Fringia
Fringia
I. D E U T U N G D E R I NSC H R I F T
Diese Darstellung beschäftigt sich mit den so genannten F ringia²Inschriften, welche zuwei-
len auf Klingen von Säbeln des ungarischen Typus aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhun-
derts und aus dem 17. Jahrhundert nachweisbar sind. Sie wurden in der Regel ± wie auch bei
den örtlichen Herkunftszeichen üblich ± in die rot glühende Klinge eingeschlagen (einge-
stempelt), häufig in Verbindung mit der ÄgezaKQWHQ6LFKHOPDUNH³ (Abb. 1 und 5). Diese etwa
drei Zentimeter lange Inschrift diente gelegentlich ± geätzt oder graviert ± der Verzierung von
Schwert- und Panzerstecherklingen.
Zu unterscheiden davon ist die etwa 10 Zentimeter lange Klingendekoration in Form
des Wortes FRINGIA, welche relativ häufig ± meist in Verbindung mit dem Dekor Sonne,
Mond und Sterne ± auf ungarischen Offiziers- und Primaplana-Säbeln vorzufinden ist. Solche
Säbel werden gelegentlich mit dem ÄRákóczi-)UHLKHLWVNDPSI³ -1711) in Verbindung
gebracht, sind aber eindeutig der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zuzuordnen. Sie werden von
dieser Darstellung nicht erfasst.
Ursprung und Inhalt des Begriffes FRINGIA sind letzten Endes unbewiesen, obgleich
man sich damit seit mehr als hundert Jahren auseinandersetzte. Nach den Vorstellungen der
älteren waffenhistorischen Literatur wäre dieses eingeschlagene Klingenzeichen, das in ver-
schiedenen Wortvarianten auftritt, häufig gewesen. Demgegenüber hat der Verfasser dieser
Darstellung, dessen Bemühungen freilich Grenzen gesetzt waren, nur einen sehr bescheidenen
Bestand nachweisen sowie kaum verlässliche schriftliche Quellen ermitteln können, die über
1
die Verbreitung Aufschluss geben. In dieser Hinsicht muss man freilich in Betracht ziehen,
dass der erhalten gebliebene Bestand an ungarischen Säbeln aus dem 16. und 17. Jahrhundert
gering ist, was unter anderem auf die über Jahrhunderte andauernden kriegerischen Ereignisse
in Ungarn zurückzuführen ist.
Des Überblickes wegen, der freilich nicht unbedingt signifikant ist, sei erwähnt, dass
unter den vom Verfasser ermittelten 15 Säbelklingen bloß zwei das Wort FRINGIA aufwei-
sen: eine im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien (HGM), die andere im Muzeum
Narodowe in Kraków. IN FRINIA erscheint gleichfalls zweimal: auf einer Klinge im HGM
sowie auf einem Säbel ungarischen Typus` in einer polnischen Sammlung, ebenso FRINDIA
(in Graz bzw. Praha). Hingegen kommt FRINIA siebenmal vor. FRENGIA und F INA
FRINGIA erscheinen jeweils einmal als nicht eingeschlagene Dekoration auf einer Schwert-
bzw. Panzerstecherklinge. Überdies wurde FRINGIA (oder FRINIA ) im Jahre 1693 in eine im
Gebiet der heutigen Slowakei erzeugte Klinge eines ungarischen Pallasch eingeschlagen. Mit
FRANGIA hat es als Dekoration eine besondere Bewandtnis: von zwei eingeschlagenen In-
schriften weiß nur die ältere Literatur. Andere Wortvarianten, von denen Wendelin Boeheim,
August Friedrich Demmin, Anton Dolleczek und Marija âHUFHUZDKUVFKHLQOLFKPLssverständ-
lich berichten, waren nicht nachzuweisen (deshalb soll im Folgenden die Bezeichnung
FRINGIA für alle Wortvarianten gelten, außer der Einzelfall verlangt den spezifischen Termi-
nus).
In den Kreis der erwähnten 15 ermittelten Klingen wurde keine der Depotklingen des
Grazer Landeszeughauses aufgenommen. Bei diesen handelt es sich um zwei FRINGA-
KLINGEN sowie um 14 FRINDIA-KLINGEN aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts.
Diese Schreibweise ist wahrscheinlich, wie näher begründet werden wird, aus einem Hörfeh-
ler oder Vermittlungsfehler hinsichtlich der Worte FRINGIA oder FRENGIA entstanden.
Unter Ä'HXWXQJ³ LVW hier die Bestimmung von Herkunft und Sinn des Wortes
FRINGIA im Hinblick auf seine Funktion als Klingeninschrift zu verstehen. FRINGIA wurde
ursprünglich als Kürzung längerer Regenten- und Adelstitel oder von Devisen aufgefasst.
:LOKHOP(UEHQKDWLQVHLQHU6FKULIWÄ=XU'HXWXQJGHU.OLQJHQLQVFKULIW FRINGIA³1 überzeu-
gend dargelegt, dass diese Deutungen schon aus historischen Gründen inakzeptabel sind. Er
entwickelte die These, wonach aus dem türkischen Wort frengi abzuleiten sei, dass eine derart
markierte Klinge als ÄZHVWOLFKHV(U]HXJQLV³DXVJHZLHVHQZurde, um im osmanischen Macht-
bereich einen höheren Absatz zu erzielen. Diesen Gedanken hatte Erben bereits in der 2. Auf-
lage seines Kataloges des k.u.k. Heeresmuseums in Wien vom Jahre 1895, dessen Konserva-
tor er war, skizziert.2 Die Idee, die er vom österreichischen Waffenhistoriker Quirin v. Leitner
empfangen hatte, kreuzte sich grundsätzlich mit der sichtlich fehlgehenden Auffassung von
August Friedrich Demmin, wonach türkische Erzeuger die Herkunft ihrer Ware derart fälsch-
ten. Bereits im Katalog der Budapester Millenniumsausstellung (1896) vermerkte János
Szendrei unverbindlich: Dort [im Orient] wurde alles Nichtorientalische, vom Abendland
VWDPPHQGH ÄIUHQN³ ÄIUDQN³ ÄIUDQ]|VLVFK³ JHQDQQW 'DV :RUW Ä)ULQJLD³ NDQQ GHPQDFK
auch daraus stammen.3 Und in Meyers Konversationslexikon hieß es sinngemäß: Die Euro-
päer wurden in der Umgangssprache mit Frengi, Frendschi, Freng, Frenk und Frendsch be-
1
Erben 1900-1902, 151 ff.
2
Erben 1895, 23 f.
3
Szendrei, 843.
2
zeichnet, Europa mit Frengistan.4 Demgemäß wurde die von Erben publizierte FRENGI-
These allgemein als plausibel empfunden. Die angeführten Argumente und seine Schlussfol-
gerungen, die zusammen die Erben`sche FRINGIA-Theorie ausmachen, erscheinen indessen
teilweise wenig verständlich und auch zweifelhaft. Die Theorie blieb dennoch im Wesentli-
chen unwidersprochen, zumal sich Autoren wie János Kalmár, Heribert Seitz und Ferenc
Csillag mit diesem Thema bloß am Rande umfangreicherer Arbeiten befassten. In dieser Rei-
he bildet Juraj Dite insofern eine Ausnahme, als sein Artikel ÄFringia³5 konkretere Hinweise
über Erzeugung und Verbreitung in Ungarn enthält. Hingegen hat Dite sein Versprechen, mit
bisher unbekannt gebliebenen Klingen aufzuwarten, nicht erfüllt. Im Gegenteil: seine Recher-
chen weisen Lücken auf und er hat nicht einmal von den im heutigen Österreich bewahrten
Klingen Notiz genommen. Was die FRENGI-These betrifft, geht Dite einen eigenen Weg:
FRANGIA sei ±vom lateinischen Wort frangere (hauen, schlagen, brechen) abgeleitet ± von
Genova (Genua) nach Ungarn gekommen und hier zu FRINGIA umgebildet worden. Den
Verlauf dieses Prozesses erläutert er bedauerlicherweise nicht.
Da wir nun dem Begriff FRANGIA be-
gegnet sind, erscheint vorausgreifend eine
Skizze tunlich: Dieses Wort finden wir als
Dekoration auf einer Serie von Klingen, die
Stephan Báthory6 (1533-1586) zwischen 1577
und 1586 anfertigen ließ. Ihre Bedeutung liegt
für uns darin, dass sie ± neben den Klingen des
Grazer Landeszeughauses ± das zweite zeitlich
und empirisch gesicherte Standbein abgeben.
Die Annahme, dass diesem Dekor eine einge-
schlagene FRANGIA ± Inschrift zu Grunde
lag, wird später an Hand einer spezifischen
Klinge begründet werden. Vermutlich hat der
König ± in Unkenntnis eines Zusammenhanges
mit einem türkischen bzw. arabischen Wort ±
dieser Klingeninschrift den Sinn des lateini-
schen frangere beigemessen und eine Umfor-
mung mit dem Charakter einer Devise und in
Gestalt eines Emblems (Abb. 2) veranlasst.7
Abbildung 2: Vergoldetes Ätzdekor eines Danziger
Báthory-Schwertes (Livrustkameren Stockholm,
Inv. Nr. 13685). János Szendrei bezeichnet diese
:DIIHDOVÄ=HUHPRQLHnVFKZHUW³
4
Meyers Konversationslexikon 1895, Band 6, 869.
5
Dite, 524-530.
6
Stephan Báthory war von 1571 bis 1576 Fürst von Siebenbürgen und von 1576 bis zu seinem Tod König von
Polen.
7
Diese Version bildete den Gegenstand eines Beitrages des Verfassers vorliegenden Artikels mit dem Titel
F ringia und F rangia : WKK 1/2010, 71-81. Darin wurde auch auf die Erben`sche Theorie hingewiesen, ohne auf
deren Gesichtspunkte erschöpfend einzugehen. Unbeschadet dessen zeichnet sich ziemlich deutlich ab, dass
FRINGIA und FRANGIA als Herkunftszeichen zeitweise parallel in Gebrauch waren, jeweils in
Berücksichtigung der türkischen bzw. arabischen Sprachvariante.
3
B. Die tür kische T hese oder F R E N G I-T hese
Wie bereits angedeutet, geht die FRENGI -These davon aus, das Wort frengi habe den im 16.
und 17. Jahrhundert lebenden Türken die Vorstellung vermittelt, dass eine mit einer derarti-
gen Inschrift markierte Waffe ein Erzeugnis des Abendlandes, korrekter ausgedrückt des
Ä:HVWHQV³VHL6RVHKUGLHVHU.HUQDOVGLHSUDNWLVFKHLQ]LJP|JOLFKe Erklärung für diese In-
schriften anzusehen ist, so kurios wirkt es, dass das von Wilhelm Erben gelieferte Fundament
aus bezweifelbaren Gedankengängen besteht. In dieser Hinsicht ist in erster Linie bemer-
kenswert, dass Erben einen italienischen Ursprung der Klingeninschrift nicht erwogen hat. Er
meinte im Gegenteil, dass es österreichische, insbesondere steirische Klingenschmiede waren,
die ± seltsam genug ± in ihren weltabgeschiedenen Tälern das türkische Wort frengk (oder
derlei) und dessen türkische Sinngebung kannten und also das Klingenzeichen geradezu in der
Absicht erfanden, ihre Erzeugnisse von anderen, vor allem von italienischen, unterscheidbar
zu machen. Wir werden später allerdings erfahren, dass der von Erben behauptete steirische
Waffenexport in den osmanischen Machtbereich auszuschließen ist.
Mit dieser Grundauffassung steht sichtlich in Zusammenhang, dass Erben frengi un-
vermittelt mit fränkisch gleichsetzte (und davon den abendländischen Charakter ableitete).8
Diese Botschaft war zu jenen Zeiten des ungebremsten Nationalismus gewiss willkommen.
Jedenfalls richtete niemand an den promovierten Historiker Erben die Frage, welchem Um-
stand es zuzuschreiben sei, dass die Türken im 16. Jahrhundert ausgerechnet für den Ädeut-
schen³ Volksstamm der Franken ± oder für das Abendland ± ein eigenes und nicht unbedingt
passendes Wort geprägt haben.
Ob frengi die präzise Wortform für den als Klingenzeichen in Betracht kommenden
FRINGIA-Begriff darstellt, ist im Grunde nicht erheblich: Schließlich muss man auch die ara-
bische Sprachvariante in Betracht ziehen, zumal sie zum Zeichen FRANGIA führen mag. Je-
denfalls gebrauchten die alten arabischen Geschichtsschreiber die Worte F randsch,
8
Erben schrieb wörtlich: F ränkische, d.h. abendländische, Klingen waren im Morgenlande neben den indischen
seit alters her rühmlich bekannt. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn die Türken, als sie im Laufe des 16.
Jahrhunderts sich den größteQ7HLO8QJDUQVXQWHUZDUIHQ XQGVR]XÄ1DFKEDUQ³GHUGXUFKHLQHDOWH(LVHQL n-
dustrie berühmten österreichischen Erblande wurden), anfingen aus diesen Gebieten ihren Waffenbedarf zu
decken, und wenn umgekehrt österreichische und steirische Waffenschmiede ihre Handelsverbindungen nach
Osten ausdehnten. Vom siebenbürgischen Fürsten Bethlen Gábor ist bezeugt, dass er im Jahre 1620, mitten in
seinem Ka mpfe gegen Kaiser F erdinand II. zu Weiz in Steiermark S äbel und Klingen hundertweise ankaufte,
sodass die steirischen Landstände sich genötigt sahen durch ein Ausfuhrverbot diese Unterstützung des F eindes
zu verhindern (Pichler-Meran, I. Band, Seite 109). Diese Tatsache kann aber nicht vereinzelt dastehen, sie darf
als ein Beispiel lange fortbestehender Handelsbezie KXQJHQDXIJHIDVVWZHUGHQ«:LHDEHUVROOWHPDQLPRVPDQ i-
schen Ungarn oder in S iebenbürgen diese Einfuhrartikel aus dem Westen nennen, wenn nicht fränkisch? Wie
anders sollte der F abrikant seine Ware, um sie von orientalischen und italienischen Erzeugnissen zu unterschei-
den, in diesen Gegenden empfehlen, wenn nicht als abendländische? Deutsch, Österreichisch oder Steirisch
wäre genauer gewesen und uns heute richtiger. Aber es liegt in der Natur der S ache, dass für die Bezeichnung
der Ware die geographischen Begriffe des Erzeugers weniger maßgebend waren bzw. sind, als der geläufige
Sprachgebrauch des Abnehmers. Von den politischen Abgrenzungen des Abendlandes hatte der Orientale keine
Vorstellung, nur der Gesa mtna me frengi war bei ihm eingebürgert, an ihn musste sich derjenige halten, der in
Deutschland oder in seinen südöstlichen Teilen erzeugte Waffen im osmanischen Ungarn an den Mann zu brin-
gen gedachte. Erben, 1900-1902, 154.
4
F randschat, Infrandsch und Infrandschat, gewöhnlich aber F randsch, das auch heute noch im
9RONVPXQGGLH0HQVFKHQDXVGHPÄ:HVWHQ³LPDOOJHPHLQHQXQGGLH)UDQ]RVHQLPEHVRQGe-
ren bezeichnet.9 Im Übrigen sollte man nicht übersehen, dass das im ÄWesten³ beliebte und
häufig missbrauchte Wort Abendland der Begriffswelt des Orientalen fremd war.
Die Seldschuken identifizierten den geographischen Westen naturgemäß mit Rum
bzw. Rumi (Römer, Griechen), somit mit Byzanz. Nach den Eroberungen des Osmanischen
Reiches in Südosteuropa und dem Ende des Byzantinischen Reiches kam es spätestens im 16.
Jahrhundert folgerichtig zu einer Begriffsumstellung. Für die Zonen westwärts des hinzuge-
wonnenen Machtbereiches galt nun ± neben volkssprachlichen Ausdrücken wie zum Beispiel
Kaiserland ± das Wort F renk als allgemeine und halbamtliche Bezeichnung. Mit F renk waren
die Länder der Italiener, Franzosen und Germanen zu verstehen, im übertragenen Sinn also
ÄGHU:HVWHQ³; der Begriff Rum bezog sich nun vorwiegend auf die eingegliederten südosteu-
ropäischen Völkerschaften.10 Demnach gilt in der heutigen türkischen Sprache das Wort
F renk dem Franken und der Fränkin, F ransiz dem Franzosen.
Die Worte F randsch und F renk ( F rendsch) und ihre Varianten haben eine gemeinsa-
me historische Wurzel, nämlich den ersten Kreuzzug. Dieser Kriegszug durchquerte 1097 das
von den Seldschuken großteils eroberte Anatolien und erreichte 1099 Jerusalem. Die Teil-
nehmer kamen durchwegs aus Nord- und Südfrankreich, aus Burgund und Flandern, soweit
sie nicht Normannen aus der Normandie oder aus Süditalien waren. Das alles waren Gebiete,
welche die spätere Geschichtsschreibung als Westfränkisches Reich verbuchte. Diese Ritter
aus dem fernen Westen waren für Turkvölker und Araber in jeder Hinsicht mit den Gefolgs-
leuten des Kaisers Alexios I. von Byzanz (1048-1118) unverwechselbar: sie galten als Barba-
ren. Die deutschsprachige Literatur nennt diese Kreuzfahrer meist F ranken, wozu die alten
lateinischsprachigen Quellen verleiten, hieß doch die fundamentale Darstellung eines anonym
gebliebenen Augenzeugen Gesta F rancorum et aliorum hierosoli mitanorum (gemeiniglich
übersetzt: Die Taten der Franken und der anderen Jerusalemfahrer). Zu dieser Zeit waren das
Herzogtum Franken und das Ostfränkische Reich längst aus der politischen Landkarte ge-
löscht. Deutsche, aber keineswegs fränkische Heere, berührten erst 1147 (Konrad III., 1094-
1152) und 1189/1190 (Friedrich Barbarossa, um 1122-1190) Anatolien. Der arabische Ge-
schichtsschreiber Ibn al-Athir (1160-1233) nennt sie Almans. Eine spezifisch seldschukische
Terminologie zur Zeit der F rankeninvasion ist authentisch nicht nachweisbar. Ibn Bibi, der im
13. Jahrhundert schrieb, bemerkt ausdrücklich, dass er mangels Unterlagen seine Geschichte
der Seldschuken erst mit dem Jahre 1192 beginnen konnte.11
Diese Ausführungen sollten von der sprachlichen Substanz der FRENGI-These über-
zeugen, außerdem aufmerksam machen, dass die Hilfsbegriffe fränkisch und abendländisch ±
zuletzt von Heribert Seitz12 ± nicht länger herumgeistern mögen. Jenseits der Erben`schen
Theorie eröffnet die FRENGI-These auch den Ansatz für die Auffassung, dass diese Klingen-
zeichen ursprünglich in Italien entstanden.
9
Insbesondere Maalouf 1996.
10
Freundliche Mitteilung des Institutes für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft der Univer-
sität Graz.
11
Runciman 1958, 469. Runciman 1960, 499, bezieht sich auf die türkische Übersetzung einer persischen Quel-
le.
12
Seitz, 21.
5
1. FRANGIA
Diese Inschrift, die als eingeschlagenes Klingenzeichen vorläufig bloß in zwei Fällen nach-
weisbar erscheint, lässt mehrere Deutungen zu. Die primitivste geht dahin, dass es sich um
eine der Ä9DULDQWHQ³KDQGHOWGLHGXUFK0LVVYHUVWlQGQLVVHRGHUGXUFK9HUVFKODJHQHQtstanden
sind. Zweifelhaft ist auch die Erklärung, die Wilhelm Erben auf Lautverschiebungen stützt.13
Sein Gedankengang ist kaum nachzuvollziehen. Es schien ihm einerlei, ob in einem Fall das
ÄH³ (des türkischen frengi ) zum ÄD³ des deutschen Wortstammes frank >VLF@Ä]uUFNILQGHW³
oder ob es sich, im Regelfall, zum ÄL³ des FRINGIA verschiebt: am Ende kommt immer frän-
kisch heraus! Diese Interpretation entsprang einem Mix aus Volks-Etymologie und nationa-
lem, in diesem Fall germanophilem Zeitgeist. Dem gegenüber erscheint es seriöser, FRANGIA
auf die arabische Version F randsch zurückzuführen. Diese Überlegung rückt auch der oben
angedeuteten Auffassung näher, dass italienische Klingen ins Osmanische Reich verhandelt
wurden. Die weitere Version, wonach FRANGIA vom lateinischen Zeitwort frangere (schla-
gen, brechen) abgeleitet werden kann, wurde bereits erwähnt. Sie bewegt sich freilich außer-
halb der FRENGI-THESE.
Aber FRANGIA ist nicht nur als eingeschlagenes Klingenzeichen zu finden. Man fin-
det diese Inschrift auch in der Form eines Emblems (siehe Abb. 2) innerhalb einer stereotypen
geätzten Klingendekoration auf vier Stück der insgesamt sechs nachweisbaren so genannten
Danziger Báthoryklingen. Stephan Báthory14 ließ sie als König von Polen zwischen 1577 und
1586 als Geschenke für verdiente Persönlichkeiten anfer-
tigen.15 Die Ätzarbeiten entsWDQGHQ LQ 'DQ]LJ *GDĔVN
das damals unter polnischer Oberhoheit stand, und nicht
in Deutschland, wie Wilhelm Erben meinte.16 Erben
kannte auch nicht den besonderen Charakter des Emb-
lems. Wenn man nämlich in diesem Fall das lateinische
frangere (schlagen, brechen) heranziehen würde, gewinnt
die Inschrift den Sinn einer Devise (eines Wunsches oder
Vertrauensausdruckes), die sich auf die Waffe selbst oder
auf den Geschenkempfänger bezieht. In dieser Form
konnte FRANGIA kaum eine Herkunft bezeugt haben und
sicherlich auch nicht eine besondere Klingenqualität.
Beides wäre mit der Würde eines Königs nicht vereinbar
gewesen. Besonders beachtenswert ist das gewissermaßen
fünfte Stück dieser Báthory-Waffen mit dem Danziger
Dekor. Es handelt sich um einen Jagdpallasch (Abb. 3)
mit 86 Zentimeter langer und 3,8 Zentimeter breiter Klin-
ge anscheinend polnischer Herkunft im Armeemuseum
Abb. 3: Jagdpallasch mit dem Danziger
Warschau, MWP Inv. Nr. 24714. Zwischen den beiden Báthory-Klingendekor im Polnischen
Elementen des Dekors weist die Klinge beidseitig die Armeemuseum Warschau.
13
Erben 1900-1902, 153.
14
Vgl. dazu Anmerkung 6.
15
Meyer 1937, 105 ff. Jäger, Fringia 2010, 71-81.
16
Erben 1900-1902, 154.
6
gravierte Inschrift FRANGIA auf, auf der Terzseite zusätzlich ein gezähntes Sichelpaar. Die
Inschrift kann man als Ersatz des FRANGIA -Emblems und als Teil der Klingenverzierung
verstehen. Diese Klinge verdient unser besonderes Interesse, weil sie zwingend den Schluss
zulässt, dass für die Inschrift (samt Sichelmarke) das eingeschlagene Klingenzeichen als Mus-
ter diente. Dieses war wahrscheinlich auch am Entwurf des FRANGIA-Emblems auf den an-
deren vier Klingen beteiligt.
2. FRENGIA
Die einzige nachweisbare Inschrift FRENGIA ist auf einer Abbildung, die eine mittlerweile
verschollene Danziger Báthory-Klinge zeigt, zu sehen. Es handelte sich um ein Zeremonien-
schwert (vgl. Abb. 6 in ZHWK 52/2010, 78). Die gravierte, vermutlich als Verzierung ge-
dachte Inschrift verläuft beidseitig längs des Klingenrückens, symmetrisch zwischen den bei-
den Elementen des Dekors platziert. Das Dekor enthält auf einer Seite auch das FRANGIA-
Emblem, darüber zwei Halbmonde mit menschlichem Antlitz. Man kann wohl vermuten, dass
gleichfalls ein eingeschlagenes Klingenzeichen, und zwar FRENGIA, das Muster abgab. Dann
ist auch vorstellbar, dass allenfalls im östlichen Ungarn aufgetauchte FRENGIA-Klingen die
Art ihrer Verbreitung, sowie ihr frühzeitiges Verschwinden mit den FRANGIA-Inschriften
teilten, während im Westen (Steiermark) FRENGIA in den Inschriften FRINGIA, FRINDIA
etc. aufging.
Häufig werden die orientalischen Erzeugnisse gepriesen, ein andermal wird gerühmt, welchen
Wert westliche Klingen im Orient genossen. Wie auch immer: der 6WHPSHO ÄDXVOlQGLVFKHV
(U]HXJQLV³ WDW LPPHU VHLQH :LUNXQJ XQG QLFKWV VSULFKW GDJHJHQ GDVV JHUDGH LWDOLHQLVFKH
Klingen in den arabischen und türkischen Raum geliefert wurden. Seit je bestanden dorthin
seitens Genua, Venedig, Ancona, Pisa, Ferrara und Florenz rege Handelsbeziehungen. Bedeu-
tung gewann auch die Stadtrepublik Ragusa (Dubrovnik), der sich seit dem 15. Jahrhundert
vom damals venezianisch ± dalmatinischen Küstenland umgeben, auch ein Landweg in das
1463 vollständig osmanisch gewordene Bosnien eröffnete. Zwar standen der Ausfuhr von
Waffen päpstliche Verbote gegenüber, doch da der übrige Handel mit den Osmanen erlaubt
war, waren Umgehungen der Verbote nicht schwierig.17 Jedenfalls ± wobei wir auch an die
Kriege der italienischen Handelszentren untereinander zu denken haben ± ZDUHLQHÄQHXWUDOH³
Marke wie FRINGIA vorzüglich zu gebrauchen, da sie den Fabrikanten nicht kompromittierte
und dennoch von türkischen oder arabischen Käufern verstanden wurde.
17
Petrovic, 176 f.
7
Liegt der osmanische Bedarf an solchen Säbelklin-
gen auf der Hand, die sich ± gleich unseren FRINGIA-
Klingen ± durch den Jelmán18 (Abbildung 4) auszeichnen,
so fehlen doch unmittelbare Beweise dafür, dass die italieni-
schen Hersteller von Jelmán-Klingen auch FRINGIA-
Inschriften einschlugen. Für die Autoren L.G. Boccia und
E.T. Coelho scheint dies keine ernsthafte Frage zu sein,19
allerdings führen sie keine konkreten Beispiele an. Wenn
wir, unabhängig davon, nach osmanischen Waffen (also
nach Waffen mit osmanischen Gefäßtypen) mit FRINGIA-
Klingen suchen, beschert uns die zugängliche Literatur
nichts Greifbares. Aber es existiert ein authentischer
Hinweis auf F rengi. Er bezieht sich auf Musketen, die
im 16. Jahrhundert mit Vorliebe aus Westeuropa und
aus Ragusa (Dubrovnik) eingeschmuggelt wurden: in
einem türkischen Archiv ist ein Verzeichnis von in
einem Zeughaus (türkisch: cephanelik) gelagerter
Ausrüstung aus dem Jahre 1600 aufbewahrt, welches
Musketen aus Algier und Istanbul sowie aus Italien Abb. 4: Ungarischer Säbel, 17. Jahrhundert.
Muzeum Narodowe, Kraków.
(Talyan), Deutschland ( Alaman) und Ungarn
(Macári ), aber auch F rengi (im Text in Klammer
übersetzt: from Western Europe) auflistet.20
Im Hinblick auf diese Differenzierungen wird man annehmen dürfen, dass ein der
Charakterisierung als F rengi dienendes Zeichen auf der Waffe sichtbar war, welches doch nur
vom Hersteller stammen konnte. Vergleiche mit ande-
ren zusammenhangsweise abgedruckten Verzeichnissen
sprechen leider dafür, dass Blankwaffen [ausgenommen
Lanzen] in den Zeughäusern von Hauptgarnisonen und
Festungen nicht gelagert waren.
Um zu anderen brauchbaren Hinweisen zu ge-
langen, bedarf es eines ÄDrahtseilaktes³, denn aus dem
16. Jahrhundert sind zwar anscheinend echte G ENOVA-
Inschriften, aber keine wie auch immer geschriebenen
FRINGIA-Klingenzeichen italienischer Herkunft über-
liefert. Betrachten wir dazu die Abbildung 5, sehen wir
wenigstens eine FRINIA-Inschrift aus der Zeit zwischen
1620 und 1650. Aber Max Ehrenthal sprach in seinem
Abb. 5: Zeichen auf genuesischen Klingen. Artikel nicht über die Herkunft gerade dieser Klinge.21
Fig. 10 beweist die Existenz des Begriffes
FRINIA in Italien. Der Drahtseilakt besteht darin, dass die Blankwaffen im
18
Als Jelmán bezeichnet man die Verbreiterung des zweischneidigen Teiles der Klinge, also der Spitze zu. Der
Jelmán ist ein Kennzeichen des Säbels (kilij) der seldschukisch-osmanischen Türken. Er wurde von den Ungarn
im [Link] übernommen.
19
Boccia ± Coelho, 24.
20
Incalik, 197 f. Im Wesentlichen übereinstimmend: Elgood, 49.
21
Ehrenthal, 25-28.
8
Grazer Landeszeughaus eine Brücke schaffen: jene zeigen nämlich zeitgleich die Worte
G ENEVA, FRINDIA und FRINGA, denen, wie Juristen sagen würden, mit an Sicherheit gren-
zender Wahrscheinlichkeit italienische Klingen Pate standen.
I I. E R B L Ä N D ISC H E U N D U N G A R ISC H E K L I N G E N
Man könnte in diesem Zusammenhang anstatt von erbländischen auch von österreichischen
Klingen sprechen. Aber im Ablauf der Geschichte erwies sich Österreich lange als ein nicht
präziser Begriff. Als Erblande sind die zum Heiligen Römischen Reich gehörenden habsbur-
22
Dolleczek, 11.
23
âHUFHU, 18 f.
24
Bei 20 Säbeln aus dem 17. Jahrhundert (Karabela-Typ bzw. Vogelkopf-Knauf und Jelmán-Klingen) weisen 11
Klingen gezähnte Sicheln auf. Vgl. dazu âHUFHU, 49-51. Einige mögen Beuteklingen gewesen sein, aber
interessant ist das Vorkommen eindeutig türkischer Rückenspitzklingen mit Ägezähnten Sicheln³.
25
Jäger, Säbel 2010, 37.
9
gischen Länder zu verstehen, darunter ± mit Blick auf die Erzeugung spezifisch ungarischer
Waffen ± Niederösterreich (sein Raum um Wiener Neustadt) und Steiermark (sein nördliches
und östliches Gebiet). Beide Länder grenzten bis zum Jahre 1919 an Ungarn, die Steiermark
außerdem an Kroatien, welches als Land der ungarischen Stephanskrone galt. Der spätere
Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) wurde im November 1527 zum König Ungarns gekrönt und
zuvor vom kroatischen Landtag zum König Kroatiens gewählt. Eine Folge der Wirren, die
nach der Schlacht von Mohács (1526) einsetzten.
Die Bedeutung dieser Säbel besteht darin, dass der Zeitraum ihrer Erzeugung dokumentarisch
nachzuweisen und ein Restbestand erhalten geblieben ist. Angesichts der steten osmanischen
Bedrohung wurden nämlich Waffen der in Ungarn/Kroatien gebräuchlichen Typen auf Kosten
des aus drei Herzogtümern zusammengefügten Innerösterreich ab dem Jahre 1579 auf Grund
übergebener Muster erzeugt, um an die nachbarlichen westungarischen und kroatischen Ver-
teidigungskräfte abgegeben zu werden. Hinsichtlich des südöstlichen Grenzabschnittes (zwi-
schen Drau und Save) fungierte das Landeszeughaus als Besteller und Hauptverteiler. Die
Klingen, ausnahmsweise auch die Gefäße, wurden hauptsächlich in steirischen Werkstätten
hergestellt. Nach dem auf zwanzig Jahre geschlossenen Frieden von Zsitva - Torok (1606),
der den 1593 begonnenen Langen Türkenkrieg beendete, wurde die Ausrüstungsaktion einge-
stellt.
Von diesen ungarischen Säbeln bewahrt das LANDESZEUGHAUS heute 17 Stück
sowie 44 ungefasste Klingen. Von diesen insgesamt 61 Klingen weisen 47 Stück die einge-
schlagene Sichelmarke auf.26 Eine Konfusion entstand infolge der unglücklichen Formulie-
rung bei Pichler ± Meran,27 wonach von den erwähnten 47 Klingen 18 Stück teils F rinja [sic],
teils Geneva eingeschlagen aufweisen. Eine jüngst vorgenommene Durchsicht der mit Fotos
und Zeichnungen versehenen Inventarblätter ergab hingegen: 18 Stück weisen die Inschrift
G ENEVA auf, 14 Stück FRINDIA (siehe Abb. 1), eine Klinge FRINGA (Inv. Nr.197) und eine
weitere ([Link].184) )5,1$ (vermutlich ein verschlagenes FRINGA ). Die Inschriften finden
sich teils zwischen den beiden Bögen der Sichelmarke, teils unterhalb derselben, zum Teil
beidseitig, zum anderen Teil bloß einseitig.
Gemessen an den 61 dem Landeszeughaus erhalten gebliebenen Säbelklingen ist der
Anteil der so beschrifteten Klingen (61 : 16) relativ hoch, wenn man bedenkt, dass die Klinge
zum Einschlagen nochmals im Feuer erhitzt werden musste, allerdings wahrscheinlich im
selben Arbeitsgang mit der Sichelmarke, und dass sich der Stempel abnützte. Dieser Umstand
dürfte übrigens maßgebend gewesen sein, dass mit dem Übergang von der Jelmán-Klinge zur
Rückenspitzklinge (Spitze im ungebrochenen Verlauf des Klingenrückens) auch die Sichel-
marken entfielen. Grund: Erhöhter Klingenbedarf als Folge des Thököly-Aufstandes und des
26
Krenn ± Kamniker ± Ruhri, 52-55 sowie Katalog Nr. 21, 22.
27
Pichler ± Meran, 78.
10
anschließenden Großen Türkenkrieges (1683-1699), die nach einer rascheren und billigeren
Produktion verlangten.
Ein kaum abweichendes Bild von der relativen Häufigkeit der FRINGIA-Inschriften (nach dem an-
scheinend baldigen Verschwinden von G ENEVA -Inschriften) vermittelt auch der Bestand un-
garischer Säbel im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum. Unter etwa zehn Klingen mit ausgepräg-
tem Jelmán findet sich die Inschrift dreimal, und zwar als FRINGIA, FRINIA und INFRINIA (Kata-
log des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Nr.152, 155, 221).28
Im Gegensatz zu diesem Bestand sind die 61 Klingen im Grazer Landeszeughaus nicht in
Gebrauch gekommen, sondern auf Lager verblieben.29 Sie dürften daher aus der Zeit um 1600 stammen,
was freilich nicht besagt, dass die vordem an die Truppe ausgegebenen Stücke nicht ebenso Äge-
stempelt³ waren. Wesentlich ist, dass aus dem Hergang deutlich hervorgeht, dass diese Klingenin-
schriften mit freihändigen Verkaufsabsichten der Schmiede, wohin auch immer, nichts zu tun haben
konnten. Der Sinn dieser Praxis kann nur im allgemein geübten Nachmachen der bei den angese-
henen italienischen Klingen im 16. Jahrhundert gebräuchlichen Zeichen bestanden haben. Hinsichtlich
der Ortsmarke GENOVA ( GENOA, GENEVA, GENEVE ) macht dies die Darstellung von Max Eh-
renthal30 deutlich (siehe dazu die Abb. 5). Dabei wird auch an die gleichfalls ursprünglich italienische
Sichelmarke zu denken sein, welche beispielsweise in die Klingen der für die steirischen Aufge-
bote bestimmten Dusäggen (ÄBauernwehren³) regelmäßig eingeschlagen wurde.31
Das Einschlagen der FRINGIA-Inschriften konnte sowohl auf einem vorliegenden Muster wie
auf mündlicher Übermittlung beruht haben, wobei sich aus einem bloßen Verschlagen oder aus
Verhören oder Verlesen Fehler ergeben konnten. So wäre beispielsweise sehr leicht zu erklären, dass
aus einem FRINGIA im Wege der italienischen Aussprache, also über das phonetische FRIND SCHA
( FRINDJA), ein FRINDIA wurde. Geht man ± was gemäß der FRENGI-These der Fall gewe-
sen sein müsste ± von FRENGIA aus, ist der Sprung von einem Äe³ zum Äi³ schwieriger erklärbar.
Abgesehen von Übermittlungsfehlern hätte auch eine dialektische Umformung stattgefunden haben
können, worauf sich Wilhelm Erben beruft.32
Der Auffassung ± der wir zuneigen ± , wonach unabhängig von der ÄÄöstlichen³ RVPDQi-
schen) Route eine direkte Übermittlung Italien ± Steiermark erfolgte, steht die Meinung von János
Kalmár33 gegenüber, wonach das Klingenzeichen, nachdem es als FRANGIA von Genua nach
Ungarn gelangt war, in der Steiermark nachgemacht wurde. FRANGIA war zwar wahrscheinlich auch
als eingeschlagenes Klingenzeichen bereits um 1577/1586 in Siebenbürgen bekannt. Aber gegen die
Meinung Kalmárs spricht, dass im Bereich der Erblande, namentlich in der Steiermark, sowie im
westlichen (habsburgischen) Teil des seit 1541 dreigeteilten Ungarn, keine FRANGIA-Inschriften be-
28
Die Klinge Kat. Nr. 152 hat drei Kehlungen sowie links und rechts der Inschrift FRINGIA je drei Punkte. Unter den 27
im Erben' schen Katalog erfassten Husaren- und Haidukensäbeln aus dem 17. und vom Anfang des 18. Jahrhunderts (Anm.
zu Kat. Nr. 147) weisen auf Grund der Beschreibungen mindestens zehn Klingen einen stärker ausgeprägten Jelmán auf.
29
Tatsächlich verblieben zunächst noch weitere Säbelklingen auf Lager. Wie unter Kapitel II/A/3 dieses Beitrages ausge-
führt werden wird, wurde während des Großen Türkenkrieges damit ein Teil der Säbel mit Korbgefäßen für landständi-
sche Dragoner montiert. Wie viele ältere Klingen sich unter den noch vorhandenen 339 Stück befinden, wurde nicht
geprüft. Jedenfalls sind weitere F RINGIA- bzw. F RINDIA-Inschriften nicht ausgewiesen.
30
Ehrenthal, 26 f., Fig. 4, 8.
31
Lenz, 71-75. Krenn ± Kamniker ± Ruhri, 45 f. und 55-57. Zur italienischen Herkunft des gekrönten Pi (siehe
Abbildung 5, Fig. 6) siehe Kamniker, 71-81. Boccia - Coelho, 365 f. und 376, dagegen bezeichnen das Zeichen
als incudine coronata , also als gekrönten Amboss.
32
Erben 1900-1902, 155.
33
Kalmár, 89.
11
heimatet waren. Selbst wenn in Ungarn eine Umbildung von FRANGIA in FRINGIA erfolgt wäre
(wie dies Juraj Dite behauptet), wäre dafür ein längerer Zeitraum notwendig gewesen; aber die ersten
Ästeirischen³ Klingenzeichen wurden schon zwischen 1579 und 1606 gefertigt. Überdies ließe sich
einwenden, dass ± für den allerdings kaum denkbaren Fall, dass die 1579 von westungarischer Seite
gelieferten Musterstücke FRINGIA-Inschriften aufwiesen ± die steirischen Schmiede diese Zeichen als
Schmiedemarken angesehen und folglich gewiss nicht kopiert hätten. Außerdem: würde Kalmár die
relativ stattliche Zahl der zeitgleichen GENEVA-Inschriften im *UD]HU/DQGHV]HXJKDXVDOVÄZufall³
erklären?
Die Umstände und internen Momente der innerösterreichischen Ausrüstungsaktion hat
vor allem Wilhelm Erben nicht erwogen. Er stützte seine Meinung letztlich auf ein angebliches im
-DKUHHUODVVHQHVÄ([SRUWYHUERW³, von dem er kurzerhand einen bewussten und steten Absatz
steirischer FRINGIA-Klingen in den osmanischen Machtbereich ableitete.34
Als nach dem Jahre 1606 die amtlichen Bestellungen ziemlich abrupt endeten, denn die Kassen
waren leer und sogar die im Friedensvertrag von Zsitva ± Torok als Ehrengeschenk für den Sultan
bedungenen 200.000 Taler kaum aufzutreiben, begannen namentlich die auf Säbel spezialisierten
Klingenschmiede im oststeirischen Weiz ± von jenen aus Wiener Neustadt ist nur wenig überliefert
± sich den ungarischen Markt zu erschließen. Obgleich dies dem habsburgischen Interesse ent-
sprach, wurde angeblich mit Datum 20. August 1620 von der Steirischen Landschaft eiQÄExport-
verbot³ erlassen. Jedenfalls schreiben Pichler ± Meran ohne Quellenangabe, dass der Siebenbürger
Fürst Bethlen Gábor (um 1580-1629), als er im Jahre 1620 im Kampfe gegen Kaiser Ferdinand II.
(1578-1637) stand, zu Weiz Säbel und eiserne Klingen hundertweise einkaufte, so dass die Land-
schaft zur Erlassung eines Exportverbotes genötigt war.35 Obgleich diese EpiVRGHZHGHUPLWÄden
Türken³ noch mit der FRINGIA-Inschrift im Grunde etwas zu tun hat, muss man darauf näher einge-
hen. Man wird nicht ausschließen können, dass Waren aus den Erblanden zu Zeiten vereinbarter oder
verlängerter Waffenstillstände durch ungarische Händler an türkische Abnehmer gelangten. Aber
hinsichtlich von Waffen käme auch im illegalen Verkehr angesichts des im Osmanischen Reich für
alle Reaya36 geltenden Waffenverbotes höchstens die türkische Militärverwaltung als Partner für nen-
nenswerte Mengen in Frage. Sie mochte allenfalls zur Überbrückung von Engpässen und /oder we-
gen der minderen Kosten durch Vermeidung langer Transportwege interessiert gewesen sein. Aber
die FRINGIA-Inschrift, zumal bloß für Liebhaber von Wert, hätte gewiss keine Rolle gespielt.
Die Erben'sche Theorie scheitert nicht zuletzt an der Realität: Eine Begünstigung des
Ätürkischen Glaubensfeindes³ war noch ungeachtet kaiserlicher Patente, zumal angesichts der nahen
und auch zur Friedenszeit stets Überfällen ausgesetzten Militärgrenze, jedenfalls für einen Mann
von einigem Ansehen undenkbar. Überdies hätte er sich durch ein den Absatz in das Ätürkische Un-
garn³ förderndes Klingenzeichen auf geradem Wege in die Hände des Henkers begeben. Aber da-
34
Vgl. Anm. 8.
35
Pichler ± Meran, 109.
36
Der Begriff Reaya bezeichnete in der islamischen Welt und im Osmanischen Reich ursprünglich die Nicht ±
Muslime und später allgemein sämtliche abgabepflichtigen Untertanen.
12
von ganz abgesehen, war den Klingenschmieden in den abgeschiedenen Tälern eine Kenntnis der Spra-
che und der Begriffswelt der Osmanen keinesfalls zuzutrauen, im Gegensatz zu italienischen Handels-
herren. Den Klingenschmieden wäre aber auch fränkisch ein Äspanisches Dorf³ gewesen.
Kommen wir auf das angebliche Exportverbot zurück: der erste Einfall von Truppen
des Siebenbürger Fürsten Bethlen Gábor fand im Jahre 1619 statt. Seine Scharen zogen im Herbst
durch das an sich habsburgische Oberungarn, eroberten mühelos Preßburg (Pozsony, Bratislava),
vereinigten sich mit den böhmischen Aufständischen zur Belagerung Wiens, mussten aber bald
abziehen. Im folgenden Herbst schickte Bethlen den Protestanten 6.000 Reiter, die sich an der
Schlacht auf dem Weißen Berg bei Prag beteiligten. Westungarische Magnaten warben schon 1619
Husaren und Haiduken für die kaiserlichen Generale Charles Bonaventure de Longueval de
Bucquoy (1571-1621) und Henri de Dampierre (1580-1620) an.37 Für sie waren Waffen aus den habs-
burgischen Erblanden zweifellos willkommen. Wirklichkeitsfremd dagegen ist die Aussage, die
Reiterschwärme des Siebenbürger Fürsten hätten Gelegenheit gesucht und gefunden, in dem 150
Kilometer Luftlinie von Preßburg entfernten Weiz, zumal quer durch habsburgisches Gebiet, Säbel zu
Äkaufen³. In seinen eingehenden Ausführungen über die steirische Waffenerzeugung weist Alois
Ruhri am Rande zwar auf Pichler ± Meran, bringt aber keinen Vorfall wie einen ÄRitt nach Weiz³
zur Sprache.38 Er erörtert ausführlich die zeitweise wirtschaftlich prekäre Situation der Klingen-
schmiede, die sich zufolge der wechselnden Verhältnisse in Ungarn aus Absatzschwankungen und
einschränkenden Regierungsmaßnahmen ergab. Beispielsweise, so Ruhri, sei im Jahre 1620 wäh-
rend des Krieges mit Bethlen unter Androhung der Todesstrafe verboten worden, Klingen in die
Gebiete der Aufständischen zu verhandeln. Diesen Darstellungen muss man hinzufügen, dass ein
mit einer derartigen Sanktion verbundenes Verbot eines kaiserlichen Patentes bedurfte. Dass ein
solches, möglicherweise von der Regierung in Wien erlassenes Patent bestand, ist anzunehmen,
auch wenn darüber im Steiermärkischen Landesarchiv kein Hinweis auffindbar ist, ebensowenig
wie über ein von der Steirischen Landschaft erlassenes Ausfuhrverbot. Die Durchsicht der Archivak-
ten aus dem Jahre 1620 ergab zudem, dass die Steiermark keiner unmittelbaren Bedrohung durch un-
garische Einfälle ausgesetzt war.
Bei einer Einschätzung der Situation darf nicht übersehen werden, dass generelle bzw. lang-
währende administrative Restriktionen der Waffenausfuhr Äkontraproduktiv³ gewesen wären. Für
die dem habsburgischen Herrscher loyalen Kräfte in Ungarn war nämlich die erbländische Waffener-
zeugung wichtig. Dies umso mehr, als Oberungarn, die ÄWaffenschmiede Ungarns³, wiederholt
von Kriegshandlungen betroffen wurde und somit zumindest zeitweise als Produktionsstätte ausfiel.
Das wirkte sich auch strukturell aus: gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Ungarn weit davon
entfernt, seinen Klingenbedarf im eigenen Land decken zu können. Die Untersuchungen von
Gusztáv Heckenast zeigen, dass die Klingenerzeugung derart heruntergekommen war, dass es
selbst Ferenc II. Rákózi (1676-1735) kaum gelang, sie für seinen Freiheitskampf in Schwung zu
bringen.39
37
Meynert, 34 f.
38
Ruhri 1984, 249 f. Über die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Bethlen Gábor zwischen 1619 und 1626 siehe Heft
65 der Militärhistorischen Schriftenreihe, herausgegeben vom Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 1992.
39
Die Erkenntnisse von Gusztáv Heckenast (siehe Literaturverzeichnis) wurden verwertet in: Jäger 2011, 23-32.
13
3. FRINGIA, eine Marke für Qualität
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erzeugung von Säbelklingen im 17. Jahrhundert für den ungari-
schen Bedarf in den Erblanden ihren Fortgang nahm. Dies gilt namentlich für die Weizer Klingen-
schmiede.40 Der Umfang lässt sich zwar nicht bestimmen, aber für die Kapazität spricht, dass im
Kriegsjahr 1741, als Husarensäbel kaum aufzutreiben waren, das Mosdorfer'sche Werk in Weiz 5.000
Säbelklingen aus dem Stand an die kaiserliche Armee liefern konnte.41
Leider kann die Frage nicht beantwortet werden, wie lange nach dem Ende der innerösterrei-
chischen Ausrüstungsaktion (1606) FRINGIA bzw. FRINDIA sowie das mehrfach nachweisbare
FRINIALQ Ästeirische³ Säbelklingen eingeschlagen wurde.42 Aber im letzten Viertel des 17. Jahr-
hunderts waren diese Klingenzeichen keineswegs Ätot³. Sie fanden, wenn auch in anderer Form,
ihren Platz, indem sie ± neben VENNEDIA- und GENNOA-Inschriften und solchen berühmter aus-
ländischer Meister ± in die Mittelkehlung zweischneidiger Reiterdegen geätzt wurden. Immerhin wei-
sen von den im Grazer Landeszeughaus bewahrten 358 Reiterdegen aus dieser Phase sechs Stück die
Inschrift FRINGIA und zwei Stück die Inschrift FRINDIA auf (Abb. 7).
Abb. 7: Degen für steirische Dragoner, 4. Viertel des 17. Jahrhunderts. Landeszeughaus Graz, Inv. Nr. BL 668.
Anlass war der Große Türkenkrieg (1683-1699) bzw. die Ausrüstung steirischer Dragoner
sowohl mit Reiterdegen wie mit Säbeln. Als Säbelklingen dienten teils im Landeszeughaus gelagert
gewesene Jelmán-Klingen, teils neu gefertigte Rückenspitzklingen.43 Diese Ausrüstungsaktion gewinnt
unser besonderes Interesse dadurch, dass abermals ± zufolge der Bestellungen durch die Regierung
bzw. durch die steirische Landschaft ± die Inschriften keinen wirtschaftlichen Wert besaßen und
schon gar nicht mit einem Export zu tun hatten. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Klingenin-
schrift durch den Prozess des Nachmachens den Charakter eines abstrakten Gütezeichens annahm.
Es ließe sich übrigens die Meinung vertreten, dass die Inschriften auf diesen Degen-
klingen auch der Verzierung dienten. In dieser Hinsicht wären sie vergleichbar mit der Inschrift
40
Ruhri 1984, 256 ff., 248 f.
41
Jäger, Säbel 2010, 48.
42
Vermutlich die älteste steirische FRINIA-Klinge ist die eines Säbels mit kräftigem Jelmán und Sichelmarke mit prächti-
gem Spangengefäß, typenmäßig verwandt mit den Dusäggen, die im 4. Viertel des 16. Jahrhunderts als Aufgebotswaffen
hergestellt wurden: Krenn 1988, 131. Das Grazer Garnisonsmuseum bewahrt einen ungarischen Säbel: zweimal überei-
nander )5,«1,$, dazwischen eine Sichelmarke.
43
Krenn ± Kamniker ± Ruhri, 59-61, 75, Fig. 6.
14
FINA FRINGIA auf einer mit reichem Ätzdekor ausgestatteten 120 Zentimeter langen Dreikantklin-
ge eines Panzerstechers aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.44 Die Klinge selbst ist ob ihrer
Länge wahrscheinlich ein Solinger Fabrikat.45
B. Ungarische K lingen
Klingen mit eingeschlagenen FRINGIA-Inschriften findet man in öffentlichen und privaten Sammlun-
gen nur vereinzelt. Das kann nicht überraschen, denn der Bestand erhalten gebliebener ungarischer Sä-
bel aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist dürftig. Umso schwieriger ist es, einen verhältnismäßigen Anteil
der FRINGIA-Klingen einzuschätzen. Dieser Gesichtspunkt wurde bereits berührt, und zwar rücksicht-
lich der Landeszeughaus ± Klingen sowie an Hand der drei Säbel des Heeresgeschichtlichen
Museums in Wien.46 Zwei weitere Stichproben ergeben: bei der Ausstellung Die Türken vor
Wien, die an die Belagerung und Entsatzschlacht vom Jahre 1683 erinnerte, wurden acht ungarisch-
kroatische Säbel gezeigt, von denen einer FRINIA (mit Sichelmarke) aufwies (Ausstellungskatalog
des Museums der Stadt Wien, 195 f., Wien 1985). Die Sammlung auf der Veste Coburg bewahrt sie-
ben typengleiche Säbel, die in oststeirischen Bauernhöfen gefunden wurden und vermutlich vom Ende
des 17. Jahrhunderts stammen, wovon ein Stück gleichfalls FRINIA (aber ohne Sichelmarke) auf-
weist.47 Spricht man von ungarischen Säbelklingen, muss man sich darüber im klaren sein, dass die
qualitätvollen Jelmán-Klingen (solche mit Kehlungen, welche die FRINGIA-Säbel meist aufweisen)
vornehmlich in Italien, Bayern, Österreich und Oberungarn erzeugt wurden. Aber die jeweilige
Herkunft ist nicht sicher festzustellen, es sei denn man greift zu technologischen, chemischen
und metallegraphischen Untersuchungen, wenn nicht eine Meistermarke oder zufällige besondere
Kenntnisse Aufschluss geben.
44
Erben 1900-1902, 272. Erben 1895, 107, Nr. 91.
45
Kalmár, 92 f.
46
Zu den Hinweisen auf 16 Klingen mit FRINGIA-Klingen, die bei Erben 1895, angeführt werden, wird vorsorglich bemerkt:
Eine Klinge bezieht sich auf den Panzerstecher [Link].91, während acht als FRINGIA-Säbel mit der Verzierung
Ä6RQQH0RQGXQG6WHUQH³GHU+lOIWHGHV-DKUKXQGHUWV]X]XRUGQHQVLQG'LHUHVWOLFKHQNRQQWHQQLFKWHUPLttelt werden.
47
Jäger, Säbel 2010, 27 ff.
48
Siehe dazu Ehrenthal (in Verbindung mit der Abbildung 5) sowie die aus dem 3. Viertel des 16. Jahrhunderts stam-
menden Bebék ±Säbel: JÄGER, Säbel 2010, 27 ff.
15
Verbreitung über die östliche Route der Verbreitung aus der Steiermark zeitlich voranging. Dass das
Klingenzeichen FRANGIA wahrscheinlich überhaupt nur über die östliche Route auf ungarische Ge-
biete gelangte, wurde bereits glaubhaft gemacht.
Wie bereits erwähnt, erscheint das Wort FRANGIA als Emblem (siehe Abbildung 2) auf vier
Danziger Báthory-Klingen aus der Zeit zwischen 1577 und 1586. Bevor Stephan Báthory von 1571
bis 1576 gewählter Fürst Siebenbürgens war, fungierte er als Feldhauptmann des Janos Zsigmond
Zápolya (1540-1571), welcher vereint mit den Türken den habsburgischen Herrscher Ferdinand I.
bekriegte. So würde es der politischen Situation entsprochen haben, wenn FRANGIA als eingeschla-
genes Klingenzeichen nach Siebenbürgen gelangte. Báthory verstand das Zeichen im Sinne des lateini-
schen frangere und machte davon entsprechenden Gebrauch. In welchem Umfang FRANGIA als
eingeschlagenes Klingenzeichen in Ungarn in Gebrauch war, lässt sich allerdings nicht abschätzen,
zumal bloß zwei Fälle halbwegs nachweisbar sind. Den Klingenschmieden dienten vermutlich die
ziemlich wenigen italienischen Klingen als Vorbild, welche zunächst in das Ätürkische Siebenbürgen³
gelangt waren, obwohl sie ihre Existenz, wie wir schließlich annehmen, dem Handel mit den osmani-
schen Ländern verdankten.
An dieser Stelle wird man sich einer der Ungereimtheiten der Erben'schen Theorie bewusst:
wenn die steirischen Schmiede 1579 erstmals mit der Herstellung von Säbelklingen begannen und
sie nicht vor 1606 selbständig vermarkteten, wie konnten ihre Klingen bereits vor 1586 (mit dem Zei-
chen FRANGIA) in Siebenbürgen und Polen an den Mann gekommen sein?!
Um einen Zusammenhang ÄGenua ± Frangia ±
Ungarn³, zu etablieren, berief sich Juraj Dite
auf einen in Verlust geratenen Säbel aus dem
16. Jahrhundert aus der Sammlung des Grafen
Sámuel Teleki49 (1845-1916) mit den
schlagenen Inschriften FRANGIA und
G ENEVE (Abb. 8). Dem Ductus der
marke folgend (glatte Bögen), könnte die
Klinge aus dem 3. Viertel des 16. Jahrhunderts
stammen. Doch ist dieses Beispiel leider von
geringem Wert, weil Dite keine genaue Quelle
Abb. 8: Inschriften GENEVE und FRANGIA auf einem
angab und weil sein unklarer Hinweis auf
verloren gegangen Säbel der Sammlung Teleki. Szendrei unklar ist.50
Die zweite der bislang bekannt gewor-
denen eingeschlagenen FRANGIA ± Inschriften registrierte János Szendrei51 und Juray Dite52 berief
sich darauf. Es handelt sich um einen äußerst ungewöhnlichen Säbel ± laut Szendrei ein Schwert
(man beachte den Doppelsinn des ungarischen Wortes kard, erklärt in Anm. 50) mit einer schwach
gekrümmten 64 Zentimeter langen Jelmán-Klinge ± die er seltsamerweise mit Anfang 18. Jahrhun-
49
Dite, 525 mit Abbildung 5, 526.
50
Bei Szendrei, 404, Nr. 2786, entdeckt man eine Klinge mit übereinstimmendem Ductus der GENEVE-Inschrift und der
Mondsicheln eines einschneidigen Schwertes mit 98 Zentimeter Klingenlänge. Trotz der ungleichen Bezeichnung könnte
Identität vorliegen, da kard im weiteren Sinne auch den Säbel einschloss. Allerdings spricht Szendrei von einer Beschrif-
tung auf einer Seite. Dite gibt für seinen Säbel bloß die Gesamtlänge (105 Zentimeter) und eine auffallende Klingenbrei-
te (4,5 Zentimeter) an. Szendrei gibt als Klingenbreite 3,5 Zentimeter an.
51
Szendrei, 865, Nr. 6964.
52
Dite, 525 f., Abbildung 7.
16
dert datiert. In Anbetracht der Gefäßform und der Klingenlänge dürfte es sich vielleicht um eine
Haiduken-Waffe aus der Zeit um 1700 handeln (Abb. 9). Rätsel gibt auch der laut Szendrei beidsei-
tig geätzte Doppeladler auf. Aufgrund der bloßen Beschreibung ist eine Beurteilung nicht möglich.
Die Waffe konnte im Ungarischen Nationalmuseum nicht gefunden werden. Es ist nicht von der
Hand zu weisen, dass der Doppeladler, der Übung der Zeit folgend,53 im 18. Jahrhundert hinzuge-
fügt wurde. Das für die Zuordnung der Klinge ausschlaggebende Element ist die Sichelmarke. Ihr
Ductus ist ungewöhnlich. Von ihm lässt sich zunächst sagen, dass er nicht ins Bild steirischer Si-
chelmarken passt, wenn man die Abbildungen bei Krenn ± Kamniker ± Ruhri bzw. Jäger54 ver-
gleicht. Diese Sichelmarke könnte schon um 1600 geprägt worden sein, sei es in Oberungarn oder
in Italien. Unter den von Max Ehrenthal abgebildeten Genueser Klingenzeichen finden sich gleich-
falls keine Parallelen. Eine gewisse Übereinstimmung mit dem erwähnten Báthory-Jagdpallasch ist
immerhin zu registrieren, nämlich die blütenähnliche Figur an den Enden der Mondsichel (vgl. Abb.
3).
2. FRINGIA6\QRQ\PIUHLQHQÄguten Säbel³
Das einstige Oberungarn (Felvidék) ± nach dem [Link] überwiegend der Tschechoslo-
wakei angeschlossen; seit 1992 Gebiet der Slowakischen Republik ± war mit seinen Bergstädten
ursprünglich der hauptsächliche Waffenversorger Ungarns und belieferte auch Polen. Doch seltsamer-
weise beherbergen die Museen des Landes keine ungarischen Blankwaffen aus dem 16. und
17. Jahrhundert. Juraj Dite, obgleich Mitarbeiter des Westslowakischen Museums in Trnava,
konnte sich letzten Endes bloß auf eine einzige eindeutig in Oberungarn erzeugte Klinge mit
FRINGIA-Inschrift berufen. Dennoch schwärmte er von der Zahl der FRINGIA- und FRANGIA-
Klingen, die aus Genua nach Ungarn gekommen wären, in Ungarn und in der Slowakei zu finden
seien und seiner Meinung nach in Stittnik âWLWQLN nachgemacht wurden. Er hat eine Überprüfung
aller erreichbaren Waffen versprochen, doch das Resultat entspricht keineswegs der Ankündigung:
a) Von den im heutigen Österreich bewahrten oder aufgefundenen Realien hat er keine Notiz
genommen.
b) Bei der von ihm auf Seite 526 unter Abbildung 10 angeführten Klinge (Militärmuseum
Praha) deckt sich der Ductus der FRINDIA-Inschrift samt Sichelmarke mit jenem der im Lan-
deszeughaus Graz befindlichen Klinge mit der [Link].186 (siehe Abb. 1).
c) Auf die Unklarheiten bei den beiden FRANGIA-Klingen wurde soeben hingewiesen.
53
Dolleczek, 7.
54
Krenn ± Kamniker ± Ruhri, 75. Jäger, Säbel 2010, 31.
17
d) Hinsichtlich der Báthory-Säbel zeigt sich Dite nicht orientiert: Ein Säbel ist in Ver-
lust geraten (Säbel mit Korbgefäß), der andere (mit ungarischem Gefäß) befand sich längst im
Polnischen Armeemuseum (MWP, [Link].340). Dieser weist ± neben der Danziger Klingen-
dekoration ± die beidseitig eingeschlagene Inschrift G ENOA (ohne Sichelmarke) auf, was für
die Genueser Herkunft der rohen Klinge spricht.55
Bei der vorhin erwähnten anscheinend einzigen eindeutig oberungarischen Klinge mit
undeutlicher Inschrift FRINGIA oder FRINIA (Abbildung 10) handelt es sich um eine ein-
Abb.10: FRINGIA-Inschrift auf einem Pallasch, der 1693 der evangelischen Kirchengemeinde von Stittnik / âWLWQLN zum
Geschenk gemacht wurde.
schneidige 84 Zentimeter lange Klinge eines Pallasch mit einem Bügelgefäß aus dem Besitz
der evangelischen Kirchengemeinde Stittnik âWLWQLN). Die terzseitige Inschrift ist zweimal
übereinander gegenstehend eingeprägt.56 Laut Dite wurde die Waffe im Jahre 1693 von den
Stittniker Schmieden der Kirchengemeinde zum Geschenk gemacht. Er beschreibt in Überein-
stimmung mit Gusztáv Heckenast die Schmiedezunft im mittelslowakischen Stittnik als die
älteste und in jeder Hinsicht bedeutendste Oberungarns. Leider ist das Ungarische National-
museum nicht in der Lage, auf den Besitz weiterer Klingen mit FRINGIA-Inschriften sowie
auf Erkenntnisse hinzuweisen, die über die von János Kalmár seinerzeit getroffenen Aussagen
hinausreichen.
Bemerkenswert ist die Definition, die Szendrei der Beschreibung des Stittniker Pal-
lasch anschließt. Demnach bezeichnete man in Ungarn mit FRINGIA in einem weiteren Sinn
sowohl eine gute Klinge wie auch den Säbel schlechthin.57 Somit galt FRINGIA als Synonym
für den heimischen qualitätvollen Säbeltypus, der nicht unbedingt dieser Klingeninschrift be-
durfte. Außerdem war dieses Wort Ausdruck für eine gute Klinge, sonst wäre damit eine
Pallaschklinge nicht gestempelt worden.
In den schwierig recherchierbaren Komplex hat Juraj Dite vermöge seiner Landes-
kenntnis doch viel Licht gebracht. Er berichtet beispielsweise, dass der Ausdruck FRINGIA in
der Volkssprache häufig verwendet wurde und dass in Volksmärchen der Held die Schurken und Dra-
chen mit einer fringia tötet. Darunter habe man eine gute Klinge, einen guten Säbel verstanden,
den man in der ungarischen Sprache auch tót kard (slowakisches Schwert / slowakischer Säbel) nann-
te. Der Hinweis auf einen Bericht der Innung des Komitates Szepes (Zips, Spiãsky Hrad) aus
dem Jahre 1660 ist insofern aufschlussreich, als darin die Klingen der Stittniker Schmiede als fringia
bezeichnet werden. 58 Wertvoll erscheinen weiter die Zitierungen zweier Dokumente oberungarischer
Magnaten aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert, weil darin von Fringia-Säbeln bzw. Fringia-
55
Jäger, Fringia 2010, 71-84. Siehe dazu auch die überzeugenden Argumente bei: Erben, Noch einige Worte,
272.
56
Szendrei, 801, Nr. 5229.
57
Ähnlich auch bei Kalmár, 107.
58
Dite, 525, 529.
18
Klingen gesprochen wird, womit offenbar nicht der Typus sondern jeweils eine Waffe mit diesem Klin-
genzeichen gemeint war.59 _ _
Einen nützlichen Einblick gewährt die folgende Erzählung in einer im Jahre 1892 im
oberungarischen Rosenau (Rozsnyó / RoåĖava) erschienenen Publikation. Demnach haben die Stittniker
Klingenschmiede mit den Türken eine Vereinbarung geschlossen, wonach sie auf räuberische
Überfälle auf Stittniker Warentransporte verzichteten, wofür man den Türken jährlich 50
Zentner F ringia-Klingen lieferte.60 Dass das türkische Militärkommando, welches allein einen
solchen ÄVertrag³ zu garantieren vermochte, gewiss keinen Wert auf Klingeninschriften legte,
wurde schon in anderem Zusammenhang begründet.
Diese Beispiele weisen in Verbindung mit den Daten, die hinsichtlich der relativen
Häufigkeit dieses Klingenzeichens angeführt werden konnten, darauf hin, dass der einheitli-
che Typ des ungarischen Säbels des 17. Jahrhunderts in Ungarn in der Vulgärsprache schließ-
lich fringia genannt wurde. Von besonderen Einzelstücken abgesehen, dürfte das Klingenzei-
chen pro Bund Klingen in ein bis drei Stück eingeschlagen worden sein, was für den Abneh-
mer hieß, dass die gesamte Ware fringia (um nicht zu sagen Äo-kay³) war. Schließlich muss
FRINGIA über eine bedeutende Ausstrahlung verfügt haben. Die Bezeichnung reichte aus, um
noch nach einem halben Jahrhundert den eingangs erwähnten Typ eines FRINGIA-Säbels in
die Welt zu setzen, von dem sich einige in Museen in Budapest, Paris, Wien und Zagreb be-
finden. Die Ironie ist, dass die Inschrift auf den in Österreich und in Ungarn erzeugten Klin-
gen von Anfang an keine funktionale Bedeutung hatte, außer dass in ihr Qualität erblickt wer-
den sollte.61
I I I. F azit
Was die Verbreitung der Inschrift in Ungarn betrifft, wird man sich mit dem unorthodoxen
Gedanken zu befreunden haben, dass sie von Osten her unter der Flagge des frangia (wahr-
scheinlich auch des frengia ), und in einem deutlichen Zeitabstand von Westen her mit den
Zeichen FRINDIA / FRINIA / FRINGA / FRINGIA unabhängig voneinander erfolgte. Der
Ausgangspunkt, nämlich Italien, war ein gemeinsamer. Das Zeichen frangia (und frengia)
wurde offenbar vermöge seiner geringen Zahl, möglicherweise auch des Nachlassens des ita-
lienischen Klingenexportes ins Osmanische Reich, durch die von Westen kommenden Klin-
gen verdrängt. Diesem Bild steht allerdings gegenüber: es ist nicht erwiesen, dass italienische
Klingen mit den Inschriften frangia und frengia im 16. Jahrhundert für die Osmanen herge-
stellt wurden. Jedenfalls aber waren Säbelklingen mit Jelmán, die also den Kilidsch-Typ der
Seldschuken vorstellen, bloß bei der osmanischen und ungarischen (teilweise auch bei der
59
Dite, 528. Im Vermögensinventar des Palatins (Stellvertreter des Königs) György Thurzó (1567-1616) heißt
es: Item ein S äbel...seine Klinge ist fringia . Im Testament des István Bocskay (1557-1606) aus dem Jahre 1595
steht: Für István Bagdi hinterlasse ich einen fringia-S äbel. Bocskay entwickelte sich zum Parteigänger der Os-
manen. 1605 zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt, schloss er 1606, in seinem Todesjahr, mit Kaiser Rudolf
II. (1557-1612) Frieden.
60
Zur erwähnten Erzählung siehe das Werk von J. Mikulik im Literaturverzeichnis. Dite, 529. Nach den damals
geltenden Regelungen war der Zentner mit 59,8 Kilogramm zu bemessen.
61
In die Richtung eines abstrakten Qualitätszeichens italienischen Ursprungs weisen in der jüngsten Literatur die
Ausführungen von Kwasniewicz, 97. Er bezweifelt auch nicht den italienischen Ursprung des Klingenzeichens
FRINGIA .
19
polnischen) Reiterei in Gebrauch. Es ist aber wohl auszuschließen, dass der Herstellung sol-
cher Klingen in Italien ungarische Bestellungen zugrunde lagen. In Anbetracht der politischen
und militärischen Verhältnisse wird vernünftigerweise anzunehmen sein, dass die Osmanen
die unter ihrer Kuratel stehenden Siebenbürger und Ungarn mit Waffen versorgten. In den
zuweilen vorkommenden Klingenzeichen vermochte der Ungar damals ± ebenso wenig wie
heute ± einen Sinn zu erkennen. Aber er schätzte die Inschrift als Rarität.
'LHKLHUHQWZRUIHQHÄRVPDQLVFK ± LWDOLHQLVFKH³ 7KHRULHN|QQWHIUHLOLFKHUVWEHU]Hu-
gen, wenn eine Durchsicht der italienischen Sammlungen nach allenfalls im Bereich der Pro-
duktionsstätten verbliebenen Stücken glücklich verlaufen würde. Vorläufig kann man sich
diesbezüglich immerhin auf das Sammelwerk von Bocca - Coelho stützen, wonach vor allem
auf Genueser Klingen das Zeichen fringia den türkischen Markt sichern sollte.62
Literatur
BOCCIA, L.G. ± COELHO, E.T.: Armi biance italiane, Milano 1975.
DOLLECZEK, ANTON: Monographie der k.u.k. österr.-ung. blanken- und Handfeuer-Waffen, Wien 1896.
ELGOOD, ROBERT: The Arms of Greece and her Balkan Neighbours in the Ottoman Period, New York 2009.
ERBEN, WILHELM: Zur Deutung der Klingeninschrift FRINGIA, ZHWK 2/1900-1902, S. 151-155.
ERBEN, WILHELM, Noch einige Worte über F ringia, Genoa und S ichelmarke , ZHWK 2/1900-1902, S. 270-276.
INCALIK, HALIL: The diffusion of Fire-arms in the Ottoman Empire, War, Technology and Society in the Middle East,
Oxford 1975.
JÄGER, FRIEDRICH, Das Kuruczenheer des Fürsten Rákózi 1703-1711, Pallasch (=Zeitschrift für Militärgeschichte),
Heft 38, Wien 2011.
KALMÁR, JÁNOS: Regi magyar fegyverek (Alte ungarische Waffen), Budapest 1971.
KRENN, PETER: Steirische Waffen in Coburg, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, LXXXIV. Jahrgang.
Graz 1988, S. 121-140.
62
Bocca ± Coelho, 24.
20
KRENN, PETER ±KAMNIKER, KURT ±RUHRI, ALOIS: Schwert und S äbel aus der Steiermark (=Veröffentlichungen
des Landeszeughauses, Band 4), Graz 1975.
K:$ĝ1,(:,&=, WLODZIMIERZ: Dzieje szabli w Polsce (Die Geschichte des Säbels in Polen), Warszawa 2011.
MEYER, STANISLAW: -HV]F]H R EDWRUyZNDFK ÄJGDĔVNLFK³ 1RFKPDOV EHU Ä'DQ]LJHU³ %DWRUyZND , Brón i
Barwa 5. Warszawa 1937.
PETROVIC, DJURDJICA: Fire-arms in the Balkans on the eve of and after the Ottoman Conquests of the fourteenth
and fifteenth centuries, War, Technology and Society in the Middle East, Oxford 1975.
PICHLER, FRITZ ± MERAN, FRANZ: Das Landeszeughaus in Graz, Band 1. Leipzig 1880.
RUHRI, ALOIS: Schwerpunkte der Waffenerzeugung im Umkreis des Steirischen Erzberges, Graz 1984
âERCER, MARIJA, S ablje (=Katalog der Museumsausstellung des historischen Museums Kroatiens), Zagreb
1979.
SZENDREI, JÁNOS: Ungarische kriegshistorische Denkmäler auf der Millenniumsausstellung. Budapest 1896.
Bildnachweise
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SU M M A R Y
Regarding to the inscription FRINGIA one has to get like with the unorthodox idea that its
dissemination in Hungary under the flag of FRANGIA (probably also of FRENGIA) from the
East, and in a significant time interval, from the West with the characters FRINDIA / FRINIA
/ FRINGA / FRINGIA took place independently from each other. The inscription`s starting
point, namely Italy, was the same one. The sign FRANGIA (and FRENGIA as well) might
have been displaced by western blades due to two facts: the small quantity on the one and the
decline of Italian blade exports into the Ottoman Empire on the other hand. But this theory
has a snag ± it is not proved that Italian blades with inscriptions FRANGIA and FRENGIA
have been produced for the Ottomans in the 16th century. However, sabre blades with a
Jelmán, representing the Kilij type of the Seljuks, were used merely by the Ottoman, Hunga-
rian and ± partially ± Polish cavalry. It is to exclude that the manufacturing of such blades in
Italy was done after orderings by Hungarian noble men. In the light of the political and mili-
tary circumstances, it is reasonable to suppose that the Ottomans provided the Transylvanians
and Hungarians, standing under their guardianship at this time, with weapons. The blade cha-
racters, appearing now and again only, did not make sense to the Hungarians. But they re-
garded the inscription as a rarity.
7KH³7XUNLVK± ,WDOLDQ´7KHRU\GHVLJQHGLQWKHDUWLFOHDERYHFDQEHSHUVXDVLYHILQDOO\
after a successful search for remaining blades with FRINGIA inscriptions within Italian col-
lections and former Italian production centers. Until then we have to refer to the compilation
by L.G. Boccia and E.T. Coelho with the conclusion that especially Genoese blades with the
sign FRINGIA would have guaranteed and supplied the Turkish weapon market.
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