Musik im Barock
Musik 2
Der Begriff Barock bezeichnet eine Epocheneinteilung von ca. 1600-1750
Epoche Wiedersprüche und Gegensätze
Spiel-Ernst
Leid-Lebenshunger
Schein-Sein (in Literatur)
Diesseits-Jenseits
regierender Fürst als:
irdisch-himmlisch
Vertreter Gottes-verwüstender Kriegsherr
Förderung der Künste-Ausbeute des Staats
Schlagworte
Carpe Diem (nutze den Tag)
Memento Mori(sei der Sterblichkeit bewusst)
Vanitas(alles ist vergänglich)
Lebensumstände des Volks
Hunger, Leid (von Armut geprägt, lebten kalt und beengt), Krankheit
Tod (2/3 der Bevölkerung stirbt)
Lebenserwartung: 30-40 Jahre
Hilfe und Trost für das Volk
Musik, in sonntäglichen Gottesdiensten-> Unterhaltung
Literatur, christlicher Glaube, Hoffnung auf das Jenseits
Bedeutung der Musik für Adel und Klerus
Adel:
wesentlicher Bestandteil des höfischen Lebens
luden Komponisten, Musiker und Sänger an Höfe ein
demonstrierte Reichtum und Macht
Klerus:
Kirche war bedeutender Förderer der Musik
liturgische Musik spielte zentrale Rolle in der Messe
Komponisten schufen Werke für kirchlichen Gebrauch
Musik als Mittel zur Verbreitung der christlichen Lehre
Invention
Eine kurze Komposition, bei der ein musikalischer Einfall weiter verarbeitet wird. Bei einer Invention sind die Stimmen
eigenständig und völlig gleichberechtigt, es gibt also keine Begleit- und Melodiestimme-> Polyphonie.
kompliziertere Form davon ist die Fuge
wird von mehreren Motiven geprägt, die auf verschiedenen Tonstufen sequenziert (wiederholt) werden, in eine andere
Richtung gespielt/gespiegelt (an einer gedachten Achse), oder variiert (leicht verändert) werden können
Motiv: kleinste musikalische Sinneinheit, die eine charakteristische, einprägsame Gestaltung aufweist und
wandlungsfähig ist
Fuge
Die Fuge ist die häufigste Instrumentalform im Barock und das auffallendste Merkmal ist das Durchlaufen eines prägnanten
Themas durch alle Stimmen. Ihr Verlauf ist streng reglementiert und lässt sich leicht in einem Aufbauschema festhalten.
Definitionen
Soggetto/Thema: zuerst einsetzende Stimme
Dux: Thema in der Grundform ([Link], erster Themeneinsatz in der Fuge)
Comes: Thema in der Quinttonart ([Link], zweiter Themeneinsatz)
Tonal: Noten weichen aus harmonischen Gründen vom Comes ab (um in der Tonart zu bleiben)
Real: Comes wird notengetreu transportiert, Intervallgetreue Wiederholung des Themas auf anderer Tonstufe
Kontrapunkt (KP): Gegenstimme zum Thema, die sich wiederholt
Exposition = erste Durchführung: beendet wenn das Thema in allen Stimmen erklungen ist
Zwischenspiel: themenfreie Intervalle/Verbreitung einzelner Motive, Zwischenteil der zwischen Durchführungen erklingt
Umgestaltungen des Themas
Umkehrung (horizontal gespielt)
Krebsform (vertikal gespielt)
Krebsumkehrung
augmentiert (Notenwerte vergrößert)
diminuiert (Notenwerte verkleinert)
Weihnachtsoratoriom
Entstehungsgeschichte
6 Teiliges Oratorium
erstes mal in Leipzig 6 Tage der Weihnachtszeit 1734-1735 vorgeführt worden
Bach hat auf bereits vorhandene Musik zurückgegriffen, was zu der Zeit nicht ungewöhnlich war-> Parodie
verwendet viele Stilrichtungen, darunter Choräle, Rezitative, Arien und Chöre
Textgrundlagen
1. Bibeltext:
nach Lukas und Matthäus
wird ausschließlich vom Evangelist gesungen
Handlung wird in diesen Passagen vorangebracht
Beispiel: Nr.2, Lk 2,1-6, Recitativo
2. Choräle aus Kirchenliedern
nach Luther oder Paul Gerhardt
übernehmen Funktion eines Kommentares und sind eher nach innen gerichtet
Beispiel: Nr. 5, 1. Teil, wie soll ich dich empfangen
3. Freie Textdichtung
nehmen betrachtende Positionen ein und werden in Arie und Rezitativ verwendet
sind stark nach innen gerichtet
Beispiel: Nr. 8, Arie, Großer Herr und starker König
Gattungstypen
Choräle: wurden von der Gemeinde gesungen
Rezitative: sprechartige Passagen in denen biblische Handlung erzählt wird
Arien: Solostücke die von einzelnen Stimmen gesungen werden
Arie
Die Da-Capo-Arie gehört zur Haupt-Arienform des Barocks, wessen Grundlage die freie Textdichtung ist. Sie drücken
Betroffenheit einer Person oder andere Gefühlsregungen in direkter Rede aus.
sie gliedert sich in drei Teile A-B-A
diese können in versch. Kombinationen zusammengesetzt und wiederholt werden
häufigste Form ist A-B-A
1. A-Teil
fundierter und stabiler Formteil
besteht aus einem Ritornell (instrumentales Vor-Zwischen- oder Nachspiel in Arien) und einem daraus abgeleitetem
Gesangspart
Dieser Hauptteil gliedert sich meist in Eingangsritornell, Vokalteil und Ritornell-Wiederholung/Variation
2. B-Teil
hat Funktion eines Mittelteiles
ist als Kontrast zum A-Teil angelegt (zum Beispiel in der Harmonik, Setzweise und Melodiegestaltung)
3. A-Teil
Wiederholung des Hauptteiles
wird nicht im Notentext aufgeschrieben, sondern mit ,,da capo” angezeigt
Das Rezitativ
Das Rezitativ ist ein Sprechgesang und wird in der Oper, in Oratorien und Passionen eingesetzt um die Handlung
voranzutreiben und die Erzählung darzustellen.
Secco-Rezitativ Accompagnato-Rezitativ
Bedeutung trocken begleitet
Besetzung Tenor, Evangelist Solist+Soloinstrumente+Basso Continuo
freie Vortragsrythmen, da es mehr ein genau ausnotierte Stimmen in durchgehaltenem
Form/Notation
Erzählen ist Metrum
viele Tonschritte, seltener Sprünge (wenn
Melodieverlauf klein), schwieriger Melodieverlauf, am Tonsprünge, am Text orientiert, es gibt eine Melodie
Text orientiert
nur durch B.C., bleibt nur im
charakteristische Figuren drücken ,,Affekte” aus
Aufgaben der Hintergrund, in Akkorden die nur bei
(Leidenschaften), Darstellung der Stimmen, zusätzliche
Begleitung wichtigen Begriffen wechseln, schneller
Schilderung des Gesagten durch Instrumentalmusik
Akkordwechsel->Ausdruck von Unruhe
Aufgabe im
Gesamtzusammen Handlung vorantreiben Vorbereitung der Arie (mit starken Gefühlen
hang
Der Generalbass
Definition
Der Generalbass ist ein musikalisches System, das aus einer Bassstimme und harmonischen Anweisungen besteht, die es
dem Spieler ermöglichen, die Akkorde und Harmonien der Musik zu improvisieren oder zu realisieren. Die Bassstimme
wird durch eine Basslinie angegeben, während die harmonischen Anweisungen in Form von Zahlen unter oder neben der
Basslinie geschrieben sind.
Erkennungsmerkmale
um 1600 entstanden
auch Basso Continuo (fortlaufender ununterbrochener Bass)
eine den Gesang stützende instrumentale Begleitstimme
harmonisches Fundament einer Komposition
Regeln
keine Bezifferung: Grundton, es werden die Töne des Dreiklangs über dem Basston gespielt (1-3-5)
stehen Ziffern: Abweichung von der Norm (1-3-5-)
6: Statt 1-3-5 wird 1-3-6 gespielt-> Sextakkord; Basston ist die Terz des Grunddreiklang
4: es wird 1-4-5 gespielt-> Quartvorhalt
6/4: es wird 1-4-6 gespielt-> Quartsextakkord
7: es wird 1-3-5-7 gespielt-> Septakkord
6/5: es wird 1-3-5-6 gespielt-> Quintsextakkord
Strich: vorheriger Akkord bleibt
Musikalisch-rhetorische Figuren
Definition
Eine Affektenlehre mit eigenem Regelwerk, das genutzt wird zur Darstellung von Leidenschaften und Gemütsregungen der
Seele. Sie sind nach bestimmten Merkmalen typisiert und dienen in Anlehnung an die rhetorischen Figuren der Rede der
Hervorhebung eines Textsinnes.
Gruppen
1. Hypotyposis: Sammelbegriff für alle musikalischen Figuren, die etwas abbilden
2. Emphasis: Sammelbegriff für alle Figuren, die etwas verdeutlichen und den Ausdruck steigern wollen
Beispiele
Suspiratio:
Seufzer
Sekundbewegung abwärts mit folgender Unterbrechung des Melodieflusses durch Pausen
drückt aus: Seufzer, Beschwernis, Trauer
Figura corta:
Kurze Figur
Spielfigur bestehend aus einer Achtel und 2 Sechzehntel
drückt aus: Freude und Triumph
Saltus duriusculus:
Ein etwas harter Sprung
Tritonus oder vermindertes/übermäßiges Intervall
drückt aus: Schmerz, Klage, Falschheit (T.93: In harter Krippe; Tritonus:h-eis)
Die Kadenz
Die Dreiklänge auf den Stufen 1, 4 und 5, enthalten alle Töne der Tonleiter-> bilden harmonischen Kern=Hauptdreiklänge
[Link]: Tonika
[Link]: Subdominante
[Link]: Dominante
[Link]: Tonika
Tonika-/Subdominanten-Parallele=Akkorde der aus dem gleichen Grundton basiert aber in moll/dur gespielt wird
Tonarten
♯ Geh Du Alter Esel Hole Fische (Kreuz bei: fcgdae)
b Frische Brötchen Essen Asse Des Gesangs (b bei: headge)
Anleitung
1. Tonart bestimmen (anschauen)
2. Kreuze oder b eintragen
3. 1, 4, 5 und 6. Ton eintragen
4. Dreiklang drauf bilden
5. Vorzeichen
6. Grundtöne 2 Töne tiefer in Bassschlüssel
7. Subdominant-/Dominantparallele einzeichnen
Die klassische Periode
in Vordersatz und Nachsatz aufgeteilt (jeweils 4 Takte)
jeweils noch 4 Phrasen (jeweils 2 Takte)
jeder Takt hat sein eigenes Motiv (Motiv a, a´, b, b`, c, c`, usw...
muss mit Tonika anfangen und enden
Streichquartett der Klassik
Besetzung:
[Link], [Link], Bratsche und Cello
alle Stimmen sind solistisch besetzt und gleichberechtigt
Mittelstimmen sind ausnotiert (nicht mehr frei ergänzt wie beim Generalbass)
Gründe der Besetzung
Bedeutung der Zahl 4
4 Jahreszeiten
4 Himmelsrichtungen
4 Elemente (Erde, Feuer, Wasser, Sturm)
4 Temperamente (Choleriker, Melancholiker, Sanguiniker, Phlegmatiker)
-> Abwendung der Kirche
bewusste Reduktion
um schlichte Eleganz zu zeigen
Gebot von Klarheit und formaler und inhaltlicher Ausgewogenheit lässt sich vorbildhaft durchsetzen
vgl. Architektur, Kleidung, Portrais
Generalbass
durch seinen Wegfall entstand neue Besetzung der Kammermusik, deren wichtigster Vertreter das Streichquartett war
Trisonate wird durch Streichquartett ersetzt
Thema
ist ein geschlossenes Ganzes mit klarer und einfacher Gliederung
es kam zur Ausprägung der klassischen Periode, welche sich heute noch in vielen Songs und in der einteiligen Liedform
widerspiegelt (Can you feel the love tonight)
motivisch-thematische Arbeit
aus prägnantem Thema entsteht kompletter Satz, der vorgegebenes Material in verschiedenen
Kombinationsmöglichkeiten und Variationsansätzen verarbeitet-> motivisch-thematische Arbeit
Die Sonatenhauptsatzform
1. Exposition: Hauptthema wird vorgestellt, mit oft energischem oder kraftvollem Charakter
Hauptthema->Überleitung->Seitenthema(zarteres, gesangliches Thema, meist in Dominantentonart; Verwandtschaft zu
HT mindestens in einem Punkt erkennbar)->Überleitung->Schlussteil(danach wird häufig Hauptteil wiederholt :/)
2. Durchführung: Verarbeitung der Materialien
aufgespalten, neu kombiniert, sequenziert, durch Tonarten moduliert-> motivisch-thematische Arbeit
3. Reprise: Wiederaufnahme der Exposition, auch Seitensatz und Schlussgruppe wird in der Grundtonart gespeilt (Tonika)
4. Coda: selbstständiger Schlussteil, der den ersten Satz abrundet und mit versch. Schlusswendungen beschließt
Motivisch-thematische Arbeit
Es ist ein Kompositionsverfahren, das darin besteht längere Strecken eines Satzes mit wenigen, den zugrunde liegenden
Themen entnommenen Motiven zu bereiten, die ausgesponnen, abgewandelt, umgruppiert, kombiniert werden usw., so dass
die Komposition ständig mit dem Thema in Zusammenhang steht und sich aus ihm entwickelt.
kommt eigentlich in der Sonatenhauptsatzform zur Geltung (vor allem in der Durchführung)
Möglichkeiten der motivischen Arbeit
1. Transposition (Tr.): Motiv wird von einem anderen Ton aus begonnen
2. Abspaltung (Ab.): Es werden nur einzelne Teile des Motivs gespielt
3. Augmentation (Aug.): Vergrößerung der Notenwerte, z.B.: halbe Note->ganze Note
4. Diminution (Dim.): Verkleinerung der Notenwert, z.B.: halbe Note->Viertelnote
5. Umkehrung (Uk.): horizontale Spiegelung bzw. die Intervalle werden in die entgegengesetzte Richtung geführt
6. Imitation (I): Motiv erscheint nacheinander in verschiedenen Stimmen, setzt dies überlappend ein-> Engführung