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Faust 13

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Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich zu dieser 13.

Und leider schon letzten


Vorlesung. Zumindest in diesem Semester zum Fauststoff.
In der vergangenen Sitzung habe ich Ihnen August klingemanns Faust als Beispiel für ein
Bühneneffekte gekonnt einsetzendes schauerromantisches Drama mit einer gewissermaßen
gewendeten Höllenbegierigen Faustfigur vorgeführt. Ebenso wie 2 könnte man sagen
Ideendamen oder Ideenstücke, die zwischen Biedermeier.
Herz angesiedelt sind Gravis, Don Juan und Faust. Der 2 radikal entgegengesetzte
Figurenkonzepte gewissermaßen miteinander und gegeneinander vorführt. Der eine, der nur
reflexiv Welt nicht genießen kann, der andere, der nur genießend Reflexionslos.
Bleibt und genauso scheitert wie der erste der Faust Typus Lenau. Dramatisch epische
Rhapsodie, so will ich sie mal bezeichnen, führte ähnlich wie Friedrich Maximilian Klingers
Roman eine Bilderserie der wachsenden Verzweiflung angesichts der Erlösungsfähigkeit, der
Erlösungsunfähigkeit des Menschen.
Sagen ein düsteres Stück Literatur.
Ganz im Gegensatz zu dem.
Was ich heute mache? Beide Texte, die heute im Zentrum stehen, setzen dieser Düsternis in
gewisser Weise etwas entgegen.
Zunächst.
Ein Überblick über das, was ich heute mache. Ich werde am Ende mindestens einen kleinen
Ausblick geben auf dasjenige, was ihnen im nächsten Semester blüht. Ich habe zumindest
angefangen, darüber nachzudenken. Heinrich Heine, der Doktor Faust.
Ein Tanzpoemer.
Hier die Titelseite.
Des Erstdrucks 1851 mit der Titel Illustration.
Ein Tanzpoemler.
In seiner einleitenden Bemerkung zuerst Publikation seines Faust, notiert Heinrich Heine zu
Beginn.
Danke.
In seiner einleitenden Bemerkung zuerst Publikation seines Faust, notiert Heinrich Heine zu
Beginn.
Herr Lamley Benjamin Lamley, Direktor des Theaters Ihrer Majestät der Königin zu London,
forderte mich auf, für seine Bühne ein Ballett zu schreiben. Und diesem Wunsche will fahrend
dichtete ich das nachfolgende Poem, Ich nannte es Dr. Faust, ein tanzpoem knapp referiert
Heine weiter in dieser einleitenden Bemerkung, warum das Poem?
Nicht als Ballett zur Aufführung gelangen konnte. Das hatte vor allem Truppenspezifische,
Theatertruppen oder Ballett Truppenspezifische interne Probleme zum Grund. Was uns hier
aber nicht weiter interessieren soll. Was uns aber interessiert ist, dass Heine in einem
Begleitbrief an Lamley auch darauf verweist, seine Vorbemerkung sowohl ihm verfügbare
Informationen.
Über den oder über einen mythischen Faust sowie auch über die literarische Karriere dieser
Figur liefert eine für die Mitte des 19 Jahrhunderts unglaublich kenntnisreiche Darstellung des
gesamten Fauststoffs. Wenn ich die zu Beginn meiner Vorlesung vorgelesen hätte, hätte ich mir
gewissermaßen die halbe Vorlesung sparen können, aber wir hätten nicht so intensiv in die
Texte hinein geschaut.
Der Begleitbrief Heines zu seinem Faust ist um ein Viertel länger als sein ganzes Libretto, also
das, was er philologisch erarbeitet und darstellt, ist viel ausführlicher als das Libretto für das
Ballett.
Zum goetheschen Faust, vor allem zum goetheschen Faust 2 verhielt Heine sich äußerst
kritisch. Ich habe über den zweiten Teil des Goethes Faust etwas mürrisch abgeurteilt, aber ich
kann wirklich nicht Worte finden, um meine ganze Bewunderung auszusprechen über die Art
und Weise, wie die schöne Helena darin behandelt ist. Hier blieb Goethe auch dem Geiste der
Sage getreu, was leider, wie ich schon bemerkt, so selten bei ihm der Fall, ein Tadel den.
Oft genug wiederholen kann, was die Faustfigur angeht, was etwa die Prometheusfigur angeht.
Was die Ganymed Figur angeht, weicht Goethe grundsätzlich weit von der mythologischen
Fabel ab, bei der Helena Soheine bleibt er nah dran, und das sei gut, auch bei Heine wird
Helena eine bedeutende, der Goetheschen, nicht unähnliche Rolle spielen, aber schauen wir
doch erst einmal, was bei Heine alles passiert.
Wieder beginnt alles in Fausts Studierzimmer, nachdenklich im hohen Lehnstuhl erhebt er sich
und schließt den sogenannten Höllenzwang, also das immer mit einer dicken Kette gesicherte
Beschwörungsbuch.
Auf und bringt es zu seinem Tische. Das ist jetzt alles natürlich nur szenische Beschreibung
dessen, was auf dem Ballett passieren soll, gewissermaßen eine stumme Handlung, die getanzt
wird, und das sehen wir auch immer wieder, die Beschwörungen, die Faust vollzieht, haben
unterschiedliche, höllisch bestialische Erscheinungen zur Folge, die er stets als lächerlich
ablehnt, schließlich aber.
Schwindet plötzlich die Dunkelheit? Das Zimmer erhält sich mit unzähligen Lichtern statt des
Donnerwetters ertönt die Lieblichste Tanzmusik und aus dem geöffneten Boden wie aus einem
Blumenkorb steigt hervor eine Balletttänzerin, gekleidet im gewöhnlichen Gaza und
Trikotkostüme und um Hergaukelnd in den Banalsten Pirouetten.
Das Libretto skizziert Fausts unmittelbare Reaktionen, Befremden darüber, dass, so Heine, der
beschworene Teufel Mephistopheles keine unheilvollere Gestalt annehmen konnte als diejenige
einer Balletttänzerin. Zitat Ende dann empfindet Faust jedoch Wohlgefallen an der Zitat lächelnd
anmutigen Erscheinung, augenzwinkernd nennt der Librettist dieses Tanzpoems die Teufelinne
Forthin mephistophela Wir haben also
eine Mephistophela in diesem Tanzquoem, und zwar den ganzen Text hindurch mit einem
Zauberstab verwandelt sie alle Gegenstände des Zimmers, Zitat aufs Ergötzlichste bevor Faust
aber einen Pakt packt, den sie ihm hinhält, unterschreiben will, will er alle übrigen höllischen
Mächte sehen, und sie zaubert sie herbei, Ungetüme mit Tierfratzen, fabelhafte Mischlinge des
skurrilen und furchtbaren, die meisten mit Kronen auf den Köpfen und Zeptern in den Tatzen
zerrissen.
Einher Wackelnd beginnen die Unterweltlichen Majestäten ihren plumpen Reigen.
Doch in dem Mephistopheler sie mit dem Zauberstabe berührt, fallen die hässlichen Hüllen
plötzlich von ihnen und sie verwandeln sich ebenfalls in lauter zierliche Balletttänzerinnen, die in
Gaza und Trikot und mit Blumen hier landen. Dahin flattern. Schließlich zaubert Mephistophela
in einem Spiegel Zitat Das Bildnis eines wunderschönen Weibes in den hoftracht Zitat Ende
herbei.
Faust ist hingerissen, doch das Weib im Spiegel weist ihn ab. Mephisto la um Hilfe gebeten,
zaubert einen wunderhübschen, jungen, schlanken, schönen Balletttänzer hervor, dem das
Weib im Spiegel sich in eindeutigen Gebärden zuwendet, was Faust in rasende Verzweiflung
bringt. Die Teufelin lässt den glücklichen Tänzer daraufhin wieder verschwinden, reicht Faust
das Pergament mit dem Pakt, er weiß jetzt, was er will, öffnet sich eine Art.
Unterzeichnet und zieht. Zitat Die zahme Doktor Tracht aus.
Zitat den sündig bunten Flitterstaat Zitat Ende des verschwundenen Tänzers an.
Bei dieser Umkleidung, die sehr ungeschickt vonstatten geht, hilft ihm das [Link]
Palais der Hölle. Fausts Ungeschicklichkeit ist bald Geschichte, Mephistophela gibt ihm nämlich
Tanzunterricht, und bald tanzt er, Zitat ein [Link] mit Mephistophela und zur Freude
seiner Kunstgenossinnen fliegt er auch mit ihnen umher in den wunderlichsten Figuren. Jetzt
tanzt er wieder vor dem Spiegel, und das wunderbare Spiegelweib wendet sich jetzt ihm zu.
Zitat mit den Gebärden der Glühendsten Gegenliebe. Zitat Ende zweiter Akt eine Hofszene.
Sie sehen, das geht schon ein wenig augenzwinkernd zu, und das dürfen wir auch gerne so
verstehen.
Die Aufführung eines Schäferspiels vor Herzog und Herzogin, süßlich gezierte Arkadien,
Tänzelei, so nennt es das Libretto, wird unterbrochen durch die Ankunft von Mephistopheler
und Faust, zwischen Faust und der Herzogin geht irgendwas vor. Beide sind, Zitat betroffen,
wie von freudigster Erregung. Zitat Ende Mephistophela wendet sich dem Herzog zu Faust der
Herzogin in.
Parodie welches letztere jetzt mit Faust tanzt, also die Herzogin, haben beide für, nämlich das
Fürstenpaar im Auge. Und während die teuflischen Tänzerinnen sie ablösen, groß
Mephistophela mit dem Herzog und Faust mit der Herzogin, die überschwängliche Passion der
beiden Letztern wird gleichsam parodiert, indem Mephistophela den eckigen und steifleinenden
Graziösitäten des Herzogs eine ironische Zimperlichkeit entgegensetzt. Jetzt folgen
Zauberstücke aus der Historie.
Faust soll den alttestamentarischen König David herbeizaubern. Als der Herzog wiederum um
ein Zauberstück bittet. Er greift Mephistopheler den Zauberstab und berührt damit die
Tänzerinnen, die sich wieder zurück verwandeln in die höllischen Ungetüme, die sie einmal
gewesen waren, die Mensa cartre also unsere Herzogin und Faust der Herzogin Mephistophela
spitzt sich allerdings atmosphärisch zu.
Als der Herzogin seine Gattin und Faust in kompromittierenden Posen erblickt, er Zitat springt
wütend empor, zieht sein Schwert und will den frechen Schwarzkünstler erstechen. Zitat Ende
zur Strafe dafür wird ihm ein Hirschgeweih, dass wir schon lange kennen, auf den Kopf
gezaubert und als die Höflinge daraufhin auf Faust und Methode metastrophener eindringen
wollen, lässt Faust eine große Schar gerüsteter Ritter im Hintergrund aufmarschieren. Die
Höflinge wenden sich feige ab, Faust
kofella fliegen davon und landen im dritten Akt. Hexensabbat Bergkuppe, Bäume säumen die
Szene in deren Ästen Zitat hocken Musikanten mit Vogelgesichtern und wunderlichsten Seiten
und Blasinstrumenten.
Viel Tanz ist auf der Szene, manches grotesk. Es dürfe aber, so der Liberatist, nichts den
Schönheitssinn verletzen, jeweils Paar für Paar verneigen sich die Tänzerinnen und Tänzer vor
der Rückseite eines großen schwarzen Bockes mit einem schwarzen Menschenantlitz und einer
brennenden Kerze zwischen den Hörnern, um es etwas Vulgärer zu sagen.
Paar für paar küssen die Anwesenden dem Oberteufel den Hintern.
Buchstäblich. Die Herzogin des zweiten Aktes kommt Hineingeflogen auf einer ungeheuren
Fledermaus der Güldene Schuh an ihrem rechten Fuß weist sie als die vornehmste
Teufelsdomina aus, sehnlichst wartet sie auf Faust. Als er kommt, fallen die beiden sich in die
Arme und ihre überquellende Inbrunst offenbart sich in den Verzücktesten Tänzen Zitat.
2 paar Tänze 2 Paradö konkurrieren miteinander. Faust und die Herzogin gegen Mephistophela
und einen dürren Junker in schwarzer spanischer Manteltracht und mit einer blutroten
Hahnenfeder auf dem Barett. So tritt bei Goethe Mephistopheles einmal auf, das heißt, da ist
ein unmittelbarer Bezug zu Mephistopheles bei Goethe.
Doch.
Während Faust und die Herzogin die ganze Stufenleiter einer wahren Leidenschaft, einer wilden
Liebe durch Tanzen, ist der Zweitanz der Metastophe La und ihres Partners als Gegensatz nur
der buhlerische Ausdruck der Genonterie, der zärtlichen Lüge, der sich selbst persiflierenden
Lüsterheit.
Vielleicht war das auch Unaufführbar, was Heine hier schreibt, denn viele der Haltungen und
Stimmungen sind möglicherweise in einem Sprechtheater in irgendeiner Weise realisierbar, in
einem Tanztheater aber möglicherweise mindestens anspruchsvolle Posen, Faust und die
Herzogin verschwinden auf dem Höhepunkt ihres Liebestaumels hinter den Bäumen, im
Vordergrund viele Mönche und Nonnen, die zum Vergnügen der dämonischen Zuschauer auf
den Bäumen sich in extravaganten Polkersprüngen ergehen.
Auch das dürfte mindestens anrüchig gewesen sein. Faust kehrt verstört zurück von hinter den
Bäumen, von der Herzogin immer wieder Wollüstig angesprochen, bedrängt, erweist sie ab
satanas, lässt die Herzogin zu einem gemeinsamen Menuett abführen.
Langsam gemessene zeremoniöse Paar also Schritte auf dem Antlitz des Bockes, liegt der
Trübsinn eines gefallenen Engels und der tiefe Enouie, also die Langeweile eines blasierten
Fürsten in allen Zügen der Herzogin verrät sich die trostloseste Verzweiflung.
Faust deutet Mephistopheler an wie wenig diese Herzogin seinen Ansprüchen genüge. Er
empfinde sie, tat eine unendliche Sehnsucht nach dem rein schönen, nach griechischer
Harmonie, nach den uneigennützig edlen Gestalten der Homerischen frühlingswelt sie ahnen
schon, worauf das hinauf hinausläuft. Mephistopheles Methastophela versteht ihn und zaubert
das Bild der berühmten Helena von Sparta herbei, das sofort wieder verschwindet.
Nichtsdestoweniger ist Faust zutiefst affiziert begeistert und er und mephistopheler fliegen
davon. Die Herzogin erscheint wieder, bemerkt die Flucht des begehrten Geliebten und fällt in
unsinniger Verzweiflung ohnmächtig auf den Boden, die Satansmesse wird als Parodie des
christlichen Gottesdienstes zu Ende gebracht.
Vierter Akt Arkadien, eine Insel im Archipel.
Der Libertist.
Alles atmet hier griechische Heiterkeit, Ambrosischen, Götterfrieden, klassische Ruhe. Nichts
erinnert an ein Nebliges jenseits, an mystische Wollust und Angstschauer, an überirdische
Ekstase eines Geistes, der sich von der Körperlichkeit emanzipiert. Hier ist alles reale,
plastische Seligkeit ohne retrospektive Wehmut, ohne ahnende leere Sehnsucht, die.
In dieser Insel ist Helena von Sparta die schönste Frau der Poesie und sie tanzt an der Spitze
ihrer Hofmächte vor dem Venustempel.
Das ist natürlich alles so übertrieben, dass es zumindest in der Prosa Darstellung des Librettos
reine Karikatur der antike Verklärung des 18 Jahrhunderts ist. In diese traute Welt.
Arkadien, eine Insel im Archipel. In diese traute Welt treten Faust und Mephistopheler herein,
und Zitat erquicken sich beide an diesem Anblick des Urschönen und des wahrhaft edlen Zitat
Ende Helena und die ihren Tanzen den beiden gastfreundlich entgegen, Faust und Helena
begeben sich zum Thron, mephistophelageriert sich als Zitat Bacchantin in den
Ausgelassensten Posituren.
Sie animiert das gesamte Core Ballet ihr, es nachzuholen. Gestört wird die traute Welt.
Von der Herzogin wiederum auf einer ungeheuren Fledermaus als Mephistopheler und die
Jungfrauen der Helena, die Herzogin, scheinbar Verhöhnend weiter bahanalisch tanzen,
schwingt diese ihren Zauberstab und ganz Arkadien ist betroffen von Unwetter und Tod. Die
Bäume stehen Laublos und verdorrt, der Tempel ist zu einer Ruine Zusammengesunken, die
Bildsäulen liegen gebrochen am Boden, die Königin Helena sitzt als eine fast zum Gerippe
entfleischte Leiche in einem weißen Laken zur Seite des Faust. Die tanzenden Frauenzimmer
sind ebenfalls nur noch knöcherne Gespenster gehüllt.
In weiße Tücher, die über den Kopf hängen, nur bis über die Dürren Lenden reichen. Wie man
die Lamien darstellt und in dieser Gestalt setzen sie ihre Heitern Tanzpositiven und rangen fort.
Faust zutiefst erbost gegen die Herzogin stößt ihr sein Schwert in die Brust. Vergebens den sich
steigernden Unbilden des Wetters und des Heranschwellenden Meeres können Faust und
Mephistophela nur dadurch entkommen, dass sie sich in die Luft schwingen und auf schwarzen
Gäulen hinfort jagen.
In den fünften Akt, historisch gesprochen ins Mittelalter. Die Szene ist ein großer Platz vor der
Kathedrale, Kirmes, Armbrustschießen, Volksfest mit Trompetenstößen angekündigt.
Sein der Hochgelahrte Dr. Faust in Scharlachrotem und Goldbetrestem Quacksalberkostüme
dem Wagen voran die Pferde. Lenkend, schreitet Mephistophela ebenfalls in grell grell
Marktschreierischem Aufputz, Reich Bebändert und Befiedert. Die Menge drängt, herzu Faust
tut Wunderkuren, verteilt seine Wundermedikamente und ist plötzlich von der
Bürgermeisterstochter ergriffen.
Bezaubert von ihrer reinen Natürlichkeit, Zucht und Schönheit, also der Liberatist, erklärt er ihr
seine Liebe und mit wehmütigen, fast schüchternen Gebärden nach der Kirche Deutend, wirbt
er um ihre Hand. Die Eltern sind zufrieden, und auch die naive Schöne gibt endlich ihre
verschämte Zustimmung, letztere und Faust, also die Bürgermeisterstochter.
Werden jetzt mit Blumensträußen geschmückt und tanzen als Braut und Bräutigam ihre
sittsamen bürgerlichen Hymenähen, also die Bräutlichen, Tänze oder Liedsätze. Der Doktor hat
endlich also Faust hat endlich im bescheiden süßen Stillleben das Hausglück gefunden,
welches die Seele befriedigt. Vergessen sind die Zweifel und die schwärmerischen
Schmerzgenässe des Hochmutgeistes.
Alt vor innerer Beseligung wie der vergoldete Hahn eines kirchturmes Kirchturms.
Das ist nicht das Ende, meine Damen und Herren, sie ahnten es, das wäre purer Kitsch.
Der Brautzug wird nämlich von Mephistopheler Hohnlachend gestört. Sie reißt Faust aus der
Mitte der Menge, er solle ihr unmittelbar folgen, er widersetzt sich aber Mephistopheler zaubert
ein nächtliches Dunkel und das schrecklichste Gewitter herbei, das Volk flieht. Faust will
ebenfalls wie das Volk in den Schoß der Kirche flüchten, aber eine große schwarze Hand, die
aus dem Boden hervor griff, hat ihn zurückgehalten, während Mephistophela.
Mit boshaft triumphierender Miene aus ihrem Mieder das Pergamentblatt Hervorzeht, das der
Doktor einst mit seinem Blut unterzeichnet hat. Sie zeigt ihm, dass die Zeit des Kontraktes
Verflossen sei und Leib und Seele jetzt der Hölle gehöre.
Faust versucht alles.
Sie um Fristverlängerung zu bitten, Sie vielleicht sogar zur Auflösung des Vertrages zu bringen.
Sie aber tanzt um ihn, Zitat mit allen Grimassen der Verhöhnung aus dem Boden drängen die
Höllenfürsten, die wir eingangs gesehen haben, die Ungetüme wieder hervor, auch sie
verspotten den Dr. Faust Mephistopheler endlich verwandelt in eine gräßliche Schlange,
erdrosselt Faust mit wilder Umschlingung, und die ganze Gruppe.
Versinkt unter Flammengeprassel in die Erde, während das Glockengeläute und die
Orgelklänge, die vom Dome her ertönen, zu frommen christlichen Gebeten auffordern.
Das ist Heines Faust.
Was macht dieser Text mit unserem Stoff?
Nimmt der.
Den Stoff in seiner.
Warnenden.
Funktion in seiner warnenden Dimension, die er in der frühen Neuzeit und auch noch etwa bei
Weidmann im 18 Jahrhundert hatte, noch ernst.
Oder ist der Fauststoff gewissermaßen zum Spielelement?
Zum.
Material für dichterische Verfügbarkeit geworden, die mit ihm ohne jede didaktische, ohne jede
belehrende, ohne jede Orientierung erheischende oder orientieren wollende Intention spielen
kann, ist der Faust hier bei Heine gewissermaßen.
Im Zeitalter des.
Des autonomen Literaturbegriffs angekommen, wo Literatur.
Und Kunst nur sich selbst genügen muss keiner didaktischen, keiner religiösen, keiner
pädagogischen oder philosophischen Moral oder Orientierung.
Der augenzwinkernde Gestos zumindest, mit dem der Liberettist etwa die Nonnen und die
Mönche rasante Polka Sprünge aufführen lässt, mit denen der Librarettist auch hier.
Das Glockengeläute und die Orgelklänge zumindest noch aufführt, die vom Dome her zu
frommen christlichen Gebeten auffordern, das Augenzwinkern des Librarettisten spräche dafür.
Wenn sie gedacht haben, hier geht jemand aber schon auf eine etwas freiere Weise mit dem
Stoff um, dann werden sie sich beim nächsten Text möglicherweise wundern.
Friedrich Theodor Fischer.
Einer der bedeutendsten Intellektuellen und Hochschullehrer.
Des 19 Jahrhunderts 1807 bis 1887 gelebt haben. Der Verfasser einer großen, sechsbändigen
Ästhetik, die Hegels Ästhetik Weiterdenkt und in Teilen auch anders denkt. Ein glühender
Anhänger der 48 er sogenannten Revolution der Paulskirchenrevolution.
Ein demokratischer Republikaner und ein Republikaner kann demokratisch sein im 19
Jahrhundert in Deutschland insofern, als er die Republik an die Stelle des Königreiches oder
des Kaiserreichs zu setzen hoffte oder setzen zu können, hofft ein Schriftsteller.
Ein Literaturkritiker.
Und ein Faustautor.
Faust der Tragödie Dritte Teil in einem Brief Ernst Theodor Fischers an seinen Freund Julius
Ernst von Günther vom Mai 1862 heißt es. Goethes Bild ist uns durch das Altersschwache,
Unerquickliche, allegorische Machwerk, zweiter Teil Faust, getrübt. Ich wollte dieses Machwerk
durch grobe Aristofanisch kühnische, doch auch Hans Wurst mäßig gutmütige Satire tot
machen.
Das ursprünglich reinem, echten Dichterbild Wegätzen sozusagen von dem altersschwachen an
den jungen Goethe appellieren, der ist einem anderen ebenso gemacht hätte wie ich ihm. Ich
wollte die Deutschen befreien von dem Alt Alp, womit dieses lästige Produkt der Senilität auf
ihnen liegt, an dem sie sich zergrübeln, womit sie sich unnötig placken, indem kein Mensch es
versteht und jedermann doch meint, er müsse sich Vorwürfe machen, dass es ihm nicht gefalle,
da ist doch.

Faust 2 ist für Fischer ein ungeheures Ärgernis. In seiner Erregung über den aus seiner
Perspektive so misslungenen Faust 2, macht Fischer in seinem langen Text zum zweiten Teile
von Goethes Faust in seiner Publikationsreihe Kritische Gänge, wo er alles mögliche
beleuchtet, 1861, einen Vorschlag, wie der Faust II eigentlich hätte aussehen müssen. Bei
Fischer hätte Faust mit schrecklichem Gewissenswissen nach dem Tod Margarethes
angefangen, Schriften der Reformatoren zu lesen, hätte die Möglichkeit bekommen, am
kaiserlichen Hofe Gutes zu bewirken.

Mephisto aber schaffe es vorübergehend, ihn ganz von den guten Intentionen abzuziehen, ihn sogar
am Papsthof der Borgias noch tiefer in Verbrechen zu versenken. habe Faust erkannt, dass er
damals, als er sich bestimmen ließ, mit seinem guten und hohen Zweck es an Höfen mit Fürsten zu
versuchen, schwer irrend in die Bahn geriet, die ihn abwärts bis zu diesem Äußersten am Papsthof
führte, er hat vor allem beschlossen zu büßen, arm zu werden und mit eigener Hand die mütterliche
Erde zu bauen. Das ist jetzt nicht augenzwinkern gemeint.

Das ist der ernst gemeinte Alternativvorschlag. Faust habe, so Fischer weiter, vergessen, dass er für
das Volk kämpfen wollte. Das Herz fürs Volk hatte er auf dem schlüpfrigen Pfade verloren.

Nun will er mit dem Volke entbehren, leiden, arbeiten. Ich, Fischer, behaupte, dass Faust durch
diese Lebensform geführt werden muss. Soll er der Menschheit Wohl und Weh auf seinen
Busenhäufen, das ist ein Originalzitat Faust 1, so muss er auch arm, ein armer Arbeiter, ein
Proletarier werden, er muss auch das durchwandern, er muss auch das kosten, wie es tut, sein Brot
im Schweiß des Angesichtes essen.

Faust gewissermaßen als Bauernführer im 16. Jahrhundert. Das alles aber ist nur ein Vorschlag
von Fischer, hier ganz kurz als ein inhaltlicher Entwurf ausgeführt.

Im selben Jahr, 1861, setzt er sich hin und schreibt eine grandiose Literatursatire mit dem Titel
Faust der Tragödie dritter Teil in drei Akten, treu im Geiste des zweiten Teils des götischen Faust.
1886 erscheint eine zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage. Und mit der befasse ich mich.
Sensationell. Schauen wir uns das Titelbild einmal genauer an. Faust, der Tragödie, dritter Teil, treu
im Geiste des zweiten Teils des götischen Faust, gedichtet von Deutobold Symbolizetti Allegoriovic-
Mystifizinski.

Das ist eins der sensationellsten Dichterpseudonyme, das ich kenne. Das beinhaltet alles, was
Fischer über Goethes Faust II denkt. Deutobolde sind diejenigen, die sich daran das Hirn zermaten.

Goethe ist ein Symbolizetti, ein Allegoriovic und ein Mystifizinski. Einer, der mit hermetischen
Symbolen und nicht verstehbaren Allegorien spielt und so alles mystifiziert, was er dort zu Papier
gebracht hat. Deutobold, Symbolizeti, Allegorijovic, Mystifizinski.

Das kann man sich nur einfach mehrfach auf der Zunge zergehen lassen. Eine ganz wunderbare
Idee. Schauen wir uns den Text in groben Zügen an.

Ich kann hier tatsächlich nur in groben Zügen darstellen. Die zweite Fassung ist inklusive des auch
noch darzustellenden höchst metafiktionalen Nachspiels 224 Druckseiten lang. Das ist also schon
etwas. Die Grundkonstellation ist einfach. Faust ist nach dem Ende der Bergschluchten-Szene bei
Goethe noch nicht im Himmel angekommen. Viele im 19.

Jahrhundert haben sich darüber aufgeregt, dass Faust angeblich viel zu schnell und unumständlich
in der Bergschluchten-Szene in den Himmel gehoben werde. Ich habe versucht, Ihnen zu zeigen,
dass Faust Unsterbliches alles andere ist als Faust, aber das sah man im 19. Jahrhundert anders.

Faust ist also nicht im Himmel angekommen, sondern in einer Art Vorhimmel. Dort lebt er mit
Lieschen. die wir von der Brunnen-Szene kennen.

In der ersten Fassung war es Gretchen. Das hat Fischer dann aber nicht mehr so gut gefallen, weil
Gretchen in der zweiten Fassung so erlöst ist durch ihre tragische Geschichte, dass sie direkt in den
Himmel aufrücken durfte. Dort in diesem Vorhimmel lebt Faust mit Lieschen.

die Gretchen gegenüber am Brunnen über das Bärbelchen gelästert hatte, zusammen, ich zeige
Ihnen Lieschen gleich, keine Sorge, und unterrichtet, also Faust unterrichtet, so wie es in der
Bergschluchten-Szene angedeutet war, den Chor Seliger Knaben. Zitat Faust, den Jungen soll ich
Faust, den zweiten Teil erklären. Gegenstand seines Unterrichts gegenüber den seligen Knaben ist
der zweite Teil des Faust, den er denen erklären soll.

Direkt nebenan haben Valentin und Bärbelchen, also das Mädchen, über das Lieschen lästert, und
Valentin, der Bruder Margaretes, den Faust ersticht, eine Gaststätte. in der viele der kommenden
Szenen spielen. Lieschen hat in 1.1 einen langen Monolog, in dem sie das Ganze anmoderiert. Ich
bin das Lieschen, das am Brunnen trug, einst des Gespräches mit dem Gretchen pflog. Erinnert
euch, wie sie aus meinem Munde vom Bärbelchen vernahm, die schlimme Kunde.

Weil ich nun damals so moralisch sprach, ließ mir der Herr in seiner großen Gnade des Fegefeuers
heiße Qualen nach und läutert mich auf minderhartem Pfade. Er wählte mich nach meines
Lebensendung zu sonderlich bedeutungsvoller Sendung. Er nannte mich zu Hochgewichtgestelle.

Im Himmelsvorraum, an der heiligen Schwelle, darf ich als Faust die Seelenfreundin leben, bis wir
gereift, ins Heiligtum zu schweben. Das arme Gretchen, das zu hart gebüßt, ihr ist jedwede
Läuterung erlassen. Faust, so stellt sich im weiteren Verlauf des ersten Aktes von Dreiern heraus,
muss, um tatsächlich in den Himmel aufgenommen zu werden, eine Reihe von Prüfungen bestehen,
auf die ich gleich zurückkommen werde.

Im achten Auftritt des ersten Aufzugs stellt eine tiefe Bassstimme ihm diese Verpflichtung vor. Auf,
Dr. Heinrich Faust, es ist genug geschmaust.

Dir reicht das Schicksal jetzt noch einen Bittern. Noch einmal sollst hinab, du, zu den Müttern." Als
Faust ein wenig einknickt, Sagt dieselbe Stimme etwas milder.

Zu deiner Hilfe soll der Valentin, du Hasenfuß, mit dir hinunterziehen. Drei Prüfungen sind
ausersehen. Man hofft, du werdest sie bestehen.

Die erste ist nicht gar zu schwer. Heiß geht es bei der zweiten her, wird Feindesmacht auch
überstark stampft und euch hilft Überlebensmarkt. Die dritte ist noch schwerer.

Prüf dich als treuen Lehrer. Faust tritt allerdings schon früher auf als hier. in der achten Szene, als er
erfährt, was in den zwei Folgeakten passieren muss.

Er wird schon vor der Ansage des Geistes, der hier mit tiefer Bassstimme spricht, kleineren
Prüfungen unterzogen. In 1, 2, unmittelbar nachdem Lieschen das Ganze anmoderiert hat, lernen
wir ihn kennen, als einen, der zur Strafe Eine Diät, eine strenge Diät üben muss. Kartoffeln, Lattich,
Pfade, Pflanzenkost. Vegan sozusagen. Der keines Alkohols sich erfreuen darf. Er ist widerstrebend
einverstanden.

Wo sage ich mir im Namen der Moral den Grund und Zweck von dieses Dabens Qual? Doch ist es
jedem eingeboren, das ein Gefühl hinan und vorwärts strebt, wenn vor dem Geist in Stille reif
gegoren, mit holdem Dampf ein Sauerkräutchen schwebt, wenn zart geräuchert neben
Schweinesrüssel ein Wurstpaar dampft in der Wackernschüssel, die nebst Verzeih, ich muss ein
wenig schmatzen, bayerische Knödel oder Schwabenspatzen, dazu ein Tröpfchen edles Firnes nass
vom Keller aus dem Lagerbier gelassen. In dem dritten und vierten Vers denkt man ja noch, Faust
habe noch etwas. von dem strebenden Intellektuellen übrig behalten, doch ist es jedem eingeboren,
das sein Gefühl hinan- und vorwärts strebt, spätestens aber, wenn in holdem Dampf ein
Sauerkräutchen schwebt, ist diese intellektuelle Schwebensillusion auf jeden Fall erloschen.

Erkenntnisabsicht, Aus Faust I und aus Faust II, egal ob wir daran denken, dass ich erkenne, was
die Welt im Innersten zusammenhält oder ob es heißt, am farbigen Abglanz haben wir das Leben in
der anmutigen Gegend, in Faust II. Erkenntnisabsicht ist durch biederzünftige Begierde nach, wenn
auch verbotener, Hausmannskost ersetzt. In 1,3 versucht Mephisto vieles, Faust mit einem Küchen-
und Fresstraum von Schinken und Würsten und allem Möglichen zu essen, zu verführen, wird aber,
weil Lieschen Valentin von nebenan herbeiruft, von diesem mit einer Malzschaufel aus dem Zimmer
hinausgeworfen.

Also Mephisto. Eine erste Prüfung, die Faust mit Hilfe sozusagen bestanden hat. Schauen wir uns
den Lobgesangskorps der unsichtbaren guten Geister einmal an.

Das mache ich hier intensiv, weil dies der kürzeste Lobgesangskorps ist, der sich auf eine
bestandene Prüfung Fausts bezieht. Der taucht immer wieder auf und ist immer ein Genuss zu
lesen. Für mich zumindest.

Ich weiß nicht, ob Sie diesen Genuss teilen können. Dieser Chor, der auf die erste gelungene
Prüfung erfolgt, ist ein Modell für alle entsprechenden Chöre, auf die ich nach den folgenden
bestandenen Prüfungen nur auszugsweise zurückkommen werde. Der Chor also im Gesang, der
seligen Geister glücklich erstanden.

Das ist eine Parodie auf das Christ ist erstanden mit dem Faust von der Selbstmordfantasie im
ersten Faust im Studierzimmer gewissermaßen gerettet wird. glücklich erstanden, selig der
Sterbliche, welcher die reizende, küchengewerbliche, sinneneinheizende, brätelnde, schmatzige,
fleischliche, gänzliche, prickelnde, salzige, quirlende, brenzliche, wurstliche, fettige, lockend,
barbettige, lüsterne, kitzliche, gaumenerhitzliche, weinlich, bespitzliche, schmatzende, bitzliche,
malzige, hopfige, spundenfortklopfige, seideleinspritzliche, gährende, bockige, schäumende,
flockige, mittelbar nützliche Prüfung wenn auch mehr nun tatsächlich mehr dem Erfolg als dem
Verdienste nach bestanden. Das ist, wie ich eben schon andeutete, eine aus meiner Perspektive
stilistisch fast kongeniale Parodie auf dem Gesang der Engel nach Fausts Selbstmordphantasie.

Christ ist erstanden, Freude dem Sterblichen, den die verderblichen, schleichenden erblichen
Mängel umwandeln. Das gleiche Textmuster, das Fischer hier sozusagen bis zum Abwinken
durchspielt. Und es ist das Muster, wie gesagt, für alle weiteren Prüfungsgesänge des Chors.

Die zweite Prüfung noch im ersten Akt, bevor Faust überhaupt von den drei Prüfungen, die noch
folgen, erfährt. Die zweite Prüfung inszeniert Mephistopheles. Faust ist es, um seines Seelenheils
willen, strengstens untersagt, die Knaben, die er unterrichtet, so frech und renitent und
relegationswürdig sie auch sein mögen, die Knaben körperlich zu züchtigen.

Mephisto redet den Knaben allerhand Schülerstreiche ein. Sie werfen mit Knallerbsen, legen etwas
Kleberiges auf seinen Stuhl, sägen den Zeigestock an und so fort. Und Faust, als er hereinkommt,
riecht er den Teufel.

Zitat, es ist so schwül, so dumpf ichi. Das ist der Satz von Margarete, als sie in ihr Zimmer
zurückkommt, nachdem Faust und Mephisto am Abend ein kleines, reinliches Zimmer dort gewesen
sind. Und Faust lässt sich provozieren.

Er hebt den Zeigestopp zur Prügelstrafe, weil er vom Mephisto den dummen Einfall hatte, dass die
Kinder ihn ansägen könnten, zerbricht er, bevor überhaupt irgendetwas passieren kann. Auch diese
Prüfung also besteht er durch diesen glücklichen Zufall glücklich erstanden, selig der Sterbsliche,
welcher die herbstliche, beinahe verderbsliche, heil doch erwerbsliche, knallende erbsliche,
erbsliche knallende, rutschende, fallende Prüfung bestanden." Zitat Ende.

Das allerdings sind nur Vorstufen zu den wahren Prüfungen, die auf Faust zukommen und die
Gegenstand des zweiten Aktes sind, in den hinein Faust, wie gesagt, mit Valentin geht. Wir hören es
schon von jener tiefen, furchtbaren Bassstimme in 1,8. Faust und Valentin müssen zunächst zu den
Müttern.

Diesmal allerdings anders als in Faust 2 sehen wir die Mütter. Es gibt sie wirklich. Sie sitzen in einer
tiefen Höhle und die Regieanweisung sagt, der Raum, in dem die Mütter sitzen, ist eigentlich gar
kein Raum.

Es ist fast ein Unraum, in dem die Mütter sitzen. Kaffee trinken und aus allerlei Zeug Figuren
basteln. Als Faust hineinkommt, verschwinden sie.

Allerdings erscheint plötzlich Helena aus einer Seitenspalte der unterirdischen Höhle. Euphorion
erscheint wie im zweiten Faust, hüpfend und schwebend und singend. Ich zitiere ihn.

Bin nicht nur Sang und Klang, sondern auch Tatendrang, nicht nur Geistsüberschwang, sondern
auch Don Juan. Als er zu knapp über Valentin und Faust hinfliegt, nimmt Valentin ihn kurzerhand
aus der Luft und verabreicht ihm eine Tracht Prügel auf den Hosenboden. Helena, Zitat, entsetzt
vom Anblick dieser grausen Schaudertat, gibt verhauchend ihre Seele jetzt zurück, so sagt sie, in
das geheimnisvolle Müttermagazin." Zitat Ende. Sie lässt ihre Krinoline, also ihren Reifrock, zurück
und zerfällt. Fausts Reaktion darauf, dass von Helena nur der Reifrock überbleibt.

Uh! Dieser Wendung Tiefsinn ist enorm. Es bleibt vom Antiken nur die Form. Genau getroffen, was
Goethe mit dem Spiel mit Helenas Kostüm am Ende des dritten Aktes von Faust 2 gewissermaßen
gemacht hat. Auch Euphorion springt aus Überdruss, Zitat, mit einer heftigen Stellung ans Gewölbe
auf und fällt zerplatzt in Form von Guter Percher Lappen herunter. Guter Percher ist eine Art
Naturgummi. Faust, Zitat, Bühnenanweisung, stößt die Lappen mit dem Fuße zu den
Krenolinenresten. und sagt, fort mit dem Plunder und zertreten sei die tatenfaule Humanisterei.
Helena und Euphorion werden gewissermaßen in ihren Überbleibseln nur noch mit Füßen getreten.
Damit hat er die Prüfung bestanden.

die Helena-Prüfung wie der Gesang unsichtbarer guter Geister bestätigt. Die zweite Prüfung in 2,5
ist noch aber witziger. Eine Menschengestalt, ein Mann mit einem Stierkopf und ein Löwe treten auf
und mit Hilfe eines Bauern kann Faust den Löwen, den Mann mit dem Stierkopf und auch die
Menschengestalt besiegen.

Prüfung bestanden, wieder der Chor. In der letzten Prüfung treten Schatten oder Schemen, ein
großer Hund, ein kleiner Fuchs, der verschiedentlich anspielt, auch sprachlich und durch Zitate
anspielt, auf Goethes Vers etwas Reinecke Fuchs und eine Meute rotgestreifter Katzen auf. Alle
diese Tiere bepinkeln, entschuldigen Sie dieses Wort, bepinkeln wie Heineke Fuchs in Goethes 1.

Epos in dem Schlusskampf mit dem Wolf ihren Schweif und wischen das Tier Urin durch die Augen
von Faust und Valentin und schwächen damit deren Widerstandskraft. Zwei himmlische Gestalten
allerdings helfen Faust und Valentin mit neuen Schwertern, was ermöglicht, dass die
Tiererscheinungen wieder verschwinden. Die, ich zitiere, kritische, griffige, schwindelhortpfiffige,
fuchsschweifbeschiffige, reineckefossige, keineswegsbossige, wirklich kanossige Prüfung Der
Chorus mysticus unterbricht wegen Konjugationsproblemen, die jetzt erfolgen müssten.

Und nach einem kurzen Zwischenspiel setzt der Chor fort. Doch noch mit Hilfe des Beistands der
Geister älterer Meister und wenn man ungeniert sonderlich konjugiert diesmal stetset statt Prüfung
bestanden hat, bestanden haben wird, wirklich nur kurz beirrt, noch hat bestanden. Auch diese
Prüfung ist geschafft.

Die Mütter treten noch einmal kurz auf. Valentin wirft sie schlicht und einfach an die Wand, wo sie in
Papierfetzen verwandelt hängen bleiben, so wie die Bühnenanweisung sagt. Der Chor feiert die
Vernichtung und schließt.

Sagen wir Amen nach dem Examen. Damit ist aber das Ende der Prüfungen, denen Faust
unterworfen werden muss, noch nicht erreicht, bevor er in den Himmel darf. Der Erzengel Michael
sagt nämlich in 3,1 zu Mephisto, er dürfe Faust noch einmal prüfen.

Dann darfst du noch einmal ihn fassen. Zu Fausti Sanctificatur bedarf es noch einer Doppelkur,
einer trockenen und einer nassen. Du darfst sie leiten, darfst für seine Nerven nach Lust die
Läuterung schärfen.

Die erste Kur findet statt in Valentins Wirtshaus. Faust wird entkleidet und Valentin muss ihn kitzeln,
zunächst sanft. Dann härter, zuletzt schlagen, richtig festschlagen und dann Rückwärts vom
festesten Schlagen wieder bis zum sanftesten Kitzeln gehen.

Die trockene Prüfung. In einer letzten Prüfung wird Faust wiederum nackt von einer gleichsam
brutalen Rund-um-Massage-Dusche von Thales, den Nereiden, Tritonen und anderen
Wassergöttern, die alle die klassische Walpurgisnacht bevölkern, auf das Härteste abgespritzt. Und
nach vollzogener Tortur Faust erhebt sich langsam vom Boden, während ihm ein Kostüm anwächst,
weißer Frack, weiße Weste und Beinkleider.

An den Schultern werden durch die geöffneten Nähte Rudimente von Flügeln sichtbar, sagt der
Doktor Marianus. Zu Faust? Flutenumflossener, wasserbeschossener, wirksam begossener, nun
desinfekterer, saubergeleckterer, sichtlich perfekterer, mutig erhebe dich, irdischer Streberich, bald
wirst du schweberig. Dr. Marianus, der noch viel Vergleichbares sagt, inszeniert Faust-Purgation,
also die letztliche Reinigung vor dem Auffahren in den Himmel, so wie die brutalen Aufnahmerieten
studentischer Burschenschaften. Schon in 3,6 nennt er die kommenden Prüfungen die Fuchsentaufe
oder den Fuchsenstoß. Fuchsentaufe und Fuchsenstoß sind sozusagen Spezialtermini der
burschenschaftlichen Riten, die die Aufnahme in den Kreis der Burschenschaft betreffen.

Fuchsentaufe und Fuchsenstoß werden an Faust vollzogen. Damit sind wir zwar faktisch noch nicht
am Ende, weil 3.11 noch eine lange Szene ist, in der gewissermaßen die Himmelfahrt vorbereitet
wird.

An deren Ende jedoch sagt die BA Also die Bühnenanweisung, wir kommen gleich nochmal darauf
zu sprechen, dass tatsächlich Faust mit allen Anwesenden in den Himmel auffahre. Auch hier gibt
Dr. Marianus die Anweisung.

Empor nun ganzes Auditorium, aufschwingt euch zum Emporium, allwo unbeschnipfelt, die Idee sich
gipfelt, wo das I sich tüpfelt, wo der Weltbaum wipfelt, wo die Weltwurst zipfelt. Während sämtliche
leibhafte Personen sich anfassen und nach der Höhe des Wolkenberges zu schweben beginnen,
ertönt ein Chorus Mysticus. wie am Ende von Faust 2.

Dieser Chorus Mysticus allerdings, bei Fischer, ist die brutalstmögliche Karikatur des Schlusschors
von Faust 2. Dort nämlich hieß es, alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, das Unzulängliche, hier
wird's Ereignis, das Unbeschreibliche, hier ist es getan, das Ewigweibliche zieht uns hinan. Und bei
Fischer, in der Karikatur, das Abgeschmackteste, hier ward es geschmeckt, das Allervertrackteste,
hier ward es bezweckt, das Unverzeihliche, hier sei es verziehen, das ewig Langweilige, zieht uns
dahin.

Und Fischer setzt dem Ganzen noch ein poetisches, ein metapoetisches Nachspiel hinzu. Zwar sind
jetzt Faust und einige andere emporgehoben in den Himmel, Valentin und Berbel wollen aber im
Vorhimmel bleiben, weil es im Himmel möglicherweise gar nicht so zünftig zugeht, wie sie es gerne
haben. In Valentins und Bärbels Gaststube spielen die zwei Szenen des Nachspiels, des sehr
langen Nachspiels.

Als erste trifft eine neue Lieferung zukünftiger Himmelsgäste ein, und zwar Goethe-Forscher. Die
Stoffhuber und die Sinnhuber. Diejenigen, die sich der positivistischen Entdeckung von Quellen und
Bezügen, vor allem auch meist unsinnigen oder zufälligen Bezügen zu biografischen Details aus
Goethes Leben begnügen.

Das sind die Stoffhuber. Gesang der Stoffhuber. Was um sechs Uhr oder sieben, wann er diesen
Vers geschrieben, was vielleicht präzis halb achte, als er zu Papiere brachte, diesen Einfall, diesen
Witz, Und auf der anderen Seite die Sinnhuber, die jede einfache wörtliche Bedeutung eines Verses
im Text eines Wortes strikt ablehnen und hinter allem die tiefste philosophische Bedeutung
fantasieren.

Gesang der Sinnhuber. Lebe hoch die tiefere Deutung, bloß exaktes ist von übel, hoch die
philosophische Häutung, Schälung dichterischer Zwiebel. Die beiden Gruppen geraten derartig in
Streit miteinander, die haben dann auch alle sprechende Namen wie Denkocke und so weiter, der
gehört natürlich zu den Sinnhubern, die geraten in Streit miteinander, der zur Schlägerei ausartet, so
arg, dass Valentin sie aus seiner Gaststätte hinauswerfen muss.

Das Ganze ist eine umfangreiche 37 Druckseiten lange Philologensatire und wenn man die Faust 2
Erforschung insbesondere der Jahre bis 1886 daneben legte, würde man Figuren identifizieren
können, als ganz bestimmte Kollegen von Fischer an verschiedenen Universitäten, die genau das
entweder in Vorlesungen oder in Publikationen gesagt haben, was hier karikiert wird. Das ist auf den
Punkt. Die Goethe-Philologie der Zeit, die hier durch den Kakao gezogen wird.

Zuletzt aber in der zweiten Szene des Nachspiels tritt ein alter Herr auf, als die Kneipe wieder leer
ist. Ein alter Herr. Der Auftritt mit den Worten, hineingeheimnisst habe ich dies und das, damit sie
tüchtig auszuraten kriegen, schon recht.

Doch lustiger ist der Spaß, wenn sie die Stieg hinunterfliegen. Der alte Herr hat also mitgekriegt,
dass die Goethe-Philologen von Valentin die Treppe hinuntergeworfen sind. Der alte Herr ist Goethe
selbst. der zunächst mit Bärbelchen und Valentin Smalltalk betreibt und ein bisschen stolz ist über
Valentin, denkt er beiseitesprechend, ein Staatskerl, darf ich selbst mir sagen, den ich gemacht in
meinen besten Tagen. Zitat Ende. der dann aber von einem hinzukommenden Unbekannten
angesprochen wird, der sich als Verfasser der Literatursatire, die wir gerade lesen, vorstellt,
Friedrich Theodor Fischer.

Der nennt den Grund für seine Parodie. Verstehen kannst du meines Spottes born, Erkrankte Liebe
ist mein ganzer Zorn. und Fischer erläutert, also die Fischerfigur erläutert Goethe, der Goethe-Figur,
wie er beim Götz von Berlichingen, beim Echmond, beim ersten Faust, um nur Dramen zu nennen,
auch beim Wilhelm Meister in den Lehrjahren, ein glühender Verehrer Goethes gewesen sei und wie
das Spätwerk, insbesondere der Faust 2, einen Schandfleck auf diese Verehrung gesetzt habe.

Aber vorher schon, hat die Fischer-Figur auch diese Goethe-Kritik gewissermaßen relativiert und
gewissermaßen in eine andere Richtung gelenkt. Hätt ich's mit dir allein zu tun, ließ ich vielleicht die
spitze Feder ruhen. Allein die blind lobpreisenden Verehrer, nussknackerisch-scholastischen
Erklärer, Kleinmeister, brillenauigen Magister, die Famuli, die Pietätsfilister, die Goethe-Reifen, die
Goethe-Pietisten, die selbstgefällig Diamantelnisten, nur dieses Volk, für welches du ein Gott ist
schuldig, dass mein Tadelwart zum Spott.

Da liefert er noch einmal einen bitteren Seitenheb auf die Goethe-Philologie der eigenen Zeit. Und
nimmt die Goethe-Philologie als den eigentlichen Grund für die Satire, die aus der Befassung mit
Faust II entstanden ist. Und die Goethe-Figur gibt zu, wie unbequem auch dieser Flegel spricht,
gestehe ich mir, ganz Unrecht hat er nicht.

Man hat mir es doch am erreichten Ziele im Himmelslicht auf einmal selber klar, dass ich zuletzt ein
alter Schnörkler war. Also ein Ornamentenmaler, einer der lieber mit Allegorien und Bildern spielt,
als irgendetwas zu sagen. Ich bezweifle, dass der zweite Faust nur Allegorien, Spielerei ist und nur
Schnörkelei.

Ich glaube, ich habe Ihnen auch gezeigt, dass man damit was anfangen kann. Fischer konnte es im
19. Jahrhundert nicht, wie quasi niemand in diesem Jahrhundert.

Schließlich wird die Fischer-Figur des Nachspiels von Mephisto in die Hölle gezogen. Wird bestraft
sozusagen, aber Goethe, also die Goethe-Figur sagt abgehend, er werde an gehöriger Stelle relativ
zügig ein gutes Wörtchen für Fischer einlegen, damit auch er aus den Qualen errettet werde. Finis
operis.

Schon in der Frühromantik Also vor 1800. Bisher war vor 1800 nur das Fragment der götischen
Dichtung bekannt, noch kein Faust I. Schon vor 1800 in der Frühromantik begann eine letztlich
unheilvolle Interpretationsrichtung des Fauststoffs und zwar am Gegenstand des götischen
Fragments.

Friedrich Schlegel formulierte erstmals die Nationalisierung des Stoffes. Man finde, so sagt er in
Fragment 545 in seinen Fragmenten zur Poesie und Literatur, man finde, Zitat, im Faust die
deutsche Mythologie wie die alte Mythologie im Dante. Zitat Ende. Manuel Bauer, der ein ganz
wundervolles Buch über den literarischen Fauststoff 2018 vorgelegt hat, fasst das so zusammen.
Faust, ehe dem Inbegriff des verzweifelnden Melancholikers wird in Schlegels Auslegung von
Goethes Fragment als titanischer Gemütskraft- und Tatenmensch gefeiert, der er im Fragment noch
war. Das ist noch gewissermaßen in Anführungszeichen Urfaustbeginn, also ohne die letztlich
klassizistischen Aneignungsstrategien, die Goethe dem Text oder Annäherungsstrategien, die
Goethe dem Text angedeihen lässt.

Schlegels Interpretation, so Manuel Bauer weiter, sollte sich vor Selbstständigen und einer wichtigen
Rezeptionsrichtung das Wort reden. Faust wird schon hier, wenn auch noch zurückhaltend, zum
Synonym und das ist Aus meiner Perspektive eine grandiose Fehllektüre von 150 Jahren
Faustphilologie oder Faustbefassung wird zum Synonym für einen nationalkulturellen
Überlegenheitsanspruch der Deutschen. Und Bauer sieht bei Friedrich Schlegel meines Erachtens
zurecht, Zitat, Grundzüge zu einer Ideologie des Faustischen.

Bauer fasst zusammen, Faust ist von Schlegel an der expansive, ohne Unterlass von Begierden und
Unersättlichkeit angetriebene, dabei aber stets abgründige und unrettbare Tatmensch. mit dem im
Nationalsozialismus der Erwerb von Land in Anführungszeichen, das heißt also die kriegerische
Besetzung von Land im Osten und im Westen, gerechtfertigt wird in der DDR und in der
Sowjetunion. Jeder sogenannte Kollateralschaden sozialistischer Wirtschaft, einige Millionen Tote in
der Hungerkrise, in der Ukraine und andernorts unter Stalin, einige Millionen, diese
Kollateralschäden werden gerechtfertigt von der DDR-Philologie.

Philemon und Baucus müssen sterben, weil kleinbürgerliches Eigentum unter sozialistischen
Bedingungen keinen Platz hat. Das steht da ernsthaft. Faust wird als der Tatmensch, als der
vielleicht Unrettbare, aber für das Deutsche stehende Tatmensch ideologisiert.

Und das beginnt in Schlegels Fragmenten. In die Geschichte der Nationalisierung des Stoffs gehört
Fischers Faust 3. Einerseits im Blick auf seine Entstehung und Vorgeschichte.

Fischers Alternativa, Faust II, Sie erinnern sich an den Bauernführer von eben. Fischers Alternativa,
Faust II, fordert nahezu eine nationale Weiterführung des Stoffes. Also ein Faust als Weiterführer
der Ideen Thomas Münzers und Ulrichs von Hutten.

im Kontext der Reformation, die deutsche Revolution, die Faust anführt. Die Satire, Faust 3, wie ich
Ihnen eben etwas ausführlicher vorgeführt habe, karikiert einerseits den Ausgangstext, stilistisch aus
meiner Perspektive oft kongenial, also das ist ein fantastisches Stück Literatur, und andererseits
karikiert der Text aber auch das nationalistische. in der filiströsen Sauerkraut-Semmelknödel-
Fantasie Fausts im ersten Akt, genauso wie in der scharfen Polemik gegen die deutschen
Philologen, die, gleich ob Sinn oder Stoffhuber, als Goethe-Pietisten veralbert werden.

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