Medikamente: in Der Notfallmedizin
Medikamente: in Der Notfallmedizin
Bastigkeit
Matthias Bastigkeit
unter Mitarbeit von Susanne Witzany-Pichler
»Medikamente in der Notfallmedi- vertieft, wieder neue Medika-
zin« – seit 25 Jahren das Standard- mente aufgenommen und gegen-
werk für Aus- und Fortbildung zum wärtige Diskussionen aufgegrif-
Einsatz von Pharmaka im Rettungs- fen. Die aktuellen Empfehlungen
Medikamente Medikamente
in der Notfallmedizin in der Notfallmedizin
ISBN 978-3-943174-94-6 [Link] 9., gänzlich überarbeitete Auflage
Medikamente in der
Notfallmedizin
Matthias Bastigkeit
unter Mitarbeit von Susanne Witzany-Pichler
© Copyright by Verlagsgesellschaft
Stumpf und Kossendey mbH, Edewecht 2019
Umschlagfoto: Jochen Thiele, Hamburg
Satz: Bürger Verlag GmbH & Co. KG, Edewecht
Druck: M.P. Media-Print Informationstechnologie GmbH,
33100 Paderborn
ISBN 978-3-943174-94-6
Inhalt
Abkürzungen IX
Vorwort zur 1. Auflage XV
Vorwort zur 9. Auflage XVI
Legende XVII
2 Pharmakodynamik 58
2.1 Rezeptorvermittelte P
harmakonwirkungen 58
2.2 Arzneimittelwirkungen durch B
eeinflussung
von Ionenkanälen 72
V
2.3 Hormone am Herzen?! –
hormonelle Arzneimittelwirkungen 73
2.4 Geregelter KAT im Körper – e
nzymatische
Arzneimittelwirkungen 74
2.5 Arzneimittelwirkungen am peripheren
Nervensystem 75
2.6 Dosierung 88
2.7 Nebenwirkungen 92
2.8 Arzneimittelwechselwirkungen 95
2.9 Inkompatibilitäten 101
2 Narkotika 172
3 Kreislaufwirksame Medikamente 203
4 Kardiaka 231
5 Hypnotika / Sedativa 307
6 Medikamente in der kardiopulmonalen
eanimation
R 327
6.1 Übersicht 327
6.2 Applikationswege 329
6.3 ERC-Leitlinien 331
VI
6.4 ERC-Leitlinien für das akute
Koronarsyndrom (ACS) 337
6.5 Empfehlungen der European Society of
Cardiology (ESC) zum STEMI 342
6.6 Prognoseverbesserung nach Myokardinfarkt 375
7 Broncho-Therapeutika 392
7.1 Übersicht 392
7.2 Hintergrundinformationen zum Asthma 394
7.3 Unterschiede in der Therapie und
Kernaussagen 395
9 Antidote 466
9.1 Übersicht 466
9.2 Therapiestrategien bei Vergiftungen 468
9.3 Spüllösungen bei Augenverletzungen 529
10 Antiemetika 533
10.1 Übersicht 533
10.2 Setrone (5-HT3-Antagonisten) 543
VII
11 Sonstige Pharmaka 547
12 Infusionslösungen und Plasmaersatzmittel 560
12.1 Kompensationsmöglichkeiten 561
12.2 Plasmaersatzmittel 565
12.3 Kristalloide Infusionslösungen 565
12.4 Kolloide Infusionslösungen 572
12.5 Halbelektrolytlösungen 579
12.6 Glukoselösungen 579
12.7 Pufferlösungen 580
13 Osmodiuretika 585
D Pharma-Infos 587
Anhang 695
Medikamente in der Schweiz und in Österreich 696
Medikamente im Rahmen der Notkompetenz 702
Medikamente für den Notfallsanitäter 703
Giftinformationszentren 707
Literatur 711
Abbildungsnachweis 736
Index 738
VIII
Vorwort zur 9. Auflage
Vor 25 Jahren hatte ich den Auftrag, für die Zeitschrift RET-
TUNGSDIENST eine Serie über Arzneimittel in der Notfall-
medizin zu erstellen. Zu dem Zeitpunkt gab es kein deutsch-
sprachiges Buch zu diesem Thema. Daraus entstand die Idee,
ein solches zu verfassen. Die erste Auflage hatte 314 Seiten
und wurde rasch zum Standardwerk bei der Ausbildung von
Rettungssanitätern. Diese 9. Auflage hat 750 Seiten und ist,
im Vergleich zur vorherigen, erheblich überarbeitet worden.
Alle Kapitel wurden revidiert und ergänzt. Der neuen Aus-
bildungs- und Prüfungsverordnung für den Notfallsanitäter
wurde Rechnung getragen. Die größten didaktischen Ände-
rungen sind sicherlich die Kasuistiken zu den jeweiligen
Notfallbildern. Diese unterstützen das fallorientierte Ler-
nen und stammen aus der Feder der erfahrenen Notärztin
Susanne Witzany-Pichler. Die Aussagen der aktuellen Leitli-
nien wurden integriert, die Literatur angepasst und der all-
gemeine Teil vereinfacht und erweitert.
In den letzten 25 Jahren bestand kontinuierlich ein enger
Kontakt zu den Lesern und Nutzern des Buches in Deutsch-
land, Österreich und der Schweiz. Jede Anregung ist will-
kommen und wird auch wieder in die Neuauflage einflie-
ßen.
Dem S+K-Verlag, namentlich Herrn Dr. Robert Beyer,
danke ich für die konstruktive und vertrauensvolle Zusam-
menarbeit und die Bereitschaft, dieses Buch so umfangreich
zu überarbeiten.
Matthias Bastigkeit
Im Oktober 2018
XVI
Legende
Analgetika Blut
Antidote Herz
Hypnotika Kreislauf
Narkotika Magen
Volumenersatz Niere
Atmung Bewusstsein
Atropin
________ mg/ml
˘ 595
Atropin ˘ 361
XVII
A
Allgemeine Hinweise zur
Medikamentenapplikation
3 Arzneimittellogistik
Mit der Änderung des Apothekengesetzes (ApoG, insb. § 14)
im Jahr 2002 sind die Rettungsdienste den Krankenhäu-
sern in der Versorgung mit Arzneimitteln rechtlich gleich-
gestellt worden. Im Rahmen von Qualitätssicherungsmaß-
nahmen soll der Leiter der Einrichtung eine sachkundige
Person benennen, die mit der Arzneimittelversorgung,
Beschaffung, Lagerung und Dokumentation betraut ist. Dies
ist einerseits eine Apotheke, mit der ein Arzneimittelversor-
gungsvertrag geschlossen wird, andererseits ein beauftrag-
ter Mitarbeiter, der die Organisation der Arzneimittel auf
der Rettungswache vornimmt.
Um ein Organisationsverschulden gar nicht erst entste-
hen zu lassen, sollten jedoch entsprechende Verantwortli-
che namentlich benannt werden. Die Grundsätze für eine
rechtssichere Delegation müssen dabei berücksichtigt wer-
den. Die benannte Person sollte »sachkundig« auf ihrem
Gebiet sein. Der Arzneimittelbeauftragte ist nicht nur
»Hüter der Medikamente«, er ist auch Ansprechpartner für
seine Kollegen, wenn es darum geht, über Arzneimittel zu
informieren.
6
Abb. 1 ˘ Kommissionierroboter in der Krankenhausapotheke
des Universitätsklinikums Münster
7
Damit ist rechtlich klar definiert, dass der Rettungsdienst
(als Organisation oder Wache) einer Station eines Kranken-
hauses gleichgesetzt wird. Mit allen Rechten und Pflichten!
Die Änderung des ApoG hat folgende Zielsetzungen:
˘ die Sicherung der Arzneimittelversorgung durch
einen Versorgungsvertrag,
˘ eine ortsnahe Versorgung durch Apotheken,
˘ die Festlegung der Rechte und Pflichten im Sinne
der Arzneimittelsicherheit,
˘ die Qualitätssicherung in der Arzneimittelbevor-
ratung des Rettungsdienstes,
˘ eine kostengünstige Arzneimittelversorgung.
8
Betäubungsmitteln (BtM) auf der Rettungswa-
che?
˘ Beteiligt sich der Apotheker an Fortbildungsver-
anstaltungen?
˘ Welche Rabattvereinbarung lässt sich treffen?
˘ Liefert die Apotheke auch die Verbrauchsmateri-
alien und Medizinprodukte?
˘ Hat das Apothekenpersonal Fachkenntnis im
Bereich der Versorgung in Katastrophenfällen?
9
Welche Apotheke darf liefern?
Grundsätzlich darf jede ortsnahe Apotheke die Belieferung
des Rettungsdienstes vornehmen, nachdem ein Versor-
gungsvertrag geschlossen wurde. Die Anforderungen an
die Logistik, die Lagergröße und -vielfalt sind jedoch enorm.
Krankenhausapotheken und öffentliche krankenhausver-
sorgende Apotheken verfügen bereits über die organisato-
rischen Voraussetzungen. Sie führen Notfallmedikamente,
Antidote, Betäubungsmittel, Verbandstoffe und Medizin-
produkte in ausreichender Menge. Eine 24-Stunden-Not-
dienstbereitschaft ist ebenfalls sichergestellt.
10
3.2 Lagerung von Arzneimitteln
MERKE:
Die Qualität eines Arzneimittels ist nur dann bis zum Ende
der Laufzeit garantiert, wenn die Lagerung sachgemäß ist
und die Lagerungshinweise für Arzneimittel berücksichtigt
werden.
11
Entleeren entfernt. Sinnvoll ist ein Ordner, in dem
alle Fachinformationen der gelagerten Arzneimit-
tel dokumentiert werden. Diese können online
unter [Link] geladen und gedruckt
werden.
˘ Einzelne Ampullen dürfen im Lager nicht vorge-
halten werden.
˘ Zu- und Abgänge von Arzneimitteln sind in einer
Arzneimittelliste (als Printversion oder Software)
zu dokumentieren.
12
Lagerbedingungen
Es ist vor allem auf die richtige Lagertemperatur, den Aus-
schluss von Feuchtigkeit und den Lichtschutz durch Belas-
sen der Arzneimittel in der Originalverpackung zu achten.
Temperaturbereiche ohne Zahlenangaben sind im amtli-
chen Arzneibuch wie folgt festgelegt:
Kühlkettenpflichtige Arzneimittel
Kühlkettenpflicht bedeutet, dass der vorgegebene Tempe-
raturbereich vom Hersteller bis zur Arzneimittel-Detailab-
gabestelle (innerhalb der gesamten Transportkette) sicher-
gestellt sein muss. In diese Präparategruppe fallen in erster
Linie die Lebendimpfstoffe. Hier ist nicht nur eine Unterbre-
chung der Kühlkette, sondern auch das Einfrieren zu ver-
meiden, weil dies zu Wirksamkeits- und Qualitätsverlusten
führen kann.
13
Abb. 3/4 ˘ Kühlfach im RTW
Thermometer
Die Temperaturen in den Arzneimittellagern und -kühl-
schränken müssen mit kalibrierten Thermometern (Zer-
14
B
Grundlagen der Pharmakologie
»Und ich sah in der rechten Hand des,
der auf dem Thron saß,
eine Buchrolle,
sie war innen und außen beschrieben
und mit sieben Siegeln versiegelt.«,
MERKE:
Zu den Grundlagen gehören vier elementare Fragen der
Pharmakologie:
• Wie gelangt ein Arzneimittel in den Organismus?
• Was passiert dort mit ihm?
• Was macht es dort und wie macht es das?
• Wie funktioniert das Nervensystem?
Überhaupt sind viele Wörter mit »W« wichtig für die Lehre.
Jeder Lernende (und Lehrende!) sollte sich ständig fragen:
˘ »Warum ist das so?«
˘ »Wie funktioniert das?«
˘ »Was passiert da?«
34
1 Pharmakokinetik –
echt bewegend!
Damit ein Medikament wirken kann, muss es (sachgerecht)
verabreicht werden. Die Gabe eines Arzneistoffes bezeich-
net man als Applikation (lat. applicare = anfügen, anwen-
den). Sie ist der erste Schritt beim »Schicksal eines Pharma-
kons im Körper«. Was klingt wie der Titel eines schnulzigen
Spielfilms, ist ein wichtiges Teilgebiet der Pharmakologie:
die Pharmakokinetik. Die Hauptrolle spielt das Medikament,
die Nebenrollen spielen Enzyme, Neurotransmitter und
andere Stoffe. Regie führen zwei: Sie, als Applikator, und
der Körper des Patienten. Das Gebiet der Pharmakokinetik
(griech. kinein = in Bewegung setzen) beschreibt, was mit
dem Medikament im Körper passiert, wie es sich verändert
und wie es den Körper verlässt.
Antworten auf die Fragen, was das Medikament mit dem
Körper macht, wie es wirkt, bleibt einem die Pharmakokine-
Arzneistoffzubereitung
Transport, Freisetzung
Biopharmazie
Arzneistoff im Magen-Darm-Trakt
Resorption
Arzneistoff am Wirkort
Pharmakologie Reaktion
Effekt
35
tik schuldig. Diese erfährt man durch die Pharmakodyna-
mik, doch dazu später mehr.
MERKE:
Schritte der Pharmakokinetik:
• Applikation (Verabreichung)
• Resorption (Aufnahme in den Körper)
• Distribution (Verteilung)
• Metabolisierung (Umwandlung)
• Wirkung
• Exkretion (Ausscheidung).
1.1 Arzneistoffapplikation
Der erste Schritt der Pharmakokinetik ist also die Auswahl
von Applikationsform, -art und -ort. Für den Bereich der
Notfallmedizin, in dem eine schnelle Wirkung entscheidend
ist, wird dies meist die parenterale Verabreichung (also am
Darm vorbei; griech. pará = neben und énteron = Darm) in
Form einer Injektion bzw. Infusion sein. Es leuchtet ein, dass
man einem bewusstlosen Patienten kein Arzneimittel oral
applizieren kann, da die Schluckreflexe nicht vorhanden
sind und Aspirationsgefahr besteht. Die intravasale Injek-
tion (lat. intra = in und vas = Gefäß) bietet folgende Vorteile:
˘ der Arzneistoff gelangt rasch zum Wirkort,
˘ er lässt sich exakt dosieren,
˘ die Bioverfügbarkeit beträgt meist 100%.
Nachteilig sind:
˘ der erhöhte Aufwand im Vergleich mit anderen
Applikationsarten,
˘ die erschwerte Durchführung in bestimmten Situa-
tionen (Hypovolämie, Hypotension, Säuglingsalter),
36
˘ Nebenwirkungen bei zu schneller Spritzgeschwin-
digkeit,
˘ Gewebeschäden bei paravenöser Injektion
bestimmter Wirkstoffe und
˘ Infektionen bei mangelhafter Hygiene.
37
Tab. 2: Applikationsarten
Applikationsort Applikationsart
auf die Haut epikutan (z.B. bei Allergie
tests)
auf die
Haut
Magen-Darm-Schleimhaut enteral
über den Mund (geschluckt) oral
Rektumschleimhaut rektal
Nasenschleimhaut nasal
Bronchialgewebe pulmonal
Bindehaut konjunktival
Genitalschleimhaut, weibl. intravaginal
Harnröhre intraurethral
in das Herz intrakardial
unabhängig
resorptions
38
Seien Sie neugierig, wissbegierig! Fragen Sie, forschen Sie,
schauen Sie nach, wenn etwas unklar ist!
P.o. heißt per oral oder per os (= durch den Mund). Nifedi-
pin-Kapseln werden vom Patienten zerkaut oder vom Ret-
tungsdienstpersonal angestochen, anschließend wird der
Inhalt mit Kapselhülle geschluckt. Der Wirkstoff wird oral
und nicht sublingual aufgenommen. Dies ist sinnvoller, da
die Resorption aus dem Magen rascher und vollständiger
verläuft. Der Beipackzettel wurde vor mehr als 15 Jahren
entsprechend geändert. Nitroglycerin hingegen wird sub-
lingual besser aufgenommen.
39
2.6 Dosierung
Die verabreichte Menge eines Arzneimittels sollte so
gewählt sein, dass sie zwar den gewünschten Effekt aus-
löst, jedoch keine schädlichen Nebenwirkungen auftreten.
Die Höhe der Dosis ist von vielen Faktoren abhängig, die
bei der Applikation berücksichtigt werden müssen. Körper-
gewicht, Lebensalter, Begleiterkrankungen, eingeschränkte
Organfunktionen sind nur einige davon.
Um sofort eine große Menge Wirkstoff im Körper anzu-
reichern, wird die erste Dosis, die Initialdosis, relativ hoch
gewählt. Die Erhaltungsdosis hingegen dient der Aufrecht-
erhaltung der Arzneimittelwirkung. Die ideale Dosierung
wird unter anderem bestimmt durch die therapeutische
Breite des Pharmakons (s.u.).
Die Dosierung wird u.a. bestimmt durch folgende Fakto-
ren:
˘ die Körpermasse,
˘ das Lebensalter,
˘ das Geschlecht,
˘ genetische Faktoren (Phänotyp, »Rasse«) und
˘ die Funktionsfähigkeit der Ausscheidungsorgane
(Leber, Niere etc.).
2.6.1 Halbwertzeit
Die Halbwertzeit (HWZ, t1/2) sagt aus, nach welcher Zeit die
Hälfte des Arzneistoffes vom Körper abgebaut worden ist.
Eine HWZ von 60 Minuten bedeutet: nach einer Stunde sind
50% des Wirkstoffes abgebaut. Beispielsweise hat das Seda-
tivum Diazepam eine HWZ von 70 (!) Stunden, ist dann erst
zur Hälfte abgebaut. Doch selbst bei der geschicktesten Ter-
minplanung hat der Tag (leider) nur 24 Stunden. Wenn der
88
Patient jeden Tag sein Präparat bekommt, wird was passie-
ren? Es kumuliert!
Ganz wichtig: Die Halbwertzeit ist nicht die Wirkdauer!!
Werden 10 mg eines Arzneistoffes mit einer Halbwert-
zeit von 70 Stunden verabreicht, sind nach dieser Zeit noch
5 mg im Körper vorhanden. Nach weiteren 70 Stunden sind
jedoch nicht etwa 2,5 mg übrig. Die Halbwertzeit bezieht
sich auf die erste Passage durch den Körper, den sog. First-
Pass-Effekt. Wie viel nach einer 2. »Runde« noch vorhanden
ist, kann nicht vorhergesagt werden. Diazepam mit seiner
HWZ von etwa 70 Stunden wirkt angstlösend, krampflö-
send, beruhigend, sorgt für Erinnerungslücken (amnestisch)
und hebt die zerebrale Krampfschwelle (antikonvulsiv). Jede
dieser Wirkungen hält unterschiedlich lange an. Ein ande-
res Beispiel ist das Antiarrhythmikum Amiodaron. Es hat
eine HWZ von 100 Tagen (!) und – bei i.v. Applikation – eine
Wirkdauer von 3 – 8 Minuten (!). Diese extremen Unter-
schiede erklären sich dadurch, dass der Wirkstoff sich zwar
lange im Körper aufhält, aber sich nicht im Plasma befindet.
Die Wirkung dauert nur so lange an, wie sich die Substanz
am Wirkort, häufig an Rezeptoren, befindet. Amiodaron ver-
bleibt 100 Tage oder länger zwar im Fettgewebe, aber nicht
am Wirkort.
MERKE:
Arzneimittel in der Notfallmedizin sollten schnell und kurz
wirken, dies wird als gute Steuerbarkeit bezeichnet.
89
kon sicher wirkt. Dieser Bereich wird nach unten begrenzt
durch die minimale therapeutische Konzentration (ab da
beginnt gerade eben die Wirkung) und nach oben durch die
minimale toxische Konzentration (ab da wird’s gefährlich).
Das Schmerzmittel Paracetamol beispielsweise wirkt beim
Menge
Therapeutische Breite
HWZ (t 1/2) Zeit
c
minimal-toxische Konzentration
therapeutische
Breite
minimal-therapeutische
Wirkdauer Konzentration
90
Erwachsenen ab einer Dosis von 0,5 g. Die Tagesdosis liegt
bei maximal ca. 4 g. Ab einer Dosis von 15 g können Vergif-
tungserscheinungen auftreten. Das bedeutet, wenn man die
Tagesdosis vervierfacht, wird es bereits kritisch. Das Analge-
tikum hat somit eine enge therapeutische Breite. Dies belegt
auch die Tatsache, dass es in England auf der »Hitliste« der
Suizidmittel steht. Ein weiteres, klassisches Beispiel sind die
Herzglykoside aus der Fingerhutpflanze. Bei diesen Digita-
lispräparaten reicht eine Verdreifachung der Dosis, um toxi-
sche Effekte auszulösen. Ein Unterschreiten der minima-
len therapeutischen Konzentration hat zur Folge, dass eine
gewünschte Hauptwirkung ausbleibt. Dennoch kann es zu
unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Werden statt
20 nur 10 Tropfen eines Opioidanalgetikums eingenom-
men, kann dies ausreichen, um Übelkeit zu erzeugen, nicht
jedoch, um analgetisch zu wirken.
Die Größe der Dosis ist von vielen Faktoren abhängig, die
bei der Applikation berücksichtigt werden müssen. Neben
Körpergewicht, Lebensalter, Begleiterkrankungen, einge-
schränkten Organfunktionen ist auch ein veränderter Volu-
menstatus mit geringerem Verteilungsvolumen bedeutsam,
da hierbei die Gefahr einer Überdosierung besteht.
Die ideale Dosierung wird unter anderem bestimmt
durch die therapeutische Breite des Pharmakons. Ein wei-
terer limitierender Faktor bei der Dosierung sind die Halb-
wertzeit und die Wirkdauer des Arzneistoffes. In der Praxis
wird sehr häufig nach Wirkung titriert, d.h. man tastet sich
durch kleine Bolusgaben an die gewünschte Wirkung heran,
wobei zwischen den Gaben der Wirkeintritt abgewartet
werden muss.
91
BEACHTE:
Der Wirkeintritt kann durch Faktoren wie z.B. Schock oder
vermindertes Herzzeitvolumen verzögert sein, sodass man
Gefahr läuft, zu schnell zu viel zu verabreichen.
PRAXISTIPP:
Die 5R-Regel
Sehr wichtig! Vor jeder Verabreichung eines Medikaments
soll man sich folgende fünf Fragen stellen:
1. Richtiger Patient?
2. Richtiges Medikament?
3. Richtiger Zeitpunkt?
4. Richtige Dosierung?
5. Richtige Applikationsart?
2.7 Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind Wirkungen eines Arzneimittels, die
neben der Hauptwirkung auftreten (Nomen est omen). Im
allgemeinen Sprachgebrauch sind damit unerwünschte
Wirkungen gemeint. Man kann sie in verschiedene Grup-
pen einteilen:
92
C
Spezielle Pharmakologie
300 ¯
2 Narkotika
Übersicht
In dieser Gruppe werden Präparate zusammengefasst, die
zur Einleitung einer Narkose verwendet werden. Erwähnt
werden:
date® narkotikum
Fentanyl Fentanyl® Neurolept- S. 624
Narkotikum
Propofol Propofol-® Allgemein S. 669
Lipuro anästhetikum
Suxame- Lysthenon® depolarisie- S. 676
thonium- rendes Muskel-
chlorid/ relaxans
Succinyl-
cholin
Thiopental Trapanal® Barbiturat S. 679
Vencuroni- Norcuron® peripheres S. 689
umbromid Muskelrelaxans
172
esKETAmin
________ mg/ml
˘ 617
Zusammensetzung
Eine Injektionsflasche Ketanest® S enthält 5 mg (5 und
20 ml) bzw. 25 mg (2 und 10 ml) Esketaminhydrochlorid
pro ml. Weiterhin gibt es Generikazubereitungen in unter-
schiedlichen Dosierungen.
Indikation
˘ als Kurznarkotikum für diagnostische und thera-
peutische Eingriffe,
˘ zur Analgesie bei der Rettung von eingeklemmten
Patienten,
˘ therapieresistenter Status asthmaticus und
Narkotika
˘ gut geeignetes Analgetikum für den MANV.
Narkoseeinleitung
Indikationen zur präklinischen Narkoseeinleitung sind
Polytrauma, schwere Verbrennungen, ausgeprägter Schock-
zustand und nicht beherrschbarer Status asthmaticus.
Die Vorteile einer Narkoseeinleitung mit Intubation
sind ein sicherer Aspirationsschutz, eine optimale Ventila-
tion und eine effektive Analgesie. Wie jedes invasive medi-
zinische Verfahren sind auch bei der Narkose Nachteile und
Kontraindikationen zu beachten. Die Methode stellt beson-
dere Anforderungen an Material und Rettungsdienstperso-
nal. Die Narkose am Notfallort birgt eine Reihe von Risiken:
˘ Hypoxie,
˘ Blutdruckabfall,
˘ Fehlintubation,
˘ Erbrechen,
˘ Aspiration und
˘ Überempfindlichkeitsreaktionen können auftreten.
173
esKETAmin
________ mg/ml
617 ¯
Analgesie
Als Analgetikum ist Ketanest® S bei Schmerzen indiziert, die
durch Verletzungen der Extremitäten sowie Verbrennung
hervorgerufen wurden. Viszerale Schmerzen werden eben-
falls beeinflusst. Wegen des Erhalts der Spontanatmung und
der Schutzreflexe sowie der Möglichkeit der i.m. Gabe eignet
sich Esketamin sehr gut für den MANV mit eingeschränkten
Monitoring-Möglichkeiten. Es wird deshalb häufig für den
MANV/Katastrophenfall vorgehalten.
Wirkung
Esketamin ist ein Narkotikum mit kurzer Wirkdauer. Es ist
Narkotika
an
gelschoc
ar
N k
Herzfrequenz
HZV
art. Druck zentrale Stimulation
se A
ncholy
Anregung der
Esketamin
na
β-Stimulation
lgesi
Opioidrezeptoren
Bro e
zerebrale Vasodilation
Sauerstoffverbrauch
Hirnstoffwechsel
Hirndurchblutung
N ar ose
k
174
esKETAmin
________ mg/ml
˘ 617
Narkotika
Hirnstoffwechsels und des intrakraniellen Drucks,
wobei die Hirndurchblutung leicht herabgesetzt
wird. Der genaue Wirkmechanismus ist noch unge-
klärt. Diskutiert werden cholinerge Mechanismen
sowie die Beteiligung von Opioidrezeptoren.
˘ Durch eine Anregung der Kreislauffunktionen
kommt es zu einem Anstieg der Herzfrequenz, des
Herzminutenvolumens mit erhöhtem Sauerstoff-
verbrauch und des arteriellen Drucks.
˘ Da die Schmerzhemmung durch Opiatantagonis-
ten aufhebbar ist, vermutet man, dass die Anal-
gesie durch eine Beeinflussung der Opiatrezepto-
ren ausgelöst wird. Bei diesem Rezeptortyp nimmt
man eine weitere Unterteilung vor. Esketamin bin-
det nur an den Typ, der für die Analgesie zuständig
ist. Der Rezeptortyp, der für eine Suchterzeugung
und eine Atemdepression verantwortlich ist, wird
nicht besetzt. Die Analgesie tritt bereits bei Dosen
ein, die unterhalb der anästhesierenden Wirkung
liegen.
175
esKETAmin
________ mg/ml
617 ¯
176
esKETAmin
________ mg/ml
˘ 617
Narkotika
˘ anterograde Amnesie geringer,
˘ Konzentrationsfähigkeit weniger beeinflusst und
˘ höhere analgetische und anästhetische Potenz.
177
esKETAmin
________ mg/ml
617 ¯
Dosierung
BEACHTE:
Narkotika werden nach der Beurteilung der Narkosetiefe
dosiert. Es können deshalb nur Richtwerte genannt wer-
den.
Nebenwirkungen
˘ Bei sehr rascher i.v. Injektion ist eine Atemdepres-
sion möglich.
˘ Durch die sympathomimetische Wirkung kann
es zu Blutdruckanstieg (häufig) und Tachykar-
die (erhöht um +15 Schläge/min) kommen. Diese
178
esKETAmin
________ mg/ml
˘ 617
Narkotika
schen sinnvoll.
˘ Der Hirndruck kann bei nicht ausreichender Oxyge-
nierung ansteigen. Diese Gefahr ist vermutlich beim
Ketamin stärker ausgeprägt als beim Esketamin.
Kontraindikationen
Ketanest® S wirkt sich ungünstig auf den myokardialen
Sauerstoffverbrauch aus, weshalb die Gabe bei Herzinfarkt
kontraindiziert ist. Beim Schädel-Hirn-Trauma mit fehlen-
der Beatmungsmöglichkeit sowie bei Apoplex darf das Nar-
kotikum wegen seiner hirndrucksteigernden Eigenschaften
nicht gegeben werden.
Interaktionen
Gemeinsam mit Schilddrüsenhormonen können schwere
Hypertonien und Tachykardien auftreten.
Inkompatibilitäten
Saure Injektionslösungen können Esketamin inaktivieren,
beispielsweise Midazolam.
179
Narkotika
617 ¯
180
Tab. 6: Intranasale Analgosedierung mit Ketamin und Midazolam
Zwingend Verwendung von Ketamin-Ampullen mit 50 mg/ml (z.B. 100 mg/2 ml), alternativ von S-Ketamin-Ampul-
len mit 25 mg/ml (z.B. 50 mg/2 ml). Die mg-Dosierungen gelten nur für Ketamin, bei S-Ketamin müssen sie also
halbiert werden. Die ml-Angaben sind aber bei beiden Mitteln identisch, pro Nasenloch wird die Hälfte gegeben!
mg Ketamin mg S-Ketamin ml
Dosierung intranasal: 1,0 – 3,0 – 5,0 mg/kg KG 0,5 – 1,5 – 2,5 mg/kg KG 0,02 – 0,06 – 0,1 ml/kg KG
Körpergewicht:
10 kg 10 – 30 – 50 mg 5 – 15 – 25 mg 0,2 – 0,6 – 1,0 ml
15 kg 15 – 45 – 75 mg 7,5 – 22 – 37 mg 0,3 – 0,9 – 1,5 ml
20 kg 20 – 60 – 100 mg 10 – 30 – 50 mg 0,4 – 1,2 – 2,0 ml
25 kg 25 – 75 – 100 mg (125 mg) 12,5 – 37 – 50 mg (62 mg) 0,5 – 1,5 – 2,0 ml (2,5 ml)
30 kg 30 – 90 – 100 mg (150 mg) 15 – 45 – 50 mg (75 mg) 0,6 – 1,8 – 2,0 ml (3,0 ml)
35 kg 35 – 100 mg (175 mg) 15 – 50 mg (90 mg) 0,7 – 2,0 ml (3,5 ml)
40 kg 40 – 100 mg (200 mg) 20 – 50 mg (100 mg) 0,8 – 2,0 ml (4,0 ml)
45 kg 45 – 100 mg (225 mg) 20 – 50 mg (110 mg) 0,9 – 2,0 ml (4,5 ml)
50 kg 50 – 100 mg (250 mg) 25 – 50 mg (125 mg) 1,0 – 2,0 ml (5,0 ml)
esKETAmin
________ mg/ml
Körpergewicht:
10 kg 2,0 – 3,0 mg 0,4 – 0,6 ml
15 kg 3,0 – 4,5 mg 0,6 – 0,9 ml
20 kg 4,0 – 6,0 mg 0,8 – 1,2 ml
25 kg 5,0 – 7,5 mg 1,0 – 1,5 ml
30 kg 6,0 – 9,0 mg 1,2 – 1,8 ml
35 kg 7,0 – 10 mg (10,5 mg) 1,4 – 2,0 ml (2,1 ml)
40 kg 8,0 – 10 mg (12,0 mg) 1,6 – 2,0 ml (2,4 ml)
45 kg 9,0 – 10 mg (13,5 mg) 1,8 – 2,0 ml (2,7 ml)
ab 50 kg* 10 mg 2,0 ml
* Bei schwereren Patienten ist die Dosis formal unterdosiert, es könnte höher dosiert werden. Bei 2 ml ist jedoch das applizierbare
Volumen pro Nasenloch erreicht.
181
˘ 617
Narkotika
esKETAmin
________ mg/ml
617 ¯
Kasuistik: Sprunggelenksluxationsfraktur
An einem regnerischen Vormittag wird das NEF von einem
RTW nachgefordert. Eine ca. 50-jährige Dame sei mit dem
Rad gestürzt und habe sich den linken Knöchel verletzt,
welcher jetzt eine bizarre Fehlstellung aufweise. Die Pati-
entin habe jegliche Manipulation am Sprunggelenk auf-
grund der Schmerzen untersagt. Beim Eintreffen des NEF
findet sich die Radfahrerin am Radweg sitzend. ABC sind
unauffällig. Die Patientin klagt über stärkste Schmerzen
(VAS 8) im linken Sprunggelenk, die Zehen seien »ganz
taub«. Zweifelsfrei muss das Sprunggelenk möglichst rasch
reponiert werden, damit es zu keiner weiteren Schädigung
von Nerven, Gefäßen und Weichteilen kommt. Während
Narkotika
Vorgehen:
Im Hintergrund hält die Mannschaft des RTW Sauerstoff,
Beatmungsbeutel, Absauggerät und Schienungsmaterial
bereit. Natürlich wird die Patientin monitorisiert, die Werte
sind weitgehend normal. Beim Legen eines intravenösen
Zugangs und Anschließen einer Vollelektrolytlösung er-
klärt der Notarzt der Patientin kurz das weitere Vorgehen:
»Sie bekommen jetzt eine kurze Rauschnarkose, weil wir ihr
Sprunggelenk einrichten und schienen müssen. Anschlie-
ßend bringen wir Sie ins nahe gelegene Krankenhaus xy.«
Er verabreicht der ca. 60 kg schweren Dame zunächst 5 mg
Midazolam i.v. Nach ca. einer Minute ist die Wirkung sicht-
bar, die Patientin wird ruhiger und leicht schläfrig. Somit
ist der richtige Zeitpunkt für 37,5 mg Esketamin (das sind
182
esKETAmin
________ mg/ml
˘ 617
Narkotika
gesie erhält sie eine Infusion mit einem nichtsteroidalen
Antirheumatikum (75 mg Diclofenac, möglich wären z.B.
auch Metamizol oder – weniger potent – Paracetamol i.v.).
Während des Transports beginnt die Radfahrerin langsam
aufzuklaren, sie gibt keine Schmerzen an, an das Reposi-
tionsmanöver oder gar Schmerzen dadurch kann sie sich
nicht erinnern. Die Vitalwerte sind durchgehend stabil, und
die Patientin kann nach problemlosem Transport dem KH-
Team übergeben werden.
183
Fenoterol
________ mg/ml
622 ¯
Zusammensetzung
Ein Sprühstoß des Dosieraerosols Berotec® enthält 0,1 mg
Fenoterolhydrobromid.
Indikation
Therapie von Asthma bronchiale.
Wirkung
˘ Fenoterol gehört zur Gruppe der β-Sympathomime-
tika. Es stimuliert vorwiegend die β2-Rezeptoren.
˘ In üblicher Dosierung als Dosieraerosol hat dies
eine Erschlaffung der glatten Muskulatur der Bron-
chialgefäße zur Folge und damit die Aufhebung
eines Asthmaanfalls.
˘ Darüber hinaus hemmt es über einen anderen
Wirkmechanismus die Freisetzung von broncho-
konstriktorisch wirksamen Mediatoren im Rahmen
einer allergischen Reaktion.
˘ Durch eine Förderung der Zilienfunktion des Flim-
Broncho-Therapeutika
402
Fenoterol
________ mg/ml
˘ 622
Dosierung
Erwachsene erhalten im akuten Anfall von Atemnot einen
Aerosolstoß. Hat sich die Atmung nach 5 Minuten nicht
gebessert, kann eine zweite Inhalation erfolgen. Die nächste
Anwendung soll frühestens nach 3 Stunden erfolgen.
Histamin- Vagusreflex
ausschüttung
Wirkung
Hemmung
Hemmung
Broncho-Therapeutika
Bronchokonstriktion
Broncholyse
Anregung v. β2-Rezeptoren
Fenoterol
Nebenwirkung
in hoher Dosis
Anregung
Anregung
403
Fenoterol
________ mg/ml
622 ¯
BEACHTE:
Eine häufigere und damit höher dosierte Gabe hat keine
weitere bronchospasmolytische Wirkung und erhöht ledig-
lich die Gefahr kardialer Komplikationen.
Die Wirkung tritt schnell ein, hat nach 2 bis 5 Minuten ihr
Maximum erreicht und hält bis zu 8 Stunden an.
Ist der Patient wegen schwerer Atemnot nicht in der
Lage, das Spray tief zu inhalieren, so kann es in die Mund-
höhle gesprüht werden, wo es resorbiert und geschluckt
wird. Ist danach eine effektive pulmonale Applikation mög-
lich, erfolgt ein weiterer Sprühstoß.
Nebenwirkungen
˘ Da sich nicht nur in den Bronchialgefäßen, sondern
auch in der Skelettmuskulatur β2-Rezeptoren befin-
den, die durch Fenoterol angeregt werden, kann es
zu Unruhe und Muskeltremor kommen.
Broncho-Therapeutika
404
Fenoterol
________ mg/ml
˘ 622
Broncho-Therapeutika
405
Ipratropiumbromid
________ mg/ml
636 ¯
Zusammensetzung
Ein Einzeldosenbehälter Atrovent® zu 2 ml Lösung enthält:
261 μg Ipratropiumbromid 1 H2O (entspricht 250 μg Ipratro
piumbromid).
Indikation
Zur Verhütung und Behandlung von Atemnot bei
˘ chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)
und
˘ leichtem bis mittelschwerem Asthma bronchiale
im Erwachsenen- und Kindesalter sowie
˘ als Ergänzung zu β2-Mimetika im akuten Asthma-
anfall.
Wirkung
Nach der Inhalation erfolgt in der Regel eine Deposition von
10 bis 30% der Dosis in der Lunge, je nach Formulierung und
Inhalationstechnik. Von einer vernebelten Lösung gelangt
mehr Wirkstoff in die Alveolen als von einem Dosieraerosol.
Broncho-Therapeutika
Dosierung
˘ »Erwachsene und Jugendliche > 12 Jahre:
Die inhalative Einzeldosis liegt bei 0,25 mg Ipra-
tropiumbromid, entsprechend 1 Eindosisbehäl-
406
D
Pharma-Infos
147 ¯ Acetylsalicylsäure
AcetylSalicylSäure Markenname:
________ mg/ml
Aspirin® i.v. und Generika
Zusammensetzung:
• 1 Inj.-Flasche enthält als Trockensubstanz 0,9 g DL-Lysin-
monoacetylsalicylat = 0,5 g Acetylsalicylsäure.
• 1 Amp. mit Lösungsmittel enthält 5 ml Wasser für Injek
tionszwecke.
Indikation:
• Plättchenhemmung bei akutem Koronarsyndrom,
• Schmerzzustände,
• Thromboseprophylaxe.
Wirkung:
• Prostaglandinhemmer mit analgetischer, antipyretischer,
antiphlogistischer und thrombozytenaggregationshem-
mender Wirkung.
Dosierung:
• akutes Koronarsyndrom: 150 – 300 mg als Kautablette
oder i.v.;
• 1 Inj.-Flasche (0,5 g Acetylsalicylsäure) langsam i.v., bei
starken Schmerzen doppelte Dosis;
• auch als Kurzinfusion möglich.
Nebenwirkungen:
• Magenbeschwerden,
• Blutungen,
• bei Überempfindlichkeit Bronchokonstriktion,
• Reye-Syndrom bei Kindern (sehr selten).
Kontraindikationen:
• Magen-Darm-Ulcera,
• erhöhte Blutungsneigung,
• Asthma bronchiale,
• Gravidität (letztes Trimenon),
• Kinder unter 12 Jahren mit Fieber (Auslösung des
Reye-Syndroms!).
Interaktionen:
• Wirkungsverstärkung von gerinnungshemmenden
(Phenprocoumon [Marcumar®]!) und
• blutzuckersenkenden Arzneimitteln,
Pharma-Infos
588
Adenosin ˘ 232
Markenname: aDENOsin
________ mg/ml
Adrekar®
Zusammensetzung:
• 1 Inj.-Flasche zu 2 ml enthält 6 mg Adenosin.
Indikation:
• paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien.
Wirkung:
• negativ chronotrop, inotrop, dromotrop.
Dosierung:
• Initialdosis: 6 mg als Bolus i.v., sofort nachspülen
• Repetition: 12 mg nach 1 – 2 Minuten,
• bei weiterer Erfolglosigkeit: 12 mg nach jeweils 1 – 2
Minuten.
Nebenwirkungen:
• Steigerung der Atemfrequenz,
• Bronchokonstriktion bei Prädisposition,
• Flush,
• pektanginöse Beschwerden,
• Rhythmusstörungen.
Kontraindikationen:
• AV-Block II. oder III. Grades,
• Sick-Sinus-Syndrom,
• obstruktive Lungenerkrankungen,
• verlängertes QT-Intervall,
• Vorhofflimmern oder -flattern.
Pharma-Infos
589
349 ¯ Adrenalin / Epinephrin
Adrenalin Markenname:
________ mg/ml
Suprarenin® und Generika, Infectokrupp® Inhal
EPINEPHrin
________ mg/ml
Zusammensetzung:
• 1 Amp. Suprarenin® zu 1 ml enthält 1 mg;
• 1 Amp. Adrenalin 1:10.000 Mini-Ject® zu 10 ml enthält
1 mg Adrenalin;
• Infectokrupp® Inhal Inhalationslösung/Spray zur Thera-
pie des Kruppanfalls: 1 ml enthält 7,28 mg Epinephrin
hydrogentartrat, das entspricht 4 mg Epinephrin.
Indikation:
• schwere anaphylaktische Reaktionen,
• kardiopulmonale Reanimation,
• Pseudokrupp (Infectokrupp® Inhal).
Wirkung:
• Engstellung der peripheren Gefäße (α-Rezeptoren),
• Erhöhung der Herzkraft- und der Herzfrequenz (β1-Rezep-
toren),
• Erweiterung der Bronchialgefäße (β2-Rezeptoren),
• lokal abschwellend (Inhalation).
Dosierung:
• bei Kreislaufstillstand initial 1 mg Adrenalin i.v. (= 10 ml
1:10 verdünnt),
• bei Kleinkindern 0,01 – 0,02 mg/kg KG (!);
• bei allergischem Schock 0,5 mg i.m. (Erwachsene; Kinder-
dosierung s. Text),
• evtl. weiter mit 0,1 mg-Boli i.v.
Nebenwirkungen:
• Tachykardie,
• Gefahr von Rhythmusstörungen.
Kontraindikationen:
• tachykarde Rhythmusstörungen.
Interaktionen:
• nicht zusammen mit alkalischen Lösungen (Natriumhy-
Pharma-Infos
drogenkarbonat) verabreichen.
590
Ajmalin ˘ 244
Markenname: aJMALin
________ mg/ml
Gilurytmal® und Generika
Zusammensetzung:
• 1 Amp. zu 10 ml enthält 50 mg Ajmalin.
Indikation:
• ventrikuläre und supraventrikuläre Extrasystolie,
• Tachykardie,
• WPW-Syndrom (auch differenzialdiagnostisch).
Wirkung:
• Antiarrhythmikum, das u.a. den schnellen depolarisieren-
den Natriumeinstrom verhindert und das Aktionspoten-
zial verlängert.
Dosierung:
• 1 Amp. zu 10 ml langsam i.v. (> 5 min) unter EKG-Kon
trolle;
• Perfusor®: 0,5 – 1 mg/kg KG/h mit 30 ml Trägerlösung (=
10 mg/ml), Dosisreduktion bei dekomp. Herzinsuffizienz
und eingeschränkter Leberfunktion auf 10 – 30 mg/h.
Nebenwirkungen:
• Bradykardie,
• Blutdruckabfall,
• Herzinsuffizienz,
• AV-Block.
Kontraindikationen:
• Bradykardie,
• Tachykardie mit Herzdekompensation (außer Myokard
infarkt).
Pharma-Infos
591
M. Bastigkeit
Matthias Bastigkeit
unter Mitarbeit von Susanne Witzany-Pichler
»Medikamente in der Notfallmedi- vertieft, wieder neue Medika-
zin« – seit 25 Jahren das Standard- mente aufgenommen und gegen-
werk für Aus- und Fortbildung zum wärtige Diskussionen aufgegrif-
Einsatz von Pharmaka im Rettungs- fen. Die aktuellen Empfehlungen
Medikamente Medikamente
in der Notfallmedizin in der Notfallmedizin
ISBN 978-3-943174-94-6 [Link] 9., gänzlich überarbeitete Auflage