Haendehyg Rili
Haendehyg Rili
zid: Vacciniavirus Stamm Elstree bzw. Modified unbehüllter Viren sind in der Regel eine werden [69–71]. Bei adäquater Anwen-
Vacciniavirus Ankara und bovine Viral Diarrhea
Virus Stamm NADL; Testviren für die Einstufung hohe Ethanolkonzentration oder syner- dung von Hautschutz und Hautpflege
begrenzt viruzid Plus: Adenovirus Typ 5 Stamm gistische Kombinationen mit geringerem ist die Anwendung von Alkoholen nicht
Adenoid 75, murines Norovirus; Testviren viru- Gehalt alkoholischer Komponenten erfor- mit dem Risiko einer Irritationsdermato-
zid: murines Norovirus Stamm S99, Polio-Impf- derlich [51–55]. se verbunden [70]. Alkohole besitzen kei-
stamm Typ I, Stamm LSc-2ab, Polyomavirus Chlorhexidindigluconat, Octenidinhy- ne sensibilisierende Potenz [72]. Sowohl
(SV40) Stamm 77 und Adenovirus Typ 5 Stamm
Adenoid 75 [22, 44, [Link]- drochlorid, Polihexanid, quaternäre Am- Ethanol als auch die beiden Propanole
[Link]/referate/d13b4982da4e67a8f40f1d- moniumverbindungen, Ampholyte, Phe- werden nur im Spurenbereich resorbiert
[Link]]. nolderivate und Triclosan bringen als [73, 74], so dass sich keine Gefährdung
Tab. 1 Vor- und Nachteile einzelner Händedesinfektionsmittel-Spendertypen (adaptiert nach WHO Guidelines on Hand Hygiene
in Health Care [33]).
Spendertyp Vorteile Nachteile
Wand- oder Bett-mon- Lokalisation bekannt, als „non -touch“ Systeme verwendbar, Nicht immer günstig lokalisiert, um unmittelbare Verfügbar-
tierte Spender für Personal, Patienten und Angehörige zugänglich keit zu gewährleisten, können für Patienten und Angehörige
zur Gefahrenquelle werden, Spritzer auf dem Fußboden
können zu Schäden und Verfärbungen führen, aufwendige
Aufbereitung der Pumpsysteme
Mobile Spender mit Unmittelbare Verfügbarkeit, Können leicht entfernt werden,
Dosierpumpen niedrigere Kosten, können für Patienten und Angehörige zur Gefahrenquelle
für Personal, Patienten und Angehörige zugänglich werden, falls keine Einmalpumpe, aufwendige Aufbereitung
der Pumpsysteme, je nach Füllzustand und Standort kann
die Standfestigkeit deutlich variieren
Kitteltaschenflaschen Permanente unmittelbare Verfügbarkeit für das Personal, Wegen geringer Menge Logistik zum Nachschub notwendig,
erhöhen die wahrgenommene Kompetenz zur Durchführung höhere Kosten, höhere Umweltbelastung durch Einmalver-
der Händedesinfektion im erforderlichen Umfang, für Patien- wendung, Kontaminationsrisiko bei falscher Handhabung,
ten und Angehörige nicht zugänglich, aber für bestimmte „Add ons“ wie Clips sind häufig vom Zulieferer abhängig
Patienten nach Unterweisung möglich
Automatische Bequeme Nutzung, zumindest unmittelbar nach Umstellung Nicht verwendbar, wenn elektronisches System nicht funkti-
Wandspender höhere Inanspruchnahme, oniert, hohe Wartungskosten,
ästhetisch ansprechend, „non–touch“ System, für Personal, Abhängigkeit von Zulieferer, Bestückung bedarf ggf. speziel-
Patienten, Angehörige und Besucher zugänglich ler Einweisung
Bei Vorliegen von Hautläsionen an de Mehrheit der Indikationen zur Hän- Benutzer von Kitteltaschenflaschen
den Händen ist es als ausreichend anzu- dedesinfektion direkt am Patienten ent- müssen darauf achten, dass die Flaschen
sehen, diese bei nichtchirurgischer Tä- steht, ist neben der durch die TRBA 250 sauber, ggf. mit Anbruchdatum beschrif-
tigkeit erreger- und ggf. flüssigkeitsdicht vorgeschriebenen Ausstattung mit Hän- tet und das Etikett lesbar sind. Leere Kit-
abzudecken (flüssigkeitsdichtes Pflaster) dedesinfektionsmittelspendern die un- teltaschenflaschen werden verworfen und
und darüber einen medizinischen Ein- mittelbare Verfügbarkeit direkt am Pa- sind nicht wieder zu befüllen. Nach aus-
malhandschuh anzulegen. Voraussetzung tienten zu gewährleisten [33]. Überall reichender Benetzung beider Hände ist
ist, dass nach dem Ablegen der Handschu- dort, wo eine Händedesinfektion durch- die Händedesinfektion erst nach dem Ver-
he eine Händedesinfektion toleriert wird. geführt werden muss, sind in unmittel- schließen der Kittelflasche und ihrer Zu-
Andernfalls sind die Mitarbeiter für die barer Nähe Desinfektionsmittel vorzu- rückführung in die Tasche durchzufüh-
Dauer der Hautläsion patientenfern ein- halten. Für Patientenzimmer wird in ren, um eine Rekontamination der Hände
zusetzen. Abhängigkeit von der Anzahl der Pati- von Seiten der Kittelflasche zu verhindern.
Beim atopischem Ekzem ist das Risiko entenbetten bettennah als Mindestaus-
der Besiedlung mit S. aureus einschließ- stattung ein Spender pro Patientenbett 3.4 Indikationen
lich MRSA erhöht [128, 129]. Deshalb auf Intensiv- und Dialysestationen und
empfiehlt es sich, bei Mitarbeitern mit ato- auf Nicht-Intensivstationen ein Spender Indikationen zur Händedesinfektion sind
pischem Ekzem und ggf. anderen chroni- für zwei Patientenbetten sowie einer in Situationen, in denen eine Händedesin-
schen Hauterkrankungen eine Kolonisati- der Sanitärzelle empfohlen. Die Art der fektion die Übertragung von potentiell pa-
on mit MRSA und ggf. anderen potentiell eingesetzten Spender, d. h. fest an der thogenen Erregern auf Patienten, Personal
pathogenen Erregern auszuschließen und Wand oder am Bett montierte Spen- sowie Gegenstände und Oberflächen un-
im Fall des Nachweises die Möglichkeit der, mobile Spender mit Dosierpumpen terbricht. Beobachtungsstudien zur Hän-
der Behandlung bzw. Dekolonisation zu oder Kittelflaschen, richtet sich nach den dehygiene-Compliance zeigen immer
überprüfen. Für die Dauer der Erreger- räumlichen Verhältnissen und den zu wieder, dass es für die Mitarbeiter bei ho-
freisetzung sind die Mitarbeiter patien- versorgenden Patienten (. Tab. 1). Z. B. her Arbeitsbelastung mit häufigen Unter-
tenfern einzusetzen. kann es in der Geriatrie, Psychiatrie und brechungen von Arbeitsabläufen schwie-
Eine hohe Compliance der Hände- Pädiatrie sowie ambulanten Diensten rig ist, eindeutig die Indikationen zur
desinfektion ist nur mit optimaler Aus- sinnvoll sein, auf Kittelflaschen sowie auf Händedesinfektion zu erkennen [132].
stattung mit Händedesinfektionsmitteln Spender am Visiten- oder Verbandwagen Die WHO hat basierend auf den Er-
erreichbar [34, 130, 131]. Es muss ge- zurückzugreifen, um Gefährdungen der kenntnissen zur Erregertransmission
währleistet sein, dass für die Mitarbei- Patienten durch das Desinfektionsmittel über die Hände die sich daraus ableiten-
ter keine zusätzlichen Wege entstehen, auszuschließen. Ferner sind mobile oder den Indikationen in 5 Indikationsgrup-
um im Verlauf der Patientenversorgung montierte Spender an sauberen Arbeits- pen („five moments“) als Grundlage für
Zugang zum Händedesinfektionsmittel plätzen, am Visiten- oder Verbandwagen die Schulung und das Training der Hän-
zu erhalten. Da die weitaus überwiegen- und in Schleusen vorzuhalten (. Tab. 1). dedesinfektion zusammengefasst. Da-
Erweiterte Patientenumgebung
Abb. 1 9 Die 5 Indika- Sie beinhaltet alle darüber hinaus gehen-
tionen der Händedes- den Bereiche, die seitens des Patienten
infektion (adaptiert kontaminiert werden können.
nach [134] und [33]). Die Indikationen der Händedesinfek-
Mit freundlicher
tion (. Tab. 2) ergeben sich aus verschie-
Genehmigung von
Elsevier denen Risiken seitens des Patienten und
des Personals [134]. Entscheidend ist, dass
durch soll zugleich das Wiedererkennen Bereich überträgt, erscheint es adäquat, durch die Händedesinfektion die Übertra-
von Indikationen im Arbeitsablauf er- die Situation „vor und nach Patientenkon- gung von Krankheitserregern verhindert
leichtert werden. Darüber hinaus können takt“ auf die körperliche Untersuchung zu wird.
Beobachtungen zur Compliance auf der begrenzen [[Link] Da sich die Händedesinfektion beim
Grundlage des Modells leichter standar- [Link]/ash/module/ambulante-medi- Personal als wirksamste Maßnahme zur
disiert und verglichen werden [33]. Die zin/5-indikationen/]. Im Altenheim ist die Prävention nosokomialer Infektionen er-
fünf Indikationsgruppen beinhalten die Situation vergleichbar, d. h. eine Hände- wiesen hat und durch Händedesinfektion
Händedesinfektion unmittelbar vor Pati- desinfektion ist vor und nach der Körper- selbst in nichtmedizinischen Bereichen
entenkontakt, unmittelbar vor aseptischen pflege oder beim Lagern eines Bewohners eine Herabsetzung gastrointestinaler und/
Tätigkeiten, unmittelbar nach Kontakt mit indiziert [[Link] oder respiratorischer Infektionen bzw.
potentiell infektiösen Materialien, nach [Link]/ash/module/alten-und-pflege- Krankheitstage erreichbar war, ist davon
Patientenkontakt und nach Kontakt mit heime/5-indikationen/]. auszugehen, dass auch Patienten davon
der unmittelbaren Patientenumgebung profitieren, wenn sie selbst und ihre An-
(. Abb. 1). Diese Indikationen gelten in Unmittelbare Patientenumgebung gehörigen sich die Hände situationsab-
der stationären ebenso wie in der am- Sie umfasst die unmittelbare Umgebung hängig desinfizieren. In Anlehnung an die
bulanten Pflege. Grundsätzlich soll auch des Patienten, d. h. typischerweise alle WHO können die folgenden „Fünf Mo-
nach dem Ablegen steriler und unsteriler Oberflächen, die entweder direkt mit mente“ für die Händedesinfektion des Pa-
Schutzhandschuhe eine Händedesinfek- dem Patienten in Kontakt kommen (Bett- tienten als relevant anzusehen [141]:
tion durchgeführt werden [33], weil eine wäsche, Bettgestell) oder häufig vom Pa- 55Bei Betreten des Patientenzimmers,
Kontamination sowohl durch unbemerk- tienten selbst oder im Verlauf der Versor- 55bei Verlassen des Patientenzimmers,
te Perforation als auch beim Ablegen nicht gung des Patienten vom Personal berührt 55vor Esseneinnahme,
auszuschließen ist. werden (z. B. Bettgestell, Nachttisch, ge- 55nach Benutzung der Sanitäreinheit
Das WHO Modell definiert darüber schlossene Infusions- und Drainagesys- (WC),
hinaus eine unmittelbare und eine erwei- teme, Monitore). Dazu gehören z. B. auch 55vor und nach Kontakt mit der eigenen
terte Patientenumgebung. Die Indikatio- das Beatmungsgerät und für die Dauer der Wunde, mit Schleimhäuten oder vor
nen zur Händedesinfektion ergeben sich Dialyse das Dialysegerät. Patienten nahe Betreten von Risikobereichen.
aus der Abfolge der Tätigkeiten am Patien- Oberflächen und Strukturen werden im
ten sowie aus der Bewegung zwischen den Verlauf der Patientenversorgung rasch Ergänzend ist ein Hinweis auf die Ver-
definierten Bereichen. und in hohem Maß mit der jeweiligen Pa- meidung unnötiger Kontakte mit Ober-
Auf einer Dialysestation konnte durch tientenflora kontaminiert [135–140]. flächen im Krankenhaus sinnvoll. Falls
Schulung und kritische Überprüfung von Innerhalb der unmittelbaren Patienten- das unvermeidbar ist, wird die anschlie-
Arbeitsabläufen auf der Grundlage des umgebung werden kritische Bereiche defi- ßende Durchführung einer Händedesin-
Modells die Compliance der Händedesin- niert, in denen aseptische Tätigkeiten oder fektion empfohlen.
fektion bei sinkender Anzahl von Indikati- Handkontakte oder Kontakte zu potentiell
onen um ca. 30 % verbessert werden [133]. infektiösen Materialien stattfinden wie z. B. Technik
Sofern man das Handlungsmodell der 55mit natürlichen Körperöffnungen wie Zur effizienten Unterbrechung der
„five moments“ auf den niedergelassenen Mund, Nase, Augen Erreger
übertragung ist die korrekte
Durchführung der Händedesinfektion 4 Die Chirurgische tionen nachweisbar [148, 149]. Dennoch
unerlässlich. Hierzu wird ein Volumen Händedesinfektion ist der Einsatz von Handwaschpräparaten
von etwa 3–5 ml bzw. der Menge, die in keine Alternative für alkoholische Ein-
eine Hohlhand passt, so in beide Hän- Die chirurgische Händedesinfektion ist reibepräparate zur chirurgischen Hände-
de eingerieben, dass die gesamte Ober- Standard vor jedem operativen Eingriff desinfektion, da die Hautverträglichkeit
fläche der Hand, d. h. Fingerspitzen, Na- [146], um präoperativ die transiente Flora alkoholischer Einreibepräparate deut-
gelfalze, Daumen, Fingerzwischenräume, der Hände zu eliminieren und die residen- lich besser als von Handwaschpräpara-
Innen- und Außenflächen für die Dauer te Flora der Hände für die Dauer der OP ten ist [150, 151]. Auch das Kontamina-
der vom Hersteller deklarierten Einwirk- größtmöglich zu reduzieren. Zusätzlich tionsrisiko beim Waschvorgang durch die
zeit (üblicherweise 30 s) mit dem Des- wird das Kontaminationsrisiko durch das Emission der Siphonflora beim Abspülen
infektionsmittel benetzt sind. Werden Tragen steriler OP-Handschuhe reduziert. der Hände spricht gegen den Einsatz von
<2 ml appliziert, verringert sich die be- Für aseptisches Arbeiten an klinischen Handwaschpräparaten [152, 153].
netzte Fläche signifikant [142]. Das Des- Reinraumplätzen z. B. in einer Hornhaut- Für Alkohol basierte Präparate mit Zu-
infektionsmittel soll insbesondere an den bank, ist die chirurgische Händedesinfek- satz von Chlorhexidin steht der Nachweis
Fingerspitzen, Nagelfalzen und Daumen tion mit nachfolgendem Anlegen steriler der höheren Wirksamkeit in Bezug auf die
eingerieben werden [143, 144]. Das wird Handschuhe zu empfehlen [147]. Prävention postoperativer Wundinfektio-
allerdings oft nicht ausreichend berück- nen aus. Auch wenn einige Studien zei-
sichtigt [145]. Beim Vergleich der in der 4.1 Mikrobizide Wirksamkeit gen, dass durch den Zusatz von Chlorhe-
DIN EN 1500 [17] vorgegebenen Bewe- und Verträglichkeit xidin die remanente Wirkung verbessert
gungsabfolge mit selbst gewählter Einrei- wird [154–156], ist bei der Ergebnisin-
betechnik mit dem Fokus der Benetzung Die Anforderungen an die Wirksamkeit terpretation zu berücksichtigen, dass kei-
der o. g. Handflächen konnte kein Vor- unterscheiden sich gemäß DIN EN 12791 ne Neutralisierung von Chlorhexidin in
teil zur Bewegungsabfolge der Prüfnorm [18] nicht zwischen mikrobiziden Hand- der Ausknetflüssigkeit durchgeführt wur-
nachgewiesen werden [143]. Allerdings waschpräparaten und alkoholischen Ein- de. Das führt ggf. zu einer Vermehrungs-
ist eine standardisierte Bewegungsabfolge reibepräparaten; demzufolge war bei al- hemmung noch verbliebener Bakterien,
beim Erlernen der Technik sinnvoll. ternativer Anwendung je eines Vertreters so dass falsch niedrige Koloniezahlen ge-
beider Präparatetypen kein Unterschied messen werden. Die Aussagekraft der Er-
auf die Rate postoperativer Wundinfek- gebnisse ist daher eingeschränkt. Hinzu
zulehnen, zumal dadurch keine weitere Waschplatz angrenzen, sind diese durch turen bergen ein hygienisches Risiko, weil
Verminderung der residenten Flora er- einen Spritzschutz so abzuschirmen, dass sich z. B. Gram-negative Nonfermenter
reicht wird [200–202]. Zur Desinfekti- es (insbesondere in Bereichen der Zube- ansiedeln können, was Ursache von Aus-
on werden die Hände und Unterarme für reitung von Medikamenten) nicht zu einer brüchen war [214–220].
die Dauer der deklarierten Einwirkungs- Kontamination der Umgebung kommen Spender für Einmalhandtücher müs-
zeit durch eine eingeübte Einreibetechnik kann [211–213]. Der Handwaschplatz sen eine einfache Entnahme ermöglichen,
benetzt. Bei der Händedesinfektion wer- muss abhängig von den räumlichen Be- ohne dass die nachfolgenden Handtücher
den zunächst die Hautareale der Hand, dingungen mit wandmontierten Spen- und die Entnahmeöffnung kontaminiert
dann des Unterarms bis zum Ellenbogen dern für Händedesinfektionsmittel und werden. Für gebrauchte Handtücher ist
und nachfolgend wieder die Hände be- Handwaschpräparat und mit Einmal- ein Sammelbehälter (Papierkorb bzw.
netzt. In dieser Händedesinfektionspha- handtüchern ausgestattet sein [4]. Der Plastiksack) vorzusehen und für dessen
se soll das Hauptaugenmerk beim Einrei- Wasserstrahl darf nicht direkt auf den Ab- regelmäßige Entleerung Sorge zu tragen,
ben auf die Fingerkuppen, Nagelfalze und fluss gerichtet sein, um die Entstehung des um von Seiten der Patienten einer Entsor-
Fingerzwischenräume gelegt und eine lü- erregerhaltigen Aerosols aus dem Siphon gung in die Toilette mit ggf. nachfolgender
ckenlose Benetzung erreicht werden. Für zu minimieren [194]. Verstopfung der Abwasserrohrsysteme
die Einwirkungszeit von 1,5 min [203] er- Hautpflegemittel können in Spendern vorzubeugen. Alternativ kommen Retrak-
wies sich folgendes Vorgehen als effektiv: oder in herkömmlicher Form als Tuben tivspender mit automatischem Vorschub
Zunächst werden beide Hände (10 s) und bereitgestellt werden. Ersteres hat den des Textilhandtuchs in Betracht, das von
im 2. Schritt beide Unterarme benetzt (10 Vorteil der Herabsetzung des Kontami- einer Rolle abgespult und nach der Benut-
s). Dem schließt sich die Händedesinfekti- nationsrisikos des Hautpflegemittels, so- zung auf einer zweiten Rolle ohne Kontakt
onsphase (70 s) mittels Einreiben an [204]. fern Einmalgebinde eingesetzt werden. zur unbenutzten Handtuchrolle aufgerollt
Dabei hat die Anzahl der applizierten Por- Zugleich wird die Nutzung erleichtert. Es wird. Allerdings ist zu berücksichtigen,
tionen keinen Einfluss, solange die Hän- ist als ausreichend anzusehen, wenn Haut- dass Stoffhandtücher auf Rollen häufig
de über die Dauer der Einwirkungszeit pflegemittel z. B. im Stationsdienstzim- nicht einwandfrei funktionieren und im
mit dem Präparat benetzt gehalten wer- mer, in Umkleiden und in Pausenräumen Gebrauch störanfällig sind.
den [205]. Es ist zu beachten, dass dieses verfügbar sind. Konventionelle Heißlufttrockner sind
Vorgehen nur für Produkte mit einer de- Handwaschplätze müssen in Räumen für Gesundheitseinrichtungen ungeeig-
klarierten Einwirkzeit von 1,5 min unter- oder in der Nähe von Räumen vorhanden net, weil die Trocknungswirkung im Ver-
sucht wurde. sein, in denen diagnostische oder invasi- gleich zum Handtuch geringer ist [221–
Die Hände sollen trocken sein, bevor ve Maßnahmen stattfinden, in Räumen, 223]. Nur „jet air“ Händetrockner mit
die OP-Handschuhe angelegt werden, weil die der Vorbereitung solcher Maßnah- Infrarot erwiesen sich bei 10 s Anwen-
dadurch die Perforationsgefahr verringert men dienen, sowie in unreinen Arbeits- dung dem Papierhandtuch in der Trock-
[206], das Irritationsrisiko reduziert [207] bereichen bzw. in deren Nähe, aber z. B. nungswirkung gleichwertig [224]. Da
und Wirksamkeit der alkoholischen Hän- nicht im Arztdienstzimmer. Für jedes nach Händewaschung durch sorgfälti-
dedesinfektion bei 1 min Lufttrocknung Patientenzimmer sollte eine für die Be- ge Händetrocknung die Translokation
signifikant verbessert werden [208, 209]. schäftigten leicht erreichbare Waschge- von Bakterien von den Händen auf Kon-
legenheit möglichst in der Sanitärzelle taktflächen signifikant herabgesetzt wird
5 Die Händewaschung verfügbar sein, die analog wie der Hand- [221, 225], ist auch unter diesem Ge-
waschplatz ausgestattet sein soll, damit sie sichtspunkt die Händetrocknung wich-
5.1 Ausstattung medizinischer im Bedarfsfall vom Personal genutzt wer- tig [226, 227]. Allerdings war nach vor-
Handwaschplätze den kann. Das betrifft z. B. die Händewa- her durchgeführter Händedesinfektion
schung nach Ablegen der Handschuhe keine erhöhte Translokation durch Heiß-
Ein hygienischer Handwaschplatz muss nach der Versorgung von Patienten mit lufttrockner nachweisbar [228, 229]. Nach
mit Zulauf für warmes und kaltes Was- C. difficile assoziierter Diarrhoe oder nach Händewaschung wird durch Papier- oder
ser ausgestattet sein [4]. Bei einer Neu- unerwarteter massiver Verunreinigung/ Textilhandtuch signifikant mehr Rest-
einrichtung oder wesentlichen Umgestal- Kontamination der Hände im Rahmen flora als durch Heißlufttrockner entfernt
tung eines Handwaschplatzes ist auf ein der Patientenversorgung. [230–232]. Schließlich ist bei der Aus-
ausreichend groß dimensioniertes, tief Waschbecken, die von Beschäftigten wahl des Trocknungssystems zu berück-
ausgeformtes Handwaschbecken ohne mit direktem Patientenkontakt genutzt sichtigen, dass Nutzer bezüglich Komfort
Überlauf zu achten. Der Verzicht auf ei- werden oder sich in kritischen Bereichen und Nutzerfreundlichkeit Einmalhandtü-
nen Überlauf im Waschbecken erscheint befinden, müssen eine handkontaktlo- cher gegenüber Heißlufttrocknern bevor-
nicht nur hygienisch plausibel, sondern se Bedienung mittels verlängerter Hebel- zugen [226] und die Lärmbelastung bei
der kolonisierte Überlauf konnte als Ur- armatur ermöglichen oder mittels Fuß- „jet air“ Trocknern in 0,5 m Entfernung
sache einer Häufung von Serratia lique- oder Knieauslösung das Wasser freigeben, 94 dB erreicht [224]. Für einen „air blade“
faciens Infektionen identifiziert werden um eine Weiterverbreitung von Krank- Trockner wurde ermittelt, dass die Anzahl
[210]. Falls saubere Arbeitsflächen an den heitserregern zu verhindern. Sensorarma- freigesetzter Tröpfchen beim Trocknungs-
Waschen mit einem kontaminierten flüs- nicht bespritzt werden (z. B. bei Blut- 55Strahlenschutz (PSA-Handschuh),
sigen Handwaschpräparat die Anzahl verunreinigung). Der ggf. kontami- 55Reduzierung der im Handschuh ent-
Gram-negativer Erreger auf den Händen nierte Bereich ist danach zu desinfi- stehenden Schweißmenge (textiler
ansteigt und eine Weiterverbreitung auch zieren und der Kittel zu wechseln. Im Unterziehhandschuh),
in Gemeinschaftseinrichtungen möglich Anschluss sind die Hände zu desin- 55Unterbindung der Erregerfreisetzung
erscheint [263]. Selbst wenn die Spender fizieren. von der Hand in aseptische Bereiche
mit Einwegflaschen bestückt werden, ist 55Bei punktueller Verunreinigung kann (steriler medizinischer Einmalhand-
bei nicht ordnungsgemäßer vollflächiger diese mit einem mit HDM getränk- schuh; s. 6.2).
Reinigung und Desinfektion der Spender tem Papierhandtuch, Zellstoff o. Ä.
einschließlich des Steigrohrs eine Konta- entfernt und danach die Hand desin- Pathogenfreier medizinischer
mination des Handwaschpräparats mög- fiziert werden. Einmalhandschuh
lich [260, 268, 269]. Als Fazit ist die An- Die häufig verwendete Bezeichnung kei-
wendung von Handwaschprodukten in 6 Maßnahmen zum Schutz marmer Handschuh sagt nichts über die
Stückform in medizinischen und pflege- vor Kontamination mikrobielle Unbedenklichkeit aus, weil
rischen Bereichen obsolet. und vor Chemikalien die Qualität „keimarm“ bisher nicht ge-
regelt ist. Für Einmalhandschuhe ist im
5.3 Indikationen 6.1 Medizinische Unterschied zu sterilen medizinischen
Einmalhandschuhe OP-Handschuhen lediglich die Quali-
Zweck der Händewaschung ist die Rei- und Schutzhandschuhe tät gemäß EN 420 [273] bzw. ISO 11193-
nigung der Hände zur Entfernung von 1 [274] und 2 [275] und gemäß EN 455
Schmutz und Verunreinigungen sowie zur Bei Handschuhen ist zwischen MP und Teil 1–4 [276–279] definiert; es gibt aber
Entfernung lose adhärierter Krankheitser- PSA zu unterscheiden. Erstere dienen für den direkt aus der Originalverpackung
reger, sofern diese nicht durch Händedes- dem Infektionsschutz des Patienten und entnommenen Einmalhandschuh kei-
infektion abgetötet werden können (z. B. nur nachgeordnet auch des Trägers, wäh- ne Anforderung bezüglich des Freiseins
bei Kontamination mit Bakteriensporen, rend PSA ausschließlich dem Schutz des von potentiell pathogenen Mikroorganis-
Helminthen, Kryptosporidien, Oozysten Trägers vor chemischen und physikali- men oder bezüglich einer höchstzulässi-
und Protozoen). Bei starker Belastung der schen Risiken sowie vor Biostoffen die- gen mikrobiellen Gesamtbelastung. Auch
Hände mit Schweiß (z. B. nach langer OP) nen. MP unterliegen der Richtlinie 93/42/ im Englischen oder Französischen erlaubt
empfiehlt es sich, die Hände vor der Hän- EWG. PSA unterliegt der Richtlinie die Bezeichnung „clean single-use gloves“
dedesinfektion mit einem Papierhandtuch 89/656/EWG. Seit 2010 erlaubt die Neu- bzw. „gants d’examen“ (Untersuchungs-
zu trocknen. Gegebenenfalls sollten ab- fassung der EU-Richtlinie 2007/47/EG handschuhe) keinen Rückschluss auf die
schließend eine Händewaschung und die die duale Kennzeichnung von Produkten mikrobielle Unbedenklichkeit. Gleiches
Anwendung einer hautpflegenden Lotion für einen doppelten Verwendungszweck trifft für die von Hughes et al. [280] ver-
erfolgen [270]. Nach Toilettenbenutzung als MP und als PSA sowie deren entspre- wendete Bezeichnung „nicht steril“ zu.
ist das Standardverfahren die Händewa- chende doppelte CE-Kennzeichnung. Der Eine stichprobenartige Überprüfung nicht
schung. Bei Diarrhoe oder Rhinitis kann Einsatz von Einmalhandschuhen, die kein steriler medizinischer Einmalhandschu-
eine Händedesinfektion sinnvoll sein. MP oder keine PSA sind und daher nicht he aus der Originalverpackung vor der
den Qualitätskriterien der Normenserie Auslieferung an den Verbraucher ergab
5.4 Technik EN 455 und EN 374 entsprechen, ist im eine Gesamtkoloniezahl aerober Bakteri-
Umfeld von Patienten abzulehnen. en <100 KbE/100 ml Sammelflüssigkeit,
Bei der Händewaschung sind besonders Handschuhe werden in Gesundheits- die damit deutlich unter dem zulässigen
die subungualen Räume zu berücksichti- einrichtungen mit folgenden Indikationen Grenzwert für Trinkwasser lag [281]. Bei
gen, da sie den größten Teil der Handflora eingesetzt [Broschüre „Haut- und Infek- aseptischer Entnahme von Handschuhen
enthalten [271]. Stellt sich der Wasserlauf tionsschutz im Gesundheitswesen“ http:// aus Boxen auf einer orthopädischen Sta-
nicht automatisch ab, wird er mit dem ge- [Link]/[Link]- tion differierte die Gesamtbelastung zwi-
brauchten Handtuch oder dem Ellenbo- [Link]/sitecollectiondocuments/30_ schen 0 und 9,6 × 103 KbE/Handschuh.
gen geschlossen [272]. gesundheitsth_arbmed/hautschutz_ge- Neben Bacillus spp. und Koagulase-nega-
Ist zusätzlich zur hygienischen Hände- [Link]]: tiven Staphylokokken wurden E. faecalis,
desinfektion eine Reinigung erforderlich, 55Schutz des Trägers vor Kontamination K. pneumoniae, Pseudomonas spp. oder
soll diese bis auf folgende Ausnahmen erst mit Blut, Sekreten und Exkreten ein- S. aureus in 13 % der Proben nachgewie-
nach der Desinfektion durchgeführt wer- schließlich Krankheitserregern und sen [280]. Da Einmalhandschuhe zur An-
den [47]: indirekt zur Unterbrechung von In- wendung in nicht sterilen Bereichen nicht
55Stark verschmutzte Hände werden zu- fektionsketten (pathogenfreier medi- nur mit intakter Haut, sondern auch mit
nächst vorsichtig abgespült und dann zinischer Einmalhandschuh), Schleimhäuten in Kontakt kommen, z. B.
gewaschen. Dabei ist darauf zu ach- 55Schutz vor Chemikalieneinwirkung zur Mundhöhlenpflege bei beatmeten Pa-
ten, dass Umgebung und Kleidung (PSA-Einmalhandschuh), tienten oder zur vaginalen oder rektalen
trotz nachgewiesener Effektivität als unge- 55Bei der Aufbereitung von Patienten- ten OP-Handschuhen die postoperative
löste Frage ein, solange die Konsequenzen zimmern oder anderen Räumen ohne Wundinfektionsrate signifikant höher war
für die Materialintegrität unbekannt sind. bekanntes Risiko einer Kontamina- als bei nicht perforierten [196, 197]. Beim
Werden Handschuhe nicht mit einem tion mit MRE oder mit Erregern mit Anlegen der Handschuhe ist zu beachten,
automatischen Handschuhspender bereit- dem Potential einer epidemischen dass diese am Ärmelbündchen des Kittels
gestellt oder aus einer Box entnommen, Ausbreitung sind bei jedem Raum- dicht abschließen.
die bei Entnahme des ersten Handschuhs wechsel die behandschuhten Hände Im OP-Bereich empfiehlt sich grund-
den nachfolgenden soweit freigibt, das die einer Händedesinfektion zu unter- sätzlich der Einsatz latexallergenarmer
Entnahme ohne Berührung der Box und ziehen. OP-Handschuhe, da bisher von kei-
weiterer Handschuhe möglich ist, sondern 55Die Handschuhe sind für die dekla- nem anderen Material gleichwertige Ei-
aus üblichen Pappboxen entnommen, ist rierte Tragedauer personengebunden genschaften hinsichtlich Tragekomfort,
vor der Entnahme eine Händedesinfekti- zu verwenden. Passgenauigkeit, Griffigkeit und mecha-
on durchzuführen. Angebrochene Boxen 55Am Ende der Arbeitsschicht sind die nischer Belastbarkeit wie für Naturlatex
sollen vor Kontamination durch Staub, Handschuhe zu entsorgen oder im erreicht werden. Der Proteingehalt muss
Spritzwasser, Tröpfchen geschützt werden. Fall der Aufbereitbarkeit einem vali- < 30 µg/g Handschuhmaterial betragen
Eine Bevorratung einzelner Handschuhe dierten Desinfektionsverfahren zu- [274]. Gepuderte Latexhandschuhe sind
in der Kitteltasche ist nicht zulässig. zuführen und danach hygienisch zu wegen des Allergisierungsrisikos unter-
lagern. sagt [291]. Bei Patienten mit einem er-
Schutzhandschuhe (PSA) gegen höhten Risiko für die Entwicklung einer
Chemikalien und Mikroorganismen Feuchtigkeitsabsorbierende textile Latexallergie wird die naturlatexfreie Ver-
Sie müssen sowohl die allgemeinen An- Unterziehhandschuhe sorgung empfohlen. Das betrifft Patien-
forderungen der EN 420 [273] insbeson- Hierbei handelt es sich um dünne, ten, die von Geburt an an Spina bifida,
dere Unschädlichkeit, Ergonomie und mehrfach verwendbare in Desinfek- urogenitalen Fehlbildungen, Ösophagus
Widerstand gegen Wasserdurchdringung tions-Waschverfahren aufbereitbare atresie und weiteren Missbildungen lei-
erfüllen, als auch die speziellen Anforde- Baumwollhandschuhe, deren Einsatz in den und die wiederholt operiert werden
rungen bezogen auf den Einsatzzweck, der TRBA 250 [4] bei längerem Tragen [303–309]. Durch latexfreie OP-Hand-
d. h. Schutz vor Chemikalien und Mik- von luftundurchlässigen Schutzhand- schuhe, latexfreie Anästhesie und Lat-
roorganismen gemäß EN 374 Teil 1,2,4 schuhen zur Reduktion des Handschwei- exallergenvermeidung im Alltag konnte
und 5 [294, 296–298] sowie mechanische ßes für sinnvoll erachtet wird. Sie werden die Latexsensibilisierungsprävalenz sig-
Festigkeit. Die ASTM F1671 gibt Auskunft zusammen mit dem Schutzhandschuh ge- nifikant gesenkt werden [310, 311]. Tal-
über den Widerstand gegen Krankheits- wechselt. Ihr Einsatz hat sich für medizini- kum und Ersatzprodukte bergen die Ge-
erreger, die über Blut übertragen werden, sche Tätigkeiten als durchführbar erwie- fahr der Granulombildung im OP-Gebiet
z. B. Viren [299]. Die Prüfung der Barrie- sen, wobei subjektiv durch Absorption und sind nicht zu empfehlen [312–316].
refunktion für Zytostatika ist derzeit eben- der Feuchtigkeit ein günstiger Einfluss Für eine Emulsion mit Maisstärke ist das
falls nur durch die ASTM D6978-05 gere- auf den Hautzustand ausgeübt wird, so- nicht untersucht; da aber kein Einfluss
gelt [300]. dass ein Routineeinsatz in der Patienten- auf die Schweißmenge nachweisbar war
Für die Auswahl ist zu beachten, dass pflege von Pflegekräften und Physiothera- [317], ist sie entbehrlich.
in Abhängigkeit von der Durchbruchzeit 6 peuten überwiegend bejaht wurde [301]. Bei chirurgischen Eingriffen mit er-
Klassen [294] unterschieden werden. So- höhtem Perforationsrisiko und/oder chi-
fern die Handschuhe für die Unterhalts- 6.2 Sterile Einmalhandschuhe rurgischen Eingriffen an Patienten mit
reinigung eingesetzt werden, ist auf die erhöhtem Infektionsrisiko wird für das
adäquate Auswahl (z. B. lange Stulpen) zu Sterile Einmalhandschuhe sind MP. Ge- OP-Team das Tragen von zwei Paar über-
achten. Überschreitet die Tragedauer z. B. mäß europäischem Arzneibuch müssen einander gezogenen OP-Handschuhen
2 Stunden, ist Klasse 4 auszuwählen, so- Sterilität und Freisein von Pyrogenen ge- (sog. double gloving) möglichst mit Indi-
fern der Hersteller des Flächendesinfek- währleistet sein; ferner werden Dichtheit, katorsystem empfohlen [127, 318]. Da be-
tionsmittels keine andere Angabe macht. Reißfestigkeit sowie Abrieb- und Schnitt- kannt ist, dass die Perforationsrate mit zu-
Sofern die Schutzhandschuhe tätigkeits- festigkeit geprüft [302]. nehmender Dauer der OP steigt, wird bei
bzw. bereichsübergreifend getragen wer- Das Anlegen steriler Handschuhe vor längeren OPs diskutiert, ob bzw. wann ein
den, ist eine Weiterverbreitung von Er- operativen Eingriffen und invasiven pfle- routinemäßiger Handschuhwechsel sinn-
regern möglich, sofern nicht folgende gerischen Maßnahmen soll die Übertra- voll und begründet ist. Die Vorschläge
Maßnahmen eingehalten werden: gung von Krankheitserregern auf sterile/ reichen von 30 bis 180 min [319]. Insge-
55Werden Isoliereinheiten der desinfi- nicht kolonisierte Bereiche des Patien- samt sind die Daten jedoch unzureichend,
zierenden Reinigung unterzogen, sind ten bzw. die Kontamination steriler Ma- um eine allgemeine Empfehlung geben zu
beim Verlassen der Einheit die Hand- terialien verhindern. Die Notwendigkeit können [26, 320].
schuhe abzuwerfen und eine Hände- zum Tragen von OP-Handschuhen lässt Bei Tragen von nur einem Paar Hand-
desinfektion durchzuführen. sich daraus ableiten, dass bei perforier- schuhen haben sich in der Viszeralchi-
her bei Spendern für Handwaschpräpa- in 109 Krankenhäusern erhobenen Daten Zugangsmöglichkeit zu Desinfektions-
rate die Verwendung von Einmalpumpen zur Compliance wurde deutlich, dass trotz mitteln einen signifikanten Anstieg der
am Gebinde, die mit dem leeren Gebin- einer Compliance von durchschnittlich Compliance-Rate von 39 % auf 59 % (nach
de verworfen werden. Sofern aufbereit- 73 % (10. Percentile 55 %, 90. Percentile Patientenkontakt), verbunden mit einer
bare Spendersysteme eingesetzt werden, 89 %) [334] noch Verbesserungspotential Senkung von NI von 11,3 auf 6,3 pro 1000
ist bei der Auswahl darauf zu achten, dass besteht, insbesondere, wenn davon ausge- Patiententage [83]. In der Intensivpflege
der Hersteller eine Vorschrift zur Aufbe- gangen wird, dass sich durch direkte Be- war die Compliance bei Manipulationen
reitung bereitstellt. Die manuelle Aufbe- obachtung die Rate der Händedesinfekti- am Beatmungssystemzubehör am höchs-
reitung beinhaltet konstruktionsabhängig onen deutlich erhöht (Hawthorne-Effekt) ten, gefolgt von Manipulationen am Harn-
folgende Schritte: Abwischen des Steig- bzw. bei einer Compliance von 51 % in der wegkatheter und an Wundverbänden. Bei
rohrs mit Einmaltuch, Reinigung der Größenordnung von 180 % bewegen kann Manipulationen an zentralen oder peri-
Dosierpumpe unter fließendem heißen [335, 336]. Auf Grund des Stellenwerts der pheren Gefäßzugängen war die Compli-
Wasser, Trocknen, Reinigung des Spen- Händehygiene müssen alle Möglichkei- ance am geringsten. Die vergleichsweise
dergehäuses unter fließendem heißen ten ausgeschöpft werden, eine maxima- höchste Compliance bei Manipulationen
Wasser, Trocknen, Wischdesinfizieren le Compliance in ihrer Durchführung zu am Zubehör des Beatmungssystems hat
von Spendergehäuse, Rückwand und Do- erreichen. Dazu gehören die Etablierung ihre Ursache offenbar im angestrebten Ei-
sierpumpe, Zusammensetzen des Spen- von Messverfahren zur Compliance sowie genschutz des Pflegepersonals [343]. Dazu
ders und wiederholtes Durchpumpen ei- die Analyse und Optimierung von Rou- steht in Übereinstimmung, dass auch das
nes Desinfektionsmittels. tinearbeitsabläufen. Neben der Verbesse- Tragen medizinischer Einmalhandschu-
Es existieren nur wenige Daten zur rung der Compliance der Händedesinfek- he zur Unterlassung der Händedesinfek-
Kontamination von Handwaschpräpara- tion ist auch die korrekte Durchführung tion verleitet [346]. Die Beobachtungser-
ten. Gleich et al. zeigten [330], dass Wasch ein weiterer wichtiger Aspekt [337]. gebnisse eröffnen die Möglichkeit, eine
lotionen nur zu 10 % mit max. 2 KbE von Um einen Effekt der Händedesinfek- Verbesserung der Compliance gerade bei
Vertretern der Umweltflora (Koagula- tion auf die Raten von NI und MRE zu den Indikationen zu trainieren, für die
se-negative Staphylokokken, Mikrokok- erzielen, muss eine hohe Compliance der sich entweder in Studien [342, 347, 348]
ken oder aerobe Sporenbildner) kontami- Händedesinfektion durch das Personal oder durch eigene Beobachtungen Defizi-
niert waren. Selbst am Auslass war trotz erreicht werden [338]. Die Compliance te ergaben.
sichtbarer Verschmutzung zu 25 % keine der hygienischen Händedesinfektion so- Die im Rahmen der nationalen Hän-
Kontamination nachweisbar. Bei Ausbrü- wie die Faktoren für Nicht-Compliance dehygienekampagne 2014 aus 109 Kran-
chen mit Handwaschpräparaten waren sind in den letzten Jahren gut untersucht kenhäusern und 576 Stationen gewon-
offene Flaschen bzw. nachfüllbare offene worden [337, 339, 340]. In Bereichen, in nenen Complianceraten lagen je nach
Spendersysteme für Handwaschpräparate, denen keine Interventionen zur Hände- Berufsgruppe zwischen 64 % und 77 %
nicht aber geschlossene Systeme ursäch- desinfektion durchgeführt worden sind, und je nach Fachrichtung zwischen 64 %
lich [331–333]. ergaben sich z. T. erhebliche Defizite mit und 83 % [334]. Von >700 Krankenhäu-
Bei beiden Spenderarten müssen die Complianceraten zwischen 5–81 %, der sern, die an der AKTION Saubere Hände
fixen Außen- und Innenteile aufbereit- Mittelwert bei etwa 40 % [34, 338, 339, teilnahmen, haben sich 180 an Beobach-
bar sein. Das ist auch maschinell mög- 341]. Bei ausreichender Anzahl von Spen- tungsstudien beteiligt. Die in 163 Kran-
lich [269]. Für das Aufbereitungsintervall dern und Schulungen konnte dieser Wert kenhäusern ermittelte Baseline von 60,9 %
gibt es keine Evidenz. Sichtbare Verunrei- bis auf 70 % gesteigert werden [342]. In konnte in den beobachteten Bereichen auf
nigungen des äußeren Gehäuses und al- Deutschland wurde je nach Berufsgruppe, 72,3 % verbessert werden [349]. So wur-
ler ohne weitere Manipulation zugängli- Fachrichtung oder Art der Tätigkeit eine de im Ergebnis einer Studie mit direkter
chen Teile sowie Tropfnasen am Auslass durchschnittliche Compliance zwischen Beobachtung gemäß Protokoll der AKTI-
sind durch Wischdesinfektion zu beseiti- 41 % und 55 % mit hoher Variationsbreite ON Saubere Hände 2008 eine Ausgangs-
gen. Für Bedienhebel empfiehlt sich eine ermittelt [343–345]. Nach Pittet et al. [34] compliance bei Ärzten und Pflegekräften
tägliche Wischdesinfektion durch den differiert die Compliance zwischen 16– von 53 % bzw. 57 % ermittelt. 2011 war die
Reinigungsdienst. Umfang und Frequenz 81 %. Im Rahmen des multimodalen In- Compliance bei den Ärzten auf 64 % an-
der Kontrollen und der Innenaufberei- terventionsprogramms konnte die Com- gestiegen, aber 2013 auf 48 % abgefallen.
tung von Spendern sollten im hauseige- pliance von 48 % auf 66 % erhöht werden. Bei den Pflegekräften wurde die Compli-
nen Hygieneplan festgelegt werden, z. B. Eine Beobachtungsstudie auf einer neo- ance auf 71 % erhöht mit einem nachfol-
halbjährig. natologischen Intensivstation verzeichne- genden Abfall auf 56 %, d. h. auf den Aus-
te nach Einführung effektiver Maßnah- gangswert [350].
8 Qualitätssicherung men zur Verbesserung der Compliance Bei Pädiatern wurde durch multimo-
der Händehygiene wie Weiterbildungsprogramme, Perfor- dale Intervention die Compliance von
mance-Feedback, Motivation des Pflege- 46 % auf 90 % [351] bzw. von 68 % auf über
Bei den im Rahmen der nationalen Hän- personals, alkoholische Händedesinfek- 95 % gesteigert, letzteres für einen Zeit-
dedesinfektionskampagne im Jahr 2014 tion als Standardverfahren und leichtere raum von 6 Monaten [352]. Auf einer neo-
Tab. 3 Vor- und Nachteile verschiedener Methoden zur Beobachtung der Compliance.
Direkte Beobachtung Elektronische Systeme Verbrauchsmessung
Kosten Hohe Personalkosten Herstellerabhängig Gering
Frequenz des Feedbacks Gering (aus Kostengründen) Hoch – individuell mit Mobilgerät und Gering
kollektiv durch Statistik (z. B. monatlich)
Qualität und Präzision Individuell/punktuell sehr hoch, Gene- Abhängig von System und System- Nicht individuell, aber Übersicht über
der Information ralisierbarkeit für Stationen und längere nutzung, meist werden nur die WHO 24 h täglich und 365 Tage im Jahr
Zeiträume fraglich, Beeinflussung durch Indikationen 1, 4 und 5 erfasst
den HAWTHORNE-Effekt, Vorteil der
Beurteilung der Performance und des
korrekten Timings
reichen, die bereits jahrelang geschult Auch durch die Teilnahme am Interna- dedesinfektion stehen die direkte Beob-
wurden und Teilnehmer von Interven- tionalen Tag der Händehygiene wird der achtung der Mitarbeiter zur Bestimmung
tionskampagnen sind, können so ohne Stellenwert der Händehygiene unterstri- der Compliance, elektronische Systeme
Mehrarbeit erhebliche Effekte erzielt wer- chen. Nach dem Erreichen des Goldzer- und als Surrogatparameter die Bestim-
den [133, 378, 379]. Daher sollten Rou- tifikats der Aktion Saubere Hände ist es mung des Verbrauchs an HDM zur Ver-
tinemaßnahmen kritisch in ihrem Ablauf möglich, sich am Wettbewerb „Europe- fügung (. Tab. 3).
überprüft und standardisiert werden mit an Hand Hygiene Excellence Award“ zu Die Erhebung von Daten zu unter-
dem Ziel, Händedesinfektionen zu sparen beteiligen und damit einen Beitrag zur schiedlichen Zeitpunkten im Rahmen ei-
[133, 342]. Nachhaltigkeit der erreichten Complian- ner Intervention oder auch zur Langzeit
Zugleich sollten Interventionspro- ce zu leisten. erfassung ist ein wichtiges Instrument, um
gramme auch auf den Zeitdruck und die Als Basismaßnahme zur Gewährleis- qualitative und quantitative Aussagen zu
hohe Arbeitsbelastung des Personals zu- tung der Compliance der Händehygiene Ausgangssituationen sowie zu Verände-
geschnitten werden. Dazu gehört auch ist mindestens jährlich und zusätzlich zeit- rungen treffen zu können. Die drei Me-
die großzügige Ausstattung mit HDM, nah bei Hinweisen auf Probleme in diesem thoden haben ihre Vor- und Nachteile
um zusätzliche Wege für das Personal zu Bereich eine Schulung aller Mitarbeiter zu und sollten idealerweise kombiniert an-
vermeiden. Die kritische Überprüfung den Indikationen der Händedesinfektion gewandt werden [385, 386]. Die Messung
der Spenderausstattung unter Berück- in Verbindung mit einem Training und des Verbrauchs an HDM ist eine weniger
sichtigung der Arbeitsabläufe vor allem der Evaluation der Einreibetechnik z. B. ressourcenintensive Möglichkeit der Da-
am Patienten sowie ggf. die Verbesserung mit fluoreszierendem Farbstoff im HDM tenerhebung und als Langzeitmesssystem
der Ausstattung können bereits zu einer [383] zu gewährleisten. Im Rahmen die- geeignet, Veränderungen im Händedes-
Verbesserung der Compliance führen [34, ser Schulungen ist es zu empfehlen, dass infektionsverhalten abzubilden. Es ist zu
380–382]. Die WHO empfiehlt die Ver- die Verbrauchsdaten für HDM innerhalb beachten, dass der Verbrauch nicht mit
fügbarkeit von HDM „at point of care“, der Organisationseinheiten bewertet wer- der Compliance gleichzusetzen ist. Ver-
d. h. dort, wo die Indikationen zur Hän- den. Das setzt die Übermittlung von auf brauchszahlen geben einen Anhalt über
dedesinfektion entstehen: vor allem am die Organisationseinheiten aufgeschlüs- die Menge durchgeführter Händedesin-
Patienten bzw. am Patientenbett, an sau- selten Verbrauchsdaten pro Patiententag fektionen, die durchschnittlich an einem
beren Arbeitsplätzen, an Behandlungs- (3 ml = eine Händedesinfektionseinheit) Patienten in 24 h (also an einem Patien-
plätzen usw. [33]. In Abhängigkeit von voraus. Die Verbräuche sollten zusätzlich tentag) in einer Organisationseinheit (z. B.
den räumlichen Gegebenheiten sowie von jährlich der ärztlichen und der pflegeri- pro Station, pro Klinik, pro Einrichtung)
der Art der versorgten Patienten können schen Leitung mitgeteilt und in der Hy- durchgeführt worden sind. Die Quali-
fest montierte oder mobile Spendersyste- gienekommission bewertet werden. Hier tät der Daten hängt entscheidend davon
me verwendet werden. kommt es vor allem darauf an, die Situ- ab, inwieweit die Verbrauchszahlen der
Die 2008 in Deutschland gestartete ation in Organisationseinheiten mit sehr Organisationseinheit sicher zugeord-
nationale Aktion Saubere Hände ist ein niedrigem Verbrauch pro Patiententag net werden können. Sinnvoll ist der Ver-
wichtiger Beitrag zur Umsetzung der von kritisch zu hinterfragen und ggf. dort ge- gleich nur mit Verbrauchszahlen aus ver-
der WHO 2005 ins Leben gerufenen Kam- zielt zu intervenieren. gleichbaren Organisationseinheiten, da
pagne „Clean Care is Safer Care“. Seit Juni im Gegensatz zur Compliance bisher kei-
2011 können Krankenhäuser und Reha- 8.2 Ermittlung der Compliance ne verlässlichen Sollwerte zur Verfügung
bilitationskliniken, seit August 2015 auch stehen. Verbrauchsdaten lassen keine line-
Einrichtungen der Ambulanten Medizin Um Defizite in der Händedesinfek- aren Rückschlüsse hinsichtlich Complian-
ein Zertifikat über die Teilnahme an der tions-Compliance bzw. deren Verände- ce (fehlende Nennerdaten, indikationsge-
Aktion Saubere Hände erwerben [http:// rungen sichtbar zu machen, ist die Etablie- rechte Händedesinfektion, Technik der
[Link]/ash/mo- rung von Messsystemen unerlässlich [33, Händedesinfektion und Sicherheit im Er-
dule/krankenhaeuser/zertifizierung/]. 34, 384]. Als Messinstrument für die Hän- kennen der Indikationen zur Händedesin-
[393] Voraussetzung. Wegen des Risikos entsprechen, sind diese Maßnahmen un- der, mobile Spender mit Dosierpum-
der Sensibilisierung sollten Produkte ohne bedingt einzuhalten. pen bzw. Kittelflaschen, richtet sich
Duft- und ohne Konservierungszusatz nach den räumlichen Verhältnissen
ausgewählt werden [393, 419]. Bei Haut- 11 Empfehlungen und den zu versorgenden Patienten.
schutzpräparaten sind wegen der Penetra- Z. B. kann es in der Geriatrie, Psychia-
tionsförderung Präparate ohne Harnstoff 11.1 Hygienische trie und Pädiatrie sowie in stationä-
zur bevorzugen [408]. Händedesinfektion ren Pflegeeinrichtungen sowie am-
Ob ein zeitlicher Abstand zwischen der bulanten Diensten sinnvoll sein, auf
Anwendung von Hautschutz- und Haut- Voraussetzungen Kittelflaschen sowie auf Spender am
pflegepräparaten zur Händedesinfektion 55Klinik, Praxis, medizinischer Arbeits- Visiten- oder Verbandwagen zurück-
eingehalten werden muss, ist nicht ausrei- bereich oder Pflegeeinrichtungen sind zugreifen, um Gefährdungen der Pa-
chend untersucht. In praxisfremden Mo- mit sauberen Händen und Fingernä- tienten durch das Desinfektionsmittel
dellen wurde eine Wirkungsverminderung geln zu betreten; Hände und Finger- auszuschließen.
z. B. für alkoholische HDM durch Pflege- nägel sind bei erneuter Verschmut- 55Ferner sind mobile oder montierte
produkte [420], für kationische Antisep- zung zu reinigen [Kat. II]. Spender an reinen und unreinen Ar-
tika wie Chlorhexidin durch anionische 55Fingernägel sollen kurzgeschnitten sein beitsplätzen, am Visiten- oder Ver-
Emulgatoren, Feuchthaltesubstanzen und und mit den Fingerkuppen abschlie- bandwagen und in Schleusen vorzu-
Surfactants in Pflegeprodukten [421, 422] ßen. Nagellack ist nicht zulässig [Kat. halten [Kat. II].
sowie für chirurgische Handwaschpräpa- II]. Das Tragen künstlicher und gegel- 55Spender müssen so zu betreiben und
rate durch Hautschutzprodukte nachge- ter Fingernägel ist unzulässig [Kat. IB]. zu warten sein, dass eine mikrobielle
wiesen [401]. Deshalb empfiehlt die As- 55In allen Bereichen, in denen eine Hän- Kontamination des Pumpkopfes pro-
sociation for Professionals in Infection dedesinfektion durchgeführt wird, blemlos vermieden wird. Der Füllstand
Control die Kompatibilität von Pflegepro- dürfen an Händen und Unterarmen muss gut erkennbar sein [Kat. II].
dukt und HDM bereits bei der Produktaus- keine Ringe, Armbänder, Armbanduh- 55Sofern keine Einmalgebinde verwen-
wahl zu berücksichtigen, gibt jedoch keine ren oder Piercings (z. B. Dermal An- det werden, müssen die Außen- und
Hinweise zu einem Verfahren der Kompa- chor) getragen werden [Kat. IB/ IV]. Innenteile des Spenders aufbereit-
tibilitätsprüfung [423]. Nach Anwendung Sofern Ringdosimeter außerhalb von bar sein und so gewartet werden, dass
von Hautschutz und Hautpflege (je 3x/d) OP-Einheiten getragen werden müs- ihre mikrobielle Besiedelung verhin-
bei einem chirurgischen Team wurde der sen, sind diese nach jedem Patienten dert wird [Kat. II]. Das Anbruchsda-
Hautzustand signifikant verbessert, ohne abzulegen und erst nach erfolgter Des- tum eines Gebindes muss für HDM
dass die Wirksamkeit der Händedesinfek- infektion wieder anzulegen [Kat. II]. dokumentiert werden [Kat. IV].
tion beeinträchtigt wurde [413]. Da es Hin- 55Bei Kontamination der Unterarme 55Desinfektionsmittelspender sollten
weise gibt, dass einige Hautpflegemittel die mit potentiell infektiösem Material wegen des Risikos der Kontamination
Wirkung alkoholischer HDM beeinträch- sind diese in die Durchführung der mit nicht wiederbefüllbaren Gebin-
tigen können, ist deren Anwendung – so- Desinfektion einzubeziehen [Kat. II]. den (Einmalflaschen) bestückt wer-
fern ihr Einfluss auf die Wirksamkeit der 55Bei Vorliegen chronischer Hauter- den [Kat. II].
Händedesinfektion nicht untersucht ist – krankungen ist zu überprüfen, ob eine
am günstigsten in Arbeitspausen und zu- Kolonisation mit potentiell pathoge- Indikationen, Auswahl
sätzlich nach Arbeitsschluss vorzunehmen. nen Erregern vorliegt und wenn ja, ob und Durchführung
diese eradizierbar ist [Kat. IB]. Eine 55Bei den von der WHO unterschie-
10 Rechtliche Aspekte Vorstellung beim Betriebsarzt ist an- denen fünf Indikationsgruppen ist
zuraten. ausnahmslos eine Händedesinfekti-
Zur Unterlassung der Händedesinfek- 55Überall dort, wo eine Händedesinfek- on durchzuführen [Kat. IA]. Das be-
tion existieren zahlreiche Gerichtsent- tion durchgeführt werden muss, sind trifft folgende Indikationen: Unmit-
scheidungen. So wurde in sieben Fällen in unmittelbarer Nähe Desinfektions- telbar vor direktem Patientenkontakt,
das Unterlassen der hygienischen Hände- mittelspender vorzuhalten [Kat. IB, unmittelbar vor aseptischen Tätig-
desinfektion als grober Behandlungsfeh- IV]. Für Patientenzimmer wird in Ab- keiten, unmittelbar nach Kontakt mit
ler angesehen. Auch das Unterlassen der hängigkeit von der Anzahl der Patien- potentiell infektiösem Material, nach
chirurgischen Händedesinfektion oder tenbetten bettennah als Mindestaus- Kontakt mit der direkten Patienten-
die fehlende Benutzung steriler Hand- stattung ein Spender pro Patientenbett umgebung und nach direktem Pati-
schuhe waren als grobe Behandlungs- auf Intensiv- und Dialysestationen entenkontakt. Das gilt unabhängig da-
fehler Gegenstand von Entscheidungen und auf Nicht-Intensivstationen ein von, ob nachfolgend nicht sterile oder
im Arzthaftungsrecht [14]. Aufgrund Spender für je zwei Patientenbetten sterile Einmalhandschuhe angelegt
der Tatsache, dass die Durchführung der sowie in der Sanitärzelle empfohlen. werden. Zusätzlich ist nach dem Ab-
Händedesinfektion und das Tragen von Die Art der eingesetzten Spender, legen nicht steriler [Kat. IB] sowie ste-
Handschuhen den Kategorien IA bzw. IB d. h. wand- oder bettmontierte Spen-
11.6 Hautschutz und Hautpflege 3. Landers T, Abusalem S, Coty MB, Bingham J 19. DIN EN 14476:2015-12 Chemische Desinfek-
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step in infection prevention. Am J Infect Control Suspensionsversuch Viruzidie für in der Human-
55Bei Gefährdung der Haut durch Ar- 40(Suppl 1):S11–S17 medizin verwendete Desinfektionsmittel und
beiten im feuchten Milieu (sog. 4. TRBA 250: Biologische Arbeitsstoffe im Gesund- Antiseptika – Prüfverfahren und Anforderungen
heitswesen und in der Wohlfahrtspflege. GMBl (Phase 2/Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
Feuchtarbeit) sind feuchtigkeitsdich- 2014(10-11):206, Letzte Änderung vom: 21. Juli 20. DIN EN 13727:2015-12 Chemische Desinfek-
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arbeitsmedizinische Vorsorge zu ge- 5. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst Suspensionsversuch zur Bestimmung der
und Wohlfahrtspflege (BGW) (Hrsg) (2013) bakteriziden Wirkung im humanmedizinischen
währleisten, eine Betriebsanweisung Hauptsache Hautschutz. Hände schützen, Bereich - Prüfverfahren und Anforderungen
zu erstellen und ein Hautschutzplan pflegen – gesund bleiben (Phase 2, Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
zu erarbeiten. Zugleich ist die Mög- 6. Kloesel A, Cyran W (2002) Arzneimittelrecht. 21. DIN EN 13624:2013-12 Chemische Desinfek-
Kommentar Bd. II, S 3, Deutscher Apotheker tionsmittel und Antiseptika - Quantitativer
lichkeit zur Reduzierung der Feuch- Suspensionsversuch zur Prüfung der fungiziden
Verlag, Stuttgart
tigkeitsexposition zu überprüfen [Kat. 7. Arzneimittelgesetz in der Fassung der oder levuroziden Wirkung im humanmedizini-
IB/IV]. Bekanntmachung vom 12. Dezember 2005 schen Bereich - Prüfverfahren und Anforderun-
(BGBl. I S. 3394), das zuletzt durch Artikel gen (Phase 2, Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
55Auf Grund der erhöhten Belastung
3 des Gesetzes vom 10. Dezember 2015 22. Rabenau H, Schwebke I, Blümel J et al (2015)
der Haut empfiehlt sich für alle in der (BGBl. I S. 2210) geändert worden ist. https:// Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur
ärztlichen und pflegerischen Versor- [Link]/url?sa=t&rct=j&q=&es- Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) e. V.
rc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&- und des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Prüfung
gung tätigen Mitarbeiter die regelmä-
ved=0ahUKEwj6_ef6yYbMAhXFOBoKHQaLC- von chemischen Desinfektionsmitteln auf
ßige Pflege der Hände durch Einsatz zoQFggdMAA&url=https%3A%2F%2Fwww. Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin.
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