Übersetzungswissenschaft
Übersetzungswissenschaft
Die Übersetzungswissenschaft fasst mehrere Begriffe zusammen, die gleiche sind, aber sie müssen
unterschieden werden.
Gegenwärtig sind in der übersetzerischen Wissenschaft zwei Auffassungen vertreten, und zwar die
linguistisch orientierte traditionelle Übersetzungstheorie und die moderne Translationstheorie, die
handlungs- und kulturorientiert ist. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts sind insbesondere an
deutschen Universitäten mit Dolmetscherinstituten wie z.B. Heidelberg, Lehrstühle für
Übersetzungswissenschaft eingerichtet worden. Die Lektoren hatten die Aufgabe, den angehenden
Übersetzern und Dolmetschern einen theoretischen und methodischen Hintergrund zu vermitteln und
ihnen die reflektive Überprüfung der Lehrinhalte zu ermöglichen.
Als eigentlicher Begründer der Übersetzungswissenschaft als eigener Disziplin gilt jedoch E. Nida. Unter
Zentralstellung semantischer Probleme skizzierte Nida Perspektiven einer Übersetzungswissenschaft, die
Ansätze der allgemeinen Semantik, der Verhaltensforschung, der Kulturgeschichte, Anthropologie,
Philologie, Kommunikationswissenschaft, Sprachphilosophie, Linguistik und Semiotik vereinigt.
Die breiteste Konzeption einer Übersetzungswissenschaft hat W. Koller skizziert. Nach Koller sollte eine
künftige Übersetzungswissenschaft folgende Bereiche umfassen:
systematische und historische Übersetzungstheorie;
sprachenpaarbezogene linguistische Übersetzungsforschung;
Übersetzungsforschung als Textwissenschaft (vergleichende Textanalyse und -typologie, vergleichende
Stilistik, Rezeptionsbedingungen von Texten, Gattungstheorie)
wissenschaftliche Übersetzungskritik;
Problem- und Theoriegeschichte (Geschichte des Übersetzens und seiner Theorie, Rezeptionsgeschichte
von Gattungen und Autoren, Analyse und Bewertung von historischen Übersetzungsleistungen);
Übersetzungsunterrichtsforschung;
Hilfswissenschaften der Übersetzungsforschung (Erarbeitung von Hand-und Wörterbüchern etc.)
Der Begriff der Übersetzungswissenschaft markiert den Paradigmawechsel von einer spekulativen
Übersetzungstheorie zu einer empirisch begründeten Theorie, was durch den Begriff 'Wissenschaft'
deutlich gemacht wird.
Die Übersetzungswissenschaft ist die Wissenschaft, die sich mit dem Übersetzen und den Übersetzungen
beschäftigt. Auf der einen Seite erforscht sie allgemein den Prozess des Übersetzens, d. h. wie sich der
Prozess eines Ausgangstextes zu einem Zieltext entwickelt. Auf der anderen Seite erforscht sie die
Endprodukte des Übersetzungsprozesses = d. h. Übersetzungen1.
Solange Menschen verschiedene Sprachen sprechen, gehört das Dolmetschen und Übersetzen zu den
unentbehrlichen Bemühungen um die Überwindung der Sprachbarriere - im politischen wie im
wirtschaftlichen Verkehr, bei machtpolitischer Expansion wie beim friedlichen Reisen, aber vor allem bei
der Übermittlung von Philosophie, Wissenschaft, Literatur und Religion.
Obwohl Übersetzen seit Menschengedenken praktiziert wird, obwohl sich die Wissenschaften des 20.
Jahrhunderts mit dem Problem so intensiv wie nie beschäftigt haben, lässt sich keine allgemein akzeptierte
berücksichtigende Definition anführen.
Der Begriff Translation kommt aus dem lateinischen translatio und bedeutet ‚Übertragung‘, ‚Versetzung‘,
und ‚Verpflanzung‘2. Der Begriff Translation wurde von Otto Kade am Ende der 60er-Jahren zum ersten
Mal als Oberbegriff für Übersetzen und Dolmetschen verwendet 3. Weist auf Kades Artikel Zufall und
Gesetzmäßigkeit in der Übersetzung (1968), in dem die immer noch als klassisch anerkannte Definition
von Übersetzen und Dolmetschen dargestellt wird4
Was ist eigentlich „Übersetzen"?
Nach dem Brockhaus in der 16. Auflage von 1957 ist es:
1)Übersetzung. Übertragung von Gesprochenem oder Geschriebenem aus einer Sprache in eine andere5.
In Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1979 wird dann unterschieden: 2)Übersetzung. Wiedergabe
eines Textes in einer anderen Sprache. Sie ist Form der schriftlichen Kommunikation über Sprachgrenzen
hinweg im Gegensatz zur aktuellen, mündlichen Vermittlung des Dolmetschers.
In der Web-Enzyklopädie Encarta 2005 heißt es:
3)Übersetzung. Übertragung von Informationen einer Sprache in eine andere. Unter Übersetzung versteht
man im Allgemeinen sowohl Vorgang als auch Resultat:
4)Nach G. Jäger wurde das Wesen der Übersetzung im außerlinguistischen Bereich angesiedelt. Er
bezeichnet Übersetzung als Sicherung der Kommunikation.
5)Kriterium der Übersetzung ist nicht mehr Bedeutungsidentität, sondern die kommunikative Äquivalenz
zweier Texte. Nach W. Wills ist "Übersetzen ein Textverarbeitungs- und Textverbalisierungsprozess, der
von einem ausgangssprachlichen Text (AT) zu einem möglichst äquivalenten zielsprachlichen Text (ZT)
hinüberführt und das inhaltliche und stilistische Verständnis der Vorlage voraussetzt“.
1
Koller 2011: 5
2
Snell-Hornby 1999, 3).
3
Snell-Hornby 1999, 37
4
Snell-Hornby (1999, 37
5
Der Große Brockhaus, 16. Auflage, Wiesbaden 1957, Bd. XI, S. 714.
6)Sicherung der Kommunikation. Kriterium der Übersetzung ist nicht mehr Bedeutungsidentität, sondern
die kommunikative Äquivalenz zweier Texte. Nach W. Wills ist "Übersetzen ein Textverarbeitungs- und
Textverbalisierungsprozess, der von einem ausgangssprachlichen Text (AT) zu einem möglichst
äquivalenten zielsprachlichen Text (ZT) hinüberführt und das inhaltliche und stilistische Verständnis der
Vorlage voraussetzt“.
7)W. Winter geht in seiner Definition vom Begriff der Formulierung von Interpretationen von „Segmenten
der Welt" (Ausschnitte der äußeren und der inneren Welt) aus, die beim Übersetzen ersetzt wird durch
eine äquivalente Formulierung in der ZS. Zwischen intralingualer Übersetzung (im Sinne des
innersprachlichen Paraphrasierens) und interlingualer Übersetzung wird kein prinzipieller Unterschied
gemacht. In dieser Definition erscheint nicht nur der Textbegriff (als formulation), sondern auch der
Begriff der Welt, d. h. der Sachverhalt außersprachlicher Art, der im und durch den Text interpretiert
wird6.
9)Übersetzen besteht darin, in der Empfängersprache das nächste natürliche Äquivalent der
ausgangssprachlichen Botschaft zu reproduzieren, erstens in Bezug auf die Bedeutung und zweitens in
Bezug auf den Stil7.
10)Übersetzen ist ein Textverarbeitungs- und Textreverbalisierungsprozess, der von einem
ausgangssprachlichen Text zu einem möglichst äquivalenten zielsprachlichen Text hinüberführt und das
inhaltliche und stilistische Verständnis der Textvorlage voraussetzt. Übersetzen ist demnach ein in sich
gegliederter Vorgang, der zwei Hauptphasen umfasst, eine Verstehensphase, in der der Übersetzer den
ausgangssprachlichen Text auf seine Sinn- und Stilintention hin analysiert, und eine sprachliche
Rekonstruktionsphase, in der der Übersetzer den inhaltlich und stilistisch analysierten
ausgangssprachlichen Text unter optimaler Berücksichtigung kommunikativer Äquivalenzgesichtspunkte
reproduziert8.
11) ”Der Übersetzungsprozeß ist schriftliche Umsetzung eines Textes von einer Sprache (AS) in eine
andere Sprache (ZS), wobei das Umsetzungsprodukt, die Übersetzung, bestimmten Äquivalenzforderungen
genügen muß“9 .
6
W. Winter(1961:68)
7
E.A. Nida (1969:12)
8
W. Wilss (1977:72):
9
Koller, Werner (1983), S. 91
In den verschiedenen Bezeichnungen des Übersetzens als „Übertragung“, „Wiedergabe“, „Nachdichtung“
oder „Form der Kommunikation“ deutet sich schon an, dass die Auffassung von dem, was Übersetzer und
Übersetzerinnen seit Jahrhunderten leisten, bis heute durchaus nicht einheitlich ist.
Die Geschichte der Übersetzung weist darauf hin, dass sowohl Übersetzen als auch Dolmetschen solche
menschlichen Tätigkeiten repräsentieren, denen laut Koller in allen Menschheitsepochen begegnet werden
kann10. Seit dem ägyptischen Alten Reich bis zur heutigen Zeit haben Dolmetscher und Übersetzer zuerst
im mündlichen und später im schriftlichen Verkehr die Verständigung zwischen Menschen verschiedener
Muttersprachen ermöglicht11.
Übersetzen als Praxis ist eine wichtige und sogar eine unentbehrliche menschliche Aktivität, denn in
vielen verschiedenen Bereichen des Lebens hat man das Bedürfnis, außer muttersprachigen Texten auch
fremdsprachige Texte zu verwenden12. Das Bedürfnis ist laut Koller (2011, 19) nicht nur in den zwischen-
und 20 innerstaatlichen Beziehungen notwendig, sondern gilt in Technik, Wissenschaft und im Geschäfts-
und Handelsverkehr auch13. Übersetzungen werden auch deshalb gebraucht, weil man allgemein nur eine
oder zwei Fremdsprachen beherrscht und es sein kann, dass man im beruflichen oder wissenschaftlichen
Kontext Texte anderer Sprache benötigen würd.
2. ÜBERSETZUNGSPROBLEME
Für die Definition des Übersetzungsproblems wird von der etymologischen Bedeutung des Wortes
ausgegangen. "Übersetzungsprobleme" sind also Aufgaben, die man beim Übersetzen lösen muss, wenn
man einen Ausgangstext (AT) in einen für eine bestimmte Zielfunktion geeigneten Zieltext (ZT)
"übersetzen" soll oder will. Übersetzungsprobleme können sich aus verschiedenen Faktoren oder
Komponenten des Übersetzungsvorgangs ergeben: (a) aus spezifischen, nicht verallgemeinerbaren
Charakteristika eines ganz bestimmten Ausgangstexts (= ausgangstextspezifische), (b) aus der Definition
der Zieltextsituation im Kontrast zur Ausgangstextsituation durch den "Übersetzungsauftrag" (=
pragmatische Übersetzungsprobleme), (c) aus dem Unterschied zwischen den konventionellen
Verhaltensweisen der A- und Z-Kultur (= kulturpaarspezifische Übersetzungsprobleme) und (d) aus den
strukturellen Unterschieden von AS und ZS (= sprachenpaarspezifische Übersetzungsprobleme).
10
Koller, (2011, 53)
11
Koller( 2011, 53)
12
Koller (2011, 19).
13
Koller (2011, 19)
Bei der Beschäftigung mit den Fragen ,,was in den Köpfen von Übersetzern vorgeht‘‘ und ,,was beim
Übersetzen passiert‘‘ stoßt man immer wieder auf die Begriffe ,,Übersetzungsschwierigkeit‘‘
und ,,Übersetzungsproblem‘‘, die meist nicht unterschieden werden. Es gibt (subjektive)
Übersetzungsschwierigkeiten und -probleme, wobei der Unterschied laut deutscher
Übersetzungswissenschaftlerin Christiane Nord darin liegt, dass letzteres nicht einfach durch mehr
Erfahrung gelöst werden kann. Da wir auch der gleichen Meinung sind, dass man die
Übersetzungsprobleme nicht nur einfach durch Erfahrung lösen kann, haben wir die Klassifizierung der
Übersetzungsprobleme nach Ch. Nord gewählt.14
1) Pragmatische Übersetzungsprobleme
Diese hängen mit der Kommunikationssituation und dem Kommunikationspartner zusammen. Dazu zählt
Ch. Nord auch die Bezugnahmen auf Sender und Empfänger. Zu pragmatischen Übersetzungsproblemen
ordnet Nord auch solche Faktoren ein wie z. B. Kulturreferenzen (Eigennamen, Realienbezeichnungen).
1)Pragmatische Übersetzungsprobleme treten mit kulturellen Übersetzungsprobleme zusammen auf,
weil die Sender und Empfänger aus verschiedenen Kulturen stammen. Der AS-Sender denkt nicht an die
Empfänger der ZS, und das hat Übersetzungsprobleme zur Folge. So entstehen Verstehens- und
Formulierungsprobleme15.
2) Ausgangstextspezifische Übersetzungsprobleme
Entstehen durch individuelle Stil- und Ausdrucksmittel eines Textes: Inhalt, nonverbale Elemente
(Gliederung, Illustration), Lexik, Syntax. Obwohl sie für einen bestimmten Text charakteristisch sind,
können sie trotzdem analogisiert werden. Unter Lexik und Syntax versteht Ch. Nord die nicht
konventionellen Stilmittel. Ausgangstextspezifische Übersetzungsprobleme kommen vor allem bei
literarischen Texten vor16.
3) Kulturpaarspezifische Übersetzungsprobleme
Sind die Textsortenkonventionen, stilistische, Kennzeichnungs-, Maßkonventionen, die in dem Ausgangs-
und Zieltext unterschiedlich sein können. Diese werden speziell auf zwei bestimmte Fremdsprachen
bezogen, gegenüber den pragmatischen Übersetzungsproblemen, die verallgemeinerbar sind.17
4) Sprachenpaarspezifische Übersetzungsprobleme
Enthalten textinterne Faktoren, die sich aus den unterschiedlichen Strukturen der Ausgangssprache und
Zielsprache im Bereich der Lexik, Syntax und der suprasegmentalen Merkmale ergeben 18:
14
Nord 1990
15
Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen, Tübingen 2009, S. 177
16
Nord (1990), S.273-277
17
Ch. Nord (1991), S. 30
18
Ch. Nord (1991), S. 246
Die Klassifizierung der Übersetzungsprobleme von Ch. Nord erfolgt nach Art und Wesen von Ausgangs-
und Zieltext.
NORDS ausführliche Darstellung des Umgangs mit Textelementen-in-Funktion stellt mit der Forderung
der Loyalität eine gewisse Einschränkung der funktionalen Translationstheorie dar, auf die sie sich aber
ausdrücklich beruft. Dort wird der Kohärenz zwischen Ziel- und Ausgangstext ein geringerer Stellenwert
beigemessen.
Vorläufige Definition von „Realien“ (Spätlat. realis, zu res „Sache“; gelegentlich Realia, kein anerkannter
Singular): Gegebenheiten, die den Sprechern der Ausgangssprache vertraut sind, nicht jedoch (oder nicht
im gleichen Ausmaß) den Sprechern der Zielsprache.
Das Deutsche gilt im Verhältnis zu anderen Sprachen als eine besonders partikelreiche
Sprache (Helbig 1994: 11). Vor allem die Funktionsklasse der Abtönungspartikeln ist im
Deutschen stark ausgebildet, in vielen anderen Sprachen hingegen entweder gar nicht oder
nur in Ansätzen vorhanden bzw. in ihrer Verwendung weniger frequent (Weydt 1989: 235,
IDS-Grammatik 1997: 1206).
Bei den Partikeln, insbesondere der Funktionsklasse der Abtönungspartikeln, handelt es sich
im Deutschen um relativ bedeutungsarme Lexeme, die jedoch eine Vielzahl von kommunika-
tiven Nuancen ausdrücken können. Beispielsweise tragen sie zur Steuerung der Konversa-
tion und Interaktion bei, geben Hinweise auf die Beurteilung der aktuellen Sprechsituation
und erlauben Schlüsse auf das persönliche und soziale Verhältnis zwischen den Gesprächs-
partnern sowie deren Emotionen und Erwartungen (vgl. Franck 1980: 31).
Im Deutschen werden Abtönungspartikeln vorwiegend in der umgangssprachlichen, natürli-
chen Kommunikation verwendet (vgl. Helbig 1994: 11 f.). Sie treten dementsprechend häufi-
ger in der gesprochenen Sprache als in der Schriftsprache, eher im Dialog als im Monolog
und öfter in der spontanen Umgangssprache des Alltags als in geplanter oder gehobener
Sprache auf (Helbig/Buscha 2013: 419). Speziell in Bezug auf Abtönungspartikeln zeigt We-
ydt (1969: 98), dass diese im ungezwungenen Alltagsgespräch mehr als dreimal so häufig
vorkommen wie im Zeitungsdeutsch. Hentschel (1986: 243) belegt, dass umso mehr Parti-
keln verwendet werden, je informeller, persönlicher und vertrauter ein Gespräch ist, sodass
die Partikelfrequenz als Indikator für den Privatheitsgrad der Kommunikation betrachtet wer-
den kann.
Abtönungspartikeln sind im Deutschen darüber hinaus wesentlich für eine authentische und
idiomatische Wirkung von Äußerungen. In einer Befragung, in der Probanden einen Text mit
vielen Abtönungspartikeln und den gleichen Text ohne Abtönungspartikeln vergleichen soll-
ten, bewerteten die Informanten den partikellosen Text einhellig als unauthentisch, weniger
flüssig und hölzern, während der partikelreiche Text als freundlich und echt beurteilt wurde
(vgl. Weydt 2010: 13 f.). In der IDS-Grammatik (1997: 904 f.) wird außerdem dargelegt, dass
Abtönungspartikeln häufig als „Symptom akuter emotionaler Beteiligung“ interpretiert werden
können und somit im Deutschen auf derselben Ebene wie Tonfall, Mimik und Gestik wirken.
3.2 Definition und Termini
Als allgemeine Definition von Partikeln soll hier die Definition Bußmanns (2002) herangezo-
gen werden, in der Partikeln als „nicht flektierende, nicht satzgliedfähige Wortklassen, die
keine (oder wenig) selbstständige lexikalische Bedeutung aufweisen, aber die Bedeutung
ihrer jeweiligen Bezugselemente modifizieren“ (Bußmann 2002: 498 f.) beschrieben werden.
Die Abgrenzung der Subklasse der Abtönungspartikeln ist in der Forschung umstritten. May
(2000: 64) stellt fest, dass bezüglich der Frage, welche Partikeln im Deutschen zu den Abtö-
nungspartikeln gezählt werden können, nur hinsichtlich weniger Partikeln völlige Überein-
stimmung herrscht. In der IDS-Grammatik (1997: 1209) werden dementsprechend zwei
Gruppen von Abtönungspartikeln unterschieden: eine Kerngruppe (aber, auch, bloß, denn,
doch, eben, etwa, halt, ja, mal, man (regional), nicht, nur, schon, vielleicht, wohl) und eine
Gruppe von peripheren Mitgliedern, deren abtönende Funktion oft nur schwer von der Funk-
tion ihrer gleichlautenden Dubletten in anderen Funktionsklassen (z. B. eigentlich als Adverb
oder ruhig als Adjektiv) zu unterscheiden ist: eh, eigentlich, einfach, erst, ruhig, überhaupt.
Zur Bezeichnung dieser Funktionsklasse werden am häufigsten die Termini Abtönungsparti- kel
(geprägt von Weydt 1969: 19) und Modalpartikel (u. a. Bublitz 1978: 31, Wolski 1986: 331)
verwendet, die im Allgemeinen als synonym betrachtet werden. 2 Je nach Auffassung von der
Bedeutung bzw. Funktion der Partikeln wird u. a. auch von Existimatoren (Thun 1984: 13),
Einstellungspartikeln (Doherty 1985: 14), und emotional-expressiven Partikeln
Die Abtönungspartikeln sind nicht-flektierende Elemente, die nicht satzgliedfähig, nicht erfrag- bar
und nicht erststellenfähig3 sind, sondern im Mittelfeld auftreten, den ganzen Satz „modifizie- ren“
bzw. Äußerungsskopus haben, eine nicht-referentielle, relationale und sprecherbezogene Bedeutung
aufweisen und affin zu bestimmten Satzarten/Satzmodi sind.
1) (Hans ist klein), aber du bist groß (Weydt 1969: 65, Hervorhebung im Original)
Wie aus der oben genannten Partikel-Definition Bußmanns und der Abtönungspartikel-
Definition Diewalds hervorgeht, weisen Partikeln keine oder nur eine geringe selbstständige
lexikalische Bedeutung auf, sondern modifizieren die Bedeutung ihrer Bezugselemente (vgl.
auch Weydt 1969: 60, Krivonosov 1977: 243). Wegen ihrer nur geringen lexikalischen Be-
3
Helbig (1994: 36 f.) zählt auch einige Wörter zu den Abtönungspartikeln, die erststellenfähig sein können
(u. a. schließlich, immerhin, allerdings). In der IDS-Grammatik (1997: 1209) werden diese Wörter
ausdrücklich aus der Funktionsklasse der Abtönungspartikeln ausgeschlossen.
4
Einige Abtönungspartikeln (denn, doch, schon, wohl) haben jedoch betonte Dubletten (IDS- Grammatik
1997: 1213). Ob diese ebenfalls als Abtönungspartikeln gelten können, ist umstritten. Mei- bauer (1994: 2)
plädiert dafür, auch betonte Formen zu den Abtönungspartikeln zu rechnen.
deutung sowie aufgrund ihres häufigen Vorkommens in der gesprochenen Umgangssprache
wurden Abtönungspartikeln vor Beginn der intensiven Partikelforschung vor allem in der
normativen Stilistik als bedeutungslose und überflüssige „Füllwörter“ (Adler 1964) „Würzwör-
ter“ (Thiel 1962) und „Flickworte“ (Reiners 1951: 283) betrachtet.
Erst als um 1970 die pragmatische Wende einsetzte und die gesprochene Sprache und ihre
kommunikativen Funktionen ins Zentrum des linguistischen Interesses rückten, wurde er-
kannt, dass Abtönungspartikeln trotz ihrer scheinbaren Bedeutungsarmut entscheidende
kommunikative Funktionen zugeschrieben werden können, was bereits in der frühen Parti-
kelforschung in zahlreichen pragmatisch orientierten Arbeiten (u. a. Helbig 1977, Bublitz:
1978, Franck: 1980) deutlich wird.
In der aktuellen Partikelforschung wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass Abtö-
nungspartikeln nichts zum propositionalen Gehalt des Satzes beitragen bzw. keine referen-
tielle Bedeutung haben, sondern eher illokutive bzw. kommunikative Funktionen ausüben
(u. a. Helbig 1994: 12). Dementsprechend beschreibt Diewald (2007: 128) in ihrer oben ge-
nannten Definition die Bedeutung von Abtönungspartikeln als „nicht-referentielle, relationale
und sprecherbezogene Bedeutung“. Vor diesem Hintergrund vermeiden manche Autoren
den Terminus Bedeutung und weisen Abtönungspartikeln ausschließlich „(kommunikative)
Funktionen“ (u. a. Cardenés Melián 1997: 10) zu. Andere sprechen hingegen von einer „kon-
textfreie[n] Bedeutung“ (Franck 1980: 167) und verwenden den Terminus Bedeutung für das,
„was in allen Kontexten konstant bleibt“ und Funktion für das, was sich „aus dem Zusam-
menwirken der Bedeutung mit bestimmten Kontextelementen“ ergibt (Beerbom 1992: 33).
Thurmair (1989: 2) und Waltereit (2006: 8) merken an, dass es sich bei der Unterscheidung
von Bedeutung und Funktion eher um ein terminologisches Problem handelt, das davon ab-
hängt, ob man nur die propositionale oder auch die nicht-propositionale Bedeutung als Be-
deutung bezeichnet. Diese terminologische Diskussion kann hier nicht weiter verfolgt wer-
den. Festgehalten werden kann, dass die Bedeutung von Abtönungspartikeln weniger refe-
rentieller, sondern kommunikativer Art ist und somit auf der Ebene der Sprecher-Ansichten,
der Illokution und der Interaktion zwischen Gesprächspartnern wirkt.
Wegen der geringen lexikalischen Bedeutung und des Zusammenwirkens mit anderen Mit-
teln beim Gebrauch in verschiedenen Kontexten wird die Bedeutung von Abtönungspartikeln
häufig als vage, abstrakt und hochgradig kontextabhängig charakterisiert (u. a. Franck 1980:
254, König/Requardt 1991: 64 f.). In der IDS-Grammatik (1997: 904) wird beispielsweise
angemerkt, dass es wohl „selbst kompetenten Sprachteilhabern“ schwerfällt zu beschreiben,
was genau Abtönungspartikeln in Sätzen wie „Das ist doch die Höhe!“ oder „Das kennt man
ja.“ ausdrücken. In Bezug auf die Kontextabhängigkeit stellt beispielsweise Berkenbusch
(2001: 445) fest, dass die Abtönungspartikel denn in den Sätzen „Wie geht es ihnen denn?“
und „Was soll das denn?“ nicht die gleiche Funktion haben. Franck (1980: 254) spricht in
diesem Zusammenhang von einer „chamäleonartig changierende[n] Bedeutung“.
Als Antwort auf die Frage, worin die „relationale und sprecherbezogene Bedeutung“ bzw. die
kommunikativen Funktionen von Abtönungspartikeln bestehen, ist in der Partikelforschung
eine Fülle von allgemeinen Bedeutungen bzw. Funktionen von Abtönungspartikeln heraus-
gearbeitet worden, die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen, sondern oft miteinan-
der verbunden sind (vgl. IDS-Grammatik 1997: 904, 1222). Diese lassen sich in mehrere
Grundansichten einteilen: Abtönungspartikeln als Ausdruck von Sprechereinstellungen, als
Illokutionsindikatoren oder –modifikatoren und als konversations- und interaktionssteuernde
Elemente.
Weydt (1969: 60) beschreibt die Bedeutung von Abtönungspartikeln damit, „daß sie die Stel-
lung ausdrücken, die der Sprecher dem Gesagten gegenüber einnimmt“:
„Du bist aber groß!“, sagt, daß der Sprecher von der zugrunde liegenden Realität, die er aus- spricht,
überrascht ist; eben in: „Das ist eben so“, zeigt, daß er den Satzinhalt für unabwendbar hält; etwa bei
einer Frage bedeutet, daß der Sprecher die Antwort: „Ja“ und damit den Wortin- halt der Frage für
unwahrscheinlich hält; schon in: „Wir kriegen dich schon noch“, zeigt, daß der Sprecher Zutrauen in
diese seine Worte hat; er glaubt zuversichtlich, daß sie sich in der Zukunft realisieren werden.
(Weydt 1969: 62, Hervorhebung im Original)
Diese zentrale Auffassung wird in ähnlicher Weise von vielen Autoren vertreten (u. a. Bublitz
1978: 7 f., Doherty 1985: 15, Dahl 1988: 12, Autenrieth 2002: 7-24).
Im theoretischen Rahmen der Sprechakttheorie von Austin (1972) und Searle (1976) defi-
niert Helbig (1977: 34) Abtönungspartikeln als „illokutive Indikatoren“, die den gemeinten
Sprechakt einer Äußerung eindeutiger machen. Die illokutionsindizierende Funktion illustriert
Helbig (1977: 34, Hervorhebung im Original) an dem folgenden Beispiel:
Laut Helbig verdeutlicht mal in 3), dass eine schwache Aufforderung vorliegt, ja in 4), dass
der Satz als Ratschlag gemeint ist und doch in 5), dass ein Ratschlag oder die Zustimmung
zu einem Wunsch des Gesprächspartners ausgesprochen wird.
Die Feststellung, dass es stark vom Kontext abhängt, wie eine Äußerung mit Abtönungspar-
tikel interpretiert wird und somit zwischen Abtönungspartikeln und Illokutionstypen keine
Eins-zu-eins-Relation besteht, hat in der Folgezeit dazu geführt, Abtönungspartikeln nicht in
jedem Fall eine illokutionsindizierende, sondern meist eine illokutionsmodifizierende Funktion
zuzuschreiben (vgl. Sandig 1979: 89, Franck: 1980: 31, Gornik-Gerhardt 1981: 25 f., Jacobs
1991: 141).
Franck (1979: 4) schlägt vor, die sprechakttheoretischen Ansätze mit denen der Konversati-
ons- und Interaktionsanalyse zu verbinden und sieht die kommunikativen Funktionen von
Abtönungspartikeln vorwiegend darin, die „Äußerung im konversationellen oder argumentati-
ven Kontext zu verankern“ und „der emotiven Seite des Beziehungsstandes zwischen den
Interaktanten Ausdruck“ zu verleihen (Franck 1979: 4). Sie können beispielsweise auf Vor-
gängeräußerungen oder auf folgende Gesprächsakte Bezug nehmen, den Wissensstand
oder Annahmen der Kommunikationspartner einbeziehen, der Themenfortführung bzw. dem
Themenwechsel dienen oder zum Konsens oder Dissens beitragen und haben dementspre-
chend eine situationsdefinierende und konversationssteuernde Funktion (vgl. Franck 1980:
31, 116). Nach Fragen mit auch wie „Hast du auch zugeschlossen?“ (Franck 1979: 4) wird
beispielsweise vom Sprecher als Fortsetzung des Gesprächs Zustimmung erwartet, nach
Fragen mit etwa wie „Hast du etwa zugeschlossen?“ eine ablehnende Antwort (Franck
1979: 8).
Einigen Abtönungspartikeln wird häufig auch eine konnektierende bzw. textverknüpfende
Funktion zugewiesen, da sie Äußerungen beispielsweise durch den Bezug auf spezielles
Sprecher- und Hörerwissen auch über den Sprecherwechsel hinweg miteinander verbinden
können (vgl. Kemme 1979: 27 ff., Franck 1980: 31, IDS-Grammatik 1997: 1222). Brauße
(1986: 210) formuliert als übergreifendes Bedeutungselement aller Abtönungspartikeln die
„Bezugnahme auf vorausgehende Annahmen“. Ähnlich spricht Diewald (1997: 130) von dem
Verweis auf eine kommunikativ gegebene Einheit bzw. einen „pragmatischen Prätext“.
1.1 Abgrenzung
Wie in Kap. 2.2 dargelegt wurde, haben Abtönungspartikeln in anderen Wortklassen gleich-
lautende Dubletten. Eben wird als Adjektiv (‚flach, eben‘) und Temporaladverb (‚vor Kurzem‘
oder ‚in Kürze‘) sowie als Partikel (Gradpartikel, Antwortpartikel und Abtönungspartikel) ver-
wendet (vgl. Helbig 1994: 120 ff., Diewald 1997: 92). Die heutige Abtönungspartikel eben hat
sich laut Hentschel (1986: 46 ff.) aus der temporalen Bedeutung entwickelt.5
Als Gradpartikel steht eben meist unbetont vor dem Bezugsglied und hebt dieses mit der
Bedeutung ‚gerade, genau‘ hervor (vgl. Helbig 1994: 122):
1) Eben diesen Mann habe ich im Urlaub getroffen. (Helbig 1994: 122)
Als Antwortpartikel steht eben isoliert als Reaktion auf eine Aussage oder in Kombination mit
anderen Antwortpartikeln als Reaktion auf eine Entscheidungsfrage. Die Antwortpartikel
eben ist betont und signalisiert mit der Bedeutung ‚genau‘ die Zustimmung des Sprechers zu
der vorangegangenen Äußerung des Gesprächspartners (vgl. Helbig 1994: 123 f.):
4) Dann steh eben etwas früher auf! (wenn du mehr schaffen willst) (Helbig 1994: 122)
Die Abtönungspartikel eben wird meist gemeinsam mit der Abtönungspartikel halt behandelt.
Viele Autoren betrachten halt als süddeutsche Variante von eben mit der gleichen Bedeu-
tung (u. a. Lütten 1977: 358, Bublitz 1978: 81, Franck 1980: 235). Diese Annahme wird auch
5
Zur Bedeutungsentwicklung der Abtönungspartikel eben siehe auch Diewald (1997: 92 ff.).
6
Mit Ausnahme von Intonationsfragen wie „Und dann hast du es ihr halt (eben) gesagt?“ (Hentschel
1986: 166), in denen der Sprecher die eben-Äußerung fragend vorwegnimmt. Dieser Satztyp wird in den
kontrastiven Studien zur Übersetzung von Abtönungspartikeln nicht berücksichtigt.
durch die Befunde des Wortatlas der deutschen Umgangssprachen gestützt (siehe Abb. 1 im
Angang, S. 97).
Laut Hentschel (1986: 178) und Ickler (1994: 391) wird dieser regionale Unterschied immer
geringer. Hentschel (1986: 174 f.) weist auf phonetische Varianten von eben in süddeut-
schen Mundarten hin und nennt mundartliche Belegstellen, in denen beide Partikeln neben-
einander gebraucht werden. Daraus folgert sie, dass eben im Süddeutschen ebenfalls ge-
bräuchlich ist und dort gleichberechtigt neben halt steht. Als Grund für die bevorzugte Ver-
wendung von halt in dem Lückentest, der der Erstellung der Wortkarten im Wortatlas der
deutschen Umgangssprache zugrunde liegt, nennt Hentschel (1986: 174-198) neben den
schwächer werdenden dialektalen Unterschieden auch konnotative Unterschiede zwischen
beiden Abtönungspartikeln. In einer empirischen Untersuchung stellt sie fest, dass halt von
den nord- und süddeutschen Probanden als weich, warm und friedlich wahrgenommen wird,
während eben eher als hart, kalt und aggressiv empfunden wird (Hentschel 1986: 181, 185).
Dabei waren sich die norddeutschen Teilnehmer bei der Einschätzung von halt unsicherer
als bei der Beurteilung von eben, was Hentschel (1986: 198) darauf zurückführt, dass sich
halt erst vor kürzerer Zeit in Norddeutschland etabliert habe und seine Konnotationen den
Sprechern daher weniger geläufig seien. Die süddeutschen Probanden waren sich hingegen
bei der Beurteilung beider Abtönungspartikeln weitgehend einig. Ickler (1994: 391) sieht den
Hauptunterschied bei der Verwendung von eben und halt ebenfalls nicht in der dialektalen
Variation, sondern darin, dass halt fast ausschließlich in der gesprochenen Umgangssprache
vorkomme, eben hingegen auch in der Literatur und in Fachtexten.
Die Abtönungspartikel eben ist aus allen in Kap. 2.3.1 aufgeführten Perspektiven beschrie-
ben worden: als Mittel zum Ausdruck von Sprechereinstellungen, als Illokutionsmodifikator
und aus der konversations- und interaktionsanalytischen Perspektive. Im Allgemeinen domi-
niert in Bezug auf eben die bedeutungsminimalistische Ansicht, dass als Bedeutungscharak-
terisierung eine oder wenige kontextunabhängige, invariable Bedeutungen herausgearbeitet
werden können.
Im Rahmen der Auffassung von Abtönungspartikeln als Mittel zum Ausdruck von Sprecher-
einstellungen kommt Weydt (1969: 32, 40) zu dem Ergebnis, dass eben andeutet, dass der
Sprecher den Satzinhalt als unabänderlich und feststehend auffasst. In Aussagesätzen sei
damit eine resignierende Wirkung verbunden: „Ich habe eben kein Glück (Geld).“ (Weydt
1969: 40, Hervorhebung im Original). Als möglichen Nachsatz, der die Bedeutung der Unab-
änderlichkeit verdeutlicht, gibt Weydt (1969: 40) die resignierende Feststellung an: „Daran
kann ich nun mal nichts ändern, es ist nun einmal so.“ Verbunden mit der Kennzeichnung
einer Äußerung als unabänderlich und feststehend sind auch die Auffassungen, dass ein
Sachverhalt durch eben vom Sprecher als Faktum (Lütten 1977: 248) oder als evidenter
Sachverhalt, der auch für den Gesprächspartner evident sein sollte, (Thurmair 1989: 120)
dargestellt wird.
In Imperativsätzen, z. B. „Arbeite eben!“ (Weydt 1969: 40, Hervorhebung im Original) wird
nach Weydt die Unabänderlichkeit der logischen Konsequenz ausgedrückt (vgl. auch Hent-
schel 1986: 169, Helbig 1994: 121).
Die Bedeutungscharakterisierungen der Resignation, Unabänderlichkeit und Faktizität haben
in die meisten folgenden Arbeiten Einzug gefunden (u. a. Trömel-Plötz 1979: 321, Franck
1980: 237, Hartog/Rüttenauer 1982: 73, vgl. auch Duden 2009: 593). Ickler (1994: 392) er-
wähnt jedoch, dass eben mit abschwächenden Adverbien wie wahrscheinlich oder vermut-
lich kombinierbar sei („Er hat eben wahrscheinlich/vermutlich genug gegessen.“), was gegen
die Unabänderlichkeit als Grundcharakterisierung der Abtönungspartikel eben spreche. Trö-
mel-Plötz (1979: 321) betont hingegen die Unabänderlichkeit und spricht mit Bezug auf Sät-
ze wie „Männer sind eben so.“ (Trömel-Plötz 1979: 320) von einer „kategorischen, axiomati-
schen Aussage, die unmittelbar evident, allgemein gültig und für alle Zeiten zutreffend ist.“
Es komme zu einer „Immunisierung der Behauptung“, wodurch diese „unangreifbar“ werde
(Trömel-Plötz 1979: 321, vgl. auch Helbig 1994: 120). Außerdem drücke eben stets aus,
dass der Sachverhalt vom Sprecher negativ bewertet werde und dass dieser eine andere
Situation vorziehen würde (Trömel-Plötz 1979: 326). Letztere Charakterisierung wird jedoch
in der Forschung häufig kritisiert (vgl. u. a. Hentschel 1986: 168, Brauße 1986: 222).
Als illokutionsmodifizierende Funktion nennt Franck (1980: 236), dass eben und halt (laut
Franck regionale Varianten mit gleicher Bedeutung), in direktiven Sätzen (Aufforderungen,
Ratschlägen, allgemeinen Empfehlungen von Handlungen) die direktive Illokution dahinge-
hend modifizieren, dass die empfohlene bzw. erbetene Handlung als Kompromiss gewertet
wird bzw. als Aufforderung zum gütlichen Nachgeben: „Drück halt mal ein Auge zu bei die-
sen Lausbubereien.[…]“ (Franck 1980: 235).
Aus sowohl sprechakttheoretischer als auch konversations- und interaktionsanalytischer
Perspektive interpretiert Brauße (1986: 211, 221) eben als Signal zur Kennzeichnung von
Argumentationsschritten, und zwar als Kennzeichnung einer Schlussfolgerung aus gegebe-
nen Prämissen. Der Satz „Es ist eben zu kalt!“ könnte nach Brauße (1986: 218) eine
Schlussfolgerung kennzeichnen, die auf folgende Prämissen verweist: „Wenn das Wetter zu
kalt ist, reifen die Tomaten nicht. Die Tomaten reifen nicht.“ (Brauße 1986: 218). Eben (und
ja) drücken deshalb nach Brauße (1986: 222) keine „Einstellungen des Sprechers zum
Sachverhalt […] aus, sondern sie dienen der Kennzeichnung der Sprechhandlung im Rah-
men der Konversation als Argument und als Schlussfolgerung.“ Dabei sei wesentlich, dass
die anderen Argumentationsschritte, auf die eben (und ja) verweisen, nicht explizit sein müs-
sen, sondern häufig implizit sind.
Ähnlich wird nach Bublitz durch eben „ein Fazit, eine Schlußfolgerung gezogen und ein End-
punkt gesetzt im Sinne von Mehr ist dazu nicht zu sagen“ (Bublitz 1978: 82, Hervorhebung
im Original). Dementsprechend ordnet er der Abtönungspartikel eben eine „redeabbrechen-
de“ Wirkung zu (Bublitz 1978: 82). Außerdem wird auch von einer textverknüpfenden Funk-
tion gesprochen, da eine Folgerung aus der vorangegangenen Äußerung gezogen wird (u. a.
Helbig 1994: 121).
Auch Lütten (1977: 248) betrachtet eben als Moment des Argumentierens und logisch-
gliedernden Faktor: Durch eben werde auf die scheinbare Faktizität eines Sachverhaltes
hingewiesen und damit zugleich „der gemeinsame Horizont evoziert, das heißt eine Ebene,
über die, da faktisch und anerkannt, Einigkeit besteht und von der aus fortschreitend weiter
argumentiert werden kann“ (Lütten 1977: 249). Damit verbunden sei die Aufforderung an den
Gesprächspartner, „diese Faktizität als notwendig und unumgänglich anzuerkennen und da-
raus Konsequenzen zu ziehen“ (Lütten 1979: 35). Aus diesem Grund bezeichnet Lütten
(1979: 30) eben (zusammen mit doch und ja) als „Konsensus-Konstitutiva“.
Den Bezug auf Vorangegangenes oder auf gemeinsames bzw. allgemeines Wissen, das
auch implizit sein kann, thematisiert auch Ickler (1994: 391). Seiner Auffassung nach mar-
kiert der Sprecher durch eben, „daß die darin enthaltene Behauptung genau übereinstimmt
mit einer vom Sprecher schon früher vertretenen, (wenn auch nicht unbedingt explizit geäu-
ßerten) Ansicht.“ Diese Ansicht greift Diewald (1997: 130) in ihrer bereits erwähnten Auffas-
sung auf, dass Abtönungspartikeln immer auf einen „pragmatischen Prätext“ verweisen: Die
Sätze „Deutsch ist schwer.“ und „Deutsch ist eben schwer.“ (Diewald 2007: 129) unterschei-
den sich nach Diewald zum Beispiel dadurch, dass der Sprecher des zweiten Satzes mit
eben die Proposition Deutsch ist schwer als kommunikativ gegeben betrachtet und seine
aktuelle Äußerung direkt auf diese präsupponierte Einheit bezieht.
Zusammenfassend betrachtet geht aus der Partikelforschung hervor, dass die Abtönungs-
partikel eben als Ausdruck von Sprechereinstellungen Unabänderlichkeit, Faktizität und Evi-
denz kennzeichnet, als Illokutionsmodifikator die Sprechhandlung so modifiziert, dass diese
als Kompromiss, Schlussfolgerung oder Argument verstanden wird und als konversations-
und interaktionssteuerndes Element eine redeabbrechende und textverknüpfende Funktion
ausübt, zum Konsens beiträgt und auf Vorangegangenes, gemeinsames Wissen bzw. kom-
munikativ Gegebenes verweist.