Inhalt
Inhalt................................................................................................................................................1
Vorwort............................................................................................................................................4
Der junge Brecht in Deutschland.....................................................................................................5
Der Dichter im Exil.........................................................................................................................8
Brecht nach dem Exil.......................................................................................................................9
Lyrik..............................................................................................................................................10
Die Gedichtsammlung „Bertolt Brechts Hauspostille“................................................................12
Literatur.........................................................................................................................................15
1
Vorwort
In dieser Seminararbeit wird über das Leben und die Lyrik Bertolt Brechts gesprochen.
Erstens wird über Brechts Leben geredet und dann über seine Lyrik. Im Ende gibt es eine
Analyse seines Gedichtes „Gegen Ferführung“.
2
Der junge Brecht in Deutschland
Eugen Berthold Friedrich Brecht
wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg
geboren. Seine Eltern waren beide aus der
Schweiz. Sein Vater war Berthold
Friedrich Brecht und seine Mutter Sophie
Brecht geborene Breizing. Die Eltern
hatten verschiedene Religionen, Brechts
Vater war Katholik und seine Mutter
Protestantin. Die beiden haben sich
geeignet das die Kinder in der
protestantischen Religion erzogen sein
sollten. Dies machte Brecht Teil der
Minderheit weil die überwiegende Menge
in Augsburg katholisch war. Brechts Vater
arbeitete in der Papierfabrik Haindl, und
war bei 1914 zur Position des Direktors
befördert. Walter war Berchts junger
Brüder, er ist heute Professor für
Papierverarbeitung.1
Seine Ausbildung hat Brecht im
Realgymnasium bekommen. Schon in der
Schule liest er sehr viel. Die Schulbücher
waren für ihn nicht interessant genug, dass
kann man am besten in seinen ersten Buchrezensionen sehen. Diese schrieb er mit nur sechzehn
Jahren für eine Augsburger Zeitung2.
Während seiner Schuljahre fing der Erste Weltkrieg an. Brecht war nicht wie andere
Männer und sah den Krieg für was er wirklich war: unpathetisch, realistisch und Unglück für die
Menschheit. Brecht durchschaute den Ruf zum Krieg und seine Beschreibung als „süßer
Heldentod“ 3. In allen seinen Werken lässt Brecht seine Kriegshelden in Schmerzen sterben.
1
Bertolt Brecht, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit; Frederic Ewen; Claasen Verlag; Auflage 1970, Hamburg und
Düsseldorf Seite 41
2
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seite 6
3
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seite Seite 6
3
Brecht zum Thema: „Dulce et decorum est pro patria mori“ („Süß und ehrenvoll ist es für
das Vaterland zu sterben“):
„Der Ausspruch, daß es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben, kann nur als
Zweckpropaganda gewertet werden. Der Abschied vom Leben fällt immer schwer, im Bett wie
auf dem Schlachtfeld, am meisten gewiß jungen Menschen in der Blüte ihrer Jahre. Nur
Hohlköpfe können die Eitelkeit soweit treiben, von einem leichten Sprung durch das dunkle Tor
zu reden, und auch dies nur, solange sie sich weit ab von der letzten Stunde glauben. Tritt der
Knochenmann aber an sie selbst heran, dann nehmen sie den Schild auf den Rucken und
entwetzen wie das Imperators feister Hofnarr bei Philipi, der diesen Spruch ersann.“4
Zu dieser Zeit hat Brecht seine Werke unter den Pseudonym Berthold Eugen
veröffentlicht. Leser haben die expressionistischen Gedichte des „Berthold Brechts“ erfrischend
gefunden im Gegenteil zur damaligen Moderne.
1917 machte Brecht sein Abitur und danach immatrikulierte er den Wunsch der Eltern
nach an die Medizinische Fakultät. Als Student hat er sich mehr für die Literatur als für die
Naturwissenschaften interessiert.
Nicht lang in sein Studium wurde er in die Armee gerufen. Brecht wird dort als Sanitär
an ein Augsburger Lazarett verlegt. Wegen all den schrecklichen Dingen die er im Dienst
gesehen hat, wurde der wahre Dichter in ihm geboren. Brecht hat ungefähr zu dieser Zeit eines
seiner bekanntesten Gedichte „Die Legende vom toten Soldaten“ verfasst. Dieses Gedicht
brachte den Dichter auf Hitlers schwarze Liste während der Kriegszeit5.
1918 hat Brecht sein erstes Schauspiel „Baal“ geschrieben. Zurzeit waren für Brecht
Helden und Abenteurer die sich gegen die bestehenden Ordnungen richteten eine Inspiration. Im
Werk spricht Brecht über einen jungen Dichter und wie sich dieser mit der Verwüstung seiner
Talente durch die kapitalistische Gesellschaft entgeht und ein Leben ohne bürgerliche – soziale
Verantwortung führt6.
In 1918 schrieb er Theaterkritiken für die Augsburger Tageszeitung, und in 1919 auch für
den Volkswillen. Nach dem Tod seiner Mutter zieh der junge Brecht nach München. Sein Leben
in München war sehr angenehm. München war bereits die Zentralstadt des Nationalismus und
der Antisemitismus fühlte sich hier sehr stark. Die gute Seite der Stadt war das es Theater,
Ausstellungen, politische Kabarett und Opern gab.
Man könnte Brecht als einen Troubadour beschreiben, da er gern gesungen hat und sich
selbst auf der Gitarre folgte. Er hat sich in München der „Entertainergruppe“ im Lachkeller von
4
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seite 7
5
Bertolt Brecht, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit; Frederic Ewen; Claasen Verlag; Auflage 1970, Hamburg und
Düsseldorf Seite 47
6
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963
4
Karl Valentin angeknüpft. Unter Valentins Einfluss schrieb Brecht Einakter. Er hat Valentin nie
vergessen.
Den stärksten Einfluss auf Brecht hatte wahrscheinlich Frank Wedekind. Zwar haben sich
die beiden nicht kennengelernt, teilte Brecht Wedekinds Leidenschaft seine Stücke selbst zu
präsentieren. Wedekind hatte nicht nur auf Brecht einen Einfluss sondern an alle in der
Gesellschaft. Er sollte seine Landesleute bis zu seinem Lebensende schockieren. Seine
Theaterstücke sind angereichert mit sozialen Freibeutern, Hochstaplern, amoralischen
Züchtungen der guten Gesellschaft.7.
Ein anderer deutscher Dichter der einen Einfluss auf Brecht hatte, war Georg Büchner.
Dieser starb ganz jung, nur mit 23 Jahren, er studierte Medizin wie Brecht aber fand Literatur
und Politik interessanter.
Nach München wollte Brecht nach Berlin gehen und machte in der Zeitspanne von 1912
bis 1922 ein Paar Reisen dorthin. Bei einer dieser Reisen lernte er den Redakteur des „Berliner
Tageblatts“ Dramatiker Arnolt Bronnen kennen. Es schien als ob ihre, zum Beginn, enge
Verwandtschaft von Dauer wird, aber es war nicht so.
Die Uraufführung seines Werks „ Trommeln in der Nacht“ fand in den Münchener
Kammerspielen statt. Otto Falckenberg hatte sich dies angenommen. Die Uraufführung war ein
voller Erfolg und Brecht bekam für dieses Stück von Herber Ihering den Kleistpreis. Ihering
schrieb dann so: „Der vierundzwanzigjährige Dichter Bert Brecht hat über Nacht das
7
Bertolt Brecht, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit; Frederic Ewen; Claasen Verlag; Auflage 1970, Hamburg und
Düsseldorf ; Seiten 50 und 51
5
dichterische Antlitz Deutschlands verändert.“8 H. Ihering bekam ein Förderer von Brecht, aber
der andere großer Kritiker dieser Zeit, Alfred Kerr, bekam Brechts Gegner. Er hatte eine
Auseinandersetzung mit Brechts neuen dramatischen Formen und mit seiner Dichtung.
Brecht hat sich als Regisseur anprobiert, und hatte das Werk von Christopher Marlow
„Edward II“ mit der Unterstützung von Lion Feuchtwangers bearbeitet. Brecht zeigte hier seine
dramatischen Eigenschaften und Regiestill. Der neue Titel des Werks war „Leben Edwards des
Zweiten von England“. Schnell nach der Aufführung in Berlin erschien das Stück in Druck und
war die dritte Veröffentlichung des Dichters.
In 1924 zieht der Dichter nach Berlin um, und macht schnell einen Freundeskreis mit
sehr vielen bekannten und einflussreichen Namen der zeit um sich. Eine von ihnen war auch
Elisabeth Hauptmann, die bis zum Brechts Tod eine enge Mitarbeiterin war.
1925 veröffentlichte Brecht das Lustspiel „Mann ist Mann“ und in 1927 seine erste
berühmte Gedichtsammlung „Hauspostille“. Wie schon erwähnt war Brecht nicht nur
Dramatiker sondern auch Lyriker und seine Gedichte waren sehr singbar. Die Leser waren in
ihrer Meinung geteilt, die Menge sah die Sammlung als eine Enttäuschung, und eine wenige Zahl
fang sie gut.
In dieser Zeit wird seine erste Ehe geschieden und er lernt seine, in der Zukunft, zweite
Frau, Schauspielerin Hellene Weigel, kennen. Sie hat mit Brecht zusammengearbeitet und in
seinem späteren Werken sind die Frauenrollen für ihre Interpretation geschrieben.
Im Jahr 1931 kommt es zu schlechten Neuigkeiten, Hitler hat Macht ergriffen. Die
Aufführung eines Stücks von Brecht wird durch die Polizei unterbrochen, deshalb verlas Brecht
den Tag danach Deutschland. Seine Frau und Kinder folgten.
Der Dichter im Exil
Brecht hatte viele Exilstationen, Prag, Wien,
Paris usw. 1933 während in Dänemark
wurden Brechts Bücher von den
Nationalsozialisten verbrannt und verboten.
Auch Brechts Staatsbürgerschaft wurde
aberkannt.
8
Bertolt Brecht; Reinhold Grimm; J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1961 Seite 6
6
1938 im Exil entstand sein Werk „ Das Leben des Galilei“. Brecht hat auch in dieser Zeit
für die Emigrantenzeitschriften in Paris, Amsterdam und Prag geschrieben. 1940 geht die
Familie nach Finnland, schon im nächsten Jahr bekommt Brecht sein Einreisvisum in die USA
und zieht mit seiner Familie nach Santa Monica, CA um.
In den Vereinigten Staaten versuchte Brecht sich im Filmgeschäft einen Namen zu
machen aber er wurde nicht nur als Regisseur, sondern auch als Dichter abgelehnt. Die USA sind
in den Krieg 1942 eingestiegen und von dann an beginnt in Amerika die Registrierung der
feindlichen Ausländer bzw. „Enemy Alien“. Hier wird Brecht über seine politischen Neigungen
befragt. Nur ein Tag später kehrte er nach Europa zurück. Er ging in die Schweiz weil dass das
einzige Land war welches er eine Aufenthaltserlaubnis erhielt. Er Wollte nach Westdeutschland
gehen, aber dies wurde ihm untersagt.
Brecht nach dem Exil
Nach einem fünfzehnjährigen Exil kehrt Brecht 1948 nach Deutschland zurück. Endlich
hat es Brecht gelungen ein Theater zu schaffen in welchen, wie er sagte sich dem Menschen
dieses Jahrhunderts „sich und die Welt zu meistern“ hilft 9. Eine neue Etappe in Brechts leben hat
begonnen, er lebte in einem Staat wo seine Blicke und Ziele, denen des Staates entsprechend
waren. Brecht war sehr zufrieden mit der Tatsache dass jetzt alles in den Händen der
Arbeitsklasse war und nicht in den Händen der „Herrschenden“.
Er eröffnete ein neues Theater. Dieses hat den Aufbau des neuen Staates, wie hervor das
Brechts Werke getan haben, geholfen. Mit seinen Inszenierungen und mit seinem Schreiben
versuchte Brecht die Welt zu ändern. 1954 wurde er Vizepräsident der Deutschen Akademie der
Künste und auch ein Mitglied des künstlerischen Beirats des Ministeriums für Kultur und des
Weltfriedenrates. Brecht hat viele Preise und Auszeichnungen bekommen. Endlich wurde er für
seine Arbeit anerkannt.
In der Gesellschaft in welcher er jetzt lebte kämpften „aller für alle“ und nicht mehr
„aller gegen alle“10. Brechts Werke kann man nicht in nur politische oder nur künstlerische
einzahlen. Durch alle seine Werke hat er die Gesellschaft und politische Entwicklungen
geziehen.
Brechts Arbeit war auf das Theater fokussiert, denn durch dies könnte er am besten
seinen gesellschaftlichen – künstlerischen Absichten darstellen. Von seinen c. dreißig
9
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seite162
10
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seite 164
7
Theaterstücken hatte Brecht die Hälfte nicht gesehen. Jetzt könnte er endlich seine
Inszenierungen auf der Buhne probieren.
Mit seinen Stücken „Heilige Johanna“ und „Mutter“ erreicht Brecht die Meisterschaft
seines Schaffens. In dieser Zeit arbeitet er auch auf einer Theatertheorie. Er hat auch mit seinem
kulturpolitischen und künstlerischen Einfluss sehr auf die politische Entwicklung beider Staaten
reagiert. Er hat seine Meinung durch Reden und offene Briefe geäußert.
Wenige Wochen vor seinem Tode hat Brecht gegen den Bundestag protestiert, weil
dieser die Wehrpflicht wiedereinführen wollte:
„Als ich ein junger Mann war, gab es in Deutschland eine Wehrpflicht, und ein Krieg wurde
begonnen, der verlorenging. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, aber als Mann erlebte ich, wie
sie wieder eingeführt wurde, und ein zweiter Krieg wurde begonnen, größer als der erste.
Deutschland verlor ihn wieder und gründlicher, und die Wehrpflicht wurde wieder abgeschafft.
Diejenigen, die sie eingeführt hatten, wurden von einem Weltgerichtshof gehängt, soweit man
ihrer habhaft werden konnte. Jetzt, an der Schwelle des Alters, höre ich, daß die Wehrpflicht zum
dritten Male eingeführt werden soll.
Gegen wen ist der dritte Kampf geplant? Gegen Franzosen Gegen Engländer? Gegen Russen O
d e r g e g e n D e u t s c h e? Wir leben im Atomzeitalter, und zwölf Divisionen können einen
Krieg nicht gewinnen – wohl aber beginnen. Und wie sollten es bei allgemeiner Wehrpflicht
zwölf Divisionen bilden?...
Da ich gegen den Krieg bin, bin ich gegen die Einführung der Wehrpflicht in beiden Teilen
Deutschlands, und da es eine Frage auf Leben und Tod sein mag. Schlag ich eine
Volksbefragung darüber in beiden Teilen Deutschlands vor.“11
Am 14. August 1956 ist Brecht gestorben. Er liegt auf dem Dorotheenstädtichen Friedhof
in Berlin begraben.
Lyrik
Brecht gilt als einer der einflussreichsten Lyriker des 20. Jahrhunderts. Viele Kritiker
sagten das er ein Plagiator ohne Ideen war. Es ist doch unbestritten das es ihm wie keinen
anderen deutschen Dichter gelungen hat, der Epoche des Faschismus und deren unsagbaren
Verbrechen eine angemessene kritische Stimme zu verleihen. 12 Die literarische Öffentlichkeit
11
Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963 Seiten 167 und 168
12
[Link]
8
kannte den jungen Augsburger als Gedichtschreiber noch weniger als Dramatiker. Er hatte schon
in der Schulzeit in den ersten Kriegsjahren einige seiner Gedichte in den „Augsburger Neusten
Nachrichten“ veröffentlicht. Er würde aber für die Anerkennung als Lyriker noch warten
müssen. In München war er als der Junge mit den Balladen und der Gitarre gekannt. Seine
Zuhörer sagten das sein Gesang:
“ rauh und schneidend, manchmal bänkelsängerisch krud, mit unverkennbar augsburgischem
Sprachklang, manchmal fast schön, schwebend ohne Gefühlsvibration und, in jeder Silbe, in dem
halben Ton ganz klar und deutlich.“,
war.
Brechts bekannteste Gedichtsammlungen sind:
Bertolt Brechts Hauspostille (1927)
Die Songs der Dreigroschenoper (1928)
Lieder Gedichte Chöre (1934)
Svendborger Gedichte (1939)
Kriegsfibel (1955)
Für Brechts Lyrik ist kennzeichnend, dass seine Gedichte oft nicht als Einzelstücke gedacht
waren, sondern als Sammlungen von Gedichten. 1927 nachdem er schon als Dramatiker bekannt
war, veröffentlichte Brecht seine Gedichtsammlung „Bertolt Brechts Hauspostille“. In der
Zeitschrift „Tagebuch“ hat sich Brechts Sammlung an der Liste der besten Bücher gefunden.
Dort haben es seine Kollegen Arnolt Bronnen, Arnold Zweig und Herbert Jhering gesetzt.
„Lieder Gedichte Chöre“ müsste außerhalb Deutschlands veröffentlich werden. Als
„Liederbuch der Antifaschisten“ geplant enthält das Buch viele Texte, die sich mit
Nationalsozialismus und dem „Anstreicher“ beschäftigen, wie Brecht Hitler in seinen Texten
nannte.13
1939 erschien Brechts Gedichtsammlung „Svendborger Gedichte“. Der Name kommt
von dem Haus das am Rande der dänischen Stadt Svendborgen Brechts Rückzugsort in der
Zeitspanne von 1933 bis 1939 war. Die Gedichtsammlung enthält Antikriegsgedichte,
kommunistische Aufmunterungslyrik und Notizen aus dem Dritten Reich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Brecht nur zwei Sammlungen: „Hundert
Gedichte 1918 – 1950“ und „Bertolt Brechts Gedichte und Lieder“
13
[Link]
9
Die Gedichtsammlung „Bertolt Brechts Hauspostille“
“Bertolt Brechts Hauspostille” erschien 1927 im Kiepenhauer Verlag. Der Titel „Postille“
hat sich auf die gleichnamige Sammlung von Kirchenliedern und Predigten, die in religiösen
Gemeinden zum täglichen Gebrauch in Umlauf gesetzt wurden [Link] gliederte seine Gedichte in
Lektionen. Die Gedichte geben dem Leser zielende Ratschläge und Lehren über das diesseitige
Leben nicht aufs Jenseits. Die „Hauspostille“ war in fünf Lektionen verteilt. Die ersten Auflagen
und die finale Auflage heben sich ein bisschen unterschieden. Einige Lieder könnte man in einer
aber in der neueren Auflage nicht finden. Namen mancher Gedichte würden geändert.
Das Motto der Sammlung bildet das „Schlußkapitel“; Brecht selbst empfahl in seiner
„Anleitung zum Gebrauch der einzelnen Lektionen“ ausdrücklich, „jede Lektüre in der
„Hauspostille“ mit dem Schlußkapitel zu beschließen“.
Gegen Verführung
Laßt Euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen,
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Laßt Euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in vollen Zügen!
Es wird Euch nicht genügen,
14
Bertolt Brecht, Schriftsteller der Gegenwart, herausgegeben vom Kollektiv für Literaturgeschichte im
Volkseigenen Verlag Volk und Wissen, 1962
10
wenn Ihr es lassen müßt!
Laßt Euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.
Laßt Euch nicht verführen
Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann Euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher15.
Dieses Gedicht hielt Brecht für sehr wichtig, man sieht dies weil er es spüter unter dem
Titel „Luzifers Nachtlied“ veröffentlicht hat.
Das Leitmotiv des ‚Gedichts ist die Verführung. In der christlichen Religion werden
Menschen vor der Verführung durch die sündige Welt und ihren Lüsten gewarnt. Brecht warnt in
seinem Gedicht seine Leser vor der Verführung des Glaubens an ein ewiges Leben nach dem
Tod. Es geht hier nicht nur um eine Religionskritik, das Gehalt des Gedichts ist reicher. Brecht
warnt von religiösen und nichtreligiösen Illusionen. Er ruft Menschen zur Wachsamkeit. Das
Gedicht formuliert den großen Zusammenhang von Leben und Tod, die Zusammengehörigkeit
von Lebensgenuss und Lebenskampf16. Brecht ermutigt seine Leser nein zu sagen. Nein zur
schlechter Führung, zur Verführung, usw. Er sieht diese nein als ein großes ja zur Schönheit des
Lebens.
„Gegen Verführung“ ist ein Meisterwerk der deutschen Poesie. Man kann es auch als
künstlerisches Beitrag zu einer weltlich – humanistischen Abschiedskultur ansehen. Diese
15
Bertolt Brecht, Schriftsteller der Gegenwart, herausgegeben vom Kollektiv für Literaturgeschichte im
Volkseigenen Verlag Volk und Wissen, 1962
16
www. [Link]
11
entwickelt sich unter unseren Augen. Lebenslust ohne Lebenslüge wird vom Gedicht empfehlt.
Brecht rät in seinem Werk zu Lebensfreude vereint mit Lebensernst und Melancholie.
12
Literatur
1. Bertolt Brecht, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit; Frederic Ewen; Claasen Verlag;
Auflage 1970, Hamburg und Düsseldorf
2. Bertolt Brecht, Leben und Werk; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1963
3. Bert Brecht; Willy Haas; Colloquium Verlag Berlin, Auflage 1960
4. Weimarer Beiträge; Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturtheorie; 3
Jahrgag; 1984/ 10; Aufbau – Verlag Berlin und Weimar
5. Der Lyriker Bertolt Brecht; Prof. Dr. Werner Krauss und Prof. Dr. Walter Diezte; Rutten
& Loening, berlin 1964
6. [Link]
7. Bertolt Brecht; Reinhold Grimm; J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1961
8. Bertolt Brecht, Schriftsteller der Gegenwart, herausgegeben vom Kollektiv für
Literaturgeschichte im Volkseigenen Verlag Volk und Wissen, 1962
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