Okklusionsmorphologische Anpassungsmechanismen Der Zähne - Eine Langzeitstudie
Okklusionsmorphologische Anpassungsmechanismen Der Zähne - Eine Langzeitstudie
- Eine Langzeitstudie -
Inaugural-Dissertation
zur Erlangung des Doktorgrades
der Hohen Medizinischen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
Bonn
Martin Raudsep
aus Köln
2013
Angefertigt mit Genehmigung der
Medizinischen Fakultät der Universität Bonn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ................................................................................................................ 8
1.1 Okklusion – eine kurze Einführung ........................................................................................ 8
Unterkieferstellung ............................................................................................................... 12
2.4 Digitalisierung und Matching der Ober- und Unterkiefermodelle – Erläuterung zum
2.5 Auswertung der gematchten Ober- und Unterkiefermodelle mit dem Surfacer®................. 25
3. Ergebnisse ............................................................................................................. 29
3.1 Auswertung der Befundbögen .............................................................................................. 29
3.2.2 Unterkiefer-Temperaturbilder........................................................................................ 52
3.5 Überprüfung der Zahlenwerte für die Auswertung der Translation nach Z ......................... 69
4. Diskussion ............................................................................................................103
4.1 Klinische Relevanz ............................................................................................................. 103
5. Schlussfolgerung..................................................................................................116
6. Zusammenfassung ...............................................................................................117
7. Literaturverzeichnis .............................................................................................119
8. Danksagung .........................................................................................................133
9. Lebenslauf ............................................................................................................134
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1. Einleitung
Die Okklusion ist laut Terminologie der Arbeitsgemeinschaft für Funktionsdiagnostik und
Therapie (AFDT) und der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik und Werkstoff-
kunde (DGzPW) „jeder Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers“ (Ahlers et al.,
2005). Dies kann sowohl eine bestimmte bewegungslose Kontaktbeziehung als auch der Kontakt
der Zahnoberflächen während einer Gleitbewegung sein. Statische Okklusion nennt man in dieser
Hinsicht einen Zahn-zu-Zahn-Kontakt ohne Bewegung des Unterkiefers, dynamische Okklusion
hingegen den Kontakt unter Bewegung (Suckert, 1992). In einem normal okkludierten,
vollbezahnten und vom Verschleiß noch nicht erfassten Kausystem führt die maximale
Annäherung des Unterkiefers an den Oberkiefer – viele nennen es habituelle Okklusion – zu einer
röntgenologisch erwiesenen Zentrallage der Kondylen in den Gelenkgruben (Gerber, 1973).
Dabei definiert die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde die zentrische
Okklusion als statische Okklusion in zentrischer Kondylenposition und die habituelle Okklusion
als die in gewohnheitsmäßig eingenommener statischer Okklusion (Suckert, 1992).
Betrachtet man die Okklusion, so muss man sich natürlich auch mit den Bewegungskomponenten
beschäftigen. Hierbei ist das Kausystem als funktionelle Einheit zu sehen (Lotzmann, 1985). Es
setzt sich aus den Zähnen mit Parodontien, den Kiefern, den Kiefergelenken mit Ligamenten, der
Kaumuskulatur, der kranialen und kaudalen Zungenbeinmuskulatur, der mimischen Muskulatur,
der Hals- und Nackenmuskulatur, den versorgenden Gefäßen und dem zentralen und peripheren
Nervensystem zusammen.
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Das Schema von Dr. F Fröhlich (†1969) zeigt dieses komplexe Reflexsystem auf einfache Weise
(Gerber, 1973) (siehe Abb. 1).
Die zentrische Okklusion wird als Unterkieferposition definiert, in der ein maximaler Vielpunkt-
kontakt aller Zähne bei zentrischer Kondylenposition besteht (Gibbs und Lundee, 1982). Es
handelt sich dabei um eine durch die Zähne definierte Unterkieferposition, die in den meisten
Fällen die am besten reproduzierbare Relation des Unterkiefers zum Oberkiefer wiedergibt
(Howat et al., 1992). Als maximale Interkuspitation wird die statische Okklusion mit maximalem
Vielpunktkontakt zwischen Ober- und Unterkiefer definiert, so dass eine laterale Beweglichkeit
in dieser Position nicht gegeben ist.
Diese Position wird bei der Herstellung der meisten zahnärztlichen Restaurationen gewählt
(Okeson, 1989). Jedoch ist die Kontaktanzahl bei maximaler Interkuspitation antagonistischer
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Zähne kleiner, wenn der Patient leicht, ohne zu pressen und ohne fest zuzubeißen, die Zähne zu-
sammenbringt (Riise, 1982). Auch beim Schlucken ist diese Stellung zur Stabilisation des Unter-
kiefers nützlich (Jankelson et al., 1953). Jedoch stimmt die zentrische Okklusion nicht immer un-
bedingt mit der maximalen Interkuspidation überein, da schon jede Abnormität der Gelenke und
Muskeln zu einer nicht zentralen Kondylenstellung führen kann. Änderungen der zentrischen
Okklusion können durch Pressen, Knirschen, Abrasion, Eruption, okklusale Instabilität, Zahn-
verlust und Restaurationen verursacht sein (Ramfjord und Ash, 1983).
Die okklusalen Kontakte in zentrischer Okklusion nennt man „zentrische Haltepunkte“ (engl.:
centric stops). Es besteht bei prothetischen oder konservierenden Restaurationen zumeist die
Notwendigkeit, diese wiederherzustellen, um okklusale Stabilität zu garantieren und längerfristig
damit Zahnwanderung, Muskel- und Gelenkstörungen zu vermeiden. Es geht hierbei um eine
eindeutige Zuordnung und Fixierung der Zahnbögen. Dieses Konzept ist auch als „point centric“
bekannt.
Bei optimaler Verzahnung in Angle-Klasse I ist die Lokalisation dieser Stopps gut nach-
vollziehbar (Abejean und Korbendau, 1979). Die Grafik zeigt für den Seitenzahnbereich die Lage
dieser zentrischen Haltepunkte in normaler Okklusion (siehe Abb. 2).
Abb. 2: Zentrische seitliche Haltepunkte (centric stops) des Ober- und Unterkiefers bei Angle-
Klasse I mit farblicher Korrelation der antagonistischen Okklusionspunkte (modifiziert nach
Abejean und Korbendau, 1979)
Das Klassifizierungsprinzip von Angle ist die Einteilung der Gebissanomalien nach der
Okklusion der ersten unteren Molaren gegenüber den oberen und basiert darauf, dass der
Oberkiefer in sagittaler Richtung unbeeinflussbar und der obere Sechsjahrmolar immer korrekt
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positioniert ist. Bei der Klassifizierung nach Angle besteht bei Klasse I eine neutrale, bei Klasse
II eine distale und bei Klasse III eine mesiale Beziehung der unteren Sechsjahrmolaren zu den
oberen (Kahl-Nieke, 2001). Dementsprechend sind im Seitenzahnbereich die seitlichen
Haltepunkte um jeweils eine Prämolarenbreite nach vorne, beziehungsweise nach hinten
verschoben. Dies führt aber außer beim Eckzahn nicht zu einer Modifikation der generellen
systematischen Kontaktbeziehung, wie sie in Abb. 2 entsprechend für die Angle Klasse I
dargestellt ist (Abejean und Korbendau, 1979). Im Fall eines Kreuzbisses können verschiedene
Modifikationen im Biss vorliegen. Bei einem einseitigen oder beidseitigen Kreuzbiss okkludieren
alle oder vereinzelte Oberkieferzähne innerhalb des Unterkieferzahnbogens, statt außerhalb. Bei
einem Scherenbiss hingegen, der auch bukkaler Vorbeibiss genannt wird, liegt eine bukkale
Nonokklusion vor, das heißt, einer oder mehrere Oberkieferzähne stehen komplett bukkal
außerhalb des Unterkieferzahnbogens (Schmuth, 1990).
Beim Abgleiten aus der „point centric“ findet kein Gleiten über die Seitenzähne statt, sondern
rein über die Front- und Eckzähne. So weist in Bezug auf zahnärztliche Rekonstruktionen ein
richtig und korrekt ausgeführtes „point-centric-Konzept“ ein Optimum an Stabilität und
„okklusaler Behaglichkeit“ auf, während dieses aber auch zu einer unphysiologischen
Zwangsposition werden kann, wenn es misslingt, die vom neuromuskulären System diktierte
„muskuläre Position“ des Unterkiefers mit der Zentrik in Einklang zu bringen (Lotzmann, 1985).
Bei Payne und Lundeen funktioniert dieses Konzept über eine Zahn-zu-Zweizahn Beziehung
(Payne und Lundeen, 1974) mit 58 zentrischen Kontakten in einem Quadranten vom ersten Prä-
molaren bis zum zweiten Molaren, bei P.K. Thomas hingegen durch den Verzicht auf Rand-
leistenkontakte über eine Zahn-zu-Zahn-Beziehung (Thomas, 1965) mit 42 Kontakten in einem
Quadranten.
Hingegen ist die Freiheit in der Zentrik („long centric“ oder „wide centric“) ein Okklu-
sionskonzept, bei dem der Unterkiefer die Freiheit hat, ohne Interferenzen den Kontakt in der
zentrischen Okklusion und dazwischen, aber auch leicht anterior und seitlich der zentrischen
Relation und der zentrischen Okklusion zu schließen (Ramfjord, 1982; Ramfjord und Ash, 1983;
Schuyler 1963). Dabei kann ausgehend von der Zentrik ein gewisser sagittaler Spielraum bei
gleichzeitig gleichbleibender vertikaler Dimension von bis zu 0,5 mm vorhanden sein, bevor die
Eckzahnführung einsetzt (Dawson, 1974).
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„Durch die plateauartig erweiterten Kontaktareale der Antagonisten ist eine tripodisierende
Abstützung nicht mehr realisierbar. Das „freedom in centric“-Konzept kommt daher mit einer
weitaus geringeren Anzahl an Kontaktpunkten aus, als das „point centric“-Konzept. (End, 2010)
Durch Einschleifen und restaurative Maßnahmen kann eine solche Freiheit in der Zentrik auch
erreicht werden, im natürlichen Gebiss liegt sie ursprünglich nicht vor (Suckert, 1992).
Studien zur Okklusion müssen sich notwendigerweise neben der zentrischen Okklusion auch mit
den Lateralbewegungen befassen. In der Horizontalebene können die Grenzbewegungen mit
Hilfe der Stützstiftregistrierung aufgezeichnet werden. Bei der intraoralen Stützstiftregistrierung
wird durch einen im Oberkiefer befestigten Stützstift auf einer im Unterkiefer befindlichen
Registrierplatte eine intraorale Pfeilwinkelregistrierung durchgeführt. Durch den Stützstift und
die beiden Kondylen erfährt der Unterkiefer eine Dreipunktabstützung. Der Patient führt
Protrusions- und Retrusionsbewegungen als auch Seitschubbewegungen nach links und rechts
durch. Es ergibt sich auf der mit Wachsmalstift eingefärbten Registrierplatte durch die Spitze des
Stützstiftes der „Gotische Bogen“ oder auch der sogenannte „Pfeilwinkel“. Das Ziel dieser
Kieferrelationsbestimmung ist eine gelenkbezüglich zentrierte Lage des Unterkiefers. Die Grafik
zeigt in diesem Fall eine „point centric“ (siehe Abb. 3).
Abb. 3: Pfeilwinkelregistrat in „point centric“, wobei die retrale Kontaktposition (RKP) mit der
habituellen Interkuspidation (IKP) übereinstimmt
13
Die Grenzbewegungen in der Sagittalebene lassen sich hingegen mit dem Posselt-Diagramm
darstellen (s. Abb. 4).
Die eingezeichneten Grenzbewegungen sind die maximale Protrusion (MP), die habituelle
Okklusion (IKP), die zentrische Okklusion (RKP) und die maximale Mundöffnung (MO).
Zusätzlich ist die zentrische Scharnierachse (RA) im Diagramm eingezeichnet. Dabei muss
erwähnt werden, dass ab einer Mundöffnung von ca. 20-25 mm die Kondylen zusätzlich zur
Rotation eine Translationsbewegung vornehmen (Reitemeier et al., 2006).
Generell sind drei verschiedene Okklusionskonzepte für die exzentrische Unterkieferlage
denkbar: Zum Ersten die eck- und frontzahngeführte Okklusion. Hierbei führt bei Latero-
trusionsbewegungen der Eckzahn allein und die Seitenzähne diskludieren. Bei Protrusion führen
die Frontzähne. Man muss dieses Konzept als die natürliche und physiologisch günstigste Form
ansehen, um die Seitenzähne vor Überbelastung zu schützen (Lotzmann, 1985). Bei der unilateral
balancierten Okklusion diskludieren die Zähne der Mediotrusionsseite bei Laterotrusion sofort.
Der Kontakt auf der Laterotrusionsseite ist in der Regel meist gleichmäßig auf die Seitenzähne
verteilt. Mit zunehmender Seitwärtsbewegung nimmt dieser aber in der Regel zum hinteren
Seitenzahnbereich ab und geht in eine Eck-, Prämolarenführung über. Bei der bilateral
balancierten Okklusion ist bei Laterotrusionsbewegungen ein Kontakt der Zähne sowohl auf der
Laterotrusionsseite als auch auf der Mediotrusionsseite vorhanden. Man erwartet im stark
abradierten Gebiss tendenziell eher ein Einstellen einer unilateral balancierten Okklusion. Die
bilateral balancierte Okklusion spielt hingegen in der Prothetik bei der Herstellung von Totalem
Zahnersatz eine Rolle. Die Untersuchung von Panek et al. (2008) an 834 Personen (325 Frauen
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und 509 Männern) im Alter von 20 bis 63 Jahren zeigte, dass die Gruppenführung mit einer
Prävalenz von 41 % den häufigsten Okklusionstyp darstellt. In 26 % der Fälle lag eine reine
bilaterale Eckzahnführung, in 18 % eine unilaterale Eckzahnführung und in 9 % eine balancierte
Okklusion vor. Zwischen den Geschlechtern lagen keine signifikanten Unterschiede vor, jedoch
nahmen mit dem Alter die bilaterale und die unilaterale Eckzahnführung ab, während die
Gruppenführung stieg.
Die Schneidekantendistanz ist der vertikale Abstand der Schneidekanten der Ober- und
Unterkieferzähne. Sie dient zur Messung der Mobilität des Unterkiefers. Der Öffnungsweg bis
zur maximalen Mundöffnung beträgt 40-50 mm (Lehmann et al., 2008). Je nach Untersuchung
und Autor können die Angaben zur Distanz variieren. In einer anderen Quelle beträgt die
maximale Schneidekantendistanz bei aktiver Mundöffnung bei Männern durchschnittlich ca. 58
mm, bei Frauen ca. 54 mm (Schwenzer, 2000).
Die Mundöffnung bei Männern stellte sich auch in anderen Studien größer dar als die der Frauen.
Bei Agerberg liegen die gemessenen Werte bei Männern im Mittelwert bei 58,6 mm und bei
Frauen bei 53,3 mm (Agerberg, 1974). Leicht niedrigere Werte zeigt eine weitere Studie mit
54,4 mm für Männer und 50,9 mm für Frauen (Solberg, 1986).
Die Untersuchung von Bartels fand bei der aktiven Schneidekantendistanzmessung einen
Mittelwert von 54,8 mm für Männer und 50,4 mm für Frauen. Für die passive SKD ist der
Mittelwert bei 57,5 mm und für Frauen bei 52,6 mm. Die tageszeitlichen, tonusabhängigen
Schwankungen bei der aktiven SKD variierten hierbei um 1-2 mm (Bartels, 1999).
Helfgen benennt die anatomischen Größenunterschiede zwischen Mann und Frau als den
vermutlichen Grund für die Abweichung in der durchschnittlichen SKD (Helfgen, 1987). In
seiner Studie an 200 Probanden befinden sich die gemessenen SKD-Werte in einem Intervall von
25 und 74 mm und der Mittelwert liegt bei etwa 50 mm.
Die Untergrenze des Normalbereichs liegt bei einer Schneidekantendistanz von 40 mm bzw. gilt,
wenn diese kleiner ist, ab diesem Wert die Mundöffnung als eingeschränkt. (Guichet, 1985). Die
maximale Mundöffnung fließt auch zusammen mit der maximalen Seitwärtsbewegung nach
links, rechts und vorne als eine der vier Messzahlen in den Helkimo Index aus dem Jahr 1974 ein,
welcher ein Maß für die Unterkieferbeweglichkeit ist (Bock, 2000). Die Schneidekantendistanz
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Zahnhartsubstanzdefekte können außer durch den Einfluss von Traumata oder Bakterien auch
durch mechanische Prozesse bedingt sein. Ein durch Fremdkörperreibung verursachter
Substanzverlust an den Zähnen wird als Abrasion definiert. Dieser Abrieb kann während der
Nahrungszerkleinerung durch abrasive Nahrungsmittel oder beruflich bedingt durch Sand oder
Staub zum Beispiel bei Bergleuten entstehen (Hickel, 1989). Auch Küstenbewohner haben
bedingt durch Flugsand ein gehäuftes Auftreten von Abrasionen (Lampe, 1988; Molnar, 1939).
Des Weiteren können auch Habits wie langjähriges Pfeifenrauchen zu Abrasionen führen. Die bei
der Nahrungsaufnahme als Demastikation bezeichnete Form ist in seiner Ausprägung durch die
unterschiedliche Abrasivität der Nahrung beeinflusst. Dieser Einfluss ist durch die weiche
Nahrung der westlichen Welt heute nicht mehr so ausgeprägt, wie im Vergleich historische
Schädelfunde belegen (Weber, 2007). Direkter Zahn-zu-Zahn-Kontakt, wie bei Bruxismus, aber
auch Zahnberührungen während des Sprechens und Schluckens führen zu Attrition, die sowohl
antagonistisch im Kiefer als auch approximal der Zähne auftreten kann. Erosionen entstehen
durch den Einfluss von Säuren. Dies können entweder von außen zugefügte Säuren (z.B. saure
Getränke oder Speisen) oder körpereigene Säuren (z.B. Magensäure) sein (Decker, 2009). In der
Regel führen die verschiedenen Abrasionsarten erst bei Erreichen des Dentins zu Über-
empfindlichkeiten der Pulpa als Reaktion auf chemische und physikalische Einflüsse, reaktive
Hyperämie und Entzündung sowie Degeneration der Zahnpulpa (Schärer, 1974; Glaros und Rao,
1977; Ramfjord und Ash, 1983; Molin und Levi, 1966; Lindquist, 1971; Jahn, 2010). Die
anfänglich punktförmigen Okklusionskontakte werden durch Abrasion und Attrition im Verlauf
des Lebens immer flächiger (Sauerwein, 1985; Geim, 2004; Imfeld, 1996).
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1.6 Fragestellung
Das Ziel der vorliegenden klinischen Langzeitstudie war die Analyse der morphologischen Ver-
änderung der Okklusalfläche über einen Zeitraum von 5 Jahren. Dabei war ein Schwerpunkt
dieser Studie die Untersuchung der Abnutzung der Kaufläche mittels verschiedener Methoden.
Weitere wichtige funktionsdiagnostische Parameter, wie die Schneidekantendistanz, Anzahl an
Schmelzsprüngen oder die Anzahl der Okklusionskontakte wurden erhoben und deren Verände-
rung in 5 Jahren untersucht. Die ermittelten Werte wurden mit soweit vorhandenen Ergebnissen
aus anderen Studien und dem bisherigen Wissensstand verglichen und hinterfragt.
Eine statistische Auswertung der Daten sollte ebenso erfolgen wie eine kritische Analyse der an-
gewandten Methodik. Schon die sehr geringe Anzahl an Veröffentlichungen zu diesem Thema
und der Mangel an Langzeitstudien mit der Thematik „morphologische Okklusalveränderungen“
verlangt nach einer weitergehenden Untersuchung.
Im Einzelnen sollten die folgenden Fragen beantwortet werden:
• Kam es in dem Untersuchungszeitraum von 5 Jahren zu nachweislichen Veränderungen
der Okklusaloberfläche?
• Waren Abrasionen auf der Kaufläche zu erkennen und wenn ja, in welcher Zahnregion?
• Wie veränderte sich die Anzahl der Okklusalkontakte in den 5 Jahren?
• Wie veränderte sich die Anzahl der Schmelzsprünge in den 5 Jahren?
• Gab es in 5 Jahren Änderungen an der aktiven oder passiven Schneidekantendistanz?
• Gab es tageszeitlich abhängige Änderungen an der aktiven oder passiven Schneide-
kantendistanz?
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Zu Anfang der Untersuchung wurde ein Befundschema zur Übertragung der Okklusionskontakte
erstellt. Als Basis des Bogens „Okklusionsabhängige Veränderung der Zähne“ lagen Teile eines
Befundbogens der AGFDT zugrunde (siehe Abb. 5).
Dieser zeigte eine vereinfachte Darstellung des okklusalen Reliefs der Ober- und Unterkiefer-
zähne. Während der Befundaufnahme am Patienten wurde diese Darstellung dazu verwendet, um
die mit dem Artikulationspapier im Mund ermittelten Kontaktpunkte auf Papier zu übertragen
und zu dokumentieren.
Neben dem okklusalen Befund konnten in dem Befundbogen zusätzlich ein vereinfachter zahn-
ärztlicher Befund, das Vorhandensein von parodontalen Entzündungen, Zahnlockerungen,
Schmelzsprüngen, keilförmigen Defekten und Stillmann-Spalten dokumentiert werden.
Zusätzlich wurde bei jedem Probanden die Mundöffnung mit Hilfe der Schneidekantendistanz
(SKD) aktiv und passiv gemessen. Die „aktive“ SKD ist die Distanz der Schneidekanten der
oberen und unteren Schneidezähne bei maximaler Mundöffnung und die „passive“ SKD zeigte
sich bei zusätzlichem forcierten Auseinanderdrücken der Incisivi durch die Finger des unter-
suchenden Behandlers. Beim Messverfahren zur Bestimmung der SKD diente hierbei ein Lineal.
Die Führung bei seitlicher Bewegung des Unterkiefers konnte als Eckzahn-, Eckzahn-
Prämolarenführung, Gruppenführung und balancierte Führung im Befundbogen eingetragen
werden, genauso wie eine gegebenenfalls vorliegende Deviation des Unterkiefers bei Öffnungs-
bewegungen. Auf dem Befundbogen konnten möglicherweise vorliegende Gelenkgeräusche wie
etwa Knacken und Reiben bezogen auf die jeweilige Seite vermerkt werden. Diese wurden unter-
teilt in initiale, intermediäre und terminale Geräusche sowie einen auffälligen Kaumuskelbefund.
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Es handelte sich bei dieser Studie um eine Langzeitvergleichsuntersuchung über den Zeitraum
von 5 Jahren. Die Gruppe der Probanden bestand aus 20 gesunden Zahnmedizinstudenten (13
Frauen, 7 Männer), die zunächst im ersten Semester ihres Studiums und 5 Jahre später untersucht
wurden. Die erste Befundaufnahme wurde im Jahr 1998 durchgeführt, die zweite im Jahr 2003.
Bei der ersten Befundaufnahme 1998 lag das Alter der Probanden zwischen 19 und 27 Jahren mit
einem Durchschnittsalter von 21,3 Jahren.
Die Befundaufnahme 1998 und 2003 wurde von zwei verschiedenen Untersuchern mit unter-
schiedlicher klinischer Erfahrung durchgeführt. Während die Erhebung der Befunde 1998 durch
einen erfahrenen, klinischen Oberarzt mit Spezialisierung auf dem Gebiet der Zahnärztlichen
Prothetik und Funktionslehre erfolgte, wurde diese 2003 vom Verfasser der vorliegenden Pro-
motionsarbeit selbst durchgeführt. Zur Abgleichung der unterschiedlichen Erfahrungswerte
erfolgte eine intensive Einweisung mit weitergehendem, wiederholtem Briefing durch den er-
fahrenen Erstuntersucher während der einzelnen Befundaufnahmesitzungen. Während 1998 nur
eine Untersuchung am Tag durchgeführt wurde, wurden 2003 eine Befunderhebung vormittags
und eine nachmittags durchgeführt. Die verschiedenen Befunde – wie unter 2.1 beschrieben –
wurden jeweils vom Untersucher im Befundbogen erhoben. Der zahnärztliche Befund be-
schränkte sich auf das Dokumentieren von Füllungen, Zahnersatz, Karies und fehlenden Zähnen.
Okklusionskontakte, die SKD und der Muskelbefund wurden zudem erfasst. Zur Bestimmung der
Okklusionskontakte wurde 200 µm dickes Artikulationspapier der Firma Bausch mit progressiver
Farbtönung verwendet. Die Palpation der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke erfolgte für jede
Seite einzeln unter Stützung der Gegenseite des Kopfes mit der Hand, während sich der Unter-
kiefer in Ruheschwebelage befand. Für den einzelnen Kaumuskel wurden zudem verschiedene
Muskelareale abgetastet. Zusätzlich sollten die Probanden angeben, ob Frühkontakte bestehen
und in welchem Bereich der Zahnreihe diese auftreten. Bei der zweiten Befunderhebung 2003
nachmittags wurden erneut die Okklusionkontakte, Frühkontakte und die SKD bestimmt, um
einen tageszeitabhängigen Vergleich zu bekommen. Die anderen Befunde wurden 2003 auf dem
Befundbogen nur einmal bei der ersten Untersuchung vormittags erfasst.
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Bei jedem der Probanden wurde zu Beginn der Untersuchung bei der ersten Erhebung des Be-
fundbogens zusätzlich jeweils ein Alginatabdruck des Ober- und des Unterkiefers genommen und
mit Superhartgips ausgegossen. Auch bei der ersten Befunderhebung 5 Jahre später wurden
jeweils erneut Alginatabdrücke der Probanden genommen und mit Superhartgips ausgegossen
und getrimmt. Diese wurden dann zum Einscannen für das Programm Surfacer 6.0® und weitere
Untersuchungen verwendet.
2.4 Digitalisierung und Matching der Ober- und Unterkiefermodelle – Erläuterung zum
Begriff „Matchen“
Mit Hilfe des 3D-Laserscanners Micromeasure 70® (s. Abb. 6) der Firma Micromeasure (Linden,
Deutschland) wurden alle Ober- und Unterkiefermodelle aus den Jahren 1998 und 2003 einge-
scannt. Das zugrunde liegende Prinzip des Scanners war die Laser-Lichtschnitt-Triangulation.
Das in der Apparatur des Scanners eingespannte Gipsmodell fuhr schrittweise während der Mes-
sung unter einem linienförmigen 100 µm dicken Laserstrahl entlang. Eine CCD-Kamera nahm
das durch den Laser beleuchtete Höhenlichtprofil auf. „Ein CCD-Sensor (CCD = Charged
Coupled Device) stellt prinzipiell eine rasterförmige Anordnung aus mehreren 100.000 Foto-
transistoren, also lichtempfindliche Halbleitern, dar“ (Gärtner, 2003). So entstanden aufeinander
folgende Scanlinien mit einem Abstand von 100 µm in der X-Achse, die zu einer dreidimensio-
nalen Punktewolke zusammengefügt wurden (Keilig et al., 2003). In der Y-Achse haben zwei
Messpunkte auf der Scanlinie den Abstand von 160 µm. Der Abstand zweier Messpunkte in der
Y-Achse war abhängig vom vermessenen Profil und dem Winkel zwischen der Laser-Linien-
Projektion und der eingestellten Neigung des Messtisches. Jedes Modell musste bei drei ver-
schiedenen Neigungen des Messtisches gescannt werden, damit durch die Schattenbildung des
Laserlichtes keine Fehlstellen bei der Erfassung entstehen. „Der Scanner verfügt über drei
mechanische Achsen. Sie ermöglichen es, das zu vermessende Objekt in verschiedenen Orien-
tierungen in Bezug auf die Optik zu positionieren.“ (Tsetsilas, 2010) Die drei Scans pro Modell
wurden durch das Computerprogramm Surfacer 6.0® zu einem Scan zusammengerechnet. Es ent-
stand somit eine sehr genaue digitalisierte morphologische Oberfläche der Gipsmodelle in Form
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einer Oberflächenpunktewolke. Die Genauigkeit, mit der die Koordinaten einzelner Punkte in der
Wolke dabei gemessen werden konnten, betrug ca. 20 µm (Braumann et al., 2002).
Im oberen Bereich befand sich die Optik, bestehend aus Laser und CCD-Kamera, im unteren
Bereich der in der Neigung bewegliche Messtisch auf dem die Gipsmodelle des Ober- und
Unterkiefer eingespannt wurden.
Das Computerprogramm Surfacer 6.0® ermöglichte zusätzlich ein „Matchen“ von verschiedenen
eingescannten Kiefermodellen. „Matchen“ bedeutet in diesem Fall eine bestmögliche digitale
Überlagerung der Oberflächenpunktewolken durch den Computer. Das Ziel des „Matchens“ war
es, Veränderungen in der Stellung und der Morphologie der Zähne darzustellen.
Bei dieser Studie wurden die digitalisierten Ober- und Unterkiefermodelle mit dem jeweiligen
gleichen Modell „gematcht“, zum Beispiel wurden von einem Probanden der Oberkiefer von
1997/98 mit dem Oberkiefer von 2003 verglichen und das jeweilige Unterkiefermodell mit sei-
nem Pendant.
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Notwendig war beim „Matchen“ mit dem Programm Surfacer 6.0® eine gleich bleibende ana-
tomische Struktur, die sich in den 5 Jahren nicht veränderte. Diese Struktur überlagerte das Pro-
gramm als Referenz. Im Oberkiefer wurden die Gaumenfalten, die sich in der Regel kaum bis gar
nicht verändern, als Struktur zum Übereinanderlagern der digitalisierten Oberkiefermodelle ver-
wendet.
Im Unterkiefer erfolgte das „Matchen“ nur anhand der digital ausgeschnittenen Zahnreihe, da ei-
ne ähnliche reproduzierbare und gleich bleibende Struktur wie der Gaumen mit seinen Gaumen-
falten nicht vorhanden war.
Es zeigte sich in Vorversuchen bei der Auswertung der Daten für den Oberkiefer, dass ein reines
„Matchen“ über die Gaumenfalten zu fast gleichen Ergebnissen führte wie ein „Matchen“ über
die Zahnreihe oder das „Matchen“ über die Struktur der Gaumenfalten in Kombination mit der
Zahnreihe.
Aufgrund dessen wurde für die Untersuchung im Oberkiefer zum einen ein „Matchen“ nur über
die Zahnreihe und ein weiteres für die Kombination Zahnreihe plus Gaumenfalten durchgeführt.
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2.5 Auswertung der gematchten Ober- und Unterkiefermodelle mit dem Surfacer®
Nachdem die Modelle durch das „Matchen“ digital überlagert waren, erfolgte in einem zweiten
Schritt die Auswertung der Änderung in Stellung und Morphologie der einzelnen Zähne.
Jeder einzelne Zahn wurde nun digital mit dem Programm Surfacer am Computer „ausge-
schnitten“, d.h. aus der gesamten digitalen Punktewolke des eingescannten Ober- und Unter-
kiefers wurde somit jeder einzelne Zahn als einzelne Punktewolke separiert. Dies ergab für jeden
Zahn zwei Punktewolken: eine von 1997/98 und eine von 2003. Das Programm konnte nun durch
die in 2.4 erläuterte Überlagerung der Kiefer zwei Punktewolken eines Zahns errechnen, die
dessen räumliche und morphologische Veränderung über die 5 Jahre darstellte. Das Programm
Surfacer® berechnete diese Veränderung, indem es für die einzelnen Punktewolken der Zähne
einen Schwerpunkt festlegte und die zwei Schwerpunkte pro Zahn miteinander verglich. Es ergab
sich für jeden Zahn eine bestimmte Bewegung des Schwerpunktes der einzelnen Zahn-
punktewolken im dreidimensionalen Raum. Diese Bewegung wurde dann durch das Programm
durch 6 Werte definiert. Dies war zum einen die reine Translationsbewegung der zwei Schwer-
punkte eines Zahns im Raum, errechnet als Raumkoordinaten X, Y und Z. Diese Trans-
lationswerte wurden im Weiteren als „Trans X“, „Trans Y“ und „Trans Z“ bezeichnet.
Zum anderen berechnete das Programm auch gleichzeitig für jeden Zahn die Rotationsbewegung
der Zahnpunktewolken um den überlagerten Schwerpunkt. Diese Werte zeigte das Programm
durch die Rotationswerte „Rot X“, „Rot Y“ und „Rot Z“ an. Für die Werte der ermittelten Trans-
lation war die Maßeinheit Millimeter, für die Rotation Grad. Da die Rotation um den Schwer-
punkt der einzelnen Zahnpunktewolken für den Betrachter sehr schwer fassbar, nachvollziehbar
und auch nicht direkt auswertbar war, wurde bei einigen nachfolgenden Berechnungen nur allein
die Translation zur Auswertung hinzugezogen.
Die Computersoftware Surfacer® erlaubte zudem eine grafische Darstellung der „gematchten“
Oberkiefer als auch der „gematchten“ Unterkiefer. Die Darstellung erfolgte dabei topographisch,
wobei die Veränderung der Zahnoberfläche in den fünf Jahren mit verschieden Farben angezeigt
wurde. Bei 16 Probanden wurden diese Temperaturbilder für jeweils den Ober- und Unterkiefer
angefertigt. Eine Farbskala mit den Werten zwischen 2 mm und -2 mm zeigt die Veränderung an.
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Eine Grünfärbung der Zähne stellte dabei wenig bis gar keine Änderung dar. Gelb bis Rotfärbung
zeigte, dass Veränderungen vorlagen, die von negativer Art waren, hierbei war ein Zahnsubstanz-
abtrag oder eine Drehung oder Bewegung des Zahns in negativer Richtung erfolgt. Genau umge-
kehrt bedeutete eine Hell- bis Dunkelblaufärbung der Zahnoberflächen eine Veränderung in eine
positive Richtung, dass Zahnsubstanz dazu gekommen war oder eine Drehung oder Bewegung
des Zahns in positiver Richtung stattgefunden hatte. Es muss dabei erwähnt werden, dass Zahn-
ersatz wie Kronen oder in den 5 Jahren erfolgte Füllungen, auch neue kariöse Läsionen oder Ab-
rasionen etc. zu einer Veränderung der Oberfläche führen konnten und dann dementsprechend
auf den Temperaturbildern dargestellt wurden. Die Temperaturbilder des Oberkiefers genauso
wie die des Unterkiefers bezogen sich zudem auf das „Matchen“ der reinen Zahnreihe ohne Ein-
beziehung des Gaumens.
Im Befundbogen wurden aller Kontaktpunkte, die mit dem Okklusionspapier ermittelt worden
waren, auf einem Zahnschema eingetragen. Die dort ermittelte Anzahl an Kontaktpunkten wurde
getrennt für den Ober- und Unterkiefer verglichen, wobei auch zwischen Front- und Seitenzahn-
bereich unterschieden wurde. Verwendet wurden bei den Daten für die zweite Untersuchung
2003 die am Vormittag ermittelten Werte.
Eine weitere Möglichkeit, die Veränderungen in der Zahnstellung darzustellen, war ein direkter
Vergleich der ermittelten Daten für jeweils die Translation und Rotation. Es wurden für jeden
einzelnen Zahn der Probanden im direkten Vergleich der 5 Jahre 6 Werte ermittelt, die angaben,
wie sich der Zahn in dieser Zeit von der Stellung her verändert hatte. Um an diese Zahlenwerte zu
kommen, wurde, sowie unter Kapitel 2.5 erläutert, für jeden der Probanden im Hinblick auf jeden
einzelnen Zahn die Zahnstellungsänderung in den 5 Jahren mit der Computersoftware Surfacer
6.0® einzeln errechnet.
Von den dort ermittelten Translations- und Rotationswerten wurden hier zur Auswertung nur die
Translationswerte in der Achsenrichtung Z verwendet. Dieser Wert, der im Weiteren auch als
27
„Translation nach Z“ oder auch „Trans Z“ bezeichnet wird, beschrieb die Veränderung des
Schwerpunktes der einzelnen digital „ausgeschnittenen“ Zahnpunktewolken in Bezug auf die
Raumkoordinate Z. Somit wurden räumliche Veränderungen der Kaufläche jedes einzelnen
Zahns in Bezug auf die Okklusionsebene angezeigt, die in den 5 Jahren stattgefunden hatten.
Beispielsweise sollte eine starke Abrasion an einem einzelnen Zahn oder Zahnwanderung auf
Grund eines fehlenden Antagonisten zu einer Änderung in dem Wert „Translation nach Z“
führen.
Im Gegensatz zu den Temperaturbildern wurden hier alle Zähne, die laut Befundbogen konser-
vierend oder prothetisch versorgt worden waren, aus der Darstellung herausgenommen. Da aus
der Befunderhebung und den Befundbögen nicht immer alle neuen Füllungen ersichtlich waren,
wurde zusätzlich ein optischer Vergleich der Okklusionsflächen anhand der Gipsmodelle durch-
geführt. Auch hier wurden dann noch zusätzlich die Zähne aus der Darstellung herausgenommen,
die offensichtliche Veränderungen wie zum Beispiel Füllungen aufwiesen.
Zur Auswertung der „Translationswerte nach Z“ wurde die Computersoftware PlotIT 3.2® der
Firma Scientific Programming Enterprises Inc. verwendet.
Um die Veränderung der Translation nach Z – also eine Veränderung der Okklusionshöhe – noch
einfacher und besser vergleichbar darstellen zu können, wurden im Vergleich zu der Methode
unter 2.6 noch zwei Dinge verändert. Zum einen wurden die Zahlenwerte zuvor mit dem Sta-
tistikprogramm SPSS® analysiert und die ermittelten Extremwerte und Ausreißer herausge-
nommen. Die andere Veränderung zu der Darstellung unter 2.6 bestand darin, dass die Summe
des jeweils negativsten Translationswertes nach Z jedes Zahnes mit den anderen Translations-
werten nach Z jedes Zahnes addiert wurde, so dass keine negativen Werte mehr in der Dar-
stellung vorkamen. Dies sollte die Analyse und Vergleichbarkeit einzelner Zähne und Zahn-
gruppen erleichtern. Ein anderer Grund der so gewählten Darstellung lag in der Tatsache, dass
beim „Matchen“ der Zähne jeweils alle Zähne der Zahnreihe gewählt wurden und die von uns zu
untersuchenden Zahnstellungsänderungen, aber auch neue Füllungen, Kronen etc. das „Matchen“
ungenauer machten. Tendenzen waren durch diese modifizierte Darstellung daher besser über-
prüfbar und vergleichbar. Wäre es möglich gewesen, eine bestimmte gleichbleibende Knochen-
28
struktur des Schädels als Referenz für das „Matchen“ zu nehmen, wäre dieser Schritt sicher nicht
notwendig gewesen.
Die erhobene Daten wurden mit Hilfe von Microsoft Excel® und dem Statistikprogramm SPSS
17® erfasst und verarbeitet. Die Daten der SKD Messung, der Messung der Schmelzrisse und der
Anzahl an Okklusionskontakte wurden jeweils mit SPSS mit der Prozedur „Deskriptive Statistik“
auf die Kennzahlen Mittelwert, Maximum, Minimum, Standartabweichung und Varianz berech-
net und die Lage und Streuung mit Boxplot-Diagrammen dargestellt. Die Ermittlung der Signi-
fikanz erfolgte mit Hilfe des T-Tests. Für sämtliche Tests wurden p-Werte < 0,05 als statistisch
signifikant definiert.
29
3. Ergebnisse
Bei jedem der Probanden wurde während der Befunderhebung die Schneidekantendistanz (SKD)
gemessen, bei der ersten Untersuchungsreihe 1998 nur einmal, dann 2003 jeweils einmal vormit-
tags und einmal nachmittags. Die Ergebnisse werden in Tab. 1 dargestellt. Zudem wurden wie in
2.1 beschrieben jeweils einmal die aktive und einmal die passive SKD bestimmt.
Tab. 1: Ermittelte Werte der aktiven und passiven Schneidekantendistanz (SKD) 1998 und 2003
Proband 1998 1998 2003 aktive 2003 passive 2003 aktive 2003 passive
aktive passive SKD SKD SKD SKD
SKD SKD (vormittags) (vormittags) (nachmittags) (nachmittags)
(mm) (mm) (mm) (mm) (mm) (mm)
♂ männ.
Prob. 1 50 51 53 54 54 55
Prob. 2 62 63 58 58 60 62
Prob. 3 46 48 44 45 45 45
Prob. 4 56 57 49 51 49 50
Prob. 5 55 56 53 54 54 54
Prob. 6 43 44 44 45 44 46
Prob. 7 50 51 46 49 47 48
♀ weibl.
Prob. 8 58 59 56 58 59 60
Prob. 9 41 42 42 43 43 44
Prob. 10 54 55 51 51 52 53
Prob. 11 49 50 38 47 35 43
Prob. 12 49 50 45 50 50 52
Prob. 13 50 51 53 54 53 55
Prob. 14 46 47 49 51 48 50
Prob. 15 55 56 56 58 56 57
Prob. 16 56 57 54 55 54 54
Prob. 17 47 48 43 45 45 47
Prob. 18 54 55 49 52 50 53
Prob. 19 61 62 60 61 59 61
Prob. 20 54 55 54 55 54 55
30
Bei der zweiten aktiven Messung 2003 vormittags ergab sich für die Probanden (n = 20) ein
Mittelwert der SKD von 49,85 mm. Bei einer Standardabweichung von 5,932 mm lagen das Ma-
ximum bei 60 mm und das Minimum bei 38 mm (siehe Tab. 3).
Tab. 3: Deskriptive Statistik der Messung der aktiven Schneidekantendistanz vormittags 2003
Mittelwert Maximum Minimum Standardabweichung
Varianz
[mm] [mm] [mm] [mm]
49,85 60 38 5,932 35,187
Bei der zweiten aktiven Messung 2003 nachmittags ergab sich für die Probanden (n = 20) ein
Mittelwert der SKD von 50,55 mm. Bei einer Standardabweichung von 6,253 mm lagen das Ma-
ximum bei 60 mm und das Minimum bei 35 mm (siehe Tab. 4).
Tab. 4: Deskriptive Statistik der Messung der aktiven Schneidekantendistanz nachmittags 2003
Mittelwert Maximum Minimum Standardabweichung
Varianz
[mm] [mm] [mm] [mm]
50,55 60 35 6,253 39,103
31
Das Boxplotdiagramm zeigt eine vergleichende Darstellung der Messergebnisse für die Schneide-
kantendistanz bei aktiver Messung. Dargestellt wurden alle 3 Messtermine.
Gemessene Schneidekantendistanz in mm
Bei der ersten passiven Messung 1998 für die Probanden (n = 20) ergab sich ein Mittelwert der
SKD von 52,85 mm. Bei einer Standardabweichung von 5,603 mm lagen das Maximum bei 63
mm und das Minimum bei 42 mm (siehe Tab. 5).
Bei der zweiten passiven Messung 2003 vormittags ergab sich für die Probanden (n = 20) ein
Mittelwert der SKD von 51,8 mm. Bei einer Standartabweichung von 5,064 mm lagen das Ma-
ximum bei 61 mm und das Minimum bei 43 mm (siehe Tab. 6).
32
Tab. 6: Deskriptive Statistik der Messung der passiven Schneidekantendistanz vormittags 2003
Mittelwert Maximum Minimum Standardabweichung
Varianz
[mm] [mm] [mm] [mm]
51,80 61 43 5,064 25,642
Bei der zweiten passiven Messung 2003 nachmittags ergab sich für die Probanden (n = 20) ein
Mittelwert der SKD von 50,55 mm. Bei einer Standardabweichung von 6,253 mm lagen das Ma-
ximum bei 60 mm und das Minimum bei 35 mm (siehe Tab. 7).
Tab. 7: Deskriptive Statistik der Messung der passiven Schneidekantendistanz nachmittags 2003
Mittelwert Maximum Minimum Standardabweichung
Varianz
[mm] [mm] [mm] [mm]
50,55 60 35 6,253 39,103
Das Boxplot-Diagramm (Abb. 9) zeigt eine vergleichende Darstellung der Messergebnisse für die
Schneidekantendistanz bei passiver Messung. Dargestellt wurden alle 3 Messtermine.
Gemessene Schneidekantendistanz in mm
Bei der aktiven Messung der SKD zeigte sich im SPSS T-Test eine signifikante Abnahme
(p < 0,05) der SKD im Vergleich der Messwerte des Jahres 1998 zu denen des Jahres 2003
vormittags (p = 0,024). Bei der passiven SKD-Messung liegt auch eine Abnahme der Messwerte
im Vergleich des Jahres 1998 zu dem Jahr 2003 vormittags vor, die jedoch nicht signifikant ist
(p = 0,105). Auch sind die Werte der SKD-Veränderung sowohl der aktiven Messung (p = 0,174)
als auch der passiven Messung (p = 0,365) zwischen dem Jahr 1998 und der Messung
nachmittags 2003 nicht signifikant. Im Vergleich der Werte des Jahres 2003 nahm die SKD im
direkten Tagesvergleich jedoch sowohl bei der aktiven als auch bei der passiven Messung zu.
Diese Zunahme ist allerdings aktiv (p = 0,069) und passiv (p = 0,305) nicht signifikant.
Die Veränderungen bei der Anzahl an Schmelzsprüngen wurden ermittelt und die Ergebnisse im
Folgenden aufgelistet und einander gegenübergestellt. Unterschieden wurden zwischen Front-
und Seitenzahnbereich und dabei jeweils Mittelwert, Maximum, Minimum, Standardabweichung
und Varianz angegeben.
Die erste Befunderhebung 1998 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 2,9
Schmelzsprüngen je Frontzahnbereich. Bei einer Standardabweichung von 3,386 waren im Mini-
mum kein Schmelzsprung und im Maximum 12 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 8).
Die zweite Befunderhebung 2003 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 6,6
Schmelzsprüngen je Frontzahnbereich. Bei einer Standardabweichung von 2,854 waren im Mini-
mum ein Schmelzsprung und im Maximum 12 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 9).
34
Das Boxplot-Diagramm (Abb.10) zeigt eine vergleichende Darstellung der Messergebnisse für
die Anzahl der Schmelzsprünge im Frontzahnbereich im Vergleich der 5 Jahre.
Anzahl Schmelzsprünge
Die erste Befunderhebung 1998 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 1,55
Schmelzsprüngen je Seitenzahnbereich. Bei einer Standardabweichung von 1,701 waren im Mini-
mum kein Schmelzsprung und im Maximum 5 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 10).
Die zweite Befunderhebung 2003 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 5,35
Schmelzsprüngen je Seitenzahnbereich. Bei einer Standardabweichung von 3,689 waren im Mini-
mum kein Schmelzsprung und im Maximum 12 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 11).
Das Boxplot-Diagramm (Abb. 11) zeigt eine vergleichende Darstellung der Messergebnisse für
die Anzahl der Schmelzsprünge im Seitenzahnbereich im Vergleich der 5 Jahre.
Anzahl Schmelzsprünge
Die erste Befunderhebung 1998 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 4,45
Schmelzsprüngen. Bei einer Standardabweichung von 4,006 waren im Minimum kein Schmelz-
sprung und im Maximum 15 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 12).
Die zweite Befunderhebung 2003 ergab für die Probanden (n = 20) einen Mittelwert von 11,95
Schmelzsprünge. Bei einer Standardabweichung von 5,395 waren im Minimum ein Schmelz-
sprung und im Maximum 20 Schmelzsprünge vorhanden (siehe Tab. 13).
Das Boxplot-Diagramm (Abb. 12) zeigt eine vergleichende Darstellung der Messergebnisse für
die Anzahl aller Schmelzsprünge im Ober- und Unterkiefer im Vergleich der 5 Jahre.
Anzahl Schmelzsprünge
Sowohl die Messung der Schmelzsprünge im Seitenzahnbereich (p = 0,0002983) als auch die
Messung der Schmelzsprünge im Frontzahnbereich (p = 0,00060421) ergaben einen signifikanten
Anstieg (p < 0,05) im SPSS T-Test. Der Mittelwert der Schmelzsprünge im Frontzahnbereich
hatte sich mehr als verdoppelt, der Mittelwert der Schmelzsprünge im Seitenzahnbereich sogar
mehr als verdreifacht. Die Gesamtauswertung aller Schmelzsprünge zeigte mehr als eine Ver-
doppelung in der Anzahl (p = 0,000011989).
39
3.2 Temperaturbilder
Für eine Auswertung der Temperaturbilder wurden diese gesondert für Unter- und Oberkiefer
nach Ähnlichkeiten sortiert.
3.2.1 Oberkiefer-Temperaturbilder
1.) „Normgruppe“
2.) „Wenig Änderung“
3.) „Normgruppe mit Korrektur“
4.) „Frontbetont“
5.) „Ausreißer“
Die fünf Temperaturbilder in der „Normgruppe“ wiesen eine gleichmäßige Veränderung der Ok-
klusalfläche auf. Die farbliche Veränderung ging sowohl in den positiven als auch in den
negativen Bereich. Die Veränderungen in den negativen Bereich überwogen. Der Seitenzahn-
bereich wies eine leicht stärkere Farbveränderung auf als der Frontzahnbereich.
40
Die zwei Temperaturbilder in der Gruppe „wenig Änderung“ wiesen kaum Veränderung der
Okklusalfläche auf. Die farbliche Veränderung ging nur ganz minimal in den positiven als auch
in den negativen Bereich. Ansonsten überwog farblich der grüne Normbereich. Die minimalen
Farbveränderungen waren sowohl im Seitenzahn- als auch im Frontzahnbereich sichtbar.
44
Die vier Temperaturbilder in der „Normgruppe mit Korrektur“ wiesen eine nicht so gleichmäßige
Veränderung der Okklusalfläche auf wie die Temperaturbilder der Normgruppe. Auch hier ging
die farbliche Veränderung sowohl in den positiven als auch in den negativen Bereich. Jedoch war
die Farbänderung nicht über die gesamte Zahnreihe gleichmäßig verteilt. Außerdem waren die
Veränderungen in bestimmten Arealen, zumeist im Seitenzahnbereich stärker als bei der „Norm-
gruppe“. Die Veränderungen in den negativen Bereich überwogen. Bei der Auswertung fiel auf,
dass bei den Probanden in dieser Gruppe neue Füllungen, Inlays und Kronen in dem Unter-
suchungszeitraum angefertigt wurden. Diese führten dann auf den Temperaturbildern eher zu un-
gleichmäßigen Veränderungen in Bezug auf die Lokalisation auf dem Zahnbogen.
46
3.2.2 Unterkiefer-Temperaturbilder
Die sechs Temperaturbilder in der Gruppe „wenig Änderung“ wiesen kaum Veränderungen der
Okklusalfläche auf. Die farbliche Veränderung ging nur ganz minimal in den positiven als auch
in den negativen Bereich. Ansonsten überwog farblich der grüne Normbereich. Die minimalen
Farbveränderungen waren sowohl im Seitenzahn- als auch im Frontzahnbereich sichtbar, jedoch
tendenziell etwas mehr im Seitenzahnbereich.
53
Die sechs Temperaturbilder in der „Normgruppe“ wiesen eine gleichmäßige Veränderung der
Okklusalfläche auf. Die farbliche Veränderung ging sowohl in den positiven als auch in den
negativen Bereich. Die Veränderungen in den negativen Bereich überwogen. Der Seitenzahn-
bereich wies eine leicht stärkere Farbveränderung auf als der Frontzahnbereich.
Die Temperaturbilder in der Gruppe „Ausreißer“ ließen sich nicht so gut in den beiden anderen
Gruppen einordnen. Im Vergleich zu der „Ausreißer“-Gruppe des Oberkiefers standen diese
jedoch tendenziell näher zur Normgruppe des Unterkiefers. Die Farbveränderungen waren hierbei
jedoch ungleichmäßiger auf den Zahnbogen verteilt und gingen eher in den positiven Bereich.
60
Bei der Darstellung durch die Temperaturbilder im Vergleich zu der unter 2.5 vorgestellten
Auswertungsmethode wurden Veränderungen der gesamten Kaufläche morphologisch dargestellt.
Bei dem unter 2.5 genannten „Matchen“ wurde jeweils nur die dreidimensionale Bewegung der
gesamten Kaufläche in Bezug auf seinen Schwerpunkt errechnet, somit wurden zum Beispiel
Abrasionen, die sich nur auf einen Höcker beziehen, auf die gesamte Okklusionsfläche
verrechnet. Im Gegensatz dazu wurde auf den Temperaturbildern jede Veränderung in der
Oberflächenmorphologie direkt so angezeigt, wie sie tatsächlich auch im Mund vorliegt.
Abb. 21: Mesiookklusale Karies an Zahn 15. Der neu im Zeitraum der 5-jährigen Untersuchung
entstandene und nicht behandelte Defekt stellte sich deutlich auf dem Temperaturbild dar.
Abb. 22: Neue im Zeitraum der Untersuchung gefertigte Kompositfüllung mesiookklusal an Zahn
36
63
Noch deutlicher stellte sich bei einem Probanden eine linguale Höckerfraktur an Zahn 37 (in
Abb. 23, Ziffer 3) dar. Verglich man die entsprechenden Gipsmodelle, war eine ausgewaschene
Aufbaufüllung mit einem vor allem nach mesiolingual frak-
turierten Höcker, entsprechend der Darstellung auf dem
Temperaturbild, erkennbar. Zusätzlich war an Zahn 36 eine
neue distookklusale Füllung (in Abb. 23, Ziffer 4) zu sehen.
Auch diese war okklusal flacher gestaltet als die ursprüng-
liche Okklusalfläche.
Abb. 23: Mesiolinguale Höckerfraktur an Zahn 37 (Ziffer 3) und neue distookklusale Füllung an
Zahn 36 (Ziffer 4)
Dass eine prothetische und konservierende Behandlung auch zu einer teilweisen Erhöhung des
Okklusalreliefs führen kann, zeigt Abb. 24. Bei dem Probanden wurden unter anderem während
des Untersuchungszeitraums neue Goldinlays eingesetzt
(Ziffer 5). Auf dem direkten Modellvergleich waren auf
dem Erstmodell von 1998 noch tiefe ursprüngliche Fissuren
an den Zähnen 24 und 25 erkennbar, während bei dem
Modell von 2003 die Fissuren durch die neuen Goldinlays
erhöht waren. Die Temperaturbilder des Probanden spiegeln
diese Veränderung exakt wieder.
Abb. 24: Zähne 24 und 25 mit neuen Goldinlays. In diesem Fall ist durch die prothetische
Maßnahme das okklusale Relief im Bereich der Fissuren angehoben worden
64
Eine neue Krone an Zahn 21 hatte bei einem Probanden dazu geführt, dass die Palatinalfläche der
Krone dicker war als die ursprüngliche Fläche des natürlichen Zahns. (siehe Abb. 25) Eine ver-
gleichende Kontrolle der Gipsmodelle ließ dies auch erkennen.
Abb. 25: Neue Krone an Zahn 21. Palatinal ist die neue Krone vom Zahntechniker stärker
ausgeformt als der ursprüngliche, natürliche Zahn
65
Die Veränderungen bei der Anzahl der Okklusionskontakte wurden ermittelt und die Ergebnisse
im Folgenden aufgelistet und einander gegenübergestellt. Unterschieden wurden hierbei zwischen
Front- und Seitenzahnbereich, Ober- und Unterkiefer und dabei wurden jeweils Mittelwert, Ma-
ximum, Minimum, Standardabweichung und Varianz angegeben.
Es zeigte sich, dass die Anzahl der Okklusionspunkte sich in allen Fällen im Untersuchungs-
zeitraum der 5 Jahre signifikant erhöht hatte. Die Auswertung mit dem Statistikprogramm SPSS
zeigt Signifikanzwerte p < 0,05 (siehe Tab. 22).
Tab. 22: Signifikanzwerte für die Veränderung der Anzahl der Okklusionspunkte
Region Signifikanz
Front OK p = 0,00397889
Front UK p = 0,03698347
Seitenzahnbereich OK p = 0,00009956
Seitenzahnbereich UK p = 0,00000452
Gesamt OK p = 0,00007434
Gesamt UK p = 0,00001526
3.5 Überprüfung der Zahlenwerte für die Auswertung der Translation nach Z
Translationswerte in der Achsenrichtung Z, die sehr weit von den übrigen gemessenen Werten
abwichen.
Notwendig war diese statistische graphische Auswertung, da die unter 3.4.1 gezeigte „modi-
fizierte Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z“, genau die Zähne mit Aus-
reißer- und Extremwerten nicht in der Darstellung berücksichtigte und deshalb diese Werte er-
mittelt werden mussten.
Gemessene Translationswerte in der Achsenrichtung Z
Bei dieser Darstellung wurden für jeden einzelnen Zahn im direkten Vergleich der Probanden die
Translationswerte in der Raumkoordinate Z dargestellt. Die Abbildungen 28a bis 55a zeigen die
ursprünglich ermittelten Translationswerte in der Achsenrichtung Z. Es gab sowohl positive als
auch negative Veränderungen der Zahnoberfläche in dieser Raumachse. Hierbei wurden nur ein-
zelne Zähne von Probanden vorher aussortiert, die konservierend oder prothetisch in dem Unter-
suchungszeitraum von 5 Jahren behandelt wurden und beim visuellen Modellvergleich Verände-
rungen aufwiesen.
Die Grafiken der Abbildungen 28b bis 55b zeigen jedoch eine „modifizierte“ Darstellung der
Translationswerte in der Achsenrichtung Z. Zusätzlich wurden hierbei die unter 3.5 ermittelten
Extremwerte und Ausreißer berücksichtigt und aus der Auswertung herausgenommen. Zudem
wurde die Summe des jeweils negativsten Translationswertes in der Achsenrichtung Z jedes
Zahnes mit den anderen Translationswerten nach Z jedes Zahnes addiert, so dass keine negativen
Werte mehr in der Darstellung vorkamen.
Die Translationswerte in der Koordinatenrichtung Z wurden für jeden einzelnen Zahn im Ober-
kiefer ermittelt. Bei der Darstellung sollte die X-Achse mit jeder einzelnen Ziffer einem Pro-
banden entsprechen. Da je nach Zahn die Anzahl an Probanden unterschiedlich war, variierte in
den Diagrammen auch die Anzahl der Balken. Die Y-Achse spiegelte die räumliche Veränderung
wider. Dabei lag das Augenmerk auf der „modifizierten“ Darstellung der Translationswerte in der
Achsenrichtung Z. Die Grafiken 28a bis 41a dienten lediglich der Veranschaulichung. Die Zähne
waren sortiert durch den Medianwert der deskriptiven Statistik der „modifizierten“ Darstellung.
Die Reihenfolge ergab sich durch eine ansteigende Auflistung des Medianwertes.
72
Translation Zahn 12
Tab. 23: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 12
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
12 0,5595 0,8385 0,7399
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 28a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 12
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 28b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 12
73
Translation Zahn 13
Tab. 24: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 13
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
13 0,6766 0,7174 0,5356
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 29a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 13
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 29b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 13
74
Translation Zahn 14
Tab. 25: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 14
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
14 0,7407 0,7335 0,3869
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Probanden
Abb. 30a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 14
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Probanden
Abb. 30b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 14
75
Translation Zahn 21
Tab. 26: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 21
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
21 1,2056 1,0838 0,7744
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 31a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 21
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 31b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 21
76
Translation Zahn 24
Tab. 27: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 24
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
24 1,3774 1,0692 0,7778
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 32a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 24
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 32b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 24
77
Translation Zahn 11
Tab. 28: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 11
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
11 1,3574 1,3167 0,6062
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 33a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 11
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 33b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 11
78
Translation Zahn 25
Tab. 29: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 25
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
25 1,3968 1,7187 1,2435
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Probanden
Abb. 34a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 25
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Probanden
Abb. 34b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 25
79
Translation Zahn 26
Tab. 30: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 26
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
26 1,5939 1,8561 1,1784
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Probanden
Abb. 35a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 26
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Probanden
Abb. 35b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 26
80
Translation Zahn 16
Tab. 31: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 16
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
16 1,8970 1,9655 0,9821
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 36a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 16
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 36b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 16
81
Translation Zahn 22
Tab. 32: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 22
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
22 1,9602 1,9931 1,2278
2
Translationswert in mm
-2
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 37a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 22
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 37b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 22
82
Translation Zahn 23
Tab. 33: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 23
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
23 2,0142 1,9271 0,634283
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 38a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 23
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 38b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 23
83
Translation Zahn 27
Tab. 34: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 27
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
27 2,2112 1,9095 1,2801
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Probanden
Abb. 39a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 27
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Probanden
Abb. 39b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 27
84
Translation Zahn 15
Tab. 35: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 15
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
15 2,3459 2,3306 0,866472
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Probanden
Abb. 40a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 15
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Probanden
Abb. 40b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 15
85
Translation Zahn 17
Tab. 36: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 17
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
17 2,4599 2,4119 1,3026
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8
Probanden
Abb. 41a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 17
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8
Probanden
Abb. 41b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 17
86
Die Translationswerte in der Koordinatenrichtung Z wurden hier für jeden einzelnen Zahn im
Unterkiefer ermittelt. Bei der Darstellung sollte die X-Achse mit jeder einzelnen Ziffer einem
Probanden entsprechen. Da je nach Zahn die Anzahl an Probanden unterschiedlich war, variierte
in den Diagrammen auch die Anzahl an Balken. Die Y-Achse spiegelte die räumliche
Veränderung wider. Dabei liegt das Augenmerk auf der „modifizierten“ Darstellung der Trans-
lationswerte in der Achsenrichtung Z. Die Grafiken 42a bis 55a dienten lediglich der Veranschau-
lichung. Die Zähne waren sortiert durch den Medianwert der deskriptiven Statistik der „modifi-
zierten“ Darstellung. Die Reihenfolge ergab sich durch eine ansteigende Auflistung des Median-
wertes.
87
Translation Zahn 36
Tab. 37: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 36
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
36 0,5463 0,6628 0,6291
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Probanden
Abb. 42a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 36
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Probanden
Abb. 42b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 36
88
Translation Zahn 33
Tab. 38: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 33
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
33 0,5502 0,6494 0,5379
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 43a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 33
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 43b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 33
89
Translation Zahn 34
Tab. 39: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 34
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
34 0,6353 0,7679 0,5534
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 44a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 34
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 44b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 34
90
Translation Zahn 35
Tab. 40: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 35
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
35 0,8029 0,7553 0,4873
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 45a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 35
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 45b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 35
91
Translation Zahn 43
Tab. 41: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 43
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
43 0,9028 0,9534 0,4747
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 46a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 43
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 46b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 43
92
Translation Zahn 32
Tab. 39: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 32
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
32 1,0401 1,0447 0,4512
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 47a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 32
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 47b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 32
93
Translation Zahn 41
Tab. 43: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 41
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
41 1,106 1,162 0,5844
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 48a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 41
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 48b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 41
94
Translation Zahn 45
Tab. 44: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 45
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
45 1,3626 1,3321 0,6926
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 49a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 45
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Probanden
Abb. 49b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 45
95
Translation Zahn 37
Tab. 45: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 37
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
37 1,5887 1,3898 0,8866
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Probanden
Abb. 50a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 37
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Probanden
Abb. 50b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 37
96
Translation Zahn 42
Tab. 46: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 42
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
42 1,5937 1,4461 0,7209
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 51a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 42
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 51b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 42
97
Translation Zahn 47
Tab. 47: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 47
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
47 1,7167 1,3988 0,9705
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Probanden
Abb. 52a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 47
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Probanden
Abb. 52b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 47
98
Translation Zahn 46
Tab. 48: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 46
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
46 1,9036 1,6712 0,9431
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 53a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 46
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Probanden
Abb. 53b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 46
99
Translation Zahn 31
Tab. 49: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 31
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
31 2,0350 1,9245 0,7746
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 54a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 31
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Probanden
Abb. 54b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 31
100
Translation Zahn 44
Tab. 50: Deskriptive Statistik der „modifizierten“ Darstellung der Translation nach Z für den
Zahn 44
Zahn Medianwert Mittelwert Standardabweichung
[mm] [mm] [mm]
44 2,3405 2,1545 0,9686
2
Translationswert in mm
-1
-2
-3
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Probanden
Abb. 55a: Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den Zahn 44
4
Translationswert in mm
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Probanden
Abb. 55b: „Modifizierte“ Darstellung der Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Zahn 44
101
Nachdem die Änderungen in der Translation für jeden einzelnen Zahn ermittelt wurden, konnten
anschließend die Ergebnisse für den gesamten Ober- und Unterkiefer zusammengefasst und
dargestellt werden. Zugrunde lagen auch hier die Medianwerte der Translationswerte in der
Koordinatenrichtung Z. Dies konnte in vereinfachter Art und Weise dazu dienen, mögliche
Abrieb- und Verschleißprozesse in dem Beobachtungszeitraum der 5 Jahre an der Zahnoberfläche
zu dokumentieren. Eine Verkürzung der Zahnkrone in vertikaler Dimension wurde hier darge-
stellt. Die ermittelten Medianwerte je Zahn wurden auf ein Ober- und Unterkieferzahnschema mit
Hilfe einer Temperaturfarbskala übertragen und in 10 Schritten von je 0,25 mm jede Änderung
verschieden farblich angezeigt. Keine oder leichte Veränderungen wurden im Zahnschema grün,
mittlere bis starke Veränderungen über gelb, dann orange bis hin rot farblich differenziert.
Abb. 56: Auswertung der „modifizierten“ Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Oberkiefer
102
Abb. 57: Auswertung der „modifizierten“ Translationswerte in der Achsenrichtung Z für den
Unterkiefer
Im direkten Vergleich von Ober- und Unterkiefer fällt auf, dass die Veränderungen der Trans-
lationswerte in der Achsenrichtung Z unterschiedlich ausfielen. Während im ersten Quadrant es
eher im posterioren Bereich zu starken Veränderungen gekommen war, hatte sich die Okklu-
sionshöhe der Zähne 12-14 kaum verändert. Der zweite und vierte Quadrant zeigten dagegen eher
eine mittlere bis starke Veränderung an Okklusionshöhe. Der dritte Quadrant zeigte bis auf den
Zahn 37 kaum eine Veränderung.
3.6 Muskelbefund
Die untersuchten Probanden waren alle funktionsgesund und wiesen keine pathologischen Auf-
fälligkeiten im Bereich der Kaumuskulatur auf.
103
4. Diskussion
Die verschiedenen Befunde, die auf dem Befundbogen ermittelt wurden, sind gut in der Praxis
reproduzierbar, jedoch können verschiedene Fehler bei der Durchführung auftreten. Bei der Er-
mittlung der Okklusionspunkte mit dem Okklusionspapier können durch Speichel, der auf der
Zahnoberfläche aufliegt, Kontaktpunkte möglicherweise nicht korrekt oder gar nicht angezeigt
werden (Gazit et al., 1986). Da die Probanden zum Teil sowohl konservierend als auch prothe-
tisch festsitzend versorgt waren, kamen auf der Okklusalfläche unterschiedliche Materialien wie
Gold, Metalllegierungen oder Keramik vor. Diese zum Teil sehr glatten Oberflächen stellten
nicht immer die Okklusionskontakte genauso gut dar, wie natürlicher Zahnschmelz oder Dentin
(Gazit et al., 1986). Durch die Benutzung des progressiven 200 µm dicken Kontaktpapiers
wurden die Kontaktpunkte unterschiedlich intensiv angefärbt. Die farbschattierte Anfärbung war
kaudruckabhängig. Je dunkler die Farbe war, umso stärker war auch die Aufbisskraft. Früh-
kontakte wurden hierdurch sofort und sehr deutlich sichtbar. Jedoch bedingte das progressive
Kontaktpapier eine relativ dicke Schichtstärke von 200 µm und es wurden mehr Kontaktpunkte
dargestellt, wie bei dünnerem Kontaktpapier der Stärke 10-40 µm. Das verwendete etwas dickere
Kontaktpapier ermöglichte eine recht unkomplizierte Erfassung der Okklusionskontakte auch bei
leicht speichelbenetzten Okklusalflächen. Dünneres Kontaktpapier wäre wünschenswert, bedingt
jedoch einen höheren Aufwand bei der Befunderhebung, wie eine sehr konsequente Trocken-
legung der Okklusalfläche (Gazit et al., 1986). Dass für spätere Studien und den Gebrauch in der
Praxis dünneres Kontaktpapier empfohlen wird, bestätigt auch Anderson (1993). Er verglich die
Zuverlässigkeit bei der Erhebung von Okklusionskontakten mit Shim Stock Folie® (GHM Hanel-
Medizinal) und Kontaktpapier (Accufilm II®). Die sehr dünne Shim Stock Folie® liegt mit ihren 8
µm unterhalb der Tastbarkeit der dentalen Propriozeptoren und stört dadurch nicht den emp-
findlichen Kaumechanismus. Die genaue Stärke des Kontaktpapiers (Accufilm II®) wird in dieser
Studie nicht näher genannt, müsste aber laut Hersteller im aktuellen Programm 2011 bei 21 µm
liegen. Anderson empfahl für den klinischen Gebrauch Shim Stock Folie®, da diese eine größere
Verlässlichkeit als Accufilm II® aufzeigte und eine standardisierte Technik bei der Befund-
aufnahme mit festgelegter Kopfhaltung und Tageszeit begünstigte.
105
Frick (2010) wies darauf hin, dass in der restaurativen Therapie Patienten beim Einschleifen die
neuen Restaurationen nicht als belastbare Kaufläche, sondern als zerbrechliche, nicht belastbare
Rezeptoroberfläche betrachten und behandeln sollen, da die innerhalb des Parodontalligaments
liegenden Mechanosensoren für geringe Kräfte bei einer kraftlosen Berührung am emp-
findlichsten sind.
Noch mehrere andere Studien haben sich in der Vergangenheit mit der Übertragungsqualität von
Kontaktpapier beschäftigt. In einer Studie wurde die Genauigkeit von sechs verschiedenen far-
bigen Kontaktpapieren photographisch mit den Perforationen von Silikonschlüsseln verglichen
(Millstein, 1983). Hierbei wurden Modelle aus Acrylharz in maximaler Interkuspitation in einem
Artikulator montiert. Es stellte sich heraus, dass sich bei den verschiedenen Kontaktpapieren eine
Variation an Größe und Lage der Kontaktpunkte zeigte und die Silikonperforationen insgesamt
weniger waren. Bei einer anderen Untersuchung, bei der Wachsdurchbisse bei Patienten im Mund
genommen wurden (Ehrlich und Taicher, 1981) und dann unter Licht verglichen wurden, waren
die Ergebnisse stimmig und zeigten die gleichen Impressionen und Perforationen.
Messverfahren zur Erfassung der okklusalen Morphologie mit dem sogenannten photoelastischen
Verfahren (Photo-Okklusionsmethode) (Dawson, 1974; Athanasiou et al., 1989; Gianniri et al.,
1991) und elektronischen Sensoren (z.B. T-Scan®) (Maness et al., 1987 und 1989) waren für ihre
Zeit innovativ, führten aber durch ihre dicken Sensoren auch zu einer Hemmung der dentalen
Propriozeptoren und einer unbefriedigenden Zuverlässigkeit (Hsu et al., 1992; Harvey et al.,
1992). Weitere Studien von 1997 hingegen bescheinigten dem T-Scan®-System beim direkten
Vergleich der maximalen Interkuspitation bei viermaliger Erfassung innerhalb einzelner Pro-
banden eine Übereinstimmung von 90,3 % (Garrido Garcia et al., 1997) und befanden dieses
System als eine einfach zu handhabende Möglichkeit, um okklusale Kontaktpunkte reprodu-
zierbar darzustellen (Gonzales Sequeros et al., 1997). Stern und Kordaß verglichen 2010 das
„Greifswald-Digital-Analysing-System“ (GEDAS) mit dem T-Scan-III System®. Das GEDAS-
System beruht auf einem Durchbissregistrat mit einem extraharten Silikon, welches digital
eingescannt und so analysiert werden kann. Das T-Scan-III System® hatte dabei 80,5 % Überein-
stimmung mit dem GEDAS-System und konnte somit in Grenzen die Genauigkeit des Systems
bestätigen.
Vermehrt wurden seit den 90er Jahren auch an elektronischen Registrier- und Artikulator-
systemen gearbeitet, so zum Beispiel das ECRS-System® (Freesmeyer und Luckenbach, 1987),
106
das Cardiax-System® (Slavicek, 1988) und der Jaw-Motion-Analyser® der Firma Zebris (D-Isny)
(Brunner, 1999).
Gärtner (2003) konnte aufzeigen, das die Reliabilität und Reproduzierbarkeit im virtuellen Arti-
kulator DentCam® ausreichend hoch ist, um eine computergestützte Okklusionsanalyse unter Be-
rücksichtigung funktionsanalytischer Komponenten durchzuführen. Er untersucht in seiner Arbeit
das 3D-Scannersystem „Laserscan-3D®“ (Fa. Willytec München) und das elektronische Be-
wegungsmesssystem Jaw-Motion-Analyser® hinsichtlich deren Eignung zur Verwendung als
Datenschnittstelle zum virtuellen Artikulator DentCam®.
In ihrer Arbeit mit dem Programm 3D BioGeneric-DentVisual® zeigte End (2010), „dass der
virtuelle Artikulator neben dem mechanischen Artikulator in der Wiedergabe der statischen und
dynamischen Okklusionsverhältnisse mindestens als gleichwertig angesehen werden muss. Mit
dieser Studie wurde jedoch erneut belegt, dass die Übertragungsgenauigkeit auch unter präzisen
Arbeitsweisen nicht die Probandensituation exakt wiedergeben kann. So konnte bezüglich der
statischen Okklusion eine 45-prozentige Übertragungsgenauigkeit im mechanischen Artikulator
und eine 62-prozentige Übertragungsgenauigkeit im virtuellen Artikulator festgestellt werden.
Bezüglich der dynamischen Okklusion ergaben sich eine 36-prozentige Übertragungsgenauigkeit
im mechanischen Artikulator und eine 47-prozentige Übertragungsgenauigkeit im virtuellen Arti-
kulator. Somit ist der virtuelle Artikulator nicht nur dem mechanischen Artikulator gleich zu set-
zen, sondern im Rahmen dieser Studie sogar diesem in der Wiedergabegenauigkeit überlegen.“
Dass die Möglichkeiten der virtuellen Welt mit immer weiter fortschreitenden Techniken und
Technologien immer genauer und echtzeitfähiger werden und in Zukunft immer mehr bio-
physiologische Parameter sich in den Virtuellen Artikulator implementieren lassen um der realen
Situation so nah wie möglich zu kommen, zeigten Kordaß und Gärtner bereits in ihrem Ausblick
2000.
Die Befundaufnahme 1998 und 2003 wurde von zwei verschiedenen Untersuchern mit unter-
schiedlicher klinischer Erfahrung durchgeführt. Auch dies kann unter Umständen zu Messfehlern
zum Beispiel bei der Erfassung der Okklusionskontakte mit Kontaktpapier oder der Messung der
Anzahl an Schmelzrissen führen. Jedoch zeigt eine andere Studie, bei der 3 verschiedene
Untersuchende mit verschiedener klinischer Erfahrung an 29 Probanden mittels 40 µm dünnem
Kontaktpapier statische und dynamische Okklusionskontakte ermitteln sollten, einen sehr hohen
Grad an Reproduzierbarkeit und eine fast perfekte Übereinstimmung (Davies et al., 2005). In
107
einer weiteren Studie zur Darstellung der Okklusion mit Xantropren® als Registrierungsmaterial
wurden an einer Gruppe von 9 Probanden mit verschiedenen Behandlern wiederholt an mehreren
Tagen Bissregistrate genommen und verglichen. Als Ergebnis zeigte sich kein Unterschied der
gewonnenen Daten, obwohl sie durch verschiedene Untersucher erhoben wurden (Battistuzzi et
al., 1982).
Ein zusätzliches Problem einer solchen Langzeitstudie über 5 Jahre bestand darin, dass es bei den
Probanden in der Zwischenzeit zu konservierenden und prothetischen zahnärztlichen Behand-
lungen kam, die immer auch Änderungen in der okklusalen Morphologie mit sich brachten.
Wünschenswert wäre für zukünftige Studien auf diesem Gebiet, dass nur Probanden untersucht
werden, bei denen der zahnärztliche Befund sich in dieser Zeit nicht geändert hat.
Bei einem „Matchen“ von Zahnbögen benötigt man eine gleich bleibende anatomische Struktur
des Schädels, welche als Referenz und Ausgangspunkt für die digitale Überlagerung dient. Dies
ist idealerweise eine knöcherne Struktur des Schädels, welche zum Beispiel mit einem Gesichts-
bogen die Position der Kiefer und der Zähne zu dieser Struktur festlegt. Dadurch kann für jeden
einzelnen eingescannten Punkt auf der Zahnoberfläche eine definitive und vergleichbare Position
im dreidimensionalen Raum beschrieben werden. Zum einen wäre es aber technisch nicht mög-
lich, dies auf den 3D-Laserscanner Micromeasure 70® zu übertragen, und zum anderen müsste
diese Struktur in irgendeiner Weise chirurgisch freigelegt werden, um Messfehler durch die
Beweglichkeit und unterschiedliche Dicke des Teguments zu vermeiden.
Eine andere Möglichkeit wären zum Beispiel drei kleine Hilfsimplantate, die zahnnah in der
Kieferstruktur verankert werden und über die Dauer der Untersuchung im Knochen verbleiben.
Diese könnten mit abgeformt werden und dann als Matching-Referenz dienen. Solche durch-
messerreduzierten Hilfsimplantate werden bereits neben der klassischen Anwendung in der
Kieferorthopädie zur Fixierung von Implantatpositionierungsschablonen und dem Schutz soeben
augmentierter und implantierter Regionen erfolgreich verwendet (Stimmelmayr, 2010). Die
Verhältnismäßigkeit dieses Vorgehens ist aber natürlich für eine solche Untersuchung nicht
gegeben und so musste auf eine andere anatomische Struktur zurückgegriffen werden.
108
Im Oberkiefer wurden zu Beginn der Untersuchung die Gaumenfalten als anatomische, sich nicht
verändernde Referenzstruktur ausgewählt und die digitale Überlagerung mit Hilfe der Surfacer®-
Software anhand dieser Struktur zunächst ausgeführt. Für den Unterkiefer boten die Gipsmodelle
keine entsprechende Struktur, so dass nur die Möglichkeit bestand, wie unter Kapitel 2.4 be-
schrieben, die gesamte Zahnreihe miteinander zu „matchen“. Dies hat jedoch den Nachteil, dass
jede Veränderung der Zahnstellung, Abrasionen etc. im Verlauf der Untersuchungszeit natürlich
auch einen Einfluss auf die genaue Überlagerung hatte. Es zeigte sich allerdings im Verlauf der
Auswertung der Daten, dass die Methode des Matchens nur mit Hilfe der Zahnreihe dennoch
recht genau war.
Die Daten der Oberkieferzahnbewegungen wurden zunächst nur durch ein „Matchen“ der
Gaumenfalten ermittelt, dann durch ein „Matchen“ der Zahnreihen und zuletzt durch eine
Kombination der Gaumenfalten und der Zahnreihen. Die ermittelten Zahlenwerte waren in allen
Fällen fast gleich. Dennoch muss dies kritisch betrachtet werden, da diese Methode auf jeden Fall
zu Messfehlern führt und in späteren ähnlichen Untersuchungen knöcherne Referenzstrukturen
immer der Vorzug gegeben werden sollte.
Die Beispiele aus 3.3 sollten darstellen, wie hoch die Aussagekraft der Temperaturbilder und
somit auch des „Matchens“ war. Veränderungen der Kaufläche und des Okklusalreliefs in den 5
Jahren waren auf den Bildern nachweisbar. Als problematisch erwies sich allerdings, dass die
Kiefer mit der gesamten Kaufläche gematched wurden. Eine neue Krone wie in Abb. 25 oder
eine linguale Fraktur der Zahnwand wie in Abb. 23 flossen mit in die Berechnung des Programms
Surfacer® ein und verfälschten damit das Ergebnis des „Matchens“. Dies erklärt auch, weswegen
es auf einigen Temperaturbildern zu einer scheinbaren Anhebung der Okklusalfläche gekommen
war. Erkennbar war dies vor allem an einer Änderung in den bläulichen Farbbereich. Bei diesen
Probanden war kein neuer Zahnersatz eingegliedert worden, der für dieses Phänomen verant-
wortlich gewesen wäre.
Nachteilig für die optische Auswertung der Temperaturbilder waren jedoch die nicht so genaue
Einteilung der Farbskala und die schlechtere direkte Vergleichbarkeit der Bilder.
Weiterhin waren bei der kritischen Betrachtung der Arbeit gewisse Fehlerquellen nicht auszu-
schließen. So konnten geringfügige Kalibrier- und Ablesefehler enthalten sein, da bei der Über-
tragung der Daten zwischen der Surfacer®-Software und SPSS®/Microsoft Exel® riesige Daten-
109
bzw. Zahlenwerte aufgrund von Inkompatibilität der Softwareprogramme per Hand sehr auf-
wendig übertragen werden mussten.
Sowohl bei der aktiven als auch bei der passiven Messung der SKD stellte sich im direkten 5-
Jahresvergleich eine Abnahme der Schneidekantendistanz dar. Jedoch nahm die SKD im Tages-
verlauf wieder zu. Diese Abnahme lässt sich im Grunde nur mit einer Veränderung im neuro-
muskulären System erklären. Durch die während des Tages stattfindende natürliche Dehnung und
Beanspruchung der Kaumuskulatur kommt es zu einer Vergrößerung der SKD. Bei der ersten
Untersuchung 1998 wurde nicht tageszeitabhängig gemessen. Die Werte lagen schon näher an
den Werten, die 2003 nachmittags gemessen, aber deutlich höher, als die Werte, die 2003 vor-
mittags ermittelt wurden. Generell lagen die gemessenen SKD-Werte im Mittel zwischen den
Untersuchungsergebnissen von Lehmann et al. (2008) mit 40-50 mm und denen von Schwenzer
(2000) und Agerberg (1974) mit 54-58 mm. Die Ergebnisse von Solberg (1986) entsprachen
denen dieser Studie. Ebenso konnten die tageszeitlichen Schwankungen bei der SKD von Bartels
(1999) von 1-2 mm durch unsere Ergebnissen bestätigt werden.
Tschernitschek (1994) zeigte mit einer elektromyographischen Untersuchung an 100 Patienten,
dass durch altersbedingte Abbauvorgänge in der Kaumuskulatur die „neuro- und myobiologische
Reserve“ deutlich sank. Dies könnte in Teilen die leichte Abnahme der SKD-Werte in den 5
Jahren erklären. Die Untersuchungen von Aniansson et al. (1986) und Maroso (1992) nannten
nervale Ab- und Umbauvorgänge und muskuläre Veränderungen als typische Altersmerkmale bei
der physiologischen Veränderung der stomatognathen Bewegungsabläufe. Hierzu kam es laut
Aniansson durch eine komplexe morphologische und enzymatische Umstrukturierung und auch
zu einer „Kraftreduktion“ des M. masseter. Bestätigt wurde die Verringerung der Kontraktions-
kraft in einer Untersuchung über die Altersveränderungen der Extremitätenmuskulatur durch
Tervinen und Calne (1983). Zudem gehören pathologische Zustände zu den typischen Alters-
merkmalen und können zu einer Abnahme der SKD führen. In der Studie zur Prävalenz von
kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) (John, 1999) wurde auf die Einschränkung der
Unterkieferbeweglichkeit mit wachsendem Alter hingewiesen. Jedoch treten die meisten Be-
schwerden, die in Zusammenhang mit CMD stehen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf
und sind signifikant häufiger bei Frauen anzutreffen (Poveda Roda et al., 2007; Nilsson et al.,
110
2007). Hormonelle Einflüsse führen bei Frauen zu einem 3- bis 9-fach höheren Risiko, eine CMD
zu entwickeln (List et al., 1996; Macfarlane et al., 2002). So zeigten Seneadza et al. (2010), dass
bei einer untersuchten Altersgruppe zwischen 73 bis 75 Jahren die Prävalenz für gelenkpezifische
CMD relativ gering war und keine größeren geschlechtsspezifischen Unterschiede im höheren
Alter festgestellt wurden. Auch jeder prothetische Zahnersatz, der in den 5 Jahren eingegliedert
worden ist, kann neuromuskuläre Veränderungen nach sich ziehen (Kühl, 1970) und somit die
SKD beeinflussen.
Als signifikant erwies sich in dieser Arbeit die Änderung der Anzahl an Schmelzrissen. Im
Frontzahnbereich verdoppelte sich die Anzahl und im Seitenzahnbereich verdreifachte sich diese
sogar. Grundsätzlich fanden sich mehr Schmelzrisse im Frontzahnbereich als im Seitenzahn-
bereich, selbst nach Ablauf der 5 Jahre. Dies bestätigte auch die Studie von Zachrisson et al.
(1980).
Schmelzrisse oder Schmelzsprünge, die durch heiße oder kalte Speisen oder durch das Einatmen
von kalter Luft verursacht werden, würde man grundsätzlich eher im Frontzahnbereich erwarten,
da dort zumeist der erste Kontakt stattfindet. Es war schon lange bekannt, dass vor allem schnelle
Temperaturveränderungen Schmelzrisse verursachen können (Bachman et al., 1976; Brown et al.,
1972; Lutz et al., 1974). Auch durch externe Traumata verursachte Schmelzrisse müssten im
Frontzahnbereich vermehrt auftreten. Järvinen fand sogar bei Patienten mit starkem Frontzahn-
überbiss ein erhöhtes Risiko für traumatische Zahnverletzungen (1978), welches die Theorie be-
stätigt. Da in der Gruppe der Probanden niemand während des Untersuchungszeitraums fest-
sitzend kieferorthopädisch behandelt wurde, konnten Schäden durch das Entfernen von Brackets
vernachlässigt werden. Interessant in dieser Studie erscheint die starke Zunahme der Risse im
Seitenzahnbereich. Dies kann außer durch thermische und traumatische Einflüsse auch durch
konservierende oder prothetische Behandlungen der Zähne und Zahn-zu-Zahn Traumata be-
gründet sein. Zachrisson fand in Bezug auf die Lokalisation von Schmelzsprüngen besonders
viele im Bereich der oberen und unteren mittleren Frontzähne und der ersten Molaren und erklärt
dies mit der längsten Expositionszeit im Mund und einer besonders starken Belastungswirkung.
Grundsätzlich sollte bei der klinischen Untersuchung Fiber-Optik-Transillumination angewendet
111
werden, da mit bloßem Auge oder photographisch nicht alle Schmelzrisse erkannt werden können
(Göbel, 2003; Zachrisson et al., 1980).
in einem Zeitraum von 48 Monaten. Roulet et al. (1980) fanden 33 µm an Abrasion in 2 Jahren
an Unterkiefermolaren.
Pintado et al. (1997) fanden in ihrer 2-Jahres-Studie mit 18 jungen Erwachsenen einen generellen
Verlust an Zahnhartsubstanz von 10,7 µm an Tiefe und 0,04 mm³ an Volumen im ersten Jahr und
eine ungefähre Verdopplung dieser Werte nach einem weiteren Jahr. Ihrer Untersuchung zufolge
haben besonders die Frontzähne durch Abrieb die meiste Veränderung erfahren. Auch waren die
Abriebwerte bei denen in der Studie mit Bruxismus bei der Volumenabnahme signifikant größer.
Pigno et al. (2006) bestätigen, dass der größte Substanz- und Volumenverlust bei Bruxismus im
Frontzahnbereich stattfindet.
Die Auswertung der „modifizierten“ Translationswerte in der Achsenrichtung Z in dieser Studie
sollte ebenso dazu dienen, Abnutzungserscheinungen und Abrasionen an den Zähnen darzu-
stellen. Die Methodik, dabei den Schwerpunkt der einzelnen Zahnpunktewolken in der vertikalen
Dimension nach 5 Jahren miteinander zu vergleichen, erschwerte den direkten Vergleich mit den
anderen Studien, da bei diesen die reine Zahnoberflächenmorphologie auf Abrasionszeichen ver-
glichen wurde. Die in den Abbildungen 51 und 52 dargestellten Zahlenwerte zwischen 0 und 2,5
mm stellten hierbei keine direkten Zahlenwerte für Abrasionen dar, sondern sollten nur dazu die-
nen, eine Tendenz für eine Zahnabnutzung zu zeigen.
Es konnte hierbei nicht gezeigt werden, dass die größten Abriebwerte wie bei Pigno et al. (2006)
und Pintado et al. (1997) besonders im Frontzahnbereich auftraten. Es zeigten sich zwar auch
zum Teil deutlich Veränderungen in der Achsenrichtung Z an einzelnen Frontzähnen, dagegen
zeigten mehrere aber keine bis kaum eine Veränderung. Tendenziell konnte aber mit Ausnahme
von Zahn 44 die Beobachtung von Lambrechts et al. (1989) bestätigt werden, dass im hinteren
Seitenzahnbereich stärkere Abrasionen zu erwarten sind, wie im vorderen Seitenzahnbereich. Es
ist aufgrund des Funktionsprinzips des Kiefergelenks und besonders der Geometrie des
Schließweges (Nähe zum Rotationszentrum) nachvollziehbar, dass im Molarenbereich durch die
dort höher auftretenden Kaukräfte auch stärkere Abrasionen zu erwarten sind (Stumpenhausen,
1997).
Die Vermutung, dass die anfängliche Front- und Eckzahnführung sich im Verlauf der Jahre
weiter nach distal verlagert, kann bei jungen Menschen einen verstärkten Zahnhartsubstanzabtrag
im Front- und Eckzahnbereich bis hin zum Prämolarenbereich bedingen. Da diese Studie an einer
Gruppe an Zahnmedizinstudenten durchgeführt wurde, würde man auch hier altersbedingt eine
113
ähnliche Abnutzungstendenz erwarten. Es zeigten sich jedoch im zweiten und dritten Quadranten
kaum Änderungen im Eck- und Prämolarenbereich.
Pintado et al. (1997) wiesen auch darauf hin, dass Zahnhartsubstanzabtrag an einem Zahn nie-
mals für sich allein beobachtet werden darf, da der Abrieb in einer Region eine neue Kontakt-
beziehung in einer anderen Region mit sich bringt und so Schlifffacetten eine unregelmäßige,
reduzierte oder komplett inaktive Aktivität im Verlauf der Zeit aufweisen können.
Auch durch die im Untersuchungszeitraum konservierend und prothetisch durchgeführten Be-
handlungen war eine Veränderung der Oberfläche und der Anzahl an Okklusionskontakten zu
erwarten und es kam zu einem Eingriff in das natürliche Verschleißmuster. Graf et al. (2001)
beschrieben in ihrer in-vitro-Studie die Abrasion von Zahnhartsubstanz und Metalllegierungen
nach 200000 Abrasionszyklen mit der von De Gee entwickelten ACTA-Maschine, dass der medi-
anen Abrieb von Gold bei 51 µm, Schmelz bei 61 µm, Dentin bei 165 µm, Variolink bei 81 µm
und Harvard bei 352 µm liegt. Ebenfalls mit der ACTA-Maschine gemessen zeigen sich moderne
Vollkeramiksyteme verschleißfester als humaner Schmelz oder Dentin (Graf et al., 2002). Ob
eine Restauration jedoch im Mittel eher zu einer Zu- oder Abnahme der Kontaktpunktanzahl
führt, müsste weitergehend untersucht werden. Sicher ist jedoch, dass es durch die Differenz im
Verschleißverhalten zwischen Zahnhartsubstanz und Restaurationsmaterial zur Stufenbildung
zwischen Zahn und Zahnersatzmaterial und antagonistisch bei sehr verschleißfesten Materialien
zu Schädigungen durch übermäßige Abrasionen kommen kann (Graf et al., 2002).
Die Auswertung der Temperaturbilder lässt vermuten, dass beim Einschleifen häufig mehr Zahn-
substanz wie nötig abgetragen wird und sich dadurch die Anzahl an Kontaktpunkten reduziert.
Zudem haben Untersuchungen ergeben, dass die Anzahl an Kontaktpunkten bei leichtem Schlie-
ßen und beim Pressen differiert (Reiber und Müller, 1994). So nahm beim Pressen die Zahl an
Kontakten im Mittel von 17 auf 24 pro Kiefer zu. Mit durchschnittlich 13,2 Kontakten im Ober-
kiefer und 12,55 Kontakten im Unterkiefer lagen in dieser Untersuchung die Werte 1998 im
unteren Bereich der Studie von Reiber und Müller. Die hier ermittelten Werte von 2003 mit 20,65
Kontakten im Oberkiefer und 18,4 Kontakten im Unterkiefer liegen deutlich höher. So sollte bei
zukünftigen Untersuchungen auch die neuromuskuläre Aktivität gemessen werden, um besser
vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Bei stärkerem Kaudruck ist der Anstieg der Anzahl von
Kontakten im Frontzahnbereich größer als im Seitenzahnbereich (Riise, 1982; Riise und Ericson,
1983). Bei seinen Studien zeigten sich mehr Kontakte beim festen Zusammenpressen der Zähne
als beim leichten Beißen. Auch wurden bei diesen Studien zwischen einer Gruppe Erwachsener
114
und Jugendlicher unterschieden. Dabei hatte die Gruppe der Erwachsenen eine signifikant
kleinere Anzahl an Kontakten bei leichtem Zusammenbeißen wie die Jugendlichen. Bei festem
Zusammenpressen der Zähne war kein Unterschied zwischen diesen Gruppen festzustellen.
Der Zunahme an Okklusionskontakten widerspricht jedoch die Studie von Stumpenhausen
(1997). Dieser untersuchte die zeitabhängigen, okklusalen Veränderungen während eines Jahres,
welche mit Hilfe einer computergestützten Messvorrichtung anhand von enoral hergestellten
Silikon-Durchbissregistraten visuell dargestellt und anschließend metrisch ausgewertet wurden.
Damit war es möglich, mittels mathematisch-statistischer Analysen einige Tendenzen nachzu-
weisen, die sich hauptsächlich auf eine aufgrund des Zeitablaufs abrasiv bedingte Zunahme der
Kontaktflächen sowie Abnahme der Kontaktpunktzahl beschränken.
Hierbei muss aber das computergestützte Vermessungssystem kritisch hinterfragt werden. Wenn
zum Beispiel aufgrund verfahrensbedingter Messgenauigkeitsschwankungen zwei separierte
Kontaktpunkte als ein konfluierender erkannt werden, unterliegt die Gesamtpunktfläche zwar
kaum einer Veränderung, die Kontaktpunktanzahl nimmt prozentual gesehen jedoch deutlich ab.
Auch die Tageszeit und die psychische Verfassung haben einen Einfluss auf die Okklusion und
Okklusionskontakte (Berry und Singh, 1983; Molligoda et al., 1988). Die Aufgabe der
zahnärztlichen Prothetik und Funktionstherapie liegt in der Simulation von klinischen okklusalen
Verhältnissen auf die Modellokklusion. Eine Vielzahl an Gegebenheiten erschwert allerdings die
Reproduktion. So haben im Vergleich zur Modellokklusion die Zahnbeweglichkeit, die elastische
Deformation der Kiefer, die Kiefergelenkresilienz und das neuromuskuläre System einen Einfluss
auf die Anzahl und Lage der Okklusionskontakte. So belegen experimentelle Studien, dass in den
Bereichen mit der größten Genauigkeit die okklusalen Kontakte auf dem Modell nur bis zu 40 %
wiedergegeben werden können (Reiber und Trbola, 1993).
Weitgehend ungeklärt sind auch der Einfluss „approximaler Attrition“ und die generelle Mesial-
wanderungstendenz der Seitenzähne auf Okklusionsveränderungen. Unter „approximaler Attri-
tion“ wird der Zahnhartsubstanzverlust verstanden, der durch direkten Abrieb zweier intakter,
benachbarter Zähne zustande kommt und im Durchschnitt 0,02 mm im Jahr beträgt (Geim, 2004;
Imfeld, 1996). Da die approximalen Kontaktpunkte im Verlauf des Lebens immer flächiger
werden und sich nach apikal verlagern, kann einer Speiseimpaktion durch die parodontale Papil-
lenreduktion vorgebeugt werden (Sauerwein, 1985). Dies muss aber zwangsläufig auch mit einer
Veränderung der Okklusion einhergehen.
115
Auch der Einfluss der Kopfhaltung auf das okklusale Kontaktmuster muss weiterhin diskutiert
werden. Dass die Kopfhaltung einen Einfluss auf die Anzahl und Verteilung von Okklusal-
kontakten hat, zeigt Mohl (1976). Bei einer Studie zum Kontaktmuster bei myozentrischer
Okklusion (Remien und Ash, 1974) konnte festgestellt werden, dass bei nach hinten geneigter
Kopfposition die Zahl anteriorer Zahnkontakte abnimmt, verbunden mit einer Zunahme pos-
teriorer Kontakte besonders im Molarenbereich. Der Grund hierfür ist, dass sich bei jeder
Änderung der Kopfhaltung auch die intermaxilläre Lagebeziehung verändert. Je mehr der Kopf
nach anterior geneigt ist, umso kleiner wird die Interokklusaldistanz, und es findet eine leichte
Vorverlagerung der Mandibula statt. Je weiter der Kopf nach posterior geneigt ist, steigt die
Interokklusaldistanz, und der Unterkiefer nimmt eine retrudierte Position ein. Spijker (2011)
empfahl in seiner Studie zur Körperposition und Okklusion, bei größeren okklusalen Reha-
bilitationen die Registrierung in mehr als nur einer Körperposition durchzuführen, da bei fast
allen Probanden Veränderungen in der Führungsform nach Positionsänderung auftraten. Auch
beeinflusst die Änderung der Kopfhaltung die Muskelausgangslänge (Hils, 1986). Zum Beispiel
verlängern sich die Unterkieferadduktoren bei Rückwärtsneigung des Kopfes, während sich
gleichzeitig die Antagonisten verkürzen. Diese Änderungen führen zu einer anderen Muskel-
kontraktion und haben somit auch Einfluss auf die Okklusion.
Die Studie von Armijo-Olivo et al. (2011) ging der Frage nach, ob Patienten mit alleiniger Myo-
pathie und gemischter Myoarthropathie eine andere Kopfhaltung haben als entsprechende Kon-
trollprobanden. Die von den CMD-Patienten angegebenen funktionellen Beeinträchtigungen lie-
ßen sich jedoch nicht signifikant in einen kausalen Zusammenhang mit der Kopf- und Körper-
haltung bringen.
Otsuka et al. (2011) untersuchten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztherapie (fMRT), ob
eine Veränderung der Okklusion und damit der Kiefergelenkposition mit emotionalen und/oder
neurologischen Prozessen zusammenhängen bzw. Auswirkungen haben auf den emotionalen
Zustand. Es konnte gezeigt werden, dass es eine Wechselwirkung zwischen dem „emotion
circuit“ (limbisches System) im menschlichen Gehirn und der Okklusion und Kiefergelenk-
position gibt. Zudem zeigten Kubo et al. (2007) und Yoshihara et al. (2001) im Tierversuch,
anhand erhöhter Cortisolwerte im Urin und Corticosteronwerte im Plasma, dass Okklusions-
störungen die neurophysiologische Funktion des zentralen Nervensystems beeinträchtigen.
116
5. Schlussfolgerung
Mit jeder konservierenden oder prothetischen Behandlung nimmt der Behandler Einfluss auf die
Okklusion. Die Ergebnisse zeigen, dass dabei die Restaurationen zu häufig zu stark eingeschlif-
fen werden. Ein vorsichtiges Vorgehen bei der okklusalen Anpassung sollte gewählt werden,
wobei eine Okklusionskontrolle bei unterschiedlicher Kopfneigung erstrebenswert ist.
Besonders zum Gebrauch von möglichst dünnem Okklusionspapier kann dem praktisch tätigen
Zahnarzt bei der tägliche Arbeit geraten werden. Dies muss dann unter guter Trockenhaltung der
Okklusalflächen geschehen. Zudem muss bei verschiedenen Restaurationsmaterialien auf die
unterschiedliche Abzeichnungsfähigkeit des Okklusionspapiers geachtet werden.
Selbst in einem relativ kurzen Zeitraum von fünf Jahren muss bei Patienten mit parafunktionellen
Einflüssen auf den Kauflächen der Zähne gerechnet werden. Abrasionen bzw. Hartsubstanzabtrag
auf den Kauflächen können in dieser Arbeit nachgewiesen werden.
Ein deutlicher Anstieg an Schmelzrissen ist selbst nach 5 Jahren in der Praxis zu erwarten.
In Bezug auf die Änderung der Anzahl an Okklusionskontakten zeigt diese Studie einen signi-
fikanten Anstieg. Dies sollte kritisch betrachtet werden, da dies der Studie von Stumpenhausen
(1997) widerspricht und weitergehend untersucht werden müsste.
Bisher wird bei der Funktionsanalyse und der Anfertigung von prothetischem Zahnersatz zumeist
auf mechanische Simulatoren (Artikulatoren) und Registriersysteme gesetzt. Der Einsatz von
virtuellen Artikulatoren jedoch eröffnet neue Möglichkeiten in Planung und Simulation auch
komplexer Patientenfälle. Dieser Bereich der digitalen und virtuellen Zahnheilkunde wird sich
durch die Forschung immer weiter an die reale Welt annähern und einen immer größeren Einfluss
auf alle Gebiete der modernen Zahnmedizin nehmen.
Gleichzeitig aber zeigen die Ergebnisse auch die Schwierigkeit der Übertragung anatomischer
Strukturen in die digitale Welt. Eine sinnvolle Registrierung kann nur über knöcherne Strukturen
erfolgen und über dreidimensionale radiologische Untersuchungsmethoden.
Besonders aber durch den Tätigkeitsbereich der Implantologie und die 3-D-Behandlungsplanung
hat sich in den letzten Jahren auf diesem Gebiet sehr viel getan und es sind auch in den nächsten
Jahren rasante Weiterentwicklungen im Bereich der virtuellen Zahnmedizin zu erwarten.
117
6. Zusammenfassung
In dieser Langzeitstudie über 5 Jahren an einer Gruppe von 20 Zahnmedizinstudenten sollte die
Frage beantwortet werden, ob es im Untersuchungszeitraum zu nachweislichen Veränderungen
der Okklusaloberfläche kommt. Hierbei wurden bei allen Probanden ein zahnärztlicher Befund
und eine genaue Aufzeichnung der Okklusionskontakte auf einem Befundbogen vorgenommen.
Die Modelle aus Superhartgips von Anfang und Ende der Studie wurden mit dem 3D-Laser-
scanner Micromeasure 70® digital eingescannt und mit dem Computerprogramm Surfacer 6.0®
überlagert, so dass sich eine grafische Darstellung der Veränderung der Okklusionsfläche dar-
stellte. Diese digitale Überlagerung sollte zur Ermittlung von Abrasionen und zur grafischen Dar-
stellung von Veränderungen der okklusalen Oberfläche verwendet werden. Es ließ sich eine
Veränderung in der „Translationsrichtung Z“ nachweisen, die auf Abrasionen in den 5 Jahren
hinweist. Dabei waren mögliche Abrasionen im Oberkiefer besonders im dorsalen Bereich und an
dem Zahn 23 nachweisbar, während im Unterkiefer die Oberflächenveränderungen in der Höhe
eher ungleichmäßig und verteilt auftraten. Nachteilig zeigte sich in dieser Studie, dass Füllungen,
Inlays oder Kronen, die in den 5 Jahren angefertigt wurden, mit in die Berechnungen des Sur-
facer® einflossen und somit die Ergebnisse beeinflussten. Für die Zukunft sollten bei solchen
„Matching-Studien“ nur Probanden ausgewählt werden, die konservierend und prothetisch unbe-
handelt sind.
Die zusätzliche Auswertung der digital überlagerten eingescannten Kiefermodelle mit Hilfe von
Temperaturbildern ermöglichte eine grafische Darstellung von okklusalen Veränderungen inner-
halb der fünf Jahre. An Hand von Beispielen konnte die Genauigkeit dieser digitalen Überlage-
rung im direkten Modellvergleich nachgewiesen werden.
Die SKD und die Anzahl an Schmelzsprüngen bei den Probanden wurden ermittelt. Die Ermitt-
lung der Okklusionskontakte war weiterer Bestandteil der Untersuchung.
Die Untersuchung der Schneidekantendistanz ergab eine signifikante Abnahme im 5-Jahresver-
gleich bei der aktiven als auch eine nichtsignifikante Abnahme bei der passiven Messung, wobei
im direkten Tagesvergleich zwischen Vormittag und Nachmittag die SKD wiederum deutlich
zunahm. Altersbedingte Abbauvorgänge in der Kaumuskulatur, pathologische Zustände und
nervale Ab- und Umbauvorgänge als typische Altersmerkmale wurden als Gründe für die
Abnahme der SKD diskutiert.
118
Die Anzahl an Schmelzrissen nahm innerhalb des Untersuchungszeitraums stark zu. Dabei ver-
doppelte sich die Anzahl im Frontzahnbereich und verdreifachte sich sogar im Seitenzahnbereich.
Temperaturveränderungen, externe Traumata, wie auch Zahn-zu-Zahn Traumata oder kiefer-
orthopädische Apparaturen können hierfür verantwortlich sein. Fiber-Optik-Transillumination
sollte bei der klinischen Untersuchung von Schmelzrissen angewendet werden.
Die Anzahl an Okklusionspunkten hat sich in allen Fällen über den Untersuchungszeitraum der 5
Jahre signifikant erhöht. Besonders im Seitenzahnbereich vergrößerte sich die Anzahl an Okklu-
sionspunkten um ca. 57 %. Die gemessene Anzahl im Frontzahnbereich vergrößerte sich im
Oberkiefer um 35,5 % und im Unterkiefer um 22,67 %. Da die Tageszeit und die psychische Ver-
fassung, genau wie die Kopf- und Körperhaltung einen Einfluss auf die Okklusion haben, sollte
dies im klinischen Alltag unbedingt beachtet werden. Die unterschiedliche Abzeichnungs-
fähigkeit des Okklusionspapiers auf verschiedenen Restaurationsmaterialien gilt es zu berück-
sichtigen. Des Weiteren sollten die Zahnoberflächen möglichst speichelfrei sein und dünnes Ok-
klusionspapier sollte Verwendung finden.
119
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8. Danksagung
• Meinem Doktorvater, Herrn Priv. Doz. Dr. med. dent. E.-H. Helfgen, für die Überlassung des
Themas, für die intensive Unterstützung und die fachliche und geduldige Betreuung bei der
Erstellung dieser Arbeit.
• Herrn Prof. Dr. rer. nat. C. P. Bourauel und Dr. rer. nat. Ludger Keilig für die vorbildliche
Unterstützung und Hilfe bei der Umsetzung der Versuche.
• Frau Schiermeyer-Dunkhase und Frau Butz, die mir jederzeit den Zugang zur Bibliothek der
Zahnklinik Bonn ermöglichten.