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Physik

Das Dokument erklärt die Kräfte, die auf eine Hängematte, die Seile und die Bäume wirken. Es werden die vertikale, horizontale und schräg wirkende Kraft bei verschiedenen Abspannwinkeln berechnet und in einer Tabelle dargestellt. An einem Beispiel wird veranschaulicht, dass ein zu straffes Aufspannen zu einer Überlastung der Seile führen kann.

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Tonio Kröger
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Das Dokument erklärt die Kräfte, die auf eine Hängematte, die Seile und die Bäume wirken. Es werden die vertikale, horizontale und schräg wirkende Kraft bei verschiedenen Abspannwinkeln berechnet und in einer Tabelle dargestellt. An einem Beispiel wird veranschaulicht, dass ein zu straffes Aufspannen zu einer Überlastung der Seile führen kann.

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Welche Kräfte wirken auf Hängematte, Seile und Bäume?

Das ist unsere himmelblaue Hängematte zwischen zwei Bäumen. Der grüne Pfeil
symbolisiert unser Gewicht. Die Gewichtskraft ist senkrecht nach unten gerichtet.

Doch halt! Hier fehlt noch was! Die Aufhängung! Ohne sie würden wir ganz schnell nach
unten stürzen.

ZL ZR

Die Gewichtskraft (G) zieht an der Aufhängung und zwar links (ZL) und rechts (ZR). Wir
können im Folgenden die grün dargestellte Gewichtskraft durch die blau dargestellten
Zugkräfte ersetzen. Die Wirkung bleibt dieselbe.

HL
VL
ZL ZR

Die Aufhängung zieht am Baum. Wenn der Baum stabil genug ist, leitet er die Kräfte in den
Boden weiter. So, jetzt hängen wir sicher.
Eigentlich könnten wir jetzt aufhören zu lesen und uns stattdessen am sanften Wiegen der
Hängematte erfreuen. Also dann, Tschüß!

Aber was sind das für rote Pfeile? Was bedeuten die Buchstaben V und H?
Neugierig geworden? Okay, lesen wir weiter. Aber Vorsicht, jetzt wird es wissenschaftlich!
Wie wir vorher die Gewichtskraft durch die wirkungsgleichen Zugkräfte ersetzt haben, so
kann man auch die auf den Baum wirkende Zugkraft in ihre vertikale (V) und horizontale (H)
Komponente zerlegen. Die äußere Wirkung bleibt dabei gleich. Es ist schließlich egal, ob
der Baum nach unten und gleichzeitig nach innen gezogen wird oder ob man ihn schräg
nach innen unten zieht.

Warum zerlegen wir die Kraft überhaupt?


Die vertikale, senkrecht nach unten gerichtete Kraft kann am Baum kaum Schaden
anrichten. Die horizontal wirkende Kraft hingegen kann den Baum aus dem Lot bringen und
ihn sogar entwurzeln, wenn sie zu groß wird. Wir sind doch aber keine Holzfäller, sondern
Hängemattengenießer, oder?
Auch die in der Abspannung wirkende Kraft sollte nicht zu groß werden. Anderenfalls
zerreißt unser Seil und wir landen unsanft auf dem Boden. Es wäre doch toll, die Größe
dieser Kräfte berechnen zu können. Dann könnten wir auf wissenschaftlicher Basis die
Entscheidung treffen, ob es gefährlich wird, die Hängematte zu entern.

Als Ausgangsdaten benötigen wir:


1. Das Gewicht des Hägemattensystems, also nicht nur die paar Gramm, die die
Hängematte wiegt, sondern auch alle Gewichte, die in und an ihr hängen. Der größte
Brocken sind wir selber. Hängt vielleicht noch ein schwerer Rucksack an der
Abspannung? Schlafsack, Buch, Cocktailglas, Sonnenbrille und sonstige
Leichtgewichte können wir dann schon fast vernachlässigen.
2. Den Abspannwinkel. Tja, ein Winkelmesser wäre gut. Aber wir wollen es nicht gleich
übertreiben und geben uns mit einer Schätzung zufrieden.
Kleiner Tip: Wenn wir mit der Hand eine Pistole darstellen (Zeigefinger waagerecht,
Daumen senkrecht nach oben abgespreizt), dann bilden der Zeigefinger und die
Linie Zeigefingerspitze-Daumenspitze ungefähr einen Winkel von 30°.
3. Die Reißfestigkeit der Hängematte bzw. der Aufhängung. Wir benötigen den
kleineren der beiden Werte. Diese Angaben sind am schwierigsten zu beschaffen.

Im folgenden erfahren wir, wie es geht. Wem das Kleingedruckte zu kompliziert ist: Die
Ergebnisse sehen wir dann in Tabellenform.
Zur Vereinfachung gehen wir davon aus, dass die Zugkraft in der linken (ZL) und rechten Aufhängung (ZR) gleich groß ist. Wir müssen
dann nur eine Seite betrachten.
Die vertikale Komponente V ist links und rechts jeweils halb so groß wie die Gewichtskraft G.
VL = VR = 1/2 * G
Die Größe der vertikalen Kraft (V) interessiert uns eigentlich weniger, da sie ja nur den Baum nach unten drückt. Sie ist aber die
Grundlage für die Berechnung der horizontalen (H) und der schräg wirkenden Kraft (Z).
Die Größe der horizontalen Kraft und der Kraft in der Abspannung hängt vom Abspannwinkel ab.

V Z

α
Da es sich hier um ein rechtwinkliges Dreieck handelt, helfen uns die Winkelfunktionen bei der Berechnung weiter.
HL = HR = (1 / tan α) * V
ZL = ZR = (1 / sin α) * V
Wenn wir jetzt noch den oben ermittelten Wert für V in die Gleichungen einsetzen, bekommen wir
V=1/2*G
H = 1 / (2 tan α) * G
Z = 1 / (2 sin α) * G

Nun geht’s aber wieder mit dem Großgedruckten weiter. Die vertikale, die horizontale und
die Zugkraft in der Abspannung berechnet sich jeweils aus einem Faktor, multipliziert mit
dem Gewicht des Hängemattensystems.
Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich den Umrechnungsfaktor einmal in Tabellenform
dargestellt.

Winkel Faktor für Faktor für Faktor


in ° die die für
vertikale horizontale die Last
Last Last im Seil
90 0,500 0,000 0,500
80 0,500 0,088 0,508
70 0,500 0,182 0,532
60 0,500 0,289 0,577
50 0,500 0,420 0,653
40 0,500 0,596 0,778
30 0,500 0,866 1,000
20 0,500 1,374 1,462
10 0,500 2,836 2,879
5 0,500 5,715 5,737
2 0,500 14,318 14,327
1 0,500 28,645 28,649
0 0,500 ∞ ∞

Und? Was bringt uns das jetzt?

Fanny Federleicht (40 kg) und Bernd Bierbauch (120 kg) machen Urlaub am Palmenstrand.
Der Hotelpage hat schon zwei Hängematten aufgespannt, eine straff mit 10°, die andere
durchhängend mit 40°. Die Abspannseile halten jeweils 100 kg aus.
Fanny will sich in die straff gespannte Matte legen, Bernd nimmt die andere. Geht das gut?
Bernd, sei vorsichtig! Das Seil hält nur 100 kg und du wiegst 120!

Na, schon erraten, wer auf dem Boden landet?

Genau. Es ist die federleichte Fanny. Warum denn das?


Wir schauen in die letzte Spalte der Tabelle. Für 10° beträgt der Faktor für die Last im Seil
2,879. Wir multiplizieren daher Fannys 40 kg mit dem Faktor und erhalten rund 115 kg.
Autsch! Das Seil reißt.
Bernd mit seinen 120 kg und dem Faktor von 0,778 bei 40° kommt nur auf eine Last von
etwa 93 kg. Das 100 kg-Seil hält.

Bernd Fanny
Wir können anhand der Zahlen in der Tabelle erkennen, dass der Abspannwinkel keinen
Einfluss auf die sowieso schon unproblematische senkrechte Belastung des Baumes hat.
Die vertikale Last beträgt auf jeder Seite die Hälfte der Gewichtskraft.

Ein kleinerer Abspannwinkel (strafferes Spannen) lässt jedoch die kritischen Kräfte
(Querbelastung des Baumes und Zugkraft im Seil) ansteigen. Während bei dem üblichen
Abspannwinkel von 30° die Zugkraft in jedem der Abspannseile der Gewichtskraft der
„gefüllten“ Hängematte entspricht, so beträgt sie bei einem Winkel von 1° schon das 28-
fache.
Wenn also die Gesamtmasse von Hängematte, Schlafsack, „Insasse“ und an die
Hängematte gehängtem Rucksack 100 kg beträgt, dann wird bei 1° Abspannwinkel jedes
der beiden Abspannseile mit 2,8 Tonnen belastet!
Okay, moderne Seile z.B. aus Dyneema können das eventuell aushalten. Aber verträgt das
auch die Zaunsäule oder das dünne Bäumchen, an das man sich gehängt hat?
Was ist mit der Hängematte selbst? Rein physikalisch gesehen ist sie nur die Verlängerung
der Aufhängeseile. Zu hohe Last nimmt das Material übel.
Also, Vorsicht beim straffen Aufspannen! Sonst geht es selbst bei der federleichten Fanny
ganz schnell Ratsch, Knack, Bumm und Aua!

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