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Das Dokument beschreibt die anhaltende Trauerstörung (ATS). Die ATS zeigt ein eigenes Symptomcluster und wird voraussichtlich als eigenständige Diagnose in die ICD-11 aufgenommen. Die ATS ist von Depression und PTBS abgrenzbar, zeigt jedoch teilweise Überlappungen in den Symptomen. Das Dokument beschreibt Diagnosekriterien, Prävalenz, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten der ATS.

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PGD5

Das Dokument beschreibt die anhaltende Trauerstörung (ATS). Die ATS zeigt ein eigenes Symptomcluster und wird voraussichtlich als eigenständige Diagnose in die ICD-11 aufgenommen. Die ATS ist von Depression und PTBS abgrenzbar, zeigt jedoch teilweise Überlappungen in den Symptomen. Das Dokument beschreibt Diagnosekriterien, Prävalenz, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten der ATS.

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Kategorie D und damit auch für andere
Anhaltende Trauerstörung
Ärztekammern anerkennungsfähig. Es
werden 3 Punkte vergeben.

Anerkennung in Österreich Zusammenfassung


Gemäß Diplom-Fortbildungs-
Programm (DFP) werden die auf Trauer ist eine natürliche Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person und ih-
[Link] erworbenen re Intensität lässt in der Regel mit der Zeit nach. Bei ca. 10 % der Hinterbliebenen persis-
Fortbildungspunkte von der tiert die Symptomatik jedoch und eine anhaltende Trauerstörung (ATS) resultiert. Die ATS
Österreichischen Ärztekammer 1:1 als
weist ein eigenes Symptomcluster auf und wird aller Voraussicht nach als eigenständige
fachspezifische Fortbildung angerechnet
(§26(3) DFP Richtlinie). Diagnose in die 11. Revision der International Statistical Classification of Diseases and Re-
lated Health Problems (ICD-11) aufgenommen. Differenzialdiagnostisch ist sie von ande-
Kontakt ren psychischen Störungen abgrenzbar. Symptomüberschneidungen finden sich vor allem
Springer Medizin Kundenservice
zur Depression und posttraumatischen Belastungsstörung. Neben den Diagnosekriterien
Tel. 0800 77 80 777
E-Mail: kundenservice@[Link] und der Differenzialdiagnostik werden im vorliegenden Artikel Prävalenzraten, Komorbi-
ditäten, Risikofaktoren sowie Behandlungsmöglichkeiten der ATS dargestellt.
Schlüsselwörter
Verlust · Pathologische Trauer · Depression · Posttraumatische Belastungsstörung · Behand-
lungsmöglichkeiten

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Lernziele
Nach der Lektüre dieses Beitrages soll der Leser ...
4 die anhaltende Trauerstörung erkennen und
4 diese differenzialdiagnostisch von anderen Störungen abgrenzen können,
4 wissen, welche diagnostischen Verfahren angewandt werden und
4 welche therapeutischen Maßnahmen hilfreich sind.

Trauer ist eine normale emotionale Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person und
damit nicht per se pathologisch. Sie dient dazu, sich an die neue und unwiderruflich veränderte
Die Intensität der Trauer lässt in Lebenssituation anzupassen. Gelingt diese Anpassung, so lässt die Intensität der Trauer in der
der Regel innerhalb der ersten Regel innerhalb der ersten 6 Monate nach. Hinterbliebene können sich nach einiger Zeit wieder
6 Monate nach ihrem Alltag und ihren sozialen Beziehungen zuwenden und den Verlust integrieren. Bei einigen
Hinterbliebenen kommt es jedoch zu Störungen im Trauerprozess, wodurch die Symptomatik per-
sistiert und eine pathologische Trauerreaktion – die anhaltende Trauerstörung (ATS) – resultieren
kann.

Diagnosekriterien der anhaltenden Trauerstörung


Bereits 1993 forderten Horowitz und Kollegen dazu auf, die pathologische Trauer als eigenständige
Diagnose indie Klassifikationssysteme aufzunehmen, da diese eineigenes Symptomclusteraufweise
und damit von anderen psychischen Störungen abzugrenzen sei [1]. In den darauffolgenden Jahren
Für „pathologische Trauer“ exis- stieg die Zahl empirischer Studien zur pathologischen Trauer deutlich an, wobei verschiedene
tieren verschiedene Begriffe: Begriffe in der Literatur (z. B. pathologisch, traumatisch, prolongiert/anhaltend oder kompliziert)
pathologisch, traumatisch, prolon- verwendet wurden. In der internationalen Literatur hat sich lange Zeit die komplizierte Trauer als
giert/anhaltend, kompliziert „complicated grief “ etabliert. Neuere Studien empfehlen jedoch den Gebrauch der prolongierten
bzw. anhaltenden Trauer („prolonged grief “; [2]).
Derzeit gibt es aus verschiedenen Arbeitsgruppen unterschiedliche Vorschläge zu den Dia-
Im DSM-5 wurde die ATS als an- gnosekriterien der ATS. In der aktuellen 5. Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of
haltende komplexe Trauerreaktion Mental Disorders (DSM-5) wurde die ATS als anhaltende komplexe Trauerreaktion („persistent
aufgenommen complex bereavement disorder“) in Sektion III unter „Klinische Erscheinungsbilder mit weiterem
Forschungsbedarf “ aufgenommen [3]. In der derzeitigen 10. Revision der International Statistical
Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD-10) wird die ATS nicht gesondert
aufgeführt. In der Praxis wird oftmals eine Anpassungsstörung (F43.2), eine anhaltende affektive
Störung, nicht näher bezeichnet (F34.9) oder eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS,
In die kommende ICD-11 soll die F43.1) kodiert. In die kommende 11. Revision der ICD wird die ATS als eigenständige Diagnose
ATS als eigenständige Diagnose aufgenommen. Der ursprüngliche Vorschlag zu den Kriterien der ATS von Prigerson und Kollegen
aufgenommen werden [4] diente dabei als Grundlage, wurde jedoch gekürzt und um das Kriterium der Schuldgefühle
erweitert. Die Kriterien beider Klassifikationssysteme (DSM und ICD) listet . Tab. 1 auf.

Prolonged grief disorder


Abstract
Grief is a natural response to the loss of a loved one and its intensity usually lessens over time. Ap-
proximately 10% of bereaved persons, however, experience persistent symptoms resulting in the
development of a prolonged grief disorder (PGD). A PGD shows a distinct symptom cluster and
is considered for inclusion as a diagnosis in the upcoming revision of the International Statistical
Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD-11). It is distinct from other mental
disorders but symptoms overlap, especially with major depression and posttraumatic stress disor-
der. In addition to diagnostic criteria and differential diagnosis, the following article also describes
prevalence rates, comorbidities, risk factors as well as treatment options for PGD.

Keywords
Bereavement · Pathological grief · Depression · Posttraumatic stress disorder · Treatment options

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Tab. 1 Diagnosekriterien der anhaltenden Trauerstörung nach ICD-11 und DSM-5


Anhaltende Trauerstörung Anhaltende komplexe Trauerreaktion (DSM-5) [3]
(ICD-11) [5]
A. Ereignis: Trauerfall (Verlust eines Partners, Elternteils, A. Die Person hat vor mind. 12 Monaten (bei Kindern vor mind. 6 Monaten) den Tod
Kindes oder einer anderen nahestehenden Person) einer Person erlebt, zu der eine enge Beziehung bestand
B. Anhaltende und durchdringende Trauerreaktion B. Seit dem Todesfall tritt an mehr als der Hälfte der Tage mindestens eines der
charakterisiert durch: Sehnsucht nach dem Verstorbenen folgenden Symptome in klinisch bedeutsamer Ausprägung auf:
oder anhaltende Beschäftigung mit dem Verstorbenen 1. Fortbestehende Sehnsucht/Verlangen nach dem Verstorbenen
2. Intensive Sorge und emotionaler Schmerz als Reaktion auf den Todesfall
3. Gedankliches Verhaftetsein mit dem Verstorbenen
4. Übermäßige Beschäftigung mit den Umständen des Todesfalles
C. Symptome aus B werden begleitet von intensivem C. Seit dem Todesfall treten an mehr als der Hälfte der Tage mindestens sechs der
emotionalem Schmerz, z. B.: folgenden Symptome in klinisch bedeutsamem Ausmaß auf:
1. Traurigkeit Durch den Todesfall hervorgerufene Belastungen
2. Schuldgefühle 5. Beträchtliche Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren
3. Ärger 6. Unglaube oder emotionale Taubheit über den Verlust
4. Verleugnung 7. Schwierigkeiten, positive Erinnerungen an den Verstorbenen zuzulassen
5. Schuldzuweisung 8. Bitterkeit oder Ärger über den Verlust
6. Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren 9. Dysfunktionale Bewertungen der eigenen Person in Bezug auf den Verstorbenen oder
seinen Tod (z. B. Selbstvorwürfe)
7. Das Gefühl, einen Teil des eigenen Selbst verloren zu 10. Übermäßiges Vermeiden von Erinnerungen an den Verlust (z. B. Vermeidung von
haben Personen, Plätzen oder Situationen, die mit dem Verstorbenen verbunden werden)
8. Unfähigkeit positive Stimmung zu erleben Soziale und Identitätsprobleme
9. Emotionale Taubheit 11. Der Wunsch zu sterben, um bei dem Verstorbenen zu sein
10. Schwierigkeiten, sich auf soziale oder andere 12. Schwierigkeiten, anderen Personen seit dem Todesfall zu vertrauen
Aktivitäten einzulassen 13. Sich seit dem Todesfall einsam oder von anderen Personen abgetrennt fühlen
14. Das Gefühl haben, dass das Leben ohne den Verstorbenen sinnlos oder leer ist, oder
den Glaube, dass man nicht mehr ohne den Verstorbenen funktionieren kann
15. Verunsicherung über die eigene Rolle im Leben oder eine verminderte Wahrneh-
mung der eigenen Identität (z. B. das Gefühl, dass ein Teil von einem selbst mit dem
Verstorbenen gestorben ist)
16. Schwierigkeiten oder Widerwillen, seit dem Verlust Interessen zu verfolgen oder
Zukunftspläne zu entwickeln (z. B. Freundschaften, Aktivitäten)
D. Die Trauerreaktion persistiert für eine atypisch lang- D. Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträch-
anhaltende Periode (mindestens 6 Monate) und über- tigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen
steigt die erwartbaren sozialen, kulturellen oder religi-
ösen Normen der Kultur und des Kontextes des Indivi-
duums deutlich. Langanhaltende Trauerreaktionen, die
in Anbetracht des kulturellen und religiösen Kontextes
der Person einer normativen Trauerperiode entspre-
chen, werden als normale Trauerreaktionen betrachtet
und erhalten keine Diagnose
E. Die Einschränkungen verursachen signifikante Be- E. Die Trauerreaktion ist unverhältnismäßig oder nicht kongruent mit kulturellen,
einträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, religiösen oder altersentsprechenden Normen
ausbildungsbezogenen, beruflichen oder anderen wich-
tigen Funktionsbereichen
DSM-5 „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders 5“, ICD-11 „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems 11“

Einen wesentlichen Unterschied zwischen den Klassifikationssystemen (DSM-5 und ICD-11) Einen wesentlichen Unterschied
stellt das Zeitkriterium dar. Im DSM-5 liegt dieses bei frühestens 12 Monaten nach dem Verlust, zwischen DSM-5 und ICD-11 stellt
während für die ICD-11 frühestens 6 Monate nach dem Verlust vorgeschlagen werden, wobei das Zeitkriterium dar
der kulturelle Hintergrund berücksichtigt werden sollte [4, 5].
Das Zeitkriterium wird immer wieder kontrovers diskutiert. Eine Befragung medizinischer
Fachpersonen (u. a. Psychiater, Psychotherapeuten, Hausärzte, Krankenschwestern/-pfleger) zeigte,
dass die Mehrheit (49,2 %) das 12-Monats-Kriterium befürwortet, im Gegensatz zu 6 Monaten
(11,3 %; [6]). Andererseits demonstrierte eine Studie, dass ATS-Symptome 6 bis 12 Monate

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nach dem Verlust eine hohe Korrelation mit komorbiden psychischen Störungen, suizidalen
Tendenzen, Funktionseinschränkungen und schlechterer Lebensqualität 12 bis 24 Monate nach
Ein 6-Monats-Kriterium würde eine dem Verlust aufweisen. Die Autoren bezeichnen daher das 12-Monats-Kriterium als arbiträr
frühzeitige Behandlung ermög- [2]. Ein 6-Monats-Kriterium würde Hinterbliebenen mit hohem Leidendruck und deutlichen
lichen und einer Chronifizierung funktionalen Einschränkungen die frühzeitige Inanspruchnahme einer Behandlung ermöglichen
vorbeugen und einer Chronifizierung vorbeugen.

Prävalenz und Komorbidität


Die Prävalenzrate für ATS bei Eine aktuelle Metaanalyse, in die 14 Studien eingeschlossen wurden, ergab für die ATS ei-
Hinterbliebenen liegt bei 9,8 % ne Prävalenzrate von 9,8 % bei Hinterbliebenen (95 %-Konfidenzintervall [KI] 6,8–14,0 %; [7]).
Die epidemiologische Untersuchung einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe
(N = 2520) zeigte, dass etwa 6,7 % der Personen, die einen Verlust erlebt hatten, unter einer
ATS litten [8]. Weitere Studien demonstrierten, dass sich die Prävalenzrate erhöht, wenn die
verstorbene Person einen gewaltsamen Tod erfahren hat. Darüber hinaus weisen Eltern, die ein
Frauen sind häufiger betroffen als Kind verloren haben, erhöhte Prävalenzraten auf [9, 10]. Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen
Männer häufiger betroffen sind als Männer [8, 11, 12], wobei berücksichtigt werden muss, dass Frauen
aufgrund der höheren Lebenserwartung generell ein höheres Risiko haben, Verluste zu erleben.
Innerhalb klinischer Stichproben finden sich die höchsten Prävalenzraten. Bei Patienten mit einer
depressiven Störung lag die Prävalenz der ATS bei 25 % [13], bei Patienten mit Angststörungen
bei 12 % [14] und bei Patienten mit einer bipolaren Störung bei 24,3 % [15].
Komorbid treten bei Hinterblie- Komorbid treten bei Hinterbliebenen mit ATS Schlafstörungen, Krebserkrankungen und kar-
benen mit ATS Schlafstörungen, diovaskuläre Erkrankungen auf [16]. Weiterhin leiden sie vermehrt an psychischen Erkrankungen,
Krebserkrankungen und kardiovas- wie beispielsweise Depression (ca. 55 %), posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS, ca. 49 %)
kuläre Erkrankungen auf und Angststörungen (ca. 47 %; [17]). Auch das Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten
ist bei Betroffenen mit ATS erhöht [18].

Differenzialdiagnostik
Verschiedene Untersuchungen konnten zeigen, dass die ATS ein eigenes Symptomcluster aufweist
und damit von anderen psychischen Störungen differenzierbar ist (z. B. [19, 20]).

Depression
Mit dem Störungsbild der Depression liegen Symptomüberschneidungen (z. B. Traurigkeit, ver-
mehrtes Weinen, Schlafstörungen, Suizidgedanken) vor. Beide Störungen können komorbid,
aber auch unabhängig voneinander auftreten und diagnostiziert werden. Bei der ATS steht als
Bei der Depression muss kein Auslöser der Verlust einer nahestehenden Person im Vordergrund, wobei bei der Depression
spezifischer Auslöser vorhanden kein spezifischer Auslöser vorhanden sein muss. Zudem unterscheiden sich die Leitsymptome
sein beider Störungen. Bei der ATS sind die Sehnsucht und das Verlangen nach dem Verstorbenen
Kernsymptome, wohingegen die Depression durch Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und
Antriebslosigkeit gekennzeichnet ist. Auch die für die Depression typischen Gefühle von eigener
Wertlosigkeit und Scham sowie ein geringer Selbstwert sind für die ATS nicht spezifisch (können
jedoch auch auftreten).
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Zeitkriterium. Eine depressive Störung kann
diagnostiziert werden, wenn die entsprechenden Symptome mindestens 2 Wochen bestehen.
Eine ATS kann frühestens 6 (nach ICD-11) bzw. 12 Monate (nach DSM-5) nach dem Verlust
diagnostiziert werden [3, 21].

Posttraumatische Belastungsstörung
Die ATS weist zudem Symptomüberschneidungen mit der PTBS auf, was eine Differenzierung
Beiden Störungen liegt ein ein- der beiden Störungsbilder erschwert. Beiden Störungen liegt ein einschneidendes Lebensereignis
schneidendes Lebensereignis zugrunde, welches sowohl Intrusionen und Ängste als auch Vermeidungsverhalten verursachen
zugrunde kann. Bei der ATS kreisen die Gedanken und Erinnerungen um die verstorbene Person (ein-
schließlich positiver Aspekte) und im Vordergrund steht vor allem Trennungsangst. Bei der PTBS

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kommt es zu Intrusionen und Ängsten in Bezug auf das erlebte oder beobachtete Trauma, wobei
die Symptome mindestens 4 Wochen vorhanden sein müssen [3].
Vermeidungsverhalten zeigt sich hier durch die dauerhafte Vermeidung von Reizen und
Erinnerungen, die im Zusammenhang mit der traumatischen Erfahrung stehen. Bei der ATS
werden Erinnerungen an den Verlust vermieden, was die Akzeptanz des Todes erschwert, bei
oftmals vorhandener übermäßiger Beschäftigung mit und Sehnsucht nach dem Verstorbenen [3,
9].

Anpassungsstörung
Überschneidungen finden sich auch mit der Anpassungsstörung, welche durch emotionale und Die Anpassungsstörung ist durch
behaviorale Symptome als Reaktionen auf einen identifizierbaren Belastungsfaktor charakterisiert emotionale/behaviorale Symptome
ist, wobei in der ICD-10 ein Trauerfall eingeschlossen ist. Beim Vorliegen einer ATS wird daher als Reaktion auf eine identifizierba-
häufig eine Anpassungsstörung kodiert, da die ATS noch keine eigenständige Diagnose ist. In re Belastung charakterisiert
der kommenden 11. Revision der ICD sollen sowohl die ATS als auch unkomplizierte Trauer als
Ausschlusskriterium für eine Anpassungsstörung formuliert werden, sodass nach einem Trauerfall
keine Anpassungsstörung diagnostiziert werden kann [3, 22].

Risiko- und Schutzfaktoren


Grundsätzlich kann jeder Verlust einer nahestehenden Person eine ATS zur Folge haben, es
gibt jedoch Risikofaktoren, die eine Ausprägung begünstigen. Ein zentraler Risikofaktor ist Ein zentraler Risikofaktor ist die
die Beziehung zum Verstorbenen. Beim Verlust des eigenen Kindes, des Partners oder eines Beziehung zum Verstorbenen
Geschwisterteils ist das Risiko, an einer ATS zu erkranken, besonders hoch im Vergleich zum
Verlust eines Eltern- oder Großelternteils [23].
Studienergebnisse zeigten weiterhin, dass das Risiko für die Entwicklung einer ATS nach Das ATS-Risiko erhöht sich nach Sui-
einem Suizid oder anderen plötzlichen oder gewaltsamen Todesumständen (z. B. Unfälle, Mord) zid oder anderen plötzlichen oder
im Vergleich zu natürlichen Todesumständen erhöht ist [9]. Die wahrgenommene Vorbereitung auf gewaltsamen Todesumständen
einen Verlust kann ebenfalls den Trauerverlauf beeinflussen. Hinterbliebene berichteten häufiger
Symptome der ATS, wenn sie angaben, unvorbereitet gewesen zu sein [24].
Als weitere Risikofaktoren wurden psychische Vorerkrankungen, bestehende Traumatisie-
rungen, unsicherer Bindungsstil, ein geringer Selbstwert, eine emotionale Abhängigkeit vom
Verstorbenen, ein zuvor erlebter Verlust und negative Kognitionen identifiziert. Auch ein höheres
Lebensalter, ein geringeres Einkommen, multiple Verluste und Alkohol- und/oder Drogenmiss-
brauch wurden als negative Einflussfaktoren aufgezeigt [16, 24, 25, 26].
Als Resilienzfaktoren zeigten sich ein hoher Selbstwert und eine hohe wahrgenommene
Kontrolle über alltägliche Aktivitäten [16]. Darüber hinaus wurden Optimismus, Unterstützung
durch Angehörige und Freunde bzw. durch das soziale Umfeld, aktives Bewältigen und Hilfesuchen
als protektive Faktoren identifiziert [24, 27].

Messinstrumente
Zur Erhebung der ATS gibt es mittlerweile verschiedenste Messinstrumente. Ein häufig ange-
wandtes Selbstauskunftsinstrument ist das Inventory of Complicated Grief (ICG), welches bereits Das Inventory of Complicated Grief
1995 von Prigerson und Kollegen entwickelt wurde und international Anwendung findet [28]. Der (ICG) wird international angewandt
Fragebogen besteht aus 19 Items und wurde auch in deutschsprachiger Form evaluiert. Vorteile
des Messinstrumentes sind die gute Retestreliabilität und sehr gute interne Konsistenz. Allerdings
erfasst der Fragebogen die aktuellen Kriterien der ATS nach DSM-5 oder ICD-11 nicht vollständig.
Später wurde eine Kurzform des ICG auf Basis der vorgeschlagenen Diagnosekriterien für DSM Die Prolonged Grief Scale (PG-13)
und ICD entwickelt: die Prolonged Grief Scale (PG-13; [4]), die eine gute interne Konsistenz ist die Kurzform des ICG
aufweist, aber ebenfalls die aktuellsten Kriterien nicht vollständig erfasst.
Um alle derzeitigen Kriterien zu erheben, haben Boelen und Smid ein weiteres Messinstrument
auf Basis des ICG entwickelt: das Traumatic Grief Inventory Self-Report Version (TGI-SR; [29]).
Es besteht aus insgesamt 18 Items und erwies sich vorläufig in einer ersten Validierungsstudie
als reliabel und valide. Weitere Validierungsstudien sind jedoch notwendig. Zudem liegt bisher
keine deutsche Version des Instrumentes vor.

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Als vielversprechendes Interviewverfahren kann das Structured Clinical Interview for Com-
plicated Grief (SCI-CG, 31 Items) von Bui und Kollegen angesehen werden [30], welches reliabel
und valide die Diagnosekriterien abfragt. Allerdings ist derzeit ebenfalls noch keine deutsche
Version des Interviews verfügbar.
Aktuell empfiehlt sich daher weiterhin der Einsatz der PG-13 oder des ICG, welche ökonomisch
als Screeninginstrumente eingesetzt werden können.

Behandlung der anhaltenden Trauerstörung

Psychotherapeutische Intervention
Werden die Kriterien der ATS nicht erfüllt, ist in der Regel keine psychotherapeutische Inter-
vention indiziert. Äußern Hinterbliebene dennoch den Wunsch nach Hilfe, so können sie durch
Psychoedukation zum Trauerprozess und den damit verbundenen Emotionen unterstützt werden.
Viele erleben es als hilfreich, in einem Gespräch die Beziehung zum Verstorben zu reflektieren.
Hierfür eignen sich z. B. Selbsthilfegruppen. Darüber hinausgehende Interventionen sind nicht
erforderlich und es gibt Hinweise darauf, dass diese den normalen Trauerverlauf sogar negativ
beeinflussen können [31].
Bei diagnostizierter ATS ist eine Wird eine ATS diagnostiziert, so ist eine spezifische psychotherapeutische Intervention sinnvoll.
spezifische psychotherapeutische Empirisch untersucht wurden bisher vor allem kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze. Das
Intervention sinnvoll kognitiv-behaviorale Modell der ATS beschreibt drei zentrale Prozesse, die zur Entstehung und
Aufrechterhaltung der ATS beitragen:
1. ungenügende Integration des Verlustes in das autobiografische Wissen,
2. negative Annahmen über die Welt, sich selbst, die Zukunft und über die eigenen Trauerreak-
tionen und
3. die Anwendung von Vermeidungsstrategien [32].

Aus diesen Prozessen leiten sich Ansatzpunkte für die psychotherapeutische Behandlung ab. Ne-
Mithilfe kognitiver Umstruktu- ben der Integration des Verlustes in das eigene biografische Wissen, sollten mithilfe kognitiver
rierung sollten zentrale negative Umstrukturierung zentrale negative Annahmen und Fehlinterpretationen verändert werden. Um
Annahmen und Fehlinterpretatio- den Vermeidungsstrategien entgegenzuwirken, sollten Expositionstechniken angewandt werden,
nen verändert werden bei denen die Betroffenen mit vermiedenen Aspekten des Verlustes (z. B. bestimmte Orte, Erinne-
rungen) und den damit einhergehenden Emotionen konfrontiert werden. Zudem sollten sie dabei
unterstützt werden, neue Lebensziele zu setzen und bedeutungsvollen Aktivitäten nachzugehen
[33].
Die trauerspezifische integrative Ein Therapieansatz, der diese Elemente beinhaltet, ist die trauerspezifische integrative kognitive
KVT umfasst Gestalttherapie, Verhaltenstherapie (KVT; Integrative Cognitive Behavioural Therapy for Prolonged Grief, PG-
systemische Familientherapie und CBT) von Rosner und Kollegen [34]. Diese umfasst neben der klassischen KVT auch Elemente
Psychodrama aus der Gestalttherapie, der systemischen Familientherapie und dem Psychodrama. In einer
randomisiert kontrollierten Studie konnten gute Effektstärken nachgewiesen werden (Intention-
to-treat-Analyse d = 1,32, Completer-Analyse d = 1,61; [35]).
Neben den klassischen Face-to-face-Therapien werden auch immer häufiger internetbasierte
Interventionsprogramme erforscht und entwickelt. Ein trauerspezifisches Internettherapiepro-
gramm wurde 2006 von Wagner und Kollegen entwickelt, indem die Betroffenen spezifische
Schreibaufgaben bearbeiten, welche sich in verschiedenen Studien als wirksam erwiesen [36].

Pharmakologische Intervention
Bisher sind wenige Studien zur Pharmakotherapie bei ATS verfügbar und die Ergebnisse sind un-
einheitlich. Die erste randomisiert kontrollierte Studie fand bei der Gabe eines Antidepressivums
ausschließlich eine Reduktion der depressiven Symptomatik, nicht aber der ATS [37]. Spätere
Open-label- und Fallstudien wiesen hingegen darauf hin, dass selektive Serotoninwiederaufnah-
Open-label- und Fallstudien zeigten mehemmer (SSRI) einen positiven Einfluss auf die Trauersymptomatik haben. Weiterhin zeigte
einen positiven Einfluss von SSRI sich, dass Patienten mit antidepressiver Medikation seltener die psychotherapeutische Behand-
auf die Trauersymptomatik lung der ATS abbrechen als Patienten ohne Medikation (für eine Übersicht siehe [38]). In einer
aktuellen Studie mit 395 Patienten mit ATS wurde die Effektivität von Citalopram (vs. Placebo) in

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Kombination mit und ohne Psychotherapie untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass spezifische
Psychotherapie das Mittel der ersten Wahl darstellt. Citalopram hatte keinen Effekt auf die ATS,
konnte aber komorbid auftretende depressive Symptome lindern. Allerdings weisen die Autoren
darauf hin, dass unter Umständen die Dosis mit 40 mg zu gering war, um entsprechende Effekte auf
die ATS nachzuweisen [39]. Aufgrund der bisher geringen Studienzahl und der uneinheitlichen
Befundlage ist weitere Forschung zur Pharmakotherapie der ATS notwendig.

Fazit für die Praxis


4 Trauer nach dem Verlust einer nahestehenden Person ist eine natürliche Reaktion.
4 Etwa 10 % der Hinterbliebenen entwickeln eine anhaltende Trauerstörung, welche in klinisch
bedeutsamer Weise Leiden und Funktionsbeeinträchtigungen verursacht.
4 Differenzialdiagnostisch sollte die ATS von einer Depression oder posttraumatischen Belas-
tungsstörung unterschieden werden, wobei die Störungen komorbid auftreten können.
4 Liegt eine ATS vor, so ist eine spezifische psychotherapeutische Behandlung das Mittel der
ersten Wahl.
4 Eine pharmakotherapeutische Mitbehandlung mit Antidepressiva ist bei komorbid vorliegen-
den depressiven Beschwerden indiziert.

Korrespondenzadresse
J. Treml, [Link].-Psych.
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum
Leipzig
Semmelweisstr. 10, 04103 Leipzig, Deutschland
[Link]@[Link]

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. J. Treml und A. Kersting geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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- Fragen und Antworten werden in zufälliger Reihenfolge zusammengestellt.
- Pro Frage ist jeweils nur eine Antwort zutreffend.
- Für eine erfolgreiche Teilnahme müssen 70 % der Fragen richtig beantwortet werden.

? Inwiefern wird die anhaltende Trauer- ◯ Ca. 10 % Niedergeschlagenheit als auch mit Sehn-
störung in den diagnostischen Klassifi- ◯ Ca. 21 % sucht einhergehen.
kationssystemen aufgelistet? ◯ Ca. 5 % ◯ Sowohl bei der anhaltenden Trauerstö-
◯ In der 5. Ausgabe des DSM wird die rung als auch bei der posttraumatischen
anhaltende Trauerstörung als eigenstän- ? Welche Komorbiditäten wurden im Belastungsstörung steht Trennungs-
dige Diagnose klassifiziert. Zusammenhang mit der anhaltenden angst im Vordergrund.
◯ Die anhaltende Trauerstörung ist in der Trauerstörung in der gesichteten Lite-
aktuellen 10. Revision der ICD als eine ratur häufig berichtet? ? Welche der Gruppen von Risikofakto-
Unterform der Depression aufgelistet. ◯ Schlafstörungen, posttraumatische Be- ren für eine anhaltende Trauerstörung
◯ In die kommende 11. Revision der ICD lastungsstörung, Impulskontrollstörung enthält ausschließlich nachgewiesene
soll die anhaltende Trauerstörung als ◯ Schlafstörungen, Depressionen, post- Faktoren?
Unterform der posttraumatischen Belas- traumatische Belastungsstörungen ◯ Enge Beziehung zum Verstorbenen, na-
tungsstörung aufgenommen werden. ◯ Depression, Impulskontrollstörungen, türliche Todesumstände, weibliches Ge-
◯ Die anhaltende Trauerstörung ist im Schlafstörungen schlecht, psychische Vorerkrankungen
DSM-5 in Sektion III unter klinische ◯ Posttraumatische Belastungsstörung, und junges Lebensalter
Erscheinungsbilder mit weiterem For- Persönlichkeitsstörungen, Depression ◯ Enge Beziehung zum Verstorbenen, ge-
schungsbedarf aufgenommen. ◯ Depression, Schlafstörung und Persön- waltsame oder plötzliche Todesumstän-
◯ Die anhaltende Trauerstörung wird im lichkeitsstörung de, männliches Geschlecht, ängstlicher
DSM-5 unter nicht näher bezeichnete Bindungsstil und geringer Selbstwert
depressive Störung gefasst. ? Welche der nachfolgenden Aussagen ◯ Natürliche Todesumstände, männliches
zur Differenzialdiagnostik ist richtig? Geschlecht, Alkohol- und/oder Drogen-
? Welches Diagnosekriterium gehört ◯ Verschiedene Untersuchungen konn- missbrauch und hohes Lebensalter
nicht zur anhaltenden Trauerstörung? ten zeigen, dass die anhaltende Trau- ◯ Gewaltsame oder plötzliche Todesum-
◯ Die Symptome verursachen in klinisch erstörung ein eigenes Symptomclus- stände, männliches Geschlecht, geringer
bedeutsamer Weise Funktionsbeein- ter aufweist und keine Symptomüber- Selbstwert und junges Lebensalter
trächtigungen. schneidungen mit anderen psychischen ◯ Enge Beziehung zum Verstorbenen, ge-
◯ Es besteht eine anhaltende Sehnsucht Störungen vorhanden sind. waltsame oder plötzliche Todesumstän-
nach dem Verstorbenen. ◯ Suizidgedanken sind ein diagnostisches
de, weibliches Geschlecht, psychische
◯ Es kommt zu wiederkehrenden, belas- Kriterium der Depression und treten bei Vorerkrankungen, hohes Lebensalter
tenden Alpträumen in Bezug auf den der anhaltenden Trauerstörung in der und Alkohol- und/oder Drogenmiss-
Verlust. Regel nicht auf. brauch
◯ Betroffene haben Schwierigkeiten, den ◯ Der anhaltenden Trauerstörung und der
Tod zu akzeptieren. posttraumatischen Belastungsstörung ? Welche Messinstrumente eignen sich
◯ Betroffene haben Schwierigkeiten, das liegt ein einschneidendes Lebenser- derzeit als Screeningverfahren für die
eigene Leben weiterzuführen (z. B. Inte- eignis zugrunde, welches Intrusionen, anhaltende Trauerstörung?
ressen zu verfolgen, Freundschaften zu Ängste sowie Vermeidungsverhalten ◯ Das Inventory of Complicated Grief (ICG)
schließen). verursachen kann. und die Prolonged Grief Scale (PG-13)
◯ Die Leitsymptome der Depression und ◯ Das Strukturierte Klinische Interview für
? Wie viel Prozent der Trauernden entwi- der anhaltenden Trauerstörung über- DSM-IV (SKID-I) und das Traumatic Grief
ckeln eine anhaltende Trauerstörung? schneiden sich, da beide sowohl mit Inventory Self-Report Version (TGI-SR)
◯ Ca. 1 % ◯ Das Traumatic Grief Inventory Self-Re-
◯ Ca. 42 % port Version (TGI-SR) und das Diag-

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nostische Interview bei psychischen ? Welche Aussage zur psychotherapeu- ? Eine 64-jährige, leicht alkoholisier-
Störungen (DIPS) tischen Behandlung der anhaltenden te Frau kommt 9 Monate nach dem
◯ Die Prolonged Grief Scale (PG-13) oder Trauerstörung ist falsch? Verlust ihres Ehemannes durch einen
das Strukturierte Klinische Interview für ◯ Zentrale Bestandteile der psychothera- Autounfall in die Sprechstunde und be-
DSM-IV (SKID-I) peutischen Behandlung der ATS sollten richtet spontan folgende Symptome:
◯ Derzeit existieren keine geeigneten kognitive Umstrukturierung negativer Schlafstörungen, Sehnsucht nach dem
Messinstrumente. Annahmen und Konfrontation mit bis- Ehemann, Traurigkeit, häufiges Wei-
her vermiedenen Aspekten des Verlustes nen, Rückzug, Gewichtsverlust (–3 kg).
? Wie und wann sollte die therapeuti- sein. Wie sollte therapeutisch vorgegangen
sche Behandlung von Trauer erfolgen? ◯ Die trauerspezifische integrative kog- werden?
◯ Der Trauerprozess nach einem Verlust nitive Verhaltenstherapie von Rosner ◯ Die Patientin sollte an einen Psycho-
sollte direkt psychotherapeutisch be- und Kollegen umfasst neben der klas- therapeuten überwiesen werden, eine
gleitet werden, um einer anhaltenden sischen kognitiven Verhaltenstherapie pharmakotherapeutische Behandlung
Trauerstörung vorzubeugen. auch Elemente aus der Gestalttherapie, ist nicht erforderlich.
◯ Eine pharmakotherapeutische Behand- der systemischen Familientherapie und ◯ Die Patientin berichtet ausschließlich
lung ist 6 Monate nach Verlust einer dem Psychodrama. depressive Symptome, daher sollte ein
nahestehenden Person das Mittel der ◯ In der psychotherapeutischen Behand- Antidepressivum verschrieben werden,
ersten Wahl zur Behandlung der anhal- lung sollte neben der verlustorientierten wodurch die Symptome abklingen soll-
tenden Trauerstörung. Arbeit auch zukunftsorientiert gearbei- ten.
◯ Es sollten zuerst eventuelle komorbide tet werden, in dem z. B. neue Lebensziele ◯ Die Frau gehört nicht zur Risikogrup-
psychische Erkrankungen (z. B. Depres- gesetzt werden. pe für eine anhaltende Trauerstörung,
sionen) behandelt werden, da hierdurch ◯ Neben der Face-to-face-Therapie wur- daher ist die Diagnose einer Depres-
die anhaltende Trauerstörung nachlässt. den wirksame internetbasierte Interven- sion naheliegend und Psychotherapie
◯ Eine spezifische psychotherapeutische tionsprogramme entwickelt, in denen angezeigt.
Behandlung ist beim Vorliegen einer an- Betroffene durch Schreibaufgaben den ◯ Da der Verlust noch nicht mindestens
haltenden Trauerstörung das Mittel der Verlust verarbeiten lernen. 12 Monate her ist, sollte vorerst keine
ersten Wahl. ◯ Bei der Behandlung der anhaltenden Behandlung erfolgen.
◯ Eine medikamentöse Mitbehandlung Trauerstörung sollte auf Expositions- ◯ Eine genaue Exploration und diagnos-
sollte immer neben einer Psychothera- techniken verzichtet werden, da diese tische Abklärung ist erforderlich. Beim
pie etwa 12 Monate nach dem Verlust nur beim Vorliegen einer posttraumati- Vorliegen einer anhaltenden Trauerstö-
erfolgen. schen Belastungsstörung indiziert sind. rung und depressiver Symptome sollte
eine Psychotherapie mit ggf. medika-
mentöser Mitbehandlung erfolgen.

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