtliche äußerte, nämlich daß der Krieg allein mit
militärischen Mitteln nicht mehr zu gewinnen sei, lag am [Link] ein Fall
quasi öffentlichen Aufbegehrens eines politischen Protagonisten aus den
Reihen der Reichsleitung gegen die Fortsetzung der deutschen Offensive
nach Gutdünken der OHL vor. Kühlmann, der bei seinen Worten mit
allergrößter Wahrscheinlichkeit sehr viel mehr als nur die Situation an der
Westfront, sondern zumindest auch die katastrophale Versorgungs- und
Ersatzlage der k.u.k. Monarchie im Auge 2003 sowie eine dem Kern seiner
Worte sehr ähnliche und von Ludendorff Anfang Juni 1918 persönlich
abgesegnete, allerdings geheime Note Oberst von Haeftens, des Chefs der
2002
Siehe dazu auch Abschn.13.2.2.
2003
Kuhl erwähnte, daß Kühlmann bereits Anfang des Jahres 1918 „sehr schwarz“ sah, was
die Versorgungslage der Mittelmächte betraf, und anläßlich einer Besprechung mit
Ludendorff und dem k.u.k. Außenminister, Graf Czernin, im Februar 1918 schlimmste
Befürchtungen über die wirtschaftliche Situation des wichtigsten Verbündeten bestätigt
wurden; siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 17
und S. 19. Eine Offensive des Verbündeten in Oberitalien am 15.6.1918 blieb zudem nach
unbedeutenden Anfangserfolgen stecken und konnte als Vorbote des militärischen
Zusammenbruchs gewertet werden; siehe RA, Bd. 14, S. 732f.
495
2004
Siehe Schwertfeger: Die politischen und militärischen Verantwortlichkeiten, S. 193ff.
2005
Siehe dazu Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 525f., Heydecker, S. 531, und
Chickering, S. 208f.
2006
Siehe dazu Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 300 (Tagebucheintrag vom
29.6.1918).
2007
Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 413 (Tagebucheintrag vom 1.7.1918).
2008
Siehe Abschn. 10.1.
496
Ludendorff brachte die ihm bekannte Situation und der sich augenfällig
verschlechternde Zustand des deutschen Heeres nicht davon ab, weiterhin
offensiv eine baldige Entscheidung zu suchen. Kühlmanns Nachfolger, von
Hintze, gegenüber, der ihn wegen der Siegesaussichten Anfang Juli
befragte, soll er dementsprechend versichert haben, er „hoffe den Feind
durch einen nächsten Schlag friedenswillig zu machen“ 2010 . Zum Schauplatz
eines nächsten Hauptschlages, der allerdings erst Ende Juli oder Anfang
August möglich erschien, wählte er den britischen Gegner in Flandern und
behielt sich die aus heutiger Sicht reichlich verwegen erscheinende Option
auf eine direkt daran anschließende Großoffensive zwischen Amiens und
Paris vor 2011 . Für die Zwischenzeit faßte er einen als Ablenkung von der
eventuell schon entscheidenden Flandernunternehmung zu verstehenden
2009
Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 160f. In diesem
Zusammenhang siehe auch Frauenholz: Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 395, wo düsterste
Zukunftsprognosen bereits für den 8.5.1918 festgehalten sind. Siehe auch BA-MA, RH
61/52, Bl. 9f.: Brief v. Bocks an die Forschungsanstalt des Heeres vom 6.9.1930 wegen der
französischen Offensive am 18.7.1918. Bock berichtete über einen Vortrag beim deutschen
Kronprinzen im Vorfeld des von Ludendorff verordneten Angriffs vom 15.7.1918, er habe
damals festgestellt (Bl. 10): „ Zu diesem Angriff gehren [gehören] zwei! Einer der die Kraft
hat, ihn zu führen und einer, der sich dies gefallen läßt.“ Kuhl änderte seine privat fixierte
Auffassung später übrigens grundlegend, wenn man die Darstellung der Kühlmann-Affäre
in seiner populären Darstellung des Weltkrieges und seine Schrift zur Kriegslage im Herbst
1918 anschaut; siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 374f., und Kuhl: Die Kriegslage, S.
19ff. Ein anderes, gleichgelagertes Beispiel findet sich in der Diskrepanz zwischen
Aufzeichnungen und Handlungsweisen Schulenburgs und seiner Darstellung der Lage bei
Kriegsende für den Untersuchungsausschuß des Reichstages 1925; siehe Schulenburg, Graf
v.d.: Die Lage bei der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz in den letzten Kriegsmonaten, als
Beilage 1 in Bd. 6 der [Link] des Untersuchungsausschusses des Reichstages: Die
Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918, Berlin 1928, S. 309-320.
2010
Siehe Foerster, Wolfgang: Der Feldherr Ludendorff im Unglück. Eine Studie über seine
seelische Haltung in der Endphase des ersten Weltkrieges, Wiesbaden 1952, S. 12.
2011
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 159ff. Siehe auch Kuhl: Der
Weltkrieg, Bd. 2, S. 378ff., und RA, Bd. 14, S. 412ff.
497
Abb. 11: Karte zur Ausprägung des „Marnebogens“ bis Mitte Juni 1918 2012 .
2012
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 271. Das AOK 9, das hier nicht noch nicht
verzeichnet ist, wurde zwischen AOK 18 und AOK 7 eingeschoben.
2013
Siehe dazu BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 5f.
498
2014
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 405.
2015
Siehe dazu Foch: Kriegserinnerungen, S. 339, und LAF, Bd. VI.2., S. 404ff.
2016
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 406.
2017
Ausdrücklich wies Foch am 1.7.1918 Haig und Pétain auf die besondere Rolle von
Paris als Prestigeobjekt hin, dessen Fall oder auch schon dessen Beschuß durch die
Deutschen unabsehbare politische und propagandistische Bedeutung haben würde; siehe
ebenda, S. 417.
2018
Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 351: „Etwa von Mitte Juli ab konnte man den
Augenblick herannahen sehen, wo sich die beiderseitigen Kräfte offenbar im Gleichgewicht
befanden. Dann war die Stunde gekommen, wo wir unsererseits die Offensive ergreifen
mußten, wenn der Feind nicht mehr angriff. Und griff er an, so konnten wir mit unserer
Parade einen schweren Schlag verbinden.“
2019
Siehe ebenda, S. 349.
2020
Siehe dazu LAF, Bd. VI.2., S. 418f.
499
2021
Kuhl erwähnte in diesem Zusammenhang, daß die deutsche Offensive bei Reims in
Brüssel und München bereits Wochen vor dem [Link] öffentlicher Gesprächsstoff gewesen
sei und Ludendorff mehrere Briefe aus Deutschland erhalten habe, worin auf den sorglosen
Umgang mit dem Angriffsplan hingewiesen wurde; siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S.
382, und BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 166. Üblicherweise wird in der
Literatur die Preisgabe des Angriffsplans deutschen Gefangenen oder Überläufern
zugeordnet, die gemäß Erkenntnis der OHL bereits Anfang Juli ausgesagt hätten. Foch
datierte die relevanten deutsche Gefangenenaussagen erst auf den 14.7.1918, erhielt
tatsächlich aber bereits am 9.7.1918 einen darauf bezogenen Aufklärungsbericht; siehe
HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 25: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/Fr. H Nr. 9430 geh. op.
vom 20.7.1918, Foch: Kriegserinnerungen, S. 353, und Paquet: La Défaite, S. 115.
2022
Gerechnet sind lediglich die Divisionen, die an den Außenrändern des Frontbogens
zwischen Soissons und Reims standen (frz. 10., 6., 9. und [Link]); siehe RA, Bd. 14, S.
476, Anm. 3 zu S. 475.
2023
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 8, LAF, Bd. VII.1., S. 42f., und Bourlet, Michael:
État Des Lieux Avant La Bataille, in Cochet, François (Bearb.): Les Batailles De La Marne.
De L’Ourq Á Verdun (1914 Et 1918), Actes du colloque „Batailles emblématiques,
combats oubliés“ tenu á Reims et Verdun les 6 et 7 mai 2004, o.O. 2004, S. 202.
500
dem Muster des seit 1917 praktizierten eigenen Abwehrverfahrens 2024 , auf
vorbereitete, tiefgegliederte, rückwärtige Positionen zurückzuziehen.
Hierauf lief der Angreifer auf, wobei als beachtenswertes Nebenbei des
operativen Großen und Ganzen erstmalig Minenfelder in Erscheinung
traten 2025 , die der deutschen Tankunterstützung spürbare Verluste
2026
beibrachten . Schon am [Link] hatte Foch als Zeitpunkt für die
Gegenoffensive den 18. des Monats bestimmt, und noch am Abend des
ersten Angriffstages bei Reims bestärkte Pétain der Verlauf der Schlacht
darin, dem Generalissimus dieses Datum zu bestätigen 2027 . Nach dem
Verlust von etwa 50.000 Mann 2028 und ohne ein Ziel der Operation erreicht
zu haben, stellte die OHL ihre Reimser Offensive am Morgen des [Link]
ein und ordnete den Abtransport von Truppen und Material nach Flandern
an 2029 .
Neben die taktisch-operative Ohnmacht, die sich auf deutscher Seite bereits
an anderen Stellen der Front besonders durch die nicht adäquat zu
konternden Gegenangriffe der Alliierten offenbart hatte, war in diesem
Moment eine strategische getreten. Ohne die Möglichkeit zur Hand zu
haben, mit einem weiteren Angriff das Geschehen an der Hauptkampffront
2024
Siehe dazu BA-MA, RH 61/50671: KTB HGr Kronprinz vom 15.7.-3.8.1918, S. 3.
2025
Bereits im März 1918 hatten die Briten solche Minenfelder angelegt, doch hiervon
scheint bis zu ihrem ersten Auftreten im September 1918 kaum Notiz genommen worden
zu sein. Bekannt wurden sie zudem in einem tragischen Zusammenhang, da das erste
amerikanische Tank-Bataillon bei seiner Feuertaufe direkt hinein fuhr und erhebliche
Ausfälle hatte; siehe Fuller: Tanks, S. 271, und Kap. 13.
2026
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 50f.: Chef [Link]. d. Feldheeres II Nr. 9840 geh. op.
vom 15.8.1918. Die OHL nahm in diesem Schreiben Bezug auf Minen zur
Tankbekämpfung, wie sie am 15.7.1918 bei einem deutschen Tankangriff im Bereich des
[Link] in der Champagne vom Feind erfolgreich genutzt worden waren. Das
Generalkommando hatte hierüber berichtet: „Von den deutschen Panzerwagen wurden 4
durch Tankminen vernichtet. Als Tankminen waren lange Linien mit Rasen zugedeckter
Holzkästen eingebaut, die je eine Flügelmine enthielten. Bei starker Belastung des etwas
offenstehenden Kastendeckels drückte dieser seinerseits auf den Zünder der Mine und
brachte diese zum Detonieren.“
2027
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 518.
2028
Siehe RA, Bd. 14, S. 464.
2029
Zum Verlauf der Kämpfe siehe ebenda S. 446ff.
501
2030
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 527.
2031
Siehe ebenda, S. 531.
2032
Siehe ebenda, Bd. VII.1., S. 77. Gleiches galt für die [Link] östlich Reims’ und die
[Link] gegenüber dem Südteil des Frontbogens.
2033
Siehe ebenda, S. 44.
502
2034
Neben der effizienten Ausnutzung des insgesamt sehr unübersichtlichen, durch
zahlreiche Geländeeinschnitte, Gewässer und vor allem Wälder geprägten Schlachtfeldes
durch den Angreifer machte sich laut späterer deutscher Aussagen die vollkommene
französische Luftüberlegenheit besonders negativ bemerkbar. Der Kommandeur des GK
[Link], Theodor Frhr. v. Watter, beschrieb die Möglichkeiten der Aufklärung später
folgendermaßen: „Die gesamte Korpsfront stand in oder dicht vor dem Wald von Retz dem
Gegner mit verbundenen Augen gegenüber. Im ganzen Korpsgebiet war die
Erdbeobachtung völlig, die Luftbeobachtung ganz ausgeschaltet. Selbst starker Verkehr auf
den großen Straßen des Waldgebietes konnte von den Fliegern nicht mit Sicherheit erkannt
werden.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh.
vom 6.8.1918, S. 1.
2035
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 4ff.
2036
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 14.
2037
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 55.
2038
Siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, Paris 1920, S. 196.
2039
Die [Link] verfügte nach ihrem Angriff auf Cantigny am 28.5.1918 über
Offensiverfahrungen, während sich die 2. bei den Abwehr- und Stellungskämpfen zwischen
Aisne und Marne seit Mai 1918 die Anerkennung des deutschen Gegners verdient hatte;
503
siehe dazu Abschn. 10.2. bzw. Center of Military History: United States Army, Bd. I, S.
18f. und S. 121f. (Divisionsgliederungen 1917/18 und Personalbestand).
2040
Siehe Abschn. 11.2.
2041
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 14.
2042
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 35.
2043
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 15f.
2044
Siehe Fuller: Tanks, S. 190.
504
2045
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 23.
2046
Darunter ein Fahrzeug des Kompaniechefs und eines vom Modell FT-17 „T.S.F.“,
einem unbewaffneten Funkpanzer; siehe Förster/Paulus: Abriß, S. 29.
2047
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 23. Eine Differenz zwischen den am [Link] versammelten
und den dann tatsächlich eingesetzten Fahrzeugen ist zudem durch technikbedingte
Ausfälle anzunehmen, ohne daß diese quantifizierbar zu sein scheinen; siehe Fuller: Tanks,
S. 192, BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen
Aisne und Marne, S. 31, Anm. 1, und Hillman, Rolfe L./Johnson, Douglas V.: Soissons
1918, College Station 1999, S. 39.
2048
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 62 bzw. S. 66.
2049
Siehe ebenda, S. 55 und S. 60., vergleiche Guderian: Achtung-Panzer! S. 102.
2050
Siehe Abschn. 6.5.1.
505
auf die Angriffsbereiche der Divisionen bei den drei nördlichen Korps
verteilt und ihrerseits in eine Stoßgruppe, eine Eingreifgruppe und eine
Reserve gegliedert. Beim Angriff hatten die vorne eingesetzten Tanks so
lange hinter der vorgehenden Infanterie zu verbleiben, bis sich
bekämpfenswerte Ziele zeigten 2051 . Dann, nach erfolgreicher Beendigung
solcher Kampfhandlungen, waren sie dazu angehalten, wieder auf die in der
waffentechnischen Kooperation unerfahrene Infanterie 2052 aufzuschließen
und mit ihr zusammen weiter vorzugehen. Hauptaufgabe der Tanks war es
gemäß dieser in der „Directive No 5“ vom [Link] 1918 fixierten
Einsatzkonzeption, in engster Kooperation mit der Infanterie, an diese und
ihr Angriffstempo fest gebunden, den Kampf gegen den Gegner zu
suchen 2053 .
Insgesamt betrachtet, lebte der Angriffsplan von der Ausnutzung des
Moments, der durch die Schwäche der Deutschen eine günstige Gelegenheit
dafür bot, einen konzentrischen Angriff auf den exponierten Frontbogen mit
überlegenen Kräften überraschend durchführen zu können. Die Tanks waren
einmal in großer Zahl, dann sowohl in der bekannten Rolle als
Infanterieunterstützung beim Einbruch in die feindlichen Linien, als nun
auch –und anders als bei Cambrai, wo keine gepanzerten Reserven
zurückbehalten worden waren 2054 - für die Ausnutzung des erwarteten
Eingangserfolges vorgesehen.
2051
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 78.
2052
Siehe Hillman/Johnson: Soissons 1918, S. 31.
2053
Siehe dazu Pedroncini: Pétain, S. 406ff.
2054
Vergleiche die Darstellung bei Liddell Hart, der nicht nur den Ursprung der
französischen Angriffsweise mit dem Hinweis auf die Anwendung des „Cambraier
Schlüssels“ auf britischer Seite verortete, sondern die große Zahl von Reservetanks für den
Einsatz nach einem Einbruch außer acht ließ; siehe Liddell Hart: Foch. Der Feldherr der
Entente, Berlin o.J., S. 249.
506
Kämpfen seit dem [Link] hatte sich bei der [Link] (v. Boehn) nicht nur
ein ganz erhebliches und letztendlich unersetzliches Maß an Verlusten
ergeben, sondern auch eine Frontlinie, die sich von 100 auf 150km
verlängert hatte 2055 . Die Anfang Juli erfolgte Zweiteilung des ausgedehnten
Frontbogens in den Befehlsbereich der 7. und den die westliche Flanke ab
dem Flüßchen Ourq 2056 umfassenden Befehlsbereich der aus vor Ort
vorhandenen Verbänden neugebildeten [Link] (v. Eben) bedeutete vor
diesem Hintergrund eine allein führungstechnisch wirksame Maßnahme zur
Entlastung des AOK 7. Die [Link] war für den Angriff gegen Reims am
[Link] vorgesehen und wurde für diese Aufgabe mit umfangreichen Mitteln
versehen. Allerdings waren die numerischen und qualitativen Verstärkungen
hier nur kurzeitig vorhanden sowie durch Schwächung des benachbarten
AOK 9 2057 mit dem Resultat gegeben, daß bis zum Abbruch der Schlacht
bei Reims wiederum schwere Verluste eingetreten waren und offensivfähig
beurteilte Verbände samt Unterstützungsteilen für die Offensive gen
Flandern abgingen.
Die Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz über den Zustand ihrer
Armeen vom [Link] 1918 wies die 30 Divisionen der [Link] demgemäß
größtenteils noch als „kampfkräftig“ oder zumindest als „noch
kampfkräftig“ aus 2058 , während die [Link] auf der Westseite des
2055
Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 362.
2056
Wie im Kartenbild deutlich wird, war eine Merkwürdigkeit dieser Umgliederung, daß
der Armeeabschnitt der [Link] nicht entlang der quasi natürlichen Grenze des Flüßchens
Ourq verlief, sondern wenige Kilometer nördlich davon; siehe bspw. Stenger:
Schicksalswende, Karte 1. Ein Grund für diese an sich und erst recht in Bezug auf die
Bildung einer einheitlichen Befehlsfront zur Entlastung des AOK 7 sehr eigenwilligen
Entscheidung ließ sich nicht finden.
2057
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 10.
2058
Das AOK 7 verfügte am 13.7.1918 über 30 Divisionen, von denen 21 als
vollkampffähig und drei als noch kampffähig klassifiziert wurden. Ohne Nennung von
Zahlen und dezidierten Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit einzelner Verbände
wurde in dieser verhältnismäßig günstigen Lage relativierend angemerkt, daß „ein
beträchtlicher Prozentsatz der Offiziere und Mannschaften“ ausgefallen und bislang nicht
zur Truppe zurückgekehrt sei; siehe BA-MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der
Heeresgruppe Kronprinz vom 13.7.1918. Wegen der damals üblichen Verfahrensweise der
507
Heeresgruppe, nur wöchentlich Meldung an die OHL zu machen, war vom Verfasser -
bedauerlicherweise- kein Statusbericht über die am 18.7.1918 noch bei der [Link]
vorhandenen Divisionen auffindbar.
2059
Ein Betrachter sprach von der [Link] bis zum 18.7.1918 bezeichnenderweise als
einem „Trümmerhaufen“; siehe ebenda, RH 61/51843: Vorarbeiten Solgers zu RA, Bd. 14,
S. 26f.
2060
Siehe ebenda, RH 61/51842: Wochenmeldung der Heeresgruppe Kronprinz vom 6.7.
(zur [Link]) und 13.7.1918.
2061
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 334: GK [Link] Abt. Ic Nr. 179 op. vom
14.7.1918. Die durch die betreffende Division selbst zu positiv vorgenommene
Einschätzung als „vollkampffähig“ vom 10.7.1918 basierte dabei auf einer
Bataillonsdurchschnittsstärke von nur 398 (die drei MGK einberechnet!) und nicht, wie in
der Wochenmeldung der Heeresgruppe vom 13.7.1918 angeführt, von 508 Mann. Siehe
ebenda, Bü. 244, Bl. 40: [Link] Ia/Nr. 1654 op. vom 10.7.1918.
2062
Bezeichnenderweise wurden zwei Wochen Ruhe, Ausbildung und Auffrischung für
zwei, drei Wochen für drei und vier Wochen für sechs Divisionen veranschlagt; siehe BA-
MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der HGr Kronprinz vom 13.7.1918.
2063
Die Durchschnittsstärke umfaßte offenbar auch die Maschinengewehrkompanien und
ist keinesfalls mit der Gefechtsstärke der Bataillone zu verwechseln. Diese ist unter Abzug
von Angehörigen des Gefechtstrosses und der Bagage, von Essenholern, Meldegängern und
sonstigen Ordonnanzen wesentlich geringer anzusetzen.
508
2064
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 333: GK [Link] Ia Nr. 178 Pers. geh. vom
10.7.1918.
2065
Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff: [Link] Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.
509
2066
Siehe ebenda, Bl. 68: GK [Link] Ia Nr. 17/7 op geh vom 14.7.1918. Bezeichnend für
den Kampfwert der nur positivistisch als „Eingreiftruppen“ zu klassifizierenden Verbände
hinter den Abschnitten der [Link] ist auch eine Meldung der [Link], die hinter der [Link]
und der nach Süden gegen das [Link] anschließenden [Link] der Gruppe Watter stand.
Am 17.7. gab sie an, daß ihre durchschnittliche Bataillonsstärke 541 Mann betrage und sie
nicht als vollkampffähig gelten könne, da nicht einmal mehr für jedes leichte
Maschinengewehr eine volle Bedienung vorhanden sei; siehe ebenda, Bü. 244, Bl. 46:
Stärkemeldung der [Link] vom 17.7.1917, und ebenda, Bl. 47: [Link] Ia No 164/18 vom
17.7.1918.
2067
Siehe Breithaupt, H./Engels, E./Raulf, F. (Bearb.): Das Preuß. Reserve-Infanterie-
Regiment Nr. 16, Witten 1934, S. 90: „[Link]. [... .] Die Reste des III./R 16 werden als
10./R 16 zusammengelegt. Die 3.M.G.K. bleibt bestehen. Beide Komp. werden dem II./R
16 angegliedert.“
2068
Siehe Center of Military History: United States Army, Bd. I, S. 121. Gerechnet wurden
vom Verfasser allein die Spalten zu den Infanterie- und Maschinengewehr-Kompanien
sowie diejenigen zu den Divisions-Maschinengewehr-Bataillonen. Die natürliche
Abweichung vom Soll ist angesichts der Schwäche der deutschen Verteidiger durchaus zu
vernachlässigen, wenngleich auch nicht gering. So gab die amerikanische [Link] am
15.7.1918 an, über einsatzfähiges Personal in Höhe von 1.033 Offizieren und 23.633
Unteroffizieren und Mannschaften zu verfügen; siehe ebenda, Bd. 3: Training and Use of
American Units with the British and French, Washington 1989, S. 538.
2069
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 896: KTB GK [Link], Eintrag vom 17.7.1918.
510
2070
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 26. Über die physische und die mentale Wirkung des
Gasbeschusses schrieb der Kommandeur der [Link]: „Der Gasschutzoff. [Gasschutz-
Offizier] sagte mir, daß es sich um amerikanisches Gas handelt, das anscheinend eine
Mischung von unserm Blau- und Gelbkreuz sei. Die Reizwirkung auf die Lungen läßt
anscheinend bald nach; aber die Hautblasen führen zu bösen Geschwüren. Tötlich würden
nur einzelne Fälle verlaufen, hoffe man. Bis jetzt hat die Division allein schon 550
Gaskranke. [... .] Diese Gaserkrankungen machen einen sehr niederdrückenden Eindruck
auf die Truppe. Das ist schon ein fürchterlich heimtückisches Kampfmittel, an dessen
Ingebrauchnahme wir selbst aber, glaube ich, nicht ganz ohne Schuld sind. Dieser
deprimierende Eindruck ist wohl auch die Ursache, daß ich heute wieder meinen kritischen
Tag habe in Bezug auf Siegeszuversicht. An solchen Tagen sehe ich einfach keine
Möglichkeit, den Krieg für uns glücklich zu Ende zu führen; nicht militärisch u. noch
weniger wirtschaftlich.“ Zitiert nach KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17,
Eintrag zum 14.6.1918.
2071
Siehe BA-MA, RH 61/51842: Wochenmeldung der HGr Kronprinz vom 13.7.1918.
2072
Siehe Gallion, W.: Das Reserve-Infanterie-Regiment 40 im Weltkrieg, Karlsruhe 1936,
S. 312.
2073
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 12ff: [Link] Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918,
und KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.
511
Außer bei der Infanterie lag eine klar erkennbare quantitative Unterlegenheit
auch bei der Artillerie vor. Den etwa 1.500 Geschützen der französischen
[Link] standen 918 der deutschen [Link] gegenüber 2074 . Hierunter
befand sich ein nicht unerheblicher Teil, der erst kurz vor der Schlacht oder
auch erst nach ihrem Beginn aus dem Bereich der [Link] zurückkehrte,
wo zahlreiche Batterien an den Kämpfen seit dem [Link] teilgenommen
hatten 2075 . Außerdem umfaßte die Geschützzahl eine nicht quantifizierbare
Menge sogenannter „5. und [Link]ütze“. Diese waren den mit
Feldkanonen ausgestatteten Batterien der Feldartillerie nach einer als
Verzweiflungsschritt zu bezeichnenden Verfügung der OHL zur Deckung
der mittlerweile allerorten entstandenen Gefechts- und Verschleißverluste
auf die Geschütz-Reserve des Heeres zurückzugreifen, überwiesen
worden 2076 . Problematisch mußte dabei sein, daß dies ohne die begleitende
Zuweisung von Bespannungen und Bedienungen geschah. Die bis zur
Schlacht diesem Problem gegenüber praktizierten Abhilfen, wenn davon
angesichts eines chronischen Mangels an Pferden 2077 und ausgebildeten
Feldartilleristen überhaupt gesprochen werden darf, bestand aus der
Klassifizierung der Kanonen als „bodenständiges Gerät“ der
Generalkommandos 2078 . Dies machte die Mobilitätsfrage zur Sache
2074
Siehe RA, Bd. 14, Anlage 39 f.
2075
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 4, Scheffel/Wagner/Winterstein: Das [Link]-Elsässische
Feldartillerie-Regiment Nr. 15 im großen Krieg 1914-1918, Darmstadt o.J., S. 262,
Partzsch (Bearb.): Das Kgl. Sächs. [Link]-Regiment Nr. 32 (Erinnerungsblätter
deutscher Regimenter, Heft 80), Dresden 1939, S. 209, und Verein ehemaliger Offiziere
des Feldartillerie-Regiments Großherzog (Hg.): Das Feldartillerie-Regiment Großherzog
([Link]) Nr. 14 im Weltkriege 1914-1918, Karlsruhe 1933, S. 318f. und S. 323.
2076
Siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 150.
2077
Bezeichnend für die Lage der Truppen war, daß die [Link] einen französischen Angriff
am 14.7.1918 nicht mit einem sofortigen, starken Gegenstoß beantworten konnte, da den
dazu vorgesehenen Begleitbatterien durch Pferdemangel die zwangsweise benötigte
Mobilität fehlte; siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur
Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 8a.
2078
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 16: AOK 9 Abtlg. Ia/b. vom 12.7.1918. Was ihre
Mobilität betraf, entsprach dieser Teil der Feldartillerie dem, was von den
Nahkampfbatterien des Frühjahrs 1917 gesagt worden ist; siehe Abschn. 4.1.
512
2079
Siehe HStAS, M 33/2, Bl. 44: AOK 7 Ia/Gen. Art. Nr. 3968/18 vom 16.6.1918, und Bl.
13: AOK 7 IIb/Gen. Art. Nr. 4961/18. geheim. vom 18.7.1918.
2080
Siehe TG FAR 15, S. 265: „Die Kanonenbatterien erhalten bodenständige, unbespannte
5. und [Link]ütze. Zur Aushilfe bei ihrer Bedienung waren schon vorher den Batterien
Armierungssoldaten zugeteilt worden,- die dann in der Schlacht am 18. fast überall
versagen. Man hatte allerdings Leute gesandt, die z.T. wirklich nicht
frontverwendungsfähig waren. Hptm. Heinemann allein muß unter 10 Mann 3 wegen noch
nicht verheilter, eiternder Wunden zurückweisen.“
2081
Siehe RA, Bd. 14, S. 475. Watter selbst schrieb dazu, daß die Versorgung der Batterien
mit Munition nur in bescheidenem Ausmaß geleistet werden konnte; siehe HStAS, M 33/2,
Bü. 330, Bl. 277: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918, S. 2. Ob der
Munitionsmangel allein durch Transportengpässe begründet war, scheint fraglich zu sein.
So galten wegen des ungeheuren Bedarfs an den Hauptkampffronten für die gesamte HGr
Albrecht seit Ende Juni massive Einschränkungen beim Verbrauch von Artilleriemunition;
siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Fernschreiben der OHL an HGr Albrecht vom 26.6.1918,
und ebenda HGr Albrecht [Link]. Nr. 7744 vom 22.7.1918. Dieselbe Einschränkung
führte v. Menges in seiner Arbeit an und Verwies auf eine Mitteilung des AOK 7 vom
20.6.1918: „Die Einschränkung des Artilleriefeuers, die tageweise bis zur völligen
Artilleriestille geführt werden kann, findet ihre Grenze in unserer Abwehrbereitschaft.“
Zitiert nach BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 9, als AOK 7 Ia 808 geh. vom 20.6.1918.
513
Die Luftüberlegenheit lag ebenfalls auf Seite des Angreifers, da den rund
800 Flugzeugen der deutschen 7. und [Link] 2082 , die sich auf die gesamte
Ausdehnung ihrer Linien verteilten, schon deutlich mehr als 1.200
Flugzeuge nur der französischen 10. und [Link] auf der Westseite des
Frontbogens gegenüberstanden.
Bei den erfolgreichen Bemühungen französischer Verbände zur
Verbesserung ihrer Sturmausgangsstellungen und zur Wegnahme deutscher
Beobachtungspositionen seit Ende Juni war es außerdem nicht nur dazu
gekommen, daß die bisher erfolgten Anstrengungen des deutschen
Stellungsbaues 2083 durch Geländeverlust weitestgehend nivelliert wurden
und man wichtige Punkte und Beobachtungsmöglichkeiten verloren hatte,
sondern es waren auch Zustände zutage getreten, welche, über die oben
angeführten Stärkeangaben hinaus, für die Kampfkraft und
Leistungsfähigkeit der deutschen Truppen bezeichnend waren. Bereits am
[Link] hatte der Befehlshaber der [Link], von Boehn, konstatiert 2084 , daß
ein seiner Anschauungsweise nach „unerhörter und unwürdiger Zustand“
eingetreten sei. Nämlich der, daß sich die feindlichen Truppen offenbar
leistungsfähiger sowie aggressiver als die deutschen erwiesen und
moralische Krisen besser zu überwinden gewußt hätten. Boehns Appell an
die Truppen, das eigene „Aushalten“ auch unter den offensichtlich
2082
Siehe RA, Bd. 14, S. 478.
2083
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 8. Ein Beispiel für die letztlich vergebliche Selbsthilfe der
Truppen beim Sichern ihrer Positionen bietet die TG IR 138: „Der Pionierkommandeur
sagte: an Material, Draht usw. ist so lange nicht zu denken, als die von den Franzosen
gründlich zerstörte Bahn Laon-Soissons nicht wiederhergestellt ist. Doch es gab eine
Aushilfe. Die in der Gegend Chaudun angelegte vorderste Pariser Stellung besaß ein
Drahthindernis, aber auf der unserem nunmehrigen Hintergelände zugewandten Seite.
Sofort wurden alle irgend verfügbaren Leute der Gefechtsbagagen zum Lösen und Rollen
dieses Drahtes angestellt und jede nach vorn fahrende Feldküche und alle sonstigen
Fahrzeuge nahmen von dort so viel Rollen mit, als sie nur irgend aufladen konnten. Die
vordersten Bataillone legten durchgehende Gräben an.“ Zitiert nach Lasch, Wilhelm:
Geschichte des [Link]ässischen Infanterie-Regiments Nr. 138 1887-1919, Saarbrücken
o.J. (1938), S. 301. Die Hindernisse und Gräben gingen durch die französische Angriffe bis
zum [Link] verloren.
2084
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 339: AOK 7 Ia Nr. 914 geh. pers. vom 2.7.1918.
514
2085
Siehe ebenda, Bl. 333: GK [Link] Ia Nr. 178 Pers. geh. vom 10.7.1918.
2086
Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 22: AOK 9 Abt. Ia. Nr. 264. op. vom 11.7.1918.
2087
Siehe Abschn. 10.1.
2088
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 28, Bl. 333 (Vorkommnisse bei der [Link]) und Bl. 334
([Link]) sowie ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff. ([Link]). Beachtenswert ist dabei, daß sich
zumindest teilweise auf die Aussagen französischer Gefangener bezogen wurde. Der
Eindruck, daß die deutschen Stellungstruppen am Ende ihrer physischen und psychischen
Kräfte waren, muß dementsprechend als auf französischer Seite weitestgehend bekannt
angesehen werden.
2089
Siehe ebenda, Bü. 225, Bl. 12ff: [Link] Abt. Ia Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.
515
2090
Siehe ebenda, Bü. 244, Bl. 42: [Link] Ia. 1771 op. vom 18.7.1918. Bei einer
Durchschnittsstärke der Bataillone von 627 Mann (statt 546 in der Meldung der HGr
Kronprinz vom 13.7.), die sich nur aus der Auflösung des Feldrekrutendepots erklären läßt,
führte die Division an, daß sich darin die Zahl von 592 unausgebildeten Infanteristen und
122 unausgebildeten Maschinengewehrschützen innerhalb der Division verbarg.
2091
Siehe ebenda, Bl. 49: [Link] Abt. Ia Nr. 1540 vom 18.7.1918.
2092
Siehe ebenda, Bl. 41: [Link] Ia. 1715 op. vom 11.7.1918.
2093
Siehe Abschn. 10.1.
516
2094
Siehe Hindenburg: Aus meinem Leben, S. 347.
2095
Siehe Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 331, und BA-MA, RH 61/52, Bl. 2ff. Die
Briefe v. Bocks sind in dieser Hinsicht eindeutig, wie sich anhand eines Auszugs
beispielhaft illustrieren läßt: „Die Ueberwachung der französischen Divisionen durch das
Oberkommando der Heeresgruppe hatte nach unserer Auffassung klar ergeben, dass der
Franzose über völlig ausreichende Reserven verfügte, um einerseits unseren Angriff [vom
15.7.] über die Marne abzufangen und außerdem mit starken Kräften aus dem Walde von
Villers-Cotterets gegen die Westflanke der Marnebeule zum Angriff anzutreten. [... .] Die
O.H.L. war anderer Ansicht! Sie bestand auf dem Angriff und die weitergehende
Schwächung der Abwehrfront zwischen Soissons und der Marne. Ich kann heute nicht
mehr beschwören, ob und wie oft die Armeen und die Generalkommandos an der
fraglichen Abwehrfront von uns auf die drohende Gefahr des französischen Angriffs
hingewiesen worden sind, nehme es aber bei dem regen Meinungsaustausch zwischen
Heeresgruppe und unterstellten Kommandobehörden als ganz selbstverständlich an.“ Zitiert
nach ebenda, Bl. 3f., Brief vom 22.7.1930. Tatsächlich sagt das KTB der [Link] vom
11.7.1918 aus, daß Aussagen von Gefangenen und Überläufern auf einen „nahe
bevorstehenden Großangriff“ auf die Gruppen Staabs und Watter hindeuteten und die
Bereitstellung „starker Reserven, dabei auch Engländer, Amerikaner und Schwarze, von
Tanks und Kavallerie“ berichtet wurde; siehe BA-MA, RH 61/52033: KTB AOK 9, Bd. X,
Eintrag zum 11.7.1918.
2096
Siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 10: Brief v. Bocks vom 6.9.1930.
517
2097
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 81, Bl. 37: GK [Link] Abteilung Ia Nr. 204 op geh. vom
16.7.1918, Ziff. 1.) und 2.).
2098
Siehe ebenda, Ziff. 3.).
2099
Zitiert nach KA, Nachlaß Paul von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.
2100
Siehe besonders Abschn. 6.2. mit der geradezu musterhaften Umsetzung der
Grundsätze des damals noch neuen Abwehrverfahrens.
518
2101
Versuche, die Kampfkraft der Divisionen durch Ersatz, Ausbildung und Ruhe wieder
zu steigern, dürften mangels der geringen Zeit bis zum Beginn der Schlacht flächendeckend
nicht mehr wirksam geworden sein. Die Gefechtsstärke des IR 145 ([Link]) lag am 1.7.1918
bei 17 Offizieren und 810 Unteroffizieren und Mannschaften. Für die Zeit bis zum
18.7.1918 vermerkt die Truppengeschichte lediglich die Zuteilung von 92 Mann Ersatz.
Siehe dazu TG IR 145, Bd. II, S. 100, und Führen, Franz: Die Hohenzollern Füsiliere im
Weltkriege 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 40), Berlin 1930, S.
618.
2102
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 26: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9135 geh.
op. vom 6.7.1918.
2103
Siehe Held, Karl/Stobbe, Otto (Bearb.): Das Königl. Preuß. Infanterie-Regiment Graf
Barfuß ([Link].) Nr. 17 im Weltkriege 1914/1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg, Bd. 25),
Berlin 1934, S. 228, TG RIR 40, S. 288ff., TG IR 138, S. 301f., und TG RIR 16, S. 88f.
519
2104
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 17: [Link] Ia Nr. 1670 op. vom 11.7.1918.
2105
Siehe ebenda.
2106
Entsprechende Befehle konnten in dem vom Verfasser eingesehenen Archivgut und in
der Literatur zumindest nicht gefunden werden. Daß es solche gab, ist sehr wahrscheinlich.
Aber es gab sie offenkundig nicht als besondere Anordnungen zur Abwehr des erwarteten
französischen Großangriffs Mitte Juli, sondern eher als generelle und den bisherigen
Kämpfen –man denke auch an den Erfahrungshorizont eines Theodor Frhr. v. Watter-
geschuldete Anweisungen zur Herstellung der Abwehrbereitschaft. Das Vorhandensein von
Tanks im Bereich der gegenüberliegenden frz. [Link] war zudem durch
Gefangenenbefragungen bekannt, wurde aber zumindest von der höheren Führung nicht im
Zusammenhang mit einer feindlichen Großoffensive gesehen; siehe dazu BA-MA, RH
61/52, Bl. 57.
2107
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Mun.-NO d. OHL bei HGr Albrecht 7064 vom
29.5.1918, und ebenda: AOK 19 [Link]./Mun. Nr. 1398 vom 20.6.1918. In beiden Schreiben
wurde ausdrücklich auch vom hohen Munitionsverbrauch und –bedarf zur Abwehr von
feindlichen Flugzeugen gesprochen.
520
2108
Siehe TG IR 138, S. 302, und TG IR 17, S. 227.
2109
Siehe Abschn. 4.2.
2110
Siehe TG FAR 15, S. 263 und S. 266, TG IR 138, S. 303, und TG IR 17, S. 228.
2111
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 50f., TG FAR 14, S. 322, TG FAR 15, S. 266, TG
IR 145, Bd. II, S. 101, und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK [Link] Ia Nr. 40 op.
geh. vom 6.8.1918, S. 2.
2112
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 8.
2113
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918,
S. 2, und BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 8.
521
2114
Siehe TG RIR 40, S. 297.
2115
Bezeichnend für die Schwäche der deutschen Verteidiger war, daß zumindest bei der
[Link] der Gruppe Staabs gar keine und bei der [Link] der Gruppe Watter anfänglich nur
auf einem Flügel Tanks eine Rolle spielten. Der Einbruch und die Vernichtung der
Stellungstruppen basierten folglich auf dem massiven infanteristischen Stoß und der
Artilleriewirkung; siehe dazu BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur
Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S. 41f., und Stenger: Schicksalswende, S. 37
und S. 57f.
2116
Intensive Eindrücke über die Wahrnehmung des deutschen Widerstands, besonders
durch starkes Maschinengewehrfeuer, bieten die Schilderungen amerikanischer Soldaten in
Hallas: Doughboy War, S. 105ff.
522
2117
Siehe dazu bspw. BA-MA, RH 61/52, Bl. 78: [Link] Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918,
KA, HS 2698: [Link] 3 I. Nr. 4572 vom 21.7.1918, und Stenger: Schicksalswende, S. 36ff.
2118
Die Einheitlichkeit des Gefechtsgeschehens wird dokumentiert in BA-MA, RH
61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht zwischen Aisne und Marne, S.
41f. ([Link]), S. 44f. ([Link]), S. 53f. ([Link]), S. 55f. ([Link]) und S. 58f. ([Link]).
2119
Die Bezeichnung „a Kompanie“ folgte der Einteilung eines Regiments-
Gefechtsabschnittes nach den einer Infanterie-Kompanie unabhängig von ihrer
Bataillonszugehörigkeit zuweisbaren Räumen.
2120
Zitiert nach TG IR 138, S. 306. Siehe auch TG IR 17, S. 230ff.
523
effizient praktiziert wurde 2121 . Wie ein Unteroffizier des IR 17 über das
„Absetzen“ -und ein solches war es augenscheinlich sehr viel mehr als ein
befehlgemäßes „Ausweichen“- seiner Teileinheit beispielhaft berichtete,
waren die Tanks „schneller als wir und sperrten uns den Rückweg in einem
großen Halbkreis“ 2122 . Daß dies trotz der vorgezogenen Tankgeschütze, der
Maschinengewehre mit oder ohne SmK-Munition, der Vielzahl
Minenwerfer und bei der insgesamt nicht unerheblich großen Rohrzahl der
deutschen Artillerie ohne größere Schwierigkeiten möglich gewesen zu sein
scheint, ergab sich aus mehreren Faktoren, die insgesamt ein Konglomerat
aus den Gegebenheiten bei den vorausgegangenen Kämpfen darstellen.
Durch den intensiven Artilleriebeschuß waren Fernmeldeverbindungen
gekappt worden, was die Übermittlung von Lage- und Zielmitteilungen
erheblich einschränkte und verzögerte. Zusätzlich begrenzte natürlicher und
künstlicher Nebel die Sicht auf nur wenige Meter Kampfentfernung, und das
aufgrund vorheriger Zuweisung von Feuerstreifen sowie nach dem Ausfall
vorgeschobener Beobachter zwangsweise „nach Karte“ abgegebene
deutsche Sperrfeuer wurde vom Feind unterlaufen. Die Munitionsbestände
schwanden binnen kurzer Zeit, so daß sich die Verteidiger schließlich mit
dem nahezu zeitgleichen und ungebrochenen Angriff von Tanks und
Infanteriemassen auf kürzeste Distanz konfrontiert sahen 2123 :
„About 7:00 a.m. the 1st Division reached Missy-aux-Bois and the far edge of
Missy Ravine, which extends to the right from that village. By that time the
resistance had greatly stiffened, and Missy-aux-Bois and the ravine itself were full
of enemy troops. The assaulting units at once pushed into the ravine in the face of
point-blank fire from many batteries of German artillery located therein. These guns,
whose removal had been prevented by the rapidity of the American advance,
2121
Siehe bspw. den Bericht eines Kompanieführers des IR 138 in TG IR 138, S. 308: „Hier
waren wir zwischen Tanks geraten und starkes M.G. Feuer zwang uns, uns hinzulegen.
Wohl um ihre eigenen Truppen nicht zu gefährden und die Hoffnungslosigkeit unserer
Lage erkennend, schossen die Maschinengewehre der Tanks jetzt über uns hinweg bzw. an
uns vorbei. Sie hätten uns zu Brei schießen können. Unser Schicksal war besiegelt und
unsere Widerstandskraft gebrochen. Amerikanische Schützen forderten uns zur Ergebung
auf. Wir waren in Gefangenschaft.“
2122
Siehe TG IR 17, S. 231.
2123
Siehe bspw. TG FAR 229, S. 77, TG FAR 15, S. 269, Stenger: Schicksalswende, S. 42,
und Bayerisches Kriegsarchiv (Hg.): Die Bayern im großen Kriege, S. 518.
524
destroyed a majority of the tanks which accompanied the brigade of the 1st Division
on that flank. However, after a terrific struggle the Germans in the ravine were killed
2124
or taken prisoner, and the guns emplaced in it were captured.”
2124
Zitiert nach Center of Military History United States Army: American Armies and
Battlefields in Europe, Washington 1938, S. 84
2125
Siehe bspw. TG FAR 229, S. 79, und TG FAR 14, S. 323.
2126
Siehe TG FAR 15, S. 270.
2127
Siehe ebenda, S. 270f.
2128
Siehe ebenda, S. 271ff.
2129
Die [Link] schrieb hierzu in ihrem Bericht zum Gefechtsgeschehen: „Um sich die
taktische [hervorgeh.] Ueberraschung zu wahren, verzichtete der Feind auf jede
Artillerievorbereitung und --wenigstens auf der Front der Division wo
zusammenhaengende Gelaendebedeckungen fehlte-- auf das Zusammenziehen starker
Tankgeschwader. Die nicht sehr grosse Zahl der am 18.7. aufgetretenen Tanks folgten
525
Hierzu, und damit zum Beginn der zweiten Phase der Schlacht, kam es ab
etwa 9 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt versuchten die kläglichen Reste der
deutschen Stellungsbesatzungen, oft schon im Zusammenwirken mit
mittlerweile herangekommenen Eingreiftruppen, eine neue
Verteidigungslinie aufzubauen und den Stoß ins Zentrum des Frontbogens
aufzufangen 2130 . In Anbetracht der geringen Kräfte, über welche die
deutschen Verteidiger bei den bis etwa zum Mittag vorgetragenen Angriffen
verfügten, verliefen die Kampfhandlungen insgesamt, und trotz des Zwangs
zum Zurücknehmen der nur euphemistisch als „Frontlinie“ zu
bezeichnenden, schwachen Verteidigungspositionen, für sie noch
erstaunlich günstig. Maßgeblich die Kombination von
Maschinengewehrfeuer, welches die feindliche Infanterie niederhielt 2131 ,
und Feuerkraft der auf kurze Entfernungen wirkenden, oft offen
aufgestellten oder aus den Deckungen hervorgezogenen Geschütze
bewirkte, daß der Angreifer keine wesentlichen Fortschritte machen konnte
und vermehrt Verluste zu erleiden hatte. Im direkten Duell zwischen den
französischen Tanks aller Typen und der deutschen Feldartillerie zeigten
sich die Geschütze und ihre Bedienungen überlegen, wie zahlreiche
Schilderungen zur Tankbekämpfung in diversen Truppengeschichten der
beteiligten deutschen Einheiten verdeutlichen 2132 - und es sich letztlich auch
hinter der Infanterie und wurden nach Art unserer Begleitbatterien zum Brechen besonders
heftigen Widerstands eingesetzt.“ Zitiert nach BA-MA, RH 61/52, Bl. 71: [Link] Ia Nr.
2052 vom 9.8.1918.
2130
Im Bericht der Gruppe Watter über den Verlauf des 18.7.1918 heißt es zur Lage am
Morgen: „Es war nun klar, daß dem Gegner in kurzer Zeit geglückt war, unsere Infanterie
nahezu auf der ganzen Korpsfront zu überrennen, daß ihm ein großer Teil unserer Artillerie
bereits in die Hände gefallen, jedenfalls der größte Teil außer Gefecht gesetzt war und daß
nun alles darauf ankam, zu verhindern, daß aus dem feindlichen Einbruch ein Durchbruch
wurde.“ Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 280: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh. vom
6.8.1918, S. 7.
2131
In einigen Truppengeschichten wird zudem die Wirkung der Maschinengewehre gegen
die vorgehenden Tanks angeführt, welche durch zusammengefaßtes Feuer zum Umkehren
gezwungen, oder von ihren Besatzungen verlassen wurden; siehe bspw. Menzel/Stepkes,
R.: Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 258, Trier 1935, S. 226.
2132
Siehe bspw. TG FAR 14, S. 324f., TG IR 17, S. 233ff., TG FAR 15, S. 277f., TG FR
40, S. 622f., TG RIR 16, S. 90f., TG FAR 32, S. 208f., und Bornstedt, Günther v. (Bearb.):
526
dieser Lage auch die Rückverlegung von Kolonnen und Trains aus dem
Frontbogen heraus nach Norden, an die Aisne, befohlen 2135 , was (noch)
nicht autorisierten Maßnahmen zur Aufgabe des Frontbogens
gleichkommen mußte. Auf alliierter Seite war ein Zustand eingetreten, der,
wohlwollend ausgedrückt, als vorsichtig-umsichtiges Nachrücken zur
Sicherstellung des bis Mittag Erreichten zu umschreiben ist 2136 . Dahinter,
überaus signifikant durch die mehr oder weniger ausgedehnte Kampfpause
dokumentiert, verbargen sich grundsätzlich altbekannte Probleme, die schon
mehrfach zuvor die Erweiterung eines gelungenen Einbruchs zum
Durchbruch verwehrt hatten. Die erste Welle der Angriffstruppen hatte sich
verbraucht, war durcheinandergeraten, war verschieden weit und in Teilen
bis an den Rand des durch die eigene Artillerie zu deckenden Geländes
vorgestoßen. Durch die Vorverlagerung der Frontlinie war die
Weitenwirkung der als unverzichtbar aufgefaßten Artillerie 2137 so weit
reduziert, daß die effektive Unterstützung der eigenen Stoßverbände fraglich
sein mußte. Zur Erneuerung des Angriffs mußten Verbände neugruppiert,
Reserven herangeführt und die eigene Artillerie vorgezogen werden 2138 .
Dies nahm nicht nur einige Zeit in Anspruch, sondern war zudem mit
erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten behaftet, die auch den Briten
bei Cambrai begegnet waren und damals wichtige, wenn nicht
entscheidende Stunden Tageslicht des „kurzen“ [Link] 1917 gekostet
hatten 2139 . Massiv und parallel zu den britischen Erfahrungen bekam das
hinter der französischen [Link] bereitgestellte Kavalleriekorps diese
Wie konfus die Befehlsverhältnisse nach dem Einsatz der deutschen Reserven sein konnten,
deutet die TG IR 145, Bd. II, S. 103, unter Hinweis auf „Gegenbefehle“ und
„Kompetenzstreitigkeiten“ beim Einsatz des Regiments als Eingreiftruppe der [Link]
zumindest an.
2135
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 281: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918,
S. 9.
2136
Siehe BA-MA, RH 61/52029: Forschungsarbeit v. Menges zur Abwehrschlacht
zwischen Aisne und Marne, S. 50.
2137
Siehe dazu auch Strachan, Hew: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie Erster
Weltkrieg, S. 278.
2138
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 74ff., und Guderian: Achtung- Panzer! S. 96ff.
2139
Siehe Abschn. 9.6.1. zu Cambrai 1917 oder auch Abschn. 5.3. zu Arras 1917.
528
2140
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 76f., und Abschn. 9.6.1.
2141
Siehe ebenda, S. 75f.
2142
Siehe ebenda, S. 76f.
2143
So etwa beim RIR 258: „Um 8.15 Uhr abends gingen wieder Tanks zum Angriff vor.
Nordwestlich der Straße Neuilly-Latilly wurden sie vom Artilleriefeuer gefaßt. Sie drehten
ab und verschwanden. Die Infanterie, die den Tanks in dichten Massen gefolgt war, wurde
durch M.G.-Feuer zerstreut.“ Zitiert nach TG RIR 258, S. 231. Einem weiteren Angriff um
22.15 Uhr war durch Vorgehen von den Flanken aus mehr Erfolg beschieden, und man
mußte schließlich auf eine rückwärtige Position ausweichen; siehe ebenda, S. 231f.
529
2144
Die TG [Link] 22 sagt hierzu beispielhaft: „Der Rest des [Kampf-] Bataillons zog sich
nach tapferer Gegenwehr auf die Artillerieschutzstellung zurück, auch hier bald von rechts
und links überflügelt mußte der schwache Rest des Bataillons gegen 630 nachm. im starken
feindlichen Infanterie-, M.G.- und Artilleriefeuer die deckungslose Hochebene überqueren,
zog sich gegen die Braunschweiger Höhle zurück und fiel hier dem scharf nachdrängenden
Gegner zum größten Teil in die Hände; nur wenige Leute, 3 Offiziere und 18 Unteroffiziere
und Mann entkamen.“ Zitiert nach Meyer, Hans (Bearb.): Das K.B. [Link]-Regiment
Fürst Wilhelm von Hohenzollern (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische
Armee, Heft 15), München 1923, S. 94.
2145
Siehe Stenger: Schicksalswende, Karte 2, RA, Bd. 14, S. 479, und LAF, Bd. VII.1., S.
77, wo von 9km bei der 10. und 5km bei der [Link] gesprochen wird. Diese
Entfernungen lag allerdings die Bemessung von den französischen
Sturmausgangsstellungen zugrunde, welche zwangsweise ein mehr oder weniger
ausgebildetes Niemandsland einschloß.
2146
Siehe LAF, Bd. VI.2., S. 544. Dort wird von 9.300 Mann Verlust bei den
amerikanischen Verbänden für einen Zeitraum vom 11.-21.7.1918 gesprochen, dem für die
französischen Verbände bei der [Link] gerade einmal rund 2.700 Gefallene,
Verwundete und Vermißte gegenüberstehen. Siehe dazu auch die eindrucksvollen
Gefechtsschilderungen in Hallas: Doughboy War, bspw. S. 109 (Aussage von Oberleutnant
Cumming, 5th Marines, [Link]): „I heard later that my company had one officer 29
men left when we reached the objective. We had gone to this sector with eight officers and
250 men.”
2147
Diese Zahl umfaßte offenbar alle erdenklichen Gründe für den Ausfall von Fahrzeugen.
Dabei muß letztlich unklar bleiben, inwieweit hierunter möglicherweise auch noch
530
die Wirkung der deutsche Artillerie. Der Personalverlust betrug 25% 2148 .
Die Ausfälle der artillerie d’assaut bei der [Link] betrugen nach einer in
Ermangelung französischer Angaben auf deutschen Meldungen basierenden
Zusammenstellung lediglich 15 (17%) von 87 eingesetzten Fahrzeugen 2149 .
Diese im Vergleich zur [Link] signifikant geringeren Verluste sind damit
zu begründen, daß es die Unübersichtlichkeit des Geländes sicherlich nicht
immer gestattete, Tanks zu bekämpfen und es andererseits auch wieder
gelang, Vorstöße frühzeitig zu begrenzen und vorrollende Tanks durch
Feuer von der Fortsetzung ihrer Angriffe abzuhalten 2150 .
Die Verluste der Verteidiger bei den Kämpfen waren äußerst schwer und
kulminierten in der Auffassung der [Link] vom Morgen des [Link] darin,
daß südlich der Aisne „nennenswerte kampffähige Teile, soweit bekannt,
nicht mehr vorhanden“ waren 2151 . Angaben über die Stärken und Verluste
einzelner Einheiten unterstreichen diese insgesamt in der Vernichtung der
Stellungstruppen zusammenzufassende, dramatische Momentaufnahme. So
hatte etwa das [Link] 22 am [Link], nach dem Verlust von drei Offizieren und
967 Unteroffizieren und Mannschaften noch eine Gefechtsstärke von sechs
Offizieren und 63 Mann 2152 - eine Größenordnung, die auch andernorts
nachzuweisen ist 2153 . Überaus bezeichnend für den Gefechtsverlauf ist, daß
11.4. Die weiteren Kämpfe bis zum Abschluß der Schlacht, Anfang
August 1918.
vermißten Unteroffiziere und Mannschaften (638), deren größter Teil die Gefangenen
ausgemacht haben dürften, lag bei 555 Mann; siehe TG RIR 40, S. 312.
2154
Wie aus Verlautbarungen der OHL Anfang August deutlich wird, waren die
Materialausfälle durch Verlust und Verschleiß während der seit März 1918 andauernden
Kämpfe derart groß, daß das Herausziehen einer großen Anzahl Artillerieformationen zur
Neubewaffnung und Auffrischung befohlen werden mußte; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl.
24ff., darunter besonders Bl. 27: Telegramm der OHL „an die Heeresgruppen des Westens“
vom 4.8.1918.
2155
Siehe Stenger: Schicksalswende, S. 110f. und S. 220. Obwohl Stenger die auf
französischen Angaben basierende Gefangenenzahlen –zumindest ihrer präziseren
Aufschlüsselung nach- als fragwürdig darstellte, wurden sie in diversen TG und auch bei
Guderian (Achtung-Panzer! S. 98) angeführt.
2156
Siehe RA, Bd. 14, S. 482ff.
532
an der Westfront beachtlich hohe Zahl von mehr als 25.000 Gefangenen 2157 .
An Beute fielen den die Alliierten nach französischen Angaben 612
Geschütze, 211 Minenwerfer und 3.300 Maschinengewehre in die
Hände 2158 . Etwa 95.000 Franzosen, 20.000 Briten, die nach dem [Link] als
Reserven in die Schlacht geworfen worden waren, 10.000 Italiener und
35.000 Amerikaner betrugen die alliierten Verluste im Kampf um den
„Marnebogen“. Mit rund 160.000 Mann fielen die alliierten Verluste beim
Kampf um den „Marnebogen“ also deutlich höher aus als die ihrer
deutschen Gegenspieler. Dieser Umstand mag, nebenbei angemerkt, seinen
Teil dazu beigetragen haben, den in dieser Hinsicht wesentlich
eindeutigeren [Link] 1918, den „schwarzen Tag des deutschen Heeres“,
in seiner Bedeutung besonders hervorzuheben 2159 .
Die Schilderungen über den Verlauf der Kampfhandlungen in den vom
Verfasser eingesehen Truppengeschichten gleichen sich im Kern
signifikant, so daß an dieser Stelle die Darstellung des IR 138 zum [Link]
1918 beispielhaft zitiert sei:
„Von 5 Uhr ab lag stärkstes Artilleriefeuer auf der vorderen Linie und dem
Hintergelände. Um 6,40 Uhr begann der Infanterieangriff in dichten Kolonnen,
unterstützt durch zahlreiche Tanks, aus Chaudun heraus. Der Angriff wurde unter
starken Feindverlusten abgeschlagen. Um 7,20 Uhr drangen 3 Tanks in den
Südwestzipfel der Chazelle Schlucht ein und nahmen die vordere Linie von
rückwärts unter Feuer. Sie wurden durch M.G.-Feuer zur Umkehr gezwungen.
Gegen 8,30 Uhr erfolgten dreimal hintereinander Tankangriffe. [... .] Gleichzeitig
setzten wiederholt feindliche Infanterieangriffe aus Chaudun ein, sie wurden
abgeschlagen. Ab 12 Uhr lag die vordere Linie und das Hintergelände erneut unter
starkem feindlichen Artilleriefeuer. Um 12,50 Uhr wurde auf Befehl der [Link]
die Rückverlegung des linken Flügels auf den Ostrand der Schlucht angeordnet. Die
Bewegung war um 16,20 Uhr durchgeführt. [... .] Um 19,45 Uhr griff der Gegner
nach kurzer, aber heftiger Artillerievorbereitung an der ganzen Front in dichten
Kolonnen, von zahlreichen Tanks begleitet, an. [... .] Die eigene Linie wurde
daraufhin in eine Aufnahmestellung zurückgenommen [...]. Der Gegner hatte an
2157
Die Verluste beider Seiten differieren zum Teil erheblich, wobei sich allerdings auch
die berücksichtigten Zeiträume, Truppenteile und Kampfhandlungen unterscheiden; siehe
ebenda, S. 502f., und LAF, Bd. VII.1., S. 161.
2158
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 161.
2159
Siehe Kap. 12.
533
diesem Tage in Richtung Soissons nur wenig Gelände gewonnen. In der Mitte der
Einbruchsfront, 15km südlich von Soissons, hatte sogar ein kräftiger Gegenangriff
der 20.I.D.[eine herangeführte OHL-Reserve] den Gegner ein großes Stück
zurückgeworfen.“ 2160
Im Sinne der Kernaussagen dieser eher „nüchternen“, wenn nicht gar sehr
verharmlosenden, zugleich für Truppengeschichten als Schriftengattung
auch überaus charakteristischen Beschreibung einer klaren Niederlage 2161
ist der Auffassung Guderians, daß die dem [Link] 1918 folgenden Angriffe
„nichts grundsätzlich Neues“ boten 2162 , zuzustimmen. Beachtenswert ist
dabei allerdings, und Guderian selbst führte die folgenden Zahlen im
Zusammenhang mit seiner Ansicht nach trotz der Erfahrungen bei Cambrai
noch immer fehlenden Abwehrwaffen und mangelnden Ausrichtung der
Kampfweise der Infanterie und Artillerie auf die Tankabwehr an 2163 , wie
sehr sich die artillerie d’assaut bei ihren Einsätzen verschliß: Die
französische [Link] führte am [Link] nur 105 von 241 (zumindest
rechnerisch 2164 ) noch vorhandenen Tanks ins Gefecht. Am 20. waren es
lediglich 32, am Folgetag wieder 100 und am [Link] 82. Bis zu diesem Tag
waren seinen Angaben zufolge 241 (70%) Fahrzeuge dieser Armee durch
verschiedenste Ursachen ausgefallen, davon 112 (33%) explizit durch
Wirkung der deutschen Artillerie 2165 . Am Abend des [Link] wurden die bei
2160
Zitiert nach TG IR 138, S. 314.
2161
Und nichts anderes wird beschrieben. Im deutschen amtlichen Werk wurde für den
19.7.1918 ein Zuwachs auf 17.000 Gefangene und 360 erbeutete Geschütze (dies
entspricht numerisch dem Geschützbestand von 10 Feldartillerie-Regimentern) festgestellt;
siehe RA, Bd.14, S. 486.
2162
Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 102.
2163
„Es ist eine betrübliche Tatsache, daß acht Monate nach Cambrai die deutsche
Infanterie und Artillerie noch keine Abwehrwaffe gegen Panzer besaß; noch betrüblicher
war aber die seither gleichfalls nicht auf das Erscheinen von Panzern eingerichtete
Fechtweise dieser Waffen.“ Zitiert nach ebenda, S. 100.
2164
Guderian nahm an, daß am 18.7.1918 343 Tanks bei der [Link] vorhanden waren;
siehe ebenda, S. 102.
2165
Siehe ebenda und, mit vergleichbaren Zahlen, Fuller: Tanks, S. 193f., und Goya, S.
356. Ein davon abweichendes Bild liefern die Zahlen eines Aufsatzes zur Tankabwehr von
Stellungstruppen aus dem Jahr 1934, in dem für den [Link] 102 Ausfälle, davon 62 durch
direkte Treffer der Artillerie, und für den [Link] 91 Ausfälle, von denen 50 auf die
534
der [Link] vorhandenen Teile der artillerie d’assaut aus dem Kämpfen
gezogen, „having practically fought to the last machine and the last man“,
wie Fuller später anerkennend feststellte 2166 .
In der Bewertung der Schlacht gibt es offenbar bis zur Gegenwart einen
Aspekt, der als unumstritten gelten kann. Und dieser ist die strategische
Tragweite des Scheiterns der letzten deutschen Offensive vom 15. und des
alliierten Gegenangriffs vom [Link] 1918 2167 . Die mit der Beseitigung des
Frontbogens einhergehende Wiedergewinnung umfangreichen
französischen Territoriums war ein genauso wertvolles Ergebnis wie die
dauerhafte Absicherung von Paris, das nun nicht mehr akut bedroht war und
dessen „Rettung“ dazu Anlaß bot, die Kämpfe offiziell unter dem Titel einer
zweiten Schlacht an der Marne zusammenzufassen 2168 . Beides war
zumindest für die spätere Bewertung der Schlacht aber an sich noch nicht
entscheidend. Auch aus der Gegnerperspektive eines Ludendorff gesehen
war es dies nicht, da die alliierten Verluste immens waren und das Pétain
von Foch am [Link] befohlene Operationsziel, die „Vernichtung der
feindlichen Kräfte südlich der Aisne und Vesle“ 2169 , praktisch nicht erreicht
Artillerie zurückgeführt wurden, angegeben sind. 112 Abschüsse durch die Artillerie
stellten sich demzufolge binnen der ersten beiden Tage und nicht erst bis zum 23.7.1918
ein; siehe (ohne Verf.:) Antitank Defense-Front-Line Infantry. What Is The Front-Line
Infantryman To Do When Attacked By Tanks? In U.S. Army Infantery School Mailing
List, Bd. VIII (Juni 1934), S. 33.
2166
Siehe Fuller: Tanks, S. 194.
2167
Siehe u.v.a. Liddell Hart: The Real War, S. 456, Mai: Das Ende des Kaiserreiches, S.
146, Berghahn: Sarajewo, S. 122, Keegan, S. 567ff., Heydecker, S. 527.
2168
Das französische amtliche Werk weist die Kämpfe vom 18.7.-7.8.1918 demgemäß als
„Deuxième Bataille De La Marne“ aus; siehe LAF, Bd. VII.1., bspw. S. 73. Noch vor Ende
der Schlacht hatte sich die französische Presse des Begriffs angenommen und im Kontext
der „L’heure de décisions pour Hindenburg“ genutzt; siehe Rossel, André: 14-18.
Avenement Du Monde Contemporaine (Historie De France A Travers Les Journaux Du
Temps Passé), Thomery 1983, S. 303 (Texte auf dem Titelblatt des Le Petit Journal vom
22.7.1918).
2169
Siehe Foch: Erinnerungen, S. 360.
535
wurde, weil es den Deutschen möglich war, sich auf Positionen an den
beiden Flüssen abzusetzen. Die Auswirkungen des Gegenangriffs bestanden
auf Seite der Deutschen maßgeblich in den erlittenen Verlusten, welche die
Auflösung von zehn Infanterie-Divisionen 2170 und die Herabsetzung der
nominellen Bataillonsstärken an der Westfront von 850 auf 700 Mann 2171
direkt nach sich zog, sowie darin, daß sie ihre für die Flandernoffensive
bestimmten Truppen- und Materialreserven zum Stützen der
angeschlagenen Linien einsetzen mußten. Selbst wenn diese prekäre Lage
nach einiger Zeit der Konsolidierung der Westfront durch die Bildung neuer
Offensivkräfte hätte überwunden werden können, so ging vom [Link] auf
alliierter Seite, namentlich in den Augen ihres Generalissimus’ Foch, der
Impuls aus, genau dies zu verhindern und zur kriegentscheidenden
Generaloffensive zu schreiten:
„Vier Monate lang hatte uns die Überlegenheit des Feindes zur Verteidigung
gezwungen, jetzt hatte ein siegreicher Gegenangriff die Initiative der Operationen
wieder in unsere Hände gelegt. Wir konnten nun die Ereignisse dieses langen und
großen Krieges bestimmen. Nun kam alles darauf an, dem Feind das Gesetz des
Handelns auch weiterhin vorzuschreiben, den Gang der Ereignisse zu entwickeln
und zu beschleunigen und alle unsere Kraft auf eine streng geordnete Kette von
Angriffen zu richten. Alle Kampfmittel der Verbündeten mußten so rasch wie
möglich herangezogen werden, um dem Feinde die Wiederherstellung seiner
Kampfkraft unmöglich zu machen- bis zu seiner endgültigen Vernichtung.“ 2172
2170
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 544.
2171
Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 209, und
Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 100. Die Gefechtsstärke der Bataillone sollte
sich auf 650 Mann in drei Kompanien belaufen. Der Reduktion folgten Mitte August 1918
organisatorische Veränderungen und die Infanterie-Bataillone lösten ihm Einverständnis
mit den höchsten Vorgesetzten ihre vierten Kompanien auf; siehe dazu KA, Heeresgruppe
Rupprecht, Bd. 117, Bl. 31: „Einverständniserklärung“ der HGr Rupprecht vom 15.8.1918.
2172
Zitiert nach Foch: Kriegserinnerungen, S. 363f. Siehe auch ders.: Zur Steuer der
Wahrheit! Kommentar zu Ludendorff: „Meine Kriegserinnerungen“. Amtliche Urkunden
des französischen Großen Hauptquartiers, Berlin 1919, S. 32.
536
2173
Liddell Hart betonte diese Tatsache ausdrücklich und nicht ohne Grund; siehe Liddell
Hart: Foch, S. 253.
2174
Eine grundsätzliche Entsprechung findet sich in den Darstellungen des französischen
amtlichen Werkes (Bd. VII.1.) und in den Memoiren Mangins, der 321 Tanks bei seiner
[Link] zwar nannte, aber den meisten Raum ihrem Zusammenspiel mit der Artillerie
537
der Darstellung nicht selten geteilt, wobei darüber hinaus mehr oder weniger
klar zu erkennen ist, daß einer allgemeinen, alliierten Überlegenheit an
Menschen und Material die grundsätzliche Schwäche der deutschen
Verteidigung an die Seite gestellt wird 2175 .
Ganz anders verhält es sich mit der Richtung, die bei zwei deutschen
Protagonisten des Ersten Weltkrieges und ihrer literarischen Aufarbeitung
zu finden ist. Für Ludendorff (1919) hatten die zahlreichen Tanks eine
überaus gewichtige Rolle gespielt. Ihren unbestreitbaren Wert als
überraschend eingesetzte Einbruchswaffe schmückte er mit der Lüge vom
erstmaligen Einsatz des FT-17 2176 , der Legende von hohen Getreidefeldern,
in denen sich diese Wagen unentdeckt hatten bewegen können, der Mär von
Infanterie-Transport-Tanks, die Maschinengewehre in den Rücken der
Verteidiger gebracht hätten, und dem in seinen Kritiken obligatorischen
Vorwurf des Versagens von Truppe und Führung vor Ort aus 2177 . Seine
Darstellung führte dazu, daß er sich nach dem Krieg nicht nur einem
kritisch-amüsierten Kommentar Mangins zur Realitätsnähe seiner
2178
Ausführungen gegenüber , sondern auch Unmutsäußerungen seiner
und den drei Angriffsdivisionen des [Link] unter günstigsten Vorraussetzungen der
Operation zubilligte. Die Tanks schienen also nur ein einziger Bestandteil unter vielen
anderen des Erfolgsrezepts gewesen zu sein; siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, S.
195f.
2175
Siehe etwa Mai: Das Ende des Kaiserreiches, S. 146, und Keegan, S. 567f., wo -wie bei
Fochs eigenen Schilderungen- ganz allgemein von einem „Gegenangriff“ gesprochen wird,
oder Strachan: Die Kriegführung der Entente, in Enzyklopädie Erster Weltkrieg, S. 278,
Chickering, S. 223, Stevenson, S. 502, und Pope/Wheal: Dictionary of the First World War,
S. 305. Siehe auch H[Link] : „Am 18. Juli begann
die alliierte Gegenoffensive unter General HFerdinand FochH, der angesichts der Erfolge
der ersten deutschen Offensive in der Picardie zum Oberbefehlshaber aller alliierten
Truppen in Frankreich und Belgien ernannt worden war. Die alliierte Gegenoffensive (18.
Juli bis 3. August) zwischen Reims und Soissons wurde infolge des Eintreffens der
Amerikaner mit deutlichem Übergewicht an Truppen und Material gegen einen erschöpften
Gegner geführt, dem nur noch der Rückzug blieb.“
2176
Siehe Abschn. 10.1.
2177
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 540f.
2178
Siehe Mangin: Comment Finit La Guerre, S. 199. Mangin bot als Erklärung für
Ludendorffs eigenwillige Darstellung an, daß der deutsche General nur mittelmäßig über
das Geschehen informiert gewesen sei. Eine Annahme, die man zumindest für den
538
Zeitpunkt der Herausgabe der Kriegserinnerungen Ludendorffs (1919) für sehr fragwürdig
halten muß.
2179
Enthalten war in Kriegserinnerungen auch ein Satz zu einer Division südwestlich
Soissons, deren unerwartetes Versagen zum Zusammenbruch der Linie maßgeblich
beigetragen hatte. Davon fühlten sich zumindest Teile der [Link] angegriffen, wie die TG IR
145, Teil II, S. 101f., belegt. Ebenso unrecht behandelt sah sich der Kommandeur der
[Link], der durch schriftliche Intervention im Dezember 1919 das Zugeständnis
Ludendorffs erwirkte, bei einer Neuauflage seiner Kriegserinnerungen für die [Link]
positive Veränderungen vorzunehmen; siehe BA-MA, N 77/4: Brief Ludendorffs vom
22.12.1919. Zur zeitnahen Kritik siehe Abschn. 11.5.2.
2180
Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 189.
Bereits 1922 hatte Kuhl die entscheidende Wirkung der Tanks am bzw. ab 18.7.1918
hervorgehoben; siehe Kuhl: Die Kriegslage, S. 12.
2181
Siehe Liddell Hart: Foch, S. 249, Heydecker, S. 413f., Perret, S. 60, Wright, S. 109,
Mitchell: Tank Warfare, S. 276, und, um ein frühes Beispiel zu nennen, Recouly,
Raymond: La Bataille De Foch, Paris 1920, S. 91. Siehe auch die für Schülerfragen
offenbar als „Lösungshilfe“ gedachte Seite H[Link]
mit folgenden Aussagen (Text aus der Internetseite kopiert!): „Insgesammt geshen kann
erste Weltkrieg drei große Tankschlachten vezeichnen: Cambrai,Villers Cotterets und
Amiens. [... .] Bei Villers Cotterets überrenen ca. 330 französisch Renault Panzer die
deutsche Frontlinie.“
539
Unter die Ähnlichkeiten fällt aber, neben den hier beschriebenen Anzeichen
für eine Methode und deren maßgeblich auf massenhaften Tankeinsatz
zurückzuführenden Anfangserfolg, auch die Schwäche der deutschen
Verteidiger, eine weiter unten noch zu untersuchende Überraschung und ein
Verlauf der Kämpfe, der die Angreifer ihre Operationsziele trotz
technischer, materieller und numerischer Übermacht nicht erreichen ließ.
Und interessant dabei ist, daß es in der neueren Geschichtsschreibung und
auch im Gegensatz zur Aufarbeitung des Geschehens bei Cambrai kaum
Erklärungen dafür gibt, warum der überraschende Tank-Massenangriff am
[Link] 1918 keinen durchschlagenden Erfolg nach sich zog. In einer der
jüngsten Darstellungen, der von Stevenson (2003 2183 ), wird von den
schwachen deutschen Stellungen und anfangs geringem Widerstand der
Verteidiger gesprochen, was den Amerikanern einen Einbruch von 8km
Tiefe ermöglicht habe. „Schließlich, als die Tanks zusammengeschossen
waren und Maschinengewehrfeuer die Truppen Mangins aufhielt“, so
Stevenson 2184 , kippte die Lage zuungunsten der Alliierten. Daß hier und
auch anderswo mit keinem Wort darauf eingegangen wurde, was und wer
und auf welcher Grundlage die Stoßkraft der Tanks –und zumindest die
deutschen Übersetzer Stevensons sprechen in seinem Namen von 300
„leichten Renaulds“, welche über offene Getreidefelder vorgingen 2185 -
gebrochen hatte, ist hinsichtlich der allgemein in Abrede gestellten
deutschen Tankabwehr schon beachtlich. Schließlich lassen sich
2182
Zitiert nach Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 338. Siehe auch Abschn. 9.3.
2183
Die deutsche Ausgabe, auf die sich die Anmerkungen beziehen, erschien 2006.
2184
Stevenson, S. 502.
2185
Siehe ebenda. Im Zusammenhang mit Stevensons Aussagen zu Tankeinsätzen mit
[Link] und CA-1 1917 (S. 232f.) suggeriert die Textstelle, daß am 18.7.1918 300
„Renaulds“, also FT-17, eingesetzt worden seien.
540
In beiden Beispielen –und im Fall des [Link] 3 fiel dem Regimentsführer dies
nicht einmal auf 2188 - wurde die angreifende Infanterie durch zahlreiche
Tanks begleitet. Doch diese Unterstützung konnte ausfallen und fiel eben
zuweilen auch aus. Am Einbruch in die deutschen Linien und am weiteren
Fortkommen des Angriffs, jedenfalls in der frühen Phase der Schlacht,
änderte dies nichts. Die erdrückende Übermacht der vorgehenden
Sturmwellen, die einen Augenzeugen, Ritter von Thoma, „lebhaft an die
Russenmengen bei der Brussilow-Offensive 16“ erinnerten 2189 , konnte sich
in die im dünnhäutigen deutschen Abwehrsystem entstandenen Lücken
werfen und Widerstand durch Angriffe in Flanken und Rücken brechen.
Hierbei war direkte Tankunterstützung sehr hilfreich, aber eben nicht
ausschlaggebend, oder überhaupt, wie die Advanced Guard Tanks bei
Cambrai 2190 , dafür vorgesehen, der Infanterie im Vorausrollen freie Bahn zu
schaffen.
Daß ein Ergebnis strategischer Reichweite als Konsequenz aus der Schlacht
um den „Marnebogen“ festzuhalten ist, mag in den Teilen auf den ersten
2186
Siehe Abschn. 11.3.
2187
Zitiert nach KA, HS 2698: [Link] 3 I. Nr. 4572 vom 21.7.1918, S. 4.
2188
Siehe ebenda, S. 5: „Tanks traten im Raum des Regts. nicht auf.“ Vergleiche ebenda:
Kommentar Oberleutnant v. Thomas zum Bericht des Regimentes vom 2.10.1922, Ziff. 1.).
2189
Siehe KA, HS 2698: „Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom
November 1919, S. 4.
2190
Siehe Abschn. 9.1.
541
2191
Einige diesbezüglich interessante Stellungnahmen alliierter Militärs zur Bedeutung der
Kämpfe finden sich unter: H[Link] .
2192
Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 363.
2193
Siehe Liddell Hart: The Real War, S. 456. Diese Meinung scheint besonders in der
englischsprachigen Literatur recht weit verbreitet zu sein, wobei Züge einer
vorweggenommenen Kriegsentscheidung üblicherweise eher dem 8.8.1918 zugeordnet
werden; siehe Kap. 12.
2194
Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 89ff.
2195
Siehe Pedroncini: Pétain, S. 406ff.
542
2196
Siehe ebenda, S. 101f.
2197
Siehe Abschn. 8.1.
2198
Siehe Liddell Hart: The Real War, S. 456.
2199
Foch beschrieb diese Situation recht dezent damit, daß sehr schwere Verluste
eingetreten waren und die französischen Truppen während der „mit furchtbarer Wucht und
Heftigkeit“ vorgetragenen deutschen Offensiven „einen tiefen Eindruck von der
militärischen Stärke des Gegners bekommen“ hatten; siehe Foch: Kriegserinnerungen, S.
340. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Zusammenstellung von
Feldpostdokumenten, welche den Post-Zensurstellen der französischen 4., 5., 6. und
[Link] aufgefallen waren, auf der Seite: H[Link] .
543
2200
Den früheren Ideen zur Zweiteilung der artillerie d’assaut in die schweren Fahrzeuge
zum Erreichen des Einbruchs und die leichten zur Infanterieunterstützung beim Durchbruch
wurde nominell gefolgt; siehe Pedroncini: Pétain, S. 408. In der Schlacht selbst fand dies
aber offenbar keine Berücksichtigung., wenngleich dem Einsatzprinzip durch das
Zurückhalten leichter Bataillone wenigstens partiell entsprochen worden war.
2201
Siehe ebenda, S. 408f.
2202
Siehe u.a. Blaxland: Amiens, S. 155, und MO 1918, Bd. 4, S. 1f.
2203
Siehe Recouly: Marschall Foch. Erinnerungen von der Marneschlacht bis zur Ruhr,
Dresden o.J., S. 133. Der Autor zitierte hier Worte, die Foch in der letzten Juliwoche einem
544
sich zweifellos auf die sonst üblichen, hier aber nicht zur Entfaltung
gekommenen Gegenangriffe kampfstarker Reserven und die große Anzahl
Gefangener, was zusammengenommen auf materielle und personelle
Schwäche sowie auf mangelnden Kampfeswillen verwies. Was es nun
auszuspielen galt, war die numerische Überlegenheit der Alliierten. Diese
wurde durch das Anlanden von monatlich 250.000 Amerikanern 2204 , welche
zur Entlastung der britischen und vor allem französischen Armee
maßgeblich beitrugen, sowie durch die Verringerung der bislang
erheblichen infanteristischen Verluste durch größte Anstrengungen zur
Vermehrung technischer Hilfsmittel im Spektrum von Artillerie über die
Luftstreitkräfte bis hin zu den Kräften der artillerie d’assaut
gewährleistet 2205 . Letztere war trotz ihrer erheblichen Verluste zu Ansehen
bei der Infanterie gelangt und wurde als hilfreiche Unterstützungswaffe von
ihr verlangt 2206 . Dem konnte von dieser Zeit an durchaus auch entsprochen
werden, da die Rüstungsindustrie dazu in der Lage war, die artillerie
d’assaut wöchentlich um den Fahrzeugbestand eines Bataillons leichter
Tanks zu ergänzen 2207 .
Für die Fortsetzung der Operationen, die mit ihrem offensiven Charakter
bereits am [Link] durch einen begrenzten britisch-französischen Angriff
gegen die deutsche [Link] bei Moreuil vorweggenommen worden
war 2208 , blieben die verfügbaren Mittel und die vorherigen Erfahrungen die
Offizier seines Stabes gegenüber fallengelassen hatte und bei einem Gespräch mit Recouly
in den 20er Jahren bestätigte; vergleiche dazu Foch: Kriegserinnerungen, S. 369, mit dem
Hinweis auf die Entscheidung im Jahr 1919, welche allerdings durch vermehrte
Anstrengungen früher erreichbar schien, und Liddell Hart: Foch, S. 251f.
2204
Siehe Pedroncini: Pétain, S. 414.
2205
Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 396f.
2206
Siehe Fuller: Tanks, S. 195.
2207
Siehe ebenda, S. 196.
2208
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 83f. Diese begrenzte, französische
Unternehmung brachte rund 1.800 deutsche Gefangene, 5 Geschütze, 45 Minenwerfer und
275 Maschinengewehre als Beute ein und war von 36 britischen Mark V unterstützt
worden. Belegt wurde mit der Operation nach Auffassung des Verfassers des
Taschenbuches der Tanks, daß die Kooperation zwischen beiden Heeren und speziell
zwischen Teilen des Tank Corps und im Zusammenwirken mit Tanks unerfahrener
französischer Infanterie erfolgreich praktizierbar war. Dessen ungeachtet konnte deutsche
545
Die Erkenntnis, daß der alliierte Angriff auf die Stellungen der 7. und
[Link] wenigstens die Bedeutung einer zweiten Marneschlacht haben
konnte, verursachte bei Ludendorff etwas, das als „seelischen
Erschütterung“ 2210 aufgefaßt werden kann und letztlich nichts anderes
umfaßte, als den Kampf um das persönliche Eingeständnis, daß der
gewagte, eigene Plan gescheitert und der Krieg verloren war 2211 . Die durch
die psychische Belastung hervorgerufene Veränderung in Ludendorffs
Auftreten und Erscheinungsbild wurde von seinem Umfeld deutlich
wahrgenommen 2212 , was durch Situationen belegt ist, in denen seine innere
Anspannung nicht zu übersehen war. So am [Link], an dem es Hindenburg
mit einem erregten Ludendorff zu tun bekam, dessen Verhalten
Insubordination im Beisein von Untergebenen bedeutete. Hindenburgs
Vorschlag, mit den für Flandern bestimmten Kräften einen schnellen
Gegenangriff in die Nordflanke der Alliierten bei Soissons zu führen, wurde
beim gemeinsamen Essen mit einer erzürnten Bemerkung zur Unsinnigkeit
dieser Idee und dem grußlosen Verlassen des Raumes quittiert 2213 . Loßberg,
der am folgenden Tag als Abwehrfachmann von Ludendorff herbeigerufen
wurde, um Optionen zur Fortführung der Kämpfe im „Marnebogen“ zu
Artillerie –angeblich das Feuer einer einzigen Batterie, die durch den Verfasser nicht
verifizierbar war- allerdings 15 (42%) der angreifenden Fahrzeuge außer Gefecht setzen,
und Fuller gab der den schweren Tanks gegenüber verständnislosen französischen
Infanterie die Schuld daran; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 264.
2209
Siehe Liddell Hart: Foch, S. 251.
2210
Siehe Foerster: Ludendorff, S. 24.
2211
Siehe Venohr: Ludendorff, S. 350f.
2212
Siehe Foerster: Ludendorff, S. 17ff.
2213
Siehe Görlitz: Hindenburg, S. 190f., und Foerster: Ludendorff, S. 19f.
546
2214
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 343f.
2215
Major Beck aus dem Stab des deutschen Kronprinzen berichtete laut Kuhl den
Nachbarn der HGr Rupprecht später darüber, daß Ludendorff die Idee der HGr Kronprinz
zur sofortigen Zurücknahme der Linie hinter Aisne und Vesle mit dem Hinweis auf
„Prestigegründe“ bereits einmal abgelehnt hatte; siehe BA-MA, RH 61/50652:
Aufzeichnungen Kuhl, S. 173.
2216
Siehe Loßberg: Mein Tätigkeit im Weltkriege, S. 346f.
2217
Auf die Aussagen in Ludendorffs Kriegserinnerungen ist weiter oben bereits
hingewiesen worden. Ganz ähnliche klingen Bauers Ausführungen, die ein Kapitel über
547
„Die ‚Schuld’ von Villers-Cotterets“ enthalten; siehe Bauer: Der große Krieg, S. 194. Siehe
auch RA, Bd. 14, S. 502f.
2218
So HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 277ff.: GK [Link] Ia Nr. 40 op. geh. vom 6.8.1918,
ebenda, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963 geh. op. vom 24.8.1918:
Erfahrungen der [Link] am 18./19.7.1918, und BA-MA, RH 61/52, Bl. 66ff.: [Link] Abt.
Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918.
2219
Siehe unten, HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr.
9963 geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der [Link] am 18./19.7.1918.
2220
Siehe ebenda, M 1/11, Bü. 794, Bl. 25: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/Fr. H. Nr. 9430
geh. op. vom 20.7.1918.
2221
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 169ff., und Frauenholz:
Kronprinz Rupprecht, Bd. 2, S. 424f.
2222
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444
geh. op. vom 22.7.1918.
548
auswertendes Resümee des [Link] deuten kann, sondern als Ausdruck der
utopischen Hoffnungen Ludendorffs verstehen muß, doch noch einmal zur
Offensive schreiten zu können- und zwar mit eigenen Tanks und einer
Infanterie, die es verstand, „aus eigener Kraft der tiefgegliederten
feindlichen Maschinengewehre ohne zu große Verluste, aber auch ohne
Verlustscheu Herr zu werden“ 2223 . Vor dem Hintergrund der Ereignisse
schlossen die Betrachtungen über Angriff und anzuwendendes
Angriffsverfahren mit der recht unverfänglichen, weil schon obligatorischen
Ermahnung, daß der Erhalt des „inneren Wertes der Infanterie“
Hauptaufgabe der Führer aller Befehlsebenen sei 2224 . Mit der
Unverfänglichkeit endete es hier aber. Dies wird um so deutlicher, wenn
man einmal die am selben Tag erlassene Weisung des Kriegsministeriums
zur „Erzwingung des Gehorsams im Feld“, das heißt zum Durchgreifen
gegen „Feigheit“ unter rücksichtlosem Gebrauch aller gesetzeskonformen
Mittel, die nötigenfalls auch Waffengewalt einschlossen, betrachtet 2225 und
dann, wenn man den zweiten Teil der Verlautbarung der OHL, über
Abwehrerfahrungen, als Zusammenstellung von Vorwürfen gegen die
Führung im „Marnebogen“ auffaßt. Dieser gegenüber wurde zwar eine
anfängliche taktische Überraschung als minimal entlastender Umstand
zugebilligt 2226 , aber mehr als dieses Teilalibi für die früheste Phase der
Schlacht stand angesichts der Tiefe des feindlichen Einbruchs und der
hohen Gefangenenzahl nicht zur Diskussion. Aus Sicht der OHL konnte
hierin schließlich ein Beweis für mangelnde Wachsamkeit gesehen
werden 2227 und der nachlässigen, lokalen Führung konnten zudem weitere
schwerwiegende Versäumnisse angelastet werden, welche die Wirksamkeit
der bewährten Tiefengliederung aufgehoben hätten. Hierunter fielen vor
allem die unterstelltermaßen gegebene mangelnde Tiefenstaffelung der
2223
Siehe ebenda, S. 5, Ziff. I.2.) f.) und Ziff. I.3.).
2224
Siehe ebenda, S. 6, Ziff. I.3.).
2225
Siehe ebenda, Bü. 300: KM Nr. M. 7385/18. C4. vom 22.7.1918.
2226
Siehe ebenda, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh. op.
vom 22.7.1918, S. 7, Ziff. II.3.).
2227
Siehe ebenda, S. 9, Ziff. II.6.).
549
Artillerie 2228 und die von der OHL attestierte Unterschätzung des
Stellungsbaues durch die „Arbeitsunlust von Truppe und Führung“ 2229 . Den
Tanks widmete die OHL den vorletzten Abschnitt ihrer Ausführungen, und
sie kam auch hier, kurz vor einem scharfen Appell zur Abstellung der
angesprochenen Mängel, nicht ohne Rüge aus. Der Tankbekämpfung sei
zukünftig größere Aufmerksamkeit zuzuwenden und der durch bisherige
Erfolge zu attestierenden „gewissen Mißachtung dieses Kampfmittels“
durch Sorgfalt und Unterweisung der Truppe in den Abwehrmitteln
entgegenzutreten. Sofern dies geschehe, sei durch Ausweichen, SmK-
Munition, die hier erstmals erwähnten Minen, deren Wirkung in der Realität
gerade erst am [Link] durch die Franzosen vorexerziert worden war 2230 ,
geballte Ladungen und durch Geschützfeuer auch den von jetzt an
auftretenden, „stärker gepanzerten, kleineren und beweglicheren Tanks“
beizukommen 2231 .
Was hinter diesen Äußerungen stand, war eine Mischung aus
Desinformation, Falschinformation und Wahrheitsverdrängung, die es
augenscheinlich nicht zuließ, sich die Ausgangslage in Erinnerung zu rufen
und hinsichtlich der getadelten Truppe und ihrer Führer zu einem
wenigstens aus ihrer Perspektive fairen sowie zu einem den tatsächlichen
Gegebenheiten angemesseneren Urteil zu kommen. Wie in einer an
Deutlichkeit und Kuriosität tatsächlich kaum mehr zu überbietenden
Verlautbarung der OHL vom [Link] 1918 geäußert wurde, hätte der
Erfolg der Alliierten vom [Link] vermieden werden können. Und die Tanks,
die maßgeblich für den Verlauf dieses Tages verantwortlich gewesen seien,
hätten bei größerer Wachsamkeit der Truppe und einer von ihren Stäben
stärker auf Tiefengliederung ausgelegter Besetzung der Front nicht
gefährlich werden können 2232 . Zur Illustration der in der OHL verbreiteten
Auffassung, daß schwache deutsche Truppen früher schon wiederholt
2228
Siehe ebenda, S. 6, Ziff. II.1.).
2229
Siehe ebenda, S. 9, Ziff. II.4.).
2230
Siehe Kap. 11.
2231
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444
geh. op. vom 22.7.1918, S. 9, Ziff. II.5.).
2232
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh.
op. vom 4.8.1918.
550
2233
Siehe Bauer: Der große Krieg, S. 194, und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 264ff.: Chef d.
Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9635 geh. op. vom 8.8.1918, S. 1.
2234
Siehe Frentz, Hans: Hindenburg und Ludendorff und ihr Weg durch das deutsche
Schicksal. Ein Beitrag zur Deutung ihrer geschichtlichen Persönlichkeit, Berlin 1937, S.
208, und Muther, S. 120.
2235
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9598 geh. op. vom
1.8.1918.
2236
Der Gefechtskalender der aus der infanteristischen Elite der Jägerbataillone
bestehenden Division weist bis Ende April 1918 eine zweimonatige Ausbildungsphase aus,
dann die Teilnahme an Kämpfen im „Sommebogen“, an der Matz und bei Noyon. Daran
schloß sich Ende Juni eine fast einmonatige Ruhephase an; siehe Cron: Mein Regiment, S.
74. Noch am ehesten vergleichbar mit den Belastungen des [Link] scheinen die Kämpfe
Ende April bei Bretonneux gewesen zu sein, wobei sich die Division auch mit
Tankangriffen konfrontiert sah. Allerdings setzten die Briten hier nicht die Mittel ein, die
Franzosen und Amerikaner gegen den „Marnebogen“ warfen, und die Deutsche Jäger-
Division zeichnete sich viel eher bei eigenen Angriffen mit entsprechender Vorbereitungs-
und anschließender Regenerationszeit aus, als dies für Stellungstruppen im „Marnebogen“
und anderswo galt; zu den Kämpfen vor Amiens und den Ruhephasen siehe bspw. Verein
der Offiziere des ehemaligen Kgl. Preußischen (Westfälischen) Jäger-Bataillons Nr. 7
(Hg.): Das Kgl. Preußische (Westfälische) Jäger-Bataillon Nr. 7 (Feldbataillon) im
Weltkrieg 1914-1918 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 272),
Berlin/Oldenburg 1929, S. 258ff., Jecklin, Wilhelm v. (Bearb.): Das Reserve-Jäger-
Bataillon Nr. 8 im Weltkriege 1914-1918, Erfurt 1930, S. 180ff., und Pflieger (Bearb.):
551
und sehr merkwürdige Seite dieser Äußerung. Allerdings dürfte sie sich der
Masse der hier mit Vorwürfen überhäuften Offiziere wegen Unkenntnis
gegenüber den Zuständen bei einer anderen oder einzelnen Division nicht
als Merkwürdigkeit offenbart haben. Geradezu erschüttert zeigten sich
einige der Berichte Schreibenden aber angesichts des ganz grundsätzlich
von der OHL gezeichneten Bildes, das unzweifelhaft aus davon- und
auseinandergelaufenen Truppen und selbstverschuldeter Ohnmacht
gegenüber einem sogar mancherorts -dort, wo Kolonialtruppen eingesetzt
gewesen waren- auch „kulturell minderwertigen“ Gegner bestand 2237 .
Einige Herren begannen, die Vorwürfe der OHL in einem bisher ungekannt
scharfen Tonfall zurückzuweisen 2238 . Unter ihnen befand sich Theodor
Freiherr von Watter, der diesmal, beim nach Cambrai zweiten großen
Desaster seiner Zeit als Gruppenkommandeur, keinen Hehl daraus machte,
wer und was für den Gefechtsverlauf die Verantwortung trug. Dem
diesbezüglich schon deutlichen Bericht seines Gruppenkommandos über
den ersten Schlachttag vom [Link] ließ er tags darauf einen energisch
formulierten Zusatz mit eigener Unterschrift folgen 2239 . Die Ansicht der
OHL, daß das Desaster mit vorhandenen Mitteln vermeidlich gewesen sei,
wollte er widerlegt sehen und äußerte ferner, daß bei seinem Stab vielmehr
2240
Siehe ebenda, Ziff. 2.).
2241
Siehe BA-MA, RH 61/52.
2242
Siehe ebenda, Bl. 66ff.: [Link] Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.).
2243
Siehe ebenda und Ziff. 5.): „Die [Link] Infanterie-Division ist am 18.7. in erster
Linie der feindlichen Uebermacht erlegen, nicht der taktischen Ueberraschung. Der
feindliche Angriff traf auf die gefechtsbereite Division.“
553
mußte 2244 . Davon, daß er dieses Risiko zugunsten seiner Offensivpläne ganz
bewußt in Kauf genommen hatte und demgemäß unter vielen anderen
Sektoren auch die Westfront des „Marnebogens“ -für Watters Erlebenswelt
als Kommandierender General nichts weniger als tragisch- denselben
Einschränkungen unterworfen war, die bei Cambrai 1917 für weite Teile der
Siegfried-Stellung gegolten hatten, wußte er nach dem [Link] anscheinend
nichts mehr. Ganz im Gegenteil. Es war sogar noch am Morgen des ersten
Tages der Schlacht, kurz bevor die erste Meldung über das Geschehen
eintraf, anläßlich einer Besprechung über die Flandernoffensive bei der
Heeresgruppe Rupprecht so gewesen, daß Ludendorff „dem Gerücht“
vehement entgegengetreten war, der Feind habe „im Walde von Villers
Cotterets“ eine große Reservearmee zusammengezogen. Die OHL wisse es
aufgrund zuverlässigeren Materials besser, und überhaupt habe von
umfangreicheren, kampfkräftigen Reserven der Gegner -er schloß diese also
auch für Briten und Amerikaner aus- keine Rede sein können 2245 . Auch
davon, daß sich dauerhaft geringe Stärken der Verbände, kaum erträgliche
Lebensbedingungen für die Truppe und enttäuschte Hoffnungen der
Soldaten, die mit an weiten Teilen der Westfront über Wochen fehlenden
Beispielen für die Kraft und Macht des eigenen Heeres zusammenfielen,
nachhaltig negativ auf die Leistungsfähigkeit von Verbänden auswirken
konnte, wollte er genausowenig wissen, wie er die Meldungen über
Anzeichen nachlassenden Kampfwillens parallel zu seinem vermeintlich
noch unentschiedenen Vabanquespiel gelten gelassen hatte. Die insgesamt
geringe Stärke der Verteidiger war real ausschlaggebend dafür gewesen, daß
die Tiefengliederung nur rudimentär hatte umgesetzt werden können und
daß diese Bemühungen um eine Tiefengliederung letztlich noch dafür
sorgten, die schwachen, eigenen Kräfte ohne Rückhalt 2246 durch
2244
Siehe bspw. Foerster: Ludendorff, S. 14.
2245
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 174. Kuhl zitierte hier Auszüge
aus den Erinnerungen seines damaligen Beraters in artilleristischen Fragen, Oberstleutnant
Lindenborn.
2246
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 286ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9963
geh. op. vom 24.8.1918: Erfahrungen der [Link] am 18./19.7.1918, S. 4, Ziff. 3.). Die
Division bemerkte, daß nicht Gräben, aber Drahthindernisse, Unterstände und Stollen
554
notwendig seien, und daß die eigene Infanterie dort, wo diese vorhanden gewesen waren,
„hartnäckiger und länger“ Widerstand geleistet habe.
2247
Siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 66ff.: [Link] Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 3.)b):
„Die tiefe Gliederung der Infanterie hat am 18.7. bei den geringen Gefechtsstaerken zu
einer Zersplitterung der Infanteriekraefte gefuehrt. Die Ursachen liegen in der geringen
Schußwirkung der M.G. infolge unguenstiger Sicht, im Fehlen aller Stellungen und in den
sehr geringen Feldstaerken.“
2248
HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 259ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9444 geh.
op. vom 22.7.1918, S. 7, Ziff. II.4.): „Der Stellungsbau ist in letzter Zeit unterschätzt
worden. [... .] Dieser Ansicht ist scharf entgegenzutreten. Gewiß stehen Unterstände an
erster Stelle. Aber auch Gräben und Hindernisse können wir in der Abwehr gar nicht genug
haben.“ Vergleiche Abschn. 9.2. und Abschn. 10.1.
2249
Siehe Abschn. 12.2.
2250
Siehe Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 127, S. 311.
555
2251
Siehe Abschn. 11.2.
2252
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 80, Bl. 1: AOK 7 Ia/Gen. Art. Nr. 5380/18. vom 19.7.1918.
2253
Ein eindringliches Zeugnis für die Kampfbereitschaft in der Truppe ist KA, HS 2698:
„Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom November 1919.
2254
Dieses Phänomen durch den nächstliegenden Hinweis darauf erklären zu wollen, daß
als geradezu peinlich oder ehrenrührig wahrgenommene Aspekte der Geschichte einer
Einheit für ein überwiegend durch ehemalige Offiziere als Bearbeiter und Herausgeber
geprägtes Veteranenkollektiv in der Rückschau der 20er und vor allem 30er Jahre
unerträglich gewesen sein dürfte, scheint beim Gegenstand Tank zu sehr zu simplifizieren.
Immerhin boten Ludendorffs Kriegserinnerungen und daneben noch zahlreiche andere
Schriften, die Fehler beim Tankbau und besonders auch eine generelle Unterschätzung der
Wirkung feindlicher Tanks einräumten, die Möglichkeit, sich gegenüber vermeintlichem
Versagen, wie am [Link], auf elegant-oberflächliche Art zu entschulden. Immer war zudem
die Möglichkeit vorhanden, sich von den unschönen Symptomen des militärischen
Zusammenbruchs von 1918 auf Kosten von Nachbareinheiten im perforierten
Stellungssystem zu entlasten, bei denen fehlerhafte Entscheidungen und Schwächen
negative Auswirkungen auf die eigene Truppe, etwa in Form von Umgehung und
feindlichen Flankenstößen, gehabt hatten. Diese für Cambrai charakteristischen und
556
Andere Aussagen im Bericht dieser Division, die sich wiederum mit den
früheren Angaben wie etwa denjenigen der [Link] deckten, darunter
bezeichnenderweise die geringen Stärken der eigenen Kompanien und das
Fehlen eines Grabensystems 2256 , fielen bei der OHL weitaus weniger ins
Gewicht als die Mitteilungen zur Nervenkraft der eigenen Truppe, die mit
den Tanks ihrer Ansicht nach durchaus leicht fertig werden konnte, und zur
geringen Moral der Angreifer, die ohne Tankunterstützung entweder zaghaft
wie Briten und Franzosen oder mangelhaft und unausgebildet wie die
Amerikaner vorgegangen waren 2257 . Aus der schon vor dem Eingehen
dieses Berichts vorhandenen Einstellung generierte sich Anfang August, als
der „Marnebogen“ geräumt und die Krise, wie im Vorjahr bei Cambrai,
durch herbeigerufene, anscheinend wie immer kampfstarke Reserven
bereinigt schien 2258 , die völlig realitätsfremde Hoffnung darauf, die Abwehr
an der Westfront reorganisieren und erfolgreich praktizieren zu können,
wenn mit den aufgezeigten Mitteln für die Aufrechterhaltung der
Truppenmoral gesorgt und verstärkt etwas gegen die als Stütze feindlicher
Angriffe aufgefaßten Tanks getan werden würde.
Daß zur Tankbekämpfung zahlreiche und bereits frühzeitig eingeführte
Mittel vorhanden seien, gab das Kriegsministerium gegen besseres Wissen
um die Verhältnisse an der Westfront –zu denken ist nur an die
Bedeutungslosigkeit der Panzerkopfmunition und des Tankgewehrs auch im
„Marnebogen“ 2259 - Ende Juli einem mittlerweile offenbar beunruhigt
nachfragenden Reichstag 2260 gegenüber zu verstehen 2261 . Doch
2257
Siehe ebenda, S. 4, Ziff. 4.), HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op. vom 4.8.1918, und Ludendorff: Kriegserinnerungen, S.
544f.
2258
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 540.
2259
Zu beiden Tankabwehrmitteln ließen sich keinerlei Belege für ihr Vorhandensein am
18.7.1918 auffinden. Der Bericht der [Link] wies zudem ausdrücklich darauf hin, daß zu
den Tankgewehren keine der von der OHL gewünschten (positiven) Erfahrungen mitgeteilt
werden konnten, da sie nicht vorhanden gewesen waren; siehe BA-MA, RH 61/52, Bl. 71:
[Link] Abt. Ia Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.), und siehe auch Abschn. 11.2.
2260
Spätestens seit April 1918 wurden im Reichstag Versäumnisse der Heeresleitung beim
Tankbau erörtert, die von diesem Zeitpunkt an nicht mehr endeten und zu mehrfacher
Stellungnahme der OHL bzw. des KM aufriefen; siehe dazu BA-MA, RH 61/50770:
Abschrift aus der [Link] des Reichstags-Ausschusses für den Reichshaushalt vom
23.4.1918 (aus den Akten des KM), und Kap. 13.
2261
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 263f. In
der Denkschrift des Kriegsministeriums sind sowohl die im Frühjahr 1918 eingeführten
Tankgewehre, die tatsächlich aber nur in geringer Stückzahl vorhanden und bisher nicht als
wesentliche Verstärkung der Tankabwehrfähigkeiten in Erscheinung getreten waren, die
558
2265
HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia Nr. 9670 geh. op.
vom 4.8.1918.
2266
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 264ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9635
geh. op. vom 8.8.1918, S. 1ff.
2267
Siehe ebenda, S. 11, Ziff. 21.
2268
Siehe ebenda, S. 6, Ziff. 14.
2269
Siehe ebenda, S. 16, Ziff. 26. Tatsächlich konnten vom Verfasser keinerlei Hinweise
aufgefunden werden, die zu dieser Annahme berechtigt hätten.
2270
Siehe ebenda, Ziff. 27.
560
12. „Die Niederlage des ganzen Volkes“. Tanks und Tankabwehr in der
Abwehrschlacht zwischen Somme und Avre, August 1918.
Während sich die OHL Anfang August 1918 in der Sicherheit wog, an der
Westfront mit keiner unmittelbar bevorstehenden Bedrohung durch
Großoperation des Feindes, sondern allenfalls mit kommenden Teilangriffen
konfrontiert zu sein und zur Reorganisation der eigenen Verbände einige
Zeit zu haben 2272 , waren auf Seite der Alliierten die Würfel für
großangelegte Unternehmungen in allernächster Zeit bereits gefallen.
Eine nach den Kämpfen von Hamel am [Link] von den Briten ins Auge
gefaßte Operation vor Amiens entsprach grundsätzlich den Vorstellungen
Fochs zum nächsten Schritt bei der Fortsetzung der Kette harter Schläge
gegen den kräftemäßig zumindest momentan ins Hintertreffen geratenen
Feind 2273 . Dessen vollverwendungsfähige Verbände konnten zu einem guten
Teil als verschlissen und dezimiert angesehen werden 2274 , und so ergab sich
2271
Siehe Foerster: Ludendorff, S. 39.
2272
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.: „Ich rechnete mit der Fortsetzung der
feindlichen Angriffe gegen die Vesle, gegen die der Feind sich immer schärfer
heranschlich, oder mit ihrer Ausdehnung auf das Gelände zwischen Aisne und Oise, vor der
der Feind in Besorgnis vor einem deutschen Angriff stark stand. Ich hielt ferner Vorstöße
zwischen Oise und Somme für möglich, vielleicht auch gegen unsere Stellungen bei Albert
und in der Lys-Ebene, endlich im Sundgau. Ich nahm aber an, daß es sich nur um einzelne
Teilangriffe handeln würde, denn auch der Feind war mitgenommen, und zwar im
allgemeinen nicht weniger als wir. [... .] Anfang August hoffte ich bestimmt auf Abwehr
der bevorstehenden Teilangriffe und die Möglichkeit, Gegenstöße in kleinerem Rahmen als
bisher zu führen. Auch in überaus ernsten Lagen war es bisher gelungen, strategische
Aushilfen zu finden; es war für mich kein Grund anzunehmen, daß es diesmal nicht
glücken werde.“
2273
Siehe Abschn. 10.2. und Fuller: Erinnerungen, S. 262.
2274
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 162f., mit Angaben zur französischen Wahrnehmung der
deutschen Kampfreserven am 7.8.1918. Daraus ergab sich, daß 67 Infanteriedivisionen in
der deutschen Reserve, von denen 39 als voll einsatzbereit angesehen werden konnten, 77
561
Abb. 12: Karte zur britisch-französischen Offensive zwischen Ancre und Oise 2277 .
Bei der Besprechung Pétains, Pershings und Haigs mit Foch am 24. des
Monats wurde das Ziel der nächsten Angriffe dahingehend präzisiert, daß
die Befreiung und Sicherung der von Paris ausgehenden, strategischen
Eisenbahnlinien erreicht werden sollte, worunter sich auch die Strecke
Paris-Amiens befand. Der Plan, die Deutschen hiervon und vom
2277
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 286.
563
2278
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 2ff.
2279
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 263.
2280
Unter Bezugnahme auf Rawlinsons Aufzeichnungen findet sich dieser Punkt auch bei
Travers: How The War Was Won, S. 118.
2281
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 263ff. Fuller schrieb über eine Besprechung mit
Rawlinson am 17.7.1918, der er damals, wegen des bis zum 28.7. in England befindlichen
Elles, quasi als Kopf des Tank Corps beiwohnte: „Überrumpelung und Geheimhaltung
564
waren die Parolen, und aus diesem Grunde war General Rawlinson strikt dagegen, daß
diese Operation ein gemeinsames französisch-britisches Unternehmen sein sollte. Sollten
die Franzosen den Wunsch haben, mitzumachen, so war er der Ansicht, daß sie einen
angegliederten, nicht aber einen gemeinsamen Angriff aus der Gegend von Montdidier
unternehmen sollten.“ Zitiert nach ebenda, S. 262f.
2282
Siehe Abschn. 12.5.2. Etwa zu Fullers Einvernehmen mit einem erfahrungsbedingt von
vornherein unsinnigen und allen (erst recht den in seinen Veröffentlichungen geäußerten
eigenen) Anschauungen widersprechenden Einsatz der Whippets als Unterstützungswaffen
der überkommenen Kavallerie siehe Prior, Robin/Wilson, Trevor: Command on the
Western Front. The Military Career of Sir Henry Rawlinson 1914-1918, Cambridge/Oxford
1992, S. 307. Die vor dem 8.8.1918 vorgenommen Abänderungen des Operationsplans
dürften schließlich nur durch Einsicht in die vorhandenen Archivalien einem Urheber
zuzuordnen sein. Im Kontext zu den für die [Link] archivaliengestützten Feststellungen
von Prior/Wilson bleibt allerdings festzuhalten, daß sich Fuller zwischen Ende Juli und
Anfang August nachweislich im Vereinigten Königreich aufhielt und schon deshalb kaum
den von beiden Autoren und ihren Quellen unterstellten Einfluß auf die Planungen gehabt
haben dürfte; siehe Fuller: Erinnerungen, S. 267f., und Blaxland: Amiens, S. 184f.
2283
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 557, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st
July, 1st August And 4th August, 1918.
565
2284
Diese Linie wurde mit „Amiens Outer Defences“ angesprochen und in den Befehlen
der [Link] als Position der „furthest objectives“ bezeichnet, die augenblicklich zur
Abwehr deutscher Gegenangriffe eingerichtet werden sollten; siehe ebenda, S. 556.
2285
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 524f., App. II: GHQ Operation Order Of The 29th July,
1918, ebenda, S. 573: App. VIII: GHQ Operation Order Of The 5th August, 1918, und
ebenda, S. 575: Fourth Army Operation Orders Of 6th August 1918.
2286
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167ff. Für die Artillerie dürften etwa 1.000 Geschütze zur
Wirkung im Angriffsbereich des 8.8.1918 gekommen sein.
2287
Die Angaben zu den britischen Divisionen (hier MO 1918, Bd. 4, S. 22) schwanken
zum Teil signifikant, wobei die Diskrepanzen wohl primär durch die unterschiedliche Zahl
der vorhandenen, der für den Angriff eingeplanten sowie der tatsächlich eingesetzten
Verbände bedingt sind. Siehe hierzu bspw. Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 86, und
vergleiche MO 1918, Bd. 4, S. 532: App. I: Order Of Battle 8th August 1918.
566
ausgeruht gelten und waren durch Überweisung von Ersatz auf eine aus
französischer Sicht beachtlich hohe Stärke gebracht worden 2288 , welche mit
durchschnittlich rund 7.000 Mann (Infanterie) angenommen werden
kann 2289 . Zudem galt der größte Teil von ihnen, vor allem die kanadischen
und australischen Verbände, auch beim Feind als überaus ernstzunehmender
Gegner, wenn nicht gar generell als Elite unter den Angriffstruppen des
Empire 2290 .
Wie beim französischen Nachbarn wurde auch von der britischen Armee ein
Kavalleriekorps mit drei Divisionen in Reserve behalten, dem es nach
Wegnahme der ersten deutschen Verteidigungslinie zufallen sollte, über die
übrigen Angriffstruppen hinweg gegen das Primärziel und anschließend,
sobald wie möglich, darüber hinaus vorzustoßen 2291 . Hinter der Armee
standen 2070 Geschütze aller Kaliber bereit 2292 , für die zwei wesentliche
Neuerungen darin bestanden, daß sich die Masse der schweren Batterien auf
die Bekämpfung feindlicher Artilleriestellungen zu konzentrieren hatte und
daß nach deutschem Muster Feldartillerie-Batterien zur sofortigen
Begleitung des Infanteriestoßes bespannt bereitstehen sollten 2293 . Für die
Beherrschung des Luftraums, für Bomben- und Schlachtfliegereinsätze
sowie für Demoralisierungsversuche mit Flugblattabwürfen 2294 und zur
2288
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167, und Harris: Amiens, S. 107.
2289
Siehe Prior/Wilson: Command, S. 285.
2290
Anfang 1918 galten deutscherseits die 1. und [Link] sowie die 1. bis 4.
kanadische Division als „besonders gute Angriffsdivisionen“. Die 3. und [Link]
Division wurden zudem als „Gute Angriffsdivisionen“ klassifiziert; siehe HStAS, M 33/2,
Bü. 536: Abteilung Fremde Heere Nr. 4610 Geheim! vom 1.1.1918, Anlage 3. Da die
kanadischen Divisionen diesen besonders guten Ruf hatten, wurden zur Täuschung der
deutschen Feindaufklärung einige Einheiten nach Flandern transportiert, die dort
Angriffsabsichten inszenieren sollten; siehe Bose, Thilo v.: Die Katastrophe des [Link]
1918 (Schlachten des Weltkrieges, Bd. 36), Berlin/Oldenburg 1930, S. 19.
2291
Siehe ebenda, S. 558f., App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st July, 1st
August And 4th August, 1918, und ebenda, S. 575: Fourth Army Operation Orders Of 6th
August 1918.
2292
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 23.
2293
Siehe Fuller: Tanks, S. 219.
2294
Siehe Schulze, Hans (Bearb.): Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 217 im Weltkriege,
Eisleben 1932, S. 200f.
567
2295
Zu den verschiedenen Verschleierungs- und Täuschungsunternehmen siehe Blaxland:
Amiens, S. 160f., und Bose: Die Katastrophe, S. 17f.
2296
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 25.
2297
Nach den Verlusten im „Marnebogen“ und zur Auffrischung und Vorbereitung der
nächsten französischen Großoperation waren offenbar keine weiteren Einheiten der
artillerie d’assaut verfügbar. Bestrebungen Debeneys, Tanks des britischen Verbündeten
überstellt zu bekommen, blieben erfolglos; siehe ebenda.
2298
Der Angriff sollte zeitlich gestaffelt vorgenommen werden, wobei das [Link]
zuerst, eben um 6.05 Uhr, anzutreten hatte. Das südlich anschließende [Link] hatte sich um
9.40 Uhr dem Angriff infanteristisch anzuschließen; siehe LAF, Bd. VII.1., S. 167f.
2299
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 550, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st
July, 1st August And 4th August, 1918.
2300
Zur Zusammensetzung und Verteilung der Einheiten des Tank Corps siehe Fuller:
Erinnerungen, S. 267, ders.: Tanks, S. 219f., und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 87.
2301
Siehe dazu Fuller: Tanks, S. 44f.
568
2302
Siehe Abschn. 11.5.
2303
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 61.
2304
Siehe ebenda, S. 56.
2305
Siehe ebenda, S. 52.
2306
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 267.
2307
Siehe dazu Fuller: Tanks, S. 47. Tatsächlich entsprachen die „Gun-Carriers“ technisch
dem Mark IV; siehe dazu auch Fletcher: Tanks and Trenches, S. 137.
569
2308
Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 231.
2309
Diese Berechnung ergibt sich unter Subtraktion der 25 zerstörten Versorgungstanks aus
der Aufstellung im Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 87.
2310
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 24. Auch hier wurden die 25 am 7.8.1918 zerstörten
Versorgungstanks vom Verfasser subtrahiert.
2311
Siehe Abschn. 11.3.
2312
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 550, App. VI: Fourth Army General Staff Instructions, 31st
July, 1st August And 4th August, 1918. Bezeichnend für die Beachtung, die man dem
Problem mit zu weit abseits stehenden und unvorbereiteten Reserven schenkte, ist, daß
diese Anordnung im Befehl als zweiter Punkt direkt hinter der Geheimhaltung Erwähnung
fand.
2313
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 116, und Prior/Wilson: Command, S. 308.
570
(v.d. Marwitz) und der [Link] (v. Hutier) grundsätzlich nichts zum
Besseren gewandt hatte. Die Bedingungen, unter denen sie an der Somme
und Avre die Zeit bis zum [Link] 1918 zu überstehen hatten, sind mit
denjenigen identisch, die in den beiden vorangegangenen Kapiteln
geschildert wurden 2314 .
Die Truppen lagen, wo es der Feind duldete und wo, wegen der Hoffnung
auf Täuschung des Feindes hinsichtlich etwaiger Angriffsabsichten sowie
mit Rücksicht auf eine dadurch beeinflußbare „Volksmeinung“, von eigener
Seite keine der insgesamt unerwünschten 2315 Frontveränderungen
durchgeführt und erlaubt wurde, mit Masse noch immer dort, wo die
Offensiven zum Stehen gekommen waren. Abgesehen von den zum Teil
versumpften Positionen an den Flußläufen der Ancre, Somme und Avre
waren dies vor Amiens durchweg weithin einsehbare Flächen einer nur noch
durch Siedlungstrümmer und Waldreste bereicherten früheren
Kulturlandschaft. Für militärische Verbände implizierte diese lediglich
geringe Deckungsmöglichkeiten und im Fall der Verteidigung nur dann
einen gewissen Vorteil, wenn die Sicht auf den sich annähernden Gegner
gewährleistet und ausreichend Kräfte zu seiner Abwehr vorhanden waren.
Der Ausbau der eher zufällig und in weiten Teilen wenig günstig
verlaufenden Abwehrlinien litt stark unter der geringen Personalstärke der
eingesetzten Einheiten und den unausgesetzten Bemühungen des Feindes,
die Stellungsbesatzungen durch stetigen Artilleriebeschuß und immer
wieder auch durch kleinere und größere Unternehmungen zu lähmen 2316 .
2314
Siehe Abschn. 10.1., 10.2. und 11.2.
2315
Der Zurücknahme der eigenen Linien auf verteidigungsfähigeres Gelände scheint aus
dem Sichtwinkel Ludendorffs vollends undenkbar gewesen zu sein. Während der noch
laufenden Offensiven galt die Täuschung des Gegners hinsichtlich eigener
Angriffsbemühungen aus deshalb absichtlich bestehengelassenen, weniger zur
Verteidigung geeigneten Positionen heraus als Tugend (siehe Abschn. 10.1.). Danach führte
Ludendorff „Prestigegründe“ an, die zum Festhalten am zuvor gewonnenen Gelände
zwangen; siehe dazu auch Aussagen Becks, welcher den Herren der HGr Rupprecht Bericht
über die Ereignisse nach dem 18.7.1918 erstattete, unter BA-MA, RH 61/50652:
Aufzeichnungen Kuhl, S. 173.
2316
Von „lebhafter Kampftätigkeit“ vor dem 8.8.1918 berichten die Truppengeschichten
durchweg; siehe bspw. Meyer, Werner (Hg.): Das Infanterie-Regiment von Grolmann
571
Ein Ergebnis dessen war, daß sich die Truppe bei der ihr verordneten
Umsetzung der Tiefengliederung auf kleinere Grabenstücke, Feldwachen
und Widerstandsnester stützen mußte 2317 . Selbst für die
Hauptwiderstandslinie galt dies, und so bestand sie beim RIR 265 nur aus
Schützenlöchern oder war „bestenfalls brusttief gegraben“ 2318 . Die
allerdings anscheinend nur in seinen persönlichen Aufzeichnungen faßbare
Besorgnis des Heeresgruppenkommandeurs, Kronprinz Rupprecht,
gegenüber der von Ludendorff am [Link] proklamierten Güte der
augenblicklichen Verteidigungspositionen an der Westfront war demnach
durchaus berechtigt 2319 . Die Behauptung Ludendorffs scheint hier insgesamt
die Folge einer durch den [Link] 1918 nur kurzzeitig überwundenen
Selbstüberschätzung gewesen zu sein, die, aus den unter eklatantem
Kräftemangel errungenen Abwehrerfolgen und der arroganten Annahme
eines unfähigen Gegners 1917 generiert, tatsächlich spätestens seit
Malmaison und Cambrai, besonders aber seit der Offensichtlichkeit des
gescheiterten Entscheidungsschlages und seiner Bedingungen im Frühjahr
1918 gefährlich fragwürdig hätte erscheinen müssen.
In den Kontext unüberwundener Selbstüberschätzung gehört auch das
zweite, wesentliche Resultat der Stellungskämpfe an Somme und Avre vor
der britisch-französischen Offensive. Die Kampfkraft der dort eingesetzten
Verbände konnte unter den gegebenen Bedingungen nur in die von der
[Link] aus dem „Marnebogen“ her bekannten Regionen absinken. Diese
Verhältnisse mußten die Wahrscheinlichkeit gering ausfallen lassen, daß die
vorhandenen Truppen einem kommenden, feindlichen Angriff -gleich, ob
dieser nun nochmals so begrenzt wie etwa bei Hamel am [Link], oder eben
sehr viel größer, wie dann am [Link], ausfallen mochte- standhalten
können würden. Neben die Defizite des Stellungsbaus trat, daß die
deutschen Divisionen mangels Ersatzkräften dauerhaft den Belastungen
eines oft und über lange Zeit nur durch interne Ablösungen unterbrochenen
Stellungskrieges ausgesetzt waren. So konnte das GR 2 der [Link] bei
seiner Ablösung direkt vor dem [Link] 1918 auf denkwürdige 100 Tage
Einsatz vor Amiens zurückblicken, welcher die Gefechtsstärken der
Kompanien auf durchschnittlich 50 Mann reduziert hatte 2320 . Ganz ähnlich
sah es bei anderen Einheiten und Verbänden aus, die, wie die [Link],
welche mit 65 Offizieren und 2027 Unteroffizieren und Mannschaften im
Stellungskrieg vor dem [Link] theoretisch den Bestand von mehr als drei
Infanterie-Bataillonen eingebüßt hatte 2321 , an die Grenzen einer irgendwie
verantwortbaren Leistungsprognose gelangt war. Die Bataillone der
genannten Division verfügten am [Link] 1918 noch über eine
aufgerundete durchschnittliche Grabenstärke (ohne MGK) von rund 170
Mann und ihr Feldartillerie-Regiment war zum Abstellen von Bedienungen
für die überwiesenen „5. und [Link]ütze“ nicht in der Lage 2322 . Auf
britischer Seite nahm man an, daß die deutschen Divisionen in etwa auf
3.000 Mann kamen 2323 , und dies dürfte der Realität der infanteristischen
Gefechtsstärken durchaus angemessen gewesen sein.
Auch die zumindest in geringem Maß gewährten Ruhephasen hinter der
Front scheinen den physischen und psychischen Kräfteverschleiß der
Truppe nicht mehr aufgewogen zu haben, wie etwa die Truppengeschichte
des [Link] 8 sehr deutlich belegt und unter Hinweis darauf, daß die Führung
2320
Siehe TG GR 2, S. 433.
2321
Siehe TG RIR 202, S. 232. Angeführt wurde zwar, daß am 1.8.1918 Ersatz in Höhe von
565 Mann überstellt worden war, dieser jedoch „nicht verwendungsfähig“ gewesen sei. Die
Division hatte allein am 4.7.1918 zwei komplette Bataillone verloren.
2322
Siehe ebenda, S. 232f. Zu den „5. und [Link]ützen“ siehe Abschn. 11.2. Bose zitierte
zur Herausstellung der geringen Stärken Meldungen der [Link]. Diese, als „kampfkräftig für
den Stellungskrieg“ klassifiziert, konnte für den 3.8.1918 eine durchschnittliche
Grabenstärke (ohne MGK) ihrer drei Regimenter in Höhe von 255, 286 und 404 Mann
angeben; siehe Bose: Die Katastrophe, S. 28.
2323
Siehe Harris: Amiens, S. 107.
573
das Regiment trotz seines Hilferufes mangels Alternativen bereits Ende Juli
1918 wieder zum Fronteinsatz rief, unterstrich:
„Kampfwert der Truppe: Die acht Tage Ruhe im bewohnten Etappengebiet haben
den durch die lange, aufreibende Stellungszeit bei Hangard und Moreuil stark
herabgesunkenen Kampfwert der Truppe bis jetzt noch fast gar nicht heben können.
Im Gegenteil ist durch das Vorziehen des Regimentes nach Villers Carbonnel und
schließlich gar nach Proyart, nachdem man doch allgemein mit einer Mindestruhe
von drei Wochen rechnen zu dürfen glaubte, die Stimmung in der Truppe erheblich
schlechter geworden. Die derzeitigen, infolge der immer noch grassierenden sog.
spanischen Influenza, so geringen Kompaniestärken müssen einen Einsatz der
Truppe vorläufig als bedenklich erscheinen lassen. Andererseits tut es der Truppe
dringend not, endlich einmal richtig, systematisch und eingehend geübt und
ausgebildet zu werden.“ 2324
2324
Zitiert nach TG [Link] 8, S. 40.
2325
Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 27ff.
2326
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 174: „Die Art wie wir in
unserer offiziellen Berichterstattung über die Ereignisse sprechen, ist unglaublich verkehrt.
Wir sprechen von großen Siegen, die uns erlauben, die Operationen in die gewünschten
Bahnen zu lenken usw. Darauf fällt doch niemand hinein. Ein Blick auf die Karte zeigt
doch jedem den Stand der Dinge. Wir haben Soissons aufgegeben und stehen wieder hinter
Aisne und Vesle. Eine gänzlich gescheiterte Operation [Kuhl bezieht sich auf den Angriff
am 15.7.1918], die uns ungeheure Kräfte gekostet und unseren ganzen weiteren
Operationsplan umgeworfen hat. Wir haben nicht einmal die nötigsten Divisionen zur
Ablösung der ausgebrannten Stellungsdivisionen, die wir immer wieder vertröstet haben.
Die Zuversicht des Gegners ist gewachsen, die Stimmung in der Heimat und das Vertrauen
der Truppe gesunken.“ Siehe hierzu auch Creutz, Martin: Die Pressepolitik der kaiserlichen
Regierung während des Ersten Weltkriegs. Die Exekutive, die Journalisten und der
Teufelskreis der Berichterstattung (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 704),
Frankfurt a.M. 1996, S. 264ff.
574
AOK 2 die bis zum Morgen des [Link] noch nicht abgeschlossenen
Ablösungen zweier vollends erschöpfter Divisionen umfaßten 2327 , zeitlich
mit der alliierten Offensive zusammenfielen und die Lage verschärften, war
sicherlich zufällig. Dennoch waren sie, da lediglich teilweise kampfkräftige
Verbände zum Einsatz gebracht werden konnten 2328 , bezeichnend für die
kritische Situation des deutschen Westheeres und für das voraussehbare
Resultat der bevorstehenden Kampfhandlungen.
Nach dem Abklingen der Schlacht um den „Marnebogen“, welche laut
Ludendorff bekanntlich nur begrenzte Angriffe nach sich ziehen konnte,
denen man mit Zuversicht entgegensehen durfte 2329 , liefen bei höheren
Stäben aus den Reihen der Fronttruppe diverse Meldungen über beobachtete
feindliche Aktivitäten ein 2330 . Eine davon, die trotz der erdrückenden
Luftüberlegenheit der Alliierten von einem Flieger gemacht werden konnte
und sich über etwa 100 feindliche Tanks im Anmarsch auf die Naht
zwischen 2. und [Link] ausließ 2331 , verdient besondere Beachtung. Nicht
deshalb, weil sie während der Recherchen innerhalb der amtlichen
deutschen Geschichtsschreibung des Weltkrieges als Falschmeldung
„entlarvt“ (1938) 2332 und im Kontext der Veröffentlichung der
Arbeitsergebnisse (1944/1956) zur Relativierung der Versäumnisse der
deutschen höchsten Führung angeführt wurde, sondern weil sie Eingang in
die Lagemeldung der Heeresgruppe Rupprecht vom [Link] 1918
gefunden hatte 2333 . Dies hätte nach dem Stand aller 1918 geltenden
Bestimmungen zur Tankabwehr, nicht zuletzt aber auch wegen der
2327
Zu den taktischen Auswirkungen der bei Angriffsbeginn noch nicht beendeten
Ablösungen siehe TG RIR 217, S. 204, TG RIR 265, S. 292ff., und TG GR 2, S. 433f.
2328
Es handelte sich um die [Link] und die [Link], welche nach einer Ruhezeit seit Ende
Juli als „voll kampffähig“ galt; siehe RA, Bd. 14, S. 554, Anm. 1, und zur [Link] Suhr
(Bearb.): Das [Link] Infanterie-Regiment Nr. 157 im Frieden und im Weltkrieg
1897-1919, Zeulenroda 1934, S. 286ff.
2329
Siehe Abschn. 11.5.2.
2330
Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 17ff., TG IR 18, S. 379, und TG RIR 217, S. 201
(Kolonnenverkehr, Gefangenenaussagen, „Tankgeräusche“).
2331
Siehe ebenda, S. 18. Bose wertete die Tanks als jene 90 FT-17, welche der
französischen [Link] überweisen worden waren.
2332
Siehe RA, Bd. 14, S. 551 und dortige Anm. 2.
2333
Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 18.
575
2334
Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang ein die Aufzeichnungen Marwitz’
kommentierender Abschnitt des vormaligen Stabschefs des AOK 2 und späteren Editors
der Aufzeichnungen des Armeebefehlshabers, Tschischwitz: „Für einen Großangriff
[hervorgehoben] waren aber an keiner Stelle Anhaltspunkte erkennbar geworden. Auch
eine Fliegermeldung über den Marsch von etwa 100 Tanks auf der Straße Ailly-Morisel,
also gegen den linken Flügel der Armee, konnte nicht als bedrohlich angesehen werden,
denn ein Tankangriff der Franzosen über [hervorgehoben] die Avre war unwahrscheinlich.“
Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 302. Macksey führte in diesem
Zusammenhang einen unbekannten Stabsoffizier mit den Worten an: „Not even a request to
keep a sharp look-out...The Army Staff was astonishingly indifferent.“ Zitiert nach
Macksey, Kenneth: Tank Warfare. A History of Tanks in Battle, Bungay 1971, S. 61.
2335
Siehe TG RIR 217, S. 209.
2336
Siehe TG IR 18, S. 378, TG RIR 217, S. 214, Pantlen, Hermann: Das
Württembergische Feldartillerie-Regiment König Karl (1.Württ.) Nr. 13 im Weltkrieg
1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 43), Stuttgart
1928, S. 184, ohne Verf.: Geschichte des [Link] Feldartillerie-Regiments Nr. 47,
Fulda 1920, S. 195, und Heidrich, Fritz (Bearb.): Geschichte des [Link]ßischen
Feldartillerie-Regiments Nr. 79 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Artillerie-Heft
2), Berlin/Oldenburg 1921, S. 117.
576
2337
Siehe TG FAR 58, S. 269.
2338
Siehe Abschn. 4.2.
2339
Zu den Tankgewehren berichtet die TG RIR 217, S. 205, vom Vorabend der Schlacht,
daß sich ein stellvertretender Bataillonsadjutant nach einem Gespräch mit
Offizierkameraden über Tanks dazu angeregt sah, Vorsorge zu treffen. Die Episode
kulminiert schließlich in der Aussage des Adjutanten, er habe sich „um das Tankgewehr
gekümmert und das Handgranatenlager nachgesehen“. In der Truppengeschichte wird
einige Seiten weiter ein zweites Gewehr genannt; siehe ebenda, S. 218. Ansonsten
schweigen sich die vom Verfasser durchgesehenen Truppengeschichten zu diesen Waffen
aus. Daß die [Link] über sie verfügte und in ihrem Abschnitt der Front auch Minen
einsetzte, ergibt sich aus dem späteren Erfahrungsbericht der Division; siehe HStAS, M
30/1, Bü. 162, Bl. 67: [Link] I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff. 1.)b). Die
Verwendung von Minen im britischen Angriffsraum vom 8.8.1918 wird zudem genannt bei
Dietz, Otto: Der Todesgang der deutschen Armee. Militärische Ursachen, Berlin 1919, S.
75.
2340
Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 19: Auszug aus HGr Gallwitz Pi. Nr. 846 geh. vom
24.8.1918, Ziff. 1.)b).
577
2341
Siehe Kap. 11, Abschn. 11.5.2. und Kap. 13.
2342
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 721: GK [Link] Abt. IId Nr. 13262 vom 9.11.1916.
2343
Siehe dazu Seeßelberg: Der Stellungskrieg, S. 310: „In der ersten Zeit des
Stellungskrieges bauten die Pioniere zur Landsicherung der Truppe auch vielfach
‚Tretminen’ ein, welche explodierten, sobald jemand darauftrat, oder ‚Drahtminen’, die zur
Wirkung kamen, sobald an einem ausgelegten oder ausgespannten Draht gezerrt wurde. Die
Truppe selbst hat sich mit dieser Art der Sicherung nicht lange zu befreunden vermocht.
Der Verfasser wirkte in seinem Regiment jedenfalls auf baldige Befreiung dieser
Einrichtung hin, da ihr Vorhandensein die Mannschaften verängstigte und alle
Unternehmungslust lähmt; es waren wegen der beargwöhnten Drähte im Vorgelände bei
Reims zeitweise kaum Patrouillen hinauszubekommen. Die anfangs oft ausgelegten Tret-
und Drahtminen sind (außer im Gebirge) größtenteils wohl bald aus dem
Sicherungsbetriebe der Infanterie wieder ausgeschieden. Auch den Minensicherungen
gegen Kampfwagen scheint keine Zukunft beschieden zu sein.“
578
2344
So betonte die HGr Gallwitz, daß die Flachmine 17 einen „besonders sinnreichen“
Zünder besitze, der nicht durch das Gewicht eines Schützen betätigt würde, und daß sie
gefahrlos auch auf steinigen Boden geworfen werden könne. Die OHL legte besonderen
Wert auf die eindeutige Kennzeichnung von Minenfeldern zum Schutz eigener Patrouillen
und darauf, daß das Gewicht des einzelnen Schützen keine Detonation auslösen würde;
siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 19: Auszug aus HGr Gallwitz Pi. Nr. 846 geh. vom
24.8.1918, Ziff. 1.)b), und ebenda, Bl. 18: Chef d. Genst. d. Feldheeres II. Nr. 9840 geh.
op. vom 15.8.1918.
2345
Siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918, Ziff. 8), und Kap.
13.
2346
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: [Link] I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff.
1.)b).
2347
Siehe dazu Abschn. 12.5.2. bzw. HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August
geh. vom 21.8.1918, Ziff. 19.).
579
Die ersten Stunden der Schlacht, die um 5.20 Uhr durch plötzlich und mit
größter Intensität einsetzendes Trommelfeuer der Artillerie eingeleitet
wurde, standen im Zeichen eines nahezu undurchdringlichen Nebels, dessen
taktische und psychologische Wirkung auf die Effizienz der deutschen
Verteidigung in einem später verfaßten Bericht eines Augenzeugen des FAR
58 erkennbar wird:
2348
Zur Bewertung der deutschen Verbände in der Rückschau auf den katastrophalen
8.8.1918 siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.
2349
Siehe RA, Bd. 14, S. 554, Anm. 1.
2350
Siehe ebenda Beilage 39g.
2351
Siehe bspw. TG FAR 47, S. 195f., und TG FAR 58, S. 282.
2352
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 25.
2353
Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 156f. Im Soll enthalten
waren 52 Jagdflugzeuge und sechs Schlachtflieger.
580
2354
Zitiert nach Müller-Loebnitz: Das Ehrenbuch der Westfalen, S. 518f.
2355
Die Sichtweiten werden durchweg auf 5-10m angegeben; siehe bspw. TG RIR 215, S.
206, TG IR 18, S. 376, und TG FAR 79, S. 115.
2356
Siehe TG FAR 79, S. 115, TG FAR 13, S. 181, TG RIR 217, S. 206, und TG [Link] 8, S.
41.
581
2357
Als einzige von den durchgesehenen Truppengeschichten benannte die TG RIR 217, S.
216, diesen Faktor als entscheidend. Die Überlegung, daß bei solchen Sichtweiten schon
jegliche Hilfestellungen durch die normalerweise –sicher auch menschlich- Allernächsten,
die Angehörigen der eigenen Einheit, ausgeschlossen sein mußten, scheint dem Verfasser
der vorliegenden Arbeit rein intuitiv eine gravierende Einschränkung der Kampfkraft
bedeutet zu haben.
2358
Siehe TG RIR 217, S. 210.
2359
Siehe dazu MO 1918, Bd. 4, S. 48, TG GR 2, S. 434f., TG FAR 79, S. 115, und TG
RIR 217, S. 222. Vor allen den zu Gegenstößen antretenden Einheiten scheinen durchweg
bereits von Kampf gezeichnete, verwundete, unverwundete und bzw. oder nur mit „Hemd
und Hose“ bekleidete Soldaten begegnet zu sein.
2360
Siehe bspw. TG FAR 13, S. 187, TG FAR 79, S. 115, TG GR 2, S. 434f., Fletcher:
Tanks and Trenches, S. 148f. (Bericht über den Einsatz von Tank No. 9003 des [Link]-
Bataillons), oder MO 1918, Bd. 4, S. 48, dort: „Twenty-one of the twenty-eight tanks (six
being held in reserve and one ditched) reached the front line on the plateau and went ahead
of the 13th and 14th Battalions [der kandischen Infanterie]. The Germans whom they
encountered, demoralized by their looming up out of the mist, fled, many only half
dressed.”
2361
Siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 149 (Bericht über den Einsatz von Tank No.
9003 des [Link]-Bataillons). Das kanadische amtliche Werk führte an, daß sich der
Vorstoß in den ersten Stunden für viele Soldaten eher wie ein Marsch ausnahm, nicht wie
der entscheidende Auftakt einer großen Schlacht; siehe Nicholson, Gerald W.L.: Canadian
Expeditionary Force 1914-1919 (Official History Of The Canadian Army In The First
World War), Ottawa 1964, S. 374.
582
2362
Siehe bspw. Fletcher: Tanks and Trenches, S. 156 (Bericht des [Link]-Bataillons): „A
number of tanks were ditched from inability to see the ground in front of them; as against
this disadvantage the moral effect upon the enemy of tanks emerging upon them from the
mist was enormous, and the fist objective was won with comparative ease.”
2363
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 51.
2364
Siehe ebenda, S. 46, Anm. 1.
2365
Siehe ebenda, S. 48: „The enemy parties in the intervals between the tanks, however,
though surprised, offered stout resistance to the on-coming infantry. Leaving these to be
dealt with by the supports, the leading lines pushed on in the fog.”
2366
Immerhin berichtete das FAR 13 sehr eindrucksvoll darüber, daß man es im Nebel gar
nicht wahrgenommen hatte, wie in direkter Nähe zu den eigenen Feuerstellungen Tanks
durchgebrochen waren; siehe TG FAR 13, S. 187.
2367
Siehe etwa Abschn. 3.3. und 9.4.
583
Wie sich später erst in aller Deutlichkeit zeigen sollte, erreichten die
Fahrzeugausfälle durch technische Pannen, das Festfahren von Tanks im
Gelände und feindlichen Beschuß ein Ausmaß, das im Kampf seit Flandern
1917 und sonst überhaupt nur während der ganz anders gelagerten
Verhältnisse des März 1918 vorgekommen war. Das Risiko, welches
zugunsten eines auf einen Sieg im ersten Anlauf angelegten Gewaltstoßes
mit der Offensive im Nebel eingegangen worden war, zeigte seine Tücken
so schnell wie seine Wirkung auf den Feind. Eine Anzahl Tanks hatte ihre
Sturmausgangsstellungen gar nicht erst erreicht, weil die
Fahrzeugbesatzungen Marschwege nicht erkennen konnten oder
verfehlten 2370 , und im wenigstens eingangs „nebulösen“ Trubel der Schlacht
verloren Besatzungen den letzten geographischen Überblick und standen
schließlich dort, wo sie laut Operationsplan nicht hingehörten 2371 . Die
2368
Siehe TG IR 13, S. 310.
2369
Zitiert nach MO 1918, Bd. 4, S. 45. Die oben genannte Geschützbedienung war für
einen der hier genannten Abschüsse verantwortlich.
2370
Siehe bspw. ebenda, S. 45.
2371
Neben zahlreichen anderen Textstellen siehe ebenda, S. 50 (Zitat aus dem
Kriegstagebuch des [Link]-Bataillons): „According to the battalion diary: although the
ground was hard and suitable, ‚all tanks more or less lost direction and most, when the mist
584
cleared, found themselves in sectors other than their own.” Siehe dazu auch Fletcher: Tanks
and Trenches, S. 154 (Bericht des [Link]-Bataillons), und CEF, S. 373.
2372
Siehe Kap. 12.
2373
Siehe TG FAR 79, S. 115.
2374
Siehe TG IR 13, S. 311, und TG RIR 217, S. 229.
2375
Siehe TG RIR 217, S. 208 und S. 222f., TG [Link] 8, S. 40f., TG RIR 202, S. 226f., und
TG RIR 265, S. 298.
2376
Siehe etwa TG RIR 217, S. 230. Die TG RIR 265, S. 303, nennt als Zeitpunkt für den
Befehl zum Abrücken der Bagagen nach Osten 7 Uhr. Interessant ist in diesem
Zusammenhang der spätere Erfahrungsbericht der [Link], die das Abrücken ihrer Bagagen
als schwere Pflichtverletzung auslegte. Es ist zu spekulieren, ob dieser Tatbestand
tatsächlich, etwa durch gerüchteweise, „panische“ Überlieferung am 8.8.1918, oder dann
doch durch einen der Division bei Abfassung ihres Berichts nicht bekannten Befehl eines
ihrer Offiziere verursacht worden ist; siehe dazu Abschn. 12.5.2. bzw. TG IR 18, S. 380f.
585
2377
Siehe Kriegstagebuch 1914/18 des Feldwebel-Leutnant Goos, Führer der Armee-
Brücken-Abteilung 4, Eintrag zum 8.8.1918 (Manuskript, im Besitz des Verfassers der
vorliegenden Arbeit).
2378
Siehe Abschn. 5.3.
2379
Siehe TG RIR 217, S. 213
2380
Bekannt wurde nach dem Krieg besonders die Geschichte von „Musical Box“, einem
Whippet, welcher ohne weitere Unterstützung stundenlang hinter den verbliebenen
deutschen Positionen gegen Versprengte und Kolonnen wirkte und nach 11 Stunden
Einsatz schließlich von einer Granate in Brand geschossen wurde; siehe William-Ellis:
Tanks Corps, S. 201ff., und Mitchell: Tank Warfare, S. 240f.
2381
Siehe TG FAR 13, S. 182.
2382
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 198.
2383
Siehe TG IR 18, S. 377, TG RIR 265, S. 296, und TG FAR 13, S. 187.
586
Bergen der Geschütze mehr bekam. Und ein weiteres Problem lag im
entstandenen Mangel an Infanteriemunition, namentlich an SmK-Patronen.
Letztere waren von den Stellungstruppen zuvor mit einigem Erfolg auch
gegen Tanks 2384 verschossen worden, oder sie mußte, nachdem sich der
Nebel langsam lichtete und feindliche Schlachtflieger im Tiefflug in großer
Zahl angriffen 2385 , zur Fliegerabwehr gebraucht werden 2386 . Die Furcht
gegenüber den Tanks, die der Chef der 2./FAR 13, Hauptmann von
Gravenitz, nach dem Ausfall seiner Geschütze und wegen des Fehlens von
Stahlkernpatronen später eingestand 2387 , mag unter diesen Bedingungen
auch bei vielen Mannschaften vorhanden gewesen sein, so daß nicht
wenige, verwundet und unverwundet, panisch oder in berechtigter
Erkenntnis ihrer Chancenlosigkeit, mit und ohne Waffen, auf eigene Faust
die Feuerstellungen, verbliebenen Widerstandsnester und Auffangstellungen
verließen 2388 . Der Kampf zwischen den britischen Angreifern und den in
erster Linie auf die noch feuerbereite deutsche Artillerie sowie auf die
verbliebenen Maschinengewehre gestützten Verteidigern verlief, den
einheitlichen Bedingungen im Zentrum des alliierten Angriffs entsprechend,
grundsätzlich sehr ähnlich. Die Truppengeschichte des FAR 47 berichtete
hierzu exemplarisch über das Ende der 6. und [Link] des Regimentes:
„Allmählich verzog sich der Nebel und es wurde klarer. Bald tauchten auch von
Süden her in der Flanke der Batterien Tanks auf, von denen drei erledigt wurden,
Infanterie folgte. Von einzelnen zurückkommenden Infanteristen und Minenwerfern
unterstützt, hielten sich die beiden Batterien mit den noch feuerbereiten Geschützen,
Maschinen-Gewehren, Handfeuerwaffen und Handgranaten in erbittertem
Nahkampf, bis die schwache Bedienung von der gewaltigen Uebermacht von Süden
und Westen erdrückt wurde. Gegen 9.30 Uhr fielen die beiden Batterien in
Feindeshand, nachdem die [Link] noch in den letzten Minuten mit ihrem noch
2384
Siehe TG RIR 217, S. 222f.
2385
In den Truppengeschichten werden feindliche Fliegerkräfte durchweg genannt und
erscheinen somit als ein Hauptcharakteristikum des auf materielle und technische
Überlegenheit bauenden britischen Angriffs; siehe dazu u.v.a. TG RIR 217, S. 207 oder S.
223, TG IR 18, S. 378.
2386
Siehe TG RIR 217, S. 209, S. 222 und S. 232, und TG IR 13, S. 312.
2387
Siehe TG FAR 13, S. 187.
2388
Siehe ebenda und TG IR 18, S. 380 TG RIR 202, S. 231.
587
2389
Zitiert nach TG FAR 47, S. 196.
2390
Siehe bspw. TG RIR 217, S. 218 und S. 223, TG IR 18, S. 377, TG FAR 13, S. 186, TG
FAR 47, S. 195, TG FAR 58, S. 282, und William-Ellis: Tank Corps, S. 198f. Das
kanadische amtliche Werk führte den Widerstand inmitten der wahrgenommenen
Auflösungserscheinungen folgendermaßen an: „Although there were some cases of German
gun crews being credited with firing until the last round before they deliberately destroyed
their pieces.“ An anderer Stelle wurde konstatiert: „There were costly tank casualties from
German batteries firing over open sights“; siehe CEF, S. 377 bzw. S. 378.
2391
Siehe TG RIR 265, S. 302.
2392
Siehe TG FAR 58, S. 283.
2393
Siehe TG FAR 79, S. 117.
588
weniger als arroganten Tonfall berichtete 2394 , glaubte den als „Gesindel
ohne Waffen“ klassifizierten Kameraden, auf die man traf und die über den
bisherigen Gefechtsverlauf Auskunft gaben, zuerst niemand. Dann tauchte
völlig überraschend ein einzelner Tank auf, der durch zusammengefaßtes
Maschinengewehr- und Minenwerferfeuer in Brand geschossen werden
konnte. Kurz darauf sah man sich, urplötzlich, mit Mengen an Tanks, von
denen schließlich zwei kampfunfähig gemacht werden konnten, Infanterie
und Kavallerie sowie energisch attackierenden Schlachtfliegern
konfrontiert 2395 .
Heftige Feuergefechte und Nahkämpfe entspannen sich um einzelne, mehr
oder weniger isolierte Positionen, lokal gebildete Auffanglinien,
Waldstücke, Ruhe- und Stabsquartiere. Die Deutschen, so wie gerade für die
beiden schwachen Bataillone des GR 2 dargelegt, waren hierbei
hoffnungslos unterlegen 2396 und konnten beispielsweise bei der
Verteidigung des Divisionsstabes der [Link], sozusagen beim letzten
Kampf um die imaginäre „Truppenfahne“, um die „Ehre, Vergangenheit
und Zukunft“ eines Verbandes des Ersten Weltkrieges, noch ungefähr 500
Mann verschiedenster Kampf- und Unterstützungseinheiten
mobilisieren 2397 . Anders als im Fall dieses Divisionsstabes, bei dem der
2394
Siehe TG GR 2, S. 434ff.
2395
Daß es sich auch gerade bei den abziehenden rückwärtigen Einheiten nicht unbedingt
einfach um „Gesindel“ handelte, erschließt sich aus den in der Truppengeschichte des FAR
221 angeführten Beobachtungen beim Eintreffen auf dem Gefechtsfeld: „Reste der
überrumpelten deutschen Truppen fluteten uns entgegen, Inf. Bagagen, Kolonnen,
Sanitätskompanien, einzelne Protzen und sonstige Fahrzeuge, die die Verbindung mit ihren
Verbänden verloren hatten und sich vor dem rasch vordringenden Feinde zu retten suchten.
Feldpost in hilfloser Verzweiflung will uns die Kasse anvertrauen. [... .] ‚Wollt ihr zum
Tommy fahren?’ rief man uns entgegen. Aber genaue Angaben konnte keiner machen. Die
wüstesten Gerüchte schwirrten umher, engl. Kav. sei in unserem Rücken in Chaulnes usw.
Der erste Eindruck war der eines fürchterlichen Durcheinanders, hoffnungsloser
Verwirrung und Kopflosigkeit. Unsere Abtlgen. [Abteilungen] waren wirklich der einzig
ruhende Pol.“ Zitiert nach Beyer, Walther/Scheitza, Erich: Königlich Preußisches
Feldartillerie-Regiment Nr. 221 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/18, Bd. 13), Berlin 1933,
S. 271.
2396
Siehe auch bspw. TG IR 157, S. 292f.
2397
Siehe TG RIR 217, S. 230f.
589
2398
Siehe ebenda.
2399
Siehe bspw. CEF, S. 377. Die dort genannte Wegnahme eines energisch verteidigten
Waldstückchens unter Beteiligung von Tanks wurde als „one of the finest features of the
day“ beschrieben.
2400
Siehe TG GR 2, S. 438. Siehe etwa auch TG IR 13, S. 313.
2401
Siehe TG FAR 221, S. 270ff.
2402
Siehe dazu Gnamm, Hellmut: Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von
Österreich, König von Ungarn (4.Württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914-1918 (Die
württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 14), Stuttgart 1921, S. 225f.
Sie auch Storz, Karl: Das Württ. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 238 im Weltkrieg 1914-1918
(Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914-1918, Bd. 16), Stuttgart 1921, S.
85.
590
2403
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 71ff.
2404
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 201
2405
Siehe bspw. MO 1918, Bd. 4, S. 69f.
2406
Siehe ebenda S. 85ff.
591
2407
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 84f.
2408
Siehe ebenda, S. 85, und vergleiche ebenda, S. 58 und S. 73, wo als Geschützbeute des
Kanadischen Korps 161 und 173 für das Australische Korps 173 angegeben sind.
2409
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 354.
2410
Siehe TG RIR 217, S. 232.
2411
Siehe TG RIR 265, S. 310.
2412
Siehe TG IR 18, S. 384.
2413
Siehe TG FAR 58, S. 287.
592
Mann 2414 , von denen schätzungsweise 3.500 auf das Kanadische und
lediglich 652 Mann (!) auf das Australische Korps, welche die Speerspitze
des Angriffs gebildet hatten, entfielen 2415 . Schwerwiegendere Verluste
waren beim Royal Flying Corps eingetreten, das zwar effektiv mit
Schlachtfliegern in die Kämpfe hatte eingreifen können, aber zumindest
über den Randbereichen des Schlachtfeldes heftigst von deutschen Fliegern
attackiert worden war. Insgesamt 96 (13%) Maschinen gingen an diesem
„unlucky day“ des RFC verloren 2416 . Noch gravierender stellten sich die
materiellen Ausfälle beim Tank Corps dar, das laut amtlicher Angabe mit
415 Fahrzeugen im Einsatz gewesen war. Von diesen wurden 100 (24%)
durch direkte Waffenwirkung des Feindes außer Gefecht gesetzt 2417 , was im
prozentualen Verhältnis zu vorherigen Tank-Einsätzen an sich keine
Abweichung von einer erfahrungsgemäß immer hohen Verlustziffer
darstellt. Was allerdings die Gesamtausfälle des Tank Corps unter
Einberechnung aller nur denkbaren Pannen und Mängel anbelangt, so ergibt
sich aus der Tatsache, daß am Morgen des [Link] 1918 nur 145 Tanks
klar zum Gefecht waren 2418 , ein 65%iger Fahrzeugschwund nach dem ersten
Gefechtstag. Trotz der neuen und technisch als zuverlässiger eingeschätzten
Mark V, insgesamt gut für Tankeinsätze geeigneten Geländes sowie der
eingeschränkten Verteidigungsfähigkeit des Gegners war die Schlagkraft
der gepanzerten Einheiten einmal mehr nach einem Tag Einsatz überaus
signifikant gesunken.
2414
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 84. Die französischen Verluste für den 8.8.1918 ließen sich
nicht eruieren. Im amtlichen Werk sind für die [Link] in der Zeit vom 6.-11.8.1918 rund
1.800 Gefallene, 11.000 Verwundete und 1.000 Vermißte aufgeführt, was vor dem
Hintergrund der folgenden Gefechte ohne Überraschungsmoment darauf hinweist, daß die
Ausfälle am 8.8.1918 verhältnismäßig gering waren; siehe LAF, Bd. VII.1., S. 384.
2415
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 58 und S. 159.
2416
Siehe ebenda, S. 84. Wie dort unter Anm. 5 zu lesen ist, wurde von deutscher Seite der
Verlust von 12 Maschinen eingestanden.
2417
Siehe Fuller: Tanks, S. 224, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 94 (hier
angegeben: 465 britische und französische Tanks sowie 100 Ausfälle durch deutsche
Waffenwirkung).
2418
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 87, Anm. 1.
593
2419
Siehe RA, Bd. 14, S. 555ff.
2420
Siehe ebenda, S. 558ff. Die Zurücknahme der Linie bis hinter die Somme stand
mehrfach zur Diskussion und wurde schließlich vom weiteren Verlauf der Kämpfe
abhängig gemacht. Dieser ließ bis Ende des Monats tatsächlich gar keine andere Wahl zu.
2421
Siehe Blaxland: Amiens, S. 186ff., und CEF, S. 383 und S. 388.
594
2422
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 274.
2423
Siehe Guderian: Achtung- Panzer! S. 118.
2424
Siehe Fuller: Tanks, S. 227, und Travers: How The War Was Won, S. 127.
2425
Siehe RA, Bd. 14. S. 561.
2426
Siehe Fuller: Tanks, S. 225ff., und Guderian: Achtung-Panzer! S. 118.
595
behaupten gegen die besten engl. Truppen (Australier usw.), gegen zahlreiche Tanks
und überlegene Artillerie.“ 2427
2427
Zitiert nach Hildebrand, Karl-Friedrich/Zweng, Christian: Die Ritter Des Ordens Pour
Le Mérite des [Link], Bd. 2: H-O (Die Ritter Des Ordens Pour le Mérite, Teil 2),
Bissendorf 2003, S. 263f. Die Verleihung des Ordens erfolgte am 1.9.1918.
2428
Siehe dazu Liddell Hart: The Real War, S. 464f., Stevenson, S. 505f., und Blaxland:
Amiens, S. 195f.
2429
Siehe und vergleiche dazu MO 1918, Bd. 4, S. 162 (deutsche Verluste ca. 75.000), und
RA, Bd. 14, S. 567 (alliierte Verluste mindestens 60.000).
2430
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 154.
2431
Siehe LAF, Bd. VII.1., S. 384.
2432
Siehe RA, Bd. 14, S. 567.
2433
Siehe BA-MA, RH 61/51963: Forschungsarbeit Strube zum 8.8.1918, S. 48.
596
Was die Sicht späterer Betrachter auf den [Link] 1918 betrifft, so finden
sich erhebliche Differenzen in seiner Bewertung. Daß es sich beim nur allzu
offensichtlichen Resultat der Tages um eine schwere oder vielleicht sogar
die schwerste Niederlage einer deutschen Armee im gesamten Kriegsverlauf
an der Westfront handelte, war dabei als Gegenstand weitaus weniger
diskutabel als die Frage nach Ursachen und Auswirkungen.
Mai (1987), Heydecker (1988) und Chickering (2002) etwa, dazu zahlreiche
Autoren früherer und späterer Veröffentlichungen 2434 , positionierten sich
sehr nahe bei dem, was von Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen
(1919) ausgesagt worden war und den ersten Tag der Schlacht zu jenem
berühmten und vielzitierten „schwarzen Tag des deutschen Heeres“ 2435
machte 2436 . Ludendorff zufolge war festzuhalten, daß „kampfkräftige“
deutsche Divisionen binnen kürzester Zeit von überraschend erschienenen
„Tankgeschwadern“ überrollt worden waren. Dabei war es zu Szenen
gekommen, die er im deutschen Heer für undenkbar gehalten hatte und die
darin ihren besonderen Ausdruck fanden, daß zum Gegenangriff vorgehende
2434
Siehe bspw. Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S.
195, Schwertfeger: Die politischen und militärischen Verantwortlichkeiten, S. 222,
Zentner: Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs, S. 383, Volkmann: Der große Krieg,
S. 287, Perrett, S. 64, Asprey: The German High Command At War, S. 448f., Stratz,
Rudolph: Der Weltkrieg. Ein deutsches Volksbuch von dem Weltgeschehen 1914 bis 1918,
Berlin 1933, S. 360, Bloem, Walter: Der Weltbrand, Berlin 1922, S. 300f., und Wright, S.
109 (Wright merkte interessanterweise nicht, daß „Marshal“ Ludendorffs Ansicht sich so
sehr gar nicht von derjenigen Kuhls oder Schwertfegers –wessen Gutachten von ihm
gemeint war, geht aus dem Text nicht hervor- für den Untersuchungsausschuß unterschied.
Auch bei ihm waren Tanks und der Überraschungseffekt entscheidend.).
2435
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545: „Der [Link] ist der schwarze Tag des
deutschen Heeres in der Geschichte dieses Krieges.“
2436
In lexikalischer Form für ein Handbuch liest sich der 8.8.1918 als „Zusammenbruch der
Westfront“ durch einen „Panzerangriff der Alliierten“, der die „Entscheidung für das
baldige Ende des Ersten Weltkrieges“ herbeiführte; siehe Harenberg Verlag (Hg.): Was
geschah am...? Alle Ereignisse der Geschichte geordnet nach den Tagen des Jahres,
Dortmund 1996, S. 630. Der 18.7.1918 fand in dieser Publikation übrigens keine
Erwähnung.
597
2437
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 545ff.
2438
Siehe BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch
Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 10 (zu Frage 14) und S. 11 (zu Frage 15).
2439
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 551.
2440
Siehe Mai, S. 146. Diese eher vorsichtige Konstruktion einer Verbindung zwischen
Tanks und „Panik“ findet sich etwa auch bei Afflerbach, Holger: Die militärische Planung
des Deutschen Reiches und der Mittelmächte, in Michalka: Der Erste Weltkrieg, S. 309.
2441
Siehe Chickering, S. 224.
2442
Siehe Heydecker, S. 415.
2443
Daß dies nicht ausschließlich an den damaligen Verhältnissen, sondern viel eher mit der
zeittypischen Beschäftigung mit Truppenteilen und der jüngsten Vergangenheit lag mögen
die mit dem 8.8.1918 verbundenen, Ludendorffs Aussagen gegenüber kritischen Passagen
598
2447
Siehe Kuhl: Der Weltkrieg, Bd. 2, S. 406.
2448
Siehe BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch
Archivrat Volkmann Anfang August 1923, S. 11 (zu Frage 15). Im Sinne einer solchen
„Mitschuld“ führte Ludendorff zum 8.8.1918 explizit an, daß Kuhl sich kurz zuvor
persönlich von der Frontlage überzeugt und von feindlichen Offensivvorbereitungen nichts
zu berichten gehabt hatte. Vergleiche hierzu die in Abschn. 12.2. genannte Aufnahme der
100 durch einen Flieger gesichteten Tanks in die Tagesmeldung der HGr Rupprecht.
2449
Siehe Bose: Die Katastrophe, S. 196ff.
2450
Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 201. Siehe auch ders.: Gegen englische
Panzerdrachen, S. 94ff.
600
Hinweis darauf, daß „keine Armee der Welt aus lauter Helden bestehe“ und
es, durch das Katastrophale des Gefechtsverlaufs bedingt, sicherlich
menschlich verständliche, panische Reaktionen gegeben habe, äußerte
Kabisch sich eindeutig und hielt fest, daß von einem „Sich-überrennen-
lassen“ der durch Ludendorff präsentierten Sichtweise keine Rede sein
dürfe 2451 .
Parallel zu Militärschriftstellern kamen Truppengeschichten auf der Basis
nicht in Feindeshand gefallener Kriegstagebücher und aufgrund mündlicher
Überlieferungen der zum Teil in Gefangenschaft geratenen
Regimentsangehörigen zu dem Ergebnis, daß es in den vom plötzlichen
Angriff betroffenen Einheiten neben verschiedenen, nicht
wegzudiskutierenden Beispielen für grundsätzlich „ehrwidriges“,
panikartiges Verhalten und zu schnell erloschenen Kampfwillen, ebensogut
Fälle außerordentlicher Tapferkeit und für offenkundig ungebrochenen
Durchhaltewillen gab. Die Verantwortlichkeit der höheren und höchsten
Führung für die Grundlagen dieser Feststellung wurde nicht selten deutlich
herausgestellt und unter Hinweis auf den hohen Erschöpfungsgrad und die
geringe Zahl der Verteidiger genauso klar bezeichnet, wie sie durch Belege
für die tatsächlich unverständliche Ignoranz vorgesetzter Stäbe gegenüber
den aus der Truppe gemeldeten Anzeichen für eine bevorstehende Offensive
des Feindes untermauert werden konnte 2452 .
Im Gegensatz zu den Schriften ehemaliger Angehöriger des Tanks Corps
wie William-Ellis (1919) und Mitchell (1933) 2453 oder deutschsprachigen
2451
Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 202.
2452
Siehe etwa TG RIR 217, S. 232, TG IR 18, S. 377f., TG [Link] 8, S. 40, TG RIR 202, S.
232, und Anmerkungen zur Schwäche von Stellungen, Kräften usw. in Abschn. 12.2.
Einige Truppengeschichten verzichteten möglicherweise aus einer gewissen
„Vornehmheit“ heraus auf eine dezidierte Kommentierung des Geschehens und seiner
Grundlagen zu Gunsten einer nichtsdestotrotz aussagekräftigen Beschreibung der
Ausgangs- und Endsituation des 8.8.1918 oder danach erzielter Erfolge; siehe bspw. TG IR
13, S. 308 und S. 314, TG FAR 58, S. 285, TG FAR 13, S. 190, und TG RIR 265, S. 292ff.
und S. 310.
2453
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 214f., und Mitchell: Tank Warfare, S. 258.
601
Autoren wie Stegemann (1921) und Zwehl (um 1923) 2454 , welche den Sieg
bei Amiens vor allem dem zweifellos aufopferungsvollen Einsatz und den
taktischen Vorteilen der Tanks zuschrieben, bestätigten die relevanten
Bände des australischen (1942) und britischen amtlichen Werkes (1947) die
beispielsweise in deutschen Truppengeschichten präsenten Auffassungen
ganz grundsätzlich. Und sie lieferten selbst auf der Grundlage eines
durchaus deutlich erkennbaren Willens, die Leistungen der eigenen Truppen
und die Qualität des Sieges nicht durch allzu schwerwiegende
Zugeständnisse an eine irgendwie geartete Schwäche des Feindes zu
verwässern 2455 , dennoch zahlreiche Beispiele für dessen gewohntermaßen
sehr hartnäckigen Widerstand. Dies erfolgte nicht zuletzt auch durch das
Herausstellen einer nicht so recht zu einem völlig und zutiefst
demoralisierten Gegner passenden Fortsetzung der Kämpfe, die den
Abbruch der Schlacht wegen eines sich verhärteten deutschen Widerstandes
sowie drei weitere, sehr blutige und schwere Kriegsmonate nach sich zog.
Im Vorwort des britischen amtlichen Werkes zur Schlacht vor Amiens
findet sich zudem die im Zusammenhang mit dem heute existenten Bild
vom Tank des Ersten Weltkrieges und seines Siegesfanals, dem „schwarzen
2454
Siehe Stegemann, Hermann: Geschichte des Krieges, Bd. 4, Berlin/Stuttgart 1921, S.
602f., und Zwehl, Hans v.: Die Schlußkämpfe an der Westfront, August bis Oktober 1918,
in Schwarte: Der Weltkampf, Bd. 3, S. 546f.
2455
Anführen kann man zuerst einmal die Frage nach den Verlusten des Feindes, die, wenn
man 3.000 Mann Gefechtsstärke zugrundelegt, bei veranschlagten 75.000 Mann (MO 1918,
Bd. 4, S. 162) den Ausfall der infanteristischen Kampfkraft von 25 deutschen Divisionen
bedeutet haben würde. Bezeichnend für eine Grundeinstellung dem Gegner und den durch
seinen Geschichtsschreibern verbürgten Unterlegenheit gegenüber ist die folgende Passage:
„Incidentally, the Germans, one and all, claim in almost every occasion to have been
assailed by superior numbers –for instance, when two German divisions were driven off
Mont [Link] after a long fight by an Australian brigade numbering no more than 1,200
men, our opponents claim to have been ousted by vast superiority in guns, men and tanks.“
Zitiert nach MO 1918, Bd. 4, S. IVf. Die Unkenntnis der alliierten Stäbe und die Ignoranz
so manchen, meist englischsprachigen Militärgeschichtsschreibers gegenüber der
tatsächlichen Stärke deutscher Verbände ab Sommer 1918 mag nach einem Blick in Nash
(The 251 divisions) der amerikanischen Feindaufklärung (1919) und Aussagen im obigen
Stil als belegt angenommen werden.
602
2456
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. IV.
2457
Siehe Kabisch: Der schwarze Tag, S. 201.
2458
Siehe Deist, Wilhelm: Die Kriegführung der Mittelmächte, in Enzyklopädie Erster
Weltkrieg, S. 269.
2459
Strachan: The First World War, S. 309.
603
2460
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 123.
2461
Siehe Abschn. 3.5.1. und Abschn. 5.6.1.
2462
Siehe Abschn. 2.3.
2463
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 122ff. Aus den kommentierten
Textauszügen zu Berichten und Erlebnissen aus den Reihen des Tank Corps sei nur eine
kurze Passage zitiert. Diese scheint allerdings dazu angetan, selbst die unter geringsten
Verlusten vom Australischen Korps am 8.8.1918 erreichten Ergebnisse primär dem
Angriffsgeist der Infanterie oder, zwischen den Positionen vermittelnder, jedenfalls nicht
primär den Tanks zuzuordnen: „Once again, did the Australian Corps perform better with
their tanks on 9 August? It cannot be said they did. For instance the 8th Tank Battalion,
there were very high casualties. ‘A’ Company lost 3 out of 3 tanks at Vauvillers […].”
Zitiert nach ebenda, S. 126. Siehe auch Stevenson, S. 526, und Pope/Wheal: Dictionary of
the First World War, S. 24, mit ähnlichem Tenor. Ein Indiz für eine alles andere als
perfekte Zusammenarbeit zwischen Infanterie und Tanks am 9.8.1918 liefert das
Kriegstagebuch des 31. Bataillons der kanadischen Infanterie, unter:
H[Link] .
2464
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 122.
604
sehr positiv darstellt 2465 , allerdings deutlich trennt, war das Herausstellen
von Mängeln, Problemen und Fehlern, die beim Versuch, den von
Ludendorff und Teilen der deutschen Militärgeschichtsschreibung der
Zwischenkriegszeit akklamierten, realen strategischen Erfolg aus der Gunst
der Stunde heraus militärisch tatsächlich zu erreichen, in Erscheinung
getreten waren 2466 . Blaxland 2467 (1968) hatte diese Probleme geradezu in
der Tradition des erwartungsgemäß mit allem, das Tanks und ihren Einsatz
durch die britische Führung betraf, unzufriedenen Fuller (1936) und eines
Guderian (1937), die allerdings beide den [Link] 1918 als entscheidenden
Erfolg der Tanks -Fuller sprach von einem „strategischen Waterloo“-
auffaßten, klar benannt 2468 . Festgehalten werden konnte eine Art bitterer
Beigeschmack des Sieges vor Amiens. Bestimmt wurde er dadurch, daß die
alliierten Streitkräfte selbst unter den ab Mitte des Jahres 1918 gegebenen,
sehr günstigen Voraussetzungen nicht dazu in der Lage waren, ein „Gefecht
der verbundenen Waffen“ über die Dauer eines Tages hinaus -und man
ergänze im Sinne der vorliegenden Arbeit: über die Rudimente eines längst
verlorenen deutschen Heeres und die Relikte seiner Abwehrdoktrin hinaus-
zu praktizieren 2469 .
Im Unterschied zu den nicht selten recht knappen Auslassungen über die
Schlacht vor Amiens, die man im Gegensatz zu der ihr dennoch
unterstellten Bedeutung besonders in Überblicksdarstellungen und im
Internet finden kann 2470 , ist zu unterstellen, daß es neben der durch
2465
Siehe Harris: Amiens, S. 104ff. Siehe auch Harris: Das britische Expeditionsheer, in
Duppler/Groß: Kriegsende, S. 120ff.
2466
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 117f.
2467
Dessen Arbeit wird interessanterweise im Literaturverzeichnis Travers’ (siehe ebenda,
S. 224) nicht genannt.
2468
Siehe Blaxland: Amiens, S. 184ff., Fuller: Erinnerungen, S. 272ff., und Guderian:
Achtung-Panzer! S. 116ff.
2469
Siehe Blaxland: Amiens, S. 184ff. und bes. S. 201, wo ein nach Amiens (wieder-
)gewonnener Glaube der britischen Truppen an einen „carefully planned, methodical blow“
statt eines irgendwie gearteten entscheidenden Schlages als Resultat der Schlacht angeführt
wird. Siehe auch Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 24.
2470
Siehe oben und zum Internet beispielsweise
H[Link] und
H[Link] oder, woraus zitiert sei (Text aus
605
Der von Fuller erwähnte Charakter der Schlacht vor Amiens als ein dem
Feind bereitetes Waterloo, war auf den ersten Blick, wie er selbst
eingestand 2474 , nicht auszumachen. Statt dessen war auf einen siegreichen,
ersten Tag einer Operation zu blicken, wie es solche zuvor schon häufiger,
etwa mit dem [Link] 1917 bei Arras, dem [Link] 1917 bei Wytschaete oder
dem [Link] 1917 bei Cambrai, gegeben hatte. Impliziert war darin in
früheren Fällen nicht gewesen, dem Kriegsende wesentlich näher
gekommen zu sein, oder diese Hoffnungen waren nach dem furiosen
Auftakterfolg relativ rasch wieder abhanden gekommen. In der
Wahrnehmung des „schwarzen Tages“ scheint dies insofern anders gewesen
zu sein, als daß er die Initialzündung für eine Kette kommunizierbarer
2473
Siehe bspw. Lendzian, Hans-Jürgen/Mattes, Wolfgang (Hg.): Zeiten und Menschen,
Bd. 3, Paderborn 2001, S. 275, oder Ballof, Rolf u.a.: Epochen und Strukturen. Grundzüge
einer Universalgeschichte für die Oberstufe, Bd. 2, Frankfurt a.M. 1996, S. 218. Ebenda
liest man: „In der Gegenoffensive setzten
die Alliierten besonders ihre überlegenen Tanks ein, gegen die die deutsche
Artillerie wehrlos war. Am 'schwarzen Tag', dem 8. August 1918, gingen sieben
deutsche Divisionen bei Amiens verloren. Danach begann der Zusammenbruch der
Mittelmächte: Bulgarien und die Türkei gaben auf.“
2474
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 278. Dasselbe galt für William-Ellis, die anführten, den
kriegsentscheidenden Charakter nicht mit letzter Sicherheit erkannt zu haben; siehe
William-Ellis: Tank Corps, S. 212.
607
2475
Siehe Kap. 11. und Abschn. 11.5.2.
2476
Siehe bspw. Captain R.J. Renison: The Battle of Amiens, in Canada- An Illustrated
Weekly Journal vom 21.8.1918, unter:
H[Link]
sNo=164H .
2477
Siehe Fraser, Lovat: The Germans Foiled In The West, in TWI vom 31.8.1918, S. 34:
„We have passed through perilous times, but we can now breath more freely, and there is
every reason to hold that in the west the enemy’s hour has gone beyond recall.” Siehe auch
ders.: Collapse Of The German Front, in TWI vom 7.9.1918, S. 50, und ders.: When Shall
We Reach The Rhine? In TWI vom 14.9.1918, S. 66, worin eine selbst durch
anerkanntermaßen hartnäckigen deutschen Widerstand ungebrochen positive Sichtweise
auf die bei Amiens und in den folgenden Angriffen errungenen Erfolge als militärische
Gezeitenwende präsentiert wird.
608
2478
Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 258: „Instead, he [der Feind] suddenly found himself
vigorously attacked and driven back in confusion by these ame enfeebled armies, led by a
fleet of tanks against he was practically powerless.”
2479
Siehe Fraser, Lovat: Foch’s New Attack Before Amiens, in TWI vom 24.8.1918, S. 18.
2480
Siehe Fuller: Tanks, S. 227.
2481
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 213.
2482
Siehe ebenda, S. 200: „With the prolonged running at high speed the interior of the
Tank rapidly became unbearable through heat and petrol fumes, and the crew were forced
to evacuate it and to take cover underneath. At this moment two of the crew were wounded,
one was sick, one fainted and one was delirious.”
609
swore forcibly and repeatedly that never again would they travel in tanks, not for all
the generals in creation!” 2483
2483
Zitiert nach Mitchell: Tank Warfare, S. 247. William-Ellis berichteten darüber, daß
Teile der Maschinengewehrtrupps im wortwörtlichen Sinne nur „abgeliefert“ worden waren
und andere die Fahrzeuge wegen der unerträglichen Zustände zuvor bereits verlassen
hatten, um zu Fuß auf ihre Ziele vorzugehen; siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 207.
2484
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 273, und zum Mythos Flesquières siehe Abschn. 9.3.f.
2485
Zum sogenannten „Plan 1919“, der eine Kriegsentscheidung an der Westfront im
Sommer 1919 durch den Einsatz von 10.500 Tanks herbeiführen sollte, siehe MO 1918,
Bd. 4, S. 545. App. V: Memorandum By The Chief Of The General Staff, 25th July, 1918:
British Military Policy 1918-1919, und Fuller: Erinnerungen, S. 279ff.
2486
Siehe ebenda, S. 274ff., und Fuller: Tanks, S. 228f.
610
2487
Fullers abrechnende Aussagen über Haig seien wegen ihrer Prägnanz und Schärfe an
dieser Stelle zitiert: „Es ist in der Tat seltsam, daß dieser Mann, dessen Eigensinn in der
Offensive uns beinahe in der Schlacht bei Ypern ruiniert hätte und dessen Eigensinn in der
Defensive uns beinahe in der Schlacht an der Somme ruiniert hätte, vom August an der
treibende Faktor der alliierten Armeen werden sollte. Das war in der Tat so und es muß ihm
zugute gehalten werden, denn niemand kann leugnen, daß er sich in den letzten hundert
Tagen des Krieges den Ereignissen anzupassen verstand wie eine Hand dem Handschuh.
Doch mir erscheint es noch seltsamer, daß diese Ereignisse nicht von ihm oder von seinen
Ideen herbeigeführt wurden, sondern durch den Tank und in nicht geringem Maße durch
meine Ideen. Das Fahrzeug, das er nicht begreifen konnte, welches er instinktiv haßte und
das er mit Freuden abgeschafft hätte, machte ihn zu einer der hervorragenden Gestalten des
Krieges. Doch am merkwürdigsten scheint es mir, daß ich, der ich ihn damals und jetzt
noch für einen der phantasielosesten und kurzsichtigsten Generale gehalten habe, der
jemals eine britische Armee befehligt hat, ein Mann, gegen dessen Steinzeitideen ich mit
Macht angekämpft hatte, daß ich seit Dezember 1916 eine so große Rolle in dieser seiner
Apotheose gespielt habe. Es würde falsch sein, zu behaupten, daß ich den Tank geschaffen
habe, denn ich formte nur seine Taktik, aber es ist richtig und historisch korrekt zu sagen,
daß der Tank Lord Haig groß gemacht hat.“ Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 299f.
2488
Siehe dazu Macksey, Kenneth: Tank Tactics 1939-1945, London 1976, S. 7f., und eine
informative und waffentechnisch illustrierte Seite im Internet:
H[Link]
1/[Link] .
611
Dieser sehr mit Fullers Person und Visionen verbundenen Anschauung, die,
seiner Meinung nach und aller Probleme und Fehler ungeachtet, doch den
bei Amiens errungenen historischen Sieg von „machine-power“ über „man-
power“ beinhaltete, stand in der Wahrnehmung späterer Betrachter
entgegen, daß es sich beim [Link] vielleicht weitaus weniger um einen
Erfolg des Tank Corps handelte, als durch dessen Protagonisten und deren
Epigonen suggeriert.
So ist hinsichtlich der Seite des Feindes anzuführen, daß seine bei Hamel
sichtbare Schwäche als ein entscheidendes Moment zum Angriff bereits in
der Operationsplanung zum [Link] angeführt worden war 2489 . Das rapide
und in Relation zu früheren Unternehmungen wenig verlustreiche
Vordringen entsprach also durchaus vorhandenen Hoffnungen auf eine
schone gesunkene Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Feindes,
die nicht zuletzt dadurch berechtigt waren, daß bei den Deutschen, wie Foch
über den [Link] gesagt hatte, „etwas in ihrem Mechanismus nicht in
Ordnung“ war 2490 . Dazu gehörte unterlassener Stellungsbau, dessen Fehlen
in der Operationsplanung der [Link] erkannt worden war 2491 und dafür
den Ausschlag gab, daß auf die Beteiligung der schweren Geschütze an der
Feuerwalze und auch auf die Mitnahme von Faschinen auf den Tanks
verzichtet werden konnte. Außerdem belegten Gefangenenaussagen nach
der Schlacht, daß wohl die Hälfte der Befragten mit einer bevorstehenden
Offensive gerechnet hatte, was berechtigterweise darauf hindeutet, daß die
Weitergabe von Informationen über alliierte Angriffsvorbereitungen
unterblieben oder irgendwo auf dem Dienstweg der Deutschen
steckengeblieben war 2492 . Der Grad der Schwäche der deutschen
Verteidiger wurde wohl nicht in vollem Ausmaß erkannt, was allerdings
seinen Grund im Auftreten wenigstens partiell hartnäckigen Widerstandes,
dem Heranziehen von Reserven und vor der Schlacht noch vorgenommener
Ablösungen hat. Außerdem darf man auf Basis der vorhergehenden beiden
2489
Siehe Kap. 12.
2490
Siehe Abschn. 11.5.1.
2491
Siehe MO 1918, Bd. 4, S. 12 und S. 552, App. VI: Fourth Army General Staff
Instructions, 31st July, 1st August And 4th August, 1918.
2492
Siehe Travers: How The War Was Won, S. 120.
612
Kapitel anführen, daß sie ja selbst auf deutscher Seite nicht vollends erkannt
und auf jeden Fall nicht in klaren Worten kommuniziert worden ist und ihre
Darstellung beim Sieger, sowohl im zeitlichen Kontext der
Kampfhandlungen ab dem [Link], als auch bei der Aufarbeitung des
Kriegsgeschehens seit Kriegsende 1918, den unliebsamen Charakter gehabt
hätte, die Leistung der eigenen Führung und Truppe zu schmälern.
Auf der Seite des Angreifers, der von offenkundigen Fehlern der Deutschen
so weit profitieren konnte, daß, wie Travers anführte, trotz der
Gefangenenaussagen im Feindaufklärungs-Bericht des Kanadischen Korps
der Nimbus vollständiger Überraschung dann quasi hemdsärmelig
kämpfender Verteidiger enthalten bleiben konnte 2493 , waren zudem aus
eigenem Antrieb die Bedingungen zumindest für einen grandiosen
Tageserfolg geschaffen worden. Neben dem Faktor Überraschung ist die
Ausnutzung von Nebel zu nennen, welcher Schutz bei der Annäherung an
den Feind gewährte und diesem die Möglichkeit zu koordiniertem
Feuerkampf nahm. Daß er zugleich ein zweischneidiges Schwert war,
welches die eigenen Kräfte behindern konnte, geht aus dem Gefechtsverlauf
allerdings auch hervor und fand seinen Niederschlag in einer Forderung
Fullers, (künstlichen) Nebel fernerhin nur noch als Abwehrmittel zu
betrachten und ihn aus Angriffsplanungen auszuschließen 2494 . Wesentlich
für den britischen Erfolg war ebenfalls gewesen, daß die britische Artillerie
dem deutschen Gegenüber durch die Zerstörung von
Kommunikationsmitteln und auch besonders durch das Niederkämpfen der
größtenteils erkannten Batteriestellungen erheblichen Schaden zufügen
konnte. Wie Harris in seiner Analyse der Schlacht festhielt, wurden
tatsächlich nur 27% der Verluste der [Link] durch deutsches
Artilleriefeuer hervorgerufen 2495 , was signifikant unter den sonst üblichen
Margen von etwa 75% im Stellungskrieg und immer noch mehr als 50% im
Bewegungskrieg lag 2496 . Für das ungünstige Verhältnis zwischen Verlusten
der deutschen Artillerie und der durch sie erzielten Wirkung, wie es von
2493
Siehe ebenda.
2494
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 275.
2495
Siehe Harris: Amiens, S. 106.
2496
Siehe dazu Riebicke, S. 177.
613
2497
Siehe Guderian: Achtung-Panzer! S. 118.
2498
Siehe Harris: Amiens, S. 107, und Travers: How The War Was Won, S. 121f. Zur
Parallelität der Verhältnisse am 18.7.1918 siehe Abschn. 11.3. und 11.5.
2499
Mit allergrößter Prägnanz wird dies in der schon lyrisch anmutenden Beschreibung der
Beisetzung von Gefallenen des Tank Corps deutlich, die zwar erst 1933 erschien, in sich
aber durchaus einen „authentischen“ Charakter trägt: „We returned to bury our comrades in
one long pit, with blankets for their shrouds. Even as the padre was reading the burial
service, we heard the fierce rat-tat-tat-tat of machine guns...The Canadians were launching
their attack. At the same moment the newspaper boys were racing and shouting down Fleet
Street and the Strand. Excited people eagerly grabbed a paper and read the unbelievable
news. The shouting spread to the city and the West End. ‘Great British victory! Piper!’
‘Triumph of the tanks! Piper!’ London thrilled with joy. The end was in sight at last…We
looked down the row of still forms, and wondered, what it all meant. ‘Ashes to ashes…Dust
to Dust…’ ‘Great British victory! Piper!’” Zitiert nach Mitchell: Tank Warfare, S. 255f.
614
Wie bei Arras 1917 ließ sich Ludendorff über den beunruhigend
verlaufenen ersten Tag der Schlacht durch zum Schauplatz des Geschehens,
zum AOK 2, entgesandte Offiziere berichten. Gewohnheitsgemäß noch
bevor die Erkenntnisse aus diesem Versuch, hinter die Kulissen der
betroffenen Armee und der Vorgänge einer für Ludendorff unerwartet
eingetretenen „schweren Niederlage“ 2500 zu schauen, dem Heer mitgeteilt
wurden 2501 und noch vor dem Eingang der schriftlichen Gefechtsberichte
der beteiligten Verbände, hatte der Erste Generalquartiermeister seine
Sichtweise fertig gefaßt. Dem erschütterten und dann zum Friedensschluß
gewillten Kaiser teilte er bei einem Lagevortrag am [Link] seine
vorgefertigte Meinung über das „Versagen der [Link]“ mit. Dieses war,
seiner Ansicht nach, nicht allein mit einer Übermüdung der Truppen zu
erklären 2502 , und er legte dar und empfahl, weiterhin keinen Fußbreit Boden
mehr aufzugeben. Wie Ludendorff später und mit einer wenigstens im
Kontext des Schocks vom [Link] gerade auch für den [Link]
anzunehmenden Aufrichtigkeit versicherte 2503 , ging es ihm von diesem
Moment an nur darum, eine gesicherte militärische Lage herzustellen und
unter „eventuellem“, langsamem Ausweichen die Grundlagen für
aussichtsreiche Friedensverhandlungen zu schaffen beziehungsweise in der
Hand zu behalten. Inwieweit diese Auffassung über einige wenige Tage und
einen auch dem Reichskanzler gegenüber im Geheimen geleisteten
Offenbarungseid vom [Link] 2504 hinaus bestimmend war, muß fraglich
sein. Schließlich verband sich mit dem ersten Eingeständnis des verlorenen
Krieges am [Link] sofort auch ein Hoffnungsschimmer in Form einer
Nachricht aus Wien. Diese besagte, daß der Verbündete, falls nötig, noch
2500
Siehe Foerster: Ludendorff. S. 42.
2501
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op.
vom 11.8.1918.
2502
Siehe Foerster: Ludendorff, S. 42.
2503
BA-MA, RH 61/51833: Bericht über eine Befragung Ludendorffs durch Archivrat
Volkmann Anfang August 1923, S. 10 (zu Frage 14) und S. 11 (zu Frage 14).
2504
Siehe Ludendorff: Kriegserinnerungen, S. 552f., und Auszüge aus dem Protokoll der
Besprechung zwischen dem Kaiser, der OHL und der Reichsleitung finden sich in
Otto/Schmiedel, Dok. Nr. 129, S. 313f.
615
bis zum Frühjahr 1919 durchhalten könne 2505 . Das Frühjahr 1919 spielte
insofern eine geradezu magische Rolle, weil bis dahin die von der OHL als
Teil des militärischen Hauptdefizits aufgefaßten Mängel, fehlende Tanks
und zu wenige Tankabwehrwaffen, beseitigt sein würden 2506 . Gegen die
andere Hälfte des wenigstens seit den Geschehnissen im „Marnebogen“
feststehenden militärischen Problemkomplexes in den Augen der OHL, die
Fehler einer offenbar kampfunwilligen Truppe und die Kopflosigkeit und
Weichheit ihrer Führung, hoffte Ludendorff offenbar, in Übereinstimmung
mit bekannten Verfahrensweisen und jüngsten Verlautbarungen, etwas
erreichen zu können.
So war eine erste Reaktion auf die aktuelle Situation, daß er seine Fachkraft
für militärisch besonders schwierige Lagen, Loßberg, noch am [Link] aus
einem Heimaturlaub zurückgerufen und in der Funktion als Stabschef der
baldigst 2507 neuzubildenden Heeresgruppe des bislang „ungeschlagenen“
Generalobersten von Boehn zur Lageorientierung in den Bereich der zu
führenden 9., 18. und [Link] gesandt wurde 2508 . Dieser Umorganisation
der Verhältnisse im Zentrum der Westfront lag augenscheinlich ein
gesunkenes Vertrauen Ludendorffs gegenüber bestimmten hohen Offizieren
zugrunde. Beim durch den [Link] belasteten Befehlshaber der [Link], von
Eben, der nun die Armee-Abteilung A übernahm, fiel die Abstrafung noch
verhältnismäßig glimpflich aus. Beim zum Kommandeur einer nicht einmal
dem Friedensheer zugehörigen Infanterie-Brigade deklassierten Stabschef
des AOK 2, Oberst von Tschischwitz 2509 , besaß sie den Charakter einer
harschen Abstrafung in der Manier des „Falls Nagel“ bei Arras 1917 2510 .
Wie Ludendorff sich im Zusammenhang mit der Absetzung Tschischwitz’
gegenüber Generaloberst von Einem, dem Vorgesetzten des zum neuen
Stabschef des AOK 2 bestimmten Oberstleutnant Klewitz, ausdrückte, sollte
2505
Siehe Foerster: Ludendorff, S. 43.
2506
Siehe Abschn. 11.5.2. und BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-
Abwehr, S. 245ff.
2507
Die Befehlsübernahme erfolgte am 12.8.1918.
2508
Siehe dazu Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 352f.
2509
Siehe Ehren-Rangliste, S. 340, und Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 303 (Eintrag
zum 10.8.1918).
2510
Siehe Abschn. 5.6.2.
616
hierdurch tatsächlich „die über alle Maßen große Schweinerei“ (sic!) bei der
[Link] in Ordnung gebracht werden 2511 .
Von naheliegenden praktischen Maßnahmen zur Beseitigung der kritischen
Lage, die über Organisations- und Personalveränderungen hinausgingen,
wollte er nichts wissen, falls sie nicht konform zum eingeforderten starren
Durchhalten waren. So konnte der am [Link] durch Tschischwitz und
Marwitz persönlich über die ihnen unhaltbar erscheinende Lage des AOK 2
informierte Kuhl seine Ansichten zu einer ihm nun geboten erscheinenden
Zurücknahme der Front genausowenig bei Ludendorff durchsetzen 2512 wie
Loßberg, der die Aufgabe der exponierten Frontbogen auch früher schon
angeregt hatte 2513 . Die Schuld Ludendorffs, der für die für Truppe und
Führung so schwierigen Ausgangssituationen der Abwehrkämpfe seit
Frühjahr 1918 und damit letztlich für die katastrophalen Gefechtsverläufe -
auch erst einmal fern der Frage nach Kopflosigkeiten, Tanks und
friedenspolitischer Agitation aus der Heimat- verantwortlich war, hatten
beide Generalstäbler erkannt 2514 . Auf die Bewertung des Geschehens und
die kommenden Ereignisse hatte dies keinen Einfluß. Und so konnte erst am
[Link] das erste Merkblatt über den tatsächlich schon seit Mitte Mai
bekannten und in der britischen Presse auch bereits vorgestellten 2515
Whippet -dem auch erst am 20. des Monats ein Merkblatt zum FT-17
folgte 2516 - von der OHL herausgegeben werden 2517 , ohne daß damals oder
2511
Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 424 (Eintrag zum 10.8.1918).
2512
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 176f.
2513
Siehe Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 352.
2514
Siehe BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, bspw. S. 160f. (siehe auch Kap.
11.), und Loßberg: Meine Tätigkeit im Weltkriege, S. 353. Ebenda ist zu lesen: „Es [der
8.8.1918 bei der [Link]] war wohl die größte Niederlage, die eine deutsche Armee im
Weltkriege erlebt hat. Diese Katastrophe fiel aber letzten Endes auf General Ludendorff
zurück, der die Widerstandskraft der durch die große Schlacht in Frankreich errichteten
deutschen Kampffront weit überschätzt und meinen Vorschlag am 19.7., diese Front in die
Siegfriedstellung zurückzunehmen, nicht durchgeführt hatte.“
2515
Siehe TWI vom 22.6.1918, S. 325.
2516
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0070: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic
Nr. 94468 vom 20.8.1918. Auch über dieses propagandistisch als „Mosquito-Tank“
bezeichnete Fahrzeug war bereits in der feindlichen Presse berichtet worden; siehe TWI
vom 3.8.1918, S. 424.
617
später auf die Kuriosität dieses Umstandes besonders verwiesen worden ist.
Das Gegenteil war der Fall. Denn betrachtet man etwa die Aufzeichnungen
General von der Marwitz’, der davon sprach, daß ihm die bei Cambrai
eingesetzten Tanktypen weiterhin nichts ausgemacht hätten, vor Amiens
aber schnellere und beweglichere Fahrzeuge –man erinnere sich jetzt an die
Mär vom „Day of ‚the Whippet’“ 2518 - aufgetreten seien 2519 , so wird
deutlich, daß im Zusammenhang mit den Tanks entweder ein gravierendes
Vermittlungsproblem vorlag und, beziehungsweise oder, bestimmte Herren
in verantwortungsvollen Positionen ihren Aufgaben nicht gerecht wurden
und früher oder später danach trachteten, diese Tatsache vor ihrem Ego und
der Nachwelt zu verbergen 2520 .
Die am [Link] 1918 von der OHL herausgegebene Erklärung zum
Desaster vor Amiens entspricht dieser naheliegenden Vermutung und
knüpfte in Stil und Inhalt nahtlos an die realitätsfremden Appelle und
Verlautbarungen zu den Kämpfen im „Marnebogen“ an. Als Gründe für die
Niederlage der [Link] wurde bezeichnenderweise erstens angeführt, daß
sich die Truppe überraschen und durch „Massentankangriff“ aus der
Fassung habe bringen lassen. Zweitens führte die OHL an, daß keine
ausreichend ausgebauten Stellungen vorhanden gewesen seien und drittens,
daß die Artilleriezuteilung fehlerhaft gewesen sei, wodurch den für
Gegenstoß und Gegenangriff bereitgestellten Einheiten die Unterstützung
im Kampf gegen durchgebrochenen Feind gefehlt habe 2521 . Die Weisungen
zur Beseitigung der attestierten Fehler, die sich sämtlich auf Tanks und ihre
Bekämpfung bezogen und Faktoren wie die physische und psychische
2517
Siehe KA, HGr Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0052: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic
Nr. 92657 geh. op. vom 10.8.1918, und Abschn. 10.1.
2518
Siehe Abschn. 12.5.1.
2519
Siehe Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 304 (Eintrag zum 10.8.1918).
2520
Die einfühlsamen Worte v. d. Marwitz’ über die Situation seiner Stellungstruppen, die
real geradezu schutzlos auf „Äckern“ lagen und de von Foch geforderten massiven Angriffe
geradezu herausforderten, liest sich im Kontext der Entwicklungen des Jahres 1918 weitaus
weniger vorteilhaft für den General, als dies auf den ersten Blick der Fall sein dürfte.
2521
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op.
vom 11.8.1918. Vergleiche dazu das Beispiel des GR 2 und anderer zum Eingreifen
herbeigerufener Teile in Abschn. 12.3.
618
2522
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op.
vom 11.8.1918, Ziff. 2: „Weit mehr als bisher muß im Stellungsbau und in Anlagen zur
Tankabwehr verlangt werden und der Abneigung der Truppen zu Schanzen mit allen
Mitteln entgegengewirkt werden. [... .] Hier [hinter der Kampfzone] kommt es vor allem
darauf an, sich gegenseitig flankierende Stützpunkte durch zur nachhaltigen Verteidigung
eingerichtete und verdrahtete Ortschaften, Fermen, Waldstücke, Geländeeinschnitte,
Straßendämme zu schaffen und die Tankabwehranlagen herzustellen. [... .] Es muß völlig
ausgeschlossen sein, daß durch die vorderste Linie durchgebrochene Tanks, ohne
Hindernisse und Widerstand zu finden, auf und neben den Straßen meilenweit bis in
[hervorgeh.] die Quartiere von Divisionsstäben durchstoßen können.“ Siehe auch ebenda,
Ziff. 4.d).
2523
Siehe ebenda.
2524
Zum Stellungsbau siehe Abschn. 6.5.2., 10.1., 11.5.2. und 12.2.
2525
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op.
vom 11.8.1918, Ziff. 3.
619
2526
Siehe dazu Abschn. 7.2.
2527
Siehe Abschn. 12.2.
2528
Siehe dazu Abschn. 7.2. und HStAS, M 33/2, Bü. 330, Bl. 66: AOK 2 Abt. Ia. Nr.
700/April Geheim. vom 11.4.1917, Ziff. 3: „Ich bin mir bewusst, dass diese Grundsaetze
[des neuen Abwehrverfahrens] nicht neu sind und dass hoeher als alle theoretische
Belehrung der Geist der Truppe wiegt. Daher Aufrechterhaltung der strengen Manneszucht,
Erziehung zu energischen Gegenstössen, Durchdringung aller Mannschaften mit dem
Grundsatz, dass eine brave Truppe, auch wenn sie abgeschnitten ist, weiter kaempft, bis sie
durch Gegenstoss befreit ist, oder sich durchschlaegt.“
2529
Dasselbe ist über eine Verlautbarung Hindenburgs zu sagen, die unter Appell an eine
preußisch-deutsche Tradition zum Durchhalten darauf verwies, daß bewegliche
Verteidigung nicht mit einem auch von der Führung zu oft und leichtfertig befohlenen,
vorzeitigen Aufgeben der Haupt-Widerstands-Linie gleichzusetzen sei. Die Stellungen
seien „auch gegen fdl. Uebermacht um jeden Preis zu halten“. Siehe BA-MA, PH 3/294,
Bl. 19: [Link] Abt. Ia No 2521 pers. vom 20.9.1918.
2530
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 330: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ia/II Nr. 9757 geh. op.
vom 11.8.1918, Ziff. 4.a).
620
zum Zurückgehen der eigenen Linie bedeuten könne 2531 , war den
Ausgangslagen des „schwarzen Tages“ und seiner Vorgänger seit
Malmaison im Oktober 1917 ebenfalls völlig unangemessen. Mit der
folgenden Rekapitulation der in und hinter Kampfzone beweglich bereit-
beziehungsweise in günstig angelegten Positionen aufzustellenden
2532
Feldartillerie sowie der infanteristischen Tankabwehrmittel
(Minenwerfer 2533 , Maschinengewehre und Tankgewehre 2534 ), lieferte die
OHL den unterstellten Stäben und Verbänden keine grundsätzlich neuen
Ratschläge.
Hierzu paßte auch die Weisung vom [Link] 1918, die inhaltlich
allerdings etwas präziser gefaßt war und sich mit den jetzt besonders
wichtigen „mechanischen Mitteln“ der Tankbekämpfung
auseinandersetzte 2535 . Mitgeteilt wurden die Erfahrungen des [Link] mit
Minen am [Link] 1918 2536 und der generell gehaltene Befehl zum
Improvisieren dieser Waffen sowie anderer Elemente der passiven
Tankabwehr. Der Zwang zu Improvisationen sowie eine erstaunliche
Unkenntnis über Anlage und Ausführung von Tankabwehr-Hindernissen
führte, trotz aller guten Absichten der betroffenen Soldaten und
Dienststellen, mancherorts zu merkwürdigen Blüten. So beurlaubte das
Pionier-Bataillon 242 einen Hauptmann nach Deutschland, um dort ganz
privat für die Herstellung eines von ihm persönlich entwickelten
Minenzünders zu sorgen, und das Bataillon selbst begann Ende August an
der Aisne mit dem Bau eines Tankgrabens in den längst überkommenen
aber offensichtlich und bezeichnenderweise nie deutlich genug als unsinnig
vermittelten 2537 Dimensionen von 2,50m Breite und 2m Tiefe 2538 .
2531
Siehe ebenda, Ziff. 3.
2532
Siehe ebenda, Ziff, 4.a).
2533
Siehe ebenda, Ziff. 4.b.)
2534
Siehe ebenda, Ziff. 4.c).
2535
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 018: [[Link] Ia Nr. 6846 vom 19.9.1918:] Chef d. Genst.
d. Feldheeres II Nr. 9840 geh. op. vom 15.8.1918.
2536
Siehe Kap. 11. und Abschn. 12.2.
2537
Das Bataillon folgte den Dimensionen des Grabens nach einer Verlautbarung der
Heeresgruppe Rupprecht von Ende April 1918, welche durch den Einsatz von Faschinen
bei Cambrai und den Verlauf der vorausgegangenen Kämpfe längst überholt war; siehe
621
Sei es, ob nun die Angst vor persönlicher Sanktionierung oder die davon
alles andere als losgelöste Sorge um den potentiell bedrohten eigenen
Abschnitt den Ausschlag gab, die Weisungen der OHL nach dem [Link]
zogen jedenfalls in den Stäben der Westfront eine tankbezogene
Geschäftigkeit nach sich, wie sie in diesem bis zum Kriegsende reichenden
Ausmaß nur mit Aktivitäten in der Zeit zwischen September 1916 und Mai
1917 zu vergleichen ist. Jetzt spätestens wurde der Tank, auf dessen
Bekämpfung alle Anstrengungen von Stäben und Einheiten verschiedenster
Waffengattungen unter der Prämisse, das hiervon -und nicht von
mangelnden Grabenstärken, fehlenden Geschützen und fehlender Munition-
Sieg und Niederlage, das „Durchstehen“ schwerer Lagen oder „ehrloses“
Kapitulieren abhängig sei 2539 , zu einem Mythos. Ein Mythos, in dem sich
Bilder tapferster aber schließlich oft genug sinnloser Gegenwehr, eines
materiell unbesiegbaren Gegners, dem die an Symbolkraft unübertreffliche
Ikone „Tank“ bei jedem größeren Angriff vorausgetragen wurde, Verrat
aller Facetten und aus allen Richtungen, enttäuschter Hoffnungen,
menschlich verständlichster Resignation und Verzweiflung frei verbinden
lassen konnten. Hinzu kam die Vorstellung eines bis zuletzt doch
ungeschlagenen Heeres unter den jeweils verschiedenartigen Vorgaben
gesellschaftlicher und historischer Rahmenbedingungen und Strömungen
der letzten 90 Jahre.
Nach dem [Link] 1918 wurden die Truppen von „neuesten“ Mitteilungen
und Befehlen, die als Resultate schwerer Niederlagen und grob
vorgeworfenen Versagens allesamt in harsche Appelle an Durchhaltewillen
und Improvisationskunst gehüllt waren, geradezu überschwemmt 2540 . Einige
dazu Abschn. 5.6.2., 8.2. und 9.6.2. bzw. KA, HS 3402: HGr Rupprecht Art. Nr. 15395
vom 28.4.1917.
2538
Siehe HStAS, M 200, Bü. 137: KTB Pi. Btl. 242, Einträge ab dem 28.8.1918.
2539
Das AOK 2 interpretierte die Gefahren in einer ersten schriftlichen Würdigung der
Ereignisse des 8.8.1918 bezeichnenderweise dahingehend, daß von nun an immer mit
Tankangriffen zu rechnen sei und daher alle Gegenmaßnahmen gegen diese zu richten
seien; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0063: AOK 2 Ia Nr.
863/Aug. geh. vom 20.8.1918, Ziff. 1 und 2.
2540
Zu diesem Mythos gehörte auch, daß die OHL in Weiterentwicklung der kollektiven
Tankprämie von 1917 und ihrer aus dem [Link] gewonnenen Überzeugung heraus, daß
622
Beispiele höherer Stäbe seien stellvertretend genannt, bei denen eine auf
dem Weg bis zum Unterführer an der Front nachfolgende Summierung
schriftlich mitgeteilter Ratschläge, Weisungen und Befehle von
Dienststellen vorauszusetzen ist.
Das AOK 6 verkündeten seinen Truppen am [Link], daß bei der 2. und
[Link] 1.000 Tanks eingesetzt worden seien, davon noch mehr für
weitere Großeinsätze bereitstünden und diesbezügliche Abwehrmaßnahmen
aller bekannten Arten nun allein ausschlaggebend für die erfolgreiche
Verteidigung der Stellungen sein würden 2541 . Die Heeresgruppe Kronprinz
hatte am Vortag bereits die Parole ausgegeben, daß mit dem „Masseneinsatz
von Tanks“ zu rechnen sei und richtete ihr Augenmerk unter diesem
Gesichtspunkt tatsächlich auch auf die Frage der Witterungs- und
Beobachtungsverhältnisse, welche direktes Schießen der Feldartillerie
beeinträchtigen konnten. Als Ausweg aus einer solchen, ihr vom [Link] her
bekannten sehr prekären Lage, die als wesentlicher Teil des Geschehens
vom [Link] im Tenor der offiziellen Verlautbarungen schriftlich noch gar
nicht zur Beachtung gekommen war 2542 , wurde die durch Rohr- und
Schriftverkehr dokumentiert worden sind. Die beiden Köpfe der Heeresgruppe, der
Kronprinz und sein Stabschef, v.d. Schulenburg, hatten zweifellos alle Mittel, Wege und
Beziehungen, um sich, abseits der von Ludendorff an das gesamte Heer gerichteten
Verlautbarungen, ein Bild der Lage zu verschaffen. Der Nebel des 8.8.1918 scheint
demzufolge als ganz wesentlicher Bestandteil der Bedingungen für die verheerende
Niederlage das AOK 2 noch vor Bekanntwerden der Gefechts- und Erfahrungsberichte
kommuniziert worden zu sein.
2543
Siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 018: [[Link] Ia Nr. 6846 vom 19.9.1918:] Auszug aus
HGr Kronprinz Ia Nr. 6320 geh. vom 11.8.1918.
2544
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0044: AOK 17 an HGr
Rupprecht vom 14.8.1918.
2545
Siehe ebenda, Bl. 0045.
2546
Siehe ebenda, Bl. 0049.
2547
Siehe dazu Abschn. 7.2. Am 17.8.1918 wurde nun auch von der Seite der OHL nach
„Holzmodellen“ der feindlichen Tanks für Schulungszwecke gefragt, die bei
entsprechender Nachfrage im Auftrag der OHL gefertigt werden könnten; siehe KA,
Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0054: OHL vom 17.8.1918.
624
2548
Siehe ebenda, Bl. 0072: AOK 6 vom 23.8.1918. Anläßlich dieser ersten, bis zum 30.8.
durchgeführten (siehe ebenda, Bl. 0076 und Bl. 0089) experimentellen Vorführung beim
Sturm-Bataillon 6 in Tournai entstand ein eindrucksvoller Bildbericht, der vom General der
Pioniere des AOK 6 veröffentlicht wurde; siehe BA-MA, PH 3/975: AOK 6 Pi/Tank No
70581 vom 6.9.1918.
2549
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0076: HGr Rupprecht Iaf
Nr.64714 vom 25.8.1918. Die Vorführungen bestanden aus fahrerischen Einlagen, einem
Vortrag über passive Tankabwehr, Vorführungen zur Wirkungsweise von
Tankhindernissen und Minen sowie Beschußtests auf ältere Beutetanks mit
Maschinengewehr, Handgranate und leichtem Minenwerfer (siehe dazu auch ebenda, Bl.
0062).
2550
Erinnert sei daran, daß das AOK 1 beim Bau der Siegfried-Stellung „Fanggruben von
10-15m Breite und 3-4m Tiefe verlangt hatte; siehe dazu Kap. 5.
2551
Siehe HStAS, M 200, Bü. 137: KTB Pi. Btl. 242, Eintrag zum 31.8.1918.
2552
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0153: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ib Nr. 98473 op. vom 17.9.1918. Angekündigt wurde die Zuweisung von zwei
kleinen Flammenwerfern, die später auf sechs je Kompanie aufgestockt werden sollten.
625
2553
Siehe hierzu Gleich: Die alte Armee, S. 94. Der frühere General hielt in seiner
kritischen Studie zu den „Verirrungen“ der Armee hinsichtlich des Berichtswesens fest: „In
manchen Fällen aber hat die Berichterstattung von unten nach oben tatsächlich versagt,
weil manche Offiziere schon im Frieden aus einer übertriebenen und falschen Rücksicht
sich mitunter scheuten, dem Vorgesetzten die volle und ganze Wahrheit zu berichten.“
2554
Die Auswirkungen des Berichts lassen sich auch an der Erwähnung der [Link] anläßlich
der Besprechung über die Fortführung des Krieges am 17.10.1918 in Berlin erkennen; siehe
dazu Ludendorff: Urkunden, S. 561, und Kap. 13.
2555
Siehe TG IR 18, S. 380f. Der angeführte Divisionsbefehl der [Link] beinhaltete die
Sätze: „Leider haben aber auch viele Soldaten der Division ihre Pflicht nicht erfüllt. Alle
diejenigen, die nicht Front gemacht haben, als der Feind sie nicht mehr drängte, die, anstatt
die vorderste Linie aufzusuchen und zu halten, die Front für den Feind frei machten und die
Bagagen oder Peronne oder sonst einen sicheren Ort aufsuchten, haben ihre im Fahneneid
beschworene Pflicht schwer verletzt. Sie haben vor ihren Vorgesetzten und Kameraden und
626
vor ihrem Gewissen eine schwere Schuld wieder gutzumachen. Aber ganz ehrlos und
vaterlandsverräterisch haben die gehandelt, die ihre Waffen fortwarfen, um schneller
fortzukommen und um nicht wieder in den Kampf geführt werden zu können.“
2556
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: [Link] I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918.
2557
Siehe ebenda, Ziff. 1.)b).
2558
Siehe Abschn. 12.5.
2559
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: [Link] I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918, Ziff.
1.)a), und ebenda, Bl. 63a: [Link] Ia Nr. 195/VIII. vom 17.8.1918.
2560
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918.
2561
Da der Bericht vom 21.8. datiert, kann man annehmen, daß er zumindest unter Klewitz’
Regie entstanden ist. Dies wäre gegebenenfalls ein deutlicher Hinweis auf die Eindeutigkeit
des das AOK 2 grundsätzlich entschuldigenden Gesamtbildes von Ausgangsbedingungen
und vom Verlauf der Kämpfe oder auch dafür, daß dem vormaligen Stabschef des AOK 3
diese oder ähnlich negative Verhältnisse aus seinem früheren Führungsbereich durchaus
bekannt gewesen sind.
627
2562
Zitiert nach HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918,
Ziff. 33.).
2563
Siehe ebenda, Ziff. 17.).
2564
Siehe ebenda, Ziff. 13.).
2565
Siehe ebenda, Ziff. 14.).
2566
Siehe ebenda, Ziff. 15.).
628
Untersuchung der Kämpfe bei Cambrai hätten verleiten können 2567 . So blieb
eine ambivalente, aber gewiß nicht befriedigende Leistung der
infanteristischen Abwehrwaffen zu attestieren. Diese spiegelte sich auch
hinsichtlich der Erfahrungen mit Tankgewehren und Minen wider. Die
13mm Gewehre wurden wegen ihrer langsamen Schußfolge als nur geringer
Gewinn betrachtet 2568 und die Minen, bei denen man eine gute Wirkung
festgestellt haben wollte, was trotz eines in der Literatur zu den Ursachen
der deutschen Niederlage auffindbaren Hinweises auf eine diesbezügliche
Falschmeldung tatsächlich durchaus der Fall sein kann 2569 , waren zwar
Hoffnungsträger, aber noch zu wenig zahlreich gewesen 2570 .
Die Lösungs- und Verbesserungsvorschläge des AOK 2 basierten auf der
Betrachtung der eingesetzten Abwehrwaffen und auf der Erkenntnis, daß
vom Feind in Form „großer Tanks“, der Mark V*, die mit Hindernisbauten
fertig werden würden 2571 , und „gepanzerter Autos“ mit 20km/h
Geschwindigkeit 2572 Typen genutzt worden waren, welche neue Probleme
2567
Siehe Abschn. 9.6.2.
2568
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff.
16.).
2569
Dietz berichtete über einen Stabsoffizier, der es versäumt hatte, in seinem bedrohten
Abschnitt vor dem 8.8.1918 Minen auslegen zu lassen, später aber die Zerstörung von zwei
in Wahrheit durch Artilleriefeuer kampfunfähig gewordenen Tanks reklamierte und auch
auf Nachfrage von Vorgesetzten hin über seine positiven Erfahrungen mit Minen Auskunft
gab; siehe dazu Dietz: Der Todesgang, S. 75.
2570
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff.
19.).
2571
Siehe ebenda.
2572
Siehe ebenda, Ziff. 5.)b.). Die Panzerwagen, von denen keiner abgeschossen worden
war und untersucht werden konnte, waren im Bericht der [Link] als „neuer Tank“ mit
35km/h Geschwindigkeit und einer anzunehmenden größeren Empfindlichkeit gegenüber
Beschuß klassifiziert worden. Bei genauerer Betrachtung ist der Bericht der [Link] ziemlich
vage, was den Einsatz neuer Fahrzeugtypen anbelangt. So ist eine Trennlinie zwischen den
langsamen und für die Artillerie leicht zu bekämpfenden Mark V und V* genausowenig
erkennbar wie zwischen den Whippets und den Panzerwagen. Die Division verfaßte ihren
Bericht offensichtlich auf Basis wenig präziser und kaum verbürgter Zeugnisse, womit ein
grundsätzliches Problem mit der Quellenart der Gefechtsberichte und Kriegstagebücher
einmal mehr überdeutlich gekennzeichnet ist; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 63a:
[Link] Ia Nr. 195/VIII. vom 17.8.1918.
629
2573
Siehe ebenda,, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff.
22.) und 23.).
2574
Siehe ebenda, Ziff. 20.).
2575
Siehe ebenda, Ziff. 25.) und 21.).
2576
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0108: AOK 6 Ia/Pi Nr.
4399 geh. vom 3.9.1918. Bezeichnend für das grundsätzliche Problem beim Aufbau eines
„Tankforts“ ist die hier enthaltene Forderung nach einem „energischen“ Offizier als
Kommandant, der dazu gewillt sein sollte, „bis zum letzten Mann auszuhalten und alle
erreichbaren Tanks zu vernichten“. Der situationsbedingte Hilferuf -oder besser: der
verzweifelte Appell, an die Truppe bzw. die diesem Kommandanten unterstellten Soldaten-
„nicht den Kopf zu verlieren“, war in der Weisung ebenfalls enthalten. Im Trubel der
Kämpfe seit Ende August scheinen diese Ideen letztlich nicht mehr flächendeckend
umgesetzt worden zu sein. Was im Gegensatz zu Belegen für Umsetzung und etwaige
Erfolge allerdings vorhanden ist, sind zahlreiche Weisungen zu intensiver Schulung des
rückwärtigen Personals in der Tankbekämpfung; siehe bspw. HStAS, M 33/2, Bü. 300:
AOK 3 Ia Nr. 9248 wk. geheim vom 30.8.1918.
2577
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0139 vom 5.9.1918 und
folgende Blätter als Teil der Diskussion zwischen höheren Stäben um die Organisation der
Tankabwehr. Ergänzend zu den ersten Ausführungen des AOK 6 wurde von der
Heeresgruppe Rupprecht die Zuweisung von K-Flak und Lkw angeregt, was eine als
notwendig erachtete Mobilität der aus „Ordonnanzen, Schreibern usw.“ zu bildenden
Fortbesatzungen garantieren können sollten (siehe ebenda Bl. 0144). Zur Schulung der
630
„rückwärtigen Teile“ in der Tankabwehr siehe auch BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 47:HGr
Kronprinz Ia,c Nr. 6343 (als Abschrift der [Link] datiert vom 14.8.1918).
2578
Siehe ebenda, Bl. 0108: AOK 6 Ia/Pi Nr. 4399 geh. vom 3.9.1918. Als Ausstattung
wurden 1-2 nicht weiter spezifizierte „Geschütze“, 1-2 lMW, 2 MG, 3-4 Tankgewehre, 1-2
Flammenwerfer und zahlreiche Handgranaten empfohlen.
2579
Praktische Erfolge der „Tankforts“ und ihrer Besatzungen ließen sich durch den
Verfasser nicht feststellen. Dem stehen auf nicht näher spezifizierter Basis entstandene
englischsprachige Äußerungen in einem lexikalischen Werk entgegen, worin sich
bemerkenswert positiv über ihre Wirkung in den letzten Kriegswochen ausgesprochen
wird; siehe Pope/Wheal: Dictionary of the First World War, S. 462. Auch Goya, S. 362,
erwähnt die Anlage der Forts.
2580
Siehe etwa HStAS, M 200, Bü. 157: GK [Link] Ia Nr. 4418 op. geh. vom 10.9.1918,
Ziff. 2.). Da die Kämpfe der auf den 8.8.1918 folgenden Wochen denselben Charakter
hatten wie jene in den beiden „Tankschlachten“ zuvor, mag es kaum verwundern, daß in
den Gefechtsberichten –jedenfalls denen, die vom Verfasser eingesehen wurden- keinerlei
Rückmeldung über erfolgreiche Tankabwehr aus den „Forts“ heraus feststellbar ist.
2581
Siehe Abschn. 9.6.2.
2582
Siehe Baur de Bataz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 152.
631
2583
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff.
18.): „[Link]’s haben wieder hervorragende Dienste geleistet.“ Mit sieben Abschüssen
waren die K-Flak nachweislich von der [Link] zuvor besonders positiv hervorgehoben
worden; siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 67: [Link] I Nr. 1042 geheim. vom 16.8.1918,
Ziff. 2)d). Wahrscheinlich eben diese sieben Abschüsse, erzielt durch die K-Flak 29,
meldete auch der Bericht des Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte in seinem
Bericht zum 8.8.1918; siehe Baur de Bataz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 295.
2584
Siehe Nehring: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau Heft 2/1936, S.
189ff.
2585
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt 210, Bl. 0145: HGr Rupprecht Ic No.
67266 vom 14.9.1918.
2586
Siehe dazu Abschn. 9.6.2.
632
13. „Und die Tanks nächstes Frühjahr?“ 2587 Tanks und Tankabwehr in
den letzten Wochen des Krieges.
Abb. 13: Karte zu den Angriffsoperationen der Alliierten bis Kriegsende 2588 .
2587
Im Rahmen dieses Kapitels wurde auf Querverweise weitgehend verzichtet, sofern
diese nicht mit dem originalen Wortlaut von Zitaten verbunden sind, oder direkten Bezug
zu Aussagen innerhalb von Anmerkungen oder Inhalten dieses und oder eines anderes
Kapitels haben.
2588
Abb. nach Volkmann: Der große Krieg, S. 288.
633
Hierbei war und blieb die Rolle von Angreifer und Verteidiger bis
Kriegsende so eindeutig verteilt, wie sie es im Jahr 1917 gewesen war. Auf
diese Operationen ausführlicher einzugehen scheint unnötig, obwohl es sich
bei ihnen nicht, wie Fuller es sehen wollte, um „kleinere
2589
Kampfhandlungen“ in der Folge des [Link] handelte, sondern,
zumindest aus deutscher Perspektive, um die schwersten und
verlustreichsten Kämpfe des gesamten Krieges 2590 . Die Ursache dazu, sie
hier nicht detailliert zu beschreiben, liegt darin begründet, daß das
Zurückwerfen des deutschen Heeres in Belgien und Frankreich in
Einzelschritten, wie es am [Link] von den Franzosen zwischen Oise und
Aisne und am [Link] von den Briten nördlich der Somme wieder
offensiv in Angriff genommen wurde, keine wesentlich neuen Erkenntnisse
für das in dieser Arbeit behandelte Thema bietet.
Das Tank Corps, an allen namhaften Operationen der letzten Wochen bis
zum Waffenstillstand als Speerspitze beteiligt, kam nach dem [Link]
nicht wieder auf eine mit diesem Datum verbundene oder vergleichbare
Einsatzstärke. Es mußte als Geräteersatz auf Mark IV zurückgreifen und
konnte vor Bapaume am [Link] nur rund 200 Fahrzeuge versammeln,
von denen 37 durch direkte Treffer verloren gingen 2591 . Bei den nach 1917
wiederum entbrannten Kämpfen um die Relikte der einmal mehr in den
Fokus des Interesses gerückten Siegfried-Stellung Ende September standen
knapp 400 Panzerwagen und Tanks, darunter 40 Tanks des hier erstmalig
eingesetzten, amerikanischen [Link], zur Verfügung 2592 . Über die
Zahl der tatsächlich an einem Tag ins Gefecht gerollten Fahrzeuge –am
2589
Siehe Fuller: Erinnerungen, S. 278. Einen Überblick über die französischen
Tankeinsätze zwischen August und November 1918 bietet Goya, S. 357ff.
2590
Siehe bspw. KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 117, Akt: 173, Bl. 24: HGr Rupprecht
Iab Nr. 9273 geh. vom 28.8.1918, zu den Kämpfen nördlich der Somme: „Die Kämpfe bei
der [Link] haben bisher einen derartig starken Kräfteverbrauch erfordert, wie noch an
keiner Stelle der Westfront.“
2591
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 96f., und Fuller: Tanks, S. 252f.
2592
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 102f., und zum Einsatz des Bataillons vom
29.9.-23.10.1918 den Bericht bei Fletcher: Tanks and Trenches, S. 184f.
634
[Link] waren es laut Fuller nicht mehr als 175 2593 - und deren
Verluste sind in der Literatur nur wenige Angaben zu finden, die allerdings
bezeichnend sein dürften. Ein Bataillon Mark V*, das am 27. dieses Monats
gegen den Bourlon-Wald und Flesquières vorging, verlor von 26
Fahrzeugen 11 im deutschen Abwehrfeuer und von 34 amerikanischen
Tanks fielen zwei Tage später 24 in einem bis dahin unbekannten britischen
Minenfeld von Februar 1918 aus 2594 .
Die artillerie d’assaut konnte zwischen dem [Link] und dem
[Link] 480 Tanks zum Einsatz bringen, von denen 60 durch deutsche
Artillerie außer Gefecht gesetzt wurden und insgesamt 215 nicht aus
eigenem Antrieb vom Schlachtfeld zurückkehren konnten 2595 . Genauso
erhebliche Ausfälle gab es Ende September während der französisch-
amerikanischen Großoffensive beiderseits Verdun, wobei hierfür nominell
mehr als 600 Fahrzeuge aller Typen vorhanden waren. Wie viele von ihnen
zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt, doch anzunehmen ist aufgrund der
gewohntermaßen seit spätestens Juli 1918 praktizierten Unterstellungsweise
der chars d’assaut unter Infanteriestäbe, daß es zu koordiniertem
Masseneinsatz nicht kam 2596 . Die Wirkung auf die deutschen Truppen, die
sich von einem „ersten Schreck“ erholt hatten, war jedenfalls in der
Wahrnehmung eines involvierten deutschen Gruppenkommandos derart
gering, daß es sich zur Aussage verstieg, den Tanks sei jeglicher
nennenswerter Kampfwert abzusprechen 2597 . Die Verluste der
Kampfwageneinheiten bis zum [Link] waren tatsächlich auch erheblich
2593
Siehe Fuller: Tanks, S. 270.
2594
Die Zahlenangaben schwanken zum Teil erheblich; siehe ebenda, S. 271, vergleiche
ders: Tanks, S. 313, und Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 107. Von Interesse ist
vielleicht, daß es sich nicht um Minenkonstruktionen handelte, sondern um versteckt
eingebaute Minenwerfer-Munition mit empfindlichen Zündern. Der Bericht des Bataillons
über die Kämpfe spricht von einigen durch die Minen zerstörten Tanks und von „many
casualties“ beim folgenden Kampf, die durch deutsches Artilleriefeuer verursacht wurden;
siehe Fletcher: Tanks and Trenches, S. 185.
2595
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 100.
2596
Siehe ebenda, S. 110.
2597
Siehe BA-MA, RH 61/50597: Maasgruppe Ost (GK [Link]) Ia Nr. 3878 op. vom
29.9.1918.
635
und beliefen sich auf 367 Fahrzeuge und etwa 40% der Besatzungen 2598 .
Am [Link] erfolgte der vorletzte größere, durch Tanks begleitete
Angriff des Krieges, der als Kooperation interalliierter Kräfte gegen die
deutsche „Hermann-Stellung“ südwestlich Cambrai gerichtet war. Lediglich
74 Tanks kamen zum Einsatz von denen wenigstens 22, meist durch
Festfahren oder technische Pannen und lediglich sechs durch deutsche
Artillerietreffer, ausfielen 2599 . Kurz vor Kriegsende, ab dem [Link],
griffen nochmals Tanks die Hermann-Stellung an. Diesmal waren es rund
80 britische Fahrzeuge aller Typen, denen allerdings so kurz vor dem
Waffenstillstand kaum noch ernsthafter deutscher Widerstand
2600
entgegenschlug .
Die Vorstellung auf deutscher Seite, daß die Tanks das ausschlaggebende
Element bei der Abfolge schwerer Niederlagen waren, welche zwischen Juli
und November 1918 385.000 in Kriegsgefangenschaft geratene Deutsche
und den Verlust von rund 6.600 Geschützen -rund einem Drittel der im Juli
noch vorhandenen Rohre 2601 - bedeuteten 2602 , verfestigte sich zusehends. Die
OHL, hiervon seit den Kämpfen um den „Marnebogen“ so überzeugt wie
von wenigstens partieller Unfähigkeit von Führern und Unwilligkeiten in
der Truppe, erhielt dafür immer wieder Bestätigung. So etwa durch das
AOK 17, welches Anfang September repräsentativ für Verlautbarungen der
2598
Siehe Taschenbuch der Tanks, Teil III, S. 111.
2599
Siehe ebenda, S. 114.
2600
Siehe ebenda, S. 118ff. Fuller resümierte für das Tank Corps, daß seit dem 8.8.1918
1.993 Tanks und Panzerwagen eingesetzt worden waren, von denen 887 instandgesetzt
werden mußten und bis auf 15 Totalverluste auch repariert wurden. Die personellen
Ausfälle betrugen, von einer Stärke von 1.500 Offizieren und ca. 8.000 Mann im August
ausgehend, 598 Offiziere und 2.826 Mann; siehe Fuller: Tanks, S. 276 und S. 286f. Für die
artillerie d’assaut gibt das französische amtliche Werk zumindest Verlustziffern, die mit
dem Abgang von 298 Offizieren und 2052 Mann in der Zeit vom 15.7. bis 25.9.1918 eine
ganz ähnliche Tendenz ausweisen; siehe LAF, Bd. VII.1., App. 11, S. 396. Goya, S. 360,
beziffert die materiellen Verluste der artillerie d’assaut zwischen dem 18.7.1918 und dem
Kriegsende auf 327 Fahrzeuge.
2601
Siehe Linnenkohl: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze, S. 283, mit angegebenen 13.100
Feld- und 7.300 Fußartillerie-Geschützen.
2602
Siehe eine Aufstellung bei Harris: Das britische Expeditionsheer, in Duppler/Groß:
Kriegsende, S. 120.
636
2603
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0124: AOK 17 Iabl Nr.
7853 op. vom 8.9.1918. Siehe dazu auch Alter: Generalobersten v. Einem, S. 436 (Eintrag
zum 17.9.1918).
2604
Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 60: Chef d. Genst. d. Feldheeres II Nr. 10162 op.
vom 4.9.1918, Ziff. 9.).
2605
Siehe Alter: Generalobersten v. Einem, S. 436 (Eintrag zum 17.9.1918), mit der
Angabe, daß durch die [Link] 72 französische Tanks abgeschossen worden seien. Siehe auch
ebenda, S. 438 (Eintrag zum 24.9.1918), mit der Aussage, daß die 200.(Jäger-) Division
„wie eine Mauer“ gestanden habe.
637
2606
Winkelmann, der bereits seit dem 17.4.1918 mit dem preußischen Goldenen
Militärverdienstkreuz ausgezeichnet war, schoß laut Truppengeschichte am 10.8.1918
sechs Tanks unter Beweisen artilleristischer Meisterfertigkeit (indirektes Feuer mit
Feldkanone) ab und weitere sieben wurden von seiner Batterie am 29.9.1918 außer Gefecht
gesetzt. Sein Batterieführer wurde am 29.9.1918 im Heeresbericht genannt. 1937 befand
eine Panzerabwehr-Abteilung in Iserlohn Winkelmanns Leistungen wert, der dortigen
Kaserne den Namen zu geben, wobei es bis zur Konversion des Objekts Anfang der 90er
Jahre auch in Bundeswehrzeiten blieb. Siehe dazu Parrisius, Felix: Geschichte des Res.
Feldartillerie-Regiments Nr. 63 (Ehrenblätter deutscher Regimenter, Bd. 141), Oldenburg
1925, S. 124f. und S. 134f., sowie H[Link] .
2607
Zu vergleichen ist dies etwa mit dem Einsatz der [Link] bei Cambrai, die unter ganz
anderen Verhältnissen auf das Gefechtsfeld trat, als dies für die Stellungstruppen der Gr
Caudry galt. Auch die lobende Anerkennung für die Deutsche Jäger-Division vom
1.8.1918 kann hier angeführt werden; siehe Abschn. 9.6.2. und 11.5.2.
2608
Die Kriegserinnerungen der Generalität sind angefüllt mit derartigen Hinweisen,
Berichten und selbstgewonnenen Eindrücken, so daß an dieser Stelle ein eindeutiger Beleg
für die geltende Ansichtsweise genannt sei. General v.d. Marwitz ließ sich von einem bei
einem Tankangriff verwundeten Unteroffizier berichten und notierte: „Die Leute wären
beim ersten Erscheinen der Tanks teilweise zurückgegangen (zu dumm denn da kriegen sie
erst recht eins ab), er sei nun allein geblieben und beim ‚Anschlußnehmen’ habe er den
Schuß bekommen. Natürlich ist auch er ausgerissen, vielleicht etwas später als die anderen.
‚Na, waren denn nun die Verluste groß in der Kompanie?’ ‚Nein gar nicht, ich war der erste
Verwundete’, also ist’s bloß [hervorgeh.] der Schrecken vor den Dingern, nicht deren
tatsächliche Wirkung. Immer wieder muß man das den Leuten sagen, und wo sie sich
wehren, da geht’s auch.“ Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 324 (Eintrag
zum 29.9.1918).
638
2609
So bspw. vom AOK 7, das in einem Merkblatt erklärte, „Ueber 100m trifft der Tank
nichts und schießt nur Loecher in die Luft und den Erdboden“, was den Tank allein zu
einem „Schreckmittel“ mache; siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 126, Akt: 211, Bl.
0040: HGr Rupprecht Ic 6795 (vom AOK 7 am 29.9.1918 übersandt). Die OHL forderte
das Weiterkämpfen nach dem Bekanntwerden des Wiener Friedensangebotes unter dem
Motto, daß die Bereitschaft über Frieden zu verhandeln nicht dem Geist widerspräche, „in
dem wir den Kampf für unsere Heimat führen“; siehe ebenda, Bd. 117, Akt: 173, Bl. 22:
Chef d. Genst. d. Feldheeres Nr. 10296 op. vom 15.9.1918, und vergleiche dies mit dem
Defätismusvorwurf gegen Kühlmann in Kap. 11.
2610
Siehe dazu Foerster: Ludendorff, S. 71ff.
2611
Siehe dazu Ludendorff: Urkunden, S. 535ff.
2612
Siehe ebenda und Asprey: The German High Command At War, S. 464.
2613
Siehe Chickering, S. 227.
639
2614
Siehe BA-MA, RH 61/50601: Auszug aus dem Protokoll der [Link] des
Reichstags-Ausschusses für den Reichshaushalt am 27.9.1918. Siehe auch die bei Petter
überlieferte sehr ähnlich lautende Note des Kriegsministeriums von Ende Juli in Abschn.
11.5.2.
2615
Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Korpstagesbefehl Nr. 15 vom 23.10.1918
(Bezieht sich auf Waffenverkäufe deutscher Heeresangehöriger an belgische Zivilisten, was
mit dem Tod zu bestrafen sei).
2616
Siehe ebenda, Fernspruch der OHL Ia Nr. 10864 vom 20.10.1918 (Wegen scharfer
Kontrolle von Truppen „requirierter“ Gegenstände).
2617
Siehe dazu u.v.a. ebenda, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 9: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr.
95581 op. vom 24.8.1918, ebenda, Bl. 23b: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 10421 geh.
op. vom 26.9.1918, oder ebenda, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 442/Okt. Geheim.
Persönlich! vom 19.10.1918.
2618
Siehe Ludendorff: Urkunden, S 556ff.
640
Feinden weiterhin die Stirn zu bieten, bis diese zu einer auf gleicher
Augenhöhe ausgehandelten diplomatischen Einigung gewillter wären.
Ludendorffs Meinung war vor diesem Hintergrund selbstredend von
ausschlaggebender Bedeutung. Und er führte sogleich aus, daß das
Schreckgespenst eines Durchbruchs an der Westfront nicht wahrscheinlich
sei -von ihm auch nicht gefürchtet werde! 2619 - und er mit Hilfe der
alleräußersten Ausnutzung der personellen Ressourcen des Reiches
„vertrauensvoll in die Zukunft“ blicke 2620 .
Bemerkenswert ist an dieser Stelle, daß Ludendorff mit dem hier
geäußerten, ziemlich unverhohlenen und direkten Vorwurf, daß eine ihm
bislang vorenthaltene Ausnutzung der Kräfte überhaupt erst Schuld für die
eingetretene Lage sei, einmal ganz klar die Auswirkungen geringer
Gefechtsstärken auf die Leistungsfähigkeit von Verbänden anerkannte.
Etwas, das in den an das Heer gerichteten Verlautbarungen ausgeklammert
blieb und zuvor –wie in vorausgegangenen Kapiteln sehr deutlich geworden
sein sollte- keine „Entschuldigung“ oder diskutable Erklärung für
„Versagen“ dargestellt hatte. Beachtlich ist ebenso, daß er mit keinem Wort
darauf einging, für wie wenig psychisch und moralisch belastungsfähig der
letzte Ersatz, tatsächlich der Ersatz seit Ende 1917 und dazu auch Teile des
Offizier- und Unteroffizierkorps 2621 , von ihm erachtet worden war.
Tatsächlich hatte er noch am [Link] den höchsten Stäben der
Westfront mitteilen lassen, daß neu in die Front gestellte Mannschaften „den
Eindrücken eines feindlichen Angriffes mit Tanks, mit Kavallerie oder mit
Schlachtfliegern nicht gewachsen waren“ 2622 .
Nun gab es, anscheinend urplötzlich wieder, einen in Wahrheit offenbar zu
keinem Zeitpunkt ganz aufgegebenen Hoffnungsschimmer, der dadurch
genährt wurde, daß es all der erkannten Schwierigkeiten ungeachtet immer
noch gelang -erst am 15. bei Ypern wieder, wie er bei der Besprechung am
2619
Siehe ebenda, S. 559.
2620
Siehe ebenda, S. 560.
2621
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 162a, Bl. 23b: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 10421
geh. op. vom 26.9.1918.
2622
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0123: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ic Nr. 97769 op. vom 3.9.1918.
641
2623
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 561.
2624
Die Situation beschrieb ein Generalkommando an der Westfront zwei Tage später und
unter Annahme, daß das Gerücht eines bevorstehenden Waffenstillstands entscheidend zu
den katastrophalen Verhältnissen beigetragen habe, folgendermaßen: „An vielen Stellen
sind in juengster Zeit Anzeichen sich lockernder Manneszucht in einer die Schlagfertigkeit
der Truppe ernstlich gefaehrdenden Weise in Erscheinung getreten. Aus der Kampflinie,
waehrend des Gefechts, sind Leute einzeln und in Trupps ohne Befehl und Gewehr
zurueckgegangen. Die rueckwaertigen Strassen sind angefuellt von Drueckebergern. Die
Absperrmassnahmen der Divisionen und des Generalkommandos haben nicht ausgereicht,
diesen Rueckstrom von der Kampffront aufzuhalten. Ausschreitungen im rueckwaertigen
Gebiet, Pluenderungen und Zerstoerungen von Magazinen haben stattgefunden.“ Zitiert
nach HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 442/Okt. Geheim. Persönlich! vom
19.10.1918, Ziff. 1.). Die hier erwähnten Absperrmaßnahmen umfaßte etwa das
Durchkämmen des rückwärtigen Gebietes, das Sammeln der dabei vorgefundenen
Militärpersonen und die anschließende Rückführung der Leute zu ihren Truppenteilen unter
Bewachung; siehe ebenda, [Link] Abt. Ia J. Nr. 6203 vom 19.10.1918.
2625
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 563.
2626
Siehe Epkenhans, Michael: Die Politik der militärischen Führung 1918: „Kontinuität
der Illusionen und das Dilemma der Wahrheit“, in Duppler/Groß: Kriegsende, S. 217-233.
642
2627
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 567.
2628
Siehe ebenda: „Ich hoffe, daß wenn unsere Infanterie wieder zu Kräften kommt, auch
der Tankschrecken, der schon einmal überwunden war und wiedergekommen ist, nochmals
überwunden wird. Er kam mit aller Kraft am [Link] durch den Nebel und wer weiß was
sonst. Ist aber die Stimmung der Truppen wiederhergestellt, so machen sich Teile von
ihnen, namentlich die Jägerbataillone und die Gardeschützen, geradezu einen Sport daraus,
die Tanks abzuschießen. Es lockt auch aus materiellen Gründen, denn in den Tanks gibt es
immer gute Verpflegung. Wir konnten nur nicht Schritt halten mit dem Bau von Tanks,
weil wir zuerst Lastautos bauen mußten; aber bis nächstes Frühjahr werden wir darin weiter
sein.“
2629
Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: GK 51 Abt. Ia Nr. 35/Nov. geh. vom 2.11.1918.
643
zweifelhaft sein, in der bereits die frische, gerade erst aufgrund der neuesten
Erfahrungen ausgebildete [Link] im April 1917 bei Bullecourt mit Tanks
fertig geworden war, in der diese Division, als einer der wenigen
kampfkräftigen Verbände und gerade erst in die Linie eingeschoben, selbst
am [Link] 1918 standgehalten hatte. Auch die [Link], die bei Cambrai
1917 mit Leistungen geglänzt hatte, wäre in diesem Zusammenhang zu
nennen. Denn diese Verbände sowie auch Einheiten und Teileinheiten
anderer Truppenteile, welche in Gänze zuvor noch nicht derart positiv in
Erscheinung getreten waren und plötzlich durch Leistung hervorstechen
konnten, zeichnete offenkundig etwas aus, das einerseits -historiographisch
ist dies hinlänglich nicht untersucht- in den militärsoziologischen und
psychischischen Bereich zu fallen scheint und ein erstaunliches Maß an
Willigkeit der Soldaten implizierte 2630 . Andererseits ist eine besondere
Rücksichtnahme der Führer und Führung auf ihre
Regenerationsmöglichkeiten zu konstatieren. Durch die Belastungen der
Kämpfe seit März 1918, mangelnde Ruhe- und Ausbildungszeiten sowie
fehlenden Ersatz, schwand die Zahl der „vollkampfkräftigen“ Verbände
zusehends und nicht wenige gingen, um eine sonst für altpreußische
Truppenteile des Siebenjährigen Krieges sinnfällige Bezeichnung zu
benutzen 2631 , in die „Verschleißgruppe“ der Stellungsdivisionen über. Zum
Teil, so scheint es, geschah dies ohne es selbst in letzter Konsequenz zu
bemerken oder wahrhaben zu wollen, wie beispielsweise ein recht obskur
anmutender Streit zwischen der [Link] und dem Alpenkorps wegen des
Verlustes des Mont [Link] bei Péronne Ende September 1918 zeigen
mag 2632 . Im Notenwechsel der beiden Verbände warf man sich gegenseitig
Versagen und Unzuverlässigkeit vor, welche keineswegs auf gefallene
2630
Zu verweisen ist einmal mehr auf die in Bearbeitung befindliche Dissertation Christian
Stachelbecks (MGFA) zur [Link], die in diesem Kontext Erkenntnisse verspricht.
2631
Siehe Bleckwenn, Hans: Die friderizianischen Uniformen, Bd. I: Infanterie I (Die
bibliophilen Taschenbücher Nr. 444), Dortmund/Osnabrück 21987, S. 43ff.
2632
Siehe BA-MA, RH 61/51833. Versagen und Unzuverlässigkeit warfen sich beide
Divisionen gegenseitig vor, wobei die Anlage des Aktes, in dem diese Schriftstücke
gesammelt wurden, zahlreiche andere Dokumente enthält, die über die katastrophale
Stimmungslage in der Truppe, ihre Überbeanspruchung und ihre geringen Gefechtstärken
berichten.
644
2633
Siehe dazu Kronprinz Wilhelm: Erinnerungen, S. 360f., und eine offenbar vollständige
Textfassung in BA-MA, RH 61/50601. Nicht deutlich wird aus den Aussagen des
Kronprinzen, ob es sich um ein von ihm selbst aufgesetztes Schreiben handelt. Es ist zwar
in der ersten Person gehalten, was den besonderen Charakter als persönliche
Meinungsäußerung des Thronfolgers herauszustellen scheint, Absender ist aber die HGr
ohne weitere Signatur.
2634
Schon am 4. des Monats hatte die HGr Boehn ein gewichtiges Schreiben
herausgegeben, in dem es hieß: „Die Kampfkraft der Verbände der Heeresgruppe ist durch
die andauernden Kämpfe weiterhin eingeschränkt. Trotzdem ist der feste Wille, die
augenblickliche Stellung so lange als denkbar zu halten, unerschüttert.“ Zitiert nach KA,
Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: „ILL 76“, Bl. 16: HGr Boehn Ia/Ie Nr. 1646 op.
geh. vom 4.10.1918.
2635
Siehe BA-MA, RH 61/50601: HGr Kronprinz vom 17.10.1918, S. 1.
2636
Siehe ebenda, S. 1f.
645
2637
Siehe ebenda, S. 3.
2638
Siehe ebenda, S. 4.
2639
Schulenburg schrieb über die Beweggründe des Schreiben der Heeresgruppe in einer
Abhandlung für den Untersuchungsausschuß des Reichstages 1925: „Den Feinden fielen
dabei Elsaß-Lothringen und das linke Rheinufer als Pfänder in die Hand. Sie waren von
solcher Stärke, um die Durchführung eines Siegfriedens zu erzwingen und die Fortsetzung
des Feldzuges über den Rhein zu erübrigen.“ Zitiert nach Schulenburg: Die Lage bei der
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz in den letzten Kriegsmonaten, S. 317.
2640
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 577f.
2641
Den Anlaß zu einem selbstmörderischen Unternehmen der Marine bot grundsätzlich
ebenso wie beim Heer nicht die Aussicht, damit den Krieg noch entscheiden zu können,
sondern der Aspekt der Wahrung bestehender Ehr- und Wertvorstellungen; siehe dazu
Groß, Gerhard P.: Die Seekriegführung der Kaiserlichen Marine im Jahre 1918
(Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 387), Bern u.a. 1989, S. 417.
2642
Zu diesen Vorkommnissen im Oktober 1918 siehe auch Creutz: Die Pressepolitik, S.
284.
646
wurde Ludendorff entlassen und gut zwei Wochen später trat der
Waffenstillstand in Kraft.
2643
Siehe Armeeoberkommando 17 (Hg.): AOK 17 Iag Nr. 8538 op. vom 21.9.1918:
Tankabwehr. (Nachweis über MGFA, Bibliothek, Signatur 41416).
2644
Siehe KA, [Link], Bd. 169, Akt: Tanks und Tankabwehr: Chef d. Genst. d.
Feldheeres, Abteilung Fremde Heere Nr. 16741.: Französische Tanks und ihre Verwendung
(Nur für den Dienstgebrauch.), September 1918, und ebenda: Chef d. Genst. d. Feldheeres,
Abteilung Fremde Heere Nr. 17428.: Die englischen Tanks und ihre Verwendung.
Bearbeitet auf Grund von erbeuteten Befehlen und Papieren sowie von Gefangenen-
Aussagen, September 1918.
647
2645
„Teil 1 b, Vorschriften für den Stellungskrieg, ist neu bearbeitet und in Druck. Teil N
der Vorschrift behandelt Tankabwehr [hervorgeh.]. Da die Drucklegung noch einige Zeit in
Anspruch nehmen wird, andererseits der Tankbekämpfung durch Minen pp. zur Zeit
höchste Bedeutung beigemessen ist [!], wird der Teil N vorläufig abschriftlich übersandt.“
Zitiert nach BA-MA, PH 3/975, Bl. 003: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere
Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918.
2646
Siehe Ludendorff: Urkunden, S. 592.
2647
Siehe Rohrbeck (Bearb.): Taktik. Ein Handbuch auf Grund der Erfahrungen im
Weltkriege, Berlin 1919, S. 197ff., Erdmann/George (Bearb.): Waffenlehre. Ein Hand- und
648
werden, welche die Organisation und die Wirkung der einzelnen Waffen bis
zum Kriegsende umfaßt.
Bedeutend für die Gesamtkonzeption der Tankabwehr und den folgenden
Ausführungen unbedingt vorauszuschicken ist, daß sich die OHL nicht dazu
durchringen konnte, sie auf den verschiedenen Führungsebenen, von den
Divisionsstäben bis hin zur OHL selbst, durch einen „etatisierten
Tankoffizier“ leiten zu lassen 2648 . Die Einsetzung solcher Fachleute, die,
zwecks Bündelung der wenigstens von Infanterie, Artillerie und Pionieren
durchzuführenden Einzelmaßnahmen koordinierend, kontrollierend und
verantwortlich oder zumindest beratend tätig sein können sollten, wurde
zwar prinzipiell befürwortet, doch scheinbar ohne nähere Spezifikation ihres
Aufgabenbereiches und ihrer Befugnisse, ohne Präzisierung der an sie und
ihre Vorbildung gestellten Anforderungen und ohne sie den bereits
vorhandenen „etatisierten“ Fachoffizieren der Stäbe überhaupt gleichstellen
zu wollen. In Ermangelung erhellender Archivalien war es nicht möglich,
eine rationale Erklärung für diese eigenartige Verfahrensweise anzuführen.
Eine plausible Erklärung könnte aber der Umstand bieten, daß ein solcher
„Tankoffizier“ gerade durch das zwangsweise mit seinen umfassenden
Aufgaben verbundene Einwirken auf die Tätigkeitsbereiche der
Maschinengewehr-Offiziere, Kommandeure der Artillerie und Pioniere, der
Führer von Kolonnen und Trains und anderer „Spezialisten“, was, vielleicht
als Einmischung und Beschneidung vorausgesetzter Fachkompetenz
aufgefaßt, zu ungewünschten Friktionen hätte führen können, vermieden
werden sollte. Der zur Diskussion gestellte und vielfach wohl auch noch
Lehrbuch für Offiziere und Offizieraspiranten, Berlin 1919, S. 109f., und Toepffer
(Bearb.): Der Pionierdienst im Kriege mit einem Überblick über die Entwicklung des
Festungsbaues auf Grund der Kriegserfahrungen, Berlin 1919, S. 20ff. Wie aus den
Vorworten der drei Titel hervorgeht, handelte es sich um Veröffentlichungen, die allein
wegen des plötzlichen Kriegsendes den Charakter als Handbücher „auf Grund der
Kriegserfahrungen“ hatten. Inhaltlich entsprachen sie dem Stand von Herbst und Winter
1918.
2648
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0136: Fernschreiben der
OHL zur Ablehnung einer Etatisierung der Tankabwehroffiziere vom 14.9.1918.
649
Direkt nach dem Auftreten der ersten Tanks 1916 in verschiedenen Facetten
angedacht fand die passive Tankabwehr bei der Anlage starker
Verteidigungspositionen an der Westfront bis Frühjahr 1917 einige
Beachtung. Was ihren Wert, gleichsam den Wert tiefgegliedert ausgebauter
Stellungssysteme generell, im Laufe des Jahres verminderte, war der
Umfang zu leistender Arbeiten, von denen durch den immensen
Artillerieeinsatz während der Großkämpfe des Jahres oft kaum etwas blieb.
Die Abwehr des Feindes auf Basis der durch Waffeneinsatz an einem Ort
nahezu automatisch geschaffenen Trichterwüsten wurde mehrfach belegt,
wobei das Beispiel Flandern durch die Eigenschaften des Gefechtsfeldes,
namentlich seine Tanks und Infanterie gleichermaßen an der Bewegung
hemmende Verschlammung, das eindrucksvollste Beispiel bot. Aufwendige
Bauarbeiten im Bereich der vordersten Stellungen, wo mit der verheerenden
Wirkung artilleristischen Massenfeuers erwartungsgemäß immer zu rechnen
war, schienen vergeblichen Aufwand zu bedeuten. Die Kämpfe bei
Cambrai, in denen der Artillerie keine Gelegenheit gegeben war, das
2649
Siehe BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 95f.: AOK 18 Ia Nr. 7790 geh. vom 20.9.1918. Hier
findet sich die Einsetzung von Tankoffizieren beim AOK, bei den Gruppen und Divisionen
angeordnet.
650
2650
Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 003: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere
Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918, Ziff. 167.).
651
2651
Siehe ebenda, Bl. 004, Ziff. 176.).
2652
Siehe ebenda, Ziff. 174.).
2653
Die als ausreichend betrachteten Dimensionen dieser Fallen und Gruben waren denen
ähnlich, die für die Gewässerbreite und Tiefe angegeben wurden. Das AOK 6 empfahl
zudem, die 5m breiten und mindestens 2m tiefen Hindernisse mit Wasser aufzufüllen; siehe
ebenda, Bl. 005: AOK 6 Ia/Pi. Nr. 4399 geh. vom 3.9.1918, Ziff. II.
2654
Wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Bedrohung durch Tanks bei den Verbänden
sein konnte, belegt der Bericht der [Link] zu den Kämpfen an der Aisne im August 1918.
Die Qualität der Erfahrungen dürfte sich gravierend von derjenigen der am 18.7. und
8.8.1918 betroffenen Verbände unterschieden haben. Wie aus dem Bericht hervorgeht,
konnten mangels Gefechtsberührung keine Erfahrungen mit feindlichen Tanks mitgeteilt
werden, was die Division aber keineswegs davon abhielt, sich zu Fragen der Tankabwehr
zu äußern. Nervosität der Truppe sei die bedauerliche Folge stetiger Belehrungen über
feindliche Tanks, deren Bekämpfung der Artillerie doch getrost überlassen werden könne.
Sonst, so die [Link], sei die ganze Angelegenheit doch durch einige gute Tiefbau-
Unternehmen und die Anlage eines 4m breiten und 2,5m tiefen Grabens –der offenbar für
die gesamte Westfront vorstellbar schien- aus der Welt zu schaffen; siehe dazu HStAS, M
33/2, Bü. 300: [Link] Abt. Ia Nr. 1853 op. vom 29.8.1918, Ziff. VII.).
2655
So wurde der [Link] vom befehlführenden k.u.k. Generalkommando ein ausdrücklich
als Ersatz für die arbeitsintensiven Tankgräben gedachtes “Schienentankhindernis” zur
652
Erprobung empfohlen; siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 024: Gruppe Ornes (k.u.k.
[Link]) Pi Nr. 109 vom 11.9.1918.
2656
Siehe dazu Rubel, A.C.: The Barrier Type of Tank Defenses in the [Link] and
Grande Montagne Sectors by the 304th Engineers under Col. James F. Barber, in Corps of
Engeneers, Bd. IX (1919), S. 294-305.
2657
Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 55: Chef d. Genst. d Feldheeres II Nr. 9840 geh. op.
vom 15.9.1918.
2658
Kurioserweise gibt ein Bericht des AOK 1 zur Wirkung geballter Ladungen von Januar
1918 (!) an, daß eine Flachmine 18 vom Armee-Pionierpark konstruiert und erfolgreich
getestet worden sei; siehe KA, HS 3402: AOK 1 Ia Pi. Nr. 47900/498/18 vom 11.1.1918,
Ziff. 8).
2659
Siehe BA-MA, PH 3/975, Bl. 004: Chef d. Genst. d. Feldheeres, General der Pioniere
Nr. 18339 [unles.] 18.I. vom 18.9.1918, Ziff. 173.)f.) und g.) sowie Bildanhang der
Mitteilungen mit Konstruktionszeichnungen.
653
2660
Siehe ebenda, Bl. 003f., Ziff. 170.) und 173.)a.) bis e.).
2661
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55, Bl. 8754: Fernschreiben der OHL vom 20.10.1918.
Genannt wurde ausdrücklich der Kanonenzünder Typ Nr. 106. Daß mit diesem zusammen
auch die Patrone von Fronttruppenteilen als Minen-„Komplettlösung“ genutzt oder
wenigstens angedacht worden ist, ist anzunehmen.
2662
Die Parallelität zum Vorhandensein von Tankgewehren im Artillerie-Depot Mainz ist
offensichtlich; siehe Kap. 13.
654
2663
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 221f., und Goya, S. 362.
2664
Siehe Goya, S. 362:
2665
Siehe dazu Toeppfer: Der Pionierdienst, S. 21, und American Expeditionary Forces
(Hg.): AEF Ordnance Bulletin of August 24, 1918: Anti-Tank Defenses, in Corps of
Engineers, [Link] (1919), S. 422-429, und (ohne Verf.:) Antitank Defense-Front-Line
Infantry. What Is The Front-Line Infantryman To Do When Attacked By Tanks? In U.S.
Army Infantery School Mailing List, Bd. VIII (Juni 1934), S. 42ff. Vergleiche Seeßelberg:
Der Stellungskrieg, S. 310.
655
2666
Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 200. 1.500m galt bei Kriegsende als maximaler
Wirkungsbereich der Nahbekämpfung durch direkten Schuß.
657
2667
Hiervon war die Fußartillerie in besonderem Maße betroffen, wie Verlautbarungen der
OHL über knappen Geräteersatz und ein möglichst umfangreiches Herausziehen der
schweren Geschütze zur Schonung und Neuausrüstung ab August 1918 nahelegen; siehe
dazu BA-MA, PH 2/294, Bl. 26: Fernschreiben der OHL an das KM vom 1.8.1918, und
ebenda, Bl. 27: Fernschreiben der OHL an die Heeresgruppen des Westens vom 4.8.1918.
2668
Siehe bspw. BA-MA, PH 8 I/34, Bl. 39: AOK 9 Abt. Ia/Artl./Pi Nr. 1583 op. geh. vom
1.8.1918: Armeebefehl für Tankbekämpfung, oder ebenda, PH 3/975, Bl. 25: Auszug aus
HGr Kronprinz Ia Nr. 6320 geh. vom 11.8.1918. Die Heeresgruppe formulierte, daß bei
Nacht oder unsichtigem Wetter“, was eine gezielte Nahbekämpfung durch Geschütze
unmöglich machen würde, das planmässig vor den eigenen Linien liegende Sperr- und
Vernichtungsfeuer zur Tankabwehr genügen müsse.
2669
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 101790 op. vom
6.10.1918, ebenda, Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 103404 op. vom 21.10.1918, und
BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 277.
2670
Siehe bspw. BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.
237, und Rohrbeck: Taktik, S. 200: „Bei Massenangriffen ist es Pflicht aller
Nahkampfgruppen, zur Tankbekämpfung selbständig überzugehen. Außerdem sind
schwere Steilfeuerbatterien [hervorgeh.] zur Bekämpfung zu bestimmen. Sie erhalten
658
bestimmte Geländeteile, d.h. in der Regel Zielstreifen dicht vor unseren Linien zugewiesen,
gegen die sie beobachten können und auf die sie sich in Zeiten der Ruhe einzuschießen
haben. Tritt ein Tank in einem solchen Zielbereich einer Batterie auf, so schwenkt sie mit
allen Geschützen auf den Tank ab und setzt ihn mit Salvenfeuer außer Gefecht.“
2671
Siehe Goya, S. 362.
2672
Siehe Toeppfer: Der Pionierdienst, S. 20.
2673
Belegt ist dies u.a. durch die Spitzenposition, der ihr in nahezu allen Dokumenten
eingeräumt wird. Die Aussage bei Erdmann/George: Waffenlehre, S. 100, nämlich daß die
Tankabwehr während des Krieges „immer mehr Sache der Artillerie“ wurde, ist zu
vernachlässigen. Wie in vorherigen Kapiteln gezeigt werden konnte, war die Feldkanone
von Anfang an die erst einmal nächstliegende und dann auch die praktisch wirkungsvollste
Tankabwehrwaffe.
659
2674
Siehe als ein Beispiel der taktischen Aufstellung die Verteilung der Artillerie bei der
[Link]; siehe BA-MA, PH 3/294, Bl. 57ff.: [Link] Ia Nr. 687 op. vom 10.9.1918. Die
Masse der Artillerie sollte tief gegliedert etwa 4-5km hinter der Haupt-Widerstands-Linie
stehen. Eine Nahkampfgruppe sollte zur Wirkung gegen das eigene Stellungsvorfeld weiter
vorgezogen sein und einzelne Geschütze zur Tank- und Sturmabwehr bei der Infanterie
sowie als mobile Reserve zur Verfügung des Eingreiftruppenkommandeurs bereit sein.
2675
Siehe Cron: Geschichte des Deutschen Heeres, S. 183.
660
vorhanden gewesen sein 2676 und trugen zweifelsfrei dazu bei, die Artillerie
in engster Zusammenarbeit mit der infanteristischen Nahbekämpfung zu
entlasten 2677 . Versuche mit einem doppelläufigen Zwittergeschütz, welches
die Qualitäten der Minenwerfer im Stellungskrieg, als Infanterie- und als
Tankabwehr-Waffen durch die Adaption eines 3,7cm Rohres miteinander
kombinieren sollten, befriedigten bis Kriegsende nicht 2678 .
Eine wesentliche Bereicherung des erfolgversprechend einsetzbaren
Waffenspektrums in der durch die Wahrnehmung des Tanks als
entscheidendem Angriffsmittel des Feindes geprägten Zeit nach dem
[Link] schien es, die Idee der Nahkampf- beziehungsweise
Tankgeschütze von Frühjahr 1917 wieder aufzugreifen. Die Einführung der
Infanterie-Geschütze als Allzweckwaffe der Infanterie wurde zwar noch
befohlen, und dieses bildete über 1918 hinaus faktisch den Nukleus der
13.(Infanterie-Geschütz-) Kompanien der Infanterie-Regimenter der
Reichswehr und Wehrmacht, für den Ersten Weltkrieg aber kamen auch
diese Neukonstruktionen, namentlich das 7,7cm Infanterie-Geschütz 18, zu
spät 2679 . Dasselbe galt für die Parallelkonstruktion zum Tankgewehr, das
13mm Tank- und Flieger-Maschinengewehr (Tuf-MG), das, offensichtlich
wegen der Artverwandtschaft der Waffen, den mit dem in der
Funktionsweise sehr ähnlichen MG 08 ausgestatteten Maschinengewehr-
Scharfschützen-Abteilungen bei den Divisionen überwiesen werden
sollte 2680 . Für eine über die deutsche Seite und den Ersten Weltkrieg hinaus
erkannte Bedeutung bei der Bekämpfung von gepanzerten Zielen durch
Schnellfeuer großkalibriger Geschosse spricht, daß es in Form des
gleichzeitig konstruierten 12,7mm Maschinengewehres (.50cal.,
2676
Siehe Jäger: German Artillery, S. 145.
2677
Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 60: „Der l.M.W. mit Flachbahn-Lafette [hervorgeh.] ist
besonders als Begleitgeschütz der Infanterie vorteilhaft verwendbar. Er ist der F.K. 96
durch größere Beweglichkeit und daher leichtere Verbindung mit der Infanterie überlegen.
[... .] In der Abwehr sind Tanks, vorgehende Infanterie und M.G. besonders günstige Ziele
für den Flachbahnbeschuß des l.M.W.“
2678
Siehe Muther, S. 91f.
2679
Siehe Jäger: German Artillery, S. 139f.
2680
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der OHL
vom 14.9.1918.
661
2681
Siehe Jäger: German Artillery, S. 143.
2682
Siehe dazu Michael: Deutsches Tuf-MG, S. 62.
2683
Siehe HStAS, M 1/11, Bü. 794, Bl. 57ff.: Chef d. Genst. d. Feldheeres Abt. Fremde
Heere. Geheim. vom 22.8.1918.
2684
Siehe ebenda, M 30/1, Bü. 55: KM Truppen-Departement Nr. 2649/18. geh. A4. vom
14.10.1918.
662
Geschossen und mit 250m bei den 2cm Kanonen rechnen, wobei eine
Leistungssteigerung durch die Einführung von Sondermunition baldigst
noch erreicht werden sollte 2685 . Zweifellos würden die neuen Geschütze
eine durchaus wirkungsvolle Verstärkung der Tankabwehr bedeutet haben,
falls sie in größerer Zahl noch während des Krieges zur Auslieferung
gekommen wären. Tatsächlich verfügte die Heeresgruppe Rupprecht bei
einem Soll-Bestand von 228 3,7cm Tak am [Link] 1918 aber nur über
96 2686 .
[Link]. Nahkampfwaffen.
Außer der Artillerie selbst, und derjenigen des „kleinen Mannes“,
Minenwerfern und zugeteilten Sondergeschützen bei der Infanterie, standen
den von Kampfwagenangriffen betroffenen Soldaten ausgesprochene
Nahkampfmittel zur Verfügung, von denen ein Teil bereits bei den ersten
Kontakten mit Tanks 1916/17 zum Einsatz gekommen war. Das geradezu
ultimative Bekämpfungsmittel blieb die auf nächste Entfernung
anzubringende Sprengladung in der bekannten Form als Handgranate und
daraus improvisierter geballter Ladung oder neuerdings die dem Tank
„entgegengeschleuderte“ Mine. Gewehr- und Maschinengewehrfeuer mit
der weiterhin raren SmK-Munition spielten bis zum Kriegsende zudem eine
Rolle. Allerdings war die zerstörerische Wirkung beider Waffen gegenüber
neuen Kampfwagentypen zuletzt so gut wie vollständig aufgehoben 2687 .
Was sich beim verzweifelten Kleinwaffenbeschuß aller Waffen, Kaliber und
Munitionstypen dagegen nach wie vor und als eine beachtliche Entlastung
der angegriffenen Soldaten einstellen konnte, war das Umkehren und
2685
Siehe ebenda, und zu den verschiedenen Varianten der Geschütze sowie deren
technische Spezifika siehe Muther, S. 81ff.
2686
Siehe ebenda.
2687
Dies schlug sich auch in den ersten Erfahrungsauswertungen nach dem Krieg nieder.
Siehe etwa Rohrbeck: Taktik, S. 201: „Die M.G.-Bedienung muß beachten, daß ihre
Hauptaufgabe bei der Abwehr von Tankangriffen in der Bekämpfung der den Tanks
folgenden Infanterie liegt, daß sie sich erst auf nächste Entfernung zum Selbstschutz
[hervorgeh.] mit ihrem Feuer gegen die Tanks selbst zu wenden hat. Jede Verschwendung
der S.m.K.-Munition auf größere Entfernung ist Verschwendung dieser wertvollen,
beschränkten Munition.“
663
Abdrehen der Tanks 2688 , deren Besatzungen durch das intensive Feuer
entweder eingeschüchtert oder von irgendwie ins Fahrzeuginnere gelangten
Geschossen beeinträchtigt wurden. Diesen Effekt wortwörtlich „gezielt“, in
jeder Hinsicht weniger aufwendig und im Ergebnis für den Besitz eines
ganzen Abschnittes und das Überleben seiner Besatzung weniger
„ultimativ“ und risikoreich zu erreichen, sollte forciert werden, weshalb die
OHL Ende September bekanntgeben ließ, daß Gewehre mit Zielfernrohren
gegen Sehschlitze Erfolg gebracht hätten 2689 . Trotz des obskuren Ursprungs
dieser Erkenntnis, die auf der „Aussage eines Frontoffiziers“ basierte,
gereichte in diesem Stadium der Ludendorffschen Auswegsuche
offenkundig zu einem Heeresbefehl zweifelhaftesten Inhalts, während
ernsthafte Fehler- und Problemlösungen schon zuvor und auch jetzt noch
auf sich warten ließen.
Über den Einsatz der Infanterie im Zusammenspiel mit der Feldartillerie bei
der Tankabwehr berichtete ein Gruppenkommando aus einem der
Brennpunkte der amerikanisch-französischen Offensive beiderseits Verdun
Ende September 1918:
„Die Infanterie läßt sie nahe herankommen und beschießt sie mit M.G.’s
(S.m.K.-Munition) und aus Gewehren ebenfalls mit S.m.K.-Munition, Artillerie in
direktem Schuß. Die Tanks kehren darauf hin meist um. Fahren sie doch weiter, so
bleibt die Infanterie ruhig liegen und überläßt ihre Erledigung der Artillerie. In
wiederholten Fällen wurden auch Tanks dadurch erledigt, daß Infanteristen
Handgranaten in die Schießöffnungen hineinwarfen. Es muß der Infanterie immer
wieder zum vollen Bewußtsein gebracht werden, daß den Tanks ein eigentlicher
Kampfwert überhaupt kaum zukommt und daß die von ihnen drohende Gefahr im
wesentlichen überwunden ist, wenn sie der Infanterie keinen Schrecken mehr
2690
einflößen.“
Der gewisse Stolz auf die Abwehrleistung mit sehr geringen Mitteln, der im
hier nicht vollends zitierten Dokument sehr deutlich zum Ausdruck kommt,
mag zwar alles andere als unberechtigt sein, doch eine Gewähr für
2688
Erwähnt wird dieser Effekt auch im Bericht der [Link] zum 8.8.1918; siehe HStAS,
M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918, Ziff. 14.) und 15.).
2689
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0164: OHL an HGr
Rupprecht vom 23.9.1918.
2690
Zitiert nach BA-MA, RH 61/50597: Maasgruppe Ost (GK [Link]) Ia Nr. 3878 op. vom
29.9.1918.
664
2691
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der OHL
vom 14.9.1918.
2692
Siehe ebenda, Bl. 0070: Chef d. Genst. d. Feldheeres Ic Nr. 94468 vom 20.8.1918.
2693
Die wenigstens begrenzte Effizienz von Tankgewehren, oder den interessanterweise
international verbreiteten „Panzerbüchsen“ als ihren Nachfolgemodellen wurde in
Industriestaaten bereits in der Zwischenkriegszeit erkannt und dann durch Erfahrungen des
„Blitzkrieges“ bzw. aufgrund der Erfahrungen im Einsatz gegen jüngste Panzervarianten
bestätigt. Siehe dazu Fleischer, Wolfgang: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 18, und
Kosar: Panzerabwehrkanonen, S. 23f.
2694
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0047. Die [Link] besaß
150, die 6. 136 und die 17. wiederum 150 Gewehre.
665
136 2695 . Wiederum einen Monat später, sage und schreibe zwei Monate
nach der ersten Meldung, waren es bei neun Divisionen und einem Armee-
Reservebestand des AOK 6 sogar nur 104 Exemplare 2696 . Das AOK 17 der
Heeresgruppe Rupprecht hatte für den [Link] 324 Gewehre gemeldet
und im September angefragt, ob nicht 150 Gewehre –offenbar zum
Ausgleich für einen bestehendenden Fehlbestand- nachgeliefert werden
könnten 2697 . Die Antwort der OHL war bezeichnend und benannte
„beschränkte Lieferung an Tankgewehren und hohe Verlustzahlen“ als
Ursache für die augenblickliche Unmöglichkeit, dieser Bitte
nachzukommen 2698 .
Plausible Gründe für den offenkundig geringen Produktionsumfang der seit
Anfang des Jahres zur Auslieferung gebrachten, so lange erwarteten und
spätestens seit Mitte 1918 in ihrem bescheidenen und dennoch attestierbaren
Gefechtswert unstrittigen Waffe konnten vom Verfasser nicht ausgemacht
werden. Der Wechsel von einer kurzläufigen zu einer verlängerten Version
im Frühjahr mag ein Grund sein 2699 , der sich möglicherweise neben eine
bürokratische Verschleppung der Dringlichkeit bis zur Bestallung Bauers
als Verantwortlichem der OHL für diese Fragen stellt. Erst am [Link]
wurde eine Tagesproduktion von 50 Gewehren erreicht 2700 . Mit diesen
Gründen möglicherweise auch gepaart sticht auf jeden Fall ins Auge, unter
welch begrenzten rüstungstechnischen Kapazitäten die Einführung einer in
2695
Siehe ebenda, Bl. 0135: AOK 6 Ia/Pi/Tank Nr. 72469 vom 11.9.1918. Die Zuführung
der fehlenden Waffen wurde ausdrücklich von der Heeresgruppe gefordert.
2696
Siehe ebenda, Bl. 0148: AOK 6 Pi. Nr. 73939 vom 22.10.1918. Die Verteilung der
Gewehre umfaßte: [Link]= 13, [Link]= 28, [Link]= 0, [Link]= 2, [Link]= 15, [Link]= 10,
[Link]= 12, [Link]= 0, [Link]= 12, Reserve des AOK= 12. Das AOK 17 meldete parallel
dazu, daß alle MWK mit 4 (je Division also 12) und die Generalkommandos zusätzlich mit
5 Tankgewehren ausgestattet seien und daß sich die Armeereserve auf 33 belaufe; siehe
ebenda, Bl. 0149.
2697
Siehe ebenda, Bl. 161: Antwort der OHL an die HGr Rupprecht vom 20.9.1918 wegen
Bitte des AOK 17 um Zuweisung von 150 Tankgewehren.
2698
Siehe ebenda.
2699
Siehe ebenda, [Link]. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff.
2., und Kern: Das Tankgewehr, S. 54f.
2700
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0178.
666
2701
Siehe ebenda, [Link]. Korps, Bd. 169: Vorläufige Anleitung zum Gewehr für
Tankbekämpfung (T.-Gewehr.), Abschn. II. Die Vorschrift ist undatiert, wird aber im
Schreiben des KM vom 25.9.1918 unter dem Hinweis erwähnt, daß sie auch „fernerhin“ in
dieser Form ausgeliefert werden würde; siehe ebenda: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom
25.9.1918, Ziff. 5.
2702
Siehe HStAS, M 30/1, Bü. 55: KM Allg. Kriegs-Departement Nr. 2472/10.18. A2 III.
vom 4.11.1918.
2703
Siehe KA, [Link]. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 1.
Nicht einmal der verantwortliche Teileinheits- bzw. Einheitsführer war zum Nachweis
aufgerufen, und die Rücksendung fehlerhafter Stücke wurde für unnötig erklärt.
2704
Siehe ebenda, Ziff. 5.
667
2705
Siehe bspw. ebenda, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0178. Hier findet
sich ein Plan für die Abholung von je 500 Gewehren durch die 2., 17., 6. und [Link] in
Dekaden ab dem 19.10.1918. Das Artillerie-Depot Mainz wird im Zusammenhang mit den
Tankgewehren allerorten erwähnt und scheint die zentrale Anlaufstelle für damit
verbundene Fragen und Nachschubleistungen gewesen zu sein.
2706
Siehe bspw. ebenda, Bl. 0118.
2707
Siehe Kuhl: Die Kriegslage, S. 9.
2708
Siehe Kern: Das Tankgewehr, S. 45.
2709
Siehe KA, [Link]. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918, Ziff. 4.
668
Das Resümee der OHL und des Gegners zur Wirkung dieser funktions- und
waffentechnisch letztlich sehr simplen Waffe war grundverschieden, was
schon deshalb nicht verwundern sollte, weil die OHL auch hier und jetzt
nicht einsehen und zugestehen wollte, daß es handfeste, auch ihr selbst
bekannte, offensichtliche Gründe für den ausbleibenden Erfolg gab. Die
Auswirkungen der alliierten Tankgewehr-Beute von Hamel am [Link] 1918
muß man noch nicht einmal bemühen, um anzuführen zu können, daß die
wenigen Tankgewehre in den Händen von nur rudimentär vor- und
ausgebildeten Schützen von Grund auf aus wenig wortwörtlich
„durchschlagenden“ Erfolg versprechen und letztlich auch erbringen
konnten.
2710
Der Ausdruck „enerviert“ für die Anmerkung des AOK 6 zur Zahl der vorhandenen
Tankgewehre nach dem 20.8.1918 erklärt sich in diesem Zusammenhang vor allen dadurch,
daß das AOK explizit auf den Mißstand verwies, lediglich 2 Patronen je Gewehr (!) für
Übungszwecke der Schützen bewilligt bekommen zu haben. Zur Ausbildung der
Fertigkeiten der Schützen bettelte das AOK 6 ferner geradezu um die alternativ-
fragwürdige Minimal-Lösung über möglicherweise lieferbare „Platzpatronen“ (wohl um
„Manövermunition“ nach Verständnis eines Bundeswehrsoldaten).
2711
Zitiert nach KA, [Link]. Korps, Bd. 169: KM Nr. 1777/9. 18. A2. III. vom 25.9.1918,
Ziff. 4.
2712
Zitiert nach KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0137: Weisung der
OHL zur Überweisung der Tankgewehre an die MWK (vom 14.9.1918).
669
William-Ellis lieferten für die Perspektive des Tank Corps die Angabe, daß
wahrscheinlich nicht mehr als ein Prozent der später erbeuteten
Tankgewehre von ihren Schützen im Gefecht abgefeuert worden war 2713 .
Und trotz der Aussage von Mitchell, daß während der Kämpfe Ende August
und Anfang September dennoch zahlreiche Kampfwagen von
2714
Tankgewehren beschossen und getroffen wurden , fehlen Belege für eine
signifikante Wirkung der 13mm Gewehr-Geschosse 2715 . Ein Bericht des
[Link] des Tank Corps zum [Link] 1918 unterstreicht diesen
Umstand deutlich und sogar unter der fragwürdigen Maßgabe, daß die
Tankgewehrschützen hervorragend ausgebildete „Experten“ gewesen seien:
„A number of anti-tank rifles, handled by highly trained experts, were brought to
bear on his tank; his driver and observer were both shot trough the head and killed,
two others of the crew were wounded and the tank was perforated in over twenty
places. In spite of this he kept on the move, destroying many machine-gun nests,
knocked out all the large rifles and silenced the enemy; the infantry was thus
enabled to make their way forward into the village with no loss.” 2716
Daß die geringe Schußfolge und Trefferwirkung dieser Waffen 2717 , die
taktische Situation mit ihrer Kombination aus Nebel, fehlenden
2713
Siehe William-Ellis: Tank Corps, S. 221: „The chief disadvantage of the anti-Tank
rifle, however, was that the German soldier would not use it. He was untrained in its use,
afraid of its kick, and still more afraid of the Tanks themselves. It is doubtful if one per
cent. of the A.T. rifles captured in our Tank attacks had ever been fired.”
2714
Siehe Mitchell: Tank Warfare, S. 264. Bestätigt wird dies dadurch, daß alliierte
Gefangene angaben, daß deutsche Tankgewehre zumindest gefürchtet seien. Über den
genaueren Hintergrund dieser Meldung konnte der berichtende NO AOK 5 allerdings keine
Mitteilung machen; siehe BA-MA, PH 5 II/147, NO AOK 5 Buchnummer 20737, S. 2,
vom 28.10.1918.
2715
Siehe Goya, S. 362: „Ainsi, si le fusil antichar de 13mm était efficace au champ de tir
jusqu’à trois cents mètres contre les FT17, son action réelle a été nulle.”
2716
Zitiert nach Fletcher: Tanks and Trenches, S. 198.
2717
Siehe Nehring: Panzerabwehr, in Militärwissenschaftliche Rundschau, [Link]. 1936, Heft
2, S. 187: „Es dürfte daher zweifelhaft sein, ob Schützen den Kampf mit feuernden und in
Rudeln auftretenden Panzerkampfwagen, welche sie in 1 Minute (gleich 300m!) überfahren
können, erfolgreich führen mit einer Waffe, deren Wirkung erst auf solche nahen
Entfernungen beginnt. Im Kriege versagten die 13mm-Tankabwehrgewehre aus diesen
Gründen, da die den Bedienungen zugemutete moralische Belastung (Wirkung bis 200m
Entfernung gleich früher 2 bis 3 Minuten!) zu groß war.“ Der Bemessung der Wirkung
670
durch Nehring ist sicherlich entgegenzusetzen, daß ausgerechnet in zwei von drei
Tankschlachten –und in allen dreien spielten ungünstigste Sichtverhältnisse eine
herausragende Rolle, in der ersten gab es dazu noch keine Tankgewehre- geringe
Sichtweiten bedeutend waren. Schußentfernungen von weniger als 200m waren also schon
dadurch real gegeben. Die Auswirkungen konzentrierten MG- oder Kleinwaffenfeuers
legen es zudem nahe, Tank- und später auch Panzerbesatzungen durch mit Dauerfeuer aller
Waffen deutlich aufgezeigtem Widerstandswillen zum Abbruch des Angriffs bewegt haben
zu können. Für Verhältnisse des Ersten Weltkrieges mußten Tankgewehre definitiv eine
zumindest das Spektrum der wirksamen Abwehrmöglichkeiten bereichernde Waffe
darstellen.
2718
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 266f.
Das Regiment stellte bis zum 25.9.1918 fest: „Das Gesamtergebnis ist, daß von 18
Schüssen wahrscheinlich keiner den Kampfw. bewegungs- und kampfunfähig gemacht
hätte.“
2719
Siehe KA, [Link]. Korps, Bd. 169: Chef d. Genst. d. Feldheeres IIb Nr. 100266 op. vom
1.10.1918. Falsche Handhabung und übertriebene Hoffnungen, demgemäß falsches
Schießen mit ungünstigem Auftreffwinkel der Geschosse und die nun irrig deklarierte
Annahme, mit einem einzelnen 13mm Geschoß signifikante Wirkung erzielen zu können,
wurden als Fehler benannt.
2720
Siehe ebenda.
671
Vertrauen auf ein unhandliches, schweres Gewehr mit ein paar Schuß
Munition haben, das er zuvor ein paar- oder gar keinmal unter
Schießplatzbedingungen hatte abfeuern dürfen und nun unter chaotischsten,
physisch und psychisch das Maximum an Leistung abfordernden
Gefechtsbedingungen auf nächste Entfernung, ab ausdrücklich maximal 200
bis 300m 2721 , zu Wirkung bringen sollte?
Bezogen auf den Einsatz von Flammenwerfern lagen ähnliche Probleme
vor, da es sich um eine Waffe für den ausgesprochenen Nahkampf auf
Distanzen bis etwa 20m handelte 2722 , die in großer Zahl so bald wie
gefordert nicht verfügbar sein konnte. Spätestens mit den
„Tankvorführungen“ beim Sturmbataillon 6 konnten die leichten
Flammenwerfer als effektive Abwehrmittel angesehen werden 2723 . Sie
waren allerdings bei den Infanterie-Pionierkompanien der Divisionen zu
diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorhanden, was nach sich zog, daß die
OHL am [Link] die Zuteilung von erst einmal zwei Exemplaren je
Kompanie und die Ausbildung und Aufstellung dortiger
2724
Flammenwerfertrupps verfügen mußte . Den ersten beiden Werfern
sollten später vier weitere folgen, und selbst wenn bis Kriegsende einzelne
Belege für den erfolgreichen Einsatz –das bedeutet nichts anderes als
Belege für einen wahrlich grausamen Feuertod der Tankbeatzungen-
vorlagen, so kam es auch hier letztlich nicht mehr zur flächendeckenden
Umsetzung des Vorhabens 2725 .
2721
Siehe ebenda.
2722
Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 138.
2723
Siehe BA-MA, PH 3/975: AOK 6 Pi/Tank No. 70581 vom 6.9.1918.
2724
Siehe KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125, Akt: 210, Bl. 0154: Chef d. Genst. d.
Feldheeres Ib Nr. 98473 op. vom 17.9.1918.
2725
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 281, und
Toepffer: Der Pionierdienst, S. 21.
672
2726
Den ersten Tankabschuß mit Maschinengewehrfeuer aus der Luft reklamierte der später
noch als letzter Befehlshaber der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg bekannt gewordene
Ritter v. Greim für sich, einen zweiten Abschuß erreichte der Flügelmann Greims, ein
Vizefeldwebel Pütz, kurze Zeit später in derselben Kampfhandlung. Einen knappen Bericht
dazu lieferte Greim selbst in Oberlindober (Hg.): Deutsche Kriegsopferversorgung, [Link].
Folge 7 (April 1937), S. 17f. Das Fazit Greims lautete: „Eine neue Möglichkeit war
gewonnen, unsere schwer ringende Infanterie gegen die stärksten Träger der mit Übermacht
geführten Angriffe, die Tanks, zu unterstützen.“
2727
Siehe Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 202.
2728
Siehe Potempa, Harald: Die Königlich Bayerische Fliegertruppe 1914-1918, (Diss.
Universität München) Frankfurt a.M. 1997, S. 76.
2729
Siehe etwa die Vorschläge der Heeresgruppe Rupprecht zur Organisation der
Tankabwehr nach dem 5.9.1918 in KA, Heeresgruppe Rupprecht, Bd. 125. Akt: 210, Bl.
0144.
2730
Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 207 und S. 210ff.
Tatsächlich finden sich für den 8.8.1918 „prozentual hohe Verluste“ genannt, die primär
auf die Unkenntnis der Besatzungen herbeigerufener Schlachtflieger hinsichtlich des
673
Geländes und der Linienführung zurückzuführen gewesen sein sollen. Wie gering die
Wirkung der Schlachtflieger an diesem Tag tatsächlich war mag man auch daran
festmachen, daß, zweifelsfrei in Ermangelung hervorhebenswerter eigener Schilderungen,
eine britische Quelle als Erfolgbeleg angeführt wurde (siehe S. 212, Anm. 1).
2731
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: AOK 2 Iab Nr. 577/August geh. vom 21.8.1918.
2732
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 282.
2733
Siehe ebenda.
2734
Siehe Rohrbeck: Taktik, S. 275f.
2735
Siehe ebenda, S. 200.
2736
Siehe Toepffer: Der Pionierdienst, S. 20.
674
2737
Siehe dazu Baur de Betaz (u.a. Bearb.): Die Luftstreitkräfte, S. 224.
2738
Siehe Erdmann/George: Waffenlehre, S. 56: „Allgemein kann gesagt werden, daß die
leichten K. Flak [bis zum Kaliber 7,7cm] infolge ihrer Beweglichkeit und schnellen
Feuerbereitschaft am meisten befähigt waren, in nicht zu bergigem, mit gutem Wegenetz
versehenen Gelände in vorderster Linie Verwendung zu finden. Die pferdebespannten
[hervorgeh.] Flak waren zwar weniger beweglich, besaßen aber den K. Flak gegenüber den
Vorteil, daß sie sich besser dem Gelände anpaßten und weniger von der Gunst der
Gelände[-] und Wegeverhältnisse abhängig waren.“
2739
Siehe Cron: Geschichte des Deutschen Heeres, S. 215f.
2740
Siehe BA-MA, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S. 144.
2741
Siehe ebenda, S. 279.
675
Wie in der Einleitung aufgezeigt wurde, lag und liegt der Schwerpunkt bei
der Betrachtung der Kampfwagen des Ersten Weltkrieges im Bereich eines
siegreich von den Alliierten ins Feld geführten „General Tank“ und bei
einem der deutschen Führung zu unterstellenden „Versagen“ 2743 hinsichtlich
der Produktion adäquater Tankabwehrmittel sowie eigener Tanks.
Beginnt man die Schlußbetrachtungen damit, den letztgenannten, in der
vorliegenden Arbeit nur am Rande gestreiften Aspekt eines deutschen
Kampfwagenbaus zuerst zu betrachten, kann man auf eine aussagekräftigte
Begebenheit aus der Zeit kurz vor Kriegsende verweisen, um einige immer
wieder angeführte Behauptungen ad absurdum zu führen. Kuhl etwa, der die
dramatische Entwicklung der Kriegslage im gesamten Betrachtungszeitraum
an herausragender Stelle als Stabschef der Heeresgruppe Rupprecht
miterlebte, führte nach dem Krieg das Fehlen deutscher Tanks in einer
Größenordnung von 600 Fahrzeugen als überaus gewichtiges Manko bei der
Durchführung der Entscheidungsoffensive vom 21.März 1918 an 2744 .
Wovon er vielleicht nichts wußte, was aber auch anderen Personen, die sich
des Themas annahmen, nicht bewußt geworden sein dürfte 2745 , war die sich
nur wenige Tage nach der „Desertion“ des von Ludendorff mit den
2742
Wegen des zusammenfassenden Charakters der Schlußbetrachtungen wurden wie in
Kap. 13. auch hier weitgehend auf Querverweise verzichtet.
2743
Siehe dazu Wrisberg, S. 158, Muther, S. 113f., und Fleischer: Die Entwicklung der
Panzerabwehr, S. 13f.
2744
Siehe Kuhl: Entstehung, Durchführung und Zusammenbruch der Offensive, S. 81.
2745
Siehe bspw. BA-MA, RH 61/50138: Manuskript Solgers zu „Wandlungen des
Feldherrnbegriffs von der Zeit Moltkes bis zum Ende des Ersten Weltkrieges“ von Juli
1944, S. 18f., und ebenda, RH 61/50769: Manuskript Petter zur Kampfwagen-Abwehr, S.
319: „In der Heimat waren [bei Kriegsende] alle Maßnahmen getroffen, um dem Heere
1919 800 LK II-Wagen und eine noch nicht bestimmte Zahl Kampfw. ‚Oberschlesien’
[eines schweren Typs] zuzuführen. Eine Vergrößerung dieses Programms war möglich und
auch ins Auge gefaßt.“ Ergänzend sei zum Typ „Oberschlesien“ angeführt, daß Anfang
Oktober 1918 noch zwei Prototypen von der OHL in Auftrag gegeben worden waren, diese
aber bis Kriegsende nicht mehr fertiggestellt wurden; siehe dazu ebenda, S. 253.
676
2746
Bauer teilte in seinen Erinnerungen mit, daß er sich bei der Entlassung Ludendorffs
krankmeldete, was dem Wunsch entsprach, sich dem seinerseits so tragisch empfundenen
Schlußakt des Krieges ganz bewußt zu entziehen; siehe dazu Bauer: Der große Krieg, S.
254f. Vor diesem Hintergrund wird man getrost von „Desertion“ sprechen können. Einen
besonderen Beigeschmack erhält seine Handlungsweise nämlich, wenn man bedenkt, daß
vergleichbares Verhalten von Mannschaften des Heeres, welche im Zweifelsfall für sich in
Anspruch genommen haben können, sich einem „tragisch empfundenen“ und an der Front
dazu noch vielleicht sogar blutigen Schlußakt zu entziehen, von bestimmten Kreisen mit
dem Stigma der „Drückebergerei“ belegt und militärstrafrechtlich mit den Tode bedroht
wurde.
2747
Siehe BA-MA, RH 61/50770: Ergänzungen zu RA, Bd. 14, durch Hildebrand, S. 3.
Vorgesehen waren 670 leichte Kampfwagen des Typ LK II.
2748
Siehe ebenda.
2749
Siehe Wrisberg, S. 160ff. Interessanterweise teilte selbst ein harscher Kritiker der
[Link], Archivdirektor Solger, der in einer Ausarbeitung über den „Feldherrnbegriff“ den
von allen Verantwortlichen versäumten Tankbau als gravierendes Versäumnis anführte, die
Sichtweise Wrisbergs und anderer, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Er schrieb: „Als
in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1917 der Gedanke einer grossen Westoffensive
Gestalt anzunehmen begann, war es wahrscheinlich schon zu spät, um jetzt noch neue
technische Kriegsmittel in dem gebotenen grossen Ausmasse zu schaffen.“ Zitiert nach BA-
MA, RH 61/50138: Begleitende Ausführungen Solgers zu seiner Arbeit und die
„Wandlungen des Begriffes ‚Feldherr’ von Moltkes Zeit bis zum Ende des [Link]“
von 1943, S. 44.
2750
Kraftwagen, direkte Konkurrenten der Tanks was Betriebsstoffe und Motorentechnik
anbelangt, waren nicht nur nützlich für Transporte aller Art, sondern bewiesen ihren Wert
vielfach auch dann, wenn es um das rasche Heranführen von Eingreiftruppen an die
Brennpunkte des Geschehens ging. In den Truppengeschichten sehr vieler, innerhalb der
677
vorliegenden Arbeit genannter Einheiten, die in dieser Rolle auf das Gefechtsfeld kamen,
wird der LKW-Transport erwähnt; siehe etwa TG RIR 52, S. 406, zu Cambrai. Zu diesem
Konkurrenzverhältnis siehe Sußdorf: Das Feldkraftfahrwesen, in Schwarte: Der
Weltkampf, Bd. 6, bes. S. 368.
2751
Siehe dazu bspw. Fleischer: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 12, und Weeks, S.
22. Für die deutsche Seite sind in diesem Kontext die Aussagen aus dem Bereich der
Heeresgruppe Albrecht zur Organisation der Feldartillerie nach dem Krieg, in denen die
zukünftigen Tankabwehrfähigkeiten beziehungsweise Gefahren durch Kampfwagen bereits
im Frühjahr 1917 berücksichtigt wurden, sowie die Forderung Ludendorffs nach eigenen
Kampfwagen nach den Kämpfen bei Cambrai erwähnenswert; siehe HStAS, M 30/1, Bü.
72, Bl. 155: HGr Albrecht vom 16.5.1917, bzw. Abschn. 9.6.2.
678
2752
So etwa am 26.9. und 13.11.1916 an der Somme; siehe Abschn. 3.4.
680
sehen sind. Immer deutlicher zeichnete sich gegen Ende des Jahres zudem
ab, daß die Deutschen für 1918 Trümpfe in der Hand hielten, die einen
grundlegenden Rollenwechsel zwischen Angreifer und Verteidiger an der
Westfront immer wahrscheinlicher werden ließen. Hinsichtlich des
Umganges mit dieser Lageentwicklung war von erheblicher Bedeutung, daß
die Suche nach Schonungsmöglichkeiten für die französischerseits erst
wieder zu Offensivleistungen zu motivierende und bei Briten und Franzosen
gleichermaßen eben nicht unerschöpfliche Masse ihrer Soldaten in Richtung
auf eine verstärkte Nutzung von Material und Technik wies. Hierbei fiel den
Tanks parallel zur Neukonzeption des Artillerieeinsatzes und einer
verstärkten Nutzung der Luftstreitkräfte eine wichtige Rolle zu.
Bei einem Abwägen zwischen den bisherigen und den durch neue
Fahrzeugmuster in größerer Zahl zu erwartenden Leistungen gegenüber den
materiellen und personellen Produktions- und Instandhaltungskosten sowie
in Hinblick auf die Personen wie beispielsweise Fuller, Estienne, Churchill
oder Pétain möglich erscheinenden Modifikationen des Angriffsverfahrens
weg von den routiniert-blutigen Methoden der bisher fruchtlosen
Materialschlacht stand der Tank in hellem Licht da.
Ein guter Teil des sonst so überaus verlustreichen Einbruches in die
feindlichen Stellungen konnte auf die Schultern verhältnismäßig weniger
Soldaten in demnächst verbesserten Fahrzeugen verlagert werden, deutsche
Hindernisanlagen und Grabensysteme wurden überwindbar, und selbst
wenn von den Kampfwagen rational nur eine verhältnismäßig geringe
Waffenwirkung gegen den Feind zu erwarten war, konnte man mit einer
psychischen Wirkung auf die hinter ihnen vorgehende eigene und die vor
ihnen eingegrabene gegnerische Infanterie rechnen. Ein früheres Problem,
nämlich das mit einem üblicherweise durch heftigstes Artilleriefeuer
geprägten Einsatzgelände, welches mit Sprengtrichtern übersät war und für
Tankbewegungen schon ohne zusätzliche Einschränkungen durch
nachteilige Witterungsbedingungen überaus ungeeignet war, ließ sich
beseitigen, ohne beim Angriff auf Artillerieunterstützung verzichten zu
681
2753
Siehe Harris: Amiens, S. 44, Balck, S. 263, und bes. Gray, S. 170ff., welche diesen
schießtechnischen Fortschritt und seine Auswirkungen auf die Durchführung
überraschender Angriffe herausstellten.
2754
Einen Eindruck von der Richtigkeit der Ausführungen Fullers liefern die Notizen im
Tagebuch eines britischen Brigade-Kommandeurs, der noch für den 1.9.1918 festhielt, daß
eine theoretische Belehrung über Tanks durch einen auswärtigen Offizier mit folgendem
Tenor durchgeführt worden war: „Yesterday afternoon Captain Rochfort-Boyd came to
give us a clear and most interesting lecture on Tanks, which I have not yet seen in action.
He said that the Germans are terrified of them, and that they completely demoralised their
defences in recent operations... .“ Der Herausgeber der Aufzeichnungen sah sich übrigens
dazu genötigt, den Leser auf die in der zitierten Passage erkennbare Übertreibung bezüglich
einer auf deutscher Seite vorhandenen Terrorwirkung der Tanks hinzuweisen; siehe
Terraine, John (Hg.): General Jack’s Diary. The Trench Diary Of Brigadier-General J.L.
Jack, D.S.O., London 32003, S. 257.
682
2755
Zu diesem Umstand siehe auch BA-MA, RH 61/51963: Forschungsarbeit Strube zum
8.8.1918, S. 51.
684
2756
Hierunter fallen die drei in Abschn. 10.2. genannten Unternehmungen vom 28.5., 11.6.
und 4.7.1918 genauso wie die "zweite und dritte Tankschlacht" des Weltkrieges und die an
sie anschließenden Angriffe an der Westfront bis zum Waffenstillstand.
685
ein und suchten dem Auftrag nach den direkten Vergleich mit Bollwerken
des Widerstandes.
Hierbei war letztlich nicht wirklich erheblich, daß im gesamten
Betrachtungszeitraum immer wieder und bis zuletzt 2757 sehr hohe Verluste
an Fahrzeugen zu verbuchen waren. Um hierzu abschließend einige Zahlen
zu nennen, kann man 748 französische und rund 1.000 britische Tanks
anführen, die nach einer französischen Zusammenstellung von 1936 durch
feindliche Waffenwirkung ausfielen 2758 . Dies waren 17 beziehungsweise
33% der jeweils bis zum Kriegsende gebauten Fahrzeuge und
berücksichtigte augenscheinlich keine Ausfälle durch technische und
sonstige Pannen, deren Ausmaß dem deutschen Feind bis zuletzt ins Auge
stach 2759 . Operativ waren diese Verluste nicht erheblich, weil die
„Materialschlacht“ und das mit ihr verbundene, geradezu verbissene
Hineinarbeiten in den Feind an einem Ort aufgegeben wurde. Fiel die
Tankunterstützung für frische Angriffstruppen nach einiger Zeit aus und
verstärkte sich der feindliche Widerstand, wurde auf eine Fortsetzung der
Operation an dieser Stelle verzichtet 2760 . Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man
2757
Um eine Größenordnung anzugeben, die zwar nur für die britische Seite gilt und
angesichts des "Zahlendilemmas" der vorliegenden Arbeit (siehe Abschn. 1.3.) nur einem
"Trend" nach eine Richtung ausweist, kann man Griffith anführen. Gestützt auf Zahlen des
britischen amtlichen Werkes gab er an, daß einer Division in den Kampfhandlungen
zwischen dem 15.8. und dem 11.11.1918 durchschnittlich 10 Tanks zugewiesen waren und
davon statistisch nur 6 aus dem Einsatz zurückkamen. Bei geschätzten 1.015 eingesetzten
Fahrzeugen des Tank Corps betrugen die Ausfälle 589 Kampfwagen, darunter 125 leichte;
siehe Griffith: Battle Tactics, S. 167.
2758
Siehe Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 78. Die Personalverluste werden hier für
die Briten mit 5% Toten, 17-24% Verwundeten und 2% Vermißten angegeben, für die
Franzosen mit 3%, 14-19% und 2%.
2759
Siehe bspw. BA-MA, PH 5 II/147: NO AOK 5 Buchnummer 20737 vom 28.10.1918,
S. 2.
2760
Dies mag man als eine Lehre des Weltkrieges für Angriffsoperationen auffassen,
welche -in Guderians „Achtung-Panzer!“ mehrfach gewürdigt- durch Erfahrungen bis 1945
in ihrer Richtigkeit bestätigt worden zu sein scheint. Die besondere Beachtung der
Ausfallquote bei den Tanks vor Amiens nach dem [Link] 1918 und die davon zu
erwartenden Auswirkungen auf die Angriffsfähigkeit der Infanterie lag auch einer
gleichsam militärtheoretischen und militärhistorischen „Lehrschrift“ von 1950 zugrunde;
siehe Kearsey, A.: The Battle Of Amiens 1918 and Operations 8th August-3rd September,
686
Diesem Urteil konnten sich zahlreiche Betrachter der Tanks des Weltkrieges
mit gutem Grund anschließen 2762 . Denn in diesem Aspekt der Schonung der
Infanterie, einer durchweg auf die Anfangsphasen von Operationen
begrenzten taktischen Wirkung, die bei Cambrai am [Link] 1917
zweifellos erstmals wirklich prägnant zutage trat 2763 , sowie einer
psychischen Bedeutung hinsichtlich der Motivation und der
Siegeszuversicht an der Front und in der Heimat auf seiten der Alliierten
erkennt man einen unbestreitbaren Wert der Tanks für die Kriegführung.
Für sich allein gesehen, entsprang hieraus niemals eine kriegsentscheidende
Bedeutung der Kampfwagen, von denen Swinton schon im Februar 1916
prophezeit hatte, daß sie Schlachten niemals allein würden gewinnen
können 2764 . Lösungsansätze für die Probleme beim Schritt vom Einbruch in
die feindlichen Stellungen, der im Sinne des von Liddell Hart ausgemachten
„Cambraier Schlüssel“ 2765 und wie Griffith feststellte 2766 , auch Dank der
Tanks, primär aber mittels verbesserter Planung und Zusammenarbeit aller
Waffengattungen zusehends effektiver wurde, hin zu einem voll
ausgenutzten Durchbruch wurden bis zum Ende des Krieges nicht mehr
1918. The Turn of the Tide on the Western Front, Aldershot 1950, bspw. S. 19ff., S. 59f.
und S. 60f.
2761
Zitiert nach Eimannsberger: Kampfwagenkrieg, S. 79.
2762
Siehe etwa Smithers: Excalibur, S. 74, und Griffith: Battle Tactics, S. 58.
2763
Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162.
2764
Siehe Fuller: Tanks, S. 52.
2765
Siehe Liddell Hart: Foch, S. 249.
2766
Siehe Griffith: Battle Tactics, S. 162ff.
687
WAS DIE TANKS ABGESEHEN VON DEN MAßNAHMEN DER BRITEN UND
FRANZOSEN ZUR STEIGERUNG IHRES KAMPFWERTES IM VERBUND
MIT ANDEREN WAFFENGATTUNGEN TAKTISCH UND OPERATIV
2767
Siehe bspw. Perrett, S. 66, Wright, S. 136f., oder Paschall: Defeat, S. 224.
2768
Siehe RA, Bd. 11, S. 3.
2769
Siehe dazu auch RH 61/50138: Manuskript Solgers zu „Wandlungen des
Feldherrnbegriffs von der Zeit Moltkes bis zum Ende des Ersten Weltkrieges“ von Juli
1944, S. 17a.
688
2770
Siehe BA-MA, RH 61/50355, Bl. 424ff.: Vortrags- und Besprechungsprotokoll zum
Besuch von Reichtagsabgeordneten bei der OHL am 13.7.1918, bzw. siehe Abschn. 10.2.
689
ungefähr legten die OHL und die ihr untergeordneten Stäbe grundsätzlich
besonderen Wert auf Aufklärung, welche die Verlagerung oder
Neuausrichtung des feindlichen Angriffsschwerpunktes erkennen sollte, und
gaben vor dem [Link] zumindest Mutmaßungen über aktuelle
feindliche Truppenbewegungen abseits der offenkundig gerade
ausgeklungenen Riesenschlacht an der Küste heraus.
Als der britische Angriff erfolgte, standen in der wegen monatelangen
Kräftemangels jeder Art schlecht ausgebauten und dünn besetzten
Siegfriedstellung vor Cambrai weiterhin aus vorherigen Kämpfen bereits
erschöpfte und dezimierte Verteidiger, über deren Schwäche der Einbezug
der [Link] in die Hauptkampflinie schon Bände spricht. Der Rückhalt durch
die sagenumwobene Stellung war gering, denn der Gewinn, den jedes mehr
oder weniger „perfekt“ ausgebaute System von Defensivpositionen bei der
Abwehr vorgehender und gewonnenes Gelände sichernder Infanterie
grundsätzlich bieten konnte, ging durch die Breschen schlagenden
Kampfwagen verloren. Die Mittel, um die in großer Zahl vorrollenden
Tanks durch Fernbekämpfung zu zerschlagen oder durch Nahbekämpfung
wenigstens auf breiter Front abzuweisen, fehlten mangels geeigneter Waffen
und der geringen Sichtweiten entweder ganz, oder sie waren wegen der
geringen Dichte einer mit Munition zudem noch unzureichend
ausgestatteten Artillerie zumindest sehr gering. Die bei Arras, an der Aisne
und in der Champagne sowie in Flandern bewährte Tiefengliederung samt
der Bereitstellung kampfstarker Eingreifreserven war ohne die verfügbaren
Truppen nicht umsetzbar. Daher ging dieses Mal mit einem tiefen Einbruch
in die deutschen Linien und nach dem Ausbleiben des augenblicklichen
deutschen Gegenstoßes in den durch den Kampf zermürbten und selbst
erschöpften Feind nicht nur die Gefangenschaft großer Teile der nicht mehr
entsetz- und entlastbaren Stellungstruppen, sondern auch ein faktisch
erreichter Durchbruch einher.
Das Bereinigen dieser katastrophalen Situation erfolgte demgemäß nicht ad
hoc wie etwa noch an der Aisne am [Link] 1917. Der feindliche
Durchbruch im Zentrum der Westfront konnte stattdessen erst mit
Zeitverzögerung, aber immerhin einmal mehr, durch das blitzschnelle
Heranziehen andernorts verfügbar erscheinender Teileinheiten, Einheiten
691
Wie der anonyme Verfasser des Heftes sehr richtig bemerkte, fehlt diesen
Worten jeder Bezug zu verräterisch-wehrkraftzersetzenden Einflüssen aus
der Heimat 2773 , und man muß ergänzen, es fehlen ebenso Bezüge zu
feindlichen Tanks und zu „Drückebergerei“ und Massendesertion im Heer.
Daß Hindenburg den Kollaps der Verbündeten und die Zahl der Gegner
nannte, dagegen aber kein Wort über das Schwinden der eigenen Mittel
2771
Siehe Keil, Lars-Broder/Kellerhoff, Sven Felix: Deutsche Legenden. Vom „Dolchstoß“
und anderen Mythen der Geschichte, Berlin 2002, S. 33.
2772
Zitiert nach ohne Verfasser: Der „Dolchstoß“. Warum das deutsche Heer
zusammenbrach, Berlin 1920, S. 37.
2773
Interessanterweise finden sich Beispiele dafür, daß es derartige Bemühungen
linksgerichteter und/oder pazifistischer Kreise während des Krieges gegeben hat. Deren
Eigengewicht darf man angesichts der Gesamtbedingungen, unter denen Front und Heimat
den Krieg erlebten, allerdings gering einschätzen; siehe etwa Eildermann, Willi: Jugend im
Ersten Weltkrieg. Tagebücher, Briefe, Erinnerungen, Berlin-Ost 1972, bspw. S. 367.
693
sagte, tritt als Teil eines von früheren militärischen Verantwortlichen wie
Ludendorff und Kuhl 2774 gepflegten Systems der Verschleierung von
erheblicher Schuld und gravierenden Fehlern in das Blickfeld des
Betrachters.
Wie Dietz 1919, nach dem von Pöhlmann ausgemachten kurzen „Winter der
Kritik“ in der deutschen Militärhistoriographie 2775 , behauptete, diente die
Erwähnung von Tanks im Kontext militärischer Niederlagen an der
Westfront offenkundig als Deckmantel der wahren Ursachen für eintretende
Mißerfolge 2776 . Dies zu glauben, fällt um so leichter, je deutlicher einem
Betrachter wird, in welchem Umfang sich das deutsche Heer bis Mitte Juli
1918 verbraucht hatte und welche Auswirkungen dies für die Fortsetzung
des Krieges haben mußte.
„Cambrai“ war abseits der deutschen Offensiven bis zum [Link] 1918
plötzlich überall, und die früher noch ertragenen Ausfälle in den Reihen der
mit massiver Überlegenheit attackierten Stellungstruppen waren weder auf
dem Schlachtfeld zu kontern, noch mit einem militärisch gerechtfertigten
oder zumindest propagandistisch glaubhaft vermittelbaren Attribut des
„Abwehrerfolges“ auszugleichen. Das taktisch maßgebliche Verfahren der
Tiefengliederung konnte mit den zusammengeschrumpften Einheiten nicht
mehr funktionieren, sondern führte zu einer Zersplitterung der Kräfte.
Genausowenig half es, die Tiefengliederung zugunsten einer wieder
stärkeren Zusammenziehung der Stellungsbesatzungen halbwegs ad acta zu
legen, da hiermit die Nachteile und Gefahren einer Einbrüchen gegenüber
anfälligen Liniensicherung verbunden waren. Außerdem war eine
2774
Man denke hierbei nur an Kuhls Veröffentlichung über die Kriegslage im Herbst 1918
und die Frage des Weiterkämpfens, die nicht zuletzt den Kenner seiner persönlichen
„Aufzeichnungen“ -jedenfalls des Materials, das er als solche den amtlichen deutschen
Geschichtsschreibern zukommen ließ- in größte Verwunderung versetzen muß; siehe bspw.
Kuhls Tagebuchnotiz zum 6.9.1918, BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S.
190f.
2775
Siehe Pöhlmann: Kriegsgeschichte, S. 61ff.
2776
Siehe Dietz: Der Todesgang, S. 74: „Als ein Mangel wird es aufgefallen sein, daß bei
der Aufzählung der die deutsche Armee zerstörenden Ursachen noch mit keinem Worte der
Tanks gedacht wurde, die in den letzten Jahren des Krieges immer dazu herhalten mußten,
wenn es galt, einen Mißerfolg zu begründen.“
694
2777
Wie die Tagebuchaufzeichnungen des Kommandeurs der [Link] in Stellung
südwestlich Soissons am 17.7.1918 zu „20-25 Mann u. 15 Mann M.G.“ betonen, sind 50
Mann je Kompanie möglicherweise sogar noch zu hoch gegriffen; siehe KA, Nachlaß Paul
von Kneussl, Tagebuch Nr. 17, Eintrag zum 17.7.1918.
2778
Um ein Beispiel bereits vor dem 18.7.1918 zu nennen, kann die [Link] angeführt
werden, welche der Führung wegen nachlassender Gefechtsleistungen aufgefallen war und
ihr „Versagen“ auch gar nicht in Abrede stellte, sondern in Bandbreite von
Überbeanspruchung, nachteiligen und schlechten Stellungen sowie Kräftemangel auf
handfeste Ursachen dafür verwies; siehe HStAS, M 33/2, Bü. 225, Bl. 12ff: [Link] Abt. Ia
Nr. 57/VII geh. vom 11.7.1918.
695
2779
Siehe KA, HS 2698: „Gefangenschaftsbericht“ des Oberleutnant v. Thoma vom
November 1919, S. 4, bzw. Abschn. 11.5. und bspw. BA-MA, RH 61/51: [Link] Abt. Ia
Nr. 2052 vom 9.8.1918, Ziff. 4.).
2780
Vergleiche hiermit Alter: Generalobersten v. Einem, S. 428 (Tagebucheintrag vom
28.8.1918): „Die OHL. hielt die Tanks für ein überwundenes Kampfmittel, ließ keine bauen
und muß nun erleben, daß der Feind alle seine Erfolge fast nur den Tanks verdankt. Durch
sie nimmt er unsere, sich immer noch vor ihnen graulende Infanterie massenhaft gefangen.
Das ist ein Verlust, den wir nicht mehr lange ertragen können, denn es fehlt uns an
Nachersatz.“ Ohne Anspielungen auf Tanks sagte der Führer der [Link] in seinen
Erinnerungen dagegen sehr viel näher an den Realitäten der Westfront 1918 orientiert: „Im
blutigen feurigen Endkampf des Krieges, als das Eisenmaterial der Fabriken der ganzen
Welt sich hemmungslos auf die halb verhungerten, verlausten und abgerissenen deutschen
Infanteristen ergoß, als eine neue, wohlgenährte amerikanische Armee und alle übrigen
Feinde ansetzten, gleichzeitig an allen Stellen der deutschen Front den Todesstoß zu
versetzen, [...:] da sind es immer dieselben gewesen, erst Kompanien von 50, dann zu 40,
schließlich zu 10 Mann, die in geradezu einzig in der Geschichte dastehender Hingebung
und Tapferkeit der Welt ein Beispiel dafür gegeben haben, daß Idealismus größer ist als
Materialismus.“ Zitiert nach Einem, Karl v.: Erinnerungen eines Soldaten 1953-1933,
Leipzig 31933, S. 188f. Läßt man die hier sichtbaren Auswüchse eines „Im Felde
unbesiegt“-Frontkämpfer-Pathos einmal unbeachtet, so finden sich mit der besonderen
Betonung der Amerikaner, sowie mit dem Hinweis auf die zugeschrumpften Verteidiger die
beiden entscheidenden militärischen Faktoren der Niederlage. Tanks sind hierbei
zusammen mit Flugzeugen, Munition und Geschützen im „Eisenmaterial der Fabriken der
ganzen Welt“ subsumiert und nur ein teil der Summe alliierter Überlegenheit.
2781
Siehe dazu bspw. BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 189 (Eintragung
zum 4.9.1918): „Ludendorff beklagt sich immer über den starken Verbrauch an Divisionen,
696
dazu gewillt, das bis dato schon bis an die Grenze des Machbaren
praktizierte Aus- und Durchhalten in solch verzweifelter Lage über „die
letzte Patrone“ hinaus auch tatsächlich „bis zum letzten Mann“ zu suchen.
Schließlich, und zu der Erkenntnis, daß hierzwischen und den
Gefechtsleistungen der Truppe ein elementarer Zusammenhang bestand,
kamen deutsche Militärs in führenden Positionen wie Generaloberst von
Einem offenkundig während des Krieges gar nicht und später nur unter
verklärendem Einfluß von Frontkämpferpathos, war man bereits mit dem
„letzten Mann“ ins Gefecht gegangen. Jedermann konnte sehen, wie die
winzigen Kompanien in der Folgezeit von 50 bis auf zuletzt 10 Mann 2782
zusammenschrumpften. Umfangreiche Truppenauflösungen als Abhilfen
gegen Mannschafts-, Führer- und Ersatzmangel in bestehenden Formationen
belegten und belegen den unaufhaltsamen Verfall des Heeres zudem2783 .
Für eine in ihren personellen Mitteln eingeschränkte oder „arme“ und eine
an ihren materiellen Möglichkeiten gemessen zuletzt wohl sogar
„armselige“ deutsche Kriegführung 2784 , die im Laufe des letzten
Kriegsjahres zu allem Überfluß auch genötigt war, Soldaten das Häuten
allerlei Vierbeiner zugunsten der Kriegsrohstoffgewinnung finanziell
schmackhaft zu machen 2785 und bis Kriegsende nicht einmal mehr dazu in
der Lage war, 150 LKW mit 5,7cm Beutekanonen zu bestücken, um sie
gegen die als psychologisch besonders wirksamen erkannten gepanzerten
schlechte Führung, aber das sind gar keine Divisionen mehr. Man kann mit ihnen gar nicht
aus der Tiefe fechten. Sie sind viel zu schwach dazu. Man kann auch den Abschnitt gar
nicht damit besetzen wie früher.“
2782
Siehe Einem: Erinnerungen, S. 188f.
2783
Cron gibt an, daß im August 1918 neun, im September 12, im Oktober fünf und im
November eine Division „aus Gründen der Ersatzlage und mangelndem inneren Wert der
Truppe“ aufgelöst werden mußten; siehe Cron: Geschichte des deutschen Heeres, S. 105.
Den desaströsen Zustand der deutschen Verbände gegen Kriegsende beschreiben die in der
Beilage 2 des Bd. 6 der [Link] des Untersuchungsausschusses des Reichstages zum
Zusammenbruch von 1918 ab S. 321 zusammengefaßten Meldungen überaus eindringlich.
2784
Siehe dazu auch Wrisberg, S. 160ff.
2785
Siehe HStAS, M 200, Bü. 34: KM Kriegsamt Nr. L. 200/8.18 K.R.A. vom 8.10.1918.
Aufgelistet sind hierin Vergütungen für die Ablieferung von Häuten und Fellen, die sich
zwischen 3 RM für eine „Großviehhaut“, 2 RM für Felle verschiedener Wildtiere und 1
RM für Hundefelle (!) bewegten.
697
Das Verhalten der militärischen Führung stand und steht als Dauerthema bis
heute im Zentrum der Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg. Bei den
Franzosen, das ist in Form ungeklärter Fragen rund um die „Nivelle-
Offensive“ von April 1917 besonders ersichtlich 2789 , gibt es Zweifel an der
2786
Neben den hier auffindbaren Dokumenten beziehungsweise Zahlen bietet BA-MA, RH
61/51716: Anonymes Manuskript zur Ersatzlage 1917/18, auf S. 8 eine entscheidende
Aussage, um die Bedeutung der Kräfte- und Ersatzlage für das Geschehen 1917/18
herauszustellen: „Sie [die OHL] hatte sich trotzdem entschlossen, den Angriff im Frühjahre
zu führen. Und trotz der Ersatzlage oder gerade ihretwegen blieb ihr gar nichts anderes
übrig. Eine Verteidigungsweise Führung des Krieges im Jahre 1918 hätte eine viel
schärfere Aufzehrung der Reserven gebracht und dazu drohten die amerikanischen
Millionenheere.“
2787
Siehe dazu auch Travers: How The War Was Won, S. 179.
2788
Zitiert nach Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 328 (Tagebucheintrag zum
6.10.1918).
2789
Ersichtlich ist dies etwa in den bis heute auffindbaren, geradezu verzweifelt-
anklagenden und nicht durch den Sieg von 1918 nivellierten Epilogen zum Geschehen, die
698
Kompetenz ihrer Generalität des Weltkrieges, und so wie es sich heute auch
internettechnisch fassen läßt, liegt für den Bereich des früheren britischen
Empire unter der Überschrift „Lions led by Donkeys“ dezidierte Kritik an
Haig und seinen Generalskollegen vor 2790 .
Das Für und Wider hierbei faßbarer Anschuldigen und Vorwürfe, in deren
Zentrum erschreckend und unnötig große Opfer der khaki oder horizontblau
gekleideten „Löwen“ stehen, die durch ineffiziente Strukturen sowie
Skrupellosigkeit, Unwissenheit und Verantwortungslosigkeit einer Riege
von „Eseln“ in hohen Positionen verursacht wurden, braucht an dieser Stelle
nicht weiter erläutert werden 2791 . Einige signifikante Beispiele wie etwa die
Uneinsichtigkeiten Nivelles bis zum Desaster ab Mitte April 1917 oder die
Vernachlässigung des bei Cambrai gewonnenen Raumes durch die britische
Führung bis zum unerwartet heftigen deutschen Gegenangriff am
[Link] 1917 sind den Kapiteln der vorliegenden Arbeit auffindbar.
Für die alliierte Seite der Front und bezogen auf die „Tankfrage“ sei einmal
mehr auf Fuller verwiesen, dessen Schriften nicht nur nicht mit Kritik an
den Vorgesetzen auf vielerlei Gebieten im Bereich der Schnittstellen von
Militär, Rüstung und Politik in der Heimat sowie hinsichtlich der
Operationsplanung und Truppenführung an der Westfront sparen, sondern
zudem darauf verweisen, daß der gegen die [Link] erhobene Vorwurf des
2792
Aus den Erinnerungen sei eine Passage als Beleg angeführt, die sich aus den
Erlebnissen des Tank-Fachmannes anläßlich einer Besprechung im „Großen Hauptquartier“
in London Anfang Januar 1918 über Zukunftsfragen der Tanks ergab: „Diese Zahlen
brachten die Militärs in Verlegenheit und es erhob sich eine wilde Diskussion am Tisch. Sie
wurde mit der Frage eingeleitet: ‚Können Tanks Kanalschleusen überqueren?’ und sie
endete mit der Frage: ‚Kann eine zweipfündige Granate eine Backsteinmauer
durchschlagen?’ Als das Durcheinander derart groß war, daß die Generale nicht mehr
wußten, was sie sagen sollten, sagte der Admiral ganz unvermittelt, daß er 300 Mark-V-
Tanks verlängern könnte, und daß er hoffe, daß dieser Typ schließlich von dem Liberty-
oder Mark-VIII-Tank ersetzt werden würde. Da die wenigstens wußten, wovon er sprach,
brachte jemand, der offenbar noch weniger wußte, plötzlich die Diskussion von dem
größten Tanktyp auf den kleinsten, den französischen Renauld, und teilte der Versammlung
mit, daß sich 9000 im Bau befänden: 2500 für die Franzosen, 1200 für die USA. und 300
für uns. Dann folgte ein peinliches Schweigen, denn offenbar hatte der Redner vergessen,
wer die restlichen 5000 erhalten sollte.“ Zitiert nach Fuller: Erinnerungen, S. 200.
2793
Siehe dazu auch die diesen Umstand und die Person Estiennes besonders würdigende
Einleitung General Weygands in Bourget, P.-A.: Le Général Estinenne, penseur, ingénieur
et soldat, Paris 1956.
700
2794
Siehe dazu bspw. Chickering, S. 30ff., Harris: Amiens, S. 3ff. („German militay
excellence“), Stevenson, S. 67ff., und Sheldon: Somme, S. 396ff., wo auf S. 406 über die
deutsche Armee am Vorabend der Sommeschlacht 1916 geurteilt wird: „This was the army
which fought the Battle on the Somme. Drawn from the whole of German society, it was of
good quality, well trained, experienced and battle-hardened. It was always short of
manpower and materiel, but it was an extremely effective fighting organisation.”
2795
Siehe Wrisberg, S. 160ff.
701
2796
Siehe Asprey: The German High Command At War, S. 10f.
702
2797
Ein wirklich merkwürdiges Beispiel für eine verschrobene Sicht der Dinge nennt Kuhl
in Form eines Auftrittes des Kommandanten des Großen Hauptquartiers: „Gestern Abend
und heute Morgen war Generaloberst v. Plessen hier. Er hat alle Armeen bereist, hat aber
keinen Schimmer von der Lage. Er meint, wenn wir jetzt standhielten, hätten wir im Herbst
den Krieg gewonnen! Lauter Unsinn!“ An diese Äußerung anschließend, beschrieb Kuhl
selbst die offensichtlich katastrophale Situation: „Ich befürchte, wir können auch in den
neuen Stellungen auf der ganzen Front den Kampf nicht durchführen. [... .] Die Berichte
der Postüberwachungsstellen geben ein trübes Bild von der Mißstimmung der Truppe. Von
der Heimat entwerfen alle die daher kommen, dasselbe Bild.“ Zitiert nach BA-MA, RH
61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 189 (Eintrag zum 4.9.1918).
2798
Zitiert nach ebenda, S. 190 (Eintrag zum 6.9.1918).
703
2799
Siehe dazu einen Bericht über eine außerordentliche Vertreter-Versammlung am
5.11.1924 in den Mitteilungen des Verbandes der bayerischen Offiziers-Regimentsvereine,
Nr. 210 vom 12.11.1924 (in Besitz des Verfassers der vorliegenden Arbeit).
704
unzweifelhaft intensiv beteiligt- die Affäre Nagel. Mit der Tankfrage und
dem Kriegsende scheint sie auf den ersten Blick kaum etwas zu tun zu
haben, sondern entweder mit der Abstrafung eines unfähigen Generals, oder
mit der Begleichung persönlicher Rechnungen in einer Situation, in der nach
präsentablen „Schuldigen“ für eine Niederlage gesucht wurde. Tatsächlich
kulminiert in diesem Beispiel einiges mehr, nämlich ein bei Ludendorff
ausgeprägtes Gebaren, das nach schnellen Antworten verlangte sowie
ziemlich unreflektiert zu überstürzten Reaktionen –im Zweifelsfall zu
Personalentscheidungen- neigte und von Untergebenen ohne lauten
Aufschrei mehr oder weniger gütlich hingenommen wurde. Rupprecht und
Kuhl hatten jedenfalls in diesem Fall kein Problem mit der Opferung des
Stabschefs des AOK 6, die den Blick auf wahre Gründe der Krise vom
[Link] 1917 bei Arras kaschieren konnte. Die zweite Situation in der
Rupprecht beziehungsweise sein Heeresgruppenkommando besonders
unrühmlich auffällt, findet sich im Vorfeld des [Link] 1918, als man die
Meldung über auffahrende Tanks zwar weitergab, gleichzeitig aber weder
Alarm- und Tankabwehrbereitschaft befahl, noch für eine signifikante
Verstärkung des betroffenen Abschnittes der [Link] sorgte 2800 . Und dabei
waren die ersten und viele der folgenden Erfahrungsberichte aus dem
Zusammentreffen mit Kampfwagen sowie die darin enthaltenen und noch
1918 geltenden Empfehlungen beim Umgang mit tankgestützten
Feindangriffen auf die Heeresgruppe, also auf Rupprecht und Kuhl,
zurückzuführen.
Solche personenbezogenen Beispiele, wie sie hier exemplarisch für Thaer
und Rupprecht angeführt wurden, lassen sich in sehr großer Zahl und
tatsächlich auch in voller Bandbreite der Führungsverantwortlichkeiten
deutscher Generale finden.
So ist für den [Link] 1918 in Ergänzung der Versäumnisse der
Heeresgruppe Rupprecht anzumerken, daß offenkundig nicht nur sie ihre
eigenen Weisungen und Ratschläge vergessen hatte. Das AOK 2 General
2800
Angesprochen wird dieses Vorkommnis auch in BA-MA, RH 61/50157:
Forschungsarbeit Förster zum Bild des „modernen Feldherrn“, S. 28. Direktor Förster
nannte in diesem Kontext allerdings keine Namen und ließ das Heeresgruppenkommando
auch in RA, Bd. 14, von Vorwürfen verschont.
705
von der Marwitz', welches schon bei Cambrai einer von oben diktierten
Lageauffassung gefolgt war, zog keine eigenen Schlüsse aus der Mitteilung
der Heeresgruppe zu den im Anmarsch gemeldeten Tanks, die wenigstens
die Alarmbereitschaft ihrer dezimierten Verbände hätte garantieren können.
Stattdessen glaubte man, daß ein Großangriff nicht bevorstehe und
präsentierte selbst Jahre später in den „Erinnerungen“ von der Marwitz nur
Hinweise auf ein bösen Vorurteilen entsprechendes Treiben im Armeestab
vor dem [Link] 1918 2801 .
Im Sinne der Affäre Nagel sind etwa die Erlebnisse Gallwitz' oder das
Verhalten des AOK 2, der Heeresgruppe Rupprecht und der OHL gegenüber
Moser nach dem bei seiner Gruppe geradezu „befehlsgemäß“ gescheiterten
Gegenangriff am [Link] 1917 zu nennen. Wahrheiten zu sagen oder
gegebenenfalls auch eingestehen zu müssen, fiel Untergebenen aller
Dienstgrade offenkundig so schwer wie den Vorgesetzten, hiermit so
umzugehen, daß nicht Augenwischerei, Selbstbetrug und Notlösungsrezepte
mit minimaler Halbwertzeit herauskamen. Andererseits nutzten
Untergebene auf Divisions- und Gruppenebene ihre Berichte vor den
unübersehbaren Katastrophen ab Mitte 1918 offenkundig nur selten, um
solche „Wahrheiten“ in ummißverständlicher Form, welche Verhandlungen
über Sachverhalte hätte ermöglichen können, zur Sprache zu bringen. So
war der Kommandeur der Gruppe Caudry nach November 1917 darauf
bedacht, kritische Stimmen zu den Grundlagen des [Link] zum
Schweigen zu bringen, und am Beispiel des Offizierstellvertreters Jaffé und
seinem Bericht über die Nahkampfbatterien im Frühjahr 1917 kann man
ablesen, daß es nicht ungefährlich war, Mängel deutlich anzusprechen.
Eine den Realitäten angemessene Auswertung von Kampfgeschehen kam
solchem Verhalten gemäß vielfach gar nicht zustande, und wenn es einem
2801
Siehe Tschischwitz: General v.d. Marwitz, S. 301ff. (Kommentar Tschischwitz` zur
Lageentwicklung bis zum 8.8.1918 und Einträge vom 5.-8.8.1918). Erwähnt werden
Belanglosigkeiten, die eine völlige Ahnungslosigkeit belegen. Selbst wenn es sich bei
Tschischwitz’ Edition um eine Mischung von privaten Aufzeichnungen und Briefen von
der Marwitz’ handelt, bei denen Notizen zum führungstechnischen Tagesgeschäft
weitgehend ausgeklammert blieben und aus Geheimhaltungsgründen wohl ausgeklammert
bleiben mußten, fehlt auch im Kommentar des Herausgebers jeder Ansatz, dieses Bild zu
verwischen beziehungsweise richtigzustellen.
706
2802
Siehe BA-MA, RH 61/50637.
2803
Siehe HStAS, M 33/2, Bü. 300: HGr Kronprinz Ia/Ic Nr. 6438 geheim vom 27.8.1918.
2804
Siehe etwa BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 194 (Eintrag zum
4.10.1918).
707
2805
Bezeichnenderweise auch von Mitteilungen des AOK 2 v.d. Marwitz; siehe HStAS, M
33/2, Bü. 300: AOK 2 Ias Nr. 294/Febr. Geheim! vom 17.2.1918.
2806
Siehe ebenda, RH 61/52, Bl. 10: Brief v. Bocks vom 6.9.1930.
2807
Gleichs Kritik zu den „Verirrungen“ des deutschen Heeres offenbaren vor allem auch
Fehler, die sich bereits in der Friedenszeit eingeschlichen hatten, Dietz’ „Todesgang“ fühlte
den Ursachen des Kriegsendes auf den Zahn und Hobohms Gutachten für den
Untersuchungsausschuß des Reichstages bot einen erstaunlichen Einblick in die während
des Krieges aufgetretenen Mißstände aller Art. Die in den drei Titeln angesprochenen
Problemfelder im Spektrum von Vetternwirtschaft, beschönigenden Berichten,
übersteigerter Karriereorientierung, „Generalstabswirtschaft“ oder etwa Überheblichkeiten
finden ihre Beispiele in den Kapiteln der vorliegenden Arbeit.
708
massenhafte Vorhandensein von Panzern auf Seiten der Entente verwiesen. Das war
ein Versuch, die Verantwortung für die Niederlage des deutschen Imperialismus auf
die Militärtechnik und die für ihre Beschaffung zuständigen Dienststellen zu
reduzieren.“ 2808
14.4. Fazit.
2808
Zitiert nach Fleischer: Die Entwicklung der Panzerabwehr, S. 14.
2809
Siehe Foch: Kriegserinnerungen, S. 413.
709
Innovation des Weltkrieges, welcher ein Platz neben vielen anderen und
nicht vor diesen eingeräumt werden muß.
Ein großes Hemmnis bei einer zutreffenden Verortung der Bedeutung von
Tanks stellte der Versuch militärischer Kreise nach 1918 dar, Kampfwagen
als Vehikel zur Verschleierung von eigenen Fehlern und mehr oder weniger
allgemeinen Mißständen im Diskurs um den Kriegsverlauf und das
Kriegsende zu nutzen. Diese Anstrengungen waren recht erfolgreich wie
man an der Existenz des in der Einleitung skizzierten „populären“ Bildes
ablesen kann.
Argumentativ waren sie lächerlich und obskur, denn hinter jedem
tatsächlich auf dem Sektor der „Tankfrage“ zu unterstellenden Versagen
scheinen elementarere und gravierendere Fehler einzelner und des –wie
Fleischer in Anlehnung an die Terminologie der ostdeutschen
Geschichtsschreibung sagte 2810 - deutschen „Imperialismus“, nämlich des
etablierten militärischen und politischen Systems und seiner vielfältigen
Auswüchse überaus deutlich durch.
Belege hierfür und die Unsinnigkeit der Vorstellung von
„kriegsentscheidenden“ Tanks, zudem auch für die Abwegigkeit der von
deutschen Militärs formulierten These, militärisch unbesiegt geblieben zu
sein und von ihrer Warte aus alles getan zu haben, um die Niederlage
abzuwenden, füllen die Seiten der vorliegenden Untersuchung.
Aus dem ihr zugrundeliegenden Quellenmaterial sei zum Abschluß ein den
Aufzeichnungen Kuhls entliehenes Zitat angefügt. Einmal mehr
unterstreicht es, wie weit auch zwischen deutschen militärisch
Verantwortlichen in den letzten Monaten des Krieges offen diskutierte
Ansichten von dem abwichen, was sie selbst und viele andere nach
November 1918 als Hauptursachen für die Niederlage anführten:
„Die Lage auf dem Balkan ist hoffnungslos. Nun wird die Entente auf
Konstantinopel marschieren. Österreich kommt in die schwierigste Lage. Die
Rumänen sind höchst unsicher. [Kuhl zitiert Ludendorff:] ‚Der Feldzug ist durch die
2810
Siehe Abschn. 14.3.
710
Ereignisse auf dem Balkan verloren.’ – Also nun gibt Ludendorff zu, daß der Krieg
verloren ist. Aber nicht nur durch den Balkan!“ 2811
Man kann Kuhl nur beipflichten, denn auch die Situation an der Westfront,
in Italien, in der Luft, zur See und in der Heimat war trostlos geworden.
Eine Hervorhebung der Tanks sucht man hier, bei der Betrachtung der
Gesamtlage aus gutem Grund vergeblich.
15. Verzeichnisse.
11.I.D., Bd. 96
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43, Akt: Fremde Berichte, Bd. 43, Akt: 41, Bd. 88, Akt: 36, Bd. 88, Akt: 40,
Bd. 117, Akt: 177, Bd. 125, Akt: 206, Bd. 125, Akt: 208, Bd. 125, Akt: 210,
Bd. 126, Akt: 211, Bd. 126, Akt: 213
2811
Zitiert nach BA-MA, RH 61/50652: Aufzeichnungen Kuhl, S. 194 (Eintrag zum
3.10.1918).
711
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Bü. 225, Bü. 241, Bü. 244, Bü. 256, Bü. 300, Bü. 307, Bü. 330, Bü. 356,
Bü. 363, Bü. 373, Bü. 373a, Bü. 374, Bü. 536, Bü. 573, Bü. 581, Bü. 613,
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1918, Karlsruhe 1933.
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Verschiedene Bearb.: Das Feldartillerie-Regiment 213 (Aus Deutschlands großer
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TG FAR 60
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Watter
Verschiedene Verfasser: General Oskar Freiherr von Watter. Dem Gedenken eines
großen Soldaten, Hamburg o.J.
TG IR 180
Vischer (Bearb.): Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914-1918
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1921.
TG FAR 51
Wagner, Rudolf (Hg.): Das [Link]-Elsässische Feldartillerie-Regiment Nr. 51 im
Weltkriege 1914/1918 (Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918, Bd. 31), Berlin
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Walther, W. (Hg.): Das Res.-Infanterie-Regiment Nr. 265 (Aus Deutschlands
großer Zeit, Bd. 265), Zeulenroda 1933.
Watter, Oskar Frhr. v.: An der Spitze des Waffenrings der deutschen Feldartillerie.
Abschiedsgruß des Generals, in verschiedene Verfasser: General Oskar Freiherr
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Bd. 59), München 1929.
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Windhorst, Karl: Das Mindensche Feldartillerie-Regiment Nr. 58 im Weltkriege
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Wrisberg, Ernst v.: Wehr und Waffen 1914-1918 (Erinnerungen an die Kriegsjahre im
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Zimmerle, Eduard (Bearb.): Das 3.Württembergische Feldartillerie-Regiment Nr.
49 im Weltkrieg 1914-1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg, Bd.
23), Stuttgart 1922.
755
Zindler, Erwin: Erziehungsarbeit und ihr Erfolg bei Cambrai, in verschiedene Verfasser:
General Oskar Freiherr von Watter. Dem Gedenken eines großen Soldaten,
Hamburg o.J., S. 130-147.
TG FAR 108
Zindler (Hg.): Regimentsgeschichte des Feldartillerieregimentes No. 108,
Hamburg 1919.
Zwehl, Hans v.: Die Schlußkämpfe an der Westfront, August bis Oktober 1918, in
Schwarte, Max (Hg.): Der Weltkampf um Ehre und Recht, Bd. 3, Berlin/Leipzig
o.J., S. 545-597.
(Nach dem Stand vom 13.10.2006, sofern in den Anmerkungen nicht anders
vermerkt.)
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l
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15.5. Abkürzungsverzeichnis.
AAbt. = Armee-Abteilung
Abschn. = Abschnitt
Abt. = Abteilung
AK = Armeekorps
amerik. = us-amerikanisch
APK = Artillerie-Prüfungs-Kommission
Art. = Artillerie
Artl. = Artillerie
b. = bayerisch
BAK = Ballonabwehrkanone
Batl. = Bataillon
Batlne. = Bataillone
Batt. = Batterie
bayer. = bayerisch
BED = Bayerische Ersatz-Division
BEF = British Expeditionary Force
Brig. = Brigade
brit. = britisch
BTK = Bereitschaftstruppenkommandeur
Btl. = Bataillon
CA = Armeekorps (französisch)
Div. = Division
ED = Ersatz-Division
engl. = englisch
FAR = Feldartillerie-Regiment
Fhr. = Führer
FK = Feldkanone
Flak = Flugabwehr (-kanone)
Frhr. = Freiherr
frz. = französisch
FuAR = Fußartillerie-Regiment
759
GED = Garde-Ersatz-Division
Gen. = General
Genst. = Generalstab
GFAR = Garde-Feldartillerie-Regiment
GFR = Garde-Füsilier-Regiment
GID = Garde-Infanterie-Division
GK = Generalkommando oder Gardekorps
GPK = Gewehr-Prüfungs-Kommission
GR = Grenadier-Regiment
Gr = Gruppe
GRD = Garde-Reserve-Division
GRK = Garde-Reservekorps
HGr = Heeresgruppe
Hptm. = Hauptmann
HWL = Haupt-Widerstands-Linie
ID = Infanterie-Division
Inf. = Infanterie
IR = Infanterie-Regiment
Kampfw. = Kampfwagen
Kdr. = Kommandeur
K-Flak = Kraftwagen-Flugabwehrkanone
Kgl. = Königlich
KGr. (m. P.) = Kanonengranate (mit Panzerkopf)
KM = Kriegsministerium
Komp.= Kompanie
KTK = Kampftruppenkommandeur
LD = Landwehr-Division
lFH = leichte Feldhaubitze
LKW = Lastkraftwagen
lMG = leichtes Maschinengewehr
lMW = leichter Minenwerfer
Lt. = Leutnant
Mannsch. = Mannschaften (Unteroffiziere und Gemeine als Gruppe)
Maj. = Major
760
MG = Maschinengewehr
MGK = Maschinengewehrkompanie
MGO = Maschinengewehroffizier
MGSSA = Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilung
mMW = mittlerer Minenwerfer
MW = Minenwerfer
MWK = Minenwerferkompanie
NO = Nachrichtenoffizier
Offz. = Offizier
OHL = Oberste Heeresleitung
Olt. = Oberleutnant
preuß. = preußisch
RD = Reserve-Division
Regt. = Regiment
Res. = Reserve
RFAR = Reserve-Fußartillerie-Regiment
RFC = Royal Flying Corps
RIR = Reserve-Infanterie-Regiment
RK = Reservekorps
RM = Reichsmark
RNAS = Royal Naval Air Service
RTK = Reservetruppenkommandeur
sächs. = sächsisch
sFH = schwere Feldhaubitze
sMG = schweres Maschinengewehr
SmK = Panzerbrechende Infanteriemunition
Tak = Tankabwehrkanone
TG = Truppengeschichte
Tuf-MG = Tank- und Flieger-Maschinengewehr
Uffz. = Unteroffizier
VFw. = Vizefeldwebel
VPK = Verkehrstechnische-Prüfungs-Kommission