Katalogisierung Mit Dem Open-Source-Bibliothekssystem Koha - Unter Berücksichtigung Des Metadatenstandards MARC 21 Und Dem Regelwerk RDA
Katalogisierung Mit Dem Open-Source-Bibliothekssystem Koha - Unter Berücksichtigung Des Metadatenstandards MARC 21 Und Dem Regelwerk RDA
Bachelorarbeit
im Studiengang Bibliotheksmanagement
Fachbereich Informationswissenschaften
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 4
TABELLENVERZEICHNIS 5
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 6
1 EINLEITUNG 8
1.1 METHODIK 8
1.2 ZIELSETZUNG UND FRAGESTELLUNG 9
1.3 FORSCHUNGSSTAND 9
1.4 AUFBAU DER ARBEIT 10
1.5 ANMERKUNGEN ZUR KOHA TESTINSTALLATION 11
2.1 ALLGEMEINES 11
2.2 KONZEPTIONELLE MODELLE 13
2.2.1 FAMILIE DER „FUNCTIONAL REQUIREMENTS“ 13
2.2.2 STATEMENT OF INTERNATIONAL CATALOGING PRINCIPLES 17
2.3 AUFBAU DER RDA 17
2.3.1 ZIEL UND GELTUNGSBEREICH 17
2.3.2 ELEMENTE 18
2.3.3 TYPEN VON RESSOURCEN 19
2.3.4 ARTEN DER BESCHREIBUNG 20
2.3.5 ERFASSEN UND ÜBERTRAGEN 21
2.3.6 INTERNATIONAL STANDARD BIBLIOGRAPHIC DESCRIPTION 22
3.1 ALLGEMEINES 23
3.2 AUFBAU 25
3.3 STRUKTUR 26
4.1 ENTSTEHUNG 28
4.2 KOHA ALS OPEN-SOURCE-BIBLIOTHEKSSYSTEM 30
4.3 TECHNISCHE INFRASTRUKTUR 32
Inhaltsverzeichnis 3
ANHANG 67
ANHANG 1 67
ANHANG 2 72
LITERATURVERZEICHNIS 74
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG 80
Abbildungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Beziehungen FRBR Gruppe 1 _____________________________________ 15
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: MARC-Datensatz _____________________________________________ 27
Abkürzungsverzeichnis
AACR Anglo-American Cataloging Rules
AWR Anwendungsrichtlinien
D-A-CH Deutschland-Österreich-Schweiz
ERM Entity-Relationship-Modell
FR Functional Requirements
LDR Leader
NR Non-Repeatable
OSS Open-Source-Software
PPN PICA-Produktionsnummer
R Reapeatable
SaaS Software-as-a-Service
1 Einleitung
Die Mehrheit der Bibliotheken in Deutschland erschließen ihre Bestände seit den 1960er
Jahren nach dem Regelwerk Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK), wel-
ches sich in Teile für wissenschaftliche (RAK-WB) und öffentliche (RAK-ÖB) Biblio-
theken gliedert. Die Weiterentwicklung an den RAK wurde bereits im Jahr 2001 einge-
stellt (Deutsche Nationalbibliothek : Fragen und Antworten zu den RDA, 2016), wodurch
Anpassungen in Bezug auf neue Anforderungen im Bereich der Formalerschließung seit-
dem nicht mehr umgesetzt werden.
Nachdem die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) bereits seit Ende 2015 Ressourcen
nach dem neuen Regelwerk Resource Description and Access (RDA) erfasst, wenden
auch die deutschen Bibliotheksverbünde die RDA seit Anfang 2016 an. Die RDA sind an
die neuen Anforderungen von Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen, wie bei-
spielsweise Archiven und Museen, angepasst. Dazu zählen der internationale Datenaus-
tausch ebenso wie Änderungen, die sich aus neuen Informationstechnologien und den
daraus resultierenden neuen Medienformen ergeben.
„Das internationale Datenformat MARC 21 und das Regelwerk RDA sind zwin-
gende Voraussetzungen für grundlegende Veränderungen in der Erschließungspra-
xis.“ (Meßmer and Müller, 2015, p. 355)
Die Auseinandersetzung mit dieser These stellte den Beginn der Themenwahl der Ba-
chelorarbeit dar. Da in Deutschland bisher noch keine Empfehlungen zur Erfassung von
Ressourcen nach dem neuen Regelwerk RDA in MARC 21-Systemumgebungen existie-
ren, hat sich der Autor für die Bearbeitung dieses Themas entschieden.
1.1 Methodik
Die Methode dieser Arbeit besteht zu Beginn aus der Analyse und Auseinandersetzung
mit der Fachliteratur zu den Themen RDA, MARC 21 und Koha. Dabei werden wichtige
Begriffe beschrieben und in den Kontext der Fragestellung eingeordnet. Zusätzlich wer-
den Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung in Koha mit dem in Deutschland
nur selten verwendeten Erfassungsformat MARC 21 erstellt. Dafür werden den MARC-
Feldern die entsprechenden RDA-Regelwerksstellen zugeordnet. Durch den Einsatz von
Beispielen werden die Ergebnisse unterstützt.
Einleitung 9
Ziel der Arbeit ist ein Überblick über die Katalogisierung mit dem freien Bibliothekssys-
tem Koha im deutschsprachigen Raum. Dabei wird insbesondere auf das neue Regelwerk
RDA und das Metadatenformat MARC 21 eingegangen.
In diesem Zusammenhang sind die folgenden Fragen zu klären: Welche speziellen An-
forderungen stellen die RDA an das Bibliothekssystem? Welche MARC-Felder müssen
unbedingt vorhanden sein, um eine Ressource zu erfassen und eindeutig identifizieren zu
können? Hält sich die Koha-Datenstruktur an die Vorgaben von MARC 21 und gibt es
Probleme, die bereits dokumentiert, aber noch nicht behoben sind? Welche Möglichkei-
ten gibt es, die Erfassungsmasken an die eigenen Bedürfnisse regelwerkskonform anzu-
passen?
Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Formalkatalogisierung, weshalb die Sa-
cherschließung von Ressourcen nicht näher beschrieben wird. Für die Inhaltserschließung
werden in Deutschland neben den RDA zusätzlich die Regeln für den Schlagwortkatalog
(RSWK) angewendet.1 Die RSWK werden immer dann genutzt, wenn Entitäten aus-
schließlich für die Sacherschließung verwendet werden (Wiechmann, 2016). Auf die ent-
sprechenden Regelwerksstellen wird jedoch bei Bedarf verwiesen.
1.3 Forschungsstand
Um einen ersten Überblick über das Thema zu bekommen, wurde eine Literaturanalyse
durchgeführt. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Betrachtung der Katalogisierung
direkt in Koha zurzeit ein Desiderat deutschsprachiger Publikationen zum Thema dar-
stellt. Sowohl das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) als auch die
Universitätsbibliothek der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) gehen
davon aus, dass weiterhin in einer Verbunddatenbank katalogisiert wird und die Daten
über eine Importroutine nach Koha importiert werden. Das BSZ arbeitet an der Erstellung
eines deutschen Koha-Anwenderhandbuch2, dort wird die direkte Katalogisierung in
Koha anhand der MARC-Felder jedoch aus den oben genannten Gründen nicht beschrie-
ben.
1
Regeln für den Schlagwortkatalog, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff:
30.05.2016].
2
Koha-Anwenderhandbuch des BSZ, verfügbar unter: [Link]
team:koha:koha-handbuch:start [letzter Zugriff: 20.05.2016].
Einleitung 10
Mit der Einführung des neuen Regelwerks RDA in Deutschland erschien mit dem Hand-
buch von Wiesenmüller und Horny (2015) ein umfassendes Werk zum Thema. Eine ver-
gleichbare, wenn auch weniger ausführliche Publikation existiert im anglo-amerikani-
schen Sprachraum mit dem Werk von Welsh und Batley (2012).
Ziel dieser Arbeit ist es nicht, eine Software-Evaluation von Koha durchzuführen. Zu
diesem Thema existieren bereits mehrere Veröffentlichungen, auf welche an dieser Stelle
hingewiesen werden soll. Für eine deutschsprachige Koha-Installationsanleitung und Do-
kumentation kann auf die sehr praxisorientierte Bachelorarbeit von Bauknecht (2009)
verwiesen werden. Die Masterarbeit von Kemner-Heek (2012) analysiert mehrere Bibli-
othekssysteme aus technischer Perspektive, darunter auch Koha. Eine Dokumentation
über die Implementation des Systems und einen dazugehörigen Erfahrungsbericht nach
zwei Jahren Nutzung liefern die Autoren Bissels (2008) sowie Bissels und Chandler
(2010). Für einen Vergleich zwischen verschiedenen Open-Source-Bibliothekssystemen
können die Aufsätze von Macan (2013), Singh und Sanaman (2012) und Pruett und Choi
(2013) als Einstieg empfohlen werden.
Der praktische Teil, welcher sich direkt mit der Arbeit im System auseinandersetzt, um-
fasst die Kapitel 5 bis 7. Zuerst werden in Kapitel 5 grundlegende Funktionalitäten des
Moduls Katalogisierung erläutert und es wird auf den Unterschied zwischen der Erfas-
Das Regelwerk RDA 11
sung im Verbund und der lokalen Erfassung eingegangen. Das Kapitel 6 vermittelt prak-
tische Handlungsempfehlungen zur Katalogisierung von Medien im deutschsprachigen
Raum und baut auf den vorherigen Kapiteln auf. Zum Verständnis werden grundlegende
Kenntnisse der RDA und des Datenformats MARC 21 vorausgesetzt. Abschließend wer-
den in Kapitel 7 die erarbeiteten Handlungsempfehlungen ausgewertet und die dieser Ar-
beit zu Grunde liegenden Fragestellungen beantwortet. Mit einem Fazit endet diese Ar-
beit.
Die Koha-Testinstanz wurde dem Autor im Rahmen des Testangebots meinkoha3 von
Herrn Mirko Tietgen parametrisiert zur Verfügung gestellt. Das Ziel dieses Online-An-
gebots besteht darin, Bibliothekaren und Studierenden der Bibliotheks- und Informati-
onswissenschaft eine kostenfreie, persönliche Koha-Testinstanz zur Verfügung zu stel-
len. Innerhalb dieser Koha-Installation wurden alle Funktionen getestet, die in den
Kapiteln 4, 5 und 6 näher beschrieben werden. Während der Bearbeitungszeit wurde die
genutzte Testinstanz von Version 3.22 auf 16.05 (ehemals 3.24) aktualisiert. In der neuen
Version haben sich geringfügige Änderungen am Layout ergeben. Die getesteten Funkti-
onen des Katalogisierungsmoduls blieben von dem Update unberührt.
2.1 Allgemeines
Im Jahr 2001 wurde die Weiterentwicklung des bisherigen Regelwerks RAK durch den
Standardisierungsausschuss der Bibliotheken und Verbundsysteme des deutschsprachi-
gen Raumes gestoppt. Ziel war es, den Umstieg auf das anglo-amerikanische Regelwerk
Anglo-American Cataloging Rules (AACR2) und das Datenformat MARC 21 zu vollzie-
hen. Jedoch gab es zu dem Umstieg aus der bibliothekarischen Fachcommunity in
3
Meinkoha. Eine private Koha-Instanz, verfügbar unter: [Link] [letzter Zugriff:
09.05.2016].
Das Regelwerk RDA 12
Deutschland erhebliche Vorbehalte. Daraufhin wurde in den Jahren 2002 bis 2004 eine
Machbarkeitsstudie durchgeführt, welche im Ergebnis die Entscheidung für einen Um-
stieg befürwortete (Gantert, 2016, p. 182).
Im Jahr 2004 begann das Joint Steering Committee (JSC) mit der Erstellung einer neuen
Version der AACR. Nach der Veröffentlichung der ersten Entwürfe wurde 2005 entschie-
den, dass ein grundlegend neuer Ansatz nötig wäre, der sich stärker an den Functional
Requirements for Bibliographic Records (FRBR) orientieren sollte. Damit begann die
Arbeit an den RDA. 2010 erschien einmalig eine Papierausgabe des Regelwerks. Auf
Beschluss des JSC wurde anschließend festgelegt, die RDA ausschließlich als Online-
Produkt zu veröffentlichen, da nur so sichergestellt werden konnte, dass alle Bearbeiter
jederzeit mit der aktuellsten Version der RDA arbeiten. Der Zugriff auf das Regelwerk
ist über das RDA Toolkit4 möglich (Welsh and Batley, 2012, pp. 83–84; Meßmer and
Müller, 2015, p. 346). Das Toolkit wird in der englischen Originalfassung von den Be-
rufsverbänden American Library Organisation, Canadian Library Association und dem
Chartered Institute of Library and Information Professionals herausgegeben (Deutsche
Nationalbibliothek : Fragen und Antworten zu den RDA, 2016).
Im Jahr 2011 wurde vom Standardisierungsausschuss der DNB die endgültige Entschei-
dung für den Umstieg auf das neue Regelwerk RDA getroffen (Gantert, 2016, p. 182).
Ziel des Umstiegs ist es, den internationalen Datenaustausch und die Nachnutzung der
erfassten Daten zu vereinfachen (Meßmer and Müller, 2015, p. 345).
4
RDA Toolkit, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff: 11.05.2016].
Das Regelwerk RDA 13
Die den RDA zu Grunde liegenden konzeptionellen Modelle werden im nächsten Ab-
schnitt beschrieben.
Bei den Functional Requirements (FR) handelt es sich um Datenmodelle, die Anforde-
rungen an bibliografische Metadatensätze stellen, jedoch nicht um Regelwerke oder Da-
tenformate. Folgende drei FR-Datenmodelle bilden zusammen die FR-Familie (Gantert,
2016, pp. 182–183):
5
Anwendungsrichtlinien D-A-CH, verfügbar unter: [Link]
geId=114430678 [letzter Zugriff: 11.05.2016].
Das Regelwerk RDA 14
Das FRBR-Modell ist nach den Prinzipien eines Entity-Relationship-Modells (ERM) auf-
gebaut und definiert Entitäten (eindeutig zu identifizierende Objekte), deren Merkmale
und die Beziehungen zwischen den Entitäten (Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 17;
Gantert, 2016, p. 183). In den FRBR wird jedoch nicht vorgegeben, welche Beziehungen
bei der Katalogisierung berücksichtigt und wie diese abgebildet werden müssen. Vorga-
ben dazu finden sich im Regelwerk RDA (Gantert, 2016, pp. 186–187).
Um die Hauptanforderungen der Benutzer zu ermitteln, wenden die FRBR die Technik
der Entitätenanalyse an. Jedem Merkmal und jeder Beziehung werden Relevanzwerte zu-
geordnet, die anschließend je nach Aufgabe und Entität den oben genannten vier Benut-
zeranforderungen zugeordnet werden (Oehlschläger, 2009b, pp. 9–10).
Im FRBR-Modell werden die Entitäten in drei Gruppen eingeteilt (Meßmer and Müller,
2015, p. 347). Gruppe 1 besteht aus den Entitäten Werk, Expression, Manifestation und
Exemplar. Ein Werk ist eine „einheitliche intellektuelle bzw. künstlerische Schöpfung“
(Oehlschläger, 2009b, p. 12). Eine Expression ist die „intellektuelle bzw. künstlerische
Realisierung“ (Oehlschläger, 2009b, p. 12) des Werks. Als Manifestation wird die phy-
sische Verkörperung einer Expression eines Werks bezeichnet. Das Exemplar ist schließ-
lich ein einzelnes Exemplar einer Manifestation. Werke und Expressionen existieren nur
auf der Ebene der Ideen, Gedanken und Konzepte, während Manifestationen und Exemp-
lare eine physische oder virtuelle Form haben und durch Sinne wahrnehmbar sind (Oehl-
schläger, 2009b, pp. 12–13; Gantert, 2016, pp. 183–184).
Alle Entitäten stehen mit anderen Entitäten in Beziehung. Die Beziehungen der vier En-
titäten der ersten Gruppe werden als Primärbeziehungen bezeichnet (Wiesenmüller and
Horny, 2015, p. 20). Abbildung 1 bildet die wechselseitigen Beziehungen zwischen den
Entitäten sowie deren Kardinalitäten ab.
Das Regelwerk RDA 15
Abb. 1: Beziehungen FRBR Gruppe 1 [Quelle: eigene Darstellung, angelehnt an (Oehlschläger, 2009b, p.
13)]
Ein Werk kann durch eine oder mehrere Expressionen verkörpert werden; eine Ex-
pression kann jedoch immer nur ein Werk realisieren (1:n)
Eine Expression kann in einer oder mehreren Manifestationen realisiert werden; eine
Manifestation kann eine oder mehrere Expressionen verkörpern (n:m)
Eine Manifestation kann durch ein oder mehrere Exemplare verkörpert werden; ein
Exemplar kann hingegen nur zu einer Manifestation gehören (1:n) (Oehlschläger,
2009b, pp. 12–13)
Jede Entität besitzt bestimmte Merkmale. Die Entität Werk besitzt unter anderem die
Merkmale Titel, Gattung und historisch-künstlerischer Kontext (Oehlschläger, 2009b, pp.
32–35; Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 17). Diese Merkmale können dem Werk zuge-
ordnet werden, da gemäß den FRBR-Regelungen Textvarianten, wie beispielsweise
Überarbeitungen, Aktualisierungen, Kürzungen oder Erweiterungen, Übersetzungen und
dergleichen als unterschiedliche Expressionen desselben Werks gelten (Oehlschläger,
2009b, pp. 16–17). Die abstrakte Entität Werk dient somit dazu, die individuellen Ex-
pressionen eines Werks zu gruppieren.
Die Entität Expression verfügt unter anderem über die Merkmale Sprache, Form und Da-
tum. Übersetzungen eines Werkes sind, ebenso wie die verschiedenen Formen Textfas-
sung und gesprochenes Wort, neue Manifestationen. Auch Bearbeitungen, die über die
Veränderung der Zeichensetzung oder Korrekturen hinausgehen, sind neue Expressionen.
Eine Verfilmung hingegen stellt ein neues Werk dar (Oehlschläger, 2009b, pp. 19, 35–
40; Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 18).
Das Regelwerk RDA 16
Zu den Merkmalen der Manifestation zählen unter anderem die physische Beschreibung,
die Ausgabebezeichnung, Identifikatoren und die Gesamttitelangabe. Unveränderte
Nachdrucke stellen keine neue Manifestation dar (Oehlschläger, 2009b, pp. 40–48; Wie-
senmüller and Horny, 2015, p. 19).
Merkmale eines Exemplars, das heißt eines Einzelstücks einer Manifestation, sind Be-
schädigungen, Widmungen oder eine Bibliothekssignatur (Oehlschläger, 2009b, pp. 48–
50; Wiesenmüller and Horny, 2015, pp. 19–20).
Zu den Entitäten der Gruppe 2 gehören Personen und Körperschaften, welche in unter-
schiedlicher Weise verantwortlich für die Entitäten der Gruppe 1 sind (Wiesenmüller and
Horny, 2015, p. 21). Dabei meint Person ein Individuum und Körperschaft eine Organi-
sation, beziehungsweise mehrere Individuen oder Organisationen (Oehlschläger, 2009b,
p. 13). Die wichtigsten Merkmale der Entitäten der Gruppe 2 sind Namen, Lebensdaten
einer Person oder der Sitz einer Körperschaft (Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 21).
Abbildung 2 stellt die Beziehungen und Kardinalitäten der Entitäten der Gruppen 1 und
2 dar.
Abb. 2: Beziehungen FRBR Gruppe 2 [Quelle: eigene Darstellung, angelehnt an (Oehlschläger, 2009b, p.
14)]
Ein Werk kann durch eine oder mehrere Personen / Körperschaften geschaffen wer-
den; jede Person / Körperschaft kann ein oder mehrere Werke schaffen
Eine Expression kann durch eine oder mehrere Personen realisiert werden; jede Per-
son / Körperschaft kann eine oder mehrere Expressionen realisieren
Das Regelwerk RDA 17
Eine Manifestation kann durch eine oder mehrere Personen / Körperschaften estellt
werden; jede Person / Körperschaft kann eine oder mehrere Manifestationen erstellen
Ein Exemplar kann einer oder mehreren Personen / Körperschaften gehören; jede Per-
son / Körperschaft kann ein oder mehrere Exemplare besitzen (Oehlschläger, 2009b,
pp. 13–14)
Die Entitäten der Gruppe 3 sind Begriff, Gegenstand, Ereignis und Ort (Oehlschläger,
2009b, pp. 26–28). Sie werden an dieser Stelle im Sinne der Vollständigkeit erwähnt,
aber nicht näher beschrieben.
Nach RDA erfasste Daten sollen die Nutzer beim Auffinden von Ressourcen unterstüt-
zen. Dabei orientiert sich das Regelwerk an den vier FRBR-Benutzeranforderungen: Res-
sourcen finden, Ressourcen eindeutig identifizieren, Ressourcen auswählen und Zugang
zu Ressourcen erhalten (American Library Association, Canadian Library Association
and CILIP: Chartered Institute of Library and Information Professionals, 2010, sec. 0.0).
6
Functional Requirements for Authority Data. Stand Juli 2013, verfügbar unter: [Link]
les/assets/cataloguing/frad/frad_2013.pdf [letzter Zugriff: 11.05.2016].
Das Regelwerk RDA 18
Die RDA haben die Entitäten Werk, Expression, Manifestation und Exemplar sowie de-
ren Merkmale und Beziehungen aus den FRBR übernommen (American Library Associ-
ation, Canadian Library Association and CILIP: Chartered Institute of Library and Infor-
mation Professionals, 2010, sec. 0.2.2). Nach RDA erfasste Daten lassen sich problemlos
in bereits existierende Datenbanken integrieren (American Library Association, Canadian
Library Association and CILIP: Chartered Institute of Library and Information Professi-
onals, 2010, sec. 0.3.1). Zudem ist das RDA-Elemente-Set mit dem Datenformat MARC
21 kompatibel (American Library Association, Canadian Library Association and CILIP:
Chartered Institute of Library and Information Professionals, 2010, sec. 0.3.4).
Wie bereits erläutert wurde, orientieren sich die RDA stark an den Bedürfnissen der Nut-
zer, dies ist auch aus den Prinzipien der RDA (in Auswahl) ersichtlich:
Differenzierung: Ressourcen und Entitäten sollen durch über sie erfasste Daten unter-
scheidbar sein
Vollständigkeit: Damit Nutzer eine Ressource auswählen können, müssen die Meta-
daten Daten vollständig sein
Beziehungen: Beziehungen, die zwischen Ressourcen und Entitäten bestehen, sollen
dem Benutzer angezeigt werden
Darstellung: Ressourcen sollen so beschrieben werden, wie sie sich selbst darstellen
Genauigkeit: Sollten in der Informationsquelle der Ressource „zweideutige, unver-
ständliche oder irreführende Darstellungen“ enthalten sein, sollen diese Angaben er-
gänzt werden, damit die anderen RDA-Prinzipien zur Geltung kommen (American
Library Association, Canadian Library Association and CILIP: Chartered Institute of
Library and Information Professionals, 2010, sec. 0.4.3).
Die oben genannten Prinzipien werden im allgemeinen Teil von RDA genannt und finden
sich zusätzlich am Beginn jedes Abschnitts wieder.7
2.3.2 Elemente
7
Vgl. dazu Abschnitt 1: Erfassen der Merkmale von Manifestationen und Exemplaren. 1.2: Funktionale
Ziele und Prinzipien, verfügbar unter: [Link] [letzter
Zugriff: 12.05.2016].
Das Regelwerk RDA 19
Die AG RDA hat für den deutschsprachigen Raum darauf aufbauend das sogenannte
Standardelement-Set erstellt. Es enthält die Kern- und Zusatzelemente und stellt „einen
verbindlichen Mindeststandard für die Katalogisierung im deutschsprachigen Raum dar“
(Arbeitsstelle für Standardisierung, 2016c, p. 1). Im Folgenden werden die Elemente mit
dazugehörigen Beispiele genannt:
Verbünde und einzelne Bibliotheken können weitere Elemente festlegen, welche von den
Mitarbeitern der Einrichtungen zwingend erfasst werden sollen. Der Gemeinsame Bibli-
otheksverbund (GBV) und der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund (SWB) haben bei-
spielsweise eine gemeinsame Katalogisierungsrichtlinie8 erarbeitet, deren Anwendung
für alle partizipierenden Verbundbibliotheken obligatorisch ist.
RDA unterscheidet vier Typen von Ressourcen anhand deren Erscheinungsweise (Wie-
senmüller and Horny, 2015, p. 33):
Einzelne Einheit: Ressource erscheint als einzelne physische Einheit (zum Beispiel
eine Monografie) oder als einzelne logische Einheit (zum Beispiel eine PDF-Datei im
World Wide Web)
8
GBV / SWB Katalogisierungsrichtlinie, verfügbar unter [Link]
bin/[Link]?cmd=index&verbund=GBV®elwerk=RDA#titel [letzter Zugriff: 12.05.2016].
Das Regelwerk RDA 20
Die Arbeitsstelle für Standardisierung der DNB hat ein Grundsatzpapier für den Umgang
mit mehrteiligen Monografien erstellt. Darin werden die Eigenschaften, die mehrteilige
Monografien von anderen Ressourcentypen abgrenzen, aufgeführt. Mehrteilige Mono-
grafien bestehen im Gegensatz zu einzelnen Einheiten aus mehr als einer Einheit. Zudem
haben sie im Gegensatz zu fortlaufenden Ressourcen ein im Voraus absehbares Ende und
werden anders als integrierende Ressourcen nicht durch Aktualisierungen oder Ergän-
zungen erweitert (Arbeitsstelle für Standardisierung, 2016b, p. 4). Das Verständnis dieser
Kriterien ist für den Abschnitt 2.3.4 von Relevanz.
Bei der hierarchischen Beschreibung handelt es sich um eine einzige Beschreibung, wes-
halb es nicht erforderlich ist, dass die RDA-Standardelemente „sowohl in der übergeord-
neten als auch in den untergeordneten Aufnahmen vorkommen“ (Arbeitsstelle für Stan-
dardisierung, 2016d, p. 1). Im anglo-amerikanischen Raum werden hierarchische
Das Regelwerk RDA 21
Beschreibungen nur selten erstellt. Stattdessen werden die einzelnen Teile einer mehrtei-
ligen Monografie nur in der umfassenden Beschreibung der Gesamtaufnahme aufgeführt
und nicht separat mit einer analytischen Beschreibung dargestellt (Wiesenmüller and
Horny, 2015, p. 34).
Abbildung 3 kann entnommen werden, wie das Zusammenspiel von umfassender und
analytischer Beschreibung die dargestellte hierarchische Beschreibung ergibt.
In RDA wird zwischen dem Erfassen und Übertragen von Elementen der Informations-
ressource unterschieden. Nach Wiesenmüller ist der Begriff Erfassen nur allgemein für
die Angabe von Informationen im Katalogisat zu verstehen. Die „exakte, vorlagetreue
Übernahme“ (Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 34) von Angaben aus der Ressource
wird dagegen als Übertragen bezeichnet.
RDA gibt Richtlinien für das Übertragen von Groß- und Kleinschreibung, Zeichenset-
zung, diakritischen Zeichen, Symbolen, Abstand zwischen Initialen und Akronymen,
Buchstaben und Wörtern, die mehrmals gelesen werden sollen, Abkürzungen und Fehlern
vor (American Library Association, Canadian Library Association and CILIP: Chartered
Institute of Library and Information Professionals, 2010, sec. 1.7.1–1.7.9). Zusätzlich gilt
für den deutschsprachigen Raum noch eine D-A-CH-AWR (vgl. dazu Abschnitt 1.7.1-
9
Vgl. dazu die Schulungsunterlagen der AG RDA, Modul 2, Arten der Beschreibung, Stand 10.04.2015,
S. 3, verfügbar unter: [Link]
ten_der_Beschreibung.pdf [letzter Zugriff: 12.05.2016].
Das Regelwerk RDA 22
1.7.7 der Anwendungsrichtlinien für den deutschsprachigen Raum D-A-CH, Stand: April
2016, 2016).
Die Entstehung der International Standard Bibliographic Description (ISBD) reicht bis
in das Jahr 1969 zurück. Auf einer IFLA-Konferenz beschlossen die Teilnehmer, dass ein
Standard zum Austausch bibliografischer Daten benötigt wurde. Ein erster Entwurf für
monografische Publikationen (ISBD(M)) wurde 1971 vorgelegt und international disku-
tiert. 1974 wurde die erste finale Version der ISBD für Monografien und fortlaufende
Ressourcen veröffentlicht.
In den darauffolgenden Jahren wurden für neue Medienformen weitere, separate ISBD
veröffentlicht, zum Beispiel die ISBD(CF) für Computerdateien, die später zur ISBD(ER)
für elektronische Ressourcen weiterentwickelt wurde. Ab 2007 wurde von einer ISBD
Review Group der IFLA der Versuch unternommen, die existierenden heterogenen Fas-
sungen der ISBD zu vereinen. Die konsolidierte Fassung wurde schließlich im Jahr 2011
veröffentlicht (International Federation of Library Associations and Institutions, 2011,
pp. XIII–XVI).
Ziel der ISBD ist es, Anforderungen an die bibliografische Beschreibung von Ressourcen
zu stellen, die üblicherweise in Bibliotheken gesammelt werden.
ISBD wieder.10 Zusätzlich geben die ISBD Regeln zur Darstellung von bibliografischen
Datensätzen vor. Dahinter steht die Idee, einen Datensatz unabhängig von der Katalogi-
sierungsprache international verständlich aufzubauen. Dazu wird jeder Bereich der bibli-
ografischen Beschreibung durch Interpunktionszeichen voneinander abgetrennt (vgl.
dazu Abbildung 4, Interpunktionszeichen sind in Rot dargestellt).
In Anhang D.1 der RDA können die Regeln zur Verwendung der ISBD-Interpunktions-
zeichen nachgeschlagen werden. Da RDA nur die Regeln für das Erfassen der Elemente,
nicht jedoch für deren Präsentation vorgibt (American Library Association, Canadian
Library Association and CILIP: Chartered Institute of Library and Information
Professionals, 2010, sec. 0.1), ist die Darstellung im ISBD-Format in Katalogumgebun-
gen nicht verpflichtend notwendig.
Die Anwendung der ISBD in Koha wird in Kapitel 5 näher erläutert, zusätzlich findet
sich in Anhang 2 eine Übersicht über die bibliografischen Gruppen und die Interpunkti-
onszeichen.
3.1 Allgemeines
Ursprünglich in den 1960er Jahren von der Library of Congress (LoC) in einem Projekt
entwickelt, stellt das Format Machine Readable Cataloging (MARC) Mechanismen zum
10
Vgl. dazu (International Federation of Library Associations and Institutions, 2011, pp. 33–248).
Das Metadatenformat MARC 21 24
Der Standardisierungsausschuss der DNB hat 2004 entschieden, dass bisher in Deutsch-
land verwendete Maschinelle Austauschformat für Bibliotheken (MAB), welches bereits
in Version 2 (MAB2) vorlag, durch MARC 21 als Austauschformat zu ersetzen. Seit 2009
wird die Deutsche Nationalbibliografie in dem neuen Format ausgeliefert (Deutsche
Nationalbibliothek, 2016b). Die DNB veröffentlicht deutsche Feldbeschreibungen für Ti-
tel- und Normdaten und aktualisiert diese circa drei Mal pro Jahr (Export-Release-Zyk-
lus). Der Umstieg von MAB zu MARC im deutschsprachigen Raum ist somit nur ein
Umstieg im engeren Sinn. Welches Intern- und Erfassungsformat verwendet wird, be-
stimmt weiterhin jedes Bibliothekssystem für sich selbst.
MARC 21 hat sich seit seiner Einführung in der deutschen Bibliothekslandschaft zum
Standard-Datenaustauschformat entwickelt. In den deutschen Bibliotheksverbünden wer-
den die Metadaten zwar oft in einem eigenen Format erfasst, zum Datenaustausch exis-
tieren jedoch interne Konkordanz-Listen, sogenannte Mapping-Tabellen11. Im GBV wird
beispielsweise zur Erfassung von Ressourcen das Erfassungsformat Pica3 genutzt und
die Datensätze werden im Internformat Pica+ gespeichert (GBV, 2010). Datenaustausch-
und Präsentationsformate können zusätzlich flexibel an die Bedürfnisse der Anwender
angepasst werden, wodurch Online-Kataloge die Daten in unterschiedlichen Sichten, zum
Beispiel als tabellarische-, ISBD- oder MARC-Darstellung12, anzeigen und Metadaten
leicht automatisiert ausgetauscht werden können.
11
Vgl. Konkordanz PICA – MARC 21 für die bibliografischen Titeldaten der Deutschen Nationalbiblio-
thek und der Zeitschriftendatenbank, verfügbar unter: [Link] [letzter Zugriff:
26.05.2016].
12
Im SWB Online Katalog können die Präsentationsformate über verschiedene Reiter aufgerufen werden,
vgl. [Link] [letzter Zugriff:
26.05.2016].
Das Metadatenformat MARC 21 25
3.2 Aufbau
Es lassen sich vier Arten von bibliografischen Datenformaten unterscheiden. Das Intern-
format legt die Struktur fest, in der die Datenbank die Daten verarbeitet und speichert.
Das Erfassungsformat regelt die Form der Dateneingabe, zum Beispiel anhand von Er-
fassungsmasken und deren Feldbezeichnungen. Datenaustauschformate dienen dem au-
tomatischen oder manuellen Import und Export von Datensätzen von einem Bibliotheks-
system in ein anderes. Das Präsentationsformat legt schließlich fest, wie die erfassten
Daten in verschiedenen Umgebungen (Online-Katalogen, Discovery-Systemen etc.) prä-
sentiert werden können (Meßmer and Müller, 2015, p. 348; Gantert, 2016, p. 219). Kein
Format kann jedoch unabhängig von den anderen existieren. Sollte sich das Datenaus-
tauschformat zum Beispiel vom Internformat unterscheiden, müssen die Daten beim Im-
port in das entsprechende Format konvertiert werden (Porth, 2009, p. 5).
Während das MARC-Format nur Vorgaben für die Datenstruktur bereitstellt, müssen die
geltenden Katalogisierungsregeln separat definiert werden. Das Regelwerk und das Da-
tenformat stehen miteinander in Beziehung. Die Feldbeschreibungen werden durch das
Datenformat festgelegt, während das Regelwerk bestimmt, wie die Inhalte in den Feldern
zu erfassen sind (Meßmer and Müller, 2015, p. 342). Es ist somit unerheblich, nach wel-
chem Regelwerk Daten in einer MARC-Umgebung erfasst werden.
MARC 21 untergliedert sich in die fünf Teilformate bibliographic data (Titeldaten), au-
thority data (Normdaten), classification data (Klassifikationen), holdings data
(Exemplardaten) und community information (Adressdaten). Diese Arbeit beschäftigt
sich nur mit der Erfassung von bibliografischen Daten, weshalb im Folgenden nur auf die
Titeldaten eingegangen wird.
Das Metadatenformat MARC 21 26
3.3 Struktur
Jeder MARC-Datensatz beginnt mit dem sogenannten Leader (LDR). Er enthält Daten-
elemente, die primäre Informationen für die Verarbeitung des Datensatzes liefern (Welsh
and Batley, 2012, p. 132). Die Feldinhalte im Leader können Buchstaben oder Zahlen
sein, die anschließend codiert gespeichert werden. Dabei handelt es sich beispielsweise
um Informationen zur Art des Datensatzes, zum Satzstatus, zum bibliografischen Level,
zur Zeichenkodierung und um Angaben zu ein- oder mehrteiligen Ressourcen.
Die Felder bestehen aus dreistelligen Nummern, die einer verbalen Feldbezeichnung ent-
sprechen. Ob einzelne Felder und Unterfelder wiederholbar sind, ist in der MARC 21-
Feldbeschreibung durch Angabe von R (Repeatable – wiederholbar) oder NR (Non-
Repeatable – nicht wiederholbar) gekennzeichnet. Jedes Feld, mit Ausnahme von Feld
020 (ISBN), muss mindestens über das Unterfeld $a verfügen (Furrie, 2009, pt. VII).
Jedem Feld können zusätzlich zwei Indikationen (Indicators) zugewiesen werden. Indi-
katoren werden durch einstellige Nummern symbolisiert und dazu verwendet, die Daten
eines Feldes näher zu beschreiben. Der Einsatz von Indikatoren ist nur in bestimmten
Feldern erforderlich, nähere Informationen dazu finden sich in der MARC-Feldbeschrei-
bung (Furrie, 2009, pt. VII).
Abbildung 5 zeigt den Aufbau einer MARC-Kategorie exemplarisch an Feld 245, in wel-
ches der Haupttitel, Titelzusatz und die Verantwortlichkeitsangabe eingetragen werden.
Tabelle 1 zeigt einen vereinfacht dargestellten MARC-Datensatz nach RDA mit ISBD-
Interpunktionszeichen am Ende der Unterfelder. Sofern keine Indikatoren verwendet
werden, ist eine Raute (#) angegeben, welche für ein Leerzeichen verwendet wird. Zur
Das Metadatenformat MARC 21 27
041 # # $a ger
250 # # $a 1. Auflage.
Um die Vorschriften des neuen Regelwerks RDA in MARC 21 umsetzen zu können, war
es notwendig, neue Felder zu schaffen. Bereits bestehende Felder und Unterfelder können
aufgrund der existierenden Datensätze, die nach älteren Regelwerken erfasst wurden,
nicht ohne weiteres uminterpretiert werden. Um die nach RDA zu erfassenden Elemente
Inhalts-, Medien- und Datenträgertyp in MARC abbilden zu können, wurden die Felder
336, 337 und 338 eingeführt.
Da die RDA auf den konzeptionellen Modellen der FRBR basieren, müssen außerdem
bis zu 400 mögliche Beziehungen zwischen Werk, Expression, Manifestation und
Exemplar abbildbar sein. Eine vollständige Übersicht über Anpassungen an MARC 21
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 28
aufgrund der RDA-Einführung bietet die online verfügbare Übersicht RDA in MARC der
LoC.13
Das Bibliothekssystem Koha14 wurde im Jahr 1999 für den Horowhenua Library Trust in
Neuseeland von der Firma Katipo Communications Ltd. entwickelt (Kemner-Heek, 2012,
p. 50). Es gab Befürchtungen, dass der bevorstehende Jahrtausendwechsel Probleme in
der bisher eingesetzten Software verursachen könnte. Deshalb wurde innerhalb von drei
Monaten eine erste Koha-Version (1.0.0) entwickelt, welche am 02.01.2000 produktiv in
Betrieb genommen werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt enthielt die Software nur rudi-
mentäre Ausleihfunktionalitäten, an der Implementation weiterer Funktionen wurde je-
doch gearbeitet (Kemner-Heek, 2012, p. 52).
Im selben Jahr wurde Koha unter der GNU General Public License (GPL)15 als OSS auf
sourceforge.net16 verfügbar gemacht. Koha stellt damit das weltweit erste Open-Source-
Bibliothekssystem dar (Ransom, Cormack and Blake, 2009).
Als integriertes Bibliothekssystem (eng. Integrated Library System ILS) stellen die aktu-
ellen Koha-Versionen Module für die Erwerbung, Ausleihe, Katalogisierung, Zeitschrif-
ten- und Normdatenverwaltung sowie einen Online-Katalog zu Verfügung. Damit enthält
das System die wichtigsten Funktionen, um alle organisatorischen Aufgaben einer Bibli-
othek abzubilden (Lohnert, 2011, p. 9; Kemner-Heek, 2012, p. 13).
Jedes Jahr erscheinen zwei große Updates (Major Releases) mit gerader Versionsnummer
(zum Beispiel 3.22). Dazwischen werden monatlich regelmäßige Sicherheitsupdates und
Bugfixes (Fehlerkorrekturen) veröffentlicht, diese sind erkennbar an der Nummer der
dritten Stelle (zum Beispiel 3.22.2) (Kemner-Heek, 2012, p. 55). Koha wird durch eine
internationale Community ständig weiterentwickelt und Sicherheitsupdates erscheinen
auch für ältere Versionen. Fehler und gewünschte Weiterentwicklungen können in einer
13
RDA in MARC, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff:
29.05.2016].
14
Koha Library Software, verfügbar unter: [Link] [letzter Zugriff: 09.05.2016].
15
Weitere Informationen zu dieser Lizenz finden sich im nächsten Abschnitt 4.2 und auf der Website
[Link] [letzter Zugriff: 20.05.2016].
16
SourceForge ist ein Software-Filehostingdienst; seit dem 29.09.2011 ist Koha nur noch als Download
auf GitHub verfügbar: [Link] [letzter Zugriff: 19.05.2016].
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 29
Mit Stand April 2016 ist Koha mittlerweile in Version 3.22 erschienen und weltweit in
3.600 Bibliotheken im Einsatz (Map of Libraries : Koha ILS sites, 2016). Koha ist OSS18
und kann von jeder Bibliothek ohne Lizenzgebühren heruntergeladen, installiert und ver-
wendet werden. Weltweit bieten zurzeit außerdem circa 40 Anbieter Dienstleistungen mit
Fokus auf Koha an (Fischer, 2013, p. 105 f.).
In Deutschland ist das BSZ der größte Anbieter für die Implementierung, den Betrieb und
den Support von Koha. Das BSZ betreibt Koha dabei nach dem Modell Software-as-a-
Service (SaaS), indem es als Koha-Dienstleister das Hosting des Systems übernimmt,
Updates einspielt sowie Support und Schulungen für die Koha-Anwender anbietet. Die
zu erbringenden Dienstleistungen und die Entwicklungsarbeit finden allein beim BSZ
und nicht beim Anwender statt (Fischer and Meißner, 2015, p. 3 f.). In zukünftigen Ent-
wicklungsmodellen könnten jedoch partielle Eigenleistungen, wie beispielsweise Ent-
wicklung, Tests und Dokumentation, an die Koha-Anwender übertragen werden. Denk-
bar ist außerdem, dass gewünschte Features der BSZ-Anwender über Crowdfunding
finanziert und in das System implementiert werden (Fischer and Meißner, 2015, p. 5).19
Das BSZ betreibt Koha für Hochschul-, Spezial- und Schulbibliotheken und bietet eigene
Online-Kataloge für den Nachweis von Handschriften- und Sondersammlungen an. Für
die nordrhein-westfälische Hochschulbibliothek Hamm-Lippstadt wurde mit BOSS eine
Oberfläche für ein Discovery-System auf Vufind-Basis entwickelt, mit dem auf die Koha-
17
Bugzilla : Main Page, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff:
23.05.2016].
18
In Kap. 4.2 wird ein detaillierter Überblick über Koha als Open-Source-Software gegeben.
19
Bei Crowdfunding unterstützen eine Vielzahl von Personen, die sogenannte Crowd, Projekte, Produkte
oder Entwicklungen und erhalten eine Gegenleistung zurück (vgl. Was ist Crowdfunding? Definition
& Erklärung, o. J.).
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 30
Datenbank zugegriffen werden kann.20 Ferner wurde die Hochschule an die Online-Fern-
leihe angeschlossen und die Selbstverbuchung via Radio-Frequency Identification
(RFID) implementiert (Fischer, 2013, p. 106). Daran lässt sich gut ableiten, dass Koha an
die vielfältigen Bedürfnisse, die unterschiedliche Bibliothekstypen mitbringen, angepasst
werden kann.
Der Begriff Open-Source steht für Freie Software. Dies muss jedoch dahingehend relati-
viert werden, dass OSS nicht in jedem Fall kostenlos ist (Mundhenke, 2007, p. 41). Kos-
ten können zum Beispiel durch den Erwerb von Hardware oder Support-Dienstleistungen
anfallen. Vielmehr gilt eine Software als Open-Source, wenn sie bestimmte Kriterien er-
füllt. Die Software muss im Quellcode offen zugänglich sein, das heißt, sie muss in einer
„menschlich lesbaren Programmiersprache“ (Mundhenke, 2007, p. 40) vorliegen. Die
Software muss außerdem ohne Einschränkungen genutzt, ergänzt, verändert und ohne
sowie mit Anpassungen ohne Lizenzkosten weiterverbreitet werden dürfen (Mundhenke,
2007, p. 40).
Die Open Source Initiative gibt auf ihrer Website weitere Kriterien an, die OSS erfüllen
muss: Es darf keine Einschränkung des Nutzerkreises vorliegen und die Software muss
technologie-neutral sein (The Open Source Definition (Annotated) : Version 1.9, o. J.).
OSS wird meistens zum kostenfreien Download im Internet angeboten. Dadurch kann die
Software problemlos heruntergeladen und getestet werden. Sofern der Anwender feh-
lende Funktionen feststellt, können diese in den Quellcode eingebaut werden. Eigene An-
passungen können in die Versionsverwaltung der Hauptentwickler zurückgespielt und
anschließend in einer neuen Version für alle anderen Nutzer verfügbar gemacht werden
(Mundhenke, 2007, p. 45 f.). Durch dieses Review-System wird teilweise davon ausge-
gangen, dass OSS im Vergleich zu proprietärer Software einen höheren Sicherheitsstan-
dard besitzt, da jede Person, sofern sie über das technische Verständnis verfügt, die Soft-
ware validieren kann (Mundhenke, 2007, p. 46). Fehler werden öffentlich über das
Internet, beispielsweise über Foren, Mailinglisten und Wikis, offengelegt, diskutiert und
behoben (Mundhenke, 2007, p. 44). Opplinger (2003, p. 12 f.) kommt hingegen zu dem
Ergebnis, dass ein offener Quellcode keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Software
20
BOSS 2.0 : Hochschule Hamm-Lippstadt, verfügbar unter [Link] [letzter Zu-
griff: 26.05.2016].
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 31
hat. Die Frage nach dem Sicherheitsaspekt von OSS lässt sich nicht abschließend beant-
worten. Durch den offenen Quellcode und die transparent gestaltete Entwicklung der
Software hat gleichwohl jeder Nutzer die Chance, die Software auf Sicherheitslücken zu
testen und zu validieren.
Ein Nachteil von OSS ist, dass Wartung und Support in der Regel durch den Anwender
selbst zu leisten sind. Deshalb wird für spezielle Anwendungsfälle empfohlen, statt OSS
proprietäre Software einzusetzen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn proprietäre Soft-
ware besser mit vorhandener Hardware arbeitet, besseren Support bietet oder im Unter-
nehmen als Industriestandard angesehen wird (Wan, 2006; Rubens, 2014).
Auch wenn OSS Nachteile aufzeigt, wurde die Förderung des Einsatzes von Open-
Source-Bibliothekssystemen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bereits
2004 in einer Veröffentlichung empfohlen. Darin heißt es:
„Zu fördern sind Projekte, die Ansätze liefern, um die bestehenden monolithischen
Lösungen in den Bibliotheksverwaltungssystemen zu überwinden. [...] Eine beson-
dere Bedeutung kommt dabei open-source-Entwicklungen zu, die einseitige Fir-
menbindungen vermeiden.“ (Deutsche Forschungsmeinschaft, 2004, p. 17)
Koha steht seit der ersten Veröffentlichung unter der weit verbreiteten Lizenz GPL (Koha
copyright license, 2011). Bei der GPL handelt es sich um eine spezielle Lizenz mit einer
Schutzklausel, durch die verhindert wird, dass Weiterentwicklungen von OSS als propri-
etäre Software vertrieben werden (sogenannte Copyleft-Klausel) (Jaeger and Metzger,
2011, p. 4 f.).
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Nutzung von Koha als Open-Source-
Bibliothekssystem ein lohnendes Ziel für Bibliotheken darstellen kann. Zu diesem Ergeb-
nis kommen auch die Universitätsbibliothek der TUHH, welche im Sommer 2014 eine
Koha-Evaluation durchgeführt hat (Feldsien-Sudhaus et al., 2015, p. 28) und die Central
Library of Cochin University of Science and Technology in Indien, deren Ergebnisse hier
stellvertretend für unterschiedlichste Studien genannt werden (Archana, Padmakumar
and Beena, 2014, p. 22). Koha kann ohne vertragliche Verpflichtungen installiert und
betrieben werden. Sollte eine Einrichtung nicht über entsprechendes IT-Personal verfü-
gen, um das System selbst zu betreiben, kann das Angebot von meinkoha21 zum Kennen-
21
Vgl. dazu Kap. 1.2.
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 32
lernen des Systems genutzt werden. Bei Problemen können sich die Mitarbeiter via Mai-
lingliste22 oder Support-Forum23 direkt an die Koha-Community wenden. Sollte die Ent-
scheidung zum Einsatz von Koha positiv ausfallen, können eventuell wegfallende Li-
zenzkosten für das bisher genutzte Bibliothekssystem anderweitig investiert werden, zum
Beispiel in die Anschaffung neuer Hardware oder den Erwerb von Supportdienstleistun-
gen.
Koha benötigt zur Installation ein Linux Betriebssystem. Die Community empfiehlt die
Verwendung einer Debian- oder Ubuntu-Distribution und es werden für beide Systemum-
gebungen Installationsanleitungen und –pakete auf der Koha-Wiki-Website angeboten
(Koha on Ubuntu, 2012, Koha on Debian, 2016). Die meisten Koha-Anwender nutzen
einen Linux Server mit dem Betriebssystem Debian. Koha konnte mindestens bis zu Ver-
sion 2.2.9 außerdem unter Windows XP installiert werden (Bauknecht, 2009, pp. 24–29).
Mit aktuellen Releases ist dies nicht mehr möglich.
Da Koha auf der LAMP-Architektur beruht, werden zusätzlich zum Betriebssystem Linux
ein Apache-Webserver, eine MySQL-Datenbank und die Programmiersprache Perl benö-
tigt (Koha Requirements, 2016). Das Client-Server-Modell LAMP wird verwendet, um
Inhalte dynamisch über das Internet anbieten zu können und beinhaltet mehrere Open-
Source-Programme, die einfach zu installieren sind und kostenfrei angeboten werden
(Wan, 2006).
Der Zugriff auf Koha ist vollständig webbasiert, es wird lediglich eine Internetverbindung
und ein Webbrowser benötigt. Das System bietet zwei unterschiedliche Sichten: die
Dienstoberfläche (Staff Client), die den Bibliotheksmitarbeitern Zugriff auf die Koha-
Module ermöglicht und die Nutzeroberfläche mit Online-Katalog und Benutzerkonto-
funktionen. Die Dienstoberfläche ist ausschließlich für die Nutzung mit Mozilla Firefox
optimiert (Koha 3.22 Manual (en) : Edition 1. Koha Recommendations, 2015).
22
Koha Mailing Lists, verfügbar unter: [Link] [letzter
Zugriff: 20.05.2016].
23
Web Forum, verfügbar unter: [Link] [letzter
Zugriff: 20.05.2016].
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 33
Die interne Struktur der Katalogdaten orientierte sich in den Versionen bis einschließlich
2.x an den FRBR-Ebenen der Gruppe 1 - Werk, Expression, Manifestation und Exemplar.
Es wurde ein bibliografischer Datensatz für das Werk und die Expression angelegt. Daran
konnten beliebig viele Datensätze angehangen werden, von denen jeder eine andere Ma-
nifestation repräsentiert hat. Daran wurden die jeweiligen Exemplare angelegt. Jeder
Ebene wurden die Attribute der übergeordneten Ebenen vererbt. Dadurch konnten bei-
spielsweise Vormerkungen sehr einfach und nutzerfreundlich umgesetzt werden: Wenn
es für den Nutzer nicht relevant war, welches Exemplar von welcher Manifestation er
benötigte, konnte er eine Vormerkung auf das nächste verfügbare Exemplar der Expres-
sion tätigen (Ransom, Cormack and Blake, 2009).
Wollte ein Nutzer zum Beispiel das Werk „Harry Potter and the chamber of secrets“ im
englischen Original vormerken, unabhängig davon, in welchem Jahr und in welchem Ver-
lag die Manifestation erschienen ist, konnte dies mit der früheren Datenstruktur umge-
setzt werden. Die Vormerkung konnte auf die Expression des englischen Originals getä-
tigt werden. Abbildung 6 dient zur Illustration dieses Anwendungsfalls.
In den Jahren 2001 bis 2002 wurden auf Wunsch der Community die Datenformate
UNIMARC und MARC 21 implementiert. Durch die Einführung von MARC konnte das
ursprüngliche FRBR-System jedoch nicht beibehalten werden, da es im System intern zu
Problemen führte. Seit Version 3.x wird daher für jede Manifestation ein eigener biblio-
grafischer Datensatz erstellt (Ransom, Cormack and Blake, 2009; Koha : History, 2016).
Die Datenbankstruktur aller Tabellen und Attribute kann online eingesehen werden.24 Für
die Katalogisierung sind die Tabellen biblio, biblioitems und items von größter Relevanz.
Die Tabelle biblio enthält bibliografische Informationen, wie beispielsweise Autor, Titel,
den bevorzugten Titel des Werks und Anmerkungen (früher: Fußnoten). Dabei handelt es
sich um Attribute der FRBR-Ebenen Werk und Expression.25 Die Tabelle ist über den
Primärschlüssel biblionumber mit der Tabelle biblioitems verknüpft. Die biblionumber
ist eine eindeutige und unikale Nummer des gesamten bibliografischen Datensatzes.
In der Tabelle biblioitems sind Informationen der FRBR-Ebene Manifestation über den
bibliografischen Datensatz gespeichert.26 Dazu zählen beispielsweise ISBN, ISSN, An-
gaben der Veröffentlichungsangabe und physischen Beschreibung sowie der vollständige
MARC-Record im Format Extensible Markup Language (XML). Die Tabelle ist über
ihren Primärschlüssel biblioitemnumber mit der Tabelle items verknüpft.
Die Tabelle items enthält Bestandsinformationen auf Exemplarebene. Dazu gehören zum
Beispiel Signatur, Barcode, Preis und weitere exemplarspezifische Angaben. Angaben zu
Aufstellungsorten und Koha-Medientypen werden in separaten Tabellen gespeichert und
sind über einen Fremdschlüssel mit der Tabelle items verknüpft.
Als Index- und Suchmaschine wird seit Koha 3.0 die OSS Zebra der Firma Index Data
eingesetzt. Bei Zebra handelt es sich um eine separate Datenbank, die bibliografische
24
Koha-Datenbankstuktur, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff:
30.05.2016].
25
Vgl. Kapitel 2.2.1.
26
Vgl. ebd.
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 35
Informationen speichert und für das Retrieval durchsuchbar macht. Zebra unterstützt di-
verse Datenformate, darunter auch das MARC-Format (Index Data, 2016). Eine Über-
sicht über die indizierten MARC-Felder findet sich im Koha-Handbuch.27 Die bibliogra-
fischen Daten werden somit an zwei Stellen gespeichert: in einer MySQL-Datenbank und
in Zebra.
Die in Koha erfassten Metadaten von Ressourcen werden in der MySQL-Datenbank ge-
speichert und müssen in einem zweiten Schritt in den Zebra-Index geupdated werden.
Die Re-Indizierung kann über einen sogenannten Cronjob automatisiert werden. Der Job
kann alle fünf bis 15 Minuten laufen und den Index neu aufbauen. Zu beachten ist, dass
neu eingegebene Datensätze erst nach einer Re-Indizierung über die Katalogsuche gefun-
den werden können.
MARC 21 stellt in Koha das Intern-, Erfassungs- und Datenaustauschformat dar.28 Je nach
gewählter Systemeinstellung kann es, neben der tabellarischen- und ISBD-Ansicht, auch
als Präsentationsformat im Online-Katalog angeboten werden.
Bestimmte Angaben werden in MARC 21 und somit auch in Koha kodiert gespeichert.
Dazu gehören Angaben zu Organisationen, zu Ländern und zu Sprachen. Informationen
über Organisationen werden anhand eines International Standard Identifier for Libraries
and Related Organisations (ISIL) erfasst. Dabei handelt es sich um alphanumerische
Kennzeichnungen, die Organisationen, wie beispielsweise Bibliotheken, Archive und
Museen, eindeutig identifizieren. Die MARC-Codes für deutsche Kultureinrichtungen
werden von der Deutschen ISIL-Agentur und Sigelstelle, die Teil der Staatsbibliothek zu
Berlin ist, vergeben und gepflegt. Eine Recherche nach Bibliotheken und anderen Kul-
tureinrichtungen ist online in der Datenbank29 der ISIL-Agentur möglich.
MARC-Länder- und Sprachcodes werden länderübergreifend von der LoC gepflegt und
online nachgewiesen. Sie bestehen aus zwei oder drei Zeichen und werden international
in MARC-Systemen verwendet, um Angaben zu Ländern und Sprachen unabhängig vom
27
Koha Search Indexes, verfügbar unter: [Link]
[Link] [letzter Zugriff: 31.05.2016].
28
Vgl. dazu die Erläuterungen in Kap. 3.2.
29
Deutsche ISIL-Agentur und Sigelstelle : Suche, verfügbar unter [Link]
[Link]/nc/suche/ [letzter Zugriff: 26.05.2016].
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 36
Bestandsdaten werden in Koha wie in Kapitel 4.4 beschrieben in der Tabelle items ge-
speichert. Darüber hinaus wurden die Daten bis Version 3.2 in MARC-Feld 952 gespei-
chert, welches kein Bestandteil der offiziellen MARC-Feldbeschreibung der LoC, son-
dern ausschließlich ein lokales Feld in Koha, ist (Library of Congress (NDMSO), 2016).
Seit dem Release von Version 3.4 werden Bestandsdaten ausschließlich in der Tabelle
items gespeichert (Holdings data fields, 2015). Beim Export von bibliografischen
Datensätzen wird für jedes Exemplar ein Feld 952 erzeugt, welches nur für die Darstel-
lung und weitere Bearbeitung des Datensatzes von Relevanz ist. Der Koha-Entwickler
Chris Cormack hat es in einem Beitrag der Mailingliste wie folgt formuliert:
„It looks like they are in the MARC, we display it that way, they are stored entirely
in the items table though, not in the [Link] blob.“ (Cormack, 2014)
4.6 Schnittstellen
Z39.50 ist ein Standard-Protokoll zur Kommunikation zwischen einem Server und einem
Client und dient dem Information Retrieval und der Übernahme von Metadaten aus einem
System in ein anderes. Datenanbieter können durch Implementation des Z39.50-Server-
Protokolls ihre Bestände durchsuchbar machen. Das Nachfolgeprotokoll ist Search/Ret-
rieve via URL (SRU) (Hodgson, 2002, p. 28 ff.). Die Möglichkeit zur Fremddatenüber-
nahme stellt eine Hauptanforderung der DFG an ein lokales Bibliothekssystem dar
(Deutsche Forschungsmeinschaft, 2014, p. 14 f.).
Eine Anfrage an eine Koha-Instanz mit freigegebenem Z39.50-Server kann über einen
beliebigen Webbrowser erfolgen und ist wie folgt aufgebaut:
[Link]
rieve&query=Title=handbook&maximumRecords=1&recordPacking=xml
Zuerst muss die Adresse des Online-Katalogs eingetragen werden. Darauf folgt die An-
gabe des Ports und der Datenbank, auf welche die Anfrage ausgelöst wird. Anschließend
wird die Anfrage an die Datenbank gestellt, dabei können verschiedene Attribute, wie in
diesem Fall der Titel, verwendet werden. Zudem kann die Treffermenge begrenzt und das
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 37
Für die Katalogisierung von Medien ist allerdings Koha als Z39.50-Client von Relevanz,
denn dadurch können Titel- und Normdaten aus unterschiedlichen Quellen importiert
werden. In der vom Autor dieser Arbeit genutzten Koha-Instanz war bereits der Zugriff
auf die Titeldaten der DNB via SRU eingerichtet. Aus Abbildung 9 können die Eintra-
gungen zum SRU-Server entnommen werden.
Die DNB stellt die Zugangsdaten im XML-Format online bereit. Die Authentifikation
zum Zugriff auf die Datenbank kann über IP-Check oder durch die Verwendung eines
Access-Tokens erfolgen. (DNB SRU Zugang : Selbsterklärung im XML-Format, o. J.).
Da in der Konfiguration des SRU-Zugangs kein Access-Token eingetragen ist, erfolgt der
Das integrierte Bibliothekssystem Koha 38
Zugriff via IP-Check. Die notwendigen Eintragungen in den Feldern Weitere SRU-Opti-
onen sowie SRU-Suchfeldzuordnung sind auf der Koha-Website von Mirko Tietgen näher
erläutert (Tietgen, 2015).
Zur Ermittlung von weiteren Z39.50-Servern können sogenannte Target Directories ge-
nutzt werden.30 Zu Testzwecken wurden weitere Zugriffe auf die frei zugängliche SWB-
Verbunddatenbank mit Titel- und Lokaldaten sowie auf die GND-Daten im SWB mit den
in Tabelle 2 aufgeführten Parametern erstellt.
4.6.2 OAI-PMH
Koha unterstützt das Open Archives Initiatives Protocol for Metadata Harvesting (OAI-
PMH), welches eine offene Schnittstelle zum Metadatenaustausch darstellt. Koha agiert
dabei ausschließlich als Data Provider und liefert Metadaten aus der MySQL-Datenbank
an sogenannte Service Provider. Service Provider können Suchmaschinen, wie die Biele-
feld Academic Search Engine (BASE)31 sein, die über OAI-PMH Metadaten aus diversen
Quellen aggregieren und unter einer einheitlichen Rechercheoberfläche zur Verfügung
stellen.
30
Zwei empfehlenswerte Anbieter sind [Link] sowie [Link] [letz-
ter Zugriff: 31.05.2016]
31
BASE, verfügbar unter: [Link] [letzter Zugriff: 01.06.2016].
Katalogisierung mit Koha 39
Seit Version 3.18 unterstützt Koha außerdem die Authentifizierung durch Shibboleth
(Arazi, 2014). Vereinfacht ausgedrückt ermöglicht Shibboleth die ortsunabhängige Nut-
zung lizensierter Medien nach einmaligem Login bei der Heimateinrichtung des Benut-
zers. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit sind in der Bugzilla Datenbank insge-
samt zwölf Bugs32 gelistet, welche von Problemen mit dem Protokoll berichten. Der
Einsatz von Shibboleth sollte in produktiv eingesetzten Koha-Installationen vorher ge-
nauestens getestet werden.
32
Siehe dazu [Link] [letzter Zu-
griff: 06.06.2016, Archived by WebCite® at [Link]
33
Verbundsysteme in Deutschland: Gemeinsamer Bibliotheksverbund (GBV), HBZ-Verbund beim Hoch-
schulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Hessisches Bibliotheks-Informati-
onssystem (HeBIS), Südwestdeutscher Bibliotheksverbund (SWB), B3Kat als gemeinsame Katalogi-
sierungsplattform der Verbünde Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) und
Bibliotheksverbund Bayern (BVB).
Katalogisierung mit Koha 40
SWB (vgl. BSZ, 2010) und B3Kat (vgl. BVB, o. J.), unter der Creative Commons Lizenz
CC0 Public Domain34 der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Als Abgleichkriterium der Datensätze zwischen Verbund- und Lokalsystem wird die
PICA-Produktionsnummer (PPN) genutzt. Wenn während des Routinejobs ein Match
zwischen SWB-Verbunddatenbank und Koha-Datenbank festgestellt wird, wird der Ti-
teldatensatz in Koha aktualisiert, während die Exemplardaten nicht verändert werden.
Sofern in Koha noch kein Datensatz mit der PPN aus dem Verbundsystem existiert, wer-
den Titel- und Normdaten automatisch importiert. Die Exemplardaten müssen anschlie-
ßend manuell in Koha angelegt werden (BSZ, 2013).
34
Weitere Informationen zur Lizenz CC0 finden sich unter: [Link]
main/zero/1.0/[Link] [letzter Zugriff: 03.06.2016].
Katalogisierung mit Koha 41
Die Nutzung der nächtlichen Importroutine bietet den Vorteil, dass in der Verbunddaten-
bank erfasste Ressourcen ohne Zutun des Anwenders nach Koha importiert werden. Soll-
ten in der Verbunddatenbank Änderungen oder Korrekturen an bibliografischen- und
Normdaten vorgenommen werden, profitieren Koha-Anwender ebenfalls davon, da die
Routine ein Update der Datensätze vornimmt. Außerdem können die Bibliothekare wei-
terhin das ihnen vertraute Erfassungsformat PICA3 der WinIBW nutzen. Die umfassende
Kenntnis des in Koha eingesetzten Erfassungsformats MARC 21 ist deshalb nicht erfor-
derlich.
Der Nachteil dieser Variante liegt im zeitlich festgelegten Ablauf der Routine. Daten wer-
den nur einmal in der Nacht importiert. Die Bearbeiter benötigen für die Medienbearbei-
tung demnach mindestens zwei Tage. Als Workaround können dringend benötigte Titel-
daten via Z39.50/SRU-Import noch am selben Tag in Koha verfügbar gemacht werden
(BSZ, 2013). Normdaten dieser händisch importierten Datensätze werden über die täglich
laufende Importroutine nachgeladen. Nach Auswahl des Menüpunktes Import über
Z39.50/SRU im Modul Katalogisierung öffnet sich eine leere Suchmaske, in der in den
eingerichteten Datenbanken recherchiert werden kann. Dies kann Abbildung 11 entnom-
men werden.
Aus den anschließend präsentierten Suchtreffern kann die Beschreibung, die der vorlie-
genden Ressource entspricht, ausgewählt und bearbeitet werden. Die Erfassungsmaske
gliedert sich in die Bereiche null bis neun, welche in etwa den bibliografischen Bereichen
der ISBD entsprechen. Felder beginnend mit zwei enthalten Informationen zum Titel so-
wie zur Verantwortlichkeitsangabe und Ausgabebezeichnung, wie aus Abbildung 12 er-
sichtlich wird.
Katalogisierung mit Koha 42
Nach Prüfung des vorliegenden Titeldatensatzes kann dieser in die Koha-Datenbank im-
portiert werden. Anschließend ist ein Exemplardatensatz mit Informationen wie bei-
spielsweise Standort, Signatur, Barcode und Ausleihstatus des einzelnen Exemplars an-
zulegen. Die Darstellung des finalen Titel- und Exemplardatensatzes in der Koha-
Dienstansicht zeigt Abbildung 13.
Bei der Datenübernahme via Z39.50/SRU ist darauf zu achten, ob durch das Quellsystem
ISBD-Interpunktionszeichen mitgeliefert werden. Die DNB liefert in ihren Titeldaten
keine Deskriptionszeichen aus und kennzeichnet dies in den Datensätzen an Position 18
des Leaders (Deutsche Nationalbibliothek, 2016a, p. 6). Werden Daten aus dem SWB
übernommen, enthalten diese bereits die gültige ISBD-Interpunktion.
bibliografische Datensätze, in denen festgelegt wird, welche Felder und Unterfelder wäh-
rend der Katalogisierung benötigt und dargestellt werden. Die Standardinstallation wird
mit zehn Frameworks ausgeliefert. Das Standardframework enthält alle Felder und Un-
terfelder, die weiteren Frameworks sind speziell auf die Erfassung bestimmter
Medienarten ausgelegt: Artefakte und Gegenstände (AR), Audiokassetten und CDs (SR),
CD-ROMs, DVD-ROMs und Online-Ressourcen (CF), DVDs und Videokassetten (VR),
Loseblattsammlungen (IR), Medienkombinationen (KT), Monografien, Bücher und Ar-
beitsbücher (BKS), Schnellaufnahme (FA) und Zeitschriften (SER). Der Autor dieser Ar-
beit hat zusätzlich das Framework Local Cataloging (LOCA) angelegt, dessen Inhalte in
Kapitel 6 detailliert beschrieben werden.
Nach der Auswahl des gewünschten Frameworks öffnet sich die Erfassungsmaske, in
welche die Informationen der vorliegenden Ressource ein-/übertragen werden. Für die
Darstellung wird an dieser Stelle auf Abbildung 13 verwiesen. Die RDA-konforme Be-
legung der Felder wird in den Handlungsempfehlungen in Kapitel 6 beschrieben.
Mit der Koha Version 3.22 wurde eine erweiterte, an den Bedürfnissen professioneller
Bearbeiter orientierte, Katalogisierungsoberfläche implementiert (Arazi, 2015). Die
Funktion kann über die Systemeinstellung EnableAdvancedCatalogingEditor in der
Dienstansicht unter dem Reiter Labor aktiviert werden.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 44
Der erweiterte Editor, dargestellt in Abbildung 15, stellt professionellen Anwendern eine
an der WinIBW orientierte Oberfläche zur Verfügung. Mehrere Arbeitsschritte können
durch die Nutzung von Makros aufgezeichnet und anschließend automatisiert werden.
Es handelt sich dabei in Version 3.22 um ein experimentelles Feature und sollte in Pro-
duktionsumgebungen noch nicht eingesetzt werden. Aus diesem Grund wird in der Arbeit
nicht näher darauf eingegangen.
Die Grundlage dafür bildet das Standardelemente-Set für Titeldaten der DNB, in wel-
chem alle Kern- und Zusatzelemente (=Standardelemente-Set) aufgeführt werden, die im
deutschsprachigen Raum verpflichtend zu erfassen sind. Ergänzend dazu werden weitere
MARC-Felder beschrieben, die für die Speicherung der Datensätze und das anschlie-
ßende Retrieval notwendig sind. Die Handlungsempfehlungen ersetzen nicht die Nutzung
des RDA-Toolkits, sondern dienen als erster Einstieg, da nicht auf alle Besonderheiten
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 45
des Regelwerks eingegangen werden kann. Anlage 1 fasst die Ergebnisse der Handlungs-
empfehlungen tabellarisch als Konkordanzliste zusammen.
Abb. 16: Auszug aus dem MARC-Framework LOCA [Quelle: eigene Darstellung]
Koha bietet die Möglichkeit, einzelne Unterfelder ausschließlich mit normierten Werten
zu belegen. Dafür müssen in den Systemeinstellungen Kategorien angelegt werden, de-
nen im Anschluss Werte zugeordnet werden können. Die Funktionalität soll anhand der
normierten Werte der Kategorie LOC beschrieben werden: Jedes Exemplar kann in Koha
einem Aufstellungsort zugeordnet werden. Damit der Anwender während der Datenein-
gabe aus den vorgefertigten Aufstellungsorten auswählen kann, wird eine neue Kategorie
mit verschiedenen Werten, wie beispielsweise dem Bereich Belletristik oder Kinderlite-
ratur, angelegt. Diese Kategorie wird im MARC-Framework mit dem entsprechenden
Unterfeld verknüpft. Während der Katalogisierung kann anschließend aus einem Drop-
out-Menü der gewünschte Aufstellungsort ausgewählt werden.
Wenn im Folgenden auf eine MARC-Feldbeschreibung der LoC verwiesen wird, ge-
schieht dies unter Nennung des entsprechenden MARC-Feldes, welches auf der Website
MARC 21 Format for Bibliographic Data der LoC (Library of Congress (NDMSO),
2016) näher beschrieben wird. Die LoC stellt eine vollständige Übersicht über alle Felder
des bibliografischen Formats bereit. Für die Handlungsempfehlungen wurde immer auf
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 46
die ausführliche Dokumentation (full version), nicht die zusammengefasste Version (con-
cise version) zugegriffen. Verweise auf RDA Regelwerkstellen und D-A-CH-AWR er-
folgen unter Nennung der jeweiligen Kapitelnummer des RDA-Toolkit.35
Die Satzkennung ist ein MARC-Pflichtfeld und enthält Informationen für die Verarbei-
tung des Datensatzes. Zur einfachen Bearbeitung des Felds bietet Koha einen sogenann-
ten Tag-Editor (Feld-Editor), in dem die Inhalte der Zeichenpositionen ausgewählt wer-
den können.
Wenn eine neue Beschreibung für eine Ressource erstellt wird, ist an Position 5 (Satzsta-
tuts) „n- neu“ einzutragen. Bücher und Zeitschriften, die gedruckt oder elektronisch vor-
liegen, werden an Position 6 (Art des Satzes) durch „a- Sprachmaterial“ gekennzeichnet.
Die Erscheinungsweise ist ein Zusatzelement für den deutschsprachigen Raum und wird
nach RDA 2.13 im Leader an Position 7 und 19 angegeben. Monografische Ressourcen
erhalten an Position 7 (Bibliographieniveau) die Eintragung „m- Monogra-
fisch/Exemplar“ und an Position 19 (Titelebene für mehrteilige Ressourcen) die Eintra-
gung „Nicht spezifiziert oder nicht anwendbar“. Ob der Datensatz Interpunktionszeichen
gemäß der ISBD enthält, kann an Position 18 (Beschreibende Katalogisierung) angege-
ben werden.
Feld 008 – Feld mit fester Länge zur physischen Beschreibung – Allgemeine Anga-
ben
Dieses Feld enthält codierte Angaben über den gesamten Datensatz und spezielle Aspekte
des erfassten Exemplars. Die Belegung erfolgt über den Tag-Editor. Die Felder 00 bis 17
sowie 35 bis 39 sind für alle Materialarten identisch, während die Felder 18 bis 34 nach
35
RDA-Toolkit, verfügbar unter [Link] [letzter Zugriff: 16.06.2016].
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 47
Art der vorliegenden Ressource belegt werden. Die Felder des Tag-Editors passen sich
nach Auswahl der „Art des Materials“ automatisch an.
Das Katalogisierungsdatum wird in der Form JJMMTT an Position 00 bis 05 erfasst. Das
Erscheinungs-, Vertriebs-, Herstellungs- oder Copyright-Datum der Ressource wird an
Position 07 bis 10 eingetragen. Bei fortlaufenden Ressourcen, die bereits ihren Abschluss
gefunden haben, wird an Position 11 bis 14 das späteste Datum des Erscheinens erfasst.
Der MARC-Code, der den Ort der Veröffentlichung, Herstellung oder Realisierung an-
gibt, wird in Feld 15 bis 17 eingetragen. An Position 35 bis 37 wird der MARC-Sprach-
code der Ressource erfasst.36
Die Positionen 18 bis 34 können sehr detaillierte Angaben zum Inhalt der Ressource ent-
halten. Bei der Übernahme von bibliografischen Daten via Z39.50 aus dem SWB-Ver-
bundkatalog wurde ersichtlich, dass diese Informationen nicht übertragen wurden. Die
Prüfung im SWB-Online-Katalog hat ergeben, dass kein Fehler während des Import-Pro-
zesses vorlag, sondern dass die Daten im PICA3-Erfassungsformat weniger granular er-
fasst werden und die Felder aus diesem Grund bei importieren Datensätzen nicht belegt
sind. Deshalb werden die möglichen Eintragungen an dieser Stelle nicht näher beschrie-
ben.
Die ISBN als RDA Kernelement ist ein Identifikator der Manifestation und unterscheidet
eine Manifestation eindeutig von einer anderen (RDA [Link]). Die ISBN kann aus einer
36
Vgl. dazu die Beschreibungen zu Länder- und Sprachcodes in Kapitel 4.5.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 48
beliebigen Quelle entnommen werden. Sollte die ISBN einer Quelle außerhalb der vor-
liegenden Ressource entnommen werden, muss dies nicht durch eckige Klammern ge-
kennzeichnet werden. Sollen mehrere ISBN erfasst werden, wird das Feld 020 dupliziert.
Beide Indikatoren sind nicht definiert und erhalten somit keine Eintragung (Library of
Congress (NDMSO), 2016).
Der Identifikator wird in Unterfeld $a ohne Bindestriche gemäß der Definition für
MARC-Feld 020 erfasst (Library of Congress (NDMSO), 2016). Laut RDA soll die ISBN
jedoch im vorgeschriebenen Anzeigeformat mit Bindestrichen zwischen den Gruppen er-
fasst werden (RDA [Link] sowie D-A-CH-AWR [Link]). In der MARC-Feldbeschrei-
bung der LoC ist für diesen Anwendungsfall kein Feld festgelegt. Gemäß der Festlegun-
gen in MARC 21 für den deutschsprachigen Raum kann dafür das regionale und lokale
Unterfeld $9 genutzt werden (Deutsche Nationalbibliothek, 2013, p. 2).
Das Feld 040 enthält Angaben zur Organisation, die den bibliografischen Datensatz er-
stellt hat, Angaben zur Katalogisierungssprache sowie Angaben zum verwendeten Re-
gelwerk. Eintragungen, die in den Unterfeldern vorgenommen werden, sind zwingend in
normierter Form zu erfassen.
In den Unterfeldern $a und $c werden Eintragungen zur Organisation, die den Datensatz
erstellt hat, kodiert als ISIL-Nummer, vorgenommen. Unterfeld $b gibt an, in welcher
Sprache Eintragungen im Datensatz vorgenommen werden. Welches Regelwerk bei der
Katalogisierung Anwendung gefunden hat, wird in Unterfeld $e angegeben.
Den Unterfeldern können Standardwerte zugeordnet werden, wodurch eine manuelle Ein-
tragung durch den Bearbeiter nicht mehr notwendig ist. Da davon auszugehen ist, dass
seit 2016 in Deutschland Neuaufnahmen nach dem Regelwerk RDA katalogisiert werden,
kann Unterfeld $e mit dem Standardwert „rda“ belegt werden.
Durch Selektion der Merkmale dieses Feldes ist es beispielsweise möglich, alle nach ei-
nem speziellen Regelwerk erfassten Ressourcen zu ermitteln.
Bei diesem Feld handelt es sich um ein Kernelement, welches nach RDA 6.11 den
Sprachcode der Expression angibt. Die Eintragung erfolgt anhand der normierten Liste
MARC Code List for Languages (Library of Congress (NDMSO), 2011). Der Code ist
identisch mit der Eintragung in Feld 008, Position 35-37 (Sprache).
In Unterfeld $a wird der Sprachcode der vorliegenden Ressource erfasst. Wenn die ein-
zelne, vorliegende Expression mehrere Sprachen umfasst, muss gemäß RDA [Link]
jede Sprache erfasst werden. Unterfeld $a kann dafür dupliziert werden. Die Erfassung
der Sprache der ersten Expression in Unterfeld $h ist fakultativ.
Wenn es sich bei der vorliegenden Ressource nicht um eine Übersetzung handelt und
außerdem keine Übersetzung einer anderen Expression enthalten ist, wird der erste Indi-
kator mit „0“ belegt. Sollte die Ressource eine Übersetzung einer anderen Expression
sein oder eine Übersetzung enthalten, wird „1“ eingetragen. Der erste Indikator bleibt
frei, wenn dem Bearbeiter keine näheren Informationen vorliegen.
Der zweite Indikator bleibt leer, wenn in den Unterfeldern ein normierter MARC Langu-
age Code eingetragen wurde.37
Das Feld enthält den ersten geistigen Schöpfer nach RDA 19.2 und ist ein Kernelement.
Feld 100 wird immer dann verwendet, wenn der erste geistige Schöpfer eine Person oder
Familie ist.
In Unterfeld $a wird der Name des ersten geistigen Schöpfers in der Form des bevorzug-
ten Namens gemäß RDA 9.19.1 erfasst. Sofern in Koha das Normdatenmodul verwendet
wird, ist das Unterfeld für Freitexteingaben gesperrt. Dies ist Abbildung 22 zu entneh-
37
Vgl. dazu die Beschreibungen zu Länder- und Sprachcodes in Kapitel 4.5.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 50
men. Über das Symbol rechts neben dem Eingabefeld kann in der lokalen Koha-Daten-
bank nach dem geistigen Schöpfer recherchiert werden. Sollte noch kein Datensatz exis-
tieren, kann er manuell angelegt oder über die Z39.50-Schnittstelle aus einem Verbund-
system importiert werden. Im Anschluss wird der Normdatensatz in den bibliografischen
Datensatz übernommen.
Ferner besteht die Möglichkeit, die Freitexteingabe für dieses Unterfeld zu aktivieren.
Dazu muss im entsprechenden MARC-Framework der Thesaurus PERSO_NAME für das
Unterfeld abgeschaltet werden. Abbildung 23 demonstriert diesen Anwendungsfall. Der
Autor spricht sich jedoch aus Gründen der Datenkonsistenz gegen die freie Texteingabe
in diesem Unterfeld aus, da davon auszugehen ist, dass die Eintragung dann nicht unter
der Ansetzungsform erfolgt (vgl. dazu Wiesenmüller and Horny, 2015, pp. 10–11).
In Unterfeld $d wird gemäß RDA 9.3 das Datum, das mit der Person in Verbindung steht,
beziehungsweise nach RDA 10.4 das Datum, das mit der Familie in Beziehung steht,
eingetragen. Dabei kann es sich um Geburts- und Sterbedaten oder den Wirkungszeit-
raum der Person/Familie handeln. Die Angaben können aus einer beliebigen Informati-
onsquelle entnommen werden.
Die Beziehungskennzeichnung zwischen einer Ressource und der mit ihr in Verbindung
stehenden Person oder Familie wird in den Unterfeldern $e und $4 erfasst. Die Informa-
tion über die Art der Beziehung kann einer beliebigen Quelle entnommen werden. Eine
Erfassung ist nicht verpflichtend, da Beziehungskennzeichnungen nicht zu den RDA-
Standardelementen gehören. Die D-A-CH-AWR [Link] empfiehlt jedoch, eine Bezie-
hungskennzeichnung zu erfassen. Es ist nur die Verwendung von normierten Begriffen
aus der Arbeitshilfe 017 der DNB gestattet (Arbeitsstelle für Standardisierung, 2016a).
Um dem Anwender die Eingabe zu erleichtern, wurden für die Codes in der Systemad-
ministration normierte Werte angelegt, welche anschließend mit den Unterfeldern ver-
knüpft wurden. Abbildung 24 kann entnommen werden, wie das Dropout-Menü in den
Unterfeldern angezeigt wird.
Indikator eins legt fest, in welcher Form die Namenseintragung vorgenommen wird
(Library of Congress (NDMSO), 2016). Wenn nur der Vorname in Unterfeld $a erfasst
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 51
wird, so ist „0“ einzutragen. Dies tritt zum Beispiel auf, wenn ein Papst oder Sankt erfasst
wird. Sofern der Name in invertierter Form (Nachname, Vorname) erfasst wird, ist „1“
einzutragen. Bei modernen Drucken kommt dies am häufigsten vor. Wenn der Name ei-
ner Familie oder einer Dynastie in unmittelbarer oder invertierter Form erfasst wird, ist
„3“ einzutragen. Der zweite Indikator ist nicht definiert und bleibt frei.
Feld 100 darf nur einmal belegt werden und ist nicht wiederholbar. Weitere Personen und
Familien als geistige Schöpfer werden in Feld 700 erfasst.
Das Feld enthält den ersten geistigen Schöpfer nach RDA 19.2 und ist ein Kernelement.
Feld 110 wird immer dann verwendet, wenn der erste geistige Schöpfer eine Körperschaft
ist.
In Unterfeld $a wird der Name des ersten geistigen Schöpfers in der Form des bevorzug-
ten Namens gemäß RDA 11.13.1 erfasst. Die Inhalte dieses Unterfelds lassen sich wie in
Feld 100 als Normdaten oder Freitext eintragen. Sollen Normdaten verwendet werden,
ist der Thesaurus CORPO_NAME zu verwenden. Wenn zusätzlich eine untergeordnete
Körperschaft vorliegt, wird sie in in Unterfeld $b erfasst.
Indikator eins legt fest, in welcher Form die Namenseintragung vorgenommen wird
(Library of Congress (NDMSO), 2016). Sollte der Name der Körperschaft mit einem Per-
sonennamen in invertierter Reihenfolge beginnen, ist „0“ einzutragen. Wenn der Name
einer Gebietskörperschaft vorliegt, wird der Indikator mit „1“ belegt. Nach RDA [Link]
wird der Name der Körperschaft in der Sprache der Institution erfasst, welche die Daten
erstellt. Wenn der Körperschaftsname in unmittelbarer Form vorliegt, ist „2“ zu erfassen.
Der zweite Indikator ist nicht definiert und bleibt frei.
Feld 110 darf nur einmal belegt werden und ist nicht wiederholbar. Weitere Körperschaf-
ten als geistige Schöpfer werden in Feld 710 erfasst.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 52
Der Titel des Werks ist nach RDA [Link] der Titel, unter dem das Werk bekannt ist. Der
bevorzugte Titel des Werks ist gemäß RDA 6.2.2 ein Kernelement und „der Titel oder
die Titelform, der/die gewählt wird, um das Werk zu identifizieren“ (American Library
Association, Canadian Library Association and CILIP: Chartered Institute of Library and
Information Professionals, 2010, sec. [Link]). Die Erfassung des Werktitels erfolgt im
deutschsprachigen Raum laut RDA [Link] D-A-CH-AWR nur unter bestimmten Bedin-
gungen. Demnach muss der bevorzugte Titel eines Werks nur dann in einem separaten
Datenfeld erfasst werden, wenn er vom Haupttitel der vorliegenden Manifestation ab-
weicht. Sind beide Titel identisch, ist der Haupttitel der Manifestation ebenfalls der be-
vorzugte Titel des Werks.
Sollten der Haupttitel der Manifestation und der bevorzugte Titel voneinander abweichen,
wird als bevorzugter Titel derjenige gewählt, welcher der Originalsprache des Werks ent-
spricht. Dies trifft nach RDA [Link] auf Werke zu, die nach 1500 geschaffen wurden.
Regelungen für Werke, die vor 1500 geschaffen wurden, werden an dieser Stelle nicht
näher erläutert, da der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht auf der Katalogisierung Alter
Drucke38 liegt. Für weiterführende Informationen sei auf Kapitel 5.2 des Buchs Basiswis-
sen Katalogisierung (Wiesenmüller and Horny, 2015, pp. 72–76) verwiesen.
Die Anzeige des bevorzugten Titels im Online-Katalog kann über den ersten Indikator
gesteuert werden. Eine Eintragung von „0“ unterdrückt die Darstellung des Feldes, bei
Eintragung von „1“ wird das Feld angezeigt.
Indikator zwei legt die Anzahl der nicht-sortierenden Zeichen fest, um den Titel vom
ersten ordnungsrelevanten Wort abzutrennen. Beginnt der Titel mit einem Artikel (Der,
Die, Das), ist beispielsweise „4“ einzutragen. Falls der Titel nicht mit einem Artikel be-
ginnt, wird „0“ eingetragen.
38
Als Alte Drucke gelten im GBV Werke, die bis einschließlich 1850 erschienen sind.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 53
Abbildung 26 zeigt die Eintragung in Feld 240 für die deutsche Expression von Stolz und
Vorurteil. Der englische Originaltitel Pride and prejudice gilt in diesem Fall als bevor-
zugter Titel des Werks.
Das Feld enthält aufgeteilt auf verschiedene Unterfelder den Haupttitel nach RDA 2.3.2,
den Titelzusatz beziehungsweise die Titelzusätze nach RDA 2.3.4 sowie die Verantwort-
lichkeitsangabe, die sich auf den Haupttitel bezieht nach RDA 2.4.2. Gemäß RDA [Link]
und der dazugehörigen D-A-CH-AWR wird der Titel stets so übertragen, wie er auf der
Informationsquelle erscheint. Dabei sind die allgemeinen Regeln zum Übertragen nach
RDA 1.7 und den entsprechenden D-A-CH-AWR anzuwenden. Fehler in Titeln von mo-
nografischen Ressourcen, wie beispielsweise falsch geschriebene Wörter, werden laut
RDA 1.7.9 nicht korrigiert. Offensichtliche Fehler in fortlaufenden oder integrierenden
Ressourcen werden jedoch korrigiert (RDA [Link]).
In Unterfeld $a wird der Haupttitel der Ressource übertragen. Er ist ein RDA Kernele-
ment und ein Pflichtfeld in Koha. Bei dem Haupttitel handelt es sich um den bevorzugten
Titel der Ressource (RDA [Link]). Zur Ermittlung wird die bevorzugte Informations-
quelle genutzt.
In Unterfeld $b werden Titelzusätze und Paralleltitel eingetragen. Der Titelzusatz ist ein
RDA Zusatzelement. Es muss mindestens der erste Titelzusatz erfasst werden, weitere
Titelzusätze werden in der Reihenfolge, die durch Abfolge, Layout oder Typografie vor-
gegeben ist, erfasst (RDA [Link]). Unter den Begriff Titelzusatz fallen laut RDA [Link]
Informationen, die mit dem Haupttitel in Verbindung stehen und Charakter, Inhalt, Ziel
oder Motivation der Ressource oder den Anlass der Entstehung oder Veröffentlichung
angeben. Titelzusätze müssen zwingend derselben Informationsquelle entnommen wer-
den wie der Haupttitel der Ressource. Gemäß den Grundregeln des Erfassens wird das
erste Wort des Titelzusatzes klein geschrieben. Für die Groß-/Kleinschreibung ist die je-
weils aktuelle Auflage des Duden. die deutsche Rechtschreibung anzuwenden (D-A-CH-
AWR 1.10.2).
die Sprache, in der der Hauptteil der Ressource erfasst ist. Sind die Anteile gleich groß,
wird der Haupttitel anhand des Layouts und der Reihenfolge ermittelt. Die weiteren Titel
in anderen Sprachen werden als Paralleltitel bezeichnet. Der Paralleltitel ist ein RDA Zu-
satzelement unter bestimmten Bedingungen. Es muss mindestens der erste Paralleltitel
erfasst werden, weitere Paralleltitel werden in der Reihenfolge, die durch Abfolge, Lay-
out oder Typografie vorgegeben ist, erfasst (RDA [Link]). Sofern ein deutscher Parallel-
titel an späterer Stelle vorkommt, ist die Erfassung nach D-A-CH-AWR [Link] verpflich-
tend.
Unterfeld $c enthält nach RDA 2.4.2 die Verantwortlichkeitsangabe, die sich auf den
Haupttitel bezieht. Es handelt sich dabei um ein zwingend zu erfassendes Kernelement.
Eintragungen erfolgen in der Form der Vorlage einschließlich von einführenden und ver-
bindenden Wendungen wie beispielsweise herausgegeben von.
Indikator eins legt fest, ob eine Nebeneintragung unter dem Titel angelegt wird. Der Wert
„0“ wird eingetragen, wenn keine Haupteintragung unter einem 1xx-Feld vorhanden ist.
Sonst wird der Indikator mit dem Wert „1“ belegt (Library of Congress (NDMSO), 2016).
Indikator zwei legt die Anzahl der nicht-sortierenden Zeichen fest, um den Titel vom
ersten ordnungsrelevanten Wort abzutrennen. Beginnt der Titel mit einem Artikel, ist bei-
spielsweise „4“ einzutragen. Falls der Titel nicht mit einem Artikel beginnt, wird „0“
eingetragen (Library of Congress (NDMSO), 2016).
Dieses Feld wird genutzt, um weitere Sucheinstiege unter der Anwendung von RDA 2.3.6
zu erstellen. Die Erfassung abweichender Titel ist ein Zusatzelement im deutschsprachi-
gen Raum nach RDA 2.3.6 D-A-CH-WAR. Es sind die Grundprinzipien zur Erfassung
von Titeln nach RDA 2.3.1 anzuwenden. Der abweichende Titel kann nach RDA [Link]
einer beliebigen Quelle entnommen werden.
Abweichende Titel können beispielsweise Übersetzungen einer anderen Sprache oder ei-
ner anderen Schrift und Änderungen aufgrund neuer Rechtschreibkonventionen sein
(Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 76). Außerdem können für Titel mit aufgelösten Zah-
len weitere Sucheinstiege gebildet werden, siehe dazu Abbildung 28. Der in Feld 245 $a
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 55
erfasste Haupttitel lautet Das 1 x 1 des Qualitätsmanagements, die Zahlen werden in Feld
246 aufgelöst und für die Recherche verfügbar gemacht.
Indikator eins legt fest, ob eine Anmerkung zum Titel nach RDA [Link] angezeigt und
ob eine Nebeneintragung unter dem abweichenden Titel erstellt werden soll. Sofern der
abweichende Titel nur einen weiteren Sucheinstieg darstellt, empfiehlt der Autor die Ein-
tragung von „3“. Dabei wird ein weiterer Sucheinstieg, jedoch keine sichtbare Anmer-
kung erstellt. Wenn der abweichende Titel für die Nutzer im Online-Katalog sichtbar sein
soll, ist „1“ einzutragen. Der zweite Indikator bleibt leer.
Dieses Feld ist ein Kernelement und enthält die Ausgabebezeichnung nach RDA 2.5.2
und die Verantwortlichkeitsangabe, die sich auf die Ausgabe bezieht nach RDA 2.5.4.
Die Ausgabebezeichnung identifiziert durch „ein Wort, ein Zeichen oder eine Gruppe
von Wörtern und/oder Zeichen“ (American Library Association, Canadian Library
Association and CILIP: Chartered Institute of Library and Information Professionals,
2010, sec. [Link]) die Ausgabe, zu der die Ressource gehört.
können. Dieses Feld ersetzt das bisher verwendete Feld 260. Die Veröffentlichungsan-
gabe ist ein Kernelement nach RDA 2.8 und besteht aus Erscheinungsort (RDA 2.8.2),
Verlagsname (RDA 2.8.4) und Erscheinungsdatum (RDA 2.8.6). Die Vertriebsangabe ist
ein Kernelement unter bestimmten Bedingungen nach RDA 2.9 und besteht aus Ver-
triebsort (RDA 2.9.2), Vertriebsname (RDA 2.9.4) und Vertriebsdatum (RDA 2.9.6) und
wird erfasst, wenn kein Erscheinungsvermerk ermittelbar ist. Sollte keine Vertriebsan-
gabe zu ermitteln sein, werden die Elemente der Herstellungsangabe (RDA 2.10) erfasst.
Dazu zählen der Herstellungsort (RDA 2.10.2), Herstellername (RDA 2.10.4) sowie das
Herstellungsdatum (RDA 2.10.6). Dabei handelt es sich ebenfalls um Kernelemente unter
bestimmten Bedingungen.
In Unterfeld $b wird der Verlagsname erfasst. Nach RDA [Link] ist er derselben Infor-
mationsquelle wie der Haupttitel zu entnehmen. Alternativ kann er aus einer beliebigen
Stelle der Ressource erfasst werden. Sollte dies nicht möglich sein, kann er einer anderen
Quelle außerhalb der Ressource entnommen werden, wobei der Name in eckigen Klam-
mern angegeben wird. Falls kein Verlag zu ermitteln ist, wird „[Verlag nicht ermittel-
bar]“ angegeben. In einem neuen Unterfeld $b kann der Vertriebs- oder Herstellername
erfasst werden.
Das Erscheinungsdatum wird in Unterfeld $c erfasst. Es ist nach RDA [Link] derselben
Quelle wie der Haupttitel zu entnehmen. Ein Erscheinungsdatum ist nach RDA [Link]
D-A-CH-AWR immer zu erfassen und kann geschätzt werden. Sollte dies nicht möglich
sein, kann zusätzlich das Copyright-Datum, das Vertriebs- oder das Herstellungsdatum
angegeben werden, wobei die Daten in eckigen Klammern zu erfassen sind.
Durch die Verwendung des zweiten Indikators wird zwischen Veröffentlichungs-, Ver-
triebs- und Herstellungsangabe und einem Copyright-Datum differenziert, wobei die
MARC-Feldbeschreibung noch feingliedriger ist. Es wird zwischen folgenden Funktio-
nen unterschieden: 0 = Produzent, 1 = Verlag, 2 = Lieferant, 3 = Hersteller und 4 = Co-
pyright-Datum.
Dieses Feld vereint mehrere in RDA getrennte Regelwerksstellen und führt sie gemäß
ISBD-Konventionen zusammen.
In Unterfeld $a wird der Umfang der Ressource nach RDA 3.4 erfasst. Angaben zum
Umfang sind ein Kernelement unter bestimmten Bedingungen und können der Ressource
selbst oder einer beliebigen Quelle außerhalb der Ressource entnommen werden. Eine
Umfangsbeschreibung besteht aus Anzahl und Art der Einheiten. Der Umfang von Text
wird nach RDA [Link] in Seiten, Blättern oder Spalten angegeben. Römische Ziffern
werden laut RDA [Link] D-A-CH-AWR vorlagegemäß groß-/kleingeschrieben übertra-
gen.
Unterfeld $b ist für die Erfassung anderer physischer Details, wie beispielsweise der An-
gabe von illustrierendem Inhalt nach RDA 7.15, vorgesehen. Dabei handelt es sich um
ein Zusatzelement für den deutschsprachigen Raum. Die Angabe von illustrierendem In-
halt soll nur erfolgen, wenn die Illustrationen eine Ergänzung des Textes einer Manifes-
tation darstellen. Wenn die Ressource zu überwiegenden Teilen aus Abbildungen besteht,
muss illustrierender Inhalt nicht erfasst werden (RDA [Link] D-A-CH-AWR).
In Unterfeld $c werden Maße gemäß RDA 3.5 erfasst. Maße, das heißt Abmessungen wie
Höhe, Breite, Länge, Tiefe, Spurbreite oder Durchmesser, sind keine Standardelemente
im deutschsprachigen Raum. Ihre Erfassung ist somit fakultativ. Sie werden aufgerundet
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 58
auf den nächsten vollen Zentimeter, dargestellt durch die metrische Einheit cm, angege-
ben (RDA [Link]).
Unterfeld $e enthält Angaben zu Begleitmaterialien nach RDA 3.1.4 und der dazugehö-
rigen D-A-CH-AWR. Die Regelwerksstelle definiert Begleitmaterial als Ressourcen, die
einer anderen Ressource als Ergänzung beigegeben werden. Zuerst wird die Hauptkom-
ponente bestimmt, alle weiteren Komponenten werden als Begleitmaterial erfasst. Das
Begleitmaterial kann denselben oder einen anderen Datenträgertyp als die Hauptkompo-
nente aufweisen. Bei der Erfassung des Inhalts-, Medien- und Datenträgertyps wird das
Begleitmaterial nach RDA [Link]-D-A-CH, [Link] D-A-CH und [Link] D-A-CH nicht
berücksichtigt.39
Der Inhaltstyp ist ein Kernelement nach RDA 6.9 und wird in MARC-Feld 336 erfasst.
Es handelt sich um ein Element der FRBR-Ebene Expression. Er gibt die Form der Kom-
munikation an, in welcher der Inhalt einer Ressource ausgedrückt wird. Es wird damit
beschrieben, durch welchen menschlichen Sinn der Inhalt aufgenommen wird. Begriffe
wie Text, Computerprogramm und unbewegtes Bild können verwendet werden. Dadurch
wird eine Kategorisierung der Ressourcen sowie die Generierung von Facetten und an-
deren Filtermöglichkeiten in Online-Katalogen und Discovery-Systemen ermöglicht.
39
Vgl. dazu die Feldbeschreibungen zu Feld 336, 337 und 338 in diesem Kapitel.
40
Genre/Form Code and Term Source Codes, verfügbar unter: [Link]
list/[Link] [letzter Zugriff: 14.06.2016].
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 59
Framework zugeordnet. Die Bibliothekare können die Terme aus Dropout-Menüs aus-
wählen. Durch dieses Verfahren werden fehlerhafte Eingaben, wie sie durch eine Frei-
texteingabe vorkommen können, ausgeschlossen.
Bei dem Medientyp handelt es sich um ein Zusatzelement für den deutschsprachigen
Raum nach RDA 3.2 D-A-CH-AWR. Die Erfassung erfolgt in MARC-Feld 337. Es han-
delt sich um ein Element der FRBR-Ebene Manifestation.
Der Medientyp gibt die Kategorie des Geräts an, das für die Nutzung der Ressource not-
wendig ist. Einige Beispielbenennungen sind audio, video, Computermedien oder ohne
Hilfsmittel zu benutzen.
41
Ebd.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 60
Der Datenträgertyp ist ein Kernelement nach RDA 3.3 und wird in MARC-Feld 338 er-
fasst. Er ist ein Element der Manifestation und beschreibt das Format des Speichermedi-
ums inklusive dessen Gehäuse in Verbindung mit der Art des Geräts, welches für die
Wiedergabe benötigt wird. Dabei werden Begriffe wie Band, Online-Ressource, Audio-
disk und Videokassette verwendet.
In Unterfeld $b wird der Charakter der Hochschulschrift anhand normierter Begriffe für
den deutschsprachigen Raum gemäß RDA 7.9 D-A-CH-AWR erfasst. Wenn keiner der
Begriffe für die Hochschulschrift zutreffend ist, kann der in der Ressource genannte Be-
griff übernommen werden. Da deshalb in diesem Feld neben normierten Termini die freie
Texteingabe ermöglicht werden muss, wurde die Verwendung von normierten Werten
via Dropout-Menü nicht eingerichtet.
Unterfeld $c enthält den Namen der Hochschule in der Form der Informationsquelle, wo-
bei die Angabe der Fakultät optional ist. In Unterfeld $c wird das Graduierungsjahr als
42
Ebd.
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 61
volles Kalenderjahr eingetragen. Der akademische Grad wird nach RDA 7.9.2 D-A-CH-
AWR nicht erfasst.
Feld 700 – Person oder Familie als 2. und weiterer geistiger Schöpfer, sonstige Per-
sonen oder Familien
Das Feld enthält die Namen von Personen oder Familien als zweite sowie weiterer geis-
tiger Schöpfer nach RDA 19.2 sowie 20.2 und ist ein Kernelement. Für eine Beschreibung
der Unterfelder und Indikatoren wird auf Feld 100 verwiesen, da die Eintragungen iden-
tisch sind.
Feld 710 enthält Körperschaftsnamen von zweiten und weiteren geistigen Schöpfern nach
RDA 19.2 und 20.2 und ist ein Kernelement. Die Belegung des Feldes erfolgt analog zu
Feld 110, weshalb an dieser Stelle keine weiteren Erläuterungen gegeben werden.
In Feld 856 können elektronische Adressen, wie beispielsweise der Uniform Resource
Locator (URL) unter Anwendung der Grundregeln von RDA 4.6 erfasst werden. Liegen
Handlungsempfehlungen für die Katalogisierung mit Koha 62
mehrere URL vor, wird das Feld gemäß der MARC-Feldbeschreibung dupliziert. Es han-
delt sich um ein Zusatzelement für den deutschsprachigen Raum gemäß RDA 4.6 D-A-
CH-AWR.
Eine URL, die allen Nutzern den Zugriff auf eine Ressource ermöglicht, ist ein Merkmal
der Manifestation und wird in der Beschreibung der Manifestation in Feld 856, Unterfeld
$u erfasst. Nicht in diesem Feld erfasst werden URL, die den Zugriff auf eine Ressource
durch individuelle Zugänge nur für bestimmte Anwender ermöglichen (vgl. dazu Ab-
schnitt [Link] der Anwendungsrichtlinien für den deutschsprachigen Raum D-A-CH,
Stand: April 2016, 2016). Dies kommt in der Regel kommt vor, wenn eine elektronische
Ressource durch einen Anbieter (Host) lizenzpflichtig vertrieben wird. Die Angabe ist in
diesen Fällen ein Merkmal des Exemplars und wird im Exemplardatensatz erfasst.
In Unterfeld $u wird die URL eingetragen. Die Belegung von Unterfeld $y ist fakultativ
möglich, wenn anstatt der Internetadresse im Klartext im Online-Katalog ein Verknüp-
fungstext präsentiert werden soll.
Eine Angabe des Media-Types (früher: MIME-Typen)43 kann durch Verwendung von
Unterfeld $q ermöglicht werden. Da die Erfassung laut RDA nicht verpflichtend ist, wur-
den sie in dieser Arbeit nicht berücksichtigt.
Indikator eins gibt an, welche Zugriffsmethode verwendet wird. Da gemäß RDA das Zu-
satzelement URL erfasst werden soll, kann mit „4“ angegeben werden, dass der Zugriff
über das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) erfolgt. Wenn der Zugriff via E-Mail, Tel-
net oder ähnlichem erfolgt, sind die entsprechenden Indikatoren zu nutzen.
Indikator zwei gibt die Beziehung zwischen der Beschreibung der Ressource und der
URL an. Wenn „0“ eingetragen wird, verweist die URL auf die elektronische Ressource,
die auch in dem bibliografischen Datensatz beschrieben ist (zum Beispiel bei E-Books).
„1“ wird eingetragen, wenn das Exemplar der beschriebenen Ressource selbst nicht elekt-
ronisch zugänglich ist, eine elektronische Ressource jedoch an anderer Stelle existiert.
Der Autor weist jedoch darauf hin, dass für die in Beziehung stehende Manifestation eine
separate Beschreibung anzulegen ist. Eine Verlinkung zwischen Print- und Online-Aus-
gabe kann über MARC-Feld 776 (additional physical form) hergestellt werden. Code „2“
43
Siehe dazu [Link] [letzter Zugriff:
14.06.2016, Archived by WebCite® at [Link]
Auswertung der Handlungsempfehlungen 63
Der Zugriff auf das lizenzpflichtige RDA-Toolkit wird in Deutschland durch das D-A-
CH-Konsortium bereitgestellt. Für die Teilnahme als assoziierender Partner wird eine
jährliche Gebühr fällig. Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen, die kein Partner
des Konsortiums sind, haben nur Zugriff auf das Inhaltsverzeichnis und die Anwendungs-
richtlinien für den deutschsprachigen Raum (Arbeitsstelle für Standardisierung, 2015b,
p. 2). Es stellt sich die Frage, wie Organisationen, die keinen Zugriff auf das Regelwerk
haben, Medien regelwerkskonform erfassen sollen. Davon betroffen können kleine Ein-
richtungen, wie Museums- oder Schulbibliotheken sein, die in keinem Bibliotheksver-
bund organisiert sind. Mit Stand Juni 2016 können jedoch keine Veröffentlichungen er-
mittelt werden, die von Problemen dieser Art berichten. Der Autor geht davon aus, dass
die zu entrichtende Gebühr, die für die Teilnahme am Konsortium fällig wird, von den
meisten Einrichtungen getragen werden kann.
manuell angelegt. Hilfreich dafür ist die Definition und Nutzung normierter Werte: diese
können in der Koha-Administration angelegt und anschließend mit den MARC-Unterfel-
dern verknüpft werden. Der Anwender kann bei der Erfassung der Ressourcen aus diesen
vordefinierten Werten auswählen. Der Vorteil liegt darin begründet, dass eine fehlerhafte
freie Texteingabe vollständig ausgeschlossen wird. Die Variante eignet sich jedoch nur
für Anwendungsfälle, bei denen alle Feldinhalte bekannt sind und vordefiniert werden
können.
Es stellt sich die Frage, ob die Verwendung einiger MARC-Indikatoren weiterhin zeitge-
mäß ist. Dies kann an folgendem Beispiel beschrieben werden: Der erste Indikator von
Feld 245 (Titel) legt fest, ob eine Nebeneintragung unter dem Haupttitel angelegt wird
oder nicht. Laut der MARC-Spezifikation des Feldes wird eine Nebeneintragung ange-
legt, wenn kein Feld 1xx (Haupteintragung) vorhanden ist. Dies hat vermutlich zur Ursa-
che, dass MARC in den 1960er Jahren entwickelt wurde und Katalogkarten aus Zettelka-
talogen elektronisch lesbar machen sollte (Furrie, 2009, pt. I). Das bisherige Regelwerk
RAK hat zwischen Verfasser-, Urheber- und Sachtitelwerken unterschieden. Ein Verfas-
serwerk lag aber nur vor, wenn nicht mehr als drei Personen das Werk geschaffen hatten
und es nicht ersichtlich war, welche Personen welchen Textteil verfasst hatte. In den RDA
wird der Begriff der Haupteintragung jedoch nicht mehr verwendet (Wiesenmüller,
2015). Stattdessen werden nach RDA 8.1.4 Sucheinstiege für Personen und Werke gebil-
det und die geistigen Schöpfer erfasst. Ferner werden die Feldinhalte in Koha über den
Zebra-Index indiziert und somit für das Retrieval verfügbar gemacht. Deshalb kann be-
zweifelt werden, ob die Erstellung von Nebeneintragungen durch den Einsatz von Indi-
katoren weiterhin sinnvoll ist.
Bibliotheken, die Koha als integriertes Bibliothekssystem einsetzen und Ressourcen bis-
her nach den RAK oder AACR2 erfassen, können problemlos auf RDA umstellen. Zur
Unterscheidung der Datensätze, die nach dem bisherigen und neuen Regelwerk erfasst
wurden, dient eine Eintragung in MARC-Feld 041. Dadurch wird zusätzlich eine an-
schließende Selektion der Datensätze ermöglicht.
Die Koha-Datenstruktur entspricht den Vorgaben, die das Format MARC 21 an Biblio-
thekssysteme stellt. Dabei entspricht die Bedeutung der Felder, Unterfelder und Indika-
toren den Konventionen der MARC-Feldbeschreibungen der LoC. Durch Nutzung der
Koha-MARC-Frameworks können für jeden Anwendungsbereich individuelle Katalogi-
sierungsmasken erstellt werden. Wie in dieser Arbeit gezeigt wurde, lassen sich die Feld-
und Unterfeldbezeichnungen umbenennen und an die Terminologie eines neuen Regel-
werks anpassen.
Schwierigkeiten ergeben sich aus dem Alter des Datenformates. Die Grundlagen von
MARC wurden bereits zehn Jahre, bevor Peter Chen 1975 das ERM vorstellte, entwickelt
(Thomale, 2010). Deshalb soll an dieser Stelle ein Ausblick auf die Zukunft der biblio-
thekarischen Metadatenformate gegeben werden.
Die Bedeutung von MARC nimmt seit dem Ende des Kartenkatalogs ab, da sich der Auf-
bau des Formats seit den 1960er Jahren an den früheren Zettelkatalogen und nicht an den
bibliografischen Elementen orientiert. Daher können die Vorteile von RDA mit MARC
21 nicht vollständig realisiert werden (Wiesenmüller and Horny, 2015, p. 23 f.). Für eine
kritische Betrachtung des Formats sei auf Tennant (2002) und Thomale (2010) verwiesen.
Beide Autoren kommen zu dem Schluss, dass im 21. Jahrhundert ein neues, an fortschritt-
lichen Datenmodellen orientierendes Datenformat benötigt wird. Bereits seit mehreren
Jahren existieren Bestrebungen, neue Formate für bibliografische Daten zu entwickeln
und zu etablieren.
Im Jahr 2011 wurde an der LoC die Bibliographic Framework Initiative (BIBFRAME)
mit dem Ziel gestartet, ein Nachfolgeformat für MARC zu entwickeln. Damit soll lang-
fristig der Datenaustausch zwischen Informationseinrichtungen und anderen Organisati-
onen ermöglicht und vereinfacht werden (Meßmer and Müller, 2015, p. 349).44 Nach einer
44
Einen Einstieg in das Thema Linked Open Data in der Bibliothekswelt liefern Pohl und Danowski
(2014).
Fazit und Ausblick 66
Anhang
Anhang 1
Felder Beschreibung Indikator Indikator 2 Unterfelder RDA Regel-
Fel Feldbezeichnung R/ 1 Unterfeld Beschreibung R/ werksstelle
d NR NR
020 Internationale Standard- R Identifikator der Leer Leer $a – ISBN Gültige ISBN ohne NR 2.15
buchnummer (ISBN) Manifestation Bindestriche [Link] D-A-
$9 – ISBN mit Bindestrichen Gültige ISBN mit NR CH
Bindestrichen
$c – Bezugsbedingungen Preis der Ressource NR
$q – Nähere Angaben Details der Bindeart R
der Ressource
$z – formal falsche ISBN In der Ressource ge- R
nannte falsche ISBN
022 Internationale Standard- R Identifikator der Leer Leer $a – ISSN Gültige ISSN mit NR 2.15
seriennummer (ISSN) Manifestation Bindestrichen
0 – es liegt
keine
Überset-
zung des
Werks vor
1 – es liegt $h Sprachcode der Ori- R
eine Über- ginal- und/oder Zwi-
setzung schenübersetzung des
des Werks Textes
vor
100 Person oder Familie als NR 1. geistiger Schöpfer 0 – Vor- Leer $a - Personenname 1. geistiger Schöpfer NR 9.3
1. geistiger Schöpfer der Ressource name in Form des bevor- 9.3 D-A-CH
Nachname zugten Namens 9.19.1
1 – Nach- $d – Datumsangaben in Verbin- Datum, das mit der NR 10.4
name, Vor- dung mit einem Namen Person oder Familie [Link] D-A-
name in Verbindung steht CH
2 - Fami- $e – Funktionsbezeichnung Beziehungskenn- R 19.2
lien-/Dy- zeichnung [Link] D-A-
nastiename $4 – Funktionsbezeichnungs- Code der Bezie- R CH
code hungskennzeichnung
110 Körperschaft als 1. geis- NR 1. geistiger Schöpfer 0 – Perso- Leer $a – Körperschafts- oder Ge- 1. geistiger Schöpfer NR [Link]
tiger Schöpfer der Ressource nenname bietskörperschaftsname in Form des bevor- 11.13.1
invertiert zugten Namens 19.2
1 – Name $b – Untergeordnete Körper- Bezeichnung der un- R
einer Ge- schaft tergeordneten Kör-
bietskör- perschaft
perschaft
2 – Sonsti- $e – Funktionsbezeichnung Beziehungskenn- R
ger Name zeichnung
in unmit- $4 – Funktionsbezeichnungs- Code der Bezie- R
telbarer code hungskennzeichnung
Form
240 Bevorzugter Titel des NR Titel oder die Titel- 0 – Unter- Anzahl der $a – Bevorzugter Titel des Werk Titel oder die Titel- NR 0.6.6
Werks form, die das Werk drückung nicht-sortie- form, die das Werk [Link]
identifiziert im OPAC renden Zei- identifiziert 6.2.2
1 – Dar- chen [Link]
stellung im [Link] D-A-
OPAC CH
Anhang 69
245 Haupttitel, Titelzusatz, NR Haupttitel, Titelzu- 0 – Feld Anzahl der $a – Haupttitel Bevorzugter Titel der NR 2.3
Verantwortlichkeitsan- satz beziehungs- 1xx nicht nicht-sortie- Ressource 2.4
gabe weise die Titelzu- vorhanden renden Zei-
sätze sowie die 1 – Feld chen $b – Titelzusatz Titelzusätze oder Pa- NR
Verantwortlichkeits- 1xx vor- ralleltitel
angabe, die sich auf handen $c - Verantwortlichkeitsangabe Verantwortlichkeits- NR
den Haupttitel be- angabe, die sich auf
zieht den Haupttitel bezieht
in der Form der Vor-
lage
246 Abweichender Titel R Erstellung weiterer 1 – Dar- Leer $a – Haupttitel Weiterer Suchein- NR 2.3
Sucheinstiege stellung im stieg des bevorzugten [Link]
OPAC Titels der Ressource
3 – Unter- $b – Titelzusatz Weiterer Suchein- NR
drückung stieg des Titelzusat-
im OPAC zes oder des Paral-
leltitels
250 Ausgabebezeichnung R Wörter oder Zei- Leer Leer $a – Ausgabebezeichnung Ausgabebezeichnung NR 2.5
chen, die die Aus- in Form der Vorlage
gabe identifiziert, zu $b – Zusatz zur Ausgabebe- Verantwortlichkeits- NR
der die Ressource zeichnung angabe, die sich auf
gehört die Ausgabe bezieht
264 Produktion, Veröffentli- R Erscheinungsort, # – keine 0 – Produ- $a – Herstellungs-, Veröffentli- Erscheinungs-, Ver- R 2.7
chung, Distribution, Her- Verlagsname und Angabe zent chungs-, Vertriebs-, Erzeu- triebs- oder Herstel- 2.8
stellung und Urheber- Erscheinungsdatum gungsort lungsort 2.9
rechtsvermerk 2 – frühere 1 – Verlag $b – Produzent, Herausgeber, Verlags-, Vertriebs- R 2.10
Veröffent- Distributor, Herstelle oder Herstellername
lichungs-
angabe
3 – aktu- 2 – Liefe- $c – Datum der Herstellung, der Erscheinungs-, Ver- R
elle Veröf- rant Veröffentlichung, des Vertriebs triebs-, Hersteller- o-
fentli- 3 – Herstel- oder des Urheberschutz der Copyright-Datum
chungsang ler
abe 4 – Copy-
right-Datum
300 Physische Beschreibung R Umfang, andere Leer Leer $a – Umfang Umfangsangabe in R 3.1
physische Details, Anzahl und Art der 3.4
Einheiten 3.5
Anhang 70
Maße und Begleit- $b – Andere physische Details Zum Beispiel Angabe NR 7.15
material von illustrierendem
Inhalt
$c – Maße Erfassung der Ab- R
messungen der Res-
source
$e – Begleitmaterial Ergänzung der NR
Hauptressource
336 Inhaltstyp R Form der Kommuni- Leer Leer $2 – Quelle Code des verwende- NR 6.9
kation, in welcher ten normierten Voka-
der Inhalt der Res- bulars
source ausgedrückt $a – Inhaltstypterm Inhaltstypterm gemäß R
wird der normierten Ter-
minologie im
deutschsprachigen
Raum
$b – Inhaltstypcode Inhaltstypcode gemäß R
der normierten Ter-
minologie im
deutschsprachigen
Raum
337 Medientyp R Kategorie des Ge- Leer Leer $2 – Quelle Code des verwende- NR 3.2
räts, das für die Nut- ten normierten Voka-
zung der Ressource bulars
notwendig ist $a – Bezeichnung des Medien- Bezeichnung des Me- R
typs dientyps gemäß der
normierten Termino-
logie im deutschspra-
chigen Raum
$b - Medientypcode Medientypcode ge- R
mäß der normierten
Terminologie im
deutschsprachigen
Raum
338 Datenträgertyp R Format des Spei- Leer Leer $2 – Quelle Code des verwende- NR 3.3
chermediums und ten normierten Voka-
die Art des Geräts, bulars
welches für die $a – Datenträgertypterm Datenträgertypterm R
Wiedergabe benö- gemäß der normierten
tigt wird Terminologie im
Anhang 71
deutschsprachigen
Raum
$b - Datenträgertypcode Datenträgertypcode R
gemäß der normierten
Terminologie im
deutschsprachigen
Raum
502 Hochschulschriftenver- R Angaben zum Hoch- Leer Leer $b – Art des Abschlusses Charakter der Hoch- NR 7.9
merk schulschriftenver- schulschrift anhand 7.9 D-A-CH
merk normierter Begriffe
für den deutschspra-
chigen Raum
$c – Name der Institution, die Name der Hoch- NR
den akademischen Grad verleiht schule in Form der
Informationsquelle
$d - Graduierungsjahr Graduierungsjahr als NR
volles Kalenderjahr
700 Person oder Familie als R 2. und weitere geis- 0 – Vor- Leer $a – Personenname 2. und weitere geis- NR 19.2
2. und weiterer geistiger tiger Schöpfer der name tige Schöpfer in Form 20.2
Schöpfer, sonstige Perso- Ressource Nachname des bevorzugten Na-
nen oder Familien mens
1 – Nach- $d – Datumsangaben in Verbin- Datum, das mit der NR
name, Vor- dung mit einem Namen Person oder Familie
name in Verbindung steht
2 – Fami- $e – Funktionsbezeichnung Beziehungskenn- R
lien-/Dy- zeichnung
nastiename $4 – Funktionsbezeichnungs- Code der Bezie- R
code hungskennzeichnung
710 Körperschaft als 2. geis- R 2. und weitere geis- 0 – Perso- Leer $a – Körperschafts- oder Ge- 2. und weitere geisti- NR 19.2
tiger Schöpfer tiger Schöpfer der nenname bietskörperschaftsname ger Schöpfer in Form 20.2
Ressource invertiert des bevorzugten Na-
mens
1 – Name $b – Untergeordnete Körper- Bezeichnung der un- R
einer Ge- schaft tergeordneten Kör-
bietskör- perschaft
perschaft
2 – Sonsti- $e – Funktionsbezeichnung Beziehungskenn- R
ger Name zeichnung
$4 – Funktionsbezeichnungs- Code der Bezie- R
code hungskennzeichnung
Anhang 72
in unmit-
telbarer
Form
856 Elektronische Adresse R Erfassung der URL # - keine # - keine $u – URL Eintragung der URL NR 4.6
und Zugriff Angabe Angabe
0 – E-Mail 0 - Res- $y – Verknüpfungstext Anzeige eines indivi- NR
source duellen Textes statt
1 – FTP 1 – andere der URL im OPAC
Version der
Ressource
2 – Telnet 2 – ver-
3 – Dial-up wandte Res-
4 – HTTP sourcen
7 – spezi-
elle Me-
thode in
Unterfeld
$2
Anhang 2
Gruppe der bibliografischen Beschrei- MARC- Deskriptionszei- Deskriptionszeichen ausgeschrie-
bung Feld chen ben Beispiel
Gruppe 1: Titel- und Verantwortlichkeitsangabe
Haupttitel 245 $a : Spatium Doppelpunkt Handbuch Hochschulbibliothekssysteme :
Titelzusatz 245 $b / Spatium Schrägstrich leistungsfähige Informationsinfrastrukturen /
Verantwortlichkeitsangabe 245 $c . Punkt hrsg. von Constanze Söllner.
Gruppe 2: Ausgabevermerk
Ausgabebezeichnung 250 $a . Punkt 1. Aufl.
Gruppe 4: Erscheinungsvermerk
Erscheinungsort 260 $a : Spatium Doppelpunkt Berlin :
Verlagsname 260 $b , Komma Spatium De Gruyter,
Erscheinungsdatum 260 $c . Punkt 2014.
Gruppe 6: Gesamttitelangabe
Haupttitel des Gesamtwerks 490 $a ; Spatium Semikolon Reference ;
Bandnummer 490 $e 4
Gruppe 7: Anmerkungen
Zusätzliches Online-Angebot unter [Link]-
Allgemeine Anmerkung 500 $a . Punkt [Link]
Gruppe 8: Standardnummern
ISBN 020 $a 9783462045734
ISSN 022 $a 1436-7689
Literaturverzeichnis 74
Literaturverzeichnis
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(Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 247).
Literaturverzeichnis 79
Eidesstattliche Erklärung
Ich versichere hiermit an Eides statt, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit mit dem
Titel Katalogisierung mit dem Open-Source-Bibliothekssystem Koha – unter Berücksich-
tigung des Metadatenstandards MARC 21 und dem Regelwerk RDA erstmalig, selbststän-
dig und ohne fremde Hilfe verfasst habe.
Die eingereichte PDF-Datei ist mit den Printexemplaren identisch. Alle Stellen der Ar-
beit, die wörtlich oder sinngemäß aus fremden Quellen, auch aus dem Internet (inkl. Ta-
belle, Grafiken u. ä.) entnommen wurden, sind als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit
wurde bisher in gleicher oder ähnlicher Form in keinem anderen Modul der Bachelor-
Studiengänge am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam
als Leistung vorgelegt oder an anderer Stelle veröffentlicht. Ich bin mir bewusst, dass
eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben wird.
(Felix Hemme)