Handelsregister
1. Wesen
Das Handelsregister ist ein elektronisch geführtes öffentliches Verzeichnis aller Kaufleute, das die Öf-
fentlichkeit über grundlegende Rechtsverhältnisse der Unternehmen unterrichtet. Die Einsicht in das
Handelsregister und die zum Handelsregister eingereichten Dokumente ist jedermann zu Informations-
zwecken gestattet. Sie erfolgt kostenlos im jeweiligen Amtsgericht oder online gegen Gebühr über das
gemeinsame Registerportal der Länder.
2. Aufbau
Abteilung A Abteilung B
● Einzelunternehmen (e. K., e. Kfm., e. Kfr.) ● Kapitalgesellschaften (AG, SE, GmbH, KGaA)
● Personenhandelsgesellschaften (OHG, KG) ● Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG)
● juristische Personen des öffentlichen Rechts
3. Eintragungen
eintragungspflichtig eintragungsfähig
Beispiele: ● Kaufleute (je nach Rechtsform des Un- Beispiel: ● Haftungsausschluss für frühere Verbind-
ternehmens müssen unterschiedliche lichkeiten bei Firmenübernahme
Angaben eingetragen werden)
● Erteilung und Erlöschen der Prokura
Eintragungen erfolgen i. d. R. auf Antrag elektronisch in öffentlich-beglaubigter Form – sie können ggf.
durch Ordnungsgeld erzwungen werden – und nur in Ausnahmefällen von Amts wegen. Auch Löschun-
gen von bestehenden Eintragungen gelten als Eintragungen. Zudem werden die zu löschenden Tatbestän-
de rot unterstrichen.
4. Wirkungen von Eintragungen
konstitutiv deklaratorisch
(rechtserzeugend) (rechtserklärend, rechtsbekundend)
Ein Rechtszustand wird durch die Eintragung er- Ein bestehender Rechtszustand wird lediglich all-
zeugt, d. h. erst mit der Eintragung ins Handels- gemein bekannt gemacht und ist auch ohne Ein-
register rechtswirksam. tragung ins Handelsregister rechtswirksam.
Beispiele: ● Eintragung eines Kann-Kaufmanns Beispiele: ● Eintragung eines Ist-Kaufmanns
● Eintragung eines Form-Kaufmanns ● Aufnahme eines Gesellschafters in eine
● Herabsetzung der Kommanditeinlage OHG oder KG
● Eintragung der Erteilung bzw. des Ent-
zugs der Prokura
5. Bekanntmachung
Eintragungen in das Handelsregister werden im Internet bekanntgegeben.
6. Vertrauensschutz
positive Publizität negative Publizität
Eine eingetragene und bekannt Solange eine einzutragende Tat- Ist eine einzutragende Tatsache
gemachte Tatsache muss ein Drit- sache nicht eingetragen und be- unrichtig bekannt gemacht, so
ter gegen sich gelten lassen, so- kannt gemacht worden ist, kann kann sich ein gutgläubiger Drit-
fern Rechtshandlungen nicht in- sie einem gutgläubigen Dritten ter auf den Inhalt der Bekanntma-
nerhalb von 15 Tagen nach Be- nicht entgegengesetzt werden. chung berufen.
kanntmachung vorgenommen
werden und der Dritte beweist,
dass er die Tatsache weder kannte
noch kennen musste.
Der Vertrauensschutz besteht nur im Zusammenhang mit eintragungspflichtigen, nicht aber mit eintra-
gungsfähigen Tatsachen.
7. AGB-Regelung der Kreditinstitute
Änderungen von bestehenden Vertretungs- und Verfügungsberechtigungen gelten erst mit schriftlicher
Bekanntgabe an das Kreditinstitut – selbst dann, wenn sie in das Handelsregister eingetragen und bekannt
gemacht worden sind –, es sei denn, dem Kreditinstitut sind die Änderungen bekannt.