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Haendehyg Rili

Das Dokument enthält Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention zum Thema Händehygiene in medizinischen Einrichtungen. Es werden die Indikationen für hygienische und chirurgische Händedesinfektion, den Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, Händewaschung und flankierende Maßnahmen wie Hautschutz beschrieben. Zusätzlich werden Anforderungen an Spender, Qualitätssicherung und rechtliche Aspekte erläutert.

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Haendehyg Rili

Das Dokument enthält Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention zum Thema Händehygiene in medizinischen Einrichtungen. Es werden die Indikationen für hygienische und chirurgische Händedesinfektion, den Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, Händewaschung und flankierende Maßnahmen wie Hautschutz beschrieben. Zusätzlich werden Anforderungen an Spender, Qualitätssicherung und rechtliche Aspekte erläutert.

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Empfehlungen

Bundesgesundheitsbl 2016 · 59:1189–1220


DOI 10.1007/s00103-016-2416-6
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
Händehygiene in Einrichtungen
des Gesundheitswesens
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene
und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert
Koch-Institut (RKI)

Inhaltsverzeichnis Kategorien in der Richtlinie


für Krankenhaushygiene und
Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention Infektionsprävention
1 Einleitung
Die im nachfolgenden Dokument gege-
2 Bezug zu anderen Empfehlungen der KRINKO sowie zum Arzneimittel-
und Medizinprodukterecht sowie zur Listung von Desinfektionsmitteln benen Empfehlungen basieren auf den
2.1 KRINKO-Empfehlungen aktuellen Kategorien der Richtlinie für
2.2 Arzneimittelrecht Krankenhaushygiene und Infektionsprä-
2.3 Listung von Desinfektionsmitteln (VAH- und RKI-Liste) vention aus dem Jahr 2010 [1]. Diese wer-
3 Die hygienische Händedesinfektion
den nachfolgend nochmals aufgeführt.
3.1 Mikrobizide Wirksamkeit und Verträglichkeit
3.2 Prävention nosokomialer Infektionen
3.3 Voraussetzungen Kategorie IA:
3.4 Indikationen Diese Empfehlung basiert auf gut konzipierten
Technik systematischen Reviews oder einzelnen
4 Die Chirurgische Händedesinfektion hochwertigen randomisierten kontrollierten
4.1 Mikrobizide Wirksamkeit und Verträglichkeit Studien.
4.2 Prävention postoperativer Wundinfektionen Kategorie IB:
4.3 Voraussetzungen Diese Empfehlung basiert auf klinischen oder
4.4 Indikationen hochwertigen epidemiologischen Studien und
4.5 Technik strengen, plausiblen und nachvollziehbaren
5 Die Händewaschung theoretischen Ableitungen.
5.1 Ausstattung medizinischer Handwaschplätze Kategorie II:
5.2 Eigenschaften und Auswahl von Handwaschpräparaten Diese Empfehlung basiert auf hinweisenden
5.3 Indikationen Studien/Untersuchungen und strengen,
5.4 Technik plausiblen und nachvollziehbaren theoreti-
6 Maßnahmen zum Schutz vor Kontamination und vor Chemikalien schen Ableitungen.
6.1 Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzhandschuhe Kategorie III:
6.2 Sterile Einmalhandschuhe Maßnahmen, über deren Wirksamkeit nur un-
6.3 Vermeidung einer Kontamination zureichende oder widersprüchliche Hinweise
7 Anforderungen an Spender für Händedesinfektionsmittel und Handwaschpräparate vorliegen, deshalb ist eine Empfehlung nicht
8 Qualitätssicherung der Händehygiene möglich.
8.1 Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance Kategorie IV:
8.2 Ermittlung der Compliance Anforderungen, Maßnahmen und Verfah-
9 Hautschutz und Hautpflege rensweisen, die durch allgemein geltende
10 Rechtliche Aspekte Rechtsvorschriften zu beachten sind.
11 Empfehlungen
11.1 Hygienische Händedesinfektion
Voraussetzungen
Indikationen, Auswahl und Durchführung
Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance und zur Qualitätssicherung
11.2 Chirurgische Händedesinfektion
Indikationen und Voraussetzungen
Durchführung
11.3 Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzhandschuhe
11.4 Sterile OP-Handschuhe
11.5 Händewaschung
11.6 Hautschutz und Hautpflege
Literatur

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1189


Empfehlungen

1 Einleitung den Besonderheiten der zu betreuenden Zusätzlich zu den nachfolgenden Emp-


Patienten einschließlich der Rahmenbe- fehlungen sind die Vorgaben des Arbeits-
Im vorliegenden Dokument wird die dingungen, die Durchführung und die schutzes, z. B. die TRBA 250 [4] und die
Empfehlung der KRINKO zur Händehy- Maßnahmen zur Qualitätssicherung un- Empfehlungen der Berufsgenossenschaft
giene aus dem Jahr 2000 aktualisiert und ter Berücksichtigung der unterschiedli- für Gesundheitsdienst und Wohlfahrts-
erweitert. chen Berufsgruppen (z. B. Pflegedienst, pflege zu beachten [5].
Medizinische Einrichtungen wie Kran- OP-Team, Physiotherapie, Ergothera- Im Folgenden werden
kenhäuser, Einrichtungen für ambulantes pie, Logopädie, Hebammen, Reinigungs- 55die Indikationen der hygienischen
Operieren, Geburtshäuser/Entbindungs- team) im Detail festzulegen und allen und der chirurgischen Händedesin-
einrichtungen, Vorsorge- und Rehabi- Mitarbeitern zugänglich zu machen. Es fektion,
litationseinrichtungen, vergleichbare empfiehlt sich, an Händedesinfektions- 55die Indikationen für nicht sterile und
Behandlungs- und Versorgungseinrich- plätzen (z. B. im Stationsdienstzimmer, sterile medizinische Einmalhand-
tungen sowie Dialyseeinrichtungen und in der OP-Funktionseinheit, in unrei- schuhe,
Tageskliniken sind gemäß § 23 Absatz 5 nen Arbeitsräumen) einen Händehygi- 55Indikationen und Voraussetzungen
Satz 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) zur eneplan anzubringen, der aus dem Des- für die Händewaschung,
Festlegung innerbetrieblicher Verfahrens- infektionsplan als separate Empfehlung 55Anforderungen an Spender für HDM
weisen zur Infektionshygiene in Hygiene- herausgelöst werden kann, um auf die An- und Handwaschpräparate,
plänen verpflichtet [2]. Im Hygieneplan liegen der Händehygiene (erregerabhän- 55erforderliche flankierende Maßnah-
der Einrichtung sind die Indikationen für gige Desinfektion, Hautschutz, Hautpfle- men wie Hautschutz und -pflege,
die Maßnahmen der Händehygiene in Ab- ge, Hygiene der Spender) zu fokussieren. 55Maßnahmen zur Qualitätssicherung
hängigkeit von den Arbeitsaufgaben und Darin wird die Durchführung der jewei- mit dem Schwerpunkt der Interven-
ligen Maßnahme (die sog. 5 W: wer, was, tionsmöglichkeiten zur Verbesserung
wann, womit, wie) festgelegt. Diese sind in der Compliance der hygienischen
Abkürzungen wischdesinfizierbaren Schutzhüllen oder Händedesinfektion und
AMG Arzneimittelgesetz in laminierter Form anzubringen. Die 55rechtliche Aspekte beschrieben.
einschlägigen Bestimmungen der gesetz-
AQL Accetable Quality Limit (statistischer
Messwert für ein einheitliches
lichen Unfallverhütungsvorschrift sind 2 Bezug zu anderen
Qualitätsniveau bei der Herstellung hier mit einzuarbeiten. Jeder Mitarbeiter Empfehlungen der KRINKO
z. B. von medizinischen Einmalhand- ist aktenkundig in den Hygieneplan ein- sowie zum Arzneimittel-
schuhen) zuweisen. Durch Piktogramme kann die und Medizinprodukterecht
ASTM American Society for Testing and Aufmerksamkeit auf dieses Thema fokus- sowie zur Listung von
Materials siert werden. Desinfektionsmitteln
BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Es ist zu empfehlen, Patienten und Be-
Medizinprodukte sucher in die Maßnahmen der Händehy- 2.1 KRINKO-Empfehlungen
DVV Deutsche Vereinigung zur Bekämp- giene einzubeziehen. Hierfür empfiehlt es
fung der Viruskrankheiten sich, durch geeignete Formen der Auf- Die Händehygiene ist als wichtigste Maß-
ESBL extended-spectrum beta-lactamase klärung (z. B. Flyer, Plakat, Patientenbro- nahme der Basishygiene integraler Be-
h Stunde schüre) das Interesse für dieses Präventi- standteil aller KRINKO-Empfehlungen,
onsanliegen zu wecken und dadurch ein wobei spezifische Aufgabenstellungen
HDM Händedesinfektionsmittel
zusätzliches Präventionspotential zu eta- der Händehygiene einschließlich der Be-
IfSG Infektionsschutzgesetz blieren [3]. deutung der Hände als Überträger von
KbE Kolonie bildende Einheiten Die nachfolgenden Empfehlungen gel- Krankheitserregern vor allem in den
min Minute ten für alle in stationären und ambulanten Empfehlungen zur Infektionsprävention
MP Medizinprodukt Gesundheitseinrichtungen sowie in der in Pflege, Diagnostik und Therapie sowie
ambulanten Betreuung pflegebedürftiger zur Betriebsorganisation in speziellen Be-
MRE multiresistente Erreger
Menschen und der pflegerischen Betreu- reichen behandelt werden.
MRSA Methicillin resistenter Staphylococcus ung von Heimbewohnern tätigen Perso- Bei der Erarbeitung fach- bzw. einrich-
aureus
nen, sofern sie in direkten ärztlichen oder tungsspezifischer Regelungen müssen da-
NI nosokomiale Infektionen pflegerischen Kontakt mit Patienten oder her zusätzlich auch diese entsprechenden
OP Operation Bewohnern einschließlich der patienten- Dokumente berücksichtigt werden.
PSA Persönliche Schutzausrüstung nahen Umgebung treten, nach Tätigkeiten
RKI Robert Koch-Institut mit erhöhtem Kontaminationsrisiko (z. B.
Abfallentsorgung, Wechsel der Bettwäsche)
TRBA Technische Regeln für Biologische
Arbeitsstoffe oder vor reinen Tätigkeiten (z. B. Bereitstel-
lung von Arzneimitteln, Wäsche u. ä.).
VAH Verbund für Angewandte Hygiene

1190 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


2.2 Arzneimittelrecht Qualitätssicherung umfasst u. a. die Rei- hygienischen und nicht zur chirurgischen
nigung und Sterilisation der Desinfekti- Händedesinfektion, weil die Liste für be-
Gemäß deutschem Arzneimittelrecht onsmittel-Behälter vor der Neubefüllung, hördlich angeordnete Desinfektionsmaß-
sind HDM mit medizinischer Zweckbe- das Umfüllen unter aseptischen Bedin- nahmen gemäß § 18 IfSG vorgesehen ist
stimmung i. d. R. Arzneimittel1 im Sinne gungen und die ordnungsgemäße Kenn- [2]. Zugleich ist es sinnvoll, im Fall von
des § 2 Arzneimittelgesetz (AMG) [6] und zeichnung mit Umfüll- und Verfalldatum massiver bzw. sichtbarer Kontamination
bedürfen gemäß § 21 AMG einer Zulas- [8]. Wegen des Aufwands und der Sicher- nach deren mechanischer Entfernung eine
sung durch die zuständige Behörde. Im heit ist Einmalgebinden der Vorzug zu zweimalige Händedesinfektion durchzu-
Rahmen des Zulassungsverfahrens wer- geben. In jedem Fall haftet der Umfüllen- führen.
den Wirksamkeit, Qualität, Sicherheit und de für sein hergestelltes Produkt [8]. An-
Unbedenklichkeit geprüft. lass für ein Vermeiden des Umfüllens ist, 3 Die hygienische
Üblicherweise werden Desinfektions- dass Bakteriensporen in Alkohol basier- Händedesinfektion
mittelspender mit Einmalflaschen be- ten Desinfektionsmitteln überleben und
stückt. Rechtlich ist ein Umfüllen nur auf diesem Weg z. B. in eine Wunde ge- Die Hände des Personals werden bei
unter bestimmten Voraussetzungen mög- langen können (Risiko von Gasbrand und Maßnahmen am Patienten sowie bei
lich. In § 4 Absatz 14 des AMG [7] ist das Tetanus) [10, 11]. Das tatsächliche Risiko Kontakt mit der unmittelbaren Patien-
Umfüllen von Arzneimitteln aus größe- ist jedoch minimal. So konnten in Alko- tenumgebung mit potentiell pathogenen
ren Gebinden in kleinere Behältnisse als hol basierten Händedesinfektionsmitteln Erregern kontaminiert [24–30] und sind
Herstellen definiert, d. h. der Umfüllende nach längerem Stehenlassen der geöffne- die wichtigsten Überträger von Krank-
wird zum Hersteller und benötigt gemäß ten Flasche in 18 % der Proben Bakterien- heitserregern. Die hygienische Händedes-
§ 13 Absatz 1 AMG eine Herstellungser- sporen gefunden werden, jedoch weniger infektion gilt weltweit als die wirksams-
laubnis. Keiner Erlaubnis bedürfen ge- als eine Spore pro 10 ml Händedesinfek- te Einzelmaßnahme zur Unterbrechung
mäß § 13 Absatz 2 und 3 AMG Apotheken tionsmittel. In keinem Fall wurden Spo- von Infektionsketten in Gesundheitsein-
und Krankenhausapotheken im Rahmen ren pathogener Bakterienspezies identifi- richtungen ebenso wie in Pflegeeinrich-
des üblichen Apothekenbetriebs, d. h. im ziert [12]. Dagegen liegt über die in-use tungen und damit zur Prophylaxe von no-
Rahmen ihres Versorgungsauftrags. So- Kontamination Chlorhexidin-basierter sokomialen Infektionen [31–36]. Keine
weit das Umfüllen nicht im Rahmen des Handwaschpräparate ein umfangreiches andere Maßnahme der Krankenhaushy-
Versorgungsauftrags erfolgt, d. h. als Ab- Schrifttum vor [13]. giene hat eine so hohe epidemiologische
gabe an Kunden der Apotheke, ist auch für Im Fall einer Infektion kann das Um- Evidenz für den präventiven Nutzen für
die Apotheke eine Herstellungserlaubnis füllen von HDM haftungsrechtlich rele- den Patienten. Bei Nichteinhaltung der
gemäß § 13 AMG erforderlich. vant werden. So wurde in einer Einrich- Händedesinfektion werden Erreger no-
Das Umfüllen und Kennzeichnen von tung umgefüllt und die HDM erwiesen sokomialer Infektionen über die Hände
Desinfektionsmitteln in Arztpraxen und sich in zwei überprüften umgefüllten Fla- der Mitarbeiter übertragen, vor allem bei
Krankenhäusern durch eigenes Personal schen als kontaminiert, was in Verbin- Katheter-assoziierten Septikämien [37]
für die Anwendung in der eigenen Ein- dung mit weiteren Hygienefehlern zu ei- und Pneumonien [38, 39]. Zusätzlich
richtung ist zwar als Herstellung gemäß nem richterlichen Urteil geführt hat [14]. trägt die hygienische Händedesinfektion
§ 4 Absatz 14 AMG anzusehen, unter- zum Eigenschutz bei [40]. Daher muss bei
liegt jedoch nicht dem Erfordernis einer 2.3 Listung möglicher und tatsächlicher Kontamina-
Herstellungserlaubnis, da in diesen Fällen von Desinfektionsmitteln (VAH- tion eine hygienische Händedesinfekti-
weder gewerbs- noch berufsmäßig herge- und RKI-Liste) on durchgeführt werden, um die Weiter-
stellt wird. Auch ein Inverkehrbringen fin- verbreitung der Erreger zu verhindern.
det in dieser Konstellation nicht statt, so In die jährlich aktualisierte Desinfektions- Momentan ist keine wissenschaftliche
dass die abgefüllten Arzneimittel nicht der mittelliste des VAH [15] werden auf An- fundierte Einteilung von einzelnen Tätig-
Pflicht der Zulassung gemäß § 21 AMG trag des Herstellers und nach Bewertung keiten im Rahmen der Patientenversor-
unterliegen. Allerdings muss das Umfül- durch die Desinfektionsmittelkommissi- gung in ein Risikoprofil vorgenommen.
len nach § 67 Absatz 2 AMG der zustän- on des VAH Präparate aufgenommen, so- Bereits der Kontakt mit intakter Haut so-
digen Aufsichtsbehörde angezeigt wer- fern sie die Prüfanforderungen des VAH wie mit Oberflächen und Gegenständen
den und qualitätsgesichert erfolgen. Die erfüllen [16]. Diese berücksichtigen auch aus der unmittelbaren Patientenumge-
europäische Normen [17–21] oder für bung führt zu einer relevanten Kontami-
1
Die Europäische Union hat in dem Durchfüh- den Nachweis der Viruzidie die Anforde- nation der Hände [41–43].
rungsbeschluss 2016/904 der Kommission vom rungen der DVV/RKI-Leitlinie [22]. Hier- Im Fall des direkten Kontakts der Un-
8. Juni 2016 festgelegt, dass 2-Propanol-haltige bei ist die Indikation auf die prophylakti- terarme mit dem Patienten oder mit kon-
HDM als Biozidprodukte eingeordnet werden. sche Anwendung beschränkt. taminierten Oberflächen, sind diese in die
Derzeit wird diese Einordnung aus fachlichen
Gründen kontrovers diskutiert. Es ist daher un- Die Liste der vom RKI geprüften und Durchführung der Desinfektion einzube-
klar, ob sich diese Auffassung europäisch durch- anerkannten Desinfektionsmittel und ziehen.
setzen wird [9]. -verfahren [23] enthält nur Präparate zur

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1191


Empfehlungen

3.1 Mikrobizide Wirksamkeit entsprechendem Wirkungsbereich vorzu- Zusatz zu alkoholischen Desinfektions-


und Verträglichkeit nehmen [44, 45], [[Link]- mitteln keine weitere Verstärkung der
[Link]/referate/d13b4982da4e67a8f40f- Wirkung, erhöhen aber Wirkstoff abhän-
Ziel der hygienischen Händedesinfekti- [Link]]. Bei der Pflege von gig das Risiko von Unverträglichkeiten
on ist die schnelle ausreichende Reduk- Patienten mit offener Lungentuberkulose bzw. einer Resistenzentwicklung [56–60].
tion der transienten Flora (nicht zur ei- ist der Einsatz von Händedesinfektions- Bei PVP-Iod-Präparaten wird die Anwen-
genen Hautflora gehörend), so dass von mitteln mit nachgewiesener Wirksamkeit dung durch die Iodresorption limitiert
den Händen nach bekannter oder vermu- gegen Tuberkulose (Präparate mit Wir- [61]. Wässrige Lösungen auf Basis von
teter Kontamination kein Risiko der Wei- kungsbereich A aus der RKI-Desinfekti- Chlorabspaltern, PVP-(Polyvinylpyrroli-
terverbreitung von potentiell pathogenen onsmittelliste) zu empfehlen [23]. don-) Iod oder Peroxiden sind auf Grund
Erregern ausgeht. Sofern die Alkohol ba- Innerhalb der Alkohole besteht zu- ihrer geringeren Wirksamkeit, schlechte-
sierten Rezepturen keinen remanent wirk- mindest in Bezug auf die residente Haut- ren Hautverträglichkeit als Alkohol basier-
samen antimikrobiellen Zusatz enthalten, flora eine positive Korrelation zwischen te Präparate [62–68], wegen ihres schlech-
ist die Wirkung der Alkohole nach deren der Konzentration und der bakteriziden teren Ausbreitungsverhaltens (Spreitens)
Abdunstung beendet. Es gibt jedoch kei- Wirksamkeit [46]. Bei gleicher Konzen- auf der Haut sowie der längeren Verdamp-
nen Nachweis, dass durch Zusatz rema- tration ist Propan-1-ol am wirksamsten fungszeit keine Alternative zur Anwen-
nent wirkender Antiseptika (z. B. Chlor- und Ethanol am wenigsten wirksam [47]. dung Alkohol basierter Händedesinfek-
hexidin, Octenidin) zu Alkohol basierten Als Voraussetzung für die Listung müssen tionsmittel in Gesundheitseinrichtungen.
Händedesinfektionsmitteln eine höhere alkoholische Händedesinfektionsmittel in Alkoholische HDM sind deutlich
präventive Wirksamkeit bei der hygieni- der deklarierten Einwirkungszeit (> 30 s) besser hautverträglich als die Hände-
schen Händedesinfektion erreicht wird, die gleiche oder eine signifikant höhe- waschung, weil durch die oberflächen-
weil allein die rasche Wirkung auf die re Wirksamkeit besitzen wie das Refe- aktiven Handwaschpräparate der Was-
transiente Flora zur Unterbrechung der renzverfahren Propan-2-ol 60 % (v/v) bei ser-Lipid-Mantel der Hautoberfläche,
Weiterverbreitung der oberflächlich an- 2 × 30 s Anwendung. Bei alkoholischen verbunden mit einem Verlust wasser-
haftenden Mikroorganismen entschei- Gelen wird die Wirksamkeit des Refe- löslicher Feuchthalter, antimikrobieller
dend ist. renzverfahrens innerhalb von 30 s erst ab Schutzfaktoren und Alteration interzellu-
Das benötigte Wirkungsspektrum der einem Ethanolgehalt > 85 % (g/g) erreicht lärer Lipiddoppelschichten, beeinträchtigt
HDM hängt von der angestrebten Ver- [48, 49] ansonsten wird 1 min Einwirk- wird. Durch die damit verbundene Aus-
wendung ab, schließt aber in jedem Fall zeit benötigt [15]. Damit kann erklärt wer- trocknung kann die Hornschicht aufbre-
bakterielle Krankheitserreger und Hefen den, warum bei Einführung eines alkoho- chen. Es entstehen Entzündungszeichen
ein. Nach Versorgung von Patienten mit lischen Gels mit einem Ethanolgehalt von in der Epidermis und Kutis mit Verhor-
Viruserkrankungen bzw. nach Umgang 54 % (g/g), dessen Wirksamkeit damit nur nungsstörungen, an deren Ende eine nicht
mit virushaltigem Material ist in Abhän- im Bereich flüssiger antiseptischer Hand- mehr nur durch Hautpflege reversible Ek-
gigkeit von der Art der zu erwartenden Vi- waschpräparate lag, trotz häufigerer Nut- zematisation steht [67]. Alkohol basierte
ren2 ein begrenzt viruzides (wirksam ge- zung kein Einfluss auf die Rate nosoko- HDM verursachen keine signifikante Ver-
gen behüllte Viren), begrenzt viruzid Plus mialer Infektionen nachweisbar war [50]. änderung der Hautbarriereeigenschaften
wirksames (wirksam gegen Adeno-, Noro- Allein aus der Zubereitungsform Lö- und besitzen selbst bei vorirritierter Haut
und Rotaviren) [[Link]- sung oder Gel und der Zusammenset- keine erhöhte Irritationspotenz. Vielmehr
[Link]/referate/d13b4982da4e67a8f40f1d- zung der Produkte kann keine Wirksam- führte die Ethanol basierte Händedesin-
[Link]] oder viruzides (wirksam keit abgeleitet werden. Grundlage für die fektion bei Pflegepersonal, das vorher aus-
gegen behüllte und unbehüllte Viren) [22, Auswahl ist die deklarierte Wirksamkeit schließlich antiseptische Handwaschprä-
44] anzuwenden. Sobald unbehüllte Vi- auf Basis der festgelegten Prüfanforderun- parate anstelle Alkohol basierter HDM
ren im Stationsbereich oder bei zu versor- gen [16–22]. anwendete, zu einer Verbesserung des
genden Patienten auftreten, z. B. Norovi- Gegenüber Viren ist Ethanol wirksa- Hautzustands [64, 65, 68]. Gegebenenfalls
ren, ist die Umstellung auf ein HDM mit mer als die Propanole, wobei behüllte Vi- kann eine noch bessere Hautverträglich-
ren konzentrationsabhängig von allen Al- keit durch Zusatz von Rückfettungssyste-
Testviren für die Einstufung begrenzt viru- koholen erfasst werden. Zur Inaktivierung men zur alkoholischen Grundlage erreicht
2

zid: Vacciniavirus Stamm Elstree bzw. Modified unbehüllter Viren sind in der Regel eine werden [69–71]. Bei adäquater Anwen-
Vacciniavirus Ankara und bovine Viral Diarrhea
Virus Stamm NADL; Testviren für die Einstufung hohe Ethanolkonzentration oder syner- dung von Hautschutz und Hautpflege
begrenzt viruzid Plus: Adenovirus Typ 5 Stamm gistische Kombinationen mit geringerem ist die Anwendung von Alkoholen nicht
Adenoid 75, murines Norovirus; Testviren viru- Gehalt alkoholischer Komponenten erfor- mit dem Risiko einer Irritationsdermato-
zid: murines Norovirus Stamm S99, Polio-Impf- derlich [51–55]. se verbunden [70]. Alkohole besitzen kei-
stamm Typ I, Stamm LSc-2ab, Polyomavirus Chlorhexidindigluconat, Octenidinhy- ne sensibilisierende Potenz [72]. Sowohl
(SV40) Stamm 77 und Adenovirus Typ 5 Stamm
Adenoid 75 [22, 44, [Link]- drochlorid, Polihexanid, quaternäre Am- Etha­nol als auch die beiden Propanole
[Link]/referate/d13b4982da4e67a8f40f1d- moniumverbindungen, Ampholyte, Phe- werden nur im Spurenbereich resorbiert
[Link]]. nolderivate und Triclosan bringen als [73, 74], so dass sich keine Gefährdung

1192 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


ableitet. Auch wenn bei Durchführung Bakteriensporen enthalten sollen. Vegeta- zige Hände und Fingernägel (z. B. nach
der praxisüblichen Händedesinfektion tive Mikroorganismen können auf Grund Gartenarbeit) sind bereits zuhause zu
mit Ethanol basierten Händedesinfek- der Eigenwirkung der Alkohole nicht im säubern. Kommt es während der Tätigkeit
tionsmitteln am Tag der Durchführung Produkt überleben. zur Verschmutzung der Hände, sind ein
und am Morgen nach der Anwendung in Handwaschpräparat und zur Schonung
der Nachtschicht Ethylglucuronid als Ab- 3.2 Prävention nosokomialer der Haut nur bei Notwendigkeit eine Na-
stinenzmarker im Urin gemessen werden Infektionen gelbürste zu benutzen.
kann [75], ist damit keine Gesundheitsge- Kurzgeschnittene, mit den Finger-
fährdung verbunden [76]. Die Bedeutung der Händehygiene als eine kuppen abschließende Fingernägel ge-
An isolierten Peritonealexplantaten der grundlegenden Maßnahmen zur Prä- währleisten die Reinigung der subungu-
bestehen Unterschiede in der Gewebever- vention von Transmissionen und Infektio- alen Spatien und minimieren die Gefahr
träglichkeit zwischen den drei Alkoholen. nen im Rahmen der Patientenversorgung der Handschuhperforation an den Fin-
So ist die Gewebeverträglichkeit von 80 % ist mit hoher Evidenz belegt. Die WHO gerkuppen. Nagellack ist abzulehnen,
Ethanol signifikant besser als von 60 % hat in ihrer Richtlinie von 2009 einen um- weil er die Sichtbeurteilung der Nägel
Propan-2-ol [77], was bei Anwendung auf fassenden Literaturreview zur Effektivität behindert und mit steigender Tragedau-
irritierter bzw. besonders empfindlicher der Händehygiene bei der Prävention von er die Kolonisation auf den Nägeln zu-
Haut von Vorteil sein dürfte. Auch ist die Behandlungs-assoziierten Infektionen er- nimmt. Obwohl dieser Einfluss bei fri-
inhalative Toxizität von Ethanol weitaus arbeitet [33]. Bereits die erste Publikation schem Nagellack nicht nachweisbar war,
geringer als die der beiden Propanole [72], durch Ignaz Philipp Semmelweis konnte ist die Empfehlung, keinen Nagellack im
obwohl für keinen der Alkohole Intoxika- die Effektivität der Händehygiene bei der Gesundheitswesen zu tragen, berechtigt,
tionen durch Inhalation beschrieben sind Prävention von Behandlungs-assoziier- weil das Alter des Nagellacks und dessen
[72]. Deshalb und auf Grund der besseren ten Infektionen eindrucksvoll belegen [81, Güte (Mikrorisse u. ä.) in praxi nicht beur-
physiologischen Anpassung (Vorkommen 82]. Seitdem haben viele Untersuchungen teilbar sind [111]. Die Bakteriendichte ist
und Abbau von Ethanol im Organismus) den infektionspräventiven Einfluss ei- auf künstlichen Nägeln höher als auf na-
kann bei besonders empfindlichen Patien- ner gesteigerten Händehygiene-Compli- türlichen. Zugleich beeinträchtigen künst-
ten (z. B. Neugeborene, Kleinkinder und ance mit Alkohol basierten Desinfekti- liche Nägel den Erfolg der Händehygiene
Patienten mit Atemwegerkrankungen) onsmitteln in unterschiedlichen Settings und erhöhen die Perforationsgefahr für
überlegt werden, bevorzugt Ethanol ba- nachgewiesen [34, 83–94]. Ebenso wur- Einmalhandschuhe [112–116]. Wieder-
sierte Präparate zur hygienischen Hände- den durch die Eindämmung der Ausbrei- holt konnten künstliche Nägel als Quelle
desinfektion anzuwenden. tung von MRE die Anzahl von mit MRSA, für NI bei immunsupprimierten Patienten
Für alle Alkohole ist zu beachten, dass ESBL-Bildnern, Acinetobacter baumannii und für Ausbrüche postoperativer Wund-
zurzeit keine sporizide Aktivität bei HDM kolonisierten Patienten und von damit infektionen identifiziert werden [117–
mit tolerierbarer Hautverträglichkeit und verbundenen Infektionen reduziert [95– 123]. Im Fall dermatologisch begründba-
praktikabler Einwirkungszeit erreich- 102]. Ebenso ist die Effizienz der Hände- rer Nagelbehandlungen sind die hiermit
bar ist [78, 79]. Besteht die Notwendig- desinfektion bei der Beherrschung von verbundenen Risiken in Absprache zwi-
keit, Bakteriensporen von den Händen zu Ausbrüchen nachgewiesen [103–106]. schen Betriebsarzt bzw. Dermatologen
entfernen, kann derzeit nach der Hände- Auch wenn einige Studien eine gewisse und Krankenhaushygieniker abzuwägen.
desinfektion nur eine gründliche Hände- Wirksamkeit antiseptischer Handwasch- Schmuckstücke an Händen und Unter-
waschung mit einem Handwaschpräpa- präparate zeigen konnten [107–110], armen behindern die sachgerechte Hän-
rat und Wasser empfohlen werden [80]. wird nicht die Wirksamkeit der Alko- dehygiene und können dadurch zu einem
Sofern im Patientenzimmer oder der hole erreicht. Auf Grund der schlechte- Erregerreservoir werden [124]. Bei In-
zugehörigen Sanitärzelle keine Hand- ren Hautverträglichkeit und der längeren tensivpflegepersonal korrelierte die An-
waschmöglichkeit vorhanden ist, muss die Einwirkungszeit sind antiseptische Hand- zahl von Gram-negativen Erregern und
nächst gelegene Waschgelegenheit aufge- waschpräparate daher keine Alternative S. aureus mit der Anzahl getragener Rin-
sucht werden, wobei auf dem Weg dahin für alkoholische Einreibepräparate. ge [124]. Beim Tragen von Ringen war auf
eine Kontamination der Umgebung, z. B. den Händen für Enterobacteriaceae und
der Türklinke, vermieden werden muss. 3.3 Voraussetzungen Nonfermenter eine erhöhte Trägerrate, al-
Bei unbeherrschbaren Ausbrüchen mit lerdings keine erhöhte Transmissionsrate
Sporenbildnern können kurzfristig Peres- Die Voraussetzungen für eine effektive nachweisbar [125, 126]. Aber auch we-
sigsäure haltige HDM eingesetzt werden Händedesinfektion sind nur z. T. unter- gen der Verletzungsgefahr ist das Tragen
Im Deutschen Arzneibuch sind keine sucht und leiten sich überwiegend aus der von Ringen nicht zulässig [4]. Schließlich
Anforderungen an HDM in Bezug auf die hygienischen Risikobewertung ab. führt das Tragen von Ringen zu erhöh-
mikrobielle Reinheit des Fertigprodukts Klinik, Praxis, Pflegeeinrichtungen ter Perforationshäufigkeit von medizini-
enthalten. Aus der fehlenden sporiziden und andere medizinische Arbeitsberei- schen Einmalhandschuhen (untersucht
Wirksamkeit der Alkohole ergibt sich als che sind mit sichtbar sauberen Händen für OP-Handschuhe) [127].
Anforderung, dass die Präparate keine und Fingernägeln zu betreten. Schmut-

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1193


Empfehlungen

Tab. 1 Vor- und Nachteile einzelner Händedesinfektionsmittel-Spendertypen (adaptiert nach WHO Guidelines on Hand Hygiene
in Health Care [33]).
Spendertyp Vorteile Nachteile
Wand- oder Bett-mon- Lokalisation bekannt, als „non -touch“ Systeme verwendbar, Nicht immer günstig lokalisiert, um unmittelbare Verfügbar-
tierte Spender für Personal, Patienten und Angehörige zugänglich keit zu gewährleisten, können für Patienten und Angehörige
zur Gefahrenquelle werden, Spritzer auf dem Fußboden
können zu Schäden und Verfärbungen führen, aufwendige
Aufbereitung der Pumpsysteme
Mobile Spender mit Unmittelbare Verfügbarkeit, Können leicht entfernt werden,
Dosierpumpen niedrigere Kosten, können für Patienten und Angehörige zur Gefahrenquelle
für Personal, Patienten und Angehörige zugänglich werden, falls keine Einmalpumpe, aufwendige Aufbereitung
der Pumpsysteme, je nach Füllzustand und Standort kann
die Standfestigkeit deutlich variieren
Kitteltaschenflaschen Permanente unmittelbare Verfügbarkeit für das Personal, Wegen geringer Menge Logistik zum Nachschub notwendig,
erhöhen die wahrgenommene Kompetenz zur Durchführung höhere Kosten, höhere Umweltbelastung durch Einmalver-
der Händedesinfektion im erforderlichen Umfang, für Patien- wendung, Kontaminationsrisiko bei falscher Handhabung,
ten und Angehörige nicht zugänglich, aber für bestimmte „Add ons“ wie Clips sind häufig vom Zulieferer abhängig
Patienten nach Unterweisung möglich
Automatische Bequeme Nutzung, zumindest unmittelbar nach Umstellung Nicht verwendbar, wenn elektronisches System nicht funkti-
Wandspender höhere Inanspruchnahme, oniert, hohe Wartungskosten,
ästhetisch ansprechend, „non–touch“ System, für Personal, Abhängigkeit von Zulieferer, Bestückung bedarf ggf. speziel-
Patienten, Angehörige und Besucher zugänglich ler Einweisung

Bei Vorliegen von Hautläsionen an de Mehrheit der Indikationen zur Hän- Benutzer von Kitteltaschenflaschen
den Händen ist es als ausreichend anzu- dedesinfektion direkt am Patienten ent- müssen darauf achten, dass die Flaschen
sehen, diese bei nichtchirurgischer Tä- steht, ist neben der durch die TRBA 250 sauber, ggf. mit Anbruchdatum beschrif-
tigkeit erreger- und ggf. flüssigkeitsdicht vorgeschriebenen Ausstattung mit Hän- tet und das Etikett lesbar sind. Leere Kit-
abzudecken (flüssigkeitsdichtes Pflaster) dedesinfektionsmittelspendern die un- teltaschenflaschen werden verworfen und
und darüber einen medizinischen Ein- mittelbare Verfügbarkeit direkt am Pa- sind nicht wieder zu befüllen. Nach aus-
malhandschuh anzulegen. Voraussetzung tienten zu gewährleisten [33]. Überall reichender Benetzung beider Hände ist
ist, dass nach dem Ablegen der Handschu- dort, wo eine Händedesinfektion durch- die Händedesinfektion erst nach dem Ver-
he eine Händedesinfektion toleriert wird. geführt werden muss, sind in unmittel- schließen der Kittelflasche und ihrer Zu-
Andernfalls sind die Mitarbeiter für die barer Nähe Desinfektionsmittel vorzu- rückführung in die Tasche durchzufüh-
Dauer der Hautläsion patientenfern ein- halten. Für Patientenzimmer wird in ren, um eine Rekontamination der Hände
zusetzen. Abhängigkeit von der Anzahl der Pati- von Seiten der Kittelflasche zu verhindern.
Beim atopischem Ekzem ist das Risiko entenbetten bettennah als Mindestaus-
der Besiedlung mit S. aureus einschließ- stattung ein Spender pro Patientenbett 3.4 Indikationen
lich MRSA erhöht [128, 129]. Deshalb auf Intensiv- und Dialysestationen und
empfiehlt es sich, bei Mitarbeitern mit ato- auf Nicht-Intensivstationen ein Spender Indikationen zur Händedesinfektion sind
pischem Ekzem und ggf. anderen chroni- für zwei Patientenbetten sowie einer in Situationen, in denen eine Händedesin-
schen Hauterkrankungen eine Kolonisati- der Sanitärzelle empfohlen. Die Art der fektion die Übertragung von potentiell pa-
on mit MRSA und ggf. anderen potentiell eingesetzten Spender, d. h. fest an der thogenen Erregern auf Patienten, Personal
pathogenen Erregern auszuschließen und Wand oder am Bett montierte Spen- sowie Gegenstände und Oberflächen un-
im Fall des Nachweises die Möglichkeit der, mobile Spender mit Dosierpumpen terbricht. Beobachtungsstudien zur Hän-
der Behandlung bzw. Dekolonisation zu oder Kittelflaschen, richtet sich nach den dehygiene-Compliance zeigen immer
überprüfen. Für die Dauer der Erreger- räumlichen Verhältnissen und den zu wieder, dass es für die Mitarbeiter bei ho-
freisetzung sind die Mitarbeiter patien- versorgenden Patienten (. Tab. 1). Z. B. her Arbeitsbelastung mit häufigen Unter-
tenfern einzusetzen. kann es in der Geriatrie, Psychiatrie und brechungen von Arbeitsabläufen schwie-
Eine hohe Compliance der Hände- Pädiatrie sowie ambulanten Diensten rig ist, eindeutig die Indikationen zur
desinfektion ist nur mit optimaler Aus- sinnvoll sein, auf Kittelflaschen sowie auf Händedesinfektion zu erkennen [132].
stattung mit Händedesinfektionsmitteln Spender am Visiten- oder Verbandwagen Die WHO hat basierend auf den Er-
erreichbar [34, 130, 131]. Es muss ge- zurückzugreifen, um Gefährdungen der kenntnissen zur Erregertransmission
währleistet sein, dass für die Mitarbei- Patienten durch das Desinfektionsmittel über die Hände die sich daraus ableiten-
ter keine zusätzlichen Wege entstehen, auszuschließen. Ferner sind mobile oder den Indikationen in 5 Indikationsgrup-
um im Verlauf der Patientenversorgung montierte Spender an sauberen Arbeits- pen („five moments“) als Grundlage für
Zugang zum Händedesinfektionsmittel plätzen, am Visiten- oder Verbandwagen die Schulung und das Training der Hän-
zu erhalten. Da die weitaus überwiegen- und in Schleusen vorzuhalten (. Tab. 1). dedesinfektion zusammengefasst. Da-

1194 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


55mit nicht intakter Haut mit oder ohne
Eröffnung von Körperhöhlen wie Wun-
den, OP-Wunden, Druckulcera usw.
55Behandlungs-assoziierte invasive
Maßnahmen wie Injektionen und
Punktionen
55mit Device-assoziierten kritischen Be-
reichen wie diskonnektierte Gefäßka-
theter, diskonnektierte Drainageauf-
fangbeutel usw..

Erweiterte Patientenumgebung
Abb. 1 9 Die 5 Indika- Sie beinhaltet alle darüber hinaus gehen-
tionen der Händedes- den Bereiche, die seitens des Patienten
infektion (adaptiert kontaminiert werden können.
nach [134] und [33]). Die Indikationen der Händedesinfek-
Mit freundlicher
tion (. Tab. 2) ergeben sich aus verschie-
Genehmigung von
Elsevier denen Risiken seitens des Patienten und
des Personals [134]. Entscheidend ist, dass
durch soll zugleich das Wiedererkennen Bereich überträgt, erscheint es adäquat, durch die Händedesinfektion die Übertra-
von Indikationen im Arbeitsablauf er- die Situation „vor und nach Patientenkon- gung von Krankheitserregern verhindert
leichtert werden. Darüber hinaus können takt“ auf die körperliche Untersuchung zu wird.
Beobachtungen zur Compliance auf der begrenzen [[Link] Da sich die Händedesinfektion beim
Grundlage des Modells leichter standar- [Link]/ash/module/ambulante-medi- Personal als wirksamste Maßnahme zur
disiert und verglichen werden [33]. Die zin/5-indikationen/]. Im Altenheim ist die Prävention nosokomialer Infektionen er-
fünf Indikationsgruppen beinhalten die Situation vergleichbar, d. h. eine Hände- wiesen hat und durch Händedesinfektion
Händedesinfektion unmittelbar vor Pati- desinfektion ist vor und nach der Körper- selbst in nichtmedizinischen Bereichen
entenkontakt, unmittelbar vor aseptischen pflege oder beim Lagern eines Bewohners eine Herabsetzung gastrointestinaler und/
Tätigkeiten, unmittelbar nach Kontakt mit indiziert [[Link] oder respiratorischer Infektionen bzw.
potentiell infektiösen Materialien, nach [Link]/ash/module/alten-und-pflege- Krankheitstage erreichbar war, ist davon
Patientenkontakt und nach Kontakt mit heime/5-indikationen/]. auszugehen, dass auch Patienten davon
der unmittelbaren Patientenumgebung profitieren, wenn sie selbst und ihre An-
(. Abb. 1). Diese Indikationen gelten in Unmittelbare Patientenumgebung gehörigen sich die Hände situationsab-
der stationären ebenso wie in der am- Sie umfasst die unmittelbare Umgebung hängig desinfizieren. In Anlehnung an die
bulanten Pflege. Grundsätzlich soll auch des Patienten, d. h. typischerweise alle WHO können die folgenden „Fünf Mo-
nach dem Ablegen steriler und unsteriler Oberflächen, die entweder direkt mit mente“ für die Händedesinfektion des Pa-
Schutzhandschuhe eine Händedesinfek- dem Patienten in Kontakt kommen (Bett- tienten als relevant anzusehen [141]:
tion durchgeführt werden [33], weil eine wäsche, Bettgestell) oder häufig vom Pa- 55Bei Betreten des Patientenzimmers,
Kontamination sowohl durch unbemerk- tienten selbst oder im Verlauf der Versor- 55bei Verlassen des Patientenzimmers,
te Perforation als auch beim Ablegen nicht gung des Patienten vom Personal berührt 55vor Esseneinnahme,
auszuschließen ist. werden (z. B. Bettgestell, Nachttisch, ge- 55nach Benutzung der Sanitäreinheit
Das WHO Modell definiert darüber schlossene Infusions- und Drainagesys- (WC),
hinaus eine unmittelbare und eine erwei- teme, Monitore). Dazu gehören z. B. auch 55vor und nach Kontakt mit der eigenen
terte Patientenumgebung. Die Indikatio- das Beatmungsgerät und für die Dauer der Wunde, mit Schleimhäuten oder vor
nen zur Händedesinfektion ergeben sich Dialyse das Dialysegerät. Patienten nahe Betreten von Risikobereichen.
aus der Abfolge der Tätigkeiten am Patien- Oberflächen und Strukturen werden im
ten sowie aus der Bewegung zwischen den Verlauf der Patientenversorgung rasch Ergänzend ist ein Hinweis auf die Ver-
definierten Bereichen. und in hohem Maß mit der jeweiligen Pa- meidung unnötiger Kontakte mit Ober-
Auf einer Dialysestation konnte durch tientenflora kontaminiert [135–140]. flächen im Krankenhaus sinnvoll. Falls
Schulung und kritische Überprüfung von Innerhalb der unmittelbaren Patienten- das unvermeidbar ist, wird die anschlie-
Arbeitsabläufen auf der Grundlage des umgebung werden kritische Bereiche defi- ßende Durchführung einer Händedesin-
Modells die Compliance der Händedesin- niert, in denen aseptische Tätigkeiten oder fektion empfohlen.
fektion bei sinkender Anzahl von Indikati- Handkontakte oder Kontakte zu potentiell
onen um ca. 30 % verbessert werden [133]. infektiösen Materialien stattfinden wie z. B. Technik
Sofern man das Handlungsmodell der 55mit natürlichen Körperöffnungen wie Zur effizienten Unterbrechung der
„five moments“ auf den niedergelassenen Mund, Nase, Augen Erreger­
übertragung ist die korrekte

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1195


Empfehlungen

Tab. 2 Typische Situationen mit Indikationen für die hygienische Händedesinfektion.


Indikation Beispielsituationen Erläuterung Kommentar
VOR direktem Patient waschen, Unmittelbar vor dem direkten Direkter Patientenkontakt ist
Patienten­kontakt Puls und Blutdruck messen, auskultieren, palpieren, Patientenkontakt immer als Kontakt mit Haut,
Physiotherapie usw. Schleimhäuten oder Wunden
definiert
VOR aseptischen Vor jedem Kontakt mit nicht intakter Haut und Wunden, Vor jeder Manipulation an Devices, Manipulation immer im Sinn von
Tätigkeiten zwischen Entfernen des alten und Anlegen des neuen falls Handschuhe getragen wer- Diskonnek­tion bzw. Eröffnen
Verbands, Injektionen und Punktionen, Konnektion/ den, Desinfektion der behand- geschlossener Systeme
Diskonnektion geschlossener Systeme (Gefäßkatheter-, schuhten Hand (Einschränkungen z. B. vom Urogenitalbereich zur
Drainage- oder Beatmungssysteme), Vorbereiten von s. 6.1) Mundschleimhaut
Parenteralia, Wechsel von besiedelten/unrei-
Kontakt mit Schleimhäuten z. B. Mund- und Zahnpflege, nen zu nicht besiedelten/reinen
Zubereiten und Verabreichen von Sondennahrung Bereichen
NACH Kontakt mit Nach Kontakt mit Schleimhäuten, Aspiration von und Nach dem Ausziehen der Hand- Waschen in der Urogenitalregion
potentiell infektiösem Umgang mit Blut und schuhe, oder Entsorgung kontaminierter
Material (Körper­ jeder Art von Sekreten, Wundversorgung, Entfernen nach Kontakt mit Körperflüssigkei- Wäsche kann in diese Indikati-
flüssigkeiten usw.) von Verbänden, Anlage/Absaugen und Entfernen von ten, Schleimhäuten, nicht intakter onsgruppe eingruppiert werden
endotrachealen Tuben usw. Haut oder Wundverbänden,
Wechsel von besiedelten zu nicht
besiedelten Körperbereichen
NACH direktem Patienten waschen, Unmittelbar nach dem direktem Haut-, Schleimhaut- oder Wund-
Patienten­kontakt Puls und Blutdruck messen, auskultieren, palpieren, Patientenkontakt kontakt
Physiotherapie
NACH Kontakt mit der Wechsel der Bettwäsche, Kontakt mit Oberflächen und Ge- Dazu gehören auch das Beat-
direkten Patienten­um­ Einstellen der Tropfgeschwindigkeit am Infusionssystem, genständen in der unmittelbaren mungsgerät und für die Dauer
gebung Kontakt zu Monitoren, Rechnern und Medizingeräten, Patientenumgebung der Dialyse das Dialysegerät
Kontakt zum Bett und Nachtschrank sowie mit persönli-
chen Gegenständen des Patienten

Durchführung der Händedesinfektion 4 Die Chirurgische tionen nachweisbar [148, 149]. Dennoch
unerlässlich. Hierzu wird ein Volumen Händedesinfektion ist der Einsatz von Handwaschpräparaten
von etwa 3–5 ml bzw. der Menge, die in keine Alternative für alkoholische Ein-
eine Hohlhand passt, so in beide Hän- Die chirurgische Händedesinfektion ist reibepräparate zur chirurgischen Hände-
de eingerieben, dass die gesamte Ober- Standard vor jedem operativen Eingriff desinfektion, da die Hautverträglichkeit
fläche der Hand, d. h. Fingerspitzen, Na- [146], um präoperativ die transiente Flora alkoholischer Einreibepräparate deut-
gelfalze, Daumen, Fingerzwischenräume, der Hände zu eliminieren und die residen- lich besser als von Handwaschpräpara-
Innen- und Außenflächen für die Dauer te Flora der Hände für die Dauer der OP ten ist [150, 151]. Auch das Kontamina-
der vom Hersteller deklarierten Einwirk- größtmöglich zu reduzieren. Zusätzlich tionsrisiko beim Waschvorgang durch die
zeit (üblicherweise 30 s) mit dem Des- wird das Kontaminationsrisiko durch das Emission der Siphonflora beim Abspülen
infektionsmittel benetzt sind. Werden Tragen steriler OP-Handschuhe reduziert. der Hände spricht gegen den Einsatz von
<2 ml appliziert, verringert sich die be- Für aseptisches Arbeiten an klinischen Handwaschpräparaten [152, 153].
netzte Fläche signifikant [142]. Das Des- Reinraumplätzen z. B. in einer Hornhaut- Für Alkohol basierte Präparate mit Zu-
infektionsmittel soll insbesondere an den bank, ist die chirurgische Händedesinfek- satz von Chlorhexidin steht der Nachweis
Fingerspitzen, Nagelfalzen und Daumen tion mit nachfolgendem Anlegen steriler der höheren Wirksamkeit in Bezug auf die
eingerieben werden [143, 144]. Das wird Handschuhe zu empfehlen [147]. Prävention postoperativer Wundinfektio-
allerdings oft nicht ausreichend berück- nen aus. Auch wenn einige Studien zei-
sichtigt [145]. Beim Vergleich der in der 4.1 Mikrobizide Wirksamkeit gen, dass durch den Zusatz von Chlorhe-
DIN EN 1500 [17] vorgegebenen Bewe- und Verträglichkeit xidin die remanente Wirkung verbessert
gungsabfolge mit selbst gewählter Einrei- wird [154–156], ist bei der Ergebnisin-
betechnik mit dem Fokus der Benetzung Die Anforderungen an die Wirksamkeit terpretation zu berücksichtigen, dass kei-
der o. g. Handflächen konnte kein Vor- unterscheiden sich gemäß DIN EN 12791 ne Neutralisierung von Chlorhexidin in
teil zur Bewegungsabfolge der Prüfnorm [18] nicht zwischen mikrobiziden Hand- der Ausknetflüssigkeit durchgeführt wur-
nachgewiesen werden [143]. Allerdings waschpräparaten und alkoholischen Ein- de. Das führt ggf. zu einer Vermehrungs-
ist eine standardisierte Bewegungsabfolge reibepräparaten; demzufolge war bei al- hemmung noch verbliebener Bakterien,
beim Erlernen der Technik sinnvoll. ternativer Anwendung je eines Vertreters so dass falsch niedrige Koloniezahlen ge-
beider Präparatetypen kein Unterschied messen werden. Die Aussagekraft der Er-
auf die Rate postoperativer Wundinfek- gebnisse ist daher eingeschränkt. Hinzu

1196 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


kommt als weiterer Aspekt für den Ver- war [154, 155]. Ein Ausbruch postope- Schutzwirkung verbessern [192]. Gege-
zicht auf die Anwendung von Alkoholen rativer Wundinfektionen wurde dadurch benenfalls ist eine Vorstellung beim Be-
mit remanentem Zusatz, dass sich durch verursacht, dass anstelle eines jodhaltigen triebsarzt bzw. Facharzt für Dermatologie
den Zusatz toxische Risiken ergeben kön- Händedesinfektionsmittels eine nichtme- anzuraten.
nen. So sind durch Chlorhexidin wenn dizinischen Seife verwendet wurde [188], Ringdosimeter können bei sachge-
auch selten anaphylaktische [157–159] d. h. auf Grund der bei längeren chirur- rechter Anwendung aus Personalschutz-
und allergische Reaktionen beschrieben gischen Operationen unvermeidbaren gründen unter dem Aspekt der Risiko-
[160]. In diesen Fällen darf der Wirkstoff Handschuhperforation wurde auf Grund abwägung toleriert werden. Getragene
nicht weiter angewendet werden. Zugleich der fehlenden Händedesinfektion ein Ringdosimeter sind unter Berücksichti-
erhöht sich die Irritationspotenz von Al- Ausbruch verursacht. gung der Herstellerangaben aufzuberei-
koholen durch den Zusatz von Chlorhe- ten, z. B. durch Einlegen in ein alkoho-
xidin [161]. Gegen den Einsatz Chlorhe- 4.3 Voraussetzungen lisches HDM für die Dauer von 10 min.
xidin basierter Händedesinfektionsmittel Danach kann der Ring ohne Klarspülen
spricht ferner das Risiko der Resistenz- Der OP-Bereich ist mit sichtbar saube- mit Wasser nach Lufttrocknung erneut
entwicklung einschließlich der Möglich- ren Händen und Fingernägeln zu betre- auf die desinfizierte Hand angelegt wer-
keit von Kreuzresistenzen zu Antibiotika ten. Schmutzige Hände und Fingernägel den [193].
[162–180]. Allergische Nebenwirkungen (z. B. nach Gartenarbeit) sind bereits zu-
sind auch für Triclosan (Prävalenz bis hause, spätestens aber im unreinen Teil 4.4 Indikationen
0,2 %) und Benzalkoniumchlorid (Präva- der Personalschleuse vor dem Anlegen
lenz bis 7,2 %) beschrieben [59, 150, 151, der Bereichskleidung zu säubern. Kommt Die chirurgische Händedesinfektion ist
181–186]. Die Gefahr der Resorption to- es während der Tätigkeit zur Verschmut- vor dem direktem Kontakt zum OP-Feld
xisch wirkender Mengen von Benzalko- zung der Hände, sind ein Handwaschprä- und zu sterilen MP oder Materialien so-
niumchlorid besteht bei Einwirkung auf parat und zur der Schonung der Haut nur wie vor sonstigen Eingriffen mit gleichen
vorgeschädigter Haut nach längerer Kon- im Bedarfsfall eine Nagelbürste zu benut- Anforderungen an die Asepsis wie bei ei-
taktzeit [187]. Auf Grund der Resorpti- zen. ner Operation durchzuführen. Im Un-
onstoxizität ist der Einsatz von PVP-Iod Bezüglich Fingernägeln und Schmuck- terschied zur hygienischen Händedes-
in Alkohol basierten Händedesinfektions- stücken an Händen und Unterarmen gel- infektion gibt es bei der Akzeptanz der
mitteln abzulehnen [61]. ten die gleichen Voraussetzungen wie für Notwendigkeit einer chirurgischen Hän-
Derzeit gibt es keine Grundlage zur die hygienische Händedesinfektion (s. 3.3) dedesinfektion vor Anlegen der sterilen
Empfehlung einer routinehaften erneuten Hände und Unterarme sind wegen des Ri- Handschuhe kein Complianceproblem;
Durchführung der chirurgischen Hände- sikos der Wegbereitung von Hautirritatio- letzteres kann nur die Durchführung und
desinfektion während der Operation in nen und der damit verbundenen höheren die Einhaltung der Zeitdauer betreffen.
Abhängigkeit von der OP-Dauer. Erregerabgabe nicht mit einer Bürste zu
behandeln [189, 190]. 4.5 Technik
4.2 Prävention postoperativer Vor operativen Eingriffen sollen keine
Wundinfektionen Nagelbettverletzung oder entzündliche Um die Sporenlast an den Händen zu re-
Prozesse an der Hand vorliegen [190]. duzieren, wird empfohlen, die Hände vor
Es ist davon auszugehen, dass durch die Bei Psoriasis mit Kolonisation durch S. der am OP-Tag erstmalig durchgeführten
chirurgische Händedesinfektion das Ri- marcescens und bei schwerer Onycholy- chirurgischen Händedesinfektion mög-
siko postoperativer Wundinfektionen ge- se und Onychomykose eines Fingernagels lichst mit einem Abstand von 10 min
senkt wird. Diese Schlussfolgerung lässt mit gleichzeitigem subungualem Nach- vor der chirurgischen Händedesinfekti-
sich aus folgendem Sachverhalt ableiten. weis von P. aeruginosa wurde ein Aus- on zu waschen und sorgfältig abzutrock-
OP-Handschuhe können in bis zu 40 % bruch postoperativer Wundinfektionen nen [194]. Bei kürzerem Abstand wird die
der Eingriffe bemerkt oder unbemerkt trotz Tragens von OP-Handschuhen ver- Wirksamkeit der Alkohole durch den Ver-
perforieren [147]. Experimentell wurde ursacht [114, 191]. Unter sorgfältiger Ri- dünnungseffekt der Restfeuchte tendenzi-
nachgewiesen, dass ausgehend von nicht sikoabwägung erscheint es bei nichtent- ell oder signifikant reduziert [195–199].
desinfizierten Händen bei einer Hand- zündlichen Veränderungen bzw. kleinen Eine Wiederholung der Händewaschung
schuhperforation bis zu 103–104 Kolonie Verletzungen im Bereich der Hand je- ist im weiteren Tagesablauf nur bei sicht-
bildende Einheiten (KbE) die Wunde er- doch vertretbar, die Operation mit zwei barer Verschmutzung erforderlich. Zur
reichen können [148]. Im Gegensatz dazu übereinander gezogenen Paar Handschu- Waschung werden Hände und Unterarme
betrug die übertragene Menge bei zuvor hen, ggf. nach vorheriger Applikation ei- bis zum Ellenbogen mit nach oben gerich-
desinfizierten Händen < 100 KbE [148, nes Wundantiseptikums mit remanenter teten Fingerspitzen und tief liegendem
149]. Damit wäre zu erklären, dass bei im Wirksamkeit (z. B. auf Basis von Octen- Ellenbogen während etwa 30–60 s mit
Trageprozess perforierten OP-Handschu- idin) im Wundbereich durchzuführen einem Handwaschpräparat gewaschen.
hen erst nach einer Tragedauer von > 90 [190]. Alternativ könnten antimikro- Länger dauernde Händewaschungen sind
min ein Bakterientransfer nachweisbar biell imprägnierte OP-Handschuhe die wegen potenzieller Hautschädigung ab-

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Empfehlungen

zulehnen, zumal dadurch keine weitere Waschplatz angrenzen, sind diese durch turen bergen ein hygienisches Risiko, weil
Verminderung der residenten Flora er- einen Spritzschutz so abzuschirmen, dass sich z. B. Gram-negative Nonfermenter
reicht wird [200–202]. Zur Desinfekti- es (insbesondere in Bereichen der Zube- ansiedeln können, was Ursache von Aus-
on werden die Hände und Unterarme für reitung von Medikamenten) nicht zu einer brüchen war [214–220].
die Dauer der deklarierten Einwirkungs- Kontamination der Umgebung kommen Spender für Einmalhandtücher müs-
zeit durch eine eingeübte Einreibetechnik kann [211–213]. Der Handwaschplatz sen eine einfache Entnahme ermöglichen,
benetzt. Bei der Händedesinfektion wer- muss abhängig von den räumlichen Be- ohne dass die nachfolgenden Handtücher
den zunächst die Hautareale der Hand, dingungen mit wandmontierten Spen- und die Entnahmeöffnung kontaminiert
dann des Unterarms bis zum Ellenbogen dern für Händedesinfektionsmittel und werden. Für gebrauchte Handtücher ist
und nachfolgend wieder die Hände be- Handwaschpräparat und mit Einmal- ein Sammelbehälter (Papierkorb bzw.
netzt. In dieser Händedesinfektionspha- handtüchern ausgestattet sein [4]. Der Plastiksack) vorzusehen und für dessen
se soll das Hauptaugenmerk beim Einrei- Wasserstrahl darf nicht direkt auf den Ab- regelmäßige Entleerung Sorge zu tragen,
ben auf die Fingerkuppen, Nagelfalze und fluss gerichtet sein, um die Entstehung des um von Seiten der Patienten einer Entsor-
Fingerzwischenräume gelegt und eine lü- erregerhaltigen Aerosols aus dem Siphon gung in die Toilette mit ggf. nachfolgender
ckenlose Benetzung erreicht werden. Für zu minimieren [194]. Verstopfung der Abwasserrohrsysteme
die Einwirkungszeit von 1,5 min [203] er- Hautpflegemittel können in Spendern vorzubeugen. Alternativ kommen Retrak-
wies sich folgendes Vorgehen als effektiv: oder in herkömmlicher Form als Tuben tivspender mit automatischem Vorschub
Zunächst werden beide Hände (10 s) und bereitgestellt werden. Ersteres hat den des Textilhandtuchs in Betracht, das von
im 2. Schritt beide Unterarme benetzt (10 Vorteil der Herabsetzung des Kontami- einer Rolle abgespult und nach der Benut-
s). Dem schließt sich die Händedesinfekti- nationsrisikos des Hautpflegemittels, so- zung auf einer zweiten Rolle ohne Kontakt
onsphase (70 s) mittels Einreiben an [204]. fern Einmalgebinde eingesetzt werden. zur unbenutzten Handtuchrolle aufgerollt
Dabei hat die Anzahl der applizierten Por- Zugleich wird die Nutzung erleichtert. Es wird. Allerdings ist zu berücksichtigen,
tionen keinen Einfluss, solange die Hän- ist als ausreichend anzusehen, wenn Haut- dass Stoffhandtücher auf Rollen häufig
de über die Dauer der Einwirkungszeit pflegemittel z. B. im Stationsdienstzim- nicht einwandfrei funktionieren und im
mit dem Präparat benetzt gehalten wer- mer, in Umkleiden und in Pausenräumen Gebrauch störanfällig sind.
den [205]. Es ist zu beachten, dass dieses verfügbar sind. Konventionelle Heißlufttrockner sind
Vorgehen nur für Produkte mit einer de- Handwaschplätze müssen in Räumen für Gesundheitseinrichtungen ungeeig-
klarierten Einwirkzeit von 1,5 min unter- oder in der Nähe von Räumen vorhanden net, weil die Trocknungswirkung im Ver-
sucht wurde. sein, in denen diagnostische oder invasi- gleich zum Handtuch geringer ist [221–
Die Hände sollen trocken sein, bevor ve Maßnahmen stattfinden, in Räumen, 223]. Nur „jet air“ Händetrockner mit
die OP-Handschuhe angelegt werden, weil die der Vorbereitung solcher Maßnah- Infrarot erwiesen sich bei 10 s Anwen-
dadurch die Perforationsgefahr verringert men dienen, sowie in unreinen Arbeits- dung dem Papierhandtuch in der Trock-
[206], das Irritationsrisiko reduziert [207] bereichen bzw. in deren Nähe, aber z. B. nungswirkung gleichwertig [224]. Da
und Wirksamkeit der alkoholischen Hän- nicht im Arztdienstzimmer. Für jedes nach Händewaschung durch sorgfälti-
dedesinfektion bei 1 min Lufttrocknung Patientenzimmer sollte eine für die Be- ge Händetrocknung die Translokation
signifikant verbessert werden [208, 209]. schäftigten leicht erreichbare Waschge- von Bakterien von den Händen auf Kon-
legenheit möglichst in der Sanitärzelle taktflächen signifikant herabgesetzt wird
5 Die Händewaschung verfügbar sein, die analog wie der Hand- [221, 225], ist auch unter diesem Ge-
waschplatz ausgestattet sein soll, damit sie sichtspunkt die Händetrocknung wich-
5.1 Ausstattung medizinischer im Bedarfsfall vom Personal genutzt wer- tig [226, 227]. Allerdings war nach vor-
Handwaschplätze den kann. Das betrifft z. B. die Händewa- her durchgeführter Händedesinfektion
schung nach Ablegen der Handschuhe keine erhöhte Translokation durch Heiß-
Ein hygienischer Handwaschplatz muss nach der Versorgung von Patienten mit lufttrockner nachweisbar [228, 229]. Nach
mit Zulauf für warmes und kaltes Was- C. difficile assoziierter Diarrhoe oder nach Händewaschung wird durch Papier- oder
ser ausgestattet sein [4]. Bei einer Neu- unerwarteter massiver Verunreinigung/ Textilhandtuch signifikant mehr Rest-
einrichtung oder wesentlichen Umgestal- Kontamination der Hände im Rahmen flora als durch Heißlufttrockner entfernt
tung eines Handwaschplatzes ist auf ein der Patientenversorgung. [230–232]. Schließlich ist bei der Aus-
ausreichend groß dimensioniertes, tief Waschbecken, die von Beschäftigten wahl des Trocknungssystems zu berück-
ausgeformtes Handwaschbecken ohne mit direktem Patientenkontakt genutzt sichtigen, dass Nutzer bezüglich Komfort
Überlauf zu achten. Der Verzicht auf ei- werden oder sich in kritischen Bereichen und Nutzerfreundlichkeit Einmalhandtü-
nen Überlauf im Waschbecken erscheint befinden, müssen eine handkontaktlo- cher gegenüber Heißlufttrocknern bevor-
nicht nur hygienisch plausibel, sondern se Bedienung mittels verlängerter Hebel- zugen [226] und die Lärmbelastung bei
der kolonisierte Überlauf konnte als Ur- armatur ermöglichen oder mittels Fuß- „jet air“ Trocknern in 0,5 m Entfernung
sache einer Häufung von Serratia lique- oder Knieauslösung das Wasser freigeben, 94 dB erreicht [224]. Für einen „air blade“
faciens Infektionen identifiziert werden um eine Weiterverbreitung von Krank- Trockner wurde ermittelt, dass die Anzahl
[210]. Falls saubere Arbeitsflächen an den heitserregern zu verhindern. Sensorarma- freigesetzter Tröpfchen beim Trocknungs-

1198 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


vorgang höher war und weiter reichte als 5.2 Eigenschaften und Auswahl waschung ausschließlich der Entfernung
bei Benutzung eines Papierhandtuchs. von Handwaschpräparaten von Schmutz bzw. gegen Alkohol unemp-
Die Autoren schließen nicht aus, dass bei findlichen Erregern vorbehalten bleiben.
Vorhandensein von Pathogenen auf den Für in medizinischen Einrichtungen ver- Auswahlkriterien für die Art des
Händen die Umgebung mit ihnen konta- wendete Handwaschpräparate gelten die Handwaschpräparats sind das Konta-
miniert werden könnte [233]. Ein Review Anforderungen an Kosmetika, d. h. ≤ 103 minationsrisiko des Produkts und die
kommt zu analoger Schlussfolgerung, KbE/ml und kein Nachweis von P. aeru- Hautverträglichkeit [253]. Unter Anwen-
dass durch „jet air“ und Warmlufttrock- ginosa, S. aureus und C. albicans in 0,1 ml dungsbedingungen wurde wiederholt
ner die Ausbreitung kontaminierter Aero- [243]. Es werden sowohl konservier- eine Kontamination fester Handwasch-
sole begünstigt wird, so dass diese Trock- te Produkte als auch Präparate mit nicht präparate nachgewiesen [254–256]. Feste
ner in medizinischen Einrichtungen und näher definierter antimikrobieller Wirk- Handwaschpräparate waren sowohl mit
speziell in Baderäumen ungeeignet sein samkeit eingesetzt. Die Verwendung von Gram-positiven als auch mit Gram-ne-
könnten [234]. Produkten mit antimikrobiellen Zusät- gativen Bakterien häufiger und höher als
Der Waschbeckenablauf ist ein offe- zen wird in keinem Regelwerk gefordert, flüssige Handwaschpräparate kontami-
nes Erregerreservoir der Fäkal- und Oral­ ist nicht mit einer besseren Wirksamkeit niert [257]. In einer Querschnittsstudie
flora des Patienten [235]. Beim Einlau- gegenüber der normalen Seifenwaschung waren auf 70 % fester Handwaschpräpa-
fen von Wasser werden Bakterien bis zu belegt und ist immer dann kritisch zu be- rate insgesamt 44 Spezies mit Überwiegen
1,85 m im Umkreis aus dem im Siphon urteilen, wenn als antimikrobieller Zusatz von P. aeruginosa, E. coli und A. baumanii
stehenden Abwasser emittiert [236]. Da ein Wirkstoff eingesetzt wird, für den das nachweisbar. Bei flüssigen Handwasch-
die Ausbreitung von verschiedenen Fak- Risiko einer mikrobiellen Resistenzent- präparaten waren 16 % mit 7 Spezies kon-
toren beeinflusst wird, sollte man aus Si- wicklung oder einer Sensibilisierung ge- taminiert, davon überwiegend mit Pseu-
cherheitsgründen von 2 m ausgehen. Bei geben ist. domonas spp. Die Rate von NI fiel nach
Siphonkontamination >105 KbE/ml ist Für die hygienische Händewaschung Einführung eines flüssigen Handwasch-
die Übertragung von Bakterien auf die sind in der VAH-Liste [15] Produkte zerti- präparats im Verlauf eines Jahres von
Hände des Pflegepersonals bei der Hän- fiziert, die vor allem für den Lebensmittel- 4,2 % auf 2,2 % [258]. Im Ergebnis einer
dewaschung nachgewiesen [153]. Mit P. bereich gedacht sind. Sie sind signifikant experimentellen Studie wurde allerdings
aeruginosa kolonisierte Siphons konnten wirksamer als normale Handwaschprä- das Übertragungsrisiko durch ein mit
als Risikofaktor für die Kolonisation von parate, erreichen aber nicht die Wirksam- E. coli und P. aeruginosa (4,4 × 105 KbE/
Patienten identifiziert werden [237, 238]. keit von HDM. Daher ist ihre Anwendung Seifenstück) kontaminiertes festes Hand-
Beschrieben sind vom Siphon ausgehend keine Alternative zur hygienischen Hän- waschprodukt als nicht relevant einge-
Ausbrüche durch E. cloacae, P. aeruginosa, dedesinfektion. schätzt, weil nach dem Waschen und Ab-
A. baumannii und Serratia spp. [238–241]. Die Wirksamkeit der Händewaschung spülen der Hände in keinem Fall Erreger
Nach 3mal täglicher Siphonreinigung und auf die transiente Flora korreliert mit der auf den Händen nachweisbar waren [259].
Veränderung des Siphons konnte ein sich Dauer des Händewaschens und der Tech- Da feste Handwaschprodukte seit Jahren
über 5 Jahre erstreckender Ausbruch be- nik [244]. Da die Waschdauer im Kran- nicht mehr im medizinischen Bereich ein-
endet werden [241]. Bei einem Mul- kenhaus zwischen 8 und 20 s beträgt [145, gesetzt werden, sind in der jüngeren Li-
tispeziesausbruch mit Enterobakterien 245], dürfte die mittlere Reduktion deut- teratur nur flüssige Handwaschpräparate
konnten die Erreger u. a. auch im Siphon lich unter einer Log-Stufe liegen. Obwohl als Kontaminationsquelle aufgeführt. Im
nachgewiesen werden, wenn auch die se- bereits durch Händewaschung die Rate Rahmen eines Ausbruchs mit S. lique-
kundäre Kontamination von Lebensmit- von NI herabgesetzt werden kann [246– faciens war ein flüssiges antibakterielles
teln offenbar der entscheidende Verbrei- 250], ist abhängig vom Ausmaß der Kon- Handwaschpräparat im Spender mit dem
tungsweg war [238]. Wenn Siphonstöpsel tamination die Wirksamkeit nicht ausrei- Erreger kontaminiert, weil der nicht voll-
gewünscht sind, sollten sie leicht der des- chend [81], so dass die Händewaschung ständig entleerte Spender ohne Aufberei-
infizierenden Reinigung zu unterziehen keine Alternative für die hygienische Hän- tung nachgefüllt wurde [260]. Bei eben-
sein, also nicht aus Gummi oder Kunst- dedesinfektion ist. falls nachgefüllten Flaschen waren 1/5 bis
stoff sein. Günstig ist ein weit über die Si- Die bessere Hautverträglichkeit alko- 1/4 aller flüssigen Handwaschpräparate in
phonöffnung übergreifender Verschluss holischer Einreibepräparate im Vergleich öffentlichen Toiletten mit 15 verschiede-
zur Abschirmung des durch das einlauf- zu Handwaschpräparaten ist durch klini- nen Spezies bis 107 KbE/ml kontaminiert
ende Wasser entstehenden Aerosols. Au- sche und durch Anwendungsstudien be- [261, 262]. Das Nachfüllen wird auch in
tomatische Siphon-Desinfektionsanlagen legt [67, 251]. Werden beruflich bean- weiteren Studien als Kontaminationsur-
können in speziellen Einheiten, z. B. bei spruchte Hände viermal innerhalb 1 h sache verbunden mit Ausbrüchen ange-
Mukoviszidosepatienten, zur Prophylaxe gewaschen, ist die Zeitspanne zur Nor- sehen [260, 263–266]. Auch nosokomi-
von Pseudomonas-Infektionen indiziert malisierung der Hautparameter nicht ale S. marcescens Infektionen waren mit
sein [242]. Silikonstöpsel sollen wegen mehr ausreichend [252]. Wegen der mit der Kontamination eines flüssigen Hand-
der Kontaminationsgefahr nicht auf dem wiederholter Händewaschung verbunde- waschpräparats assoziiert [25, 267]. Expe-
Waschbecken gelagert werden. nen Hautschädigung [67] soll die Hände- rimentell wurde nachgewiesen, dass durch

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Empfehlungen

Waschen mit einem kontaminierten flüs- nicht bespritzt werden (z. B. bei Blut- 55Strahlenschutz (PSA-Handschuh),
sigen Handwaschpräparat die Anzahl verunreinigung). Der ggf. kontami- 55Reduzierung der im Handschuh ent-
Gram-negativer Erreger auf den Händen nierte Bereich ist danach zu desinfi- stehenden Schweißmenge (textiler
ansteigt und eine Weiterverbreitung auch zieren und der Kittel zu wechseln. Im Unterziehhandschuh),
in Gemeinschaftseinrichtungen möglich Anschluss sind die Hände zu desin- 55Unterbindung der Erregerfreisetzung
erscheint [263]. Selbst wenn die Spender fizieren. von der Hand in aseptische Bereiche
mit Einwegflaschen bestückt werden, ist 55Bei punktueller Verunreinigung kann (steriler medizinischer Einmalhand-
bei nicht ordnungsgemäßer vollflächiger diese mit einem mit HDM getränk- schuh; s. 6.2).
Reinigung und Desinfektion der Spender tem Papierhandtuch, Zellstoff o. Ä.
einschließlich des Steigrohrs eine Konta- entfernt und danach die Hand desin- Pathogenfreier medizinischer
mination des Handwaschpräparats mög- fiziert werden. Einmalhandschuh
lich [260, 268, 269]. Als Fazit ist die An- Die häufig verwendete Bezeichnung kei-
wendung von Handwaschprodukten in 6 Maßnahmen zum Schutz marmer Handschuh sagt nichts über die
Stückform in medizinischen und pflege- vor Kontamination mikrobielle Unbedenklichkeit aus, weil
rischen Bereichen obsolet. und vor Chemikalien die Qualität „keimarm“ bisher nicht ge-
regelt ist. Für Einmalhandschuhe ist im
5.3 Indikationen 6.1 Medizinische Unterschied zu sterilen medizinischen
Einmalhandschuhe OP-Handschuhen lediglich die Quali-
Zweck der Händewaschung ist die Rei- und Schutzhandschuhe tät gemäß EN 420 [273] bzw. ISO 11193-
nigung der Hände zur Entfernung von 1 [274] und 2 [275] und gemäß EN 455
Schmutz und Verunreinigungen sowie zur Bei Handschuhen ist zwischen MP und Teil 1–4 [276–279] definiert; es gibt aber
Entfernung lose adhärierter Krankheitser- PSA zu unterscheiden. Erstere dienen für den direkt aus der Originalverpackung
reger, sofern diese nicht durch Händedes- dem Infektionsschutz des Patienten und entnommenen Einmalhandschuh kei-
infektion abgetötet werden können (z. B. nur nachgeordnet auch des Trägers, wäh- ne Anforderung bezüglich des Freiseins
bei Kontamination mit Bakteriensporen, rend PSA ausschließlich dem Schutz des von potentiell pathogenen Mikroorganis-
Helminthen, Kryptosporidien, Oozysten Trägers vor chemischen und physikali- men oder bezüglich einer höchstzulässi-
und Protozoen). Bei starker Belastung der schen Risiken sowie vor Biostoffen die- gen mikrobiellen Gesamtbelastung. Auch
Hände mit Schweiß (z. B. nach langer OP) nen. MP unterliegen der Richtlinie 93/42/ im Englischen oder Französischen erlaubt
empfiehlt es sich, die Hände vor der Hän- EWG. PSA unterliegt der Richtlinie die Bezeichnung „clean single-use gloves“
dedesinfektion mit einem Papierhandtuch 89/656/EWG. Seit 2010 erlaubt die Neu- bzw. „gants d’examen“ (Untersuchungs-
zu trocknen. Gegebenenfalls sollten ab- fassung der EU-Richtlinie 2007/47/EG handschuhe) keinen Rückschluss auf die
schließend eine Händewaschung und die die duale Kennzeichnung von Produkten mikrobielle Unbedenklichkeit. Gleiches
Anwendung einer hautpflegenden Lotion für einen doppelten Verwendungszweck trifft für die von Hughes et al. [280] ver-
erfolgen [270]. Nach Toilettenbenutzung als MP und als PSA sowie deren entspre- wendete Bezeichnung „nicht steril“ zu.
ist das Standardverfahren die Händewa- chende doppelte CE-Kennzeichnung. Der Eine stichprobenartige Überprüfung nicht
schung. Bei Diarrhoe oder Rhinitis kann Einsatz von Einmalhandschuhen, die kein steriler medizinischer Einmalhandschu-
eine Händedesinfektion sinnvoll sein. MP oder keine PSA sind und daher nicht he aus der Originalverpackung vor der
den Qualitätskriterien der Normenserie Auslieferung an den Verbraucher ergab
5.4 Technik EN 455 und EN 374 entsprechen, ist im eine Gesamtkoloniezahl aerober Bakteri-
Umfeld von Patienten abzulehnen. en <100 KbE/100 ml Sammelflüssigkeit,
Bei der Händewaschung sind besonders Handschuhe werden in Gesundheits- die damit deutlich unter dem zulässigen
die subungualen Räume zu berücksichti- einrichtungen mit folgenden Indikationen Grenzwert für Trinkwasser lag [281]. Bei
gen, da sie den größten Teil der Handflora eingesetzt [Broschüre „Haut- und Infek- aseptischer Entnahme von Handschuhen
enthalten [271]. Stellt sich der Wasserlauf tionsschutz im Gesundheitswesen“ http:// aus Boxen auf einer orthopädischen Sta-
nicht automatisch ab, wird er mit dem ge- [Link]/[Link]- tion differierte die Gesamtbelastung zwi-
brauchten Handtuch oder dem Ellenbo- [Link]/sitecollectiondocuments/30_ schen 0 und 9,6 × 103 KbE/Handschuh.
gen geschlossen [272]. gesundheitsth_arbmed/hautschutz_ge- Neben Bacillus spp. und Koagulase-nega-
Ist zusätzlich zur hygienischen Hände- [Link]]: tiven Staphylokokken wurden E. faecalis,
desinfektion eine Reinigung erforderlich, 55Schutz des Trägers vor Kontamination K. pneumoniae, Pseudomonas spp. oder
soll diese bis auf folgende Ausnahmen erst mit Blut, Sekreten und Exkreten ein- S. aureus in 13 % der Proben nachgewie-
nach der Desinfektion durchgeführt wer- schließlich Krankheitserregern und sen [280]. Da Einmalhandschuhe zur An-
den [47]: indirekt zur Unterbrechung von In- wendung in nicht sterilen Bereichen nicht
55Stark verschmutzte Hände werden zu- fektionsketten (pathogenfreier medi- nur mit intakter Haut, sondern auch mit
nächst vorsichtig abgespült und dann zinischer Einmalhandschuh), Schleimhäuten in Kontakt kommen, z. B.
gewaschen. Dabei ist darauf zu ach- 55Schutz vor Chemikalieneinwirkung zur Mundhöhlenpflege bei beatmeten Pa-
ten, dass Umgebung und Kleidung (PSA-Einmalhandschuh), tienten oder zur vaginalen oder rektalen

1200 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


Untersuchung, sollten sie frei von poten- ten Erreger unempfindlich gegen Alkohol Für die Desinfektion des Handschu-
tiell pathogenen Mikroorganismen sein. basierte Händedesinfektionsmittel sind, hes sind folgende Voraussetzungen zu be-
Dabei können sich die quantitativen An- z. B. C. difficile, oder besonders gefährlich rücksichtigen [293]:
forderungen an Trinkwassergrenzwer- sind, z. B. Erreger des viralen hämorrha- 55Der Handschuh muss chemikalien-
ten sowie an die Anforderungen für nicht gischen Fiebers. Die Notwendigkeit von beständig gemäß EN 374 [294] sein,
sterile arzneiliche Zubereitungen zur An- Schutzhandschuhen bei erwarteter hoher wobei die Prüfung der sog. Durch-
wendung in der Mundhöhle, in der Nase Kontamination lässt sich daraus ableiten, bruchzeit von 30 min (Schutzindex
und am Ohr orientieren. Für letztere sind dass nach artifizieller Kontamination der Klasse 2) mindestens einen Alkohol
102 KbE pro g bzw. ml als Gesamtheit ae- Hände mit E. coli trotz Händedesinfekti- einschließen soll. Vom Hersteller der
rober Mikroorganismen sowie 101 KbE on ca. 2 Zehnerpotenzen auf den Händen Handschuhe und vom Hersteller des
pro g bzw. ml als Gesamtwert an Hefen verbleiben [287]. Analoge Daten liegen Händedesinfektionsmittels darf es
und Schimmelpilzen zulässig. S. aureus für MRSA bei hoher Kontamination der keine Angaben geben, die einer Des-
und P. aeruginosa dürfen in 1 g bzw. 1 ml Hände mit 2–3 Zehnerpotenzen verblei- infizierbarkeit des Handschuhs entge-
nicht nachweisbar sein [282]. Für Trink- bender Restkontamination nach Hände- genstehen.
wasser in medizinischen Einrichtungen desinfektion vor [288]. 55Der Handschuh soll nur während der
sind die Anforderungen im Hinblick auf Medizinische Einmalhandschuhe sind Versorgung an ein und demselben
P. aeruginosa höher, d. h. kein Nachweis nach Beendigung der jeweiligen Tätig- Patienten verwendet werden und ist
in 100 ml [283], weil im Unterschied zum keit abzulegen. Ihr Wechsel korreliert mit nach Beendigung der jeweiligen Tä-
frisch entnommenen Leitungswasser in den Indikationen der Händedesinfektion, tigkeit abzulegen. Sofern es der Ar-
arzneilichen Zubereitungen das Risiko z. B. beim Wechsel von unreinen zu rei- beitsablauf zulässt, sollte der Wechsel
der weiteren Vermehrung gegeben ist. Un- nen Tätigkeiten wie Sekretabsaugung und von Einmalhandschuhen parallel zu
ter Berücksichtigung der Anforderungen anschließende Arbeit am Infusionssystem den Indikationen der Händedesinfek-
an nicht sterile arzneiliche Zubereitungen [42, 286, 289]. Nach dem Ausziehen der tion erfolgen, d. h. immer dann, wenn
bzw. der Anforderungen an Trinkwasser Handschuhe ist in jedem Fall eine Hän- die Indikation für eine Händedesin-
ist von einer Unbedenklichkeit von me- dedesinfektion durchzuführen, da Hand- fektion gegeben ist, aber Handschu-
dizinischen Einmalhandschuhen in Hin- schuhe auf Grund unerkannter Perforati- he getragen werden. Im Ausnahme-
blick auf den Patientenschutz auszugehen, onen und dem Risiko der Kontamination fall können behandschuhte Hände
wenn in 100 ml Sammelflüssigkeit keine beim fehlerhaften Ausziehen der Hand- anstelle eines Handschuhwechsels
potentiell pathogenen Erreger nachweis- schuhe keinen lückenlosen Schutz vor der desinfiziert werden, wenn andernfalls
bar sind. Für die Deklarierung der Eigen- Kontamination der Hände gewähren [284, der Arbeitsablauf nicht gewährleistet
schaft pathogenfrei („keimarm“) wird in 286, 290]. werden kann, z. B. bei Tätigkeiten am
Hinblick auf künftige Normungsarbei- Medizinische Einmalhandschuhe sind selben Patienten aber zwischenzeit-
ten die Beschränkung auf je eine Indika- wegen des Risikos der Hautschädigung lichem Kontakt mit unterschiedlich
torspezies vorgeschlagen mit S. aureus als und erhöhter Perforationsgefahr [206] kontaminierten Körperbereichen, ggf.
typischem Vertreter der Hautflora und E. nur auf sauberen, vollständig trockenen auch bei aufeinanderfolgenden Blut­
coli als typischem Vertreter der Darmflo- Händen [291] anzulegen. entnahmen bei mehreren Patienten.
ra [284]. Soll eine Schutzfunktion gegen Chemi- Kriterium für die Entscheidung ist,
Pathogenfreie medizinische Einmal- kalien erreicht werden, sind Handschuhe dass der spezifische Arbeitsablauf kei-
handschuhe dienen in erster Linie der für hohe Risiken (Kategorie III der RL 686, ne Zeitspanne für die Lufttrocknung
Unterbrechung von Infektionsketten [136, erkennbar an der CE Kennzeichnung, ge- der desinfizierten Hände nach der
285, 286]. Sie sind bei vorhersehbarer Ver- folgt von einer vierstelligen Nummer) zu Desinfektion vor dem Anlegen der
unreinigung mit Körperausscheidungen, empfehlen [292]. Diese Qualität ist für alle neuen Handschuhe gewährt.
Sekreten und Exkreten anzulegen wie z. B. Handschuhe, die im Gesundheitsbereich 55Der Handschuh weist keine sichtbare
bei der Blutentnahme, der Pflege inkonti- verwendet werden, anzuraten. Dabei ist Perforation auf und ist nicht mit Blut,
nenter Patienten, vor intensivem Kontakt nicht nur die zu erwartende Schutzleis- Sekreten oder Exkreten erkennbar
mit MRE, z. B. vor der antiseptischen Wa- tung, sondern die reproduzierte Qualität kontaminiert.
schung von mit MRE kolonisierten oder (AQL) entscheidend für den zu erwarten-
infizierten Patienten, beim Umgang mit den Schutz. Da die Perforationsrate mit zunehmender
Beatmungsschläuchen, bei Entleerung Behandschuhte Hände sollten nur Tragedauer bzw. nach belastender Tätig-
von Wasserfallen, beim endotrachealen in speziellen Fällen desinfiziert werden, keit ansteigt, ist auch bei Gewährleistung
Absaugen, bei der Tracheostomapfle- z. B. in Situationen, in denen ein häufiger der genannten Forderungen im Intensiv­
ge, bei Entsorgung von Sekreten, Exkre- Handschuhwechsel erforderlich, aber er- bereich nach spätestens 15 min sowie
ten und Erbrochenem sowie bei der Ent- fahrungsgemäß schwierig realisierbar ist nach jeder Patientenwaschung ein Hand-
fernung von Drainagen, Verbänden oder bzw. der Wechsel zu einer Unterbrechung schuhwechsel zu empfehlen [295].
kontaminierten Materialien. Sie sind ins- des Arbeitsflusses führt. Allerdings ordnet die WHO [33] die
besondere indiziert, wenn die erwarte- Desinfektion der behandschuhten Hände

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1201


Empfehlungen

trotz nachgewiesener Effektivität als unge- 55Bei der Aufbereitung von Patienten- ten OP-Handschuhen die postoperative
löste Frage ein, solange die Konsequenzen zimmern oder anderen Räumen ohne Wundinfektionsrate signifikant höher war
für die Materialintegrität unbekannt sind. bekanntes Risiko einer Kontamina- als bei nicht perforierten [196, 197]. Beim
Werden Handschuhe nicht mit einem tion mit MRE oder mit Erregern mit Anlegen der Handschuhe ist zu beachten,
automatischen Handschuhspender bereit- dem Potential einer epidemischen dass diese am Ärmelbündchen des Kittels
gestellt oder aus einer Box entnommen, Ausbreitung sind bei jedem Raum- dicht abschließen.
die bei Entnahme des ersten Handschuhs wechsel die behandschuhten Hände Im OP-Bereich empfiehlt sich grund-
den nachfolgenden soweit freigibt, das die einer Händedesinfektion zu unter- sätzlich der Einsatz latexallergenarmer
Entnahme ohne Berührung der Box und ziehen. OP-Handschuhe, da bisher von kei-
weiterer Handschuhe möglich ist, sondern 55Die Handschuhe sind für die dekla- nem anderen Material gleichwertige Ei-
aus üblichen Pappboxen entnommen, ist rierte Tragedauer personengebunden genschaften hinsichtlich Tragekomfort,
vor der Entnahme eine Händedesinfekti- zu verwenden. Passgenauigkeit, Griffigkeit und mecha-
on durchzuführen. Angebrochene Boxen 55Am Ende der Arbeitsschicht sind die nischer Belastbarkeit wie für Naturlatex
sollen vor Kontamination durch Staub, Handschuhe zu entsorgen oder im erreicht werden. Der Proteingehalt muss
Spritzwasser, Tröpfchen geschützt werden. Fall der Aufbereitbarkeit einem vali- < 30 µg/​g Handschuhmaterial betragen
Eine Bevorratung einzelner Handschuhe dierten Desinfektionsverfahren zu- [274]. Gepuderte Latexhandschuhe sind
in der Kitteltasche ist nicht zulässig. zuführen und danach hygienisch zu wegen des Allergisierungsrisikos unter-
lagern. sagt [291]. Bei Patienten mit einem er-
Schutzhandschuhe (PSA) gegen höhten Risiko für die Entwicklung einer
Chemikalien und Mikroorganismen Feuchtigkeitsabsorbierende textile Latexallergie wird die naturlatexfreie Ver-
Sie müssen sowohl die allgemeinen An- Unterziehhandschuhe sorgung empfohlen. Das betrifft Patien-
forderungen der EN 420 [273] insbeson- Hierbei handelt es sich um dünne, ten, die von Geburt an an Spina bifida,
dere Unschädlichkeit, Ergonomie und mehrfach verwendbare in Desinfek- urogenitalen Fehlbildungen, Ösophagus­
Widerstand gegen Wasserdurchdringung tions-Waschverfahren aufbereitbare atresie und weiteren Missbildungen lei-
erfüllen, als auch die speziellen Anforde- Baumwollhandschuhe, deren Einsatz in den und die wiederholt operiert werden
rungen bezogen auf den Einsatzzweck, der TRBA 250 [4] bei längerem Tragen [303–309]. Durch latexfreie OP-Hand-
d. h. Schutz vor Chemikalien und Mik- von luftundurchlässigen Schutzhand- schuhe, latexfreie Anästhesie und Lat-
roorganismen gemäß EN 374 Teil 1,2,4 schuhen zur Reduktion des Handschwei- exallergenvermeidung im Alltag konnte
und 5 [294, 296–298] sowie mechanische ßes für sinnvoll erachtet wird. Sie werden die Latexsensibilisierungsprävalenz sig-
Festigkeit. Die ASTM F1671 gibt Auskunft zusammen mit dem Schutzhandschuh ge- nifikant gesenkt werden [310, 311]. Tal-
über den Widerstand gegen Krankheits- wechselt. Ihr Einsatz hat sich für medizini- kum und Ersatzprodukte bergen die Ge-
erreger, die über Blut übertragen werden, sche Tätigkeiten als durchführbar erwie- fahr der Granulombildung im OP-Gebiet
z. B. Viren [299]. Die Prüfung der Barrie- sen, wobei subjektiv durch Absorption und sind nicht zu empfehlen [312–316].
refunktion für Zytostatika ist derzeit eben- der Feuchtigkeit ein günstiger Einfluss Für eine Emulsion mit Maisstärke ist das
falls nur durch die ASTM D6978-05 gere- auf den Hautzustand ausgeübt wird, so- nicht untersucht; da aber kein Einfluss
gelt [300]. dass ein Routineeinsatz in der Patienten- auf die Schweißmenge nachweisbar war
Für die Auswahl ist zu beachten, dass pflege von Pflegekräften und Physiothera- [317], ist sie entbehrlich.
in Abhängigkeit von der Durchbruchzeit 6 peuten überwiegend bejaht wurde [301]. Bei chirurgischen Eingriffen mit er-
Klassen [294] unterschieden werden. So- höhtem Perforationsrisiko und/oder chi-
fern die Handschuhe für die Unterhalts- 6.2 Sterile Einmalhandschuhe rurgischen Eingriffen an Patienten mit
reinigung eingesetzt werden, ist auf die erhöhtem Infektionsrisiko wird für das
adäquate Auswahl (z. B. lange Stulpen) zu Sterile Einmalhandschuhe sind MP. Ge- OP-Team das Tragen von zwei Paar über-
achten. Überschreitet die Tragedauer z. B. mäß europäischem Arzneibuch müssen einander gezogenen OP-Handschuhen
2 Stunden, ist Klasse 4 auszuwählen, so- Sterilität und Freisein von Pyrogenen ge- (sog. double gloving) möglichst mit Indi-
fern der Hersteller des Flächendesinfek- währleistet sein; ferner werden Dichtheit, katorsystem empfohlen [127, 318]. Da be-
tionsmittels keine andere Angabe macht. Reißfestigkeit sowie Abrieb- und Schnitt- kannt ist, dass die Perforationsrate mit zu-
Sofern die Schutzhandschuhe tätigkeits- festigkeit geprüft [302]. nehmender Dauer der OP steigt, wird bei
bzw. bereichsübergreifend getragen wer- Das Anlegen steriler Handschuhe vor längeren OPs diskutiert, ob bzw. wann ein
den, ist eine Weiterverbreitung von Er- operativen Eingriffen und invasiven pfle- routinemäßiger Handschuhwechsel sinn-
regern möglich, sofern nicht folgende gerischen Maßnahmen soll die Übertra- voll und begründet ist. Die Vorschläge
Maßnahmen eingehalten werden: gung von Krankheitserregern auf sterile/ reichen von 30 bis 180 min [319]. Insge-
55Werden Isoliereinheiten der desinfi- nicht kolonisierte Bereiche des Patien- samt sind die Daten jedoch unzureichend,
zierenden Reinigung unterzogen, sind ten bzw. die Kontamination steriler Ma- um eine allgemeine Empfehlung geben zu
beim Verlassen der Einheit die Hand- terialien verhindern. Die Notwendigkeit können [26, 320].
schuhe abzuwerfen und eine Hände- zum Tragen von OP-Handschuhen lässt Bei Tragen von nur einem Paar Hand-
desinfektion durchzuführen. sich daraus ableiten, dass bei perforier- schuhen haben sich in der Viszeralchi-

1202 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


rurgie über die OP-Dauer ansteigende Durch unter dem OP-Handschuh an- HDM kann es ausreichend sein, die Ein-
Perforationsraten für Operateur und 1. gelegte sterile Baumwollhandschuhe kann haltung der Verbrauchsfrist über die Ver-
Assistenten gezeigt, woraus ein Wechsel dem Feuchtigkeitsstau entgegengewirkt brauchsstatistik nachzuweisen. Da Spen-
nach spätestens 90 min, für den 2. Assis- werden. der für Handwaschpräparate kein MP
tenten und die OP-Pflegekräfte nach 150 Unmittelbar nach dem Ablegen der sind, muss die Aufbereitung durch den
min abgeleitet wurde [319, 321]. Für an- OP-Handschuhe sollte eine Händedesin- Anwender selbst festgelegt werden.
dere chirurgische Fachdisziplinen kann fektion erfolgen, da Perforationen nicht Für Handwaschpräparate entfällt die
sich das Wechselintervall in Abhängig- auszuschließen sind. Verpflichtung der Anbruchdokumenta-
keit vom Perforationsrisiko unterschei- tion. Trotzdem ist diese zu empfehlen,
den. Folgende Beispiele verdeutlichen die 6.3 Vermeidung sofern dazu Herstellerangaben vorhan-
Situation. Für totale Hüftendoprothesen einer Kontamination den sind. Dies lässt sich ableiten aus der
wurde vorgeschlagen, den Außenhand- höheren Kontaminationsanfälligkeit von
schuh nach der Prothesenreduktion bzw. Der Umfang erforderlicher Händedesin- Handwaschpräparatespendern im Ver-
bei Perforation zu wechseln. Typische Si- fektionen kann durch konsequente Pla- gleich zu Desinfektionsmittelspendern.
tuationen einer Perforation waren bei nung von pflegerischen und ärztlichen Grundsätzlich dürfen beide Spender-
der Inzision bzw. beim Zementieren des medizinischen Maßnahmen mit dem Ziel arten nicht zu einer Weiterverbreitung
Hüftkopfs im Femur. Durch diese geziel- der konsequenten Trennung rein/unrein von Krankheitserregern führen. Automa-
ten Wechsel der Außenhandschuhe konn- bzw. nicht kontaminiert/kontaminiert so- tisch bedienbaren Spendersystemen ist
te die Rate von OP-Handschuhen, die in- wie durch Realisierung der Non-touch- nicht nur wegen der geringeren Kontami-
traoperativ an der Außenseite steril sind, Technik z. B. im Umgang mit Devices und nations- und Übertragungswahrschein-
um 80 % erhöht werden [320]. Der Wech- beim Verbandwechsel reduziert werden. lichkeit, sondern auch wegen des höhe-
sel des äußeren Handschuhpaars 1 h nach Für den Verzicht auf begrüßendes ren Bedienkomforts und des positiven
Beginn der OP hatte zur Folge, dass die Händeschütteln gibt es bei Einhaltung der Einflusses auf die Compliance der Vorzug
Kontaminationsrate des äußeren Hand- Indikationen zur Händedesinfektion we- zu geben [328].
schuhs am OP-Ende 13 % anstatt 23 % be- der eine epidemiologische Evidenz, noch Unabhängig vom Hersteller und von
trug. Deshalb empfehlen die Autoren, vor eine stichhaltige theoretische Rationale. der Bauart sollten Spender für Händedes-
dem Einsetzen von Implantaten die äuße- Wenn die von der WHO empfohlenen 5 infektionsmittel und für Handwaschprä-
ren Handschuhe zu wechseln [322]. Indikationsgruppen zur Händedesinfekti- parate folgende Anforderungen erfüllen
Bei sichtbarer intraoperativer Hand- on konsequent eingehalten werden, ist der [329]: Es soll eine Bestückung mit nicht
schuhbeschädigung müssen frische steri- Verzicht nicht begründbar. In Anbetracht wieder befüllbaren Gebinden (Einmal-
le OP-Handschuhe angelegt werden. Hat der Schwierigkeit der Erreichbarkeit ei- container), die Möglichkeit der Verwen-
sich die Perforation zu OP-Ende ereignet, ner indikationsumfassenden Compliance dung von Gebinden unterschiedlicher
kann es ausreichend sein, einen frischen der Händedesinfektion kann zumindest in Hersteller sowie die Vermeidung der mi-
sterilen Handschuh über den perforierten Risikobereichen auf das begrüßende Hän- krobiellen Kontamination des Pumpkopfs
Handschuh zu ziehen. Ob vor dem An- deschütteln verzichtet werden, wodurch während der Nutzung möglich sein. Der
legen des frischen OP-Handschuhs eine zugleich die Notwendigkeit der Hände- Eurospender ist in der Größe genormt,
Händedesinfektion erforderlich ist, ist desinfektion in den Fokus gerückt wird. und es können Gebinde unterschiedlicher
eine ungeklärte Frage. Zweifellos findet Hersteller fixiert werden. Die im Spender
während der OP eine Rekolonisation der 7 Anforderungen an Spender verwendeten HDM oder Handwaschprä-
Haut im Handschuh statt [323, 324]. An- für Händedesinfektionsmittel parate einschließlich wichtiger Hersteller-
dererseits wäre der Handschuh ohne Per- und Handwaschpräparate hinweise und der Füllstand müssen ohne
foration nicht gewechselt worden. Da nur Manipulation identifizierbar sein. Auf-
im OP-Gebiet gearbeitet wurde, erscheint Im Gesundheitswesen sollen für HDM grund der einfacheren Handhabung emp-
die Händedesinfektion entbehrlich, zu- vorzugsweise als MP deklarierte Spender fiehlt sich sowohl für Händedesinfektions-
mal es bei der Händedesinfektion zu ei- eingesetzt werden. Daraus ergibt sich die mittel als auch für Handwaschpräparate
ner Kontamination des sterilen Schutzkit- Verpflichtung für den Hersteller, in der die Verwendung von Einmalgebinden.
tels mit der Hautflora kommen kann. Packungsbeilage Angaben zur sachge- Im Hinblick auf das Risiko der mik-
Auch Handschuhe mit antibakterieller rechten Aufbereitung zu machen. Alterna- robiellen Besiedelung sind Spender für
Barriere bzw. antibakterieller Imprägnie- tiv können auch HDM-Spender zum Ein- Handwaschpräparate kritischer einzu-
rung können den Erregertransfer durch satz kommen, die keine MP sind, wenn schätzen als mit alkoholischen HDM be-
Perforationen [325] bzw. die Erregermen- der Hersteller eine sachgerechte Aufbe- füllte Spender [263, 264]. Hinzu kommt,
ge auf der Hand [326] verringern, bergen reitungsvorschrift zur Verfügung stellt. dass nach einem Handkontakt mit dem
jedoch in Abhängigkeit vom verwendeten Das Anbruch- oder das Ablaufdatum Auslass des Spenders, anders als beim
Wirkstoff (z. B. Chlorhexidin) eine Aller- muss auf dem Desinfektionsmittelbehält- Desinfektionsmittelspender, die Hän-
giegefahr. nis [327] oder separat dokumentiert sein. de nicht zwangsläufig desinfiziert, wohl
In Bereichen mit hohem Verbrauch an aber abgespült werden. Günstig ist da-

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Empfehlungen

her bei Spendern für Handwaschpräpa- in 109 Krankenhäusern erhobenen Daten Zugangsmöglichkeit zu Desinfektions-
rate die Verwendung von Einmalpumpen zur Compliance wurde deutlich, dass trotz mitteln einen signifikanten Anstieg der
am Gebinde, die mit dem leeren Gebin- einer Compliance von durchschnittlich Compliance-Rate von 39 % auf 59 % (nach
de verworfen werden. Sofern aufbereit- 73 % (10. Percentile 55 %, 90. Percentile Patientenkontakt), verbunden mit einer
bare Spendersysteme eingesetzt werden, 89 %) [334] noch Verbesserungspotential Senkung von NI von 11,3 auf 6,3 pro 1000
ist bei der Auswahl darauf zu achten, dass besteht, insbesondere, wenn davon ausge- Patiententage [83]. In der Intensivpflege
der Hersteller eine Vorschrift zur Aufbe- gangen wird, dass sich durch direkte Be- war die Compliance bei Manipulationen
reitung bereitstellt. Die manuelle Aufbe- obachtung die Rate der Händedesinfekti- am Beatmungssystemzubehör am höchs-
reitung beinhaltet konstruktionsabhängig onen deutlich erhöht (Hawthorne-Effekt) ten, gefolgt von Manipulationen am Harn-
folgende Schritte: Abwischen des Steig- bzw. bei einer Compliance von 51 % in der wegkatheter und an Wundverbänden. Bei
rohrs mit Einmaltuch, Reinigung der Größenordnung von 180 % bewegen kann Manipulationen an zentralen oder peri-
Dosierpumpe unter fließendem heißen [335, 336]. Auf Grund des Stellenwerts der pheren Gefäßzugängen war die Compli-
Wasser, Trocknen, Reinigung des Spen- Händehygiene müssen alle Möglichkei- ance am geringsten. Die vergleichsweise
dergehäuses unter fließendem heißen ten ausgeschöpft werden, eine maxima- höchste Compliance bei Manipulationen
Wasser, Trocknen, Wischdesinfizieren le Compliance in ihrer Durchführung zu am Zubehör des Beatmungssystems hat
von Spendergehäuse, Rückwand und Do- erreichen. Dazu gehören die Etablierung ihre Ursache offenbar im angestrebten Ei-
sierpumpe, Zusammensetzen des Spen- von Messverfahren zur Compliance sowie genschutz des Pflegepersonals [343]. Dazu
ders und wiederholtes Durchpumpen ei- die Analyse und Optimierung von Rou- steht in Übereinstimmung, dass auch das
nes Desinfektionsmittels. tinearbeitsabläufen. Neben der Verbesse- Tragen medizinischer Einmalhandschu-
Es existieren nur wenige Daten zur rung der Compliance der Händedesinfek- he zur Unterlassung der Händedesinfek-
Kontamination von Handwaschpräpara- tion ist auch die korrekte Durchführung tion verleitet [346]. Die Beobachtungser-
ten. Gleich et al. zeigten [330], dass Wasch­ ein weiterer wichtiger Aspekt [337]. gebnisse eröffnen die Möglichkeit, eine
lotionen nur zu 10 % mit max. 2 KbE von Um einen Effekt der Händedesinfek- Verbesserung der Compliance gerade bei
Vertretern der Umweltflora (Koagula- tion auf die Raten von NI und MRE zu den Indikationen zu trainieren, für die
se-negative Staphylokokken, Mikrokok- erzielen, muss eine hohe Compliance der sich entweder in Studien [342, 347, 348]
ken oder aerobe Sporenbildner) kontami- Händedesinfektion durch das Personal oder durch eigene Beobachtungen Defizi-
niert waren. Selbst am Auslass war trotz erreicht werden [338]. Die Compliance te ergaben.
sichtbarer Verschmutzung zu 25 % keine der hygienischen Händedesinfektion so- Die im Rahmen der nationalen Hän-
Kontamination nachweisbar. Bei Ausbrü- wie die Faktoren für Nicht-Compliance dehygienekampagne 2014 aus 109 Kran-
chen mit Handwaschpräparaten waren sind in den letzten Jahren gut untersucht kenhäusern und 576 Stationen gewon-
offene Flaschen bzw. nachfüllbare offene worden [337, 339, 340]. In Bereichen, in nenen Complianceraten lagen je nach
Spendersysteme für Handwaschpräparate, denen keine Interventionen zur Hände- Berufsgruppe zwischen 64 % und 77 %
nicht aber geschlossene Systeme ursäch- desinfektion durchgeführt worden sind, und je nach Fachrichtung zwischen 64 %
lich [331–333]. ergaben sich z. T. erhebliche Defizite mit und 83 % [334]. Von >700 Krankenhäu-
Bei beiden Spenderarten müssen die Complianceraten zwischen 5–81 %, der sern, die an der AKTION Saubere Hände
fixen Außen- und Innenteile aufbereit- Mittelwert bei etwa 40 % [34, 338, 339, teilnahmen, haben sich 180 an Beobach-
bar sein. Das ist auch maschinell mög- 341]. Bei ausreichender Anzahl von Spen- tungsstudien beteiligt. Die in 163 Kran-
lich [269]. Für das Aufbereitungsintervall dern und Schulungen konnte dieser Wert kenhäusern ermittelte Baseline von 60,9 %
gibt es keine Evidenz. Sichtbare Verunrei- bis auf 70 % gesteigert werden [342]. In konnte in den beobachteten Bereichen auf
nigungen des äußeren Gehäuses und al- Deutschland wurde je nach Berufsgruppe, 72,3 % verbessert werden [349]. So wur-
ler ohne weitere Manipulation zugängli- Fachrichtung oder Art der Tätigkeit eine de im Ergebnis einer Studie mit direkter
chen Teile sowie Tropfnasen am Auslass durchschnittliche Compliance zwischen Beobachtung gemäß Protokoll der AKTI-
sind durch Wischdesinfektion zu beseiti- 41 % und 55 % mit hoher Variationsbreite ON Saubere Hände 2008 eine Ausgangs-
gen. Für Bedienhebel empfiehlt sich eine ermittelt [343–345]. Nach Pittet et al. [34] compliance bei Ärzten und Pflegekräften
tägliche Wischdesinfektion durch den differiert die Compliance zwischen 16– von 53 % bzw. 57 % ermittelt. 2011 war die
Reinigungsdienst. Umfang und Frequenz 81 %. Im Rahmen des multimodalen In- Compliance bei den Ärzten auf 64 % an-
der Kontrollen und der Innenaufberei- terventionsprogramms konnte die Com- gestiegen, aber 2013 auf 48 % abgefallen.
tung von Spendern sollten im hauseige- pliance von 48 % auf 66 % erhöht werden. Bei den Pflegekräften wurde die Compli-
nen Hygieneplan festgelegt werden, z. B. Eine Beobachtungsstudie auf einer neo- ance auf 71 % erhöht mit einem nachfol-
halbjährig. natologischen Intensivstation verzeichne- genden Abfall auf 56 %, d. h. auf den Aus-
te nach Einführung effektiver Maßnah- gangswert [350].
8 Qualitätssicherung men zur Verbesserung der Compliance Bei Pädiatern wurde durch multimo-
der Händehygiene wie Weiterbildungsprogramme, Perfor- dale Intervention die Compliance von
mance-Feedback, Motivation des Pflege- 46 % auf 90 % [351] bzw. von 68 % auf über
Bei den im Rahmen der nationalen Hän- personals, alkoholische Händedesinfek- 95 % gesteigert, letzteres für einen Zeit-
dedesinfektionskampagne im Jahr 2014 tion als Standardverfahren und leichtere raum von 6 Monaten [352]. Auf einer neo-

1204 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


natologischen Station konnte die Compli- tiententag auf einer internistischen ITS. mer auch eine individuelle Verhaltensän-
ance während des 9 monatigen Follow up Betreut ein Pflegender 2 Patienten, nimmt derung zum Ziel. Um diese zu erreichen,
dagegen nur von 42 % auf 55 % verbessert das etwa 50 min in Anspruch. Da nach der sind Interventionen auf verschiedenen
werden [353, 354]. Händedesinfektion nicht selten ein Orts- Ebenen notwendig, wobei die Überprü-
Das Problem der Compliance liegt in wechsel erfolgt, während dessen die Ein- fung des Wissens in einem Online Test-
der Art des Vorgangs. Anders als beim Wa- wirkungszeit andauert, kann sich der tat- programm mit Teilnahmebestätigung die
schen der Hände, bei dem Schmutz weg- sächliche Zeitbedarf verkürzen. Trotzdem Bemühungen unterstützen kann [365].
gewaschen wird, was uns seit der frühesten ergibt sich aus dieser Kalkulation ein nicht Die Einstellungen und Haltungen der
Kindheit als hygienisches Ritual vor Mahl- zu vernachlässigender Zeitbedarf für die Mitarbeiter gegenüber dem Thema Hän-
zeiten oder nach Toilettenbesuchen aner- Händedesinfektion, der bei gleichzeiti- dehygiene sind uneinheitlich und kom-
zogen wird, ist bei der Desinfektion der gem Personalmangel durchaus ein Pro- plex. Viele Faktoren beeinflussen das letzt-
Effekt nicht sichtbar. Insofern ist die Moti- blem darstellen kann. endliche Verhalten [366, 367].
vation einer der Schlüsselpunkte zur Ver- Um die Einhaltung der Indikationen In den letzten Jahren hat eine Viel-
besserung der Compliance. Das Herausbil- für die Händedesinfektion im Interesse zahl von Studien die Effizienz sogenann-
den einer Motivation setzt Interventionen der Patientensicherheit zu erreichen, sind ter multimodaler Interventionsmodelle
vor allem in den Bereichen Risikowahr- alle Anstrengungen zu bündeln und fort- zur Verbesserung der Compliance gezeigt
nehmung, Handlungs-Ergebnis-Erwar- laufend zu evaluieren, wobei die prakti- [34, 88, 92, 368–371]. Die WHO hat im
tung und Selbstwirksamkeitserwartung sche Umsetzung durch Festlegung von Rahmen ihrer weltweiten „Clean Care is
(also die Überzeugung in die eigene Kom- Zwischenschritten oder Etappenzielen Safer Care“ Kampagne ein multimodales
petenz, ein Verhalten mittels eigener Res- gefördert werden kann. Interventionsprogramm entwickelt und
sourcen ausführen zu können) voraus. So in 58 Pilothäusern weltweit erfolgreich
zeigte eine Studie auf Intensivstationen, 8.1 Maßnahmen zur Verbesserung getestet [33]. Auf der Grundlage dieser
dass insgesamt drei Viertel der Ärzte und der Compliance Erkenntnisse sollte ein multimodales In-
des Pflegepersonals hoch motiviert waren terventionsprogramm folgende grundle-
und dieser Anteil bei einer starken Über- Um die Compliance zu erhöhen, ist es gende Maßnahmen beinhalten: regelmä-
zeugung, durch die eigene Händedesin- wichtig, sich einrichtungsbezogen mit den ßige Personalfortbildungen, Messungen
fektion Erregertransmissionen vermeiden Gründen für die Non-Compliance ausein­ mit Ergebnisrückmeldung, Verbesserung
zu können, sogar bei über 90 % lag [355]. anderzusetzen. Die in Untersuchungen der Verfügbarkeit von HDM, Nutzung
Die Motivation allein führt allerdings nur am häufigsten genannten Gründe für von Erinnerungs- und Werbematerialien,
in einem kleinen Prozentsatz auch zum Non-Compliance sind Personalmangel, sichtbare Unterstützung durch die admi-
Handeln. Um diese sog. Intentions-Ver- Nichtvorhandensein eines institutionel- nistrativen Ebenen. Zusätzlich haben sich
haltens-Lücke zu schließen, sollten ent- len Bewusstseins für die Patientensicher- Zielvereinbarungen, Anreizsysteme (in-
sprechende psychosoziale Faktoren wie die heit (Sicherheitskultur), Unsicherheiten, centives) und Strategien zur Förderung
Verhaltensplanung und -kontrolle sowie wann eine Händedesinfektion notwendig der Übernahme von Verantwortung (ac-
die Zusammenarbeit im Stationsteam ge- ist, Angst vor Hautschäden bzw. Hautun- countability) als effektiv erwiesen [372].
fördert werden [356]. Inwieweit das Hän- verträglichkeit sowie eine schlechte Ver- Im Rahmen eines solchen Interventions-
dewaschen mit einer besseren Complian- fügbarkeit von Händedesinfektionsmit- programms haben Fortbildungen insbe-
ce durchgeführt wird, ist unklar. In den teln. Darüber hinaus werden genannt: sondere in standardisierter Form [373]
Beobachtungsdaten macht das Waschen keine positiven Vorbilder durch Kolle- und Training [374] eine Schlüsselfunkti-
der Hände deutlich <3 % aller Händehygi- gen oder Vorgesetzte, andere Tätigkeiten on, jedoch als alleinige Interventionsmaß-
eneaktionen aus (unveröffentlichte Daten am Patienten haben Vorrang, Händedes- nahme nur einen geringen, kurz anhalten-
AKTION Saubere Hände). infektion kann die Beziehung zum Pa- den Effekt [132, 370, 371, 375].
Ferner wurde abgeleitet, dass vor al- tienten stören, Handschuhe machen eine Neben Faktoren, die für Überwindung
lem der Parameter Zeit korrelierend zu Händedesinfektion unnötig, Vergesslich- der Intentions-Verhaltens-Lücke relevant
den Faktoren Personalmangel, Überbele- keit, Zweifel an der Wertigkeit der Hän- sind, hat auch die Beteiligung von Patien-
gung und den daraus resultierenden Ar- dehygiene, keine individuelle Überein- ten z. B. durch ihre institutionelle Einla-
beitsbelastungen einer der Hauptgrün- stimmung bzw. Akzeptanz der Richtlinien dung, Hygienethemen anzusprechen (em-
de für mangelnde Compliance darstellt sowie Zweifel an der Evidenz, dass Hände- powerment), im Hinblick auf nachhaltige
[357]. Wenn Voss und Widmer [358] an- desinfektion die Zahl der NI verhindern Effekte ein großes Potenzial [141, 376,
hand des Zeitbedarfs in einer Schicht für kann [33, 346, 359–361]. Weitere Untersu- 377].
die Händedesinfektion ableiteten, dass chungen weisen auf die Organisationskul- Zur nachhaltigen Verbesserung der
eine 100 %ige Compliance erreichbar ist, tur [362] sowie die explizite und implizite Compliance nimmt die Prozessoptimie-
kann sich die Situation 20 Jahre nach der Einstellung der Mitarbeiter [363, 364] als rung eine Schlüsselfunktion ein, indem
Veröffentlichung geändert haben. Scheit- Einflussfaktoren für die Compliance hin. durch optimalen Workflow die Anzahl
hauer et al. [347] ermittelten 162 Indika- Eine Intervention zur Verbesserung der Indikationen zur Händedesinfekti-
tionen für die Händedesinfektion pro Pa- der Händehygiene-Compliance hat im- on reduziert werden kann. Selbst in Be-

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Empfehlungen

Tab. 3 Vor- und Nachteile verschiedener Methoden zur Beobachtung der Compliance.
Direkte Beobachtung Elektronische Systeme Verbrauchsmessung
Kosten Hohe Personalkosten Herstellerabhängig Gering
Frequenz des Feedbacks Gering (aus Kostengründen) Hoch – individuell mit Mobilgerät und Gering
kollektiv durch Statistik (z. B. monatlich)
Qualität und Präzision Individuell/punktuell sehr hoch, Gene- Abhängig von System und System- Nicht individuell, aber Übersicht über
der Information ralisierbarkeit für Stationen und längere nutzung, meist werden nur die WHO 24 h täglich und 365 Tage im Jahr
Zeiträume fraglich, Beeinflussung durch Indikationen 1, 4 und 5 erfasst
den HAWTHORNE-Effekt, Vorteil der
Beurteilung der Performance und des
korrekten Timings

reichen, die bereits jahrelang geschult Auch durch die Teilnahme am Interna- dedesinfektion stehen die direkte Beob-
wurden und Teilnehmer von Interven- tionalen Tag der Händehygiene wird der achtung der Mitarbeiter zur Bestimmung
tionskampagnen sind, können so ohne Stellenwert der Händehygiene unterstri- der Compliance, elektronische Systeme
Mehrarbeit erhebliche Effekte erzielt wer- chen. Nach dem Erreichen des Goldzer- und als Surrogatparameter die Bestim-
den [133, 378, 379]. Daher sollten Rou- tifikats der Aktion Saubere Hände ist es mung des Verbrauchs an HDM zur Ver-
tinemaßnahmen kritisch in ihrem Ablauf möglich, sich am Wettbewerb „Europe- fügung (. Tab. 3).
überprüft und standardisiert werden mit an Hand Hygiene Excellence Award“ zu Die Erhebung von Daten zu unter-
dem Ziel, Händedesinfektionen zu sparen beteiligen und damit einen Beitrag zur schiedlichen Zeitpunkten im Rahmen ei-
[133, 342]. Nachhaltigkeit der erreichten Complian- ner Intervention oder auch zur Langzeit­
Zugleich sollten Interventionspro- ce zu leisten. erfassung ist ein wichtiges Instrument, um
gramme auch auf den Zeitdruck und die Als Basismaßnahme zur Gewährleis- qualitative und quantitative Aussagen zu
hohe Arbeitsbelastung des Personals zu- tung der Compliance der Händehygiene Ausgangssituationen sowie zu Verände-
geschnitten werden. Dazu gehört auch ist mindestens jährlich und zusätzlich zeit- rungen treffen zu können. Die drei Me-
die großzügige Ausstattung mit HDM, nah bei Hinweisen auf Probleme in diesem thoden haben ihre Vor- und Nachteile
um zusätzliche Wege für das Personal zu Bereich eine Schulung aller Mitarbeiter zu und sollten idealerweise kombiniert an-
vermeiden. Die kritische Überprüfung den Indikationen der Händedesinfektion gewandt werden [385, 386]. Die Messung
der Spenderausstattung unter Berück- in Verbindung mit einem Training und des Verbrauchs an HDM ist eine weniger
sichtigung der Arbeitsabläufe vor allem der Evaluation der Einreibetechnik z. B. ressourcenintensive Möglichkeit der Da-
am Patienten sowie ggf. die Verbesserung mit fluoreszierendem Farbstoff im HDM tenerhebung und als Langzeitmesssystem
der Ausstattung können bereits zu einer [383] zu gewährleisten. Im Rahmen die- geeignet, Veränderungen im Händedes-
Verbesserung der Compliance führen [34, ser Schulungen ist es zu empfehlen, dass infektionsverhalten abzubilden. Es ist zu
380–382]. Die WHO empfiehlt die Ver- die Verbrauchsdaten für HDM innerhalb beachten, dass der Verbrauch nicht mit
fügbarkeit von HDM „at point of care“, der Organisationseinheiten bewertet wer- der Compliance gleichzusetzen ist. Ver-
d. h. dort, wo die Indikationen zur Hän- den. Das setzt die Übermittlung von auf brauchszahlen geben einen Anhalt über
dedesinfektion entstehen: vor allem am die Organisationseinheiten aufgeschlüs- die Menge durchgeführter Händedesin-
Patienten bzw. am Patientenbett, an sau- selten Verbrauchsdaten pro Patiententag fektionen, die durchschnittlich an einem
beren Arbeitsplätzen, an Behandlungs- (3 ml = eine Händedesinfektionseinheit) Patienten in 24 h (also an einem Patien-
plätzen usw. [33]. In Abhängigkeit von voraus. Die Verbräuche sollten zusätzlich tentag) in einer Organisationseinheit (z. B.
den räumlichen Gegebenheiten sowie von jährlich der ärztlichen und der pflegeri- pro Station, pro Klinik, pro Einrichtung)
der Art der versorgten Patienten können schen Leitung mitgeteilt und in der Hy- durchgeführt worden sind. Die Quali-
fest montierte oder mobile Spendersyste- gienekommission bewertet werden. Hier tät der Daten hängt entscheidend davon
me verwendet werden. kommt es vor allem darauf an, die Situ- ab, inwieweit die Verbrauchszahlen der
Die 2008 in Deutschland gestartete ation in Organisationseinheiten mit sehr Organisationseinheit sicher zugeord-
nationale Aktion Saubere Hände ist ein niedrigem Verbrauch pro Patiententag net werden können. Sinnvoll ist der Ver-
wichtiger Beitrag zur Umsetzung der von kritisch zu hinterfragen und ggf. dort ge- gleich nur mit Verbrauchszahlen aus ver-
der WHO 2005 ins Leben gerufenen Kam- zielt zu intervenieren. gleichbaren Organisationseinheiten, da
pagne „Clean Care is Safer Care“. Seit Juni im Gegensatz zur Compliance bisher kei-
2011 können Krankenhäuser und Reha- 8.2 Ermittlung der Compliance ne verlässlichen Sollwerte zur Verfügung
bilitationskliniken, seit August 2015 auch stehen. Verbrauchsdaten lassen keine line-
Einrichtungen der Ambulanten Medizin Um Defizite in der Händedesinfek- aren Rückschlüsse hinsichtlich Complian-
ein Zertifikat über die Teilnahme an der tions-Compliance bzw. deren Verände- ce (fehlende Nennerdaten, indikationsge-
Aktion Saubere Hände erwerben [http:// rungen sichtbar zu machen, ist die Etablie- rechte Händedesinfektion, Technik der
[Link]/ash/mo- rung von Messsystemen unerlässlich [33, Händedesinfektion und Sicherheit im Er-
dule/krankenhaeuser/zertifizierung/]. 34, 384]. Als Messinstrument für die Hän- kennen der Indikationen zur Händedesin-

1206 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


fektion im klinischen Alltag) zu [347]. Da ist. Heutige Systeme erlauben noch kei- Hautschutzpräparate schützen vor Ir-
die Unterschiede in den einzelnen Fach- ne präzise Erinnerung der Mitarbeiter an ritation [399–407] und werden vor und
bereichen und zwischen Intensiv- und alle Indikationen zur Händehygiene. Auch während der Arbeit und ggf. zusätzlich
Nicht-Intensivstationen erheblich sein wenn sie das verfügbare Instrumentarium in Arbeitspausen aufgetragen [402, 408].
können, ist eine stations- bzw. bereichsbe- zur Steigerung der Compliance erweitern, Hautpflegepräparate unterstützen die Rege-
zogene Erfassung sinnvoll [371]. Es wird konnte bisher nur ein geringer Einfluss auf neration der Haut [409]. Ihre Anwendung
empfohlen, die Verbrauchsdaten auf Or- die Verbesserung der Compliance nach- wird am Dienstende empfohlen [291]. Zu-
ganisationseinheiten aufgeschlüsselt in die gewiesen werden [392]. Evaluation und sätzlich können sie während der Arbeit bei
Qualitätsberichte der Krankenhäuser auf- Feed­back sind wichtige Komponenten ei- individuellem Bedürfnis angewendet wer-
zunehmen. ner Umsetzungsstrategie zur Steigerung den. Bei sichtbarer Verschmutzung der
Die Bestimmung der Compliance für der Compliance [33, 132]. Aspekte des Hände sollte vor dem Auftragen von Haut-
die Händedesinfektion durch direkte Be- Datenschutzes, der Akzeptanz und der schutz- oder -pflegepräparaten die Haut
obachtung ist der Goldstandard [33]. Al- notwendigen Eigenmotivation der Be- gereinigt werden, um dem Eindringen von
lerdings sind Beobachtungsdaten aus der schäftigten sind als Randbedingungen zu auf der Haut verbliebenen Substanzen mit
Literatur für bestimmte Bereiche oft nicht beachten. hautreizenden Eigenschaften entgegen zu
einfach auf individuelle Settings über- Aufklärung, Trainingsprogramme mit wirken [410]. In Ergänzung dazu empfiehlt
tragbar, da es große Unterschiede in der regelmäßigen Schulungen (mindestens es sich, auch im Freizeitbereich Hautschutz
Methode der Beobachtung sowie in der jährlich) und die Auswahl der HDM in und Hautpflege zu beachten.
Definition der Indikationen zur Hände- Desinfektionsplänen dienen in Verbin- Sowohl bei Pflegepersonal als auch bei
desinfektion gibt. Die WHO hat mit dem dung mit der Festlegung des Vorgehens in Ärzten ergaben sich große Wissensdefi-
Modell der 5 Indikationen die Grundla- einrichtungsverbindlichen SOPs und mit zite in Bezug auf Hautschutz und Haut-
ge für vergleichbare Beobachtungen ge- gezielten Kontrollmaßnahmen der Quali- pflege [411–413]. Deshalb ist die Wis-
schaffen [134]. Voraussetzung dafür ist tätssicherung der Händehygiene. Mikro- sensvermittlung in Verbindung mit der
eine intensive Schulung mit regelmäßiger biologische Untersuchungen, z. B. durch Etablierung eines Hautschutzplans wich-
Validierung der Beobachter. Die Beob- Abdruckkulturen von den Händen, kön- tig und leistet einen Beitrag zur Verbesse-
achtung ist eine punktuelle Messung. Sie nen bei speziellen epidemiologischen Fra- rung beruflich irritierter Haut [414–416].
ermöglicht die Einschätzung, in wieweit gestellungen durchgeführt werden, eignen Bei Gefährdung der Haut durch Arbei-
Mitarbeiter die Indikationen erkennen sich aber nicht für eine routinemäßige ten im feuchten Milieu – dazu gehört auch
und welche Maßnahmen für eine verbes- Überprüfung der Wirksamkeit einer Hän- das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe
serte Compliance notwendig sind. Sie soll- dedesinfektion. – hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob solche
te als Fehleranalyse auch als Grundlage für Belastungen reduziert werden können. Ins-
Interventionen genutzt werden [387]. Da 9 Hautschutz und Hautpflege besondere sollen Handschuhe nur so lange
die Compliance einzelner Mitarbeiter gro- wie nötig getragen werden. Der Arbeitge-
ße Unterschiede aufweisen kann, sollten Berufsbedingte Hauterkrankungen stehen ber hat geeignete Hautschutz- und Pflege-
möglichst viele Mitarbeiter in eine Beob- seit vielen Jahren an der Spitze der Berufs- mittel bereitzustellen, einen Hautschutz-
achtung eingeschlossen werden, um eine krankheiten [393]. Das liegt zum einen plan zur Auswahl von Präparaten für die
Aussage über die generelle Compliance ei- an falschen Methoden der Händehygie- Hautreinigung, den Hautschutz und -pfle-
nes Bereichs treffen zu können [33, 34]. ne, d. h. die Hände werden zu viel gewa- ge zu erstellen und die Mitarbeiter in de-
Der Verbrauch an HDM kann durch schen, anstatt alkoholische HDM zu be- ren regelmäßige und richtige Anwendung
elektronische Erfassungsmöglichkeiten nutzen, zum anderen am ungenügenden zu unterweisen [4]. Für hautbelastende
im zeitlichen Verlauf am Ort des Ver- Einsatz von Hautschutz- und Hautpflege- Tätigkeiten (z. B. Nass- und Feuchtreini-
brauchs erfasst werden, wodurch zeitnah mitteln [394, 395]. gung, Desinfektion von Flächen und Ge-
Einfluss auf die Compliance und damit Hautschutz und Hautpflege dienen genständen) muss der Arbeitgeber PSA
auf die NI-Rate genommen werden kann vorrangig dem Arbeitsschutz, sind aber bereitstellen, in einer Betriebsanweisung
[388–391]. Einem krankenhausweiten zugleich Voraussetzung für eine effekti- die Schutz- und Verhaltensregeln festle-
Einsatz können allerdings die Systemkos- ve Händedesinfektion [252], da bereits gen und die arbeitsmedizinische Vorsor-
ten entgegenstehen. Neuere elektronische kleinste Risse bzw. Mikrotraumen zu ge und Überwachung gewährleisten [417].
Systeme erfassen Händedesinfektionen Eintrittspforten für Krankheitserreger Bei beginnenden Hautschäden sind unver-
zusätzlich auf individueller Ebene, etwa und zum Erregerreservoir werden kön- züglich der betriebsärztliche Dienst oder
mit mobilen „badges“ oder Erfassungsge- nen [395, 396]. Beim Einsatz von Haut- ein Hautarzt zu konsultieren.
räten, ermöglichen ein individuelles Feed­ schutz- und -pflegemitteln ist das Risiko Für die Auswahl von Hautschutz- und
back zur Händehygiene oder können an der mikrobiellen Kontamination zu be- Hautpflegepräparaten sind der Wirksam-
fällige Desinfektionen erinnern [376], z. B. achten [397, 398], d. h. keine Entnahme keitsnachweis (vorzugsweise durch in vivo
durch Überwachung bestimmter Zonen, aus Salbentöpfchen und bei Verwendung Verfahren) gemäß Leitlinie berufliche
deren Betreten häufig mit der Indikation von Tuben Vermeiden eines Rücksogs des Hautmittel [393] bzw. Ergebnisse von Stu-
für eine Händedesinfektion verbunden ausgedrückten Salbenstrangs. dien [418] sowie die Sicherheitsbewertung

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Empfehlungen

[393] Voraussetzung. Wegen des Risikos entsprechen, sind diese Maßnahmen un- der, mobile Spender mit Dosierpum-
der Sensibilisierung sollten Produkte ohne bedingt einzuhalten. pen bzw. Kittelflaschen, richtet sich
Duft- und ohne Konservierungszusatz nach den räumlichen Verhältnissen
ausgewählt werden [393, 419]. Bei Haut- 11 Empfehlungen und den zu versorgenden Patienten.
schutzpräparaten sind wegen der Penetra- Z. B. kann es in der Geriatrie, Psychia-
tionsförderung Präparate ohne Harnstoff 11.1 Hygienische trie und Pädiatrie sowie in stationä-
zur bevorzugen [408]. Händedesinfektion ren Pflegeeinrichtungen sowie am-
Ob ein zeitlicher Abstand zwischen der bulanten Diensten sinnvoll sein, auf
Anwendung von Hautschutz- und Haut- Voraussetzungen Kittelflaschen sowie auf Spender am
pflegepräparaten zur Händedesinfektion 55Klinik, Praxis, medizinischer Arbeits- Visiten- oder Verbandwagen zurück-
eingehalten werden muss, ist nicht ausrei- bereich oder Pflegeeinrichtungen sind zugreifen, um Gefährdungen der Pa-
chend untersucht. In praxisfremden Mo- mit sauberen Händen und Fingernä- tienten durch das Desinfektionsmittel
dellen wurde eine Wirkungsverminderung geln zu betreten; Hände und Finger- auszuschließen.
z. B. für alkoholische HDM durch Pflege- nägel sind bei erneuter Verschmut- 55Ferner sind mobile oder montierte
produkte [420], für kationische Antisep- zung zu reinigen [Kat. II]. Spender an reinen und unreinen Ar-
tika wie Chlorhexidin durch anionische 55Fingernägel sollen kurzgeschnitten sein beitsplätzen, am Visiten- oder Ver-
Emulgatoren, Feuchthaltesubstanzen und und mit den Fingerkuppen abschlie- bandwagen und in Schleusen vorzu-
Surfactants in Pflegeprodukten [421, 422] ßen. Nagellack ist nicht zulässig [Kat. halten [Kat. II].
sowie für chirurgische Handwaschpräpa- II]. Das Tragen künstlicher und gegel- 55Spender müssen so zu betreiben und
rate durch Hautschutzprodukte nachge- ter Fingernägel ist unzulässig [Kat. IB]. zu warten sein, dass eine mikrobielle
wiesen [401]. Deshalb empfiehlt die As- 55In allen Bereichen, in denen eine Hän- Kontamination des Pumpkopfes pro-
sociation for Professionals in Infection dedesinfektion durchgeführt wird, blemlos vermieden wird. Der Füllstand
Control die Kompatibilität von Pflegepro- dürfen an Händen und Unterarmen muss gut erkennbar sein [Kat. II].
dukt und HDM bereits bei der Produktaus- keine Ringe, Armbänder, Armbanduh- 55Sofern keine Einmalgebinde verwen-
wahl zu berücksichtigen, gibt jedoch keine ren oder Piercings (z. B. Dermal An- det werden, müssen die Außen- und
Hinweise zu einem Verfahren der Kompa- chor) getragen werden [Kat. IB/ IV]. Innenteile des Spenders aufbereit-
tibilitätsprüfung [423]. Nach Anwendung Sofern Ringdosimeter außerhalb von bar sein und so gewartet werden, dass
von Hautschutz und Hautpflege (je 3x/d) OP-Einheiten getragen werden müs- ihre mikrobielle Besiedelung verhin-
bei einem chirurgischen Team wurde der sen, sind diese nach jedem Patienten dert wird [Kat. II]. Das Anbruchsda-
Hautzustand signifikant verbessert, ohne abzulegen und erst nach erfolgter Des- tum eines Gebindes muss für HDM
dass die Wirksamkeit der Händedesinfek- infektion wieder anzulegen [Kat. II]. dokumentiert werden [Kat. IV].
tion beeinträchtigt wurde [413]. Da es Hin- 55Bei Kontamination der Unterarme 55Desinfektionsmittelspender sollten
weise gibt, dass einige Hautpflegemittel die mit potentiell infektiösem Material wegen des Risikos der Kontamination
Wirkung alkoholischer HDM beeinträch- sind diese in die Durchführung der mit nicht wiederbefüllbaren Gebin-
tigen können, ist deren Anwendung – so- Desinfektion einzubeziehen [Kat. II]. den (Einmalflaschen) bestückt wer-
fern ihr Einfluss auf die Wirksamkeit der 55Bei Vorliegen chronischer Hauter- den [Kat. II].
Händedesinfektion nicht untersucht ist – krankungen ist zu überprüfen, ob eine
am günstigsten in Arbeitspausen und zu- Kolonisation mit potentiell pathoge- Indikationen, Auswahl
sätzlich nach Arbeitsschluss vorzunehmen. nen Erregern vorliegt und wenn ja, ob und Durchführung
diese eradizierbar ist [Kat. IB]. Eine 55Bei den von der WHO unterschie-
10 Rechtliche Aspekte Vorstellung beim Betriebsarzt ist an- denen fünf Indikationsgruppen ist
zuraten. ausnahmslos eine Händedesinfekti-
Zur Unterlassung der Händedesinfek- 55Überall dort, wo eine Händedesinfek- on durchzuführen [Kat. IA]. Das be-
tion existieren zahlreiche Gerichtsent- tion durchgeführt werden muss, sind trifft folgende Indikationen: Unmit-
scheidungen. So wurde in sieben Fällen in unmittelbarer Nähe Desinfektions- telbar vor direktem Patientenkontakt,
das Unterlassen der hygienischen Hände- mittelspender vorzuhalten [Kat. IB, unmittelbar vor aseptischen Tätig-
desinfektion als grober Behandlungsfeh- IV]. Für Patientenzimmer wird in Ab- keiten, unmittelbar nach Kontakt mit
ler angesehen. Auch das Unterlassen der hängigkeit von der Anzahl der Patien- potentiell infektiösem Material, nach
chirurgischen Händedesinfektion oder tenbetten bettennah als Mindestaus- Kontakt mit der direkten Patienten-
die fehlende Benutzung steriler Hand- stattung ein Spender pro Patientenbett umgebung und nach direktem Pati-
schuhe waren als grobe Behandlungs- auf Intensiv- und Dialysestationen entenkontakt. Das gilt unabhängig da-
fehler Gegenstand von Entscheidungen und auf Nicht-Intensivstationen ein von, ob nachfolgend nicht sterile oder
im Arzthaftungsrecht [14]. Aufgrund Spender für je zwei Patientenbetten sterile Einmalhandschuhe angelegt
der Tatsache, dass die Durchführung der sowie in der Sanitärzelle empfohlen. werden. Zusätzlich ist nach dem Ab-
Händedesinfektion und das Tragen von Die Art der eingesetzten Spender, legen nicht steriler [Kat. IB] sowie ste-
Handschuhen den Kategorien IA bzw. IB d. h. wand- oder bettmontierte Spen-

1208 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016


riler Einmalhandschuhe [Kat. II] eine achten [Kat. IB]. Für die Auswahl der 55Alle neuen Mitarbeiter müssen im
Händedesinfektion durchzuführen. Präparate gewährleistet zusätzlich zur Rahmen der Unterweisung in den
55Es ist zu empfehlen, Patienten und Desinfektionsmittel-Liste des VAH Infektions- und Arbeitsschutz in die
Besucher in die Maßnahmen der die Desinfektionsmittelliste des RKI Festlegungen der Einrichtung zur
Händehygiene einzubeziehen, um ein die Erfüllung der Anforderungen an Händehygiene unterwiesen werden,
zusätzliches Präventionspotential zu die Wirksamkeit (Kat. IB). bevor sie mit der Aufnahme ihrer pa-
etablieren [Kat. II]. 55Da Alkohole nicht gegen Bakterien- tientennahen Tätigkeit beginnen [Kat.
55Alle Bereiche der Hand müssen für die sporen, Helminthen, Protozoen und IA/IV]. Abhängig von ihrem Ausbil-
Dauer der deklarierten Einwirkungs- Oocysten wirken, sind bei gegebenem dungsstand können eine Schulung
zeit vom Desinfektionsmittel benetzt Übertragungsrisiko medizinische Ein- bzw. ein Training sinnvoll sein und
sein; dabei sind insbesondere Finger- malhandschuhe anzulegen. Nach dem sollten in diesem Fall angeboten wer-
spitzen, Nagelfalze und Daumen zu Ablegen und durchgeführter Hände- den [Kat. II].
berücksichtigen [Kat. IB]. Das wird desinfektion ist eine gründliche Sei- 55Zur Gewährleistung der Complian-
durch Applikation von etwa 3–5 ml fenwaschung vorzunehmen [Kat. IB]. ce der Händehygiene ist mindestens
Desinfektionslösung, bzw. der Menge, jährlich (und zeitnah bei Hinweisen
die in eine Hohlhand passt, erreicht. Maßnahmen zur Verbesserung auf Probleme in diesem Bereich) eine
55Bei sichtbarer Kontamination der der Compliance Schulung aller Mitarbeiter zu den In-
Hände sollte diese mit einem mit und zur Qualitätssicherung dikationen der Händedesinfektion in
HDM getränkten Papierhandtuch, 55Interventionen zur Verbesserung der Verbindung mit einem Training z. B.
Zellstoff oder ähnlichem entfernt wer- Compliance der Händehygiene, insbe- mit fluoreszierendem Farbstoff im
den [Kat. II]. Danach ist die Hände- sondere regelmäßige Evaluation und HDM zu gewährleisten [Kat. IB].
desinfektion durchzuführen. Falls Feedback, sind unverzichtbare Maß- 55Die Empfehlungen der KRINKO zur
im Anschluss eine Händewaschung nahme des Qualitätsmanagements Händehygiene müssen im Hygiene-
durchgeführt werden soll, ist das Was- und als solche in jeder Einrichtung zu plan und hierzu relevanten SOPs be-
ser dem auf den Händen verteilten implementieren [Kat. IA/IV]. rücksichtigt werden [Kat. IA/IV]. Im
Desinfektionsmittel erst nach Ablauf 55Als Messsysteme stehen die direkte Hygieneplan sind die Indikationen,
der für die Desinfektion vorgesehenen Beobachtung der Mitarbeiter, elektro- die Durchführung der Händedesin-
Einwirkungszeit zuzusetzen [Kat. IB]. nische Systeme und als Surrogatpara- fektion, die ausgewählten HDM, sowie
55Stark verschmutzte Hände können zu- meter die Bestimmung des HDM-Ver- Auswahl und Umgang mit nicht steri-
nächst vorsichtig abgespült und dann brauchs zur Verfügung. Für stationäre len und sterilen Einmalhandschuhen
gewaschen werden. Dabei ist darauf zu Einrichtungen wird empfohlen, die festzulegen [Kat. IA/IV]. Gleichzeitig
achten, dass Umgebung und Kleidung Verbrauchsdaten für HDM nach Or- sind die Bestimmungen des Arbeits-
nicht bespritzt werden. Der ggf. konta- ganisationseinheiten aufgeschlüsselt schutzes einzuarbeiten [Kat. IB/IV].
minierte Bereich ist danach zu desinfi- jährlich der ärztlichen und der pflege- 55Die Empfehlung der KRINKO zur
zieren und bei Kontamination der Kit- rischen Leitung mitzuteilen und für Händehygiene sollte den Mitarbeitern
tel zu wechseln. Im Anschluss sind die den entsprechenden Zeitraum gemäß (z. B. in elektronischer Form als im In-
Hände zu desinfizieren [Kat. II]. Empfehlung im Modul HAND-KISS tranet abrufbare Datei) zur Verfügung
55Für die hygienische Händedesin- in Händedesinfektionseinheiten pro stehen. An gleicher Stelle können wei-
fektion sind Alkohol basierte For- Patiententag (3 ml = eine Händedesin- tere klinikspezifische Materialien zum
mulierungen einzusetzen [Kat. IB]. fektionseinheit) im Krankenhaus dar- Thema abgelegt werden (Hygiene-
Präparate mit Zusatz antimikrobiell zustellen [Kat. IB]. plan, einrichtungsverbindliche SOPs,
remanent wirksamer Wirkstoffe sind 55In Auswertung dieser Ergebnisse ist Schulungsfolien, Videos, Handouts,
nicht zu empfehlen, da dadurch keine eine interdisziplinäre Diskussion sowohl Poster, Broschüren usw.) [Kat. II].
verbesserte Wirksamkeit erreichbar in der Organisationseinheit als auch 55Bei einem Anstieg nosokomialer In-
ist, aber das Risiko von Nebenwirkun- in der Hygienekommission zu führen fektionen oder verstärkter Ausbrei-
gen ansteigt [Kat. II]. Für die Auswahl (hier kommt es v. a. darauf an, die Situa- tung von MRE wird die direkte Beob-
der Präparate gewährleistet die Desin- tion in Organisationseinheiten mit sehr achtung der Compliance empfohlen,
fektionsmittelliste des VAH die Erfül- niedrigem Verbrauch pro Patiententag um daraus ggf. die Notwendigkeit zur
lung der Anforderungen an die Wirk- kritisch zu hinterfragen und ggf. dort Verbesserung der Händehygiene ab-
samkeit [Kat. IB]. gezielt zu intervenieren) [Kat. IB]. leiten zu können [Kat. II].
55Bei Risiko der Weiterverbreitung be- 55Auch für ambulante Einrichtungen
hüllter Viren sind begrenzt viruzide und Pflegeeinrichtungen kann die
HDM, im Fall unbehüllter Viren viru- jährliche Bewertung des HDM-Ver-
zide HDM einzusetzen [Kat. IB]. Bei brauchs durchgeführt werden, z. B.
viruziden HDM ist die ggf. verlänger- in Bezug auf die Anzahl der Behand-
te deklarierte Einwirkungszeit zu be- lungsfälle pro Tag [Kat. III].

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1209


Empfehlungen

11.2 Chirurgische gemäß Produktdeklarierung einzu- nische Einmalhandschuhe anzulegen


Händedesinfektion halten [Kat. IB/IV]. [Kat. IB/IV].
55Für den Einsatz von Präparaten mit 55Die Handschuhe sind nur auf voll-
Indikationen und Voraussetzungen Zusatz antimikrobiell remanent wirk- ständig trockenen Händen anzulegen
55Die chirurgische Händedesinfekti- samer Wirkstoffe kann wegen der un- [Kat. II].
on ist vor dem Anlegen der sterilen geklärten Nutzen-Risiko-Bewertung 55Der Wechsel der Handschuhe korre-
OP-Handschuhe bei beabsichtigtem derzeit keine Empfehlung gegeben liert mit den Indikationen zur Hän-
direkten Kontakt zum OP-Feld und zu werden [Kat. III]. Alkohol basier- dedesinfektion. Immer wenn die In-
sterilen MP oder Materialien sowie vor te Präparate mit Zusatz von PVP-Iod dikation für eine Händedesinfektion
sonstigen Eingriffen mit gleichen An- sind wegen der Schilddrüsengefähr- gegeben ist, aber Handschuhe getra-
forderungen an die Asepsis wie bei ei- dung für die wiederholte Anwendung gen werden, müssen die Einmalhand-
ner Operation durchzuführen [Kat. IB]. ungeeignet [Kat. IB]. Auch Alkohol schuhe gewechselt werden, sofern
55Der OP-Trakt ist mit sauberen Hän- basierte Präparate mit Zusatz von nicht eine Handschuhdesinfektion
den und Fingernägeln zu betreten; Chlorhexidin sind wegen erhöhter vertretbar ist [Kat. IB].
diese sind bei erneuter Verschmut- Irritabilität, dem Risiko von Allergi- 55Behandschuhte Hände sollen nur in
zung zu reinigen [Kat. II]. Andernfalls en und Anaphylaxien sowie der Mög- Ausnahmefällen desinfiziert wer-
ist eine adäquate Reinigung spätes- lichkeit der Resistenzentwicklung für den, wenn andernfalls der Arbeits-
tens im unreinen Bereich der Perso- den täglichen Einsatz kritisch zu be- ablauf nicht gewährleistet werden
nalschleuse vor dem Anlegen der Be- werten [Kat. II]. kann [Kat. IB]. Voraussetzung ist die
reichskleidung durchzuführen, damit 55Vor der am Operationstag erstmalig Chemikalienbeständigkeit gemäß EN
eine ausreichende Trocknungszeit durchgeführten chirurgischen Hän- 374. Bezüglich der Anzahl möglicher
erreicht und die Wirksamkeit der chi- dedesinfektion ist eine chirurgische Desinfektionen ist die Produktinfor-
rurgischen Händedesinfektion nicht Händewaschung unter Einschluss der mation zum Handschuh zu beachten.
durch Restfeuchte beeinträchtigt wird Unterarme bis zum Ellenbogen mit Bei sichtbarer Perforation, bei Konta-
(Kat. IB). Während Nägel und Na- nachfolgendem Abtrocknen mit nicht mination mit Blut, Sekreten oder Ex-
gelfalze bei Verschmutzung mit einer sterilem Einmalhandtuch oder Luft- kreten sowie mit unbehüllten Viren
Bürste zu säubern sind, sollen Hände trocknung durchzuführen. Bei nach- sowie nach Benutzung zur Patien-
und Unterarme nicht mit einer Bürste folgenden chirurgischen Händedesin- tenwaschung sollte in jedem Fall ein
gereinigt werden (Kat. II). fektionen ist die Händewaschung nicht Handschuhwechsel erfolgen [Kat. II].
55Fingernägel sollen kurzgeschnitten sein erforderlich, sofern die Hände nicht 55Nach dem Ablegen von Einmalhand-
und mit den Fingerkuppen abschlie- sichtbar verschmutzt wurden [Kat. II]. schuhen ist eine Händedesinfektion
ßen. Nagellack ist abzulehnen (Kat. II). 55Es empfiehlt sich folgender Ablauf für durchzuführen [Kat. IB].
Das Tragen künstlicher und gegelter die chirurgische Händedesinfektion: 55Soll zugleich eine Schutzfunktion ge-
Fingernägel ist unzulässig [Kat. IB]. Zunächst werden die Hände, danach gen Chemikalien erreicht werden,
55An Händen und Unterarmen dürfen die Unterarme vollständig benetzt. sind als PSA deklarierte Handschuhe
keine Ringe, Armbänder, Armband- Dem schließt sich die Händedesinfek- bzw. Handschuhe mit dualer Dekla-
uhren oder Piercings getragen werden tionsphase mittels Einreibeverfahren rierung als Medizinprodukt und als
[Kat. IB/ IV]. Ringdosimeter sind am an. Alle Bereiche der Hand müssen PSA einzusetzen [Kat. II/IV].
OP-Ende abzulegen und erst nach de- für die Dauer der deklarierten Einwir- 55Falls aufbereitbare Haushaltshand-
ren Desinfektion wieder anzulegen kungszeit (z. B. 1, 1,5, 3 oder 5 min) schuhe in Gesundheitseinrichtungen
[Kat. IB]. vom Desinfektionsmittel mittels ein- eingesetzt werden, muss sowohl die
55Bei Vorliegen chronischer Hauterkran- geübter Einreibetechnik benetzt sein Schutzfunktion vor Chemikalien als
kungen ist zu überprüfen, ob eine Ko- [Kat. II/IV]. auch vor Mikroorganismen für die
lonisation mit potentiell pathogenen 55Die Hände sollen luftgetrocknet sein, deklarierte Tragedauer gewährleis-
Erregern vorliegt und wenn ja, ob diese bevor die OP-Handschuhe angelegt tet sein [Kat. II]. Zugleich wird eine
eradizierbar ist [Kat. IB]. Eine Vorstel- werden [Kat. II]. verlängerte Stulpe benötigt [Kat. II].
lung beim Betriebsarzt ist anzuraten. Alternativ sind mechanisch belastbare
11.3 Medizinische Einmal-Schutzhandschuhe mit langen
Durchführung Einmalhandschuhe Stulpen zu empfehlen.
55Für die chirurgische Händedesinfek- und Schutzhandschuhe 55Bei dem Einsatz beider Handschuh­
tion sind Alkohol basierte Formulie- arten ist eine Weiterverbreitung von
rungen einzusetzen [Kat. IB], wobei 55Bei vorhersehbarem oder wahrschein- Krankheitserregern zu unterbinden
keine zusätzliche tuberkulozide, fun- lichem Kontakt mit Körperausschei- [Kat. IB]. Werden Isoliereinheiten der
gizide oder viruzide Wirksamkeit be- dungen, Sekreten und Exkreten ein- desinfizierenden Reinigung unterzo-
nötigt wird. Die Einwirkungszeit ist schließlich Krankheitserregern sind gen, sind die Handschuhe beim Ver-
pathogenfreie („keimarme“) medizi- lassen der Einheit abzuwerfen und

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eine Händedesinfektion durchzufüh- 11.5 Händewaschung ein Sammelbehälter vorzusehen und
ren. Ansonsten sind bei jedem Raum- für dessen regelmäßige Entleerung
wechsel die behandschuhten Hände ei- 55Ein hygienischer Handwaschplatz Sorge zu tragen. Alternativ kommen
ner Händedesinfektion zu unterziehen. muss mit Zulauf für warmes und kal- Retraktivspender mit automatischem
tes Wasser ausgestattet sein [Kat. IV]. Handtuchvorschub in Betracht.
11.4 Sterile OP-Handschuhe Der Wasserstrahl sollte nicht direkt in 55Vor Arbeitsbeginn und ggf. zum Ar-
den Siphon bzw. auf den Abfluss ge- beitsende empfiehlt sich eine Hände-
55Vor allen invasiven Eingriffen, die über richtet sein [Kat. II]. Bei Neueinrich- waschung, erstere um anhaftenden
die Basishygienemaßnahmen hinaus- tung oder wesentlicher Umgestaltung Schmutz einschließlich ggf. anhaften-
gehende Barrieremaßnahmen erfor- eines Handwaschplatzes ist auf ein der Bakteriensporen zu entfernen, letz-
dern, im Umgang mit sterilen Medizin- ausreichend groß dimensioniertes, tief tere um ggf. arbeitsbedingte Verunrei-
produkten oder bei direktem Kontakt ausgeformtes Handwaschbecken ohne nigungen zu entfernen [Kat. II]. Nach
mit sterilem Material sind sterile Überlauf zu achten [Kat. II]. Falls Ar- Toilettenbenutzung ist das Standard-
OP-Handschuhe anzulegen [Kat. IB]. beitsflächen für aseptische Arbeiten verfahren die Händewaschung. Bei Di-
55Für OP-Handschuhe sind latexallergen- an den Waschplatz angrenzen, sind arrhoe oder Rhinitis kann eine Hände-
arme Fabrikate zu bevorzugen [Kat. II]. diese durch einen Spritzschutz abzu- desinfektion sinnvoll sein [Kat. II].
Gepuderte Latexhandschuhe sind we- schirmen [Kat. IB]. Der Waschplatz 55Verschmutzte Hände sind zu waschen
gen der Allergiegefahr untersagt [Kat. muss abhängig von den räumlichen [Kat. II]. Da die Händewaschung die
IV]. Die Verwendung von Talkum und Bedingungen mit wandmontierten transiente Hautflora nicht auf ein un-
Ersatzprodukten vor dem Anlegen des Spendern für HDM und Handwasch- kritisches Niveau reduziert, ist nach
OP-Handschuhs auf den Händen ist präparat sowie mit Einmalhandtü- Entfernung einer massiven Kontami-
nicht zu empfehlen [Kat. II]. chern ausgestattet sein [Kat. IV]. nation die hygienische Händedesin-
55Zur OP von Patienten mit einem er- 55Handwaschplätze müssen in Räumen fektion indiziert [Kat. IB].
höhten Risiko für die Entwicklung vorhanden oder in der Nähe erreich- 55Händewaschungen sind auf das not-
einer Latexallergie (insbesondere Spi- bar sein, in denen diagnostische oder wendige Minimum zu beschränken,
na bifida, urogenitale Fehlbildungen invasive Maßnahmen stattfinden, in weil diese im Unterschied zur Hän-
und Ösophagusatresie) sollen natur- Räumen, die der Vorbereitung solcher dedesinfektion durch ein ausgepräg-
latexfreie OP-Handschuhe getragen Maßnahmen dienen, sowie in der tes Irritationspotential charakterisiert
werden [Kat. IB]. Nähe unreiner Arbeitsbereiche. sind und ihr Einfluss auf die
55Bei chirurgischen Eingriffen mit er- 55Für jedes Patientenzimmer sollte eine Prävention von NI zu vernachlässigen
höhtem Perforationsrisiko und/oder für die Beschäftigten leicht erreich- ist [Kat. IB]. Eine Ausnahme bildet
chirurgischen Eingriffen an Patienten bare Waschgelegenheit verfügbar die Entfernung von gegen alkoholi-
mit erhöhtem Infektionsrisiko wird sein, die analog wie der Handwasch- sche HDM unempfindlichen Krank-
für das operativ tätige chirurgische platz ausgestattet sein sollte [Kat. II]. heitserregern wie C. difficile, Helmin-
Team das Tragen von zwei Paar über- Für Tätigkeiten mit biologischen Ar- then oder Protozoen.
einander gezogenen OP-Handschu- beitsstoffen ist die Verfügbarkeit von 55Anstelle fester wird der Einsatz flüssi-
hen (double gloving) empfohlen [Kat. Spendern für Handwaschpräparate ger Handwaschpräparate empfohlen
II]. Andernfalls ist abhängig von der als Mindestschutzmaßnahme vorge- [Kat. II]. Bei Verwendung flüssiger
OP-Dauer und der Art des Eingriffs schrieben [Kat. IV]. Handwaschpräparate ist das Nachfül-
ein intraoperativer Handschuhwech- 55Alle Armaturen, die von Beschäftig- len nicht entleerter und nicht nach-
sel zu empfehlen [Kat. II]. Im Bereich ten mit direktem Patientenkontakt folgend aufbereiteter Seifenspender
der Endoprothetik sollte vor An- genutzt werden, oder sich in kriti- wegen des Kontaminationsrisikos zu
nahme eines Implantats generell ein schen Bereichen befinden, sollen mit unterlassen [Kat. IB].
Handschuhwechsel erfolgen [Kat. II]. verlängerter Hebelarmatur zu bedie- 55Spender für Handwaschpräparate
55Ob vor dem Anlegen neuer steriler nen sein [Kat. II]. Da Armaturen mit müssen mit verlängerter Hebelarmatur
OP-Handschuhe bei sichtbarer in- Sensor ein Kontaminationsrisiko für oder anderen Vorrichtungen, die eine
traoperativer Perforation eine Hän- das entnommene Wasser bergen, ist Kontamination des Bedienelements
dedesinfektion durchgeführt werden ihr Einsatz nur unter sorgfältiger hy- verhindern, zu bedienen sein [Kat. IV].
sollte, ist eine ungeklärte Frage, er- gienisch-mikrobiologischer Überwa- 55Wegen der im Vergleich zum Papier-
scheint aber entbehrlich, da nur im chung vertretbar [Kat. II]. handtuch geringeren Trocknungs-
OP-Gebiet gearbeitet wurde [Kat. III]. 55Spender für Einmalhandtücher müs- wirkung und der fehlenden mechani-
55Nach Ablegen der OP-Handschuhe ist sen eine einfache Entnahme ermög- schen Entfernung von Rückständen
eine hygienische Händedesinfektion lichen, ohne dass die nachfolgenden (Seifenreste, Hautschuppen, Reste der
zu empfehlen [Kat. II]. Handtücher und die Entnahmeöff- Hautflora) sind elektrische Warmluft-
nung kontaminiert werden [Kat. II]. trockner für Gesundheitseinrichtun-
Für die gebrauchten Handtücher ist gen ungeeignet [Kat. II].

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016 1211


Empfehlungen

11.6 Hautschutz und Hautpflege 3. Landers T, Abusalem S, Coty MB, Bingham J 19. DIN EN 14476:2015-12 Chemische Desinfek-
(2012) Patient-centered hand hygiene: the next tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
step in infection prevention. Am J Infect Control Suspensionsversuch Viruzidie für in der Human-
55Bei Gefährdung der Haut durch Ar- 40(Suppl 1):S11–S17 medizin verwendete Desinfektionsmittel und
beiten im feuchten Milieu (sog. 4. TRBA 250: Biologische Arbeitsstoffe im Gesund- Antiseptika – Prüfverfahren und Anforderungen
heitswesen und in der Wohlfahrtspflege. GMBl (Phase 2/Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
Feuchtarbeit) sind feuchtigkeitsdich- 2014(10-11):206, Letzte Änderung vom: 21. Juli 20. DIN EN 13727:2015-12 Chemische Desinfek-
te Handschuhe zu tragen, eine gezielte 2015 tionsmittel und Antiseptika - Quantitativer
arbeitsmedizinische Vorsorge zu ge- 5. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst Suspensionsversuch zur Bestimmung der
und Wohlfahrtspflege (BGW) (Hrsg) (2013) bakteriziden Wirkung im humanmedizinischen
währleisten, eine Betriebsanweisung Hauptsache Hautschutz. Hände schützen, Bereich - Prüfverfahren und Anforderungen
zu erstellen und ein Hautschutzplan pflegen – gesund bleiben (Phase 2, Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
zu erarbeiten. Zugleich ist die Mög- 6. Kloesel A, Cyran W (2002) Arzneimittelrecht. 21. DIN EN 13624:2013-12 Chemische Desinfek-
Kommentar Bd. II, S 3, Deutscher Apotheker tionsmittel und Antiseptika - Quantitativer
lichkeit zur Reduzierung der Feuch- Suspensionsversuch zur Prüfung der fungiziden
Verlag, Stuttgart
tigkeitsexposition zu überprüfen [Kat. 7. Arzneimittelgesetz in der Fassung der oder levuroziden Wirkung im humanmedizini-
IB/IV]. Bekanntmachung vom 12. Dezember 2005 schen Bereich - Prüfverfahren und Anforderun-
(BGBl. I S. 3394), das zuletzt durch Artikel gen (Phase 2, Stufe 1). Beuth Verlag: Berlin
55Auf Grund der erhöhten Belastung
3 des Gesetzes vom 10. Dezember 2015 22. Rabenau H, Schwebke I, Blümel J et al (2015)
der Haut empfiehlt sich für alle in der (BGBl. I S. 2210) geändert worden ist. https:// Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur
ärztlichen und pflegerischen Versor- [Link]/url?sa=t&rct=j&q=&es- Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) e. V.
rc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&- und des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Prüfung
gung tätigen Mitarbeiter die regelmä-
ved=0ahUKEwj6_ef6yYbMAhXFOBoKHQaLC- von chemischen Desinfektionsmitteln auf
ßige Pflege der Hände durch Einsatz zoQFggdMAA&url=https%3A%2F%2Fwww. Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin.
von für den Hauttyp geeigneten Haut- [Link]%2Fbundesrecht%2Fam- Fassung vom 1. Dezember 2014. Bundesgesund-
g_1976%[Link]&usg=AFQjCNFFGXg2u- heitsblatt 58(6):493–504
schutz- und Hautpflegemitteln mit
WjV_8X1DyEf4OTOtPnfmA 23. Robert Koch-Institut (2013) Liste der vom Robert
dermatologisch nachgewiesener Ef- 8. Hengesbach B, Schneider A (2013) Umfüllen Koch-Institut geprüften und anerkannten
fektivität [Kat. II]. von Händedesinfektionsmitteln - hygienische Desinfektionsmittel und -verfahren. Bundesge-
55Der Wissenserwerb zur Notwendig- und haftungsrechtliche Aspekte. Hyg Med sundheitsblatt 56(12):1706–1728
38(6):259–260 24. Gwaltney JM, Hendley JO (1982) Transmission of
keit und zur Durchführung von Haut- 9. Durchführungsbeschluss (EU) 2016/904 der experimental rhinovirus infection by contamina-
schutz und -pflege ist in Schulungs- Kommission vom 8. Juni 2016 gemäß Artikel 3 ted surfaces. Am J Epidemiol 116(5):828–833
maßnahmen zur Händedesinfektion Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 des 25. Sartor C, Jacomo V, Duvivier C, Tissot-Dupont
Europäischen Parlaments und des Rates über H, Sambuc R, Drancourt M (2000) Nosocomial
zu integrieren [Kat. IB]. 2-Propanol-haltige Produkte für die Händedes- Serratia marcescens infections associated with
55Bei der Auswahl von Hautschutz- infektion (ABl. L 152 vom 9. Juni 2016, S. 45–46) extrinsic contamination of a liquid nonme-
und Hautpflegemitteln sind Produk- 10. Weuffen W, Berling H, Hetmanek R (1981) Ver- dicated soap. Infect Control Hosp Epidemiol
wendung von Äthanol für Desinfektionszwecke. 21(3):196–199
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In: Weuffen W, Oberdoerster F, Kramer A (Hrsg) 26. Scott E, Bloomfield SF (1990) The survival and
rungszusatz zu bevorzugen [Kat. II]. Krankenhaus-hygiene. Barth, Leipzig, S 518–519 transfer of microbial contamination via cloths,
Hautschutzpräparate sollten auch kei- 11. Danchaivijitr S, Dhiraputra C, Rongrungruang hands and utensils. J Appl Bacteriol 68(3):271–
Y, Srihapol N, Pumsuwan V (2005) Microbial 278
nen Harnstoff enthalten.
contamination of antiseptics and disinfectants. J 27. Rangel-Frausto M, Houston A, Bale M, Fu C,
55Hautpflegemittel sollen wegen der Kon- Med Assoc Thai 88(Suppl 10):S133–S139 Wenzel R (1994) An experimental model for
taminationsgefahr in Spendern oder 12. Kampf G, McDonald C, Ostermeyer C (2005) Bac- study of Candida survival and transmission in
Tuben bereitgestellt werden [Kat. II]. terial in-use contamination of an alcohol-based human volunteers. Eur J Clin Microbiol Infect Dis
hand rub under accelerated test conditions. J 13(7):590–595
Hosp Infect 59(3):271–272 28. Ward RL, Bernstein D, Knowlton D et al (1991)
Die Empfehlungen wurden ehrenamtlich und Prevention of surface-to-human transmission of
13. Kramer A, Kedzia W, Lebek G, Grün L, Weuffen
ohne Einflussnahme kommerzieller Interessen-
W, Poczta A (1984) In-vitro- und In-vivo-Befunde rotaviruses by treatment with disinfectant spray.
gruppen im Auftrag der Kommission für Kranken-
zur Resistenzsteigerung bei Bakterien gegen J Clin Microbiol 29(9):1991–1996
haushygiene und Infektionsprävention bearbeitet
von Herrn Prof. Dr. Axel Kramer (Leiter der Antiseptika und Desinfektionsmittel. In: Faktoren 29. Rusin P, Maxwell S, Gerba C (2002) Comparative
Arbeitsgruppe), Frau Heike Briesch, Frau Dr. Bärbel der mikrobiellen Kolonisation. Handbuch der surface-to-hand and fingertip-to-mouth transfer
Christiansen, Herr Prof. Dr. Harald Löffler, Antiseptik, Bd. I/4, Fischer, Stuttgart, S 79–121 efficiency of gram-positive bacteria, gram-ne-
Frau Dr. Christin Perlitz, Frau Dr. Christiane 14. Schneider A, Bierling G (Hrsg) (2007) Hygiene gative bacteria, and phage. J Appl Microbiol
Reichardt. und Recht. Entscheidungssammlung-Richtlini- 93(4):585–592
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in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und verfahren, mhp-Verlag, Wiesbaden washing and risk of infection? Examination of
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10. Dezember 2015 (BGBl. I S. 2229) geändert 18. DIN EN 12791:2005-10 Chemische Desinfektions- hygiene techniques: a randomized clinical trial. J
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1220 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 9 · 2016

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