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Tullnerfeld

Das Dokument beschreibt die geologische Gliederung des Tullner Feldes in Niederösterreich anhand von Schottergruben und Bohrungen. Es werden verschiedene Landschaftseinheiten wie das Feld, Donaufeld und Auland vorgestellt und durch Radiokarbondatierungen neu eingeordnet. Zudem werden Beispiele für Schotterprofile und Holzfunde beschrieben.

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Tullnerfeld

Das Dokument beschreibt die geologische Gliederung des Tullner Feldes in Niederösterreich anhand von Schottergruben und Bohrungen. Es werden verschiedene Landschaftseinheiten wie das Feld, Donaufeld und Auland vorgestellt und durch Radiokarbondatierungen neu eingeordnet. Zudem werden Beispiele für Schotterprofile und Holzfunde beschrieben.

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at

Ann. Naturhistor. Mus. Wien 75 293-310 Wien, Oktober 1971

Zur Gliederung des Tullner Feldes

Von Ludwig PIFFL, Tulln


(Mit 9 Textabbildungen und 1 Tafel)
Manuskript eingelangt am 6. Februar 1971

Vorwort
In den letzten Jahren sind im Tullner Felde für die Anlage neuer Straßen
große und tiefe Schottergruben angelegt worden, die bis weit unter den Grund-
wasserspiegel hinabreichen. Bei diesem Tiefenschurf sind neben vielen großen
Gesteinsblöcken auch mehrere Baumstämme zum Vorschein gekommen.
Solche Holzfunde sind zwar immer schon gemacht worden, doch hat man
diesen nur wenig Bedeutung beigemessen. Nach NEWEKLOWSKY 1952 sind die
im Donauschotter eingebetteten alten Baumstämme den Schiff leuten als Ran er
bekannt gewesen. Doch erst durch die Entwicklung der C14-Methode ist der
Wert dieser Hölzer erkannt worden. KOHL 1968 Z. Bsp. zog diese zur Gliederung
der Donautalsohle bei Linz heran und konnte dadurch ein recht genaues Ent-
wicklungsbild bieten.
So schien auch eine Altersbestimmung der Holzfunde im Tullner Felde
nach der Radiokarbonmethode für die spät- und nachglaziale Entwicklungs-
geschichte dieses Raumes von besonderer Bedeutung zu sein. Diesbezügliche
Datierungen liegen nun vor und so soll über den damit verbundenen Problem-
kreis berichtet werden.
Vorerst seien alle jene genannt, die mich bei diesem Bemühen freund-
lichst beraten und gefördert haben. Vor allem Herrn Universitätsprofessor
Dr. Julius FINK, der mir wichtige Hinweise bei gemeinsamen Feldbegehungen
und wertvolle Ratschläge bei der Durchsicht dieser Arbeit gegeben hat. Herr
Prof. Dr. Friedrich BACHMAYER vom Naturhistorischen Museum in Wien ver-
wies mit Nachdruck auf die Wichtigkeit der Holzfunde und hat durch seine
Initiative die Veröffentlichung der Ergebnisse möglich gemacht. Besonders er-
wähnt sei auch Herr Dr. M. A. GEYH vom Landesamt für Bodenforschung in
Hannover für sein Entgegenkommen bei der Datierung der Hölzer und Frau
Dr. Vlasta VODICKOVA vom Geologischen Institut der CSAV in Prag, die sich
um die Bestimmung der Holzproben sehr bemüht hat. Ihnen allen sei hiemit
herzlichst gedankt.
11 11 Umrahmung Schwemmfächer

HZ] Feld (imTraisental NT) -$- Bohrprofile ( Nr. siehe Text)


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EËSI3 Donaufeld E Schotterprofil mit begr. Hölzern.C^datiert

P=~=1 Anmoore G Schotterprofil mit begr. Hölzern^noch nicht datiert

I I Auland <-u Kryoturbation


Abb. 1. Die morphologische Gliederung des Tullner Feldes.
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 296

Das Tullner Feld


Zwischen den Engstellen der Wachau und der Wiener Pforte hat die
Donau in den weicheren Schichten des Molassevorlandes die ovale Stromebene
um Tulln gebildet. Den Nordrand begrenzt die auffallende Geländestufe des
Wagram, den Südrand die Ausläufer des Wienerwaldes und des Alpenvor-
landes (vergleiche Abb. 1 *).
Seit den ältesten Zeiten wird die Stromebene südlich von Tulln Tullner
Feld genannt, beiderseits der Traisenmündung Traismafeld und im Raum von
Mautern Mautingerfeld. Die Ebene nördlich des Stromes entbehrt einer
charakteristischen Benennung (HASSINGER 1905) und wird im Volke das Feld
bezeichnet. Das im Niederösterreich-Atlas angeführte Kremser- oder Stockerau-

Abb. 2. Die Gliederung des nördlichen Tullner Feldes


W Wagram
F das Feld
N Niederwagram
D Donaufeld
A Auland mit Donaustrom

erfeld ist im allgemeinen unbekannt und auch nicht zutreffend. Es ist daher
wohlbegründet, die gesamte ovale Stromebene im Zentrum von Niederöster-
reich von der Wachau bis zur Wiener Pforte kurzweg Tullner Feld zu be-
zeichnen, wie es auch in der neueren einschlägigen Literatur üblich ist.
Dieses scheinbar so ebene Tullner Feld ist in merkbare Terrassen unter-
teilt; seit BECKER 1921 unterscheidet man als höchstes Niveau das Feld, um
4—5 m tiefer das Donaufeld, zwischen beiden ein Altufer, den Nieder-
wagram und zu unterst säumt eine 3 m hohe Geländestufe das Auland
(vergi, hiezu Abb. 2).

Problemstellung
Diese auf Abbildung 1 dargestellten Einheiten sind in der Landschaft gut
trennbar, weil sie auch einen deutlichen Unterschied hinsichtlich der land-
wirtschaftlichen Nutzung zeigen. In ihrer zeitlichen Stellung wurden sie bisher
folgend gedeutet :
Der Wagram bildet die Begrenzung gegen die höheren Terrassen, im Süden
des Tullner Feldes ist die Bezeichnung Wagram nur auf kurze Abschnitte be-

*) Richtigstellung in der Abb. 1: Der Niederwagram westlich Tulln verläuft nicht


entlang der Gr. Tulln, sondern unmittelbar neben dem Bohrpunkte 15.
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296 L.

schränkt, im Norden bildet er eine durchlaufende Grenze. An den Wagram


schließt donauwärts das Feld an, das der alpinen Niederterrasse zeitlich gleich-
gesetzt wurde. Wieder donauwärts schließt das Donaufeld an, die Grenze
zwischen Feld und Donaufeld bildet der Niederwagram. Die genetische und
zeitliche Stellung des Donaufeldes war (und ist) nicht geklärt, teils wurde es
als eine aus dem Schotterkörper des Feldes herausgeschnittene Erosionsform
gedeutet, teils als neu akkumulierter Schotterkörper. Die Frage ist deshalb
schwer zu lösen, weil die Tertiäroberkante für Feld und Donaufeld gleich ist.
Die jüngste Flur bildet das Auland, das stets als sehr jung akkumuliert auf-
gefaßt wurde.
Durch die nunmehr vorliegenden Datierungen der begrabenen Hölzer muß
die frühere Auffassung einer Revision unterzogen werden. Der Begriff „Nieder-
terrasse", der von PENCK und BRÜCKNER (1909) im stratigraphischen Sinn
verwendet wurde, ist für große Teile des Feldes nicht mehr anwendbar, deshalb
man ihn hier generell nicht mehr verwenden sollte. Die Lokalbezeichnung
„Praterterrasse", die im Wiener Raum üblich ist, wäre tragbar, soferne diese
ohne stratigr aphis che Fixierung zu verstehen ist.

Das Feld
Als weites, beinahe baumloses Ackerland hebt sich das Feld von dem
tiefergelegenen Donaufeld, das bereits einen Baumbestand aufweist und dem
Auland mit fast geschlossenenem Waldbestand deutlich ab. Um den land-
wirtschaftlichen Ertrag zu heben, hat man zwar in den letzten Jahren auf dem
Feld langgestreckte Windschutzgürtel angelegt (so bei Neustift im Felde und
Frauenhofen), die allmählich das Landschaftsbild auch hier verändern werden.
Viele Schottergruben und Bohrungen haben den Untergrund des Feldes
erschlossen. Ein instruktives Beispiel bietet die Schottergrube östlich Neu-
stift im Felde (Besitzer: Herr SCHAUERHUBER). Die genaue Position ist aus
Abb. 3 ersichtlich. Mittels Schrapper wird der Schotter bis zu 7 m unter Flur
aus dem Bereich des Grundwassers gewonnen. Dabei ergab sich das in Ab-
bildung 4 dargestellte Profil :
Ein geschichteter, grauer Feinsand gleicht die Unebenheiten der Schotter-
oberkante aus und geht in Aulehm über. Darauf liegt ein lößartiges, schluffig-
feinsandiges Bodenmaterial, dessen oberer Bereich in einen dunkelgrauen
Tschernosem umgewandelt ist. Der Übergang ist unregelmäßig. Mehrere
Krotowinen sind zu erkennen. Über der Profilwand erhebt sich ein Tumulus,
Haieberg genannt. Wahrscheinlich aus der Hallstattzeit, womit das Mindest-
alter des Tschernosem fixiert ist.
Der Schotter ist von verschiedener Korngröße. Seine petrographische
Zusammensetzung entspricht dem Kolorit des rezenten Donauschotters und
setzt sich aus 44% Quarzit-, 26% Kristallin- und 30% Sedimentgestein zu-
sammen. Die Mächtigkeit des Schotterkörpers beträgt etwa 10 m.
An seiner Basis liegen auffallend viele Gesteinsblöcke, von denen manche
eine beachtliche Größe aufweisen. Kristallines Material wiegt weitaus vor.
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 297

Gföhler Gneise, Weinsberger Granite und Granulite fallen auf, doch Blöcke
aus den Alpen sind selten. Zum Teil ist die ursprüngliche Bruchform der Blöcke
noch deutlich erkennbar, aber die Oberfläche ist mehr oder weniger abge-
schliffen, manche sind sogar weitgehend zugerundet.
Der Schotterkörper liegt auf sandigen und tegeligen Sedimenten, die den
helveten Oncophoraschichten entsprechen dürften. Diese stehen am Kirch-
berger Wagram, wie auch im Bett der Donau nächst Zwentendorf an. (VETTERS
1932).

33a34'i5"ö. Ferro
48° 24'25"

Schottergrube

0 2km
h-
Abb. 3. Position der Schottergrube Neustift im Felde.

In diesem Schotterkörper steht das Grundwasser bis 5 m unter der Ober-


fläche, ist somit etwa 7 m mächtig. Es ist jenes natürliche Wasserreservoir,
aus dem die große Wagram-Ring wasserleitung bei Neustift i. Felde gespeist
wird. Täglich werden im Durchschnitt 1000 m3 bestes Trinkwasser durch ein
vollautomatisches Pumpwerk entnommen und 13 Ortschaften zugeleitet. Der
Initiator dieser Ringwasserleitung, Herr ökonomierat Johann WALTNER aus
Altenwörth, hat im Zusammenwirken mit der NÖ. Landesregierung hier ein
vorbildliches Werk geschaffen.
Mitten in diesem Schotterkörper lagen in 6 m Tiefe mehrere Baum-
stämme. Da sie im Grundwasser lagen, sind sie verhältnismäßig gut erhalten,
auch Teile ihrer Rinde waren vorhanden. Bisher sind 18 mehr oder weniger
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298 L. PlFFL

große Stämme gefördert worden. 12 Holzproben, die Frau Dr. VODICKOVÂ


untersuchte, stammen von folgenden Bäumen:
10 Stämme der Pinus cf. silvestris,
2 Stämme der Pinus sp.,
2 Stämme der Betula penduta.
Der größte Stamm steckte bei seiner Entdeckung 1,5 m unter dem Grund-
wasserspiegel fest im Schotter, war 8,5 m lang und hatte einen Durchmesser

„Haieberg "( Tumulus aus der


Hallstattzeitlj geschüttet aus
Krumenmaterial
184
Tschernosem mit Krotowinen
Lößartiges Sediment
Feinsand und Schlufflagen

Donauschotter

180
- Grundwasserspiegel

Lage von begrabenen Hölzern


C1A: Hv 1982 Birke 9185± 95 J.v.h.
Hv 1983 Kiefer9665+100J.v.h.
Hv 2353 Kiefer 9660+135J.v.h.

Donauschotter wie oben

175

„Blockpackung" vorwiegend Material


aus dem Böhmischen Massiv
Oncophoraschichten
Abb. 4. Schottergrube Neustift im Felde, Profil.
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 299

von 60 cm. Er konnte nur mit Mühe geborgen werden. Alle übrigen Hölzer
kamen bei der Schottergewinnung zutage, sie lagen entweder neben oder unter
dem großen Stamm.
Die Hölzer waren bei ihrer Auffindung sehr weich, trockneten rasch an
der Luft, wurden hart und bekamen bis zum Kern tiefe Sprünge. Der Inkoh-
lungsprozeß ist verschieden tief in die Hölzer eingedrungen.

B o h r p r o f i l e aus dem T u l l n e r Feld

Mächtigkeit
Terrain- des Schotters Höhe des
Bohrung Lage höhe und der Deck- Liegenden
schichten

1 Stratzdorf GN2 193,60 17,90 175,70


2 Rohrendorf 31 193 17,6 175,40
3 Altweidling 192 15 177
4 Theiß GN3 191,3 14,5 176,8
5 Theiß 17 190 10,2 179,8
6 Neustift im Felde 184 11 173
7 Absdorf I 180,7 10,5 170,2
8 Absdorf II 179,3 11,3 168,0
9 Absdorf III 178,5 9,6 168,9
10 Moorbierbaum Kl 183,8 11 172,8
11 Zwentendorf 7 183,2 9,2 174,0
12 Pischelsdorf C 183,3 10,6 172,7
13 Tulln-Staasdorf 177,1 10,3 165,8
14 Wördern 172,2 9,6 162,6
15 Tulln, Zuckerfabrik 178,3 10,4 167,9

Proben dieser Hölzer wurden an das Niedersächsische Landesamt für


Bodenforschung in Hannover zur Altersbestimmung gesandt. Herr Dr. M. A.
GEYH gab folgende Untersuchungsergebnisse bekannt :
Hv. 1982 Birkenstamm mit Rinde,
9.185 ± 95 Jahre B. P. *)
Hv. 1983 Föhrenstamm mit Rinde u. Wurzelstock,
9.665 ± 100 Jahre B. P. *)
Hv. 2353 Föhrenstamm 8,5 m lang, 60 cm,
9.660 ± 135 Jahre B. P. *)
Zur gleichen Zeit wurde auch im Schotterfeld von Stratzdorf bei Krems
in einer Tiefe von 7 m Holz gefunden. Auch davon wurde in Hannover eine
Altersbestimmung durchgeführt, die ein ähnliches Alter ergab :
Hv. 1985 Holzart nicht bestimmt,
9.480 ± 320 Jahre B. P.

*) Proben von diesen Hölzern befinden sich in der Geologisch-Paläontologischen


Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien.
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300 L. PlFFL

Ähnlich den beiden Schottergruben wurden auch in anderen des Tullner


Feldes festgestellt, daß die Basis des Schotterkörpers annähernd in gleicher
Höhe liegt. Gleichzeitig ergab sich, daß an der Basis des Schotterkörpers, über
der ebenen Tertiäroberkante, eine Zone grober Blöcke (Blockzone oder Block-
packung) zu finden ist, denn in zahlreichen Bohrprofilen und Bohrprotokollen
werden immer wieder große Steine, „Findlinge", Blockwerk und erratische
Blöcke ausgewiesen. Sie bereiten bei der Schotterförderung große Schwierig-
keiten.
Darüber liegt ein auffallend gleichmäßig mächtiger Schotterkörper. Dies
zeigt sich auch aus den verschiedenen Flachbohrungen im Tullner Felde. Ihre
Position ist auf der Übersichtskarte (Abb. 1) eingetragen.
Ausgenommen davon ist nur der Scheitel des Schotterwurfes im Mün-
dungstrichter von Krems. Dort ist nach den Bohrungen der Schotterkörper
fast 18 m mächtig, was auf eine tiefere Rinne im Liegenden schließen läßt. Auch
die Blöcke liegen dort vorwiegend lagenweise im Schotterkörper verteilt.
Die Oberkante des Schotterkörpers des Feldes im nördlichen Teil des
Tullner Feldes ist, wie bereits erwähnt, nicht eben. Durch einstige Überflu-
tungen sind zwar die Unebenheiten mit Sand und Schluff weitgehend ausge-
glichen worden. Immerhin verblieb aber noch eine schwache Profilierung des
Feldes, die auch zum Teil durch Überflutungen aus dem Hinterlande verur-
sacht worden ist. Solcher Art ist auch die langgestreckte Mulde des „Rein-
tales" bei Neustift im Felde bedingt.
Wesentlich anders sind die oberen Lagen des Schotterfeldes im südlichen
Tullner Feld. Insbesondere in den Schottergruben rund um den Bahnhof
Sitzenberg-Reidling sind Kryoturbationen festzustellen, wobei Aulehme mit
Kies und Sand intensiv verwürgt sind. Solche Kryoturbationen als Zeichen
einer kaltzeitlichen Überprägung sind von Reidling bis in den Raum von Tulln
zu beobachten. Die Tiefe der Taschen beträgt maximal etwa 1,5 m. Vergleiche
hiezu die Karte Abb. 1.
Die Deckschichten im Bereich des Feldes sind meist von leichter Bodenart
und nicht besonders mächtig. Aus ihnen hat sich der heutige Boden mit A-C-
Profil, bzw. A-C-D-Profilen entwickelt, der bodentypologisch den Tscher-
nosemen zuzurechnen ist. Vereinzelt treten aber auch anmoorige Böden von
schwererer Bodenart auf: Im nördlichen Tullner Feld nur kleinflächig zum
Teil in Rinnen eines alten Kamplaufes, im südlichen hingegen solche von
großer Ausdehnung. So liegt entlang des Südrandes des Tullner Feldes eine
breite Zone von Anmooren und anmoorigen Böden in einer ganz flachen, lang-
gestreckten Mulde der Schotteroberkante.
Für ein kulturtechnisches Projekt sind in diesem Räume eine Reihe von
Bohrungen und Bodenuntersuchungen vorgenommen worden. Diese ergaben,
daß über dem Schotter ein rostfleckiger, toniger Lehm liegt, der in einen sehr
dicht gelagerten dunkelgrauen anmoorigen Ton übergeht. In Trockenzeiten
entstehen in diesem tiefe Sprungrisse und dann besteht die Gefahr der Ver-
blasung durch den Wind (Flugerdebildung).
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 301

Im südlichen Tullner Feld sind die Anmoore großflächig vorhanden (siehe


Abb. 1). Sie wurden später von flachen Schwemmfächern der von Süden
kommenden Bäche überlagert.
Nach FINK (mündliche Mitteilung) sind derartige Anmoorzonen entlang
der Donau immer wieder in gleicher morphologischer Position zu finden und
zwar an die Rückstauzonen am Austritt kleiner Gerinne in das Stromland ge-
bunden, so bei Eferding (Innbach), bei Asten (Ipfbach), auch bei Blinden-
markt an der Ybbs u.s.w.

Das Donaufeld
Eine 4 bis 5 m hohe Geländestufe, der Niederwagram, vom Volke auch
,,Gstetten" genannt, führt hinab zum Donaufeld. Zahlreiche sichelförmige, ver-

Mollersdorf

33 * A3'ö. Ferro
48" 21'50"
Abb. 5. Position der Schottergrube Trübensee.

landete Altarme der Donau prägen diesen Teil der Stromebene. Verfolgt man
diese in der Landschaft oder im Kartenbilde, so fällt auf, daß sie der Rest einer
gewaltigen M ä a n d e r b i l d u n g sind. Dort, wo diese an den Niederwagram
heranreicht und diesen unterschnitten hat, ergeben sich bogenförmige Prall-
stellen und darunter ausgeprägte Kolke.
Bis ins Mittelalter waren nach den Urkunden (SLEZAK 1948) manche
dieser Stromschleifen noch von strömendem Wasser erfüllt. Später wurden ihre
Reste, die Altarme, noch lange von stehendem Wasser eingenommen und
wurden allgemein See genannt. Seither sind diese Altarme weitgehend ver-
landet, aber in den Flurnamen See, Seewiesen, Brunner See, Hollasee, See-
leiten und Seeöden lebt die ursprüngliche Bedeutung noch fort. Heute geben
diese halbmondförmigen Wiesengründe, dort und da von Kopfweiden um-
standen, dem Donaufeld ein eigenartiges Gepräge und heben es von dem ebenen
und beinahe baumlosen Feld deutlich ab.
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302 L. PlFFL

Südlich der Donau sind auch alte Mäander zu erkennen, nur ist der dortige
Niederwagram durchwegs von Prallstellen steil unterschnitten, da sich hier
das Rechtsdrängen des Stromes bemerkbar gemacht hatte. So sind u. a. die
Kastelle Favianis, Pirotorto und Comagena, die am Rande des Niederwagram
angelegt wurden, zum Teil der rechtsdrängenden Donau zum Opfer gefallen.
Wie oben erwähnt, durchzog noch im Mittelalter strömendes Wasser der
Donau diese Altarme. Eine Siedlung reihte sich an die andere, denn der Strom
war eine wichtige Wirtschafts- und Verkehrsader. Damals war das Donaufeld

176

Grauer Auboden mit


Kieslinsen

Grundwasserspiegel

Donauschotter

begr. Hölzer
C* : Hv 2861 Ulme 3165 ±115J.v.h.
Hv 2862 Eiche3130±65J.v.h.
170

Blockzone
Oncophoraschichten
Abb. 6. Schottergrube Trübensee, Profil.

ein vom Hochwasser stets bedrohter Raum. Viele Siedlungen sind unterge-
gangen und nur wenige haben sich behauptet. Mit der Besiedlung wurde der
Auwald zurückgedrängt und auf dem jugendlichen Boden nahm das Ackerland
Überhand. Aber noch nach der Maria Theresianischen Fassion waren viele
Felder wegen der häufigen Überschwemmungen als Freyfeldt von den Abgaben
und Dienstbarkeiten befreit (MANN 1959).
Eine große Schottergrube in der Flur Gegenau östlich Trübensee, deren
genaue Position aus Abb. 5 ersichtlich ist, erschließt den Aufbau des Donau-
feldes, vergi. Abb. 6. Dort liegt unter 2 m Grauem Auboden, der Kieslinsen
einschließt, 6 m Donauschotter mit einer Blocklage an der Basis. Das Liegende
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 303

stimmt mit jenem der Bohrungen Absdorf II und III überein, die den Punkten
8 und 9 auf der Karte (Abb. 1) entsprechen. Bei der Schotterentnahme kamen
mehrere Baumstämme zum Vorschein, die nach der Aussage des Bagger-
führers über der Blocklage situiert waren. Frau Dr. VODICKOVA bestimmte
3 Proben von Quercus cf. robur,
1 Quercus sp.,
1 cf Quercus (radix),
1 Ulmus cf. carpinifolia
Zwei Proben dieser Hölzer wurden absolut datiert und zwar
eine Ulme (Hv. 2861) mit 3165 ± 115 Jahre B. P. und
eine Eiche (Hv. 2862) mit 3130 ± 65 Jahre B. P.
Damit ist die Akkumulation des Donaufeldes in das Subboreal einzuordnen.
Die Einstufung der Flur Gegenau bei Trübensee in die Terrassen der
Stromebene bereitete einige Schwierigkeiten, da die Koten der Karte mit den
technischen Vermessungen merkbar differieren. Nach der Karte 1:25.000 wäre
diese Flur mit einer Höhe von 170 m ins Auland zu stellen. Auf Grund der
Vermessungen für die Brückenobjekte im Zuge der Schnellstraße Stockerau —
Krems liegt die Flur jedoch in 176 m und muß daher in das Donaufeld gestellt
werden. Auch die Hochwassermarken der Überschwemmungen 1899 und 1954
zeigen, daß die letztgenannte Annahme richtig ist.
Die Holzfunde von Trübensee bestätigen einwandfrei, daß der Schotter-
akkumulation des Donaufeldes eine nicht unbedeutende Erosionsphase voraus-
gegangen sein muß, bei der der Schotterkörper des Feldes größtenteils erodiert
wurde. Immerhin ist aber die Blockpackung an der Basis erhalten geblieben,
von der bisher angenommen wurde, daß sie dem letzteiszeitlichen Schotter-
wurf angehört.
Die Akkumulation, für deren Beginn oder frühen Abschnitt eine absolute
Zeitangabe vorliegt, endete mit jener gewaltigen Mäanderbildung, die dem
Oberflächenbild des Donaufeldes eine charakteristische Prägung gegeben hat.
Dieses Stadium währte bis weit ins frühe Mittelalter hinein, denn die Lage
ehemals großer Orte, wie etwa Trübensee und Winkl an Stromschleifen setzten
schiffbares Wasser voraus. Auch die ältesten Siedlungen in diesem Räume ent-
standen im Berührungswinkel zweier Donauschleifen. So ist also auch noch
die frühmittelalterliche Besiedlung von der Mäanderbildung weitgehend be-
einflußt worden, worauf SLEZAK 1948 hingewiesen hat.

Das Auland
Von dem Donaufeld um eine kaum merkbare Stufe geschieden — eine
scharfe Grenze gibt es nur selten — ist das Auland. Es umfaßt den dichten
und üppigen Aubereich, den der vielfach verzweigte Strom mit seinen Neben-
armen vor der Regulierung völlig eingenommen hat. Dies zeigen alte Bilder und
Karten recht anschaulich. Ständig änderte sich hier das Land. Was der Strom
an einer Stelle wegschwemmte, lagerte er anderwärts wieder ab. Hier unter-
schied das Volk zwischen Haufen und Häufl, Schutt und Anschütt als dem neu
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304 L. PlFFL

gewordenen Lande und dem Werd, Wert oder Wörth als den bereits alten und
landfesten Auteilen. Besonders nach großen Überschwemmungen kam es
immer wieder zu Laufänderungen, Stromspaltungen und Wasserdurchbrüchen.
Alle diese Komponenten zusammen machten das Auland zu einer amphibischen
Landschaft.

Frauendorf/ Au 181m

33°34'50"ö.Ferro
A8°22'35"N. b J.H>
Eleonorenheim
Rondellen-W.

2 km
—i
Abb. 7. Position der Schottergrube Frauendorf a. d. Au.

Im allgemeinen kann festgestellt werden, daß dem allmählichen Südwan-


dern der Donau eine fortschreitende Verlandung entlang des nördlichen Strom-
bereiches gegenüberstand. Ein Vorgang, der sich auch geschichtlich nachweisen
läßt (PIFFL 1954). So sind im nördlichen Donaufeld und Auland viele Orte
durch das Verlanden lebenswichtiger Stromarme verödet oder abgekommen:
Trübensee, Winkl, Kirchheim und Marquardsurfar. Im Südbereiche sind hin-
gegen viele örtlichkeiten durch das ständige Rechtsdrängen des Stromes ver-
nichtet worden: Stift St. Georgen, die Traisenburg und Kainsdorf. Auch Teile
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 305

der Römerkastelle Favianis, Pirotorto und Comagena erlitten das gleiche


Schicksal.
Südlich der Ortschaft Frauendorf a. d. Au, nächst dem Schinderwasser,
sind in einer Schottergrube, deren genaue Position aus Abb. 7 ersichtlich ist,
aus einer Tiefe von 3 m unter dem Grundwasserspiegel neben zwei abge-
schürften Mühlsteinen auch Hölzer zum Vorschein gekommen (vergi. Abb. 8).
Die Datierung ergab :
Hv. 1984, Holzart unbekannt, 395 ± 60 Jahre B. P.
Damit ist erwiesen, daß die Schotterflur des Aulandes noch in historischer

179 Grauer Auboden aus


sandigen Deckschichten

Donauschotter

Grundwasserspiegel
175
S 5 "SOS

begr.Hölzer C1A;Hv1984 395i60J.v.h.


Tegeloberkante

Abb. 8. Schottergrube Frauendorf a. d. Au, Profil.

Zeit ab- und umgelagert wurde. Bei der Schotterförderung stieß man über dem
Liegenden auf eine Lage von kristallinen Blöcken. Herr Forstmeister SAUER
hat in seinem Garten eine Mustersammlung solcher Blöcke aufgestellt.

Die Hochwasser der Donau


Einen wesentlichen Einfluß auf die Bodenbildung, die Besiedlung und die
Wirtschaft hatten die Überschwemmungen, die in der Geschichte immer wieder
erwähnt werden.
Das Feld ist in historischer Zeit von den Hochfluten nicht mehr erreicht
worden. Wenn auch der Name Wagram (Wac-rain = Wogenrain oder Wogen-
rand) auf ein Hochflutufer verweist und die Sagen über Ringe zum Verheften
der Schiffe in Fels, Tulbing und Krems ein solches Bild vortäuschen, so lassen
sich diese mit dem Strom nicht in Beziehung setzten. Vielmehr sind Teile des
Ann. Naturhist. Mus. Bd. 75, 1971 20
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306 L. PlFFL

Feldes durch die Zubringer aus dem Hinterlande weithin überschwemmt


worden. Prähistorische Funde von Feuersbrunn bis Kirchberg deuten darauf
(SCHRATTBAUEE, 1954), daß entlang des Wagram ein Nebenarm des Kamp ge-
flossen war. Das Vorkommen von Kampablagerungen über Donauschotter in
diesem Räume ist wohl ein sicherer Hinweis dafür. In wieferne aber frühge-
schichtliche Überflutungen des Feldes durch die Donau erfolgt sind, ist nicht
mehr mit Sicherheit zu beweisen.
Im Bereiche der tieferen Stromebene künden viele Hochwassermarken
und Gedenktafeln von verheerenden Überschwemmungen durch die Donau.
Vor allem sind es jene der Jahre 1897, 1899 und 1954, die noch in Erinnerung
sind und über deren Ausmaß genaue Daten in den Beiträgen zur Hydro-
graphie Österreichs niedergelegt sind. Durch sie läßt sich das hochwasserfreie
Feld vom Überflutungsraum deutlich abgrenzen. Die Grenzlinie oder auch
Benetzungslinie stimmt mit dem beiderseitigen Niederwagram überein.
Tafel 1 veranschaulicht die Situation im Jahre 1954.
Im Sinne KOHL'S 1968 kann das Donaufeld, das nur von katastrophalen
Hochwassern erreicht wird, als oberes Hochflutfeld bezeichnet werden,
während jedes mittlere, meist jahreszeitlich bedingte Hochwasser nur den
Bereich des Aulandes überflutet, das damit einem u n t e r e n Hochflutfeld
entspricht. Die kleinen Hochwasser drangen zwar auch dort und da in die
Mulden des Donaufeldes ein, aber ein eigenes unteres Hochflutfeld innerhalb
des Donaufeldes kann im Tullner Felde nicht ausgegrenzt werden.
Mit jeder Hochflut sind Sand und Schlamm im jeweiligen Überschwem-
mungsgebiete zur Ablagerung gekommen. Im oberen Hochflutfeld nur einige-
male pro Jahrhundert. Dort kam es zur Bildung Grauer Auböden. Im perio-
disch wiederkehrenden Überschwemmungsgebiet des Aulandes hingegen bilde-
ten sich nur junge unausgereifte Böden, sogenannte Rohböden. Auf dem Feld
hingegen ist die Bodenreife so weit fortgeschritten, daß man bereits von
Tschernosemen (nach der österreichischen Terminologie) sprechen kann (vergi.
Abb. 4).
Zusammenfassung
Nach den Bohrprofilen und tiefen Schottergruben bildet das Liegende
der weiten Schotterflur des Tullner Feldes eine auffallend ebene Fläche, mit
einer ganz geringen Profilierung in der Form seichter Rinnen von 2—3 m
Tiefe; vergleiche hiezu Abb. 9. Nach VETTERS 1932 würde sich auch das
Streichen der Molasse durch „SW-NO streichende Rücken mit tief ausge-
schürften Zwischenfurchen" abheben. Nur im Kremser Raum ist nach den
neuesten Bohrungen eine tiefere Rinne im Liegenden festzustellen. Vielleicht
wird in Zukunft ein dichteres Bohrnetz deren weiteren östlichen Verlauf klar-
legen.
Auf dieser Basis liegt eine beinahe lückenlose Blockzone aus vorwiegend
kristallinem Material. Zwischen mittleren kantengerundeten Blöcken liegen
solche von gewaltiger Größe, die stark zugerundet sind oder tiefe Auskolkungen
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 307

aufweisen. Im Schotterkörper sind solche Blöcke selten, nur im Mündungs-


trichter nach der Wachau liegen sie zum Teil im Schotter verteilt.
Diesem Vorkommen übergroßer Blöcke an der Basis der Schotterflur ist,
von älteren Bearbeitern abgesehen, erst in neuerer Zeit einige Bedeutung bei-
gemessen worden. So kam KESSLER 1925 für das Neckargebiet, KÜPPER 1952
für den Wiener Raum, PRIEHÄUSSER 1953 für das Donautal um Straubing und
GRAUL 1962 für den Hochrhein zu dem übereinstimmenden Ergebnisse, daß
das extrem kalte Klima des Frühglazials Ursache dieser Bildung war.
Was nun den Transport der Blöcke betrifft, wären diese nach KÜPPER
1952 vorwiegend durch Triftung auf Eisschollen zu erklären. Ähnlich ist die

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Abb. 9. Idealschnitt durch das Tullner Feld.

Ansicht PRIEHÄUSSERS 1953. Nach ihm wären die im Eis der Donau einge-
frorenen Blöcke durch die Stoßkraft der zeitweilig recht heftigen Hochfluten
in die Ebene gelangt.
Nun ist aber dieses Phänomen im Tullner Felde durch Triftung allein nicht
zu erklären, denn dafür ist die Masse des Blockmaterials — es ist über die
Tertiäroberkante der weiten und langen Stronebeme verteilt — zu groß. Außer-
dem sind die Blöcke auffallend geglättet und kantengerundet, erhebliche Teile
weisen sogar eine weitgehende Zurundung auf. Es müssen demnach auch ge-
waltige fluviatile Kräfte bei dem Transporte mit am Werke gewesen sein.
Übersieht man das zutage geförderte Blockmaterial aus den tiefen Schotter-
gruben, dann wird klar, daß dieses hauptsächlich aus den Tälern der Wachau
und des Strudengaues und ihren Einzugsbereichen stammen muß. Dort haben
die F l i e ß e r d e b i l d u n g e n und Blockmeere im Frühglazial gewaltige Block-
mengen zu Tal gebracht. Nun war damals das Donautal um etwa 10 bis 15 m
tiefer, denn soviel beträgt die spätere Schotterakkumulation. Die steilwandigen
kristallinen Uferregionen waren demgemäß um diesen Betrag höher. In diesen
tiefen E n g t ä l e r n waren nun die urgewaltigen Hochfluten des Frühglazials
im Stande auch gröbstes Blockmaterial weiterzustoßen und haben bei der
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Ausweitung der Engtalstrecken immer wieder neues Material aufbereitet. Auch


nach GRAUL 1962 sind gerade die Engtalstrecken für die Bildung der Block-
zonen von ausschlaggebender Bedeutung gewesen.
Es waren demnach klimagenetische Ursachen, die die Blockmassen ge-
schaffen und weiterbefördert haben. Eine Erscheinung, die auch in älteren
pleistozänen Schotterfluren immer wieder festzustellen ist (KÜPPER 1952).
Über dieser Blockzone lagerte die Donau im Hoch- und Spätglazial große
Schottermengen bis zu einer Decke von überraschend gleichbleibender Mäch-
tigkeit ab. Sie beträgt im Durchschnitte 10—12 m und ist im Vergleich zur
horizontalen Weite der Ebene eine sehr dünne Lage, was sehr anschaulich
wird, wenn man etwa Abb. 9 ohne Überhöhung zeichnen würde. Nur der
Scheitel des Schotterwurfes ist im Bereich von Krems bis zu 18 m mächtig.
Diese Schotterakkumulation im Tullner Felde ging ohne nennenswerte
Zäsur bis über das Spätglazial hinaus.
1. So zieht südlich der Donau, ausgehend vom Traisental, ein Schotterwurf
dahin, der stellenweise kryoturbate Überformungen aufweist, die wohl dem
letzten Kältevorstoß des j ü n g e r e n Dry as zuzuschreiben sind. Dieser Ab-
lagerungsraum hat auch bisher keine Spur von fossilen Hölzern erbracht.
2. Die Schotterfluren nördlich der Donau sind dagegen jünger, daher
fehlen Anzeichen für eine kaltzeitliche Überprägung. Dieser Teil des Schotter-
wurfes dürfte bis ins Boreal angedauert haben.
Diese Endflächen der Schotterakkumulation waren durchaus nicht
eben. Die kleinen Unebenheiten sind, wie im Profil von Neustift im Felde ge-
zeigt werden konnte, durch sandige und aulehmartige Ablagerungen weitgehend
ausgeglichen und das lößartige, schluffige Material darüber geht allmählich in
Tschernosem über. Auch die ausgedehnten Grabungen bei Kanal- und Wasser-
leitungsbauten haben diese Schichtung weithin erschlossen. Diese Bodenbil-
dungen stammen nach FINK 1954 „aus der Zeit des Klimaoptimums des
Postglazial".
In der seichten und weiträumigen Mulde im Schotterkörper entlang des
tertiären Hügellandes entwickelte sich eine Zone von Anmooren und an-
moorigen Böden. Eine absolute Altersbestimmung für diese liegt leider nicht
vor. KOHL 1968 konnte eine Datierung der Anmoore des Linzer Raumes, die
ebenfalls auf einer gleichgelagerten Schotterflur liegen, erreichen. Sie erbrachte
ein Alter von (W-1874) 7.380 ± 250 Jahre B. P. Ein solches Alter ist wohl auch
für die Anmoore des Tullner Feldes anzunehmen. Ihre Bildung fällt demnach
in die postglaziale Wärmezeit an der Wende B o r e a l - A t l a n t i k u m .
Ein schmaler Streifen entlang des nördlichen Wagram, einst nachweisbar
von einem Kamparm durchflössen, ist ebenfalls mit anmoorigen Böden, Aulehm
und Kampsand, ausgefüllt.
Die früh- bis spätglaziale Schotterakkumulation hat nach den Holzfunden
bis ins Boreal angedauert und ist durch postglaziale Deckschichten sosehr über-
lagert, daß von einer Niederterrasse im stratigraphischen Sinne nicht gesprochen
werden darf. Nur im unteren Traisental ist ein bedeutender Rest der echten
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Niederterrasse (die hohe Plaiken) zwischen Herzogenburg und Traismauer er-


halten geblieben.
Mit zunehmender Klimabesserung und dichterem Pflanzenkleid versiegte
allmählich die Schotterzufuhr und begann der Strom das durch die Akkumu-
lation gestörte Gefälle wieder auszugleichen. Die ersten Anzeichen dafür sind
Teilfelder der Feldterrasse zwischen Krems und Traismauer, die sich aus der
Trichtersituation ergeben. Eigene Sedimentationsräume, wie sie KOHL im
Linzer Raum festlegen konnte, lassen sich im Tullner Felde nicht nachweisen.
Morphologisch besser hebt sich das Donaufeld von dem Felde und seinen
Teilfeldern ab. Durch die fossilen Hölzer von Trübensee ist erwiesen, daß eine
Erosion der Akkumulation vorausgegangen sein muß, die aber den basalen
Teil des würmeiszeitlichen Schotterwurfes samt der Blockpackung nicht er-
reichte. Die Schotterakkumulation ist in die Zeit des Subboreal zu stellen,
die aufgrund der von Mäandern geformten Oberfläche des Donaufeldes bis ins
Mittelalter angedauert haben dürfte.
Das Au land ist nach einer geringen Eintiefung der jüngste Aufschüttungs-
raum der Donau. Nach der Aufschließung von Frauendorf an der Au ist neben
der Blockzone auch der würmzeitliche Schotterwurf in Resten erhalten ge-
blieben. Teile der heutigen Stromsohle liegen an mehreren Stellen im Bereich
des Liegenden. So ragt bei Niederwasser beim Stromkilometer 1970 nächst
Pischelsdorf eine Felsbarriere, gebildet aus Kalksandsteinkonkretionen
(Mugeln) der Ocophoraschichten, teilweise aus dem Strome.
Bis zur Donauregulierung hat sich der vielverzweigte Strom ständig ver-
ändert, wie uns noch alte Stromkarten zeigen.
Damit wäre ein Grundkonzept über den Bau und den Werdegang des
Tullner Feldes gewonnen, das aber noch weiterer Erkundungen bedarf.

Literatur
BECKER, A. : Das Viertel unter dem Manhartsberg. Heimatkunde NÖ. 1921.
FINK, J. : Der östliche Teil des nördl. Alpenvorlandes, Mitt. d. Österr. Bodenkundlichen
Gesellschaft. Wien 1961.
— Zur Gliederung der pleistozänen Terrassen des Wiener Raumes. Jb. d. Geol.
B. A. Wien 1962.
— Beiträge zur Pleistozänforschung, Abschnitt Wien — Marchfeld. Verh. d. Geolog.
B. A. Wien 1955.
FUCHS, Werner: Aufnahmebericht der G. B. A. Wien, 1969.
GRILL, R. : Erläuterungen zur Geolog. Karte der Umgebung von Korneuburg und
Stockerau. Wien 1962.
GRAUL, H. : Geomorphologische Studien zum Jungquartär des nördl. Alpenvorlandes.
Heidelberger Geogr. Arbeiten. 1962.
GRUND, A. : Veränderungen in der Topographie des Wienerwaldes und Wiener Beckens.
Pencks Geogr. Abh. 1905.
HASSINGER, H. : Geom. Studien aus dem inneralp. Wiener Becken. Pencks Geogr. Abh.
1905.
KOHL, H. : Beiträge zum Aufbau und Alter der Donautalsohle bei Linz. Naturkundl.
Jahrbuch der Stadt Linz, 1968.
KESSLER, P. : Das eiszeitliche Klima. Stuttgart 1925.
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KÜPPER, H.: Eiszeitspuren im Gebiet v. Wien. Sb. Ak. Wiss. Wien, Math.-naturw. Kl.
1950.
— Neue Daten zur jüngsten Geschichte des Wiener Beckens. Mitt. Geogr. Ges. Wien
1952.
NEWEKLOWSKY, E.: Die Schiffahrt u. Flößerei im Raum der oberen Donau. Linz 1952.
PENCK-BRÜCKNER : Die Alpen im Eiszeitalter. Leipzig 1909.
PIFFL, L.: Exkursion Krems—Absberg. Verh. d. Geolog. B. A. Wien 1955.
— Die verschollenen Donauorte im Tullner Becken. Tulln 1954.
PRIEHÄUSSER, G. : Ortsfremde Gesteinsblöcke im diluv. Schotter der Donaulandschaft
bei Straubing. Geol. Bavarica, München 1953.
WERNECK, H. : Grundlagen zur Frühgeschichte zwischen Dunkelsteinerwald und der
Gr. Tulln 1955.
SLEZAK, F. : Hist. Veränderungen der Donaustromlandschaft im Tullner Becken und
Wiener Becken. Diss. Wien 1948.
VETTERS, H. : Ein Aufschluß des tertiären Untergrundes im Donaustrom bei Zwenten-
dorf. Verh. d. Geol. B. A. Wien 1932.
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Aufnahme Piffl
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Das Hochwasser im Jahre 1954. Das überflutete Donaufeld. Im Hintergrund die Baumreihe derStiaße Neustift — Gigging. I
Hechts das Feld mit dem Altufer des Niederwagram.

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