Tullnerfeld
Tullnerfeld
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Vorwort
In den letzten Jahren sind im Tullner Felde für die Anlage neuer Straßen
große und tiefe Schottergruben angelegt worden, die bis weit unter den Grund-
wasserspiegel hinabreichen. Bei diesem Tiefenschurf sind neben vielen großen
Gesteinsblöcken auch mehrere Baumstämme zum Vorschein gekommen.
Solche Holzfunde sind zwar immer schon gemacht worden, doch hat man
diesen nur wenig Bedeutung beigemessen. Nach NEWEKLOWSKY 1952 sind die
im Donauschotter eingebetteten alten Baumstämme den Schiff leuten als Ran er
bekannt gewesen. Doch erst durch die Entwicklung der C14-Methode ist der
Wert dieser Hölzer erkannt worden. KOHL 1968 Z. Bsp. zog diese zur Gliederung
der Donautalsohle bei Linz heran und konnte dadurch ein recht genaues Ent-
wicklungsbild bieten.
So schien auch eine Altersbestimmung der Holzfunde im Tullner Felde
nach der Radiokarbonmethode für die spät- und nachglaziale Entwicklungs-
geschichte dieses Raumes von besonderer Bedeutung zu sein. Diesbezügliche
Datierungen liegen nun vor und so soll über den damit verbundenen Problem-
kreis berichtet werden.
Vorerst seien alle jene genannt, die mich bei diesem Bemühen freund-
lichst beraten und gefördert haben. Vor allem Herrn Universitätsprofessor
Dr. Julius FINK, der mir wichtige Hinweise bei gemeinsamen Feldbegehungen
und wertvolle Ratschläge bei der Durchsicht dieser Arbeit gegeben hat. Herr
Prof. Dr. Friedrich BACHMAYER vom Naturhistorischen Museum in Wien ver-
wies mit Nachdruck auf die Wichtigkeit der Holzfunde und hat durch seine
Initiative die Veröffentlichung der Ergebnisse möglich gemacht. Besonders er-
wähnt sei auch Herr Dr. M. A. GEYH vom Landesamt für Bodenforschung in
Hannover für sein Entgegenkommen bei der Datierung der Hölzer und Frau
Dr. Vlasta VODICKOVA vom Geologischen Institut der CSAV in Prag, die sich
um die Bestimmung der Holzproben sehr bemüht hat. Ihnen allen sei hiemit
herzlichst gedankt.
11 11 Umrahmung Schwemmfächer
erfeld ist im allgemeinen unbekannt und auch nicht zutreffend. Es ist daher
wohlbegründet, die gesamte ovale Stromebene im Zentrum von Niederöster-
reich von der Wachau bis zur Wiener Pforte kurzweg Tullner Feld zu be-
zeichnen, wie es auch in der neueren einschlägigen Literatur üblich ist.
Dieses scheinbar so ebene Tullner Feld ist in merkbare Terrassen unter-
teilt; seit BECKER 1921 unterscheidet man als höchstes Niveau das Feld, um
4—5 m tiefer das Donaufeld, zwischen beiden ein Altufer, den Nieder-
wagram und zu unterst säumt eine 3 m hohe Geländestufe das Auland
(vergi, hiezu Abb. 2).
Problemstellung
Diese auf Abbildung 1 dargestellten Einheiten sind in der Landschaft gut
trennbar, weil sie auch einen deutlichen Unterschied hinsichtlich der land-
wirtschaftlichen Nutzung zeigen. In ihrer zeitlichen Stellung wurden sie bisher
folgend gedeutet :
Der Wagram bildet die Begrenzung gegen die höheren Terrassen, im Süden
des Tullner Feldes ist die Bezeichnung Wagram nur auf kurze Abschnitte be-
Das Feld
Als weites, beinahe baumloses Ackerland hebt sich das Feld von dem
tiefergelegenen Donaufeld, das bereits einen Baumbestand aufweist und dem
Auland mit fast geschlossenenem Waldbestand deutlich ab. Um den land-
wirtschaftlichen Ertrag zu heben, hat man zwar in den letzten Jahren auf dem
Feld langgestreckte Windschutzgürtel angelegt (so bei Neustift im Felde und
Frauenhofen), die allmählich das Landschaftsbild auch hier verändern werden.
Viele Schottergruben und Bohrungen haben den Untergrund des Feldes
erschlossen. Ein instruktives Beispiel bietet die Schottergrube östlich Neu-
stift im Felde (Besitzer: Herr SCHAUERHUBER). Die genaue Position ist aus
Abb. 3 ersichtlich. Mittels Schrapper wird der Schotter bis zu 7 m unter Flur
aus dem Bereich des Grundwassers gewonnen. Dabei ergab sich das in Ab-
bildung 4 dargestellte Profil :
Ein geschichteter, grauer Feinsand gleicht die Unebenheiten der Schotter-
oberkante aus und geht in Aulehm über. Darauf liegt ein lößartiges, schluffig-
feinsandiges Bodenmaterial, dessen oberer Bereich in einen dunkelgrauen
Tschernosem umgewandelt ist. Der Übergang ist unregelmäßig. Mehrere
Krotowinen sind zu erkennen. Über der Profilwand erhebt sich ein Tumulus,
Haieberg genannt. Wahrscheinlich aus der Hallstattzeit, womit das Mindest-
alter des Tschernosem fixiert ist.
Der Schotter ist von verschiedener Korngröße. Seine petrographische
Zusammensetzung entspricht dem Kolorit des rezenten Donauschotters und
setzt sich aus 44% Quarzit-, 26% Kristallin- und 30% Sedimentgestein zu-
sammen. Die Mächtigkeit des Schotterkörpers beträgt etwa 10 m.
An seiner Basis liegen auffallend viele Gesteinsblöcke, von denen manche
eine beachtliche Größe aufweisen. Kristallines Material wiegt weitaus vor.
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Gföhler Gneise, Weinsberger Granite und Granulite fallen auf, doch Blöcke
aus den Alpen sind selten. Zum Teil ist die ursprüngliche Bruchform der Blöcke
noch deutlich erkennbar, aber die Oberfläche ist mehr oder weniger abge-
schliffen, manche sind sogar weitgehend zugerundet.
Der Schotterkörper liegt auf sandigen und tegeligen Sedimenten, die den
helveten Oncophoraschichten entsprechen dürften. Diese stehen am Kirch-
berger Wagram, wie auch im Bett der Donau nächst Zwentendorf an. (VETTERS
1932).
33a34'i5"ö. Ferro
48° 24'25"
Schottergrube
0 2km
h-
Abb. 3. Position der Schottergrube Neustift im Felde.
298 L. PlFFL
Donauschotter
180
- Grundwasserspiegel
175
von 60 cm. Er konnte nur mit Mühe geborgen werden. Alle übrigen Hölzer
kamen bei der Schottergewinnung zutage, sie lagen entweder neben oder unter
dem großen Stamm.
Die Hölzer waren bei ihrer Auffindung sehr weich, trockneten rasch an
der Luft, wurden hart und bekamen bis zum Kern tiefe Sprünge. Der Inkoh-
lungsprozeß ist verschieden tief in die Hölzer eingedrungen.
Mächtigkeit
Terrain- des Schotters Höhe des
Bohrung Lage höhe und der Deck- Liegenden
schichten
Das Donaufeld
Eine 4 bis 5 m hohe Geländestufe, der Niederwagram, vom Volke auch
,,Gstetten" genannt, führt hinab zum Donaufeld. Zahlreiche sichelförmige, ver-
Mollersdorf
33 * A3'ö. Ferro
48" 21'50"
Abb. 5. Position der Schottergrube Trübensee.
landete Altarme der Donau prägen diesen Teil der Stromebene. Verfolgt man
diese in der Landschaft oder im Kartenbilde, so fällt auf, daß sie der Rest einer
gewaltigen M ä a n d e r b i l d u n g sind. Dort, wo diese an den Niederwagram
heranreicht und diesen unterschnitten hat, ergeben sich bogenförmige Prall-
stellen und darunter ausgeprägte Kolke.
Bis ins Mittelalter waren nach den Urkunden (SLEZAK 1948) manche
dieser Stromschleifen noch von strömendem Wasser erfüllt. Später wurden ihre
Reste, die Altarme, noch lange von stehendem Wasser eingenommen und
wurden allgemein See genannt. Seither sind diese Altarme weitgehend ver-
landet, aber in den Flurnamen See, Seewiesen, Brunner See, Hollasee, See-
leiten und Seeöden lebt die ursprüngliche Bedeutung noch fort. Heute geben
diese halbmondförmigen Wiesengründe, dort und da von Kopfweiden um-
standen, dem Donaufeld ein eigenartiges Gepräge und heben es von dem ebenen
und beinahe baumlosen Feld deutlich ab.
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302 L. PlFFL
Südlich der Donau sind auch alte Mäander zu erkennen, nur ist der dortige
Niederwagram durchwegs von Prallstellen steil unterschnitten, da sich hier
das Rechtsdrängen des Stromes bemerkbar gemacht hatte. So sind u. a. die
Kastelle Favianis, Pirotorto und Comagena, die am Rande des Niederwagram
angelegt wurden, zum Teil der rechtsdrängenden Donau zum Opfer gefallen.
Wie oben erwähnt, durchzog noch im Mittelalter strömendes Wasser der
Donau diese Altarme. Eine Siedlung reihte sich an die andere, denn der Strom
war eine wichtige Wirtschafts- und Verkehrsader. Damals war das Donaufeld
176
Grundwasserspiegel
Donauschotter
begr. Hölzer
C* : Hv 2861 Ulme 3165 ±115J.v.h.
Hv 2862 Eiche3130±65J.v.h.
170
Blockzone
Oncophoraschichten
Abb. 6. Schottergrube Trübensee, Profil.
ein vom Hochwasser stets bedrohter Raum. Viele Siedlungen sind unterge-
gangen und nur wenige haben sich behauptet. Mit der Besiedlung wurde der
Auwald zurückgedrängt und auf dem jugendlichen Boden nahm das Ackerland
Überhand. Aber noch nach der Maria Theresianischen Fassion waren viele
Felder wegen der häufigen Überschwemmungen als Freyfeldt von den Abgaben
und Dienstbarkeiten befreit (MANN 1959).
Eine große Schottergrube in der Flur Gegenau östlich Trübensee, deren
genaue Position aus Abb. 5 ersichtlich ist, erschließt den Aufbau des Donau-
feldes, vergi. Abb. 6. Dort liegt unter 2 m Grauem Auboden, der Kieslinsen
einschließt, 6 m Donauschotter mit einer Blocklage an der Basis. Das Liegende
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Zur Gliederung des Tullner Feldes 303
stimmt mit jenem der Bohrungen Absdorf II und III überein, die den Punkten
8 und 9 auf der Karte (Abb. 1) entsprechen. Bei der Schotterentnahme kamen
mehrere Baumstämme zum Vorschein, die nach der Aussage des Bagger-
führers über der Blocklage situiert waren. Frau Dr. VODICKOVA bestimmte
3 Proben von Quercus cf. robur,
1 Quercus sp.,
1 cf Quercus (radix),
1 Ulmus cf. carpinifolia
Zwei Proben dieser Hölzer wurden absolut datiert und zwar
eine Ulme (Hv. 2861) mit 3165 ± 115 Jahre B. P. und
eine Eiche (Hv. 2862) mit 3130 ± 65 Jahre B. P.
Damit ist die Akkumulation des Donaufeldes in das Subboreal einzuordnen.
Die Einstufung der Flur Gegenau bei Trübensee in die Terrassen der
Stromebene bereitete einige Schwierigkeiten, da die Koten der Karte mit den
technischen Vermessungen merkbar differieren. Nach der Karte 1:25.000 wäre
diese Flur mit einer Höhe von 170 m ins Auland zu stellen. Auf Grund der
Vermessungen für die Brückenobjekte im Zuge der Schnellstraße Stockerau —
Krems liegt die Flur jedoch in 176 m und muß daher in das Donaufeld gestellt
werden. Auch die Hochwassermarken der Überschwemmungen 1899 und 1954
zeigen, daß die letztgenannte Annahme richtig ist.
Die Holzfunde von Trübensee bestätigen einwandfrei, daß der Schotter-
akkumulation des Donaufeldes eine nicht unbedeutende Erosionsphase voraus-
gegangen sein muß, bei der der Schotterkörper des Feldes größtenteils erodiert
wurde. Immerhin ist aber die Blockpackung an der Basis erhalten geblieben,
von der bisher angenommen wurde, daß sie dem letzteiszeitlichen Schotter-
wurf angehört.
Die Akkumulation, für deren Beginn oder frühen Abschnitt eine absolute
Zeitangabe vorliegt, endete mit jener gewaltigen Mäanderbildung, die dem
Oberflächenbild des Donaufeldes eine charakteristische Prägung gegeben hat.
Dieses Stadium währte bis weit ins frühe Mittelalter hinein, denn die Lage
ehemals großer Orte, wie etwa Trübensee und Winkl an Stromschleifen setzten
schiffbares Wasser voraus. Auch die ältesten Siedlungen in diesem Räume ent-
standen im Berührungswinkel zweier Donauschleifen. So ist also auch noch
die frühmittelalterliche Besiedlung von der Mäanderbildung weitgehend be-
einflußt worden, worauf SLEZAK 1948 hingewiesen hat.
Das Auland
Von dem Donaufeld um eine kaum merkbare Stufe geschieden — eine
scharfe Grenze gibt es nur selten — ist das Auland. Es umfaßt den dichten
und üppigen Aubereich, den der vielfach verzweigte Strom mit seinen Neben-
armen vor der Regulierung völlig eingenommen hat. Dies zeigen alte Bilder und
Karten recht anschaulich. Ständig änderte sich hier das Land. Was der Strom
an einer Stelle wegschwemmte, lagerte er anderwärts wieder ab. Hier unter-
schied das Volk zwischen Haufen und Häufl, Schutt und Anschütt als dem neu
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304 L. PlFFL
gewordenen Lande und dem Werd, Wert oder Wörth als den bereits alten und
landfesten Auteilen. Besonders nach großen Überschwemmungen kam es
immer wieder zu Laufänderungen, Stromspaltungen und Wasserdurchbrüchen.
Alle diese Komponenten zusammen machten das Auland zu einer amphibischen
Landschaft.
Frauendorf/ Au 181m
33°34'50"ö.Ferro
A8°22'35"N. b J.H>
Eleonorenheim
Rondellen-W.
2 km
—i
Abb. 7. Position der Schottergrube Frauendorf a. d. Au.
Donauschotter
Grundwasserspiegel
175
S 5 "SOS
Zeit ab- und umgelagert wurde. Bei der Schotterförderung stieß man über dem
Liegenden auf eine Lage von kristallinen Blöcken. Herr Forstmeister SAUER
hat in seinem Garten eine Mustersammlung solcher Blöcke aufgestellt.
160
Ansicht PRIEHÄUSSERS 1953. Nach ihm wären die im Eis der Donau einge-
frorenen Blöcke durch die Stoßkraft der zeitweilig recht heftigen Hochfluten
in die Ebene gelangt.
Nun ist aber dieses Phänomen im Tullner Felde durch Triftung allein nicht
zu erklären, denn dafür ist die Masse des Blockmaterials — es ist über die
Tertiäroberkante der weiten und langen Stronebeme verteilt — zu groß. Außer-
dem sind die Blöcke auffallend geglättet und kantengerundet, erhebliche Teile
weisen sogar eine weitgehende Zurundung auf. Es müssen demnach auch ge-
waltige fluviatile Kräfte bei dem Transporte mit am Werke gewesen sein.
Übersieht man das zutage geförderte Blockmaterial aus den tiefen Schotter-
gruben, dann wird klar, daß dieses hauptsächlich aus den Tälern der Wachau
und des Strudengaues und ihren Einzugsbereichen stammen muß. Dort haben
die F l i e ß e r d e b i l d u n g e n und Blockmeere im Frühglazial gewaltige Block-
mengen zu Tal gebracht. Nun war damals das Donautal um etwa 10 bis 15 m
tiefer, denn soviel beträgt die spätere Schotterakkumulation. Die steilwandigen
kristallinen Uferregionen waren demgemäß um diesen Betrag höher. In diesen
tiefen E n g t ä l e r n waren nun die urgewaltigen Hochfluten des Frühglazials
im Stande auch gröbstes Blockmaterial weiterzustoßen und haben bei der
20*
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308 L. PlFFL
Literatur
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t-1
hi
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C
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Aufnahme Piffl
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Das Hochwasser im Jahre 1954. Das überflutete Donaufeld. Im Hintergrund die Baumreihe derStiaße Neustift — Gigging. I
Hechts das Feld mit dem Altufer des Niederwagram.