Deutscher Bundestag: Stenografischer Bericht 68. Sitzung
Deutscher Bundestag: Stenografischer Bericht 68. Sitzung
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
68. Sitzung
Inhalt:
Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7213 C DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7230 C
Oliver Kaczmarek (SPD) (Erklärung Olaf Scholz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7240 B
nach § 31 GO) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7214 A
Memet Kilic (BÜNDNIS 90/
Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7241 D
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7214 D Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . . 7242 C
Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE Sevim Dağdelen (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 7244 A
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7215 D
Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 7246 B
Dorothea Steiner (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7216 D Sevim Dağdelen (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 7246 D
Marco Bülow (SPD) (Erklärung Dr. Ole Schröder, Parl. Staatssekretär
nach § 31 GO) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7217 C BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7247 C
Daniela Wagner (BÜNDNIS 90/DIE Aydan Özoğuz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7249 B
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7219 A Serkan Tören (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7250 D
Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7219 D DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7251 D
Dr. Valerie Wilms (BÜNDNIS 90/DIE Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . 7252 C
GRÜNEN) (Erklärung nach § 31 GO) . . . 7220 B
Rüdiger Veit (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7254 B
Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(Erklärung nach § 31 GO) . . . . . . . . . . . . . 7221 A
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 6:
(Erklärung nach § 31 GO) . . . . . . . . . . . . . 7222 A
Beschlussempfehlung des Ausschusses nach
Artikel 77 des Grundgesetzes (Vermittlungs-
Namentliche Abstimmungen . . . . 7223
. . . . .D,
. .7224
. . A, B, C
ausschuss) zu dem Gesetz zur Umsetzung
7227 C, 7228 A
der geänderten Bankenrichtlinie und der
geänderten Kapitaladäquanzrichtlinie
Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7274
. . . . .D,
. . 7227 A, B (Drucksachen 17/1720, 17/1803, 17/2472,
7232 D, 7235 A 17/3037, 17/3312) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7255 D
7238 A
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Tagesordnungspunkt 33:
Erste Beratung des von den Abgeordneten
Memet Kilic, Josef Philip Winkler, Kai Gehring, a) Erste Beratung des von der Bundesregie-
weiteren Abgeordneten und der Fraktion rung eingebrachten Entwurfs eines Geset-
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten zes zu dem Zusatzprotokoll vom 28. Ja-
Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des nuar 2003 zum Übereinkommen des
Staatsangehörigkeitsrechts Europarats vom 23. November 2001
(Drucksache 17/3411) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7228 C über Computerkriminalität betreffend
die Kriminalisierung mittels Computer-
systemen begangener Handlungen ras-
in Verbindung mit sistischer und fremdenfeindlicher Art
(Drucksache 17/3123) . . . . . . . . . . . . . . . 7256 B
Zusatztagesordnungspunkt 4: b) Erste Beratung des von der Bundesregie-
rung eingebrachten Entwurfs eines Geset-
Zweite und dritte Beratung des von den Abge- zes zur Umsetzung des Rahmenbeschlus-
ordneten Kerstin Andreae, Volker Beck ses 2008/913/JI des Rates vom
(Köln), Dr. Thomas Gambke, weiteren Abge- 28. November 2008 zur strafrechtli-
ordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE chen Bekämpfung bestimmter Formen
GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines … und Ausdrucksweisen von Rassismus
Gesetzes zur Änderung des Aufenthaltsge- und Fremdenfeindlichkeit und zur Um-
setzes setzung des Zusatzprotokolls vom 28.
(Drucksachen 17/3039, 17/3241) . . . . . . . . . . 7228 D Januar 2003 zum Übereinkommen des
Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 7228 D Europarats vom 23. November 2001
über Computerkriminalität betreffend
Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 7229 D die Kriminalisierung mittels Computer-
IV Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Zusatztagesordnungspunkt 10:
Erste Beratung des von den Abgeordneten
Zweite und dritte Beratung des von der Bun- Volker Beck (Köln), Dr. Gerhard Schick, Lisa
desregierung eingebrachten Entwurfs eines Paus, weiteren Abgeordneten und der Frak-
Gesetzes zur Restrukturierung und geord- tion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einge-
neten Abwicklung von Kreditinstituten, zur brachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Errichtung eines Restrukturierungsfonds Gleichstellung der Lebenspartnerschaften
für Kreditinstitute und zur Verlängerung mit der Ehe im Bereich des Steuerrechts
der Verjährungsfrist der aktienrechtlichen (Drucksache 17/3218) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7290 B
Organhaftung (Restrukturierungsgesetz)
(Drucksachen 17/3024, 17/3362, 17/3407, Olav Gutting (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 7290 C
17/3547) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7277 D Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . . . . 7292 A
Leo Dautzenberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 7278 A Dr. Daniel Volk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7294 A
Manfred Zöllmer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 7281 B Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 7295 B
Christian Ahrendt (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . 7283 C Dr. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/
Richard Pitterle (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 7284 A DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7296 B
Dr. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/ Peter Aumer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 7296 D
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7285 A
Dr. h. c. Hans Michelbach (CDU/CSU) . . . . . 7286 B Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . 7297 D
Tagesordnungspunkt 14:
Tagesordnungspunkt 10: Antrag der Abgeordneten Christine Lambrecht,
Sören Bartol, Petra Ernstberger, weiterer Ab-
Antrag der Abgeordneten Heidrun Bluhm, Dr.
geordneter und der Fraktion der SPD: Mak-
Dietmar Bartsch, Herbert Behrens, weiterer
lerkosten gerecht verteilen
Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE:
(Drucksache 17/3212) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7298 C
Grundrecht auf Wohnen sozial, ökologisch
und barrierefrei gestalten
(Drucksache 17/3433) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7289 D
Tagesordnungspunkt 21:
Antrag der Fraktion der SPD: Freie Wahlen
Tagesordnungspunkt 9: in Birma fordern, die Menschenrechtslage
verbessern und einen nationalen Dialog un-
– Zweite und dritte Beratung des von der terstützen
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs (Drucksache 17/3213) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7298 C
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 VII
– Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung ei- Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/
nes Sondervermögens „Energie- und Kli- DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7339 C
mafonds“ (EKFG)
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 7340 A
– Entwurfs eines Kernbrennstoffsteuerge-
Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 7340 B
setzes (KernbrStG)
Ingrid Hönlinger (BÜNDNIS 90/
(Tagesordnungspunkt 4 a und b) . . . . . . . . . . 7335 D DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7340 D
Dr. Egon Jüttner (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 7341 B
Anlage 4 Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . 7341 B
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/
Heinz-Joachim Barchmann, Uwe Beckmeyer, DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7342 B
Gerd Bollmann, Edelgard Bulmahn, Garrelt
Duin, Petra Ernstberger, Karin Evers-Meyer, Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/
Lars Klingbeil, Dr. Bärbel Kofler, Gabriele DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7343 B
Lösekrug-Möller, Kirsten Lühmann, Caren
Undine Kurth (Quedlinburg) (BÜNDNIS 90/
Marks, Dr. Matthias Miersch, Holger Ortel,
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7344 A
Dr. Wilhelm Priesmeier, Dr. Carola Reimann,
Dr. Martin Schwanholz, Dr. Carsten Sieling, Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 7344 B
und Kerstin Tack (alle SPD) zu den namentli-
chen Abstimmungen: Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7344 D
– Entwurf eines Elften Gesetzes zur Ände-
Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/
rung des Atomgesetzes
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7345 D
– Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Än- Elisabeth Scharfenberg (BÜNDNIS 90/
derung des Atomgesetzes DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7346 C
– Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung ei- Christine Scheel (BÜNDNIS 90/
nes Sondervermögens „Energie- und Kli- DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7346 D
mafonds“ (EKFG)
Ute Vogt (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7347 A
– Entwurfs eines Kernbrennstoffsteuerge-
setzes (KernbrStG) Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7347 B
(Tagesordnungspunkt 4 a und b) . . . . . . . . . . 7337 A
Anlage 5 Anlage 6
sache 17/3493) der Fraktion BÜNDNIS 90/ 17/3536, 17/3537 und 17/3538) der Fraktion
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen
und FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur der CDU/CSU und FDP: Entwurf eines Elften
Änderung des Atomgesetzes (Philippsburg 1) Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes
(Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . . . . . . . . . . . 7407 A
– Streichung Übertragung auf Biblis B
– Streichung Übertragung Neu auf Alt
Anlage 24
– Einfügung Entsorgungsnachweis
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
stimmung über den Änderungsantrag (Druck- – Brokdorf
sache 17/3494) der Fraktion BÜNDNIS 90/ – Emsland
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU – Grafenrheinfeld
und FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur
Änderung des Atomgesetzes (Unterweser) – Grohnde
(Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . . . . . . . . . . . 7409 B – Gundremmingen B
– Gundremmingen C
Anlage 25 – Isar 2
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab- – Neckarwestheim 2
stimmung über den Änderungsantrag (Druck-
sache 17/3495) der Fraktion BÜNDNIS 90/ – Philippsburg 2
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU (Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . . . . . . . . . . . 7420 A
und FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur
Änderung des Atomgesetzes (Flugzeugab-
stürze) (Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . . . . . 7412 A Anlage 29
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
stimmung über den Änderungsantrag (Druck-
Anlage 26 sache 17/3528) der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU
stimmung über den Änderungsantrag (Druck-
und FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes
sache 17/3496) der Fraktion BÜNDNIS 90/ zur Änderung des Atomgesetzes (Bundesrats-
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des zustimmung) (Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . 7423 A
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU
und FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur
Änderung des Atomgesetzes (Streichung Ent-
schädigungsklausel) (Tagesordnungspunkt 4 a) 7415 A Anlage 30
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
stimmung über den Änderungsantrag (Druck-
Anlage 27 sache 17/3529) der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab- Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU
stimmung über den Änderungsantrag (Druck- und FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes
sache 17/3497) der Fraktion BÜNDNIS 90/ zur Änderung des Atomgesetzes (Streichung
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des § 7 d) (Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . . . . . . 7425 B
Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU
und FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur
Änderung des Atomgesetzes (Streichung Haf- Anlage 31
tungsverlagerung) (Tagesordnungspunkt 4 a) 7417 B
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
stimmung über den Änderungsantrag (Druck-
Anlage 28 sache 17/3530) der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Abstim- Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU
mungen über die Änderungsanträge (Druck- und FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes
sachen 17/3498, 17/3499, 17/3527, 17/3539, zur Änderung des Atomgesetzes (Streichung
17/3531, 17/3532, 17/3533, 17/3534, 17/3535, Enteignung) (Tagesordnungspunkt 4 a) . . . . . 7428 A
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 XIII
Anlage 32 Anlage 33
Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab- Endgültiges Ergebnis der namentlichen Ab-
stimmung über den Änderungsantrag der stimmung über den Änderungsantrag der
Fraktion der SPD zum Gesetzentwurf der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum
Bundesregierung über den Entwurf eines Gesetzentwurf der Bundesregierung: Entwurf
Haushaltsbegleitgesetzes 2011 (HBeglG 2011) eines Jahressteuergesetzes 2010 (JStG 2010)
(Tagesordnungspunkt 7) . . . . . . . . . . . . . . . . . 7430 B (Tagesordnungspunkt 9) . . . . . . . . . . . . . . . . . 7433 A
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7157
(A) (C)
Redetext
68. Sitzung
ZP 6 Erste Beratung des von den Abgeordneten Volker Beratung des Antrags der Abgeordneten Ulrike
Beck (Köln), Dr. Gerhard Schick, Lisa Paus, wei- Gottschalck, René Röspel, Dr. Hans-Peter
Bartels, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
teren Abgeordneten und der Fraktion BÜND-
der SPD
NIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Gleichstellung der Lebens- Die richtigen Lehren aus dem Ausbruch des
partnerschaften mit der Ehe im Bereich des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull ziehen –
Steuerrechts Klimaforschung und Geowissenschaften stär-
ken und die Voraussetzungen für ein nationa-
– Drucksache 17/3218 – les und europäisches Krisenmanagement im
Überweisungsvorschlag: Luftverkehr schaffen
Finanzausschuss (f)
Innenausschuss – Drucksache 17/3174 –
Rechtsausschuss Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f)
Haushaltsausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
ZP 7 Beratung des Antrags der Fraktionen CDU/CSU, Ausschuss für Bildung, Forschung und
SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Technikfolgenabschätzung
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7159
Präsident Dr. Norbert Lammert
(A) Ausschuss für Tourismus liches Wahlamt ausgeübt, aber sie hat ebenso diskret wie (C)
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union engagiert unserem Land in vielen ehrenamtlichen Auf-
Sind Sie mit diesen Vereinbarungen einverstanden? – gaben und Ämtern gedient. Dafür verdient sie unseren
Ich kann auch hierzu offenkundig Einvernehmen fest- Dank und Respekt und die breite öffentliche Wertschät-
stellen. Dann ist das so beschlossen. zung, die sie im Lande seit vielen Jahren genießen
durfte.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf Sie bitten,
sich von Ihren Plätzen zu erheben. Ich danke Ihnen.
(Die Anwesenden erheben sich) Bevor wir nun, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu
Am 14. Oktober ist unser Kollege Hermann Scheer unserer vereinbarten Tagesordnung kommen, müssen
verstorben. wir zwei Anträge zur Geschäftsordnung behandeln.
Die Fraktionen der CDU/CSU und FDP haben fristge-
Vielen war Hermann Scheer bekannt, vor allem we- recht beantragt, die heutige Tagesordnung um die zweite
gen seines Engagements für die Umwelt und insbeson- und dritte Beratung des von der Bundesregierung einge-
dere für eine umweltgerechte Energieversorgung. Früher brachten Entwurfs eines Restrukturierungsgesetzes zu
als andere erkannte er das Potenzial erneuerbarer Ener- erweitern. Diese Beratung soll als Zusatzpunkt 10 nach
gien, und er setzte sich bereits mit Nachdruck für die So- Tagesordnungspunkt 8 mit einer Debattenzeit von 45 Minu-
lartechnik ein, als das Wort noch belächelt wurde. Als ten aufgerufen werden. Die Fraktion der SPD wider-
ungeduldigen Visionär hat Klaus Töpfer ihn charakteri- spricht der Erweiterung der Tagesordnung.
siert. Unermüdlich warb er für die neuen Technologien
und für neue Wege in der Energiepolitik; viele Gesetze Wir kommen bei diesem Antrag gleich zur Abstim-
zur Förderung alternativer Energien, die wir in diesem mung. Wer stimmt für den Aufsetzungsantrag der Frak-
Haus beschlossen haben, hat er mit auf den Weg ge- tionen von CDU/CSU und FDP? – Wer stimmt dagegen?
bracht. Er schrieb Bücher, hielt Vorträge und wurde mit – Wer enthält sich? – Damit ist der Aufsetzungsantrag
renommierten Preisen wie dem Alternativen Nobelpreis mit den Stimmen der Koalition gegen die Stimmen der
ausgezeichnet. Opposition angenommen.
Wir, seine parlamentarischen Kolleginnen und Kolle- Wir kommen nun zu einem weiteren Geschäftsord-
gen, haben Hermann Scheer als einen Abgeordneten mit nungsantrag. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat
einem breiten Spektrum an Interessen kennengelernt, der beantragt, die Beratung der Vorlagen zur Energie- und
mit seinen Beiträgen die politische und parlamentarische Klimapolitik – hier handelt es sich um die Tagesord-
Diskussion beeinflusst und bereichert hat. Von 1990 bis nungspunkte 4 a bis 4 c – von der heutigen Tagesord-
(B) 1993 war er Vorsitzender des Unterausschusses für nung abzusetzen. (D)
Abrüstung und Rüstungskontrolle, von 1994 bis 1997
Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses der Parla- Zu diesem Geschäftsordnungsantrag erteile ich das
mentarischen Versammlung des Europarates. Stets Wort dem Kollegen Volker Beck für die antragstellende
kenntnisreich, klar in der Analyse, mit Begeisterung und Fraktion.
mit einer seine Mitstreiter wie seine Widersacher gele-
gentlich nervenden Sturheit setzte er sich für seine Ziele Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
ein. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Unsere
Hermann Scheer gehörte dem Parlament 30 Jahre und Fraktion beantragt, die Beratung des Energiekonzepts
damit länger an, als manche jüngeren Mitglieder an Le- der Bundesregierung und die Atomrechtsnovellen heute
bensjahren aufweisen. 1980 kam er als Mitglied der von der Tagesordnung abzusetzen, damit ein geordnetes
SPD-Fraktion erstmals in den Bundestag, und er war parlamentarisches Verfahren zu diesen Gegenständen
das, was man von Parlamentariern erwartet: sachkundig, möglich wird.
engagiert, eigenständig denkend, manchmal querste-
(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Lä-
hend. Und: Hermann Scheer war überzeugter Demokrat.
cherlich!)
In seinem Buch Die Politiker formulierte er, dass für ihn
– Zitat – „die gewaltengeteilte Verfassungsdemokratie Wenn Sie das heute ablehnen, ist das nicht nur ein
der wichtigste zivilisatorische Fortschritt der Mensch- schwarzer Tag für die Energiepolitik in diesem Lande,
heitsgeschichte“ sei. sondern ein schwarzer Tag für die parlamentarische De-
Wir trauern um einen allseits geschätzten Kollegen. mokratie.
Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei sei- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
nen Angehörigen, seiner Frau und seiner Tochter, die ich bei der SPD und der LINKEN – Stefan Müller
auf der Besuchertribüne begrüße. [Erlangen] [CDU/CSU]: Ihr Verhalten ist ein
Der Deutsche Bundestag wird Hermann Scheer ein schwarzer Tag für den Parlamentarismus!)
ehrendes Andenken bewahren.
Großartig wurde dieses Energiekonzept von den Kol-
Unsere besondere Anteilnahme gilt in diesen Tagen legen der Koalition und der Bundesregierung angeprie-
auch Helmut Schmidt. Mit ihm trauern wir um Loki sen. Von „Revolution“ sprach Frau Merkel, von „epo-
Schmidt, die am 21. Oktober im Alter von 91 Jahren in chaler Bedeutung“ redete Herr Westerwelle. „Das
Hamburg gestorben ist. Loki Schmidt hat nie ein öffent- anspruchsvollste seiner Art“, meinte der Bundesumwelt-
7160 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Aber nach dem heutigen Tag, nach diesem Beratungs- Es hat Anhörungen in jedem federführenden Ausschuss
verfahren, müssen wir sagen: Sie wissen gar nicht, was gegeben.
Sie tun, weil es Ihnen Ihre Bundesregierung nicht gesagt (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
hat. Sie haben die Geschäftsordnung gebrochen!
Sie haben die Vorsitzende rausgeworfen!)
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der SPD und der LINKEN) Wir haben die Anhörungen in die sitzungsfreie Zeit ge-
legt, damit Sie Zeit zur Vorbereitung haben. Wir haben
Deshalb kann dieses Gesetzgebungsverfahren keinen Ihnen Ausschusssitzungen in der sitzungsfreien Zeit an-
Vertrauensschutz für die Energieversorger bedeuten. Es geboten. Allein am Montag und am Dienstag hat der
ist verfassungswidrig. Wir werden mit allen Mitteln, die Umweltausschuss zweimal getagt.
die Verfassung uns gibt, dagegen vorgehen. Darauf kön-
nen Sie sich verlassen. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Warum hatten wir denn keine Zeit für eine or-
(Anhaltender Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE dentliche Beratung?)
GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)
Sie hatten die Chance, eine Debatte auf hohem Niveau
zu führen. Stattdessen haben Sie es vorgezogen, Kla-
Präsident Dr. Norbert Lammert: mauk zu machen und diese Chance zu vertun.
Für die CDU/CSU-Fraktion erhält das Wort der Kol-
(B) lege Peter Altmaier. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: (D)
Warum haben Sie das denn durchgepaukt?
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Liebedienerei!)
Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Das ist Ihre Sache. Wir machen dabei aber nicht mit.
Jetzt kommt Pöbel-Peter!)
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Peter Altmaier (CDU/CSU): Wir hatten doch am Montag und am Dienstag insge-
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und samt fünfeinhalb Stunden Beratungszeit im Umweltaus-
Herren! Wir werden heute das modernste, das umwelt- schuss.
freundlichste
(Ulrich Kelber [SPD]: Das ist die Unwahr-
(Widerspruch bei der SPD, der LINKEN und heit!)
dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wenn Sie die Protokolle lesen, werden Sie feststellen,
Gesetz zur Energiepolitik, über das in diesem Haus je- dass Sie von diesen fünfeinhalb Stunden viereinhalb
mals diskutiert wurde, beraten und verabschieden. Stunden durch Zurufe, unsinnige Anträge und dadurch
vertan haben, dass Sie der Vorsitzenden, die übrigens
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) von der Linken gestellt wird, die Geschäftsführung un-
möglich gemacht haben.
Während wir seit Wochen und Monaten in diesem Haus
(Ulrich Kelber [SPD]: Das ist eine Lüge!)
(Ulrich Kelber [SPD]: Seit Monaten?)
Sie haben damit jede Sachdebatte im Keim erstickt.
darüber ernsthaft diskutieren, wie wir in Deutschland die
Notwendigkeit, den Industriestandort zu sichern, mit ei- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
ner zukunftsweisenden, ökologischen Energiepolitik ver- Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
binden können, fällt Ihnen nichts anderes als Geschäfts- Das haben Sie doch nicht zu beurteilen, was
ordnungstricks, Zurufe und Kostümfeste ein. Liebe Frau ein sinniger Antrag ist! Das ist doch keine
Höhn, das mag für eine Basisversammlung der Grünen in Mehrheitsentscheidung! Sie haben die Parla-
Dinslaken angehen. Für seriöse Beratungen in diesem mentarier in ihren Rechten behindert! Un-
Hohen Hause gehört sich das nicht. glaublicher Vorgang! Sie haben die Vorsit-
zende hinausgemobbt! Sie haben sich wie im
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) ukrainischen Parlament aufgeführt!)
7162 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Peter Altmaier
(A) Lieber Herr Kollege Beck, Sie haben gesagt – damit (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und (C)
liefern Sie mir das entsprechende Argument –: Ihr habt der FDP – Lachen bei der SPD)
doch im Finanzausschuss 33 Änderungsanträge gestellt,
Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben uns
und dann regt ihr euch auf, wenn wir im Umweltaus-
um ein angemessenes parlamentarisches Verfahren be-
schuss ebenfalls Änderungsanträge stellen. – Ich sage
müht,
Ihnen: Sie haben im Umweltausschuss die Abschaltung
jedes einzelnen Kernkraftwerks beantragt. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem Genau, indem Sie Anträge nicht zugelassen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) haben! Sie haben die Leute in ihren Rechten
beschnitten!)
Dabei haben Sie selbst und Herr Trittin mit seiner Unter-
schrift Laufzeiten von vielen Jahren genehmigt. weil es uns darum geht, einen Diskurs über die Zu-
kunftsfragen unseres Landes zu führen, und weil wir im
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) Gegensatz zu manchen anderen keine Verhinderungs-
Wir haben Änderungsanträge zum Restrukturierungsge- politik, sondern eine Gestaltungspolitik machen.
setz gestellt, die in der Sache begründbar sind und die (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
auch beschlossen werden konnten. Das unterscheidet Sie gestalten für RWE und Eon! – Weitere Zu-
uns in der Arbeit von Ihnen. rufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Der entscheidende Punkt dieser Debatte ist ein ande- Wir glauben – egal, ob es sich um eine moderne Ener-
rer. Sie tun so, als befänden Sie sich zusammen mit den gieinfrastruktur oder um den Ausbau der Verkehrswege
Grünen noch in den Hoch-Zeiten der Anti-AKW-Bewe- handelt –, dass es sich lohnt, für ein lebenswertes, um-
gung der 80er-Jahre. Sie haben eines übersehen, und das weltfreundliches Deutschland zu kämpfen und zu arbei-
schlechte Gewissen schaut Herrn Trittin aus den Augen: ten.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP – Zurufe (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dafür brechen Sie geltendes Recht!)
Lieber Herr Trittin, als Sie mit Herrn Schröder Ihre Un- Deshalb lehnen wir Ihren Obstruktionsantrag ab, und wir
terschrift daruntergesetzt haben, dass die Kernkraft- werden unser Energiekonzept heute mit deutlicher und
werke in Deutschland noch ganze 20 Jahre laufen kön- großer Mehrheit verabschieden.
nen – ohne zusätzliches Sicherheitskonzept, ohne
Nachrüstung –, (Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und
(B) der FDP) (D)
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Vom Pöbel-Peter zum Lügen-Peter!)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
da haben Sie jeden Anspruch verwirkt, in dieser Debatte Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte noch
derart fundamentalistisch aufzutreten und zu reagieren. einmal daran erinnern, dass es guter parlamentarischer
Brauch ist, dass wir auch und gerade bei leidenschaftli-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
chen Auseinandersetzungen, einschließlich eines sicher
Zum Abschluss. Ich habe mit Interesse gelesen, Herr zulässigen Schusses von Polemik, auf persönlich herab-
Vorsitzender Gabriel, was Sie alles über die Unter- setzende Bemerkungen verzichten wollen und sollten.
schiede zwischen der SPD und den Grünen im Hinblick Das gilt auch für Zwischenrufe. Vielleicht darf ich das
auf Dafür und Dagegen gesagt haben, noch einmal in Erinnerung rufen.
(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
GRÜNEN]: Was hat das mit der Geschäftsord- Sigmar Gabriel [SPD]: Habe ich was ver-
nung zu tun? – Renate Künast [BÜNDNIS 90/ passt?)
DIE GRÜNEN]: Das brauchen Sie gar nicht!
Das ist vertane Zeit!) Als Nächster erhält Thomas Oppermann für die Frak-
tion der SPD das Wort.
und dass die SPD die Partei ist, die dafür ist. Ich habe
nur festgestellt: In dieser ganzen Debatte ist Ihnen über (Beifall bei der SPD)
viele Wochen gar nichts anderes eingefallen, als dann,
als die Grünen gesagt haben: „Jetzt machen wir ein biss- Thomas Oppermann (SPD):
chen Klamauk“, brav hinterherzutrotten. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich kann
ja verstehen, dass der Kollege Altmaier mit dem Rücken
(Widerspruch bei der SPD und dem BÜND- an der Wand versucht, die Flucht nach vorn zu ergreifen.
NIS 90/DIE GRÜNEN) Aber ich muss auch darauf bestehen, dass wir hier bei
Wenn Sie auf diese Art und Weise erlauben, dass die der Wahrheit bleiben.
Grünen die Meinungsführerschaft in der Opposition
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
übernehmen, dann dürfen Sie sich nicht wundern, dass
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
die Umfragen im Ergebnis genau so sind, wie sie sind,
und sich möglicherweise noch weiter in die andere Rich- Der Umweltausschuss hat am Montag getagt, und es
tung entwickeln werden. waren am Ende ganze 45 Minuten Beratung über die
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7163
Thomas Oppermann
(A) Anträge. Dazwischen gab es nur eine Geschäftsord- Wer so fundamentale Änderungen durchsetzen will, (C)
nungsdebatte. der muss sich dafür die Zeit nehmen, und Sie haben sich
ja alle Zeit genommen: Sie haben tagelang, wochenlang
(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP) Zeit für die Atomlobby gehabt, um mit ihr alle Einzel-
Nach zwei Stunden wurde die Beratung durch die Mehr- heiten zu besprechen, die für sie wichtig waren.
heit mit der Begründung, der Präsident habe nur zwei (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Stunden Sondersitzung genehmigt, abgebrochen. Da ha- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Georg
ben Sie den Hammer fallen gelassen. Ich sage Ihnen: Nüßlein [CDU/CSU]: Das ist nicht wahr!)
45 Minuten sind so viel wie eine Halbzeit im Fußball. Das
mag im Fußball eine lange Zeit sein, aber 45 Minuten Da zeigt sich wieder einmal, dass Sie das Parlament als
sind für die Beratung von vier so einschneidenden, fun- ein Parlament der zwei Geschwindigkeiten benutzen: ge-
damentalen Gesetzen eindeutig zu wenig. duldige Verhandlungen mit der Atomlobby auf der einen
Seite, blitzschnelle Beratungen auf der anderen Seite.
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Das ist nicht in Ordnung. Wir können auch beim Atom-
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
deal sehen: Wer in Deutschland eine starke Lobby bei
Diese vier Gesetze werden – wenn sie heute verab- dieser Bundesregierung hat, der kann seine Interessen
schiedet werden, was wir mit diesem Antrag verhindern durchsetzen. Wer keine Lobby hat, der geht leer aus.
wollen – unwiederbringlich mit dem Makel behaftet
sein, dass bei ihrer Verabschiedung die Minderheiten- (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
rechte missachtet und dass sie mit der parlamentarischen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Brechstange durchgesetzt worden sind. Bei den Ausschussberatungen stand nicht einmal der
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem Umweltminister zur Verfügung. Er war ausnahmsweise
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) nicht in Düsseldorf, wo er sich darum bewirbt, Nachlass-
verwalter für die NRW-CDU zu werden, sondern er war
Jede Novellierung eines x-beliebigen Gesetzes wird in Japan. Lieber Kollege Röttgen, ob in Japan oder in
im Deutschen Bundestag sorgfältiger und gründlicher Düsseldorf oder bei wichtigen Atomverhandlungen drau-
beraten als diese Gesetze. ßen vor der Tür: Sie stehen immer auf dem falschen Pos-
ten.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
GRÜNEN) DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
(B) LINKEN) (D)
Dies hier ist kein beliebiges Gesetz. Es geht darum, wie
bei verlängerten Laufzeiten die Sicherheitsinteressen der Aber wenn Sie schon die Verantwortung für ein Gesetz
Menschen wahrgenommen werden. Es geht um die übernehmen, das Sie in wichtigen Teilen gar nicht selber
Schutzpflichten des Staates für Gesundheit und Leben verhandelt haben, dann hätte es Ihnen gut zu Gesicht ge-
der Bürgerinnen und Bürger. Es geht darum, wie eine standen, wenn Sie in den Ausschüssen die Fragen beant-
junge, innovative mittelständische Wachstumsindustrie, wortet hätten, die Ihre Mitarbeiter dort nicht beantwor-
die immerhin schon über 300 000 Arbeitsplätze hervor- ten konnten.
gebracht hat, weiter existieren kann in Deutschland. Es
geht nicht zuletzt um die energiemarktwirtschaftliche (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
Ordnung in diesem Land. Es geht darum, ob wir ein altes DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
Oligopol mit 80 Prozent Marktbeteiligung in seiner LINKEN)
Marktmacht verfestigen oder ob wir Wettbewerb in der
Energiepolitik bekommen. Sie haben die Mehrheit, meine Damen und Herren
von der CDU/CSU und von der FDP. Sie können am
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ Ende mit Ihrer Mehrheit dieses Gesetz auch durchdrü-
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der cken. Aber die Mehrheit muss sich der Minderheit stel-
LINKEN) len. Sie darf nicht ausweichen. Sie muss die Fragen be-
antworten, die im parlamentarischen Prozess gestellt
Das sind fundamentale Veränderungen. Die Kanzlerin
werden. Das haben Sie nicht getan. So wie Sie mit Ihrer
hat sogar gesagt, das sei nicht nur ein Energiekonzept,
Mehrheit umgehen, offenbaren Sie die Arroganz der
das sei eine Revolution.
Macht.
(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Konterrevolution!) (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Ein bisschen erinnert der Ablauf der parlamentarischen
Beratungen – das muss ich schon sagen – eher an revolu- Sie zeigen auch, dass Sie Angst haben. Wer ein sol-
tionäre Prozesse als an einen geregelten parlamentari- ches Gesetzespaket mit der Brechstange durchsetzen
schen Ablauf. will, der will es schnell hinter sich bringen. Wer es
schnell hinter sich bringen will, der hat ein ungutes Ge-
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- fühl bei dem, was er da macht. Ich sage Ihnen: Auf die-
NEN]: Das war ein Putsch!) ser Gesetzgebung liegt kein Segen.
7164 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Thomas Oppermann
(A) (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten mitbekommen. Ich will auf Ihre Argumente eingehen, (C)
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE um das, was Sie vorgetragen haben, zu widerlegen.
GRÜNEN)
Erstens. Wir haben unseren Zeitplan im Ältestenrat
des Bundestages vorgestellt. Es gab Bedenken der Op-
Präsident Dr. Norbert Lammert: position wegen des Zeitplans für die Anhörungen. Wir
Kollege Oppermann, Sie müssen jetzt zum Schluss sind genau darauf eingegangen.
kommen.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das stimmt nicht!)
Thomas Oppermann (SPD): Insofern ist der Vorwurf, wir hätten eine ordentliche
Am Anfang standen die Geheimverträge mit der Beratung nicht ermöglicht, schon widerlegt.
Atomwirtschaft, was wir nur durch einen Zufall heraus-
bekommen haben. Am Ende steht ein schnelles Verfah- (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
ren, ein kurzer Prozess im Parlament. Das werden wir Der zweite Punkt, den Sie angesprochen haben: Am
nicht durchgehen lassen. Sie wollen die Deutschen auf Montagabend ist die Sitzung tatsächlich beendet wor-
eine energiepolitische Reise in die Vergangenheit mit- den, aber es ist angeboten worden, am Dienstagmorgen
nehmen. Ich sage Ihnen, wo diese Reise endet: Sie endet um 7 Uhr wieder zusammenzukommen.
in Karlsruhe.
(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/
(Beifall bei Abgeordneten der SPD) DIE GRÜNEN: Nein!)
Wir werden Sie und diese Gesetze vor das Bundesver- Das macht deutlich, wie wichtig Ihnen dieses Thema of-
fassungsgericht bringen. Da sehen wir uns wieder, und fensichtlich ist: Sie waren nicht bereit, früher aufzuste-
da gibt es einen ordentlichen Prozess. hen.
Vielen Dank. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU –
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) GRÜNEN]: Das stimmt nicht! – Ulrich Kelber
[SPD]: Herr van Essen, das ist die Unwahr-
heit! Sie waren doch überhaupt nicht dabei! –
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Zuruf des Abg. Ralph Lenkert [DIE LINKE])
Der Kollege Jörg van Essen erhält nun für die FDP-
Fraktion das Wort. Ich habe Verständnis dafür, dass Sie die Sachargu-
mentation scheuen. Genau deshalb haben Sie so viele
(B) (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten (D)
Geschäftsordnungsanträge gestellt.
der CDU/CSU)
(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
Jörg van Essen (FDP): GRÜNEN]: Das stimmt doch nicht!)
Vielen Dank, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Um uns herum wird in Ländern, die sich von der Nu-
Kollegen! Ich habe am letzten Dienstagabend zum ersten klearenergie verabschiedet hatten, wieder neu gebaut.
Mal an einer Sitzung des Umweltausschusses teilgenom-
men. (Sigmar Gabriel [SPD]: Wo denn?)
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- In vielen anderen Ländern wird es genauso geschehen.
NEN]: Ach, Sie waren auch dabei, als da ge- Das macht deutlich, dass Sie eine ganz schwierige Argu-
mobbt wurde! Der Täter ist geständig!) mentation verfolgen. Deshalb scheuen Sie natürlich die
Sachauseinandersetzung. Wer die Sachauseinanderset-
Das, was ich dort erlebt habe, könnte man als Kindergar- zung nicht scheut, muss auch nicht das Affentheater
ten bezeichnen, spielen, das uns hier geboten wird.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP) (Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE
aber das wäre eine Beleidigung für alle wohlerzogenen GRÜNEN]: Warum haben Sie die Fragen von
Kinder in unserem Lande, die solche Einrichtungen be- uns nicht beantwortet? Was ist mit den Rechts-
suchen. folgen des Vertrages? Was ist mit der Europa-
rechtsfähigkeit?)
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Zu-
rufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es macht mich nachdenklich. Es hat keinem Parlament
in der Geschichte gutgetan, wenn eine Fraktion einheit-
Spätestens da hätten alle die, die uns immer wieder lich gekleidet aufgetreten ist.
einzureden versuchen, die Grünen seien bürgerlich ge-
worden, merken können, dass ihnen das Wichtigste (Anhaltender Beifall bei der FDP und der
fehlt: Stil und Anstand. CDU/CSU)
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – La- Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir beantragen,
chen beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dass der Geschäftsordnungsantrag der Opposition zu-
rückgewiesen wird.
Herr Kollege Oppermann, Sie waren bei der Sitzung
nicht dabei und haben deshalb bestimmte Dinge nicht Vielen Dank.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7165
Jörg van Essen
(A) (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Zu- (Dr. Matthias Miersch [SPD]: So ist das! – Zu- (C)
rufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Rich-
tig!)
Präsident Dr. Norbert Lammert: Die anschließenden 45 Minuten wurden dann durch An-
Es gibt hinreichenden Anlass zu der Vermutung, dass trag der FDP beendet. So viel gehört dann auch zur Ehr-
wir zu dieser heute Morgen stattfindenden Geschäftsord- lichkeit.
nungsdebatte noch eine Nachbetrachtung haben werden.
Ich bitte nur, die Toleranzgrenzen im Auge zu behalten, (Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem
deren Überschreitung man sich offenkundig wechselsei- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des
tig zumutet, und nicht einseitig Empfindlichkeiten zu re- Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
klamieren. NEN])
Nun hat für die Fraktion Die Linke der Kollege Am Dienstagabend, in der Nachtsitzung, gab es noch
Wunderlich das Wort. eine Vielzahl von Änderungsanträgen. Diese sind auch
nicht der Geschäftsordnung entsprechend behandelt
(Beifall bei der LINKEN) worden. Der Antrag der Opposition, diese Änderungsan-
träge mit einer Begründung von einer Minute einzubrin-
Jörn Wunderlich (DIE LINKE): gen, ist mit der Mehrheit der Koalition abgelehnt wor-
den. Eine Aussprache fand dazu nicht statt.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Wir alle, die wir hier sitzen, haben uns zu Be- Dann gab es Änderungsanträge, die nicht eingebracht
ginn dieser Legislaturperiode eine Geschäftsordnung ge- werden konnten und nicht behandelt wurden. Anschlie-
geben, die für uns alle verbindlich ist. Jedenfalls habe ßend wurde über den Gesetzentwurf abgestimmt. An
ich das bis Dienstagabend gedacht. Aber die Koalition dieser Abstimmung hat die Opposition nicht mehr teilge-
scheint da anderer Meinung zu sein; denn am Dienstag- nommen; denn an einer so rechtswidrigen Verfahrens-
abend hat die Koalition im Umweltausschuss in einem weise beteiligen wir uns nicht.
untauglichen Versuch und mit einer für mich bis dato
nicht dagewesenen Arroganz der Macht versucht, darzu- (Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem
legen, dass die Geschäftsordnung für sie nicht gilt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Um nicht nur den Zuschauern, sondern auch denjeni- Man muss sich einmal vor Augen führen, dass die
gen Abgeordneten, die sich in der Geschäftsordnung of- rechtliche Beratung während der Sitzung durch den GO-
fensichtlich nicht auskennen, einmal ein wenig Grund- Ausschuss in folgendem Satz bestand – ich zitiere –:
(B)
sätzliches zu sagen: Die Geschäftsordnung kann „Der Ausschuss entscheidet selbst über die Anwendung (D)
entsprechend § 126 der Geschäftsordnung geändert wer- der Geschäftsordnung.“ Das läuft der Geschäftsordnung
den, wenn mindestens zwei Drittel der anwesenden Mit- allerdings völlig zuwider.
glieder des Bundestages zustimmen. Die Geschäftsord- (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
nung gilt auch für die Ausschüsse – mit Ausnahme des NEN]: So ist es!)
von mir gerade genannten § 126. Das heißt, dass ein
Ausschuss die Geschäftsordnung nicht ändern kann. Am Ende der Sitzung wurde von der Koalition er-
staunlicherweise noch beantragt, dass der Abgeordnete
In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Natur- Dr. Nüßlein alleiniger Berichterstatter für die Koalition
schutz und Reaktorsicherheit am Dienstagabend hat die sein soll. Dieser Antrag ist dann auch zur Abstimmung
Koalition von CDU/CSU und FDP mit einfacher Mehr- gestellt worden, die Änderungsanträge allerdings nicht.
heit beschlossen, dass Geschäftsordnungsanträge nur
noch für zehn Minuten zugelassen werden, und durch (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
unparlamentarisches Verhalten verhindert, dass weitere NEN]: Aha! Das ist das Demokratieverständ-
entsprechende Anträge gestellt werden konnten. Damit nis von Herrn van Essen!)
wurde massiv in die Rechte von Abgeordneten einge-
Auf die Frage, warum und mit welcher Begründung sie
griffen.
einen solchen Antrag stelle, antwortete die antragstel-
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜND- lende Kollegin unter anderem: Weil mir danach ist.
NIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordne- (Lachen bei der LINKEN und dem BÜND-
ten der SPD) NIS 90/DIE GRÜNEN) – Jürgen Trittin
Nach meinem Kenntnisstand wurde auch gegen § 25 [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Stil!)
Abs. 2 Satz 3 der Geschäftsordnung – Antrag auf – Das ist wirklich Stil.
Schluss der Aussprache – verstoßen, da die entsprechen-
den Anträge gar nicht beraten wurden. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Der passt zu Ihnen, Herr van Essen!)
Am Montagabend – Herr van Essen, das muss man
schon einmal sagen – fand die Geschäftsordnungsde- Daher kann ich auch den Antrag der Opposition sehr
batte im Rahmen der Beratung ja statt, weil die Regie- gut nachvollziehen, dass die Tonbandaufzeichnung die-
rungskoalition überhaupt nicht über die Gesetzentwürfe ser Sitzung vom Dienstag nicht gelöscht werden soll. Es
beraten wollte. ist im Grunde ein Beweissicherungsantrag. Das Bundes-
7166 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Jörn Wunderlich
(A) verfassungsgericht wird seine helle Freude an dieser tungsbedarf von allen Fraktionen des Hauses im (C)
Aufzeichnung haben. Allgemeinen und bei konkreten Gesetzgebungsvorhaben
im Besonderen und die von uns vereinbarte Beratungs-
(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem zeit in einem angemessen Verhältnis zueinander stehen.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der LIN-
Ob die vorgeschriebene Frist zur Einreichung von
KEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ-
Vorlagen eingehalten ist, sei dahingestellt. Alles in allem
NEN)
handelt es sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt um ein
rechtswidriges Zustandekommen dieser Gesetze, sollten Diese Frage richtet sich an alle Beteiligten und muss zu
sie denn beschlossen werden. gegebener Zeit neu geklärt werden.
Liebe Kollegen der Koalition, eines muss ich Ihnen Ich lasse nun über den Absetzungsantrag der Fraktion
sagen: Die Beteiligung der Atomindustrie ersetzt nicht Bündnis 90/Die Grünen abstimmen. Wer stimmt gegen
die Beteiligung des Parlaments. die beantragte Absetzung der Tagesordnungspunkte 4 a
(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem bis 4 c? – Wer stimmt dafür? – Wer enthält sich? – Damit
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ist der Geschäftsordnungsantrag mit der Mehrheit der
Koalition gegen die Stimmen der Opposition abgelehnt
Was Sie hier machen, ist ein Schlag ins Gesicht der De- worden.
mokratie. Bei diesem Verhalten, das Sie hier an den Tag
legen, brauchen Sie sich doch nicht zu wundern, wenn (Zuruf von der SPD: Auszählen!)
sich immer mehr Menschen von der Politik abwenden Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 4 a bis 4 c so-
und das Vertrauen in die Demokratie verlieren. wie den Zusatzpunkt 2 auf:
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord- 4 a) – Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio-
neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE nen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten
GRÜNEN) Entwurfs eines Elften Gesetzes zur Änderung
Daher werden wir dem Antrag der Grünen zustim- des Atomgesetzes
men. – Drucksache 17/3051 –
Ich danke Ihnen. – Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio-
(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem nen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Entwurfs eines Zwölften Gesetzes zur Ände-
(B) rung des Atomgesetzes (D)
Präsident Dr. Norbert Lammert: – Drucksache 17/3052 –
Wir sind damit am Ende der Geschäftsordnungsde-
batte. Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Der Kollege Beck hat noch um eine Wortmeldung (16. Ausschuss)
nach § 30 der Geschäftsordnung gebeten. Ich werde Ih-
nen, Herr Beck, nicht das Wort erteilen, weil ich nicht – Drucksachen 17/3409, 17/3453 –
erkennen kann, dass es sich um die Zurückweisung von Berichterstattung:
Äußerungen handelt, die sich auf Ihre eigene Person be- Abgeordneter Dr. Georg Nüßlein
ziehen.
– Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss)
(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE gemäß § 96 der Geschäftsordnung
GRÜNEN]: Was? – Claudia Roth [Augsburg]
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie bitte? – – Drucksache 17/3410 –
Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Berichterstattung:
Nach der Rede von Herrn van Essen können Abgeordnete Bernhard Schulte-Drüggelte
Sie 68 Wortmeldungen haben! Wir haben uns Sören Bartol
auf eine beschränkt!) Heinz-Peter Haustein
– Einen Augenblick, bitte! – Wir werden wegen einer Michael Leutert
ganzen Reihe von Tatsachenbehauptungen, die in dieser Sven-Christian Kindler
Geschäftsordnungsdebatte wechselseitig vorgetragen
b) – Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio-
worden sind, Anlass haben, in Ruhe über unseren Um-
nen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten
gang mit unserer Geschäftsordnung nachzudenken.
Entwurfs eines Gesetzes zur Errichtung eines
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sondervermögens „Energie- und Klima-
fonds“ (EKFG)
Ich meine das so ernst, wie ich es sage.
– Drucksache 17/3053 –
In diesem Zusammenhang erlaube ich mir ausdrück-
lich den Hinweis, dass wir offenkundig auch Anlass ha- – Zweite und dritte Beratung des von den Fraktio-
ben, darüber nachzudenken, ob der angemeldete Bera- nen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7167
Präsident Dr. Norbert Lammert
(A) Entwurfs eines Kernbrennstoffsteuergesetzes (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) (C)
(KernbrStG)
– Drucksache 17/3054 – Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-
Beschlussempfehlung und Bericht des Haushalts- ren! Ich glaube, wir sollten jetzt die Gelegenheit nutzen,
ausschusses (8. Ausschuss) uns in dieser Debatte einmal sachlich und nüchtern über
– Drucksache 17/3405 – die Daten und Fakten zu unterhalten.
Berichterstattung: Worum geht es? In der Tat geht es um nicht mehr und
Abgeordnete Norbert Barthle nicht weniger als die Verabschiedung des weltweit ambi-
Carsten Schneider (Erfurt) tioniertesten Energiekonzeptes. Damit wird erstmals
Otto Fricke auch in Deutschland ein Konzept vorgestellt und heute
Roland Claus verabschiedet, das alle Sektoren, nämlich den Strom, die
Alexander Bonde Wärme, die Mobilität, die Nachfrageseite und die Ange-
botsseite, gleichermaßen umfasst. Dieses schlüssige,
c) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- technologieoffene und marktorientierte Gesamtkonzept
richts des Ausschusses für Wirtschaft und Technolo- liefert eine Antwort aus einem Guss.
gie (9. Ausschuss)
Es ist im Übrigen das erste Energiekonzept seit
– zu dem Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und
20 Jahren, das wir hier in diesem Hause debattieren und
der FDP
verabschieden. In der Großen Koalition hat es nicht
Energiekonzept umsetzen – Der Weg in das funktioniert, weil sich die SPD verweigert hat, als es um
Zeitalter der erneuerbaren Energien die entscheidenden Punkte ging. Rot-Grün hat gar nicht
erst versucht, ein Energiekonzept aus einem Guss vorzu-
– zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung
legen. Sie haben nur Einzelmaßnahmen adressiert: ein
Energiekonzept für eine umweltschonende, bisschen erneuerbare Energien hier, ein bisschen KWK
zuverlässige und bezahlbare Energieversor- da, ein bisschen Steinkohlesubventionen an anderer
gung Stelle. Aber die Dinge haben vorne und hinten nicht zu-
einander gepasst.
und
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
10-Punkte-Sofortprogramm – Monitoring und
Zwischenbericht der Bundesregierung Was tun wir? Wir formulieren in unserem Energie-
(B)
– Drucksachen 17/3050, 17, 3049, 17/3402 – konzept Ziele, die wir erreichen wollen; wir beschreiben (D)
realistische Wege, die zu diesen Zielen führen.
Berichterstattung:
Abgeordneter Thomas Bareiß Welche Ziele setzen wir uns? Es geht um eine saube-
re, sichere und bezahlbare Energieversorgung für die
ZP 2 Beratung des Antrags der Abgeordneten Rolf Bürger und für die Wirtschaft in diesem Land. Es geht
Hempelmann, Hubertus Heil (Peine), Ulrich darum, dass zukünftig der Hauptanteil der Energiever-
Kelber, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der sorgung aus erneuerbaren Energien stammen soll. Es
SPD geht darum, die Energieeffizienz in diesem Land ent-
Das Energiekonzept der Bundesregierung zu- scheidend zu verbessern. Wir wollen die Energieeffi-
rückziehen zienz im Zeitraum von 1990 bis 2020, also innerhalb
von 30 Jahren, verdoppeln. Das heißt, dass wir den glei-
– Drucksache 17/3426 – chen Anteil am Bruttosozialprodukt mit nur der Hälfte
Zum Elften Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes der Energie produzieren wollen. Es geht darum, den An-
liegen 24 Änderungsanträge und zum Zwölften Gesetz teil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch
zur Änderung des Atomgesetzes drei Änderungsanträge von heute 16 Prozent bis 2020 mehr als zu verdoppeln.
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Weiterhin lie-
gen zum Elften Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes Präsident Dr. Norbert Lammert:
je ein Entschließungsantrag der Fraktion Die Linke und Einen Augenblick, Herr Kollege Pfeiffer. – Darf ich
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Über die vier die Kolleginnen und Kollegen, die dieser Debatte nicht
Gesetzentwürfe der Fraktionen der CDU/CSU und FDP oder jedenfalls nicht konzentriert folgen können oder
sowie über alle Änderungsanträge der Fraktion wollen, bitten, den Plenarsaal zu verlassen oder zumin-
Bündnis 90/Die Grünen werden wir später namentlich dest sicherzustellen, dass der Redner wirklich die not-
abstimmen. wendige Aufmerksamkeit erhält.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für (Beifall bei der CDU/CSU)
die Aussprache zwei Stunden vorgesehen. – Dazu höre
ich keinen Widerspruch. Dann können wir so verfahren. Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU):
Ich eröffne die Aussprache und erteile zunächst dem Wie gesagt: Wir wollen den Anteil der erneuerbaren
Kollegen Dr. Joachim Pfeiffer das Wort für die CDU/ Energien am Bruttostromverbrauch bis 2020 mehr als
CSU-Fraktion. verdoppeln; er soll auf 35 Prozent steigen. Bis 2050 wol-
7168 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Präsident Dr. Norbert Lammert: tigen Anzeigen der Stadtwerke in Deutschland, die sich (C)
Nächster Redner ist der Kollege Sigmar Gabriel für gegen Sie zur Wehr zu setzen versuchen.
die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
(Beifall bei der SPD) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben vorhin Hermann Scheer gedacht, und ich
Sigmar Gabriel (SPD): danke dem Präsidenten für seine Würdigung von
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Vor unge- Hermann Scheer. Ich sage Ihnen allerdings eines dazu
fähr achteinhalb Jahren wurde von diesem Parlament die – das ist eines unserer Versprechen, die wir im Rahmen
Entscheidung getroffen, das nukleare Risiko des Be- einer solchen Würdigung abgeben –: Wir werden dieses
triebs von Atomkraftwerken in Deutschland ein für alle Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht zu Fall brin-
Male – wenn auch nur Schritt für Schritt – zu beseitigen. gen, und alles, was Sie hier noch zustande bringen, wer-
den wir nach der nächsten Bundestagswahl zurück-
Gleichzeitig und untrennbar verbunden mit der Ent- schrauben. Damit werden wir dem Vermächtnis von
scheidung für den Ausstieg aus der Atomenergie begann Hermann Scheer gerecht.
der Siegeszug der erneuerbaren Energien in Deutsch-
land. 300 000 neue Arbeitsplätze sind inzwischen auf (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
der Grundlage dieser Entwicklung im Bereich der erneu- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
erbaren Energien in Deutschland geschaffen worden. Kommen Sie nicht mit Ihren Märchen von der
Das ist das Zehnfache der Anzahl von Arbeitsplätzen, Brückentechnologie. Kommen Sie nicht mit Ihren Mär-
die in der Atomwirtschaft existieren. chen von den paar Hundert Millionen Euro, die die Kon-
(Beifall bei Abgeordneten der SPD) zerne zur Verfügung stellen. Es geht vielmehr darum, ob
es auch noch in Zukunft zu den Milliardeninvestitionen
Statt diese Erfolgsgeschichte auszubauen, statt aus privater Unternehmen in erneuerbare Energien kommen
300 000 Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren 600 000 wird. Diese investieren nämlich nicht in erneuerbare
zu machen, statt zu zeigen, dass Arbeit und Umwelt, Kli- Energien, wenn sie sich nicht sicher sein können, dass
maschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen, sie den Strom auch ins Netz einspeisen können.
statt den Bereich der erneuerbaren Energien auszubauen,
stoppen Sie diese Entwicklung und verhindern den Aus- (Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]: Das stellt
bau von Arbeit, Klimaschutz und sauberen Energien. niemand infrage!)
Das ist das, was Sie heute hier machen. Das hat nicht nur etwas mit dem Netzausbau zu tun.
(B) (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem (D)
Übrigens, Herr Kollege Pfeiffer, warum haben Sie in
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) der letzten Wahlperiode den Netzausbau so massiv be-
Herr Kollege Pfeiffer, Sie haben ein paar Lastwagen hindert? Wir hätten doch längst die Hochspannungslei-
mit Geld in Bewegung gesetzt. Das kann man wirklich tungen unter die Erde verlegen können, wenn Sie dazu
nicht anders sagen. Die Richtung ist eindeutig. Die Lkw nicht immer Nein gesagt hätten.
fahren nacheinander vier Adressen ab. Die vier großen (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
Dinosaurier der Energiewirtschaft bekommen, je nach- DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
dem, wie sich die Strompreise entwickeln, zwischen 40 LINKEN – Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]:
und 100 Milliarden Euro zugeschustert. Herr Brüderle Das ist doch absurd!)
hat von 100 Milliarden Euro gesprochen und gesagt,
dass die Aufteilung fifty-fifty erfolgt. Jetzt sind es nur Sie selbst, Ihr damaliger Wirtschaftsminister Glos und
30 Milliarden Euro. Angesichts Ihrer Rechnung – fifty- Herr zu Guttenberg haben den ehemaligen Ministerprä-
fifty – frage ich mich, wie der PISA-Test bei Ihnen aus- sidenten Wulff gestoppt, als er versucht hat, den schnel-
gegangen wäre. len Ausbau der Netze von der Nordsee zu den Last-
schwerpunkten zu erreichen. Sie sind doch selber schuld
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der an dem Stau, den wir derzeit haben.
SPD und der LINKEN)
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
Ich kann Ihnen sagen: Die setzen das von der Steuer DIE GRÜNEN – Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/
ab. Und dann machen Sie auch noch Geheimabsprachen. – CSU]: Jetzt übertreiben Sie aber! – Weitere
Entschuldigung, Herr Brüderle, ich muss Sie in Schutz Zurufe von der CDU/CSU und der FDP)
nehmen. Das war die Bundeskanzlerin persönlich. Sie
hat nebenbei auch noch Geheimabsprachen getroffen, – Ich habe mich hier zu Wort gemeldet, weil ich die De-
sodass, wenn sich die Situation ändert und die Nachrüs- batte vielleicht ein bisschen länger kenne als Sie und
tung im Bereich der Sicherheitstechnik zu teuer wird, weil man verhindern muss, dass hier in Deutschland
das dafür notwendige Geld nicht von den Unternehmen Volksverdummung betrieben wird.
zur Verfügung gestellt werden muss. All das lassen Sie (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Dazu leisten
zu. Sie schaffen Wettbewerbsvorteile für die vier Dino- Sie aber keinen Beitrag, Herr Gabriel!)
saurier der Energiewirtschaft, und damit schädigen Sie
die mittelständische Energiewirtschaft. Wenn Sie wissen – Warten Sie einmal ab. Wir kommen noch zu ein paar
wollen, was uns droht, dann lesen Sie heute die ganzsei- spannenden Themen.
7170 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Sigmar Gabriel
(A) Sie haben doch jetzt dafür gesorgt, dass sich derje- dem, was Sie gerade machen, die Sicherheitsstandards in (C)
nige, der in Zukunft 1 Milliarde Euro in die Nordsee in- Deutschland. Sie verbessern sie nicht.
vestieren will, damit dort Windparks gebaut werden,
nicht sicher sein kann, ob er den Strom ins Netz einspei- (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
sen kann. Schließlich laufen die alten Atomkraftwerke BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
noch immer. Sie sind angesichts dessen, was Sie hier ge- Aber keine Sorge, das kann man entlang Ihres Textes se-
rade betreiben, ein echtes Investitionshindernis für hen.
Deutschland.
Herr Röttgen, wie können Sie, obwohl Sie für Reak-
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem torsicherheit zuständig sind, eigentlich zulassen, dass der
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Finanzminister und das Kanzleramt über Reaktorsicher-
Das alles stört Sie nicht. Es stört Sie auch nicht, dass heit verhandeln und Sie nicht einmal dabei sind, nicht
Hunderttausende von Menschen in Deutschland dagegen einmal dazu eingeladen werden?
demonstrieren. Die Menschen wissen nämlich, dass Sie (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
die Zukunft behindern und eine Rolle rückwärts in die DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
Vergangenheit machen. LINKEN)
Heute Morgen haben wir 170 000 Unterschriften von Wie können Sie als Minister für Reaktorsicherheit zulas-
Avaaz bekommen; Avaaz hat nur vier Wochen ge- sen, dass Laufzeitverlängerungen vereinbart werden,
braucht, um sie zu sammeln. Das ist Ihnen allerdings ohne vorher zu klären, ob die alten Atommeiler über-
egal. Stattdessen eröffnen Sie erneut einen gesellschaft- haupt nachgerüstet werden können? Sie wollen doch
lichen Großkonflikt, den wir schon einmal in mühsa- jetzt beschließen, dass diese 10, 12 oder 14 Jahre länger
mer Arbeit über viele Jahre gelöst hatten. Sie spalten die laufen, ohne überhaupt geprüft zu haben, ob man das bei
Gesellschaft, obwohl sie sich in diesem Punkt schon ei- Biblis A, bei Biblis B, bei Neckarwestheim und all den
nig war. Das ist das Ergebnis Ihrer Politik, meine Damen anderen Kraftwerken machen kann. Sie verletzen doch
und Herren. das Atomgesetz. Nach Ihrem Gesetzentwurf sollen die
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ alten Reaktoren, auch die ältesten Meiler, weiterbetrie-
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der ben werden. Durch die vorgelegte Novelle zum Atomge-
LINKEN) setz wird es quasi möglich, die Laufzeiten zu verlängern,
ohne dass eine neue Genehmigung erteilt werden muss;
Zu all dem sagt der Bundesumweltminister Ja und denn es ist klar, dass sie keine neue Genehmigung be-
Amen. Sagen Sie einmal, Herr Röttgen, kennen Sie ei- kommen würden.
(B) gentlich die Verfassung der Bundesrepublik Deutsch- (D)
land? Angeblich wollen Sie ein Nachrüstprogramm aufle-
gen. Sie müssen das trotz der Geschwindigkeit, in der
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- der Gesetzentwurf verabschiedet werden soll, einmal le-
NEN]: Nein, die kennt er nicht!) sen. Auch Sie in der Union können das doch nicht wirk-
Ich habe den Eindruck, dass Sie sie nicht kennen. Denn lich wollen. In diesem Nachrüstprogramm werden so
sonst wüssten Sie, dass Sie als zuständiger Minister für lange Zeiträume vorgesehen, dass es erst kurz vor dem
Ihren Aufgabenbereich die Verantwortung tragen und Zeitpunkt, an dem die Atommeiler – selbst mit der ge-
dass Ihnen diese niemand abnehmen kann – weder der planten Laufzeitverlängerung – abgeschaltet werden
Koalitionsausschuss noch die Kanzlerin. Wissen Sie, müssen, zur Nachrüstung kommt. Im Bereich der Nach-
wie Ihre Amtsbezeichnung lautet? Ich lese Ihnen diese rüstung wird also nichts passieren. Dann vereinbaren Sie
einmal vor, weil Sie sie vielleicht vergessen haben: Bun- auch noch, dass das die Konzerne nur 500 Millionen
desminister für Umwelt, Naturschutz und – jetzt kommt Euro kosten darf; wenn es mehr kostet, muss der Steuer-
es – Reaktorsicherheit. zahler den Rest zahlen. Das hat es noch nie gegeben in
Deutschland; so etwas gab es noch nie in unserem Land.
(Zuruf von der FDP: Ja, mehr Sicherheit!)
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Diese Amtsbezeichnung hat eine große Bedeutung. Schließ- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
lich birgt der Betrieb von Kernkraftwerken Risiken. Ich
nenne Brunsbüttel, Krümmel, Biblis, Philippsburg. Wir Bisher hat jeder Minister, Herr Röttgen, egal wer im
alle kennen doch die Probleme aus den letzten Jahren. Je- Amt war, gesagt: Ihr müsst nachrüsten, wenn es für die
der der bekannt gewordenen Störfälle hätte sich zur Ka- Sicherheit erforderlich ist, und wenn euch das zu teuer
tastrophe entwickeln können. ist, dann müsst ihr die Dinger vom Netz nehmen. – Sie
sind der erste Minister, der die Sicherheit der Bevölke-
(Michael Kauch [FDP]: Und warum haben Sie rung von der Bevölkerung selber bezahlen lassen will.
sie nicht abgeschaltet?) Sie sind der Erste in Deutschland, der das so macht.
– Keine Sorge, ich komme noch zu Ihrem Lieblingsthema (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Nachrüstung. Keine Angst, ich lasse Sie nicht davonkom- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
men; das wird Ihrerseits ein untauglicher Versuch sein.
Herr Trittin wird auch noch ein paar Bemerkungen dazu Die eigentliche Frage ist doch: Warum prüfen Sie
machen. Sie glauben doch nicht etwa, dass wir auf Ihre nicht vorher, warum mischen Sie sich eigentlich gar
Tricks hereinfallen. Schließlich verschlechtern Sie mit nicht ein? Warum sagen Sie nicht, dass ein Antrag ge-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7171
Sigmar Gabriel
(A) stellt werden muss, wenn die Laufzeiten verlängert wer- es um Laufzeitverlängerungen und andere Fragen ging. (C)
den sollen, und Sie dann gemeinsam mit den Ländern Wissen Sie, was das Verfassungsgericht Ihnen sagen
prüfen, ob die Meiler sicher genug sind, und Nachrüs- wird? Lieber Herr Röttgen, den dynamischen Vorsorge-
tungen festlegen? Das wäre ein Weg. Auch diesen halten grundsatz gibt es im Atomgesetz bereits seit 50 Jahren,
wir nicht für besonders klug, aber das wäre zumindest seit 1959.
ein Weg, bei dem Sie Minister für Reaktorsicherheit
blieben. Stattdessen bewilligen Sie das Ganze, bevor es Ich zitiere aus dem entsprechenden Urteil dazu – Ver-
überhaupt eine Prüfung gegeben hat. Sie wollen doch fassungsgericht 1978 zu Kalkar –:
auch gar nicht wissen, welche Nachrüstungen möglich Die in die Zukunft hin offene Fassung des § 7
sind. Abs. 2 Nr. 3 AtomG
Sie behaupten hier tatsächlich, Sie würden sich um – also des bestehenden Atomgesetzes –
Sicherheit kümmern? Sie werfen Herrn Trittin und mir
vor, wir hätten das nicht getan? dient einem dynamischen Grundrechtsschutz. Sie
hilft, den Schutzzweck des § 1 Nr. 2 AtomG jeweils
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
bestmöglich zu verwirklichen.
Ich frage Sie eines: Warum war Ihre erste Amtshand-
lung, dass Sie der Bundesaufsicht das neue Kerntechni- Weiter schreibt das Verfassungsgericht in dem Urteil:
sche Regelwerk weggenommen haben und ein 30 Jahre Das muss sogar über den bestehenden Stand der Technik
altes wieder eingeführt haben? Warum haben Sie das ge- hinausgehen. Der Gesetzgeber muss das Recht haben,
macht? die Atomkraftwerksbetreiber dazu zu zwingen, neue
Techniken zu entwickeln, wenn sie nicht da sind. – Das
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem alles steht darin.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt legen Sie ein Gesetz vor, von dem Sie sagen:
Wir haben 2008 und 2009 gegen den massiven Wider- Wir können nur noch Vorsorge da verlangen, wo techni-
stand der Atomwirtschaft zumindest für die Bundesauf- sche Lösungen vorhanden sind. Ich sage Ihnen, was das
sicht einen modernen Prüfstandard eingeführt: das Kern- Ergebnis davon wäre: Wenn Sie das heute wirklich be-
technische Regelwerk. Das Erste, was Sie gemacht schließen, dann können Sie keinen Kraftwerksbetreiber
haben, war, dieses wieder abzuschaffen. Ich vermute, mehr dazu zwingen oder von ihm verlangen, für existie-
das geschah auf Vorschlag von Herrn Hennenhöfer; er rende Gefahren und Probleme, die von der Atomaufsicht
hat vor einiger Zeit sein Geld bei der Atomindustrie ver- entdeckt werden, neue Technik zu entwickeln. Sie wer-
dient. den Sie immer darauf verweisen, dass doch jetzt im Ge-
(B)
(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE setz steht, nur das, was schon Stand der Technik sei, (D)
GRÜNEN]: Unabhängiger Berater!) müsse gemacht werden. Ich sage Ihnen einmal, was wir
dann nicht mehr hätten: Wir hätten keinen Schutz gegen
Die Investitionen haben sich für die Atomindustrie be- Wasserstoffexplosionen im Sicherheitsbehälter, wir hät-
zahlt gemacht; das kann ich nicht anders sagen. Er hat ten keine Sicherheitsventile im Sicherheitsbehälter, kei-
Ihnen empfohlen, es außer Kraft zu setzen. Wir werden nen Schutz gegen Verstopfung im Kühlkreislauf, keinen
uns den Schriftverkehr zwischen den Ländern, Ihrem Schutz gegen viele andere Störfälle. Bei Problemen ha-
Haus und der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsi- ben die Kraftwerksbetreiber gesagt: Es gibt dafür aber
cherheit dazu, warum Sie das Kerntechnische Regelwerk keine Technik. Dann haben wir gesagt: Wenn ihr die
nicht weiterentwickeln wollen und warum Sie den Stand Technik nicht entwickelt, dann nehmen wir euch das
von Wissenschaft und Technik nicht akzeptieren, son- Kraftwerk vom Netz.
dern nur den Stand der Technik, einmal genauer anse-
hen. Das ist die jetzige Rechtslage. Sie verändern sie, Sie
verschlechtern die Sicherheit für die Bevölkerung in
(Bettina Hagedorn [SPD]: Ja!) Deutschland.
Damit sind wir bei Ihrem schönen § 7 d des Atomge-
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
setzes, in dem Sie schreiben, Sie würden neue Sicher-
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
heit schaffen. Wissen Sie, was Ihr Minister da tut? Er be-
hauptet, es gebe jetzt zum ersten Mal eine dynamische Das, was Sie hier abliefern, ist nichts anderes als eine
Sicherheitsverbesserung. Auftragsarbeit der Atomindustrie. Sie sind der Minister,
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – der billig das aufschreibt, was die wollen, und lassen
Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Genau! sich dafür ein bisschen Geld in den Haushalt geben.
So ist es!) (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
Herr Röttgen, meine Bitte ist: Wenn Sie schon nicht ins SES 90/DIE GRÜNEN)
Atomgesetz schauen – vielleicht aus Zeitgründen wegen Auftragsschreiber sind Sie, aber kein Minister für Reak-
des Wahlkampfes in NRW –, dann rufen Sie doch einmal torsicherheit in Deutschland. Das ist die Wahrheit über
beim Bundesverfassungsgericht oder beim Bundesver- Ihre Arbeit.
waltungsgericht an. Das sind die beiden Gerichtsinstan-
zen, die in der Vergangenheit immer den Anträgen des (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Bundesumweltministeriums recht gegeben haben, wenn BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
7172 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Sigmar Gabriel
(A) Dynamischer Schutzstandard, den vernichten Sie ge- Wir haben die Sicherheitsanforderungen für Endlager (C)
rade. Mensch, Herr Kauch, Sie wissen das doch alles, entwickelt. Das sind dieselben, die Herr Röttgen gerade
Sie kennen doch die Rechtsprechung. Sie kennen das wieder aufweichen lässt. Nicht nur das Kerntechnische
Gesetz, und trotzdem wollen Sie zustimmen, dass dieser Regelwerk für die Sicherheit der Atomkraftwerke will er
Minister und Ihre Koalition die Sicherheitsstandards für aufweichen oder hat er sogar aus der Bundesaufsicht
Atomkraftwerke herabsetzen, weil die doch wissen, dass wieder herausgenommen, sondern er lässt auch die Si-
mit den bestehenden Sicherheitsstandards die alten Din- cherheitsanforderungen für Endlager aufweichen. Wir
ger nicht weiter betrieben werden könnten. Das lassen haben Schacht Konrad gemacht, wir haben begonnen,
Sie als umweltpolitischer Sprecher zu? die Asse zu sanieren – am Anfang gegen den massiven
Widerstand bei Ihnen.
Ich sage Ihnen, Sie haben diese ganzen Beratungen
durchpeitschen müssen – Ihre Regierung, Ihr Minister (Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]: Geklagt bis
und Ihr Fraktionsvorstand –, weil sonst Ihren Abgeord- zum Letzten haben Sie!)
neten aufgefallen wäre, was da wirklich im Gesetz steht.
2006 haben wir übrigens ein Konzept vorgelegt, Frau
(Lachen bei der FDP) Bundeskanzlerin, in dem ich Ihnen angeboten habe, Gor-
leben weiterzuentwickeln. Wir haben gesagt: Wir sind
– Da lachen Sie mal. Das ist der Grund, weshalb Sie das
bereit, Gorleben weiter zu erkunden, aber nur dann,
machen.
wenn die von uns erarbeiteten internationalen Kriterien
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem für ein Endlager gelten – nicht einmal dazu haben Sie Ja
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) gesagt – und wenn in Deutschland parallel dazu nach an-
deren Standorten geschaut und am Ende der beste Stand-
Verstehen Sie, Herr Trittin und ich melden sich nor- ort genommen wird.
malerweise nicht zu Wort, wenn es um Herrn Röttgen
geht, weil man das bei dem Nachfolger eigentlich nicht (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
macht. Aber wenn er sein Amt so dreist nicht ausübt,
wenn er so dreist der Öffentlichkeit die Unwahrheit über Das haben wir Ihnen vorgeschlagen.
Sicherheitsprobleme erzählt, dann müssen hier einmal Kommen Sie nicht zu mir und sagen, wir hätten Ihnen
ein paar stehen, die in ihrer Amtszeit für mehr Sicherheit keinen Vorschlag zu Gorleben gemacht. Herr Röttgen,
gesorgt haben, als Sie das jemals in Ihrer Amtszeit fragen Sie doch einmal Ihren Herrn Hennenhöfer, wer
schaffen werden, selbst wenn Sie vier Jahre Minister zuerst ein Moratorium für Gorleben vorgeschlagen hat.
bleiben. Das war nämlich die Atomindustrie. Fragen Sie einmal
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ Frau Merkel, warum sie in ihrer Amtszeit als Bundesum-
(B) (D)
DIE GRÜNEN) weltministerin Herrn Hennenhöfer beauftragt hat, die
Untersuchungskriterien für das Endlager Gorleben zu-
sammenzustreichen. Sie hat es getan, weil die Atomin-
Präsident Dr. Norbert Lammert: dustrie Angst hatte, dass sie mit den existierenden Salz-
Herr Kollege Gabriel. rechten gar keine vernünftige Untersuchung durchführen
kann.
Sigmar Gabriel (SPD):
Ihre Kanzlerin steckt im Thema Gorleben und in der
Meine Kollegen ahnen, was passieren wird.
Verantwortung für Gorleben ganz tief drin. Sie wussten
immer, dass Gorleben ein virtuelles Endlager ist.
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Gut. Wir sind uns ja einig, gut. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
LINKEN)
Sigmar Gabriel (SPD): Sie wussten immer, dass Gorleben am Ende nicht reali-
Weil das mit dem Endlager so schön war, dazu zum siert wird. Aber Sie brauchten Gorleben – das gilt auch
Schluss auch etwas zum Märchenonkel Röttgen. Meine heute –, weil dies der zentrale Entsorgungsnachweis für
Damen und Herren, da wird gesagt, wir hätten bei Endla- längere Laufzeiten der Atomkraftwerke ist. Dafür miss-
gern nichts gemacht. brauchen Sie den Standort Gorleben.
(Zuruf von der CDU/CSU: Nein, haben Sie (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
auch nicht!)
Sie sind zu feige, in Bayern und Baden-Württemberg
Ich will Ihnen einmal etwas sagen: Erzählen Sie doch je- – da, wo die meisten und die lautesten Rufe nach länge-
mandem, der in seinem eigenen Wahlkreis ein Endlager ren Atomlaufzeiten herkommen – nach einem Endlager
genehmigt hat, nicht, er hätte nichts gemacht. Den zu suchen.
Mumm haben Sie in Bayern und in Baden-Württemberg
doch gar nicht, wenigstens einmal nach einem Endlager Oh, Überraschung! Vor wenigen Tagen erschien doch
suchen zu lassen. tatsächlich ein Gutachten – es ist ein bisschen dünn – des
Bayerischen Landesamtes für Umwelt, ohne dass es je
(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie eine entsprechende Untersuchung gegeben hat. Die über-
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE raschende Überschrift des Gutachtens lautet: „Kein End-
GRÜNEN) lager in Bayern möglich“.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7173
Sigmar Gabriel
(A) (Heiterkeit bei der SPD, der LINKEN und dem Es geht dabei um den Weg ins Zeitalter der erneuerba- (C)
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ren Energien, es geht um aktiven Klimaschutz, es geht
um Versorgungssicherheit, und es geht um bezahlbare
Wissen Sie was? Wir wären längst weiter, wenn Sie
Energiepreise. Ein wesentlicher Aspekt ist der Ausbau
nicht zu feige gewesen wären.
der Netze. Ohne Netzausbau gibt es kein Zeitalter der er-
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Na, na, na!) neuerbaren Energien.
Ich weiß doch, was Ihre Leute am Ende sagen werden. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
Wenn Gorleben nicht funktioniert, wenn es also scheitert der CDU/CSU – Thomas Oppermann [SPD]:
– es wird scheitern –, dann werden Ihre Leute sagen: Dann fangen Sie doch endlich damit an! –
Lasst uns den Atommüll ins Ausland bringen, in die Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Weiten Sibiriens, aber ohne deutsche Sicherheitsbedin- Warum verstopfen Sie die nicht mit Kohle-
gungen. – Das ist unverantwortlich. Das ist das Ende Ih- und Atomstrom?)
rer Strategie.
Das wissen auch die Damen und Herren von der Op-
(Beifall bei Abgeordneten der SPD) position. Hier im Bundestag bekennen Sie sich dazu
Ich sage Ihnen: Wir werden beim Ausverkauf der Si- schön brav. Aber vor Ort haben das viele von Ihnen und
cherheit genauso wenig mitmachen wie beim Ausver- Ihren politischen Freunden sehr schnell vergessen. Wenn
kauf der Erneuerbaren. Herr Röttgen und Frau Merkel, es zum Beispiel um den Bau notwendiger Hochspan-
für unsere Zukunft mit erneuerbaren Energien, für zu- nungsleitungen und Speicher geht, sind viele von Ihnen
kunftsfähige Jobs und bezahlbare Energie, für unsere ei- an vorderster Front bei den Blockierern dabei. Das ist
genen Kinder und Enkel, für die Umwelt und das Klima, unredlich, das ist unverantwortlich.
für all das brauchen wir die Atomenergie nicht – weder (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
ihr Geld noch den Strom. Darum geht es. Das ist die
Politik, die wir am Ende durchsetzen werden. Wir werden in Deutschland circa 3 500 Kilometer
neue Leitungen brauchen; das ist dreieinhalbmal die
(Anhaltender Beifall bei der SPD, der LINKEN Strecke von Füssen nach Flensburg.
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Mensch!)
Präsident Dr. Norbert Lammert: Das betrifft den Bund, die Länder und die Kommunen.
Für die Bundesregierung hat nun der Bundeswirt- In Stuttgart und beim Berliner Flughafen sehen wir ge-
schaftsminister Rainer Brüderle das Wort. rade, dass große Infrastrukturprojekte mit den Bürgern
(B) gemeinsam geplant und durchgeführt werden müssen. (D)
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU –
Ich rege daher einen nationalen Pakt für neue Netze an.
Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
Vorbild könnte der Ausbildungspakt sein. Ziel des Pak-
GRÜNEN]: Bezeichnend! – Ulrich Kelber
tes soll es sein, die Bürger beim Netzausbau für das re-
[SPD]: Achtung! Der Bundesmonopolminis-
generative Zeitalter adäquat einzubeziehen.
ter spricht! – Weiterer Zuruf von der SPD: Oh!
Jetzt wird es spannend!) (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU –
Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und NEN]: Zuerst die Laufzeiten verlängern und
Technologie: dann einen Pakt machen! Die Bürger sind
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Oppo- doch nicht blöd!)
sition macht zwar viel Wind; aber davon dreht sich in Die beim Bundeswirtschaftsministerium bereits beste-
Deutschland noch kein einziges Windrad. hende Netzplattform könnte die Basis für einen Dialog
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der unterschiedlichen Beteiligten und für einen sinnvol-
der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Ein len gemeinsamen Weg sein.
ganz alter Witz! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/ Für das im Kern marktwirtschaftliche Energiekonzept
DIE GRÜNEN]: Tätä! Tätä! Tätä! – Volker brauchen wir die Unternehmen. Wir brauchen Unterneh-
Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: men, die moderne Kraftwerke bauen, die die Vernetzung
Jetzt kommt der Tiefpunkt der Debatte!) der Windräder im Norden mit den Stromabnehmern im
Mit unserem Energiekonzept ist das anders. Es bietet Süden zuverlässig umsetzen können und die die notwen-
erstmals seit langem einen belastbaren Fahrplan für die digen Energie- und Kohlendioxidspeicher bauen. Auf
Energieversorgung von morgen. Das haben Rot-Grün die private Initiative dieser Unternehmen setzen wir. Das
und all unsere Vorgängerregierungen nicht geschafft. ist die richtige Balance zwischen Markt und Staat. Das
ist soziale Marktwirtschaft.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
(Beifall des Abg. Michael Kauch [FDP])
Wir haben das geschafft. Ich möchte mich beim Kolle-
gen Röttgen für die gute, sorgfältige Zusammenarbeit, Auf die Stärken der sozialen Marktwirtschaft können wir
die zu diesem Energiekonzept geführt hat, ausdrücklich vertrauen. Das zeigt auch das derzeitige Wachstumswun-
bedanken. der in Deutschland.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU) (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
7174 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Jürgen Trittin
(A) (Volker Kauder [CDU/CSU]: Lauter! Ich höre Unternehmen ist. Es wird keine vier Jahre Bestand ha- (C)
nichts! Schreier!) ben.
Warum verringern Sie dann die Ausbauziele? Sie be- (Anhaltender Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE
haupten, Sie stellten den Erneuerbaren mehr Geld zur GRÜNEN – Beifall bei der SPD und der LIN-
Verfügung. Das ist nicht wahr. Tatsächlich kommt in KEN)
30 Jahren gerade so viel Geld zusammen, wie die Bran-
che der erneuerbaren Energien allein in diesem Jahr Präsident Dr. Norbert Lammert:
investiert hat. Wie passt es dazu, dass Sie noch in der Für die Bundesregierung spricht nun der Umweltmi-
gestrigen Haushaltsausschusssitzung die Steuerbegünsti- nister Dr. Norbert Röttgen.
gung der Fernwärme einkassiert haben, was die Stadt-
werke noch einmal Millionen kostet? Wollen Sie mehr (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Klimaschutz, oder wollen Sie die Marktmacht von Eon,
RWE und den anderen Konzernen stärken? Sie wollen Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt,
die vier großen Energiekonzerne stärken und gleichzei- Naturschutz und Reaktorsicherheit:
tig die Stadtwerke, die Erneuerbaren und neue Anbieter Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten
auf dem Markt schwächen. Das ist Kern und Gegenstand Damen und Herren! Es gibt ein ganz klares Ziel, das die
Ihrer Energiepolitik. Bundesregierung und die Koalition mit dem Energiekon-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, zept verfolgen.
bei der SPD und der LINKEN) (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Das glauben
Ich weiß – auch von Grünen –, dass der Konsens in wir auch!)
der Energiepolitik nicht von allen geliebt war. Aber ei- Dieses Ziel besteht darin, dass wir in Deutschland die
nes konnte man ihm nicht absprechen: Die Kombination effizienteste, die klimaverträglichste und die wettbe-
aus der Begrenzung von Laufzeiten, dem Inkrafttreten werbsfähigste Energieversorgung verwirklichen werden,
des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und der Einführung die es weltweit in einem Industrieland gibt. Das ist unser
des Emissionshandels hat klare, kalkulierbare Rahmen- Ziel.
bedingungen für alle Markteilnehmer geschaffen. Jeder
Investor, der etwa in ein Gaskraftwerk oder einen Wind- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
park investiert hatte, wusste, wie lange noch diese Anla-
gen mit alten, abgeschriebenen Atomkraftwerken kon- Ich glaube sogar – weil wir so viel streiten und weil es
kurrieren mussten. hier in dieser Debatte so einen großen Streitgestus gibt –,
(B) dass das in Wahrheit ein Konsens in diesem Haus ist, (D)
Jeder wusste, was er in den nächsten Jahren an Ein- dass wir das alle wollen.
speisevergütung bekommt, wenn er etwas im Bereich
der erneuerbaren Energien in das Netz einbringt. Jeder (Zuruf von der SPD: Eine Fehleinschätzung!)
Investor wusste als Betreiber eines Kohlekraftwerks Darum sollten wir auch dazu stehen, dass wir das ge-
auch, dass CO2 einen Preis hat und dass dieser Preis meinsam wollen. Ich glaube nämlich, dass es unsere
künftig steigen wird. In diesem Rahmen sind in den ver- Pflicht ist, dass wir alle einen Beitrag dazu leisten, dass
gangenen Jahren Milliarden Euro in Deutschland inves- Energiepolitik, diese Lebensader unserer Gesellschaft,
tiert worden – übrigens überwiegend nicht von den vier diese Lebensader unserer Industriegesellschaft, kein
großen Energiekonzernen, sondern von vielen Bürger- Streitthema und kein Kampfthema ist, sondern dass es
windparks, von Mittelständlern und von anderen Inves- im Interesse der Menschen, der Industrie ein gemeinsa-
toren aus dem europäischen Ausland. mes Thema von uns ist, weil wir dem Land zu dienen ha-
Und was passiert heute? Was macht die angeblich ben.
bürgerliche Koalition mit dem bürgerlichen Stilempfin- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
den eines Herrn van Essen?
Warum führen Sie denn diesen – das muss ich wirk-
(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE lich sagen – etwas albernen Gestus hier in dieser Debatte
GRÜNEN]: Aber hallo, genau!) und in den Ausschüssen auf? Warum? Weil Sie sich da-
Sie enteignen diese Unternehmen, Sie enteignen sie zu- für entschieden haben, dieses Thema entgegen den Inte-
gunsten von Eon, RWE und Co. ressen unseres Landes als parteipolitisches Kampfthema
wiederzuentdecken. Sie stellen die Parteiinteressen vor
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die Interessen des Landes, vor die Interessen der Zukunft
bei der SPD und der LINKEN) dieses Landes.
Das ist Ihre Vorstellung bürgerlicher Politik. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Zu-
rufe von der SPD und vom BÜNDNIS 90/DIE
Nein, meine Damen und Herren, der heutige Tag ist GRÜNEN)
das Ende der Investitionssicherheit in der Energiebran-
che in Deutschland. Diese Investitionen brauchen Si- – Natürlich. Sie wollen Wähler aktivieren, Sie wollen
cherheit über mehrere Jahre, um nicht zu sagen Jahr- Stimmung machen. Sie schüren Ängste. Warum das al-
zehnte. Sie wissen sehr genau, dass das, was Sie heute les? Weil das dem Land dient? Nein, Sie glauben, es
hier beschließen, ein sehr kurzfristiges Geschenk für vier dient Ihnen als Partei. Ich sage Ihnen aber eins: Sie un-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7179
Bundesminister Dr. Norbert Röttgen
(A) terschätzen die Intelligenz und das Verantwortungsbe- desumweltministers, der nämlich für erneuerbare Ener- (C)
wusstsein der Wähler. gien ist, und den Beschluss der Koalition im Haus, die
staatliche Vergütung für die Photovoltaik zu reduzieren,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
weil die Preise um 40 Prozent gefallen waren. Was ha-
Die wollen Zukunftsorientierung und nicht dieses Partei- ben Sie alles angekündigt: Zigtausende von Arbeitsplät-
geschrei, das Sie hier aufführen. zen gehen verloren; die Märkte brechen ein; die Techno-
logieführerschaft wird aufs Spiel gesetzt. Das waren
(Abg. Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
doch Ihre wilden, unbegründeten Drohungen.
NEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage)
Jetzt sind wir ein halbes Jahr weiter. Was können wir
– Ich möchte das kurz zu Ende ausführen, Frau Höhn. –
heute schon registrieren? Die Branche boomt wie nie zu-
Wir können jedenfalls unsere Ziele in Zahlen ausdrü-
vor. Sie boomt sogar so sehr, dass wir darauf achten
cken, zu denen wir uns verbindlich bekennen.
müssen, dass die Netze die Belastung aushalten und dass
(Zuruf von der SPD: Und was ist mit dem die Kosten unter Kontrolle bleiben. Wer erneuerbare
Weg?) Energien will, der muss das in einem Konzept zum Aus-
druck bringen. Wir brauchen nicht nur wilde Reden und
Das sind nicht Parteiprogramme, sondern das ist das den guten Willen bei einigen von Ihnen, sondern ein har-
Konzept unseres Landes. Ein Anteil von 80 Prozent tes, konkretes Konzept, und das legen wir vor.
durch erneuerbare Energien beim Strom ist unser Ziel.
Mindestens 80 Prozent an CO2 zu reduzieren, ist unser (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Ziel. 50 Prozent Reduzierung des Energieverbrauchs
Das unterscheidet uns von Ihnen. Sie bieten nichts, und
durch Steigerung der Energieeffizienz ist unser Ziel. Das
das ist vielleicht das, was Sie ärgert.
ist unser Konzept. Das ist Zukunft, die wir realisieren
wollen, und zwar ganz konkret. (Ulrich Kelber [SPD]: Ihr Ziel ist minus
98 Prozent bei der Photovoltaik!)
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Es ist eine Revolution, die Energieversorgung umzu-
Zum ersten Mal gibt es überhaupt ein Konzept. Zum
stellen von fossiler Energie und Kernenergie. Das ist
ersten Mal werden diese Ziele verbindlich. Seit 20 Jahren
eine Revolution im Prozess. Das ist eine grundlegende
fehlt ein solches Konzept. Ich glaube, dass das der ent-
Umgestaltung unseres Landes. Wir führen sie durch,
scheidende Unterschied ist. Wenn man Ihnen in den De-
weil wir glauben, dass sie dem Klimaschutz dient, und
batten, die wir führen, zuhört, dann stellt man fest: Es
Klimaschutz ist unsere Lebensgrundlage. Wir führen
kommt ganz viel Kritik. Sie kritisieren dies und jenes. Sie
diese Umgestaltung durch, weil wir überzeugt davon
kritisieren sogar das, was Sie selber nicht geschafft haben,
(B) sind, dass damit eine technologische Modernisierung, (D)
was wir jetzt realisieren. Sie kritisieren, kritisieren, kriti-
eine Innovation, die Erschließung neuer Märkte und die
sieren. Ich sage Ihnen, was der Unterschied ist. Was ich in
Entstehung Hunderttausender von Arbeitsplätzen, die
Ihren Reden – ich habe jetzt mehrere Debatten verfolgt;
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssiche-
wir haben zahlreiche durchgeführt –, in den Reden sämtli-
rung einhergehen. Wir realisieren ein langfristiges Kon-
cher Oppositionsabgeordneter, noch nicht einmal gehört
zept. Sie haben dabei nichts zu bieten, keine Alternative.
habe, ist ein Vorschlag, wie Sie es machen wollen, ist Ihr
Wir machen es anders. Es ist der parteipolitische Neid,
Konzept, ist Ihre Alternative.
der Sie hier zum Schreien bringt. Nichts anderes ist das,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Wi- was Sie machen.
derspruch bei Abgeordneten der SPD, der
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE
Ulrich Kelber [SPD]: Wie peinlich!)
GRÜNEN)
Von Ihnen ist nichts da. Wo ist Ihr Antrag? Wo ist Ihr
Gar nichts bieten Sie. Das sind doch reine Retroveran-
Konzept? Wie sehen Ihre Pläne bezüglich Netzausbau
staltungen, keine Zukunftsorientierungen.
und Speichertechnologien aus? Wo ist das Geld, das Sie
Ich will Ihnen einmal eines sagen: Diejenigen, die zur Verfügung stellen wollen?
hier sitzen und nur kritisieren können, sind in Wahrheit
(Ulrich Kelber [SPD]: Sie haben das Speichertech-
energiepolitische Blindgänger. Sie haben nichts drauf.
nologiegesetz geblockt vor zwei Jahren!)
Sie wissen nicht, wie wir die Zukunft in unserem Land
bewältigen wollen. All diese Fragen werden von uns beantwortet. Wir haben
klare Ziele. 60 Maßnahmen sind geplant. Ab 2013 wer-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – La-
den pro Jahr Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Wir
chen bei der SPD)
machen etwas, wovon Sie noch nicht einmal geträumt
Ich will Ihnen ein Beispiel nennen, das zeigt, wie Ihre haben, weil Sie nicht geglaubt haben, dass es unter Ihren
maßlose Kritik, die Sie hier – mehr durch Lautstärke als Finanzministern überhaupt möglich wäre.
durch Argumente – artikulieren,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
(Zuruf von der SPD: Sehr unterhaltsam hier
Da sitzt ein Finanzminister, der nicht nur Fiskalpoli-
heute!)
tik macht, sondern Finanzpolitik strategisch betreibt.
völlig an der Sache vorbeigeht: Photovoltaik. Wir haben Das spricht für die ganze Regierung. Wir wollen dieses
hier ähnlich gestritten über den Vorschlag des Bun- Feld im Hinblick auf die Interessen unseres Landes, auf
7180 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Der Trittin ver- Herr Trittin, würden Sie bitte zuhören, wenn ich mit Ih-
steckt sich schon hinter einer Zeitung!) nen spreche? Können wir miteinander reden?
Der erste Grund Ihres argumentationslosen Kampfge- (Zuruf von der CDU/CSU: Lümmel!)
schreis ist die parteipolitische Aktivierung. Der zweite Ich bin davon überzeugt, dass es so war. Das war der
Grund Ihres Geschreis beim Thema Sicherheit ist, wenn Preis dafür, dass Ihnen der Oberdinosaurier Schröder
ich es positiv formuliere, das schlechte Gewissen, das und seine Truppe der SPD diesen Ausstieg ermöglicht
Sie treibt. haben. Der Preis, den Sie zu zahlen hatten, war, dass Sie
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) bei der Sicherheit nichts mehr tun.
Sie wollen durch Angriff davon ablenken, was Sie ge- (Zuruf des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/
macht haben, was viele von Ihnen mit schlechtem Ge- DIE GRÜNEN])
wissen vollzogen haben.
Das haben Sie vertraglich zugesichert.
(B) (Zuruf von der SPD: Die Brille ist von innen (D)
verspiegelt!) (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Vielleicht hatten gar nicht alle ein schlechtes Gewissen.
Das ist das, was Ihr eigener Sachverständiger, der von Herr Trittin, ich habe es Ihnen versprochen, ich lese Ih-
Ihnen, von der Opposition benannte Sachverständige, in nen in jeder Debatte vor, was Sie als Minister für Reak-
der Ausschussanhörung gesagt hat. torsicherheit unterschrieben haben.
(Ulrich Kelber [SPD]: Jetzt ganz vorsichtig!) (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Es wird aber nicht besser, weil Sie es
Das ist genau der Punkt, den ich Ihnen vorwerfe. Der vorlesen!)
Sachverständige Lothar Hahn, den Sie benannt haben
– früher beim Öko-Institut –, hat gesagt, Sie haben den Unternehmen, die zu beaufsichtigen
sind, die Gegenstand und Adressat Ihrer Amtspflichten
(Ulrich Kelber [SPD]: Ganz vorsichtig jetzt!) waren, zugesagt,
dass durch den rot-grünen Atomausstieg wichtige Nach- (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
rüstungen ausgeblieben seien. Das betont Hahn. Ich zi- NEN]: Und wer hat mich daran hindern wol-
tiere ihn nach der taz, die das Zitat aufgenommen hat. len? Ihre Leute!)
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und die Bundesregierung werde keine Initiative ergreifen,
der FDP – Zuruf von der CDU/CSU: Unglaub- um diesen Sicherheitsstand – das ist der heutige Sicher-
lich! – Ulrich Kelber [SPD]: Den nächsten heitsstand – und die zugrunde liegende Sicherheitsphilo-
Satz auch noch zitieren!) sophie zu ändern. Sie haben eine Garantie gegeben. Sie
Genau das ist der Punkt. Ihr eigener Sachverständiger haben gesagt, der Staat werde nie mehr machen, als er
sagt, dass durch den Atomausstieg – so wie Sie ihn ge- jemals gemacht hat.
macht haben – Nachrüstungen und Sicherheit auf der
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
Strecke geblieben sind.
Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das hat Und genau den wollen Sie absenken!)
er nicht gesagt! Das ist nicht wahr!)
Das war amtspflichtwidrig, das durften Sie nicht tun. Sie
Warum ist das so? Es ist so, weil Sie etwas getan ha- dürfen dem Adressaten der Aufsicht nicht zusichern,
ben, das inakzeptabel ist. Sie waren beim Atomausstieg dass es keine neuen Anforderungen an ihn gibt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7181
(A) Präsident Dr. Norbert Lammert: Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, (C)
Herr Minister, lassen Sie eine Zwischenfrage des Kol- Naturschutz und Reaktorsicherheit:
legen Gabriel zu? Das werde ich tun. Es ist aber mit meiner Fraktion
verabredet, dass das in Anrechnung gebracht wird.
Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Zum Thema Gorleben: Warum steht denn in dem
Naturschutz und Reaktorsicherheit: Vertrag, dass es bis zu zehn Jahre keine Erkundung gibt?
Bitte sehr. Weil das so ein populäres Thema ist? Weil man als Um-
weltminister Gabriel oder Trittin damit so gut heraus-
Sigmar Gabriel (SPD): kommt? Nein, weil die Pflichterfüllung unangenehm ist
Ich will nicht, dass es da Missverständnisse gibt. Ich und Sie sich dafür entschieden haben, den bequemen
habe nur eine Frage: Würden Sie akzeptieren, dass die Weg zu gehen und nicht das Unangenehme zu wählen.
größte Kritik der Atomwirtschaft und eines Teils der Dabei haben Sie aber Ihre Pflichten vernachlässigt.
Länder an dem geänderten Kerntechnischen Regel- Kernenergie kann man ablehnen. Man kann aber nicht
werk die Veränderung der Sicherheitsphilosophie gewe- ignorieren, dass sie seit 40 Jahren betrieben worden ist.
sen ist und dass in Ihren Akten steht, dass die Verände- Darum ist es jedermanns Pflicht, als für Reaktorsicher-
rung der Sicherheitsphilosophie im Jahre 2008 und 2009 heit zuständiger Minister und auch hier im Haus dafür zu
beim Kerntechnischen Regelwerk stattgefunden hat, und sorgen, dass wir die daraus entstehenden Abfälle behan-
zwar gegen Widerstand? Und dass wir das auch in Ihren deln und sie sicher lagern, anstatt sie ungesichert der
Akten im Bundesumweltministerium wiederfinden? nächsten Generation, unseren Kindern, vor die Füße zu
Würden Sie das bestätigen, oder würden Sie das bestrei- kippen. Das ist doch das, was Sie gemacht haben.
ten?
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Diese Zukunftsverweigerung und Verantwortungsver-
Naturschutz und Reaktorsicherheit: weigerung ist leider eine rot-grüne Linie auf dem Gebiet
Erstens steht diese Frage in keinem Widerspruch zu der Energiepolitik. Das Ganze war für Sie nämlich leider
dem, wozu sich Herr Trittin vertraglich verpflichtet hat, – das muss ich zu meinem Bedauern sagen – immer nur
es zu unterlassen. ein parteipolitisches Kampfthema. Das ist ja in Ordnung.
Dann können Sie aber nicht den Anspruch erheben, dem
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Land zu dienen und seine Zukunft zu sichern. Das geht
Das war der Auftrag, es zu erarbeiten!) dann eben gerade nicht.
(B) Er hat sich verpflichtet, es zu unterlassen, eine Änderung (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) (D)
der Anforderung im Gesetz vorzunehmen.
Als Parlamentarier – ich habe übrigens, als ich rechts-
Zweitens. Ich komme zur nächsten Heldentat, derer politischer Sprecher war, häufig diese Art von Verfahren
Sie sich immer rühmen: dem berühmten Kerntechni- bei der rot-grünen Regierung kritisiert –
schen Regelwerk. Verehrter Herr Vorgänger, Sie haben
dieses Kerntechnische Regelwerk überhaupt nicht (Ulrich Kelber [SPD]: Als Erster PGF haben
durchgesetzt. Sie etwas ganz anderes gemacht!)
(Sigmar Gabriel [SPD]: Stimmt nicht!) muss ich nun feststellen, dass Sie sich jetzt auch noch
über Verfahrensfragen und das angebliche Reden mit der
Sie haben mit den Ländern die Erprobung versucht und Industrie beklagen. Das überschreitet die erträgliche
sind zu keinem Ergebnis gekommen. Grenze der Unwahrhaftigkeit; denn in der Vereinbarung
ist doch alles transparent. Man muss es nur einmal zur
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
Kenntnis bringen. Natürlich haben Sie in der Vereinba-
der CDU/CSU)
rung mit der Atomwirtschaft, als Sie dafür zuständig
Auch an dieser Stelle muss ich die Arbeit erledigen, die waren, auch eine weitere Zusage gegeben.
Sie nicht geschafft haben. Das ist die blanke Wahrheit.
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) NEN]: Was ist denn mit der Verwaltung? Wer
hat denn Herrn Hennenhöfer eingestellt? Wer
Sie rühmen sich der Taten, die Sie gar nicht vollbracht hat denn Herrn Thomauske mit der Prüfung
haben. Ich will gar nicht sagen, dass es an Ihnen gelegen beauftragt? Sie!)
hat, dass Sie es nicht geschafft haben. Aber Sie haben es
nicht geschafft. Es hat niemals ein verbindlich ins Werk Sie haben dort nämlich vereinbart und zugesagt: Die Be-
gesetztes Kerntechnisches Regelwerk gegeben, weil Sie teiligten – das sind die Betreiber der Kernkraftwerke –
die Beziehungen zu den Ländern auf einen Nullpunkt schließen diese Vereinbarung auf der Grundlage, dass
gebracht haben. Deshalb haben Sie auch an dieser Stelle das zu novellierende Atomgesetz einschließlich der Be-
nichts in puncto Sicherheit geleistet. gründung die Inhalte dieser Vereinbarung umsetzt. – Sie
haben mal eben dem Gesetzgeber mitgeteilt, was er zu
Präsident Dr. Norbert Lammert: tun hat. Das haben Sie mit den Betreibern verabredet.
Herr Minister, werfen Sie bitte auch einen Blick auf (Ulrich Kelber [SPD]: Quark! Quark mit
die Redezeit. Soße!)
7182 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Wenn wir die Änderung des EEG im Bereich der Pho- Wir sind der Auffassung: Energie ist elementar für die
tovoltaik nicht durchgeführt hätten, dann würde uns die Zukunft dieses Landes; dem fühlen wir uns verpflichtet.
Photovoltaik um die Ohren fliegen, und zwar in Bezug Es ist für uns kein Thema, das man abräumen sollte.
auf die Kosten und das Netz. Nehmen Sie das bitte end- Vielmehr geht es darum, die Zukunft der Energieversor-
lich zur Kenntnis: Gerade diejenigen, die erneuerbare gung in Deutschland zu sichern. Das ist der abweichende
Energien wollen, müssen die gesetzlichen Grundlagen Ansatz und Anspruch, den wir auf diesem Gebiet haben.
anpassen, damit die erneuerbaren Energien im Markt an- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
kommen und zukunftsfähig sind. Genau darum geht es.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Das Wort hat nun Kollege Matthias Miersch für die
Drittens: Sicherheit. Um es ganz nüchtern und ruhig SPD-Fraktion.
zu sagen: Bei den Sicherheitsstandards und -anforderun-
gen bleibt alles so, wie Sie es vereinbart und damit of- (Beifall bei der SPD)
fensichtlich für verantwortbar gehalten haben.
Dr. Matthias Miersch (SPD):
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! (D)
(B) NEN]: Nein! Sie schalten nicht ab!) Herr Bundesumweltminister, das war wieder typisch.
Der Rechtszustand, mit dem die Minister Trittin und Reden und Handeln fallen bei Ihnen um 180 Grad aus-
Gabriel leben konnten, bleibt selbstverständlich unange- einander.
tastet. Das gilt uneingeschränkt. Selbstverständlich wird (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
nichts von dem, was Sie für vollkommen ausreichend DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
gehalten haben, gestrichen. LINKEN)
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Herr Bundesumweltminister, Sie stellen sich hier hin
NEN]: Nein! Falsch!) und sagen, dass Sie Lob vom Bundesverband WindEner-
gie bekommen. Aber warum steht denn dann der Präsi-
Wir sind aber im Unterschied zu Ihnen damit nicht
dent des Bundesverbandes WindEnergie gerade jetzt
zufrieden und schaffen eine zusätzliche Vorsorgestufe.
draußen vor dem Reichstag und demonstriert gegen Sie?
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Das ist die Wahrheit: Alles bleibt so, wie es bei Ihnen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
war – Sie wollten keine Veränderung –; es kommen so- Sie werfen uns vor, wir hätten kein Konzept. Was zer-
gar noch mehr Sicherheitsmaßnahmen hinzu. schlagen Sie hier denn gerade? Sie zerschlagen den
(Ulrich Kelber [SPD]: Ihr Sachverständiger Atomkonsens. Sie zerschlagen das Erneuerbare-Ener-
hat gesagt: Das stimmt nicht!) gien-Gesetz. Sie zerschlagen die Zukunft von kommuna-
len Stadtwerken. Sie können uns doch nicht vorwerfen,
Viertens. Frau Höhn, Sie haben eine verräterische Be- dass es kein Konzept gibt. Sie haben es hier mit einem
merkung gemacht. Sie haben gesagt, Sie hätten im Zu- Konzept zu tun. Sie machen es aber gerade kaputt, lieber
sammenhang mit dem Ausstiegsbeschluss – Sie nennen Herr Bundesumweltminister.
das immer „Konsens“, aber Sie haben eine Vereinba-
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
rung, einen Vertrag mit der Wirtschaft geschlossen –
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE
über die Sicherheit verhandelt. Wir sind der Auffassung:
GRÜNEN)
Sicherheit gehört ins Gesetz; es ist die Prärogative des
Gesetzgebers, die Sicherheitsbedingungen festzulegen. Sie haben sich leider sämtlichen Diskussionen im
Die Regierung hat diesbezüglich kein Verhandlungs- Ausschuss verweigert. Trotz der Kürze meiner Redezeit
mandat. will ich auf einige Punkte eingehen. Sie lachen zwar im
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7185
Dr. Matthias Miersch
(A) Augenblick, hören Sie mir aber trotzdem zu! Es geht um (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem (C)
ganz viel, unter anderem um Ihre Behauptung im Zu- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
sammenhang mit dem Thema Sicherheit. Dazu kann ich
Im Zusammenhang mit „Worte und Taten“ will ich
Ihnen nur sagen: Es war Bundesumweltminister Sigmar
ein weiteres Zitat anführen. Herr Bundesumweltminis-
Gabriel, der das Kerntechnische Regelwerk für die Bun-
ter, vor zwei Monaten haben Sie der deutschen Öffent-
desaufsicht 2008 erarbeitet und 2009 in Kraft gesetzt
lichkeit erklärt:
hat.
Die Politik muss mächtige Unternehmen gerade
(Sigmar Gabriel [SPD]: So ist es!) auch im Steuerrecht so wie die normalen Bürger
Das werden wir darlegen. Sie haben dieses Regelwerk behandeln … Deshalb darf der Staat grundsätzlich
jetzt, im Jahr 2010, außer Kraft gesetzt, Herr Bundesum- nicht mit einzelnen Unternehmen einen Deal ma-
weltminister. chen.
Das sind Ihre Worte. Heute sehen wir die Taten, Herr
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
Bundesumweltminister. Sie sitzen mit den Konzernen
DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Gregor
zusammen, und Sie machen einen Vertrag.
Gysi [DIE LINKE])
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ich bitte die Kolleginnen und Kollegen der CDU/
CSU und der FDP, einmal genau zuzuhören. Es geht hier Herr Kollege Gysi, es ist nicht nur so, dass die Kern-
um zentrale Sicherheitsaspekte, die auch für künftige brennstoffsteuer zeitlich befristet ist, sondern in dem
Generationen relevant sind. Der Bundesumweltminister Vertrag wird den Konzernen sogar zugesichert, dass sie
hat hier erklärt, dass er im Bereich der Sicherheit nichts gegen diese Steuer klagen können. Herr Bundesumwelt-
ändert. Sie waren am Montag und Dienstag leider nicht minister, Sie haben es nicht einmal hinbekommen, dass
bereit, über diese Punkte zu reden. Möglicherweise glau- diese Einnahmen sicher sind.
ben Sie uns auch nicht. Ich will den Justizminister des (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem
Landes Schleswig-Holstein zitieren, der an Sie, Herr BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Röttgen, schreibt:
Ich will an der Stelle sagen: Wir werden den vier
Ich bin vielmehr in Sorge, dass die von Ihrem Haus Konzernen sagen müssen, dass sie ihren Vertrauens-
verfolgte Absicht zur Festschreibung einer eigen- schutz missbraucht haben; sie werden sich auf diesen
ständigen Sorgepflicht im Ergebnis zu einer Ab- nicht mehr berufen können.
schwächung der nach dem gültigen Atomgesetz be-
(B) stehenden weitreichenden Pflichten der Betreiber Insofern möchte ich mit den letzten Worten aus dem (D)
und damit im Ergebnis möglichweise zu einer Ab- letzten Werk von Hermann Scheer enden. Ich zitiere:
senkung des verfassungsrechtlich gebotenen hohen Es bedarf keines mit den Energiekonzernen abge-
Schutzniveaus führen könnte. stimmten energiepolitischen Gesamtkonzepts, son-
Das stammt aus der Feder der schwarz-gelben Regie- dern politischer Entscheidungen. Auf der politischen
rung von Schleswig-Holstein. Was sagen Sie dazu, Herr Ebene entscheidet sich, ob der Energiewechsel, den
Bundesumweltminister? die Gesellschaft vollzieht, beschleunigt wird.
Nehmen wir dies als Aufbruch zum Kampf gegen das,
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
was Sie hier heute durchsetzen.
DIE GRÜNEN)
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Wie können Sie behaupten, dass Sie das hohe Schutz-
niveau, das der Justizminister der schwarz-gelben Regie- (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
rung Schleswig-Holsteins bestätigt, tatsächlich beibehal- der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE
ten? GRÜNEN)
Frau Leutheusser-Schnarrenberger, ich hätte mir ge- Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
wünscht, dass auch das Justizressort dazu etwas sagt;
Das Wort hat nun Kollege Michael Kauch für die
denn der Justizminister schreibt weiter:
FDP-Fraktion.
Für gänzlich inakzeptabel halte ich die von Ihnen
geplante und regelungstechnisch auch in § 7 b Michael Kauch (FDP):
Atomgesetz verankerte Einschränkung des Rechts- Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Was wir
schutzes Dritter. Ich halte es für einen umweltrecht- hier heute erleben und auch schon im Umweltausschuss
lich sowie verfassungsrechtlich und rechtspolitisch des Deutschen Bundestages erlebt haben, ist, dass die
verfehlten Rückschritt. Opposition Hysterie verbreitet. Sie erkennt nämlich, was
sie in der Vergangenheit versäumt und welche Fehler sie
Das schreibt die schleswig-holsteinische Landesre-
begangen hat und dass sie kein Konzept für die Zukunft
gierung an Sie, Herr Bundesumweltminister. Und Sie
der Energieversorgung in Deutschland hat.
stellen sich hier hin und sagen, das Schutzniveau werde
nicht abgesenkt. Auch darum wird es beim Bundesver- (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
fassungsgericht gehen müssen. der CDU/CSU)
7186 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Michael Kauch
(A) Herr Trittin, der hier und heute heuchelt und hetzt, hat Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: (C)
sieben Jahre lang bei den Fehlern, die bei der Lagerung Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des
in der Asse passiert sind, weggeschaut. Kollegen Schwabe von der SPD-Fraktion?
(Zuruf von der FDP: Sehr richtig!)
Michael Kauch (FDP):
Er hat sieben Jahre lang die Hände in den Schoß gelegt, Nein. Ich denke, die Kolleginnen und Kollegen, die
wenn es um die sichere Endlagerung ging. Dies tat er, sich hier ständig melden, hätten sich von ihren Fraktio-
weil er es sich mit der grünen Basis nicht verscherzen nen auf die Rednerliste setzen lassen können.
wollte. Deswegen haben Sie Ihre Pflichten verletzt. Jetzt
schreien Sie hier in diesem Parlament herum (Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die permanenten Versuche der Opposition, ihre Redezeit
zu erhöhen, werde ich hier nicht unterstützen.
und machen uns Vorwürfe, obwohl wir mit diesem Ge-
setz die Lösungen für die Zukunft bringen, beispiels- (Beifall bei der FDP)
weise die Lösung für die Entsorgung der Nuklearabfälle. Meine Damen und Herren, Sie arbeiten permanent
(Beifall bei der FDP) mit Unterstellungen. Es wird uns gesagt, wir wollten die
erneuerbaren Energien gar nicht und wir wollten den
Lieber Herr Gabriel, ich erinnere mich noch an die Einspeisevorrang abschaffen. Dazu werde es schon ir-
Zeit, als Sie bedeutungsschwanger in den Umweltaus- gendwann kommen, und dann würden die Netze ver-
schuss kamen und uns über Ereignisse in Kernkraftwer- stopft. Das ist doch eine Märchenstunde, die Sie hier
ken berichteten. Am Schluss Ihrer Berichte haben Sie permanent abhalten.
stets gesagt: Trotzdem ist es sicher, und deshalb wird
nichts gemacht. – Dieses „es wird nichts gemacht“ zog (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
sich durch die gesamte Regierungszeit von Rot-Grün. Das sagen Sie doch selber!)
(Sigmar Gabriel [SPD]: Quatsch!) Deshalb sage ich ganz klar für meine Fraktion – ich
denke, auch für die Koalition; denn wir haben das im
Seit 2000 sind keine wirklichen Nachrüstungen vor- Energiekonzept und im Koalitionsvertrag vereinbart –:
genommen worden; denn Sie haben den Konzernen ver- Wir werden den unbegrenzten Einspeisevorrang für er-
traglich versprochen, neuerbare Energien sichern. Wir werden das EEG mo-
dernisieren. Wir werden eine stetigere Netzeinspeisung
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: anregen.
(B) Reden Sie doch nicht von Konzernen!) (D)
(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE
dass diese keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen er- GRÜNEN]: Über Marktregulierung, oder
greifen müssen, dass sie keine zusätzliche Steuer zu ent- wie?)
richten haben und dass es zu keinen Gewinnabschöpfun-
gen kommen wird. Das war Ihr schmutziger Deal von Aber wir werden die Möglichkeiten der erneuerbaren
2000. Energien in keiner Weise einschränken. Im Gegenteil:
Mit dem Klima- und Energiefonds legen wir das größte
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Förderprogramm für erneuerbare Energien auf, das die-
NEN]: Das ist doch lächerlich!) ses Land je erlebt hat.
Wir machen einen Vertrag, der Gewinnabschöpfun- (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
gen vorsieht. Wir machen ein Gesetz für mehr Sicher- der CDU/CSU)
heit, und wir werden eine Steuer erheben. Wir kassieren
diese Konzerne so ab, wie Sie es sich nie getraut haben. Mit dem unbegrenzten Einspeisevorrang findet der
Wettbewerb nicht zwischen den erneuerbaren Energien
(Beifall bei der FDP – Lachen beim BÜND- und der Kernkraft statt, sondern zwischen der Kernkraft
NIS 90/DIE GRÜNEN) und der Kohle und dem Gas. Das ist doch die Wahrheit.
Wir sehen eine zusätzliche Risikovorsorge für die (Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE
Kernkraftwerke vor. Wir ändern allerdings nichts am GRÜNEN]: Das ist doch Quatsch!)
bisherigen § 7 des Atomgesetzes. Das heißt, alle Rege-
lungen, die die Atomaufsicht heute heranziehen kann, Sie, die Grünen, wollen neue Gaskraftwerke bauen und
werden ihr auch weiterhin zur Verfügung stehen. Zusätz- damit die Brücke zu den erneuerbaren Energien bauen.
lich geben wir ihr in § 7 d eine Regelung an die Hand, Sie sind die Lobbyisten von Herrn Putin.
nach der der Betreiber entschädigungslos über das bishe- (Lachen beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
rige Schutzniveau bzw. Design der Genehmigung hinaus
für Sicherheit und dafür zu sorgen hat, dass Nachrüstun- Herr Gabriel mit seiner SPD ist der Lobbyist der Kohle-
gen vorgenommen werden. Das ist ein Mehr an Sicher- wirtschaft. Es ist kein Zufall, dass im Aufsichtsrat von
heit, welches Sie nie erreicht haben, und nun wollen Sie RWE ganz viele Sozialdemokraten sitzen.
von Ihrem eigenen Versagen ablenken.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
(Beifall bei der FDP) der CDU/CSU)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7187
Michael Kauch
(A) Wir werden den Wettbewerb in der Energiewirt- Sie haben auf § 7 d des Atomgesetzes Bezug genom- (C)
schaft stärken. Deshalb legen wir ein Förderprogramm men und davon gesprochen, dass es mehr Sicherheit ge-
für Offshorewindenergie auf, von dem gerade Zusam- ben soll. Herr Bundesumweltminister Röttgen hat den
menschlüsse von Stadtwerken profitieren können. Des- Sachverständigen Lothar Hahn zitiert und hält ihn,
wegen haben wir die Investitionszulagen für hocheffi- denke ich, für sehr glaubwürdig. Er hat ihn aber nicht
ziente Kraftwerke auf Anbieter mit weniger als vollständig zitiert. Ich habe mir das Protokoll der zu kur-
5 Prozent Marktanteil beschränkt. Wir schmeißen das zen, aber immerhin durchgeführten Anhörung vom
Geld nicht RWE und Co hinterher. Das können Sie hier 21. Oktober 2010 noch einmal angesehen. Der Sachver-
noch so oft behaupten, es ist falsch. Die Mittelständler ständige Lothar Hahn sagte zu dem im Gesetzentwurf
werden von unseren Förderprogrammen profitieren. vorgesehenen § 7 d:
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten Mir erschließt sich der Mehrwert dieser Regelung
der CDU/CSU) nicht. Das liegt vielleicht am Text, vielleicht auch
an der ganz missratenen Begründung, die wider-
Die größte Leistung des Energie- und Klimafonds ist, sprüchlich und nicht nachvollziehbar ist. … Viel-
dass künftig für Programme der Gebäudesanierung, der leicht wird das in der endgültigen Fassung besser.
erneuerbaren Wärme, der Forschung im Bereich der er-
neuerbaren Energien, aber auch für Klimaschutzprojekte Es ist in der endgültigen Fassung nicht besser gewor-
im Ausland die jeweiligen Minister nicht immer beim den. Er sagte weiter:
Finanzminister betteln gehen müssen. Wir gewährleisten
Die zweite Frage lautete, ob mit der AtG-Novelle
durch die Gewinnabschöpfung bei den Kernkraftwerken
der neueste sicherheitstechnische Stand abgebildet
und vor allem durch die Entscheidung, 100 Prozent der
wird. Ich muss sagen: Nein.
Mehrerlöse aus der Versteigerung von Emissionsrechten
für diese Klimaschutzprojekte zu verwenden, eine gesi- Weiter:
cherte Finanzierung. Der Multiplikatoreffekt dieser Aus-
gaben, von dem Sie selbst immer sagen, er liege bei 1 : 8 Es sind im Wesentlichen Dinge festgeschrieben
bis 1 : 10, wird – Herr Trittin kann noch so sehr versu- worden, die ohnehin üblich sind und anderswo ge-
chen, dies kleinzureden – viele Investitionen auslösen. fordert werden.
Sie werden vor Neid erblassen, wenn dieses Programm Wenn also Herr Hahn diese hohe Glaubwürdigkeit
in die Realität umgesetzt wird. hat, vom Bundesumweltminister bestätigt: Wie verhalten
Sie sich zu diesen Äußerungen?
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU – Lachen der Abg. Sylvia
(B) Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: (D)
Herr Kollege Lenkert, jetzt sind Sie dran, und dann
Die Auferlegung von Nachrüsttechnik ohne Zahlung kann Kollege Kauch zusammenhängend antworten.
von Entschädigung, die Investitionsoffensive für erneu-
erbare Energien – das sind Meilensteine auf dem Weg zu
den erneuerbaren Energien. Wir werden das Zeitalter er- Ralph Lenkert (DIE LINKE):
reichen, Sehr geehrter Herr Kollege Kauch, Sie wissen,
Schleswig-Holstein wird von Schwarz-Gelb regiert. Der
(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE dortige Justizminister hat in einem Brief an den Bun-
GRÜNEN]: Irgendwann wird es von alleine desumweltminister Röttgen die Sorge geäußert, dass der
kommen! Ja!) neue § 7 d zur Einschränkung der Klagerechte Dritter
gegenüber Atomkraftwerken führen kann.
indem wir die wirtschaftliche Vernunft, die die FDP und
die Union – anders als Sie – haben, für die Erreichung Des Weiteren möchte ich Sie in Fortsetzung der An-
der ökologischen Ziele, die wir gemeinsam haben, ein- hörung – das ist uns in der Anhörung nicht gestattet
setzen. worden – etwas zum verfassungsmäßig garantierten
Gleichbehandlungsgrundsatz fragen. Es geht um das
Vielen Dank. Haftungsrecht von Atomkraftwerksbetreibern im Ver-
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten gleich zum Haftungsrecht des normalen Bürgers oder
der CDU/CSU) auch eines Windkraftbetreibers. Bürger, auch Windkraft-
betreiber, müssen für Schäden, die durch ihre Anlagen
entstehen, in unbegrenzter Höhe haften, aber die Haf-
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
tungshöhe der Atomkraftwerksbetreiber ist gedeckelt
Das Wort zu Kurzinterventionen nacheinander erteile worden. Dies ist aus meiner Sicht eine eklatante Verlet-
ich zunächst dem Kollegen Frank Schwabe und dann zung des Gleichbehandlungsgrundsatzes des Grundge-
dem Kollegen Ralph Lenkert. setzes.
Frank Schwabe (SPD): (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord-
neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
Herr Kollege Kauch, wir hätten die Fragen natürlich GRÜNEN)
gerne an anderer Stelle gestellt, aber dort wurde uns
nicht die Gelegenheit dazu gegeben. Deswegen müssen Der Rechtssachverständige der Regierungskoalition
wir die Gelegenheit hier nutzen. antwortete auf meine Frage, dass der Gesetzgeber die
7188 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Ralph Lenkert
(A) Haftungshöhe deckeln müsse, weil das Risiko des Be- Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: (C)
treibens von Atomkraftwerken so hoch wäre, dass es Das Wort hat nun Kollegin Dorothée Menzner für die
niemand versichern würde. Fraktion Die Linke.
Jetzt habe ich an die FDP, die selbsternannte Bürger- (Beifall bei der LINKEN)
rechtspartei, die Frage, wie sie dies mit der Vertretung
der Interessen der Bürger vereinbaren kann. Dorothée Menzner (DIE LINKE):
Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Mit
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der Zustimmung zur Laufzeitverlängerung läuten Sie
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) den Kampf zwischen Atomenergie und erneuerbaren
Energien ein. Wer ihn verlieren wird, ist klar.
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Ich gebe Ihnen, aber auch den Bürgerinnen und Bür-
Kollege Kauch, Sie haben das Wort. gern jetzt eine energiepolitische Vorausschau, einen
Fahrplan, was uns als Nächstes erwarten wird:
Michael Kauch (FDP): Im Zuge der Laufzeitverlängerung wird es immer häu-
Liebe Kollegen, ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir figer zu Netzüberlastungen durch Kohle- und Atom-
noch einmal die Gelegenheit geben, auf den Mehrwert grundlaststrom kommen. Sie werden weiter lügen – das
dieser Regelung in § 7 d hinzuweisen und deutlich zu haben Sie auch in den letzten Wochen schon getan –
machen, was der politische Wille des Gesetzgebers, was
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Das
der politische Wille dieser Koalition ist.
stimmt!)
(Zuruf von der SPD: Nein, Sie sollen die Fra- und behaupten, das sei ein Problem des Überangebots an
gen beantworten, Herr Kauch!) erneuerbaren Energien.
Erstens. Wir schaffen Nachrüsttechnik über den Stand (Volker Kauder [CDU/CSU]: Jawohl! So ist
des genehmigten Designs hinaus. das ja auch!)
Zweitens. Wir schaffen Nachrüsttechnik über den si- Wir werden versuchen, diese Aussage richtigzustellen,
cheren Betrieb des Kernkraftwerks hinaus; denn der si- genauso wie Verbände und Initiativen. Aber Sie werden
chere Betrieb kann auch nach den entsprechenden Urtei- wohl nicht auf uns hören, weil Sie nicht erkennen wol-
len ein hinnehmbares Restrisiko beinhalten. Über diesen len, dass die stocksteife, nicht regelbare Atomenergie
das Problem ist und nicht ein Überangebot an Erneuer-
(B) sicheren Stand des Betriebs hinaus – das ist die bisherige (D)
Rechtslage – sind die Betreiber verpflichtet, zusätzliche baren.
Vorsorge zu betreiben, und zwar für die Allgemeinheit, (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord-
während sich § 7 eben auf die Allgemeinheit und die neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
Dritten bezieht. Deshalb kann ich es nur als Missver- GRÜNEN)
ständnis des schleswig-holsteinischen Justizministe-
riums erkennen, dass man hier diese beiden §§ 7 und 7 d Sie werden dann – da bleibt Ihnen gar nicht viel ande-
offensichtlich nicht als komplementär ansieht. Wir ha- res übrig – immer häufiger Wind- und Solaranlagen ab-
ben mit dieser Gesetzgebung die politische Absicht – um schalten müssen, weil die Netze instabil werden. Das tun
auch für künftige Gerichtsverfahren deutlich zu machen, Sie schon heute; in Zukunft werden Sie das allerdings
dass diese Paragrafen komplementär sind –, dass zusätz- vermehrt tun müssen.
lich zu § 7 ein § 7 d mit einer weiteren Vorsorge einge- Weil Sie nach wie vor alle Warnungen in den Wind
führt wird. schlagen, die Aussagen Ihres eigenen Sachverständigen-
Drittens. Der wesentliche Mehrwert dieser Regelung rates ignorieren, die Signale der Umweltverbände, der
besteht auch in Folgendem: Nach der jetzigen Rechtslage Bevölkerung, der Stadtwerke und der Branche der erneu-
können nachträgliche Auflagen über das genehmigte De- erbaren Energien nicht ernst nehmen, ja sogar die Hin-
sign des Reaktors hinaus nur gegen Entschädigungszah- weise Ihrer eigenen Bürgermeister ignorieren, werden
lung – § 18 Atomgesetz – erfolgen. Entschädigungs- Sie den bevorstehenden Systemkonflikt weiter auf die
pflichtig ist jeweils das Bundesland, das die Spitze treiben. Es handelt sich nämlich um einen Sys-
Genehmigung nachträglich verändert. Deshalb hat in temkonflikt, um einen Systemkonflikt zwischen Erneu-
den letzten zehn Jahren kein Bundesland eine solche erbaren und Grundlastkraftwerken. Sogar Ihr Sachver-
Nachrüsttechnik auferlegt. Das zeigt den Handlungsbe- ständigenrat hat das konstatiert, indem er schreibt: Jetzt
darf. Weil wir die Kernkraftwerke länger betreiben wol- wäre eine Systementscheidung notwendig.
len, als es bisher im Gesetz vorgesehen war, halten wir Zunächst werden Sie – das steht auch schon in Ihrem
es für unsere Pflicht und Schuldigkeit, über das bisherige Energiekonzept – die Direktvermarktung von EEG-
Sicherheitsniveau hinaus einen Schutz für die Allge- Strom umsetzen. Dann werden Sie den Einspeisevor-
meinheit zu schaffen. Das ist ein großer Fortschritt für rang für erneuerbare Energien abschaffen müssen. Ich
die Reaktorsicherheit. unterstelle Ihnen nicht einmal, dass Sie das wollen.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten (Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
der CDU/CSU) NEN]: Doch! Das ist aber so!)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7189
Dorothée Menzner
(A) Aber das ist die zwanghafte Konsequenz Ihres verant- Die Höhe von Steuern und Abgaben und der Umfang (C)
wortungslosen Energiekonzepts. von Sicherheitsauflagen, deren Dauer und Verrechnung
und vermutlich auch die Jahre der Laufzeitverlängerung,
(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg.
für die es keine fachliche Begründung gibt, all dies ver-
Undine Kurth [Quedlinburg] [BÜNDNIS 90/
handelten die Konzernvertreter.
DIE GRÜNEN])
Sie haben den Vorwurf formuliert, auch Rot-Grün
Sie betreiben volkswirtschaftliches Schiffeversenken auf
habe damals mit den Konzernvertretern verhandelt. Das
Kosten der Allgemeinheit.
ist richtig. Aber es ist doch wohl ein Unterschied, ob
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Genau!) man im Vorfeld einer Entscheidung verhandelt, weil
man in die Eigentumsrechte einer Wirtschaftskraft ein-
Dass der Systemkonflikt längst Realität ist, konnten
greifen und der Branche etwas Elementares abverhan-
wir im letzten Jahr beobachten. Allein im Jahr 2009 kam
deln will, oder ob man verhandelt, weil man die Wün-
es 18-mal zu Strompreiskapriolen. Da wurde Strom zu
sche der Branche erfüllen will.
Negativpreisen gehandelt, bzw., um es verständlicher zu
sagen, es wurde Geld gezahlt, wenn nur jemand den (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
überflüssigen Strom abnahm – und das in Zeiten, als vier sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
Atomkraftwerke abgeschaltet waren und Deutschland KEN)
immer noch massiv Strom ins Ausland exportierte. 18-mal
Sie, Umweltminister Röttgen, lagen in der Nacht, in
war also zu viel Grundlast im Netz; diese Tendenz wird
der die Vereinbarung mit den Konzernen unterschrieben
weiter zunehmen.
wurde, im Bett. Die Feder der Regierung führte der be-
Die Gewinner dieses Prozesses werden die vier kennende Atomlobbyist Hennenhöfer. Freunde unter sich
Atomkonzerne und ihre Lobbyisten sein; darauf ist beim Aushandeln der Revolution zurück ins 20. Jahr-
schon mehrfach hingewiesen worden. Ihr Gerede von hundert!
der Abschöpfung des Großteils der Zusatzgewinne ist
(Eva Bulling-Schröter [DIE LINKE]: Konter-
nichts anderes als eine populistische Nebelkerze.
revolution! – Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]:
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten Ins 19. Jahrhundert!)
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das, was Sie in einem Monat durch das Parlament peit-
Die Verlierer dieses Prozesses werden die kommuna- schen, ist in der Tat eine Revolution gegen boomende
len Energieversorger, Tausende von Menschen, die um Exportmärkte, gegen Aufwächse bei den Arbeitsplätzen,
ihre Arbeitsplätze fürchten müssen, die Bürgerinnen und gegen Investitions- und Planungssicherheit einer jungen
(B) Bürger und nicht zuletzt die nachfolgenden Generatio- Industrie, gegen die Chancen der erneuerbaren Energien (D)
nen sein. auf dem Markt, gegen kommunale und zivilgesellschaft-
liche Wettbewerber und vor allem gegen die Sicherheit,
Sie verschanzen sich weiterhin hinter Ihrer beton-
köpfigen Ignoranz. Ihr Gerede von der Brückentechno- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
logie ist eine Schimäre. Das Ende dieser Brücke hängt sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg.
nämlich offen weit über dem Wasser. Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE])
Sie vertun hier und heute eine historische Chance. Sie die sich bis heute in einem Atomausstieg manifestiert,
lassen die Bürgerinnen und Bürger über höhere Strom- der die Atomkraftwerke vor dem Erreichen eines gefähr-
preise und Steuern die Zeche für die Profite der Kon- lichen Alters vom Netz nehmen will.
zerne zahlen; hinzu kommen die Sicherheitsrisiken. Ich
versichere Ihnen: Das werden sich die Bürgerinnen und Sie, Herr Minister Röttgen, haben sich zu der Aus-
Bürger nicht widerstandslos gefallen lassen. sage verstiegen, mit Ihrem Konzept die Sicherheit erhö-
hen zu wollen. Eine beabsichtigte Laufzeit von 50 Jah-
Ich danke. ren für Atomkraftwerke ist in Verbindung mit dem
Fehlen jeglicher Erfahrungen, was mit einem AKW in
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord-
einem solchen Alter geschieht, nicht der glaubwürdigste
neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
Beleg für die Behauptung, Sicherheit generieren zu wol-
GRÜNEN)
len.
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Das Wort hat nun Kollegin Sylvia Kotting-Uhl für die sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
Fraktion Die Grünen. KEN)
Deshalb haben Sie den neuen § 7 d Atomgesetz erfun-
Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): den. Dadurch soll dafür gesorgt werden, dass durch ge-
Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Sie wol- eignete und angemessene Maßnahmen die Sicherheit er-
len heute mit Ihrer Mehrheit in diesem Hause Gesetzent- höht wird. Aber bitte: Wem oder was angemessen? –
würfe verabschieden, deren angemessene parlamentari- Den Gewinnen der Konzerne?
sche Beratung Sie verweigert haben. Dafür war die
Herr Minister – oder wer immer hinter diesem Streu-
außerparlamentarische Beratung aber umso intensiver.
sandparagrafen steckt –, wie wollen Sie eigentlich die
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Ja!) nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gefor-
7190 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Sylvia Kotting-Uhl
(A) derte Vorsorge verbessern? Dieser Vorsorgestandard ent- Sie können sich darauf verlassen, dass die Auseinan- (C)
spricht bereits dem jetzigen Gesetzestext. Sie können die dersetzung über die Zulässigkeit Ihrer heute abzustim-
höchstmöglichen Schadensvorsorgeanforderungen nicht menden Gesetze mit diesem Tag nicht beendet ist. Sie
noch steigern. treten einen vor Jahren schwer erkämpften Konsens mit
Füßen, und das wird Ihnen genau auf dieselben Füße fal-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
len.
sowie bei Abgeordneten der SPD)
(Zuruf von der CDU/CSU: Konsens?)
Nun kommen Sie uns nicht mit Dynamisierung – eine
weitere tolle Erfindung. Der Stand von Wissenschaft und Sie sollten lernen, zu sehen, dass die Gesellschaft nicht
Technik ist immer dynamisch. Sie relativieren den Stand mehr willens ist, sich von Konzernen regieren zu lassen –
von Wissenschaft und Technik. Es gibt nur eine Mög- weder von der DB AG noch von RWE. Ihre heutigen
lichkeit, die bisherigen Sicherheitsanforderungen zu ver- Gesetze werden von der Mehrheit der Gesellschaft ge-
schärfen: Abschalten! nauso abgelehnt wie von uns.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD – Volker sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
Kauder [CDU/CSU]: Das hätten Sie doch so- KEN)
fort machen können! Entschädigungen zahlen
und abschalten!) Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Und dafür, Herr Kauder, gibt es seit 2008 für die ältes- Das Wort hat nun Kollege Thomas Bareiß für die
ten, nicht gegen Flugzeugabstürze gesicherten AKW CDU/CSU-Fraktion.
eine gute Begründung. Mit seinem Urteil vom 10. April
2008 hat das Bundesverwaltungsgericht den Absturz ei- Thomas Bareiß (CDU/CSU):
ner Passagiermaschine auf ein AKW unter Hinweis auf Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
den 11. September 2001 nicht mehr als Restrisiko einge- Herren! Liebe Frau Kotting-Uhl, das, was Sie heute hier
stuft. Dieses Risiko ist also jetzt als realistisch zu be- veranstalten, nicht nur im Verfahren, sondern vor allen
trachten. Gegen dieses Risiko muss daher Schadensvor- Dingen auch in der Sache, ist in höchstem Maße unse-
sorge getroffen werden. Wo ist Ihre entsprechende riös.
Forderung, Herr Röttgen? – Ist sie ebenfalls Herrn
Hennenhöfer und seinen Freunden nächtens zum Opfer Ich habe mich in den letzten zwei Tagen einmal damit
gefallen? beschäftigt, was Sie in der Energiepolitik wollen, welche
Gutachten Sie in den letzten Jahren vorgelegt haben und
(B) (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Was haben welche Zielsetzungen Sie sich vorstellen. Ihre Energie- (D)
Sie denn 2001 gemacht, Frau Kollegin?) politik basiert darauf, dass in den nächsten 10 bis 15 Jah-
Im Vorfeld haben Sie laut genug davon geredet, dass Sie ren 35 Pumpspeicherkraftwerke in Norwegen gebaut
Nachrüstungen gegen Flugzeugabstürze fordern wol- werden, die nur dazu dienen sollen, dass wir in Deutsch-
len. Recht hatten Sie! Es ist richtig, die Urteile der land eine sichere Energieversorgung haben. Es sollen
obersten Gerichtshöfe umzusetzen. Dabei hätten Sie uns 25 Hochspannungsleitungen von Norwegen nach Deutsch-
ganz an Ihrer Seite. Aber wo steht das in dem Gesetzent- land gebaut werden. Norwegen soll zum Energiespeicher
wurf? – Nichts dazu steht in der zwölften AtG-Novelle. Deutschlands ausgebaut werden. Das ist eine absolut un-
Da gehört es aber hin! realistische Vorstellung.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Sie wollen die Leistung, die mit der Photovoltaik in
bei der SPD und der LINKEN) Deutschland erreicht wird, in den nächsten 10 bis
15 Jahren auf 130 000 Megawatt ausbauen. Unterstellt,
Nicht nur hat die Koalition die Einhaltung der ange- die jetzige Förderkulisse ändere sich nicht, würde das
messenen parlamentarischen Abläufe vergessen. Sie spie- eine Steigerung der Ausgaben im Bereich der erneuerba-
len auch mit der Rechtmäßigkeit Ihrer Gesetzesvorla- ren Energien um über 500 Milliarden Euro in unserem
gen. Es zieht Sie offensichtlich mit Gewalt vor das Land bedeuten. Das wäre unbezahlbar. Die Energiepoli-
Bundesverfassungsgericht. Das, meine Damen und Her- tik von Rot-Grün ist absolut unrealistisch.
ren von der Koalition, können Sie haben.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sehr gut!) neten der FDP)
Sie legen heute Gesetzentwürfe und Beschlussvorla- Daneben bauen Sie auf einen hohen Grad an Strom-
gen vor, die verlässlich einen Weg für die Energieversor- importen in den nächsten 10 bis 15 Jahren.
gung bis 2050 beschreiben sollen. Sie geben alles, was
sich die Zivilgesellschaft erobert hat, verlässlich in die (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Hände der Konzerne zurück. Sie verstopfen verlässlich NEN]: Nein, das sind Sie! 25 Prozent Strom-
die Netze auf Jahrzehnte mit Atom- und Kohlestrom. Sie importe bei Ihnen!)
ziehen dezentralen Energieversorgern verlässlich den
Das wird kommen, wenn Sie das umsetzen. Das sagen
Boden unter den Füßen weg. Und Sie verkaufen verläss-
alle. Selbst Herr Kohler von der dena, der ja beim Öko-
lich für vielleicht 15 Milliarden Euro die Sicherheit.
Institut Freiburg angefangen hat, sagt, wir werden spä-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) testens in den nächsten sieben, acht Jahren eine Strom-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7191
Thomas Bareiß
(A) lücke bekommen. Was würde ein Stromimport mitten in Leitungen durch Deutschland müssen nicht nur 3 500 (C)
Europa bedeuten? Das würde bedeuten, dass wir von Kilometer, sondern 4 300 Kilometer lang sein. Bei dem
französischen, rumänischen, bulgarischen, polnischen jetzigen rot-grünen Tempo würden wir über 45 Jahre
und russischen Kernkraftwerken in den nächsten Jahren brauchen, bis es diese Leitungen gibt.
abhängig werden.
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Das kann nicht die Energiepolitik eines Industrielan- Wer hat denn das Gesetz blockiert? Sie!)
des mitten in Europa sein. Deshalb müssen wir es anders Wir haben also genügend Probleme, die wir angehen
machen. Aus diesem Grund haben wir ein Energiekon- müssen. Gehen wir sie beherzt an!
zept vorgelegt, mit dem wir für eine sichere, bezahlbare
und saubere Energieversorgung sorgen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir brauchen nicht nur Kapital, wir brauchen auch
25 Prozent Energieimporte! Das steht bei Ih- Akzeptanz. Im Zusammenhang mit dem Thema Akzep-
nen drin! – Gegenruf des Abg. Dr. Joachim tanz müssen wir auch schauen – das wird uns die nächs-
Pfeiffer [CDU/CSU]: Das sind Szenarien Ihres ten Tage und Wochen beschäftigen –, wie wir mit den
Programmes, Herr Trittin!) enorm steigenden Kosten des EEG umgehen. Ein Drei-
personenhaushalt wird im nächsten Jahr im Schnitt
Betrachten wir uns das doch einmal genau. Wo liegen 145 Euro mehr zahlen, ein kleiner Handwerksbetrieb,
die Potenziale in Deutschland? Wo können wir im Be- ein Bäckerbetrieb circa 3 000 Euro mehr. Wir brauchen
reich der erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren das Geld, um die Investitionen zu tätigen. Aber wir brau-
wirklich etwas aufbauen? Wir haben uns enorm hohe chen neben noch mehr Geld auch noch mehr Zeit.
Ziele gesetzt. Der Umweltminister hat es gesagt: Bis Deshalb, meine Damen und Herren, ist es ein in sich
2020 soll die Stromversorgung zu 35 Prozent aus erneu- stimmiges Konzept, wenn wir die Mehrgewinne bzw. ei-
erbaren Energien erfolgen. – Dafür müssen wir alle Po- nen Großteil der Mehrgewinne aus der Verlängerung
tenziale nutzen, die wir haben. Es geht hier nicht mehr der Laufzeit auch in diese Herausforderungen stecken
um ein Ja oder Nein zur Kernenergie, sondern es geht und damit ein in sich stimmiges Gesamtkonzept bilden,
darum, die Potenziale, die wir in Deutschland haben, wie es im Übrigen auch von den Menschen mitgetragen
auszuschöpfen. Das höchste Potenzial – darin sind wir wird.
uns hier im Hause ja einig – gibt es im Bereich Offshore-
windanlagen; hierdurch sollen bis 2030 circa 25 Giga-
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
watt Strom erzeugt werden. Um dieses Ziel überhaupt zu
(B) erreichen, müssten wir aber ab heute bis 2025 jeden Tag Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des (D)
Kollegen Hempelmann?
ein neues Windrad aufstellen. Wir brauchten eine
enorme Kapitalausstattung, für die wir jetzt als ersten
Schritt mit dem 5-Milliarden-Euro-Programm der KfW Thomas Bareiß (CDU/CSU):
sorgen. Wir haben also riesige technische Voraussetzun- Nein, ich möchte nicht. Danke.
gen zu bewältigen. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
In einer Anfrage der Grünen vom Juni dieses Jahres NEN]: Genau! Nicht von Fakten verunsichern
steht, dass es wegen der Schweinswalpopulation Beden- lassen!)
ken gegen das Aufstellen von Windrädern in der Ost- Sie behaupten immer, dass die Menschen in unserem
und Nordsee gibt. Ich muss also feststellen, dass wir uns Land gegen die Kernenergie sind. Ich glaube, die Men-
berechtigterweise auch mit Umwelt- und Naturschutz- schen sind zurecht skeptisch gegenüber der Kernenergie.
fragen auseinandersetzen müssen, ehe wir Windräder in Ich bin es auch.
der Nord- und Ostsee aufstellen können.
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Schließlich müssen wir den Strom aus dem Norden, NEN]: Seit wann denn das?)
von der Ost- und Nordsee, auch in die Zentren im Süden
bringen, die diesen Strom dringend brauchen. Auf vielen Deshalb haben wir gerade auch die Debatte über das
Thema Sicherheit geführt.
Gebieten müssen wir also wichtige Themen angehen.
Aber die Menschen sagen auch: Wir brauchen in den
Liebe Frau Kotting-Uhl, wir saßen vor wenigen Ta- nächsten Jahren die Kernenergie; denn der Strom kommt
gen bei der Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam auf dem nicht allein aus der Steckdose, und er kann auch nicht
Podium. Sie haben dort behauptet, dass Sie erst dann für aus anderen europäischen Ländern kommen, sondern
eine 380-kV-Leitung durch Deutschland sind, wenn ge- wir sind selber dafür verantwortlich, dass wir eine si-
währleistet ist, dass kein Atomstrom mehr durch diese chere, saubere und bezahlbare Strom- und Energiever-
Leitung fließt. In diesem Punkt kann ich Sie weiß Gott sorgung auch in den nächsten Jahren haben. Deshalb
nicht ernst nehmen. Strengen Sie sich einmal an, damit brauchen wir eine sinnvolle Verbindung zwischen der
Sie und Ihre Fraktion in diesem Bereich auch in sich Kernenergie auf der einen Seite, aber auch den Schritt-
konsistent sind, und sprechen Sie sich für diese Leitun- für-Schritt-Ausbau der erneuerbaren Energien auf der
gen durch Deutschland aus, die 4 300 Kilometer lang anderen Seite.
sein müssten. Ich widerspreche unserem Bundeswirt-
schaftsminister in diesem Punkt nicht gerne, aber die (Beifall bei der CDU/CSU)
7192 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Thomas Bareiß
(A) Ich will zum Schluss sagen, dass wir, wie ich glaube, aktuellen Ausbauraten um 75 Prozent und die Bioener- (C)
ein in sich stimmiges Energiekonzept haben. Wir ha- gie gegenüber den aktuellen Ausbauraten um 85 Pro-
ben jetzt nicht groß über das 10-Punkte-Sofortprogramm zent. Wasserkraft- und Geothermiezubau finden gar
gesprochen, das wir heute auch mit auf den Weg brin- nicht mehr statt. Herr Kelber hat bereits darauf hinge-
gen. Wir haben einmal die verlängerte Laufzeit, dann wiesen, dass es ab 2020 sogar noch viel schlimmer
das 10-Punkte-Sofortprogramm, in dem es allein in vier kommt.
Punkten konstruktiv und direkt um das Thema Netzaus-
bau geht, und schließlich ein Energiekonzept, das auf Das heißt, die Branche, die nicht nur vom Betrieb die-
über 40 Seiten alle Bereiche unserer Energieversorgung ser Anlagen, sondern vor allem vom Neuzubau lebt, be-
bzw. des Primärenergiebedarfs entsprechend einbindet. kommt massive Probleme. Wir haben in den Diskussio-
Ich glaube, das sind Meilensteine für die Energieversor- nen öfter darauf hingewiesen. Sie und andere Ihrer
gung. Kollegen haben dann behauptet, die Zahlen in diesem
Gutachten, das Sie zur Rechtfertigung für die Laufzeit-
Deshalb ist es ein guter Tag für Deutschland, für die verlängerung herangezogen haben, entsprächen nicht
Wirtschaft und die Umwelt. In diesem Sinne sollten wir den Ausbauzahlen, die die Bundesregierung zugrunde
dieses Thema in den nächsten Monaten auch beherzt an- legt. Wir haben aber im Nationalen Aktionsplan, den Sie
gehen. nach Brüssel gemeldet haben, ähnliche Reduktionen ge-
funden. Wir haben Sie im Ausschuss und anderswo nach
Herzlichen Dank.
Ihren Zahlen gefragt. Sie haben sie nicht vorgelegt. Des-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) wegen müssen wir davon ausgehen, dass Sie diese Bran-
che massiv unter Druck setzen und die Situation auf
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: diese oben geschilderte Weise bereinigen werden.
Jetzt kommen kurz hintereinander zwei Kollegen für Herr Präsident, mein letzter Satz. – Ich habe mit Ent-
Kurzinterventionen zu Wort, zunächst der Kollege Hans- setzen zur Kenntnis genommen, dass Bundesminister
Josef Fell und danach der Kollege Rolf Hempelmann. Röttgen Unwahrheiten verbreitet. Die Windenergiebran-
che hat sich nicht für das Energiekonzept der Bundesre-
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): gierung bedankt. Ich habe gestern am Parlamentarischen
Herr Kollege Bareiß, Sie haben gerade gesagt, man Abend der Windenergiebranche teilgenommen. Der Vor-
brauche die Kernenergie, denn der Strom komme ja aus sitzende, Herr Albers, hat seine größte Besorgnis um den
der Steckdose. Ich gehe schon mal davon aus, dass Sie Weiterbestand dieser Branche in Deutschland zum Aus-
wissen, dass der Strom auch in die Steckdose hinein druck gebracht.
(B) muss, dass wir deswegen Stromerzeugung brauchen und (D)
dass wir heute in Deutschland einen großen Überschuss Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
an Strom haben, weil wir zu viel Strom im Netz haben.
Herr Kollege, Sie müssen zum Schluss kommen.
So produzieren über fünf Kernkraftwerke allein für den
Export.
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Wenn wir tatsächlich den weiteren Ausbau erneuerba-
rer Energien schaffen wollen, müssen wir Luft in den Ich bitte Sie, dazu Stellung zu nehmen, welche Zah-
Netzen schaffen, damit auch zusätzlicher, aus erneuerba- len Sie in den nächsten Jahren für den Ausbau der erneu-
ren Energien erzeugter Strom im Netz Platz findet – üb- erbaren Energien zugrunde legen, damit die Branche
rigens nicht nur vom Volumen her, sondern auch, um die endlich Sicherheit hat und nicht fürchten muss, in Kon-
Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dadurch endlich kurs zu gehen.
die Grundlast von Kernkraftwerken und Kohlekraftwer- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
ken ersetzt werden kann. Denn bereits heute stehen wir sowie bei Abgeordneten der SPD)
mitten in dem Systemkonflikt zwischen dem Wachstum
der erneuerbaren Energien und der Grundlaststrom-
erzeugung, weil an manchen Tagen und Stunden in Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Deutschland bereits mehr Strom aus Wind und Sonne im Nun Kollege Rolf Hempelmann.
Netz ist, als diese Grundlastkraftwerke abdecken. Das
heißt, Grundlast wird nicht abgeschaltet, dafür werden Rolf Hempelmann (SPD):
Windräder abgeschaltet. Dies ist nicht mehr tragfähig.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Lieber Herr Kollege
Der Systemkonflikt wird weiter wachsen. Aus diesem Bareiß, Sie haben eben meine Zwischenfrage nicht zuge-
Grunde haben Sie ja Wissenschaftler von EWI/Prognos lassen. Dabei wollte ich Ihnen eigentlich nur helfen. Sie
und GWS um Antwort auf die Frage gebeten, wie man in haben das Thema Akzeptanz angesprochen und letztlich
Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien machen das Parlament aufgefordert, mit auf eine größere Akzep-
könnte. Die Zahlen, die in diesem Gutachten stehen, sind tanz – Sie haben es am Beispiel Netze festgemacht –
erschreckend: Demzufolge kann der Ausbau erneuer- hinzuwirken. Vorher gab es mit den beiden Ministern
barer Energien nicht mehr im Umfang des derzeitigen zwei andere Redner der Koalition, die sich ähnlich geäu-
jährlichen Zubaus weitergehen. Im nächsten Jahrzehnt ßert haben. Herr Röttgen wollte mehr Gemeinsamkeit.
muss der Ausbau der Onshorewindenergie um 65 Pro- Herr Brüderle wollte einen Pakt, in dem Fall auch für die
zent gedrosselt werden, die Photovoltaik gegenüber den Netze.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7193
Rolf Hempelmann
(A) Ich will Ihnen sagen, wie es nicht funktioniert, also nisch nicht mehr in der Lage sein, das aufzunehmen, und (C)
wie Sie unter keinen Umständen in der Gesellschaft und wir werden das auch finanziell nicht schaffen können.
schon gar nicht hier im Hause politische Akzeptanz er- Insofern ist das, was hier vorgeschlagen wird, ein Weg in
reichen werden. Es funktioniert nicht, wenn Sie an allen die falsche Richtung.
negativ von einer Laufzeitverlängerung für Atomkraft-
werke Betroffenen vorbei diese hier einsam beschließen. Wir brauchen die Kernenergie, um den Herausforde-
Wenn Sie diese Beschlüsse an den Interessen der Stadt- rungen insbesondere im Bereich des Netzausbaus und
werke, der anderen Wettbewerber der großen Vier und der Speicherproblematik finanziell begegnen zu können;
der Vertreter der erneuerbaren Energien vorbei fassen, denn wir müssen die enormen Kapazitäten, die durch die
dann werden sie weder hier im Hause noch in der Gesell- hoch fluktuierenden erneuerbaren Energien auf den
schaft politische Akzeptanz finden. Dann ernten Sie das, Markt kommen, auffangen. Dazu brauchen wir sehr viel
was Sie heute erleben, nämlich Proteste auf der Straße Geld. Dabei werden uns die in der Kernenergie erzielten
und auch Proteste in Form von ganzseitigen Anzeigen in Zusatzgewinne massiv helfen.
den Medien. Es gibt zahlreiche Stadtwerke, die auf diese Herr Hempelmann, Sie haben das Thema „Akzeptanz
Weise ihrem Protest Ausdruck geben. Übrigens sagen des Netzausbaus“ angesprochen. Wir brauchen nicht nur
auch viele CDU-geführte Stadtwerke sehr deutlich, dass Akzeptanz, sondern auch – das habe ich vorhin aufgrund
das, was an ihnen vorbei entschieden worden ist, von ih- der Zeit leider nicht sagen können – Kapital. Hier wollen
nen auf gar keinen Fall akzeptiert werden kann. wir einiges tun. Wir wollen auch die Genehmigungsver-
Ich schlage Ihnen Folgendes vor – das haben wir auch fahren beschleunigen. Um hierfür die Akzeptanz zu er-
in unseren Antrag aufgenommen –: Ziehen Sie Ihr Kon- höhen, brauchen wir alle: die Kommunen, die Bürgerin-
zept und die beabsichtigte Laufzeitverlängerung zurück! nen und Bürger, die Länder und die Stadtwerke,
Kommen Sie zur Besinnung! Diskutieren Sie das, was beispielsweise hinsichtlich ihrer Verteilnetze. Die Stadt-
Sie Konzept nennen, mit uns und der Öffentlichkeit und werke haben derzeit das riesige Problem, die enormen
nehmen Sie an den Stellen Korrekturen vor, an denen ei- Kapazitäten der Photovoltaik auf den Markt zu bringen
nige von Ihnen schon durchaus zu besserer Einsicht ge- und die notwendigen Investitionen zu tätigen. Darüber
kommen sind! Wenn Sie sich dazu nicht aufraffen kön- wird diskutiert werden müssen.
nen, dann gestatten Sie wenigstens ein Minimum an 75 Prozent der Stadtwerke erzeugen jedenfalls weder
Beteiligung, indem Sie die Länder beteiligen. Wenn Sie Energie noch Strom. Diese sind uns dankbar, dass wir
Akzeptanz wollen, dann fangen Sie wenigstens dort an, die Kernenergie weiterhin als bezahlbare Energie auf
und beteiligen Sie die von der Laufzeitverlängerung be- dem Markt halten. Die Kernenergie wird in den nächsten
troffenen Länder. Das wäre wenigstens ein kleiner Jahren preissenkend wirken. Davon profitieren 75 Pro-
(B) Schritt. zent der Stadtwerke. Die Stadtwerke, die in erneuerbare (D)
(Beifall bei der SPD) Energien investieren, erhalten bevorrechtigt Einspeise-
möglichkeiten. Deshalb gibt es da an sich auch keinen
Systemkonflikt. Dann gibt es noch diejenigen, die in die
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: Kraft-Wärme-Kopplung investieren wollen.
Kollege Bareiß.
(Rolf Hempelmann [SPD]: Wieder steuerlich
gekürzt!)
Thomas Bareiß (CDU/CSU):
Lieber Herr Fell, Sie haben in Ihrer Frage konkret das Wir müssen in der Tat darüber diskutieren, welchen Stel-
Thema Systemkonflikt angesprochen. Wir haben beide lenwert die Kraft-Wärme-Kopplung in den nächsten Jah-
an der Anhörung des Wirtschaftsausschusses teilgenom- ren bekommen soll.
men, in der ich Herrn Mundt vom Bundeskartellamt
ganz konkret gefragt habe, wo ein Systemkonflikt be- Es geht aber nicht an, dass die Stadtwerke, die auf ei-
steht. Ich habe dann auch Herrn Albers vom Bundesver- nen enormen Preisanstieg in den nächsten Jahren gehofft
band WindEnergie gefragt, ob er die Windenergie eher haben, damit sich ihre Investitionen rentieren, uns nun
in Konkurrenz zur Verlängerung der Laufzeiten oder vorwerfen, dass die Preise nicht so stark steigen, wie es
eher in Konkurrenz zu dem inzwischen unkontrollierten unter Rot-Grün der Fall gewesen wäre. Das ist aber nicht
Ausbau der Photovoltaik sieht. Er hat sich bei der Beant- unsere Politik. Ich möchte eine Politik, die auch die Inte-
wortung dieser Frage sehr gewunden und hat uns letzt- ressen der Verbraucher und der Wirtschaft berücksichtigt
endlich keine Antwort gegeben. und dafür sorgt, dass zukünftige Preisanstiege moderat
ausfallen.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das stimmt doch gar nicht!) Herzlichen Dank.
– Doch. – Im Nachhinein hat er mir gegenüber zugege- (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
ben, dass die Windenergie natürlich ein massives Pro-
blem durch den enormen Zubau im Bereich der Photo- Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
voltaik bekommt. Wenn durch die Photovoltaik 40 oder Das Wort hat nun Kollege Hubertus Heil für die SPD-
sogar 50 Gigawatt sowie 25 Gigawatt offshore und 80 Giga- Fraktion.
watt onshore, wie Herr Albers vorgeschlagen hat, ins
Netz eingespeist werden, dann wird das System tech- (Beifall bei der SPD)
7194 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Hubertus Heil (Peine) (SPD): halten. Die Wahrheit ist, dass die Wettbewerber in die- (C)
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her- sem Bereich – was ihre Investitionen betrifft – enteignet
ren! Herr Röttgen – ihn sehe ich gerade nicht – hat sich werden. Ihnen wird ihre Planungssicherheit genom-
vorhin etwas hämisch darüber geäußert, dass Rot-Grün men. Genau das erleben wir in Deutschland.
für sich in Anspruch nimmt, im Jahr 2000 mit dem Ener-
Herr Brüderle, das Peinlichste fand ich vorhin Ihre
giekonsens einen gesellschaftlichen Konflikt befriedet
Antwort auf Ulrich Kelber. Herr Kelber hat nichts ande-
zu haben, der 30 Jahre lang in Deutschland getobt hat –
res getan, als Sie zu fragen, ob Sie noch einmal bestäti-
für und gegen Atomkraft. Sie, Herr Röttgen,
gen können, was Sie schon auf unsere Kleine Anfrage
(Ulrich Kelber [SPD]: Der ist gar nicht mehr geantwortet haben, nämlich dass laut dieser Antwort der
da!) Bundesregierung Ihr Energiekonzept gegen den Ausbau
der erneuerbaren Energien mit den Laufzeitverlängerun-
haben ebenso wie Frau Merkel nicht begriffen, dass das gen und Marktsteuerungen die Märkte bei Onshorewind-
erneute Aufreißen dieses Konflikts in der Wirtschaftspo- parks um 98 Prozent, bei Photovoltaik um 99 Prozent
litik zu Attentismus bei den Investitionen, zu Planungs- und bei Biomasse um 100 Prozent zum Zusammenbre-
unsicherheit und zu unproduktiven Auseinandersetzun- chen bringen wird. Und Sie faseln irgendetwas von Öko-
gen führt, die die Modernisierung der Energiewirtschaft steuer. Ich glaube, dass Sie das Thema nicht ganz durch-
nicht voranbringen und alles, was richtig ist, verhindern. drungen haben, Herr Brüderle. Das ist ein typischer
Das ist die Wahrheit. Brüderle. Sie reden über Äpfel, wenn andere über Birnen
(Beifall bei der SPD) reden. Aber das hat mit wirtschaftspolitischem Sachver-
stand in der Energiepolitik nicht viel zu tun.
Des Pudels Kern ist doch – das ist bereits verschie-
dentlich gesagt worden; Sie, Herr Röttgen, können noch (Beifall bei der SPD – Zurufe von der FDP)
so wortreich versuchen, das zu verbrämen –, dass es Ih- Wir haben heute einen Umweltminister erlebt,
nen einzig und allein darum geht, die Lobbyinteressen
weniger zulasten der Allgemeinheit zu bedienen. Verlän- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Zu-
gerte Restlaufzeiten für abgeschriebene Atommeiler sind rufe von der CDU/CSU: Der hervorragend
eine schöne Sache für die vier großen Energiekonzerne. war! – Gegenruf des Abg. Christian Lange
Das ist die Lizenz zum Gelddrucken für vier Konzerne. [Backnang] [SPD]: Wo ist der eigentlich?
Aber genau das behindert Investitionen, die wir für mo- Schon wieder fehlt er! Durch diese Regierung
derne Kraftwerkstechnik und im Bereich der erneuerba- wird das Parlament missachtet!)
ren Energien brauchen. Das ist die Wahrheit. Das müs- der wortreich und durchaus eloquenter als Herr Brüderle
(B) sen Sie zur Kenntnis nehmen. – das mag ihm zugestanden sein – versucht hat, seine (D)
(Beifall bei der SPD) Niederlage als Minister für Reaktorsicherheit „schönzu-
quatschen“. Dass das Prinzip von Helmut Kohl, dass die
Sie, Frau Merkel, nehmen für sich in Anspruch, dass Sie Realität anders ist als die Wirklichkeit, auch das von
die Kämpferin für den Fortschritt seien. Sie leisten dem Herrn Röttgen ist, ist von diesem heute hier vorgeführt
Fortschritt in Deutschland einen Bärendienst, wenn Sie worden. Das hat mit der Realität nichts zu tun.
diesen Konflikt wieder aufreißen und gleichzeitig die
Lobbyinteressen von vier großen Konzernen bedienen. Weil Sie als Christdemokraten auch immer auf die Bi-
bel fixiert sein sollten, sage ich Ihnen: Bei den Sicher-
Weil Sie, Herr Brüderle immer so viel von Wettbe- heitsthemen – das werden wir nachweisen – haben Sie
werb reden, möchte ich, dass Sie eines zur Kenntnis neh- heute nach dem Motto gehandelt: falsch Zeugnis reden
men: Der jetzige Präsident des Bundeskartellamtes, aber wider deinen Nächsten. Sie haben beim Thema Sicher-
auch die beiden Vorgänger, von denen einer, Herr heitsstandards in diesem Parlament schlicht und ergrei-
Heitzer, pikanterweise inzwischen Ihr Staatssekretär ist, fend gelogen. Das wird Folgen haben, Herr Röttgen.
haben verschiedentlich darauf hingewiesen, dass die
Verlängerung der Restlaufzeiten für diese vier Konzerne (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
nichts anderes ist, als das Oligopol dieser vier Konzerne der LINKEN – Zuruf von der FDP: Unver-
dauerhaft zu zementieren. Das müssen Sie zur Kenntnis schämt!)
nehmen. Wir haben einen Wirtschaftsminister erlebt, der zulas-
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten ten des Wettbewerbs und der Investitionen in Deutsch-
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) land, aber zugunsten von vier großen Konzernen Politik
macht. Das ist wettbewerbsfeindlich, das ist wirtschafts-
Sie sind ein Minister der Monopole. Das ist die Wahr- feindlich, und das schadet dem Standort Deutschland
heit. und den Arbeitsplätzen
Ludwig Erhard, den Sie so gern im Munde führen, Ich komme aus Niedersachsen. Ich weiß, was dort,
aber auch Karl Schiller, selbst Otto Graf Lambsdorff wo die Industrie früher geschrumpft ist, in den letzten
würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was Jahren an Arbeitsplätzen durch das Erneuerbare-Ener-
Sie hier in Deutschland verursachen. Das geht zulasten gien-Gesetz geschaffen worden ist – in Bremerhaven, in
einer Energiewirtschaft, die Wettbewerb braucht. Das Cuxhaven, in meiner Heimatregion, im Stahlbereich, im
geht zulasten von Stadtwerken, die Sie für eine vernach- Bereich des Maschinenbaus und im Handwerk. Weitere
lässigenswerte Randerscheinung der öffentlichen Hand 300 000 Arbeitsplätze wären möglich, wenn Sie das
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7195
Hubertus Heil (Peine)
(A) durch dieses Energiekonzept nicht kaputtmachen wür- Herr Hinsken, ich sage Ihnen noch etwas: Reden Sie (C)
den. Sie vernichten mit diesem Energiekonzept Arbeits- einmal mit den österreichischen Kollegen. In Österreich
plätze. ist man in die Atomenergie nicht eingestiegen. Dort hat
man große Sorgen an dieser Stelle. Reden Sie mit ande-
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten ren in Europa. Es gibt einige, die aus Verblendung, wie
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) ich finde, noch auf Atomenergie setzen. Die Behaup-
tung, die Atomkraft werde in Europa und auf der Welt
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: ausgebaut, ist ein Märchen; sie stimmt nicht, Herr
Herr Kollege, Ihre Redezeit ist abgelaufen. Gestatten Hinsken. Das müssten Sie eigentlich wissen.
Sie eine Nachfrage des Kollegen Hinsken? (Beifall bei Abgeordneten der SPD –
Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Schweden!
Hubertus Heil (Peine) (SPD): Finnland!)
Sehr gern. – Herr Hinsken, danke für die Verlänge- Fahren Sie in die entsprechenden Länder und schauen
rung meiner Redezeit! – Bitte schön. Sie sich das an! Wollen Sie denn neue Atomkraftwerke
in Deutschland bauen? Ich dachte, es geht nur um län-
Ernst Hinsken (CDU/CSU): gere Restlaufzeiten. Der Bau neuer Atomkraftwerke, das
Herr Kollege Heil, ich möchte Sie nur fragen: Können ist vielleicht Ihr Ansatz. Danke, dass Sie uns das heute
bestätigt haben.
Sie mir ein Land auf dieser Welt nennen, das auch einen
Beschluss über den Ausstieg aus der Atomenergie ge-
fasst hat, so wie das die rot-grüne Regierung hier einmal Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
gemacht hat? Und sind Sie auch mit mir der Meinung, Herr Kollege, Ihre Redezeit ist zu Ende. Letzter Satz,
dass es wichtig ist, darauf zu verweisen, dass es weltweit dann ist Schluss.
momentan 439 Kernkraftwerke in Betrieb gibt, allein in
Europa 196, und rund um die Bundesrepublik Deutsch- Hubertus Heil (Peine) (SPD):
land zurzeit 14 Kernkraftwerke gebaut und 23 neu ge- Ich darf zum Schluss sagen: Sie begehen heute offen-
plant werden? sichtlich einen Verfassungsbruch. Wir werden uns in
(Zurufe von der SPD: Nein!) Karlsruhe wiedersehen. Das Traurige daran ist nur: Wir
werden durch diese falsche Politik Zeit für die Moderni-
Was sagen Sie dazu? Sind diese Länder nicht so reali- sierung der deutschen Energiewirtschaft verlieren. Unter
tätsbewusst wie wir, oder sind sie der Zeit voraus und anderem deshalb werden Sie bei der nächsten Bundes-
(B) besser als die rot-grüne Mannschaft, die sich hier findet? tagswahl verlieren. (D)
Herzlichen Dank.
Hubertus Heil (Peine) (SPD):
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
Lieber Herr Hinsken, ich bin wirklich sehr dankbar des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
für diese Frage, da sie mir die Gelegenheit gibt, mit ei-
nem Märchen aufzuräumen, mit dem Sie, offensichtlich
ideologisch verblendet, durch die Gegend laufen, näm- Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
lich damit, dass weltweit in den nächsten Jahren ein Das Wort hat nun Angelika Brunkhorst für die FDP-
Boom der Atomwirtschaft stattfinden werde. Es werden Fraktion.
in den nächsten Jahren weltweit weit mehr Meiler vom
Netz gehen, als neue eingeschaltet werden. Das ist die Angelika Brunkhorst (FDP):
Wahrheit. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Durch
§ 7 d des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atomge-
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
setzes werden die Sicherheitsreserven erhöht werden. Au-
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
ßerdem wird dadurch ein Beitrag zur weiteren Vorsorge
LINKEN – Zurufe von der CDU/CSU und der gegen die Risiken für die Allgemeinheit geleistet. Wir
FDP: Wo?) kommen damit auch der Richtlinie 2009/71/EURATOM
Es ist für uns, die Bundesrepublik Deutschland, eine nach. Europa hat nämlich längst erkannt, dass wir die
Chance, dass wir angesichts der Tatsache, dass diese kerntechnische Sicherheit kontinuierlich fortentwi-
Welt eine gute Energieversorgung braucht, Vorreiter sein ckeln sollten. § 7 d dieses Gesetzes regelt eine aktive
können bei erneuerbaren Energien, bei moderner Sorgepflicht für die Kraftwerksbetreiber: Diese können
Kraftwerkstechnik. Genau das verhindern Sie. Die sich nicht passiv zurücklehnen, sondern sie müssen von
Atomkraft ist im Gegensatz zu dem, was Sie erzählen, sich aus Sicherheitsvorkehrungen treffen, die dem fort-
nicht Motor des Fortschritts, sondern eine Dinosaurier- schreitenden Kenntnisstand von Wissenschaft und Tech-
technologie, die auf dieser Welt nicht mehr zukunftsfä- nik entsprechen. Diese Vorkehrungen gehen also über
die schon getroffene erforderliche Vorsorge gegen Schä-
hig ist. Das zeigt die Tatsache, dass Kernkraft global
den hinaus.
nicht ausgebaut, sondern abgebaut wird. Das steht im
Gegensatz zu dem, was Sie erzählen. (Beifall bei Abgeordneten der FDP – Unruhe
bei der SPD)
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) – Hören Sie bitte zu.
7196 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Angelika Brunkhorst
(A) Diese Nachrüstungen sollen entschädigungsfrei erfol- vidierbar. Wir werden uns bemühen, das zumindest in (C)
gen. Der Bund hat zudem – ich komme auf das Thema der nächsten Legislaturperiode gemeinsam mit anderen
Endlagerung zu sprechen – die Pflicht, zum Wohle der Parteien auch zu tun.
Allgemeinheit die Endlagerung sicherzustellen. Im Mo-
ment sieht es so aus, dass der Bund diesem gesetzlichen (Beifall bei der LINKEN)
Auftrag nicht nachkommen kann, wenn sich ein einziger Um Ihnen das noch einmal zu sagen: Die Mehrheit
Grundeigentümer verweigert. Deshalb führen wir mit der Bevölkerung möchte diese Verlängerung der Lauf-
§§ 9 d f. des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atom- zeiten nicht, sondern sie will regenerative Energien. Das
gesetzes die 2002 außer Kraft gesetzten Vorschriften gilt nicht nur für die Wählerinnen und Wähler der Oppo-
über die Enteignung wieder ein. Nur für den Fall, dass sitionsparteien, sondern dies gilt auch für Wähler Ihrer
alle vorhergehenden Einigungsversuche scheitern, wird Parteien, die ich persönlich kenne und die mir geschrie-
die Möglichkeit der Enteignung als allerletztes Mittel ben haben.
zur Sicherstellung der Endlagerung vorgesehen.
(Beifall bei der LINKEN)
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: Noch einmal zur Frage der Preise: Atomenergie ist
Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der angeblich so billig, aber sie wird die Bürgerinnen und
Kollegin Menzner? Bürger sehr teuer zu stehen kommen. Allein von 1950
bis 2010 wurden gigantische 2,4 Milliarden Euro als
Angelika Brunkhorst (FDP): Subventionen in die Atomenergie investiert. Das heißt,
seit 1950 bis jetzt ist jede produzierte Kilowattstunde mit
Nein, im Moment nicht. Sie kann eine Kurzinterven-
4,3 Cent subventioniert worden. Das ist das Doppelte
tion machen. – Die Verfassung selbst und viele Fachge-
dessen, was momentan von den Verbraucherinnen und
setze sehen die Enteignung ausdrücklich als allgemein-
Verbrauchern für die regenerativen Energien bezahlt
wohlorientierte Lösung vor.
wird. Regenerative Energien werden billiger. Es wird
Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz hatte in der eine Massenproduktion geben, und die Preise werden
Anhörung zum Atomausstieg erklärt – das ist vom BfS fallen – und das alles ohne zusätzliche Kosten für eine
2001 so statuiert worden –, Enteignungsvorschriften Haftpflichtversicherung; denn regenerative Energien
würden zum damaligen Zeitpunkt nicht benötigt, aber brauchen keine bzw. haben alle eine im Gegensatz zu
sie müssten zum gegebenen Zeitpunkt im Atomgesetz AKWs.
vorhanden sein. Dieser Zeitpunkt scheint jetzt gekom-
Jeder Cent, der in den Rachen der Atomkonzerne ge-
men zu sein. Durch §§ 9 d f. dieses Gesetzes wird die
worfen wird, ist für mich und die Linke vergeudetes
(B) Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Bund seine Geld; (D)
Pflicht zur Einrichtung eines Endlagers erfüllen kann.
Ich möchte hier zum Schluss noch einmal sagen: Ich (Beifall bei der LINKEN)
verstehe die apokalyptischen Ausführungen zur Unsi- denn dieses Geld könnten wir in regenerative Energien
cherheit der kerntechnischen Anlagen und zu den Aus- stecken, wir würden außerdem ohne Atommüll auskom-
wirkungen auf die Branche der erneuerbaren Energien men, und es würden zukunftsfähige Arbeitsplätze entste-
überhaupt nicht. Herr Gabriel und Herr Trittin hätten in hen, die wir dringend brauchen.
den Jahren, in denen sie das Umweltministerium geführt
haben, sehr wohl längst das tun können, was sie sich so (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten
sehr wünschen; aber sie haben es nicht getan. Die Frage des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
ist offen, warum sie es nicht getan haben? Vielleicht Jetzt sagen Sie immer, der Strom werde bezahlbar – die
kann jemand das einmal beantworten. Frage ist nur, von wem – und billiger. Wenn Atomstrom
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten so hoch subventioniert ist, müsste er doch eigentlich bil-
der CDU/CSU) liger sein. Das ist logisch, oder? Aber was passiert? An
den Strombörsen wird genau dieser Strom gehandelt. Wo
ist der Grenzpreis des Stromes? Am teuersten ist nicht
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Atomstrom, sondern der vom ältesten Kohle- oder Öl-
Das Wort hat nun Kollegin Eva Bulling-Schröter für kraftwerk erzeugte Strom. Diese Profite sacken die Kon-
die Fraktion Die Linke. zerne ein, genauso wie die Profite durch kostenlose CO2-
(Beifall bei der LINKEN) Zertifikate, über die ich schon oft gesprochen habe. Das
wird alles eingesackt. Das heißt also, dass die Profite
weiter steigen. Die Macht der Energiekonzerne wird so-
Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE):
mit noch weiter gestärkt. Diese Koalition ist angetreten,
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die dafür zu sorgen. Das steht im Koalitionsvertrag. Kein
Koalition beschließt heute Gesetze, die die Ener- anderer Zweig macht so viele Gewinne wie die Atom-
giewende behindern werden. Ich sage an dieser Stelle: konzerne.
Leider ist der von Rot-Grün beschlossene Atomausstieg
revidierbar. Wir hatten es uns damals anders gewünscht. Mir hat jemand einen Brief geschrieben, aus dem ich
Aber ich sage auch all denen, die jetzt am Pariser Platz Ihnen zum Schluss kurz vorlesen möchte: Wer Laufzei-
demonstrieren, die gucken, was heute los ist: Auch der ten verlängert, dem sollte die Legislatur verkürzt wer-
Beschluss zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten ist re- den.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7197
Eva Bulling-Schröter
(A) (Beifall bei der LINKEN) nis reden wider deinen Nächsten“. Mit Blick auf die (C)
Wahrheit wollen wir hier deshalb eines aufklären. Kön-
Dem ist nichts hinzuzufügen.
nen Sie uns sagen, in welchen Ländern konkret aus der
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord- Kernenergie ausgestiegen wird oder in welchen Ländern
neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE sogar neue Kernkraftwerke gebaut werden? Denn Herr
GRÜNEN) Kollege Heil hat die pauschale Behauptung in den Raum
gestellt, viele Länder würden aus der Kernenergie aus-
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: steigen. Welche vielen Länder in der Welt sind es kon-
Das Wort hat nun Herr Kollege Georg Nüßlein für die kret, die aus der Kernenergie aussteigen?
Fraktion der CDU/CSU.
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU):
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
neten der FDP) Vielen Dank für die Frage und die Chance, hier einige
Dinge aufzuklären. – Ich beginne mit dem Land, das
viele Jahre das Vorzeigeland für den Ausstieg war, näm-
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU): lich Schweden. Schweden hat beschlossen, wieder ein-
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten zusteigen. Die Schweden sind also weiterhin Vorbild –
Damen! Meine Herren! Liebe Frau Bulling-Schröter, aber Vorbild für das, was wir an dieser Stelle tun.
auch wenn ich inhaltlich nicht teile, was Sie gerade ge-
sagt haben, freue ich mich, dass Sie wieder an Bord sind, (Ulrich Kelber [SPD]: Gegen die Stimmen der
Opposition!)
(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Wieso?
Sie war die ganze Zeit an Bord!) Nehmen Sie das Land Finnland. Der Neubau ist dort
schon erfolgt. Nehmen Sie Großbritannien, wo man
insbesondere und deshalb, weil die Grünen Sie mit ih- uns ganz klipp und klar sagt
rem Geschrei während der letzten Umweltausschusssit-
zung dazu gezwungen haben, das Handtuch zu werfen (Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/
und die Sitzungsleitung an Ihren Stellvertreter abzuge- DIE GRÜNEN)
ben.
– lassen Sie mich doch reden –,
(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]:
Quatsch! Sie hat das Handtuch nicht gewor- (Zuruf von der CDU/CSU: Georg, du kannst
fen!) bis morgen reden!)
dass sie verstärkt in die Kernenergie investieren werden.
(B) Ich sage das deshalb so explizit, weil ich es für extrem (D)
unanständig gehalten habe, was Sie da mit einer Kolle- Dasselbe gilt für Tschechien, für die USA und im Üb-
gin gemacht haben, die versucht hat, als Ausschussvor- rigen leider Gottes auch für Russland oder China. Dort
sitzende sachlich und neutral ihre Arbeit zu tun. Das war hat man mir bei einer Reise in einer sitzungsfreien Wo-
ein Skandal. che deutlich erklärt, dass sie verstärkt auf Kernenergie
(Beifall bei der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: setzen werden.
Sie waren einer der größten Brüller!) Da kann ich uns nur eines raten, Kollege Schirmbeck:
Nachdem etliches zu dem Energiekonzept gesagt dass wir versuchen, durch Forschung und Entwicklung
wurde, möchte ich mich an dieser Stelle mit den Alterna- in diesem Bereich eine Technologieführerschaft zu er-
tiven auseinandersetzen, die hier vorgeschlagen werden – reichen
insbesondere mit dem, was die Grünen als Alternative (Michael Brand [CDU/CSU]: Sehr gut!)
vorgeben. Dazu gibt es einen Antrag. Er beginnt damit,
dass Sie fordern, den Atomausstieg zu forcieren, und und dafür Sorge zu tragen, dass diese Neubauten dann
zwar gegenüber dem, was Sie seinerzeit im Jahr 2000 auch mit deutscher Technologie und deutschen Sicher-
mit den Energieversorgern vereinbart haben. heitsstandards erfolgen. – Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: neten der FDP)
Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des
Kollegen Schirmbeck?
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
(Zuruf von der SPD: Nein! Nicht verzögern!) Herr Kollege Nüßlein, gestatten Sie eine Zwischen-
frage des Kollegen Heil?
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU):
Gern. Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU):
Nein, ich gestatte keine zusätzlichen Zwischenfragen,
Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Herr Präsident,
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kol- (Zurufe von der SPD)
lege Dr. Nüßlein, wir haben eben mit Begeisterung dem
Kollegen Heil zugehört. Der eine oder andere von Rot, weil jetzt dasselbe passieren soll, wie es hier schon seit
Rot und Grün nennt ja immer das Beispiel „falsch Zeug- Tagen aufgeführt wird.
7198 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Oliver Krischer
(A) Röttgen, das genau diese Initiative aufgegriffen hat: Schröter inhaltlich nahezustehen. Ich möchte aber trotz- (C)
Auch das Bundesumweltministerium hat einen Mindest- dem darauf hinweisen, dass Frau Bulling-Schröter, so-
wirkungsgrad vorgeschlagen. Das ist eine notwendige weit die Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion und
Maßnahme, um in Deutschland die Klimaschutzziele zu ich das beurteilen können, einen ganz guten Job als Vor-
erreichen. sitzende des Ausschusses gemacht hat. Es war wirklich
turbulent. Das wurde heute mehrfach angesprochen. Ich
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
sage das, ohne einzelnen Fraktionen Vorwürfe machen
zu wollen. Sie hat dreieinhalb Stunden lang versucht,
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: diese Sitzung wirklich ausgewogen zu leiten. Das gilt
Nun hat Kollege Ulrich Kelber das Wort zu einer auch für das Sekretariat und alle anderen, die mitgehol-
Kurzintervention. fen haben. Deswegen sind, glaube ich, persönliche An-
(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Ich darf ja feindungen nicht nötig.
leider nicht!) (Beifall bei Abgeordneten im ganzen Hause)
Ich sage Ihnen ganz offen: Das, was wir momentan mit Unser Energiekonzept hingegen ist durchgerechnet
Wind und Sonne probieren, wird nicht ausreichen, um und mit ausreichenden staatlichen Stabilisatoren unter-
den immensen Energiehunger der Welt zu stillen. setzt. Daher benötigen wir Rahmenbedingungen, die
sich stärker an der Kosteneffizienz und der Verantwor-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – tung der Erzeuger für eine bedarfsgerechte Erzeugung
Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- ausrichten. Bei der Gebäudesanierung werden wir einen
NEN]: 2 Prozent Atomkraft weltweit!) Sanierungsfahrplan erarbeiten und setzen dabei auf wirt-
(B) schaftliche Anreize. Zwangssanierungen wird es mit uns (D)
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: nicht geben.
Das Wort hat nun Kollege Klaus Breil für die FDP-
(Beifall bei der FDP)
Fraktion.
(Beifall bei der FDP) Dreh- und Angelpunkt des gesamten Umbaus ist und
bleibt neben der Bereitstellung von Speichern die Ent-
wicklung der Netze. Wenn wir die Erzeugungsstruktur
Klaus Breil (FDP): ändern, muss auch das Netz grundsätzlich verändert
Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- werden. Hier werden wir noch drei Punkte regeln müs-
gen! Unser Energiekonzept ist kein Kernenergiekonzept sen.
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Erstens werden wir die Planungs- und Genehmi-
NEN]: Nein, ein Konzept ist es nicht!) gungsverfahren weiter beschleunigen.
und primär auch kein Konzept zur Klimarettung. Auf die
Zweitens können nur auskömmliche Renditen den
Entwicklung des Weltklimas hat Deutschland nämlich
Ausbau der Netze anschieben.
nur wenig Einfluss.
(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Es ist gar kein Drittens wird die Bundesregierung eine Informations-
Konzept!) offensive zur Bedeutung der Netze und für eine größere
Akzeptanz des Netzausbaus starten.
Unser Energiekonzept ist vielmehr das größte Moder-
nisierungsprogramm für eine gesamte Volkswirtschaft. Meine sehr geehrten Damen und Herren, eine umwelt-
Es ist weltweit ein Prototyp. schonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversor-
gung ist ein Generationenprojekt, über dessen Notwen-
(Beifall bei der FDP) digkeit über alle Fraktionen hinweg Einigkeit besteht.
Es wird den Nachweis erbringen, dass die größte Indus- Dann sollten wir aber auch alle gemeinsam für mehr Ak-
trienation der EU die Harmonisierung von Volkswirt- zeptanz der neuen Energieinfrastrukturen gerade dort ak-
schaft und Klimaschutz ohne Wohlstandsverluste orga- tiv werben, wo lokale Interessen den Fortschritt behin-
nisieren kann. Die deutsche soziale Marktwirtschaft dern.
kann das leisten – und sie wird es leisten. Wir werden Vielen Dank.
weder Wirtschaft noch Bürger mit unbezahlbaren Ener-
giekosten belasten. Das ist eben der Unterschied zu den (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
7202 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: Grundlastfähigkeit zu erforschen und anwendungsorien- (C)
Das Wort hat nun Kollege Michael Luther für die tierte Forschung zu betreiben. Dies wird bei der Errei-
CDU/CSU-Fraktion. chung der Ziele helfen.
Ich will noch eine letzte Bemerkung machen; bei die-
Dr. Michael Luther (CDU/CSU): sem Punkt mache ich mir Sorgen. Heute erleben wir den
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Ausbau der erneuerbaren Energien, doch diese werden
Kollegen! Wir diskutieren nun seit ungefähr drei Stun- über das vorhandene Leitungsnetz nicht transportiert
den. Ich denke, gegen Ende der Debatte ist es vielleicht werden können. Wenn wir dieses Problem im Rahmen
ganz gut, noch einmal festzuhalten, worum es heute ei- der Planungsgegebenheiten, die wir in Deutschland ha-
gentlich geht. ben, lösen wollen, dann wird es sehr lange dauern, ent-
sprechende Netze aufzubauen. Es ist jedoch notwendig,
Es geht heute um die Frage, wie die Energieversor-
diese Netze schnell zu schaffen. Mir ist dazu ein ver-
gung in Deutschland in 40 Jahren, in 2050, aussehen
gleichbares Beispiel eingefallen. 1990 mussten wir in
wird. Wir sind uns, auch wenn das in vielen Debatten-
den neuen Bundesländern Straßen bauen. Wenn wir das
beiträgen nicht so klar zum Ausdruck gekommen ist, in
im Rahmen des westdeutschen Straßenbaurechts hätten
einem Punkt einig: Wir wollen den Wechsel hin zu den
bewältigen wollen, hätten wir 20 Jahre Planungszeit ge-
erneuerbaren Energien. Wir wollen, dass 2050 80 Pro-
braucht.
zent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Ener-
gien kommt. Nicht einig sind wir uns bei der Frage, wie (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
der Weg dorthin zu beschreiten ist. Ich denke, es gibt auf NEN]: Das wäre besser gewesen!)
diesem Weg ein paar wichtige Fragen zu beantworten.
Das heißt, wir würden heute mit der ersten Autobahn an-
Erstens. Wie schaffen wir es, dass erneuerbare Ener- fangen. Das ist unvorstellbar. Deswegen ist aus meiner
gien grundlastfähig werden? Es ist zwar wahr, dass in Sicht ganz klar, dass wir so etwas wie ein Bundesener-
Spitzenzeiten zu viel Strom im Netz ist, aber erneuerbare giewegeplanungsbeschleunigungsgesetz brauchen.
Energien, Wind und Sonne, sind nicht 24 Stunden am
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Tag, 365 Tage im Jahr verfügbar, sondern sehr volatil.
NEN]: Das hatten wir 2005! Das haben Sie im
Deswegen ist eine wichtige Frage: Wie erreichen wir
Bundesrat blockiert!)
eine stabile Stromversorgung? Wir sind der Meinung,
dass wir dafür noch eine ganze Weile Grundlastkraft- – Wenn Sie, Herr Trittin, dafür sind, ist es doch relativ
werke brauchen. Eine Art von Grundlastkraftwerken, die einfach. Dann sind wir uns einig und können das umset-
wir in Deutschland haben, sind nun einmal Atomkraft- zen.
(B) werke. (D)
Wenn wir alle gemeinsam diese Ziele verfolgen, kann
Zweitens. Mich wundert es nicht, dass in diesen Ta- man sagen, dass heute ein Konzept vorliegt, das für
gen in der Öffentlichkeit – man tut so, als habe man das Deutschland gut ist. Ich werbe ausdrücklich dafür, all die
vorher nicht gewusst – geschrieben wird, dass der Aus- Maßnahmen, all die Gesetze, die im Einzelnen dafür not-
bau der Solarenergie die Energie in unseren Netzen teu- wendig sind, entsprechend umzusetzen.
rer macht. Das haben wir gewusst. Deswegen muss man
Recht herzlichen Dank.
in diesem Zusammenhang eine zweite Frage beantwor-
ten: Wie schaffen wir es, den Strompreis stabil zu hal- (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
ten, und zwar so, dass wir weiterhin eine Industrienation der FDP)
sein können und nicht die Wirtschaft aus Deutschland
vertreiben? Letztendlich fordern auch die Verbraucher Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
einen stabilen Strompreis. Sie sind heute schon skep- Das Wort hat nun Klaus-Peter Willsch für die CDU/
tisch. Daher müssen wir ihnen sagen, wie wir es schaffen CSU-Fraktion. Er ist der letzte Redner in dieser Debatte.
wollen, den Strompreis stabil zu halten. Anschließend folgt eine ganze Reihe namentlicher Ab-
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und stimmungen.
der FDP)
Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU):
Das sind die wesentlichen Bausteine unseres Energie-
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
konzeptes, in dem wir genau beschreiben, wie wir zu
Herren! Liebe Kollegen! Am Ende dieser Debatte steht
dem Ziel kommen, dass der Anteil der Stromerzeugung
eines fest: Die bisherige Politik in Energiefragen, die auf
aus erneuerbaren Energien im Jahr 2050 bei 80 Prozent
Illusion und Ideologie basierte, wird abgelöst durch eine
liegt. Unser Energiekonzept ist realistisch und kein Fan-
Politik, die Tatsachen zur Kenntnis nimmt, durch eine
tasiegebilde.
intelligente zukunftsgerichtete Politik, die Versorgungs-
Im Energiekonzept wird noch eine weitere Frage be- sicherheit, Klimaschutz und bezahlbare Energie zum
antwortet, die der Finanzierung. Wir wissen, dass es Ziel hat.
Geld kostet, diesen Weg zu beschreiten. Deswegen rich-
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
ten wir einen Energie- und Klimafonds ein, in den un-
der FDP)
ter anderem die Mehrgewinne der Energiekonzerne, die
es aufgrund der längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke Dass Ihnen das nicht gefällt, vor allen Dingen Ihnen,
gibt, fließen werden. Damit sind wir in der Lage, die geschätzte Vertreter der Grünen, sieht man an dem Auf-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7203
Klaus-Peter Willsch
(A) zug, den Sie hier heute präsentieren. Sie beschwören die (Widerspruch bei der SPD) (C)
Straße, die diese Politik kommentieren würde, bringen
sich schon mal ein bisschen in Stimmung, indem Sie Mit dieser Verschwörungstheorie ist in dieser Debatte
sich hier einheitlich, relativ uniform zeigen. Ich muss ja genauso aufgeräumt worden wie mit der Theorie, es sei
sagen, die Grundtöne Ihrer übereinstimmenden Klei- in Hinterzimmern irgendwas verhandelt worden. Alles
dung gefallen mir durchaus: überwiegend ein starkes liegt auf dem Tisch. Sie wollen es nicht. Das können Sie
Schwarz, ein bisschen Gelb dabei. Das ist die Farben- ja laut sagen. Aber wir wollen es. Wir haben es den
lehre, die ich mir für die Politik in Deutschland wünsche. Menschen vorher gesagt, und wir setzen es ganz genau
so durch. Versprochen, gehalten.
(Sigmar Gabriel [SPD]: Da sind Sie ziemlich
(Beifall bei der CDU/CSU)
allein!)
Die Vorwürfe aber, die Sie uns in diesem Zusammenhang Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
machen – die Bevölkerung sei dagegen, und all das –, Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des
weise ich eindeutig zurück. Wir sind in diesem Punkt mit Kollegen Beck?
einer klaren Aussage in die Bundestagswahl gegangen.
Wir haben gesagt, die Laufzeit wird verlängert, weil wir
es für Unsinn halten, Volksvermögen zu vernichten, Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU):
Herr Beck, ich freue mich, wenn Sie durch eine Frage
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- meine Redezeit verlängern.
neten der FDP)
und weil wir die Sicherheit der Versorgung sowie be- Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
zahlbare Preise für notwendig halten und damit Schluss Herr Kollege, Sie haben gerade so demonstrativ ge-
machen, dass auf der Grundlage von Illusionen Energie- sagt, es läge alles auf dem Tisch. Zumindest auf meinem
politik für einen Wirtschafts- und Industriestandort Tisch liegt nicht die Antwort der Bundesregierung auf
Deutschland gemacht wird. Das kann nicht tragen. eine Frage, die wir schriftlich im Plenum gestellt haben
und auch den Ausschüssen zur Beantwortung übermittelt
Ich will noch einmal für die Menschen an den Bild- haben. Wir haben danach gefragt, welche Rechtswir-
schirmen und hier oben auf der Besuchertribüne deutlich kung der Vertrag mit den vier Energieversorgungsunter-
machen, was das, was hier immer von Ihnen behauptet nehmen hat, den die Bundesregierung für die Bundesre-
wird, heißt. Ich komme aus Hessen; wir haben Biblis A publik Deutschland geschlossen hat, wenn ein nächster
und B. Wenn wir Biblis A und B durch Photovoltaik er- Bundestag eine Änderung der heute zu erwartenden Be-
(B) setzen wollten, müssten wir 20 km Fläche mit Photo-
2
schlussfassung der Elften und Zwölften Atomgesetzes- (D)
voltaikanlagen bebauen; das sind 2 600 Fußballfelder. novellen vornehmen würde, und welche Zahlungsver-
Wer will das denn in der Landschaft unterbringen, und pflichtungen das womöglich für den Bund auslöste.
wer will den Bürgern vor allen Dingen die Preise zumu- Darauf hat uns die Regierung im Ausschuss nicht geant-
ten, die sich daraus ergeben angesichts der Tatsache, wortet; gestern in der Fragestunde hieß es, die Frage sei
dass der Strom sechsmal so teuer ist wie der, den sie an schriftlich im Ausschuss beantwortet. Legen Sie diese
der Strombörse beziehen können? Antwort mal auf den Tisch. Sie behaupten ja, es läge al-
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und les auf dem Tisch des Hauses. Nun haben Sie die Gele-
der FDP) genheit.
Nun zum Ersatz von Biblis A und B durch Windkraft: Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU):
Hier brauchten wir 1 200 Windräder onshore bei besten Also, Herr Beck, wenn Sie auf Ihrem Tisch nicht alles
Bedingungen, und selbst offshore bräuchte man 520, und finden, was Sie da vermuten, dann müssen Sie mal auf-
da haben wir gerade mal zwölf stehen. Das ist Politik auf räumen.
der Grundlage von Illusionen und keine realistische Poli-
tik. Das, was Deutschland braucht, ist aber eine Politik, (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU und
die die Wirklichkeit und die Bedürfnisse der Menschen der FDP)
zur Kenntnis nimmt und zur Grundlage ihres Handelns
macht. Ich jedenfalls kann sagen, dass ich mich von der Bun-
desregierung vollumfänglich informiert fühle und dass
(Beifall bei der CDU/CSU) ich alle Entscheidungsgrundlagen beieinander habe.
Jetzt ist genug geredet worden, jetzt muss entschieden
Wir sagen, wir lassen die funktionierenden, sicheren werden.
und preiswerten Strom liefernden Kernkraftwerke wei-
terlaufen. Genau das wissen Sie, und genau das ist Ge- (Beifall bei der CDU/CSU)
genstand des Gesetzgebungsvorhabens, das wir hier jetzt Herr Beck, weil ich die Befürchtung habe, dass Sie
zum Abschluss bringen werden und in dessen Verlauf mir nicht unbedingt folgen, will ich jemand anderen an-
wir im Übrigen eine intensive Diskussion mit Ihnen ge- führen, zu dem Sie häufig große Nähe gezeigt haben.
sucht haben. Ich weiß nicht, wie oft ich die sitzungsfreie Der Führer der freien Welt, Barack Obama, hat gesagt:
Woche umgeplant habe, weil immer wieder neue Wün-
sche von der Opposition gemeldet wurden, wie man es Um unseren wachsenden Energiebedarf zu decken
vielleicht hinbekommen könnte. und die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu
7204 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Klaus-Peter Willsch
(A) verhindern, werden wir unsere Versorgung mit Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszäh- (C)
Kernenergie erhöhen müssen. So einfach ist das. lung zu beginnen.3)
Danke schön. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir kommen damit
zur dritten namentlichen Abstimmung, und zwar über
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) den Änderungsantrag auf Drucksache 17/3488. Das
Stichwort heißt „Biblis B“. Ist alles vorbereitet für die-
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse: sen Abstimmungsgang? – Das ist der Fall. Ich eröffne
Ich schließe die Aussprache. die dritte namentliche Abstimmung.
Wir kommen zur Abstimmung über den von den
Fraktionen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atom- Ich darf Sie fragen, ob ein Mitglied des Hauses anwe-
gesetzes. Der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und send ist, das seine Stimmkarte bei der dritten namentli-
Reaktorsicherheit empfiehlt unter Buchstabe a seiner chen Abstimmung noch nicht abgegeben hat. – Es wurde
Beschlussempfehlung auf den Drucksachen 17/3409 und alles abgegeben. Dann schließe ich diese Abstimmung.4)
17/3453, den Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/
Wir kommen nun zur vierten namentlichen Abstim-
CSU und der FDP auf Drucksache 17/3051 anzuneh-
mung, und zwar über den Änderungsantrag auf
men.
Drucksache 17/3489; das Stichwort ist Brunsbüttel. –
Hierzu liegen 24 Änderungsanträge der Fraktion Sind alle Urnen mit den Schriftführerinnen und Schrift-
Bündnis 90/Die Grünen vor, über die wir zuerst abstim- führern besetzt? – Das ist der Fall. Dann eröffne ich die
men. Zu allen Änderungsanträgen wurde namentliche vierte namentliche Abstimmung.
Abstimmung verlangt.
Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine
Wir stimmen zuerst über zehn Änderungsanträge ein- Stimme bei der vierten namentlichen Abstimmung noch
zeln und dann in einer elften Abstimmung über eine Zu- nicht abgegeben hat? Ist jetzt alles abgegeben, was für
sammenfassung von 14 Änderungsanträgen gewisserma- die vierte namentliche Abstimmung abgegeben werden
ßen in einer „Listenabstimmung“ ab. soll? – Das ist der Fall. Dann schließe ich diese Abstim-
mung.5)
Wir kommen zur ersten namentlichen Abstimmung,
und zwar über den Änderungsantrag auf Drucksache Wir kommen zur fünften namentlichen Abstimmung,
17/3486, Stichwort Bundesratszustimmung. und zwar über den Änderungsantrag auf Drucksache
17/3490, Stichwort: Isar 1. – Die Plätze an den Urnen
(B) Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die sind besetzt. Ich eröffne die fünfte namentliche Abstim- (D)
vorgesehenen Plätze einzunehmen. mung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will zugleich Sind Kolleginnen oder Kollegen im Saal, die ihre
mitteilen, dass mir zur Abstimmung 51 schriftliche Er- Stimmkarte für die fünfte namentliche Abstimmung
klärungen von Kolleginnen und Kollegen vorliegen. De- noch nicht abgegeben haben? – Das ist nicht der Fall.
ren Namen werden im Protokoll verzeichnet sein.1) Dann schließe ich diese Abstimmung.6)
Sind alle Abstimmungsurnen besetzt? – Das ist der Wir kommen zur sechsten namentlichen Abstim-
Fall. Dann ist die erste Abstimmung eröffnet. mung, und zwar über den Änderungsantrag auf Drucksa-
Liebe Kolleginnen und Kollegen, haben alle ihre che 17/3491; hier geht es um Krümmel. – Die Plätze an
Stimme bei dieser ersten namentlichen Abstimmung ab- den Urnen sind besetzt. Dann eröffne ich die sechste na-
gegeben? – Ich höre keinen Widerspruch. Dann schließe mentliche Abstimmung.
ich diese Abstimmung und bitte die Schriftführerinnen
Sind nun alle Stimmkarten für die sechste namentli-
und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Die
che Abstimmung abgegeben? – Das ist der Fall. Dann
Ergebnisse der namentlichen Abstimmungen werden Ih-
schließe ich diese Abstimmung.7)
nen später bekannt gegeben.2)
Wir kommen zur siebten namentlichen Abstimmung,
Wir kommen damit zur zweiten namentlichen Ab-
und zwar über den Änderungsantrag auf Drucksache
stimmung, und zwar über den Änderungsantrag auf
17/3492; es geht hier um Neckarwestheim 1. – Die
Drucksache 17/3487. Das Stichwort heißt „Biblis A“.
Plätze an den Urnen sind besetzt. Dann eröffne ich die
Sind alle Abstimmungsurnen besetzt? – Das ist offen-
siebte namentliche Abstimmung.
sichtlich der Fall. Ich eröffne die zweite namentliche
Abstimmung. Ist eine Kollegin oder ein Kollege im Saal, die ihre
Stimme bzw. der seine Stimme bei der siebten namentli-
Haben alle Kolleginnen und Kollegen ihre Stimme
chen Abstimmung noch nicht abgegeben hat? – Das ist
bei dieser zweiten namentlichen Abstimmung abgege-
ben? – Das ist offensichtlich der Fall. Dann schließe ich
die zweite namentliche Abstimmung und bitte die 3) Ergebnis siehe Seite 7223 A
4) Ergebnis siehe Seite 7223 A
5) Ergebnis siehe Seite 7223 A
1) Anlagen 2 bis 5 6) Ergebnis siehe Seite 7223 B
2) Ergebnis siehe Seite 7222 D 7) Ergebnis siehe Seite 7223 B
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7205
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt
(A) offensichtlich nicht der Fall. Dann schließe ich diese Ab- Da die vollständige Auswertung der Stimmzettel ei- (C)
stimmung.1) nen erheblichen Zeitbedarf erfordert, werden die Schrift-
führerinnen und Schriftführer zunächst noch kein zah-
Wir kommen zur achten namentlichen Abstimmung, und lenmäßiges Ergebnis ermitteln, sondern nach Sichtung
zwar über den Änderungsantrag auf Drucksache 17/3493; der Stimmzettel feststellen, ob die Vorlagen angenom-
Stichwort: Philippsburg 1. – Wie ich sehe, sind die men oder abgelehnt wurden. Die Ergebnisse dieser
Plätze an den Urnen besetzt. Dann eröffne ich die achte 24 Abstimmungen werden wir Ihnen auf jeden Fall dann
namentliche Abstimmung. bekannt geben, wenn wir sie haben. Dann erst werden
auch die weiteren Abstimmungen stattfinden.
Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine
Stimmkarte bei dieser achten namentlichen Abstimmung Die Sitzung wird jetzt nicht unterbrochen, sondern
noch nicht abgegeben hat? – Das ist nicht der Fall. Dann wir nutzen die Zeit der Auszählung, um den Kolleginnen
schließe ich diese Abstimmung.2) und Kollegen, die eine mündliche Erklärung zur Abstim-
mung abgeben wollen, die Möglichkeit dazu zu geben.
Wir kommen zur neunten namentlichen Abstimmung,
Es sind nach jetzigem Stand – das kann sich natürlich al-
und zwar über den Änderungsantrag auf Drucksache
les ändern; es können auch noch weniger werden –
17/3494; hier geht es um „Unterweser“. – Sind die
21 Abgeordnete. Ich möchte vorschlagen, dass diejeni-
Plätze an den Urnen besetzt? – Das ist der Fall. Dann er-
gen, die die mündlichen Erklärungen der Kolleginnen
öffne ich die neunte namentliche Abstimmung.
und Kollegen hier im Saal verfolgen wollen, Platz neh-
Sind jetzt alle Stimmkarten für die neunte namentli- men und sich aufmerksam den Reden widmen. Die an-
che Abstimmung abgegeben? – Das ist offenkundig der deren Kollegen darf ich bitten, ihre Gespräche außerhalb
Fall. Dann schließe ich die neunte Abstimmung.3) des Saales weiterzuführen und im Übrigen auf das zu
achten, was ihnen über die Lautsprecher bzw. Bild-
Ich rufe die zehnte namentliche Abstimmung über schirme bezüglich des Beginns der weiteren Abstim-
den Änderungsantrag auf Drucksache 17/3495 auf. Hier mungen mitgeteilt wird.
geht es um eine Einfügung im Zusammenhang mit Flug-
zeugabstürzen. – Wie ich sehe, sind die Plätze an den Ich darf darauf hinweisen, dass nach unserer Ge-
Urnen besetzt. Ich eröffne die zehnte namentliche Ab- schäftsordnung inhaltlich zum Abstimmungsverhalten
stimmung. Stellung genommen werden kann und dass die Redezeit
dafür maximal fünf Minuten beträgt. Die fünf Minuten
Ist jemand anwesend, der stimmberechtigt ist und müssen nicht in jedem Fall ausgeschöpft werden.
seine Stimmkarte zur zehnten namentlichen Abstim-
(B) mung noch nicht abgegeben hat? – Das ist nicht der Fall. Nun bitte ich die Kollegin Ekin Deligöz für ihre per- (D)
Dann ist auch diese Abstimmung geschlossen.4) sönliche Erklärung ans Mikrofon.
Ekin Deligöz
(A) Herr Nüßlein, Sie können die Fakten noch so sehr Das ist unverantwortlich gegenüber unseren Kindern, (C)
ignorieren. Die Kinderkrebsstudie sagt, dass in der Um- die vor Ort leben und die dann von einer Krebserkran-
gebung von Gundremmingen die Krebsrate von Kin- kung betroffen sind. Das sollten Sie sich zu Herzen neh-
dern, die in der Umgebung wohnen, 60 bis 120 Prozent men, wenn es wirklich Ihr Wahlkreis sein sollte, was ich
höher ist als an anderen vergleichbaren Standorten. Das Ihnen hiermit abspreche.
sind die Auswirkungen von Gundremmingen, mit denen
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
wir leben müssen. Da bringt es nichts, wenn Sie sich
sowie bei Abgeordneten der SPD)
jetzt abwenden. Das ist die Verantwortung, zu der wir
uns bekennen müssen. Dementsprechend müssen wir
eine Entscheidung fällen. Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Bevor ich dem nächsten Kollegen das Wort erteile,
In Gundremmingen kam es schon zu zahlreichen, will ich noch darauf hinweisen, dass selbstverständlich
nämlich über 200, Zwischenfällen; zwei Menschen sind auch heute rechtzeitig mit einem Klingelzeichen im
gestorben. Es gab schon einen Großunfall mit einem Haus auf die bevorstehenden weiteren namentlichen Ab-
wirtschaftlichen Totalschaden. Es wurden radioaktive stimmungen hingewiesen wird.
Edelgase freigesetzt, aber wir haben vor Ort kein Sicher-
heitskonzept, nach dem wir reagieren können, wenn es Herr Kollege Dr. Thomas Gambke von der Fraktion
zu einem Super-GAU kommt. Bündnis 90/Die Grünen, bitte.
Sie sagen, dass ein solcher GAU nicht möglich ist. (Zuruf von der CDU/CSU: Werden die das
Aber was ist, wenn er eintritt? Sie setzen dann die frei- jetzt alle vortragen? – Dr. Georg Nüßlein
willige Feuerwehr ein und sagen ihr, dass sie das Pro- [CDU/CSU]: Es ist unglaublich, was hier
blem bitte lösen soll. Wer wird die 220 000 Menschen läuft!)
evakuieren, die vor Ort leben und die davon betroffen
wären? Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN):
Mehr noch: Wir haben vor Ort den Atomreaktor, der
den meisten Strahlenmüll in Deutschland produziert. Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kol-
Alle zwei Monate wird ein neuer Castorbehälter gefüllt. legen! Meine Damen und Herren! Ich stimme gegen das
Täglich werden 150 Kilogramm radioaktiver Müll pro- Elfte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes, weil ich
duziert. Auch Herr Waigel geht auf die Straße. direkt betroffen bin. Ich wohne und arbeite nur 15 Kilo-
meter vom Atomkraftwerk Isar 1 entfernt.
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Herr Waigel
Die meisten von Ihnen haben möglicherweise gar
geht nicht auf die Straße!)
(B) nicht mehr präsent, dass im Jahr 1988 ein französisches (D)
– Herr Waigel geht in Gundremmingen und in Günzburg Militärflugzeug nur 1,5 Kilometer von diesem Atom-
auf die Straße, weil er gegen das Zwischenlager ist. Er- kraftwerk entfernt abgestürzt ist. Stellen Sie sich einmal
klären Sie Herrn Waigel, wie Sie es hier verantworten vor, was passiert wäre, wenn dieses Flugzeug das Kern-
können, dass das weiterhin so geschehen soll und dass es kraftwerk getroffen hätte. Es hätte bei diesem sehr alten
nicht weniger, sondern mehr Müll wird. Kraftwerk noch nicht einmal den Sicherheitsbehälter
treffen müssen,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD) (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Was sind das
denn für persönliche Erklärungen? Das ist
Sagen Sie den Menschen, wie Sie für Sicherheit garan- doch Unfug!)
tieren wollen. Sie tragen die Verantwortung dafür, dass
noch mehr Müll in diesen Zwischenlagern gelagert wer- sondern nur das Gebäude, in dem sich direkt unter dem
den soll, Dach das Abklingbecken befindet,
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Trittin hat (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Das sind doch
das Zwischenlager genehmigt!) keine Erklärungen zur Abstimmung!)
die noch nicht einmal abgesichert sind, sondern besten- um großen Schaden anzurichten. Sie werden vielleicht
falls einem Unwetter widerstehen können, aber sicher- jetzt verstehen, dass ich persönlich das etwas anders
lich nicht der Radioaktivität. sehe als diejenigen, die hier glauben, diesem Gesetz zu-
stimmen zu müssen.
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Trittin hat
das Zwischenlager angeordnet!) (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Grüne Son-
derdebatte, oder was?)
Sie handeln hier unverantwortlich. Deshalb werde ich
diesem Gesetz nicht zustimmen. Der Bundesumweltminister hat noch im August er-
klärt, dass er genau diese Kernkraftwerke sichern
Sie können auch keinem Menschen vor Ort – nicht möchte. Nun ist er davon abgegangen. Viele Gutachten
den Schwaben, nicht den Bayern – in irgendeiner Weise belegen die Gefährlichkeit in Bezug auf Flugzeugab-
erklären, warum Sie freiwillig dieses Risiko eingehen, stürze. Meine Damen und Herren, Sie können diese War-
das wir so nicht eingehen müssten. nungen doch nicht einfach in den Wind schlagen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7207
Dr. Thomas Gambke
(A) Sie mögen vielleicht sagen: Herr Gambke, Sie gehen ders, als Sie hier entscheiden wollen! Stimmen Sie einer (C)
ja auch Risiken ein, wenn Sie in ein Auto oder ein Flug- Verlängerung nicht zu!
zeug steigen. Diese Risiken nehmen Sie doch in Kauf,
bis hin zu einem Unfall, bei dem Sie möglicherweise Ihr Danke schön.
Leben verlieren. – Es gibt aber einen großen Unter- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
schied. Sie entscheiden hier nicht nur für sich, sondern und bei der SPD)
für Hunderte von Generationen nach Ihnen. Diese haben
nicht mehr die Möglichkeit zur Entscheidung, wenn Sie
in unverantwortlicher Weise die Laufzeit verlängern. Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Nun hat der Kollege Frank Schwabe das Wort für die
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) SPD-Fraktion.
Als Physiker will ich Ihnen auch Folgendes sagen: (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Manche glauben vielleicht – diesen Eindruck habe ich,
wenn ich mit Nichttechnikern spreche –, man könne ir-
gendwann einmal die Strahlung von radioaktivem Mate- Frank Schwabe (SPD):
rial unterbinden; vielleicht in hundert Jahren, vielleicht Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich werde gegen
auch erst etwas später. Das ist physikalisch nicht mög- sämtliche Gesetzesvorlagen im Zusammenhang mit der
lich. Genauso wenig wie Sie den absoluten Temperatur- Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke stim-
nullpunkt unterschreiten können oder ein Material schaf- men. Ich mache das auch besonders vor dem Hinter-
fen können, das die Sonnentemperatur oder eine grund, dass ich der zuständige Berichterstatter für Kli-
Atomexplosion aushält, können Sie auch die Strahlung maschutz bin.
von radioaktivem Material nicht unterbinden. Als Physi-
ker sage ich Ihnen: Das kann man nicht. Deshalb müssen Deutschland ist seit vielen Jahren Vorreiter gewesen
wir die Laufzeit begrenzen. – ich betone: gewesen – in der internationalen Debatte
zur Entwicklung einer ambitionierten Klimaschutzpoli-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) tik und dem damit verbundenen Umbau der Energiever-
sorgung. Dies ist jetzt zentral gefährdet. Es ist absehbar,
Jetzt komme ich noch auf eine Erfahrung aus meiner
dass der Laufzeitverlängerung im Rahmen des auftreten-
jahrelangen Industrietätigkeit zu sprechen. Ich bin davon den Systemkonflikts der Angriff auf den Ausbau der er-
überzeugt, dass die Kernkraftwerke in Deutschland von neuerbaren Energien folgen wird.
sehr sicherheitsbewusstem Personal gefahren werden.
Menschliches Fehlverhalten können Sie aber nicht aus- Die neue Energiepolitik war mit der Entscheidung zur
(B) schließen. Da helfen mir keine Statistik und auch keine Beendigung der Atomnutzung und mit den Rahmenbe- (D)
Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das kann morgen passie- dingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien
ren. Dann wird man den Schuldigen suchen. Eines wird zentral verbunden. Diese Entwicklung wurde gegen
man aber nicht reparieren können: dass Menschen ihr massive, auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausge-
Leben verlieren und dass meine niederbayerische Hei- richtete Lobbyinteressen durchgesetzt. Diese Entschei-
mat auf Jahrhunderte nicht mehr betreten werden kann. dungen haben das demokratisch legitimierte Primat der
Das können Sie doch nicht verantworten. Politik gegenüber kurzfristigen betriebswirtschaftlichen
Interessen einiger weniger durchgesetzt. Diese Politik
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
des klar fixierten Atomausstiegs und der gesetzlichen
Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Sie sind doch
Rahmenbedingungen für die Förderung erneuerbarer
gar kein Bayer! Hören Sie doch auf!)
Energien hat zu einem Ausbau der erneuerbaren Ener-
Ich habe 1969 mein erstes Auto gekauft, nämlich ei- gien in ungeahnten Größenordnungen geführt. Dieser
nen VW, ein wunderbares Auto mit Seilzugbremsen und Boom und der Paradigmenwechsel hin zu einem anderen
unsynchronisiertem Getriebe. Aus demselben Baujahr, Energieversorgungssystem werden für immer mit dem
der Baulinie 1969, ist Isar 1. Das ist eine Sicherheitsar- Namen Hermann Scheer verbunden sein.
chitektur, die heute keine Genehmigungsbehörde mehr
Es sind neue wirtschaftliche Strukturen und bislang
akzeptieren würde. Aber deren Laufzeit wollen Sie jetzt
über 300 000 Arbeitsplätze entstanden. Die vorgesehe-
verlängern.
nen Gesetzesänderungen zementieren eine überholte
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zentrale Energieversorgungsstruktur, die von vier großen
sowie bei Abgeordneten der SPD) Energieversorgern bestimmt wird, welche ihre Oligopol-
stellung zur Durchsetzung zu hoher Energiepreise aus-
225 Tage wäre das Kraftwerk nur noch gelaufen. Jetzt nutzen.
wird es über 3 000 Tage laufen. Wollen Sie das weiter
verantworten? (Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Was hat das
mit einer persönlichen Erklärung zu tun?)
Meine Damen und Herren, ich halte es für absolut un-
verantwortlich, was Sie hier tun. Wir hatten einen Kon- Sie ist weder gut für bezahlbare Preise noch für die Si-
sens. Diesen Konsens haben Sie aufgekündigt. Sie haben cherheit der Energieversorgung in der Zukunft, ge-
damit nicht nur die Fraktion der Grünen, sondern auch schweige denn für den Klimaschutz. Es geht um Profit-
viele Ihrer Kollegen einschließlich des CSU-geführten maximierung ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche
Stadtrats in Landshut gegen sich. Entscheiden Sie an- und gesamtwirtschaftliche Auswirkungen.
7208 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Frank Schwabe
(A) (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Das ist ein zahlreiche Hinweise gäbe, die eine Regierung nicht (C)
verhinderter Debattenbeitrag!) ignorieren darf.
Die von den Fraktionen der CDU/CSU und der FDP ge- Im Rahmen der vom Umweltministerium selbst in
tragene Bundesregierung macht sich zur willfährigen Auftrag gegebenen Expertise wurde eine Mitwirkungs-
Durchsetzerin dieser Interessen. pflicht des Bundesrates bestätigt. Die Verfassungsminis-
terien, nämlich das Bundesministerium der Justiz und
Das gesamte parlamentarische Verfahren wurde in ei-
das Bundesministerium des Innern, haben im Rahmen
ner der Tragweite der Gesetze und der Komplexität der
verschiedener Einschätzungen zu erkennen gegeben,
Thematik vollkommen unangemessenen Art und Weise
dass zumindest bei einer umfassenden Verlängerung der
durchgepeitscht. Gleichzeitig haben sich die Regierung
Laufzeiten der Atomkraftwerke eine Mitwirkung des
und die sie tragenden Fraktionen von CDU/CSU und
Bundesrates gegeben sein müsse. Von den mir bekann-
FDP jedoch Wochen und Monate Zeit genommen, um
ten elf Expertisen von Verfassungsrechtlern sehen acht
mit den vier großen betroffenen Energieversorgungsun-
die Beteiligung des Bundesrats als notwendig an. Nicht
ternehmen zu verhandeln.
zuletzt hat der Bundesrat selbst per Beschluss eine Betei-
Mehrere Sondersitzungen des Umweltausschusses ligung eingefordert. Zahlreiche Verfassungsklagen sind
wurden nur genutzt, um den formalen Mindestansprü- angekündigt.
chen an die Beschlussfassung im Deutschen Bundestag
Genüge zu tun. Dies ist aber durch zahlreiche Verfah- Aus all diesen Gründen werde ich den oben genann-
rensfehler noch nicht einmal gelungen. Nachfragen wa- ten Gesetzesvorlagen meine Zustimmung verweigern.
ren nicht erwünscht. Aufklärung durch die Bundesregie- Ich bin mir sicher, dass es hier heute nicht zu einem
rung gab es nicht. Der zuständige Minister war gar nicht verfassungsgemäßen Zustandekommen dieser Gesetze
anwesend. Der traurige Höhepunkt war, dass in der letz- kommt.
ten Sitzung des Umweltausschusses, über die heute (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
schon viel gesprochen worden ist, durch die Koalitions- des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) –
fraktionen etwa acht Minuten Beratungszeit bis zur Ab- Hartwig Fischer (Göttingen) (CDU/CSU): Das
stimmung eingeräumt werden sollten: Antrag von Frau hat Ihnen Ihr Referent aber gut aufgeschrie-
Dött um 18.22 Uhr, Abschluss der Debatte um ben!)
18.30 Uhr.
Eine viel zu kurze und mit zu wenigen Sachverständi- Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
gen ausgestattete Anhörung fand in der sitzungsfreien Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will darauf hin-
Zeit statt. Trotzdem hat diese Anhörung Dutzende von weisen, dass das Instrument der persönlichen Erklärung (D)
(B)
Hinweisen auf offene Punkte der Atomgesetznovellen vor der Abstimmung kein Instrument ist, um die Sachde-
ergeben, zu denen es bis heute keine Antworten durch batte zu verlängern.
die Bundesregierung gibt. Dazu gehört, dass das zentrale
Beratungsgremium der Bundesregierung für Umweltfra- (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
gen, nämlich der Sachverständigenrat für Umweltfragen, neten der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Wurde
SRU, in einer Stellungnahme mit der Überschrift „Lauf- die Sachdebatte im Ausschuss verlängert?)
zeitverlängerung gefährdet Erfolg der erneuerbaren Das Wort hat der Kollege Dr. Anton Hofreiter, Frak-
Energien“ der Position der Bundesregierung von der tion Bündnis 90/Die Grünen.
Brückenfunktion der Atomenergie grundsätzlich wider-
spricht. Mehrere Sachverständige haben gravierende Si-
cherheitsmängel angesprochen, die im Rahmen eines Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Weiterbetriebs zahlreicher Atomkraftwerke zu erwarten NEN):
sind. Es gibt keine Antwort auf die Frage, was die Bun- Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
desregierung dagegen zu tun gedenkt. Kollegen! Ich lehne die Verlängerung der Laufzeiten der
Atomkraftwerke ab.
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Warum ge-
ben Sie es nicht schriftlich ab?) Es ist klar, warum es überhaupt zu dieser Laufzeitver-
längerung kommen soll: Die vier Atomkonzerne haben
Dasselbe gilt für die Frage der mangelnden Wettbe- die Entwicklung der erneuerbaren Energien verschlafen;
werbsneutralität gegenüber den Konkurrenten; auch hier sie fürchten um ihr Monopol. Ihre Helfershelfer, die
gibt es keine Antwort. Es gibt keine Klarheit über die schwarz-gelbe Regierung, wollen nun das Monopol ver-
Höhe der Mittel für den Klima- und Energiefonds. Es längern. Das kostet aber nicht nur viele Arbeitsplätze im
gibt keine Klarheit über den Umfang des anfallenden Mittelstand und zerstört den Wettbewerb. Denn: Wenn
Atommülls. Diese Liste ließe sich lange fortführen; man Sie die Verlängerung durchsetzen, machen Sie etwas
kann sie an anderer Stelle nachlesen. Gravierendes: Sie gefährden die Sicherheit einer Viel-
Dass die Gesetze ohne Bundesratsbeteiligung be- zahl von Menschen und produzieren weiteren Atom-
schlossen werden sollen, ist bloß der Tatsache geschul- müll.
det, dass es seit dem Sommer keine Bundesratsmehrheit (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
von Schwarz-Gelb mehr gibt. Das macht den Versuch
der Nichtbeteiligung des Bundesrats politisch verständ- Ganz in der Nähe meines Wahlkreises befinden sich
lich. Eine Regierung könnte so handeln, wenn es nicht die beiden Atomreaktoren Isar 1 und Isar 2. Es ist bereits
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7209
Dr. Anton Hofreiter
(A) angesprochen worden: Isar 1 ist eines der ältesten Atom- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (C)
kraftwerke in Deutschland. sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
KEN)
(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: 1969!)
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Wenn es bei Isar 1 zu einem GAU kommt, dann sind Ich möchte noch einmal auf meine Bemerkung von
Millionen von Menschen gefährdet: in der Großstadt vorhin hinweisen.
München, im Landkreis München und in der Stadt
Landshut. Sie nehmen das billigend in Kauf. Warum? (Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Persönliche
Erklärungen nur schriftlich!)
Isar 1 ist eines der gefährlichsten Atomkraftwerke.
Der Kollege Dr. Hermann Ott ist der nächste Redner.
Angesichts seines Alters ist es schwer möglich, es auf
neue technische Standards zu heben. Bestimmte Teile,
zum Beispiel den Kessel, kann man nicht austauschen, Dr. Hermann Ott (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
weil sie integrale Bestandteile des Reaktors sind. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Diese heutige Abstimmung über die Verlänge-
Des Weiteren besteht bei einem Atomkraftwerk, das rung der Laufzeiten der Atomkraftwerke ist keine nor-
so alt ist wie dieses, das große Problem, dass keinerlei male Abstimmung.
Schutz vor einem Flugzeugabsturz vorhanden ist. Dieses
Atomkraftwerk ist teilweise nicht einmal gegen den Ab- (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Das merken
sturz eines Kleinflugzeuges geschützt. Es liegt ganz in wir!)
der Nähe des Münchener Flughafens. Ein Flugzeug, das Deshalb möchte ich eine kurze persönliche Erklärung
eigentlich auf dem Flughafen München landen will, abgeben.
könnte in Isar 1 oder Isar 2 hineinstürzen. Isar 1 wird
schon beim Absturz eines Kleinflugzeuges zerstört; Ich hatte das Glück, nicht direkt neben einem Atom-
Isar 2 wird beim Absturz eines herkömmlichen Ver- kraftwerk aufzuwachsen, und ich habe das Glück, nicht
kehrsflugzeuges zerstört, von denen viele München an- neben einem Atomkraftwerk zu leben. Aber ich kämpfe
fliegen. seit 1979, seit den großen Demonstrationen in Gorleben
und Hannover, gegen die Atomenergie. Dieser Kampf
Das heißt, Sie verlängern den Betrieb von zwei Atom- war entscheidend für meine politische Bewusstseinsbil-
kraftwerken, die sich in der Nähe eines Flughafens und dung und für meinen beruflichen Werdegang, zuerst als
in der Nähe von mehreren mittelgroßen Städten und ei- Wissenschaftler und jetzt als Politiker.
(B) ner Großstadt befinden. (D)
All das, wofür ich in den letzten 30 Jahren gekämpft
Sie können nicht schlüssig erklären, wie Sie die Sicher- habe, versuchen Sie von der Koalition jetzt kaputtzuma-
heit der Menschen garantieren wollen. chen. Sie versuchen, einen der größten Fortschritte der
Menschheit – einen der größten zivilisatorischen Fort-
Sie machen das Ganze nicht, weil es notwendig ist, schritte hätte es wahrscheinlich Hermann Scheer ge-
sondern um das Monopol der Atomkonzerne zu erhalten. nannt – wieder zurückzunehmen, nämlich den friedli-
Das ist der Skandal. chen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Wirkung dieses Ausstiegs vor zehn Jahren nach
Sie gefährden die Menschen in dieser Region, deren Ab- innen und außen war kaum zu überschätzen. Der Atom-
geordneter ich bin. ausstieg hat den Menschen in aller Welt Mut gemacht.
Das habe ich selbst immer dann erfahren, wenn ich im
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Trittin hat Rahmen meiner Arbeit mit Menschen zusammengekom-
das gemacht!) men bin. Der Atomausstieg hat allen Menschen Mut ge-
macht, daran zu glauben, dass ein Leben ohne die Schre-
Sie gefährden die Gesundheit und das Leben dieser cken der Atomkraft möglich ist. Plötzlich war da eine
Menschen zugunsten des kurzfristigen Profits der Atom- Alternative zu dieser Monstertechnologie. Diese Hoff-
konzerne und um das Monopol der Atomkonzerne auf- nung der Menschen in aller Welt wird von der Koalition
rechtzuerhalten. Das ist der Skandal. Sie machen das heute enttäuscht, wenn nicht gar zerstört.
nicht, um die Energieversorgung zu sichern, auch nicht,
um günstige Strompreise garantieren können, sondern (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: „In aller
nur, um die Profite der mit Ihnen verbundenen Konzerne Welt“?)
zu sichern. Deswegen gefährden Sie das Leben der Men- Auch die Wirkung auf uns war gewaltig. Der Atom-
schen. Das ist der zentrale Skandal, und dafür gehören ausstieg hat bei uns und bei vielen anderen gesellschaft-
Sie abgewählt. liche Kräfte freigesetzt. Sie hat die Kreativität der Men-
Ich möchte noch einmal an Sie appellieren: Geben Sie schen gefördert und die Innovationsfreude im Bereich
Ihrem Gewissen einen Schubs und stimmen Sie bei den der Industrie befeuert. Viele Arbeitsplätze wurden ge-
folgenden Abstimmungen gegen die Verlängerung der schaffen, die Sie heute aufs Spiel setzen. Was besonders
Laufzeiten. verstörend ist, ist, dass Sie das völlig ohne Not tun. Es
gibt keinen sachlichen Grund für die Verlängerung der
Vielen Dank. Laufzeiten; mein Vorredner und viele andere haben
7210 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Ingrid Arndt-Brauer
(A) wortung. Wenn hier ein Volumen, das mit 2,3 Milliarden läuft es aber weiter, und zwar noch viele Jahre. Es wer- (C)
Euro angedacht worden ist – – den weiter meldepflichtige Zwischenfälle von diesem
Pannenreaktor hervorgerufen werden. Wir werden wei-
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: terhin die Gefahr haben, dass wir nicht gegen Terroran-
Frau Kollegin, die Redezeit ist abgelaufen. schläge geschützt sind. Biblis A hat keine externe Not-
standswarte.
Ingrid Arndt-Brauer (SPD): Wir haben den Frankfurter Flughafen, wir haben das
Entschuldigung. Ich hatte fünf Minuten angemeldet, Frankfurter Bankenzentrum in unmittelbarer Nähe. Wir
und die Anzeige hier vor mir fing bei einer Minute an. wissen seit dem 11. September 2001, dass Terroran-
Nein, nein, das kann nicht sein. schläge mit Flugzeugen kein Hirngespinst mehr sind und
dass auch in unmittelbarer Nähe von Biblis A so etwas
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: passieren könnte. Das macht mir Angst. Deshalb werde
Nein, nein. Ich manipuliere die Redezeit nicht. ich die Atomgesetznovelle ablehnen.
Ich habe noch einen zweiten Grund zur Ablehnung,
Ingrid Arndt-Brauer (SPD): nicht auf meinen Herkunftsort, sondern auf meinen jetzi-
Ja. – Es fing mit 1:16 Minuten an. Ich habe nichts gen Wahlkreis in Nordhessen bezogen. Diese Region
dazu gesagt. – Aber einen Schlusssatz möchte ich noch galt immer als das Armenhaus Hessens. Sie war von ho-
sagen. her Arbeitslosigkeit betroffen. Man hat gesagt, die Fach-
kräfte werden abwandern. Seit einigen Jahren haben wir
Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass hier bei
bei uns in der Region einen großen Boom. Er kommt na-
340 Euro pro Gramm Uran weitergemacht wird. Wir
türlich nicht von der Atomkraft – davon sind wir ver-
wollen also eine Erhöhung. Wir wollen netto 2,3 Milliar-
schont geblieben –, sondern von den erneuerbaren Ener-
den Euro. Wir wollen einen Ausgleich der Steuerausfälle
gien. Wir haben bei uns in der Region Weltmarktführer
bei Ländern und Kommunen, und wir wollen die Ein-
auf dem Solarmarkt. Ihr Energiekonzept sieht vor, dass
speisung der Summe in den Energiefonds, der sonst
der Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich gedros-
nicht sichergestellt ist. Ich bitte Sie, das ausreichend zu
selt wird.
berücksichtigen.
Ich danke für die Aufmerksamkeit. Ich finde, meine Region hat eine bessere Zukunft ver-
dient. Wir möchten, dass der Ausbau der erneuerbaren
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten Energien weitergeht. Wir wollen weiter Jobs für hoch-
der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE qualifizierte und für normale Industriearbeiter schaffen.
(B) GRÜNEN – Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Das Wir wollen, dass der Ausbau in die Zukunft weitergeht. (D)
war nicht in Ordnung! Das war nicht der An- Deshalb wollen wir, dass die Atomkraftwerke abge-
fang!) schaltet werden. Ich finde, Hessen hat etwas Besseres
verdient als Biblis A und B, nämlich vor allem die Solar-
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: energie. Ich fordere Sie auf, heute gegen die Atomge-
Ich gehe nach der hier angezeigten Redezeit. Dann setznovelle zu stimmen.
bitte ich um Entschuldigung. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
(Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
Das war noch meine Redezeit! – Zuruf von der KEN)
SPD: Das war ihre Restzeit! – Jürgen Trittin
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie meinen Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
„ihre Restlaufzeit“! – Volker Beck [Köln] Das Wort hat die Kollegin Ingrid Nestle.
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Übertra-
gung von Restlaufzeit ist Gegenstand der na-
Ingrid Nestle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
mentlichen Abstimmung! Sie dürfen dem
nicht vorgreifen!) Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich werde gegen
die Laufzeitverlängerungen stimmen. Ich möchte in die-
Nächste Rednerin ist die Kollegin Nicole Maisch. sem Zusammenhang einen Punkt aus meiner Heimat
Schleswig-Holstein zur Sprache bringen.
Nicole Maisch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Trotz meiner persönlichen Bemühungen in den letz-
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich ten Tagen und Wochen bestehen Sie darauf, auch das
werde gegen die Gesetzesnovelle stimmen, und ich AKW Brunsbüttel mit einer Laufzeitverlängerung von
möchte Ihnen das als hessische Abgeordnete persönlich acht Jahren auszustatten.
begründen. Ich stamme aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus
einem Gebiet in unmittelbarer Nähe zu Biblis A und B. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Meine Eltern, meine Großeltern, mein Bruder und wei- NEN]: Unglaublich!)
tere Angehörige meiner Familie wohnen dort noch im-
Das AKW Brunsbüttel, das sich in meiner Heimat befin-
mer.
det, ist nur deshalb heute noch nicht im Rückbau, weil es
Ohne Ihren Atomdeal würde Biblis A demnächst vom dort mehrere schwerwiegende Pannen gab, die dazu ge-
Netz gehen und wäre kein Sicherheitsrisiko mehr. Jetzt führt haben, dass es jahrelang vom Netz genommen war;
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7213
Ingrid Nestle
(A) sonst wäre das AKW Brunsbüttel schon heute im Rück- Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: (C)
bau. Ich denke, diese Pannen, die Leib und Leben der Der Zeitplan diverser Sitzungen ist heute etwas
Bevölkerung vor Ort gefährden, sind kein Grund, den durcheinandergeraten. Deshalb will ich darauf hinwei-
Kernkraftwerksbetreibern zu sagen: Ihr bekommt ein sen, dass die Sitzung des Ältestenrates entgegen der vor-
Geschenk in Form einer Laufzeitverlängerung um acht herigen Ankündigung jetzt parallel zum Plenum beginnt.
Jahre obendrauf; wir betreiben diesen Reaktor weiter. Diejenigen Mitglieder des Ältestenrates, die an dieser
Sitzung teilnehmen sollen und wollen,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD) (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Und dürfen!)
Ich will in der gebotenen Kürze nur von einer einzi-
gen Panne berichten. 2001 kam es im AKW Brunsbüttel will ich hiermit informiert haben.
zu einer Knallgasexplosion. In direkter Nachbarschaft
Nun hat das Wort der Kollege Dr. Konstantin von
zum Reaktordruckbehälter wurden drei Meter Rohrlei-
Notz.
tung vollkommen zerfetzt. Ein einziges Ventil, das stark
gestaucht wurde, war noch dazwischen. Es hat verhin-
dert, dass massiv Radioaktivität ausgetreten ist. Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):
Obwohl viele Instrumente angeschlagen und gezeigt Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
haben, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, ließen die Herren! Ich komme aus dem Wahlkreis 10, Herzogtum
Betreiber das AKW Brunsbüttel zwei Monate weiterlau- Lauenburg – Stormarn-Süd. In diesem Wahlkreis steht
fen. Die Strompreise waren damals relativ hoch; deshalb das Atomkraftwerk Krümmel, der Pannenreaktor der
wollte man das AKW nicht vom Netz nehmen. Es hieß, Republik, der in den letzten Jahren so viele Störfälle pro-
das sei ein spontaner Druckabfall gewesen, der nicht so duziert hat, dass es meine Redezeit sprengen würde,
schlimm gewesen sei. Erst zwei Monate später wurde wenn ich auf alle eingehen wollte. Sie machen sich hier
bei einer Routineuntersuchung entdeckt, was passiert und heute daran, auch die Laufzeit dieses Reaktors zu
war. Nach und nach mussten die Betreiber zugeben, dass verlängern.
sie, als einige Instrumente anschlugen, vielleicht doch
hätten misstrauisch werden und das AKW vom Netz In der Umgebung des AKW Krümmel, unmittelbar
nehmen sollen. vor dem Schrottreaktor, gibt es das Leukämiecluster Elb-
marsch, das weltweit einzigartig hoch ist und die Men-
Nur aufgrund solcher Pannen ist das AKW Brunsbüt- schen in meinem und im benachbarten Wahlkreis – ich
tel heute noch nicht im Rückbau begriffen. Nur aufgrund sage Ihnen das, weil das vielleicht auch für Sie eine
(B) solcher Pannen können Sie überhaupt eine Laufzeitver- Rolle spielt – extrem beunruhigt. (D)
längerung des AKW Brunsbüttel vornehmen. Nur auf-
grund solcher Pannen bekommt der Betreiber des AKW Das AKW Krümmel ist wegen der vielen Störfälle
Brunsbüttel für seine Verantwortungslosigkeit eine Lauf- seit Jahren abgeschaltet. Vattenfall hat diese Zeit ge-
zeitverlängerung von acht Jahren geschenkt, und das, nutzt, um den alten Schrottreaktor mit zusätzlichen Ge-
obwohl das AKW Brunsbüttel nichts mit dem Thema neratoren hochzurüsten. Der heutige Zustand des alten
Versorgungssicherheit zu tun hat. Siedewasserreaktors ist vergleichbar mit einem alten,
klapprigen Golf mit Porschemotor. Die letzten Störfälle,
Zum Thema Versorgungssicherheit möchte ich in der die sich beim AKW Krümmel ereignet haben, waren ge-
Kürze der Zeit nur ein Beispiel nennen. Sie haben heute nau diesem Umstand geschuldet: dass die alte Technik
mehrmals Ihrer Sorge Ausdruck verliehen, wie schwie- mit neuer Technik hochgerüstet wurde, die aber nicht
rig es wird, den notwendigen Netzausbau hinzubekom- miteinander harmonieren. Auch dies sollte Sie im Her-
men. Das AKW Brunsbüttel liegt in einer Region, in der zen bewegen, wenn Sie nachher bei der Abstimmung
sich Offshoreanlagen befinden. Durch die Leitungen über die Verlängerung der Laufzeit des AKW Krümmel
fließt aber schon heute jede Menge Onshorewindenergie. Ihre Hand heben.
Wenn das AKW Brunsbüttel wieder ans Netz ginge,
müssten die Leitungen massiv ausgebaut werden. Denn Das Ganze ist so beunruhigend, dass in Schleswig-
durch die Leitungen, durch die früher der Atomstrom Holstein Ihre eigenen Minister – vor allen Dingen der
des AKW Brunsbüttel floss, fließt heute längst Wind- Justizminister, der für Sicherheitsfragen zuständig ist –
strom. Das AKW Brunsbüttel wieder ans Netz zu lassen, Einspruch gegen eine Laufzeitverlängerung erheben.
dient weder Ihrem Gesamtkonzept noch der Versor- Dem Justizminister wird schon schlecht, wenn er an die
gungssicherheit. Ganz im Gegenteil: Ein großer Sicherheitsprobleme nur denkt, die sich mit Ihrer Ab-
Stromausfall in Hamburg, bedingt durch Pannen im stimmung heute ergeben werden.
AKW Brunsbüttel, ist keine Seltenheit. Auch Folgendes sollten Sie sich zu Herzen nehmen:
Ich erkenne an, dass Sie in der Atomfrage zum Teil Als das Atomkraftwerk in Tschernobyl hochgegangen
eine andere Meinung haben als ich. Man mag sich in der ist, war das für die Ukraine und die weißrussische
Atomfrage verhalten, wie man will: Brunsbüttel wieder Steppe schlimm und hatte katastrophale Folgen. Wenn
ans Netz zu lassen, ist der helle Wahnsinn. aber Krümmel in unmittelbarer Nähe der Millionenme-
tropole Hamburg hochgeht, dann gehen die Lichter aus,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dann ist Schicht im Schacht. Herr Kauder, nehmen Sie
sowie bei Abgeordneten der SPD) sich das zu Herzen. Der Pannenreaktor der Republik ist
7214 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Tabea Rößner
(A) sondern weil sie auch meiner Verantwortung gegenüber von Reststrommengen aus dem stillgelegten AKW Stade (C)
meinen Kindern, gegenüber meinen Kindeskindern und wurde die Betriebserlaubnis bis heute gerettet.
auch dem mehrheitlichen Willen der Bevölkerung sowie
meiner Wählerinnen und Wähler widerspricht. Darum Diese Strategie soll jetzt nach Ihrem Willen satte
werde ich hier und heute gegen die vorgelegte Atomge- Früchte tragen. Eine acht Jahre längere Laufzeit würden
setznovelle stimmen. RWE Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe bringen. Ob
es zu Nachrüstungen beim völlig inakzeptablen Sicher-
(Volker Kauder [CDU/CSU]: So ein Quatsch! heitszustand kommt, steht dagegen völlig in den Sternen.
Woher wissen denn Sie das?)
(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist Gesetz!)
– Herr Kauder, Sie können mir glauben, dass ich mit
meinen Wählerinnen und Wählern in Kontakt stehe. Ein derart unsicherer Reaktor wie Biblis A muss sofort
abgeschaltet werden. Jede Verlängerung der Laufzeit ist
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Aber das sind aus meiner Sicht unverantwortlich.
keine 50 Prozent! Das ist aber nicht die Mehr-
heit, meine gute Frau! – Weitere Zurufe von (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/
der CDU/CSU) DIE GRÜNEN und der SPD)
Ich stimme gegen die Laufzeitverlängerung, weil ich Die Menschen, die in der Region leben, wollen ihre
für eine verantwortungsvolle Politik stehe, für die mich strahlenden Nachbarn auf jeden Fall loswerden. Denken
viele Menschen in Rheinland-Pfalz gewählt haben. Auch Sie daran, wer in den vergangenen Wochen und Monaten
wenn in Rheinland-Pfalz selbst kein Atomkraftwerk am auf die Straße gegangen ist und an den Demonstrationen
Netz ist, so liegt mein Wahlkreis in direkter Nachbar- gegen Atomkraft teilgenommen hat. Ob es in Berlin war,
schaft zum Atomkraftwerk Biblis. Das sind keine in Gorleben oder bei mir zu Hause: So bunt gemischt
20 Kilometer Luftlinie von meinem Heimatort. war die Atomkraftbewegung noch nie. Aber in einem
waren sich alle einig: Sie wollen in diesem Land keine
Die beiden Reaktoren Biblis A und B gehören zu den Atomkraft. Wenn Sie, sehr verehrte Damen und Herren
ältesten in Deutschland. Biblis A ist bereits 1974 ans der Koalitionsfraktionen, dieses Gesetz heute beschlie-
Netz gegangen. Nach der geplanten Gesetzesnovelle soll ßen, dann wird – das garantiere ich Ihnen – auch Sie nie-
Biblis mindestens acht Jahre länger in Betrieb sein – und mand mehr wollen.
dies, obwohl Studien insgesamt 80 Sicherheitsdefizite
aufzeigen. Bereits jetzt gehören die Reaktoren in Biblis Ich appelliere daher an Sie: Nehmen Sie diese Geset-
zu den störanfälligsten. In der Pannenbundesliga ist zesvorlagen zurück und machen Sie endlich den Weg
Biblis A der unangefochtene Rekordmeister. Es gab ins- frei für den konsequenten Ausbau erneuerbarer Ener-
(B) gesamt über 400 meldepflichtige Zwischenfälle. Die gien! (D)
Verlängerung der Laufzeiten bedeutet mindestens acht Vielen Dank.
Jahre weiter Pleiten, Pech und Pannen, acht Jahre, in de-
nen die Pannenreaktoren wie ein radioaktiv strahlendes (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Damoklesschwert über uns hängen. sowie bei Abgeordneten der SPD)
Zudem sind die Reaktoren in Biblis gegen Störfälle
schlechter geschützt als andere. Meine Kollegin Maisch Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
hat auch dies eben schon erwähnt. Bei einem Flug- Nun hat die Kollegin Dorothea Steiner das Wort.
zeugabsturz – der Frankfurter Flughafen liegt in unmit-
telbarer Nähe – hätten wir in Rheinland-Pfalz ganz Dorothea Steiner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
schlechte Karten. Laut Öko-Institut wäre eine großflä- Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich
chige Zerstörung des Reaktorgebäudes zu befürchten. möchte kurz erklären, warum ich gegen die elfte Atom-
Die Folge – wir kennen das – wäre eine Kernschmelze, gesetznovelle stimmen werde, die eine Laufzeitverlän-
und ein Gebiet von 10 000 Quadratkilometern würde zur gerung für alle Atomkraftwerke in Deutschland vorsieht.
Katastrophenzone. Ich bin auch deswegen von der Laufzeitverlängerung
persönlich betroffen, weil sich in meiner Region und
Mit den Atomgesetzen gefährden Sie, sehr verehrte
meinem Bundesland das Atomkraftwerk Unterweser be-
Damen und Herren der Koalition, das Leben der Men-
findet, das besonders viele Mängel aufweist. Je älter die
schen aus dieser Region.
Meiler, desto größer die Störanfälligkeit; da kann der
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ Bundesumweltminister über Sicherheit philosophieren,
DIE GRÜNEN) so lange er will.
Wollen Sie wirklich eine solch riesige Verantwortung Schon heute kommt es alle zweieinhalb Tage zu einer
übernehmen? meldepflichtigen Betriebsstörung in einem deutschen
Atomkraftwerk. Für mich gehört das Atomkraftwerk
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Das haben wir
Unterweser zu den sieben Atomreaktoren, die sofort
schon!)
stillgelegt werden müssten. Für mich ist es unverant-
Biblis A wäre, wenn sich der Betreiber RWE dem be- wortlich, die Bevölkerung, unsere Umwelt und uns alle
schlossenen und mitgetragenen Atomkonsens verpflich- diesem immensen Risiko auszusetzen, das von der län-
tet gefühlt hätte, längst stillgelegt. Nur durch künstliche geren Betriebsdauer des AKW Unterweser ausgeht, und
Drosselung, fragwürdige Revision und die Übertragung das nur, um die Profite von Eon zu erhöhen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7217
Dorothea Steiner
(A) (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abschalten, aber auf keinen Fall eine Laufzeitverlänge- (C)
sowie bei Abgeordneten der SPD) rung!
Das AKW Unterweser, auch Esenshamm genannt, (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
wird von der Eon Kernkraft GmbH betrieben und ging sowie bei Abgeordneten der SPD)
1978 ans Netz. Das war damals mit einer elektrischen
Leistung von 1 400 Megawatt der leistungsstärkste Re-
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
aktor der Welt.
Nun erhält das Wort der Kollege Marco Bülow.
Seit seiner Inbetriebnahme gab es 330 meldepflich-
tige Zwischenfälle in diesem AKW. Das sind circa zehn (Beifall bei der SPD)
pro Betriebsjahr. Ich will auf zwei oder drei dieser Zwi-
schenfälle besonders hinweisen. Marco Bülow (SPD):
Bereits 1998 kam es zu einer ernsten Störung, als sich Frau Präsidentin! Liebe Damen und Herren! Ich bin
zwei Sicherheitsventile während einer Reaktorschnellab- der Meinung, dass man mit persönlichen Erklärungen
schaltung nicht öffneten. Diese Sicherheitsventile, die – vor allem mit mündlichen – sparsam umgehen sollte.
der Reaktorkühlung und somit der Reaktorsicherheit Aber es handelt sich in diesem Fall um ein sehr weitrei-
dienten, funktionierten offenbar über längere Zeit nicht. chendes und wichtiges Gesetzespaket, das erheblichen
Das wurde erst spät bemerkt. Einfluss auf die Zukunft unserer Energieversorgung ha-
ben wird und welches durch die Atomlaufzeitverlänge-
2005 gab es einen Kurzschluss im zuvor eingebauten rung uns und den nachfolgenden Generationen willkür-
Generator. Das AKW musste mehrere Monate vom Netz lich zusätzlichen hochgiftigen Atommüll beschert und
getrennt werden. uns unkalkulierbaren Gefahren aussetzt.
Im Juli 2007 wurde festgestellt, dass seit der Jahresre-
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Auf keinen Fall
vision 2006 das Not- und Nachkühlsystem falsch einge-
willkürlich!)
stellt war. Das heißt, bei einem Störfall hätte dieser
Strang nicht ausreichend kühlen können. Ich erkläre hiermit meine entschiedene Missbilligung
Gleichzeitig möchte ich noch einmal auf etwas hin- des Gesetzgebungszeitplans der Koalitionsfraktionen,
weisen, was mich sehr betroffen macht: Im AKW Unter- der fehlenden Möglichkeit einer ausführlichen Befra-
weser wurde lange Zeit mit plutoniumhaltigen Misch- gung der Bundesregierung und der unzureichenden Aus-
oxidbrennelementen gearbeitet. 2000 wurde aufgedeckt, sprache über dieses zentrale politische Thema. Herr
dass systematisch Sicherheitsdokumente für die im briti- Bundesminister, es ist richtig, dass Sie zu der Vertrags-
(B)
schen Sellafield hergestellten Brennelemente gefälscht staatenkonferenz nach Japan gefahren sind. Aber es war (D)
worden waren. „Unterweser“ war betroffen, und so nicht so zwingend, dass wir nicht nächste Woche mit Ih-
mussten alle Brennelemente ausgetauscht werden. Wer nen vernünftig hätten diskutieren können und nicht nur
sagt mir denn, dass nicht noch an anderen Stellen ge- mit Vertretern des Ministeriums.
fälscht worden ist und Dokumente unterdrückt worden (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
sind? des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist aber eine Zudem habe ich in den Gesetzesberatungen in den
Unterstellung!) letzten Tagen und Wochen den Eindruck gewonnen, dass
– Ich habe eine Frage gestellt, mehr nicht. meine Rechte als Abgeordneter und die Rechte der Op-
position insgesamt deutlich beschnitten wurden. Auf der
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- einen Seite hat sich die Regierung viele Monate Zeit ge-
NEN]: Leider haben sich alle Unterstellungen nommen, um mit Atomkonzernen ein Gesetz auszuhan-
immer als wahr erwiesen!) deln. Auf der anderen Seite wird dieses Gesetz ohne
Nach dem Atomausstiegsbeschluss von Rot-Grün Beteiligung des Bundesrates und ohne ausreichende Dis-
würde dieser Reaktor voraussichtlich im Herbst 2011 kussion innerhalb von einem Monat durch den Bundes-
stillgelegt werden. Jetzt soll er nach dem Willen der Ko- tag gepeitscht. Die Lobby wurde ausreichend bedient.
alition noch bis 2020 in Betrieb bleiben. Ich kann das Die gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter
nicht verantworten. Ich finde das unverantwortlich. Des- und damit die Bevölkerung sollen aber außen vor gehal-
wegen stimme ich gegen die Laufzeitverlängerung, ins- ten werden. Das dürfen wir so nicht hinnehmen.
besondere gegen die Laufzeitverlängerung für diesen
Die Beratungen im Umweltausschuss waren eine
Pannenreaktor.
Farce und der Dimension und Wichtigkeit des Themas
Ich möchte Sie noch auf eines aufmerksam machen. nicht angemessen. Einer zeitlich viel zu knapp bemesse-
Was, glauben Sie, wird in den nächsten rund zehn Jahren nen Anhörung folgten zwei Sonderausschusssitzungen,
passieren, die Sie diesem Reaktor noch geben? Der Kli- in denen die Regierungsfraktionen ihr Mehrheitsrecht
mawandel hat gerade an der Nordseeküste schon genü- überstrapaziert haben und nur eine Diskussionsrunde zu
gend Sturmfluten erzeugt; diese werden sich häufen. dem gesamten Themenkomplex zugelassen haben. Das
Was wird passieren, wenn sich die Pannen, die ich auf- muss man sich einmal vorstellen. Dabei dürfen wir sonst
gezählt habe, vervielfachen werden und Sturmfluten hin- über alle möglichen Dinge – Gott sei Dank – in ausgiebi-
zukommen? Das ist ein Grund mehr, zu sagen: Sofort ger Breite diskutieren.
7218 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Marco Bülow
(A) (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Es geht hier aber nicht nur um verschiedene politische (C)
NEN]: Hört! Hört!) Vorstellungen, sondern darum, dass es nicht sein darf,
dass viele aufgeworfene Fragen unbeantwortet bleiben.
Es konnten nur fünf Abgeordnete jeweils eine kurze In diesem Gesetz geht es schließlich um die Sicherheit
Stellungnahme zu dem Gesetz abgeben und gleichzeitig der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um die Frage, ob
Fragen an die Bundesregierung stellen, Fragen, die in wir die Energiewende hin zu den erneuerbaren Energien
keiner Weise von der Bundesregierung beantwortet wur- fortsetzen oder auf die alten Energiestrukturen setzen
den. So wurde beispielsweise keine meiner Fragen, die wollen, welche die Oligopolstrukturen von einigen we-
sich durch die Anhörung, die erst letzte Woche stattge- nigen Energieunternehmen stärken und die erneuerbaren
funden hat, ergeben haben und in denen ich die Aussa- Energien ausbremsen. Es geht um die Frage, ob wir ge-
gen von Sachverständigen zitiert habe, in der Ausschuss- fährlichen Atommüll vermeiden wollen oder zusätzli-
sitzung beantwortet. Was nutzt eine Anhörung, wenn die chen Müll anhäufen werden, obwohl wir kein Endlager
Mehrheitsfraktionen die Aussagen der Experten ignorie- besitzen. Es geht um die Frage, ob wir alte, marode
ren und die sich daraus ergebenden Fragen nicht zuge- Kraftwerke bald abschalten oder länger laufen lassen,
lassen werden? sodass die Gefahren von Pannen und Unfällen steigen
und auch der Super-GAU wahrscheinlicher wird. – Ich
Meiner Ansicht nach ist nicht nur der Stil unangemes- komme zum Schluss.
sen. Vielmehr wurden auch meine Rechte als Abgeord-
neter beschnitten. Ausgehend von § 31 der Geschäfts- Die jetzige Regierung will einen Kompromiss, den
ordnung des Deutschen Bundestags in Verbindung mit die damalige rot-grüne Bundesregierung ausgehandelt
§ 74, wollte ich in der Sitzung des Umweltausschusses hat, auflösen und riskiert dabei einen langen Rechtsstreit
mein Recht in Anspruch nehmen – ich bin ordentliches und heftige Gegenreaktionen, die auch auf der Straße
Mitglied dieses Ausschusses –, eine persönliche Erklä- ausgetragen werden.
rung abzugeben. Dieses wurde mir mit der einfachen
In meiner politischen Laufbahn und acht Jahren Bun-
Mehrheit des Ausschusses, der Regierungsfraktionen,
destag habe ich solche Sitzungen wie im Umweltaus-
aberkannt, obwohl das nach § 126 der Geschäftsordnung
schuss noch nicht erlebt. Ich finde es fast ein Wunder,
nur mit Zweidrittelmehrheit – das ist die einzige Aus-
dass wir heute unsere persönlichen Erklärungen dann
nahme – möglich ist. Das heißt, es wurden mit einfacher
doch noch mündlich hier abgeben dürfen.
Mehrheit Geschäftsordnungsrechte verändert. Das ist
gegen alle Gesetzmäßigkeiten dieses Parlamentes und Vielen Dank.
beschneidet meine Rechte. Dagegen sollten wir uns
wehren. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
(B) GRÜNEN und der LINKEN – Zuruf von der (D)
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE CDU/CSU: Wenn es denn eine persönliche Er-
GRÜNEN und der LINKEN) klärung gewesen wäre! – Volker Kauder
[CDU/CSU]: Warum waren Sie denn eigent-
Viele weitere Abgeordnete sind in der Sitzung nicht lich nicht bei der Anhörung? – Marco Bülow
mehr zu Wort gekommen, obwohl keine zeitliche Not [SPD]: Weil meine Frau im Krankenhaus liegt!
besteht, diese Woche die Beratungen abzuschließen, Soll ich das genauer schildern, was passiert ist,
sondern wir auch in der nächsten Sitzungswoche noch warum ich nicht da war, wenn Sie solche Fra-
weiter hätten diskutieren können. gen hier stellen? Das ist unglaublich, unmög-
lich! – Gegenruf von der CDU/CSU: Das
Die Bundesregierung hat aus den Diskussionen in kommt davon, wenn man hier so einen Kla-
Stuttgart nichts gelernt. Sie will die Entscheidung im mauk abzieht!)
Bundestag nicht nur über die Köpfe der Bürgerinnen und
Bürger, sondern mittlerweile sogar über die Köpfe der
Parlamentarier hinweg fällen und die Verlängerung der Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Atomlaufzeiten einfach mit Mehrheit ohne parlamentari- Das Wort hat jetzt die Kollegin Daniela Wagner.
sches Verfahren durchpeitschen.
(Marco Bülow [SPD], begibt sich zu Abg.
Die Fraktionen von Union und FDP, der auch Sie an- Volker Kauder [CDU]: Meine Zwillinge wären
gehören, spielen dieses Spiel mit und nutzen ihre Mehr- fast gestorben, deswegen war ich nicht da!
heit, ohne das Parlament in voller Angemessenheit zu Meine Kinder sterben fast, und dann muss ich
berücksichtigen mir so etwas anhören!)
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sie waren gar – Das Wort hat die Kollegin Daniela Wagner.
nicht bei der Anhörung! Wo waren Sie denn (Ulrich Kelber [SPD] an den Abg. Volker
bei der Anhörung?) Kauder [CDU] gewandt: Sie haben keinen
menschlichen Anstand, kein bisschen! – Wei-
und die nötige Beratungszeit einzuräumen. Dies ist ein terer Zuruf von der SPD an den Abg. Volker
weiteres Beispiel dafür, dass die Fraktionen von Union Kauder [CDU] gewandt: Entschuldigen sollten
und FDP hauptsächlich die Funktion der Erfüllungsge- Sie sich!)
hilfen der Regierung übernehmen. Das widerspricht zu-
tiefst meinem Demokratieverständnis. – Frau Wagner, bitte sehr, Sie haben das Wort.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7219
(A) Daniela Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): erstrecken könnten. Dem ist nicht mehr sehr viel hinzu- (C)
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Auch diese zufügen.
Szene hier macht deutlich, was wir uns alle gemeinsam
Lassen Sie mich noch einen Darmstadt-spezifischen
hätten ersparen können, würde man auf die Verlänge-
Aspekt hinzufügen. Unser kommunales Energieversor-
rung der Restlaufzeiten der deutschen AKW verzichten.
gungsunternehmen, übrigens der größte Ökostromanbie-
Ich möchte mich persönlich dazu erklären, warum ich ter bundesweit, hat wie viele andere kommunale Unter-
gegen die elfte Atomgesetznovelle stimme und eine nehmen im Vertrauen auf die Verbindlichkeit des bisher
Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke in Deutsch- geltenden Atomkonsenses gehandelt und entsprechende
land ablehne. Investitionen auf den Weg gebracht. Das Ziel der Lauf-
zeitverlängerung hat dazu geführt, Neuinvestitionen auf
Ich sehe mich im Besonderen betroffen, sowohl per- den Prüfstand zu stellen. Ein erneuter Strategiewechsel
sönlich als auch als Vertreterin der Bürgerinnen und Bür- der regionalen EVU und insbesondere unseres EVU
ger meiner Stadt. Die Stadt Darmstadt liegt in der Re- schadet wirtschaftlich unmittelbar auch der Stadt Darm-
gion Südhessen nur 30 Kilometer von dem Uralt-AKW stadt, weil die Wirtschaftlichkeit der Investitionen nicht
Biblis entfernt. Dort in Biblis stehen zwei der ältesten mehr gegeben ist. Auch das wird sich zum Beispiel in
Kraftwerke der Bundesrepublik Deutschland, nämlich kommunalen Haushalten durch verringerte oder ausblei-
Biblis A und Biblis B, 35 und 33 Jahre alt. Beide weisen bende Dividendenausschüttungen zeigen.
erhebliche Sicherheitsmängel auf, und weitere Betriebs-
jahre, dann weit über 40 Jahre Gesamtbetriebszeit, sind Aus diesem Grund ist es auch wirtschaftlich abstrus,
wahrlich ein abenteuerliches Experiment, das Sie da vor- gefährlich und gesellschaftsspaltend – es bringt Men-
haben. schen gegeneinander auf –, wegen einer Angelegenheit,
die längst schiedlich-friedlich gelöst worden ist – man
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ hatte sich wirklich auf einen Weg geeinigt, den am Ende
DIE GRÜNEN) alle mittragen konnten –, so vorzugehen. Diese Verstän-
Seit Inbetriebnahme kam es in Biblis A zu 419 und in digung opfern Sie abstrusen, einseitigen Renditeerwar-
Biblis B zu 415 meldepflichtigen Ereignissen. Am tungen der großen vier Kernenergieanbieter. Es ist ein-
17. Dezember 1987 kam es beinahe zu einem GAU. Das fach vollkommen verkehrt, was Sie hier vorhaben.
letzte meldepflichtige Ereignis geschah am 16. Oktober Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
2006 und führte zu einer außerplanmäßigen Abschaltung
der Blöcke A und B. Ursache dafür waren übrigens nicht (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
spezifikationsgerechte Dübelverbindungen an Rohrlei- sowie bei Abgeordneten der SPD)
tungshalterungen. Es stellte sich heraus – man glaubte es
(B) (D)
damals kaum –, dass alle 15 000 Spezialdübel von Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Biblis A und B ersetzt werden mussten. Die Störfallbe- Der Kollege Hans-Christian Ströbele ist nun der
herrschung ist nicht sichergestellt, weil unter anderem nächste Redner.
ein unabhängiges Notkühlsystem fehlt. Das AKW ist ge-
gen Erdbeben und Druckwellen von außen, zum Beispiel
Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE
durch Explosion, weit weniger geschützt, als es nach
GRÜNEN):
dem Stand der Technik heute möglich wäre und als es
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
dem Stand der Technik entspricht.
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Lieber
Erschwerend kommt hinzu, dass Biblis A nicht über
Herr Ströbele!)
ein dem Stand der Technik entsprechendes unabhängiges
verbunkertes Notstandssystem verfügt. Niemand von Die Koalition will gleich, in wenigen Minuten, gegen
uns wollte mit einem Auto vergleichbaren Alters und in den Willen der großen Mehrheit der wahlberechtigten
vergleichbarem technischen Zustand heute noch mit deutschen Bevölkerung ein Gesetz verabschieden.
180 Stundenkilometern auf der Autobahn herumrasen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN SES 90/DIE GRÜNEN und der SPD)
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Zu dieser Mehrheit der Bevölkerung gehören viele Wäh-
Auch sind die Notfallpläne für das AKW Biblis unzu- lerinnen und Wähler der CDU und der CSU. Das kann
reichend. Während der letzten Überarbeitung der Not- man allen Umfragen entnehmen. Ich fühle mich verant-
fallpläne 2008 durch RWE und die Landesbehörden sind wortlich für das ganze deutsche Volk und vor allen Din-
die neuen Erkenntnisse einer Studie des Öko-Instituts gen für seine Mehrheit.
aus 2007 nicht berücksichtigt worden. Der Verdacht liegt
(Zuruf von der CDU/CSU: Kreuzberg!)
nun nahe, dass der mögliche Radius einer Katastrophe
bewusst kleingehalten worden ist, um die anliegenden Ich habe vor der Wahl an die Wählerinnen und Wähler in
Großstädte wie Frankfurt und Mannheim in die Evakuie- dem Wahlkreis, in dem ich kandidiert habe, einen Brief
rungsszenarien nicht einbeziehen zu müssen. Die Studie geschrieben. In diesem Brief habe ich mehrfach mühsam
des Öko-Instituts hat darüber hinaus gezeigt, dass die ge- erläutert, warum das Gesetz, das Sie ändern wollen, das
mäß Strahlenschutzvorschriften zu evakuierenden Berei- richtige und einzig mögliche gewesen ist, nämlich der
che sich bis zu 600 Kilometer und damit je nach Wind- Atomausstieg. Die Wählerinnen und Wähler haben mir
richtung bis nach Berlin, München oder Hamburg ihre Stimme gegeben. Daher kann ich jetzt nicht anders
7220 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Hans-Christian Ströbele
(A) stimmen. Aus Überzeugung – weil die Gründe mich über- Ich möchte Sie vor allem an Ihre Verantwortung ge- (C)
zeugen, aber auch, weil meine Wählerschaft das will – genüber der regionalen Wirtschaft erinnern. Ich will Ih-
stimme ich gegen dieses Gesetz. nen ins Bewusstsein rufen, dass Hunderte von Stadtwer-
ken über 240 000 Menschen beschäftigen und fast
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 6,5 Milliarden Euro in ihren Regionen – auch da, wo Sie
Es gäbe nur eine Möglichkeit, sich überhaupt zu über- Ihre Wahlkreise haben – investieren. Bitte seien Sie sich
legen, ein solches Gesetz zu ändern. Wir erinnern uns an darüber klar, dass besonders die Kommunen weiterhin
die Diskussion zu Stuttgart 21. Bei Stuttgart 21 wird da- unter Finanznot leiden. Mit der Laufzeitverlängerung
setzen Sie Hunderte Energieversorger – kommunale
rüber diskutiert, ob man ein ordnungsgemäß zustande
Stadtwerke – weiterhin unter Druck. Für viele lokale
gekommenes Gesetz ändern kann oder ob man nicht den
Anbieter wird der Wettbewerb noch schwieriger, weil es
Willen des Parlaments respektieren und ein Gesetz aus- mit der Laufzeitverlängerung noch weniger Wettbewerb
führen muss und nicht später einfach ändern kann. geben wird.
(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Das hat die Mehr- Viele Stadtwerke sind aktive Klimaschützer. Sie set-
heit des Parlaments so beschlossen!) zen auf erneuerbare Energien – auch die Stadtwerke, in
Wir vertreten dazu die Auffassung: Auch ordnungs- deren Aufsichtsrat ich bin – und investieren hohe Sum-
gemäß zustande gekommene Gesetze und Projekte kann men in eine saubere und zukunftsfähige Energieversor-
und muss man ändern, wenn sich die tatsächliche Grund- gung. Die Stadtwerke müssen sich jetzt fragen, ob sie
lage entscheidend verändert hat. Aber – ich habe heute mit diesen Investitionen richtig lagen.
aufmerksam zugehört – zu dem Atomgesetz hat sich we- Ich will hier vor allem an die Kolleginnen und Kolle-
der die tatsächliche noch die Begründungslage in ir- gen in der Koalition appellieren, die wie ich in Auf-
gendeiner Weise geändert. Nicht einmal der zuständige sichtsräten sitzen. Mit der heutigen Entscheidung, die
Minister Röttgen behauptet, dass Atomkraftwerke heute Sie treffen wollen, sägen Sie an dem Ast, auf dem Sie,
sicherer sind als früher. Nicht einmal Herr Kauder be- Ihre Stadtwerke und die Bürgerinnen und Bürger in Ih-
hauptet, dass er weiß, wohin der Atommüll gebracht ren Kommunen sitzen.
werden kann. Keiner hat behauptet, dass überall in
Deutschland die Lichter ausgehen, wenn die Laufzeit der (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Atomkraftwerke nicht verlängert wird. Deshalb gibt es Stadtwerke, die auf erneuerbare Energien setzen, wer-
überhaupt keinen vernünftigen Grund, an diesem Gesetz den zukünftig weniger davon verkaufen können. Es ist
irgendetwas zu ändern, außer dem, der sich aus dem leider nicht so, dass die Atomkraft abgeschaltet wird,
Lastwagen mit Euro, von dem hier schon die Rede war, wenn viel Wind weht oder die Sonne besonders intensiv
(B) ergibt. Sie wollen – das ist der einzige Grund, den Sie scheint. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wie eine Un- (D)
hier nennen können – diesen Lastwagen mit Euro in die tersuchung der Universität zu Köln gezeigt hat, laufen
Scheunen der Konzerne einfahren. Das will ich nicht. selbst bei starkem Wind die Atommeiler nicht unter
Das wollen wir nicht. Die Wählerinnen und Wähler kön- 70 Prozent ihrer Kapazitäten. Offensichtlich ist es zu
nen nicht billigen, dass Sie, um die vier Konzerne immer aufwendig oder zu teuer, die Meiler herunterzufahren.
reicher zu machen, den Willen der Bevölkerung miss- Lieber wird der Atomstrom verschenkt und sogar noch
achten und die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel Geld hinterhergeworfen. In der Folge müssen Stadt-
setzen. Deshalb werde ich gegen dieses Gesetz stimmen. werke, die mit Windkraft Strom erzeugen, ihre Rotoren
Weil das ein Tag zum Trauern ist, habe ich das heute mit herunterregeln, wenn der Atomstrom die Leitungen ver-
meiner Kleidung zum Ausdruck gebracht. stopft.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit den heutigen
Entscheidungen für längere Laufzeiten schaden Sie Ihrer
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: regionalen Wirtschaft. Schauen Sie sich das wirklich
einmal genau an. Unsere Stadtwerke haben auch sauber
Es gibt noch drei Kolleginnen und Kollegen, die eine dokumentiert, was dort los ist. Sie zementieren die zen-
persönliche Erklärung abgeben werden – nur damit Sie trale Energieversorgung und erfüllen die Wünsche von
sich darauf einrichten können. Anschließend werden Ih- vier Quasimonopolisten. Wie Sie das mit Ihrer Verant-
nen die Ergebnisse der bisherigen namentlichen Abstim- wortung gegenüber Ihren Stadtwerken in Einklang brin-
mungen über die Änderungsanträge bekannt gegeben. gen können, ist mir absolut unverständlich. Unsere kom-
Wir können dann die weiteren namentlichen Abstim- munalen Stadtwerke sind heute die großen Verlierer der
mungen vornehmen. von Ihnen geplanten Gesetze.
Das Wort hat nun die Kollegin Dr. Valerie Wilms. Dank der namentlichen Abstimmung werden wir
auch ganz genau wissen, wer sich daran beteiligt, unsere
Dr. Valerie Wilms (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Stadtwerke zugrunde zu richten.
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle- Deswegen fordere ich Sie auf: Nutzen Sie Ihre Mög-
gen! Ich werde gegen die Änderungen des Atomgesetzes lichkeiten als frei gewählte Abgeordnete des gesamten
stimmen und appelliere aus meiner persönlichen Betrof- Volkes. Stimmen Sie für Ihre Stadtwerke und gegen die
fenheit als Aufsichtsrätin von kommunalen Stadtwerken Laufzeitverlängerung.
an die Mitglieder der Koalitionsfraktionen: Überdenken
Sie wirklich ernsthaft Ihre heutigen Entscheidungen. Danke.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7221
Dr. Valerie Wilms
(A) (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (C)
sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN- sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
KEN) KEN)
Nun ist es aber nicht so, dass die Technik schon so
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
weit ist und tatsächlich die ganzen radioaktiven Materia-
Nun hat der Kollege Uwe Kekeritz das Wort. lien nach Europa verschickt werden. Vielmehr ist das,
was an handelbarem Uran herausgelöst wird, nur ein
Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): kleiner Teil.
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle-
Inzwischen haben sich in Niger über 45 Millionen
gen! Ich bin jetzt ungefähr ein Jahr in diesem Hause. Für
Kubikmeter – hören Sie gut zu! – radioaktiven Materials
mich war das heute der interessanteste Tag. Ich habe hier
sehr viel Nachhilfeunterricht bekommen. Man hat mir auf Halden abgelagert, die Wind und Wetter ausgesetzt
gesagt, ich hätte eine schlechte Kinderstube, sei flegel- sind. Das seit Jahrtausenden festgesetzte radioaktive
haft usw. usf. Das ist alles geschenkt; wir vergessen es Material liegt nun in pulverisierter Form offen da. Sie
einfach. wissen – die Münchener können Ihnen ein Lied davon
singen –, es kommt gar nicht selten vor, dass man in
Ich finde es aber unerträglich, dass sich ein Kollege München Saharastaub findet. Der Staub, der in Niger
hier hinstellt und die Grünenfraktion, direkt oder indi- liegt, wird durch Wind und Wetter in der Gegend ver-
rekt, in die Nähe der Nazis stellt. Das halte ich für eine breitet. Das ist unverantwortlich. Die Menschen – Ute
Unmöglichkeit. Ich fordere den Kollegen auf, sich hier Koczy hat es vorhin berichtet – nehmen diese radioakti-
klar und deutlich dafür zu entschuldigen. ven Partikel über die Luft auf. Es kommt zur materiellen
Strahlung. Das bedeutet früher oder später den sicheren
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN- Krebstod.
KEN – Zurufe von der CDU/CSU) Unsere Atomenergie stellt somit eine Missachtung
– Doch, ich erkläre Ihnen schon noch etwas. der Lebensrechte der Bevölkerung in Niger dar. Unsere
Atomenergie ist für schwere Menschenrechtsverletzun-
Frau Präsidentin, Sie wollten eine persönliche Be- gen verantwortlich. Ich kann Ihnen diese vier Menschen-
gründung für die Ablehnung haben. Ich habe 27 und rechtsverletzungen nennen: Es ist das Menschenrecht
wähle eine davon aus. Meine These lautet: Atomstrom auf körperliche Unversehrtheit verletzt. Es ist das Men-
ist ein ganz klarer Verstoß gegen das Menschrecht. schenrecht auf Eigentum verletzt; denn die Bauern (D)
(B)
werden von ihrer Fläche vertrieben. Es ist das Men-
(Lachen bei der FDP)
schenrecht auf eine gesunde, intakte Umwelt verletzt.
– Es ist schön, dass Sie lachen; denn es zeigt mir, dass Selbstverständlich ist auch das Menschenrecht auf
Sie zuhören. Bleiben Sie dabei, und hören Sie weiter zu; Selbstbestimmung verletzt; denn diese Menschen wer-
dann können Sie jetzt noch etwas lernen. den nicht gefragt, ob sie einen Uranabbau haben wollen
oder nicht.
Im Niger wird seit 40 Jahren Uran gefördert. Auf-
grund des Exports des Urans müssten die Menschen dort Sie wissen – ich habe es bereits gesagt –, dass der
eigentlich eine finanzielle und materielle Basis haben, Uranabbau bei vielen Menschen zu einem qualvollen,
die ihnen ein angemessenes Leben ermöglicht. Was ist langsamen Krebstod führt. Ursache dafür ist unsere un-
aber Tatsache? Der Export von Uran hat diese Menschen verantwortliche Atompolitik. Wir haben längst die Alter-
arm gemacht. Die Menschen sind von ihrem Land ver- nativen aufgezeigt. Sie aber weigern sich, diese Alterna-
trieben worden. Man hat ihnen die Lebensgrundlage, tiven umzusetzen. Deswegen tragen wir heute ganz
nämlich eine kleine Landwirtschaft, zerstört. Sie haben bewusst Schwarz. Es ist nämlich ein Trauertag. Sie wer-
davon gelebt. Sie wissen, dass auch die sozialen Struktu- fen die Republik in ihrer Geschichte 30 Jahre zurück.
ren zerfallen, wenn eine Familie kein Einkommen mehr Darum kann man diesem Gesetz nicht zustimmen, man
hat. Das geringe Einkommen ist also weg. Und was ist muss es ablehnen.
der Hintergrund? Wir in Europa brauchen das Uran für
unsere Atomkraftwerke. Danke schön.
Die Uranproduktion – hören Sie bitte zu! – erfolgt auf (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
einer Fläche von mehreren Hundert Quadratkilometern. sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
Das Uran wird durch Herauslösen aus gigantischen Erd- KEN)
massen gewonnen, verbunden mit einem gigantischen
Wasserverbrauch. Der Niger hat dieses Wasser über-
haupt nicht, sondern das Wasser wird aus den Millionen Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Jahre alten unterirdischen Seen abgepumpt. Der Wasser- Der Kollege Hans-Josef Fell hat das Wort zu einer
bestand nimmt dramatisch ab. Ich bin der Meinung: persönlichen Erklärung.
Wenn das Wasser schon verbraucht wird, dann sollte es
von den Menschen und Tieren verbraucht werden, aber (Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Der hat doch
nicht dafür, dass wir hier in Europa Atomstrom haben. schon zweimal geredet!)
7222 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): gekämpft. Ich war verantwortungsvoll und habe immer (C)
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und gesagt: Wir wollen Alternativen. Schon als Kommunal-
Herren! Ich stimme gegen die elfte und zwölfte Atomge- politiker habe ich mich für kommunale Regelungen
setznovelle und auch gegen das Energiekonzept dieser eingesetzt – sie waren erfolgreich –, die den Ausbau er-
Bundesregierung, weil ich persönlich von all diesen Ge- neuerbarer Energie vorangetrieben haben. Diese Erfah-
setzesänderungen betroffen bin. Dies möchte ich hier rungen auf kommunaler Ebene haben mich in die Lage
zum Ausdruck bringen. versetzt, 1999 im Bundestag Eckpunktepapiere zu for-
mulieren und den Entwurf eines Gesetzes mitzuformu-
Mein Wohnhaus liegt Luftlinie nur 26 Kilometer vom lieren, das Möglichkeiten zum Ausbau der erneuerbaren
Atomkraftwerk Grafenrheinfeld entfernt. Bei normalem Energien schafft: das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das
Wetter kann ich die Dampfwolken sehen, die in diesem mit großer Unterstützung der grünen Bundestagsfrak-
unsinnigen Kraftwerk mit Wärmevernichtung erzeugt tion, der Fraktion der SPD, der damaligen Minister und
werden. anderer gegen Ihren Widerstand und Ihre Ablehnung
Aber viel schlimmer: Es war ein Desaster, was die durchgesetzt wurde. Dieses Gesetz hat zur Schaffung
deutsche Bundesregierung in den 80er-Jahren nach dem von 340 000 Arbeitsplätzen geführt.
Tschernobyl-Unfall gemacht hat; denn sie konnte die
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/
Bevölkerung nicht einmal darüber informieren, welche
DIE GRÜNEN und der SPD)
Auswirkungen dieser Unfall hatte, und sie hat auch
keine Messdaten oder andere Informationen herausgege- Ich will in diesem Zusammenhang vor allem die Un-
ben. Deshalb habe ich Geld in die Hand genommen und terstützung meines Freundes Hermann Scheer heraus-
eine eigene Radioaktivitätsmessstation in meinem Haus stellen, dessen Tod wir heute gedacht haben. Sein Tod
installiert. Ich habe dies zusammen mit anderen getan, macht mich sehr traurig. Er ist viel zu früh von uns ge-
die in einem Netzwerk eine private Messnetzorganisa- gangen. Ohne ihn hätten wir das nicht geschafft. Auch
tion aufgebaut haben. Ich gebe Ihnen gern die Protokolle deswegen bin ich dankbar.
über diese Messnetze aus den letzten 20 Jahren. Sie sind
lückenlos vorhanden. Wir können in aller Klarheit nach- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
weisen: Auch im Normalbetrieb kommen radioaktive bei der SPD und der LINKEN)
Emissionen aus dem Kraftwerk Grafenrheinfeld und Ich bin persönlich betroffen. Heute habe ich wieder
auch aus anderen Kraftwerken. Ja, sie sind im Rahmen Briefe aus meinem Wahlkreis und aus der ganzen Bun-
der gesetzlich erlaubten Grenzwerte. Aber das beruhigt desrepublik Deutschland bekommen, in denen ich ge-
mich überhaupt nicht. Ich habe bereits in den 70er-Jah- fragt werde, was denn das Energiekonzept der Bundes-
ren als Student der Physik gelernt – das haben die neues- regierung für die betroffenen Menschen bedeuten soll. (D)
(B)
ten Untersuchungen über die Auswirkungen von niedrig Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze; sie fürchten, dass es
radioaktiver Strahlung längst bestätigt –: Es gibt keinen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mehr
Schwellenwert, unterhalb dessen Krebsgefahren ausge- so weitergeht wie bisher. Für die Laufzeitverlängerung
schlossen werden können. werden Hunderttausende Arbeitsplätze geopfert und ge-
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) fährdet.
Somit ist die zusätzliche radioaktive Strahlung dieser Ich kann das, was Sie hier vorlegen, nicht mittragen.
Kraftwerke auch im Normalbetrieb eine Gesundheitsge- Es ist unverantwortlich im Hinblick auf den Klima-
fährdung; das ist längst nachgewiesen. schutz, die Umwelt und die Gesundheit unserer Bevöl-
kerung. Darum kann ich nur darum bitten: Hören Sie
Ich bin persönlich betroffen, weil ich viele Bürger- auf! Kehren Sie auf Ihrem Irrweg um! Es ist Zeit, dass
briefe aus der Umgebung von Grafenrheinfeld erhalte, Sie endlich ernsthaft die erneuerbaren Energien aus-
mit denen sich Eltern bittend an mich wenden: Helfen bauen. Das geht nur ohne eine Verlängerung der Lauf-
Sie mit, dass diese Kraftwerke endlich abgeschaltet wer- zeiten von Atomkraftwerken.
den! Ich muss fürchten, dass mein Kind wegen der
Strahlung dieser Kraftwerke an Leukämie erkrankt ist. – (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Andere junge Eltern haben mir geschrieben: Wir müssen und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
fürchten, dass unsere Kinder gefährdet sind. LINKEN)
Die Mainzer Kinderkrebsstudie hat in aller Deutlich-
keit nachgewiesen, dass es in der Umgebung von Kern- Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
kraftwerken erhöhte Leukämieraten gibt. Ich halte es Ich gebe jetzt die von den Schriftführerinnen und
deshalb für nicht verantwortbar, den Normalbetrieb von Schriftführern ermittelten Ergebnisse der namentli-
Kernreaktoren aufrechtzuerhalten, ganz zu schweigen chen Abstimmungen bekannt. Ich komme zunächst zu
von den anderen problematischen Aspekten der Kern- den Einzelabstimmungen.
kraft: Atommüll, radioaktive Verseuchungen in Uran-
Zum Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung
bergbaugebieten und anderes.
des Atomgesetzes – Drucksachen 17/3051, 17/3409
Ich will Ihnen einen zweiten persönlichen Grund mit- und 17/3453 – gab es den Änderungsantrag der Abge-
teilen, der mich dazu treibt, Ihre rückwärtsgewandte ordneten Sylvia Kotting-Uhl, Bärbel Höhn, Hans-Josef
Energiepolitik nicht mitzutragen. Ich habe immer gegen Fell, Oliver Krischer und weiterer Abgeordneter der
Laufzeitverlängerungen, gegen die Atomkraft an sich Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/3486.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7223
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
(A) Abgegeben wurden 598 Stimmen. Mit Ja haben ge- sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur- (C)
stimmt 274, mit Nein haben gestimmt 320; den 597 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 273, mit Nein
4 Kolleginnen und Kollegen haben sich enthalten. Damit haben gestimmt 324. Der Änderungsantrag ist ebenfalls
ist der Änderungsantrag abgelehnt.1) abgelehnt.8)
Ergebnis der Abstimmung über den Änderungsantrag Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle-
der Kolleginnen und Kollegen Kotting-Uhl, Höhn, Fell, gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck-
Krischer und weiterer Abgeordneter der Fraktion sache 17/3494 zum selben Gesetzentwurf, Druck-
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/3487 zur sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur-
zweiten Beratung des Gesetzentwurfes der Fraktionen der den 606 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 278, mit Nein
CDU/CSU und FDP, Drucksachen 17/3051, 17/3409, und haben gestimmt 328. Der Änderungsantrag ist abge-
17/3453. Abgegebene Stimmen 596. Mit Ja haben ge- lehnt.9)
stimmt 272, mit Nein haben gestimmt 324. Der Ände-
rungsantrag ist abgelehnt.2) Letzter Änderungsantrag derselben Kolleginnen und
Kollegen und weiterer Abgeordneter der Fraktion Bünd-
Änderungsantrag der Abgeordneten Kotting-Uhl, nis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/3495 zur zweiten
Höhn, Fell, Krischer und weiterer Abgeordneter der Frak- Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/
tion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/3488 zum CSU und der FDP, Drucksachen 17/3051, 17/3409 und
selben Gesetzentwurf, Drucksachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wurden 597 Stimmen. Mit Ja haben
17/3453. Abgegeben wurden 599 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 273, mit Nein haben gestimmt 323. Es gab
gestimmt 277, mit Nein haben gestimmt 322. Damit ist eine Enthaltung. Der Änderungsantrag ist abgelehnt.10)
der Änderungsantrag ebenfalls abgelehnt.3)
Ich komme jetzt zum Ergebnis der auf dem Stimmzet-
Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle- tel gebündelten Abstimmungen. Die Schriftführerinnen
gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck- und Schriftführer haben mir mitgeteilt, dass sich nach
sache 17/3489 zum selben Gesetzentwurf, Druck- der Sichtung der Stimmzettel zu den Anträgen auf den
sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur- Drucksachen 17/3496 bis 17/3499, 17/3527 und 17/3539
den 601 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 274, mit Nein sowie 17/3531 bis 17/3538 eine Mehrheit von Neinstim-
haben gestimmt 327. Der Änderungsantrag ist abge- men ergeben hat. Damit sind diese Änderungsanträge
lehnt.4) ebenfalls abgelehnt. Das detaillierte Ergebnis der na-
mentlichen Abstimmungen wird später veröffentlicht.11)
Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle-
gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck- Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Gesetz-
(B) sache 17/3490 zum selben Gesetzentwurf, Druck- entwurf in der zweiten Lesung. Ich bitte diejenigen, die (D)
sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur- dem Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des
den 597 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 272, mit Nein Atomgesetzes zustimmen wollen, um das Handzeichen. –
haben gestimmt 325. Der Änderungsantrag ist ebenfalls Wer stimmt dagegen? – Enthaltungen? – Damit ist der
abgelehnt.5) Gesetzentwurf bei Zustimmung durch die Koalition aus
Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle- CDU/CSU und FDP in zweiter Beratung angenommen.
gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck- Die Fraktionen der SPD, der Linken und des Bünd-
sache 17/3491 zum selben Gesetzentwurf, Druck- nisses 90/Die Grünen haben abgelehnt.
sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur- Dritte Beratung
den 593 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 270, mit Nein
haben gestimmt 323. Dieser Änderungsantrag wurde ab- und Schlussabstimmung. Wir stimmen nun auf Verlan-
gelehnt.6) gen der Fraktionen der CDU/CSU und der FDP nament-
lich über den Gesetzentwurf ab.
Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle-
gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck- Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, ihre
sache 17/3492 zum selben Gesetzentwurf, Druck- Plätze einzunehmen. Sind alle Urnen besetzt? – Das ist
sachen 17/3051, 17/3409 und 17/3453. Abgegeben wur- der Fall. Dann eröffne ich die Abstimmung.
den 598 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 273, mit Nein
haben gestimmt 325. Der Änderungsantrag ist ebenfalls Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine
abgelehnt.7) Stimme noch nicht abgegeben hat? – Das ist nicht der
Fall. Dann schließe ich die Abstimmung und weise ins-
Änderungsantrag derselben Kolleginnen und Kolle- besondere für das Protokoll darauf hin, dass es in der
gen und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck- Abstimmung über den Entwurf des Gesetzes in der zwei-
sache 17/3493 zum selben Gesetzentwurf, Druck- ten Beratung mindestens eine Enthaltung gegeben hat.12)
Ich schließe die Abstimmung.
1) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
2) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
3) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 8) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
4) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 9) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
5) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 10) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
6) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 11) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
7) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 12) Ergebnis siehe Seite 7274 D
7224 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und und Schlussabstimmung. Wir stimmen auf Verlangen der
der FDP) Fraktionen der CDU/CSU und der FDP über den Gesetz-
entwurf namentlich ab. Sind alle Urnen besetzt? – Nein,
Ich teile Ihnen nun das Ergebnis der namentlichen zwei Urnen sind noch nicht besetzt. Wir haben zwei
Abstimmung über den Änderungsantrag der Kolleginnen Fehlstellen. Einmal fehlt die Koalition, einmal fehlt die
und Kollegen Kotting-Uhl, Höhn, Fell, Krischer und Opposition.
weiterer Abgeordneter der Fraktion Bündnis 90/Die
Grünen zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Sind jetzt alle Urnen besetzt? – Das ist der Fall. Dann
Fraktionen der CDU/CSU und FDP zum Entwurf eines eröffne ich die 29. namentliche Abstimmung.
Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes
– Drucksachen 17/3052, 17/3409, 17/3453 – auf Druck- Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine
sache 17/3528 mit: Abgegeben wurden 593 Stimmen. Stimme nicht abgeben konnte? – Das ist nicht der Fall.
Mit Ja haben gestimmt 272, mit Nein haben gestimmt Dann schließe ich die Abstimmung. Das Ergebnis der
320, es gab eine Enthaltung. Damit ist der Änderungsan- Abstimmung wird Ihnen später bekannt gegeben.4)
trag abgelehnt.1)
Ich komme nun zu Tagesordnungspunkt 4 b.
Zum Ergebnis der namentlichen Abstimmung über
den Änderungsantrag ebenjener Kolleginnen und Kolle- Zunächst Abstimmung über den von den Fraktionen
gen ebenfalls zu der zweiten Beratung des Gesetzent- der CDU/CSU und der FDP eingebrachten Gesetzent-
wurfs der Fraktionen der CDU/CSU und FDP zum Ent- wurf zur Errichtung eines Sondervermögens „Energie-
und Klimafonds“. Der Haushaltsausschuss empfiehlt un-
(B) wurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des ter Buchstabe a seiner Beschlussempfehlung auf Druck- (D)
Atomgesetzes – Drucksachen 17/3052, 17/3409, 17/3453 –
auf Drucksache 17/3529 –: Abgegeben wurden sache 17/3405, den Gesetzentwurf der Fraktionen der
585 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 268, mit Nein ha- CDU/CSU und FDP auf Drucksache 17/3053 in der
ben gestimmt 317. Der Änderungsantrag ist abgelehnt.2) Ausschussfassung anzunehmen.
Zum Ergebnis der namentlichen Abstimmung über Um zu sehen, welche Handzeichen Sie geben, wäre es
den Änderungsantrag der gleichen Kolleginnen und Kol- für mich sehr hilfreich, wenn Sie sich ungefähr in der
legen ebenfalls zu der zweiten Beratung des Gesetzent- Gegend Ihrer eigenen Fraktion positionieren würden.
wurfs der Fraktionen der CDU/CSU und FDP zum Ent- Das gilt gerade auch für diejenigen, die direkt vor dem
wurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Präsidium stehen. Das ist hier nämlich kein Stehtisch,
Atomgesetzes – Drucksachen 17/3052, 17/3409, 17/3453 – sondern das Rednerpult.
auf Drucksache 17/3530: Abgegebene Stimmen 592.
Mit Ja haben gestimmt 272, mit Nein haben gestimmt (Heiterkeit)
320, hier gab es keine Enthaltungen. Der Änderungsan- Ich würde jetzt gerne zur Abstimmung kommen. –
trag ist abgelehnt.
Danke sehr.
Wir kommen jetzt zur Abstimmung über das Gesetz in
zweiter Lesung. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzent- Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der
wurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atom- Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzei-
gesetzes zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer chen. – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Damit ist der
stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Damit ist der Ge- Gesetzentwurf in zweiter Beratung angenommen. Zuge-
setzentwurf in zweiter Beratung angenommen. Zuge- stimmt haben CDU/CSU und FDP, dagegen gestimmt
stimmt haben die Fraktionen von CDU/CSU und FDP. SPD, Linke und Bündnis 90/Die Grünen.
Dagegen gestimmt haben SPD, Linke und Bündnis 90/ Wir kommen zur
Die Grünen. Es gab wenigstens eine Enthaltung.
dritten Beratung
Wir kommen zur
dritten Beratung und Schlussabstimmung. Wir stimmen über diesen Ge-
setzentwurf ebenfalls auf Verlangen von CDU/CSU und
FDP namentlich ab. – Sind nach wie vor alle Urnen be-
1) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
2) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt.
3) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 4) Ergebnis siehe Seite 7232 D
7228 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Reinhard Grindel
(A) orientierten Integrationsdebatte gegenseitig gesagt, dass Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: (C)
alle Parteien in der Vergangenheit Fehler gemacht ha- Herr Grindel, möchten Sie eine Zwischenfrage des
ben, dass wir hier in Berlin, also vor der Haustür, Miss- Kollegen Ströbele zulassen?
stände wahrnehmen können und dass wir deswegen alle
überprüfen müssen, ob unsere Thesen, die wir jahrzehn- Reinhard Grindel (CDU/CSU):
telang vertreten haben, richtig sind. Dass Sie heute wie- Selbstverständlich.
der sagen: „Man muss auch dann deutscher Staatsbürger
werden können, wenn man Deutsch nicht sprechen
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
kann“, dazu muss ich sagen: Das ist ein Rückfall, den
ich Ihnen nicht zugetraut hätte. Bitte schön.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE
der FDP – Aydan Özoğuz [SPD]: Das ist nicht GRÜNEN):
grundsätzlich!) Herr Kollege Grindel, das Buch könnten Sie ruhig
Es muss doch ein Antrieb sein, sich zu integrieren, nennen. So tabuisiert ist es immer noch nicht, dass man
um Deutscher werden zu können. Dazu muss man doch es nicht nennen kann.
wohl die deutsche Sprache erlernen. Das ist einer der
Grundtatbestände, die wir von unseren ausländischen Reinhard Grindel (CDU/CSU):
Mitbürgern zu Recht einfordern, wenn sie Teil der Sie haben einen Kollegen, der Sarrazin heißt. Ich
Staatsbürgergesellschaft Deutschland werden wollen. möchte jede Verwechslungsgefahr vermeiden.
(Helmut Brandt [CDU/CSU]: Genau! –
Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE
Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
GRÜNEN):
Auch von den Rentnerinnen und Rentnern?)
Meine Frage zielt eigentlich in eine andere Richtung.
Gerade bei jungen Menschen wollen Sie auf die Er- Haben Sie zur Kenntnis genommen, was der von Ihrer
füllung des Kriteriums der Unterhaltssicherung ver- Partei gestellte Innenminister zur Integration von – ich
zichten. Das heißt, Sie wollen darauf verzichten, dass will mich darüber gar nicht streiten – 90 oder über
sich junge ausländische Mitbürger, die Deutsche werden 90 Prozent der Migranten, die nach Deutschland gekom-
wollen, sich hier zumindest anstrengen, eine Ausbildung men sind, erklärt hat? Wie leben sie denn? Sind Sie die-
zu machen und einen Arbeitsplatz anzunehmen. Das ver- ser Frage schon einmal nachgegangen? Leben diese
stehe ich nicht. Sie wollen die Optionspflicht abschaffen. Menschen multikulti, oder wie leben sie? Wir können
(B) Das Einzige, was wir von hier in Deutschland geborenen hier lange über das Gelingen von Multikulti diskutieren. (D)
jungen Ausländern verlangen, ist, dass sie sich zu unse- Aber schauen Sie sich doch einmal an, wie diese Men-
rem Land, zur deutschen Staatsbürgerschaft bekennen schen leben, wenn sie integriert sind. Wie leben inte-
und ihre alte ablegen. grierte Migranten hier in Deutschland Ihrer Meinung
nach?
(Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das sind doch Dinosaurieransichten,
die Sie da haben!) Reinhard Grindel (CDU/CSU):
Aber lieber Herr Kollege Ströbele, wir können uns
Ich muss ganz offen sagen: Wir alle miteinander woll- doch freuen, wenn sie bei uns gut integriert leben –
ten aus der Debatte über ein bestimmtes Buch eigentlich
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE
etwas lernen.
GRÜNEN]: Ja!)
(Jan Korte [DIE LINKE]: Sie haben das Fal- übrigens Ausländer wie Aussiedler,
sche gelernt!)
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE
Ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit: Sie zementieren Zu- GRÜNEN]: Also multikulti!)
stände, die solche Bücher und die Reaktion darauf erst
möglich gemacht haben. Ich habe den Eindruck, dass Sie also viele Menschen mit Migrationshintergrund. Ich
das ganz bewusst tun, weil Sie nicht bereit sind, von ei- kann nur sagen, dass ich in meinem Wahlkreis und in
nem alten Multikultidenken Abstand zu nehmen. dem Umfeld, in dem ich politisch Verantwortung trage,
alles dafür tue, dass das so ist. Aber eine Grundvoraus-
(Jan Korte [DIE LINKE]: Das sagt ausgerech- setzung dafür, dass das so ist, ist doch wohl, dass man
net ein CDU-Vertreter! Deutschland ist kein sich miteinander austauschen kann,
Einwanderungsland, das ist Ihre Meinung!)
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE
Wir wollen diese Spaltung der Gesellschaft nicht. Wir GRÜNEN]: Genau, multikulti!)
wollen, dass man miteinander lebt, dass man die deut-
sche Sprache beherrscht und dass es in diesem Land dass man miteinander spricht. Es ist übrigens auch wich-
keine Parallelgesellschaften gibt. tig, gerade Kindern und Jugendlichen eine gute Perspek-
tive in Deutschland dadurch zu eröffnen, dass sie Erfolg
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – in der Schule und in der Ausbildung haben. Wenn in den
Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Familien kein Wort Deutsch gesprochen wird, ist das
NEN]: Genau das wollen Sie doch!) eine Behinderung dieser guten Integrationsperspekti-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7231
Reinhard Grindel
(A) ven. Wenn jemand deutscher Staatsbürger werden will, persönlich finde, da das ersichtlich nicht mit Zuwande- (C)
muss ich doch als Anreiz bewahren, sagen zu können: rungshürden zusammenhängen kann,
Dann musst du, wenn du es bisher nicht ausreichend ge-
(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
tan hast, Deutsch lernen. Es ist ein Beitrag zur Integra-
NEN]: Oh, doch!)
tion, wenn ich die Verleihung der deutschen Staatsbür-
gerschaft mit der Anforderung verknüpfe, dass sie dass wir uns stärker mit der Frage befassen sollten, wa-
endlich Deutsch lernen. rum diese Menschen abwandern; denn meine These ist,
dass die Gründe, die zum Abwandern beitragen, zumin-
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und dest auch teilweise die Gründe sein können, die das Zu-
der FDP – Jan Korte [DIE LINKE]: Pappka- wandern verhindern.
meraden sind das!)
(Jan Korte [DIE LINKE]: Wegen solcher Re-
Ich nenne Ihnen ein anderes Beispiel. Herr Kollege den!)
Ströbele, Sie schreiben in Ihrem Antrag, dass Sie auf
Einbürgerungstests als Voraussetzung verzichten wol- Abgewandert wird, weil in unserem Land gerade
len. Sie schreiben: „Die Durchführung von Prüfungen in Hochschulabsolventen schlicht und ergreifend zu wenig
Staatsbürgerkunde hat gerade auch für die erste Genera- gezahlt wird, weil sie mit Praktika abgespeist werden,
tion abschreckende Wirkung“, also für Menschen, die während sie in anderen Ländern sofort unbefristete An-
seit 15 bis 20 Jahren bei uns leben. stellungen bekommen. Deswegen sage ich in aller Deut-
lichkeit: Es ist auch ein ganz entscheidender Beitrag der
(Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: deutschen Wirtschaft gefragt, selbst etwas dafür zu tun,
Die am Fließband in der Fabrik gearbeitet ha- um attraktiver im Kampf um die klugen Köpfe in aller
ben!) Welt zu werden.
Wer so lange bei uns lebt und sich trotzdem davon ab- (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
schrecken lässt, dass er ein bisschen unserer Gesetze, un- Ich will auch deutlich machen, dass wir im Kern alle
serer Werte und unserer Verfassungsvorstellungen ver- rechtlichen Rahmenbedingungen haben, damit Unter-
mittelt bekommt, dem sage ich, dass wir so jemanden nehmen auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen
tatsächlich nicht einbürgern dürfen. Das ist unter Inte- können. Herr Kollege Scholz hat das in einem bemer-
grationsgesichtspunkten nicht das richtige Signal, um kenswerten Beitrag vor wenigen Tagen deutlich ge-
das ganz deutlich zu sagen. macht. Es kommt nur darauf an – das ist eine der weni-
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – gen Bedingungen –, dass nicht in gleicher Weise
Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: qualifizierte Arbeitslose auf dem heimischen Arbeits-
(B) (D)
Dann haben Sie die Enkel gewonnen!) markt zur Verfügung stehen. Das ist die Vorrangprü-
fung. Ich frage mich, warum wir nicht weiter an der Vor-
Herr Ströbele, gerade wenn ich an Ihren Wahlkreis rangprüfung festhalten sollten; denn wenn es einen
denke, frage ich Sie – seien Sie einmal ganz ehrlich –: Fachkräftemangel gibt – gerade in bestimmten Regio-
Wen wollen Sie einbürgern? Den jungen, integrationsbe- nen –, kann die Vorrangprüfung kein Problem sein.
reiten oder gelungen integrierten Migranten? Oder wol-
len Sie Einbürgerung wegen der Wählerstimmen bislang Wenn es, was ich höre – ich sage das ausdrücklich als
ausländischer Mitbürger? Worum geht es Ihnen eigent- einen Hinweis, lieber Kollege Wolff, wie sich unser Ge-
lich wirklich? setzeswerk an der Stelle vielleicht weiterentwickeln
kann –, manchmal zu lange dauert, bis die Bundesagen-
(Aydan Özoğuz [SPD]: Wessen Wählerstim- tur die Vorrangprüfung durchgeführt hat, können wir uns
men wollen Sie denn gewinnen? – gern darüber unterhalten, ob man mit einer Zustim-
Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- mungsfiktion arbeitet.
NEN]: Das ist unverschämt!)
Lieber Herr Kollege Kilic, Sie müssen sich im Hin-
Das ist eine Frage, die man sich bei Ihrem Antrag mit blick auf Ihren Antrag überlegen, ob Sie damit tatsäch-
Fug und Recht stellen kann. lich etwas zur Beseitigung des Fachkräftemangels tun
oder ob Sie nicht eher einen Beitrag dazu leisten, dass ei-
(Jan Korte [DIE LINKE]: Es ist die Frage, wer nige Unternehmer billige und willige Arbeitskräfte aus
hier einen Test machen sollte!) dem Ausland ins Land holen wollen, um die berechtig-
ten Lohnforderungen der hiesigen Arbeitnehmerinnen
Nun hat der Kollege Kilic nichts zu dem anderen An- und Arbeitnehmer zu unterdrücken.
trag gesagt, in dem es um die Frage der Senkung der
Hürden bei der Zuwanderung ausländischer Arbeits- (Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
kräfte geht. Das ist ein Thema, das auch zu diesem Ta- NEN]: Da sollten Sie mal mit Ihrem Koali-
gesordnungspunkt gehört. Dazu will ich einiges sagen. tionspartner sprechen!)
Ich glaube, dass niemand bestreiten kann, dass wir
Letztere haben nämlich angesichts des Fachkräfteman-
Fachkräftemangel haben. Wir sind selbstverständlich
gels eine stärkere Durchsetzungskraft als vielleicht noch
dafür, dass dieser Fachkräftemangel durch die Zuwande-
vor einigen Jahren.
rung ausländischer Arbeitskräfte ausgeglichen wird.
Aber ein Grund für den Fachkräftemangel ist vor allem, Ich muss auch darauf hinweisen, dass nicht etwa nur
dass wir eine Abwanderung aus Deutschland haben. Ich einige wenige Fachkräfte zu uns kommen. Es kommen
7232 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Reinhard Grindel
(A) jedes Jahr zwischen 20 000 und 30 000 Fachkräfte zu trieb beschäftigen und ihn bezahlen will. Deswegen (C)
uns. sollten wir daran festhalten, dass nur derjenige nach
Deutschland kommen kann, der für einen bestimmten
(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Arbeitsplatz in einem bestimmten Unternehmen tatsäch-
NEN]: Wo haben Sie diese Zahlen her?) lich gebraucht wird. Beim Punktesystem ist dies nicht
Die wenigen Hundert, von denen immer die Rede ist, der Fall. Außerdem darf er keinen Arbeitsplatz blockie-
sind nur diejenigen, die als besonders hochqualifizierte ren, für den auch ein gleichwertig qualifizierter Arbeits-
Spitzenkräfte die Einkommensgrenze von 66 000 Euro loser aus Deutschland infrage käme.
überschreiten und daher ohne Vorrangprüfung zu uns (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
kommen. Diese Regelung haben wir eng gefasst. Auch Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
der frühere Arbeitsminister Scholz hat dies mitgetragen. Genau diese Politik hat zu Engpässen geführt!)
Wir haben diese hohe Einkommensgrenze eingeführt,
weil wir gesagt haben: Man kann sicher davon ausgehen, Ich komme zu meiner letzten Bemerkung: Es ist nicht
dass diese hochspezialisierten Arbeitskräfte auf Dauer allein Aufgabe des Staates, diesen Kampf um die klugen
einen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden und sowohl Köpfe zu führen. Die Unternehmensverbände fordern
ihre soziale Integration als auch die ihrer Familie dem- weniger Staat und mehr Markt. Wenn sie dies tun, sollen
entsprechend gesichert ist. Deswegen bekommen diese sie sich durch entsprechende Vermittlungsbüros auch da-
Leute eine Niederlassungserlaubnis, also eine Dauerauf- rum kümmern, an den großen Universitäten dieser Welt
enthaltsberechtigung für Deutschland. Das gibt es in kei- für den Arbeitsplatz Deutschland zu werben. Andere
nem anderen europäischen Land. machen das auch.
(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: 142 waren es im letzten Jahr!) Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Herr Kollege!
Ich bin bereit, über die in Ihrem Antrag genannte Sen-
kung der Einkommensgrenze zu diskutieren. Es darf Reinhard Grindel (CDU/CSU):
aber nicht sein, dass wir den nicht eben Höchstqualifi-
Liebe Frau Präsidentin, lassen Sie mich folgenden
zierten mit einem Einkommen von 40 000 Euro sofort
Gedanken kurz formulieren. – An der großen TU in
eine Niederlassungserlaubnis erteilen. Darüber müssen
Bombay steht auf dem Plakat eines Vermittlungsbüros
wir diskutieren. In Deutschland müssen Arbeitsverhält-
amerikanischer Firmen: Wir bieten eine Karriere, nicht
nis und Aufenthaltserlaubnis aneinandergekoppelt wer-
nur einen Job. – Genau das ist der Grund, warum sich
den.
viele für die USA und somit gegen Deutschland ent-
(B) (Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- scheiden: bessere Bezahlung, mehr Risikokapital. (D)
NEN]: Das ist eine Abschottungspolitik!)
Man könnte zunächst ein befristetes Aufenthaltsrecht Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
und erst dann, wenn die Zuwanderer auf dem Arbeits- Herr Kollege, Sie müssen jetzt zum Ende kommen.
markt und in der Gesellschaft integriert sind, eine Nie-
derlassungserlaubnis gewähren. Darüber kann man si- Reinhard Grindel (CDU/CSU):
cherlich diskutieren. Das sind die entscheidenden Dinge. Das hat nichts
mit dem Aufenthaltsrecht, sondern mit den wirtschaftli-
Das Entscheidende ist – daran müssen wir bei der
chen Rahmenbedingungen, die Deutschland attraktiv
Senkung der Einkommensgrenzen im Rahmen der Ver-
machen, zu tun.
änderung des Zuwanderungsrechts für ausländische Ar-
beitskräfte denken –: Die Beseitigung des Fachkräfte- Herzlichen Dank.
mangels ist das eine. Das andere ist, dass wir keinen
Beitrag dazu leisten dürfen, dass diese Menschen auch in (Beifall bei der CDU/CSU – Jan Korte [DIE
unsere sozialen Sicherungssysteme einwandern. Es muss LINKE]: Und mit solchen Reden! – Kerstin
gewährleistet sein, dass derjenige, der zu uns kommt, Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie
auch tatsächlich langfristig einen Platz auf dem Arbeits- reden und reden, und es geschieht nichts!)
markt findet. Das ist von ganz entscheidender Bedeu-
tung. Wir in der Union sind gegen das Punktesystem, Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
weil es nicht sein darf, dass es in Deutschland nur allge- Ich möchte Ihnen zwischenzeitlich weitere von den
meine Kriterien zur Erlangung einer Aufenthaltserlaub- Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergeb-
nis zur Arbeitsaufnahme gibt. Vielmehr muss das enge nisse der namentlichen Abstimmungen bekannt geben.
Band zwischen dem ausländischen Arbeitnehmer und
dem konkreten Arbeitsplatz, den er besetzen will, beibe- Ergebnis der namentlichen Abstimmung über den Ge-
halten werden. setzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und FDP zum
Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des
Es gibt kaum eine öffentliche Stelle, die die Ab- Atomgesetzes auf den Drucksachen 17/3052, 17/3409
schlüsse von Arbeitnehmern aus zum Beispiel Lesotho, und 17/3453: Abgegeben wurden 596 Stimmen. Mit Ja
Ägypten oder Georgien beurteilen kann. Aber ein Unter- haben gestimmt 320, mit Nein haben gestimmt 273, es
nehmer, der einen ganz bestimmten Arbeitnehmer an- gab 3 Enthaltungen. Der Gesetzentwurf ist damit ange-
stellen will, kann es beurteilen, weil er ihn in seinem Be- nommen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7233
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
(A) Endgültiges Ergebnis Josef Göppel Katharina Landgraf Armin Schuster (Weil am (C)
Abgegebene Stimmen: 592; Peter Götz Ulrich Lange Rhein)
davon Dr. Wolfgang Götzer Dr. Max Lehmer Detlef Seif
Ute Granold Paul Lehrieder Johannes Selle
ja: 318
Reinhard Grindel Ingbert Liebing Reinhold Sendker
nein: 271 Hermann Gröhe Dr. Patrick Sensburg
Matthias Lietz
enthalten: 3 Michael Grosse-Brömer Dr. Carsten Linnemann Bernd Siebert
Markus Grübel Patricia Lips Thomas Silberhorn
Ja Manfred Grund Dr. Jan-Marco Luczak Johannes Singhammer
Monika Grütters Dr. Michael Luther Jens Spahn
CDU/CSU Dr. Karl-Theodor Freiherr Karin Maag Carola Stauche
zu Guttenberg Hans-Georg von der Marwitz Dr. Frank Steffel
Ilse Aigner Olav Gutting Erika Steinbach
Andreas Mattfeldt
Peter Altmaier Florian Hahn Christian Freiherr von Stetten
Peter Aumer Stephan Mayer (Altötting)
Holger Haibach Dr. Michael Meister Dieter Stier
Dorothee Bär Dr. Stephan Harbarth Gero Storjohann
Thomas Bareiß Maria Michalk
Jürgen Hardt Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke
Norbert Barthle Gerda Hasselfeldt Max Straubinger
Günter Baumann Dr. Mathias Middelberg
Dr. Matthias Heider Philipp Mißfelder Karin Strenz
Ernst-Reinhard Beck Mechthild Heil Thomas Strobl (Heilbronn)
(Reutlingen) Dietrich Monstadt
Frank Heinrich Marlene Mortler Lena Strothmann
Manfred Behrens (Börde) Michael Stübgen
Rudolf Henke Dr. Gerd Müller
Veronika Bellmann Dr. Peter Tauber
Michael Hennrich Stefan Müller (Erlangen)
Dr. Christoph Bergner Antje Tillmann
Jürgen Herrmann Nadine Schön (St. Wendel)
Peter Beyer Dr. Hans-Peter Uhl
Ansgar Heveling Dr. Philipp Murmann
Steffen Bilger Arnold Vaatz
Ernst Hinsken Bernd Neumann (Bremen)
Clemens Binninger Volkmar Vogel (Kleinsaara)
Peter Hintze Michaela Noll
Peter Bleser Stefanie Vogelsang
Christian Hirte Dr. Georg Nüßlein
Dr. Maria Böhmer Andrea Astrid Voßhoff
Robert Hochbaum Franz Obermeier
Wolfgang Börnsen Dr. Johann Wadephul
(Bönstrup) Karl Holmeier Henning Otte
Franz-Josef Holzenkamp Marco Wanderwitz
Wolfgang Bosbach Dr. Michael Paul Kai Wegner
Norbert Brackmann Joachim Hörster
Rita Pawelski Marcus Weinberg (Hamburg)
Klaus Brähmig Anette Hübinger
Ulrich Petzold Peter Weiß (Emmendingen)
Michael Brand Thomas Jarzombek
Dr. Joachim Pfeiffer Sabine Weiss (Wesel I)
(B) Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper (D)
Sibylle Pfeiffer Ingo Wellenreuther
Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung
Beatrix Philipp Karl-Georg Wellmann
Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz)
Ronald Pofalla Peter Wichtel
Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb
Christoph Poland Annette Widmann-Mauz
Heike Brehmer Hans-Werner Kammer
Steffen Kampeter Ruprecht Polenz Klaus-Peter Willsch
Ralph Brinkhaus Eckhard Pols Elisabeth Winkelmeier-
Gitta Connemann Alois Karl
Bernhard Kaster Daniela Raab Becker
Leo Dautzenberg Thomas Rachel Dagmar Wöhrl
Alexander Dobrindt Siegfried Kauder (Villingen-
Schwenningen) Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer
Thomas Dörflinger Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller
Marie-Luise Dött Volker Kauder
Dr. Stefan Kaufmann Lothar Riebsamen Willi Zylajew
Dr. Thomas Feist Josef Rief
Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter
Eckart von Klaeden Klaus Riegert FDP
Ingrid Fischbach
Ewa Klamt Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann
Hartwig Fischer (Göttingen)
Volkmar Klein Johannes Röring Christian Ahrendt
Dirk Fischer (Hamburg)
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg-
Land) Julia Klöckner Dr. Christian Ruck Dugnus
Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster)
Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider
Herbert Frankenhauser Dr. Kristina Schröder Anita Schäfer (Saalstadt) Claudia Bögel
Dr. Hans-Peter Friedrich Manfred Kolbe Dr. Wolfgang Schäuble Nicole Bracht-Bendt
(Hof) Dr. Rolf Koschorrek Dr. Annette Schavan Klaus Breil
Michael Frieser Hartmut Koschyk Dr. Andreas Scheuer Rainer Brüderle
Erich G. Fritz Thomas Kossendey Karl Schiewerling Angelika Brunkhorst
Dr. Michael Fuchs Michael Kretschmer Norbert Schindler Ernst Burgbacher
Hans-Joachim Fuchtel Dr. Günter Krings Tankred Schipanski Sylvia Canel
Alexander Funk Rüdiger Kruse Georg Schirmbeck Reiner Deutschmann
Ingo Gädechens Bettina Kudla Christian Schmidt (Fürth) Dr. Bijan Djir-Sarai
Dr. Thomas Gebhart Dr. Hermann Kues Patrick Schnieder Patrick Döring
Norbert Geis Günter Lach Dr. Andreas Schockenhoff Mechthild Dyckmans
Alois Gerig Dr. Karl A. Lamers Dr. Ole Schröder Rainer Erdel
Eberhard Gienger (Heidelberg) Bernhard Schulte-Drüggelte Jörg van Essen
Michael Glos Andreas G. Lämmel Uwe Schummer Ulrike Flach
7234 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Ergebnis der namentlichen Abstimmung über den Ge- 593 Stimmen. Mit Ja haben gestimmt 321, mit Nein ha-
setzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und FDP über ben gestimmt 271, eine Abgeordnete oder ein Abgeord-
den Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines Sonder- neter hat sich enthalten. Der Gesetzentwurf ist ebenfalls
vermögens „Energie- und Klimafonds“ auf den Druck- angenommen.
sachen 17/3053 und 17/3405: Abgegeben wurden
(B) (D)
(B) (D)
Wir fahren in unserer Debatte fort. Ich erteile das fentlichkeit dringen, die aber gesagt und berichtet wer-
Wort dem Kollegen Olaf Scholz für die SPD-Fraktion. den müssen: Deutschland hat seit dem 1. Januar 2009
(Beifall bei der SPD) den offensten Arbeitsmarkt für akademisch qualifi-
zierte Arbeitskräfte auf der ganzen Welt. Seit diesem
Datum ist es möglich, dass diejenigen, die in der EU als
Olaf Scholz (SPD): akademisch Qualifizierte nach Arbeit suchen, in
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Gestat- Deutschland arbeiten – ohne Einschränkung und ohne
ten Sie mir eine kurze Vorbemerkung zu dem Beitrag des Vorrangprüfung. Sie müssen nicht auf den 1. Mai 2011
Kollegen Grindel. Er hat uns ein großes Sprachrätsel
warten, sondern das ist schon jetzt so.
aufgegeben, nämlich die Frage: Wie bekommen wir das
mit der Einbürgerung der Mitbürger hin? Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit geschaffen,
(Lachen beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) mit der Vorrangprüfung in Deutschland einen Arbeits-
platz zu suchen, und zwar – das muss man ausdrücklich
Das haben Sie an einer Stelle als Aufgabe beschrieben. sagen – unabhängig von der Höhe des Einkommens:
Ich finde, wir sollten uns einmal länger damit beschäfti- 31 000 Euro, 42 000 Euro oder was auch immer. Voraus-
gen, wie wir diese Frage lösen können; denn das ist wohl setzung ist lediglich, dass es keine inländischen oder eu-
nicht ganz unkompliziert. ropäischen Bewerber gibt, die diese Arbeit ebenfalls ma-
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ chen können. Eine weitere Voraussetzung ist, dass man
DIE GRÜNEN – Reinhard Grindel [CDU/ nicht weniger zahlt als das, was sonst für einen solchen
CSU]: Die Mitbürger müssen nicht Staatsbür- Arbeitsplatz in Deutschland gezahlt wird.
ger sein!)
Natürlich führt das dazu, dass die Zuwanderungsmög-
Ich möchte mich vor allem mit dem Thema der Fach- lichkeiten für Fachkräfte mit Ingenieurskapazitäten grö-
kräftezuwanderung beschäftigen. Ich hoffe, dass es ge- ßer sind als für andere, weil dort der Bedarf im Augen-
lingt, in die oft sehr aufgeregte Debatte einen etwas ruhi- blick recht groß ist. Das ist eine Möglichkeit, die jetzt
geren Ton hineinzubekommen; denn das verdient diese schon uneingeschränkt existiert und auf die einmal hin-
Debatte, und das ist wirklich notwendig.
gewiesen werden muss, übrigens auch auf Unternehmer-
Ein paar Fakten vorweg, die manchmal vielleicht erst versammlungen, weil Unternehmer dies zum Teil noch
mit zwei Jahren Verzögerung in das Bewusstsein der Öf- nicht wissen; diese Möglichkeit kann genutzt werden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7241
Olaf Scholz
(A) Ich kann nicht erkennen, dass die Vorrangprüfung als großer Unternehmen diskutiert: Was für eine Summe (C)
zusätzliche Kontrolle ein Problem ist; denn hier stellt brauchten sie, damit es bei ihnen etwas bringt? Die Ma-
sich die Frage: Wer aus aller Welt außerhalb der EU nager haben gesagt, eine Summe in etwa dieser Höhe sei
sucht auf solch eine Art und Weise nach einem Arbeits- genau der richtige Weg; dadurch werde der Einstiegsar-
platz? beitsmarkt der deutschen Akademiker nicht gefährdet.
Weiterhin haben wir bei dieser Gelegenheit dafür ge- Wenn man als Voraussetzung für diese sehr weitge-
sorgt, dass diejenigen, die in Deutschland einen Hoch- hende und prüfungsfreie Öffnung des Arbeitsmarkts eine
schulabschluss erworben haben, hierbleiben und Arbeit niedrigere Summe wählt – darüber kann man immer dis-
suchen können, und zwar – was nicht jeder weiß – im- kutieren –, dann kann man auf dem deutschen Arbeits-
mer wieder. Diese vorrangprüfungsfreie Arbeitsplatzsu- markt sehr viele Probleme erzeugen, die man vielleicht
che existiert als Möglichkeit für das ganze Berufsleben nicht im Blick hat. Denn eine ganze Reihe von Berufs-
für denjenigen, der an einer deutschen Hochschule sei- gruppen liegt zum Beispiel über einem Gehalt von
nen Abschluss erworben hat. 40 000 Euro jährlich bzw. rund 3 300 Euro monatlich –
ich habe es mir einmal angeschaut –: zum Beispiel Boh-
Wir haben ein besonderes Privileg für die Absolven-
rer – also Facharbeiter –, Maschineneinrichter, Büro-
ten deutscher Auslandsschulen geschaffen, die zum
fachkräfte, Bibliothekare, Flach- und Tiefdrucker, Wal-
Beispiel die deutsche Sprache schon gut beherrschen.
zer, Stenografen.
Sie haben die Möglichkeit, hier eine Berufsausbildung
zu machen. Des Weiteren haben sie die Möglichkeit, (Zuruf von der FDP: Ich weiß nicht, welche
nach einer beruflichen Qualifikation – zum Beispiel an Betriebe Sie besuchen!)
einer anderen Universität anderswo auf der Welt – hier
Meinen Angaben liegt eine volkswirtschaftliche Studie
in diesem Land zu arbeiten, und zwar ohne Vorrangprü-
zugrunde. Es gibt sehr viele Berufe, bei denen das Jah-
fung.
resgehalt über 40 000 Euro liegt.
Wir haben Managern innerhalb eines Konzerns ei-
Es stellt sich schon die Frage, ob es wirklich klug ist,
nen fast unbeschränkten Austausch ermöglicht. So ist
auf die Vorrangprüfung zu verzichten, die sicherstellt,
zum Beispiel der Wechsel eines Managers von einer Fi-
dass die Gehälter nicht sinken und es keine Leute in die-
liale in Südafrika nach Deutschland möglich.
sem Land gibt, die diese Aufgabe übernehmen könnten.
Für alle zusammen haben wir geregelt, dass ein Nach- Da bin ich sehr skeptisch; das sage ich gerne.
zug der Ehegatten immer möglich ist; sie können ohne
Im Übrigen gibt es demnächst bei den Berufen ohne
Vorrangprüfung nach Arbeit suchen. Wir haben also lau-
akademische Qualifikation Zuwanderung aus der ganzen
ter Änderungen vorgenommen, die schon immer ge-
(B) Europäischen Union. (D)
wünscht worden sind. Diese Änderungen sind in Kraft
getreten, allerdings ohne dass sie tatsächlich wahrge-
nommen worden sind. Dazu will ich gerne sagen: Es hat Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
sich weder jemand darüber aufgeregt, noch hat jemand Möchten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Kilic
dafür geworben. Deshalb darf man noch heute vieles for- zulassen?
dern, was schon längst umgesetzt worden ist.
Olaf Scholz (SPD):
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ja, das
stimmt!) Ja.
Ich bin dafür, dass man die Änderungen zur Kenntnis Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
nimmt. Bitte sehr.
Obendrauf gibt es ab einem bestimmten Einkommen
– ich nenne es einmal flapsig so – ein Super-Premium- Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Goldpaket: die Möglichkeit, ohne Vorrangprüfung Herr Kollege Scholz, ich habe eine Verständnisfrage.
gleich eine Niederlassungserlaubnis zu bekommen. Es ist mein Kenntnisstand, dass die SPD bis heute offi-
Diese Möglichkeit existiert ab einem Einkommen, das ziell für eine Zuwanderung nach dem Punktesystem
der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Renten- eintritt. Eine andere offizielle Meinung kenne ich nicht.
versicherung entspricht. Das ist übrigens eine kluge Re- Ihre Argumente sprechen dafür, dass Sie gegen ein
gelung: Es handelt sich um das Doppelte des Durch- Punktesystem bei der Einwanderung sind. Ist das der
schnittseinkommens. Die Festlegung der Summe ist Fall?
vielleicht nicht völlig plausibel – man kann darüber re-
den, ob eine andere Summe richtig wäre –; aber die ge- Olaf Scholz (SPD):
wählte Summe hat ein gewisses Gewicht, weil sie eine
Ich finde in der Tat, dass man über den Sinn und
Größenordnung vorgibt, die wir aus unseren sozialen Si-
Zweck eines Punktesystems diskutieren muss; das will
cherungssystemen kennen. Die Summe ist viel niedriger
ich gar nicht verhehlen. Denn ein Punktesystem führt zu
als der Betrag von über 80 000 Euro, der vorher festge-
einer Zuwanderung ohne freie Arbeitsplätze, also ob-
legt war. Ab diesem Betrag ist die Regelung für die Un-
wohl es in diesem Bereich Arbeitslose gibt.
ternehmen interessant: Als ich die Summe identifiziert
habe, habe ich mich damit vorher nicht nur wissen- (Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ja, genau! –
schaftlich beschäftigt, sondern auch mit den Managern Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE
7242 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Olaf Scholz
(A) GRÜNEN]: Das muss es aber nicht bedeuten! Im Übrigen sollten wir sehen, dass wir den Arbeits- (C)
Das kann man auch intelligent regeln!) markt für die Hochqualifizierten längst geöffnet haben,
auch wenn jeden Tag ein anderer fordert, dass das end-
Ob das im Bereich der Tätigkeiten, die keine akademi- lich geschehen sollte.
sche Qualifikation zur Voraussetzung haben, wünschens-
wert ist, muss man sich überlegen. Der Begriff „Punkte- Schönen Dank.
system“ heißt übersetzt, dass es Zuwanderung ohne freie
(Beifall bei der SPD)
Arbeitsplätze geben kann. Sonst wäre es nur ein Schlag-
wort, das für sich existiert.
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Ich wünsche mir eine sehr unaufgeregte Diskussion Das Wort hat Hartfrid Wolff für die FDP-Fraktion.
darüber, ob man Folgendes möchte: Weil es bei uns nicht
genügend Altenpfleger gibt – übrigens weil wir nicht ge- (Beifall bei der FDP)
nügend ausbilden und die Gehälter für Altenpflegekräfte
zu gering sind –, holen wir uns Fachkräfte von an- Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP):
derswo, die bereit sind, zu schlechten Gehältern in Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Deutschland zu arbeiten, anstatt die Gehälter zu erhöhen Fachkräftemangel ist keine traurige Botschaft, er ist
und mehr auszubilden. Das hielte ich für einen Fehler; Realität. Der Arbeitsmarkt ist international. Der Wettbe-
ich will das ausdrücklich sagen. Man muss schon sehr werb um die klügsten Köpfe hat bereits begonnen, und
sorgfältig darüber diskutieren, was man tut. die Zuwanderung von Fachkräften verläuft dank dessen,
Ich glaube, wir haben mit der Zuwanderungsmöglich- was Sie, Herr Scholz, gerade vorgetragen haben, nach
keit für Akademiker viel erreicht. Eine Zuwanderung ist wie vor bürokratisch und unsystematisch. Das, was Sie
übrigens nicht erst ab dem genannten Gehalt möglich; hier gerade vorgetragen haben – etwas anderes hätte ich
sie ist auch möglich, wenn man den Arbeitsmarkt zuvor von Ihnen nicht erwartet –, ist Ausdruck einer Klientel-
geprüft hat. Ich halte es für wichtig, über eine weitge- politik, deren Richtung ich, ehrlich gesagt, nicht für zu-
hendere Regelung nachzudenken. Jedenfalls will ich kunftsweisend halte.
nicht, dass sich die deutsche Wirtschaft das Ausbilden (Beifall bei der FDP – Rüdiger Veit [SPD]:
und das Zahlen ordentlicher Löhne spart. Was soll denn das?)
(Beifall bei der SPD) Wir brauchen Klarheit, wir brauchen Transparenz, und
wir brauchen, insbesondere wenn es darum geht, eine
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: gesteuerte Zuwanderung zu betreiben, schnelle Ent-
(B) scheidungen. (D)
Sie haben jetzt Zeit für einen Gedanken außerhalb der
vorgesehenen Redezeit. (Rüdiger Veit [SPD]: Die Rede ist vielleicht
schon ein bisschen alt!)
Olaf Scholz (SPD): Ich will auf den vorliegenden Gesetzentwurf einge-
Zum Schluss möchte ich noch eine Bemerkung ma- hen. Beim Lesen hatte ich ein Déjà-vu. Aber ehrlich ge-
chen, die mir sehr wichtig ist. Bedenken wir, wenn wir sagt: Durch einen Neuaufguss wird kalter Kaffee nicht
über all diese Fragen diskutieren, Folgendes: Ab dem wärmer. Es hat nach wie vor keinen Sinn, das Staatsan-
1. Mai 2011 haben über 500 Millionen Personen in Eu- gehörigkeitsgesetz hinsichtlich des Optionsmodells jetzt
ropa die Möglichkeit, in Deutschland Arbeit zu suchen; zu ändern. Uns liegen noch keine Daten vor, sodass wir
das ist in Ordnung. Sehr viele von ihnen, nämlich mehr nicht wirklich darüber entscheiden können.
als 200 Millionen Menschen, kommen als Erwerbstätige
infrage. Ob wir den Arbeitskräftebedarf der deutschen (Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Volkswirtschaft durch Qualifizierung und Ausbildung Wann werden Sie die Daten haben?)
oder durch diese 200 Millionen Menschen lösen wollen, Bizarr ist, dass die Grünen vortragen, 5 Millionen
das müssen wir uns sehr gut überlegen. Problematisch ausländische Staatsangehörige seien schon acht oder
ist, dass einige Leute in dieser Debatte den falschen Ton mehr Jahre hier und hätten nach dem bestehenden Recht
anschlagen. Ich will ausdrücklich sagen: Dem guten Ton damit eine wesentliche Einbürgerungsvoraussetzung er-
dieser Debatte hat Herr Seehofer geschadet. füllt. Es seien aber nur 90 000 eingebürgert worden, tra-
(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des gen die Grünen vor. Das ist bizarr, weil die Grünen allein
Abg. Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- an der Quantität ein Interesse zu haben scheinen. Als Lö-
NEN]) sung wird die Senkung der Mindestaufenthaltszeit auf
sechs Jahre gefordert. Für die 4,9 Millionen anderen gibt
es nach dem Gesetzentwurf der Grünen keine weiteren
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Anreize, keine Lösungen. Das ist Klientelbeschwichti-
Herr Kollege. gungsaktionismus à la Grüne.
(Beifall bei der FDP – Memet Kilic
Olaf Scholz (SPD): [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollen
Wichtig ist aber auch, dass man darüber nicht die Ver- die Turboeinbürgerung! Wie wollen Sie das
nunft verliert. Auch dafür plädiere ich. machen?)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7243
Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
(A) Die Grünen fordern ausdrücklich, die Anforderungen Die Grünen wollen auch den Einbürgerungstest ab- (C)
an die Sprachkompetenz der Einzubürgernden abzu- schaffen. Tests, etwa zur politischen Bildung, aber auch
bauen. Die Grünen wollen, dass dieser Staat jemanden zum Führerscheinerwerb oder
als Deutschen anerkennt, der kein Deutsch kann.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE
(Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: GRÜNEN]: Den besteht doch sowieso jeder!
Dankbarkeit gegenüber Rentnerinnen und Das ist reine Schikane!)
Rentnern!) zum Schulabschluss, sind geborenen Deutschen zeit ih-
res Lebens vertraut und natürlich auch zumutbar. Zu-
Kennen Sie das gesellschaftliche Konfliktpotenzial, das
wanderer sind aus Grünen-Sicht aber offenbar zu dumm
zwischen ethnischen Gruppen in sogenannten sozialen oder zu sensibel, sich einem Test zu stellen. Dieser Test
Brennpunktgebieten herrscht, Herr Kollege? Sie schwe-
hat laut grüner Antragsbegründung
ben nach wie vor in einem grünen Multikultidelirium
ohne Anforderungen, ohne Noten, ohne Prüfungen, in (Zuruf von der LINKEN: Wer hat denn das ge-
einer bunten und heilen Welt. sagt?)
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE ich zitiere gerade den Antrag der Grünen – eine abschre-
GRÜNEN]: Lesen können! Nicht nur Deutsch ckende Wirkung auf diese bedauernswerten Menschen.
können!) Entlarvender können die Grünen ihr Bild von unseren
Zuwanderern nicht zeichnen: Die Grünen halten sie für
Herr Kollege, seien Sie einmal etwas realistischer. unfähig, Deutsch zu lernen. Sie halten sie für unfähig,
Denken Sie einmal über das nach, rudimentäre Grundkenntnisse unseres politischen Sys-
(Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: tems zu erlernen,
Ich denke seit 20 Jahren darüber nach!) (Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Am Fließband haben sie tatsächlich eine
worüber wir in der letzten Zeit diskutiert haben. Die Chance!)
Grünen haben die Zuwanderungsdebatte in den letzten
zehn Jahren offensichtlich vollkommen verschlafen. Üb- und für unfähig, ihren eigenen Lebensunterhalt selbst zu
rigens ist auch das ein Déjà-vu-Erlebnis. verdienen.
(Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: (Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sie haben Ihre Liberalität verspielt! Sie sind Das ist die Dankbarkeit!)
(B) wirtschaftsliberal! Wann werden Sie beim bür- Solche Ansichten setzen unsere Zuwanderer in uner- (D)
gerlichen Denken ankommen?) träglicher Weise herab, und die Grünen pflegen unter
dem Deckmantel des Mitleids längst überwunden ge-
Die Meinung der Deutschen in diesem Land ist Ihnen of- glaubte Vorurteile gegen Ausländer in Deutschland.
fensichtlich egal. Hauptsache, Ihre Klientel wird befrie-
digt. (Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sie haben sie gerade aufgezählt!)
Das Beherrschen der deutschen Sprache ist essen-
ziell. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist Voraus- Die Grünen beleidigen mit ihren Vorschlägen jeden Zu-
setzung für demokratische Partizipation und ermöglicht wanderer, der es geschafft hat, hier anzukommen und
die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs. Die Staats- sich hier zu integrieren. Das ist angestaubter Alt-68er-
angehörigkeit muss deshalb Resultat der Integration Ballast, der dem Zuwanderungsland Deutschland nicht
sein. Wer nicht integrierten Migranten die Staatsangehö- wirklich weiterhilft.
rigkeit verleiht, untergräbt den Zusammenhalt in dieser (Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie
Gesellschaft. Ein Anreiz zur Integration geht davon haben den Latte Macchiato vergessen!)
nicht aus.
Wir Liberalen wollen diejenigen unterstützen, die
Nicht nur bei den Grünen bekommt man den Ein- sich integriert haben und die sich integrieren wollen.
druck, dass alles, was in unserer freiheitlichen, aufge- Viele unternehmen große Anstrengungen, sich in unsere
klärten Gesellschaft als reaktionär gilt, wieder hoffähig Gesellschaft einzubringen. Wir werden sie dabei för-
gemacht wird, indem man ihm das Mäntelchen „Migra- dern, aber wir werden auch etwas von ihnen fordern.
tionshintergrund“ umhängt. Man muss plötzlich die Bei- Eine Einbürgerungsregelung, die von weiten Teilen
behaltung des Abstammungsrechts für Doppelstaatler der Bevölkerung nicht akzeptiert wird, stärkt keinesfalls
unterstützen, frauenfeindliche Bekleidungssitten akzep- die Akzeptanz von Migranten. Erfolgreiche Integration
tieren, Machokultur hinnehmen, Verständnis für orienta- bedeutet, dass sie wie alle deutschen Staatsbürger die
lisches Eherecht aufbringen oder Vorstellungen von ei- gleichen Rechte und gleichen Pflichten haben.
ner Familienehre tolerieren, die in einer fortschrittlichen
Gesellschaft nur Abscheu hervorrufen können. Die Koalition wird Anreize setzen und Anforderun-
gen definieren, eine aktive Integrationspolitik voranbrin-
(Jan Korte [DIE LINKE]: Wer sagt das denn? – gen und eine Willkommenskultur des gegenseitigen Re-
Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: spekts fördern. Die Grünen wollen die deutsche
Sie beschreiben die CSU!) Staatsangehörigkeit auf dem Multikultibasar verram-
7244 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Sevim Dağdelen
Daðdelen
(A) – Ja, darauf kommen Sie in Ihrem Gesetzentwurf über- nicht nur ein Sprachangebot gemacht wird, sondern auch (C)
haupt nicht. ein Praktikum in Richtung einer Ausbildung angeboten
wird.
(Widerspruch beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN) Es ist von den finanziellen Rahmenbedingungen,
die wir geschaffen haben, möglich, dass jeder sofort ei-
In Ihrem Gesetzentwurf wird eben nicht berücksich-
nen Integrationskurs beginnen kann. Jeder, der sich aus-
tigt, dass Länder wie Indien diese Abwerbestrategien
kennt, Herr Kollege Veit – Sie kennen das Geschäft ge-
deutlich und explizit ablehnen, weil sie sagen: Das ist
nauso gut wie ich –, weiß, dass wir ein großes Problem
nicht im Interesse unseres Landes; wir wollen nicht, dass
haben, dass wir nämlich gerade in großen Städten eine
gute Fachkräfte, qualifizierte Menschen abgeworben
Vielzahl von Kursträgern haben, die leider deshalb, weil
werden. – Wir sagen: Wenn es wirklich einen Fachkräf-
Kurse erst mit zehn, zwölf Teilnehmern effektiv durch-
temangel gibt – wir gehen davon aus, dass es ihn so nicht
geführt werden, nicht bereit sind, dann, wenn sie fünf
gibt –, dann ist er vor allen Dingen politisch gewollt und
Teilnehmer auf der Anmeldeliste haben und einem ande-
lange Zeit auch gefördert worden.
ren Kursträger noch fünf Teilnehmer fehlen, diese abzu-
geben, damit bei jedem Kursträger ein Kurs beginnen
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: kann. Es bleiben – um es etwas lax auszudrücken – zu
Frau Kollegin, Sie müssen bitte zum Ende kommen. viele auf ihren Anmeldungen sitzen, und deswegen ha-
ben wir Verzögerungen beim Start von Kursen.
Sevim Dağdelen (DIE LINKE):
Herr Kollege Veit, ich sage noch einmal – bei allem,
Ja, Frau Präsidentin. – Wir sagen: Wenn Sie etwas ge- was uns trennt –: Sie wissen, dass das ein großes Pro-
gen Fachkräftemangel tun wollen, dann müssen Sie blem ist; dass wir hier noch mehr Kooperation zwischen
Mindeststandards festlegen, dann brauchen wir endlich den Kursträgern brauchen, um jedem Teilnehmer, der
eine Ausbildungsplatzumlage, damit jeder und jede Ju-
sich bereit erklärt hat – ob bei den Freiwilligen oder na-
gendliche einen Ausbildungsplatz findet. Wir wollen ei-
türlich auch bei den Verpflichteten –, einen solchen Kurs
nen gesetzlichen Mindestlohn, damit die Leute eben
zu besuchen, dies auch zu ermöglichen.
nicht ausgebeutet werden können.
Frau Dağdelen, Sie mögen vieles von dem, was wir
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: machen, ablehnen. Dass aber noch nie so viel Geld in In-
Frau Kollegin. tegrationskurse investiert worden ist wie im Jahre 2010,
ist nachweisbar. Das können Sie nicht bestreiten. Ich
finde, es ist auch nicht im Interesse der Betroffenen und
Sevim Dağdelen (DIE LINKE):
(B) nicht in Ordnung, hier falsche Behauptungen in die Welt (D)
Wir wollen vor allen Dingen endlich einen Rechtsan- zu setzen. Die Bundesregierung und die sie tragende Ko-
spruch auf die Anerkennung von akademischen Ab- alition haben ihre Hausaufgaben gemacht.
schlüssen von über einer halben Million Menschen, die in
Deutschland leben und deren Abschlüsse nicht anerkannt (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
werden, und keine Mogelpackung, wie es die Bundesre- Rüdiger Veit [SPD]: Fakt ist, dass Geld für
gierung unter Verantwortung der Ministerin Schavan im 20 000 Interessierte fehlt!)
Moment vorhat.
Vielen Dank. Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Frau Dağdelen zur Antwort.
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU/
CSU: Schlimmer geht es nimmer!)
Sevim Dağdelen (DIE LINKE):
Herr Grindel, ich bin seit 2005 Mitglied des Deut-
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: schen Bundestages. Im Jahre 2005 haben die Integra-
Das Wort zu einer Kurzintervention hat der Kollege tionskurse, nennen wir sie Sprachkurse, angefangen. Wir
Grindel. als Linksfraktion haben im Deutschen Bundestag von
Anfang an gesagt: Die Idee ist gut. Aber sie muss auch
Reinhard Grindel (CDU/CSU): gut finanziert werden.
Frau Präsidentin! Ich habe mich nur deswegen zur
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ja!)
Kurzintervention gemeldet, damit hier, Frau Kollegin
Dağdelen, keine falschen Behauptungen stehen bleiben. Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass die
Wir geben in diesem Jahr für Integrationskurse 233 Mil- angesetzte Stundenzahl viel zu gering war. Wir haben
lionen Euro aus – so viel wie noch nie zuvor und deutlich von Anfang an kritisiert, dass die Kursgruppen aus bis
mehr als nach dem Haushaltsplan ursprünglich beabsich- zu 25 Personen bestehen und sie sehr heterogen zusam-
tigt. Wir geben viele Millionen Euro für Kinderbetreu- mengesetzt sind, ihnen also sowohl Analphabeten als
ungskosten aus, damit Frauen die entsprechenden Kurse auch studierte Menschen angehören.
besuchen können. Wir geben sehr viel Geld für Fahrtkos-
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Aber das gibt
ten aus, damit auch im ländlichen Raum Integrations-
es doch gar nicht mehr!)
kurse besucht werden können. Alphabetisierungskurse
haben heute 300 Stunden und nicht wie früher 100 Stun- Wir haben seit 2005 darauf hingewiesen, dass die
den, und wir bieten spezielle Jugendkurse an, in denen Lehrerinnen und Lehrer, die Dozentinnen und Dozenten,
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7247
Sevim Dağdelen
Daðdelen
(A) die mit den Menschen Zeit verbringen, eine super Arbeit (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Memet (C)
leisten. Sie arbeiten nämlich nicht nur im Rahmen der Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Sprachvermittlung oder in den Orientierungsstunden,
sondern viel mehr. Sie haben auch soziale Kompetenzen Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
und versuchen, den Menschen, die nach Deutschland ge- Jetzt hat der Parlamentarische Staatssekretär Ole
kommen sind, auch anderweitig zu helfen; nur Neuzu- Schröder das Wort.
wanderer haben nämlich den Rechtsanspruch auf einen
Integrationskurs.
Dr. Ole Schröder, Parl. Staatssekretär beim Bundes-
Wir haben gefordert: Die Lehrerinnen und Lehrer minister des Innern:
müssen besser entlohnt werden. Wir haben außerdem ge- Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
fordert, nicht nur Neuzuwanderern den Rechtsanspruch Herren! Liebe Frau Dağdelen, ich habe eigentlich ge-
auf einen Integrationskurs einzuräumen, sondern auch dacht, dass wir die Frage, ob Deutschland Zuwande-
den Menschen, die schon länger in Deutschland leben rungsland ist oder nicht
und großes Interesse an diesen Kursen haben; über diese (Sevim Dağdelen [DIE LINKE]: „Einwande-
Menschen wird in der öffentlichen Debatte schon sehr rungsland“ habe ich gesagt!)
lange geredet.
bzw. ob Deutschland Einwanderungsland ist oder nicht,
Der Präsident des Bundesamtes für Migration und schon überwunden haben. Die entscheidende Frage für
Flüchtlinge war oft im Innenausschuss, als auch Sie zu- unser Land ist, ob es ein Integrationsland ist oder nicht.
gegen waren. Dort hat er immer wieder gesagt: Wir ha- Darum geht es, und dafür setzt sich diese Koalition ein.
ben eine super Bilanz. Die Nachfrage ist viel größer als
das Angebot. Wir brauchen aber mehr Geld. Um genau dieses Thema geht es auch in der heutigen
Debatte. Es liegen zwei Gesetzentwürfe des Bündnis-
(Helmut Brandt [CDU/CSU]: Das stimmt ses 90/Die Grünen vor. Während Ihr Gesetzentwurf zum
nicht! Das ist einfach nicht richtig! Das hat er Staatsangehörigkeitsrecht sehr weit reicht, rücken Sie in
noch nie behauptet!) Ihrem Gesetzentwurf zum Thema Arbeitsmigration ei-
nen einzigen Aspekt in den Mittelpunkt.
Dieses Geld steht aber nicht zur Verfügung.
Zunächst zum Staatsangehörigkeitsrecht: Deutsch-
Der gestrigen Erklärung von acht Bildungsträgern land ist ein offenes Land; wir haben ein offenes Staatsan-
war zu entnehmen, dass ungefähr 10 000 Menschen da- gehörigkeitsrecht. Wir machen ein großzügiges Angebot
rauf warten, an einem solchen Kurs teilnehmen zu kön- und werben dafür, dass es auch angenommen wird und
(B) nen. Das Problem ist, dass diese Zahl bis zum Jahres- dass die bei uns lebenden gut integrierten Menschen sich (D)
ende auf 20 000 steigen wird. Das ändert nichts daran, einbürgern lassen. Ein Rechtsanspruch auf Einbürgerung
dass die Lehrerinnen und Lehrer, die diese Kurse geben, besteht beispielsweise bereits nach einer Aufenthalts-
für ihre Arbeit eine Bezahlung auf Hartz-IV-Niveau er- dauer von acht Jahren; bei besonderen Integrationsleis-
halten. Wir haben die Forderung nach einem Mindest- tungen kann sogar schon nach sechs Jahren eingebürgert
lohn für diese Lehrerinnen und Lehrer erhoben. Denn werden.
wir sagen: Qualitativ hochwertigen Unterricht können
vor allem gut bezahlte Lehrerinnen und Lehrer bieten. Selbstverständlich muss das Einbürgerungsrecht dabei
die Belange der aufnehmenden Gesellschaft zugrunde
(Beifall bei der LINKEN) legen. Die Integrationsleistungen der einzubürgernden
Menschen sind wichtig. Die Integrationsbereitschaft wird
Wir brauchen also viel mehr Geld.
gerade dadurch gefördert, dass die entsprechenden An-
Sie verleugnen, dass Sie für das Jahr 2009 schon forderungen berücksichtigt werden. Wir fördern die Inte-
20 Millionen Euro aus dem Etat für 2010 „herüberge- grationsbereitschaft nicht, indem wir die Anforderungen
schafft“ haben. Sie haben 15 Millionen Euro nachgelegt. bei der Einbürgerung immer weiter herabsetzen. Das Ge-
Aber dieser Betrag reicht bei weitem nicht aus. genteil ist der Fall.
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Jetzt ist es Abstriche von den Anforderungen, nur um die Ein-
doch mehr!) bürgerungszahlen zu steigern, wären integrationspoli-
tisch kontraproduktiv und das falsche Signal an die gut
Sie wollen die Fahrtkosten kürzen und keine Teilzeit- integrierten Migranten und die stolzen Neubürger. Die
kurse mehr zulassen; wenn, dann nur in Extremfällen. Einbürgerung muss am Ende eines erfolgreichen Inte-
Ich war vor kurzem in Wuppertal und habe dort mit Do- grationsprozesses stehen und nicht am Anfang.
zentinnen und Dozenten gesprochen. Diese haben mir
(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: So ist es! –
gesagt: Wir haben mehrmals Teilzeitkurse beantragt.
Rüdiger Veit [SPD]: Nicht am Anfang, aber es
Diese Anträge sind abgelehnt worden. – Das Problem
ist ein wichtiger Schritt!)
ist, dass Migrantinnen und Migranten, die voll erwerbs-
tätig sind, an Vollzeitkursen nicht teilnehmen können. Mit den Einbürgerungsvoraussetzungen hat der Ge-
Durch Ihr Vorgehen blockieren Sie somit die Teilnahme setzgeber die Anforderungen formuliert, deren Erfüllung
von Migrantinnen und Migranten an diesen Kursen. er für die volle Aufnahme in die Gesellschaft und für das
Deshalb bleibt es dabei: Sie tricksen, täuschen und tar- Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens für
nen. erforderlich hält.
7248 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Aydan Özoğuz
Özoðuz
(A) sen, er ist unpraktikabel. Wir müssen da einen verwal- Das ist doch ein Widerspruch dazu, dass wir die Grenzen (C)
tungstechnischen Aufwand betreiben, Tausende an- für Europäer zum Beispiel öffnen. Das sind doch zwei
schreiben und Überprüfungen anstellen, obwohl verschiedene Paar Schuhe. Es spricht aber für sich, dass
gleichzeitig Millionen Menschen in diesem Land legal Sie das nicht verstehen.
mit mehreren Pässen leben. Niemandem ist dadurch ein
Nachteil entstanden. Wir müssen unsere Gesetze und das Staatsangehörig-
keitsrecht endlich der Realität anpassen. Ich glaube, da-
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ bei können wir endlich einen Schritt weiter gehen. Ich
DIE GRÜNEN) weiß, dass Herr Seehofer und Sie es nicht wahrhaben
wollen, aber wir sind ein Auswanderungsland, und
Wenn ich das noch sagen darf: Die alten Geschichten
zwar erst recht, was die Fachkräfte anbelangt. Der Sach-
mit der Wehrpflicht sind schon längst – seit vielen, vie-
verständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und
len Jahren – zwischen den Staaten geklärt. Die können
Migration hat errechnet, dass Deutschland per saldo seit
wirklich nicht mehr als Argument dagegen herhalten.
2003 fast 180 000 deutsche Staatsangehörige an OECD-
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ Staaten abgegeben hat.
DIE GRÜNEN)
Ich möchte betonen, dass gerade die hoch selektiven
Ich denke, Nachteile entstehen unserem Land viel- Einwanderungsregelungen der Länder, in die die deut-
mehr durch solche populistischen Wahlkämpfe wie den schen Staatsangehörigen gehen, dafür sprechen, dass
von Jürgen Rüttgers im Jahr 2000, als es auch um den diese Menschen qualifiziert, flexibel, risiko- und leis-
Slogan „Kinder statt Inder“ ging. Fazit nach zehn Jahren tungsbereit sind. Diese Menschen kehren unserem Land
ist: Rüttgers ist abgewählt. Wir haben nicht besonders den Rücken zu.
viele Inder gewinnen können – Frau Dağdelen hat das
schon angesprochen –, und wesentlich mehr Kinder wer- (Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ein paar kom-
den bei uns auch nicht geboren. men auch wieder!)
So etwas bringt uns nicht weiter. Im Jahre 2009 haben Das ist ein Problem. Damit sollten wir uns vernünftig
wir 2 465 Computerexperten aus dem Ausland angewor- beschäftigen, statt immer nur populistisch über dieses
ben. Das klingt zunächst ganz toll; aber aus der BITKOM- Thema zu sprechen. Dies muss in einer anderen Atmo-
Presseerklärung von vor zwei Tagen ging hervor, dass sphäre geschehen.
bei uns 28 000 IT-Spezialisten fehlen. Man kann zwar Wir müssen uns über die Jugendlichen in unserem
versuchen, an diesen Zahlen zu arbeiten, die eine höher, Land Gedanken machen – auch dieses Thema betont
die andere niedriger anzusetzen: Sie passen einfach nicht Herr Scholz immer wieder –, und ich füge hinzu: Wir (D)
(B) zusammen.
müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass die gut Qualifi-
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Aber Herr zierten, die bei uns ihre Ausbildung erhalten und in un-
Scholz hat Ihnen doch erklärt, wo das Problem serem Lande groß werden, nicht irgendwann sagen: Die-
liegt!) ses Land nervt mich. – Auch wenn es hier einen sehr
großen Arbeitskräftemangel gibt – dass es ihn gibt, ha-
– Ich erkläre Ihnen jetzt aber, dass man das auch anders ben wir alle bereits festgestellt –, gehen diese Menschen
sehen kann. trotzdem. Das muss bei uns doch endlich bewirken, dass
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Aha! Ist Herr wir uns fragen: Warum ist das so? Die Regierung sagt
Scholz deshalb schon gegangen? Was ist denn kein Wort dazu.
jetzt SPD-Meinung? Ihre oder die von Herrn (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
Scholz?) des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
– Das passt schon zusammen. Es ist unsere Meinung. –
Der Verband Deutscher Ingenieure sagte am 2. August Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
dieses Jahres, dass aktuell 36 000 Ingenieure fehlen. Das Das Wort hat nun der Kollege Serkan Tören von der
ist doch kein Widerspruch zu der Aussage, dass es FDP-Fraktion.
durchaus schon Öffnungen gibt. Ich versuche gerade, Ih-
nen deutlich zu machen, dass Sie mit der Art, wie Sie (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
von dieser Stelle im Deutschen Bundestag aus zu dem der CDU/CSU)
Volk sprechen und mit solchen Vorlagen umgehen,
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ich habe das Serkan Tören (FDP):
Gleiche gesagt wie Herr Scholz! Daran kann Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kol-
es nicht liegen!) legen! Ein Mindestgehalt von 66 000 Euro für junge,
hochqualifizierte Zuwanderer ist realitätsfern.
und mit der Atmosphäre, die Sie mit solchen Wahlkämp-
fen wie dem von Herrn Rüttgers schaffen – die sind bei (Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Ihnen nicht gerade selten –, die Menschen abschrecken. NEN]: Genau!)
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ Sie sind nicht die Ersten, die das erkannt und ausgespro-
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der chen haben, verehrte Damen und Herren von den Grü-
LINKEN) nen. Ihr Gesetzentwurf greift aber viel zu kurz.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7251
Serkan Tören
(A) Wir Liberalen sind schon einen Schritt weiter. Kol- (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten (C)
lege Wolff sprach es bereits an: Wir brauchen eine Re- der CDU/CSU)
form des gesamten Zuwanderungssystems. Das ist ein
Migration und das Leben in einem fremden Land sind
elementarer Baustein in der Bekämpfung des Fachkräf-
immer auch ein individuelles Risiko. Es verlangt der
temangels. An Gehaltszahlen zu schrauben, macht das
Aufnahmegesellschaft, aber insbesondere dem Zuwan-
Gesamtsystem nicht effektiver und die Kriterien nicht
derer etwas ab. Der Grundsatz „Fordern und Fördern“ ist
transparenter. Ihr Gesetzentwurf ist in der Sache zwar
nicht eine Phrase, sondern ein wichtiges Modell. Es ist
löblich, aber er geht am eigentlichen Problem vorbei.
eine Orientierung für Aufnahmegesellschaft und Zuwan-
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE derer. Das ist übrigens in keinem erfolgreichen Einwan-
GRÜNEN]: Aha! Was sagt denn Herr Brüderle derungsland anders. Unser Ziel ist, aus Migranten Bür-
dazu?) ger dieses Landes zu machen, Bürger, die sich
verantwortlich fühlen, partizipieren und Deutschland
Wir brauchen transparente Kriterien und eine gesteu- mitgestalten. Genau das wollen auch die meisten Mi-
erte Zuwanderung, Zuwanderung, die klar auf den Bedarf granten. Sie fördern eher Lethargie und Unsicherheit als
unserer Wirtschaft ausgerichtet ist, aber auch die Integra- Leistungsmotivation und Ehrgeiz. Dieser Ansatz ist in
tionsfähigkeit der potenziellen Zuwanderer berücksich- jeder Hinsicht falsch und rückwärtsgewandt.
tigt. Diese Zuwanderung ist gleichzeitig auch präventive
Integrationspolitik. (Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Rentnerinnen und Rentner haben schon eine
Nichtsdestotrotz stehen wir derzeit insbesondere vor Leistung vollbracht!)
Herausforderungen in der aktuellen Integrationspolitik.
Ich bin froh, dass diese Koalition in eine andere Rich-
Dazu gehört ohne Zweifel auch das Thema Staatsange-
tung denkt.
hörigkeit. Deshalb werden wir die Optionspflicht evalu-
ieren. Wir werden dies kritisch und unter Einbeziehung Vielen Dank.
aller relevanten Akteure tun. Ich habe keinen Zweifel:
Wir werden hier zu guten Lösungen kommen. Unabhän- (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
gig davon gilt aber: Wir müssen für die deutsche Staats-
angehörigkeit werben, und zwar nicht lediglich für ein Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Papier oder eine Urkunde, sondern für unser wunder- Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht nun
bares Land und unsere Gesellschaft als solche. die Kollegin Kerstin Andreae.
(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Richtig!) (Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Jetzt sind
(B) wir mal gespannt!) (D)
Lassen Sie mich an dieser Stelle deutlich sagen: Ein paar
warme Worte reichen da nicht aus. Wir müssen konkrete Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Anreize schaffen. Ein Ansatzpunkt ist die zügigere Ein- Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
bürgerung von besonders erfolgreich integrierten Mi- Ich bin wirtschaftspolitische Sprecherin meiner Fraktion
granten. und werde mich auf die Vorlage zu Zuwanderung und
Man kann darüber streiten: Sollte Einbürgerung am Fachkräftemangel beziehen. Mir ist wichtig, zu sagen,
Anfang oder am Ende einer erfolgreichen Integration dass wir mit unseren Gesetzentwürfen das Bild einer
stehen? Lassen Sie mich das so formulieren: Einbürge- modernen Gesellschaft zeichnen wollen. Zum einen geht
rung ist ein Meilenstein im Integrationsprozess eines Zu- es um Erleichterungen bei der Einbürgerung. Ich finde
gewanderten. es sehr wichtig, dass wir eine ernsthafte Debatte, wie Sie
sie angemahnt haben, tatsächlich führen. Zum anderen
(Rüdiger Veit [SPD]: Schon besser!) geht es um Erleichterungen bei der Zuwanderung im
Hinblick auf den Fachkräftemangel. Hier gibt es kurz-
Das sage ich auch aus eigener Erfahrung. Ich kann in Ih- fristige und langfristige Maßnahmen. Wir könnten jetzt
ren Ausführungen, liebe Kolleginnen und Kollegen von einen ganzen Strauß präsentieren und Sie auffordern, bei
den Grünen, aber nicht viele Meilensteine entdecken, der Anerkennung ausländischer Abschlüsse anzufangen
ganz im Gegenteil. Sie wollen die Pflicht, ausreichende und sich zu den Themen Ausbildung und Qualifizierung
Deutschkenntnisse vorzuweisen, pauschal für alle Jun- zu äußern. Aber in diesem Sommer ist eine alte Forde-
gen und Alten abschaffen. rung aufgeflammt: Ist es richtig, dass die Zulassungs-
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE hürde bei der Niederlassung ausländischer Fachkräfte
GRÜNEN]: Das stimmt so nicht!) derart hoch ist? Da ein Jahreseinkommen in Höhe von
mindestens 66 000 Euro notwendig ist, sind im Jahr
Auch Einbürgerungskurse wollen Sie nicht mehr. Sie un- 2009 gerade einmal 142 Niederlassungserlaubnisse an
terstellen Migranten, sie würden das Interesse an Inte- Hochqualifizierte erteilt worden. 142! Angesichts des-
grationskursen verlieren, weil es derzeit Wartezeiten sen erzählen Sie mir nicht, dass das ein sinnvolles Kon-
gibt. Ich betone an dieser Stelle noch einmal: Es sind zept ist!
Wartezeiten, nicht Abweisungen. Dazu hat der Kollege
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Aber 25 000
Grindel schon einiges gesagt. Ich sage Ihnen ganz klar:
mit Vorrangprüfung!)
Mir gefällt Ihr Bild von Zuwanderern nicht. Ich finde
es traurig, wie wenig Sie diesen Menschen zutrauen. Hier besteht deutlich Änderungsbedarf.
7252 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Kerstin Andreae
(A) (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) müssen auf jeden Fall beides tun. Wir werden ein Kon- (C)
zept zur umfassenden Bekämpfung des Fachkräfteman-
Diese 66 000 Euro entsprechen in keiner Weise dem
gels wie auch zum Punktesystem vorlegen.
heutigen Einstiegsgehalt deutscher Akademiker.
Aber wenn Sie immer nur etwas ankündigen, wie es
(Zuruf von der CDU/CSU: Wo liegt das?)
im Sommerloch Minister Brüderle getan und gesagt hat:
– Das ist deutlich niedriger. – Schauen Sie sich die Sta- „Das ist doch super; wir gehen auf die 40 000 Euro he-
tistiken an! 40 000 Euro sind im Schnitt das Einstiegsge- runter“, und nichts nachfolgt – ich sage Ihnen: Mit dieser
halt. Welche Einkommensgrenze sollen wir für Men- CDU werden Sie diese Maßnahmen nicht umsetzen kön-
schen setzen, die zu uns kommen wollen? Wie viel nen –, dann bleiben Sie eben bei der Ankündigung. Das
sollen die Unternehmen zahlen? Sie haben sich Statisti- ist falsch.
ken und Studien angeschaut. Aber gehen Sie doch ein-
Wir haben hier einen ganz klaren Vorschlag dazu ge-
mal in die Unternehmen! Die Unternehmen sagen Ihnen:
macht, was Sie machen sollten. Stimmen Sie dem zu!
Wir haben offene Stellen, die wir nicht besetzen können,
Das wäre richtig.
weil wir das nicht zahlen können. – Wir haben einen
Fachkräftemangel, dem wir mit kurzfristigen und mit (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
langfristigen Maßnahmen begegnen müssen. Eine davon
ist die Senkung der Einkommensschwelle. Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS- Das Wort hat nun der Kollege Stephan Mayer für die
SES 90/DIE GRÜNEN und der SPD – CDU/CSU-Fraktion.
Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Haben Sie (Beifall bei der CDU/CSU)
schon mal etwas von der Vorrangprüfung ge-
hört?)
Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU):
Es gab im Sommer einen Hoffnungsschimmer. Minis- Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolle-
ter Brüderle hat es angesprochen, Generalsekretär ginnen! Sehr geehrte Kollegen! Es ist schön, dass die in
Lindner hat es angesprochen, ebenso die IHK, die BDA Deutschland derzeit aktuell geführte Debatte über den
und der BDI – auch wenn ich jetzt ausschließlich das Fachkräftemangel auch den Bundestag erreicht hat. In-
Kapital zitiere, wenn ich das einmal so sagen darf. soweit haben die beiden Vorlagen der Grünen schon ein-
(Sevim Dağdelen [DIE LINKE]: Die Men- mal etwas Gutes. Sie haben vor allem auch deshalb et-
schen sind egal! Diese Partei interessiert nur was Gutes, weil dadurch die Möglichkeit besteht, diese
das Kapital!) vielen Fehlinterpretationen, diese mannigfachen Fehl-
(B) deutungen, die es gibt, aus der Welt zu schaffen und (D)
Auch wenn ich Ihnen, Frau Dağdelen, durchaus recht ge- – das möchte ich an der Stelle auch sagen – einem Infor-
ben will, dass wir den Braindrain auf jeden Fall diskutie- mationsdefizit, das aus meiner Sicht teilweise auch in
ren müssen, müssen Sie einsehen, dass diese offenen der Wirtschaft vorhanden ist, abzuhelfen.
Stellen nicht besetzt werden können und dass wir den
Unternehmen die Möglichkeit geben müssen, sie zu be- Es gibt unbestreitbar einen Fachkräftemangel in
setzen. Deutschland. Den kann man nicht negieren. Er ist in
manchen Branchen stark, in manchen weniger stark aus-
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Können sie geprägt. Es ist insbesondere auch zu befürchten, dass wir
doch!) einen noch stärkeren Fachkräftemangel bekommen wer-
den.
Denn Arbeit zieht auch immer Arbeit nach sich. Das ist
doch kein Kuchen, den wir auf eine Anzahl von Men- Das liegt natürlich – das ist etwas Erfreuliches – an
schen verteilen, sondern das ist ein dynamischer Prozess. der derzeitigen konjunkturellen Situation in Deutsch-
Zuwanderung heißt auch offene Gesellschaft; Zuwande- land. Die Wirtschaft in Deutschland hat sich gut erholt,
rung heißt Bereicherung der Gesellschaft und der Wirt- ist gut aus der Krise herausgekommen. Wir sind wieder
schaft. die wirtschaftliche Lokomotive in Europa. Es ist ein
schönes Zeichen, dass heute bekannt gegeben werden
(Sevim Dağdelen [DIE LINKE]: Zugunsten
konnte, dass die offizielle Arbeitslosenzahl in Deutsch-
wessen?)
land endlich wieder unter 3 Millionen liegt. Wir haben
Und Zuwanderung von Fachkräften heißt auch, neue mittlerweile so wenige Arbeitslose wie seit 1992 nicht
Arbeitsplätze zu schaffen. Das ist das, was wir Grünen mehr. Das ist den Unternehmen und den vielen fleißigen
wollen. Arbeitnehmern geschuldet, aber auch – das möchte ich
sagen – der sehr umsichtigen und weisen Politik der
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
christlich-liberalen Koalition, die diesen Aufschwung
Was ich in dieser Debatte überhaupt nicht einsehe, ist, begleitet und unterstützt hat.
wenn wir anfangen, Dinge gegeneinander auszuspielen,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
wenn beispielsweise gesagt wird: Ausländische Fach-
Rüdiger Veit [SPD]: Sie konnte ihn nicht mehr
kräfte in dieses Land zu holen, bedeutet im Um-
verhindern!)
kehrschluss, dass für deutsche Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer nichts getan wird oder im Bereich der Die Frage ist jetzt, wie wir mit diesem Fachkräfte-
Ausbildung nichts getan wird. – Das stimmt nicht. Wir mangel umgehen. Die Antwort, die manche jetzt geben:
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7253
Stephan Mayer (Altötting)
(A) „Macht die Türen auf und lasst ausländische Fachkräfte also überhaupt kein Problem. Dies muss einmal in aller (C)
hinein!“, ist aus meiner Sicht zu kurz gegriffen. Deutlichkeit gesagt werden.
(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Das ist nicht die einzige Antwort!)
Uns sollte schon zu denken geben: Es gibt immer
Wir brauchen natürlich auch die Zuwanderung aus noch 1,5 Millionen Deutsche zwischen 20 und 29, die
dem Ausland, das ist unbestreitbar. Liebe Kollegen von keinen Ausbildungsabschluss haben. Auch in diesem
den Grünen, aber auch hier sollten wir uns mit den Fak- Zusammenhang fordere ich von der Wirtschaft, noch
ten beschäftigen. Es sind im letzten Jahr – wie gesagt: mehr dafür zu sorgen, dass auch diese 1,5 Millionen
Krisenjahr 2009 – insgesamt 89 713 Arbeitsgenehmi- Mitbürger ordentlich ausgebildet werden, also einen ent-
gungen für Ausländer in Deutschland erteilt worden. sprechenden Ausbildungsabschluss machen können.
Wie viele Ablehnungen gab es? 12 258. Der Großteil (Rüdiger Veit [SPD]: Da hast du recht!)
von Anträgen, die von deutschen Unternehmen gestellt
worden sind, ungefähr 90 Prozent, ist also positiv be- Nur die singuläre Forderung zu erheben, etwas dadurch
schieden worden. In der Debatte ist auch schon darauf gegen den Fachkräftemangel zu tun, dass ein verstärkter
hingewiesen worden: Auch unter Berücksichtigung der Zuzug aus dem Ausland gestattet wird, ist aus meiner
Einkommensgrenze gibt es die Möglichkeit der Vorrang- Sicht nicht der Weisheit letzter Schluss.
prüfung. Ich möchte an dieser Stelle betonen: Die Große
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
Koalition hat mit der Verabschiedung des Arbeitsmigra-
der FDP)
tionssteuerungsgesetzes aus meiner Sicht den richtigen
Schritt getan, indem sie zum 1. Januar 2009 die Einkom- Der zweite Gesetzentwurf der Grünen beschäftigt
mensgrenze von 85 000 Euro auf 66 000 Euro gesenkt sich mit dem Thema Staatsangehörigkeit. Auch dies ist
hat. Ich halte eine weitere Senkung auf 40 000 Euro für ein wichtiges Thema. Ich bitte, auch hier zu sehen, dass
– das sage ich in aller Offenheit – ausgesprochen be- der Leitgedanke, den Sie von den Grünen verfolgen,
denklich, weil die infrage kommenden Arbeitnehmer aus meines Erachtens grundsätzlich falsch ist. Sie gehen da-
meiner Sicht keine hochqualifizierten sind. Gerade von von aus, dass dem in Deutschland unbestreitbar vorhan-
der linken Seite des Plenums wird uns immer wieder die denen Problem, dass leider Gottes zu viele Ausländer
Forderung angetragen: Führt endlich den Mindestlohn oder Menschen mit Migrationshintergrund nicht ordent-
ein! Ich möchte sagen: Unsere Seite muss in Richtung lich integriert sind, dadurch abzuhelfen ist, dass wir ih-
Wirtschaft die Forderung erheben: Liebe Wirtschaft, be- nen die deutsche Staatsangehörigkeit ausreichen. Die
zahlt die Menschen endlich ordentlich! Das ist der ent- deutsche Staatsangehörigkeit ist, wie es heute schon er-
(B) scheidende Punkt. wähnt wurde, mit Sicherheit ein Meilenstein in der Inte- (D)
grationshistorie eines Menschen. Ich sage aber auch
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. ganz deutlich: Das kann nur der letzte Meilenstein dieser
Klaus Breil [FDP]) Integrationsgeschichte sein. Die Ausreichung der deut-
BDI und BDA rufen jetzt laut: Wir brauchen Fach- schen Staatsangehörigkeit kann und darf nur der Ab-
kräfte aus dem Ausland. – Wir sollten uns schon die schluss eines erfolgreichen Integrationsprozesses sein.
Aufgabe stellen – ich bin sehr unternehmerfreundlich –, Deswegen halte ich es für vollkommen verfehlt, dass Sie
zu hinterfragen: Was ist eigentlich die Intention der in Ihrem Gesetzentwurf vorsehen, dass generell Mehr-
Wirtschaft? Der Wirtschaft geht es doch größtenteils staatlichkeit hingenommen wird, dass die Optionspflicht
– auch hier muss man differenzieren – um günstige Ar- abgeschafft wird, dass Einbürgerungstests abgeschafft
beitskräfte werden, dass über 54-Jährige dahin gehend privilegiert
werden, dass ihnen keine Sprachtests abverlangt werden.
(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: So ist es! – Dies ist meines Erachtens der vollkommen falsche Weg.
Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sie sind mit Frau Dağdelen schon einig!) Ich möchte eines zur Dämonisierung der Einbürge-
rungstests sagen: Fast 99 Prozent aller Ausländer, die
und nicht darum, hochqualifizierte Arbeitnehmer aus den Einbürgerungstest machen, schaffen ihn.
dem Ausland zu bekommen. Das ist doch der eigentliche
(Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Hintergrund dieser Forderung.
Wozu dann ein Test, wenn sie ihn alle schaf-
Es gilt, hinzuzufügen, dass es schon heute sehr aus- fen?)
differenzierte Regelungen gibt, nach denen ausländi- So schwer kann die Hürde Einbürgerungstest nun wirk-
sche Fachkräfte nach Deutschland kommen können. lich nicht sein, wenn knapp 99 Prozent all derjenigen,
Das gilt für EU-Ausländer ohnehin. Es ist schon erwähnt die ihn machen, ihn auch tatsächlich bestehen. Ich
worden: Zum 1. Mai nächsten Jahres herrscht die volle glaube, dieser Einbürgerungstest ist mit Sicherheit sach-
Freizügigkeit für die Länder, die der EU 2004 beigetre- gerecht und keine Hürde im Einbürgerungsprozess im
ten sind. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der Vor- Hinblick auf die Ausreichung der deutschen Staatsbür-
rangprüfung. Wie ich ebenfalls bereits erwähnt habe, gerschaft.
sind 60 Prozent all derjenigen, die aus dem Ausland
nach Deutschland gekommen sind, nach einer erfolgrei- Wir müssen peinlich genau darauf achten, dass die
chen Vorrangprüfung nach Deutschland gekommen. deutsche Staatsbürgerschaft ein Privileg ist, das natürlich
Diese Vorrangprüfung ist für die meisten in der Praxis auch mit entsprechenden Pflichten verbunden ist. Ich
7254 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Norbert Barthle
(A) finanzen wird Vertrauen in der Wirtschaft geschaffen, Innerhalb dieses Gesetzgebungsverfahrens haben wir (C)
und das ist die Voraussetzung für entsprechendes Wachs- an verschiedenen Punkten Korrekturen vorgenommen.
tum. – Wir wurden dort von vielen beneidet. Ich will nicht mehr alle Bestandteile referieren, sondern
nur zwei, drei Schwerpunkte herausgreifen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
neten der FDP) (Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Tabaksteuer!)
Deshalb haben wir auch diesen Entwurf eines Haus-
haltsbegleitgesetzes vorgelegt. Dieser Entwurf eines Bei der Ökosteuer und der Stromsteuer haben wir ei-
Haushaltsbegleitgesetzes ist Bestandteil einer Gesamt- nige Korrekturen vorgenommen, um zu verhindern, dass
strategie dafür, wie wir den Haushalt des Landes wieder manche Betriebe so stark betroffen werden, dass Ar-
auf starke Beine stellen. Es geht hier vor allem auch um beitsplätze gefährdet werden, sodass womöglich Stand-
strukturelle Verbesserungen. ortverlagerungen stattfinden. Das wollen wir nicht. Des-
Wenn ich mir die Vorschläge der Opposition zu die- halb haben wir die entsprechenden Sätze verringert.
sem Gesetzentwurf anschaue, von denen wir während Wir haben auch beim Elterngeld Korrekturen vorge-
des parlamentarischen Verfahrens erfahren und gehört nommen, sodass künftig auch die ALG-II-Bezieher, die
haben, dann kann ich nur sagen: Es geht Ihnen nur um zum Beispiel Minijobber sind, nach wie vor einen An-
mehr Ausgaben und mehr Einnahmen, aber nicht ums spruch auf Elterngeld haben. Auch die Aufstocker haben
Sparen. nach wie vor einen Anspruch auf Elterngeld. Ich glaube,
Ich habe einmal den Antrag der Grünen mitgebracht, das ist gerechtfertigt; denn sie tragen durch ihre berufli-
den Sie im Haushaltsausschuss eingebracht haben. Darin che Tätigkeit immerhin teilweise zu ihrem Lebensunter-
wird gefordert, alle Kürzungen, die wir im sozialen Be- halt bei und verzichten dann zugunsten eines Kindes auf
reich vorgenommen haben, wieder zurückzunehmen. diesen Zuverdienst.
(Beifall des Abg. Alexander Bonde [BÜND- Daneben haben wir das Elterngeld für die Spitzenver-
NIS 90/DIE GRÜNEN]) diener gestrichen.
Außerdem wird gefordert, das Aufkommen aus der (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Brennelementesteuer auf 3,7 Milliarden Euro zu erhö- NEN]: Das war eine große soziale Tat!)
hen, Wer 250 000 Euro und mehr als Alleinstehender oder
(Beifall des Abg. Alexander Bonde [BÜND- 500 000 Euro und mehr als gemeinsam Veranlagte ver-
NIS 90/DIE GRÜNEN]) dient, bekommt kein Elterngeld mehr. Ich glaube, damit
(B) haben wir ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt, mit (D)
die Ermäßigung bei der Strom- und Energiesteuer wie- dem wir darauf hinweisen, dass die soziale Balance die-
der zurückzunehmen, ses gesamtes Konzepts – ein Drittel der Einsparungen
(Beifall des Abg. Alexander Bonde [BÜND- durch Mehreinnahmen aus der Wirtschaft, ein Drittel
NIS 90/DIE GRÜNEN]) durch Einsparungen im eigenen Verwaltungsbereich und
ein Drittel durch Einsparungen im sozialen Bereich – ge-
Steuerbefreiungen für energieintensive Prozesse ganz zu wahrt bleibt.
beseitigen,
(Joachim Poß [SPD]: Placebo für die Strei-
(Beifall des Abg. Alexander Bonde [BÜND- chung bei den Armen!)
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Die Architektur ist gut gewählt; das ganze Gebäude
die Subventionierung der Steinkohlenförderung ganz zu steht.
beenden – sagen Sie das einmal der Landesregierung in
NRW; schöne Grüße an die dortige Landesregierung –, (Joachim Poß [SPD]: Verlogenes Placebo!)
die Lkw-Maut zu erhöhen – das muss man dem Trans- – Herr Poß, wenn das ein Placebo ist, dann war Ihre Rei-
portgewerbe sagen –, eine Kerosinsteuer und eine chensteuer auch ein Placebo. Das sollten Sie sich einmal
Vermögensabgabe einzuführen, den Spitzensteuersatz überlegen. Wenn Sie das als Placebo bezeichnen, war
anzuheben usw. usf. Ich höre also nur etwas von Mehr- Ihre Reichensteuer genau das gleiche Placebo. Das wol-
einnahmen, Mehreinnahmen, Mehreinnahmen und len Sie wahrscheinlich ernsthaft nicht behaupten.
Mehrausgaben. Von Sparen ist keine Rede.
(Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch des
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Mehr Steuern, Abg. Joachim Poß [SPD])
mehr Steuern!)
Ich will damit feststellen: Mit diesem Haushaltsbe-
Die Einzige, die in diesem Hause ernsthaft spart, ist die gleitgesetz machen wir den ersten Schritt hin zu einer
christlich-liberale Koalition. Das muss wieder einmal Konsolidierung unseres Haushaltes. Weitere werden fol-
festgestellt werden. gen. Ich setze auf dann hoffentlich konstruktive Mitar-
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- beit der Opposition und bitte um Zustimmung zu diesem
neten der FDP – Bettina Hagedorn [SPD]: Sie Gesetz.
kürzen, Sie sparen nicht! – Alexander Bonde Danke.
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer macht
denn mehr Schulden als geplant?) (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7263
(A) Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: keinen Kompass für soziale Gerechtigkeit oder auch nur (C)
Das Wort hat nun die Kollegin Bettina Hagedorn für christlichen Anstand haben.
die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Bettina Hagedorn (SPD): 2011 kürzen Sie unter dem verharmlosenden Stich-
wort „Umwandlung von Pflicht- in Ermessensleistun-
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kolle-
gen“ 2 Milliarden Euro allein bei den Arbeitslosen, vor
gen! Kollege Barthle, die Art und Weise, wie Sie sich
allen Dingen bei den Langzeitarbeitslosen. Ab 2012 kür-
hier, ich will einmal sagen: ein Stück weit selbstgefällig
zen Sie dort schon die doppelte Summe und 2013 und
für die wirklich hervorragenden Zahlen der Arbeitslosen
2014 sogar jeweils 5 Milliarden Euro. Das ist summa
gefeiert haben und dabei überhaupt nicht dazu stehen,
summarum die atemberaubende Summe von 16 Milliar-
dass das das Ergebnis der gemeinsamen Politik der Gro-
den Euro in nur vier Jahren. Da bleibt in den Jobcentern
ßen Koalition ist, ist erwähnenswert. Es ist so, dass Sie
kein Stein mehr auf dem anderen.
bei der Neuverschuldung – bei einem unterstellten Ar-
beitslosenstand von 4,6 Millionen –, die noch 2009 mit Was heißt das alles, was Sie machen, konkret? Sie
86 Milliarden Euro angenommen werden musste, nicht kürzen gnadenlos bei der Umschulung und Qualifizie-
durch Sparen auf jetzt möglicherweise 50 Milliarden rung von Langzeitarbeitslosen, das heißt auch – trotz al-
Euro herunterkommen, sondern vor allen Dingen da- ler Lippenbekenntnisse von Frau von der Leyen – zulas-
durch, dass die Konjunktur brummt. Das ist das Ergebnis ten von Alleinerziehenden und ihren Kinder und trotz
unserer gemeinsamen Arbeitsmarktpolitik, des Kurzar- aller Sonntagsreden dieser Regierung zum Thema Inte-
beitergeldes und der Konjunkturpakete. Darauf können gration zulasten von Migranten. Sie kürzen damit trotz
wir gemeinsam stolz sein. Das hat aber mit dieser neuen aller Studien und Warnungen vor dem Fachkräftemangel
Koalition nichts, aber auch gar nichts zu tun. bei Jugendlichen ohne Schulabschluss und trotz aller Er-
kenntnisse zum demografischen Wandel bei Älteren mit
(Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Dann freuen
erhöhtem Aus- und Weiterbildungsbedarf.
Sie sich doch einmal und verfallen nicht in De-
pressionen!) Diese Kürzungsorgie wird mit Sicherheit sogar die
Förderchancen von Menschen mit Behinderung treffen,
Das alles war aber am Thema vorbeigeredet; denn wir weil die astronomischen Kürzungssummen, die Sie hier
debattieren ja das Haushaltsbegleitgesetz. Darin ist das kurzfristig erreichen wollen, vor allen Dingen dort zu
sogenannte Sparpaket verpackt. In Wahrheit ist es ja ein holen sind, wo Maßnahmen aus gutem Grund zunächst
Kürzungspaket von round about 80 Milliarden Euro in einmal viel Geld kosten, damit etwas langfristig und
(B) den nächsten vier Jahren. Dieses Paket ist Etiketten- nachhaltig Gutes für Betroffene und die Gesellschaft da- (D)
schwindel pur. In Wahrheit setzen Sie von Schwarz-Gelb raus erwachsen kann.
nämlich mit Ihrer heutigen Zustimmung zum Haushalts-
begleitgesetz lediglich die Giftliste mit Kürzungen fast (Beifall bei der SPD)
ausschließlich im Bereich Arbeit und Soziales um. Sie
machen genau das kaputt, was zu den Ergebnissen auf Dieser Entwurf eines Haushaltsbegleitgesetzes ist der
dem Arbeitsmarkt geführt hat, die wir gemeinsam er- in Zahlen gegossene Beleg dafür, dass Sie von Schwarz-
reicht haben und auf die wir stolz sein können. Gelb offenbar das Ziel verfolgen, die soziale Schieflage
einerseits zulasten der benachteiligten Menschen und an-
(Beifall bei der SPD) dererseits zulasten strukturschwacher Regionen und ver-
armender Stadtstaaten in unserem Land dramatisch zu
Das, was Sie im Gegenzug angeblich bei den Unter- verstärken.
nehmen und den Besserverdienenden einsammeln, sind
Luftbuchungen. Das hat bestenfalls einen Placeboeffekt, (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
der vor allen Dingen Ihre unverhohlen umgesetzten
Klientelinteressen kaschieren soll. Sie streichen beim Übergangsgeld für Arbeitslose und
damit bei der Lebensleistung von Menschen, die lange
(Beifall bei der SPD) hart gearbeitet haben und in der Krise häufig genug völ-
lig ohne ihre Schuld arbeitslos geworden sind und jetzt
Sie verursachen mit Ihren Kürzungen von über 30 Mil- in Hartz IV zu rutschen drohen. Sie kürzen das Eltern-
liarden Euro bis 2014 einen verheerenden, irreparablen geld bei den Familien im ALG-II-Bezug, und zwar ganz
Kahlschlag nicht nur bei der Arbeits- und Sozialpolitik. überwiegend bei Alleinerziehenden. 40 Prozent aller Al-
Dieser Kahlschlag trifft gleichzeitig den vermeintlichen leinerziehenden in Deutschland leben im Arbeitslosen-
Tabubereich Bildung knallhart zulasten all jener, die er- geld-II-Bezug. Diese Menschen werden selbstverständ-
höhten Förderbedarf haben, um Chancen in einem sich lich von der Kürzung des Elterngeldes mit betroffen.
öffnenden Arbeitsmarkt mit erkennbarem Fachkräfte-
mangel erfolgreich zu ergreifen. (Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Das nennt die Re-
gierung christlich-liberale Familienpolitik!)
Ihr vermeintliches Sparpaket ist in Wahrheit eine
volkswirtschaftlich unsinnige Kürzungsorgie, bei der Der Heizkostenzuschuss trifft gerade Familien und
nicht gespart wird, sondern Lasten in die Zukunft ver- Rentner. Er trifft ungefähr 800 000 Wohngeldempfän-
schoben werden, und bei der Menschen die Chancen ge- gerhaushalte in Deutschland mit einem durchschnittli-
nommen werden. Sie beweisen einmal mehr, dass Sie chen Einkommen von 800 Euro. Da kürzen Sie.
7264 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Bettina Hagedorn
(A) Die SPD hat Anträge vorgelegt, in denen sie fordert, ren davonkommen wie Bayern, werden in den nächsten (C)
all diese Kürzungen im sozialen Bereich rückgängig zu vier Jahren viel Geld durch das Paket verlieren. Für Bay-
machen. Sie haben das abgelehnt. Wir werden heute ern sind es 2,4 Milliarden Euro, für Baden-Württemberg
Abend im Haushaltsausschuss die Anträge zum Haushalt 2,2 Milliarden Euro, für Hessen 1,5 Milliarden Euro, für
erneut vorlegen. Wir wollen Kürzungen in Höhe von Niedersachsen 2,27 Milliarden Euro, für Nordrhein-
4 Millionen Euro rückgängig machen. Behaupten Sie Westfalen 5,6 Milliarden Euro, für Sachsen 1,8 Milliar-
nichts Falsches: Wir werden das sauber und solide ge- den Euro und für Mecklenburg-Vorpommern und
genfinanzieren. Denn selbstverständlich wollen auch wir Schleswig-Holstein 850 Millionen Euro in vier Jahren.
die Schuldenbremse einhalten und aus Verantwortung
gegenüber den nächsten Generationen nicht mehr Geld Das alles beschließen Sie mit Ihrem Sparpaket und
ausgeben. Ihrem Haushaltsbegleitgesetz. Damit verschärfen Sie die
soziale Ungerechtigkeit auch regional und bei den Men-
Die Frage ist allerdings nicht, ob gespart wird – denn schen. Das ist unverantwortlich.
wir sind uns darin einig, dass gespart werden muss –,
(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Sagen Sie es
sondern wie, wo und zu wessen Lasten.
laut! Sie sind gegen Sparen!)
(Beifall bei der SPD – Dr. Michael Meister
Was Sie machen, ist keine zukunftsfähige Politik. Sie
[CDU/CSU]: Eben nicht! Sie haben es doch
werden damit Ihrer Verantwortung nicht gerecht.
eben alles bestritten! Überlegen Sie sich doch
selber Ihre eigenen Reden!) (Beifall bei der SPD)
Herr Barthle, Sie haben gesagt, der erste wichtige
Punkt sei die Betrachtung der Realität. Ich habe Ihnen Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
eine Karte mitgebracht, die Sie kennen. Sie war Gegen- Nächster Redner ist der Kollege Otto Fricke für die
stand der Anhörung des Haushaltsausschusses zum FDP-Fraktion.
Haushaltsbegleitgesetz. Diese Karte macht farblich deut- (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
lich, wie die sozialen Kürzungen, die Sie mit dem Haus- der CDU/CSU)
haltsbegleitgesetz beschließen wollen, regional wirken.
Alles, was auf der Karte gelb ist – das sind in erster Linie
Baden-Württemberg und Bayern –, sind die Regionen, Otto Fricke (FDP):
die fast gar nicht betroffen sein werden. Der dunkelrote Geschätzte Frau Vizepräsidentin! Meine lieben Kolle-
Teil zeigt, dass Sie nur vier Wochen nach dem 20. Jah- ginnen und Kollegen! Keiner spart mit heißem Herzen.
restag der deutschen Einheit eine unsichtbare Mauer der Keiner macht das gerne.
(B) sozialen Kälte neu errichten. Das ist genau zu sehen. (D)
(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Aber auch im Norden und Westen gibt es struktur- NEN]: Sie kürzen mit kaltem Herzen; das ist
schwache Bereiche, wo sich das Paket regional verhee- wahr! – Klaus Brandner [SPD]: Sie kürzen!
rend auswirken wird. Sie sparen nicht!)
(Beifall bei der SPD) Aber wer vernünftig ist, spart zur rechten Zeit und sorgt
in guten Zeiten für schlechte Zeiten vor.
Ich will Ihnen sagen, wie ungerecht das Paket regional
wirkt. Mecklenburg-Vorpommern wird mit 82 Euro pro (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
Einwohner doppelt so stark wie der Durchschnitt belas- der CDU/CSU)
tet. In Bayern sind es nur 21,88 Euro pro Einwohner. Die Das ist das, was diese Koalition mit dem Haushaltsbe-
Stadtstaaten sind Verlierer. Betroffen ist vor allem Berlin gleitgesetz in einem ersten Schritt umsetzt.
mit knapp 100 Euro pro Einwohner. Aber auch Bremen
und Hamburg müssen richtig bluten. (Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Sie nimmt es
den Armen weg!)
In Eichstätt in Bayern betragen die Kürzungen nur
1,77 Euro pro Einwohner. In der Uckermark bzw. in Mit dem Haushalt wird der zweite Schritt folgen. Sie
Brandenburg sind es 105 Euro. werden sehen, dass sich all Ihre Vorwürfe und all Ihr Re-
den über Luftbuchungen nicht bewahrheiten, sondern
Die Toppverlierer sind, regional betrachtet, Berlin, dass dieser Haushalt das einhält, wozu uns die Schulden-
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Branden- bremse in Bund, Ländern und Kommunen verpflichtet,
burg, Sachsen, Bremen und Thüringen mit massiven nämlich zum vernünftigen Sparen. Unser Sparen ist
Kürzungen. nichts Negatives; denn es ist ausgeglichen.
(Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist es gerade
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
nicht!)
Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss.
Wir sparen auf allen Ebenen. Der linken Seite dieses
Bettina Hagedorn (SPD):
Hauses fällt es schwer, das in der Realität anzunehmen.
Ich komme zum Schluss. – Aber auch diejenigen (Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Richtig! Uns
– mein Kollege Carsten Schneider wird mir sicherlich fällt es schwer, den Armen zu nehmen und den
nachsehen, dass ich das noch sage –, die fast ungescho- Reichen zu geben, der FDP nicht!)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7265
Otto Fricke
(A) Ich sage den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder: (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- (C)
Wer Ihnen vonseiten der Politik weismachen will, man NEN]: Das ist der Gesundheitskomplex, den
könne sparen, ohne Dinge zu tun, die wehtun, sollte sich Sie abschaffen wollten!)
fragen, ob es ihm persönlich möglich ist, zu sparen, ohne
dass etwas Unangenehmes passiert. Wenn sich das Gehirn irgendwann im Bauch befindet
und man es verdaut hat, dann bleibt von Ihrer Argumen-
(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Die tation nichts mehr übrig.
Frage ist: Wem tut es weh?)
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Niemand nimmt gerne in einer sozialen Marktwirt- Wie begründen Sie, dass unsere Politik unsozial ist,
schaft Veränderungen und Klarstellungen im sozialen angesichts der Tatsache, dass das Sparpaket 2 Milliarden
Bereich vor. Euro zusätzlich für die GKV – nicht für die privaten
(Bettina Hagedorn [SPD]: Bei uns Abgeordne- Krankenkassen – im Vergleich zu dem, was Sie be-
ten sparen Sie keinen Cent!) schlossen haben, vorsieht?
Der Vorwurf, es handele sich um ein unsoziales Haus- (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
haltsbegleitgesetz und Lobbyismus, ist schlichtweg NEN]: Ihre Kopfpauschale! Was ist eigentlich
von dem „mehr netto“ von Herrn Rösler ge-
(Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Richtig!) blieben?)
die alte Leier, die Sie seit einem Jahr anstimmen. Sie Wie begründen Sie, dass wir unsozial sind, angesichts
verneigen sich immer nur vor Ihren eigenen Worten, an- der Tatsache, dass wir – daraufhin hat der Kollege
statt auf die Zahlen zu achten. Frau Kollegin Hagedorn, Barthle schon hingewiesen – Aufstockern und 400-Euro-
bei den Fragen, wohin die Reise in diesem Land geht Jobbern weiterhin Elterngeld gewähren?
und was Spaltung ist, kommt es darauf an – das ist ein (Bettina Hagedorn [SPD]: Wow!)
wesentlicher Punkt –, dass Arbeitslosigkeit abgebaut
wird. Das findet doch statt. Daher sollte man nicht versu- – Genau, wow! Das ist komisch, nicht wahr? – Frau Kol-
chen, anhand von Schaubildern zu zeigen, dass wir wei- legin Hagedorn, Sie haben eben die Alleinerziehenden
ter spalten wollen. Es ist unsere Aufgabe als Abgeord- angesprochen. Wem helfen wir besonders? Den Allein-
nete dieses Bundestages, dafür zu sorgen, dass es diesem erziehenden! Sie sagen zuerst, dass das, was wir ma-
Land insgesamt besser geht. Man muss feststellen, dass chen, schrecklich sei, und dann – darin besteht der Wi-
sich die Bundesrepublik Deutschland an der Spitze des derspruch –, wenn wir es machen, dass das nicht so
Wachstums befindet. Wenn Ihre Argumentation stimmig wichtig sei.
(B) wäre, wir machten alles schlecht, dann hieße das, dass es (D)
in Deutschland ein Wachstum von 6 Prozent ohne diese (Bettina Hagedorn [SPD]: 40 Prozent aller Al-
Koalition gäbe. Das glaubt Ihnen doch keiner. leinerziehenden sind im Arbeitslosengeld-II-
Bereich!)
(Bettina Hagedorn [SPD]: Das behauptet auch
Für uns ist jede Unterstützung, die wir geben können,
keiner!)
wichtig. Für uns ist aber auch jede einzelne Million – wir
Das jetzige Wachstum ist ein Verdienst aller Deutschen: fangen nicht erst im dreistelligen Millionenbereich an –,
der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, aber auch dieser die wir einsparen können, wichtig;
Koalition. In diesem Zusammenhang ist auch die An- (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
kündigung zu sehen, dass wir bereit sind, zu sparen. Das NEN]: Warum macht ihr mit dem Gesetz
gehört einfach dazu. Das sollten Sie ehrlicherweise sa- 51 Prozent mehr Schulden, als ihr vorher er-
gen. zählt habt? Jetzt haben wir das mit 350 Millio-
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – nen mehr!)
Bettina Hagedorn [SPD]: Aber wo und bei denn das befähigt uns, den Generationenvertrag und die
wem und zu wessen Lasten?) Verfassung einzuhalten, die uns zum Sparen verpflichtet.
Was wir machen, ist sozial. Schauen Sie sich nur die (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
Sozialquote an! Ich frage die Bürgerinnen und Bürger der CDU/CSU)
immer wieder: Wie viel Prozent des Bundeshaushaltes
gibt dieser Staat in den nächsten Jahren für Soziales aus? Als es dann dazu kam, dass Sie Ihre Alternativen darstel-
Gibt er prozentual gesehen für Soziales mehr oder weni- len sollten, sind Sie – wie immer – kein einziges Mal
ger als unter Rot-Grün aus? konkret geworden, weil Sie genau wissen, dass Sie das
nicht bringen können, weil Sie genau wissen, dass Ihre
(Bettina Hagedorn [SPD]: Da ist die Rente Alternative die Alternative ist, die Sie uns in NRW zei-
drin!) gen, nämlich die Verschuldung zu erhöhen, oder weil die
andere Alternative wäre, die Steuern anzuheben. Etwas
Da Schwarz-Gelb prozentual gesehen mehr ausgibt als
anderes gelingt Ihnen nicht.
Rot-Grün, sollte man den Vorwurf des Unsozialen
hintenanstellen, auf die Zahlen schauen und bei diesen (Beifall bei der FDP – Christian Lange [Back-
bleiben und nicht auf irgendein Bauchgefühl vertrauen. nang] [SPD]: Schwarz-gelbe Schulden beseiti-
Das ist ganz gefährlich. gen!)
7266 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Otto Fricke
(A) Diese Koalition spart in der Zeit, damit wir in der Not Stichwort soziale Spaltung: Der Beitrag zur Renten- (C)
etwas haben. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass die Wahr- versicherung bei Hartz-IV-Empfängern soll wegfallen.
scheinlichkeit, dass es diesem Land schlechter geht, im- Das ist nicht nur eine weitere vorprogrammierte Alters-
mer geringer wird. Machen Sie doch einfach mit, und armut, das ist, wenn man es sich genau anschaut,
gehen Sie nicht nur nach Ihrem Bauch, sondern gehen
Sie nach Zahlen und dem Verstand. – Herzlichen Dank. (Norbert Barthle [CDU/CSU]: 2 Euro Renten-
ansprüche!)
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU –
Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist eine Unter- auch ein Betrag, der in der Rentenkasse bei allen Ren-
stellung!) tenbezieherinnen und Rentenbeziehern fehlen wird.
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Das ist der
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: Punkt!)
Für die Fraktion die Linke spricht nun der Kollege
Roland Claus. Das Elterngeld bei Hartz-IV-Empfängern soll wegfal-
len. Nun trifft Sie die Kritik und man könnte denken, die
(Beifall bei der LINKEN) Koalition neige zu großen kreativen Änderungen vor
dem Hintergrund dieser Kritik. Aber was macht
Roland Claus (DIE LINKE): Schwarz-Gelb? Schwarz-Gelb vollzieht die Flucht in
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und den maximal möglichen Populismus, indem Sie sagen:
Herren! Weil nicht selbstverständlich verständlich sein „Kein Elterngeld für Superreiche!“, und das gewisser-
kann, was ein Haushaltsbegleitgesetz denn so ist, zu- maßen als ausgleichende Gerechtigkeit darstellen. Fakt
nächst die Antwort auf die Frage: Was steht da drin? Es ist doch, mit dem Vorschlag erreichen Sie etwa 1 000 su-
handelt sich um ein Gesetz, in dem die Balance von Ein- perreiche Paare, und auf der anderen Seite werden über
nahmen und Ausgaben des Bundes geregelt wird, also 130 000 mit einer Einkommensminderung in Höhe eines
Einnahmen als Steuern und Abgaben, Ausgaben als So- Viertels bedacht. Das ist zynisch, das ist Rosstäuscherei,
zialleistungen, Zinsen, Verwaltung und Investitionen. erst recht vor dem Hintergrund dieser 5-Euro-Hartz-IV-
Oder wenn man es einmal ganz einfach und verständlich Erhöhung.
sagen möchte – für unsere Zuschauerinnen und Zu-
schauer –: Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein neues (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeord-
Auto kaufen. Dann haben Sie mit zwei Fragen zu tun. neten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
Sie überlegen sich: Wo kann ich sparen, und bei welcher GRÜNEN)
Tante kann ich noch etwas abfassen? Auf diese Weise Ich sage Ihnen einmal eines: Wenn mir vor zwei Wo- (D)
(B) habe ich Sie in die Geheimnisse von Haushaltsbegleitge-
chen ein Kabarettist im Fernsehen mit dieser Idee ge-
setzen eingeführt. kommen wäre, ich hätte zu dem gesagt: Auf so viel
Nun kann man die gestellten Fragen gut oder schlecht Quatsch wird auch Schwarz-Gelb nicht kommen.
beantworten. Das Haushaltsbegleitgesetz, das uns hier (Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN)
vorliegt, gibt die denkbar schlechtesten und untauglichs-
ten Antworten auf diese einfachen Fragen. Deshalb kann Ich muss sagen, ich hätte mich getäuscht, Sie sind auf so
es nicht unsere Zustimmung finden. viel Quatsch gekommen. Satire ist in diesem Land wirk-
(Beifall bei der LINKEN) lich schwer.
Dieses Gesetz vertieft die soziale Spaltung der Gesell- Im 20. Jahr der deutschen Einheit sagen Sie den Ost-
schaft, es missachtet die Situation im Osten und in struk- deutschen: Ihr seid für das Tragen der Lasten durch die
turschwachen Regionen, und es entmündigt die Kommu- Finanzwirtschaftskrise zuständig. Es ist schon gesagt
nen. Es ist auch in vielen weiteren Punkten, auf die ich worden, etwa die Hälfte der Lasten trägt Ostdeutschland
gar nicht im Einzelnen eingehen möchte, gründlich und tragen die von sozialen Problemen betroffenen
missraten. Städte und Regionen. Aus den angesagten blühenden
Landschaften machen Sie zahlende Landschaften. Da
Nun hat Bundesminister Schäuble dieses Gesetz im- hat die Genossin Hagedorn von der SPD mit ihrer Kritik
mer mit der Begrifflichkeit eingeführt, die Bundesregie- vollkommen recht. Ich muss Sie nur daran erinnern: Die
rung hätte mit diesem Gesetz einen Wendepunkt hin zur Menschen in diesen Regionen und insbesondere im Os-
Haushaltskonsolidierung eingeleitet. Wenn Sie es nicht ten haben nicht vergessen, wer die Agenda 2010 einst
ganz so dicke gemacht hätten, wäre unsere Kritik jetzt auf den Weg gebracht hat.
nicht so scharf. Aber wenn man einmal zusammenrech-
net, was Sie in dieser Legislaturperiode an Neuverschul- (Beifall bei der LINKEN)
dung zusammenbringen, dann werden es – auch wenn
Sie noch so optimistisch rechnen – über 200 Milliarden Sie zerstören mit dieser Politik auch mutige und krea-
Euro Neuverschuldung sein. Das ist keine Wende zum tive Ansätze sowie die Suche nach neuen Entwicklungs-
Besseren, das ist eine Rolle rückwärts und vor allen Din- pfaden, die es in den neuen Ländern gibt. Wir haben
gen eine Irreführung der Öffentlichkeit, die wir nicht heute den ganzen Tag über die Einführung erneuerbarer
mitmachen. Energien gesprochen. Wir wollen, dass der Osten end-
lich als Chance begriffen wird, diese Republik zum Bes-
(Beifall bei der LINKEN) seren zu verändern, und zwar in allen ihren Teilen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7267
Roland Claus
(A) Sie zerstören das kommunale Gemeinwesen. Sie Schauen wir uns einmal an, womit Sie gestartet sind. (C)
brauchen sich nur die Stellungnahme des Bundesrates Sie sind mit einem Sparpaket gestartet, durch das soziale
anzuschauen: Ihnen wird zu Recht vorgeworfen, Lasten und ökologische Gerechtigkeit abgebaut wurde, durch
nach unten zu verteilen, ohne für einen finanziellen Aus- das Belastungen einseitig auf die sozial Schwachen ge-
gleich zu sorgen. Angesichts dessen ist es so interessant, schoben wurden. Das ist Ihr Ausgangspunkt, Ihr Sparpa-
dass der Widerstand gegen Ihre Haushaltspolitik inzwi- ket. Jetzt schauen wir uns einmal an, was aus den restli-
schen ein Widerstand ist, der nicht zuerst betriebswirt- chen Teilen, bei denen es um die Verteilung von Lasten
schaftliche Aspekte im Auge hat, der zuerst nicht haus- auf starke Schultern ging, eigentlich geworden ist. Sie
haltspolitische Kritiken äußert, sondern der ganz haben angekündigt, sich mit Trippelschrittchen der
eindeutig das benennt, was hier stattfindet: Sie zerstören Frage des Subventionsabbaus zu nähern. Die Beratungen
das gesellschaftliche Gemeinwohl. Das kann nicht hin- dieses Gesetzes haben nichts anderes gezeigt, als dass
genommen werden. sich die Koalition beim Thema Subventionsabbau vom
Acker gemacht hat.
(Beifall bei der LINKEN)
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wäre ein besseres Haushaltsbegleitgesetz möglich?
Aber ja! Genau hier wäre der Platz gewesen, um Ansätze Sie haben keinen Mumm zum Subventionsabbau. Das
für eine gerechte Lohn- und Einkommensteuerpolitik, beweisen Sie mit den Änderungen, die Sie im Gesetzge-
für eine Millionärsabgabe, für eine Finanztransaktion- bungsverfahren vorgenommen haben.
steuer zu schaffen. Das alles trauen Sie sich nicht, und Sie trauen sich nicht, ein kleines Stück an die Frage
stattdessen kommen Sie jetzt wieder mit der alten Leier des Abbaus ökologisch schädlicher Subventionen heran-
der Erhöhung der Tabaksteuer. Diese Steuer ist achtmal zugehen. Das Einzige, was noch übrig ist, ist, dass Sie
erhöht worden, und das Ergebnis ist, dass das Steuerauf- Umgehungstatbestände beseitigen, die schon immer an
kommen real nicht gestiegen, sondern gesunken ist. Ihre der Grenze zur Legalität waren.
Politik zerstört das Gemeinwesen. Sie schadet der De-
mokratie. Wir wollen eine bessere Gesellschaft und na- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
türlich auch eine bessere Regierung.
Mit Verlaub, wenn man fast Kriminelle nicht mehr sub-
(Beifall bei der LINKEN) ventioniert, dann ist das noch kein Einstieg in einen Sub-
ventionsabbau. Da müssen Sie mehr machen, als immer
Diese Regierung und vor allem die FDP versprechen nur etwas in Ihren Parteiprogrammen zu verkünden.
ein Steuersystem nach dem Prinzip „einfach, niedrig und
gerecht“. Dazu ist festzustellen: Einfach, niedrig und ge- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
(B) recht sind in diesem Lande nur die Umfragewerte der Dann schauen wir uns an, was in den anderen Teilen (D)
FDP. passiert ist: ökologischer Subventionsabbau – Fehlan-
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. zeige bei dieser Koalition. Sie haben stattdessen gesagt,
Dr. Peter Danckert [SPD]) dass Sie das jetzt mit der Tabaksteuer ausgleichen.
Schon wenn man Ihrer Rechnung da glaubt, entsteht auf
einmal eine Lücke von 350 Millionen Euro. Das ist ganz
Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt: schlicht neue Verschuldung. Diese Verschuldung resul-
Nächster Redner ist der Kollege Alexander Bonde für tiert daraus, dass Sie mit diesem Gesetz vor den Lobbys
die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. eingeknickt sind.
(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Warten Sie
Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): doch mal ab!)
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Koalition begeht heute den Tag des Lobbyisten. Wir Ich weiß übrigens nicht, Kollege Fricke, woher Ihre
haben heute Morgen erlebt, wie Sie der Atomlobby die Ansage: „Generationengerechtigkeit – auf jede Million
Geschenke nachgetragen haben. Wir werden heute noch Euro kommt es an“ kommt, die Sie hier gerade in Vertei-
erleben, wie Sie mit der Verabschiedung des Restruktu- digung eines Gesetzes abgelassen haben, mit dem Sie
rierungsgesetzes den Bankenlobbys hinterherrennen. den zukünftigen Generationen 350 Millionen Euro neue
Wir werden dabei erleben, wie die Deutsche Bank auf Schulden auf den Tisch gelegt haben.
Kosten der Genossenschaftsbanken und der Steuerzahler (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
ein Rettungssystem präsentiert bekommt. Wir erleben SES 90/DIE GRÜNEN)
hier, wie ein Gesetz, das einmal als Haushaltsbegleitge-
setz gestartet ist, als „Lobbybegleitgesetz“ ins Parlament Sie sind zu feige, wenigstens ein kleines bisschen bei
zurückkehrt. dem Subventionsabbau tatsächlich einmal durchzuhal-
ten, den Sie alle hier schon gemeinsam verkündet hatten.
(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Unsachlicher
kann Kritik nicht sein!) Da Sie gerade dabei waren, haben Sie gleich noch
schnell die Kraft-Wärme-Kopplung richtig an die Wand
Sie konkretisieren mit diesem Gesetz Ihr Sparpaket, gefahren. Das war der zweite große Schlag gegen die
mit dem Sie angetreten sind, um der großen Herausfor- Stadtwerke, den Sie heute vollzogen haben. Sie haben
derung „Einhaltung der Schuldenbremse“ wenigstens interessanterweise dort, wo es um die Schwachen in die-
am Anfang ein kleines bisschen gerecht zu werden. ser Republik geht, nichts verändert. Das heißt, Sie grei-
7268 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Alexander Bonde
(A) fen weiter in die Rücklagen der Rentenkasse, indem Sie Steuerschenkungsarien singen und Ihre neuen Ge- (C)
Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen und Arbeitslosen- schenkpakete verteilen können.
geld-II-Empfänger in die Grundsicherung im Alter
schieben. Sie billigen den Leuten weniger Rente zu und (Otto Fricke [FDP]: 2016 sind wir noch dran?
lassen die Kommunen hinterher zahlen. Haben Sie ir- Danke!)
gendetwas an dieser schreienden Ungerechtigkeit geän- – Kollege Fricke, auch ich weiß, dass Sie nicht in den
dert? Nein, das haben Sie nicht. Und das ist bezeichnend Genuss dieser 25 Milliarden Euro kommen. Sie tragen
für diese Koalition. aktiv viel dazu bei, dass die Menschen das rechtzeitig
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verhindern werden. Aber das Schlimme ist doch, dass
Sie hier dem Anspruch, dieses Instrument wirklich so-
Das zieht sich durch dieses Begleitgesetz. Jetzt kann lide anzuwenden, diesem Anspruch auf Generationenge-
man sagen, dass man von Schwarz-Gelb nichts anderes rechtigkeit überhaupt nicht gerecht werden.
erwartet hat. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Ich finde,
die richtige Schwierigkeit an dieser Stelle ist: Sie diskre- (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
ditieren auch diesen wichtigen Prozess der Einhaltung sowie bei Abgeordneten der SPD)
der Schuldenbremse, weil Sie alle wissen, dass das ein Sie legen die Axt an zentrale Fragen des Sozialstaats und
Prozess ist, den man nur hinbekommt, wenn man ihn der ökologischen Modernisierung, die Sie nicht voran-
breit abfedert und sich die Breite der Gesellschaft daran bringen.
beteiligt.
(Otto Fricke [FDP]: Mach doch mal einen
(Zuruf von der FDP: Indem man was macht?)
konkreten Vorschlag!)
Es ist das große Versagen dieser Koalition, auch tat-
sächlich in eigenen Bereichen zu vermitteln, dass auch Wir haben Ihnen ein Paket von Vorschlägen für Kür-
zungen in den Haushalten des Bundes vorgelegt. Gleich
die starken Schultern etwas tragen müssen. Man muss es
sich nur einmal ansehen: Die 1,8 Milliarden Euro, die marschieren wir hier gemeinsam weiter in die Beratun-
die Kürzung oder Streichung der Rentenbeiträge für Ar- gen des Verteidigungsetats mit Herrn zu Guttenberg. Auf
der einen Seite sagen Sie ihm, die Bundeswehrreform sei
beitslosengeld-II-Empfänger bedeutet, sind das Vierfa-
che dessen, was starke Schultern in Ihrem Sparpaket super. Gleichzeitig geben Sie ihm jetzt noch Geld in die
noch tragen. Das Vierfache dessen, was die starken Hand, damit er ein Dreivierteljahr lang munter weiter in
Rüstungsprojekte und Bauten investieren kann, die bei
Schultern und die Wirtschaft in Ihrem Sparpaket tragen,
der Schlussversion der reformierten Bundeswehr mögli-
tragen die Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfänger
cherweise überhaupt nicht mehr zum Tragen kommen.
alleine. Mehr als diese Relation braucht man Ihnen gar
(B) (D)
nicht vorzuhalten. (Otto Fricke [FDP]: Das reicht! Sagen Sie
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN doch einmal etwas!)
sowie bei Abgeordneten der SPD) – Wir haben Ihnen Kürzungen in allen möglichen ande-
Es ist schon interessant, wenn man sich dann anguckt, ren Bereichen vorgelegt, Kollege Fricke. Mit Verlaub:
wie einige Redner der Koalition hier sprechen. Wir Da können Sie jetzt viel erzählen. Sie wissen doch sel-
freuen uns alle darüber, dass die Konjunktur trotz dieser ber, dass es zum Schluss ein Mix aus zusätzlichen Ein-
Regierung im Moment gut läuft. Die Wirtschaft hat ent- nahmen, gerechten Kürzungen im Bundeshaushalt und
schieden, dieses Chaos, das Sie veranstalten, auszublen- Subventionsabbau sein muss. Stellen Sie sich nicht düm-
den und ihren Job zu machen. Das ist auch die einzige mer, als Sie sind.
Art und Weise, wie man mit so einer Regierungsbilanz, Ich glaube, Sie wissen alle, wie kurz Sie mit diesem
wie Sie sie vorlegen, produktiv umgehen kann. Wir erle- Haushaltsbegleitgesetz springen. Ich würde mich freuen,
ben aber, dass Sie sich schon wieder hierhin stellen und wenn Sie einmal in sich gingen und endlich anfingen,
in dem nachlassen, was Ihre Aufgabe ist. Sie lassen näm- den Anspruch „Konsolidierung“ wirklich ernst zu neh-
lich nach in der Aufgabe, zu beschreiben, wie man die men.
Schuldenbremse eigentlich umsetzen kann. Das, was Sie
im Haushaltsbegleitgesetz machen, ist nichts anderes als (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
zu sagen: Dort, wo es unseren einmal wehtäte, wenn sie sowie bei Abgeordneten der SPD und der LIN-
sich in einem Minischritt beteiligen, lassen wir das ein- KEN)
fach; das wird schon die aufkommende Konjunktur für
uns erledigen. Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:
Das ist übrigens auch der Grund, warum Sie bei der Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun der Kollege
Schuldenbremse trotz der Steuermehreinnahmen nicht Norbert Brackmann das Wort.
das machen, was Ihnen die Bundesbank und der Bundes-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
rechnungshof nahelegen. Es wäre richtig, den Abbau-
pfad anzupassen. Das tun Sie nicht. Sie gehen von einem
alten, überhöhten Schuldenstand aus, von dem aus Sie Norbert Brackmann (CDU/CSU):
die Schuldenbremse anwenden wollen. So wollen Sie Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
sich bis 2016 einen Puffer von 25 Milliarden Euro neuen Kollegen! Wenn man den heutigen Tag verfolgt hat, liegt
Schulden aufbauen, damit Sie jetzt wieder Ihre neuen es sicherlich nahe,
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7269
Norbert Brackmann
(A) (Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Der ist tumsfreundlich gestalten und endlich Schulden abbauen, (C)
noch nicht um!) also die Nettoneuverschuldung drastisch zurückführen.
sich gegen Abend ein bisschen Realitätsverlust zu wün- (Beifall bei der CDU/CSU)
schen und – quasi wie in einem schönen Hollywoodfilm –
ein Happy End herbeizusehnen. Das wäre doch etwas Dafür ist dieses Haushaltsbegleitgesetz ein wichtiger
Tolles. Schritt; denn mit diesem Haushaltsbegleitgesetz werden
wir rund ein Drittel des gesamten Sparpakets schon auf
(Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE den Weg gebracht haben.
GRÜNEN]: Das gibt es leider nicht! Wir ha-
ben die Laufzeitverlängerung beschlossen! – (Bettina Hagedorn [SPD]: Ja, im Sozialbe-
Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Der Tag ist reich!)
noch lange! Das kommt noch!) Ich finde es auch irreführend – damit sind wir wieder
Ich kann mir vorstellen – dieses Gefühl habe ich ein Stück weit bei Hollywood –, Herr Bonde, wenn Sie
manchmal –, dass Sie angesichts der guten Leistungen uns hier weismachen wollen,
dieser Regierung nervös werden. (Joachim Poß [SPD]: Irreführend sind Ihre
(Lachen bei der SPD) Äußerungen!)
Bei dem Abbau von Arbeitslosigkeit – wann hatten wir dass wir gerade beim Subventionsabbau und beim Ab-
das letzte Mal unter 3 Millionen Arbeitslose? –, bau ökologisch fragwürdiger Subventionen überhaupt
nichts getan hätten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
(Joachim Poß [SPD]: Sie sind ein Meister der
dem Wirtschaftsaufschwung von über 3 Prozent – wir Irreführung!)
sind die Wachstumslokomotive in Europa –, bei
15 Milliarden Euro Zinsen, die wir weniger aufwenden Deswegen will ich hier nur kurz auf zwei Themen-
müssen, und dem festen Verbraucherpreisindex kann kreise eingehen. Genau wie wir wissen Sie alle – Sie ha-
man sich doch tatsächlich wie bei einem Happy End vor- ben es auch oft genug hier im Bundestag dargestellt –,
kommen. dass bei den umweltschädlichen Subventionen, über die
wir auch regelmäßig Berichte erhalten, alleine der Luft-
(Beifall bei der CDU/CSU – Joachim Poß [SPD]: verkehr 11,5 Milliarden Euro von insgesamt 48 Milliar-
Das Happy End suchen Sie doch!) den Euro ausmacht.
(B) Aber wir wissen alle, wir leben hier nicht in Holly- Wenn wir mit diesem Haushaltsbegleitgesetz eine (D)
wood, sondern haben es mit der Realität zu tun. Diese Luftverkehrsteuer einführen, ist dies auch ein deutlicher
Realität ist eine ganz harte. Wir dürfen nicht vergessen, Hinweis darauf, dass wir einen der Geschäftszweige, die
dass wir auch diesen nächsten Bundeshaushalt wieder fi- ökologieschädliche Subventionen erhalten, weil sie an
nanzieren müssen anderen Ecken heutzutage keine Steuern bezahlen, mit
(Joachim Poß [SPD]: Mit flatternden Hosen! – Zu- zur Verantwortung ziehen. Das ist aus ordnungspoliti-
ruf der Abg. Bettina Hagedorn [SPD]) scher ebenso wie aus ökologischer Sicht dringend erfor-
derlich. Dies ist genau der richtige Anreiz und die rich-
– Frau Hagedorn, Sie wissen das doch auch –, und zwar tige Politik, die wir hier als Koalition einleiten.
mit einer Kreditaufnahme, die ein Viertel des Gesamt-
haushalts ausmacht. Herr Claus hat auch zu Recht darauf (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
hingewiesen, wie groß die Belastungen sind. Das Zweite ist der Abbau der Steuervergünstigungen
(Bettina Hagedorn [SPD]: Deshalb muss man nicht im Bereich Energie- und Stromsteuer. Drei der 20 größ-
so verteilen, wie es meine Karte zeigt!) ten Steuersubventionen mit einem Volumen von über
4 Milliarden Euro im Jahr entfallen auf Steuervergünsti-
Keiner von Ihnen weist aber darauf hin, dass diese gungen für Unternehmen des produzierenden Gewerbes
Belastungen daraus herrühren, dass die größte Wirt- und der Landwirtschaft. Diese Einnahmen fehlen uns.
schafts- und Finanzkrise, die wir seit ewigen Zeiten ge- Wir haben erkannt, dass wir auch hier deutliche Signale
habt haben, an den meisten Menschen in unserem Land setzen müssen.
glücklicherweise vorbeigegangen ist und alle negativen
Auswirkungen, die wir für die Menschen prognostiziert Sie wissen, dass wir vorhatten, im Bereich der Strom-
hatten, nicht eingetreten sind. steuer 1,3 Milliarden Euro zu sparen. Aber wir haben in
dem Diskussionsprozess erkennen müssen, dass die Ge-
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- fahr bestand, bei Gießereien, bei Zementwerken, in der
neten der FDP) Chemieindustrie und ähnlichen Branchen 870 000 Ar-
Das rechtfertigt vorübergehend die hohen Ausgaben. beitsplätze aufs Spiel zu setzen, wenn wir den Subven-
tionsabbau in der Größenordnung durchgezogen hätten,
Wenn sich unsere Politik jetzt als erfolgreich erweist oder dass metallverarbeitende Handwerksbetriebe das
und wir wieder mehr Luft haben, dann ist es nicht an der bis zu Zehnfache dessen hätten bezahlen müssen, was
Zeit, über neue Ausgabenprogramme nachzudenken. sie jetzt bezahlen. Augen und Ohren vor der Realität zu
Vielmehr müssen wir den Kurs dann weiterhin wachs- verschließen, ist nicht der richtige Weg. Den Weg, die
7270 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Norbert Brackmann
(A) Belastbarkeit unserer Wirtschaft neu zu testen, werden sagen, dass sich in dem halben Jahr, nachdem Sie ange- (C)
wir als Koalition hier in diesem Hause nicht mitgehen. fangen haben, die Welt verändert hat. Das Gegenteil ist
richtig: Trotz dieser Regierung läuft es gut. Wir sind froh
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
darüber, dass es ökonomisch gut läuft.
der FDP)
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
Statt der im Gesetzentwurf veranschlagten 1,3 Mil-
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
liarden Euro bringt aber auch der moderate Kurs immer-
hin zusätzliche Belastungen von 800 Millionen Euro für Jetzt tun Sie so, als wäre die SPD an den Schulden
diesen Bereich mit sich. Dann aber, Herr Bonde, von schuld. Das hat Herr Barthle hier zu Beginn gesagt. Es
Steuergeschenken zu sprechen, ist eine völlig irrefüh- gab aber nicht nur einen Finanzminister Peer Steinbrück,
rende Darstellung der Politik. Das kleine Einmaleins sondern es gab zur gleichen Zeit auch eine Bundeskanz-
sollte jeder beherrschen. Man darf den Bürgerinnen und lerin von der CDU, die Angela Merkel hieß.
Bürgern mit einer Ausdruckweise wie „Keine Belastung
(Otto Fricke [FDP]: Sie heißt noch immer so!)
energieintensiver Unternehmen“ keinen Sand in die Au-
gen streuen. Solche Vorwürfe sind unseriös und einfach – Ja, sie heißt noch immer so.
falsch. Wir als Koalition hingegen machen eine Politik
für mehrere Hunderttausend Beschäftigte in Klein-, Mit- (Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Das ist eine
tel- und Großbetrieben und nicht für eine einzelne Bran- gute Frau!)
che. Deswegen ist dieses Haushaltsbegleitgesetz genau Wir haben eine deutlich bessere Lage; das ist vollkom-
der richtige Weg. men klar.
Danke schön. Aber geben Sie irgendeine Antwort auf die Frage, wie
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- wir die hohen Schulden, die wir aufnehmen, zurückzah-
neten der FDP) len? Sie wollen in dieser Legislaturperiode über
200 Milliarden Euro Kredite aufnehmen. Das hat es vor-
her noch nicht gegeben. Die FDP hat noch davon ge-
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: träumt, die Steuern zu senken. Aber davon hat sie sich
Das Wort hat der Kollege Carsten Schneider für die mit der Zeit verabschiedet und ist jetzt in der Realität an-
SPD-Fraktion. gekommen. Was ist die Realität? Was machen Sie? Sie
(Beifall bei der SPD) erhöhen die Steuern, die Tabaksteuer gleich fünfmal.
(Otto Fricke [FDP]: Bist du dagegen?)
Carsten Schneider (Erfurt) (SPD):
(B) Das stand nicht in Ihrem Wahlprogramm; da stand etwas (D)
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
anderes.
Heute erleben wir sicherlich einen maßgeblichen Tag.
Jetzt, zu später Stunde, führen wir eine einstündige De- (Otto Fricke [FDP]: Bist du dagegen? Sag
batte über die größten Sozialkürzungen, doch mal deine Meinung!)
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Wann hören Sie Wir haben im Bereich einer ökologischen Steuerre-
denn auf zu arbeiten?) form eine andere Auffassung, was die Belastung der Be-
triebe betrifft. Ein Großteil der Einsparungen, die jetzt
die dieses Land je erlebt hat, was von der Koalition mit
überhaupt noch erbracht werden, ergibt sich aus der Ab-
Alternativlosigkeit begründet wird.
schaffung des Contracting – eines Betruges –, aber nicht
(Zuruf von der FPD: Die höchsten Sozialaus- aus einer tatsächlichen Verbesserung bei den Einnah-
gaben!) men. Die Einnahmen holen Sie sich bei den Verbrau-
chern, indem Sie die Steuern erhöhen.
– Die höchsten Sozialausgaben, höre ich gerade von der
FDP. Dazu kann ich nur sagen: Ihre Antwort auf die Fi- Das zieht sich durch Ihre gesamte Politik, von der
nanz- und Staatsfinanzierungskrise – die hohen Defizite, Luftverkehrsabgabe, die auch eine Steuer ist, bis zur
die es in allen europäischen Ländern gibt, wurden von Kernbrennstoffsteuer, die zu gering etatisiert ist, aber in
der spekulativen Finanzindustrie verursacht, die in vie- Ihrer Finanzplanung, Herr Schäuble, mit einem Betrag
len Jahren enorme Gewinne gemacht hat – ist die Kür- von 2,3 Milliarden Euro beziffert wird. Die Anhörung
zung einzig im Sozialbereich, weil Sie der Auffassung hat aber ergeben, dass Einnahmen in Höhe von maximal
sind, dass dieser zu groß ist. Das haben Sie soeben hier 1,7 Milliarden Euro zu erwarten sind.
bestätigt.
Ich addiere diese Punkte und stelle die Frage: Reicht
(Beifall bei der SPD) die Finanzplanung, die Sie uns vorlegen, eigentlich aus?
Sie sagen, es handle sich um ein sehr ambitioniertes Pro-
Dazu muss ich sagen, dass wir ein anderes Weltbild ha-
gramm und Sie wollten ganz schnell herunter von den
ben.
Schulden.
Wir haben jetzt ein Jahr Schwarz-Gelb hinter uns.
(Otto Fricke [FDP]: Sie nicht?)
Nach einem Jahr sieht man, dass Sie ein halbes Jahr
nichts gemacht haben. Sie sagen immer, der Auf- Nur belasten Sie diejenigen, die sich etwas leisten kön-
schwung wäre Ihrer. Aber ein halbes Jahr haben Sie erst nen, überhaupt nicht; sie kommen bei Ihnen nicht vor.
einmal nichts gemacht. Sie wollen doch nicht ernsthaft Wer in diesem Land Geld hat, wer einigermaßen ver-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7271
Carsten Schneider (Erfurt)
(A) dient, trägt keine Lasten und geht aus der Krise reicher 25 Milliarden Euro errechnet – als erwartet. Das bedeu- (C)
hervor, als er vorher war. tet: Sie nehmen diesen zusätzlichen Puffer, um die Steu-
ergeschenke, die Sie jetzt nicht durchsetzen können, am
(Beifall bei der SPD) Ende der Legislaturperiode zu verteilen. Das heißt, der
Das ganze System ist löcherig. Ihnen fehlt das Geld Betrug, den Sie schon im Jahr 2009 angekündigt, aber
aus der Kernbrennstoffsteuer, weil Sie einen Deal mit jetzt noch nicht umgesetzt haben, wird 2013 kommen.
der Atomlobby gemacht haben und sich letztendlich den (Beifall bei der SPD sowie des Abg.
Steuersatz haben diktieren lassen, anstatt eigenständig zu Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
entscheiden. Ihnen fehlen aufgrund Ihrer Entscheidun- NEN])
gen 350 Millionen Euro bei der Ökosteuer; Kollege
Bonde hat darauf hingewiesen. Ihnen fehlen aufgrund Das ist insbesondere vor dem Hintergrund der euro-
der Beschlüsse zum Jahressteuergesetz, das heute noch päischen Situation, auch an den Finanzmärkten, wichtig.
zu verabschieden ist, weitere 250 Millionen Euro. Der
(Zuruf des Abg. Otto Fricke [FDP])
Finanzminister hat vorhin im Haushaltsausschuss ange-
kündigt, wegen der anstehenden Steuervereinfachung – Herr Kollege Fricke, ich habe noch 30 Sekunden Re-
den Ländern zusätzlich eine Kompensation in Höhe von dezeit. Sie können eine Frage stellen; dann erkläre ich es
500 Millionen Euro zu zahlen. Ihnen genau. –
Wenn man die Beträge summiert, dann erkennt man: Uns liegen Stellungnahmen des Bundesrechnungs-
Es besteht eine Lücke von 1,6 Milliarden Euro. Ich habe hofs und der Bundesbank, der wirklich unabhängigsten
noch nicht gehört, wie Sie diesen Betrag eigentlich de- Institutionen im Bereich der Finanzen in Deutschland,
cken wollen. Da frage ich mich natürlich: Was haben Sie vor. Die sagen Ihnen klipp und klar: Schummeln Sie hier
vor? Mir schwant Böses. Wahrscheinlich werden Sie, nicht, tricksen Sie hier nicht, sondern nutzen Sie die
weil Sie an die Reichen in diesem Land nicht herange- Mehreinnahmen, die wir aufgrund der guten Konjunktur
hen – das kriegen Sie mit Ihrem Koalitionspartner FDP haben, tatsächlich zum Abbau der Neuverschuldung. –
nicht hin – und Sie es auch nicht hinbekommen, eine Fi- Ansonsten sind Sie als Tiger gestartet und als Bettvorle-
nanztransaktionsteuer einzuführen – Sie verhandeln da- ger gelandet. Der Finanzminister würde weiter gerupft,
rüber in Brüssel nicht so ernsthaft wie über andere wie er in den Verhandlungen von der Atomlobby und der
Punkte –, Industrie schon gerupft wurde.
(Joachim Poß [SPD]: Die wollen das ja nicht!) (Bettina Hagedorn [SPD]: Und Pharma!)
den Kurs des Abbaus der Neuverschuldung nicht so ent- Vielen Dank.
(B) schieden verfolgen, wie es aufgrund der besseren Kon- (D)
(Beifall bei der SPD)
junktur, der steigenden Steuereinnahmen und der niedri-
geren Arbeitsmarktausgaben möglich wäre. Das ist
meine Prophezeiung. Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Das Wort hat der Kollege Florian Toncar für die FDP-
(Beifall bei der SPD – Otto Fricke [FDP]: Fraktion.
Keine eigenen Konzepte!)
(Beifall bei der FDP)
Sie schützen Ihre Lobby. Sie ziehen den Kurs der
Konsolidierung nicht wirklich durch. Ich komme zum
Florian Toncar (FDP):
entscheidenden Punkt: Sie kündigen groß an, ein großes
Paket auf den Weg zu bringen; aber Sie bleiben in den Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und
nächsten drei Jahren wahrscheinlich vollkommen hinter Herren! Ich will daran erinnern, dass Deutschland im
dem zurück, was aufgrund der verbesserten konjunktu- letzten Frühling, als das Konsolidierungspaket vorgelegt
rellen Lage möglich wäre. worden ist, zu den ersten Ländern überhaupt gehört hat,
die ein Spar- und Konsolidierungspaket für den Haushalt
Ich fühle mich bestätigt, insbesondere wenn ich mir vorgelegt haben.
die Schuldenbremse anschaue. Da muss ich ein bisschen
(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der
technisch werden: Wir haben hier im Bundestag einen
CDU/CSU)
Abbau der Neuverschuldung in gleichmäßigen Schritten
beschlossen. Das war großer Konsens. Der Ausgangs- Wenn man die Wortbeiträge heute verfolgt hat, dann
punkt, der dafür gewählt wurde, ist das Defizit des erkennt man: Nur mit dieser Regierung gibt es ein Spar-
Jahres 2010. Jetzt haben wir aber ein viel geringeres De- und Konsolidierungspaket. Sparen und Haushaltskonso-
fizit im Jahr 2010 – das ist schon jetzt erkennbar –, als es lidierung sind von der Opposition offenkundig nicht ge-
bei Aufstellung der mittelfristigen Finanzplanung im wünscht.
Juni zu erwarten war.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
(Otto Fricke [FDP]: Du bist mit deiner Rede- der CDU/CSU – Bettina Hagedorn [SPD]: So
zeit am Ende!) ein Paket mit Sicherheit nicht, Herr Toncar!)
Nach meinen Berechnungen wird das Defizit bis Am 26. und 27. Juni 2010 fand in Toronto der G-20-
2016, bis zum Ende der mittelfristigen Finanzplanung, Gipfel statt. Im Vorfeld dieses Gipfels haben viele Part-
30 Milliarden Euro geringer sein – Kollege Bonde hat nerländer unsere Bundesregierung gefragt: Warum spart
7272 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Florian Toncar
(A) ihr eigentlich? Ist der Zeitpunkt richtig? Ist das Volumen Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: (C)
richtig? Sollte man überhaupt so viel sparen? Wir haben Herr Toncar, möchten Sie eine Zwischenfrage des
unsere Überzeugungen dort vertreten. Dieser Gipfel en- Kollegen Poß zulassen?
dete damit, dass sich alle G-20-Länder verpflichtet ha-
ben, zu sparen und ihre Haushalte Schritt für Schritt zu (Otto Fricke [FDP]: Der kommt aus Nord-
konsolidieren. Insofern waren wir in Deutschland gut rhein-Westfalen!)
aufgestellt und unserer Zeit ein Stück voraus.
Florian Toncar (FDP):
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten Bitte schön.
der CDU/CSU)
Wir sparen, Joachim Poß (SPD):
(Klaus Brandner [SPD]: Kürzen!) Herr Kollege Toncar, können Sie bestätigen, dass von
der steuerlichen Entlastung von gut 20 Milliarden Euro,
aber gleichzeitig gibt diese Regierung einen Rekordbe- von der Sie sprachen – auch Ihr Parteivorsitzender
trag für Bildung aus. In den nächsten vier Jahren werden Westerwelle sprach in einem heute in der Bild-Zeitung
über 12 Milliarden Euro zusätzlich für Bildung ausgege- abgedruckten Interview davon –, rund 14 Milliarden
ben. Das heißt, dass nicht ohne Schwerpunktsetzung ge- Euro von der Großen Koalition beschlossen wurden, und
spart und konsolidiert wird. Durch höhere Ausgaben im zwar im Zusammenhang mit dem Bürgerentlastungsge-
Bereich der Bildung sorgen wir für bessere Zukunft- setz und den Konjunkturpaketen?
schancen der jungen Menschen.
(Otto Fricke [FDP]: Darum geht es doch gar
(Beifall bei der FDP – Klaus Brandner [SPD]: nicht!)
Stimmt doch gar nicht! – Bettina Hagedorn
Diese Entlastung wurde zum 1. Januar dieses Jahres um-
[SPD]: Da nehmen Sie aber weite Bereiche
gesetzt.
aus!)
(Otto Fricke [FDP]: Ihr seid also für Steuer-
In diesem Jahr erlebten wir noch etwas anderes Be- senkungen?)
merkenswertes. Zum 1. Januar dieses Jahres sind die
Steuerzahler in Deutschland um mehr als 20 Milliarden Sehen Sie es nicht als Täuschung der Öffentlichkeit an,
Euro entlastet worden. wenn Sie den Eindruck erwecken, Sie hätten diese Ent-
lastung unter Schwarz-Gelb herbeigeführt? Das war im
(Joachim Poß [SPD]: Ja! 14 Milliarden von Wesentlichen das Werk der Großen Koalition, und der
(B) der Großen Koalition beschlossen!) Antreiber waren die Sozialdemokraten. (D)
– Ja, Herr Kollege Poß, aber Sie haben auch gegen Steu- (Beifall bei der SPD – Lachen bei Abgeordne-
erentlastungen gestimmt, zum Beispiel, als es um die Fa- ten der CDU/CSU – Otto Fricke [FDP]: Ihr
milien ging. Damals haben Sie gesagt: Das ist nicht zu seid für Steuersenkungen! – Gegenruf der
finanzieren. – Die Steuereinnahmen in diesem Jahr sind Abg. Bettina Hagedorn [SPD]: Und die FDP
aber wesentlich besser als erwartet. Das zeigt, dass die war dagegen!)
Gleichung „hohe Steuereinnahmen gleich hohe Staats-
einnahmen“ falsch ist. Auch das zeigt die erfreuliche
Wirtschaftsentwicklung der letzten Monate. Florian Toncar (FDP):
Lieber Kollege Poß, ich kann Ihre Frage nachvollzie-
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU) hen. Ich bestätige das, wobei ich festhalten möchte, dass
manche Ihrer Steuersenkungen in Zeiten der Großen Ko-
Neben der Entlastung der Bürger konsolidieren wir
alition nicht aus Überzeugung, sondern schlicht und ein-
auch den Haushalt: 80 Milliarden Euro in vier Jahren.
fach deshalb erfolgt sind, weil das Bundesverfassungs-
Das Gegenstück zu unserer Politik kann man in Nord-
gericht sie von Ihnen verlangt hat.
rhein-Westfalen, wo Sie regieren, sehen. Mit das Erste,
was die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf ange- (Beifall bei der FDP – Joachim Poß [SPD]:
kündigt hat, war eine Erhöhung der Neuverschuldung Das ist eine dumme Unterstellung!)
von 6,4 auf 9 Milliarden Euro.
Zweitens halte ich fest, dass Sie und Ihre Fraktion un-
(Otto Fricke [FDP]: Unglaublich!) ter anderem gegen die Erhöhung des Kindergeldes, ge-
gen die Erhöhung der Kinderfreibeträge und gegen die
Das ist eine um fast ein Drittel höhere Verschuldung. Die Entlastung von Familienunternehmen gestimmt haben.
Bundesbürger sollten sich ganz genau anschauen, was
Sie in Nordrhein-Westfalen machen; denn nicht das, was (Beifall bei der FDP – Abg. Joachim Poß
Sie sagen, zählt, sondern das, was Sie machen, und das [SPD] nimmt wieder Platz)
kann sich jeder in Nordrhein-Westfalen anschauen.
– Ich bin immer noch bei der Beantwortung Ihrer Frage.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
(Otto Fricke [FDP], an den Abg. Joachim Poß
der CDU/CSU – Alexander Bonde [BÜND-
[SPD] gewandt: Was soll denn das?)
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Das öffentlich ma-
chen, was ihr unter den Teppich gekehrt habt! Zum Dritten halte ich fest, dass das, was Sie, Herr
Eure Schulden!) Kollege Poß,
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7273
Florian Toncar
(A) (Otto Fricke [FDP], an den Abg. Joachim Poß Da Sie das offensichtlich ärgert, frage ich Sie: Wie (C)
[SPD] gewandt: Das geht doch nicht! Das ist konnten Sie es eigentlich zulassen, dass Ihre damalige
nicht fair!) Regierung Gesetze verabschiedet hat, die handwerklich
offenkundig so schlecht sind, dass sie von fast Kriminel-
immer sagen – hohe Steuern, eine hohe Belastung derje- len, wie Sie sagen, missbraucht werden können? Das ist
nigen, die ein unternehmerisches Risiko tragen, und eine eine Anklage gegen Ihre eigene Regierungszeit,
hohe Belastung derjenigen, die in unseren Betrieben ar-
beiten, bedeuten gesunde Staatsfinanzen –, schlicht und (Beifall bei der FDP)
ergreifend falsch ist. die im Übrigen zeigt, dass bei den Grünen zwischen
(Otto Fricke [FDP]: Der hört noch nicht ein- dem, was sie hier in der Opposition vortragen, und der
mal zu! Das ist unglaublich!) Realität ihres Regierens, wenn sie denn wirklich selber
Verantwortung tragen, –
Am Verlauf dieses Jahres können wir erkennen, dass
eine steuerliche Entlastung durchaus Wirtschaftswachs- Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
tum, Arbeitsplätze und Zukunftschancen schaffen kann Kommen Sie bitte zum Ende, Herr Kollege.
und sie nicht im Widerspruch zu einem gesunden Staats-
haushalt steht.
Florian Toncar (FDP):
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten – seit jeher Welten liegen. Bei niemand anderem ist
der CDU/CSU) die Kluft zwischen Gesagtem und Handeln größer als bei
Bündnis 90/Die Grünen.
Ich möchte noch auf zwei Punkte in diesem Konsoli-
dierungspaket eingehen, die auch heute angesprochen (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU –
worden sind. Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Seid ihr immer so laut bei 3 Prozent?)
Der erste ist das Thema Ökosteuer. Ich denke, dass
uns diese Krise gezeigt hat, dass eines in Deutschland
wichtig ist: Schon seit Jahrzehnten sagen wir, dass wir Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
ein Industrie- und auch ein Produktionsstandort sein Andreas Mattfeld hat das Wort für die CDU/CSU.
wollen. Wir setzen eben nicht nur auf Dienstleistungen,
sondern auch auf die produzierende Industrie. Für einen Andreas Mattfeldt (CDU/CSU):
großen Teil unserer Arbeitnehmer ist es wichtig, dass die Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten
produzierende Industrie die entsprechenden Arbeits- Damen und Herren! Ich höre den ganzen Tag, dass die
(B) plätze anbietet. Deswegen muss man, wenn man über überwältigende Mehrheit in diesem Hause für striktes (D)
Energiepreise, die die produzierende Industrie betreffen, Sparen ist. Aber immer wenn es konkret wird, werden
spricht, daran denken, dass diese nicht abwandert und von der Opposition Gründe genannt, warum gerade an
die Arbeitsplätze verloren gehen. dem einen oder anderen Punkt nicht gespart werden darf,
und dabei – das sage ich deutlich – schreckt man auch
Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass die Koali- vor populistischen Behauptungen nicht zurück.
tion eine gute Lösung gefunden hat,
(Zuruf von der CDU/CSU: So ist es!)
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Eine sehr gute!)
Den Gipfel der Unverschämtheit habe ich in einer
indem sie einerseits Missbrauch bei der Ökosteuer besei- SPD-Presseerklärung zum Haushaltsbegleitgesetz gele-
tigt und andererseits dafür sorgt, dass die produzierende sen. Schon in der Überschrift wirft man der Regierung
Industrie weiterhin in Deutschland vertreten sein kann „Soziale Kälte statt Heizkostenzuschuss“ vor
und Arbeitsplätze bereitstellt. Es ist übrigens auch ein
sehr sozialer Aspekt, dass wir Produktionsarbeitsplätze (Beifall bei der SPD – Zuruf von der CDU/
in Deutschland erhalten. CSU: Unglaublich!)
und erklärt, dass sich diejenigen, die Anspruch auf
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Wohngeld haben, die Heizung zukünftig kaum noch leis-
Wenn der Kollege Bonde sagt, dass das, was wir bei ten werden können. Solche Aussagen sind an Populis-
der Ökosteuer abschaffen, Ausnahmen seien, die nur von mus nicht mehr zu überbieten.
fast Kriminellen genutzt würden – das war Ihr Wortlaut –, (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der
(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- SPD: Das ist die Wahrheit!)
NEN]: Ich meinte die Umgehungstatbe- Deshalb einige sachliche Argumente zum Thema
stände!) Heizkostenpauschale. Richtig ist, dass der Heizkosten-
dann ist das – insofern bin ich dankbar, dass Sie das ge- zuschuss – und zwar völlig zu Recht – Anfang 2009 ein-
sagt haben, Herr Kollege Bonde – exemplarisch für Sie. geführt wurde, nachdem die Energiepreise 2008 histori-
Denn eines muss man einmal festhalten: Diese Ausnah- sche Höchstwerte erreicht haben. Äußerst flexibel – das
men sind von niemand anderem eingeführt worden als ist bei uns nicht immer so – hat die Politik so auf verän-
von der damaligen rot-grünen Bundesregierung. derte Rahmenbedingungen reagiert und Notstände ver-
hindert. Schon seinerzeit war klar, dass der Zuschuss für
(Beifall der Abg. Birgit Homburger [FDP]) Heizkosten wieder abgeschafft werden muss, wenn die
7274 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Andreas Mattfeldt
(A) Energiepreise sinken, und die Energiepreise sinken nun Als Verwaltungsratsmitglied einer Kommune, die (C)
seit Monaten. Derzeit liegen die Energiepreise wieder Hartz-IV-Empfänger in Arbeit vermittelt, erlebe ich täg-
niedriger, sodass es einfach nur folgerichtig ist, den Zu- lich, dass ein Mehr an sozialen Leistungen nicht zu einer
schuss abzuschaffen. verstärkten Motivation zur Aufnahme von Arbeit und
schon gar nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt.
(Beifall des Abg. Norbert Barthle [CDU/ Unsere Aufgabe als Bundestag ist es, die Bedingungen
CSU])
dafür zu schaffen, dass die Menschen Arbeit haben. Die
Einen weiteren Schwerpunkt des Haushaltsbegleitge- Entscheidungen der Merkel-Regierung haben dafür ge-
setzes betreffen notwendige Veränderungen beim Eltern- sorgt, dass sich die Arbeitslosenzahlen positiv entwi-
geld. Auch hier sind Sie nicht bereit, sachlich Argu- ckeln und wir im nächsten Jahr dauerhaft weniger als
mente zu bewerten, sondern werfen uns in der Presse 3 Millionen Arbeitslose haben werden.
vor, dass arme Eltern künftig noch ärmer würden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
(Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist auch so!) neten der FDP)
Dies ist einfach nur falsch und zeigt, Noch in 2005, also in Zeiten, in denen Rot-Grün
Deutschland regiert hat, gab es über 5 Millionen Arbeits-
(Beifall bei der CDU/CSU) lose; das ist noch gar nicht so lange her. Sie waren da-
dass Sie eine Verteilungspolitik ausschließlich zugunsten mals nicht in der Lage, durch eine kluge Wirtschafts-
der Empfänger von Sozialleistungen ankündigen und und Motivationspolitik die Rahmenbedingungen so zu
dass ihnen diejenigen, die diese Leistungen hart erarbei- setzen, dass die Menschen Arbeit haben. Deshalb brau-
ten, egal sind. Dies ist echte Klientelpolitik. chen wir von Ihrer Seite überhaupt keine Ratschläge zu
diesem Thema.
(Beifall bei der CDU/CSU – Bettina Hagedorn
[SPD]: Wir haben das Elterngeld gemeinsam (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
eingeführt!) neten der FDP)
Beim Elterngeld geht es um Gerechtigkeit für alle El- Das Haushaltsbegleitgesetz, das der Einhaltung der
tern. Wir beseitigen mit dem Haushaltsbegleitgesetz ei- Schuldenbremse dient, wird dazu beitragen, dass es allen
nen von Ihnen verursachten Systemfehler, der uns in der Menschen in Deutschland – ich betone: allen – dauerhaft
Vergangenheit viel Geld gekostet hat. Ich betone immer besser geht. Wir als Christlich-Liberale sind uns unserer
wieder: Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung. Aber Verantwortung für alle Menschen bewusst. Wir fordern
Hartz-IV-Empfänger haben das Elterngeld bisher zusätz- Sie auf, hieran aktiv mitzuarbeiten.
(B) lich zu ihrem Lohn – sprich: ihrer Regelleistung – erhal- Herzlichen Dank. (D)
ten. Dies kann man keinem Arbeitnehmer erklären.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Sicherlich wäre es auch von Ihrer Seite notwendig,
einmal deutlich zu sagen, dass der Bezug von Hartz-IV- Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Leistungen – gerade angesichts der enorm guten Arbeits-
Bartholomäus Kalb ist der nächste Redner für die
marktdaten – nur vorübergehend ist. Dies gilt zumindest
CDU/CSU-Fraktion.
für die Menschen, die gesundheitlich in der Lage sind,
zu arbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
neten der FDP)
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Man darf nicht suggerieren, dass dies ein dauerhafter Bartholomäus Kalb (CDU/CSU):
Zustand ist. Das funktioniert einfach nicht. Man muss Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
den Menschen Mut machen. Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Vorteil
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des letzten Redners vor einer namentlichen Abstimmung
der FDP) ist, dass er die meisten Zuhörer hat. Der Nachteil ist,
dass er die geringste Aufmerksamkeit genießt.
Deshalb ist es absolut richtig, dass wir heute Verände-
rungen vornehmen. Zukünftig wird das Elterngeld auf (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU
die Hartz-IV-Leistungen – genauso wie übrigens das und der FDP)
Kindergeld seit eh und je; das haben Sie mit beschlossen – Trotzdem will ich meine Pflicht gerne erfüllen und noch
angerechnet. auf einige Aspekte hinweisen.
(Steffen Bockhahn [DIE LINKE]: Das ist ge- Wenn uns vor einem Jahr jemand vorausgesagt hätte,
nauso unsozial!) dass wir heute weniger als 3 Millionen Arbeitslose ha-
Außerdem – auch das gehört zur Gerechtigkeit – wird ben, wenn uns vor einem Jahr jemand vorausgesagt
hätte, dass wir 2010 ein Wirtschaftswachstum von rund
die Zahlung des Elterngeldes für diejenigen, die so viel
3,4 Prozent verzeichnen können, wenn uns noch im Mai
verdienen, dass sie die sogenannte Reichensteuer zahlen
dieses Jahres jemand vorausgesagt hätte, dass der Euro
müssen, gestrichen.
stabil sein und heute nahe bei 1,40 US-Dollar stehen
(Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- wird, dann hätten wir gesagt, dass diese Propheten wohl
NEN]: Das ist ein billiger Placeboeffekt!) von einem anderen Stern sein müssen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7275
Bartholomäus Kalb
(A) (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) (C)
neten der FDP)
Ich rede noch gar nicht vom Abbau des Schuldenstan-
Gott sei Dank sind diese Dinge eingetreten. Sie sind des, und ich rede noch gar nicht von der Zinslast, die es
eingetreten, weil die Menschen in unserem Land, die auch wert wäre, betrachtet zu werden.
Verantwortlichen in der Wirtschaft, aber auch die Ver-
Dazu dienen all die Maßnahmen, die wir jetzt im
antwortlichen in den Betriebs- und Personalräten ge-
Haushaltsbegleitgesetz und in den weiteren begleitenden
meinsam die Chancen genutzt haben, die sich in der
Gesetzen vorsehen.
Krise ergeben haben und die wir durch politische Rah-
mensetzungen geschaffen haben. Ich kann in der verfügbaren Zeit leider nicht mehr auf
den Beitrag des Kollegen Bonde eingehen.
Heute stellt sich heraus – Herr Kollege Poß, wir zie-
hen überhaupt nicht in Zweifel, dass Sie an einigem mit- (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
gewirkt haben –, dass die Stabilisierung des Finanz- NEN]: Schade!)
marktes letztlich richtig war, dass die Stabilisierung des
Kollege Toncar hat darauf schon geantwortet. Sie müs-
Bankensektors richtig war, dass die Maßnahmen zur
sen sich dabei doch irgendetwas gedacht haben, als Sie
Kurzarbeit richtig waren, dass das Konjunkturpaket im
das Ökosteuergesetz geschaffen haben. Wir sind jetzt im
Grunde richtig war und dass die Maßnahmen zur Ret-
parlamentarischen Verfahren zu der Überzeugung ge-
tung des Euro richtig waren. Die Menschen und die
kommen, dass wir nicht alles beseitigen können, was Sie
Wirtschaft in diesem Lande haben diese Chancen ge-
an Vergünstigungen geschaffen haben, weil wir die in-
nutzt.
dustriellen Kerne im Land erhalten wollen. Wir haben
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und gesehen, was Großbritannien widerfahren ist, das ge-
der FDP) glaubt hat, es brauche keine industriellen Kerne mehr,
und nur noch auf die Finanzwirtschaft gesetzt hat.
Sie haben auch die Chancen genutzt, die sich aus den
Maßnahmen ergeben haben – Kollege Toncar hat darauf Jetzt ist auch nicht die Zeit – das sage ich ganz be-
hingewiesen –, die wir zur Stärkung der Wirtschaft – wusst –, die Ausweitung von Leistungsgesetzen und
Stichwort: Wachstumsbeschleunigungsgesetz –, zur Entlastungen anzukündigen. Jetzt müssen wir die Chan-
Stärkung der Familien und zur Entlastung der Beitrags- cen zur Haushaltskonsolidierung nutzen.
zahler ergriffen haben. Diese Maßnahmen haben ge- Ich bin auch der felsenfesten Überzeugung – ich weiß
wirkt; sie haben den Menschen und der Wirtschaft in mich in Übereinstimmung mit den allermeisten Bürgern
diesem Land gedient. im Land, mit denen ich spreche –: Die Menschen erwar-
(B) Man kann nicht einfach sagen: Wenn es schlecht geht, ten von uns, dass wir solide wirtschaften, dass wir die (D)
dann ist die Politik dafür verantwortlich, und wenn es Zukunft sichern und dass wir für eine dauerhafte Stabili-
gut geht, hat die Politik daran überhaupt keinen Anteil. – tät der Währung sorgen. Das tun wir. Dafür unternehmen
Ich denke, man muss beides sehen. Ich bin der Überzeu- wir diese Anstrengungen, auch wenn sie nicht immer je-
gung, dass wir in den zurückliegenden schwierigen Jah- dem gefallen.
ren unserer Verantwortung gerecht geworden sind und Herzlichen Dank.
unseren Beitrag zum Aufschwung geleistet haben.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
neten der FDP)
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Trotz dieser besseren Entwicklung werden wir im Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bun-
Haushaltsjahr 2010 die höchste Neuverschuldung in der desregierung eingebrachten Entwurf eines Haushaltsbe-
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu ver- gleitgesetzes 2011. Zur Abstimmung nach § 31 der Ge-
zeichnen haben. Deswegen dürfen wir in unseren Kon- schäftsordnung liegen uns eine Reihe von Erklärungen
solidierungsbemühungen nicht nachlassen. Wir müssen vor, die Sie im Protokoll nachlesen können.1)
die Gunst der Stunde nutzen, um die Neuverschuldung
konsequent zu senken – und das nicht nur, weil wir die Der Haushaltsausschuss empfiehlt in seiner Be-
Schuldenbremse im Grundgesetz verankert haben. Hin- schlussempfehlung auf den Drucksachen 17/3406 und
tergrund ist, dass wir erkennen müssen, dass wir eine al- 17/3452, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf
ternde Gesellschaft sind, dass die Zahl der erwerbsfähi- den Drucksachen 17/3030 und 17/3361 in der Aus-
gen Personen in Deutschland in den nächsten 20 Jahren schussfassung anzunehmen. Hierzu liegen uns fünf Än-
rapide zurückgehen wird, dass in der Zukunft von jetzt derungsanträge vor, über die wir zuerst abstimmen.
45 Millionen dann wahrscheinlich nur noch 37 Millio- Wir beginnen mit dem Änderungsantrag der Fraktion
nen unser Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften und da- der SPD auf Drucksache 17/3548.
mit unseren Wohlstand sichern werden.
Hierzu ist namentliche Abstimmung verlangt.
Das heißt auf Deutsch: Die Schultern, die die Last zu
tragen haben, werden weniger. Deswegen müssen wir Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die
dafür sorgen, dass wir in der Zukunft den laufenden Be- vorgesehenen Plätze einzunehmen.
trieb aus laufenden Einnahmen und nicht durch zusätzli-
che Schulden finanzieren. 1) Anlage 7
7276 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
1) Die Namensliste wird in einem Nachtrag abgedruckt. 2) Ergebnis siehe Seite 7279 A
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7277
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
(A) Bartels, weiterer Abgeordneter und der Frak- ben CDU/CSU und FDP, dagegen gestimmt SPD, Linke (C)
tion der SPD und Bündnis 90/Die Grünen.
Berufliche Bildung als Garant zur Siche- Unter Nr. 2 empfiehlt der Ausschuss die Ablehnung des
rung der Teilhabechancen junger Menschen Antrags der Fraktion der SPD auf Drucksache 17/1759 mit
und des Fachkräftebedarfs von morgen stär- dem Titel „Berufliche Bildung als Garant zur Sicherung
ken der Teilhabechancen junger Menschen und des Fach-
– zu dem Antrag der Abgeordneten Willi Brase, kräftebedarfs von morgen stärken“. Wer stimmt für diese
Dr. Ernst Dieter Rossmann, Dr. Hans-Peter Beschlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? – Ent-
Bartels, weiterer Abgeordneter und der Frak- haltungen? – Die Beschlussempfehlung ist angenom-
tion der SPD men. Zugestimmt haben die Koalitionsfraktionen. Dage-
gen gestimmt hat die SPD-Fraktion. Enthalten haben
Verordnungsermächtigung in § 43 Absatz 2 sich Linke und Bündnis 90/Die Grünen.
des Berufsbildungsgesetzes entfristen
Weiterhin empfiehlt der Ausschuss unter Nr. 3 seiner
– zu dem Antrag der Abgeordneten Agnes Beschlussempfehlung die Ablehnung des Antrags der
Alpers, Dr. Petra Sitte, Nicole Gohlke, weiterer Fraktion der SPD auf Drucksache 17/1745 mit dem Titel
Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE „Verordnungsermächtigung in § 43 Absatz 2 des Berufs-
Konsequenzen aus dem Berufsbildungsbe- bildungsgesetzes entfristen“. Wer stimmt für diese Be-
richt ziehen – Ehrliche Ausbildungsstatistik schlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? – Enthal-
vorlegen, gute Ausbildung für alle ermögli- tungen? – Die Beschlussempfehlung ist angenommen.
chen Zugestimmt haben die Koalitionsfraktionen. Dagegen
gestimmt haben SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Die
– zu dem Antrag der Abgeordneten Priska Hinz Fraktion Die Linke hat sich enthalten.
(Herborn), Brigitte Pothmer, Kai Gehring, wei-
terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- Unter Nr. 4 empfiehlt der Ausschuss die Ablehnung des
NIS 90/DIE GRÜNEN Antrags der Fraktion Die Linke auf Drucksache 17/1734
mit dem Titel „Konsequenzen aus dem Berufsbildungs-
Mehr Jugendlichen bessere Ausbil-
bericht ziehen – Ehrliche Ausbildungsstatistik vorlegen,
dungschancen geben – DualPlus unverzüg-
gute Ausbildung für alle ermöglichen“. Wer stimmt für
lich umsetzen
diese Beschlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? –
– zu der Unterrichtung durch die Bundesregie- Enthaltungen? – Die Beschlussempfehlung ist angenom-
(B) rung men. Zugestimmt haben CDU/CSU, FDP und (D)
Bündnis 90/Die Grünen. Dagegen hat die Fraktion Die
Berufsbildungsbericht 2010 Linke gestimmt. Die SPD hat sich enthalten.
– Drucksachen 17/1435, 17/1759, 17/1745, 17/1734,
17/541, 17/1550, 17/3401 – Schließlich empfiehlt der Ausschuss unter Nr. 5 seiner
Beschlussempfehlung die Ablehnung des Antrags der
Berichterstattung: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/541
Abgeordnete Uwe Schummer mit dem Titel „Mehr Jugendlichen bessere Ausbil-
Willi Brase dungschancen geben – DualPlus unverzüglich umset-
Heiner Kamp zen“. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Wer
Agnes Alpers stimmt dagegen? – Enthaltungen? – Die Beschlussemp-
Priska Hinz (Herborn) fehlung ist angenommen bei Zustimmung durch die Ko-
Die Reden zu diesem Tagesordnungspunkt werden zu alitionsfraktionen und die Fraktion Die Linke. Dagegen
hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gestimmt. Die
Protokoll gegeben. Es handelt sich um die Beiträge von
Uwe Schummer, Willi Brase,1) Heiner Kamp, Agnes SPD-Fraktion hat sich enthalten.
Alpers, Priska Hinz und Marcus Weinberg.2) Jetzt rufe ich den Zusatzpunkt 10 auf:
Wir kommen zur Abstimmung über die Beschluss-
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesre-
empfehlung des Ausschusses für Bildung, Forschung
gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
und Technikfolgenabschätzung auf Drucksache 17/4301.
zur Restrukturierung und geordneten Ab-
Der Ausschuss empfiehlt in Kenntnis des Berufsbil- wicklung von Kreditinstituten, zur Errichtung
dungsberichts 2010 auf Drucksache 17/1550 unter Nr. 1 eines Restrukturierungsfonds für Kreditinsti-
seiner Beschlussempfehlung die Annahme des Antrags tute und zur Verlängerung der Verjährungs-
der Fraktionen der CDU/CSU und FDP auf frist der aktienrechtlichen Organhaftung (Re-
Drucksache 17/1435 mit dem Titel „Qualitätsoffensive strukturierungsgesetz)
in der Berufsausbildung“. Wer stimmt für die Beschluss-
empfehlung? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Die – Drucksachen 17/3024, 17/3362 –
Beschlussempfehlung ist angenommen. Zugestimmt ha-
Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzaus-
schusses (7. Ausschuss)
1) Der Redebeitrag wird zu einem späteren Zeitpunkt abgedruckt.
2) Anlage 9 – Drucksachen 17/3407, 17/3547 –
7278 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: und 17/3452 bekannt: Abgegeben wurden 579 Stimmen. (C)
Ich gebe Ihnen das von den Schriftführerinnen und Mit Ja haben gestimmt 319, mit Nein 260, es gab keine
Schriftführern ermittelte Ergebnis der namentlichen Enthaltungen. Der Gesetzentwurf ist damit angenom-
Abstimmung über den Entwurf eines Haushaltsbegleitge- men.
setzes 2011 auf Drucksachen 17/3030, 17/3361, 17/3406
Jetzt gebe ich das Wort dem Kollegen Manfred NIS 90/DIE GRÜNEN]: Recht hat er aber
Zöllmer für die SPD-Fraktion. trotzdem!)
(B) (Beifall bei der SPD) – Selbst der Ausschussvorsitzende hat sich bezüglich (D)
des Verfahrens so oft entschuldigt, dass wir kaum mit-
zählen konnten. Der Sprecher der CDU/CSU-Fraktion
Manfred Zöllmer (SPD):
hat sich entschuldigt, alle haben sich entschuldigt, weil
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! sie es wirklich peinlich gefunden haben, wie hier vorge-
Bevor ich zum Inhalt des Gesetzes komme und eine Be- gangen worden ist.
wertung vornehme, kann ich es den Kolleginnen und
Kollegen der Regierungsfraktionen nicht ersparen, auch Wir haben zum Teil erst am Montagabend dieser Wo-
an dieser Stelle noch einmal ein paar Worte zum parla- che eine Vielzahl von Umdrucken der Koalition mit Än-
mentarischen Verfahren zu verlieren, das zu der heutigen derungsvorschlägen zu dem Gesetzentwurf erhalten, die
Debatte geführt hat. teilweise ganz erheblich waren. In der zweiten Sonder-
sitzung des Ausschusses am Dienstag haben wir weitere
Es gab eine gemeinsame Vereinbarung der Obleute, Umdrucke und Änderungsvorschläge erhalten, die bis in
die nach dem ohnehin extrem dichten Zeitplan für das den späten Abend hinein diskutiert und entschieden wor-
Gesetzesvorhaben die zweite und dritte Lesung des Ge- den sind.
setzentwurfes im November vorsah. Dies war mit dem
Bundesrat insoweit besprochen und hätte sichergestellt, Ich möchte betonen, dass wir im Ausschuss trotzdem
dass das Gesetz auch zu Beginn des nächsten Jahres in konstruktiv mitgearbeitet haben. Wir haben auch darauf
Kraft treten kann. Dass dieses Gesetz nunmehr – offen- verzichtet, bestimmte Verfahrensrechte in Anspruch zu
bar auf Initiative der Unionsführung – in dieser Woche nehmen, die diesen Termin heute gekippt hätten. Ich
durch das Verfahren gepeitscht wird, ist einem parla- bitte die Koalition, dass sie dies auch entsprechend wür-
mentarischen Beratungsverfahren nicht würdig und wi- digt.
derspricht den vormals einvernehmlich getroffenen Ver-
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
abredungen.
Ein geordnetes parlamentarisches Verfahren sieht wirk-
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des lich anders aus. Ich möchte deutlich machen, dass wir
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Michael Ihnen das in dieser Form ein zweites Mal nicht durchge-
Meister [CDU/CSU]: Das war aber ein müder hen lassen werden.
Beifall, ein sehr müder Beifall! – Gegenruf des
Abg. Ulrich Kelber [SPD]: Wir sind schon ab- Lassen Sie mich nun zu den Inhalten des Gesetzent-
gestumpft! Das Durchpeitschen ist der Nor- wurfes kommen. Das Restrukturierungsgesetz geht in
malzustand! – Britta Haßelmann [BÜND- vielen Aspekten auf einen Gesetzentwurf zur Einführung
7282 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Manfred Zöllmer
(A) eines Reorganisationsplanverfahrens für systemrele- rung, die initiativ werden soll, damit zu bedrohen, dass (C)
vante Kreditinstitute zur Abwehr von Gefahren für die sie abgesetzt wird. Das ist geändert worden. Verfah-
Stabilität des Finanzsystems – von den damaligen SPD- rensabläufe sind gestrafft worden, und die Situation
Ministern Brigitte Zypries und Peer Steinbrück am Ende ausländischer Tochterunternehmen ist ins Blickfeld ge-
der Großen Koalition noch ins Verfahren eingebracht – nommen worden. Dort hat man Veränderungen vorge-
zurück. nommen. Das ist in Ordnung.
Bisher galt die Erkenntnis, dass große Banken nicht Aber äußerst unbefriedigend sind die mit besonders
pleitegehen dürfen, da sie derart groß und vernetzt sind, heißer Nadel gestrickten Regelungen zu Boni und Ver-
dass sie damit einen nicht mehr beherrschbaren Domino- gütungen. Es hatte sich erst kürzlich bei der HRE ge-
effekt auslösen – mit extrem negativen wirtschaftlichen zeigt, dass sich trotz Inanspruchnahme umfassender
Folgen für andere Banken, für die Unternehmen, für die staatlicher Hilfeleistungen einige Bankmanager in der
Arbeitnehmer, für die Rentner, für uns alle. Um dies zu zweiten Reihe üppigste Bonizahlungen gegönnt haben.
verhindern, wurden bisher in der Krise solche systemre- Nun sollte das Ganze mithilfe des Restrukturierungsge-
levanten Kreditinstitute vom Staat gerettet. Diese Insti- setzes verändert werden. Wir hatten miteinander eine
tute galten als „too big to fail“ oder „too interconnected entsprechende Vereinbarung getroffen. In der Presse
to fail“. hieß es auf einmal vonseiten der Koalition, nun sei die-
ses Problem gelöst. Das stimmt allerdings nicht. Schaut
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Say it in Ger-
man genau hin, welche Regelung hier getroffen worden
man, please!)
ist, dann kommt man zu dem Ergebnis: Nur bei der Inan-
– So viel Englisch werden Sie doch wohl verstehen, Herr spruchnahme von staatlichen Rekapitalisierungsmitteln,
Kauder. Davon gehe ich einfach aus. nicht aber bei anderen Stabilisierungsmaßnahmen des
Staates gilt die hier vorgesehene Begrenzung zusätzli-
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Deutsch ist hier
cher Bonimaßnahmen. Dies kann man wohl nur als Mo-
die Amtssprache! – Gegenruf der Abg.
gelpackung bezeichnen.
Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Dann müssen Sie aber auch hoch- (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
deutsch reden!)
Wenn wir schon einmal beim Thema Mogelpackung
Es ging nach dem Motto: In der Krise wird der Staat uns sind: Dies gilt insbesondere für die Bankenabgabe zur
schon retten. Finanzierung des Restrukturierungsfonds. Ich darf die
Mit dem vorliegenden Gesetz wird nun ein geordne- Bundeskanzlerin wörtlich zitieren, die im Rahmen der
tes Verfahren zur Sanierung und Abwicklung von in fi- Haushaltsdebatte am 15. September in diesem Jahr hier
(B) an diesem Pult Folgendes gesagt hat: (D)
nanzielle Probleme geratenen Banken etabliert und wer-
den die bankenaufsichtsrechtlichen Instrumente zur Es ist vollkommen klar: Je risikobehafteter das Ka-
Krisenprävention gestärkt. Es gibt also quasi ein speziel- pital ist und die Geschäfte sind, umso mehr Abgabe
les Insolvenzverfahren für Banken, damit zukünftig muss gezahlt werden, damit in Zukunft nicht mehr
nicht mehr der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden der Steuerzahler für solche Krisen eintreten muss,
muss, wenn sich Bankmanager verzockt haben. sondern die Banken das selber tun müssen.
In einer ersten Stufe, dem Sanierungsverfahren, sollen So weit Frau Merkel.
Kreditinstitute von sich aus durch ein frühzeitiges Ein-
greifen der eigenen Geschäftsführung saniert werden. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/
Eine zweite Stufe ist das Reorganisationsverfahren. CSU]: Endlich hat er es begriffen!)
Dabei wird die Aufsicht tätig. Dieses Verfahren sieht
Maßnahmen zur Beschleunigung eines Insolvenzverfah- – Warten Sie ab.
rens vor. Hier wird dann auch in die Rechte von Gläubi-
gern und Anteilseignern eingegriffen, wenn dies notwen- Wir haben uns einmal die Details der Regelung zur
dig ist. Das Vermögen einer systemrelevanten Bank Bankenabgabe angeschaut. Ich kann nur sagen: Liebe
kann ganz oder teilweise auf eine private Bank oder auf Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in dieser Republik,
eine staatliche „Brückenbank“ übertragen werden, damit glauben Sie nicht, was Ihnen diese Bundeskanzlerin und
die „Restbank“ abgewickelt werden kann. Zusätzlich diese Regierung in diesem Fall versprochen haben.
gibt es einen Restrukturierungsfonds für Kreditinstitute (Beifall bei der SPD)
in Form eines Sondervermögens des Bundes. Dort müs-
sen nahezu alle Kreditinstitute einzahlen. Das ist dann Es ist die traurige Wahrheit, dass hier die Unwahrheit
das, was in der Öffentlichkeit unter dem Stichwort „Ban- verkündet wird.
kenabgabe“ diskutiert wird. (Dr. Michael Meister [CDU/CSU]: Unerhört
Wir hatten eine sehr ausführliche mehrstündige An- so was!)
hörung zu diesem komplexen Gesetzentwurf. Diese An- Dies ist nicht nur eine Mogelpackung, sondern schlicht-
hörung hat ergeben, dass es notwendig war, eine Reihe weg auch eine Täuschung der Öffentlichkeit.
von Veränderungen und Verbesserungen vorzunehmen.
Zum Beispiel macht es wenig Sinn, bei einem Verfahren, (Beifall bei der SPD – Volker Kauder [CDU/
in dem man auf Freiwilligkeit setzt, die Geschäftsfüh- CSU]: Jetzt wird es disziplinarisch!)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7283
Manfred Zöllmer
(A) Ich darf Ihnen das anhand der Details einmal deutlich Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: (C)
machen: So wie die Bankenabgabe von der Regierung Herr Christian Ahrendt hat das Wort für die FDP-
konzipiert ist, wird sie etwa 600 Millionen Euro bis ma- Fraktion.
ximal 1,3 Milliarden Euro pro Jahr für den Restrukturie-
rungsfonds einbringen – (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Leo
Dautzenberg [CDU/CSU])
(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Wollen Sie
mehr?)
Christian Ahrendt (FDP):
je nachdem, welches Referenzjahr man zugrunde legt Frau Präsidentin! Meine verehrten Kolleginnen und
und wie sich die Konjunktur entwickelt. Die Regierung Kollegen! Die Bundesregierung hat mit dem Restruktu-
hat in dem Gesetz festgelegt, dass die Zielgröße des Re- rierungsgesetz ein gutes Gesetz vorgelegt. Den Gesetz-
strukturierungsfonds bei 70 Milliarden Euro liegt. entwurf haben wir zügig parlamentarisch beraten. Es ist
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Aber mit Zins in der parlamentarischen Beratung noch besser gewor-
und Zinseszins!) den, und ich sage Ihnen auch, an welcher Stelle.
– Ja, wunderbar, „Zins und Zinseszins“. Das ist aber nur Verehrter Kollege Zöllmer, vielleicht kommt es gar
die baden-württembergische Rechnung. – Nun fangen nicht so sehr auf die Frage des Bankenfonds und die
Sie einmal an, zu rechnen. Was ich dargestellt habe, be- Mittel in dem Bankenfonds an, und zwar aus einem ein-
deutet nichts anderes, als dass 70 bis 100 Jahre in den fachen Grunde: Wir haben etwas ganz Entscheidendes
Restrukturierungsfonds eingezahlt werden muss, damit getan. Wir haben die Aufsicht gestärkt, indem wir den
man im Fall einer Krise überhaupt in der Lage ist, mit § 45 des Kreditwesengesetzes ausgebaut haben. Damit
den Mitteln dieses Fonds Restrukturierungsmaßnahmen sorgen wir dafür, dass die Bankenaufsicht, wenn eine
zu finanzieren. 70 Milliarden Euro sind sehr wenig. Hal- Bank in eine Schieflage gerät, früh eingreifen kann. Das
ten Sie sich bitte vor Augen, dass in dieser Krise allein ist eine bessere Krisenintervention als zu warten, bis es
die HRE mit Garantien von über 140 Milliarden Euro zu spät ist und dann den Fonds in Anspruch zu nehmen.
gerettet werden musste. Das ist der erste Erfolg dieses Gesetzes.
(Zuruf von der CDU/CSU: Garantien! Das ist (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
ein Unterschied!)
Der zweite Erfolg dieses Gesetzes ist, dass wir ein Sa-
Dann fragen wir doch einfach einmal, was bis dahin nierungsverfahren schaffen, mit dem die Bank sich
passiert. Was geschieht in den 100 Jahren dazwischen? selbst aus der Krise retten kann. Wir haben dieses Sanie-
(B) Ich kann es Ihnen verraten: Dann werden erneut die rungsverfahren so definiert, dass es früh einsetzen kann, (D)
Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in dieser Republik die Bank somit frühzeitig ein sinnvolles Instrumenta-
zur Kasse gebeten. Es werden nicht die Banken sein, die, rium nutzen kann, um sich selbst aus der Krise zu retten.
wie die Kanzlerin behauptet hat, die Kosten tragen.
Wir haben etwas getan, was Sie auch nicht gemacht
(Beifall bei der SPD)
haben, als Sie die Verantwortung hatten: Wir haben eine
Wir reden hier nur über die Kosten einer möglichen Boni-Regelung ins KWG geschrieben: Bei Banken, an
zukünftigen Krise, nicht über die Beteiligung der Ban- denen der Staat mit 75 Prozent oder mehr beteiligt ist,
ken an den Kosten dieser Krise. Auch das ist von der sind Boni nicht mehr zulässig. Es gibt nur noch die
Bundeskanzlerin früher mehrfach anders versprochen Obergrenze von 500 000 Euro – nicht nur für die, die im
worden, inzwischen ist das schamhaft beiseitegelegt Vorstand sitzen, sondern auch für die, die in der zweiten
worden. Diese Überlegungen kommen bei der jetzigen und dritten Managerebene tätig sind.
Regierung gar nicht mehr vor. Alle diesbezüglichen Ver-
sprechungen dieser Regierung und der Kanzlerin sind Wir haben noch etwas Entscheidendes erreicht: Wir
vergessen. Die Bankenabgabe in dieser Form ist der un- haben die Haftung verschärft. Wenn Sie sich den Gesetz-
taugliche Versuch, der Öffentlichkeit Sand in die Augen entwurf angeschaut haben, wie er vorgelegt worden ist,
zu streuen. dann haben Sie gesehen, dass vorgesehen war, die zehn-
jährige Verjährungsfrist nur im Aktiengesetz einzufüh-
(Beifall bei der SPD) ren. Wir schreiben die zehnjährige Verjährungsfrist für
nicht sorgfältiges Handeln der Vorstände direkt ins
Was wir brauchen, ist eine tatsächliche Beteiligung
KWG und schaffen damit die Grundlage dafür, dass Ver-
der Banken an den Kosten der Krise, keine Placebos. Es
fehlungen von Vorständen lange und sorgfältig aufgear-
zeigt sich deshalb wieder einmal, dass wir die Finanz-
beitet und dann die Vorstände, Aufsichtsräte und die an-
transaktionsteuer dringender denn je benötigen.
deren Organe, die Verantwortung tragen, entsprechend
(Beifall bei der SPD) in Haftung genommen werden können.
Wir werden dem Gesetz daher nicht zustimmen. Wir bit- Insofern haben wir nach der zügigen parlamentari-
ten um die Zustimmung zu unserem Entschließungsan- schen Beratung ein Gesetz vorliegen, das aufgrund des
trag. neu geschaffenen Mechanismus einer frühen Interven-
Herzlichen Dank. tion geeignet ist, künftig Bankenkrisen zu beseitigen. Es
hilft auch, Banken über ein geordnetes Verfahren dort
(Beifall bei der SPD) aus dem Markt zu nehmen, wo sie nicht mehr saniert
7284 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Christian Ahrendt
(A) werden können. Insofern haben Sie heute Abend die Sie schaffen mit dem Gesetz eine Scheinsicherheit (C)
Freude, einem guten Gesetz zuzustimmen. nach dem Motto: Wenn etwas schief geht, wird der Re-
strukturierungsfonds schon einigermaßen funktionieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Das bedeutet im Klartext: Die Banken können weiterhin
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU) fröhlich risikoreiche Spekulationsgeschäfte betreiben.
Das ist nicht hinnehmbar.
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: (Beifall bei der LINKEN)
Der Kollege Richard Pitterle hat das Wort für die
Fraktion Die Linke. Der vom Gericht eingesetzte Verwalter verfügt dem
Gesetz nach über keinerlei Instrumente, um einer in
(Beifall bei der LINKEN) Schieflage geratenen Bank risikoreiche Geschäfte zu un-
tersagen; darauf haben die Sachverständigen in der An-
Richard Pitterle (DIE LINKE): hörung hingewiesen. Auch das vorgesehene Sanierungs-
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen verfahren ist wirklichkeitsfremd. Sie verlassen sich
und Kollegen! Wall Street 2 ist in den Kinos, und zwar darauf, dass es von den Vorständen einer sanierungsbe-
mit dem Untertitel: Geld schläft nicht. Der Protagonist dürftigen Bank eingeleitet wird. Eher wird sich ein Ein-
Gekko aus dem ersten Wall-Street-Film dürfte noch allen brecher bei der Polizei selbst anzeigen, als dass ein
als Mister „Gier ist gut“ bekannt sein. In Wall Street 2 – Bankenvorstand eingesteht, dass er die Bank in eine
so viel sei verraten – stellt Gekko, der gerade aus dem Schieflage gebracht hat. Das Bekanntwerden einer Sa-
Gefängnis gekommen ist, fest, dass sich gar nicht so viel nierungsanzeige könnte das Aus für die Bank bedeuten,
geändert hat. Sein Motto „Gier ist gut“ ist inzwischen in wenn die Kunden Angst bekommen und ihr Geld abzie-
der Gesellschaft angekommen. hen.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weiterhin ist auch nicht einsichtig, warum mit der Sa-
(Zuruf von der FDP: Das frage ich mich auch!) nierung und Restrukturierung der Banken das Oberlan-
desgericht beschäftigt sein soll. Normalerweise befassen
Fakt ist: Während das Geld nicht schläft, hat unsere sich die Amtsgerichte mit Insolvenzen. Deswegen ist die
Regierung geschlafen. Außer vielen Ankündigungen ist fachliche Kompetenz dort gebündelt.
wenig passiert. Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Fi-
nanzkrise wacht Schwarz-Gelb auf, bringt einen Gesetz- Frau Merkel hat beteuert, der Staat sowie die Bürge-
entwurf in die Beratungen ein, um ein Gesetz zu verab- rinnen und Bürger dürften nie mehr durch die zu groß
schieden, das präventiv gegen Finanzkrisen wirken soll. geratenen Banken und deren Misswirtschaft erpressbar
(B) Sie bietet sogar der Opposition eine Mitwirkung an, um werden. Welch schöne Worte! Stattdessen legen Sie uns (D)
den Entwurf halbgar innerhalb einer Woche durch das heute einen wirkungslosen und unausgegorenen Gesetz-
Parlament zu jagen. Gekko hätte seine Freude daran. entwurf vor. Die Sachverständigen haben ihn ganz klar
für ungeeignet erklärt, eine Systemkrise, wie wir sie ge-
(Beifall bei der LINKEN) rade erlebt haben, zu überstehen, ohne die Steuerzahle-
Wieder einmal erweisen sich die Ankündigungen der rinnen und Steuerzahler in Anspruch zu nehmen.
Bundesregierung, dass die Finanzwirtschaft für die Fol- (Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Da müssen
gen der Krise zur Verantwortung gezogen werden soll, Sie aber eine selektive Wahrnehmung von der
als eine Seifenblase. Die Ziele des vorliegenden Gesetz- Anhörung haben, Herr Kollege!)
entwurfs sind hochgesteckt. Die Schieflage einer sys-
temrelevanten Bank soll ohne Gefahr für die Stabilität Auch dieses Gesetz ist in aller Eile mit heißer Nadel
des Finanzsystems bewältigt werden. Der Finanzsektor gestrickt worden. Man kann sogar sagen, dass es zusam-
soll die Kosten der Insolvenzbewältigung vorrangig mengeschustert wurde. Die Mitglieder des Rechtsaus-
selbst tragen, nicht die Steuerzahlerinnen und Steuerzah- schusses kamen am Montag um 22 Uhr von einer
ler. Schließlich soll das Gesetz krisenpräventiv wirken. Dienstfahrt aus Brüssel zurück – Herr Ahrendt würde
Doch das ist glatter Unsinn. hierbei von einer Klassenfahrt sprechen – und wurden in
der Sondersitzung am Dienstag um 8 Uhr mit 32 Ände-
Selbst mit den vorgestern im Ausschuss beschlosse- rungsvorschlägen konfrontiert, die am Montagabend per
nen Änderungen ist dieser Gesetzentwurf nicht geeignet, E-Mail in die Büros gesandt worden waren.
die darin genannten Ziele zu erfüllen. Wiederholt wurde
in der Anhörung darauf hingewiesen, dass mit einer (Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das
Bankenabgabe in Höhe von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr heißt doch nicht, dass wir in Brüssel das Lesen
der Restrukturierungsfonds frühestens in einem halben verlernt haben!)
Jahrhundert auch nur ansatzweise genügend finanzielle
Über diese wurde am Dienstagmorgen im Rechtsaus-
Mittel enthalten würde, um eine Bank zu retten. Vorges-
schuss nach einer gnädigerweise zugestandenen Lese-
tern haben Sie in den Gesetzentwurf geschrieben, dass
pause von einer Stunde ohne Erläuterung im Block abge-
die Zielgröße des Fonds 70 Milliarden Euro betragen
stimmt. Ich bitte Sie: Glaubt denn jemand hier im Haus,
soll. Offen bleibt aber, innerhalb welcher Zeit diese Ziel-
dass die Mehrheit der Abgeordneten den Inhalt der Ver-
größe zu erreichen ist. Sie verkaufen die Leute für
änderungen in seinem Kern erfasst hat oder Zeit hatte,
dumm. Das lassen wir Ihnen nicht durchgehen.
die Auswirkungen der einzelnen 32 Änderungen zu be-
(Beifall bei der LINKEN) urteilen? Von der Verwirklichung der Ankündigung, die
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7285
Richard Pitterle
(A) Opposition ernsthaft in die Beratung eines solch wichti- – das haben Sie im Ausschuss ja auch zugestanden – zu (C)
gen Gesetzes einzubeziehen, konnte bei diesem Zeit- kurzfristig gewesen.
druck keine Rede sein. Das ist weder demokratisch noch
der Bedeutung der Angelegenheit angemessen. (Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Da hätte ich
Ihnen eine gute Anwaltskanzlei empfehlen
(Beifall bei der LINKEN) können, Herr Kollege!)
Demokratie stelle ich mir anders vor. Mit dem Anspruch, mit dem Sie gestartet sind, dass wir
Die Vorgehensweise und die damit verbundene Man- hier eine qualitativ gute gemeinsame Gesetzgebung ma-
gelhaftigkeit dieses Gesetzes werden eines Tages die chen, war dies nicht zu vereinbaren. Das muss so stehen
Bürgerinnen und Bürger mit viel Steuergeld zu bezahlen bleiben.
haben, wie sie es schon bei der letzten Finanzkrise erlebt (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
haben. Das ist der eigentliche Skandal. Deswegen lehnt
Die Linke dieses Gesetz ab. Ich möchte auf die Kernkritikpunkte zu sprechen
kommen. Der erste Punkt: Es ist richtig, eine solche Re-
(Beifall bei der LINKEN) gelung zur Insolvenz von Banken, eine große Restruktu-
rierung zu schaffen. Aber – das muss man dazu sagen –
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: die Regelung gilt weder für die Deutsche Bank – sie ist
Das Wort hat der Kollege Dr. Gerhard Schick für zu groß, als dass dieses Gesetz dies wirklich leisten
Bündnis 90/Die Grünen. könnte; das ist deutlich geworden – noch für die Spar-
kasse Memmingen-Lindau-Mindelheim
(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Jetzt kommen
die Belehrungen!) (Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Das ist meine!)
Dr. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- oder andere Sparkassen, die das mit ihrer Institutssiche-
NEN): rung schon heute ohne dieses Gesetz gut machen, son-
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! dern sie gilt für eine begrenzte Gruppe von Instituten;
Am Anfang dieses Gesetzgebungsprozesses standen sehr denn der Fonds, der dahinter steht, ist von der Größe her
große Worte. Von einem Meilenstein war die Rede. gar nicht zur Rettung aller Banken in der Lage. Sie
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Leo schreiben als Zielgröße 70 Milliarden Euro in das Ge-
Dautzenberg [CDU/CSU]: Das ist nach wie setz. Das wird sehr lange nicht erreicht werden können.
vor der Fall! Richtig!) Die Sachverständigen haben uns gesagt, dass die Be- (D)
(B)
Nie wieder sollte der Steuerzahler herangezogen werden. teiligung der Gläubiger nicht wirklich gelingen wird. Ich
Die Bankenabgabe sollte dafür sorgen, dass die Banken, könnte jetzt mehrere Sachverständige zitieren. Deren
die Verursacher, auch wirklich zur Kasse gebeten wer- Bedenken muss man schon ernst nehmen; denn wenn
den. nicht der Steuerzahler zahlen soll, dann müssten es die
Anteilseigner und die Gläubiger tun. Die Sachverständi-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) gen, Herr Krahnen, Herr Schich von der OECD und Pro-
– Sie klatschen zu früh. – Wenn wir uns anschauen, wie fessor Zimmer, um nur ein paar Beispiele zu nennen,
Herr Dautzenberg heute ganz vorsichtig sagt, der Steuer- sagten uns, dass das so nicht funktionieren werde. Des-
zahler solle zumindest nicht immer der Erste sein, wegen ist uns ganz wichtig, dass hier nachgearbeitet
wird; denn die Gläubigerbeteiligung, wie sie hier gere-
(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Richtig! Ja!) gelt ist, reicht nicht aus. Ich frage mich, warum das, was
dann sehen wir, dass aus den ganz großen Ankündigun- man in der Schweiz mit den sogenannten Contingent
gen ein überschaubares Päckchen geworden ist, was Sie Convertible Bonds machen kann, um die Beteiligung
lieber zur abendlichen als zur frühmorgendlichen Stunde von Gläubigern wirklich sicherzustellen, nicht auch in
diskutieren. Deutschland möglich sein soll.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Leo Das internationale Vorbild zeigt uns: Es geht konsequen-
Dautzenberg [CDU/CSU]: Das hätten Sie ter, als Sie es tun.
gerne, aber so ist es nicht, Herr Kollege!)
Der zweite Punkt: Sie setzen beim Sanierungsverfah-
Lassen Sie mich noch kurz zum Verfahren kommen. ren nach wie vor auf Freiwilligkeit. Das ist falsch. Auch
Herr Dautzenberg hat gesagt, wir hätten gute Anträge das haben mehrere Sachverständige gesagt. Denn wir
vorgelegt. Vielen Dank für das Kompliment. Ich kann wissen, dass die Vorstände in einem Unternehmen kein
Ihnen aber gleichzeitig sagen: Es ist uns – anders als Interesse haben, in der Krisenlage selber das Verfahren
sonst üblich – nicht mehr möglich gewesen, vom Minis- einzuleiten. Das haben wir an verschiedenen Beispielen
terium wie üblich die Unterstützung bei der Formulie- gesehen: bei der HRE, bei der Sachsen LB und bei der
rung zu bekommen, weil die Zeit zu knapp war. Zwi- Bayern LB. Wir haben es doch immer wieder gesehen.
schen Montagabend und Dienstagabend war es also
nicht mehr in der notwendigen Qualität möglich, Ände- (Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Deshalb Auf-
rungsanträge zu stellen. Deswegen ist das Verfahren sicht, Herr Kollege!)
7286 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Ralph Brinkhaus
(A) Wir alle haben uns dabei an einer gewissen Architek- dass diese nicht ausreiche, um die Kosten der Krise tat- (C)
tur orientiert. Die Architektur beinhaltete folgende As- sächlich zu bewältigen.
pekte: Erstens wollten wir die Aufsicht stärken. Zwei-
tens wollten wir das Handeln der einzelnen Akteure, der Ich will Ihnen eines sagen: Wir werden mit dieser
Banken und der Institute, auf den Finanzmärkten stärker Bankenabgabe von den Banken in Deutschland – von
regulieren. Drittens waren wir so bescheiden, anzuneh- den Volksbanken bis zu den Großbanken – in einem nor-
men, dass es sein kann, dass Regulierung und stärkere malen Jahr 1 Milliarde bis 1,3 Milliarden Euro einzie-
Aufsicht irgendwann vielleicht doch nicht greifen, und hen. Nehmen Sie bitte nicht die Krisenjahre mit ihren
deswegen brauchten wir ein Verfahren, um mit Krisen 600 Millionen Euro. Das sind keine normalen Jahre, und
der Institute umzugehen und zu verhindern, dass der es wäre nicht seriös, so zu argumentieren.
Kollaps einer Bank zum Kollaps des gesamten Systems (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
führt.
Wir werden darüber hinaus im Rahmen des Sparpake-
(Beifall bei der CDU/CSU) tes die Banken mit 2 Milliarden Euro an den Kosten der
Wir – damit meine ich uns alle, schließlich waren vergangenen Krisen beteiligen. Das sind dann zusam-
auch grüne Politiker auf europäischer Ebene und Sie von men schon 3 Milliarden Euro.
der Großen Koalition mit dabei; das haben Sie zu Recht
Wir verlangen von den gleichen Banken – und das
angemerkt – haben geliefert. Wir haben geliefert, indem
verlangen auch Sie von den Banken –, dass sie ihr Ei-
wir die europäischen Aufsichtsstrukturen angepasst ha-
genkapital stärken und dass sie auch weiterhin Kredite
ben, und wir werden auch in Deutschland liefern und
ausreichen, um den Mittelstand zu finanzieren.
nachziehen. Wir haben geliefert, indem wir die Regulie-
rung der Ratingagenturen, der Vergütungssysteme, der (Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE
Leerverkäufe – diese haben wir in Deutschland verboten – GRÜNEN]: Wann machen Sie das?)
und der Verbriefungen gestärkt haben.
Was wollen wir denn eigentlich noch erreichen! Wir
Wir haben allerdings noch keine Antwort auf die müssen irgendwo auch Maß halten und die volkswirt-
Frage geliefert, meine Damen und Herren, wie wir mit schaftlichen Aufgaben, die den Banken obliegen, akzep-
der Schieflage einer systemischen Bank umgehen. Wir tieren, meine Damen und Herren.
verabschieden hier und heute diesen Gesetzentwurf, weil
das Gesetz notwendig ist. Denn es ist höchste Zeit, dass (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
wir diese Lücke in unserer Architektur schließen. Joachim Poß [SPD]: Aber regen Sie sich doch
nicht auf! Sagen Sie was zu den 2 Milliarden!)
(B) (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) (D)
Ich komme zu einem weiteren Punkt. Herr Schick, die
Natürlich kann man dieses Gesetz jetzt kritisieren. Ich Grünen sagen, und das ist ihre Strategie: Jetzt haben wir
glaube, kein Gesetz ist perfekt. zwar einen Gesetzentwurf, aber wir müssen einmal über
(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE die Lösung mit den Convertibles, die in der Schweiz ge-
GRÜNEN]: Das kann man von Ihren Gesetzen funden worden ist, nachdenken. Das mag richtig sein.
immer behaupten!) Um der Ehrlichkeit Genüge zu tun, müssten Sie auch sa-
gen, dass sich andere Länder, die USA und Großbritan-
Eines darf man allerdings nicht tun: diesen Gesetzent- nien, nicht für diese Lösung entschieden haben. Man
wurf mit den Kritikpunkten, die Sie vorgebracht haben, kann sicherlich darüber diskutieren. Man kann sicherlich
ablehnen. Das geht nicht. Ich will darauf eingehen, um auch über viele andere Vorschläge diskutieren, die ge-
welche Kritikpunkte es sich im Einzelnen handelt. macht worden sind.
Sie beklagen – damit meine ich insbesondere die Da- Herr Pitterle hat angemerkt, dass das Sanierungsver-
men und Herren von der Linken und der SPD –, dass die fahren in den Details vielleicht nicht ganz richtig ist. Sie
Regelungen über die Boni nicht ausreichend sind. Ich haben auch noch angeführt, dass es in diesem Verfahren
kann dazu nur eines sagen: Wir werden auf der einen vielleicht zu viel Freiwilligkeit gibt. Aber eines muss
Seite von den Banken dafür kritisiert, dass die Regelun- man akzeptieren: Wir handeln hier in einer sehr schwie-
gen über die Boni zu streng sind. Auf der anderen Seite rigen Situation. In diesem Gesetz müssen Arbeitsrecht,
werden wir von Ihnen dafür kritisiert, dass sie zu Gesellschaftsrecht und Steuerrecht zusammengeführt
schwach sind. Das heißt, wir scheinen irgendwo einen werden. Die Bundesländer haben gegebenenfalls ein an-
guten Mittelweg gefunden zu haben, der auch passt. deres Interesse als der Bund. Uns liegen Stellungnahmen
(Ulrich Kelber [SPD]: Nur die Lobbyisten zu von Professoren vor, die unterschiedlicher Meinung
bedienen, ist noch kein Mittelweg!) sind. Trotz dieser Gemengelage haben wir ein Gesetz
aufgebaut, dass es so in Europa und in der Welt nicht
Der zweite Punkt, meine Damen und Herren: Kom- gibt. Das muss man an dieser Stelle einfach einmal aner-
men wir doch einmal zur Restrukturierungsabgabe und kennen.
zur Bankenabgabe. Sie sagen – und das ist eine tolle
SPD-Argumentation, die immer kommt; ich hätte sie vo- (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord-
rausahnen können, Herr Zöllmer –, neten der FDP – Dr. Gerhard Schick [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, aber wenn es nicht
(Manfred Zöllmer [SPD]: Sie ist auch gut!) funktioniert? – Joachim Poß [SPD]: Sagen Sie
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7289
Ralph Brinkhaus
(A) doch einmal etwas zu den 2 Milliarden! Was Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bun- (C)
sind das für 2 Milliarden?) desregierung eingebrachten Entwurf eines Restrukturie-
rungsgesetzes. Nach § 31 unserer Geschäftsordnung lie-
Man kann nicht immer nur an Details herumkritteln gen dazu Erklärungen der Kolleginnen und Kollegen
und dann nicht fertig werden. Genau das ist das Problem Schick, Gambke, Haßelmann und Paus vor.1)
der Opposition. Immer wieder wird an irgendwelchen
Details herumgekrittelt. Den großen Wurf habe ich von Der Finanzausschuss empfiehlt unter Nr. 1 seiner Be-
Ihnen noch nicht gehört. schlussempfehlung, Drucksachen 17/3407 und 17/3547,
eine Entschließung anzunehmen. Wer stimmt für diese
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) Beschlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? – Ent-
haltungen? – Die Beschlussempfehlung ist angenom-
Den haben wir gelandet. Wir leisten, wir liefern, Sie kri- men. Zugestimmt haben CDU/CSU, FDP und SPD.
tisieren. Die Politik der Opposition in dieser Legislatur- Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion Die Linke wa-
periode ist: Kritik, Kritik, Kritik, aber keinerlei kon- ren dagegen. Enthaltungen gab es keine.
struktive Vorschläge.
Unter Nr. 2 empfiehlt der Finanzausschuss, den Ge-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) setzentwurf der Bundesregierung, Drucksachen 17/3024
und 17/3362, in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich
Ich sage Ihnen eines: Sie haben keine Gründe, diesen
bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschuss-
Gesetzentwurf abzulehnen. Es ist beschämend, dass sich
fassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer
die SPD unter dem Mantel, dass eine Finanztransaktion- stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzent-
steuer eingeführt werden muss, allem in diesem Haus wurf ist in zweiter Beratung angenommen bei Zustim-
verweigert. Das ist das goldene Kalb der SPD, um das mung der Koalitionsfraktionen. Dagegen gestimmt ha-
Sie herumtanzen. ben Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Die SPD hat
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) sich enthalten.
Sie wissen eines ganz genau, Herr Zöllmer: Diese Fi- Dritte Beratung
nanztransaktionsteuer hat nur Sinn, wenn wir sie auf eu- und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
ropäischer Ebene durchsetzen. Wir versuchen das. Sie Gesetzentwurf zustimmen wollen, aufzustehen. – Ge-
haben verpasst, das durchzusetzen, als Sie an der Regie- genstimmen? – Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf ist
rung waren. Wenn Sie wollen, dass diese Finanztransak- mit dem gleichen Stimmenverhältnis wie vorher ange-
tionsteuer auf nationaler Ebene durchgesetzt wird, dass nommen.
wir einen Alleingang machen, dann erklären Sie den
(B) Menschen, die am Finanzplatz Frankfurt arbeiten, dass Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak- (D)
Sie schuld sind, dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren. Das tion der SPD auf Drucksache 17/3471? – Gegenprobe! –
ist nicht seriös. Wer enthält sich? – Der Entschließungsantrag ist abge-
lehnt. Zugestimmt hat die einbringende Fraktion, dage-
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) gen gestimmt haben die Koalitionsfraktionen. Die Frak-
tionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben sich
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: enthalten.
Sie müssten bitte zum Ende kommen, Herr Kollege. Wer stimmt für den Entschließungsantrag der Frak-
tion Die Linke auf Drucksache 17/3472? – Wer stimmt
Ralph Brinkhaus (CDU/CSU): dagegen? – Enthaltungen? – Der Entschließungsantrag
ist abgelehnt. Zugestimmt hat die einbringende Fraktion,
Ich komme zum Schluss. In dem Wissen, dass dieses
dagegen gestimmt haben die Koalitionsfraktionen und
auf den Weg gebrachte Gesetz nicht perfekt ist, haben
die Fraktion der SPD. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grü-
wir ganz bewusst gesagt – dabei sind wir auf Ihre Anre-
nen hat sich enthalten.
gungen eingegangen –, dass wir dieses Gesetz in zwei
Jahren evaluieren werden. Ich rufe jetzt Tagesordnungspunkt 10 auf:
Beratung des Antrags der Abgeordneten Heidrun
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Bluhm, Dr. Dietmar Bartsch, Herbert Behrens,
Herr Kollege, Sie müssen zum Ende kommen. weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE
Ralph Brinkhaus (CDU/CSU):
Grundrecht auf Wohnen sozial, ökologisch
Dann sprechen wir uns wieder. Ich denke, dann wer- und barrierefrei gestalten
den wir sehen, dass wir ein gutes Gesetz auf den Weg
gebracht haben. – Drucksache 17/3433 –
Überweisungsvorschlag:
Danke schön. Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f)
Innenausschuss
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) Rechtsausschuss
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Ich schließe die Aussprache. 1) Anlage 8
7290 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Bürokratieabbau konnten wir auch bei der Informati- (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
onspflicht im Zusammenhang mit ELStAM erzielen. Die der FDP)
Information der Arbeitnehmer über die gebildeten elek- Zum Schluss noch ein paar Sätze zum Gesetzentwurf
tronisch gespeicherten Lohnsteuerabzugsmerkmale wird der Linken zur Abschaffung des Progressionsvorbehalts
nunmehr von der Finanzverwaltung übernommen, wo- beim Kurzarbeitergeld. Es handelt sich um einen Gesetz-
durch aufseiten der Arbeitgeber Bürokratiekosten von entwurf, den Sie schon mehrmals vorgelegt haben.
nahezu 100 Millionen Euro eingespart werden.
(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Das mussten
Besonders hervorzuheben ist, dass wir im vorliegen- wir doch! Wir konnten Sie ja bisher leider
den Gesetzentwurf für den im Koalitionsvertrag vorge- nicht überzeugen!)
sehenen Abbau gleichheitswidriger Benachteiligungen
im Steuerrecht von Lebenspartnern und Ehegatten ge- Er wird aber nicht richtiger, nur weil Sie ihn häufig ein-
sorgt haben, und zwar im Erbschaftsteuer- und Schen- bringen.
kungsteuergesetz sowie im Grunderwerbsteuergesetz.
Im Hinblick auf die von der Opposition geforderten An- (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
gleichungen im gesamten Einkommensteuerrecht plädie- Durch den Progressionsvorbehalt wird die Besteuerung
ren wir allerdings dafür, zunächst die Entscheidungen nach Leistungsfähigkeit sichergestellt. Anders formu-
des Bundesverfassungsgerichtes abzuwarten, statt einen liert: Wer mehr hat, muss mehr Steuern zahlen; so ein-
Schnellschuss zu wagen. fach ist das. Würden wir Ihren Gesetzentwurf verab-
(Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- schieden, würden wir diesen Grundsatz auf den Kopf
NEN]: Das hat längst entschieden! – Claudia stellen. Deswegen werden wir ihn ablehnen.
Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Herzlichen Dank.
NEN]: Ja, eben! Die gibt es doch schon! –
Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
7292 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Der Teilbetrag im Sinne des § 54 Absatz 11 Satz 1 (C)
Lothar Binding spricht jetzt für die SPD-Fraktion. des Körperschaftsteuergesetzes in der Fassung der
Bekanntmachung vom 22. April 1999 …, das zu-
(Beifall bei der SPD – Claudia Roth [Augs-
letzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 14. Juli
burg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dem
2000 … geändert worden ist (Teilbetrag, der einer
Manuskript nach wird das eine lange Rede!)
Körperschaftsteuer in Höhe von 45 Prozent unterle-
gen hat), erhöht sich um die Einkommensteile, die
Lothar Binding (Heidelberg) (SPD): nach § 34 Absatz 12 Satz 2 bis 5 einer Körper-
Ich bin umfangreich vorbereitet. schaftsteuer von 45 vom Hundert unterlegen haben,
– So weit war Ihnen das ja klar –
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Sie wissen, wie lang Ihre Redezeit ist? (Heiterkeit und Beifall bei der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Ab-
Lothar Binding (Heidelberg) (SPD): geordneten der LINKEN – Leo Dautzenberg
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und [CDU/CSU]: Das ist doch der Murks, den Sie
Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Das uns eingebrockt haben unter Rot-Grün!)
Jahressteuergesetz 2010 bietet die große Chance, Fehler,
und der Teilbetrag, der nach dem 31. Dezember
die im vergangenen Jahr oder früher gemacht worden
1998 einer Körperschaftsteuer in Höhe von 40 vom
sind, zu korrigieren.
Hundert ungemildert unterlegen hat, erhöht sich um
(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Ja! Auch die Beträge, die nach § 34 Absatz 12 Satz 6 bis 8 ei-
eure!) ner Körperschaftsteuer von 40 vom Hundert unter-
legen haben, jeweils nach Abzug der Körperschaft-
– Ja, auch unsere. Alle Fehler, die in der Vergangenheit steuer, der sie unterlegen haben.
gemacht wurden, hättet ihr korrigieren können. – Diese
Chance ist verpasst worden. Herr Brinkhaus hat vorhin (Heiterkeit und Beifall bei der SPD, der LIN-
vorwurfsvoll gesagt, die SPD verweigere sich bestimm- KEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
ten Dingen. Damit hat er vollkommen recht. Wir verwei- Volker Kauder [CDU/CSU]: Können Sie es
gern uns zum Beispiel einem 1-Milliarde-Euro-Ge- noch einmal vorlesen? Ich habe es nicht ver-
schenk für die Hotels. standen!)
(Beifall bei der SPD – Volker Kauder [CDU/ Es ist offensichtlich, dass Sie das Ziel der Einfachheit er-
CSU]: Jetzt fängt der schon wieder an! Das hat reicht haben. Diesem Begriff von Einfachheit verwei- (D)
(B) so einen Bart!) gern wir uns aber. Da hat Herr Brinkhaus schon wieder
– Diesen Bart hätte man heute mit diesem Gesetz ab- recht.
schneiden können. Dann wäre alles wunderbar gewesen. (Abg. Leo Dautzenberg [CDU/CSU] meldet
(Beifall bei der SPD und der LINKEN) sich zu einer Zwischenfrage)
Wir verweigern uns auch Körperschaftsteuergeschenken – Nein, im Moment kann ich keine Zwischenfrage zulas-
an Konzerne, die diese nicht brauchen, Subventionen für sen.
eine Klientel, die diese nicht nötig hat.
Wir nehmen aber noch an anderer Stelle eine Verwei-
(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Welche denn? gerungshaltung ein. Wir verweigern uns zum Beispiel
Womit denn?) der Abschaffung der Rentenversicherungsbeiträge für
ALG-II-Empfänger, der Abschaffung des Elterngeldes
Ich will aber einmal die Frage aufwerfen, ob das Ge-
für ebendiese Gruppe sowie der Abschaffung des Heiz-
setz wenigstens die eine Forderung erfüllt, die speziell
kostenzuschusses.
die FDP elf Jahre lang wie eine Monstranz vor sich her-
getragen hat. Sie hat gesagt, sie kümmere sich um Ein- (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
fachheit. DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Barbara
(Beifall bei Abgeordneten der FDP) Höll [DIE LINKE])
Ich habe diesen Ordner mitgebracht, Das Versäumnis der Korrektur von Fehlern führt zu
einem System, das sich nur dann erschließt, wenn man
(Der Redner hält einen Ordner hoch) den Blick auf den Unterschied zwischen Arm und Reich
in dem sich ein Quiz befindet. Der Ordner enthält den richtet. Es wird jetzt die Zulagenberechtigung bei der
Gesetzentwurf und die über 36 Änderungsvorschläge. Riester-Förderung ermöglicht. Aber warum wird sie ei-
Die Quizaufgabe besteht darin, in Ihren Vorschlägen gentlich ermöglicht? Weil man die Altersvorsorgerege-
eine einzige einfache Formulierung zu finden. lung für die ALG-II-Empfänger zuvor abgeschafft hat.
(Heiterkeit bei der SPD) (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ich will einmal eine Stelle vorlesen, die ein Mitarbeiter Sie meinen, das sei eine ganz tolle Regelung. In Wahr-
mir vorgeschlagen hat – Sie können aber auch jede belie- heit ist es aber nur ein Placebo für diejenigen, die nichts
bige andere Stelle aufschlagen –: haben und nach Inkrafttreten dieser Regelung erst recht
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7293
Lothar Binding (Heidelberg)
(A) nichts haben werden. Da verweigern wir uns schon wie- festgelegt werden soll, dass wir nicht beteiligt werden, (C)
der. sehen wir natürlich nicht ein.
(Beifall bei der SPD) (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Die Rechtsprechung des BFH hat die Möglichkeit der
korrigierenden Verlustfeststellung gemäß § 10 d des Ein- Jetzt komme ich zu etwas ganz Schlimmem. Das be-
kommensteuergesetzes hinsichtlich der Werbungskosten trifft wahrscheinlich weniger die Arbeitslosengeld-II-
während einer Phase der Arbeitslosigkeit geschaffen. Empfänger, weshalb das auch noch nicht geregelt wurde.
Wir wollen, dass die Kosten für Umschulung und Ar- Sie haben die strafbefreiende Selbstanzeige in diesem
beitsplatzsuche auch nachträglich geltend gemacht wer- Gesetzentwurf nicht geregelt, obwohl der Bundesrat Ih-
den können. Sie wollen das verhindern. Wie kleinlich nen das nahegelegt hat.
muss man sein, um einem Arbeitslosen, der eine Um-
schulung hatte und möglicherweise vergessen hat, dies (Nicolette Kressl [SPD]: Ja!)
geltend zu machen, die nachträgliche Geltendmachung Es ist natürlich klar, warum Sie das noch nicht geregelt
zu verwehren? haben: Die strafbefreiende Selbstanzeige ist möglicher-
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten weise eine Hilfe für Leute, die mehr Geld als
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Arbeitslosengeld II haben. Nach dem Eiertanz beim An-
kauf der CD in Baden-Württemberg ist das eigentlich
Umgekehrt bekommt der Selbstständige fast alle Be- auch gar nicht verwunderlich.
scheide unter Vorbehalt. Für ihn ist also eine automati-
sche Sicherung eingebaut. Das ist der Unterschied zwi- (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
schen Schwach und Stark und zwischen einer BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Verweigerung und einer Politik der Gestaltung. Die Dimension ist klar: Es gab 27 000 Selbstanzeigen
(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das infolge des Ankaufs dieser CD. Daran merkt man, um
ist die Neiddebatte!) welche Größenordnung es sich im Bereich der Steuer-
hinterziehung handelt. Wir glauben, dass es ein wirklich
– Das ist keine Neiddebatte. So neidisch bin ich nicht auf schwerer Fehler ist, dass Sie das noch nicht geregelt ha-
die Leute, die Sie schlecht behandeln. ben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten Ich will noch Folgendes sagen: Das Kabinett wollte
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) etwas Gutes tun und einen redaktionellen Fehler im Erb-
(B) Über eine Bundesratsinitiative wollen wir es Lohn- schaftsteuerrecht korrigieren. Dadurch hätte die Übertra- (D)
steuerhilfevereinen erlauben, ihre Mitglieder auch dann gung ganz bestimmten Verwaltungsvermögens auf
zu beraten, wenn sie eine unwesentliche Beteiligung an Untergesellschaften, um die Obergesellschaft erbschaft-
einem geschlossenen Fonds haben. Auch das verweigern steuerlich freizustellen, vermieden werden können. Das
Sie. Warum verweigert man den Lohnsteuerhilfeverei- Parlament hat dieser guten Idee der Regierung, das zu
nen die Erweiterung ihrer Befugnisse um einen Mikro- korrigieren, nicht zugestimmt und damit die Erbschaft-
meter, während man ganz anderen Leuten Befugnisse steuer noch weiter ausgehöhlt.
gibt, durch die ihnen fast alles erlaubt wird? (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
(Olav Gutting [CDU/CSU]: 100 000 Euro sind des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Leo
ein Mikrometer?) Dautzenberg [CDU/CSU]: Das ist doch nicht
wahr!)
Auch hier gibt es eine große Ungerechtigkeit zwischen
den Schwachen und den Starken. Wir verweigern uns 250 Milliarden Euro werden im Jahr vererbt. Es war
der Missachtung dieser Gerechtigkeitsprinzipien. angedacht, durch die Erbschaftsteuer 4 Milliarden Euro
einzunehmen. Das wird jetzt weiter abgesenkt. Wer sich
(Beifall bei Abgeordneten der SPD) ausrechnen kann, wie viel 3 bis 4 Milliarden von
Es gibt noch einen anderen Punkt anzusprechen. Sie 250 Milliarden Euro sind, der kennt die Bedeutung der
wollen nämlich noch etwas machen, was das Parlament Erbschaftsteuer und weiß, was hier passiert und für wel-
betrifft. Hier sind wir sehr sensibel, insbesondere des- che Klientel bei diesem Gesetzentwurf gearbeitet wird.
halb, weil einige CDU/CSU-Kollegen zuvor, in der Gro- Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen.
ßen Koalition, gemeinsam mit uns noch sehr vehement Die FDP erklärte uns in diesem Zusammenhang, es
für die parlamentarische Beteiligung an internationalen sei eine Verschärfung der Gesetzgebung, die Gestaltung
Verhandlungsprozessen eingetreten sind. Dabei ging es einzuschränken. Das muss man sich auf der Zunge zer-
zum Beispiel um Doppelbesteuerungsabkommen. In gehen lassen. Ich übersetze das einmal: Es ist eine Ver-
diese Prozesse wollten und sollten wir stärker eingebun- schärfung der Gesetzgebung, wenn man dagegen vor-
den werden. Was passiert jetzt? Sie ermächtigen die Re- geht, dass Steuertricks angewendet und Schlupflöcher
gierung, Verordnungen in Kraft zu setzen und Konsulta- ausgenutzt werden. – Das halte ich für absurd. Hier ver-
tionen und Verständigungsverfahren durchzuführen, weigern wir uns total, und wir stimmen dem Gesetzent-
damit das Parlament außen vor bleibt. Das wollen wir wurf auch nicht zu.
nicht; wir wollen beteiligt werden. Wir können im Zwei-
felsfall selbst darauf verzichten; dass aber per Gesetz Vielen Dank.
7294 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Andreas G. Lämmel
(A) 16. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Can- 2-Grad-Ziel völkerrechtlich festgeschrieben und ein glo- (C)
cún vom 29. November bis zum 10. Dezember 2010. bales, mit der 2-Grad-Leitplanke konformes Budget für
Deutschland geht bei der Entwicklungszusammenarbeit Kohlendioxid, also CO2, aus fossilen Quellen festgelegt
und beim Klimaschutz weiter voran. werden. Dieses globale CO2-Budget ist dann auf Pro-
Kopf-Basis in nationale Emissionsbudgets für alle Staa-
Dr. Bärbel Kofler (SPD): ten zu unterteilen.
Dem heute debattierten Gesetzentwurf haben alle Durch seine innovativen Ansätze im Bereich der Ver-
Fraktionen des Deutschen Bundestages zugestimmt. Die fahrensregeln und der Verwaltung entspricht der UN-
SPD-Fraktion begrüßt den Gesetzentwurf, da er ein ent- Anpassungsfonds diesem Solidargedanken und ist mit-
scheidender Schritt zur Umsetzung des UN-Anpassungs- hin ein zukunftsweisender Mechanismus der internatio-
fonds, eines wichtigen Instruments zur Finanzierung des nalen Klimafinanzierungsarchitektur.
internationalen Klimaschutzes, ist.
Durch den UN-Anpassungsfonds wird den Entwick-
Die Einrichtung des UN-Anpassungsfonds ist bereits lungsländern – im Gegensatz zu vielen anderen interna-
im Kioto-Protokoll von 1997 beschlossen worden. tionalen Fonds – direkter Zugang zu Finanzmitteln er-
Durch die heutige Zustimmung zum vorliegenden Ge- möglicht. Dadurch wird die Eigenverantwortung der
setzentwurf wird dieser Fonds endlich rechtlich in die Entwicklungsländer gestärkt. Das ist ein Grundsatz, der
Lage versetzt, seine Arbeit zu machen. Der UN-Fonds sich bereits in der Paris-Agenda findet und der dem so-
wurde im Laufe der vergangenen neun Jahre Schritt für zialdemokratischen Anspruch an Entwicklungspolitik
Schritt aufgebaut: Bei der Klimarahmenkonferenz in als globaler Strukturpolitik entspricht. Positiv zu bewer-
Marrakesch im Jahr 2001 ist mit der Einrichtung des ten ist, dass der UN-Fonds Klimaanpassung nicht gegen
Fonds begonnen worden, und nach der Klimakonferenz Armutsbekämpfung ausspielt; er hilft vielmehr eine ar-
auf Bali im Jahr 2007 konnte das Steuerungsgremium mutsorientierte Klimaanpassung für Entwicklungslän-
des Fonds eingesetzt werden und seine Arbeit aufneh- der zu finanzieren.
men. Bisher aber fehlte ihm die nötige Rechtsform, um
Innovativ ist auch die Finanzierung des Anpassungs-
finanzielle Zusagen an Entwicklungsländer machen zu
fonds, weil er darauf angelegt ist, aus dauerhaften Geld-
dürfen. Da das Steuerungsgremium des UN-Fonds sei- quellen gespeist zu werden wie auch einmalige Direkt-
nen Sitz in Bonn hat, war es nun Aufgabe des deutschen zahlungen und Spenden zu absorbieren. Der Fonds hat
Gesetzgebers, mit dem heute zu verabschiedenden Ge- bisher leider nur eine automatisierte Geldquelle. Er
setz die nötige Rechtsgrundlage für die Arbeit des Gre- wird regelmäßig durch die Erlöse aus den Projekten des
miums zu schaffen. Mit dem heutigen Tag ist auch dafür
Clean-Development-Mechanismus gespeist. Das ist eine
(B) der Weg frei und der Fonds nun endgültig arbeitsfähig. Möglichkeit, den Fonds mit regelmäßigem Geldzufluss (D)
Ziel des Fonds ist es, diejenigen Entwicklungsländer, zu versehen. Aber hier gibt es Verbesserungsbedarf. Die
die von den negativen Auswirkungen des Klimawandels Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass diese
besonders betroffen sind, bei der Finanzierung von kon- automatisierte Finanzierung weit höher liegt. Zum einen
kreten Projekten und Programmen zur Anpassung an sollte der prozentuale Anteil am Erlös aus den CDM-
den Klimawandel zu unterstützen. Für viele der armen Projekten deutlich höher sein; bisher werden 2 Prozent
Länder der Welt ist die Anpassung an den Klimawandel der Erlöse aus CDM-Projekten dem UN-Anpassungs-
vielmehr eine Notwendigkeit als eine Option. Sie erfor- fonds gewidmet. Zum anderen ist es für die Zukunft
dert massive finanzielle Aufwendungen, den Aufbau von wichtig, dass neue dauerhafte Finanzierungsquellen für
Kapazitäten auf verschiedenen Ebenen und eine stetige den Fonds gefunden werden.
Erweiterung des Wissens über den Klimawandel. Da die Der UN-Anpassungsfonds eignet sich auch für di-
Klimaanpassung als Aufgabe neben der Armutsbekämp- rekte Einzahlungen von Staaten. Aber leider hat sich die
fung für viele Entwicklungsländer kaum zu meistern ist, Bundesregierung trotz ihrer vollmundigen Kopenhagen-
bedarf sie einer zusätzlichen Finanzierung. Zusagen von 1,26 Milliarden Euro für den internationa-
Der UN-Anpassungsfonds ist mithin Ausdruck eines len Klimaschutz auch bei den Direktzahlungen an den
wichtigen Grundgedankens des Kioto-Protokolls: Das Fonds bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Im Jahr 2010
Weltklima ist ein globales Gut, und wer es belastet, muss hat die Bundesregierung 10 Millionen Euro für den An-
sich gegenüber allen – insbesondere den Belasteten – passungsfonds zugesagt. Beispielsweise Spanien hat in
verantworten. Diese Übernahme von globaler Verant- diesem Jahr bereits 45 Millionen Euro in den Fonds ein-
wortung entspricht sozialdemokratischer Überzeugung. gezahlt. Angesichts der Zusagen von Kopenhagen sollte
die Bundesregierung in den kommenden Jahren auch
Der Gedanke der globalen Verantwortung beinhaltet den Anpassungsfonds weiter finanzieren. Für den An-
für uns Sozialdemokraten eine Lastenverteilung unter passungsfonds wurden aber über das Jahr 2010 hinaus
Anwendung des Verursacherprinzips, also nach dem keine weiteren Zahlungen in Aussicht gestellt, obwohl es
Kriterium der historischen Kohlenstoffschuld der einzel- sinnvoll wäre, über diesen UN-Fonds weitere Gelder für
nen Staaten, und dem Solidarprinzip, also gemessen an Klimaanpassung bereitzustellen.
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Staaten.
Aber nicht nur an dieser Stelle fehlt es am glaubwür-
Ein Kioto-Nachfolgeprotokoll muss diesen Grundge- digen und langfristigen Engagement der Bundesregie-
danken auch zukünftig weiterführen und einen entspre- rung für den internationalen Klimaschutz. Dieses Jahr
chenden Budgetansatz zugrunde legen. Dazu sollte das hat die Bundesregierung insgesamt 70 Millionen Euro
Harald Leibrecht
(A) Das nun von der Bundesregierung vorgelegte Gesetz und durch vielfachen Missbrauch diskreditiertes Instru- (C)
trägt dazu bei, dass der Rat durch die ihm verliehene ment halten, skeptisch.
Rechtsfähigkeit Verträge schließen und somit verbindli-
che Vereinbarungen mit Mittelempfängern eingehen, Wie die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam er-
Vermögen erwerben und veräußern und auch vor Ge- rechnete, ist ein Großteil der 1,26 Milliarden Euro, die
richt stehen kann. Dies ist natürlich von besonderer Be- bis 2012 von Deutschland eingezahlt werden sollen,
deutung, da der Rat des Anpassungsfonds die Einhal- nicht zusätzlich, weil sie bereits an anderer Stelle und
tung von Standards sicherstellen und unter Umständen zum Teil vor Jahren international zugesagt worden wa-
vor Gericht durchsetzen können muss. ren. Skandalös ist, dass die Bundesregierung mithilfe
von Rechentricks Klimaschutzkredite an Entwicklungs-
Der Fonds kann sich zu einem äußerst wichtigen In- länder in Höhe der vollen Kreditsumme anrechnet und
strument entwickeln, um den Entwicklungsländern dabei nicht nur in Höhe des Beitrags, mit dem Deutschland
zu helfen, ihre eigenen Fähigkeiten zur Anpassung an
diese Kredite verbilligt. Das heißt im Klartext, dass die
die Folgen des Klimawandels aufzubauen. Es ist wich-
armen Länder diese Kredite vollständig zurückzahlen
tig, dass die Länder die Anpassung an den Klimawandel
müssen, was mit echten Finanzhilfen im Sinne der voll-
selber vorantreiben und wir unter anderem mit diesem
mundig angekündigten Versprechen der Klima-Kanzle-
Gesetz etwas dazu beitragen.
rin nichts zu tun hat. Mit dieser Mogelpackung wird we-
der das Klima gerettet noch Vertrauen in den von
Heike Hänsel (DIE LINKE): Klimafolgen besonders betroffenen Ländern geschaffen.
Viele Millionen Menschen in Ländern wie Bangla-
desch, Pakistan, Bolivien und Papua-Neuguinea leiden Die Linke fordert eine wirkliche Kehrtwende beim
schon jetzt unter den Auswirkungen des Klimawandels. globalen Klimaschutz, die nicht nur aus Worten besteht.
Diese und andere Länder des Südens haben den Klima- Die hauptsächlichen Verursacher des Klimawandels
wandel nicht selbst verursacht, müssen jedoch den Preis sind die Industriestaaten, die sich ihrer Verantwortung
für den Wohlstand im Norden mit der Zerstörung ihrer endlich stellen und den betroffenen Ländern helfen müs-
Lebensgrundlagen bezahlen. Die Verursacher des Kli- sen. Wir verlangen eine reale Finanzierungsgrundlage,
mawandels, maßgeblich die Industrienationen, müssen wie sie von Weltbank, UN-Gremien und Umwelt- und Ent-
den Preis für ihren Wohlstand bisher nicht selbst zahlen. wicklungsverbänden berechnet wurde. Die Industriestaa-
Deswegen begrüße ich zunächst die Entscheidung der ten müssen demnach bis 2020 jährlich 110 Milliarden
Bundesregierung, sich an der Einrichtung des UN-An- Euro in den Fonds einzahlen, die nicht mit Transferzah-
passungsfonds zur Finanzierung von Klimaschutz und lungen in der Entwicklungszusammenarbeit verrechnet
Anpassung im globalen Süden zu beteiligen. werden dürfen. Die EU soll 35 Milliarden Euro beisteu- (D)
(B)
Viele Umweltschutz- und Entwicklungsorganisatio- ern; der deutsche Anteil daran beträgt 7 Milliarden
nen haben seit Jahren gefordert, dass sich die Bundesre- Euro. Wir fordern, dass seitens der EU-Mitgliedstaaten
gierung für den Anpassungsfonds einsetzt und halten ein relevanter Teil der Einnahmen aus den Auktionserlö-
diesen vorliegenden Gesetzentwurf sogar für einen sen des europäischen Emissionshandelssystems verwen-
Durchbruch. Ausschlaggebend ist, dass es für Entwick- det wird. Von diesen Summen sind die Lippenbekennt-
lungsländer, die vom Klimawandel betroffen sind, nun nisse der Bundesregierung weit entfernt.
erstmals möglich ist, direkte finanzielle Unterstützung
aus einem internationalen Klimafonds zu erhalten, ohne Um wirklich zum Klimaschutz beizutragen, wäre es
den Umweg über die Weltbank oder andere Institutionen außerdem nötig, die armen Länder beim Schutz der letz-
wählen zu müssen. Das Kopenhagen-Versprechen der ten tropischen Regenwälder zu unterstützen. Es ist
Bundeskanzlerin wird aber nur im Ansatz erfüllt und ist schlicht Sabotage, dass Entwicklungshilfeminister
nur oberflächlich gesehen ein Fortschritt. 2010 werden Niebel die Zusage zur Unterstützung der Bundesregie-
Haushaltstitel in Höhe von 350 Millionen Euro auf die rung für das ITT-Projekt zurückgezogen hat. Die ecua-
Kopenhagen-Zusage angerechnet. Davon sind aber le- dorianische Regierung hat im August dieses Jahres ei-
diglich 70 Millionen „frisches“ Geld; für 2011 und 2012 nen Fonds für den Yasuní-Nationalpark eingerichtet mit
sollen sogar diese 70 Millionen Euro gestrichen werden. dem Ziel, die Regenwälder zu erhalten und das Öl im
Boden zu lassen. Per Parlamentsbeschluss hat Ecuador
In seiner gegenwärtigen Konstruktion kann der ferner festgelegt, dass das Projekt von Nachfolgeregie-
Fonds bis 2012 auf maximal 500 Millionen Euro an- rungen nicht rückgängig gemacht werden kann. In den
wachsen. Die Weltbank schätzt den Finanzierungsbe- letzten Jahren hat die deutsche Bundesregierung zusam-
darf bei der Klimaanpassung jedoch auf bis zu 100 Mil- men mit anderen Industrieländern, darunter Kanada,
liarden Euro jährlich. Der Fonds ist also deutlich Italien und Norwegen, unter anderem dieses wegwei-
unterfinanziert und zu leistungsschwach angesichts der sende Klimaschutzprojekt stets unterstützt. Dass Minis-
Herausforderungen von globalen Klimakatastrophen, ter Niebel dem Regenwaldprojekt nun in der entschei-
Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Wüstenbil- denden Phase den Dolchstoß verpasst, ist ein Schlag ins
dung.
Gesicht für Ecuador und die internationalen Bemühun-
Die Finanzierung des Fonds erfolgt über den Mecha- gen um Klimaschutz. Minister Niebel, ziehen Sie Ihre
nismus für umweltverträgliche Entwicklung, den Clean Absage an das ITT-Projekt zurück, und setzen Sie die
Development Mechanism, CDM. Die Linke sieht die Fi- Kopenhagen-Versprechen Ihrer Bundesregierung end-
nanzierung über den CDM, den wir für ein untaugliches lich in die Tat um!
(A) Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Governance-Struktur aus. Die Entwicklungsländer ha- (C)
Es ist äußerst selten, dass der Ausschuss für wirt- ben nämlich die Mehrheit der Sitze in dem Rat, bei dem
schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als feder- die Entwicklungsländer direkt Projektmittel beantragen
führender Ausschuss mit Gesetzen befasst ist. Selten ist können, ohne Umweg über Institutionen wie die Welt-
es auch, dass wir im Entwicklungsausschuss einstimmig bank machen zu müssen. Das ist ein Novum auf dem Ge-
abstimmen. Beides trifft auf den Entwurf des Gesetzes biet der Entwicklungsfinanzierung, und ich hoffe, dass
zur Verleihung der Rechtsfähigkeit an den Rat des An- der Rat durch eine gute Arbeit hier einen neuen Stan-
passungsfonds zu. dard setzt.
Wir Grünen haben es sehr begrüßt, dass der Anpas- Ein Kriterium für die Bewilligung von Projekten ist,
sungsfonds bei der Klimakonferenz in Poznan der vollen dass die Belange von besonders verletzlichen Bevölke-
Operationalisierung näher gebracht wurde. Dort wurde rungsgruppen Priorität haben. Eine solche Ausrichtung
auch beschlossen, dass dem Rat des Anpassungsfonds an den Ärmsten und Verletzlichsten haben wir stets
die Rechtsfähigkeit verliehen werden soll, was mit der gefordert. Bei der letzten Sitzung des Rates wurden die
Verabschiedung dieses Gesetzes geschehen wird. Ich ersten Projekte bewilligt, unter anderem für ein Küsten-
freue mich außerordentlich, dass Deutschland angebo- schutzprojekt im Senegal und ein Wasserprojekt in städ-
ten hat, dem Rat diese Rechtsfähigkeit einzuräumen; tischen Armenvierteln in Honduras. Damit möglichst
denn Deutschland hatte bisher eine Führungsrolle bei bald viele sinnvolle Projekte über den Fonds finanziert
der internationalen Klimapolitik und wurde auch von werden können, ist es aber wichtig, dass die notwendi-
den Entwicklungsländern dafür geschätzt. Leider muss gen finanziellen Mittel hierfür bereit gestellt werden. Im
ich sagen „hatte bisher eine Führungsrolle“; denn die September dieses Jahres erklärte die Managerin des An-
Politik der gegenwärtigen Bundesregierung kann nicht passungsfonds, Marcia Levaggi, dass der Fonds zurzeit
mehr so beschrieben werden. Aber ich habe die Hoff- über circa 150 Millionen US-Dollar verfüge. Zugleich
nung, dass unsere heutige Debatte und die Arbeit des schätzt der UNFCCC, dass bis 2030 bis zu 59 Milliarden
Anpassungsfonds in Bonn die Bundesregierung daran US-Dollar für die Anpassung der Entwicklungsländer
erinnern, dass Deutschland ein großes Interesse hat, den an den Klimawandel benötigt werden. Die Weltbank
Ruf als Vorreiter in Klimafragen und das Vertrauen der rechnet mit Kosten von bis zu 100 Milliarden US-Dollar
Entwicklungsländer wiederherzustellen. Dieses Vertrau- pro Jahr. Es wird also nicht ausreichen, den Fonds mit
ensverhältnis wiederherzustellen, muss allen ein Anlie- nur zwei Prozent der Umsätze des Clean Development
gen sein, die an einem rechtsverbindlichen Post-Kioto- Mechanism zu speisen. Daher fordern wir die Bundes-
Abkommen interessiert sind. regierung auf, sich an der finanziellen Ausstattung des
Fonds kräftig zu beteiligen, ohne die bereit gestellten
(B) Vertrauen stellt man aber nicht her, indem man vor Mittel auf die ODA-Quote anzurechnen. (D)
Kopenhagen für drei Jahre jeweils 420 Millionen Euro
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. An den Fol-
zusätzlicher Mittel für den Klimaschutz und die Anpas-
gen des Klimawandels allerdings sterben schon heute
sung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu-
Menschen.
sagt und dann im ersten Jahr nur 70 Millionen Euro und
im zweiten Jahr genau null Euro zusätzliche Mittel be-
reitstellt. Vertrauen gewinnt man nicht, indem die Kli- Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
magelder auf die ODA-Quote angerechnet werden. Wir Wir kommen zur Abstimmung. Der Ausschuss für
müssen vielmehr der historischen Verantwortung ge- wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung emp-
recht werden, die wir als Mitverursacher des Klimawan- fiehlt in seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache
dels gegenüber den Entwicklungsländern tragen, und 17/3473, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf
die Klimagelder tatsächlich zusätzlich, also ohne sie auf Drucksache 17/3027 anzunehmen. Ich bitte diejenigen,
die ODA-Quote anzurechnen, bereitstellen. Und Ver- die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustim-
trauen gewinnt man nicht, wenn man die Gelder, die im men wollen, um ihr Handzeichen. – Gegenstimmen? –
Energie- und Klimafonds für den internationalen Klima- Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf ist in zweiter Bera-
und Umweltschutz eingestellt werden sollen, sperrt, bis tung einstimmig angenommen.
„eine verbindliche, umfassende Nachfolgevereinbarung
des Kioto-Protokolls zum Internationalen Klimaschutz Dritte Beratung
abgeschlossen wird“. All das tut die Bundesregierung und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
aber, unterstützt von den Abgeordneten der schwarz-gel- Gesetz zustimmen wollen, sich zu erheben. – Gegen-
ben Koalition. Statt als Vorreiter voranzugehen, mit der stimmen? – Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf ist ein-
Einhaltung von internationalen Finanzzusagen Impulse stimmig angenommen.
für die Klimaverhandlung zu geben und die eigene
Glaubwürdigkeit zu bekräftigen, treten Sie, werte Kolle- Ich rufe den Tagesordnungspunkt 18 auf:
gen und Kolleginnen der Koalition, als Bremser auf und
spielen Mikado: Klimaschutz erst, wenn sich andere be- Beratung der Beschlussempfehlung und des Be-
wegen. Dabei läuft die Zeit davon, um das 2-Grad-Ziel richts des Innenausschusses (4. Ausschuss) zu
noch zu erreichen. dem Antrag der Abgeordneten Wolfgang
Wieland, Dr. Konstantin von Notz, Volker Beck
Lassen Sie mich noch etwas zum Rat des Anpassungs- (Köln), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
fonds sagen. Er zeichnet sich durch eine besondere BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
7304 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Sonja Steffen
(A) Anders als bisher führt die Verletzung der Informa- Anlagen, die den jeweiligen Mitgliedern im Tausch ge- (C)
tionspflichten nicht mehr nur zu einer Verlängerung des gen ihren eigenen Platz zur Verfügung stehen. Darüber
Widerrufrechts. Die Widerrufsfrist beträgt immer 14 Tage, hinaus bieten diese Organisationen vielfach hotelartige
beginnt aber erst, wenn der Unternehmer seinen Infor- Serviceleistungen vor Ort an und Serviceleistungen für
mations- und Belehrungspflichten nachgekommen ist. die Organisation des Urlaubs, die an Reiseveranstalter
erinnern.
Durch die Ausdehnung des Anzahlungsverbotes auf
den gesamten Zeitraum vom Vertragsschluss bis zum Gegenüber der alten Richtlinie 94/47/EG werden
Ablauf der Widerrufsfrist wird sichergestellt, dass dem nunmehr auch derartige Teilzeitwohnverträge erfasst –
Verbraucher während dieser Zeit keine Kosten entste- unabhängig davon, ob sie Erholungszwecken dienen und
hen. Damit werden die Möglichkeiten der Verbraucher, sich der Anwendungsbereich auf sämtliche „Tausch“-
von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen, deutlich Organisationen und „Tausch“-Verträge erstreckt –, die
verbessert und die Gefahr der Entstehung von Kosten, vergleichbare Leistungen anbieten, die sich erst im
die im Falle des Widerrufs mühsam und oft ohne Erfolg Laufe der Zeit entwickelt haben. So werden nunmehr
zurückgefordert werden müssten, vermieden. zum Beispiel auch Hausboote oder Wohnmobile erfasst.
Eine nachträgliche Klarstellung auf Anregung des Die Richtline schreibt Vollharmonisierung vor, um
Bundesrates garantiert, dass die Verbraucher im Fall Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt zu begegnen
des Widerrufs auch vor Kosten für notarielle Beurkun- und, da diese Vertragstypen überwiegend grenzüber-
dungen, öffentliche Beglaubigungen oder Grundbuch- schreitend relevant sind, allen den gleichen Schutzstan-
eintragungen geschützt werden. dard zu bieten. Geregelt werden sollen vorvertragliche
Informationen, Formerfordernisse beim Abschluss,
Insgesamt modernisieren und verbessern die EU- Widerrufsrechte, die Beendigung etc. Die Vorgabe der
Richtlinie und der vorliegende Gesetzentwurf damit den Vollharmonisierung durch die Richtlinie lässt keinen
bereits geltenden Verbraucherschutz im Bereich der politischen Bewertungsspielraum, sondern lediglich
Teilzeit-Wohnrechteverträge sowie der unterschiedli- eine Beurteilung im Hinblick auf die handwerklich kor-
chen Urlaubsprodukte. Dies wird von der SPD-Bundes- rekte Umsetzung zu.
tagsfraktion ausdrücklich begrüßt.
Die Regelungen der §§ 481 ff. BGB, die bereits auf
Halina Wawzyniak (DIE LINKE): die alte Richtlinie zurückgehen, werden neugefasst und
angepasst. Wie üblich leidet die Übersichtlichkeit und
Am 14. Januar 2009 ist die Richtlinie 2008/122/EG
Verständlichkeit der Normen an den Vorgaben der Richt-
des Europäischen Parlaments und des Rates verabschie-
linie und dem Bemühen um eine Eins-zu-eins-Umset-
det worden, die die Richtlinie 94/47/EG ablöst und bis
(B) zung. Soweit ersichtlich, sind die Vorgaben der Richtli- (D)
zum 23. Februar 2011 durch den nationalen Gesetzge-
nie umgesetzt.
ber umzusetzen ist. Gegenstand der Richtlinie ist die
Vollharmonisierung des Rechts in der Europäischen Welche konkreten rechtlichen Probleme allerdings
Union „im Hinblick auf bestimmte Aspekte der Vermark- aus der vorliegenden Umsetzung aufgrund der mannig-
tung, des Verkaufs und des Wiederverkaufs von Teilzeit- faltigen Lebenssachverhalte resultieren, wird leider die
nutzungsrechten und langfristigen Urlaubsprodukten Praxis, mithin die Rechtsprechung, ausfindig machen
sowie von Tauschverträgen“. Dahinter verbergen sich müssen. So ist zum Beispiel nur schwer erkennbar, wie
– gemäß den Begriffsbestimmungen der Richtlinie sowie Verstöße gegen Regelungen auf der Rechtsfolgenseite
der Erwägungsgründe – Verträge zwischen Verbrauche- geahndet werden können. Die Richtlinie verlangt in
rinnen und Verbrauchern und Gewerbetreibenden, de- Art. 15 wirksame Sanktionsmechanismen bei Verstößen.
ren Gegenstand (Urlaubs-)Unterkünfte sind, die zwar So heißt es beispielsweise in § 482 Abs. 3 BGB-E, dass
gegen Entgelt, aber dauerhaft über längere Zeiträume derartige Verträge nicht als Geldanlage beworben oder
nach verschiedenen Modalitäten zur Verfügung gestellt verkauft werden dürfen. Dies mag Unterlassungs-
werden. ansprüche nach dem UWG oder Unterlassungsklagen
auslösen. Wie jedoch in der Praxis damit der laut GE-
Es geht um sogenannte Timesharing-Verträge, also
Begründung stärkere Verbraucherschutz entsteht, er-
spezielles „Ferienwohnrecht“. Die Richtlinie macht un-
schließt sich nicht; Verstöße gegen das UWG oder Un-
ter anderem in den Erwägungsgründen zur Abgrenzung
terlassungsklagen lassen den Vertrag unberührt, Ver-
dazu deutlich, dass Regelungsgegenstand nicht Mehr-
braucherschutzorganisationen sind ohnehin finanziell
fachreservierungen der gleichen Unterkunft oder Ra-
und tatsächlich am Limit mit der Verfolgung. Ob eine
battsysteme von Hotels für treue Kundinnen und Kunden
Anfechtung nach §§ 119 ff. BGB möglich ist oder gar
sind. Timesharing unterscheidet sich davon, wenn auch
eine Nichtigkeit nach § 134 BGB folgt, müssen Lehre
in unzähligen Facetten, dass das Recht zur Nutzung als
und Rechtsprechung wohl entwickeln. Ähnliche Fragen
Anspruch – sei es in Form einer Vereinsmitgliedschaft,
stellen sich in der Praxis beim Anzahlungsverbot nach
Gesellschaftsanteil, als dingliches Nutzungsrecht etc. –
§ 486 BGB-E.
zwischen Betreibenden und Nutzenden einer solchen Fe-
rienwohnanlage ausgestaltet ist: zum Beispiel Nutzung Systematisch und strukturell unglücklich gelöst – vor
zu einer festgelegten Zeit im Jahr, jedoch ohne dass Nut- dem Hintergrund der Rechtsklarheit und der Norm-
zerinnen und Nutzer selbst Alleineigentum oder Mitei- adressaten – sind zum Beispiel auch die Rechtsfolgen-
gentum am Objekt erwerben. In der Praxis haben große fragen im Hinblick auf darlehensfinanzierte Verträge
Timesharing-Organisationen weltweit eine Vielzahl an dieses Typus. So regelt § 485 BGB-E zwar das Wider-
Memet Kilic
(A) Besonders traurig, aber auch empörend finde ich, Niema Movassat (C)
dass selbst Kinder ab dem sechsten Lebensjahr Finger- Uwe Kekeritz
abdrücke abgeben müssen. Können sich Bundesbürger-
innen und -bürger eine solche erkennungsdienstliche b) Beratung des Antrags der Fraktion BÜND-
Behandlung ihrer sechsjährigen Kinder oder Enkelkin- NIS 90/DIE GRÜNEN
der vorstellen? Es ist schamlos, dass die europäische „Global Health Governance“ stärken – Ge-
Verordnung mehrfach auf die geltenden Menschenrechte sundheitsversorgung in Entwicklungs- und
und Kinderrechte hinweist und ein paar Zeilen weiter Schwellenländern voranbringen
sechsjährige Kinder verpflichtet, wie in einem Strafver-
fahren ihre Fingerabdrücke abzugeben. Das ist skanda- – Drucksache 17/3437 –
lös. Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Unerträglich ist auch, dass die Gebühren für die Auf- Entwicklung (f)
enthaltskarte um 50 Euro steigen sollen. Während der Auswärtiger Ausschuss
elektronische Personalausweis für deutsche Staatsange- Ausschuss für Gesundheit
hörige in Zukunft für etwa 28 Euro erhältlich sein wird, Die Reden werden zu Protokoll genommen.1)
sollen Drittstaatenangehörige für die vergleichbare Auf-
enthaltskarte bis zu 250 Euro zahlen. Diese eklatante Wir kommen zur Abstimmung.
Benachteiligung ist mit nichts zu rechtfertigen. Tagesordnungspunkt 22 a. Der Ausschuss für wirt-
Schließlich ist die Verwendung der Aufenthaltskarte schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung empfiehlt
als elektronischer Identitätsnachweis problematisch. in seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 17/3474,
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstech- den Antrag der Fraktion der SPD auf Drucksache 17/2135
nik, BSI, empfiehlt den Ausweisinhaberinnen und -inha- abzulehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfeh-
bern, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. lung? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Die Be-
Seitens der Regierung hört man außer wenig hilfreicher schlussempfehlung ist mit den Stimmen der Koalitions-
Empfehlungen wie, die Antivirensoftware stets auf dem fraktionen bei Gegenstimmen der SPD-Fraktion und
aktuellen Stand zu halten, nichts. Was können Betroffene Enthaltung der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/
jedoch tun, wenn die Betreiber der Antivirensoftware Die Grünen angenommen.
nicht schnell genug Updates anbieten oder die Anwen- Tagesordnungspunkt 22 b. Interfraktionell wird Über-
derinnen und Anwender mit der Software nicht klarkom- weisung der Vorlage auf Drucksache 17/3437 an die in
men? Darauf hat die Bundesregierung keine Antwort. der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschla-
(B) Ich fordere die Bundesregierung auf, die Erfassung gen. Sind Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall. (D)
von Fingerabdrücken nicht einzuführen und sich auf Dann ist das so beschlossen.
europäischer Ebene für eine Änderung der Verordnung Ich rufe den Tagesordnungspunkt 25 a und b auf:
einzusetzen.
a) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms: Waltraud Wolff (Wolmirstedt), Dr. Wilhelm
Interfraktionell wird Überweisung des Gesetzent- Priesmeier, Dirk Becker, weiterer Abgeordneter
wurfs auf Drucksache 17/3354 an die in der Tagesord- und der Fraktion der SPD
nung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es Herausforderung Klimawandel – Landwirt-
andere Vorschläge? – Das ist nicht der Fall. Dann ist das schaft 2050
so beschlossen.
– Drucksache 17/1575 –
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 22 a und b auf: Überweisungsvorschlag:
a) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz (f)
richts des Ausschusses für wirtschaftliche Zu- Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
sammenarbeit und Entwicklung (19. Ausschuss) Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
zu dem Antrag der Abgeordneten Karin Roth Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
(Esslingen), Burkhard Lischka, René Röspel, Entwicklung
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Deutschlands Verantwortung für die Gesund- b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Cornelia
heit in Entwicklungsländern – Vernachlässigte Behm, Ulrike Höfken, Friedrich Ostendorff, wei-
Krankheiten bekämpfen, Kinder- und Mütter- terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
sterblichkeit verringern und Globalen Fonds NIS90/DIE GRÜNEN
stärken Klimabilanz im Ackerbau verbessern
– Drucksachen 17/2135, 17/3474 – – Drucksache 17/2487 –
Berichterstattung: Überweisungsvorschlag:
Abgeordnete Sabine Weiss (Wesel I) Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Karin Roth (Esslingen)
Helga Daub 1) Anlage 15
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7313
(A) Verbraucherschutz (f) tigen Lebensmitteln und insbesondere tierischen Pro- (C)
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit dukten – wird darüber hinaus durch das dynamische
Die Reden werden zu Protokoll gegeben. Wirtschaftswachstum in China, Indien und weiteren
Schwellenländern verstärkt. Zusätzlich ist mit dem welt-
weiten Bedarf an Energie und Rohstoffen die Notwen-
Johannes Röring (CDU/CSU):
digkeit verbunden, Biomasse aufgrund der Endlichkeit
Zunächst muss ich den Kolleginnen und Kollegen der
fossiler Ressourcen und aufgrund des Klimaschutzes
Opposition zumindest zugute halten, dass sie mit ihren
stärker für die energetische und stoffliche Verwertung zu
Anträgen die Bedeutung der Landwirtschaft im Allge-
nutzen.
meinen bei den Themen Ernährungssicherheit, Welt-
ernährung und Klimawandel anerkennen. Allerdings Wir müssen also erkennen, dass nicht nur die land-
muss man feststellen, dass die inhaltliche Analyse und wirtschaftliche Produktionsmenge zunehmen muss.
Beurteilung bis auf wenige Ausnahmen desaströs ist. Vielmehr zeigen darüber hinaus die aktuellen Entwick-
Die Zielrichtung der Anträge ist grundsätzlich vollkom- lungen, dass die verfügbare Anbaufläche für landwirt-
men verfehlt. schaftliche Produkte weltweit pro Erdenbewohner dra-
Lassen Sie mich gleich zu Beginn ganz konkret eine matisch abnehmen wird; laut wissenschaftlicher
These aufstellen, die ich in meinen weiteren Ausführun- Prognosen wird sie sich bis zum Jahr 2040 halbieren.
gen dann erklären möchte: Die Landwirtschaft kann ei- Deshalb ist es unabdingbar, die Leistungsfähigkeit
nen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sie unserer Kulturpflanzen und damit die Effizienz der
denn effizient und intensiv betrieben wird. Landwirtschaft entscheidend zu steigern, so zum Bei-
Aber nicht nur in Fragen des Klimaschutzes, sondern spiel für Pflanzen mit verbessertem Nährstoffgehalt, hö-
auch in Fragen der Welternährung, des Einsatzes und herer Energiedichte, größerer Widerstandsfähigkeit
der Erzeugung erneuerbarer Energien sowie zum Schutz gegen klimatischen Stress oder Widerstandsfähigkeit ge-
der Biodiversität ist eine effiziente Landwirtschaft von gen Schädlinge und Krankheiten. Damit besteht die
entscheidender Bedeutung. Sie ist in der Lage, eine Möglichkeit der Vermeidung von Ertrags- und Quali-
wichtige Rolle für die zukünftige positive Entwicklung tätsverlusten. Auch ökologische Vorteile, wie reduzierter
vieler Regionen der Welt zu übernehmen. chemischer Pflanzenschutz und verbesserter Erosions-
schutz, sind zu nennen.
Die Landwirtschaft ist bzw. wird in der Zukunft ohne
Zweifel Betroffener des Klimawandels sein. Es ist aber Angesichts meiner Argumentation erschreckt es mich
auch nicht zu verneinen, dass die landwirtschaftliche nun schon, dass die Kollegen der Grünen in ihrem An-
trag die Weltbank dahin gehend zitieren, dass in Ent-
(B) Produktion Treibhausgase emittiert, wobei man gleich wicklungsländern von bis zu 21 Prozent weniger land- (D)
betonen muss, dass die Land- und Forstwirtschaft die
einzigen Sektoren sind, die in ihrer Produktion schädli- wirtschaftlichen Erträgen bis 2080 ausgegangen wird,
che Klimagase binden. Dies ist ein Punkt, den Sie zumin- und sie im weiteren Verlauf alle Maßnahmen zur Be-
dest in Ihren Anträgen anerkennen und nicht auch noch kämpfung dieser Entwicklung negieren. Vielmehr setzen
infrage stellen. Allerdings fehlt in Ihrer anklagenden Be- sie auf ineffiziente Anbaumethoden, glorifizieren den
trachtung ein Aspekt, den ich in diesem Zusammenhang Ökoanbau und sind nicht wirklich an Lösungen interes-
in die Diskussion einfließen lassen möchte: dass bei- siert, die den hungernden und mangelernährten Men-
spielsweise bei den weltweiten Methanemissionen mehr schen eine Perspektive bieten.
als die Hälfte auf natürliche Quellen – wie Feuchtge-
Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch die Bundes-
biete, Wälder oder Termiten – zurückzuführen ist. Diese
regierung lobend erwähnen, die den Lösungsansatz hin
Fakten werden in Ihrer Argumentation gerne vergessen.
zu einer verbesserten Effizienz als sehr bedeutend be-
Die Landwirtschaft ist beim Klimawandel aber nicht trachtet und deshalb besonders den Bereich Forschung
nur Betroffener oder Verursacher, sondern auch ein Teil durch diverse Aktivitäten unterstützt. Hier sind beson-
der Lösung. Ihr kommt bei der Lösung globaler Kli- ders das Bundesministerium für Ernährung, Landwirt-
mafragen ohne Zweifel eine zentrale Rolle zu. Ich schaft und Verbraucherschutz und das Ministerium für
möchte sogar noch weiter gehen und betonen, dass ihr Bildung und Forschung zu nennen, durch die bereits
grundsätzlich bei der Entwicklung einer zukunftsfähi- eine Vielzahl verschiedener Forschungsprojekte und Ak-
gen, auf natürlichen Ressourcen basierenden Wirtschaft tivitäten in der Vergangenheit gestartet worden sind. Im
eine entscheidende Rolle zukommt. Die Vereinten Natio- Januar 2008 wurde der Startschuss zu einer verbesser-
nen, die Weltbank und viele an dem Diskussionsprozess ten Forschungsförderung gegeben. Mit 200 Millionen
beteiligte Partner haben eine Reihe gesellschaftlicher Euro werden aktuell und in den nächsten Jahren Pro-
Herausforderungen entdeckt, denen wir dringend be- jekte in der Bioenergie-, Agrar- und Ernährungsfor-
gegnen müssen: das gleichzeitige Auftreten von Unter- schung an Hochschulen und außeruniversitären For-
und Mangelernährung bei einem anhaltenden Bevölke- schungseinrichtungen in Zusammenarbeit mit Partnern
rungswachstum, die Zerstörung von landwirtschaftlich aus der Wirtschaft gefördert. Das Ziel ist es, eine in der
und forstlich nutzbarer Fläche, Wassermangel, die Ver- Grundlagenorientierung und im Anwendungsbezug ex-
lagerung von Anbauzonen durch den globalen Klima- zellente Agrar- und Ernährungsforschung aufzubauen
wandel sowie der Rückgang biologischer Vielfalt, also und mit der Ausbildung sowie mit dem Transfer in Wirt-
Biodiversität. Der Anstieg der Nachfrage nach landwirt- schaft und Gesellschaft zu verbinden. Dadurch sollen
schaftlichen Erzeugnissen – wie zum Beispiel hochwer- anwendungsorientierte Kompetenznetze mit internatio-
Johannes Röring
(A) naler Sichtbarkeit und Attraktivität entstehen und Bei- Die Anträge enthalten aber vor allem eines: Sie for- (C)
träge für die Lösung gesellschaftlicher Probleme lie- dern die Bundesregierung zum Handeln auf. So ist es
fern. notwendig, den Stickstoffüberschuss zu verringern. Dies
ist unstrittig; das steht ja auch in der Nachhaltigkeits-
Auch aus dem Entwicklungshilfeministerium sind strategie der Bundesregierung. In den Indikatorenbe-
positive Ansätze seit dem Regierungswechsel zu verneh- richten steht aber auch, dass wir hier keinen Schritt vor-
men. Die Schwerpunkte in der Entwicklungshilfe liegen wärtskommen. Daher haben beide Anträge – unserer
jetzt verstärkt bei der Förderung und dem Aufbau von und der der Grünen – die gemeinsame Forderung, den
Agrarstrukturen in den Ländern der dritten Welt. Denn Stickstoffüberschuss auf 50 Kilogramm je Hektar zu be-
nur durch eine funktionierende Landwirtschaft kann die grenzen. Dies ist notwendig.
Grundlage wirtschaftlichen Handelns gelegt werden,
können sich Gesellschaften weiterentwickeln und sich so Wir fordern in unserem Antrag „Herausforderung
den Herausforderungen der Zukunft stellen. Klimawandel – Landwirtschaft 2050“, die größten Treib-
hausgasquellen der Landwirtschaft mit einem Sofortpro-
Abschließend komme ich zu dem Urteil, dass die An- gramm zu schließen. Es gilt, den Grünlandumbruch zu
träge, besonders unter dem Gesichtspunkt, welche Rolle unterbinden und die Stickstoffüberschüsse zu begrenzen.
die effiziente Landwirtschaft nicht nur beim Klima-
schutz, sondern bei vielen weiteren gesamtgesellschaft- Ich habe es am Anfang schon angeführt: Es liegt im
lichen Herausforderungen unserer Zeit spielen kann, eigenen Interesse der Landwirtschaft, den Klimawandel
eine große Enttäuschung sind. Sie verschließen die Au- zu begrenzen. Was hören wir aber immer wieder? Die
gen vor der Realität und flüchten sich in ideologische steigende Nachfrage nach Agrarprodukten wird als Ent-
Wunschvorstellungen, anstatt effektive Lösungswege zu schuldigung für Untätigkeit im Klimaschutz angeführt.
erschließen. Aus diesem Grund wird die CDU/CSU- So hat der Berliner Agrarministergipfel 2010 beschlos-
Bundestagsfraktion die Anträge ablehnen. sen, landwirtschaftliche Produktion führe unvermeidlich
zu Treibhausgasemissionen, zunehmende Agrarproduk-
tion werde also zu einem Anstieg der Treibhausgasemis-
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD): sionen führen, vor allem aus der tierischen Produktion.
Es ist Zeit, zu handeln. Wir müssen den Anstieg der Das ist eine Kapitulation. Diese Feststellung leugnet
globalen Durchschnittstemperatur auf höchstens 2 Grad letztendlich sowohl die Notwendigkeit als auch die
Celsius begrenzen. Dies ist der Anstieg, der in der Wis- Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasemissionen
senschaft als noch beherrschbar gilt. Dieses Ziel errei- in der Landwirtschaft. Zwingend ist vielmehr auch für
chen zu wollen, bedeutet: Wir müssen die Treibhausgas- die Landwirtschaft eine Festlegung konkreter Reduk-
tionsziele und die Einbeziehung der Landwirtschaft in (D)
(B) emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent und bis
2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 vermindern. das Regime zur Minderung von Treibhausgasen.
Für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft wird selbst Wir hatten im Februar im Ausschuss für Ernährung,
dieser Anstieg erhebliche Auswirkungen haben. In eini- Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine große An-
gen Regionen werden Hitze- und Trockenperioden zu- hörung zum Klimaschutz durch die Landwirtschaft. Die
nehmen, in anderen werden starke Regenfälle und damit Experten haben uns zum Handeln aufgefordert. Es wird
einhergehend Überschwemmungen häufiger werden. Zeit, dieser Aufforderung nachzukommen. Wie das ge-
Gerade die Agrarpolitik muss also auf das Erreichen der hen kann, zeigen wir mit diesen Anträgen auf. Jetzt fehlt
Klimaziele drängen. Sie muss gleichzeitig – und das nur noch eine handelnde Regierung.
liegt in ihrem eigenen Interesse – notwendige Maßnah-
men zur Reduzierung der durch Nahrungsmittel- und Dr. Edmund Peter Geisen (FDP):
Biomasseproduktion induzierten Emissionen ergreifen. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ge-
hören zu den wichtigsten umwelt-, gesellschafts- und
Landwirtschaftliche Produktion ist nicht klima- wirtschaftspolitischen Herausforderungen der heutigen
neutral. Die Trockenlegung von Sümpfen und Mooren Zeit. Immer wieder legen wissenschaftliche Untersu-
zur landwirtschaftlichen Nutzung, die Abholzung von chungen die Vermutung nahe, dass große Imperien – wie
tropischen, subtropischen und borealen Wäldern, der das der Khmer im Mittelalter – aufgrund gravierender
Umbruch von Grünland und Brachflächen, der intensive klimatischer Veränderungen untergegangen sind.
Ackerbau mit engen Fruchtfolgen und Monokulturen,
der starke Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Leider wird die Bedeutung der Landwirtschaft für
die intensive Tierhaltung tragen nachweislich zum Kli- diese Entwicklung immer noch sehr einseitig als bloßer
mawandel bei. Klimakiller dargestellt. Egal, ob die Schlagzeile „Besser
essen für das Klima“, „Klimakiller Kuh“ oder „Flei-
Die EU-Kommission betrachtet den Klimawandel als scheslust mit fatalen Folgen“ lautet, wie jetzt während
eine der Herausforderungen, an denen sich die zukünf- der ARD-Themenwoche „Essen ist leben“: Immer wird
tige Agrarpolitik ausrichten muss. Wir haben mit unse- die heimische „konventionelle“ Landwirtschaft pau-
rem Antrag eine Strategie vorgelegt, mit dem diese He- schal mit Negativattributen belegt. Dabei muss die Rolle
rausforderung angenommen werden kann. Die Grünen der Landwirtschaft viel differenzierter betrachtet wer-
konzentrieren sich in ihrem Antrag auf den Ackerbau; den. Warum? Weil sie zwar – weltweit betrachtet – zu
auch in diesem Antrag werden wichtige Maßnahmen den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen
aufgezeigt. zählt, Lebensmittel aber kein Produktionsgut wie jedes
Christian Hirte
(A) Ressourcen versorgt werden, sondern ihnen ihrerseits so stellt sich mir die berechtigte Frage, was die Folgen (C)
die Spielräume zur gesellschaftlichen und wirtschaftli- wären.
chen Gestaltung erhalten bleiben.
Kohlendioxid als Kältemittel ist zwar sehr umwelt-
Beim Klimaschutz denken viele nur an Kohlendioxid. freundlich, benötigt aber einen zehnfach höheren Druck.
Wie wir wissen, ist es das Treibhausgas mit der größten Das erfordert einen weitgehenden Umbau der Klima-
Menge – aber nicht das einzige und nicht das stärkste. anlage und damit auch zusätzliche Entwicklungskosten
Teil- und vollfluorierte Kohlenwasserstoffe – soge- bei den Zulieferern. Zulieferfirmen agieren weltweit.
nannte HFKW und FKW – und Schwefelhexafluorid Für viele Hersteller von Kfz-Klimaanlagen würde ein
schädigen ebenfalls das Klima. Sie kommen als Kälte- deutscher Alleingang bedeuten, dass sie ihre Produk-
mittel in vielen Kühlanlagen, den Klimaanlagen unserer tionskapazitäten in zwei verschiedene Technologielinien
Autos, bei der Herstellung von Schaumstoffen, in Schall- teilen müssten: einen kleineren Teil für deutsche Fabri-
schutzscheiben sowie als Treibmittel in Spraydosen zum kate und einen größeren für ausländische Fahrzeuge.
Einsatz. Zudem würde das zwangsläufig bedeuten, dass die
Diese Kohlenwasserstoffe schädigen das Klima 1 300- Kfz-Werkstätten sich kostenintensiv darauf einstellen
bis 24 000-mal stärker als CO2 – Grund genug für die müssten, sowohl Befüllungstechnologien für syntheti-
Europäische Union, mit der EU-Richtlinie 2006/40/EG sche Kältemittel ausländischer Fahrzeuge als auch
zu handeln. Diese sieht vor, dass ab 2011 nur noch Käl- CO2-Füllanlagen für deutsche Fabrikate vorzuhalten.
temittel in Kfz-Klimaanlagen zugelassen werden, die Sicher werden teurere Klimaanlagen auch zu höheren
maximal 150-mal so klimaschädlich sind wie Kohlendi- Endpreisen bei den ohnehin schon kostenintensiven
oxid. Das ist schon eine beachtliche Zahl. Zum Ver- deutschen Autos führen. Es mag ja sein, dass der Vorsit-
ständnis: Ein Kilogramm des bisherigen in Autoklima- zende der Linken, Klaus Ernst, beim Autokauf nicht so
anlagen verwendeten Kältemittels Tetrafluorethan ist aufs Geld schauen muss, aber ich bezweifle, ob das auch
1300-mal so umweltbelastend. Gerät die gesamte Fül- für die Mehrheit der Klientel seiner Partei zutrifft.
lung einer Autoklimaanlage etwa durch einen Unfall in
die Atmosphäre, entspricht das etwa 6 000 Kilometern Schlußendlich wird auch die Frage erlaubt sein, was
Autofahrt. passiert, wenn die Klimaanlage eines deutschen Fabri-
kats sagen wir: in China zur Reparatur muss.
Können wir uns solche Klimakiller aus purem Luxus
leisten? Von Haus aus bin ich Jurist, und die meisten Ju- Steht dort keine geeignete Anlage zum Befüllen mit
risten würden eine solche Frage so beantworten: Es CO2 zur Verfügung, dann hat der Fahrzeugeigentümer
zwei Möglichkeiten: Entweder zukünftig ohne Klimaan-
(B) kommt darauf an. Es kommt darauf an, ob wir unser Be- lage zu fahren oder sich das nächste Mal für ein nicht- (D)
dürfnis nach Luxus beim Reisen auch wesentlich um-
weltfreundlicher erreichen können. Wenn wir diese deutsches Fahrzeug zu entscheiden. Angesichts des
Frage bejahen, dann kann man auch mit gutem Gewis- Wachstumspotenzials des asiatischen Automobilmarktes
sen den Schalter der Klimaanlage betätigen. sicher keine Verlockung für die Hersteller in München,
Stuttgart oder Eisenach.
Mit Tetrafluorethan, wie wir es derzeit noch benutzen,
könnten wir die Frage nach der „Freude am Fahren“ si- Synthetische Kältemittel wie das von verschiedenen
cher nicht so leicht beantworten. Da ist ein adäquater Umweltverbänden heftig kritisierte Hydrofluoroolefin,
Nachfolger natürlich gefragt, und er schien auch schnell haben dagegen den unbestreitbaren Vorteil, dass sie
gefunden: R744 oder einfach Kohlendioxid. So ereignete auch in herkömmlichen Anlagen funktionieren. Es ist
sich im September 2007 einer dieser seltenen Momente vergleichbar sicher im Einsatz wie das bisherige, welt-
in der Geschichte der deutschen Autoindustrie: Sie weit akzeptiert und kann in bewährten Anlagen verwen-
wurde von Umweltverbänden gelobt. Selbst notorische det werden. Dazu ist es gegenüber dem bisherigen Kühl-
VDA-Gegner wie die Deutsche Umwelt Hilfe applau- mittel deutlich besser und mit einem Global Warming
dierten eifrig, als der Präsident des Verbands der Auto- Potential von 4 um den Faktor 357 klimafreundlicher.
mobilindustrie, VDA, auf der Internationalen Automobil- Mit Hydrofluoroolefin als Kältemittel werden die neuen
ausstellung verkündete, dass die deutschen Hersteller gesetzlichen Vorgaben nicht nur erfüllt, sondern deut-
künftig Kohlendioxid als Kältemittel für Klimaanlagen lich unterschritten. Damit wird ein klimafreundlicher
verwenden wollen. globaler Standard geschaffen.
Eine nationale Insellösung macht keinen Sinn und
Sicher würde auch die Fraktion Die Linke applau- würde zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen für die
diert haben, wenn die europäische Herstellervereini- deutsche Automobilindustrie gegenüber ihren Wettbe-
gung ACEA es nicht abgelehnt hätte, ihre Mitglieder auf werbern aufgrund fehlender Skaleneffekte bei geringer
die gleiche Linie festzulegen. Stattdessen hat sich die Produktionsmenge führen. Die deutsche Automobilin-
ACEA für Hydrofluoroolefin als künftigen Kältemittel- dustrie dazu zu verurteilen, sich gegen den weltweiten
standard entschieden, nicht ohne gute Gründe. Die Trend zu stellen, ist kurzsichtig, sichert keine Arbeits-
Linke fordert in ihrem Antrag, dass die deutsche Autoin- plätze und ist für den Industriestandort Deutschland
dustrie an Kohlendioxid als Kältemittel festhält, wäh- kontraproduktiv.
rend sich die gesamte übrige Welt bereits anders ent-
schieden hat. Würde man aber, wie die Linke es in ihrem Was die Frage der Sicherheit von Hydrofluoroolefin
Antrag fordert, auf einen deutschen Alleingang setzen, betrifft, bleibt festzuhalten, dass die im Hinblick auf die
Frank Schwabe
(A) Neben den Aspekten des Klima- und Gesundheits- organisieren: mit Energieeffizienz, Elektromobilität und (C)
schutzes sollten auch der Preis und die bisher von ver- nachhaltigen Verkehrskonzepten.
schiedensten Firmen geleistete Forschungs- und Ent-
wicklungsarbeit berücksichtigt werden. Deutsche Aber was macht die Bundesregierung konkret, diese
Kälteanlagenhersteller erforschen und verbessern seit Verpflichtung einzulösen? Im Januar 2010 hat sie Maß-
Jahren die Technik von Klimaanlagen. Wir müssen da- nahmen für die Bereiche Verkehr und Gebäude angekün-
rauf hinwirken, dass deutsche Unternehmen mit der von digt, Maßnahmen, die über das Integrierte Energie- und
ihnen entwickelten Technik die technologische Vorrei- Klimaprogramm hinausgehen. Das Verkehrsministerium
terrolle in der klimafreundlichen Fahrzeugkühlung hat ein sektorspezifisches Energie- und Klimakonzept
übernehmen. für die Bereiche Verkehr und Gebäude für den Herbst
versprochen.
Diesen Aspekt möchte ich noch einmal allgemeiner
betrachten. In unseren wirtschaftlich schwierigen Zeiten Jetzt ist Herbst, aber ein Konzept? Fehlanzeige! Die
haben sich die Umwelttechnologien und Umweltinnova- SPD hat mit der Großen Anfrage „Sicherung der Tech-
tionen als Motor für Wachstum und Beschäftigung ent- nologieführerschaft Deutschlands im Verkehrs- und
wickelt. Das Zusammenspiel von Umwelt, Wirtschaft Baubereich“ im März 2010 genau nach den Maßnah-
und Arbeit hat eine neue Qualität erreicht. Die Branche men der Bundesregierung gefragt. Wir mussten lange
modernisiert die deutsche Wirtschaft – und wächst ins- auf die Antwort warten, mussten mehrmals nachfragen.
gesamt sogar noch schneller, als wir erwartet haben. Dann im Oktober wurde sie vorgelegt. Aber was wurde
Umwelttechnologien sind ein hervorragendes Beispiel vorgelegt? Nichtssagende Antworten auf zentrale Fra-
dafür, wie wir durch Innovationen einen nachhaltigen gestellungen wie Weichenstellungen für Elektromobili-
Beitrag zur Stabilisierung der Konjunktur leisten kön- tät.
nen. Klimaschutz, Luftreinhaltung, Schonung von Rohstof- In der Schule gäbe es für ein derart schlampige Ar-
fen, Gewässer- und Bodenschutz, der Erhalt von Biodiver- beit eine glatte 6. Für uns stellt die Art und Weise, wie
sität – in all diesen Bereichen ist bereits heute eine Reihe mit unserer Anfrage vonseiten der Bundesregierung um-
leistungsstarker und verlässlicher Technologien im Ein- gegangen wird, eine Missachtung des Parlaments dar.
satz. In den vergangenen Jahrzehnten ist mit ihrer Hilfe
viel zum Wohl der Umwelt erreicht worden. Auch in Zukunft Im Mai 2010 inszenierte die Kanzlerin einen Elektro-
werden neue Technologien und Organisationsformen eine Auto-Gipfel mit viel Blitzlichtgewitter umrahmt vom
bedeutende Rolle einnehmen. Nur mit Innovationen lassen Umwelt-, Verkehrs- und Wirtschaftsminister sowie der
sich Wirtschaftswachstum und Schutz von Klima und Um- Bildungsministerin. Eine Plattform wurde aus der Taufe
welt nachhaltig verknüpfen. gehoben – dagegen ist nichts einzuwenden –, auf der
(B) alle Kompetenzen gebündelt und verschiedene Themen- (D)
Lassen Sie uns deswegen auch im Bereich der Kälte- felder erarbeitetet werden sollen. Im Anschluss legt sie
mittel eine Lösung finden, die dem Klimaschutz dient alles in die Hände der Automobilindustrie. Die Bundes-
und die Umwelttechnologien voranbringt. regierung stiehlt sich aus der Verantwortung und ver-
lässt sich auf die Industrie. Ein Leitmarkt Elektromobili-
Ute Kumpf (SPD): tät fällt nicht vom Himmel, Politik muss auch
Kollege Frank Schwabe hat bereits die Problematik Rahmenbedingungen setzen.
von Chemikalien, die als Kältemittel in Kfz-Klimaanla-
Es reicht nicht aus, sich auf den Lorbeeren der SPD
gen verwendet werden, ausführlich dargelegt. Mir gibt
auszuruhen. In der rot-grünen Bundesregierung und der
dieser Antrag so die Gelegenheit, deutlich zu machen,
Großen Koalition haben wir, die SPD, die Weichen ge-
welche Rolle der Verkehr, vor allem der Kfz-Verkehr,
stellt. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem Inte-
beim Klimaschutz spielt. Alle Fraktionen haben bei den
grierten Energie- und Klimaprogramm, der Schaffung
Debatten hier im Parlament zum Klimaschutz immer
der Nationalen Plattform für Wasserstoff- und Brenn-
wieder betont, wie wichtig die Reduzierung der CO2-
stoffzellentechnologie NOW, dem Nationalen Entwick-
Emissionen ist und welche Verpflichtungen wir auf euro-
lungsplan Elektromobilität und dem Ziel, bis 2020
päischer und internationaler Ebene eingegangen sind.
1 Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen,
Fakt ist: In der europäischen Union stammt fast ein den 500 Millionen Euro an Fördergeldern im Konjunk-
Fünftel aller Treibhausgase aus dem Verkehr, woran der turprogramm II für die Forschung, Entwicklung und Er-
Pkw-Verkehr einen Anteil von 72 Prozent hat – mit stei- probung von Elektromobilität in acht Modellregionen
gender Tendenz. Der globale Klimawandel, die lokale bis 2011. Aber wie soll es nun in den Modellregionen
Luftverschmutzung, die Zunahme des Weltenergiebedar- weitergehen? Die Regierung gibt keine Antwort. Die
fes und begrenzte fossile Brennstoffe machen ein Um- Projektträger und Projektentwickler brauchen aber
denken bei der Mobilität und eine Minderung der Treib- schon jetzt Signale, wie es nach dem Juni 2011 weiterge-
hausgasemissionen erforderlich. hen soll. Sonst besteht die Gefahr, dass aus guten Pro-
jektansätzen Projektruinen entstehen und die Konjunk-
Bis 2020 sollen in Deutschland die Treibhausgas- turmittel verpuffen.
emissionen um 40 Prozent, bis 2050 um 80 bis 95 Pro-
zent gegenüber 1990 vermindert werden. Auch die Bun- Die Bundesregierung hat Elektromobilität zu einem
desregierung hat sich auf der UN-Klimakonferenz von Schwerpunkt der Regierungsarbeit erklärt. Bis jetzt lie-
Kopenhagen dazu verpflichtet. Das muss sie in konkre- gen keine Vorschläge für eine Strategie für die Einfüh-
ten Maßnahmen umsetzen, um CO2-freie Mobilität zu rung der Elektromobilität auf dem Tisch. Sogar Haus-
Ralph Lenkert
(A) Neufahrzeugen soll trotzdem nichts im Wege stehen. Als trägliche Kältemittel Kohlendioxid umgerüstet werden. (C)
Beleg werden Industriegutachten und der Verband der Kurz bevor die Frist abläuft, kündigen die Hersteller
Deutschen Automobilindustrie zitiert: Die Sicherheits- dann aber etwas ganz anderes an. Jetzt sollen neue gif-
probleme seien von der Automobilindustrie sorgfältig tige Produkte der Chemieindustrie das Wundermittel
diskutiert worden. sein. Offensichtlich hofft man mal wieder bei der Auto-
industrie, dass es zu spät für ein Gegensteuern der Poli-
Aufgrund der Prüfungen kommt der VDA zu der tik ist.
Einschätzung, dass diese Problematik beherrschbar
sei. Damit werden wir künftig eine gesundheitlich be-
denkliche, ätzende und brennbare Flüssigkeit in allen
Ich frage: Ist die Bundesregierung Erfüllungsgehilfe Autos mit Klimaanlagen haben. Viele sicherheitstechni-
der Automobillobby, oder haben Sie eine gesetzliche sche Probleme sind nicht gelöst. Keiner weiß wirklich,
Vorsorgepflicht, um die Gesundheit der Bürgerinnen was bei Unfällen passiert, wenn sich der Stoff entzündet
und Bürger zu schützen? und hochgiftige und stark ätzende Flusssäure freigesetzt
wird. Mit diesem Mittel setzen wir die Gesundheit der
1234yf – so heißt die fatale Chemikalie – ist eine ti-
Verbraucherinnen und Verbraucher aufs Spiel.
ckende Zeitbombe. Werden alle Fahrzeuge mit dem ge-
fährlichen Stoff gefüllt, rollen bald rund 24 000 Tonnen Umweltverbände, Umweltbundesamt und Bundesamt
davon in Autos über unsere Straßen. Das Schlimme ist: für Materialforschung warnen vor dem Einsatz, und
Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben keine an- selbst der Hersteller gibt in der Produktbeschreibung
dere Wahl. Nach dem Willen der Automobilhersteller an, dass dieses Mittel hochentzündlich ist. Das hat
soll das Kältemittel flächendeckend in allen Autos zum nichts in einer Autoklimaanlage zu suchen. Es ist völlig
Einsatz kommen. Das ist ein toxisches Monopol. Die unverständlich, wie die Bundesregierung diese Warnun-
Linke macht da nicht mit. gen ignorieren kann, und – so seltsam das aus dem
Mund einer Grünen klingen mag – vielleicht muss man
Um es noch einmal deutlich zu machen: Die schnelle
die Koalition daran erinnern, dass dieses Land noch im-
Entflammbarkeit und die gesundheitsschädliche Wir-
mer ein Land der Autofahrer ist. Millionen von Men-
kung von 1234yf sind ein großes Risiko für Kfz-Nutzer,
schen werden dieses gefährliche Mittel täglich mit ihrem
Ersthelfer und Rettungskräfte. Nach Angaben der Bun-
Auto durch die Gegend fahren. Selbst bei bester Qualität
desanstalt für Materialforschung und -prüfung, BAM,
der Fahrzeuge und höchster Sicherheitsausstattung wer-
sind die sicherheitstechnischen Probleme des Einsatzes
den auch zukünftig leider Verkehrsunfälle vorkommen.
der Chemikalie als Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen
(B) bisher nicht gelöst. Verbraucherinnen und Verbraucher Auch zukünftig werden Autos altern, Klimaanlagen un- (D)
dicht und Reparaturen verschleppt. Vor allem jedoch
haben bei der Kaufentscheidung keine Wahlmöglichkeit.
müssen all diese Fahrzeuge mit ihren Klimaanlagen
Es sei denn, sie tragen die Zusatzkosten einer aufwändi-
wieder recycelt werden, und ein hochgiftiger Stoff muss
gen Einzelumrüstung bei Garantieverlust. Die Bundes-
dann entsorgt werden.
regierung sieht einfach weg und stellt damit Profit vor
Gesundheitsschutz. Ich bezweifle, ob diese Aspekte wirklich bis zu Ende
gedacht wurden. Ich befürchte vielmehr, dass wir uns
Die Linke fordert: Die Bundesregierung hat sicherzu-
wieder sehenden Auges ein Problem mehr aufhalsen.
stellen, dass Kältemittel in Kfz-Klimaanlagen bei neuen
Hier wird leider nur wieder an den kleinen Vorteil heute
Fahrzeugtypen ab dem 1. August 2011 keine Stoffe ent-
und überhaupt nicht nachhaltig gedacht.
halten, die die menschliche Gesundheit gefährden. Das
heißt, sie dürfen nicht brennbar, giftig oder ätzend sein. Wir werden in der Politik wieder einmal von einer
Kältemittel zum Einsatz in Autos müssen chemisch reak- großen Industrie vor vollendete Tatsachen gestellt. Die
tionsträge sein und dürfen wie beispielsweise Kohlen- Bundesregierung interessiert das entweder nicht, oder
dioxid keine nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt sie akzeptiert es sogar. Das ist leider völlig unverant-
haben. – Einhundert Euro Mehrkosten für andere Kli- wortliche Politik gegenüber den Bürgerinnen und Bür-
maanlagentypen dürfen hier nicht über die Sicherheit gern unseres Landes. Es ist spät; aber ein Umkehren ist
entscheiden. noch möglich. Nutzen Sie diese Möglichkeit!
Ich fordere Sie auf: Stellen Sie sich auf die Seite der
Verbraucherinnen und Verbraucher und kommen Sie ih- Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
rer gesetzlichen Vorsorgepflicht nach. Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 17/3432 an die in der Tagesordnung aufge-
Dr. Valerie Wilms (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): führten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit ein-
verstanden? – Das ist der Fall. Dann ist die Überweisung
Bei dem Problem der Kältemittel in Klimaanlagen
so beschlossen.
von Pkw erkennen wir einmal mehr, wie sich die Politik
von einer starken industriellen Lobby treiben lässt. Seit Ich rufe den Tagesordnungspunkt 24 a und b auf:
fast fünf Jahren ist die EU-Richtlinie verabschiedet. Ein
Jahr später wird von den Herstellern ein Placebo ange- a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Josef
kündigt: Autoklimaanlagen sollen auf das umweltver- Philip Winkler, Katja Dörner, Memet Kilic, wei-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7323
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms
(A) terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- Eine im Zuge der Ratifizierung abgegebene Erklä- (C)
NIS 90/DIE GRÜNEN rung enthält jedoch Vorbehalte, die sich insbesondere
auf das elterliche Sorgerecht, die anwaltliche Vertretung
Bundesrechtliche Konsequenzen aus der und weitere Rechte von Kindern im Strafverfahren sowie
Rücknahme des deutschen Vorbehalts gegen auf die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern, auf
die UN-Kinderrechtskonvention ziehen
die Bedingungen ihres Aufenthalts und auf Unterschiede
– Drucksache 17/2138 – zwischen In- und Ausländern beziehen. Diese Erklärung
Überweisungsvorschlag:
hielt im Wesentlichen fest, dass die UN-Kinderrechts-
Innenausschuss (f) konvention nicht dahin gehend ausgelegt werden darf,
Rechtsausschuss dass die widerrechtliche Einreise oder der widerrechtli-
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend che Aufenthalt eines minderjährigen Ausländers allein
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe
wegen dessen Minderjährigkeit erlaubt ist. Die Erklä-
b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be- rung war seinerzeit auf Wunsch der Länder abgegeben
richts des Ausschusses für Familie, Senioren, worden, um „Fehl- oder Überinterpretationen des Ver-
Frauen und Jugend (13. Ausschuss) tragswerks“ zu vermeiden.
– zu dem Antrag der Fraktion der SPD Am 3. Mai 2010 hat das Bundeskabinett nun be-
schlossen, diesen Vorbehalt zurückzunehmen. Der Bun-
Kinderrechte stärken – Erklärung zur UN-
desrat und damit die Länder haben der Rücknahme zu-
Kinderrechtskonvention zurücknehmen
gestimmt. Es ist ein beachtlicher Erfolg der christlich-
– zu dem Antrag der Abgeordneten Diana Golze, liberalen Koalition, diesen lange fälligen Schritt zu ge-
Ulla Jelpke, Jörn Wunderlich, weiterer Abge- hen und das, was vielen Vorgängerregierungen – auch
ordneter und der Fraktion DIE LINKE damals der rot-grünen Bundesregierung – nicht gelun-
gen ist, endlich erfolgreich umzusetzen. Wir haben damit
UN-Kinderrechtskonvention umfassend um- mehr erreicht als jede andere Regierung seit Hinterle-
setzen gung der Ratifikationsurkunde zur Kinderrechtskonven-
– zu dem Antrag der Abgeordneten Katja Dörner, tion. Darüber sollten wir uns alle freuen.
Josef Philip Winkler, Ekin Deligöz, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ Mit der Rücknahme wird deutlich, dass die Bundesre-
DIE GRÜNEN publik Deutschland Kinderrechte ohne Vorbehalt achtet
und schützt. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass mit
UN-Kinderrechtskonvention unverzüglich dieser Rücknahme der Erklärungen zur Kinderrechte-
(B) vollständig umsetzen konvention der Vereinten Nationen ein Durchbruch er- (D)
reicht werden konnte, der eine seit vielen Jahren andau-
– Drucksachen 17/57, 17/59, 17/61, 17/2509 – ernde politische Auseinandersetzung nunmehr beendet.
Berichterstattung: Es ist ein Erfolg, dass die bei einigen Ländern noch vor-
Abgeordnete Dr. Peter Tauber handenen Bedenken zerstreut werden konnten. Wir
Marlene Rupprecht (Tuchenbach) dokumentieren damit auch nach außen, dass der Schutz
Miriam Gruß von Kindern und der besondere Stellenwert, den Kinder
Diana Golze für uns haben, sich auch in vollem Umfang im recht-
Katja Dörner lichen Bereich abbilden. Nicht zuletzt die Kinderkom-
mission des Bundestages hat ja mehrfach und unter
Die Reden zu diesem Tagesordnungspunkt werden zu Zustimmung aller hier vertretenen Fraktionen diese
Protokoll genommen. Rücknahme eingefordert.
Dr. Peter Tauber (CDU/CSU): Die Schlussfolgerung, es entstehe durch die Rück-
Vor etwas mehr als 20 Jahren, am 20. November nahme der Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskon-
1989, hat die Generalversammlung der Vereinten Natio- vention rechtlicher Handlungsbedarf im Bereich des
nen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes Aufenthalts- und Asylrechts, ist in der Sache jedoch un-
verabschiedet. Alle Kinder auf der ganzen Welt haben zutreffend und keine logische Folge, sondern eine politi-
damals verbriefte Rechte bekommen: das Recht auf sche Bewertung, bei der die CDU/CSU-Bundestagsfrak-
Überleben, auf Entwicklung, auf Schutz und auf Beteili- tion schlicht zu einem anderen Ergebnis kommt. Bereits
gung. heute entsprechen Aufenthalts- und Asylrecht der Kin-
derrechtskonvention und genügen dem darin vorgegebe-
Ich glaube, dass wir auf die vergangenen 20 Jahre nen Rahmen zweifelsohne.
mit Stolz zurückblicken können, weil wir für Kinder
weltweit, aber natürlich ganz besonders hier in Die Bundesregierung wird das Kindeswohl nach wie
Deutschland in diesen 20 Jahren sehr viel erreicht ha- vor als einen besonders gewichtigen Gesichtspunkt in
ben. Sie wissen, dass wir damals in Deutschland mit der der rechtlichen Abwägung betrachten. Es genießt – etwa
Ratifizierung eine aus fünf Punkten bestehende Vorbe- bei der Anwendung des Ausländer- und Asylrechts – al-
haltserklärung hinterlegt haben. Vier der fünf Punkte lerdings keinen absoluten Vorrang. Ein absoluter Vor-
konnten bereits vor einiger Zeit gesetzlich geregelt wer- rang wird von der UN-Kinderrechtskonvention auch gar
den. nicht gefordert. Eine ausdrückliche gesetzliche Veranke-
7324 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Die von Ihnen erwähnte Unterbringung in Aufnahme- Nach 18-jährigem Ringen war es endlich gelungen,
einrichtungen bzw. Gemeinschaftsunterkünften unter- den Vorbehalt im Einvernehmen mit den Ländern zu-
liegt der Zuständigkeit der Länder und entzieht sich da- rückzunehmen. Damit wurde ein Vorhaben verwirklicht,
mit weitgehend dem Einfluss des Bundes. Das wissen Sie für das sich in der Vergangenheit auch die rot-grüne
auch. Die Unterbringung entspricht zudem der EU-Auf- Bundestagsmehrheit mehrfach ausgesprochen hatte.
nahmerichtlinie. Die Versorgung nach den Bestimmun- Leider konnte sie sich aber seinerzeit nicht gegen die
gen des Asylbegleitgesetzes ist in keiner Weise diskrimi- Bundesländer durchsetzen. Das ist der jetzigen Bundes-
nierend. Vielmehr knüpft sie zulässig und keinesfalls regierung gelungen. Insofern geben ich der Bundesjus-
willkürlich daran an, dass es sich bei den Leistungsbe- tizministerin recht: Der 3. Mai war ein großer Tag für
rechtigten um Ausländer ohne ein dauerhaftes Bleibe- die Kinderrechte.
recht im Inland handelt. Im Übrigen aber teile ich die Auffassung der Bundes-
justizministerin nicht. Zwei Tage nach dem erwähnten
Die Forderung, dass die Altersangabe eines Kindes Kabinettsbeschluss kommentierte sie die Rücknahme
„nur in Ausnahmefällen“ angezweifelt werden dürfe, ist des Vorbehalts hier im Plenum des Deutschen Bundes-
für die Aufnahme in einen Gesetzestext rechtlich viel zu tages wie folgt: „Auf Bundesebene haben wir keinen Ge-
unbestimmt. Dass ein Zweifelsfall angenommen wird, setzgebungsbedarf.“ Das Asyl- und Ausländerrecht sei
wenn der Pass gefälscht erscheint oder angeblich ab- nicht anpassungsbedürftig. Allenfalls die Länder, so die
handen gekommen ist, muss auch zukünftig Handlungs- Ministerin, sollten ihre Praxis überprüfen. Auch das
grundlage sein. Ob solche Zweifel auf Ausnahmefälle Bundesinnenministerium hat bundesgesetzlichen Hand-
beschränkt bleiben oder nicht, können wir nicht gesetz- lungsbedarf in Antwort auf schriftliche Fragen meiner
lich festlegen. Dies hängt von dem Verhalten des Min- und anderer Fraktionen mehrfach verneint.
derjährigen ab. Es ist zudem keine Regelung in der Kin-
derrechtskonvention ersichtlich, die verlangen würde, Nun frage ich Sie: Warum hat es über beinahe zwei
dass die Altersangabe eines Kindes nur in Ausnahmefäl- Dekaden massiven Widerstand gegen die Rücknahme
len angezweifelt werden darf und dass nur bestimmte Al- des Vorbehaltes gegeben, wenn ebendiese Rücknahme
Rüdiger Veit
(A) suchungen sowie Röntgenanalysen. Ich möchte hier Nun aber müssen Sie auch Taten folgen lassen und die (C)
nicht ins Detail gehen, da die Praxis in den Ländern nötigen gesetzgeberischen Schritte einleiten. Wie diese
sehr unterschiedlich ist. Sicher ist aber, dass die Alters- konkret aussehen können, dazu wird meine Fraktion in
feststellung nicht immer methodisch einwandfrei ist. den kommenden Wochen einen Gesetzentwurf vorlegen,
Deshalb möchte ich auf die Gefahr hinweisen, die damit der sich derzeit noch in der Abstimmung befindet.
verbunden ist: Eine einzige fehlerhafte Verfahrenshand-
lung kann dazu führen, dass ein eigentlich materiell be- Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD):
rechtigter Minderjähriger aus dem gesamten Schutzbe- Die Rücknahme der Vorbehalte zur UN-Kinderrechts-
reich der Konvention herausdefiniert wird. Das ist konvention war überfällig. Mehrfach hatte der Deutsche
menschenrechtlich bedenklich und muss den Ländern Bundestag die Bundesregierung dazu aufgefordert.
Anlass geben, ihre Methoden der Altersfeststellung kri- Diese sah sich mit Rücksicht auf die Länder zur Rück-
tisch zu prüfen. nahme lange außerstande. Dafür hat die Bundesrepublik
Bevor ich schließe, möchte ich mich noch kurz einem vom Genfer UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes
speziellen Problem widmen, auch wenn formal die Län- und auch von Kinderrechtsverbänden und -organisatio-
der zuständig sind. Es geht um die Ergänzungspfleg- nen stets Unverständnis und deutliche Kritik geerntet.
schaft. Die Pflegschaft unbegleiteter Minderjähriger ist Insofern war die Rücknahme der Vorbehalte ein wichti-
ein Amt, in dem der Staat Rechtsanwälte mit einer ver- ges Signal, sowohl innenpolitisch als auch internatio-
antwortungsvollen Aufgabe betraut. Für die Rechts- nal, dass Deutschland für den Schutz und die Rechte von
anwälte ist es ein Geschäft, das sie ganz überwiegend Kindern eintritt.
mit viel Idealismus und Engagement betreiben. Bereits Nun müssen den Worten Taten folgen. Konkreter ge-
jetzt müssen viele von ihnen so viel Zeit in die Pfleg- setzlicher Änderungen bedarf es bei den minderjährigen
schaften investieren, dass es sich wirtschaftlich nur sehr Flüchtlingen.
begrenzt lohnt. Aktuell gibt es in meinem Heimatland
Hessen eine Entwicklung, die diese Situation noch wei- Die Kinderrechtskonvention definiert in ihrem Art. 1
ter zu verschärfen droht. Bislang wurden Ergänzungs- alle Menschen, die das 18. Lebensjahr noch nicht voll-
pfleger vielfach über das Rechtsanwaltsvergütungsge- endet haben, als Kinder. Nach Art. 22 der Konvention
setz oder den Stundensatz für Vormünder und Betreuer haben Kinder, die den Status eines Flüchtlings begehren,
vergütet. Nun urteilte jüngst das OLG Frankfurt am Anspruch auf besonderen Schutz. Ein zentrales Problem
Main, dass Verfahrenspfleger auf Grundlage von Bera- bei der Behandlung minderjähriger Flüchtlinge in
tungshilfe bezahlt werden sollen – das sind 99,96 Euro Deutschland liegt bisher darin, dass Minderjährige zwi-
brutto. Was bedeutet das für die Anwälte? schen 16 und 18 Jahren, die Kinder im Sinne der Kon-
(B) vention sind, im deutschen Asylrecht als handlungsfähig (D)
Nehmen wir einmal ein Asylverfahren. Der Anwalt gelten und somit die Notwendigkeit der Bestellung eines
organisiert einen Dolmetscher und führt das Mandan- gesetzlichen Vertreters entfällt. Dadurch wird ihr
tengespräch. Er stellt einen schriftlichen Asylantrag, be- Schutzanspruch aus Art. 22 der Konvention ausgehöhlt.
gleitet seinen Mandanten zur Anhörung und verfasst Zudem erhalten sie in der Praxis oftmals keine Leistun-
gegebenenfalls einen schriftlichen Nachtrag zur An- gen nach dem Jugendhilferecht, obwohl Flüchtlinge un-
hörung. Hinzu kommen der Verwaltungsaufwand für ter 18 Jahren grundsätzlich dieselben Ansprüche nach
Aktenanlage, Vertretungsanzeigen, den Gang zum Ge- dem Kinder- und Jugendhilferecht haben wie ihre inlän-
richt zwecks Entgegennahme der Bestallung als Verfah- dischen Altersgenossen. Meine Fraktion wird in Kürze
renspfleger, regelmäßige schriftliche Berichte ans Ge- einen Gesetzentwurf mit konkreten Verbesserungen vor-
richt, die Abrechnung, Absprachen mit dem Jugendamt legen.
per E-Mail, Post und Telefon und den Betreuern in den
jugendhilferechtlichen Einrichtungen. Zuletzt können Leider steht aber zu befürchten, dass die schwarz-gelbe
noch Komplikationen im Einzelfall aufkommen, wenn Regierung es nicht ernst meint mit Verbesserungen für die
der Fall etwa eine Dublin-II-Problematik beinhaltet. betroffenen Kinder. Misstrauisch musste schon die Proto-
Auch erfahrene Spezialisten kommen, um all dies zu be- kollnotiz der Innenministerkonferenz vom 27./28. Mai
werkstelligen, ohne Weiteres auf acht bis neun Stunden 2010 machen, nach der mehrere Länder die Zusicherung
Arbeitszeit – für nicht einmal 100 Euro brutto. Wer für des Bundesministeriums des Innern begrüßen, „dass mit
knappe 100 Euro einen vollen Arbeitstag investiert, wird der Rücknahme der Erklärung keine Änderung des Auf-
oft nicht einmal seine Kosten decken können. Eine sol- enthalts- und Asylverfahrensrechts verbunden ist“. Als
che Bezahlung ist eine grobe Missachtung anwaltlicher Kinderbeauftragte meiner Fraktion sage ich: So geht das
Arbeit. Sie trägt weder der verantwortungsvollen Auf- nicht. Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention
gabe und Stellung des Ergänzungspflegers noch den ratifiziert und sich damit verpflichtet, sie in nationales
ökonomischen Realitäten auch nur ansatzweise Rech- Recht umzusetzen. Auch das Asyl- und Flüchtlingsrecht
nung. muss selbstverständlich auf seine Übereinstimmung mit
der Konvention hin überprüft werden.
Doch kommen wir zurück zur Bundesebene. Ich habe
zahlreichen Veränderungsbedarf aufgezeigt, und ich ap- Dass sich nun die schwarz-gelbe Regierung für die
pelliere an die Bundesregierung: Bleiben Sie nicht auf längst überfällige Rücknahme der Vorbehalte feiern
halbem Wege stehen! Ich erkenne an, dass Sie den Bun- lässt und von einem „großen Tag für die Kinderrechte“
desländern abtrotzen konnten, was wir, als wir noch mit- – Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger
regiert haben, ihnen so lange nicht abtrotzen konnten. am 3. Mai 2010 – spricht und fast im gleichen Atemzug
(A) führung von Regionalbudgets und revolvierenden Regio- Wir sind damit am Schluss unserer heutigen Tages- (C)
nalfonds als Regelförderung vorangetrieben werden. ordnung.
Ich berufe die nächste Sitzung des Deutschen Bun-
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
destages auf morgen, Freitag, den 29. Oktober 2010,
Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf 9 Uhr, ein.
Drucksache 17/3222 an die in der Tagesordnung aufge-
führten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit ein- Die Sitzung ist geschlossen.
verstanden? – Das ist der Fall. Dann ist die Überweisung
so beschlossen. (Schluss: 21.53 Uhr)
(B) (D)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7335
Golze, Diana DIE LINKE 28.10.2010 Mit der elften Änderung des Atomgesetzes werden
den Kernkraftwerken feste Liefermengen zugesagt; Zwi-
Hartmann (Wackern- SPD 28.10.2010 schenbilanzen zum Abgleich mit der Entwicklung erneu-
heim), Michael erbarer Stromquellen sind nicht vorgesehen. Nur so be-
käme aber der Begriff „Brückentechnologie“ seinen
Heinen-Esser, Ursula CDU/CSU 28.10.2010 echten Sinn.
Krichbaum, Gunther CDU/CSU 28.10.2010 Die Laufzeitverlängerung von durchschnittlich zwölf
Jahren ist überdies nicht technisch, sondern juristisch
Lühmann, Kirsten SPD 28.10.2010 durch die Beteiligungsschwelle des Bundesrats begründet.
Nietan, Dietmar SPD 28.10.2010 Wirtschaftlich führt die Laufzeitverlängerung zur Fes-
tigung des Oligopols der vier größten Stromerzeuger. Er-
(B) Oswald, Eduard CDU/CSU 28.10.2010 neuerbare Energien eröffnen demgegenüber erstmals eine (D)
breite Eigentumsstreuung und Wertschöpfung im Energie-
Pau, Petra DIE LINKE 28.10.2010 sektor. Handwerker, Kommunen, Hausbesitzer, Mieter,
Landwirte und Waldeigentümer profitieren von diesem
Paus, Lisa BÜNDNIS 90/ 28.10.2010
Wandel. Das wird durch die Laufzeitverlängerung gefähr-
DIE GRÜNEN
det. Bereits die Ankündigung der Laufzeitverlängerung
Schreiner, Ottmar SPD 28.10.2010 führte dazu, dass im ganzen Land Gemeinden ihre Aus-
baupläne für erneuerbare Energien zurückstellen.
Schwarzelühr-Sutter, SPD 28.10.2010
Rita Schließlich bedeuten zwölf Jahre mehr Laufzeit auch
zwölfmal 500 Tonnen mehr hochradioaktiven Abfall.
Senger-Schäfer, Kathrin DIE LINKE 28.10.2010 Wir halten die Verlängerung der Laufzeiten von Kern-
Süßmair, Alexander DIE LINKE 28.10.2010 kraftwerken um durchschnittlich zwölf Jahre in der Ge-
samtabwägung nicht für verantwortbar und stimmen
Dr. Wiefelspütz, Dieter SPD 28.10.2010 deshalb dagegen.
(A) – Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Ände- Die Urananreicherungsanlage, UAA, in Gronau ist (C)
rung des Atomgesetzes die einzige ihrer Art in Deutschland und maßgeblicher
Teil der atomaren Brennstoffkette zum Betrieb von
– Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines Atomkraftwerken. Durch die Laufzeitverlängerung müs-
Sondervermögens „Energie- und Klima- sen in Gronau erheblich mehr Brennstäbe hergestellt und
fonds“ (EKFG) in Verbindung damit eine Vielzahl von Atomtransporten
durchgeführt werden. Dies stellt eine unverantwortbare
– Entwurf eines Kernbrennstoffsteuergeset- Gefährdung der Region dar. Ein Zwischenfall im Januar
zes (KernbrStG) dieses Jahres, bei dem ein Arbeiter verstrahlt wurde,
(Tagesordnungspunkt 4 a und b) zeigte das Gefahrenpotenzial der UAA ebenso wie der
durch den Unfall offenbar gewordene völlig unzurei-
Wir stimmen gegen die 11. Atomgesetznovelle, die chende Katastrophenschutz für die Anlage.
eine Laufzeitverlängerung für alle deutschen Atomkraft- Die sogenannte Konditionierungsanlage der Gesell-
werke vorsieht. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die schaft für Nuklear-Service in Duisburg, in der radioak-
gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken tive Abfälle für ihre Einlagerung vorbereitet werden,
sprechen, Sicherheits- und Proliferationsgefahren, unge- liegt unmittelbar an einem Wohngebiet und stellt eine
löste Endlagerfrage, Systemkonflikt mit dem Ausbau er- nicht zu unterschätzende Gefahr für die dort lebenden
neuerbarer Energien, Zementierung der Marktmacht der Menschen dar. Durch die Laufzeitverlängerungen für
vier Atomkonzerne und vieles mehr. Atomkraftwerke wird diese Anlage nun möglicherweise
Wir möchten uns hier auf die Darlegung der Gründe in größerem Umfang in Anspruch genommen. Das leh-
beschränken, die negative Auswirkungen auf unser Bun- nen wir ab.
desland NRW haben, obwohl dort zum Glück schon seit In Jülich und Hamm-Uentrop befinden sich riesige
vielen Jahren kein Atomkraftwerk mehr in Betrieb ist. und hochproblematische Altlasten früherer Atomaben-
teuer, deren Rückbau aber unseren Enkeln und Urenkeln
Die Laufzeitverlängerung gefährdet geplante und ge- überlassen wird. Das zeigt die fehlende Nachhaltigkeit
tätigte Investitionen von kommunalen Stadtwerken und der Atomkraft.
neuen Energieunternehmen in NRW. Im Vertrauen auf
Planungssicherheit durch den Ausstieg aus der Atom- In Jülich wurde der Hochtemperatur-Versuchsreaktor
kraft haben diese Unternehmen Investitionen in neue AVR Jülich 1988 stillgelegt. Der Reaktor ist bis heute
Kraftwerkskapazitäten – vor allem mit erneuerbaren – über 20 Jahre später – nicht zurückgebaut. Der Reak-
Energien und in Kraft-Wärme-Kopplung – durchgeführt torbehälter ist so stark verstrahlt, dass er nicht zerlegt
(B) oder geplant. Durch die Konkurrenz alter, abgeschriebe- werden kann. Der 2 000 Tonnen schwere und 26 Meter (D)
ner Atomkraftwerke sind diese Investitionen nun nicht hohe Behälter muss als Ganzes in eine eigens errichtete,
mehr wirtschaftlich. Notwendige Investitionen in die Er- wenige Hundert Meter entfernte Lagerhalle gebracht
neuerung unserer Stromerzeugung werden so verhindert, werden. Nach einigen Jahrzehnten ist die Strahlung viel-
regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze in NRW ge- leicht so weit abgeklungen, dass unsere Enkel und Uren-
fährdet. Laufzeitverlängerungen konterkarieren somit kel das Problem losen können. Nur durch den Wegtrans-
die Ziele der NRW-Landesregierung und vieler Unter- port lässt sich das nach einem schweren Unfall 1978
nehmen in NRW zum Ausbau einer klimafreundlichen stark verstrahlte Erdreich unter dem Reaktor sanieren.
und dezentralen Energieversorgung. Bisher hat der „Rückbau“ des Reaktors in Jülich die
Steuerzahlerinnen und Steuerzahler schon sage und
Im münsterländischen Ahaus befindet sich das größte schreibe über 700 Millionen Euro gekostet. Am Ende
Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente abseits werden es sicher über 1 Milliarde Euro Kosten sein.
der Atomkraftwerke. Die Bundesregierung hat bisher in
keinster Weise dargelegt, ob die dezentralen Atommüll- Der Bau des Nachfolgemodells des AVR Jülich, der
zwischenlager an den Standorten der Atomkraftwerke THTR Hamm-Uentrop, kostete über 2 Milliarden Euro
ausreichen, den zusätzlichen, durch die Laufzeitverlän- und musste 1988 nach nur gut drei Betriebsjahren wegen
technischer Unzulänglichkeiten und dauerhafter Pannen
gerungen verursachten Müll aufzunehmen. Die Regie-
stillgelegt werden. Seitdem hat allein der „sichere Ein-
rungsfraktionen haben Fragen und Diskussionen zu die-
schluss“ der Anlage mehrere Hundert Millionen Euro
sem Thema in der Anhörung und den Sitzungen des
gekostet. Der „Erhaltungsbetrieb“ der Anlage ver-
zuständigen Ausschusses verhindert. Es ist zu befürch-
schlingt jährlich 5 Millionen Euro. An einen Rückbau
ten, dass mangels Zwischenlagerkapazitäten an den
der Anlage ist erst ab dem Jahr 2027 zu denken, wenn
AKW-Standorten massenweise Atommüll infolge der
die Strahlung im Reaktor abgenommen hat. Nahezu
Laufzeitverlängerung mit einer Vielzahl von Atomtrans-
sämtliche Kosten von AVR und THTR tragen die Steuer-
porten nach Ahaus gebracht werden muss. Damit droht
zahlerinnen und Steuerzahler. Die Energiekonzerne ha-
Ahaus zum dauerhaften Endlager der Republik zu werden,
ben sich bei den Kosten einen schlanken Fuß gemacht.
weil die Bundesregierung mit ihrer unverantwortlichen
Festlegung auf Gorleben das Finden eines geeigneten End- Atomkraft ist das Gegenteil einer nachhaltigen Ener-
lagerstandortes verhindert. Die langfristige Lagerung gieerzeugung und verletzt eklatant die Generationenge-
von Atommüll in Ahaus in einer Halle in Leichtbau- rechtigkeit. Die Folgen müssen unsere Kinder, Enkel
weise stellt ein unverantwortliches Risiko für Mensch und deren Nachfahren ausbaden. Deshalb ist die Lauf-
und Natur im Münsterland und darüber hinaus dar. zeitverlängerung von Atomkraftwerken, die noch sehr
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7337
(A) viel mehr als den ohnehin schon vorhanden Atommüll kaum gefüllten Sondervermögens „Energie- und Klima- (C)
produziert, aus diesem und vielen weiteren Gründen un- fonds“ nicht gelingen. Eine Laufzeitverlängerung für die
verantwortlich und wird von uns abgelehnt. Atomkraftwerke wird insbesondere den Ausbau der er-
neuerbaren Energien bremsen und die effizienten und
klimafreundlichen Energieträger aus dem Strommarkt
Anlage 4 drängen. Massive Arbeitsplatzverluste in dieser Wachs-
tumsbranche sind zu befürchten.
Erklärung nach § 31 GO
Der Gesetzgebungszeitplan für die Beratung der Ge-
der Abgeordneten Heinz-Joachim Barchmann,
setzentwürfe ist eine Farce und missachtet die demokra-
Uwe Beckmeyer, Gerd Bollmann, Edelgard
tischen Mitwirkungsrechte des Bundestages und des
Bulmahn, Garrelt Duin, Petra Ernstberger,
Bundesrates. Ohne dass etwa drängende Fristen einzu-
Karin Evers-Meyer, Lars Klingbeil, Dr. Bärbel
halten wären, wurde das Verfahren in weniger als vier
Kofler, Gabriele Lösekrug-Möller, Kirsten
Wochen abgeschlossen. Insbesondere für die inhaltliche
Lühmann, Caren Marks, Dr. Matthias Miersch,
Fachdebatte der Änderung des Atomgesetzes blieb dabei
Holger Ortel, Dr. Wilhelm Priesmeier,
weniger als eine Stunde Beratungszeit. Eine Vielzahl
Dr. Carola Reimann, Dr. Martin Schwanholz,
von Fragen konnte entweder nicht gestellt werden oder
Dr. Carsten Sieling und Kerstin Tack (alle SPD)
blieb schlicht unbeantwortet, da eine geordnete Befra-
zu den namentlichen Abstimmungen:
gung der Bundesregierung blockiert wurde.
– Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung
des Atomgesetzes Wir lehnen alle Gesetzentwürfe, die uns in Verbin-
dung mit dem Energiekonzept der Bundesregierung vor-
– Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Ände- gelegt wurden, ab und erklären unsere entschiedene
rung des Atomgesetzes Missbilligung des Gesetzgebungszeitplans und des par-
lamentarischen Vorgehens der Koalitionsfraktionen
– Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines
CDU/CSU und FDP.
Sondervermögens „Energie- und Klima-
fonds“ (EKFG)
– Entwurf eines Kernbrennstoffsteuergeset- Anlage 5
zes (KernbrStG)
Erklärungen nach § 31 GO
(Tagesordnungspunkt 4 a und b)
zu den namentlichen Abstimmungen:
(B) Der Ablauf der parlamentarischen Beratung der elften (D)
und zwölften Änderung des Atomgesetzes sowie weite- – Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung
rer Gesetzentwürfe, an deren Ende Laufzeitverlängerun- des Atomgesetzes
gen für die deutschen Atomkraftwerke stehen und in
denen die Sicherheitsanforderungen für die Anlagen ge- – Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Ände-
ändert werden, steht im krassen Widerspruch zu der ge- rung des Atomgesetzes
sellschaftlichen Bedeutung, die diese Änderung für die
Zukunft der Energiepolitik, für den Klimaschutz, den – Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines
Sondervermögens „Energie- und Klima-
Wettbewerb im Energiemarkt und die Arbeitsplätze in
fonds“ (EKFG)
Deutschland hat.
In der Folge dieser Gesetzesänderungen werden – Entwurf eines Kernbrennstoffsteuergeset-
Atomkraftwerke bis circa zum Jahr 2040 weiterbetrieben zes (KernbrStG)
werden können, obwohl weder ein Endlager für hochra- (Tagesordnungspunkt 4 a und b)
dioaktive Abfälle vorhanden ist, noch Vorsorge gegen
gezielte terroristische Angriffe getroffen wird. Damit
wird mit der Sicherheit und der Lebensqualität vieler Viola von Cramon-Taubadel (BÜNDNIS 90/DIE
nachfolgender Generationen leichtfertig und verantwor- GRÜNEN): Ich stimme gegen die elfte Atomgesetzno-
tungslos umgegangen und der gesellschaftliche Frieden velle, die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraft-
aufs Spiel gesetzt. Ohne sachlichen Grund werden die werke in Deutschland vorsieht, weil ich diese gesetzli-
von Rot-Grün eingeleitete Energiewende sowie der mit che Änderung für ein energiepolitisches Desaster halte.
den Energiekonzernen gefundene Konsens aufgekün-
digt. Ich kann und möchte es nicht verantworten, dass wir
in Unkenntnis der Frage, wo wir und wie wir unseren
Darüber hinaus werden den vier großen Energieerzeu- hochradioaktiven Atommüll entsorgen werden, weiteren
gern zusätzliche Milliardengewinne aus bereits abge- nichtabbaubaren Müll produzieren. Wir addieren mit
schriebenen Atomkraftwerken ermöglicht. Wir bewerten dieser Gesetzesnovelle weitere 4 000 Tonnen atomaren
das Vorhaben der Bundesregierung insgesamt als eine Mülls. Nicht erst seit den Geschehnissen in der Asse
Kapitulation vor Lobbyinteressen. Der Plan, die erhebli- wissen wir, dass es keinen sicheren Platz für diesen Müll
chen Gewinne der Konzerne für die Energiewende und geben wird. Diese Fragen der Entsorgung stark strahlen-
die Haushaltskonsolidierung abzuschöpfen, wird auf Ba- den Mülls reichen wir somit zwangsläufig unbeantwortet
sis einer halbherzigen Kernbrennstoffsteuer und eines an die nächsten Generationen weiter.
7338 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Außerdem darf der Ausbau erneuerbarer Energien auf Zweitens. Eine Verlängerung der Laufzeiten von Atom- (C)
diesem Weg nicht weiter blockiert werden: kraftwerken wird die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer
Energien erheblich schwächen. Damit wird aus ideologi-
Mit der Verlängerung der Laufzeiten werden Investi- schen Gründen einer zukunftslosen Form der Energie-
tionen in moderne Kraftwerke, aber vor allem wird der erzeugung der Vorrang gegenüber innovativen Ener-
notwendige Ausbau der erneuerbaren Energien zurück- gieformen gegeben.
gefahren.
Drittens. Es ist unter Sicherheitsaspekten unverant-
Das Wachstum bei erneuerbaren Energiequellen, das wortlich, zum Teil eindeutig überalterte Reaktoren län-
wir zum einen dringend für einen ernst gemeinten Kli- ger als bisher vorgesehen in Betrieb zu halten. Das Ri-
maschutz benötigen, aber das zum anderen für mehr als siko eines Störfalls bzw. einer Schadensauslösung durch
300 000 neue Arbeitsplätze in der Branche verantwort- externe Einwirkung würde sich dadurch erhöhen.
lich ist, wurde bereits seit der ersten Ankündigung der
Laufzeitverlängerung deutlich abgebremst. Das ist we- Viertens. Es wäre zudem unverantwortlich, die mit ei-
der gut für den Klimaschutz in Deutschland und in ner Laufzeitverlängerung verbundene vermehrte Pro-
Europa noch für die langfristige, nachhaltige Arbeits- duktion von hochradioaktivem Atommüll zu billigen,
platzentwicklung in unserem Land. ohne dass ein geeignetes Endlager vorhanden ist. Es ist
bezeichnend, dass die schwarz-gelbe Koalition am heuti-
Ich sehe Deutschland auch in einer Vorbildfunktion gen Tag, an dem über die Mehrproduktion von hochge-
für andere Staaten, die energiepolitisch demnächst rich- fährlichem Atommüll abgestimmt wird, unter Verstoß
tungsweisende Entscheidungen vornehmen. Diese Ge- gegen die Geschäftsordnung des Bundestages eigen-
setzesnovelle sendet ein fatales Signal in die Welt. mächtig die Sitzung des Gorleben-Untersuchungsaus-
Deutschland hat sich hiermit von einer zukunftsfähigen schusses abgesagt hat, in der ein Wissenschaftler gehört
Energiepolitik verabschiedet. werden sollte, der aufgrund eigener Messbefunde eine
Deutschland wird zunächst einmal keinen Wettlauf kritische Haltung bezüglich der Eignung des Erkun-
um die innovativsten Energieformen gewinnen; das Ren- dungsbergwerkes Gorleben als mögliches atomares End-
nen werden andere gewinnen. Genau bei diesem Wettbe- lager hat.
werb darf Deutschland seine „Poolposition“ nicht verge-
ben. Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN): Im Dezember 1990 bin ich mit einer Gruppe von
Aber mit dem heutigen Gesetz setzen wir bei diesem
Interessierten nach Weißrussland gereist. Wer dort war
Wettlauf aus. Wir dienen nicht mehr als Ideengeber für
oder wer gar einmal die sogenannte verbotene Zone be-
(B) andere Regionen, sondern führen stattdessen den eige- treten hat, wird nie wieder von der Beherrschbarkeit und (D)
nen, den Energiebinnenmarkt wieder in die energiepoli-
technischen Kontrollierbarkeit von Atomkraft überzeugt
tische Steinzeit zurück.
sein können. Wer die verwaisten Dörfer und Städte in
Finanziell wird dieses Gesetz für die Verbrauche- der Sperrzone um den explodierten Reaktor herum gese-
rinnen und Verbraucher keine Erleichterung bringen. hen hat, die Krankheiten und Folgen des Unglücks, unter
Denn anders als angekündigt werden die Strompreise denen die Menschen in der Region bis heute leiden, der
auch mit den verlängerten Laufzeiten für die Atomkraft wird nie wieder von der vermeintlichen Fortschrittlich-
kaum gesenkt. Es führt gleichzeitig jedoch zu einer Ver- keit von Atomkraft überzeugt sein. In der DDR war jede
schiebung finanzieller Ressourcen zugunsten der vier Kritik an der Energieerzeugung durch Kernkraftwerke
großen Energieerzeuger, die weitgehend die Profiteure tabu. Die Arbeit in den Abbaustätten des bis 1990 dritt-
der Novelle sind. größten Uranproduzenten weltweit war mit vielen Privi-
legien verbunden. Sie wurde aufgrund der jahrelangen
Kontamination mit radioaktivem Staub von vielen der
Sebastian Edathy (SPD): Die dem Bundestag heute Bergleute mit Krankheit bezahlt, mitunter mit frühem
vorliegenden Gesetzentwürfe von CDU/CSU und FDP Krebstod.
zur Umsetzung ihres angeblichen „Energiekonzeptes“
lehne ich ab. Doch natürlich wussten auch wir in der DDR, warum
im Mai 1986 plötzlich so viel Salat und Gemüse in den
Der Ablauf der parlamentarischen Beratung war der Regalen der Läden lag – Waren, die im Westen keiner
Bedeutung des Themas unangemessen; insbesondere mehr kaufen wollte. Aber protestieren oder sich öffent-
wurden Auskunftsrechte der Opposition missachtet. lich positionieren gegen den blinden Fortschrittsglauben
Inhaltlich besonders verwerflich ist der Vorschlag der durfte man nicht. 21 Jahre nach der friedlichen Revolu-
Koalitionsfraktionen, die Laufzeiten deutscher Atom- tion leben wir in einem Land, in dem es möglich ist, öf-
kraftwerke erheblich zu verlängern, und zwar aus vier fentlich Protest gegen Atomkraft und den nachweislich
Gründen: falschen Glauben an die Beherrschbarkeit und Kontrol-
lierbarkeit von Atomkraft zu äußern. Ich bin froh, dass
Erstens. Die Absicht, den in Regierungsverantwor- viele Menschen dies dauerhaft und mit großem Engage-
tung der SPD vereinbarten Atomenergieausstieg aufzu- ment tun. Ich bin froh, dass sie es auch heute Morgen
heben, lässt einen bereits überwundenen gesellschaftli- hier in unmittelbarer Nähe des Parlamentes, das über die
chen Konflikt wieder aufbrechen und polarisiert ohne Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke zu ent-
Not unsere Gesellschaft. scheiden hat, tun.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7339
(A) Denn Atomkraft ist weder sicher noch sauber. Auch winnung. Doch es gibt zwei Gründe, warum ich mein (C)
in deutschen Atomkraftwerken sind meldepflichtige Gewissen gebunden sehe.
Störfälle an der Tagesordnung. Reaktoren wie Biblis A
Das ist zum einen die Verlässlichkeit politischer Aus-
entsprechen schon lange nicht mehr den Sicherheitsan-
sagen und Vereinbarungen. Wir sollten unser Wort hal-
forderungen, von den Gefahren durch terroristische An-
ten, im Großen wie im Kleinen. Einen Ausstieg aus der
schläge ganz zu schweigen. Die Frage des Endlagers für
Kernkraft zu vereinbaren und diesen dann zurückzuneh-
den strahlenden Müll ist nach wie vor ungeklärt. Der Be-
men, auch nur partiell, stellt die Glaubwürdigkeit politi-
trieb der deutschen Atomkraftwerke ist zu 100 Prozent scher Aussagen insgesamt infrage. Ich persönlich habe
abhängig von Uranimporten, die häufig aus den Krisen- bereits während meiner Kandidatur als Bundestagsabge-
regionen dieser Welt stammen. Der Abbau und Import ordneter im vergangenen Jahr meine ablehnende Posi-
des Urans ist im Übrigen höchst energieintensiv, von tion zur Laufzeitverlängerung deutlich gemacht. Als
Klimaschutz keine Spur. Mensch, als Christ und als Pastor haben Menschen mir
In Ostthüringen und im Erzgebirge wird heute kein immer wieder eine große Aufrichtigkeit und Glaubwür-
Uran mehr abgebaut. Die Minen sind geschlossen; die digkeit bestätigt. Diesen Wert will ich bewahren. Darum
Landschaft wird unter anderem durch den Nachfolger werde ich auch in diesem Fall zu meinem Wort stehen.
der Wismut AG renaturiert. Und in den vergangenen Zum anderen bleiben bei aller Einsicht in die Begrün-
Jahren sind in Thüringen Tausende neuer Arbeitsplätze dung des Gesetzentwurfes die grundsätzlichen Argu-
im Bereich der erneuerbaren Energien entstanden. Erfin- mente gegen die Kernkraft: Wir wissen bis heute nicht,
dergeist, Mut zur Investition und die Vision einer Strom- wie wir den Atommüll entsorgen können; die Risiken der
erzeugung ohne mutwillige Schädigung von Mensch und Kernkraft sind nicht bis ins Letzte kalkulierbar. Entspre-
Natur haben ein kleines, grünes Wirtschaftswunder er- chend wissen wir nicht, welches Erbe wir den nachfol-
zeugt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energiever- genden Generationen überlassen werden. Der schnellst-
brauch hat sich in den vergangenen zehn Jahren seit dem mögliche Ausstieg aus der Kernkraft ist daher geboten.
Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft und der Ver-
abschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ver- Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
dreifacht. In einer strukturschwachen, mit den Folgen NEN): Ich stimme gegen die elfte Atomgesetznovelle,
der DDR-Misswirtschaft kämpfenden Region ist eine die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke
Zukunftsbranche herangewachsen. in Deutschland vorsieht, weil ich persönlich von der
Laufzeitverlängerung besonders betroffen bin. In mei-
Diese läuft nun Gefahr, ihre mühsam erkämpfte
nem Bundesland liegt neben Biblis B auch das älteste
Marktfähigkeit, die entstandenen Arbeitsplätze und den Atomkraftwerk Biblis A, das besonders viele Mängel (D)
(B) technologischen Vorsprung durch die Verlängerung der
aufweist. Der Reaktor Biblis A ging am 16. Juli 1974
Laufzeiten von alten Atommeilern zu verlieren. Kleine ans Netz. Sein Sicherheitszustand entspricht dem Stand
und mittelständische Unternehmen sind in ihrer Existenz der Technik der 1970er-Jahre. Was das bedeutet, zeigen
bedroht, während die vier großen deutschen Energiekon- die folgenden Fakten über den Sicherheitszustand des
zerne mit zusätzlichen Gewinnen durch den Weiterbe- Reaktors:
trieb ihrer längst abgeschriebenen Altreaktoren rechnen
können. Diese offensichtliche Begünstigung rückwärts- Biblis A weist über 400 meldepflichtige Zwischen-
gewandter Energiepolitik und Schwächung einer ökolo- fälle auf; pro Betriebsjahr sind das 12. Damit führt es die
gisch nachhaltigen Energiegewinnung halte ich als Ab- Pannenstatistik deutscher AKW an.
geordnete von Bündnis 90/Die Grünen für grundfalsch. Biblis A ist gegen Störfälle schlechter geschützt als
Die Inkaufnahme des Verlustes Tausender Arbeitsplätze neuere AKW, weil zum Beispiel Sicherheitssysteme im
in einer Zukunftsbranche als Folge eines Milliardenge- Störfall ausfallen können. Insbesondere bei Lecks oder
schenks an die Atomlobby ist für mich als Thüringer Ab- Rissen von Rohrleitungen ist deshalb das Risiko unbe-
geordnete ein Skandal sondergleichen. herrschbarer Ereignisse deutlich höher als bei neueren
AKW.
Frank Heinrich (CDU/CSU): In der Abstimmung Die Störfallbeherrschung ist nicht sichergestellt, weil
um die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwer- unter anderem ein unabhängiges Notkühlsystem fehlt.
ken werde ich von meinem Recht auf Gewissensfreiheit
Gebrauch machen und den Gesetzentwurf zur Änderung Das AKW ist gegen Erdbeben und Druckwellen von
des Atomgesetzes ablehnen. Dies möchte ich im Folgen- außen, zum Beispiel durch Explosionen, weit weniger
den begründen. geschützt, als es dem Stand der Technik entspricht.
Zwar kann ich der Argumentation meiner Partei, die Zudem verfügt es nicht über ein dem Stand der Tech-
nik entsprechendes unabhängiges und verbunkertes Not-
von Kernkraft als einer Brückentechnologie spricht, an
standssystem.
einigen Stellen folgen: Erstens findet kein völliger „Aus-
stieg aus dem Ausstieg“ statt, zweitens sollen die Versor- Die Auswirkungen eines Flugzeugabsturzes auf das
gungssicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher AKW Biblis A hat das Öko-Institut im Jahr 2007 unter-
gewährleistet und der Strom bezahlbar bleiben, drittens sucht. Demnach ist eine großflächige Zerstörung des Re-
dient die Verwendung eines Großteils der Gewinne dem aktorgebäudes nicht auszuschließen, würde es in der
Aufbau einer Infrastruktur zur regenerativen Energiege- Folge zu einer Kernschmelze mit rascher Freisetzung
7340 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) großer Mengen Radioaktivität kommen, würde ein Ge- Entgegen den Behauptungen von RWE, Eon und Co (C)
biet von 10 000 Quadratkilometern zur Katastrophen- ist es nicht die Umlage für die erneuerbaren Energien,
zone. die die Strompreise treibt. Nach einer Analyse des Bun-
des der Energieverbraucher von März 2010 bereichern
Biblis A wäre, wenn sich der Betreiber RWE dem sich die Stromkonzerne seit 2007 mit fast 6 Milliarden
Geist der Ausstiegsverhandlungen verpflichtet gefühlt Euro pro Jahr auf Kosten der Verbraucher, ohne dass re-
hätte, längst stillgelegt. Nur durch künstliche Drosse- ale Gründe wie höhere Bezugspreise, Steuern und Abga-
lung, fragwürdige Revisionen und die Übertragung von ben dafür vorliegen. Während die Stromkosten in einem
Reststrommengen aus dem stillgelegten AKW Stade Durchschnittshaushalt in den letzten 10 Jahren um circa
wurde die Betriebserlaubnis bis heute gerettet. 30 Euro gestiegen sind, hat die EEG-Umlage im glei-
Diese Strategie soll jetzt nach Willen der Koalition chen Zeitraum nur um 5 Euro zugelegt. Auch der Chef
satte Früchte tragen. Acht Jahre längere Laufzeit würden der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, und der Vor-
RWE Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe bringen. Ob sitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, haben
es zu Nachrüstungen beim völlig inakzeptablen Sicher- davor gewarnt, ungerechtfertigte Preiserhöhungen den
heitszustand kommt, steht dagegen in den Sternen. Ein erneuerbaren Energien in die Schuhe zu schieben.
derart unsicherer Reaktor wie Biblis A muss sofort abge-
Der aktuelle Anstieg der Energieumlage um circa 70
schaltet werden. Jede Verlängerung der Laufzeit ist aus
Euro jährlich für einen Vier-Personen-Haushalt ist im
meiner Sicht unverantwortlich.
Wesentlichen eine Folge der verunsichernden Hü-und-
Hott-Politik der Bundesregierung im Umgang mit der
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das Solarförderung. Schwarz-Gelb hat mit einer extremen
Gesetz, das die Laufzeiten der 17 deutschen Atomkraft- Förderungskürzung zum 1. Juli eine Art Torschlusspanik
werke verlängert, lehne ich entschieden ab. und so einen geballten Ansturm auf Solaranlagen ausge-
löst, statt für einen stetigen Ausbau zu sorgen.
Ich lehne das Gesetz ab, weil es einen gesellschaftli-
chen Großkonflikt wieder anfacht, den die rot-grüne Mit den Laufzeitverlängerungen behindert die schwarz-
Bundesregierung mit dem Atomkonsens im Jahr 2000 gelbe Regierung nicht nur Investitionen in Zukunftstech-
nach Jahrzehnten harter Auseinandersetzungen befriedet nologien, -jobs und Klimaschutz, sondern auch die lang-
hatte. fristige Unabhängigkeit und Entkoppelung der Verbrau-
Ich lehne das Gesetz ab, weil längere AKW-Laufzei- cherpreise von den endlichen Brennstoffen Uran und
ten mehr Atommüll bedeuten, dessen sichere Lagerung Kohle. Sie zementiert die Monopole und verhindert fai-
für die nächsten Zehntausende von Jahren ein ungelöstes ren Wettbewerb. Die Stadtwerke wollen milliarden-
(B) Problem ist, das wir in unverantwortlicher Weise nach- schwere Investitionen stoppen, weil sie befürchten, dass (D)
kommenden Generationen überlassen. Schwarz-Gelb die Vormachtstellung der großen Kon-
zerne auf Jahre festschreibt. Hochriskante Atomkraft-
Ich lehne das Gesetz ab, weil längere AKW-Laufzei- werke sind keine Brückentechnologie, sondern verhin-
ten durch die mit zunehmendem Alter immer störanfälli- dern mit ihrer schweren Regulierbarkeit den neuen
geren Atomkraftwerke erhöhte Sicherheitsrisiken für Strommix mit viel Sonne und Wind.
Mensch und Umwelt bedeuten.
Ich lehne das Gesetz ab, weil die Laufzeitverlänge- Ingrid Hönlinger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): In
rung den Ausbau der erneuerbaren Energien behindert, unmittelbarer Nachbarschaft zu meinem Wahlkreis Lud-
Wettbewerb auf dem Strommarkt verhindert und das wigsburg befindet sich einer der ältesten Atommeiler in
Oligopol der marktbeherrschenden vier großen Energie- ganz Deutschland. Das AKW Neckarwestheim 1 hat sei-
konzerne zementiert. nen Betrieb im Jahr 1976 aufgenommen. Mit über
400 meldepflichtigen Zwischenfällen ist er einer der
Ich lehne das Gesetz ab, weil es im Deutschen Bun- pannenanfälligsten Reaktoren in Deutschland. Die Alte-
destag nicht angemessen beraten wurde, weil im Verfah- rungsrelevanz zeigt sich in der signifikant höheren Stör-
ren elementare Abgeordnetenrechte verletzt wurden und anfälligkeit. Mitarbeiter und Umgebung sind einem hö-
die geplante Umgehung des Bundesrates gegen das heren Strahlungsrisiko ausgesetzt, Sicherheitssysteme
Grundgesetz verstößt. entsprechen nicht dem heutigen Stand der Technik. Es
Deshalb werde ich dem Gesetz nicht zustimmen und, besteht die Gefahr eines schnelleren Risswachstums, die
sollte es verabschiedet werden, alles dafür tun, es wieder Notstromversorgung ist schlecht gesichert, die Kühlmit-
rückgängig zu machen. telreserven sind relativ gering, es gibt keine Sicherheit
bei Abstürzen von größeren Passagierjets. Ich kann als
Abgeordnete des Wahlkreises Ludwigsburg einen Wei-
Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Lauf- terbetrieb dieses Uralt-Atomkraftwerkes nicht unterstüt-
zeitverlängerungen bremsen den Ausbau der erneuerba- zen. Neckarwestheim gehört zu den ältesten Meilern und
ren Energien und verteuern den Strom. Erst im Oktober sollte sofort stillgelegt werden.
wurden in Rheinland-Pfalz und deutschlandweit Strom-
preiserhöhungen angekündigt. Die Stromrechnung ent- Ich stimme auch gegen die elfte Atomgesetznovelle,
wickelt sich damit für viele Verbraucherinnen und Ver- die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke
braucher zu einer zweiten Miete und Kostenfalle, die sie in Deutschland vorsieht. Diese Laufzeitverlängerung be-
nicht kontrollieren können. hindert den Ausbau des boomenden Zukunftsmarktes
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7341
(A) der erneuerbaren Energien. Atomenergie ist schwer zu Gesetzesnovelle zur Änderung des Atomgesetzes abzu- (C)
regulieren und daher nicht vereinbar mit dem, was wir in geben.
Deutschland jetzt brauchen: einen sinnvollen Energie-
mix aus Wind- und Sonnenenergie, Biogas und anderen Als Niedersächsin und Mutter von drei Kindern fühle
erneuerbaren Energien. Die Laufzeitverlängerungen be- ich mich in besonderem Maße von dem Deal der
hindern zugleich die Entwicklung kleiner dezentraler schwarz-gelben Koalition mit den Energiekonzernen
Energieversorger und einen wirklichen Wettbewerb auf persönlich betroffen.
dem Energiemarkt. Die Verlierer sind hierbei die vielen Ich lebe mit meiner Familie in Nienburg an der We-
Regionen, in denen bereits ganze Gemeinden und viele ser. Das liegt auf halber Strecke zwischen den Atom-
Bauern ein zweites Standbein in der Energiewirtschaft kraftwerken Grohnde und Unterweser.
aufgebaut haben.
Die Atomkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW Das AKW Unterweser sollte nach der noch geltenden
können bei einer Laufzeitverlängerung auch weiterhin Gesetzeslage bereits im Herbst 2011 vom Netz gehen.
die Preise diktieren und einen fairen Wettbewerb auf Das hat auch seinen Grund: Der Druckwasserreaktor
dem Strommarkt verhindern. Ihr Interesse an der Lauf- dieses AKW entspricht dem Stand der 70er-Jahre. Es
zeitverlängerung ist verständlich; denn durch die abge- fehlt ein ausreichend dicker Sicherheitsbehälter, der bei
schriebenen Altmeiler verdienen die Konzerne 1 bis einem Unfall als Barriere gegen das Austreten von Ra-
2 Millionen Euro pro Tag. Die Laufzeitverlängerungen dioaktivität wirken könnte. Die Stahlbetonkuppel ist nur
der Atomkraftwerke führen dazu, dass nicht in moderne 80 Zentimeter dick und könnte einem Flugzeugabsturz
Kraftwerke investiert wird. Sie gefährden zudem die Ar- nicht standhalten. Seit 1998 kam es zu Ausfällen von Si-
beitsplätze von 340 000 Menschen, die bereits heute im cherheitsventilen, Kurzschlüssen im Generator und zu
Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten. Das heißt: Fehlern im Notkühlsystem.
Wenn wir mehr für den Klimaschutz tun wollen, bedeu- Jetzt soll dieser Reaktor nach dem Willen der Mehr-
tet das Atomausstieg, und zwar so schnell wie möglich. heit in diesem Hohen Hause bis 2020 in Betrieb bleiben.
Mit meiner Ablehnung der Atomgesetznovelle will Das ist unverantwortlich!
ich auch betonen, dass der atomare Müllberg mit seinem
Die erst in den 80er-Jahren gebauten AKW Grohnde
Strahlenrisiko noch stärker die kommenden Generatio-
und Emsland dürfen ohnehin bis 2017 bzw. 2020 weiter-
nen belastet. Ungeklärt sind die erhöhten Fälle von Leu-
laufen; aber auch dort treten immer wieder Störfälle auf.
kämie bei Kindern im Umfeld von Atomanlagen. Die
Seit Inbetriebnahme des AKW Emsland hat es in diesem
Nutzung der Atomenergie ist vom umweltschädlichen
allein 330 solcher Störfälle gegeben. Durch die Aufkün-
Abbau des Urans bis hin zur ungeklärten Entsorgung des
(B) digung des Atomkonsenes verschiebt sich der Ausstieg (D)
Atommülls eine nicht verantwortbare Hochrisikotechno-
auf unabsehbare Zeit. Das elfte Änderungsgesetz zum
logie, von der wir uns schnellstmöglich verabschieden
Atomgesetz verlängert die Laufzeiten dieser beiden
müssen. Ich lehne diese Risikotechnologie ab; sie ist
AKW zunächst um 14 Jahre bis 2031 bzw. 2034. Aber
eine Bürde für alle nachfolgenden Generationen.
das ist noch nicht alles: Durch eine Übertragung von
Stromerzeugungsrechten von älteren auf neuere Kraft-
Dr. Egon Jüttner (CDU/CSU): Ich kann dem Ener- werke könnte es noch zu einer weiteren Verlängerung
giekonzept nicht zustimmen, da ich zum einen eine Ver- kommen. So wird sich auch die übernächste Generation
längerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken nicht von Niedersachsen auf Antiatomdemonstrationen ein-
befürworte und zum anderen auch nach den Ausschuss- richten müssen.
beratungen nicht feststellen kann, dass in dem Konzept
eine gezielte Regelung für Stadtwerke bzw. kommunale Die Zwischenlager von Grohnde und Emsland haben
Unternehmen enthalten ist. Es werden Mittel für die Ge- nicht die Kapazität, den gesamten durch die Verlänge-
bäudesanierung bereitgestellt, die zwar den Kommunen rung anfallenden Atommüll aufzunehmen. Ich will mei-
und dem ortsansässigen Handwerk zugutekommen, nen Kindern die Antwort nicht schuldig bleiben müssen,
nicht jedoch den Stadtwerken. Die zur Abstimmung ste- wenn sie eines Tages fragen: Wo warst du, als ihr uns da-
henden Gesetze begünstigen darüber hinaus die großen mals diesen Mist eingebrockt habt?
Anbieter. Sie stellen keine Wettbewerbsgerechtigkeit
dar, beispielsweise was die Investitionen in die Off- In meinem Bundesland liegen auch Schacht Konrad,
shorewindanlagen betrifft. die Asse und der größte Schwarzbau aller Zeiten: Gorle-
ben. Hier soll für Jahrtausende der hochradioaktive Müll
Ich erkenne jedoch positiv an, dass durch die neuen aus den Atomkraftwerken der gesamten Bundesrepublik
Gesetze ein hohes Finanzvolumen zur Förderung erneu- eingelagert werden. Tag für Tag produzieren die deut-
erbarer Energien zur Verfügung gestellt wird. schen Atomkraftwerke hochradioaktiven Müll, und mit
Nach Abwägung aller Gesichtspunkte habe ich mich der in diesem Gesetz vorgesehenen Laufzeitverlänge-
entschlossen, mich der Stimme zu enthalten. rung werden Tausende Tonnen Müll hinzukommen, die
über Generationen hinweg strahlen.
Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): In Ver- Die Bundesregierung hat sich entschieden, den Salz-
antwortung gegenüber meinen Kindern und den künfti- stock Gorleben weiter zum Endlager auszubauen, und
gen Generationen sehe ich mich gezwungen, heute eine das, obwohl Gorleben nur aufgrund politischer Vorfest-
persönliche Erklärung zu der Abstimmung über die elfte legung und dreister Manipulation von Gutachten in der
7342 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Zeit der Kohl-Regierung seine zentrale Rolle in der End- schnellabschaltung. Das AKW Grohnde ist zwar gegen (C)
lagersuche erhalten hat. den Absturz eines Militärflugzeugs des Typs „Phantom“
ausgelegt. Dem Absturz schwerer Maschinen, etwa eines
Die Bundesregierung führt im Feststellungsteil dieses
Passagierflugzeugs, würde es nicht standhalten.
Gesetzes aus, dass sie auch Schacht Konrad als Endlager
für radioaktive Abfalle nutzen will. Damit würde Nie- Die Abschaltung des Reaktors ist nach Atomaus-
dersachsen endgültig zum Atomklo der Nation! stiegsgesetz für 2017 zu erwarten. Jetzt soll er bis nach
Sicher ist dabei nur eins: Ein sicheres Endlager für 2030 in Betrieb bleiben. Das hätte unter anderem zur
diese Art Müll gibt es nicht und wird es nie geben! Folge, dass das genehmigte Zwischenlager neben dem
Reaktor zu klein würde. Es müsste erweitert werden,
Die Erfahrung mit der Asse hat gezeigt, was den was ich als eine vermeidbare und schwerwiegende Erhö-
Menschen in diesem Land schon alles als sichere Lösung hung der Risiken bewerte.
verkauft worden ist. An einem völlig ungeeigneten Ort
wurden falsch deklarierte radioaktive Abfälle einfach Die Laufzeitverlängerung führt nicht nur beim AKW
wild durcheinander in die Stollen gekippt – nach dem Grohnde, sondern auch bei den anderen 16 AKW zu
Motto: Nach uns die Sintflut. Und die Sintflut kam mehr gefährlichem Atommüll und stellt eine unverant-
schneller als erwartet. Wassereinbrüche wurden bewusst wortbare Hypothek für kommende Generationen dar.
übersehen. Seit 2008 ist nicht mehr zu verbergen, dass Radioaktiver Abfall strahlt über Jahrmillionen. Auch
die Lauge in der Asse radioaktiv kontaminiert ist. nach über 50 Jahren ziviler Nutzung der Atomenergie
existiert weltweit kein Endlager für hochradioaktiven
Keiner kann übersehen, was die radioaktive Verseu-
Müll. Und trotzdem wird weiter fortlaufend Atommüll
chung der Lauge für Folgen für Mensch und Umwelt ha-
produziert. In Deutschland verspricht die Atomlobby mit
ben wird, und keiner kann beziffern, wie hoch in Zu-
Gorleben eine Lösung der Endlagerfrage. Doch ein
kunft die Kosten für die Rückholung des Atommülls
schlüssiges Endlagerkonzept gibt es nicht. Dennoch will
oder die weitere Einlagerung – wo auch immer – sein
Schwarz-Gelb die Laufzeiten verlängern. Das ist wie
werden.
Fliegen ohne Landebahn. Klar ist nur: Politische Vor-
Wir bürden unseren Kindern und zukünftigen Genera- festlegungen und dreiste Manipulationen von Gutachten
tionen neben den gesundheitlichen Risiken auch finan- durch die Kohl-Regierung haben überhaupt erst zur Fest-
zielle Lasten auf, während die Atomkonzerne sich mit legung auf Gorleben geführt. Das schlimme Scheitern
den Gewinnen die Taschen füllen und die Koalition ihre des sogenannten Forschungsendlagers Asse zeigt, dass
Haftung selbst bei einem Super-GAU auf 2,5 Milliarden wir von einem sicheren Endlager weiter entfernt sind
Euro beschränkt. denn je. Ausgerechnet das Salzbergwerk Asse galt als
(B) Prototyp für Gorleben. Gerade in Gorleben und im ge- (D)
Die Atomkraftwerke gefährden uns, unsere Kinder
samten Wendland sind die Menschen viel zu lange und
und weitere Generationen. Sie drohen Umwelt und Men-
zu infam hinters Licht geführt worden. Nun sollen mit
schen zu verseuchen, bieten gefährliche Ziele für Terror-
der Laufzeitverlängerung 4 500 Tonnen mehr Atommüll
angriffe und produzieren Megatonnen an hochradioakti-
produziert werden, und die unhaltbare Vorfestlegung auf
vem Müll, der nirgendwo sicher gelagert werden kann.
Gorleben als Atomklo soll mit dem nächsten Castor-
Ich sehe mich gegenüber der nächsten Generation transport weiter manifestiert werden. Das muss ein Ende
verpflichtet, alles zu tun, um das Inkrafttreten dieses Ge- haben. Ich sage deshalb Nein zur Laufzeitverlängerung
setzes zu verhindern, und ich fange damit an, indem ich und Nein zum Atomklo Gorleben. Gorleben ist politisch
es hier und heute ablehne. verbrannt. Stattdessen brauchen wir einen Neustart in
der Endlagersuche.
Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- Gerade als Mitglied der jungen Generation kann ich
NEN): Ich stimme gegen die elfte Atomgesetznovelle, nicht verantworten, dass zum einen weiterhin mehr strah-
die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke lender Müll produziert wird und zum anderen eine zu-
in Deutschland vorsieht, weil ich aus demokratischen, kunftsfähige Energieversorgung und erfolgreicher Kli-
ökologischen und sozialen Gründen gegen Atomkraft maschutz verhindert werden. Klimaschutz ist vor allem
bin und auch persönlich von der Laufzeitverlängerung
durch den Ausbau erneuerbarer Energien zu erreichen.
betroffen bin. In meiner Region liegt das AKW
Der Atomausstieg wäre deshalb das beste Klimaschutz-
Grohnde, das besonders viele Mängel aufweist. Es ist
programm, da er klare Investitionsbedingungen für er-
unverantwortlich, die Laufzeit des AKW Grohnde zu
neuerbare Energien schafft. Bei einer Laufzeitverlänge-
verlängern.
rung dagegen werden die Atomkonzerne schon aus
Auch wenn der Reaktor in Grohnde eine sogenannte Renditegründen alle Hebel für eine Begrenzung des Aus-
Vor-Konvoi-Anlage ist, die häufig von den Betreibern baus der erneuerbaren Energien in Bewegung setzen, da-
als besonders sicherer Reaktortyp angepriesen wird, ist mit ihre Altmeiler nicht vom Markt gedrängt werden. Das
das AKW angesichts seines vergleichsweise geringen würde notwendige Investitionen in moderne Kraftwerke
Alters mit rund 220 meldepflichtigen Zwischenfällen verschleppen und damit sowohl die Versorgungssicher-
sehr störanfällig. Im Jahr 1996 gab es einen Störfall der heit als auch zukunftsfähige Arbeitsplätze gefährden.
sogenannten INES-Stufe 1, bei dem ein Drucklassventil Schon heute arbeiten in der Branche der erneuerbaren
falsch geöffnet wurde. Allein im Juli 2005 kam es wegen Energien 340 000 Menschen. Nur ein schnellstmöglicher
verschiedener Störungen zweimal zu einer Reaktor- Atomausstieg bedeutet den schnellstmöglichen Ausbau
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7343
(A) der Erneuerbaren! Die Marktdominanz der vier großen Das AKW Philippsburg 1 ging im Jahr 1980 ans Netz (C)
Energieversorger muss gebrochen werden! und ist damit eines der ältesten Atomkraftwerke Deutsch-
lands. Nach Ausstiegsbeschluss würde Philippsburg 1
Die Atomkraft trägt natürlich auch nicht zum Klima- etwa Mitte 2012 stillgelegt. Nach den Plänen der Regie-
schutz bei. Atomkraft ist keine Schlüsseltechnologie, rung und der Koalitionsfraktionen soll Philippsburg 1
sondern im weltweiten Maßstab eine Marginalie. Die ak- jetzt mindestens acht Jahre länger am Netz sein.
tuell 436 Atomkraftwerke decken lediglich 2 Prozent des
weltweiten Endenergieverbrauchs. Selbst in Deutschland Die Technologie von Philippsburg 1 stammt noch aus
bringen es die 17 AKW gerade einmal auf einen Anteil den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts (Siedewasser-
von 6 Prozent. National wie global wird die Bedeutung reaktor Baulinie 69 wie Isar 1 und Brunsbüttel). Bei dem
der Atomkraft künftig deutlich abnehmen. Reaktor besteht ein erhöhtes Risiko gegenüber jüngeren
Reaktoren, dass zum Beispiel bei einem Rohrbruch ra-
Heute bereits exportiert Deutschland im großen Stil dioaktiver Dampf entweicht.
Strom. Seit 2006 liegt der jährliche Nettostromexport bei
rund 20 Milliarden Kilowattstunden, obwohl viele Philippsburg 1 ist nicht gegen Flugzeugabstürze gesi-
Atommeiler gedrosselt werden oder wegen Störfällen, chert; selbst der Absturz eines Leichtflugzeugs könnte
technischer Mängel oder Wartungsarbeiten zeitweise die viel zu dünne Außenhaut zerstören und eine Kata-
stillstehen. Die Mär von der Stromlücke ist nur eine strophe auslösen.
dreiste Lüge der Atomlobby.
Am 20. Mai 2010 sagte Umweltminister Röttgen dazu
Die Milliardensubventionen, die von Anfang an in im FAZ-lnterview:
Atomkraft geflossen sind, lehne ich als Mitglied des
Drei
Haushaltsausschusses aufs Schärfste ab. Eine Studie des
Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, FÖS, – Atomkraftwerke –
schätzt die bislang erfolgten Subventionen für deutsche
AKW auf 204 Milliarden Euro. Künftig könnten weitere haben keinen Schutz gegen Flugzeugabstürze. Die
100 Milliarden Euro dazukommen. Ohne Laufzeitver- Kraftwerke müssen etappenweise auf den Stand der
längerungen! Ein Großteil der Subventionen entfällt da- Nachrüsttechnik gebracht werden.
bei auf indirekte Subventionen und Privilegien. Kosten Philippsburg 1 ist eines dieser drei AKW. Bis vor dem
für Umweltverschmutzungen, radioaktive Verseuchung Spitzentreffen im Kanzleramt am 5. September sah der
und Gesundheitsgefährdungen sowie die lediglich be- BMU-Entwurf für die Atomgesetznovelle vor, nachträg-
schränkte finanzielle Haftung der AKW-Betreiber sind liche bauliche Schutzmaßnahmen vorzuschreiben. Die
dabei noch gar nicht berücksichtigt. Ich setze mich dafür geplante Regelung wurde aber ersatzlos gestrichen.
(B) ein, die Subventionen für die Atomkonzerne deutlich zu- (D)
rückzuführen. Dass weiterhin Milliarden Steuergelder Seit Inbetriebnahme gab es über 330 meldepflichtige
für die Förderung dieser hochgefährlichen Technologie Zwischenfälle in Philippsburg 1 – das sind rund elf pro
und die Milliardenprofite der Atomkonzerne verwendet Jahr – darunter:
werden, ist ein riesiger Skandal.
1983 gelangt wegen defekter Brennelemente radioak-
Unverantwortlich finde ich das undemokratische Ver- tives Jod in die Umwelt.
fahren im Bundestag. Die schwarz-gelbe Koalition hat
das Verfahren gegen alle demokratischen Gepflogenhei- 2001 wird der Reaktor hochgefahren, obwohl das
ten, zum Teil unter Missachtung der Geschäftsordnung, Notkühlsystem nicht funktionstüchtig ist.
durchgepeitscht: Anträge auf Anhörungen wurden nicht 2007 tritt wegen eines Bedienungsfehlers Stickstoff
befasst, mein Antragsrecht wurde mir im Umweltaus- aus.
schuss verweigert, Geschäftsordnungsanträge wurden
nicht behandelt oder gar von vorneherein ausgeschlos- Den tatsächlichen Anlagenzustand kennen weder das
sen. BMU noch die Landesatomaufsicht Baden-Württem-
berg. Ihnen liegt die vollständige technische Dokumen-
Dieses und noch viele weitere Gründe machen es für tation des Zustands der deutschen AKW nicht vor, wie in
mich unabdingbar, die elfte Atomgesetznovelle, die eine einer Antwort an mich eingeräumt wurde (Drucksache
Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke in Deutsch- 17/1887).
land vorsieht, abzulehnen. Es bleibt dabei: Atomkraft,
nein danke! Die Zukunft ist erneuerbar! Bei den schärferen Zwischenfällen mit Reaktor-
schnellabschaltung, sozusagen mit Notbremsung des
AKW, liegt Philippsburg 1 zusammen mit Neckar-
Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): westheim 1 bundesweit an der Spitze, sowohl absolut als
Ich stimme gegen die elfte Atomgesetznovelle, die eine auch pro Betriebsjahr (Stand Ende 2009).
Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke in Deutsch-
land vorsieht. Mein Wahlkreis Karlsruhe-Stadt liegt Forschungsergebnisse des Berliner Professors
circa 20 Kilometer von den beiden Atomkraftwerken Manfred Zehn ziehen die Stabilität der Schweißnähte am
Philippsburg 1 und 2 im Landkreis Karlsruhe-Land ent- Reaktordruckbehälter der AKW-Baureihe, zu der Phi-
fernt. Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages lippsburg 1 gehört, in Zweifel. Ein Riss könnte zum ex-
fühle ich mich verantwortlich für die Sicherheit der plosiven Austreten radioaktiven Dampfes führen und ka-
Menschen in meinem Wahlkreis. tastrophale Folgen haben.
7344 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Somit gehört Philippsburg 1 zu jenen sieben ältesten Deutschland ist ein großer Fehler. Sie ist ein Fehler aus (C)
AKW, die schnellstmöglich stillgelegt werden sollten. Für verschiedenen Gründen. Zum einen behindert das Fest-
die Stromversorgung ist das leistungsschwache Alt-AKW halten an der atomaren Stromerzeugung den Ausbau der
überflüssig. Deutschland produziert Rekordstrom- erneuerbaren Energien. Alle im Bundestag vertretenen
überschüsse, allein im ersten Halbjahr 2010 rund 11 Tera- Parteien sind sich einig, dass die künftige Energieversor-
wattstunden. gung auf Erneuerbare umgestellt werden muss. Der ver-
einbarte Ausstieg aus der Atomenergie hat den Zeitrah-
Neben diesem persönlichen Grund der Nähe meines
men festgelegt, und dieser Zeitrahmen ist im Konsens
Wahlkreises zu Philippsburg lehne ich die Laufzeitver-
mit den Atomkonzernen getroffen worden. Die Aufkün-
längerungen für alle Atomkraftwerke ab. Sie sind über-
digung dieses Konsenses beschert den Stromkonzernen
flüssig für die Stromversorgung, kontraproduktiv für
Milliardengewinne. Zudem zementiert sie die Markt-
günstige Strompreise, weil sie Wettbewerb auf dem
macht einiger weniger zum Nachteil eines fairen Wettbe-
Strommarkt verhindern, und verlangsamen den Ausbau
werbs und zum Nachteil der größten Wachstumsbranche
der erneuerbaren Energien. Sie verlängern das Risiko ei-
in der BRD.
nes atomaren Unfalls und vergrößern die Menge des
Atommülls. Die Verlängerung der Laufzeiten hat aber noch einen
viel schlimmeren Effekt: Unsere AKW sind in die Jahre
Undine Kurth (Quedlinburg) (BÜNDNIS 90/DIE gekommen. Alle AKW in Deutschland wurden errichtet
GRÜNEN): Der vorgelegte Gesetzentwurf bedeutet eine mit einer geplanten Laufzeit von 40 Jahren. Weltweit hat
Aufweichung des Atomkonsenses vom Juni 2000. Die bisher fast kein AKW dieses Alter erreicht. Nein, sie wur-
Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke den mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 25 Jahren
kommt allein den vier großen Energieversorgern Eon, abgeschaltet. Denn das Material in einem Atomreaktor
EnBW, RWE und Vattenfall zugute. Die Länder und ist einer erheblichen Beanspruchung ausgesetzt. Die
Kommunen werden wirtschaftlich belastet und haben er- Rohrleitungen werden spröde, Rissbildungen treten auf,
hebliche zusätzliche Verwaltungs- und Sicherungsaufga- kurz: die Reaktoren altern genauso wie jede andere tech-
ben zu übernehmen. Der weitere Ausbau erneuerbarer nische Einrichtung auch. Und nicht alle Komponenten
Energien wird blockiert. Weitere Unmengen an Atom- eines AKW sind austauschbar.
müll werden produziert. Der Weg in eine tragbare ener- In Bayern stehen AKW an drei Standorten: Grafen-
getische Zukunft ohne Kohlendioxid bei der Energieer- rheinfeld, Gundremmingen und Ohu. Die Alterungspro-
zeugung und ohne ungelöste Endlagerproblematik wird blematik betrifft alle Anlagen, genauso wie die erhöhten
vehement verbaut. Das sind schwerwiegende wirtschaft- Leukämieraten von Kleinkindern, die in der Nähe aller
liche, ökologische und soziale Folgen, vor denen die AKW auftreten. Vor allem aber der Altreaktor Isar 1 in (D)
(B) Bundesregierung geflissentlich die Augen verschließt.
Ohu bei Landshut stellt eine enorme Gefahr für die Be-
All dies sind ausreichende Gründe, gegen das Ände- völkerung dar. Da der Reaktor keine Kuppel besitzt, ist
rungsgesetz zu stimmen. er nicht einmal gegen den Absturz eines Kleinflugzeugs
Hinzu kommt aber, dass die parlamentarische Bera- gesichert. Viele Mängel des Reaktors sind konstruk-
tung des Gesetzentwurfes unzureichend war. Die Wahr- tionsbedingt und können nicht behoben werden. Deshalb
nehmung der Rechte der Abgeordneten, sich gründlich ist Isar 1 der Reaktor in Bayern, bei dem höchstes Risiko
mit dem Gesetz und seinen Folgen sowie mit kompli- mit höchstem Schadensmaß zusammenkommt.
zierten juristischen Fragen auseinanderzusetzen, war er- Die Vorwarnzeit der Bevölkerung schmilzt bei einer
heblich beeinträchtigt. Das ist ganz und gar inakzepta- Kernschmelze auf wenige Stunden zusammen. Das hat
bel. die Gesellschaft für Reaktorsicherheit festgestellt. Der
Die heutige Entscheidung, eine Risikotechnologie Reaktor Isar 1 sollte nach dem Atomkonsens im nächs-
länger einzusetzen als noch vor zehn Jahren einvernehm- ten Jahr abgeschaltet werden. Die Bevölkerung, die nicht
lich mit den Atomkonzernen vereinbart, ist von so gro- mehr mit der Bedrohung dieses Reaktors leben will, hält
ßer Tragweite, dass sich der von der Bundesregierung wöchentlich vor Isar 1 eine Mahnwache ab. Jeden Montag
und den sie tragenden Fraktionen praktizierte instrumen- kommen Hunderte von Menschen, die sich von dieser
telle Umgang mit dem Parlament verbietet. Die Bera- Regierung verraten fühlen. Eine Laufzeitverlängerung
tung im federführenden Umweltausschuss kann nur als der deutschen Atomkraftwerke ist ein Verrat am Sicher-
Farce bezeichnet werden. Sie verstieß gegen Geist und heitsempfinden der Bevölkerung und ein Kniefall vor
Buchstaben der Geschäftsordnung. Das aber hat unsere den Profitinteressen der Stromkonzerne.
parlamentarische Demokratie nicht verdient, zumal da-
mit deren Akzeptanz in der Bevölkerung untergraben Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
wird. Zunehmend sind die Bürgerinnen und Bürger em- NEN): „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur ge-
pört über das „Durchregieren“ am Bürgerwillen vorbei. borgt“ – dieser alte grüne Slogan bringt es auf den
Ich stimme gegen die Änderung des Atomgesetzes Punkt, warum ich heute hier gegen die elfte Atomgesetz-
und gegen die Aushebelung der parlamentarischen Mit- novelle stimme und warum ich eine persönliche Erklä-
bestimmung. rung gegen die Laufzeitverlängerung aller Atomkraft-
werke in Deutschland abgeben möchte.
Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die Die Politik der Bundesregierung und der Regierungs-
Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken in fraktionen ist unverantwortlich und vor allem ohne jegli-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7345
(A) che Empathie für die Menschen in diesem Land, die sich 2001 wurde der Reaktor hochgefahren, obwohl das (C)
mehrheitlich für einen Atomausstieg aussprechen. Notkühlsystem nicht funktionstüchtig war.
Als Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg 2007 trat wegen eines Bedienungsfehlers Stickstoff
fühle ich mich besonders betroffen von dieser unsägli- aus.
chen Entscheidung heute; denn in meinem Bundesland
Überhaupt kennen weder BMU noch die Landes-
Baden-Württemberg sind insgesamt vier AKW am Netz:
atomaufsicht Baden-Württemberg den tatsächlichen An-
Philippsburg 1 und 2 und Neckarwestheim 1 und 2.
lagenzustand. Die vollständige technische Dokumenta-
Ich bekomme fast täglich Anrufe, Briefe und E-Mails tion des Zustands der deutschen AKW liegt nicht vor,
von besorgten Bürgerinnen und Bürger, die mich bitten, wie in einer Antwort an uns eingeräumt wurde (Druck-
etwas gegen die Laufzeitverlängerung zu unternehmen. sache 17/1887).
Als Abgeordnete sind wir in der Pflicht, die Ängste und Und es kommt noch schlimmer: Bei den schärferen
Sorgen der Menschen ernst zu nehmen. Deshalb wollte Zwischenfällen mit Reaktorschnellabschaltung, sozusa-
ich auch gestern im Umweltausschuss mein verbrieftes gen mit Notbremsung des AKW, liegt Philippsburg 1 zu-
Recht wahrnehmen und einen Änderungsantrag stellen. sammen mit Neckarwestheim 1 sogar bundesweit an der
Sie, die Regierungsfraktionen, aber haben dies abge- Spitze, sowohl absolut als auch pro Betriebsjahr (Stand
lehnt. Sie verweigern nicht nur eine verantwortungsvolle Ende 2009).
inhaltliche Diskussion, sie peitschen auch noch Ihre un-
sägliche Klientelpolitik in einer extrem undemokrati- Philippsburg 1 gehört somit zu den sieben ältesten
schen Art und Weise durch den Bundestag. AKW, die schnellstmöglich stillgelegt werden sollten.
Für die Stromversorgung ist das leistungsschwache Alt-
Damit bleibt mir jetzt nur noch diese persönliche Er- AKW überflüssig, zumal Deutschland Rekordstrom-
klärung, um mein Anliegen zu verdeutlichen. überschüsse produziert.
Das AKW Philippsburg 1 beispielsweise ging im Jahr Ich kann es einfach nicht verstehen, wie all diese Fak-
1980 ans Netz und ist damit eines der ältesten AKW in ten ignoriert werden können, zumal dann auch noch die
Deutschland. Nach Ausstiegsbeschluss würde Philipps- ungelöste Endlagerfrage hinzukommt. Hier geht es um
burg 1 etwa Mitte 2012 stillgelegt. Nach den Plänen der die Sicherheit der Menschen; denn wir haben die Erde
Regierung soll Philippsburg 1 jetzt mindestens acht von unseren Kindern nur geborgt.
Jahre länger laufen.
Ich bin mir aber ganz sicher: Wir werden in nicht
Die Technologie von Philippsburg 1 stammt aber allzu langer Zeit den Atomausstieg wieder umsetzen –
(B) noch aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Bei denn wir haben die Mehrheit der Bevölkerung an unserer (D)
dem Reaktor besteht ein erhöhtes Risiko, dass radioakti- Seite.
ver Dampf entweicht, zum Beispiel bei einem Rohr-
bruch.
Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Philippsburg 1 ist auch nicht gegen Flugzeugabstürze NEN): Was diese Woche im Umweltausschuss passiert
gesichert; selbst der Absturz eines Leichtflugzeugs ist, wird für lange Zeit nicht in Vergessenheit geraten:
könnte die viel zu dünne Außenhaut zerstören und eine Rechtstaatliche Regeln und parlamentarische Umgangs-
Katastrophe auslösen. formen wurden von den Abgeordneten der Regierungs-
koalition mit Füßen getreten, bei einem Thema, das nicht
Am 20. Mai 2010 sagte Umweltminister Röttgen dazu nur uns Grüne, sondern riesige Gruppen aus allen Teilen
im FAZ-Interview: der Gesellschaft seit Jahren und Jahrzehnten bewegt.
Drei Die Aufkündigung des Atomkonsenses ist eine un-
missverständliche Kampfansage an die atomkritische
– Atomkraftwerke –
Mehrheit der Bevölkerung, an Stadtwerke und neue
haben keinen Schutz gegen Flugzeugabstürze. Die Energieversorger sowie an zahllose Unternehmen, die
Kraftwerke müssen etappenweise auf den Stand der Arbeitsplätze mit dem Ausbau erneuerbarer Energien
Nachrüsttechnik gebracht werden. und mit Energieeffizienz geschaffen haben.
Philippsburg 1 ist eines dieser drei AKW. Bis vor dem Mit der Laufzeitverlängerung dreht die Bundesregie-
Spitzentreffen im Kanzleramt am 5. September sah der rung das energiepolitische Rad um zehn Jahre zurück
BMU-Entwurf für die Atomgesetznovelle noch vor, und versucht, die Energiewende mit Atomausstieg und
nachträgliche bauliche Schutzmaßnahmen vorzuschrei- Ausbau der erneuerbaren Energien zu beenden. Schrott-
ben. Die geplante Regelung wurde aber ersatzlos gestri- reaktoren wie Isar oder Grafenrheinfeld, die in der Nähe
chen. Die Menschen sind also zu Recht besorgt. meines Wahlkreises Augsburg Atomstrom produzieren,
sollen noch Jahre laufen können, obwohl sie etwa gegen
Aber das ist noch nicht alles. Seit Inbetriebnahme gab Flugzeugabstürze nicht gesichert werden können. Wie
es über 330 meldepflichtige Zwischenfälle in Philipps- sollten sie auch? Die Konstruktionspläne des Kernkraft-
burg 1, das sind rund elf pro Jahr: werks Isar stammen aus den 60er-Jahren.
1983 gelangte wegen defekter Brennelemente radio- Die Regierung macht den schmutzigen Deal „Geld
aktives Jod in die Umwelt. gegen Sicherheit“: Statt der selbst von Umweltminister
7346 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Röttgen errechneten 20 Milliarden Euro für dringend Dass die Atomgesetznovelle ohne Länderzustimmung (C)
notwendige Sicherheitsmaßnahmen will die Bundes- durchgepeitscht werden soll und dass der sogenannte
regierung laut Geheimvertrag die Kosten für die Betrei- Fonds-Vertrag zwischen Bundesregierung und Atom-
ber jetzt auf maximal 8,5 Milliarden Euro begrenzen – konzernen am Parlament vorbei ausgekungelt wurde, ist
jede weitere Investition dürfen sie von ihren vereinbar- undemokratisch und verfassungswidrig. Wir werden in
ten Zahlungen abziehen. Karlsruhe dafür kämpfen, dass diese Laufzeitverlänge-
rung nicht Realität wird.
Die Laufzeitverlängerung bremst die erneuerbaren
Energien aus. Das Gerede von der „Brückentechnologie“
Elisabeth Scharfenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
ist eine gezielte Irreführung. Nach den Plänen der Bun-
NEN): Ich stimme gegen die elfte Atomgesetznovelle,
desregierung soll sich der Ausbau in den nächsten Jahren
die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke
drastisch verlangsamen; der Ausbau der Windkraft an
in Deutschland vorsieht. Diese Laufzeitverlängerung be-
Land würde sich um zwei Drittel, der von Solarstrom um
hindert den Ausbau des boomenden Zukunftsmarktes
rund drei Viertel verringern. Sie zementiert die Markt-
der erneuerbaren Energien. Denn Atomenergie ist
dominanz der vier Stromkonzerne. Für kleine Anbieter
schwer zu regulieren und daher nicht vereinbar mit dem,
und Stadtwerke wird die Laufzeitverlängerung teuer und
was wir in Deutschland jetzt brauchen: einen sinnvollen
schlägt mit rund 7 Milliarden Euro Verlust zu Buche.
Energiemix aus Wind- und Sonnenenergie, Biogas und
Enorme Zusatzgewinne, die nur unzureichend abge-
anderen erneuerbaren Energien. Die Laufzeitverlänge-
schöpft werden, stärken die Marktmacht einzelner Groß- rungen behindern zugleich die Entwicklung kleiner, de-
konzerne und führen zu massiven Wettbewerbsnachtei- zentraler Energieversorger und einen wirklichen Wettbe-
len für andere Anbieter. Die EU-Kommission muss den werb auf dem Energiemarkt. Die Verlierer sind hierbei
deutschen Atomdeal deshalb wettbewerbsrechtlich prü- die vielen Regionen, in denen bereits ganze Gemeinden
fen. und viele Bauern ein zweites Standbein in der Energie-
Die Laufzeitverlängerung spült 70 Milliarden Euro wirtschaft aufgebaut haben.
Extraprofit in die Kassen der Atomkonzerne. Lediglich Zudem haben die Atomkonzerne Eon, RWE, Vatten-
ein Bruchteil soll durch eine Brennelementesteuer und fall und EnBW bei einer Laufzeitverlängerung schon
den im Geheimvertrag mit den Atomkonzernen ausge- aus Gründen der Gewinnmaximierung kein Interesse
handelten „Energie- und Klimafonds“ abgeschöpft wer- am Ausbau der erneuerbaren Energien; denn durch die
den. Dabei spielt die Regierung Sicherheit gegen Geld abgeschriebenen Altmeiler verdienen die Konzerne
aus: Je mehr in Nachrüstung investiert wird, umso weni- 1 bis 2 Millionen Euro pro Tag. Damit werden die vier
ger müssen die Atomkonzerne in den Fonds einzahlen. großen Stromkonzerne auch weiterhin die Preise diktie-
(B) Ob und inwieweit nach 2016 weitere Gelder aus den zu- (D)
ren und einen fairen Wettbewerb auf dem Strommarkt
sätzlichen Atomprofiten in den Fonds fließen, ist unklar. verhindern. Die Laufzeitverlängerungen der Atomkraft-
Trotzdem wird die Laufzeitverlängerung den Strom werke führen also nicht zum Klimaschutz, sondern im
nicht billiger machen, im Gegenteil: Weniger Wettbe- Gegenteil dazu, dass eben nicht in moderne Kraftwerke
werb stärkt die Macht des Oligopols und führt stets zu investiert wird. Sie gefährden zudem die Arbeitsplätze
steigenden Preisen. von 340 000 Menschen, die bereits heute im Bereich der
erneuerbaren Energien arbeiten. Das heißt: Wenn wir
Das Schrumpfen der weltweiten Uranressourcen ver- mehr für den Klimaschutz tun wollen, bedeutet das
teuert das Uran und macht Atomkraft auch aus diesem Atomausstieg, und zwar so schnell wie möglich.
Grund zu einer untragbaren und unsicheren Energie-
quelle. Schwarz-Gelb gaukelt den Bürgern jedoch vor, Ich stimme außerdem gegen die elfte Atomgesetzno-
ausgerechnet die Atomkraft würde Deutschland import- velle und die Laufzeitverlängerungen der AKW, weil
unabhängig machen und sei ein Ausweg aus der Ener- weder die Sicherheitsfragen bei einem Flugzeugabsturz
gieressourcenverknappung. Stattdessen schafft Atom- noch die Frage der Endlagerung des Atommülls geklärt
kraft geopolitische Risiken und macht uns abhängig von sind. Ungeklärt sind auch weiterhin die vielen Fälle von
den Herkunftsländern. Außerdem blendet die Bundes- Leukämie im Umfeld von Atomanlagen. Ich bin gegen
regierung vollständig die untragbaren Arbeitsbedingun- den Fortbetrieb dieser Risikotechnologie, die eine Bürde
gen und Umweltverschmutzungen aus, die mit dem für alle nachfolgenden Generationen darstellt, und das,
Uranabbau einhergehen und dringend beendet werden ohne einen realistischen und nachhaltigen Beitrag zu un-
müssen. Wir fordern von der Bundesregierung auch in serer Energieversorgung zu leisten. Dafür ist der Preis,
diesem Punkt Transparenz. den wir alle zahlen, zu hoch.
(A) kraftwerke ist ein Geschenk für die großen Energiekon- millionen. Auch nach über 50 Jahren ziviler Nutzung der (C)
zerne. Sie zementiert die Marktmacht der Konzerne Atomenergie existiert weltweit kein Endlager für hoch-
über Jahrzehnte, bremst die erneuerbaren Energien aus radioaktiven Müll. Und trotzdem wird weiter fortlaufend
und erhöht die Menge hochradioaktiven Mülls um rund Atommüll produziert. Die Atomkraft trägt auch nichts
400 Tonnen jährlich. zum Klimaschutz bei. Atomkraft ist keine Schlüssel-
technologie, sondern im weltweiten Maßstab eine Mar-
Jedes Jahr Laufzeitverlängerung bringt der Atomwirt- ginalie. Die aktuell 436 Atomkraftwerke decken ledig-
schaft bis zu 10 Milliarden Euro Zusatzgewinne. Für lich 2 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs.
kleine Anbieter und Stadtwerke dürfte die heutige Ent- Selbst in Deutschland bringen es die 17 AKW gerade
scheidung dagegen rund 7 Milliarden Euro kosten. Kon- einmal auf einen Anteil von 6 Prozent.
sequenz für alle Stromverbraucher: Weniger Wettbewerb
heißt höhere Preise. In meiner Region liegen die AKW Biblis A und B, die
besonders viele Mängel aufweisen. Außerdem liegt di-
Dazu sind mit dem Atomdeal viele Arbeitsplätze ge-
rekt in meinem Wahlkreis das nach sehr kurzer Laufzeit
fährdet, weil die Zukunftsbranche der erneuerbaren
stillgelegte Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich. Die Still-
Energien ausgebremst wird. Im Bereich der Erneuerba-
legung 2001 war nach einer Reihe meldepflichtiger Stör-
ren gibt es mittlerweile 340 000 Beschäftigte, in der
fälle unausweichlich und richtig. Das AKW wird nun
Atomwirtschaft nicht viel mehr als 30 000.
aber noch von der Stromlobby dazu benutzt, den Uraltre-
Ich setze mich nicht nur heute, sondern auch in Zu- aktor Biblis B durch Übertragung von Restlaufzeiten
kunft mit aller Kraft dafür ein, dass diese Laufzeitverlän- möglichst lange laufen zu lassen.
gerung nicht Realität wird: für die Sicherheit der Bevöl-
kerung, für Arbeitsplätze und für eine saubere und Der Reaktoren Biblis A und B gingen 1974 und 1976
bezahlbare Energieversorgung. ans Netz. Sie gehören zu den ältesten AKW Deutsch-
lands. Ihr Sicherheitszustand entspricht dem Stand der
Technik der 1970er-Jahre.
Ute Vogt (SPD): Was wir heute und in den letzten
Wochen und Monaten im Zusammenhang mit der elften Dies bedeutet für Biblis A und B 35 und 33 melde-
und zwölften Änderung des Atomgesetzes erlebt haben, pflichtige Zwischenfälle pro Jahr, was ihnen Spitzen-
ist beschämend und eine Missachtung unserer parlamen- positionen in der Pannenstatistik garantiert. Bei einem Ter-
tarischen Demokratie und unserer Verfassung. rorangriff in Deutschland wären die Reaktoren Biblis A
und B bereits durch den Absturz eines Kleinflugzeugs
Die schwarz-gelbe Bundesregierung schadet unse- gefährdet, denn sie besitzen nicht einmal eine Schutz-
rem Land und zerstört den gesellschaftlichen Konsens hülle. Nicht auszudenken, was ein Unfall bzw. ein terro-
(B) zum Atomausstieg, allein um den Gewinninteressen der ristischer Anschlag auf ein AKW bewirken würde. Mög- (D)
vier großen Energieversorger und Atomkraftbetreiber zu liche Auswirkungen hat das Öko-Institut im Jahr 2007
dienen. am Beispiel der Anlage Biblis A, dem gegenwärtig ältes-
Die Bundesregierung nimmt in Kauf, dass circa ten Kernkraftwerk in Deutschland, untersucht. In einem
5 000 Tonnen zusätzlicher hochradioaktiver Atommüll Gebiet von 10 000 Quadratkilometern würden Katastro-
entsteht, obwohl schon für den heute vorhandenen Atom- phenschutzmaßnahmen erforderlich. Die gesundheitli-
müll weltweit noch keine sichere Lagerstätte existiert. chen Folgen würden vor allem in Spätschäden wie
Krebserkrankungen bestehen. Die ökonomischen Schä-
Es macht mich fassungslos, dass solche Entscheidun- den wären gigantisch, die Lebensgrundlage von Millio-
gen im Parlament nicht ausreichend und angemessen nen Menschen zerstört.
diskutiert werden, dafür aber die vier Energiekonzerne
außerhalb des Parlaments bis ins Detail nicht nur mitre- Biblis A wäre, wenn sich der Betreiber RWE dem
den, sondern bei den Gesetzentwürfen die Feder führen. Geist der Ausstiegsverhandlungen verpflichtet gefühlt
hätte, längst stillgelegt. Nur durch künstliche Drosse-
Ich schäme mich, dass wir eine Regierung haben, die lung, fragwürdige Revisionen und die Übertragung von
sich nicht scheut, ausgewiesene Repräsentanten der Atom- Reststrommengen aus dem stillgelegten AKW Stade
industrie ganz unverfroren in Spitzenpositionen des zu- wurde die Betriebserlaubnis bis heute gerettet.
ständigen Ministeriums zu platzieren.
Diese Strategie soll jetzt nach Willen der Koalition
Die heutigen Abstimmungen zur elften und zwölften satte Früchte tragen. Acht Jahre längere Laufzeit würden
Änderung des Atomgesetzes verstoßen insgesamt gegen RWE Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe bringen. Ob
die Grundsätze der parlamentarischen Demokratie, und es zu Nachrüstungen beim völlig inakzeptablen Sicher-
in ihren Inhalten schaden sie dem Volk, für dessen Wohl heitszustand kommt, steht dagegen in den Sternen. Ein
wir wirken sollen. derart unsicherer Reaktor wie Biblis A muss sofort abge-
schaltet werden. Jede Verlängerung der Laufzeit ist aus
Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- meiner Sicht unverantwortlich.
NEN): Ich stimme gegen die elfte Atomgesetznovelle,
die eine Laufzeitverlängerung für alle Atomkraftwerke Biblis B ist für die Stromversorgung ebenfalls nicht
in Deutschland vorsieht. länger erforderlich. Bereits heute stehen ausreichend Re-
servekapazitäten zur Verfügung, um das Wegfallen des
Längere Laufzeiten werden zu mehr gefährlichem Atomstroms zu kompensieren. In den vergangenen Jah-
Atommüll führen. Radioaktiver Abfall strahlt über Jahr- ren stand Biblis B, ebenso wie Biblis A, monatelang
7348 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) still, ohne dass es Anzeichen eines Stromengpasses ge- froh sind, wenn sie ein für sie geeignetes Auto (welches (C)
geben hätte. Im Gegenteil: Deutschland hat in den Jah- in der Regel teurer sein muss, weil größer und/oder mit
ren jeweils Rekordüberschüsse im Stromexport erzielt. Sonderausstattungen versehen) erwerben und unterhal-
Nach dem bislang gültigen Atomgesetz müsste der Re- ten können. Mehrere Autos im Haushalt zu führen, damit
aktor spätestens im laufenden Jahr stillgelegt werden. eines ausschließlich für die Beförderung des berechtig-
Nur mithilfe eines Tricks sowie der Übertragung von ten Schwerbehinderten genutzt wird, ist schon aus finan-
Reststrommengen aus der Bauruine in Mülheim-Kärlich ziellen Gründen absurd und hat mit dem wirklichen Le-
konnte er weiter in Betrieb bleiben. Dies ist angesichts ben nichts zu tun. Die bestehenden Einschränkungen bei
der gravierenden Sicherheitsdefizite nicht hinnehmbar. der Gewährung der Steuerbefreiung als Nachteilsaus-
Biblis A und B gehören sofort abgeschaltet. gleich für die Einschränkungen in der Mobilität konter-
karieren die selbstgesetzten Ziele des Bundes und seine
Der Ausstieg aus dem Atomausstieg ist nicht hin-
Verpflichtungen, die sich aus der UN-Behindertenrechts-
nehmbar.
konvention und anderen Bundesgesetzen ergeben.
Ich teile zum Zweiten auch nicht die Auffassung der
Anlage 6 Mehrheit des Ausschusses, dass die bestehenden weite-
ren Möglichkeiten an Nachteilsausgleich durch das Ein-
Erklärung nach § 31 GO kommensteuergesetz – § 33 – eine ausreichende Alterna-
des Abgeordneten Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE) tive bieten. Gerade der im ersten Punkt angesprochene
zur Abstimmung über die Beschlussempfehlung Personenkreis ist in der Regel nicht in der Lage, für
zur Sammelübersicht 152 zu Petitionen (Tages- seine Mehrkosten nennenswerte Beiträge von der Steuer
ordnungspunkt 34 l) abzusetzen, da bei den geringen Einkommen keine oder
nur geringe Steuern gezahlt werden.
Ich lehne die Beschlussempfehlung des Petitionsaus- Es gibt drittens auch ökonomische und ökologische
schusses (2. Ausschuss) – Sammelübersicht 152 zu Peti- Gründe, die gegen den Erwerb mehrerer Pkw in einem
tionen – auf Drucksache 17/3228 ab, weil damit dem Haushalt aus oben genannten Gesichtspunkten sprechen.
Anliegen der Petentinnen und Petenten der unter dem
Stichwort „Kraftfahrzeugsteuer“ zusammengefassten Mein Fazit: Der Bundestag schließt heute mehrere
Petitionen mit den laufenden Nummern 12 bis 16 der Petitionen zur Kfz-Steuer ab, ohne sich der berechtigten
oben genannten Drucksache nicht Rechnung getragen Anliegen der Menschen anzunehmen und die Bundesre-
wird. gierung aufzufordern, akzeptable Lösungsvorschläge zu
erarbeiten. Dies findet nicht meine Zustimmung. Die
(B) In diesen Petitionen fordern Menschen mit Behinde- Linke wird – gemeinsam mit den Petenten und Behin- (D)
rungen und deren Angehörige, dass die vollständige dertenverbänden – am Thema dranbleiben.
bzw. teilweise Steuerbefreiung für Fahrzeuge von
Schwerbehinderten (siehe § 3 a KraftStG – Vergünsti-
gungen für Schwerbehinderte) auch dann gilt, wenn das Anlage 7
Fahrzeug nicht nur für die Fortbewegung oder Haus-
haltsführung der behinderten Person genutzt wird. Erklärung nach § 31 GO
Der Petitionsausschuss kam mehrheitlich, das heißt zur namentlichen Abstimmung über den Entwurf
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und in Über- eines Haushaltsbegleitgesetzes 2011 (HBeglG
einstimmung mit der Bundesregierung zur Einschät- 2011) (Tagesordnungspunkt 7)
zung, das Petitionsverfahren abzuschließen, weil er
keine Möglichkeit sieht, „im Sinne des Anliegens des Nicole Bracht-Bendt (FDP): Das Haushaltsbegleit-
Petenten tätig zu werden.“ gesetz 2011 sieht für den deutschen Steuerzahler neue
Diese Einschätzung teile ich nicht und deshalb wer- Belastungen vor. Mit der Erhöhung der Tabaksteuer
den die Fraktion Die Linke und ich gegen diese Be- steigt die Steuerlast für Bürgerinnen und Bürger aller
schlussempfehlung stimmen. Einkommensklassen. Die Luftverkehrsabgabe geht ins-
besondere zulasten der Mitte der Gesellschaft.
Warum sollten die Petitionen an die Bundesregierung
als Material und den Bundestagsfraktionen zur Kenntnis Daher sehe ich beide Maßnahmen kritisch. Als Bun-
gegeben werden – das war der (abgelehnte) Vorschlag destagsabgeordnete zählt für mich die Verantwortung
aus der Opposition? gegenüber dem deutschen Steuerzahler. Gerade eine
Mehrbelastung der Bürgerinnen und Bürger halte ich für
Erstens, weil der Motorisierungsgrad von Haushalten nicht wünschenswert.
mit Schwerbehinderten niedriger ist als von Haushalten
ohne Menschen mit Behinderungen, obwohl diese Fami- Dennoch werde ich nach eingehender Abwägung dem
lien angesichts der zahlreichen Barrieren bei den Ver- Haushaltsbegleitgesetz 2011 und den Maßnahmen, die
kehrsangeboten von Bus, Bahn und Taxis in viel größe- es insgesamt vorsieht, gemeinsam mit meiner Fraktion
rem Maße auf das eigene Auto angewiesen sind. zustimmen.
Ursache für den geringeren Motorisierungsgrad ist nicht
die fehlende Lust zum Erwerb weiterer Pkw sondern das Klaus Brähmig (CDU/CSU): In den letzten Wochen
fehlende Geld. Ich kenne viele Schwerbehinderte, die habe ich mich innerhalb der Fraktion, im Ausschuss und
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7349
(A) in Schriftwechseln mit den Ministerien vehement dafür Dies begründet im Ergebnis meine Enthaltung zum (C)
eingesetzt, dass Israel und Ägypten bei der geplanten Haushaltsbegleitgesetz 2011.
Luftverkehrsteuer von der Distanzklasse zwei – 25 Euro –
in die Distanzklasse eins – 8 Euro – wechseln können.
Frank Schäffler (FDP): Die Verabschiedung des
Leider konnte ich für diese Lösung keine Mehrheit fin-
den. Da nach einem Jahr eine Evaluierung der Luft- Haushaltsbegleitgesetzes veranlasst mich, von meinem
verkehrsteuer und ihrer Auswirkungen in Aussicht ge- parlamentarischen Recht Gebrauch zu machen, mein
stellt wird, will ich diese Zeit nutzen, um ein Umdenken Abstimmungsverhalten vor dem Deutschen Bundestag
in dieser Frage herbeizuführen. darzulegen.
Unabhängig von diesen veränderungswürdigen De- Der Haushalt muss nach meiner festen Überzeugung
tails stimme ich dem Haushaltsbegleitgesetz auf Druck- über Einsparungen auf der Ausgabenseite saniert werden
sache 17/3030 zu. und nicht über die Erschließung neuer Einnahmequellen
durch weitere Steuern und Abgaben.
Dr. Carsten Linnemann (CDU/CSU): Das Haus- Das Gesetz sieht eine weitere – wenn auch abgemil-
haltsbegleitgesetz 2011 enthält wichtige Maßnahmen, derte – Belastung für die energieintensiven Unterneh-
um die Konsolidierung unserer Staatsfinanzen weiter vo- men in Deutschland vor. Die Abmilderung ist gegenüber
ranzutreiben und Deutschland endlich auf einen zwar den ursprünglichen Planungen notwendig und ein wich-
unpopulären, aber dringend notwendigen Sparkurs zu tiger Beitrag für den Erhalt von Schlüsselindustrien in
bringen. Deutschland. Dennoch ist auch der gefundene Kompro-
Dabei ist es auch richtig, dass der Bereich Arbeit und miss eine Steuererhöhung für die betroffenen Unterneh-
Soziales durch dieses Gesetz in die Konsolidierungsbe- men.
mühungen einbezogen wird, zumal er mehr als 50 Pro-
zent der Bundesausgaben einnimmt. Ich bekenne mich Meine Bedenken richten sich darüber hinaus aber ins-
daher ausdrücklich zu den im vorliegenden Gesetzent- besondere gegen die Einführung einer Luftverkehr-
wurf geplanten Korrekturen bei verschiedenen Sozial- steuer. Sie ist ökonomisch falsch. Eine isolierte Erhe-
leistungen, wie zum Beispiel beim Elterngeld, das künf- bung der Steuer, die ab 2011 jährliche Steuereinnahmen
tig auf Leistungen nach dem SGB II angerechnet werden in Höhe von 1 Milliarde Euro erbringen soll, wird zu ei-
soll. Da das Elterngeld vom Grundsatz her als eine Leis- nem deutlichen Rückgang der Passagierzahlen und folg-
tung konzipiert wurde, die den Verdienstausfall eines zu- lich zu Arbeitsplatzverlusten an deutschen Flughäfen
vor Erwerbstätigen ausgleichen soll, Arbeitslose aber führen – insbesondere in Grenzregionen. So hat die Ein-
führung einer gestaffelten Flugticketabgabe in den Nie-
(B) keinen Verdienstausfall haben, ist dieser Schritt ord- (D)
nungspolitisch richtig. derlanden im Jahr 2008 zu Einnahmeausfällen in Höhe
von 1,2 Milliarden Euro geführt. Die Niederlande haben
Trotzdem geht der vorliegende Gesetzentwurf nicht die Flugticketabgabe daher bereits nach einem Jahr wie-
weit genug: Nach bestehender Rechtslage erhalten Haus- der abgeschafft. Auch für den Wirtschaftsstandort Deutsch-
frauen und Hausmänner ohne vorheriges Arbeitseinkom- land ist der Luftverkehr ein wichtiger Faktor, was nicht
men ebenfalls Elterngeld. Dies widerspricht aus den ge- nur die flughafennahe Ansiedlung von mehr als 9 200
nannten Gründen ebenfalls dem Kerngedanken des Unternehmen mit Direktinvestitionen von 425 Milliar-
Elterngeldes. Die neuen Bestimmungen zum Elterngeld den Euro und 2,2 Millionen Arbeitsplätzen verdeutlicht.
hätten also konsequenterweise auch auf diese Personen- Um ähnliche Auswirkungen wie in den Niederlanden zu
gruppe ausgedehnt werden müssen. Stattdessen werden vermeiden, gilt es, die internationale Wettbewerbsfähig-
einzelne Personengruppen beliebig herausgegriffen und keit unserer Luftverkehrsstandorte zu erhalten. Dies war
bedient; ein ordnungspolitisches Prinzip ist nicht mehr auch die Zielrichtung, mit der die christlich-liberale Ko-
erkennbar, das Lohnersatzprinzip wird ad absurdum ge- alition angetreten ist.
führt.
Eine Luftverkehrsteuer belastet in erster Linie den
Dr. Erwin Lotter (FDP): In mehr als 25 Jahren habe privaten Flugverkehr und hier insbesondere die Urlaubs-
ich mich als praktizierender Arzt in den Dienst der Ge- flüge. Hinzu kommt, dass sie als ökologische Erzie-
sundheit meiner Patienten gestellt. Es ist mit meinem hungsmaßnahme die Reisefreiheit gerade für Familien
Gewissen nicht vereinbar, einer Tabaksteuererhöhung erheblich einschränkt. Diese Bedenken habe ich inner-
zuzustimmen, mit der nicht nur keine Lenkungswir- halb meiner Fraktion mehrfach geäußert.
kung im Sinne einer verantwortlichen Gesundheitsvor-
und -fürsorge verbunden ist, sondern die – aufgrund der Positiv ist zu bewerten, dass das Haushaltsbegleitge-
fiskalpolitischen Begründung – vielmehr ihren Sinn aus setz auch durch Maßnahmen auf der Ausgabenseite die
der Annahme mindestens gleichbleibenden Raucherver- Grundlage für die Reduzierung der Neuverschuldung
haltens zieht. Ich aber kann als Parlamentarier nicht des Bundes ist. Diese Reduzierung geht in die richtige
meine Stimme einer Maßnahme geben, die ich als Arzt Richtung.
aus tiefer Überzeugung ablehne.
Nach Abwägung der genannten unterschiedlichen
Die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch gebotene Gesichtspunkte werde ich dem Gesetzentwurf wegen der
Behandlung energieintensiver Unternehmen im Rahmen gebotenen Solidarität mit meiner Fraktion, die den Ge-
der Ökosteuer unterstütze ich dagegen ausdrücklich. setzentwurf mehrheitlich trägt, zustimmen.
7350 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Stefanie Vogelsang (CDU/CSU): Im Rahmen der der Finanzmarktregulierung. Daher ist es umso unver- (C)
Beratungen über die geplante Luftverkehrsteuer habe ich ständlicher, dass die Koalitionsfraktionen sich überstürzt
mich in den vergangenen Wochen innerhalb meiner und extrem kurzfristig vom überfraktionell geplanten
Fraktion, im Ausschuss sowie in zahlreichen Schrift- Beratungsablauf verabschiedet haben: Statt wie verein-
wechseln mit Ministerien und Ländervertretern enga- bart die parlamentarischen Beratungen ab der zweiten
giert dafür eingesetzt, dass die Spreizung der Luftver- Novemberwoche zum Abschluss zu bringen, hat die Ko-
kehrsteuer zwischen den beiden großen deutschen alition das Gesetz nun in einem Hauruckverfahren
Airlines Lufthansa und Air Berlin gerechter aufgeteilt durchs Parlament gepeitscht.
und somit wettbewerbsfreundlicher ausgestaltet wird. Zu
meinem großen Bedauern konnte ich in dieser Frage Für die Opposition des Bundestags war und ist dieses
keine Mehrheit herstellen. Zudem bedauere ich sehr, überstürzte Verfahren eine Zumutung: Noch nicht ein-
dass Israel und Ägypten nicht von der Distanzklasse 2 mal 24 Stunden vor Beginn der abschließenden Beratun-
– 25 Euro – in die Distanzklasse 1 – 8 Euro – wechseln gen im Finanzausschuss wurden die Fraktionen hierüber
können. Ich hoffe sehr, dass in dem verbleibenden Jahr informiert. Genauso kurzfristig gingen über 30 Geset-
– bis zur ersten Evaluierung der Luftverkehrsteuer – ein zesänderungen ein.
Umdenken stattfinden und mein bereits unterbreiteter Mit diesem unabgestimmten, jegliche Verabredungen
Lösungsvorschlag auf große Zustimmung innerhalb mei- missachtenden und überhetzten Verfahren wurde unserer
ner Fraktion sowie im gesamten Hause stoßen wird. Fraktion die Möglichkeit genommen, sich in dem Um-
Unabhängig von der Einführung einer Luftverkehr- fang konstruktiv mit eigenen Änderungs- und Verbesse-
steuer stimme ich dem Haushaltsbegleitgesetz auf rungsvorschlägen einzubringen, wie es beabsichtigt und
Drucksache 17/3030 zu. geplant war: Es fehlte schlicht die Zeit. Auch wurde es
unmöglich, die Ergebnisse der Sachverständigenanhö-
rung ins Gesetz einfließen zu lassen. Viele wichtige Im-
Kai Wegener (CDU/CSU): Im Rahmen der Beratun-
pulse der Rechts-, Wirtschafts- und Finanzmarktexper-
gen über die geplante Luftverkehrsteuer habe ich mich in
ten ließen sich nicht mehr aufnehmen. Kurz: Union und
den vergangenen Wochen innerhalb meiner Fraktion, im
FDP machten eine angemessene Beratung unmöglich.
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie sowie in zahl-
reichen Schriftwechseln mit Ministerien und Länderver- Auch deshalb springt das Gesetz inhaltlich nun in we-
tretern engagiert dafür eingesetzt dass die Spreizung der sentlichen Bereichen zu kurz. Zum Beispiel bei den
Luftverkehrsteuer zwischen den beiden großen deutschen neuen Bonideckelungen: Zwar wird die Gehaltsgrenze
Airlines Lufthansa und Air Berlin gerechter auf-geteilt von 500 000 Euro bei Banken, die Kapitalhilfen des
und somit wettbewerbsfreundlicher ausgestaltet wird. Zu Bundes erhalten haben, vom Management auf alle Mit-
(B) meinem großen Bedauern konnte ich in dieser Frage keine arbeiter der jeweiligen Bank ausgeweitet. Doch auch (D)
Mehrheit herstellen. Zudem bedauere ich sehr, dass Israel künftig wird die Einhaltung dieser Gehaltsgrenzen nicht
und Ägypten nicht von der Distanzklasse 2 – 25 Euro – in kontrolliert; stattdessen vertrauen Bundesregierung und
die Distanzklasse 1 – 8 Euro – wechseln können. Ich hoffe Koalition lieber weiter blind auf die Banken. Und Lu-
sehr, dass in dem verbleibenden Jahr – bis zur ersten Eva- xusrenten wie bei der vollverstaatlichten Hypo Real Es-
luierung der Luftverkehrsteuer – ein Umdenken stattfin- tate, bei der ein ehemaliger Manager nach nur 19 Mona-
den und mein bereits unterbreiteter Lösungsvorschlag auf ten in der Bank ab dem 60. Lebensjahr jeden Monat eine
große Zustimmung innerhalb meiner Fraktion sowie im Pension von 20 000 Euro erhält, werden gar nicht erst
gesamten Hause stoßen wird. geregelt und bleiben damit auch künftig möglich.
Unabhängig von der Einführung einer Luftverkehr- Schließlich wäre es erforderlich gewesen, Gehalts- und
steuer stimme ich dem Haushaltsbegleitgesetz auf Pensionsgrenzen auch bei Banken einzuziehen, die
Drucksache 17/3030 zu. „nur“ Garantie-, aber keine Kapitalhilfen erhalten.
Die Erreichung des zentralen Ziels des Gesetzes – die
künftige Beteiligung der Bankgläubiger an den Kosten
Anlage 8 etwaiger Rettungen – bleibt zudem äußerst ungewiss:
Erklärung nach § 31 GO Mit mehreren Wochen dauert das Verfahren, bei dem die
Gläubiger einem Teilverzicht ihrer Forderungen zustim-
der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, men müssen, viel zu lange und steht in diametralem Ge-
Dr. Thomas Gambke, Britta Haßelmann und gensatz zu den kurzfristigen Wochenendrettungen, die
Lisa Paus (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) wir in der Krise immer wieder erlebt haben. Zumal
zur Abstimmung über den Entwurf eines Geset- bleibt zweifelhaft, ob Gläubiger im Ausland überhaupt
zes zur Restrukturierung und geordneten Ab- rechtsfest und auf Basis deutscher Gesetze zu einem Ret-
wicklung von Kreditinstituten, zur Errichtung tungsbeitrag bewogen werden können. Stattdessen wäre
eines Restrukturierungsfonds für Kreditinsti- es nötig gewesen festzulegen, dass Banken einen Teil ih-
tute und zur Verlängerung der Verjährungsfrist rer Anleihen als „Schulden mit bedingter Wandlung“
der aktienrechtlichen Organhaftung (Restruktu- (sogenannte CoCo-Bonds) begeben müssen. So könnte
rierungsgesetz) (Zusatztagesordnungspunkt 10) rechts- und anfechtungssicher sichergestellt werden,
dass Gläubiger im In- wie Ausland im Ernstfall ihren
Das Banken-Restrukturierungsgesetz ist laut Union Beitrag leisten müssen. Erst vor wenigen Wochen hat
und FDP ein „epochales“ Werk und ein „Meilenstein“ in eine Schweizer Expertenkommission aus Vertretern von
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7351
(A) Banken und Finanzaufsicht sich genau für diesen Weg Marcus Weinberg (Hamburg) (CDU/CSU): Die (C)
ausgesprochen. Das zeigt, dass dieser Weg auch in jungen Menschen in Deutschland und ihre Potenziale
Deutschland gangbar und möglich gewesen wäre. Statt- sind die Basis für unsere zukünftige Entwicklung. Sie
dessen hat die Koalition eine wichtige Chance vertan, si- verdienen faire Chancen zum Beginn ihres Arbeitsle-
cherzustellen, dass in der nächsten Krise nicht wieder bens. Faire Startchancen ins Erwerbsleben bieten jungen
die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler statt der Gläubi- Menschen eine bestmögliche Lebensgestaltung und hel-
ger die Zeche übernehmen müssen. fen darüber hinaus den Unternehmen. Denn die Wirt-
schaft wird bald jeden Menschen brauchen.
Auch die erforderliche Stärkung der parlamentari-
schen Kontrolle und der Transparenz bei staatlichen Wir wissen aber auch, dass wir in den kommenden
Bankenstabilisierungen wurde nicht angepackt. So ha- Jahren vor dem Problem stehen, zu wenige Nachwuchs-
ben wir vorgeschlagen, dass das parlamentarische Kon- kräfte zu haben. Dazu führen der gesellschaftliche struk-
trollgremium über die staatlichen Bankenhilfen und die turelle und vor allem der demografische Wandel sowie
Hilfen aus dem noch zu schaffenden Restrukturierungs- die Arbeitsmarktentwicklung.
fonds Zugang zu den Akten im Zusammenhang staatli- Das ist für alle Beteiligten nichts Neues. Und nur wer
cher Rettungs- und Stabilisierungsmaßnahmen erhalten heute ausbildet, wird morgen und übermorgen über aus-
sowie eigene Gutachten in Auftrag geben und Sachver- reichend Fachkräfte verfügen und die vorhandenen Po-
ständige laden kann. Auch wollten wir Mitspracherechte tenziale ausschöpfen können.
des Parlaments bei der Benennung der Spitze der Fi-
nanzmarktstabilisierungsanstalt sicherstellen und regel- Laut Berechnungen des Institutes der deutschen Wirt-
mäßige Anhörungen im Finanzausschuss verankern. All schaft wird bis zum Jahr 2030 zwischen Angebot und
diese Vorschläge hat die Koalition abgelehnt. Transpa- Nachfrage eine Lücke von fünf Millionen Arbeitskräften
renz und parlamentarische Kontrolle bei den Bankenret- entstehen.
tungen kommen damit auch in Zukunft viel zu kurz. Entgegen den Äußerungen meiner Vorredner ist das
Dass Parlamentarier in dieser Form eigene Kontrollmög- Ausbildungsjahr 2009 positiv zu bewerten. Dazu hat der
lichkeiten aus der Hand geben, ist für uns unverständ- Ausbildungspakt einen wesentlichen Beitrag geleistet.
lich. Die Ausbildungssituation hat sich verbessert, sowohl
Bei einem gründlichen Gesetzgebungsverfahren wäre was die Ausbildungsplätze als auch was die Zahl der
es möglicherweise in einzelnen Punkten gelungen, ge- versorgten Bewerber angeht. Es gab erstmals im Jahr
meinsam Verbesserungen zu erzielen. Die Verantwor- 2008 seit dem Jahr 2001 mehr unbesetzte Ausbildungs-
tung dafür, dass dies nicht möglich war, tragen Union, plätze – 19 500 – als unversorgte Bewerber – 14 500. Es
wurden 76 000 mehr Ausbildungsverträge abgeschlos-
(B) FDP und Bundesregierung. (D)
sen, obwohl die Zahl der Schulabgänger sogar gesunken
ist. Damit wurde das zweitbeste Ergebnis seit 20 Jahren
Anlage 9 erreicht, nämlich seit 1990. Laut Berufsbildungsbericht
2010 wurde also das Ziel, jährlich durchschnittlich
Zu Protokoll gegebene Reden 60 000 neue Ausbildungsplätze und 30 000 neue auszu-
bildende Unternehmen zu gewinnen, erreicht. Aus die-
zur Beratung der Beschlussempfehlung und des sem Grund wird der erfolgreiche Ausbildungspakt bis
Berichts zu: 2014 mit neuen Schwerpunkten und neuen Paktpartnern
fortgeführt.
– Antrag: Qualitätsoffensive in der Berufsaus-
bildung Der Berufsbildungsbericht 2010 zeigt darüber hinaus,
dass sich das duale System der beruflichen Bildung ins-
– Antrag: Berufliche Bildung als Garant zur gesamt bewährt hat. Und diese gute Bilanz des Jahres
Sicherung der Teilhabechancen junger Men- 2009 ziehen wir trotz sehr schwieriger wirtschaftlicher
schen und des Fachkräftebedarfs von mor- Rahmenbedingungen.
gen stärken
Das duale System ist praxisorientiert, „DualPlus“
– Antrag: Verordnungsermächtigung in § 43 kehrt dieses Prinzip um. Außerdem wird die berufliche
Absatz 2 des Berufsbildungsgesetzes entfris- Ausbildung durch die Wirtschaft gesteuert, der Staat
ten kann und soll dabei unterstützen.
– Antrag: Konsequenzen aus dem Berufsbil- Das System der dualen Berufsausbildung ist erfolg-
dungsbericht ziehen – Ehrliche Ausbil- reich, da es zu einer schnelleren Integration in den Ar-
dungsstatistik vorlegen, gute Ausbildung für beitsmarkt führt. Das belegen die Zahlen der Jugendar-
alle ermöglichen beitslosigkeit, die ein verlässlicher Indikator ist. In
Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit mit 11 Pro-
– Antrag: Mehr Jugendlichen bessere Ausbil- zent geringer als in anderen europäischen Staaten:
dungschancen geben – DualPlus unverzüg- 35 Prozent in Spanien, 22,5 Prozent in Frankreich und
lich umsetzen 17,5 Prozent im verschulten System Großbritanniens.
– Unterrichtung: Berufsbildungsbericht 2010 Das beweist einmal mehr, dass Deutschlands berufliche
Ausbildung krisenfest und stabil ist. Wir haben im dua-
(Tagesordnungspunkt 8) len System europaweit die besten Daten in der Qualifi-
7352 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) kation für einen Beruf. Die Notwendigkeit für eine Än- Viele Ihrer Forderungen haben wir bereits schon län- (C)
derung des Systems ist nicht ersichtlich, auch gibt es ger umgesetzt, andere finden sich in dem verlängerten
dafür keine Fürsprecher bei den Kammern und in der Ausbildungspakt wieder. Eine Lektüre des Textes kann
Wirtschaft. ich deshalb nur empfehlen. Lesen bildet, das gilt nicht
nur für die Auszubildenden in unserem Land.
Wir leiten nun eine qualitative Initiative ein, bei der
wir alle Jugendlichen mitnehmen wollen. Es gilt, sowohl
in der Breite als auch in der Spitze zu fördern. Das heißt, Uwe Schummer (CDU/CSU): Die Krise hat gezeigt:
wir werden leistungsschwächere Jugendliche, Jugendli- Duale Ausbildung ist ein Standortvorteil. Qualifizierte
che mit Migrationshintergrund sowie die Leistungsstar- Arbeitnehmer und duale Ausbildung gehören eng zu-
ken fördern, sodass mehr von ihnen in eine berufliche sammen – in der Praxis für die Praxis.
Ausbildung kommen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in hochgelobten PISA-
Ländern wie Finnland und Schweden mit über 20 Pro-
Auf die Lage der Jugendlichen mit Migrationshinter-
zent dreimal so hoch wie in Deutschland. Die Arbeitslo-
grund und die Situation der Altbewerber ist dabei beson-
senquote von Meistern und Technikern ist mit 2,9 Pro-
deres Augenmerk zu richten. Noch immer verlassen
zent niedrig; bei Akademikern beträgt sie 3 Prozent, bei
doppelt so viele Migrantinnen und Migranten die Schule
allen anderen im Vergleichszeitraum 7,1 Prozent.
ohne Abschluss wie ihre deutschen Altersgenossen.
Auch die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit 83 Prozent aller Patente werden von den Beschäftigten
Migrationshintergrund liegt mit 32 Prozent deutlich un- in den Unternehmen entwickelt. Es gibt jedoch eine de-
ter derjenigen der deutschen jungen Menschen mit mografische Lücke. 2008 verließen 909 000 junge Men-
68 Prozent. Obwohl mehr Altbewerber im Jahr 2009 ei- schen die Schule, 2018 werden es unter 800 000 sein.
nen Ausbildungsplatz erhielten, blieben 45,7 Prozent
noch unversorgt. Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht jährliche
Auftragsverluste von 14,4 Milliarden Euro, dieses Jahr
Folgende Maßnahmen müssen zukünftig ergriffen aufgrund ansteigender Konjunktur von 20 Milliarden
werden, um die Fortschritte des Ausbildungspaktes fort- Euro. Der Koalitionsantrag zur Berufsausbildung steht
zuentwickeln: Dazu gehört eine verbesserte Berufsorien- für eine organische Weiterentwicklung im dualen Sys-
tierung, um eine gezielte Berufsvorbereitung zu ermögli- tem. So sank die Zahl der Altbewerber von 385 000 auf
chen. Die Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss unter 200 000. 35 000 junge Menschen erhalten eine
sollen schnellstmöglich umgesetzt werden, insbesondere EQ-Maßnahme. Die Übernahme liegt bei 75 Prozent –
sollen zukünftig 30 000 Jugendliche mit erhöhtem För- eine echte Brücke in Beschäftigung.
(B) derbedarf begleitet werden. Die Maßnahmen beim Über- Der Ausbildungspakt wurde verlängert und auf Ju- (D)
gang zwischen Schule und Ausbildung werden effizien-
gendliche mit Förderbedarf und Leistungsstärke konzen-
ter gestaltet, um Jugendlichen schneller einen geeigneten
triert. Es sollen jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze,
Ausbildungsplatz anbieten zu können.
30 000 neue Ausbildungsbetriebe und 30 000 Einstiegs-
Die SPD konstatiert nun in ihrem Antrag, dass das qualifizierungen angeworben werden. Mit den Ländern
Ausbildungsplatzangebot bei weitem nicht ausreiche sind wichtige Partner hinzugekommen.
und dass es angeblich keine demografiebedingte Entlas- Der Ausbildungspakt hat seit 2004 fast 300 000 neue
tung geben werde. Dabei hat Ihr Kollege Olaf Scholz Ausbildungsplätze mobilisiert – 300 000 neue Chancen
am 23. April des vergangenen Jahres selbst hier im Ple- für junge Menschen. Wer das herunterredet, der redet zy-
num erklärt, dass es sehr schnell dazu kommen werde, nisch. 2007 ging es in der Großen Koalition um eine
dass nicht jeder Ausbildungsplatz besetzt werden neue Dynamik des Paktes. Die Zahl der Anwerbung
könne. Mir erschließt sich nicht, warum die SPD nun neuer Ausbildungsplätze wurde von jährlich 30 000 auf
mehr Ausbildungsplätze fordert, ihr doch aber selbst 60 000 verdoppelt.
nur zu gut bewusst sein muss, dass wir diese Plätze ei-
nes Tages oder – wie Kollege Scholz betont – in Kürze Als dritter großer Ausbilder – neben IHK und Hand-
nicht werden besetzen können. Vielmehr setzen wir da- werk – kam der Bundesverband der Freien Berufe hinzu.
rauf, alle Jugendlichen mitzunehmen, ihnen eine Per- Der neue Pakt wird die Qualität der Berufsausbildung
spektive zu geben und nicht leer stehende Ausbildungs- verbessern.
plätze zu schaffen. Es geht deshalb um die Abstimmung
von Angebot und Nachfrage und die passgenaue Berufs- Erfolg hat, wer frühzeitig fördert. 82 000 Schüler er-
orientierung und anschließende Vermittlung, in Unter- hielten 2009 zwei Jahre vor der Schulentlassung über
stützung durch Kammern, Unternehmen und Wirtschaft. 14 Tage eine Berufsorientierung in einer überbetriebli-
Nichtsdestotrotz haben wir das Ziel von 60 000 Ausbil- chen Werkstatt. Dieses Jahr werden es 100 000 sein.
dungsplätzen und 30 000 ausbildenden Unternehmen in Die Zahl der Schulabbrecher ist von 100 000 auf
den verlängerten Ausbildungspakt aufgenommen. 60 000 gesunken. Eine Berufsperspektive ist die beste
Motivation für den Schulabschluss.
Hinzu kommen die Verbesserung der Datenlage, ein
effizienteres Übergangssystem und die Sicherstellung In einem europäischen Bildungsraum mit sinkenden
der Ausbildungsreife von der Breite in die Spitze, die Schülerzahlen steigt die Mobilität. Deshalb wollen wir
Fortentwicklung der Berufsorientierung und der Vermitt- Jugendwohnheime wieder unterstützen mit begleitenden
lung zwischen Unternehmen und Auszubildenden. Hilfen. 200 000 Schüler und Auszubildende nutzen sie
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7353
(A) jährlich. Die Bundesregierung hat eine Studie in Auftrag gen nach Ausbildungszwangsabgaben und Zielgrößen (C)
gegeben, die 2011 veröffentlicht wird. bei Ausbildungsplätzen realitätsfremd!
Im Bildungsbericht der OECD von 2010 heißt es: Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen Politik
„Deutschland hat eine Spitzenposition. Dies ist auf das für die Zukunft gestalten. Packen wir die alten DGB-
gut ausgebaute Berufsbildungssystem und dort auf die Flugblätter doch in die Mottenkiste! Sie passen nicht
duale Ausbildung zurückzuführen, die sowohl eine mehr in unsere Zeit.
breite Basisqualifizierung als auch einen guten Über-
Ganz im Gegensatz zu dem jüngst abgeschlossenen
gang von Bildung in Beschäftigung erreicht.“ Das ist
Ausbildungspakt. Dieser nimmt die veränderten Rah-
auch die Botschaft unseres Antrages. Ich empfehle Zu-
menbedingungen fest in den Blick und stellt sich den
stimmung von allen Seiten des Hauses.
neuen Herausforderungen.
(A) eine zentrale Schlussfolgerung: Wir stehen vor neuen ten beim Übergang in die Ausbildung hatten. Hierzu (C)
Herausforderungen. Noch viel mehr als früher gilt: Es zählen Sie auch die Gruppe der Migrantinnen. Sie wol-
darf keiner verloren gehen! Mit gemeinsamen Anstren- len – ich zitiere – „vor allem die Ausbildungsreife ver-
gungen werden wir die besten Voraussetzungen dafür bessern“. Hier geht es nicht um Reife, sondern um die
schaffen, um dieses Ziel zu erreichen. Ausgrenzung von Migrantinnen und Migranten – und
die fängt schon viel früher an. Bereits in der Grund-
Der Ausbildungspakt ist für die Zielerreichung ein schule müssen die in Bayern mehr als sechsmal so viel
zentraler Baustein. Fortschritt statt Stillstand, das ist das
Leistung erbringen wie deutsche Kinder, um ein Gymna-
Motto christlich-liberaler Bildungspolitik. sium zu besuchen. Haben sie die Schule dann mit einem
Union und FDP sind großzügig gegenüber der Zu- Realschulabschluss absolviert, erhält nur die Hälfte eine
kunft: Wir geben heute alles, um Chancen für morgen zu Ausbildung. Und hier sagen wir eindeutig: Es liegt nicht
sichern! Ich bitte um Annahme der Beschlussempfeh- an der Leistung von Migrantinnen und Migranten, son-
lung. dern an den Steinen, die wir ihnen in den Weg legen.
Nach einer BIBB-Studie haben sie das gleiche Inte-
Agnes Alpers (DIE LINKE): Wir haben viele junge resse an einer Ausbildung. Auch ihre Strategie, einen
Menschen ohne Ausbildungsplatz. Sie finden keinen, Ausbildungsplatz zu erhalten, unterscheidet sich kaum.
weil es zu wenige gibt. Das ist die Realität, die die Bun- Bei gleichen Noten erhalten Jugendliche mit türkischem
desregierung endlich anerkennen muss. Migrationshintergrund nur halb so oft einen gewünsch-
1,5 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ten Ausbildungsplatz wie Deutsche. Um es mit den Wor-
haben keine Berufsausbildung. Über 84 000 haben laut ten eines Jugendlichen auszudrücken: Meine Familie hat
Bundesagentur in diesem Jahr keinen Ausbildungsplatz einen deutschen Pass, ich habe einen Realschulabschluss
erhalten, und die Zahl der Ausbildungsplätze ist seit Be- mit 2,1, aber ich bekomme keine Tischlerausbildung,
ginn des Ausbildungspaktes sogar um 8 Prozent einge- weil ich Serhat heiße.
brochen. Der Pakt ist ein Ausbildungsplatzvernichter, Ihre Integrationspolitik in der beruflichen Bildung
und das feiern Sie auch noch als Erfolg. Als Linke for- heißt: Ausgrenzung statt Teilhabe und Schuldzuweisun-
dern wir Sie auf: Begraben Sie diesen Ausbildungspakt gen statt Verantwortung für Jugendliche zu übernehmen.
und schaffen Sie endlich Ausbildungsplätze für alle! So etwas lehnen wir als Linke ab. Wir wollen, dass alle
Bei den Paktverhandlungen hat sich nur der Deutsche einen guten Ausbildungsplatz erhalten. Schließen Sie
Gewerkschaftsbund hinter die Jugendlichen gestellt. Sie endlich einen Ausbildungspakt mit den Jugendlichen
waren gegen Schmalspurausbildungen, haben für eine und lassen Sie uns alle gemeinsam die Umlage einfüh-
(B) ehrliche Statistik gestritten. Wir Linke ziehen den Hut ren. (D)
vor dem DGB, sich nicht am Pakt zu beteiligen.
Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
Da nützt es auch nichts, Herr Kollege Rupprecht,
NEN): Zwar wird sich die öffentliche Debatte heute in
wenn sie den DGB als Bremser und Miesmacher be-
erster Linie um das wichtige Thema Atom drehen, doch
schimpfen. Fegen Sie besser vor Ihrer eigenen Tür:
möchte ich Ihren Blick auf ein anderes, für die Zukunft
190 Millionen Euro im nächsten Haushaltjahr bei beruf-
unseres Landes ebenfalls äußerst relevantes Thema len-
licher Bildung kürzen und als williger Handlanger der
ken: auf die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.
Wirtschaft auftreten: Das ist Ihre Devise. Leisten Sie
endlich Ihren Beitrag zu einer Ausbildungsbilanz, bei Nun haben am Dienstag die Paktpartner feierlich die
der die jungen Menschen nicht unter den Teppich ge- Verlängerung des Ausbildungspakets beschlossen, und
kehrt werden. ich kann nur sagen: Grund zum Feiern gibt es nicht. Ins-
besondere drei Punkte sollten uns stutzig machen: Der
Jeder zweite Jugendliche hat in diesem Jahr keinen
Pakt wurde am Ende doch ohne die Gewerkschaften be-
Ausbildungsplatz erhalten. Wie wollen Sie all diesen
schlossen, inhaltlich sind die Vereinbarungen zudem
jungen Menschen erklären, dass Sie die 60 000 zusätzli-
mutlos und bieten keine Lösungen an, wie der Über-
chen Ausbildungsstellen im Pakt nicht verbindlich fest-
gangsdschungel zwischen Schule und Ausbildung abge-
geschrieben haben? Die Wirtschaft verspricht jetzt wie-
schafft werden kann und wie es uns gelingt, den 1,5 Mil-
der zusätzliche Ausbildungsplätze. Die Zahlen der
lionen jungen Menschen ohne Ausbildungsabschluss
vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass sich die Un-
den Weg zu einem Berufsabschluss zu ebnen.
ternehmer nicht an ihre Zusagen gehalten haben. Statt
nun durchzugreifen und konsequent für Ausbildungs- Lassen Sie mich zunächst festhalten: Natürlich ist es
plätze einzutreten, stempeln Sie viele junge Menschen positiv, dass die Gruppe der beteiligten Partner erweitert
als ausbildungsunwillig und -unfähig ab. wurde, dass die Kultusministerkonferenz und die Beauf-
tragte für Migration hinzugekommen sind. Aber: Die
Als Linke sagen wir Ihnen: Sprechen Sie doch mal
mit den Betroffenen. Alle wollen sich eine Zukunft in Bundesregierung ist daran gescheitert, die Gewerkschaf-
ten einzubeziehen. Ein einflussreicher Player wie die
unserer Gesellschaft aufbauen. Und hierzu benötigen Sie
eine verlässliche Politik und keine Regierung, die auf sie Gewerkschaften hätte den Pakt mit seinem Wissen berei-
draufhaut. chert. Aber statt frühzeitig Verhandlungen mit den Ge-
werkschaften aufzunehmen, haben Kanzlerin Merkel,
Im neuen Ausbildungspakt wollen Sie verstärkt Ju- Wirtschaftsminister Brüderle und Bildungsministerin
gendliche in den Blick nehmen, die bisher Schwierigkei- Schavan in den letzten Wochen nur wild durcheinander
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7355
(A) geredet, wie der Fachkräftemangel zu beheben sei, aber fig in einer Lebensphase, in der sie nicht so ohne Weiteres (C)
scheinbar vergessen, dass der Termin zur Unterzeich- auf ihr gesamtes Gehalt über den Zeitraum einer dreijäh-
nung des Paktes schon lange feststand. Herr Brüderle hat rigen Ausbildung verzichten können. DualPlus kann da-
gewartet und gewartet, bis er überhaupt Verhandlungen rauf reagieren, eine solche Form der Ausbildung ist
aufgenommen hat. Selbst als sich Frau Merkel von durchlässiger und kompatibler mit der Weiterbildung.
oberster Stelle eingeschaltet hat, hat sie es nicht ge-
schafft, eine Einigung zu erzielen. Das ist ein Armuts- Durch die Einbeziehung der überbetrieblichen Aus-
zeugnis. bildungsstätten und der damit einhergehenden starken
individuellen Betreuung wird es leichter ermöglicht,
Ich denke, wir sind uns einig, dass am Übergangssys- dass die Bewerber nicht überflüssigerweise eine kom-
tem dringend etwas getan werden muss und dass es sich plette Ausbildung durchlaufen müssen. Zunächst wird
zu einem unübersichtlichen Dschungel entwickelt hat. im Rahmen einer qualifizierten Beratung festgestellt,
Dies haben auch die Paktpartner erkannt und sich auf die welche Themenbereiche der Interessent noch nicht abge-
Fahnen geschrieben, die bisherigen Schwierigkeiten deckt hat. Dann können ihm gezielt die passenden Mo-
beim Übergang in die Ausbildung stärker in den Blick zu dule zugeordnet werden, um später erfolgreich die Ex-
nehmen. Bravo! Aber was folgt daraus? Wird das Über- ternenprüfung absolvieren zu können. Dabei sollten die
gangssystem, so wie wir Grüne es fordern, abgeschafft? Module so flexibel eingesetzt werden können, dass Teil-
Wird allen Jugendlichen, die in Warteschleifen festste- zeitlösungen möglich sind und die Menschen ihre beruf-
cken in Zukunft ein Ausbildungsplatz zur Verfügung ste- liche Tätigkeit weiterhin ausüben können. Für die Er-
hen? Leider nein. Die Ideen sind mutlos, im Pakt fehlen mittlung der bereits bestehenden nonformalen und
klare Verpflichtungen, endlich das Übergangssystem ab- informellen Berufsqualifikationen muss die Weiterent-
zuschaffen. wicklung des deutschen Qualifikationsrahmens einen
wichtigen Beitrag leisten.
Es stimmt, die Situation hat sich verbessert. Aber
250 000 Altbewerber, eine Versorgungslücke von 68 000 Natürlich spielt auch die Finanzierung einer Weiterbil-
Stellen, 12 300 Unversorgte nach Übergang in Maßnah- dung eine entscheidende Rolle: Für vollschulische Fort-
men. Das darf uns nicht ruhen lassen! bildungsgänge mit Ausbildungsabschluss wollen wir die
Finanzierung über unser grünes Erwachsenenbildungs-
Wir fordern: Das Ausbildungssystem muss strukturell
förderungsgesetz ermöglichen. Statt der komplizierten,
reformiert werden, die Beteiligung der Unternehmen ge-
wenig zielgenauen und oft entmutigend bürokratischen
steigert und die Motivation der jungen Menschen durch
Förderung mit Ausbildungsbeihilfe, Schüler-BAföG, Stu-
die Anerkennung einzelner Lernschritte gestärkt werden.
dierenden-BAföG, Kinderfreibeträgen etc. soll so eine
Wir haben mit unserem Modell DualPlus schon vor eini-
transparente Grundlage für Weiterbildung geschaffen und
(B) ger Zeit ein Konzept vorgelegt, wie allen Jugendlichen (D)
damit eine positive Haltung gegenüber Weiterbildung ge-
eine Ausbildung mit hohen betrieblichen Anteilen zuge-
weckt werden.
sichert werden kann. Unter Einbeziehung von überbe-
trieblichen Ausbildungsstätten werden neue Ausbildungs- Die Verbesserung des Ausbildungssystems wartet im-
stellen geschaffen, die auch in Krisenzeiten Bestand mer noch auf Tatkraft und den Veränderungswillen der
haben. Hamburg ist ein gutes Beispiel, wie ein solches Bildungsministerin. Frau Schavan hat auf diese Pro-
grünes Konzept umgesetzt werden kann, an dem alle an bleme keine stichhaltigen Antworten. Sie ist eine Meis-
einem Tisch sitzen, im Konsens mit den Sozialpartnern terin darin, Programm mit viel Trara anzukündigen. Das
und dem politisch-gesellschaftlichen Umfeld. Fatale daran ist nur: Es kommt am Ende nicht viel dabei
rum. Das angekündigte Programm der Bildungsketten
Hinzu kommen circa 1,5 Millionen junge Menschen
reicht nicht weit genug und ist völlig unabgestimmt. Und
bis 29 Jahre ohne Berufsabschluss, die in mehr oder
als würde sie ihre eigenen Worte nicht ernst nehmen,
minder prekären Verhältnissen Gelegenheitsjobs aus-
will sie die Mittel für die Berufsorientierung massiv sen-
üben, ohne eine langfristige Perspektive zu haben. Sie
ken.
verdienen schlecht und sind bei Kündigungen immer die
Ersten, die betroffen sind. Für diese Menschen müssen Frau Ministerin, wenn Sie schon keine eigenen Ideen
wir mehr tun! Für sie tragen wir eine Verantwortung, für haben, dann lernen Sie von uns. Wir haben Ihnen mit un-
sie müssen endlich passgenaue Weiterbildungsangebote serem Konzept DualPlus den Weg aufgezeigt.
zur Verfügung stehen, die den Menschen ohne Berufsab-
schluss Erfolgserlebnisse und Lust am Lernen verschaf-
fen und ihnen das Nachholen eines Abschluss ermögli- Anlage 10
chen.
Zu Protokoll gegebene Reden
Die Bundesregierung muss endlich kluge Weiterbil-
dungskonzepte für diese Menschen anbieten. Unser Mo- zur Beratung des Antrags: Grundrecht auf
dell DualPlus bietet dafür mit seinem modularen Charakter Wohnen sozial, ökologisch und barrierefrei ge-
gute Anknüpfungspunkte. Menschen, auch ohne offiziel- stalten (Tagesordnungspunkt 10)
len Berufsabschluss, verfügen häufig über langjährige
Berufserfahrung. Es ist nicht sinnvoll, wenn sie eine kom- Gero Storjohann (CDU/CSU): Zu Beginn meines
plette Berufsausbildung durchlaufen müssten. Sie haben Vortrags und im Hinblick auf den vorliegenden Antrag
sich im Verlauf ihres Lebens bereits zahlreiche anrech- der Linken halte ich es für notwendig, zunächst einige
nungsfähige Kompetenzen erarbeitet. Und: Sie sind häu- Dinge ins rechte Licht zu rücken: Die Wohnungsversor-
7356 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) gung in Deutschland ist gut. Die Mieten und Immobi- Wohnungsbereich haben uns die Linken unterstützt, Sie (C)
lienpreise haben sich in den letzten Jahren stabil entwi- fordern Umweltschutz im Gebäudebereich und stimmen
ckelt. Die christlich-liberale Koalition reagiert mit einer konsequent gegen alle Vorschläge, die diese Forderung
Vielzahl von Maßnahmen angemessen auf die Heraus- umsetzen. Dies ist in höchstem Maße unglaubwürdig.
forderungen des demografischen Wandels und des Kli-
maschutzes. Die Linken verweigern sich diesen Tatsa- Wir schaffen mit dem CO2-Gebäudesanierungspro-
chen. Ihr Antrag trifft Aussagen, die schlicht falsch sind. gramm und den KfW-Fördermitteln sowie mit den Ener-
gieausweisen Anreize für Immobilienbesitzer und Ver-
Die Fraktion Die Linke zeichnet in ihrem Antrag ein mieter, in Umwelt- und Klimaschutz zu investieren.
dramatisches Bild von der Wohnungssituation in Alleine zwischen 2006 und 2008 wurden im Rahmen des
Deutschland, das mit der Realität nichts, aber auch gar CO2-Gebäudesanierungsprogramms 800 000 Wohnun-
nichts zu tun hat. Ich empfehle Ihnen die Lektüre des gen umfassend energetisch saniert bzw. energieeffizient
jüngsten Berichtes über die Wohnungs- und Immobilien- errichtet. Der Wohnungsbestand in Deutschland wird
wirtschaft in Deutschland. Wenn Sie diesen Bericht gele- immer ökologischer, und das ist ein toller Erfolg.
sen hätten, dann wäre Ihnen aufgefallen: Im Bereich des
sozialen Wohnens, des ökologischen Wohnens und des Drittens sprechen Sie in Ihrem Antrag die demografi-
barrierefreien Wohnens erzielen wir kontinuierliche Er- sche Entwicklung an. Die Menschen in Deutschland
folge. werden erfreulicherweise immer älter. In der Tat hat das
natürlich auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt
Einiges von dem, was Sie in Ihrem Antrag fordern, ist in unserem Land. Treppen können ein großes Hindernis
längst Realität. Ich möchte das an einigen Punkten deut- im Alltag darstellen. Badezimmer müssen behinderten-
lich machen: gerecht ausgestaltet werden. Und Rollstuhlfahrer benöti-
gen Wohnungen ohne erhöhte Türschwellen.
In Ihrem Antrag fordern Sie erstens eine soziale Aus-
gestaltung des Wohnens in Deutschland. Auch Men- Um für diese Fälle Lösungen anzubieten, hat die Bun-
schen mit geringen Einkommen sollen menschenwürdig desregierung in den vergangenen Jahren Förderpro-
wohnen können. Hier sage ich Ihnen: Das ist in Form gramme aufgesetzt. Mehr und mehr Wohnungen in
des Wohngeldes längst geltendes Recht. Deutschland werden alters- und behindertengerecht um-
Das Wohngeld ist ein zentrales Instrument einer so- gebaut. Mit dem Konjunkturpaket I haben wir zusätzli-
zialen Wohnungspolitik. Deshalb entwickeln wir das che Gelder für altersgerechte Wohnungsanpassungen
Wohngeld auch kontinuierlich weiter. Mit dem Wohn- bereitgestellt. Das Förderprogramm „Altersgerecht Um-
geld ermöglichen wir es auch einkommensschwachen bauen“ kann von Wohnungseigentümern, privaten Ver-
Haushalten, in einer angemessenen und familiengerech- mietern und Mietern gleichermaßen in Anspruch genom-
(B)
ten Wohnung zu leben. Dabei berechnet sich das Wohn- men werden. Seit April 2009 werden von der KfW (D)
geld ganz spezifisch nach dem individuellen Bedarf des entsprechende Förderzusagen erteilt. Hierdurch erzielen
Haushalts und den regional unterschiedlichen Miethö- wir bereits heute gute Verbesserungen. Und in den
hen. Es ist ein treffsicheres und marktkonformes Mittel nächsten Jahren wird sich der Markt an die steigende
der Wohnungspolitik. Es sichert soziales Wohnen in Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen weiter an-
Deutschland für diejenigen, die nur geringes Einkom- passen. Wir unterstützen und fördern den weiteren Aus-
men haben. Im Ergebnis kann in Deutschland jeder men- bau barrierefreien Wohnens in Deutschland.
schenwürdig wohnen. Es dürfte deutlich geworden sein, dass die Linken in
Die Linken erwecken mit ihrem Antrag den Eindruck, ihren Forderungen nach einem sozialen, ökologischen
als ob wir in Deutschland ein Problem großer Woh- und barrierefreien Recht auf Wohnen der realen Politik
nungsnot hätten. Wir lassen es Ihnen nicht durchgehen, hinterherlaufen. Wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion
dass Sie hier solche Unwahrheiten verbreiten. und als unionsgeführte Koalition fördern die Anpassung
des Wohnungsmarktes an die tatsächlichen Bedürfnisse
An dieser Stelle auch noch eine Anmerkung zur Ent- einer sich verändernden Gesellschaft.
wicklung der Mieten: Zwischen 1997 und 2007 stiegen
die Nettokaltmieten jährlich um durchschnittlich 1,1 Pro- Ihr Antrag verweigert sich der Realität auf dem deut-
zent. Dies liegt unter der durchschnittlichen Preissteige- schen Wohnungsmarkt. Auf dieser Grundlage ist eine
rung in dieser Zeit um jährlich 1,5 Prozent. Von einer be- vernünftige Diskussion nicht möglich. Wir als CDU/
sorgniserregenden Entwicklung der Mieten kann keine CSU-Bundestagsfraktion werden Ihren Antrag nicht un-
Rede sein. Hören Sie also auf, mit Ihrem Antrag einen terstützen.
falschen Eindruck zu erwecken!
Daniela Raab (CDU/CSU): Ich sehe ja ein, dass Sie
Dann fordern Sie in Ihrem Antrag zweitens ein Recht wieder einmal einen Forderungskatalog erstellt haben
auf ökologisches Wohnen. Ich muss zugeben, dass ich und nun das allumfassende Handeln der Bundesregie-
mich hierüber ein wenig gewundert habe. Seit Jahren rung fordern; denn das ist ja nun einmal Ihr Job in der
richtet die Bundesregierung schließlich ein großes Au- Opposition.
genmerk auf die ökologische Sanierung des Gebäudebe-
standes. Unser Energiekonzept formuliert sogar das ehr- In Ihrem Antrag liest man also das eine und das an-
geizige Ziel, bis zum Jahr 2050 80 Prozent weniger dere und denkt sich dabei: Das machen wir doch alles!
CO2-Ausstoß im Gebäudebereich zu realisieren. Aber: An anderer Stelle denkt man vielleicht: Das klingt nach
bei keiner dieser klimaschutzorientierten Regelungen im Enteignung und Sozialismus pur.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7357
(A) Zunächst liest man, dass nirgendwo in Deutschland Wohnungsmarkt- und Stadtentwicklung sind eng mit- (C)
ein bedarfsgerechtes Angebot an Wohnraum existiert. einander verknüpft. So gab und gibt es zahlreiche Pro-
Aha. Dann liest man, dass Angebot und Nachfrage auf gramme, auch langfristig – heute sagt man gerne: nach-
dem Wohnungsmarkt regional divergieren. Das stimmt. haltig – angelegte Linien, die sich mit den bekannten
Sachlich falsch ist, wenn Sie in Ihrem Antrag davon Problemen auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland be-
sprechen, dass von der Bundesregierung weder im Woh- schäftigen.
nungsbestand als auch im Wohnungsbau ökologische
und demografische Erfordernisse adäquat und vor allem Die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist
nachhaltig berücksichtigt werden. zum Beispiel ein zentrales Handlungsfeld der Energie-
und Klimapolitik der Bundesregierung und wird zurzeit
Die Wohnungsversorgung in Deutschland ist gut. besonders forciert. Auch da gab es schon erfolgreiche
Hohe bauliche Qualität und Ausstattungsstandards sind Projekte, zum Beispiel um die Eigentümer von Groß-
Ergebnis eines seit Jahrzehnten hohen Investitionsni- wohnsiedlungen bei der Erstellung integrierter Konzepte
veaus in Neubau und Bestand. Grundlage hierfür sind und differenzierter Investitionsstrategien zu unterstüt-
bewährte ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen, ge- zen und somit die energetische Sanierung zu initiieren
zielte förderpolitische Impulse und wirksame soziale bzw. zu beschleunigen. Dazu hat das Bundesministerium
Sicherungsinstrumente. Mietrecht und Steuerrecht ge- für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, BMVBS, 2009
währleisten gleichermaßen die Wirtschaftlichkeit der den Wettbewerb „Energetische Sanierung von Groß-
Wohnungsvermietung und den Schutz der Mieterinnen wohnsiedlungen auf der Grundlage integrierter Stadtteil-
und Mieter. entwicklungskonzepte“ ausgelobt. Gegenstand des
Gerade die nachhaltige Stadtentwicklungspolitik hat Wettbewerbs war die Erarbeitung integrierter und nach-
angesichts der wirtschaftlichen, kulturellen und gesell- haltiger Beiträge auf Quartiersebene, die gesamtheitliche
schaftlichen Entwicklung in unserem Land eine enorme Strategien und Maßnahmen zu den Bausteinen Energie-
Bedeutung, wird bereits vielfach berücksichtigt, und wir einsparung und Energieeffizienz, Stadtteilentwicklung,
haben uns diesbezüglich hohe Ziele gesetzt: die Bewälti- Wohnungswirtschaft, Finanzierung, Partizipation sowie
gung der Folgen des demografischen und wirtschafts- Durchführung gleichermaßen berücksichtigen. Der
strukturellen Wandels, den Klimaschutz, den Erhalt his- Wettbewerb gab den Auftakt zur Entwicklung oder Wei-
torischer Bausubstanz und Stadtstrukturen, die Wieder- terentwicklung integrierter Stadtteilentwicklungskon-
und Umnutzung von Brachflächen und die Barrierear- zepte unter Einbeziehung energetischer Aspekte. Die
mut im Wohnumfeld. energetische Sanierung soll im Rahmen einer integrier-
ten Entwicklungsplanung dafür genutzt werden, die
Sie sprechen in Ihren Forderungen all die guten und Großwohnsiedlung insgesamt aufzuwerten.
(B) erfolgreichen Förderprogramme an. Diese Programme (D)
zeigen ja, dass wir eben diese Nachhaltigkeit verfolgen Natürlich gibt es unterschiedliche Ansprüche an Woh-
und dass wir ebendiese veränderten Lebensbedingungen nungen, die befriedigt werden müssen. Es gibt in der
und Tendenzen in der Bevölkerung erkennen und ent- Stadt eine andere Klientel als auf dem Land, Familien
sprechend durch unsere Programme und Planungen um- möchten anders wohnen als Singles etc. Um dem gerecht
setzen. zu werden, wird aber auch viel getan. Für die Städte ist
es zum Beispiel ein zentrales Anliegen einer nachhalti-
Neu – und, wie ich finde, gerade für die infrastruktur- gen Stadtentwicklungspolitik, die Standortqualität zu
schwachen ländlichen Gebiete wichtig – ist das Städte- stärken und die Attraktivität der Stadtquartiere für alle
bauförderprogramm „Kleine/Städte und Gemeinden – Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Hohe städtebauli-
überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“. Dieses che Qualitäten und bedarfsgerechte Wohnraumangebote
Programm wurde neu aufgelegt, obwohl wir sparen müs- können wesentlich dazu beitragen, die Suburbanisierung
sen. Hier wird die aktive Zusammenarbeit über Gemein- abzuschwächen und eine Rückbesinnung auf die Vorteile
degrenzen hinweg unterstützt. Ziel ist, die nötige Infra- urbaner Lebensformen zu begünstigen. Die Förderung
struktur für die kommunale Daseinsvorsorge arbeitsteilig des städtischen Wohnens wird auf allen politischen Ebe-
zu organisieren. Hier wird auch berücksichtigt, dass wir nen als ein zentrales Ziel angesehen und ist für die Stadt-
in einer föderalen Struktur leben. entwicklung von strategischer Bedeutung. Insbesondere
Soziale Wohnraumförderung ist die Aufgabe des So- für Familien mit Kindern möchten die Städte wieder ein
zialstaates. Seine wesentlichen Ansatzpunkte sind die attraktiver Wohnstandort sein.
Gewährung von Wohngeld zur Stärkung der Mietzah-
lungsfähigkeit und die soziale Wohnraumförderung. Auch bei dem Thema Wohnen im Alter sind wir auf
Diese beiden Punkte werden auch von der Bundesregie- dem besten Wege. Die Wohneigentumsquote ist weiter
rung ernst genommen und verfolgt. Im Rahmen der Fö- gestiegen und lag 2008 bei gut 43 Prozent. Die Bedin-
deralismusreform unterliegen sie aber den Ländern. gungen für den Erwerb von Wohneigentum sind gegen-
wärtig auch nach der Abschaffung der Eigenheimzulage
Aber auch der Bund will Wohnraum und Infrastruktur im langfristigen Vergleich sehr günstig. Gründe sind
gestalten. Dies soll sowohl alten-, generationengerecht niedrige Hypothekenzinsen, stabile Immobilienpreise
und, wo sachgerecht, integrativ gestaltet werden, und die und in den letzten Jahren moderat gestiegene Einkom-
erforderlichen Service- und Hilfestrukturen sollen auch men. Die Wohneigentumsbildung findet zunehmend im
in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft ausgebaut Bestand statt. Der Eigenheimbau bleibt aber eine wich-
und weiterentwickelt werden. tige Stütze der Bautätigkeit. Von 2008 knapp 200 000
7358 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) fertiggestellten Wohneinheiten entfallen rund 80 Prozent Die Heizkostenkomponente, erst 2009 auf Betreiben der (C)
auf Eigenheime und Eigentumswohnungen. SPD eingeführt, soll abgeschafft werden. Die Heizkos-
ten sind gesunken, sagt die Regierung. Auch wenn man
Die Bundesregierung hat im Rahmen des Maßnahmen- sich solche Zahlen vielleicht irgendwie zurechtrechnen
pakets „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstär- kann: Gibt es jemanden, der nicht von zukünftig weiter
kung“ Mittel für das KfW-Förderprogramm „Altersge- steigenden Kosten für Haushaltsenergie ausgeht? Ein-
recht Umbauen“ bereitgestellt, mit dem die Anpassung kommensschwache werden alleingelassen und in Grund-
des Wohnungsbestands und des Wohnumfelds an diese sicherung gedrängt; so sieht es zurzeit aus. Eine solche
Bedürfnisse gefördert wird. Die KfW-Bankengruppe Politik wird dafür sorgen, dass sich Menschen ihre Woh-
förderte das altersgerechte Umbauen im Jahr 2010 be- nung nicht mehr leisten können.
reits mit über 100 Millionen Euro. Mit der KfW-Förde-
rung können zum Beispiel Aufzüge eingebaut, Türen Es gilt also in der Tat auf einiges zu achten, damit der
verbreitert oder Bäder barrierearm umgebaut werden. Wohnungsmarkt ausgeglichen bleibt. Leider wird uns
Das hilft Menschen mit altersbedingt eingeschränkter der vorliegende Antrag dabei nicht weiterhelfen. Lassen
Mobilität oder Behinderungen genauso wie Familien mit Sie mich das anhand dreier Beispiele deutlich machen.
Kindern. Mit ihrem seit dem 1. Juli 2010 eigenständigen
Programm „Altersgerecht Umbauen“ fördert die KfW Erstens. Die Linksfraktion fordert, die Einzelpro-
barrierearmes Wohnen. Es ist komfortabel für Menschen gramme der Städtebauförderung zusammenzulegen, und
jeden Alters, doch „altersgerecht“ sind derzeit nur das in einer Situation, in der wir in den Haushaltsbera-
1 Prozent aller Wohnungen in Deutschland. tungen um eine ausreichende Ausstattung dieser Pro-
gramme kämpfen. Die verschiedenen Programme haben
Mit ihrem Förderprogramm will die KfW einen Bei- sich mit den Jahren aufgrund des unterschiedlichen Be-
trag dazu leisten, dass vor allem ältere Menschen – dank darfs entwickelt. Wieso wollen Sie das aufgeben? Kein
reduzierter Wohnbarrieren – so lange wie möglich in ih- Wort dazu in Ihrem Antrag.
ren eigenen vier Wänden leben können. Das Wohneigen-
tum bleibt für viele Menschen ein wichtiger Baustein für Zweitens. Die Linksfraktion fordert ein gesetzlich ga-
die Altersvorsorge. Seine Notwendigkeit wird durch die rantiertes Recht auf eine menschenwürdige Wohnung.
Veränderung der Altersstruktur verstärkt. Über Wohnungslosigkeit haben wir neulich hier debat-
Daher wurde das selbstgenutzte Wohneigentum mit tiert; wir werden das auf Berichterstatterebene auch bald
dem Eigenheimrentengesetz besser in die geförderte ka- fortsetzen. Der Wohnungslosigkeit konnten wir bisher
pitalgedeckte private Altersvorsorge, die Riester-Rente, zum Beispiel über Mietrecht und Wohngeld ganz gut be-
integriert. gegnen. Zudem sind hauptsächlich die Länder zuständig,
(B) und in einigen Landesverfassungen ist schon ein Grund- (D)
Zuletzt möchte ich noch kurz erwähnen, dass Sie in recht auf Wohnen verankert. Deshalb fragt sich, ob eine
Ihrem Antrag sehr einseitig sind. Sie fordern ja geradezu besondere bundesgesetzliche Regelung wirklich eine
die Verstaatlichung des Wohnungsmarktes. Kommunale dringende Notwendigkeit ist. Ich verschließe mich Ih-
Wohnungsunternehmen habe eine große Bedeutung; rem Ansinnen ja nicht grundsätzlich; aber konkrete Um-
aber Sie verkennen die Bedeutung der privaten Woh- setzungsvorschläge bleiben Sie schuldig. Dafür fordern
nungswirtschaft für die soziale Sicherung des Wohnens, Sie eine deutliche Ausweitung des Wohngeldes. In mei-
der zusätzliche Lasten aufgebürdet werden sollen. ner Realität kämpfen wir aber gerade darum, eine Ver-
schlechterung beim Wohngeld zu verhindern. Ich hätte
Eine Verschärfung des ausgewogenen sozialen Miet- das auch gerne anders, aber über höheres Wohngeld
rechts und ein Zwang zu energetischer Sanierung würde müssen wir derzeit nun wirklich nicht reden.
sich nachteilig auf die Bereitschaft zu Investitionen in
Wohnimmobilien auswirken und damit das im Wesentli- Drittes Beispiel. Gefordert wird ein Rechtsanspruch
chen austarierte Gleichgewicht von Angebot und Nach- für Mieter auf energetische Sanierung. Schön und gut,
frage gefährden. wenn man davon ausgeht, dass alle Wohnungen Heu-
schreckeninvestoren gehören, die nicht wissen, wohin
Sören Bartol (SPD): Auch und gerade die SPD- mit ihrem Geld. Die Welt sieht aber anders aus. Es gibt
Bundestagsfraktion sieht es als eine zentrale staatliche auch den Privatvermieter, der es sich nicht leisten kann,
Aufgabe, Grundlagen zu schaffen, damit jedem Men- seine eine vermietete Wohnung zu sanieren. Über diese
schen angemessener Wohnraum zur Verfügung steht. Themen diskutieren wir gerade intensiv, auch weil die
Deshalb setzen wir uns beispielsweise für eine gerechte Bundesregierung die Mittel für die CO2-Gebäudesanie-
Aufteilung der Kosten für energetische Gebäudesanie- rung massiv zurückfahren will. In dieser Situation kann
rung ein. Staat, Vermieter und Mieter müssen ihren Teil man doch nicht mit einem so undifferenzierten Antrag
dazu beitragen, dass in Zukunft im Gebäudebereich we- kommen.
niger CO2 entsteht. Die Regierung will übrigens einen
anderen Weg gehen und Mieter stärker zur Kasse bitten. Die Linksfraktion macht mit diesem Antrag gleich
Das ist mieterfeindliche Politik, die unser bewährtes, fai- eine ganze Reihe Fässer auf, beschränkt die Begründung
res Mietrecht aushebelt. aber auf ein paar Sätze. So ist ihr Antrag keine Grund-
lage für eine zielführende Debatte. Das ist schade; denn
Ähnlich ist es beim Wohngeld, das zu einer ausgewo- bei einigen Aspekten wären es sicher wert gewesen, sich
genen Bevölkerungsstruktur in den Stadtteilen beiträgt. ernsthafter mit ihnen zu befassen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7359
(A) Ulrike Gottschalck (SPD): Liebe Kolleginnen und zwischen Zivilgesellschaft und Gemeinde, ohne dass (C)
Kollegen von den Linken, dem Titel Ihres Antrages staatlicher Druck ausgeübt werden muss. Kommunalpo-
„Wohnen sozial, ökologisch und barrierefrei gestalten“ litik und auch die Verwaltung sowie die Bürgermeisterin-
könnte man ja zustimmen. Wer will das nicht? Auch die nen und Bürgermeister beteiligen in einem Prozess so-
Stoßrichtung des Antrages könnte man unterstützen. wohl die Hauseigentümer als auch die Bewohnerinnen
Aber der markige Titel wird leider nicht mit Inhalten ge- und Bewohner, die Gewerbetreibenden vor Ort und Ini-
füllt. Viele Forderungen – teilweise auch ideologische – tiativen und Vereine. Durch die Einbeziehung aller rele-
werden in den Raum gestellt, ohne wirkliche Handlungs- vanten öffentlichen und privaten Träger können so städ-
perspektiven aufzuzeigen. Das ist deutlich zu wenig, um tebauliche Investitionen die gelebte Demokratie vor Ort
das Wohnen und das Zusammenleben in unserer Gesell- voranbringen.
schaft zukunftsfest zu machen. „Nirgendwo in der Bun-
desrepublik Deutschland existiert ein bedarfsgerechtes Eine bloße Forderung nach mehr Rekommunalisie-
Angebot an Wohnraum“ – ich denke, dieses Zitat aus Ih- rung, wie es im Antrag der Linken anklingt, reicht hier
rem Antrag belegt die Realitätsferne. Meine sehr verehr- meiner Meinung nach nicht aus; denn wenn die Kommu-
ten Damen und Herren von der Linken, wie schon Sören nen kein oder weniger Geld für sozialen Wohnungsbau
Bartol beschrieben hat, handelt es sich bei ihrem Antrag und Förder- und Integrationsprogramme wie „Die so-
leider um bloße Ankündigungspolitik. ziale Stadt“ bekommen, können sie auch keine weiteren
Investitionen tätigen. Das gefährdet die Entwicklung
Angesichts der demografischen Entwicklung stehen gleichwertiger Lebensverhältnisse.
Städte und Gemeinden vor neuen Herausforderungen,
die nur als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund, Land Die Lebenswelten sind im Wandel. Das Wohnen als
und kommunaler Ebene sinnvoll gemeistert werden kön- soziales Gut ist ein wichtiger und lebendiger Bestandteil
nen. Daher ist es auch so bitter, dass CDU/CSU und FDP einer sich wandelnden Gesellschaft. Auf die Herausfor-
elementare Bausteine der nationalen Stadtentwicklungs- derungen der Zukunft gilt es im Jetzt zu reagieren. We-
politik wie die Städtebauförderung und die Mittel für die der können bloße Gedankenspiele die Situation verbes-
CO2-Sanierung von Gebäuden kürzen und die Entwick- sern noch Kürzungen und Streichungen.
lung in den Kommunen nachhaltig schädigen. Dies be-
stätigten auch alle Experten in der gestrigen Anhörung.
Städtebau ist der richtige Ansatzpunkt. Gerade für die Sebastian Körber (FDP): Die Gestaltung einer zu-
Kommunen ist die Halbierung der Mittel eine große Be- kunftsorientierten Wohnungspolitik ist eine der schwie-
lastung; denn sie müssen die Herausforderungen des de- rigsten, wichtigsten, aber auch eine der reizvollsten Auf-
mografischen Wandels bewältigen und soziale und bar- gaben. Die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum
(B) rierefreie Wohnverhältnisse schaffen sowie lebenswerte ist und bleibt dabei ein wesentlicher Bereich der Da- (D)
Innenstädte erhalten, nicht nur für Menschen mit Behin- seinsvorsorge für diese Koalition.
derung, sondern für eine Gesellschaft, in der ein großer
Das bedeutet aber nicht – und damit komme ich zum
Teil der Menschen zunehmend auf Barrierefreiheit ange-
vorliegenden Antrag –, dass die Wohnraumversorgung
wiesen sein wird.
am besten staatlicherseits organisiert wird. Denn Woh-
Sie schlagen vor, die Einzelprogramme der Städte- nen als Grundbedürfnis bedeutet stets mehr als nur die
bauförderung in einem Städtebauförderprogramm für Bereitstellung von Wohnraum. Wer die Bereitstellung
Kommunen zusammenzufassen. Ich befürchte, dass Sie von Wohnraum als einziges Kriterium sieht, sei an die
mit Ihrer Forderung den Kommunen einen Bärendienst Trabantenstädte in der DDR und anderen sozialistischen
erweisen; denn am Ende des Prozesses könnte noch Staaten erinnert, die das Wohnen aus meiner Sicht – das
mehr Geld fehlen. Auch die von Ihnen gewünschten Ab- sage ich auch als Architekt – nicht gerade lebenswert
stimmungsprozedere für Kriterien zwischen Bund, Land, machten.
Kommunen und Stadtumland erscheinen mir in der Pra-
xis relativ schwierig und eher eine Hürde zu sein. Was Die Linke tischt heute allerhand programmatischen
die Menschen in den Kommunen tatsächlich brauchen, Plattenbau auf. Bekanntlich gab es Art. 37 der DDR-Ver-
ist eine bedarfsgerechte Förderung, die beispielsweise fassung, der jedem DDR-Bürger das Recht auf Wohn-
barrierefreies Wohnen ermöglicht oder durch Denkmal- raum für sich und seine Familie – entsprechend den
schutzmaßnahmen die Lebensqualität in den Städten und volkswirtschaftlichen Möglichkeiten – zusprach. Wie
Gemeinden erhält und erhöht. Nur mit solchen konkre- das in der Realität ausgesehen hat, wissen wir alle. Viel-
ten Ansätzen, meine Damen und Herren von der Linken, leicht will die Linke dahin zurück; wir – und die Mehr-
erreicht man eine „menschenwürdige soziale und ökolo- heit der Menschen – wollen das sicher nicht.
gische Verfasstheit des Wohnens“, wie Sie es sich etwas
Unser Grundgesetz dagegen ist eine Verfassung der
verklausuliert in Ihrem Antrag wünschen.
Grundrechte, der Freiheitsrechte und keine Verfassung
Für uns Sozialdemokraten ist eine Abstimmung in den der detaillierten Einzelansprüche. Im Grundgesetz ist be-
Kommunen und mit den Menschen vor Ort Dreh- und reits festgelegt, dass Deutschland ein Sozialstaat ist –
Angelpunkt des Erfolges. Darüber hinaus haben die und dass Eigentum verpflichtet. Dank dieser beiden
Kommunen einen unschlagbaren Vorteil in puncto bür- Leitsätze ist bereits heute mit Verfassungsrang garan-
gerschaftliches Engagement und Ehrenamt, den der An- tiert, dass jeder Deutsche eine angemessene Wohnung
trag der Linken völlig ausspart. Eine kluge und sozial ge- bekommt. Unsere Sozialgesetzgebung bildet die Kon-
rechte Wohnungsbaupolitik fördert die Zusammenarbeit kretisierung dieser Grundsätze. Die FDP-Fraktion lehnt
7360 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) daher die Aufnahme des Rechts auf Wohnen in die Ver- Der Antrag der Linken wird den Herausforderungen (C)
fassung ab. aus ökologischen, demografischen, sozialen und städte-
baulichen Anforderungen nicht gerecht. Wir stehen als
Sie versteigen sich in Ihrem Antrag auf Seite 1 zu fol- Koalition für eine zukunftsfähige Wohnungspolitik jen-
gendem Satz: „Nirgendwo in der Bundesrepublik seits von Ideologie und Symbolpolitik und zum Wohle
Deutschland existiert ein bedarfsgerechtes Angebot an der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land.
Wohnraum.“ Anstelle des Linke-Parteichefs Klaus
Ernst, Ihrem „Experten“ für bedarfsgerechten Wohn-
raum, würde ich auch nicht mehr auf der feudalen Luxu- Heidrun Bluhm (DIE LINKE): Die Fraktion Die
salm wohnen wollen. „Auf der Alm da gibt’s kei’ Sünd“, Linke legt ihnen heute, ausgelöst durch die Bundestags-
sagt man bei uns. Kommen Sie mal wieder ins Tal mit drucksache 16/13325 – das ist die Unterrichtung des
Ihren Forderungen! Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Deutschen Bundestages durch die Bundesregierung über
die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutsch-
In der bayerischen Verfassung steht in Art. 106 der land vom 4. Juni 2009 –, ein völlig neues Konzept zur
Satz: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine Entwicklung des Wohnungsmarktes in Deutschland vor.
angemessene Wohnung.“ Dieser Satz findet sich dort seit
1946. Sowohl im Bericht der Bundesregierung als auch in
der dazu stattgefundenen Expertenanhörung wird der
Die heutige Wohnraumsituation kann nicht mit der di- Wohnungsmarkt in Deutschland im Durchschnitt als gut
rekten Nachkriegszeit, zu der Deutschland in Trümmern eingeschätzt. Aber es wird gleichwohl auf eine Reihe
lag, verglichen werden. Mittlerweile sind diese Zeiten drängender Probleme aufmerksam gemacht; denn trotz
der dramatischen Wohnungsnot vorbei. der guten Gesamteinschätzung existiert fast nirgendwo
ein bedarfsgerechtes Angebot an Wohnraum. Die Mehr-
Zur Erinnerung: Im Rahmen der Föderalismusreform zahl unserer Wohnungen entspricht in keiner Weise den
ist die Zuständigkeit für die soziale Wohnraumförderung klimatischen und energetischen Anforderungen, alters-
2006 vom Bund auf die Länder übergegangen. Alles, gerechten und barrierefreien Kriterien, also den ökologi-
was Sie in diesem Schaufensterantrag als „Wunschzet- schen und demografischen Erfordernissen, und ebenso
tel“ aufgeschrieben haben, hätten Sie also schon in den wenig den städtebaulichen Herausforderungen und not-
Ländern Berlin und Brandenburg, in denen Sie mitregie- wendigen Flächenverbrauchseinsparungen. Es ist also,
ren, in Angriff nehmen können. Das tun Sie aber nicht. sprichwörtlich ausgedrückt, wie mit der Kuh, die ertrun-
Unsere Wohnungsversorgung darf zu Recht als gut ken ist, obwohl der Graben im Durchschnitt nur 50 Zen-
bezeichnet werden. Im Unterschied zu anderen EU-Län- timeter tief war.
(B) dern ist der Wohnungsmarkt bei uns kleinteilig struktu- Wir sind der Auffassung, dass Wohnen als elementa- (D)
riert und durch einen hohen Anteil von Privateigentü- res, existenzielles Bedürfnis des Menschen zu den ge-
mern gekennzeichnet. Mietwohnungen sind in allen setzlich garantierten Grundrechten gehört, weil es für ein
Qualitäten vorhanden. Auch für einkommensschwächere menschenwürdiges Leben ebenso wichtig ist wie Essen,
Haushalte muss Wohnraum verfügbar und bezahlbar Kleidung, Bildung und Gesundheit. Diese Erfordernisse
bleiben. Den einkommensschwachen Haushalten wird und die gegenwärtige regierungsgesteuerte Geisterfahrt
bei den Wohnkosten geholfen. Das ist wichtig für die auf der Gegenspur von sozial gerechter Wohnungspolitik
Menschen, nicht Symbolpolitik à la Linke. und zukunftsfähigem Städtebau machen überdeutlich,
dass jetzt dringend gehandelt werden muss. Die Men-
Um die Kosten für Mieter langfristig auf einem Ni-
schen und die Branchen brauchen eine langfristige, be-
veau zu halten oder zu senken, sind vor allem energeti-
lastbare und unumkehrbare bundespolitische Orientie-
sche Umbaumaßnahmen erforderlich. Die gestrige An-
rung, wenn wir sie bei der Lösung der Probleme
hörung im Bauausschuss hat das unterstrichen. Die
einbeziehen wollen.
stillen Reserven im Gebäudebestand werden nur akti-
viert werden, wenn wir Anreize setzen, aber keine Wir wollen eine Wohnungs- und Städtebaupolitik, die
Zwangssanierungen anordnen. Wir wollen die Energie- die tiefgreifenden sozialen, demografischen, ökologi-
einsparpotenziale im Gebäudebestand mobilisieren und schen und wirtschaftlichen Veränderungen, vor denen
neue Gebäude mit möglichst geringem Energiebedarf er- unsere Gesellschaft als Ganzes steht, konzeptionell und
stellen. Dazu gehört die effektive Ausgestaltung des allumfassend betrachtet und auf die sich die Menschen
CO2-Gebäudesanierungsprogramms zur Steigerung der dieser und kommender Generationen, auf die sich die
Sanierungsquote. Hier werden im Rahmen des Energie- Länder und Kommunen, die Hauseigentümer und die
und Klimafonds 500 Millionen Euro Programmmittel Bauwirtschaft ebenso wie die Mieterinnen und Mieter
neu und damit insgesamt rund 1 Milliarde Euro 2011 zur verlassen können, weil sie eben nicht der jeweiligen
Verfügung gestellt. Das ist ein wichtiger Beitrag zu un- Kassenlage, nicht kurzfristigen Renditeerwartungen,
serer Modernisierungsoffensive für Gebäude. nicht irgendwelchen Klientelinteressen, sondern nur dem
Grundgesetz und damit allen Bürgerinnen und Bürgern
Um den Wohnungsbestand auf Dauer marktfähig zu verpflichtet ist.
halten, sind auch altersgerechte und zwar möglichst bar-
rierefreie Anpassungsmaßnahmen im Wohnungsbestand Heute beraten wir unseren Konzeptvorschlag in erster
und -umfeld unumgänglich. So können ältere und mobi- Lesung. Ich lade Sie ein, über eine neue Objektförderung
litätseingeschränkte Menschen so lange wie möglich in zu diskutieren, die die Lasten gerecht auf alle Schultern
ihrer vertrauten Umgebung wohnen. verteilt, die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Woh-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7361
(A) nungseigentümer nicht überfordert, langfristige Kon- und können falsche Hoffnungen wecken. Schließlich (C)
junkturanreize für die Bauwirtschaft gibt und Länder muss der garantierte Wohnraum auch zur Verfügung ste-
und Kommunen entsprechend ihrer regionalen Erforder- hen – und zwar dort, wo er gebraucht wird. Die bloße
nisse mitbestimmen lässt. Ich lade Sie ein, über eine Formulierung eines „Grundrechts auf Wohnen“ bleibt
neue Subjektförderung zu diskutieren, die allen Bürge- ohne konkrete Hinterlegung materiell wirksamer Maß-
rinnen und Bürgern ermöglicht, moderne, familien- und nahmen folgenlos und weicht einer Auseinandersetzung
altengerechte, aber auch barrierefreie Wohnungen zu be- um die zweifellos vorhandenen Interessenkonflikte aus.
zahlbaren Mieten zu finden oder mit unserer Hilfe selbst
zu finanzieren. Auch beim zweiten Spiegelstrich ist nicht eindeutig,
mit welchem Instrument Sie angemessene Mieten erzie-
Niemals werden wir die ehrgeizigen Ziele erreichen, len wollen und wie der von Ihnen geforderte einkom-
über die wir uns im Übrigen fraktionsübergreifend einig mensgerechte Ausgleich der Wohnkostenbelastungen
sind, wenn wir der jährlichen Kassenlage des Bundes- stattfinden soll.
haushaltes allein folgen und Fördermittel zusam-
menstreichen, bis sie passen, wenn wir Energieeinspar- Sie fordern außerdem, dass die Räumung von Wohn-
verordnungen erlassen oder Energiekonzepte raum unzulässig sei, wenn kein zumutbarer Ersatzwohn-
verabschieden, die allein die Vermieter verpflichten, de- raum zur Verfügung steht. Eine solche Regelung würde
nen dann nichts anderes übrig bleibt, als die Lasten an den Hauseigentümer in seinen Rechten zu stark ein-
die Mieter weiterzugeben und dann auf die Marktregu- schränken. Er muss sich von Mietparteien trennen kön-
lierung zu vertrauen, wenn die Bauwirtschaft sich stän- nen, die ihn wirtschaftlich schädigen. Sie wollen mit der
dig neu auf unberechenbare Marktbedingungen einstel- Forderung eigentlich Menschen vor Obdachlosigkeit be-
len muss und heute mit Konjunkturprogrammen rechnen wahren. Das ist ja auch durchaus eine richtige Zielset-
kann, um sich schon morgen mit der Kürzung der För- zung, doch gibt es bereits heute Instrumente für den ge-
dergelder auseinandersetzen zu müssen. wünschten Schutz. Mit dem Wiedereinweisungsrecht der
Kommunen können diese bei drohender Obdachlosigkeit
Wohnen ist Daseinsvorsorge und damit vorrangig den Räumungsschuldner wieder in die Wohnräume ein-
Aufgabe des Staates, der Länder und Kommunen. Also weisen. Darüber hinaus sollten in den Kommunen die
nehmen wir diese Aufgabe ernst, und folgen Sie meiner präventiven Instrumente wie zum Beispiel die Woh-
Einladung. Ich freue mich auf die Diskussion. nungssicherungsstellen ausgebaut werden.
Mit Ihren Forderungen für eine Neuausgestaltung des
Daniela Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wohngeldes subventionieren Sie indirekt die Vermieter.
Dem Antrag der Linken-Fraktion liegt eine grundsätz- Diese hätten keinerlei Veranlassung, bezahlbaren Wohn-
(B) lich richtige Analyse der aktuellen Situation des deut- raum zur Verfügung zu stellen, da ja alles vom Staat be- (D)
schen Wohnungsmarktes zugrunde. Die zwei zentralen zahlt wird. Die grüne Bundestagsfraktion hingegen will
Herausforderungen sind die energetische Gebäudesanie- einen dynamischen Anpassungsmechanismus einfüh-
rung und der altersgerechte Umbau; darin sind wir uns ren, der das Wohngeld in regelmäßigen Abständen über-
einig. Allein 40 Prozent der deutschlandweiten Endener- prüft und gegebenenfalls anpasst. Außerdem wollen wir
gie wird im Gebäudebereich verbraucht, und bis 2013 die Heizkostenkomponente perspektivisch so ausgestal-
brauchen wir nach Angaben der Kommission „Wohnen ten, dass der Anreiz erhöht wird, energetisch sanierten
im Alter“ 2,5 Millionen zusätzliche altersgerechte Woh- Wohnraum anzubieten und nachzufragen.
nungen.
Bei der Eigentümerstruktur möchte ich anmerken,
Diese Herausforderungen müssen so gemeistert wer- dass die Veräußerung von städtischem Wohnungsbe-
den, dass sie für die Mieterinnen und Mieter sozialver- stand durchaus vernünftig sein kann, sofern es sich um
träglich, aber auch für die Eigentümerinnen und Eigen- den Verkauf an kommunale Wohnungsunternehmen, in
tümer wirtschaftlich tragbar sind. Deswegen brauchen jedem Fall an Bestandshalter handelt.
wir neben dem ordnungs- und mietrechtlichen Rahmen
auch entsprechende Anreize für die kleinen Eigentümer Sie sehen, wir stehen vor großen Herausforderungen,
und die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. und wir werden unseren Beitrag leisten, um diesen zu
begegnen.
Ich möchte mich nun den einzelnen Forderungspunk-
ten des Antrages widmen. Ihre Ansätze zur Objektförde-
rung sind durchaus interessant und werden von uns im Anlage 11
weiteren Beratungsverfahren noch eingehender geprüft
und diskutiert. Zu Protokoll gegebene Reden
Bei der Subjektförderung schlagen Sie im ersten zur Beratung des Antrags: Maklerkosten ge-
Spiegelstrich vor, das „Recht auf eine menschenwürdige recht verteilen (Tagesordnungspunkt 14)
Wohnung und auf die Versorgung mit Wasser und Ener-
gie … gesetzlich zu garantieren“. Wenn Sie das ins Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU): Wir diskutie-
Grundgesetz aufnehmen möchten, dann müssen Sie das ren hier und heute über einen Antrag der SPD, der das
auch so deutlich schreiben. Hier würde ich mir mehr Ziel verfolgt, gesetzlich vorzuschreiben, dass Makler-
Klarheit wünschen. Ein Hinweis sei erlaubt: Solche for- provisionen für die Vermittlung von Miet- und Eigen-
mulierten Grundrechte erzeugen auch viele Illusionen tumswohnungen zu gleichen Teilen auf die Vertragspar-
7362 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) teien verteilt werden sollen. Sie beklagen, dass Makler ben? Oder ist es nicht vielleicht klug, sich zu überlegen, (C)
bei der Vermittlung von Mietwohnungen zwar regelmä- woher diese Unterschiede kommen? Davon findet sich
ßig vom Vermieter beauftragt werden, die zu zahlende in Ihrem Antrag kein Wort.
Provision aber „fast ausnahmslos“ vom Mieter zu tragen
sei. Mietinteressenten hätten daher häufig Probleme, die Ich sage: Eine bundesweit einheitliche, durch staatli-
mit der Wohnungsvermittlung verbundenen Kosten auf- che Regulierung festgelegte Regelung wird den unter-
zubringen. schiedlichen Interessenlagen und bestehenden regiona-
len Unterschieden in keiner Weise gerecht.
Ich stehe jetzt vor dem Problem, dass ich zu diesem
Antrag ganze zwölf Minuten reden soll. Ich sage Ihnen Man muss sich auch verdeutlichen, dass eine solche
ganz ehrlich, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Regelung einen ganz erheblichen Eingriff in die privat-
SPD: Das gibt Ihr Antrag nicht her! autonome Gestaltungsfreiheit der Parteien bedeuten
würde. Dafür müsste es schon wirklich bedeutende
Ich will Ihnen auch gerne sagen, warum: Ihr Antrag Gründe geben, um einen solchen Eingriff zu rechtferti-
geht erstens von falschen Annahmen aus. Zweitens ist er gen. Solche Gründe kann ich aber nicht erkennen.
vom ganzen Ansatz her auf staatliche Reglementierung
ausgelegt und damit ordnungspolitisch verfehlt. Im Gegenteil: Ihr Antrag blendet völlig die Entwick-
lungen und Veränderungen auf dem Immobilienmarkt
Zu den falschen Annahmen: Ich bin vor kurzem sel- aus, die sich zum Beispiel durch die technischen Mög-
ber umgezogen, hier in Berlin. Ich habe durchaus lange lichkeiten des Internets ergeben. Es gibt heutzutage di-
nach einer Wohnung gesucht, mir viele angeschaut und verse Plattformen im Internet, die eine Abwicklung ohne
mich deshalb intensiv mit dem Immobilienmarkt ausei- Makler ohne Weiteres möglich machen. Die Internetseite
nandergesetzt. Ich kann Ihnen also aus persönlicher Er- [Link] stellt zum Beispiel über 1,2 Millio-
fahrung berichten. Meiner Erfahrung nach haben Sie zu- nen Immobilienangebote pro Monat zur Verfügung; das
mindest in Berlin keinerlei Probleme, eine Wohnung umfasst ebenso Miet- wie Kaufimmobilien. Diese Inter-
gänzlich ohne Provision zu mieten. Sogar die weit über- netportale ermöglichen es dem Miet- oder Kaufinteres-
wiegende Mehrheit von Wohnungen wurde ohne Mak- senten, sich schnell – und ganz ohne Makler – einen
lercourtage zur Miete angeboten. Sehr wahrscheinlich Überblick über das Angebot zu verschaffen und eine ge-
hat auch der eine oder andere von den hier Anwesenden eignete Immobilie auszusuchen. Dabei können auch ge-
die gleiche Erfahrung gemacht. Der Bundestag hat sich zielt solche Angebote ausgesondert werden, die provi-
vor etwas mehr als einem Jahr zu seiner 17. Legislatur- sionspflichtig sind. Aber vor allem kann auch der
periode neu zusammengesetzt. Ich gehe davon aus, dass Vermieter oder Verkäufer mit nur wenigen Klicks seine
auch einige der Kollegen aus der SPD-Fraktion sich eine Immobilie im Internet anbieten. Einen Makler braucht er
(B) neue Wohnung in Berlin gesucht haben dürften – auch hierfür nicht. (D)
wenn es natürlich so war, dass wegen des Wahlergebnis-
ses mehr von Ihnen aus Berlin weg- denn zugezogen Allein aufgrund dieser in den letzten Jahren stark zu-
sind. nehmenden Anbahnung und Abwicklung von Vertrags-
verhältnissen über das Internet besteht immer weniger
Jedenfalls dürften Sie bei Ihrer Suche aber keine an- die Notwendigkeit, überhaupt einen Makler zu beauftra-
deren Erfahrungen gemacht haben als ich. Entweder ha- gen. Es fallen also auch immer weniger Provisionen an.
ben Sie ein extremes Kurzzeitgedächtnis, oder Sie blen-
den Ihre Erinnerungen aus, weil Sie daraus politisches Auch schreiben Sie an anderer Stelle selbst, dass „die
Kapital zu schlagen versuchen. Anbahnung des Vertrags … häufiger direkt über den
Vermieter oder den Verwalter“ erfolgt. Das ist richtig.
Nun mag die Situation am Wohnungsmarkt in ande- Sie nehmen das aber nicht zum Anlass, Ihren Antrag zu
ren Regionen als Berlin anders sein. In den neuen Bun- überprüfen, sondern ignorieren diese Tatsache einfach.
desländern ist es in der Tat zum Beispiel eher üblich,
dass eine Provision verlangt wird; und es ist auch eher Das vermeintliche Problem, das Sie mit Ihrem Antrag
üblich, dass der Mieter diese Provision alleine zahlen aufgreifen, ist also – wenn es überhaupt je eines war – in
muss. Gänzlich anders ist es hingegen zum Beispiel in den letzen Jahren deutlich kleiner geworden und wird
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Dort ist zukünftig noch kleiner werden. Damit schwindet zu-
es – soweit überhaupt eine Provision verlangt wird – gleich die Rechtfertigung für einen solch gravierenden
vollkommen üblich, die Maklercourtage auf Mieter und staatlichen Eingriff, wie Sie ihn hier vorschlagen.
Vermieter gleichmäßig aufzuteilen. Dort ist die Situation
Ich bin wirklich niemand, der immer und alles dem
also genau so, wie Sie es durch Ihren Antrag erreichen
Markt zur Regelung überlassen will. Aber an dieser
wollen. Einer gesetzlichen Regelung und eines staatli-
Stelle funktioniert der Marktmechanismus von Angebot
chen Eingriffes hat es hierzu nicht bedurft.
und Nachfrage. Deswegen ist es ordnungspolitisch völ-
Fest steht also: Die Situation bei Maklerprovisionen lig verfehlt, hier staatlich intervenieren zu wollen.
für Mietwohnungen hat sich in Deutschland regional
Meine Damen und Herren von der SPD, es kommt
vollkommen unterschiedlich entwickelt und unterliegt
noch eines hinzu: Ihr Antrag ist – selbst wenn man sein
Veränderungen. Das schreiben Sie selbst in Ihrem An-
ordnungspolitisch fragwürdiges Anliegen teilen würde –
trag.
kontraproduktiv. Denn er lässt völlig außer Acht, dass es
Ist das aber nun ein Grund, diese Unterschiede durch nicht nur Außen-, sondern auch Innenprovisionen gibt.
ein Gesetz und damit durch staatlichen Zwang aufzuhe- Von einer Innenprovision spricht man, wenn der Vermie-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7363
(A) ter zwar einen Makler beauftragt, die Provision aber nur der hereinzuholen. Das belastet aber – und diesmal dau- (C)
im Innenverhältnis, nämlich zwischen Vermieter und erhaft – den Mieter.
Makler, anfällt. Ein Mieter mag insofern tatsächlich mit
einem Makler verhandeln, wird davon aber finanziell gar Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen von
nicht belastet, weil der Vermieter die Provision zahlen der SPD, ich erwarte normalerweise eigentlich kein Ver-
muss. Das kommt auch gar nicht so selten vor. Denn ge- ständnis von Ihnen; aber angesichts dieses Antrags, der
rade in Wohnungsmärkten, die durch ein großes Angebot inhaltlich inkonsistent ist, der nicht zu Ende gedacht ist
gekennzeichnet sind, ist es für den Vermieter ein klarer und der ordnungspolitisch völlig verfehlt ist, muss ich
Wettbewerbsvorteil, keine Provision zu nehmen, wenn Sie dann doch um Verständnis bitten, dass die Union die-
er seine Wohnung schnell wieder belegt haben möchte. sem Antrag beim besten Willen nicht folgen kann.
Tatsächlich überlegen es sich viele Vermieter daher sehr
genau, ob sie überhaupt einen Makler einschalten und, Christine Lambrecht (SPD): Ich bin im Vorfeld der
wenn ja, ob sie nicht lieber selber die Courtage entrich- ersten Lesung unseres Antrags zur gerechten Verteilung
ten.
der Maklerkosten mehrfach darauf angesprochen wor-
Wenn Sie also davon sprechen, dass es für den Ver- den, warum wir diesen Antrag gerade jetzt stellen. Ich
mieter „keine Hemmschwelle“ gebe, einen Makler zu könnte hämisch antworten, dass wir die derzeit von der
beauftragen, weil die Kosten dafür ja ohnehin der Mieter Bundesregierung mit Blick auf die Mieter geplanten Be-
zu tragen habe, geht das nicht nur an den Realitäten vor- lastungen im Rahmen der Modernisierungskosten mit
bei, sondern beweist auch – zurückhaltend formuliert – dieser Initiative abfedern wollen. Der Deutsche Mieter-
nicht gerade ökonomischen Sachverstand. Denn was bund mutmaßte schon, das aktuelle Motto der Bundesre-
würden Sie mit Ihrem Antrag erreichen, die Kosten für gierung in der Mietpolitik laute „Streichen und Ver-
Provisionen verbindlich auf Mieter und Vermieter aufzu- schlechtern“. Doch dazu zu einem anderen Zeitpunkt
teilen? Sie erreichen, dass auch diese Innenprovisionen mehr. Unser heutiger Antrag ist die Reaktion auf eine
zukünftig geteilt werden müssen oder dass nur noch Au- bedenkliche Entwicklung des Mietwohnungsmarktes in
ßenprovisionen abgeschlossen werden, damit wenigs- großen Städten und Universitätsstädten.
tens die Hälfte der Mieter zahlt. Im Ergebnis würden Sie
den Mieter also sogar schlechterstellen. Das zeigt nur Nach Auskunft des Deutschen Mieterbundes ist in
allzu deutlich, dass Sie Ihren Entwurf ganz offensicht- den genannten Bereichen ein steigendes Defizit an Miet-
lich nicht bis zum Ende gedacht haben. wohnungen zu verzeichnen, und dies bei ansteigender
Nachfrage. Man muss keine Statistik bemühen, um zu
Bislang haben wir überwiegend von Mietern und Ver- wissen, dass, je ungünstiger das Verhältnis von Angebot
mietern gesprochen. Aber ihr Entwurf will ja auch das und Nachfrage bei Mietwohnungen ist, desto eher ein (D)
(B)
Verhältnis von Käufern und Verkäufern von Wohnimmo- Makler in die Vermittlung der Mietwohnung eingebun-
bilien reglementieren. Hier wird es nun ganz absurd. Je- den wird. Das ist ein einfaches Marktprinzip, das keiner
der Verkäufer will einen bestimmten Preis für sein Ver-
Erläuterung bedarf. Ich bin sicher, jeder hier im Haus hat
kaufsobjekt erzielen. Jeder Käufer ist bereit, einen
diese Erfahrung bereits einmal gemacht, spätestens bei
bestimmten Betrag auszugeben. Wenn Sie nun den Ver-
der Suche einer Wohnung in Berlin. Weshalb sollten
käufer gesetzlich zwingen, die Hälfte der Provision zu
Vermieter bzw. Wohnungsverwaltungen auch auf die
zahlen, kann man sich doch an drei Fingern abzählen,
Dienste des Maklers verzichten? Schließlich bedeutet
was als Nächstes passiert. Selbstverständlich wird die
die Einschaltung des Maklers aus ihrer Sicht in der Re-
vom Verkäufer zu tragende Provision schlicht auf den
Kaufpreis umgelegt. Zumindest würde jeder wirtschaft- gel doch lediglich eine Arbeitserleichterung. Sie müssen
lich denkende Mensch so handeln. Eine wirkliche Ent- sich weder mit der Inserierung der Wohnung in Zeitung
lastung ist das für den Käufer also keineswegs. Im Ge- oder Internet befassen, noch die Wohnungsbesichtigung
genteil, im Ergebnis hätte das für alle Beteiligten eine mit Mietinteressenten durchführen, noch sich anschlie-
Kostenerhöhung zur Folge. ßend mit Gehaltsnachweisen, Mietschuldenfreiheitsbe-
stätigungen und Schufa-Auskünften befassen.
Der Einzige, der sich darüber freuen dürfte, ist der
Makler, weil er bei einem höheren Kaufpreis dann eine Um Ihnen das Ausmaß der Inanspruchnahme zu ver-
höhere Provision verdient. Ihr Antrag wird aber sicher- deutlichen, möchte ich ein paar Zahlen nennen. Derzeit
lich auch bei den Notaren auf Zustimmung stoßen. Denn haben wir in Deutschland circa 22 bis 23 Millionen Miet-
diese profitieren wegen der dann höheren Gebühren verhältnisse bei einer Umzugsquote von 11 Prozent. An-
ebenfalls von einem höheren Kaufpreis. gesichts steigender Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt
in puncto Flexibilität wird sich diese Quote tendenziell
Aber mal ehrlich: Wollen Sie tatsächlich den Maklern eher erhöhen als sinken. Das heißt, wir verzeichnen pro
und Notaren zu einer Einnahmeverbesserung auf Kosten Jahr circa 2,3 bis 2,5 Millionen Neuvermietungen. Nach
der Käufer verhelfen? Da ich mir das nicht wirklich vor- sehr vorsichtigen Schätzungen wird bei der Vermietung
stellen kann, scheint sich auch hier wieder zu bestätigen,
jeder zweiten Wohnung mittlerweile ein Makler einge-
dass Sie nicht bis zum Ende gedacht haben.
schaltet. Dies bedeutet, dass über 1 Million Mietverträge
Bei der Miete verhält es sich im Übrigen im Kern über Makler vermittelt werden. Die 50-prozentige Quote
auch nicht viel anders. Auch hier wird es bei marktratio- bildet natürlich nur den Bundesdurchschnitt ab. Wie be-
nalem Verhalten zu einer Erhöhung der verlangten Miete reits dargestellt, ist die Quote in großen Städten und Uni-
kommen, um die Hälfte der Provision über die Zeit wie- versitätsstädten wesentlich höher.
7364 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Und wer trägt die Kosten? Derjenige, der auf die im Internet schalten, ohne überhaupt mit dem Eigentü- (C)
Dienstleistung des Maklers sicher gerne verzichtet hätte, mer Kontakt aufzunehmen. Solche Verstöße stehen
nämlich der Mieter. selbstverständlich unter Bußgeldsanktion und lösen kei-
nen Provisionsanspruch aus.
Diese Kostentragungspflicht des Mieters, die ange-
sichts der Beauftragung durch den Vermieter als unge- Die Forderung der SPD-Fraktion lässt aber insgesamt
recht empfunden wird, ist wie folgt begründet. § 652 des den falschen Eindruck entstehen, dass Mieter bzw. Käu-
Bürgerlichen Gesetzbuchs regelt zwar die Voraussetzun- fer stets rechtelos und dem vermeintlich bösen Makler
gen, unter denen ein Makler die sogenannte Maklercour- ausgeliefert seien.
tage verlangen kann. Das Zustandekommen des Makler-
vertrags mit dem Mieter wird von der Rechtsprechung Dabei gibt es Sonderbestimmungen nach dem Gesetz
jedoch regelmäßig dann angenommen, wenn der Interes- zur Regelung der Wohnungsvermittlung, die zahlreiche
sent einen vom Makler vermittelten Besichtigungstermin Abweichungen vom BGB-Maklerrecht durch zwingende
in Kenntnis des Provisionsverlangens wahrnimmt. Für Rechtsnormen zugunsten des Maklerkunden beinhalten.
den Käufer von Wohneigentum gilt übrigens Entspre- Das Gesetz bezweckt allgemein, die Wohnungsuchenden
chendes. vor ungerechtfertigten wirtschaftlichen Belastungen zu
schützen, die sich häufig aus missbräuchlichen Vertrags-
Die dadurch nebenher für den Mieter entstehenden gestaltungen oder unlauteren Geschäftsmethoden für sie
Kosten sind enorm, darf der Makler doch bei erfolgrei- ergeben. Ein angemessener Ausgleich besteht beispiels-
cher Vermittlung einer Mietwohnung gemäß § 3 Wohn- weise darin, dass der Immobilienmakler keinen Provisi-
raumvermittlungsgesetz zwei Nettomieten zuzüglich onsanspruch hat, wenn ein Mietvertrag über dieselben
Umsatzsteuer verlangen. Für eine durchschnittlich Wohnräume lediglich verlängert, fortgesetzt oder erneu-
große, sagen wir vierköpfige, Familie mit einer Woh- ert oder wenn eine Option ausgeübt wird. Auch steht
nungsgröße von 120 Quadratmetern in Berlin-Mitte be- dem Makler ein Anspruch nicht zu, wenn er Eigentümer,
deutet dies Maklerkosten in Höhe von etwa 3 000 Euro, Verwalter, Mieter oder Vermieter ist und gleichzeitig als
die neben den Kosten für Doppeltmieten, Umzugsunter- Wohnungsvermittler auftritt. Gleiches gilt, wenn der
nehmen und den bei jedem Einzug erforderlichen Neu- Wohnungsvermittler mit dem Eigentümer, Verwalter
anschaffungen anfallen. Das ist für die meisten kein Pap- oder Vermieter in irgendeiner Form rechtlich oder wirt-
penstiel. Im Gegenteil, viele Mietwohnungsuchende schaftlich verbunden ist.
haben größte Probleme damit, diese Kosten aufzubrin-
Um den Besonderheiten bei der Anbahnung des Mak-
gen.
lervertrags angemessen Rechnung zu tragen, hat auch
Da der Makler mehrheitlich vom Vermieter beauftragt die höchstrichterliche Rechtsprechung die allgemeinen
(B) wird und seine Dienstleistung dem Vermieter zumindest Vertragsregeln um einen maklerspezifischen Rechtssatz (D)
auch zugutekommt, ist es mehr als angebracht, Mieter ergänzt. Danach ist es Sache des Maklers, etwaige Un-
und Vermieter gesetzlich zu gleichen Teilen an den da- klarheiten aufseiten des Interessenten aus dem Wege zu
mit verbundenen Kosten zu beteiligen – eine Forderung, schaffen, was in der Regel nur durch ein ausdrückliches
die vom Deutschen Mieterbund ausdrücklich begrüßt Provisionsverlangen hinreichend verlässlich geschehen
wird. kann.
Das reine Gefallenlassen oder die Entgegennahme
Christian Ahrendt (FDP): Der Antrag der SPD- von wesentlichen Maklerdienstleistungen rechtfertigt
Fraktion, einen Regelungsvorschlag dahin gehend zu nach diesen Rechtsgrundsätzen nicht in jedem Fall und
formulieren, dass Vermieter und Mieter von Mietwoh- nicht ohne Weiteres die Annahme eines Vertragsab-
nungen sowie Verkäufer und Käufer von Wohneigentum schlusses. Wer sich also an einen Makler wendet, der mit
die Kosten des Maklers zu gleichen Teilen tragen müs- „Angeboten“ werbend im geschäftlichen Verkehr auf-
sen, lehnt die FDP entschieden ab. Im Folgenden möchte tritt, erklärt damit noch nicht schlüssig seine Bereitschaft
ich die Gründe erläutern, aber zunächst etwas Grund- zur Zahlung einer Maklerprovision für den Fall, dass ein
sätzliches: Hauptvertrag über das angebotene Objekt zustande
kommt.
Der Immobilienmakler darf für die Wohnungsvermitt-
lung vom Wohnungssuchenden eine Courtage fordern, Nach der Rechtsprechung des BGH darf der Interes-
die maximal zwei Monatsmieten zuzüglich der gesetzli- sent nämlich, soweit ihm Gegenteiliges nicht bekannt ist,
chen Umsatzsteuer beträgt. Die Höhe der Provision bei davon ausgehen, dass der Makler das Objekt von dem
Kaufimmobilien ist hingegen gesetzlich nicht geregelt. Verkäufer an die Hand bekommen hat und deshalb mit
In beiden Fällen ist demjenigen, der die Kosten am Ende der angetragenen Weitergabe von Informationen eine
des Tages trägt, nicht genommen, nach besten Künsten Leistung für den Verkäufer erbringen will. Trifft das zu,
die Höhe der Maklerprovision zu verhandeln. muss der Interessent die auf ihn abgewälzten Maklerkos-
ten nicht tragen.
In Deutschland gibt es etwa 15 000 Immobilienmak-
ler, die nach Abschluss des Mietvertrages zu Recht ihre Doch wie ist überhaupt die tatsächliche Situation? Es
Leistung vergütet bekommen wollen. Wie in vielen ist richtig, dass in einigen Bundesländern die Provision
Dienstleistungsbranchen befinden sich leider auch unter hauptsächlich vom Mieter bzw. Käufer getragen wird. In
den Immobilienmaklern schwarze Schafe, die die loka- Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen,
len Zeitungsannoncen lesen und dann eigene Annoncen Rheinland-Pfalz und Saarland wird hingegen meistens
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7365
(A) geteilt. In manchen Gebieten, wie in den neuen Bundes- um ein im Bürgerlichen Gesetzbuch übliches Privat- (C)
ländern oder ländlichen Regionen, warten Vermieter rechtsverhältnis auf Augenhöhe.
Monate, bis sie einen Besichtigungstermin vereinbaren
können. Die Nachfrage ist dort so gering, dass die Mak- Um zu verhindern, dass die überlegene Position aus-
lerleistung unentbehrlich ist und daher fast immer vom genutzt wird, fordern wir eine gesetzliche Regelung.
Vermieter bezahlt wird. An dieser Situation kann man Dazu müsste das Gesetz zur Regelung der Wohnungs-
sehr gut sehen, dass die Forderung der SPD-Fraktion vermittlung dahin gehend geändert werden, dass eine
nicht zu Ende gedacht und unsinnig ist. In einigen Fällen Abwälzung von Maklerkosten auf den Vertragspartner,
kann sie sogar dazu führen, dass der Mieter deutlich be- der gar keinen Makler bestellt hat, ausgeschlossen ist.
nachteiligt wird. Hier würde die gesetzliche Regelung Denkbar wäre eine Regelung ähnlich des § 555 BGB,
im Sinne der SPD bedeuten, dass eine Provisionspflicht der die Vereinbarung einer Vertragsstrafe des Mieters im
Mietvertrag ausschließt. Damit könnte der sozialen
für den Mieter festgeschrieben würde, obwohl der Ver-
Schieflage entgegengewirkt werden, ohne die Staats-
mieter gerade dazu bereit ist, die Maklerkosten zu tra-
kasse um auch nur einen Cent zu belasten.
gen. Bei zu geringer Nachfrage wird er nämlich nur so
sein Objekt los. Der vorliegende Vorschlag der SPD lautet aber, dass
Mieter bzw. Käufer und Vermieter bzw. Verkäufer die
Was schließlich eine gesetzliche Verteilung der Mak- Kosten des Maklers zu gleichen Teilen tragen sollen.
lerkosten verbietet, ist der Grundsatz der Vertragsfrei- Aber wozu? Weshalb wollen Sie die Mieter und Käufer
heit. Dieses Prinzip erlaubt es nämlich, die Maklerkosten nicht ganz von dieser Last befreien? Warum, liebe Mit-
auf den Mieter bzw. Käufer zu übertragen. Es ist jedem glieder der SPD-Fraktion, wollen Sie diese soziale
freigestellt, ob und mit wem und zu welchen Bedingun- Schieflage abgemildert aufrechterhalten?
gen er einen Vertrag eingehen will. Das gilt nur dann
nicht, wenn ein gesetzliches Verbot besteht. Aus diesem Heißt es nicht in einem alten Sprichwort: „Wer die
Prinzip wird die Privatautonomie hergeleitet, die für die Musik bestellt, bezahlt sie auch“? Meines Erachtens
rechtliche Ausgestaltung der vertraglichen Schuldver- sollte man hier einmal genau hinsehen. Die Vorteile der
hältnisse offensichtlich ist und verfassungsrechtlich un- Maklerbeauftragung genießt größtenteils der Vermieter
ter dem Schutz der allgemeinen Handlungsfreiheit steht. oder Verkäufer, dem dadurch viel Arbeit wie die Schal-
Das vertragliche Schuldrecht des BGB basiert in diesem tung von Anzeigen, Kontakt mit Interessenten, Besichti-
Sinne auf der Idee, dass Vertragspartner ihren Leistungs- gungen oder Terminkoordination abgenommen wird.
austausch selbst organisieren. Zusammenfassend kann
die Vertragsfreiheit damit als das eigentlich leitende Aber welche Vorteile genießt der zukünftige Mieter
oder Käufer? Er muss sich selbst im Internet oder in Zei-
(B) Prinzip des vertraglichen Schuldrechts bezeichnet wer- tungen einen Überblick über die Inserate verschaffen, (D)
den und darf auf keinen Fall durch eine vermeintlich gut
gemeinte Mieter- bzw. Käuferschutzregel ausgehöhlt den Makler kontaktieren usw. Zu guter Letzt zahlt er für
die Musik des Vermieters oder Verkäufers bei Abschluss
werden.
eines Miet- oder Kaufvertrages.
Es gibt also sehr viele Gründe, weshalb der Antrag
Auf der anderen Seite hat der Bundesgerichtshof in
der SPD-Fraktion nicht zustimmungsfähig ist. seinem Urteil vom 16. Januar 2008 Mieter in ihre
Schranken verwiesen, die eigenmächtig und ohne Rück-
Jens Petermann (DIE LINKE): Der Antrag der SPD sprache mit dem Vermieter Reparaturen beauftragten.
„Maklerkosten gerecht verteilen“ ist sicher ein Schritt in Übersetzt heißt das, wenn zum Beispiel ein Mieter die
die richtige Richtung; aber weshalb sollen Mieter von Fliesen im Bad durch einen Fliesenleger erneuern lässt,
Mietwohnungen oder Käufer von Wohnungseigentum ohne vorher seinen Vermieter oder die Hausverwaltung
überhaupt irgendeinen Anteil an den Maklerkosten über- zu fragen, so hat er auch die Rechnung für seine „Mu-
nehmen? Im Moment ist es so, dass der Vermieter oder sik“ selbst zu zahlen.
Verkäufer einen Makler bestellt, der für sein Objekt ei-
Deshalb sagt die Linke: Es darf nicht mit zweierlei
nen Mieter oder Käufer finden soll. Zahlen muss das der
Maß gemessen werden. Beauftragt ein Vermieter oder
Mieter allein und im Falle eines Kaufs der Käufer antei-
Verkäufer einen Makler, so soll er die Maklerprovision
lig. Es ist nicht einzusehen, warum jemand für etwas be-
zahlen. Sollte ein Miet- oder Kaufinteressent einen Mak-
zahlt, was er nicht bestellt hat und was ihm nicht einmal ler beauftragen, für ihn eine Immobilie zu suchen, ist es
einen Nutzen einbringt. nur gerecht, wenn er auch die Maklerprovision dafür
Gerade in Großstädten wird die Situation der Woh- zahlt.
nungsuchenden ausgenutzt, die oft gar keine Wahl haben
und sich teilweise auf deutlich höhere Maklerprovisio- Daniela Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): In
nen einlassen müssen, um überhaupt eine Wohnung zu den meisten regionalen Mietwohnungsmärkten in
bekommen. Der Wohnungsuchende ist hier eindeutig in Deutschland ist die Vermittlung von Mietwohnungen per
der schwächeren Position, sodass er eines besonderen Wohnungsmakler üblich. Die direkte Vermittlung über
Schutzes bedarf. Die Verhandlungsmacht liegt bei knap- die Hausverwaltung oder Eigentümer findet in vielen re-
pem Wohnraum eindeutig beim Vermieter, sodass man gionalen Mietwohnungsmärkten kaum noch statt. Die
hier zwangsläufig von einem Über-/Unterordnungsver- Wohnungsinteressenten und potenziellen Mieter selbst
hältnis sprechen muss. Es handelt sich also nicht mehr beauftragen eher selten einen Makler. Das Gros der Auf-
7366 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) träge für die Wohnungsmakler wird von den Eigentü- hende Regelung oft eine wirtschaftlich durchaus spür- (C)
mern oder Hausverwaltungen bestellt. bare Hürde und eine extreme Belastung dar, und das gilt
nicht nur für Leistungsträger unserer Gesellschaft. Das
Besonders bei professionellen Hausverwaltungen ist
ist falsch – auch vor dem Hintergrund, dass den Men-
eine Vermietung der Wohnung auf dem Wohnungsmarkt
schen heute ein hohes Maß an Mobilität und Umzugsbe-
über Makler eigentlich nicht zwingend notwendig. In an-
reitschaft abverlangt wird.
gespannten Wohnungsmärkten führen geringer Leer-
stand, minimale Neubautätigkeit im Mietwohnungssek- Es wäre daher sinnvoll, zu prüfen, ob die Einführung
tor und hohe Nachfrage nach Mietwohnungen zu hohen des Bestellerprinzips in das Gesetz über die Vermittlung
Mietpreisen, wie beispielsweise in einigen Städten und von Wohnraum eine Möglichkeit darstellen könnte, die
Gemeinden des Rhein-Main-Gebiets oder im Großraum Mieter zu entlasten.
München. Die Maklercourtage kommt dann noch als
weiterer Preissteigerungsfaktor hinzu. Angesichts flexi-
bilisierter Arbeitsverhältnisse und verkürzter Mietver-
Anlage 12
hältnisse bedeutet eine hohe Maklercourtage faktisch
eine zusätzliche Mieterhöhung durch die Hintertür. Zu Protokoll gegebene Reden
Hinzu kommt, dass die Maklerprovision nicht an den
zur Beratung des Antrags: Freie Wahlen in
Leistungsaufwand des Maklers, sondern an den Wert der
Birma fordern, die Menschenrechtslage verbes-
Miete für die betreffende Wohnung gebunden ist. In Zu-
sern und einen nationalen Dialog unterstützen
sammenhang mit der freien Mietpreisfindung bei Wie-
(Tagesordnungspunkt 21)
dervermietung oder Anstieg der ortsüblichen Vergleichs-
miete führt dies automatisch zu einem Anstieg der
Maklerprovisionen – ohne irgendeine verbesserte Leis- Jürgen Klimke (CDU/CSU): Erstmals seit 20 Jahren
tung vonseiten des Maklers. wird in Myanmar am 7. November 2010 in landesweiten
Als einzige Vertragsparteien im Gesetz über die Woh- Wahlen ein Parlament gewählt. Alles deutet darauf hin,
nungsvermittlung sind die Wohnungsvermittler und der dass die Wahlen weder frei noch fair sein werden. Der
Wohnungsuchende genannt. Die dritte unabdingbare bisherige Verlauf des Wahlprozesses entspricht in keiner
Vertragspartei, der Besitzer der Mietwohnung, fehlt im Weise den demokratischen Standards, wie wir sie erwar-
Gesetz zur Regelung der Wohnungsvermittlung völlig. ten und kennen.
Dieser hat aber den Hauptnutzen an den Tätigkeiten ei- Die Wahlen finden in einem Land statt – das möchte
nes Maklers – Inserat, Besichtigung, Bonitätsprüfung ich gleich zum Anfang meiner Rede unumwunden klar-
(B) und Vertragsabschluss – und einer schnellen Wiederver- stellen –, in dem die humanitären, menschenrechtlichen (D)
mietung. und demokratischen Grundlagen von einer fremden-
Der Beruf des Immobilienmaklers ist weder ein ge- feindlichen Militärregierung seit Jahrzehnten mit Füßen
schützter Begriff noch ein Ausbildungsberuf. Konkret getreten werden. Die Situation in Myanmar charakteri-
bedeutet dies, dass alle dem Beruf des Immobilienmak- siert eine Militärdiktatur, die die grundlegenden Men-
lers nachgehen können, die nach § 34 c der Gewerbeord- schenrechte vollständig missachtet, keinerlei Presse- und
nung (GewO) eine Erlaubnis zur Ausübung dieses Beru- Meinungsfreiheit zulässt, Religionsfreiheit verhindert,
fes bekommen. Drogenanbau ermöglicht und hohe HIV-Infektionsraten
duldet. Das Regime hat seinen Kredit seit Jahrzehnten,
Die Kosten für Maklerprovisionen bei der Vermitt- spätestens nach der Niederschlagung der versuchten
lung von Mietwohnungen belaufen sich laut § 3 Abs. 2 friedlichen Revolution im September 2007, verspielt. Es
Satz 1 des Gesetzes zur Regelung der Wohnungsvermitt- hat das ehedem reichste Land Südostasiens wirtschaft-
lung auf zwei Monatsnettomieten plus Umsatzsteuer. lich ruiniert. Es hat die Universitäten geschlossen, Par-
Angesichts formal fehlender und kaum vorher feststell- teien und Gewerkschaften zerschlagen. Aus Angst vor
barer Qualifikation der Mietwohnungsmakler muss die dem eigenen Volk hat es sich aus der ehemaligen Haupt-
Frage erlaubt sein, ob diese zwei Monatsmieten wirklich stadt Rangun in das Landesinnere zurückgezogen, die
eine berufsangemessene Vergütung darstellen. Die Mak- Armee bis an die Zähne bewaffnet, Tausende von Men-
lerprovision bezahlt in der Regel nicht der Besteller, also schen in Gefängnisse geworfen und zur Zwangsarbeit in
die Vermieter und Hausverwaltungen, sondern der Mie- Straßenbau und Steinbrüchen verurteilt.
ter selbst.
Auf dieser Grundlage, vor dem Hintergrund der kom-
Da die Kostentragungspflicht beim Mieter liegt, be-
menden Wahlen und der dramatischen Bilanz der Mili-
steht für den Vermieter überhaupt keine Veranlassung,
tärregierung, diskutieren wir einen SPD-Antrag, dessen
auf einen Makler zu verzichten und die Wohnung selbst-
Beschreibung zur Lage des Landes weitestgehend zu-
ständig am Mietwohnungsmarkt anzubieten. Dies stellt
treffend ist. Doch was die SPD-Kollegen aus ihrem mo-
eine Externalisierung betriebswirtschaftlicher Kosten
ralischen Lehnstuhl an Lösungen und Konzepten in die-
zuungunsten Dritter, konkret der Mietwohnungsinteres-
sem Antrag präsentieren, hält keiner realitätsnahen
senten, dar. Das ist so nicht nachvollziehbar. Richtiger
Debatte stand. Die wahren Chancen der Wahlen und die
wäre: Wer bestellt, bezahlt.
geschichtlichen sowie tagesaktuellen außenpolitischen
Für Mietwohnungsinteressenten, die aus beruflichen Kenntnisse über Myanmar scheinen bei der SPD nicht zu
Gründen häufiger umziehen müssen, stellt die beste- existieren.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7367
(A) Ein Beispiel aus Ihrem Antrag beschreibt diesen durch die Sanktionen war es dem Militär möglich, sich (C)
Missstand besonders, behaupten Sie doch, dass die zur privilegierten Herrschaftsschicht zu entwickeln. Da-
ASEAN ebenfalls oder weiterhin an einer strikten Nicht- her gehören die Sanktionen mittelfristig abgeschafft, und
einmischungspolitik festhält. Ja, haben Sie die Debatte die westliche Gemeinschaft sollte endlich die Konzepte
in den letzten Jahren überhaupt verfolgt? Wie können des Landes im Rahmen von Infrastruktur und wirtschaft-
Sie ernsthaft in einem Antrag im Bundestag einen derar- licher Öffnung nachhaltiger anerkennen.
tigen Unsinn verbreiten? Haben Sie nicht bemerkt, mit
welcher deutlichen Sprache Länder wie Thailand, Indo- Es gibt keine realistische Alternative zu den Wahlen,
nesien, Malaysia, die Philippinen oder Singapur Myan- wie sie jetzt von der SPDC vorbereitet wurden. Wir kön-
mar massiv kritisieren und dies auch in der ASEAN the- nen uns entscheiden: Entweder wir arbeiten an dem win-
matisieren? – Dies ist nur ein Beispiel aus diesem Antrag zigen Schritt der Öffnung mit, oder wir akzeptieren wei-
und kein gutes Beispiel für die Asienkenntnisse der terhin 100 Prozent Militärdiktatur. Wollen Sie von der
SPD. SPD das wirklich? Aus Ihrem Antrag jedenfalls kann ich
nichts anderes herauslesen. Klar ist: Die Wahlen können
Ich bin mir sehr sicher, dass ein solcher außenpoliti- einen Ausweg aus der politischen Stagnation und eine
scher Antrag der SPD in der letzten Legislaturperiode allmähliche Transformation zu demokratischen Verhält-
nicht möglich gewesen wäre; denn zu dieser Zeit gab es nissen einleiten, während ihr Scheitern die bestehende
noch den ausgewiesenen Asienfachmann Detlef Situation fortsetzen oder gar verschlimmern würde, zum
Dzembritzki in den Reihen der Sozialdemokraten, der Beispiel durch neue bewaffnete Auseinandersetzungen.
diesen Antrag der Unwissenheit, formuliert von den der-
zeitigen SPD-Außenpolitikern, sofort gestoppt hätte. Schauen wir in die Geschichte zurück: Eine Legiti-
mierung einer dem Militär nahestehenden Regierung be-
Die einseitigen Schlüsse und Forderungen, die Sie in deutet nicht zwangsläufig deren Verewigung. Wirt-
Ihrem Antrag ziehen, widersprechen allen ausgewiese- schaftliche und soziale Fortschritte bringen Kräfte her-
nen Asienkennern aus Wissenschaft, widersprechen der vor, die den derzeitigen engen politischen Rahmen
in Myanmar zivilgesellschaftlich engagierten Böll-Stif- sprengen mögen. Selbst Thailand hat eine derartige
tung, der Myanmar-Diaspora in Deutschland und sogar Phase der „disziplinierten Demokratie“ mit Erfolg
Ihrer eigenen Friedrich-Ebert-Stiftung. Gerade Ihre Stif- durchlebt, nämlich während der Phase der „politischen
tung kommt nämlich in ihrer jüngsten Studie zu dem Offensive“ unter General Prem 1981 bis 1988.
Schluss, dass diese Wahlen ein entscheidender Fort-
schritt für das Land sein können. Ihr Antrag gehört noch Eine Neubestimmung des Verhältnisses zu Daw Aung
einmal komplett überarbeitet. Es ist nicht zielführend, San Suu Kyi ist überfällig. Die beste Lösung wäre, wenn
sie bewogen werden könnte, mit der gewählten Regie-
(B) ihn als Grundlage unserer heutigen Debatte anzusehen. rung zu kooperieren, statt um die Macht zu konkurrieren. (D)
Es ist doch viel wichtiger – und dafür steht die Unions-
fraktion –, dass mit den Mitteln der Diplomatie weitere Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sie diesen
Schritte für eine Öffnung des Landes vorgenommen Schritt ins Auge fassen wird; denn eine Fortsetzung des
werden. konfrontativen Kurses als Antiregierungsopposition
ohne konstruktives Programm würde Spaltungen fördern
Zurzeit werden große internationale und nationale Er- und die nationale und auch internationale Spannung tor-
wartungen um den Umgang und Ausgang der Wahlen pedieren.
gehegt. Viel ausschlaggebender ist für mich die Zeit
nach den Wahlen. Die Umsetzung des Wahlgesetzes ist Wir müssen der neuen Regierung in Myanmar auch
entscheidend für eine weitere Öffnung des Landes. Des- zeigen, dass wir den Einfluss der VR China an den Gren-
halb plane ich Anfang Januar eine Reise nach Myanmar, zen Myanmars gemeinsam eindämmen können; so kann
um mich über die Umsetzung zu informieren. weiteres Vertrauen entstehen.
Meine Leitfrage für die Zukunft Myanmars ist, ob Die ethnischen Minderheiten müssen in dem neuen
Chancen auf einen politischen Wandel im Zusammen- politischen System Myanmars endlich integriert werden.
hang mit diesen Wahlen bestehen oder nicht? Ich möchte Ungefähr zwei Drittel der an den Wahlen teilnehmenden
an dieser Stelle ausdrücklich optimistisch sein, da ich bei Parteien vertreten ethnische Minderheiten. Dies ist eine
meinen Besuchen in dem Land immer wieder spüre, dass Chance. Ich hoffe, dass die Minderheiten auf der Grund-
es viel Ansatzpunkte der Weiterentwicklung außerhalb lage der Verfassung größere Eigenständigkeit erhalten
aller alten politischen Eliten, gibt. werden. Im Besonderen weise ich auf die Kompromiss-
vorschläge der derzeitigen Militärs hin, dass die bisheri-
Genauso wie die Böll-Stiftung sehe ich eine wach- gen ethnisch dominierten Waffenstillstandstruppen sich
sende Zivilgesellschaft aus Künstlern, Filmemachern, in Grenzmilizen umorganisieren. Diese würden halb
Autoren und Wissenschaftlern, die die Gesellschaft von dem Militär unterstellt, deren Autonomie aber in hinrei-
unten neu positionieren wollen. Die Wahlen sind eine chender Weise gewahrt. Dies könnte ein weiteres Kon-
Chance, diesen Menschen ein größeres Gewicht zu ver- zept sein, Vertrauen aufzubauen.
leihen.
Die Wahlen werden die Chance eröffnen, die Ein-
Den Sanktionen wird mittlerweile in der internationa- Mann-Herrschaft des General Than Shwe aufzulösen.
len Debatte eine Teilschuld eingeräumt. Die 20-jährige Zwar wird er nach den Wahlen immer noch der mäch-
Politik der Ausgrenzung und des Drucks hatten die fakti- tigste Mann sein; jedoch verlagert die neue Verfassung
sche Verfestigung des Militärregimes zur Folge. Nur selbst im Rahmen der Militärs die Macht auf verschie-
7368 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) dene Institutionen und Individuen. Die neue Machtbi- Wir können also schon vor der Wahl sagen: Demokra- (C)
lanz zwischen Militär und Präsident kann sich positiv tisch wird diese nicht. Auch nicht ansatzweise fair. Hof-
auf weitere Schritte hin zu einer Demokratie auswirken. fen müssen wir, dass sie nicht auch noch mit Gewaltan-
Dies und der Übergang zu einem Mehrparteiensystem wendung einhergehen.
eröffnen die Chance, dass das System weniger monoli-
thisch sein wird als bisher. Der Bundestag hat sich schon häufiger mit der politi-
schen und menschenrechtlichen Situation in diesem
Ich könnte an dieser Stelle noch viele weitere vertrau- Land beschäftigt. Deutschland hat auch Hilfe nach dem
ensbildende Maßnahmen erwähnen, die die Chancen Tsunami 2004 und dem ebenfalls verheerenden Zyklon
dieser Wahlen verdeutlichen. Klar ist: Die „Kultur des Nargis 2008 geleistet. Leider kam die Hilfe damals nur
Autokratismus“ wird in Myanmar vorbei sein. Die für sehr zögerlich – wenn überhaupt – bei den Bedürftigen
uns manchmal zu langsame Gestaltung hin zu einer „Art an, weil die Junta die Auslieferung und Verteilung ver-
von Demokratie“ geht weiter. Die SPD wird diesem An- hindert hat. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass die Junta
spruch in ihrem Antrag nicht gerecht, und daher lehnen nur in ihrem eigenen Interesse und nicht im Interesse der
wir diesen ab. Birmanen handelt. Das erkennen wir auch an der ver-
breiteten Armut, an dem Hunger und der schlechten Bil-
Angelika Graf (Rosenheim) (SPD): Heute vor genau dungssituation.
einer Woche hat Birma von seiner Militärjunta eine neue Im letzten Jahr hat mich ein engagierter Bürger mei-
Fahne bekommen. Drei Streifen: Oben ist sie gelb, in der nes Wahlkreises, ein Künstler und Veranstalter von Aus-
Mitte grün und unten rot. Im Zentrum der Fahne befindet stellungen, um Hilfe bei der Finanzierung einer Ausstel-
sich ein weißer Stern. Nach der neuen Verfassung, wel- lung von birmanischen Künstlern in Deutschland
che mit den Wahlen am 7. November in Kraft treten soll, gebeten. Die Ausstellung wurde schließlich ein Erfolg,
sollten diese Farben für Solidarität, Frieden, Ruhe, Mut und das Auswärtige Amt war dabei sehr hilfreich. Aber
und Entschlossenheit stehen. es war ein Kreuz. Vor allem, weil ich selbst hier in
Hoffnung dürfen wir darauf für Birma wohl dennoch Deutschland auf meine Wortwahl bei der Eröffnung der
nicht haben, und das, obwohl die Birmanen am Ausstellung achten musste. Ich habe an Kritik nicht ge-
7. November erstmals seit 20 Jahren wieder nationale spart, doch hätte ich sie zu konfrontativ geäußert, hätte
und regionale Parlamente wählen dürfen. ich sowohl die unter Schwierigkeiten eingereisten bir-
manische Künstler und Künstlerinnen als auch ihre An-
Seit den letzten Wahlen 1990 regiert die Militärjunta gehörigen in ernsthafte Gefahr für Leib und Leben ge-
gegen den Willen der burmesischen Bevölkerung. Da- bracht.
mals hatte die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi
(B) der Partei „National League for Democracy“, NLD, die Der birmanische Komiker Zarganar, der aufgrund (D)
Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewonnen; nun des internationalen Erfolgs seiner politischen Witze
steht die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträ- eine 35-jährige Haftstrafe zu verbüßen hat, bringt das
gerin von den letzten 20 Jahren bereits 15 Jahre unter folgendermaßen auf den Punkt: „Ein Birmaner reist nach
ständigem Hausarrest. Ihre Partei wurde kürzlich Indien, um zum Zahnarzt zu gehen. Der fragt: ,Hey, ihr
zwangsaufgelöst, weil sie sich weigerte, für die Zulas- habt Zahnärzte in eurem Land. Warum kommst du nach
sung zur Wahl Suu Kyi aus der Partei auszuschließen. Indien?‘ Da entgegnet der Birmane: ,Bei uns darf ich das
Maul nicht aufmachen.‘“
Die aktuellen Wahlgesetze erlauben der Militärjunta
umfassende Kontrolle über die Wahlen und dementspre- Die Birmanen werden neben der Meinungsfreiheit
chend über ihren Ausgang. Trotz der insgesamt 37 antre- auch der elementarsten Menschenrechte beraubt. Viele
tenden Parteien ist die von der Junta unterstützte Partei der ethnischen Gruppen in diesem Vielvölkerstaat, wie
„Union für Solidarität und Entwicklung“ als einzige in die Karen, Shan, Kokang und Rohingya, welche sich
fast allen Wahlkreisen vertreten. Viele der anderen nicht in das Junta-System drängen lassen wollen, werden
36 Parteien wurden zudem von der Junta selbst gegrün- terrorisiert, angegriffen, ins Ausland vertrieben und ihre
det – augenscheinlich um den Anschein eines Mehrpar- Kinder werden zwangsweise für die Armee rekrutiert!
teiensystems zu erwecken. Die verschiedenen Militärjuntas kontrollieren und terro-
risieren die gewaltgebeutelte Bevölkerung seit mehr als
Das sind nicht die einzigen Kritikpunkte. Hinzu 50 Jahren, und Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.
kommt, dass 25 Prozent der Sitze vorab für Angehörige
des Militärs reserviert sind. Und dass buddhistische Die starken Nachbarländer Birmas, Indien und China,
Mönche sowie 2 200 politische Gefangene von der Wahl lassen trotz der ökonomischen Verflechtungen die Mög-
ausgeschlossen sind. Außerdem soll die Wahlkommis- lichkeit auf politische Einflussnahme ungenutzt. Peking
sion die Wahl in 3 000 von verschiedenen ethnischen hat sogar vor der Einmischung des Westens in die souve-
Gruppen bewohnten Dörfern abgesagt haben. ränen Angelegenheiten Birmas gewarnt. Auch die
ASEAN-Gemeinschaft lässt Birmas Junta gewähren.
Bedauerlicherweise und trotz der Angebote und Auf- Häufig – so scheint es – weil die Militärjunta zumindest
rufe des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon, internatio- die politische Stabilität bietet, weiter birmanische Bo-
nale Wahlbeobachter zuzulassen und die Oppositions- denschätze wie Jade und andere Edelsteine zu fördern.
führerin nicht von der Wahl auszuschließen, zeigt sich
der Juntachef Than Shwe wie gewohnt abweisend. Nicht Wir Abgeordneten von der SPD-Bundestagsfraktion
einmal Journalisten ist die Einreise zur Wahl gestattet. halten es für unabdingbar, dass der Empfehlung von UN-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7369
(A) Sonderberichterstatter Tomas Ojea Quintana in seinem ten, die Möglichkeit, wieder am öffentlichen und politi- (C)
Fortschrittsbericht über die Menschenrechtslage in schen Leben in Birma teilzunehmen. Erstmals wurde
Birma Folge geleistet wird und die Vereinten Nationen wieder die Möglichkeit geschaffen, neue Parteien zu bil-
eine Kommission zur Untersuchung der Verbrechen in den. 37 neu registrierte Parteien treten bei der Wahl an.
Birma einsetzen. Meine Damen und Herren von der Opposition, Ihnen
muss klar sein, dass nach der Wahl einige neue Parla-
In unserem Antrag fordern wir daneben die Bundesre- mentsmitglieder Minderheiten angehören werden.
gierung auf, auf internationaler Ebene auf freie und faire Auch das ist ein Fortschritt. Verteufeln wir also bitte
Wahlen zu drängen sowie Aung San Suu Kyi und die nicht – wie in Ihrem Antrag geschehen – die komplette
weiteren politischen Gefangenen freizulassen. In diesem Wahl. Wir sollten diese Entwicklungen nicht ganz außen
Sinne bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Antrag. vor lassen. Aber natürlich müssen wir weiter auf freie
Wahlen drängen, weiter die Lage der Menschenrechte
Dr. Bijan Djir-Sarai (FDP): Die Situation in Birma anprangern, und weiter den Dialog mit der Regierung in
ist politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich immer Birma suchen, auch wenn die bisherigen Erfahrungen
noch angespannt. Die Bevölkerung ist völlig verarmt, mit dem birmanischen Regime weiter zur Vorsicht mah-
das Land wirtschaftlich und moralisch ruiniert. Man nen.
muss kein Intellektueller sein, um das sehen zu können.
Ist man aber ein Intellektueller in Birma, so bekommt In dem Antrag, der hier zur Debatte steht, finde ich
man für die intelligente humoristische Aufarbeitung der viele Forderungen, die sich hervorragend anhören. Real-
Situation schnell die volle Härte der Regierung zu spü- politisch können sie nicht gestellt werden, weil auf der
ren. So geht es derzeit dem birmanischen Intellektuellen, Gegenseite kein Ansprechpartner ist, der uns zuhört;
Künstler und Komiker Zarganar. Er hat es gewagt, sich denn bisher existiert keine Dialogbasis, auf deren
mit dem eigenen Land kritisch auseinanderzusetzen. Die Grundlage wir dann als anerkannte und gehörte Ge-
Folge: Man landet für viele Jahre im Gefängnis, natür- sprächspartner die Menschenrechtslage anprangern kön-
lich ohne Prozess. nen.
Komisch ist diese Realität nicht. Dies ist nur ein Bei- In diesem Antrag finde ich aber auch Forderungen, die
spiel, das aufzeigt, dass die Menschenrechtslage in nahelegen, die Bundesregierung kümmere sich nicht um
Birma weiterhin düster ist. Nun wird es zum ersten Mal die Wahlbeobachtung. Solche Forderungen halte ich nicht
seit 20 Jahren am 7. November wieder Wahlen geben. für sinnvoll. Ich kann Ihnen versprechen: Die Bundesre-
gierung wird auch weiterhin Wahlbeobachtermissionen
Dies ist ein wichtiger und willkommener erster Schritt
hin zu mehr Reformen und mehr Demokratie. Dieser nicht torpedieren.
(B) Schritt ist jedoch bei weitem nicht ausreichend; denn Nicht zuletzt finde ich in diesem Antrag Forderungen, (D)
neue unfaire Wahlgesetze und Maßnahmen schränken die in ihrer Schwammigkeit nicht aufzeigen, welche Ta-
wiederum die Reformfähigkeit des Landes ein. Daher ten wir eigentlich erwarten. Was bedeuten denn für Sie,
finde ich es absolut zu begrüßen, dass die SPD hier einen liebe Antragsteller, „nachhaltige Autonomieregelun-
Antrag zu diesem Thema einbringt, dem ich von der In- gen“? Das kann für mich zu weitreichend sein. Die Zer-
tention her gerne zustimme. splitterung des Landes wollen wir auf keinen Fall voran-
treiben.
Ja, es ist enttäuschend, dass ein Viertel der Parla-
mentssitze und Schlüsselfunktionen in der Regierung be- Ja, was die Menschen in Birma, die seit Jahrzehnten
reits vergeben ist. Hier sichert sich das Militärregime unter der brutalen Militärdiktatur leiden, brauchen, sind
schon im vorhinein eine ungeheure Machtfülle. Das ist Taten. Die Militärregierung wird sich nicht eines Tages
mit unserem Anspruch an freie und faire Wahlen nicht in Wohlgefallen auflösen; da haben Sie völlig recht.
vereinbar. Ja, wir verurteilen den Schachzug der Regie- Aber über allen Maßnahmen muss der Grundsatz stehen:
rung, durch neue Wahlgesetze die Opposition zu spalten. Was auch immer unternommen wird, muss gemein-
Oppositionsmitglieder nicht zu den Wahlen zuzulassen, schaftlich angegangen werden. Die EU muss gemeinsam
weil sie schon eine Gefängnisstrafe des Regimes abge- handeln und mit einer Stimme sprechen. Diesen Ansatz
büßt haben, ist ein Beispiel dafür. Das neue Parteienge- vermisse ich in Ihrem Antrag leider. Die Einbindung in
setz ist schon so zugeschnitten, dass die größte demokra- den Kontext der europäischen Staatengemeinschaft fehlt
tische Oppositionspartei NLD gezielt verhindert wird. fast komplett. Es existiert bereits eine gemeinsame EU-
Ja, wir sind tief besorgt darüber, dass die Einbindung Strategie. Es existiert auch eine Liste mit Sanktionen
ethnischer Minderheiten gerade durch die neu vorgese- dem Land gegenüber – ganz konkreten Maßnahmen, Ta-
henen Regionalparlamente nicht funktioniert, da wesent- ten.
liche Gruppen durch die Wahlkommission ausgegrenzt
werden. Nach dieser Wahl müssen wir uns darüber Gedanken
machen, müssen wir ganz realpolitisch schauen, wie wir
Dennoch sehen wir als FDP diese Wahl als eine zum Beispiel mit den neu gewählten Parlamentsmitglie-
Schwelle zu einer neuen politischen Etappe. Die Einbe- dern verfahren. Das werden keine einfachen Fragestel-
rufung eines nationalen Parlamentes und das Inkrafttre- lungen sein, die wir international gemeinsam angehen
ten der Verfassung von 2008 kann einen Fortschritt be- müssen, und das werden wir mit großer Verantwortung
deuten. Solange der Wahlausgang nicht erneut von den tun. Wir dürfen die Menschen in Birma, die sich unter
Militärführern ignoriert wird, kann diese Wahl für die größter Lebensgefahr für Freiheit und Demokratie, für
demokratische Opposition eine neue Möglichkeit bedeu- bessere Lebensbedingungen und die Beachtung ihrer ei-
7370 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) genen Menschenrechte eingesetzt haben, nicht im Stich Birmas eigene wirtschaftliche und geostrategische Inte- (C)
lassen. ressen. Ich sage Ihnen: Dies ist nicht der richtige Weg,
um Demokratie und Menschenrechte zu fördern. Und
Wir müssen weiterhin den ASEAN-Staaten gegen- wenn wir ehrlich sind, sind Deutschland und die EU
über verdeutlichen, dass wir mit der Einbindung Birmas
kaum glaubwürdiger. Die Bundesregierung hat bei-
in diese ASEAN-Gemeinschaft immer noch Hoffnung
spielsweise Kasachstan bei seiner Kandidatur für den
verbinden, Hoffnung, dass die ASEAN-Staaten nicht nur
OSZE-Vorsitz unterstützt, trotz bekannter schwerer
von der trügerischen Stabilität des Landes profitieren
Menschenrechtsverletzungen und Folter in den staatli-
wollen, Hoffnung, dass die Staaten der Region positiv
auf einen Reformprozess in Birma einwirken. chen Gefängnissen.
Wir als Bundesrepublik Deutschland müssen der Re- Abgesehen davon sind die Forderungen im Antrag
gierung von Birma weiterhin deutlich machen, dass wir der SPD aber richtig. Wir unterstützen insbesondere ein
zu einem wirklich bereit sind, nämlich das gesamte Land weltweites Waffenembargo gegen Birma sowie den An-
auf dem Weg demokratischer und rechtsstaatlicher Re- satz, im Rahmen der ASEAN-Gruppe Verbesserungen
formen zu unterstützen. Über 2 200 politische Gefan- zu erreichen. Deshalb stimmen wir dem Antrag zu. Uns
gene in Birma erleiden zurzeit unerträgliche Haftbedin- geht es darum, ein möglichst starkes Signal für die Men-
gungen. Diesen Menschen müssen wir helfen – durch schenrechte in Birma auszusenden.
eine strikte Politik, aber auch durch Dialog. Unsere Di-
plomatie ist Friedenspolitik, und dieser Verantwortung Dr. Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
stellen wir uns. NEN): Seit den 80er-Jahren habe ich in Verbänden und
später als Europaabgeordneter die demokratische Oppo-
Katrin Werner (DIE LINKE): Es besteht kein Zwei- sition in Birma unterstützt. In diesen vielen Jahren gab
fel: In Birma herrscht eine der schlimmsten Militärdikta- es Zeichen der Hoffnung, wie den Wahlsieg von Aung
turen weltweit. Schon jetzt steht fest, dass die bevorste- San Suu Kyi 1990, aber leider auch viele bittere Rück-
henden Parlamentswahlen eine Farce sein werden. schläge. Auf die Unterdrückung der Wahlgewinner von
Schließlich hat sich die Militärjunta ihre eigenen Wahl- 1990 haben wir Europäer mit Solidarität gegenüber der
gesetze maßschneidern lassen. Anders als 1990 soll es demokratischen Opposition und Isolation und Sanktio-
keinen Überraschungssieg der Opposition geben. Jegli- nen gegenüber der Militärjunta reagiert. Dieser Kurs war
ches Anzeichen für zivilen Protest soll im Keim erstickt richtig.
werden.
Aber nach nun zwanzig Jahren, in denen sich wenig
(B) Kritik ist nicht erwünscht, die Missstände aber blei- zum Besseren verändert hat, sollten wir unsere Strategie (D)
ben – vom Militär erzwungene Friedhofsruhe hin oder überdenken – und, wie ich finde, auch modifizieren. Da-
her! für spricht, dass die Opposition in Birma – wie ich in
Das Militär hat Birma wirtschaftlich ruiniert und die vielen Gesprächen erfahren habe – mittlerweile eine
politische Opposition, die Zivilgesellschaft und die Ge- Doppelstrategie fährt. Einige Oppositionsgruppen boy-
werkschaften massiv unterdrückt. Die Angehörigen von kottieren die kommende Wahl, die weder frei noch fair
ethnischen Minderheiten werden diskriminiert und mili- sein werden. Andere Oppositionsgruppen nehmen an
tärisch bekämpft. Viele von ihnen versuchen, als Boots- den Wahlen teil, weil sie die kleinen Chancen zur Verän-
flüchtlinge nach Thailand zu entkommen. derung nutzen wollen. Denn auch wenn die neue Verfas-
sung und die Wahlen kein Zeichen für einen demokrati-
Kritik an der Menschenrechtslage wird als Einmi- schen Wandel sind, wird sich das Regime zumindest
schung von außen interpretiert. Selbst nach dem verhee- personell verändern. Daran lässt sich anknüpfen.
renden Tsunami 2004 wurde jegliche humanitäre Hilfe
abgelehnt. Die Abschottung von der Außenwelt war dem Damit wir uns nicht missverstehen: Die Lage in
Regime wichtiger als das Überleben der eigenen Bevöl- Birma ist so katastrophal wie sie es seit vielen Jahren ist.
kerung. Noch immer gibt es Tausende politische Gefangene.
Stellvertretend für die menschenfeindliche Willkür Noch immer befindet sich die Friedensnobelpreisträge-
steht das Schicksal der Trägerin des Friedensnobelprei- rin Aung San Suu Kyi in Hausarrest. Noch immer wird
ses Suu Kyi. Sie befindet sich schon seit 2003, also seit die Reformbewegung der Mönche unterdrückt. Die Le-
sieben Jahren, unter Hausarrest und gilt den Militärs of- bensbedingungen der Bevölkerung sind von bitterer Ar-
fenbar dennoch als gefährlichster Mensch Birmas. mut geprägt. Die Rechte ethnischer Minderheiten wer-
den systematisch gebrochen.
Den Menschen in Birma muss dringend geholfen
werden! Ich denke, allein schon die Tatsache, dass der Deshalb sage ich: Wir sollten unsere bisherige Strate-
Bundestag über Birma diskutiert, setzt ein wichtiges Zei- gie modifizieren, nicht sie über den Haufen zu werfen.
chen. Das reicht aber nicht. Die EU-Sanktionen müssen Die Forderungen nach einer Öffnung des Landes und
beibehalten werden, genauso wie die ASEAN-Staaten- nach Freilassung der politischen Gefangengen und ins-
gruppe mehr diplomatischen Druck ausüben muss. Die besondere von Aung San Suu Kyi müssen wir weiterhin
SPD meint, dass auch einzelne Großmächte wie Indien, laut vortragen. Solange es hier kein Entgegenkommen
China oder Russland Druck machen sollten. Allerdings des Regimes gibt, so lange müssen die Sanktionen der
verfolgen die drei Länder als wichtigste Handelspartner EU in Kraft bleiben.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7371
(A) Aber wir sollten uns bei der humanitären Hilfe und behauptet. Jetzt sind Passagierdaten und andere Maß- (C)
der Entwicklungspolitik stärker engagieren. Nicht um nahmen wieder Ausgeburten des Obrigkeitsstaates, um
dem Regime zu helfen, sondern den Menschen dort. die Bürger zu gängeln und zu kontrollieren, Maßnah-
men, die wir in Wirklichkeit gar nicht brauchen.
Es ist jedoch auch klar, dass die EU alleine in Birma
wenig erreichen wird. Die Sanktionen bleiben ineffektiv, Es gibt in der Frage, ob und wie man Passagierdaten
solange China diese nicht unterstützen. Das Verhalten speichern oder auswerten sollte, mehr als nur ein simples
gegenüber dem Regime in Birma bleibt ein Schandfleck Ja oder Nein. Das Thema Terrorismusbekämpfung ist
chinesischer Außenpolitik. Den Druck auf China, aber mir zu ernst, als dass ich es wie die Linke für politische
auch auf die ASEAN-Staaten müssen wir aufrechterhal- Grabenkämpfe instrumentalisieren möchte. Deutsch-
ten. Deshalb ist für mich klar: Ein Freihandelsabkom- land hat auch weiterhin eine hohe abstrakte Bedrohung.
men mit der ASEAN sollten wir als EU nur unterzeich- Das gilt es zunächst, anzuerkennen. So haben unsere Si-
nen, falls es spürbare Veränderungen in Birma gibt – cherheitsbehörden seit 2008 Reisen von 140 Deutschen
oder Birma nicht in das Abkommen mit aufgenommen nach Pakistan registriert, die dort Terrorausbildungslager
würde. besuchten. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass
terroristische und kriminelle Netzwerke zunehmend in-
Und leider bleibt es bei dem Skandal, dass die Bun-
ternational, über Landesgrenzen hinweg agieren. Mobili-
desregierung politischen Flüchtlingen aus Birma bei der
tät spielt hier eine große Rolle, und Mobilität bedeutet
Asylantragstellung möglichst viele Steine in den Weg
auch die Nutzung von Flugzeugen – nicht nur, wenn es
legt. Ich fordere Sie auf: Ändern Sie das!
um Terrorismus geht, sondern auch bei Menschenhan-
del, Schmuggel, Drogenkriminalität. An dieser interna-
tional vernetzten Entwicklung muss sich auch unsere Si-
Anlage 13 cherheitspolitik orientieren. Es gilt also, gemeinsam mit
Zu Protokoll gegebene Reden unseren Partnern wirksame Lösungen zu finden, wie es
in der Vergangenheit in vielen Bereichen schon gelungen
zur Beratung des Antrags: Endgültiger Verzicht ist.
auf transatlantische und europäische Flugpassa-
gierdaten-Abkommen (Tagesordnungspunkt 16) Die Frage lautet deshalb, in welchen Bereichen und in
welchem Umfang wir Passagierdaten im Sinne unserer
Sicherheit nutzen können und müssen. Die Flugpassa-
Armin Schuster (Weil am Rhein) (CDU/CSU): An-
gierdaten – englisch abgekürzt: PNR – stammen von den
fang dieses Jahres haben wir im Innenausschuss über ei-
Fluggesellschaften und enthalten die Angaben, die der
nen Anschlagsversuch auf eine Passagiermaschine nach
Reisende gegenüber der Fluggesellschaft gemacht hat, (D)
(B) Detroit am ersten Weihnachtstag gesprochen, und wir
unter anderem Name, Geburtsdatum und Adresse, Ge-
haben diskutiert, wie es sein kann, dass der Attentäter
päck, Ausgangspunkt und Ziel der Reise, aber auch Zah-
seinerzeit nicht erkannt wurde, obwohl die US-Behörden
lungsdaten. Manche Gesellschaften fragen ihre Passa-
vom Vater des Terrorverdächtigen vor Reiseantritt ge-
giere aus Servicegründen auch nach ihren Ess-
warnt wurden. Wir waren uns im Ausschuss seinerzeit
gewohnheiten. Einige dieser Daten sind unter Sicher-
alle einig, dass der sogenannte Detroit-Bomber in Ams-
heitsgesichtspunkten relevant. Mit diesen gespeicherten
terdam nicht hätte in dieses Flugzeug gelangen dürfen.
Fluggastdaten kann man am Flughafen in Echtzeit eine
Doch den Kontrollstellen auf dem Flughafen von Ams-
Risikoanalyse durchführen. Damit sollen sowohl terro-
terdam ging es nicht anders, als es zum Beispiel denen in
ristische Anschläge als auch schwere Kriminalität ver-
Frankfurt am Main ergangen wäre. Passagierdaten hatten
hindert werden. Das heißt: Anhand der vorliegenden Da-
wir nicht im Vorfeld, und Zugriff auf die relevante BKA-
ten kommen wir am Flughafen computergestützt zu dem
Datei für Terrorgefährder haben unsere Beamten an den
Schluss, dass hier möglicherweise ein Terrorverdächti-
Flughäfen ebenfalls nicht. Ich erinnere mich noch, dass
ger fliegen möchte und deshalb besondere Sorgfalt bei
auch Frau Jelpke von der Linken hierüber empört war.
der Kontrolle notwendig ist. Mit dieser Information hätte
Wir können nun herzlich darüber diskutieren, woran der Detroit-Attentäter einer wesentlich intensiveren Lei-
es gelegen haben mag, dass ein Terrorverdächtiger, der besvisitation unterzogen werden können, und der mitge-
den Behörden hätte bekannt sein müssen, ohne ver- führte Sprengstoff wäre mit an Sicherheit grenzender
stärkte Kontrollen oder Überwachung ein Flugzeug be- Wahrscheinlichkeit identifiziert worden. Immer dann,
steigen konnte. Mir fiele da manches ein, was zu verbes- wenn Sie selbst in einer Linienmaschine sitzen, werden
sern wäre. Eines ist aber klar: Wenn wir pauschal und Sie froh darüber sein, wenn die Daten der Passagiere auf
von vorneherein jedes Flugpassagierdaten-Abkommen diese Weise überprüft werden. Davon profitieren wir in
ablehnen, wird das gerade nicht zu mehr Sicherheit bei- Deutschland und Europa gleichermaßen wie unsere Part-
tragen und werden wir freiwillig auf die Chance verzich- ner zum Beispiel in den USA.
ten, solche Attentatsversuche rechtzeitig zu verhindern.
Wer pauschal jede Speicherung und Nutzung von Da-
Umso bemerkenswerter finde ich daher den Antrag, ten ablehnt, wie es im vorliegenden Antrag der Fall ist
den Sie heute hier vorlegen. Die Überprüfung von Passa- und wie die Linken das häufig tun – ich sage nur:
gierdaten ist für die Linke offensichtlich nur dann akzep- SWIFT und Prüm-ähnliches Abkommen mit den USA –,
tabel, wenn von der Bedrohung in allen Zeitungen zu le- der erweist unserer Sicherheit keinen Dienst. Und weil
sen ist. Nach dem Motto: „Was interessiert mich mein uns hier Schwarz-weiß-Malerei nicht weiterbringt, müs-
Geschwätz von gestern“ wird nun das genaue Gegenteil sen wir uns natürlich auch fragen, in welchem Rahmen
7372 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Fluggastdaten gespeichert und genutzt werden können. Der Austausch von Informationen ist eine wesentli- (C)
Datensicherheit und besonders der Schutz von persönli- che Voraussetzung, um unseren Sicherheitsbehörden bei
chen Daten spielen hier eine große Rolle. grenzüberschreitenden Aktivitäten von Terroristen und
Kriminellen die Möglichkeit zu geben, Bedrohungen
Aktuell findet ein Datenaustausch zwischen der EU rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren, und zwar be-
und den USA auf Grundlage eines vorläufigen Abkom- vor Schaden eintritt. In diesem Sinne möchte ich Sie
mens statt. Flüge innerhalb der Europäischen Union dazu ermutigen, Ihr Schwarz-Weiß-Denken abzulegen.
werden nicht erfasst. Die Bundesregierung hat diesem Wir brauchen eine Vernetzung von Fluggastdaten; aber
Abkommen zugestimmt, um einen reibungslosen Flug- sie muss kontrolliert geschehen und darf nicht in Daten-
verkehr mit den USA zu gewährleisten. Die EU-Daten- sammelwut ausufern. Dafür setzt sich die Bundesregie-
schutzrichtlinien erlauben einen Datenaustausch mit so- rung ein. Nur so leisten wir einen Beitrag zu mehr Si-
genannten Drittländern, also Ländern außerhalb der EU, cherheit und zum Schutz unserer Freiheit.
nur dann, wenn ein Abkommen vorliegt, das Mindest-
standards im Datenschutz gewährleistet. Im Übrigen ar- Wir lehnen Ihren Antrag ab.
beitet die Europäische Kommission an verbindlichen
Rahmenbedingungen für den Austausch von Fluggastda- Wolfgang Gunkel (SPD): Die Abkommen zu den
ten. Hier sind auch die Deutschen gefragt, wenn es da- Flugpassagierdaten begleiten uns nun schon viele Jahre
rum geht, bessere Datenschutzstandards anzumahnen. in der politischen Auseinandersetzung. Meine Meinung
Genau das tun die Bundesregierung und der Innenminis- zu dem Thema hat sich nicht grundlegend geändert.
ter. Nach wie vor halte ich wenig von dem anlassbezogenen
Austausch von teilweise hochsensiblen persönlichen Da-
Seitdem 2001 unter Rot-Grün begonnen wurde, Flug- ten. Sicher, es war in der vergangenen Wahlperiode nicht
gastdaten zur Bekämpfung von Terrorismus und organi- immer einfach bis nahezu unmöglich, Datenschutzbe-
sierter Kriminalität auszuwerten, hat sich gerade im Hin- denken nachhaltig anzubringen und das Recht auf infor-
blick auf das Thema Datenschutz einiges getan. Ich bin mationelle Selbstbestimmung des Einzelnen wirklich
überzeugt, dass wir auch in den weiteren Verhandlungen ernst zu nehmen. Koalitionszwänge lernt ja nun auch die
zu sehr guten Datenschutzstandards kommen, die die ef- liberale FDP kennen.
fektive Nutzung von Passagierdaten ermöglichen und
damit zu unser aller Sicherheit beitragen. Dazu bedarf es Die Diskussionen um die Flugpassagierdaten und die
verlässlicher Standards: Wir brauchen eine klare Zweck- entsprechenden Abkommen mit den Vereinigten Staaten
bindung für Terrorismus und Schwerstkriminalität und von Amerika sind nur ein kleines Mosaiksteinchen in
eine Einschränkung der zu übermittelnden Daten auf das dem Gefüge der Sicherheitsgesetze, die uns die Drohku-
(B) notwenige Maß. Feste, begrenzte Speicherfristen sind lisse bevorstehender terroristischer Angriffe bescherte, (D)
notwendig. Wir brauchen hohe Hürden, Kontrollen und eine Bedrohung, die im Übrigen auf einmal gar nicht
eine verlässliche Aufsicht über die Nutzung der Daten. mehr so hoch ist, wenn die amerikanische Regierung
Wir müssen über Transparenz für den Flugreisenden bei Reisewarnungen für Deutschland an ihre Bürgerinnen
der Erhebung und Auswertung seiner Daten nachden- und Bürger herausgibt und wirtschaftliche Nachteile im
ken. Es muss möglich sein, Rechtsmittel bei Verletzung Tourismusgewerbe zu befürchten sind.
der Datenschutzrichtlinien einzulegen. Wir fordern au- Das Europäische Parlament hat eine endgültige Ab-
ßerdem eine regelmäßige Überprüfung der Abkommen. stimmung zu den geplanten Abkommen vorerst verscho-
Zuletzt muss auch klar und restriktiv festgeschrieben ben. Momentan wird eine Resolution abgestimmt, die in
werden, unter welchen Bedingungen Daten an andere Si- der übernächsten Woche verabschiedet werden soll. Ein
cherheitsbehörden weitergegeben werden. erstes Abkommen wurde wegen formeller Fehler vom
Europäischen Gerichtshof 2006 für nichtig erklärt. 2007
Dass wir dabei natürlich die Rechtsprechung des
wurde dann ein weiteres Abkommen zu Flugpassagier-
Bundesverfassungsgerichts berücksichtigen und uns sehr
daten abgeschlossen, welches derzeit vorläufig ange-
präzise an den Vorgaben aus Karlsruhe orientieren, ver-
wendet wird. Dieses Abkommen aus dem Jahr 2007
steht sich von selbst. Ich möchte aber auch davor war-
wies unter Datenschutzgesichtspunkten nicht unwesent-
nen, den Eindruck zu erwecken, dass Deutschland die
liche Verbesserungen zu seinem Vorgänger auf. Unter
europäische Position in den Verhandlungen nach seinen
anderem beinhaltet es einen bereichsspezifischen Daten-
Wünschen definieren kann. Auch in dieser Hinsicht geht
schutz, der in seinen wichtigsten Punkten die Zweckbin-
der Antrag der Linken weit an der Realität vorbei. Wir
dung der erfassten und übermittelten Daten garantiert.
Europäer müssen aber so selbstbewusst sein, hohe Da-
tenschutzstandards dafür einzufordern und die Speicher- Weder tragbar noch verantwortbar wäre es gewesen,
dauer auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Außer- offene Bücher mit den kompletten Datensätzen der be-
dem müssen wir der Sammelwut einen Riegel troffenen Bürgerinnen und Bürger zur unbeschränkten
vorschieben und stattdessen intelligent mit den Daten Einsicht freizugeben. Momentan werden sensible Daten,
umgehen. Dazu müssen sich Ermittlungsbehörden gut also personenbezogene Daten wie politische Meinungen,
vernetzen und austauschen können. Es geht also nicht religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen, even-
um die Menge der Daten; der Nutzen liegt vielmehr im tuelle Gewerkschaftszugehörigkeiten oder Daten über
Umgang mit ihnen. So hat Deutschland auch in den Be- die Gesundheit oder das Sexualleben einer Person, nicht
ratungen zurückhaltend agiert und einen Prüfvorbehalt gespeichert, sondern automatisch gelöscht. Nur in Aus-
formuliert. nahmefällen, wenn das Leben von betroffenen Personen
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7373
(A) oder Dritten gefährdet oder ernsthaft beeinträchtigt wer- Der Antrag der Fraktion Die Linke ist an dieser Stelle, (C)
den könnte, kann auf diese Daten zugegriffen werden. wenn er den generellen Verzicht auf solche Abkommen
formuliert, nicht realistisch; denn ohne Abkommen gäbe
Die festgelegte Dauer, für die die Daten gespeichert es auch keine rechtliche Verpflichtung der USA, gewisse
werden, kann unter verschiedenen Gesichtspunkten be- Datenschutzstandards einzuhalten. Weniger Rechtsklar-
trachtet werden. Prinzipiell erscheint auch mir die fest- heit wäre die Folge. Außerdem dürfen wir nicht ignorie-
gesetzte Speicherdauer von 15 Jahren als sehr lang. Un- ren, dass sich die Fluggesellschaften geradezu verpflich-
ter dem Blickwinkel, dass die Vereinigten Staaten tet fühlen, die Passagierdaten weiterzugeben, um nicht
zunächst eine Dauer von 40 Jahren planten, kann man den Entzug der Landerechte zu riskieren. Dass kein EU-
mit der Reduzierung um mehr als die Hälfte der Zeit je- Bürger mehr in die USA einreisen darf, wäre eine
doch leben. ebenso unrealistische Folge, die sicher auch nicht von
Doch damit komme ich auch schon zu einigen negati- der Fraktion Die Linke gewünscht ist.
ven Aspekten. Tatsächlich erfolgt nur während der ers- Der Antrag der Fraktion Die Linke ist ein Signal in
ten sieben Jahre der gerade beschriebenen Speicherdauer die richtige Richtung, die Persönlichkeitsrechte nicht im
eine auswertungsfähige Speicherung. In den darauffol- Sicherheitswahn aus dem Auge zu verlieren. Er ist aber
genden Jahren sind die Daten gewissermaßen archiviert überzogen. Die SPD-Bundestagsfraktion wird den An-
und nur unter zusätzlichen Datenschutzvorkehrungen trag deshalb ablehnen.
zugänglich. Warum die US-amerikanische Seite dennoch
auf einer so langen Speicherzeit beharrt, macht mich
stutzig. Jimmy Schulz (FDP): Seit dem 11. September 2001
sind eine Reihe von Maßnahmen im Kampf gegen den
Die EU verhandelt derzeit mit den Vereinigten Staa- Terrorismus getroffen worden. Viele Maßnahmen bedeu-
ten von Amerika über ein transatlantisches Datenschutz- teten dabei eine deutliche Einschränkung von Bürger-
abkommen. Dabei wird – wenig überraschend – deut- rechten. Die Sammlung und der Austausch von Flug-
lich, dass die unterschiedlichen Datenschutzniveaus in gastdaten, PNR, ist eine dieser Maßnahmen. Im Kampf
Europa und den USA die Verhandlungen stark erschwe- gegen den Terrorismus ist für die FDP aber entschei-
ren. Ebenso umstritten ist, ob es sich um ein Rahmenab- dend, dass die Bekämpfung des Terrorismus möglichst
kommen handelt, das einen einheitlichen Datenschutz- effektiv und dabei unbedingt mit dem geringstmöglichen
standard für alle, auch die bisher verabschiedeten Eingriff in die Bürgerechte verbunden ist.
Abkommen, umfasst. Die EU fordert ein solches Rah-
menabkommen, das sich auch auf die Abkommen zu den Die Sammlung und Weitergabe von Fluggastdaten be-
Fluggastdaten erstrecken würde. Dies wäre auf alle Fälle trifft eine große Zahl von Personen und ihre persönli-
(B) zu begrüßen; denn wenn es schon Datenaustausch geben chen Daten. Es handelt sich um einen erheblichen Ein- (D)
soll, dann zu unseren und den europäischen Bedingun- griff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
gen. Eine Orientierung an den Datenschutzstandards der Wir haben uns deswegen sehr lange und eingehend mit
USA wäre ein absoluter Rückschritt. PNR beschäftigt. Wir von der FDP haben uns immer
sehr kritisch zu diesem Thema geäußert – zum Beispiel
Für meine Fraktion, sowohl hier im Deutschen Bun- in unserem Antrag auf Drucksache 16/8115 –, insbeson-
destag als auch im Europäischen Parlament, ist es demzu- dere bezüglich des USA-Abkommens, da die Daten-
folge elementar wichtig, dass europäische Datenschutz- schutzstandards und die Rechtsschutzgarantien dieses
standards beim Abschluss des Abkommens eingehalten Abkommens keineswegs akzeptabel sind. Aus diesem
werden. Stichworte, die hier fallen müssen, sind Trans- Grund haben wir auch im Koalitionsvertrag vereinbart,
parenz, Rechtsschutz sowie eine genaue und abschlie- dass das USA-Abkommen kein Maßstab für andere
ßende Begrenzung nach Art und Umfang der zu übermit- mögliche Abkommen sein darf. Wie im Koalitionsver-
telnden Daten, insbesondere bei der Weitergabe an trag vereinbart, setzen wir uns für ein höheres Daten-
Dritte. Der Zweck der Datenübermittlung muss klar auf schutzniveau in den EU-Verhandlungen ein.
die Bekämpfung des Terrorismus und der organisierten
Kriminalität beschränkt werden. Die Linke fordert in ihrem Antrag einen sofortigen
Verzicht auf PNR insgesamt. Wir sehen aber endlich po-
Das derzeit verhandelte Abkommen der Europäischen sitivere Bewegungen in der EU. Die Mitteilung der
Union mit den Vereinigten Staaten von Amerika zum Kommission zu den Eckpunkten für die künftige Weiter-
Datenschutz muss Grundlage aller weiteren transatlanti- entwicklung von PNR-Abkommen mit Drittstaaten ge-
schen Abkommen sein. Wir brauchen ein Rahmenab- nügt im Großen und Ganzen unseren Anforderungen und
kommen als Orientierung für alle weiteren Verträge. Al- stellt eine wesentliche Verbesserung zu den jetzigen Ab-
les andere wäre bloß Stückwerk. Insofern fordert die kommen dar. Die liberalen Bemühungen auf EU-Niveau
SPD auch bei einem Abkommen zum Austausch von haben sich also gelohnt.
Flugpassagierdaten die Einhaltung von datenschutz-
rechtlichen Garantien, und zwar nicht auf dem Niveau Wir sind zufrieden, dass die Kommission sich für in-
der US-amerikanischen. Die Stichworte hatte ich bereits ternationale Standards bei PNR-Abkommen einsetzt, die
genannt. ein hohes Datenschutzniveau vorsehen. Die Kommis-
sion will Datenschutz- und Datensicherheitsgarantien in
Eine Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa den Empfängerstaaten zur Voraussetzung beim Ab-
in Sicherheitsfragen ist geboten. Über die konkrete Aus- schluss von PNR-Abkommen machen und die Weiter-
gestaltung dieser Zusammenarbeit wird zu reden sein. übermittlung an andere Stellen im Empfängerstaat oder
7374 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) außerhalb beschränken. Zusätzlich sollen Auskunfts- Verträgen abgeschlossen. Doch erst mit dem Abkommen (C)
und Rechtsschutzgarantien Betroffener verankert und aus dem Jahre 2007 konnte den vom Europäischen Ge-
die Transparenz bezüglich der Erhebung und der mögli- richtshof angemahnten (Rechts-)Bedingungen entspro-
chen Nutzung verbessert werden. Dies hat die FDP im- chen werden. Alle Vorgängerabkommen konnten einer
mer gefordert. gerichtlichen Prüfung aus einer ganzen Reihe von Grün-
den nicht standhalten.
Wir begrüßen auch, dass die Kommission voraus-
sichtlich die Abkommen mit den USA, Australien und Doch auch dieses noch immer aktuelle Abkommen ist
Kanada überarbeiten möchte. Ich möchte nochmals be- aus Sicht meiner Fraktion, ja aus der Sicht von kritischen
tonen, dass das USA-Abkommen unter Datenschutzge- Juristinnen und Juristen, Nichtregierungsorganisationen
sichtspunkten besonders kritikwürdig ist. Auf der Basis und Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern hochgra-
der Mitteilung der Kommission könnten zukünftige Ab- dig problematisch. Argumente, die dies untermauern und
kommen jedoch erheblich besser ausfallen. Die Aufhe- allesamt im Abkommen selbst zu finden sind, wurden in
bung geschlossener Abkommen, wie von den Linken in zahlreichen Debatten im Bundestag in der letzten Legis-
ihrem Antrag gefordert, kommt aktuell nicht infrage. laturperiode öffentlich gemacht. Deshalb nur einige
Auch ist es momentan nicht angemessen, da eine Nicht- Stichworte hierzu: hohe Speicherfristen von bis zu
weitergabe von Daten bedeuten würde, dass die Flug- 15 Jahren, die anlasslose Speicherung von persönlichen
zeuge ihre Landerechte in dem entsprechenden Land Daten eines jeden Fluggastes – unter anderem Kreditkar-
verlören oder aber die Daten dann ohne jede Rechtssi- teninformationen, Sachbearbeiterinformationen, Infor-
cherheit weitergegeben würden. mationen zu Reiserouten – und ein unzureichendes
Klage-, Einsichts- und Datenschutzniveau für EU-Bür-
Die Kommission hat im Übrigen noch weitere FDP- ger in den USA müssen rechtsstaatliche Bedenken her-
Forderungen aufgegriffen: die Zweckbindung zur Be- vorrufen.
kämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität
aufgrund international anerkannter Definitionen, die Be- Die Linke hat aus zwei Gründen die Debatte aus der
schränkung der Übermittlung von Daten auf ein Min- vergangenen Legislaturperiode erneut aufgegriffen. Zum
destmaß, die generelle Verbesserung der Datensicherheit einen konnten und können weder EU-Kommission und
und die Etablierung einer unabhängigen Datenschutzauf- Bundesregierung eine aussagekräftige Evaluation des
sicht. Abkommens vorweisen, die den Nutzen des Instruments
des Datenaustausches im sogenannten Kampf gegen den
Obwohl wir eine Verbesserung sehen, gibt es natür- internationalen Terrorismus belegt; es liegen keine be-
lich Kritikpunkte. Sind zum Beispiel die Nutzung und lastbaren Zahlen oder Informationen vor, die eine signi-
die Speicherung von sensiblen Daten überhaupt erlaubt? fikante Erhöhung der Sicherheit für Flugreisende, die (D)
(B) Ich möchte unterstreichen, dass die Grundlagen für PNR
USA und die Mitgliedstaaten der Europäischen Union
noch fehlen. Wir brauchen also eine Überprüfung der im Vergleich zu der Zeit ohne Fluggastdatenabkommen
Notwendigkeit und der Proportionalität. Wir schließen beschreiben könnten.
uns hier dem Europäischen Parlament und dem deut-
schen Bundesdatenschutzbeauftragten an, der bereits vor Zum Zweiten ist durch die Entscheidung des Europäi-
ungefähr einem Jahr die Kommission aufgefordert hat, schen Parlaments im Mai dieses Jahres auch für den
die PNR-Abkommen unter dem Gesichtspunkt der Ver- Deutschen Bundestag eine neue politische Situation ent-
hältnismäßigkeit zu prüfen. Hierbei ist auch in Betracht standen. Im Mai lehnten es die Europaparlamentarier ab,
zu ziehen, ob nicht die API-Daten als ausreichend ange- dem seit 2007 gültigen EU-USA-Abkommen nachträg-
sehen werden könnten, um den gewünschten Zweck zu lich ihren Segen zu geben. Der Vertrag von Lissabon
erreichen. Diese Untersuchung wollen wir abwarten. sieht vor, dass das Europäische Parlament dem Abkom-
Das ist für uns entscheidend. Auch neue Verhandlungs- men seine Zustimmung ex post geben muss. Auch die
mandate mit den USA, Australien und Kanada müssen beiden anderen Datenabkommen mit Australien und Ka-
auf Proportionalität getestet werden, bevor sie im Rat nada konnten das EP bislang nicht passieren. Vielmehr
angenommen werden. forderte das Parlament die EU-Kommission auf, bis spä-
testens Juli 2010 einen kohärenten Ansatz in Bezug auf
Wir werden uns, zusammen mit unseren liberalen die Nutzung von Fluggastdatensätzen vorzulegen. Dem ist
Kollegen in Brüssel, weiter für effektive und verhältnis- die Kommission leider erst am 21. September nachge-
mäßige Sicherheitsmaßnahmen einsetzen. kommen. Das EU-Parlament drängt zudem auf Neuver-
handlungen mit den drei Staaten, wobei das Hauptaugen-
Jan Korte (DIE LINKE): Die Fraktion Die Linke for- merk neben der Gewährung eines hohen Datenschutzes
dert mit dem vorliegenden Antrag den endgültigen Ver- vor allem auf der Aushandlung eines gemeinsamen und
zicht auf die transatlantischen und die geplanten europäi- vergleichbaren Abkommens liegt. Zukünftig sollen nicht
schen Flugpassagierdaten-Abkommen. bilaterale Verträge geschlossen werden, sondern ein ge-
meinsamer mit allen Staaten, denen nach dem Abschluss
Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 arbei- eines solchen Abkommens ist. Bereits jetzt haben wei-
ten europäische und US-amerikanische Sicherheitsbe- tere Staaten wie Südkorea und Indien Interesse daran an-
hörden intensiv an der Vernetzung und dem Austausch gemeldet.
einer Vielzahl personenbezogener und hochsensibler Da-
ten, so auch an dem Austausch von Flugpassagierdaten. Die Linke begrüßt ausdrücklich, dass das Europäische
Zu diesem Zweck wurde eine Vielzahl von bilateralen Parlament dem Missbrauchsversuch der EU-Kommis-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7375
(A) sion vorerst widerstand, zu einem einfachen Abnick-Par- Religionszugehörigkeit zulassen, Daten über das Reise- (C)
lament zu werden zu einem Sachverhalt, den das EP büro, die Telefonnummer am Zielort, die Mitreisenden,
selbst nicht mit- und ausgestalten konnte. Gleichzeitig den Sitzplatz usw. usf. Was mit diesen Daten passiert, ist
sind wir aber der Meinung – und dies haben die Ver- nur teilweise geklärt und bisher auch in den Abkommen
handlungen 2007 mit den USA gezeigt –, dass es nach nicht genug geregelt. Ginge es nur darum, zu sehen, wer
derzeitiger Lage nicht möglich ist, ein an Bürger- und da auf einen zukommt, also gewissermaßen eine Vorab-
Freiheitsrechten orientiertes Abkommen im Ergebnis kontrolle vor Erreichen der Grenze, fragt man sich: Wa-
neuer Verhandlungen zu erhalten. Die Erfahrungen mit rum dann all die anderen Daten? – Es geht aber auch um
dem existierenden Abkommen haben gezeigt, dass ein den Abgleich mit Flug- und Einreiseverbotslisten, und
ausreichendes Datenschutzniveau in den Vereinigten da haben ja schon verschiedentlich Menschen böse und
Staaten nicht erkennbar ist. So ist es nur sehr schwer auf falschen Angaben gegründete Erfahrungen machen
möglich, die verbrieften Auskunftsrechte über gespei- müssen.
cherte personenbezogene Daten in Washington in An-
spruch zu nehmen. Der Kern des Problems ist aber die Vorratsdatenspei-
cherung, die hier stattfindet; denn die Speicherfrist endet
Zum anderen handelt es sich bei dem aktuellen und mitnichten mit der Einreise im Zielland oder wenigstens
wohl auch bei dem nun neu auszuhandelnden Abkom- nach erfolgter Rückreise. Stattdessen wird ein Datenpool
men um eine anlasslose Datenspeicherung auf Vorrat; geschaffen, und wenn es einen solchen gibt, dann wird er
dies sagt die Kommission im Übrigen selber in ihren auch genutzt. Wer sich die einschlägigen Debatten hier
Mitteilungen. Das ist aus deutscher Sicht nicht zu akzep- im Hause und die zähen Diskussionen mit den USA ins
tieren. Ich möchte an dieser Stelle an die Entscheidung Gedächtnis ruft, der weiß: So ein Datenberg wird von
des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeiche- Profilern ausgewertet und per Data-Mining durchleuch-
rung erinnern. Dort heißt es, „dass durch die vorsorgli- tet. Und das ist weit jenseits jeden Zwecks, für den die
che Speicherung der Telekommunikationsverkehrsdaten Daten erhoben wurden. Da ging es um die Abwicklung
der Spielraum für weitere anlasslose Datensammlungen eines Fluges, nichts sonst, und nicht um die Fütterung ei-
auch über den Weg der EU erheblich enger wird“. Auch ner Datei, deren Verwendung sich – das vor allem die
vor diesem Hintergrund sollte sich der Bundestag der leidige Erfahrung mit den USA – der Kontrolle und dem
Forderung der Fraktion Die Linke nach einem endgülti- Rechtsweg weitgehend entzieht.
gen Verzicht auf den transatlantischen Datenaustausch
Die Bundesregierung darf deswegen nicht kritiklos
von Flugpassagierdaten anschließen. Gleiches gilt für
den Weg des dauernden Datensammelns und -transferie-
den Aufbau eines europäischen Fluggastdatenaustausch-
rens weitergehen. Sie muss schon bei den Verhandlun-
systems.
(B) gen über die Mandate endlich klare, bürgerrechtliche (D)
Es wird Zeit, Datengroßprojekte, die unter dem Vor- Grenzen ziehen.
wand des vermeintlichen Schutzes der Zivilbevölkerung
und kritischer Infrastruktur aufgesetzt wurden, in ihrem
Kern aber Bürgerrechte abbauen und den Datenschutz Anlage 14
schleifen, zurückzudrehen und für die Zukunft zu unter-
lassen – sowohl in Deutschland als auch in der Europäi- Zu Protokoll gegebene Reden
schen Union. zur Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts: Elektronischen Personalausweis nicht
Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): einführen (Tagesordnungspunkt 18)
Der EU-Rat will noch in diesem Jahr Verhandlungsman-
date verabschieden, auf deren Grundlage neue und Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Ab kom-
– man hofft es jedenfalls – bessere Abkommen zur Wei- mender Woche wird über die Kommunalverwaltungen
tergabe von Fluggastdaten mit den USA, Kanada und der neue Personalausweis im Scheckkartenformat ausge-
Australien ausgehandelt werden sollen. Außerdem soll geben und den bisherigen Personalausweis ersetzen. Der
eine Konzeption für ein EU-eigenes PNR-System vorge- neue elektronische Personalausweis bietet zahlreiche
legt werden, bei dem es nicht mehr nur darum geht, wel- wichtige und zukunftsweisende Innovationen, die insbe-
che Daten an wen weitergegeben werden, sondern bei sondere der rasanten technischen Entwicklung der letz-
dem die EU selbst den großen Datensammler gibt. ten Jahre und den veränderten Kommunikationswegen
und -gewohnheiten Rechnung tragen. Sowohl die Mög-
Das alles infrage zu stellen, ist, wie der vorliegende lichkeit der elektronischen Identifikation, eID, als auch
Antrag es tut, dringend nötig. Dringend nötig ist auch, die qualifizierte Signatur werden unter höchsten Sicher-
die jetzige Praxis jedenfalls zu beenden; denn momentan heitsstandards die Nutzung des Ausweises in der digita-
werden mit viel zu wenigen Beschränkungen viel zu len Welt ermöglichen. Persönlich werde ich in der kom-
viele Daten weitergereicht. Die Passagierdaten – eben menden Woche zur Beantragung des neuen Ausweises
jene PNR – enthalten ja nicht nur Name und Vorname, schnellstmöglich das Bürgeramt meiner Heimatstadt
sondern auch Daten, aus denen sich noch viel mehr In- Neuötting aufsuchen.
formationen über einzelne Personen gewinnen lassen,
zum Beispiel Daten, aus denen sich die Zugehörigkeit zu In Ihrem Antrag sprechen Sie richtigerweise das bis-
einer Partei oder einer Gewerkschaft erkennen lässt, Da- herige Ausweisdokument an, auf dem – wie auch Ihnen
ten über das gewählte Essen, die Rückschlüsse auf die von den Grünen sicher bekannt ist – bereits vier biome-
7376 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) trische Daten, nämlich Körpergröße, Augenfarbe, Licht- erproben E-Business- und E-Government-Anbieter in (C)
bild und Unterschrift, enthalten sind. Durch die Erweite- praktischen Anwendungstests die elektronische Identi-
rung um das digitale Bild und die explizit freiwillige tätsnachweisfunktion des neuen Ausweises in ihren On-
Speicherung von Fingerabdrücken wird eine stärkere lineangeboten. Die Beantragung, Ausstellung und Sper-
und nachvollziehbare Bindung zwischen Ausweisinha- rung von Ausweisen wurden durch ausgewählte
ber und Dokument erreicht. Die missbräuchliche Ver- kommunale Behörden seit Anfang 2010 in einem Feld-
wendung gestohlener Ausweise wird somit zweifelsfrei test evaluiert, dessen Ergebnisse ebenfalls noch vor dem
erschwert. „Roll-out“ in die laufende Projektabwicklung eingeflos-
In Ihrer Argumentation hinsichtlich möglicher Sicher- sen sind.
heitsbedenken, dem zweiten Aspekt Ihres Antrages, räu- Hinsichtlich der in dem Antrag der Bundestagsfrak-
men Sie erfreulicherweise die Sinnhaftigkeit und Notwen- tion Bündnis 90/Die Grünen formulierten Sorgen bele-
digkeit der Verbesserung der sicheren Kommunikation gen insbesondere die Ergebnisse der Studie „Restrisiken
im Internet ein. Umso erstaunlicher erscheint mir die beim Einsatz der AusweisApp auf dem Bürger-PC …“
Tatsache, dass Sie eine weitere Karte für den Versand- den „deutlichen“ Sicherheitsgewinn gegenüber den bis-
handel fordern. Wollen Sie dann auch eine weitere Karte her üblichen Verfahren zur Identifikation oder Kommu-
für die Kommunikation mit Behörden? Und noch eine nikation über das Internet. Bezüglich der eID-Funktion
Karte für sicheren privaten Austausch? Neben der feh- wird explizit die Verbesserung des Schutzniveaus gegen-
lenden praktischen Tauglichkeit dieses Vorschlages wi- über der „herkömmlichen Authentisierung mit Passwör-
derspricht dies auch dem Gebot der Datensparsamkeit. tern“ bestätigt.
Der neue elektronische Personalausweis führt all
diese Möglichkeiten zusammen. Ab dem 1. November In den letzten Wochen wurden in der Öffentlichkeit
werden die Ausweisinhaber sich im Internet elektronisch stellenweise Bedenken insbesondere gegenüber den Ba-
sowohl gegenüber Behörden als auch gegenüber privat- sislesegeräten geäußert. Die Studie weist ebenfalls da-
wirtschaftlichen Dienstleistungsanbietern, beispiels- rauf hin, dass beim Komfortlesegerät aufgrund des ex-
weise beim Onlineshopping, Onlinebanking oder beim ternen PIN-Eingabefeldes und durch das zusätzliche
Onlinekauf von Tickets jedweder Art, ausweisen kön- Display im Lesegerät das Sicherheitsniveau nochmals
nen. Gleichzeitig erhält der Ausweisinhaber über ein angehoben wird. So wird ein Ausspionieren der PIN ver-
Zertifikat die Bestätigung, dass die von ihm aufgerufene hindert, und die Gegenstelle der Authentisierung sowie
Website auch dazu berechtigt ist, seine Daten abzufra- Berechtigungen können vertrauenswürdig angezeigt
gen. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die werden. Unterschiedliche Anwendungen werden unter-
Tatsache, dass über Art und Umfang der zur Verfügung schiedliche Sicherheitsastandards verlangen, sodass die
(B)
gestellten Daten stets die Hoheit und völlige Kontrolle Anwendungen, die sinnvollerweise mit dem Basislese- (D)
bei den Bürgerinnen und Bürgern verbleibt. Ein Ausle- gerät verfügbar sind, auch eine hohe Sicherheit gewähr-
sen privater Informationen ohne Kenntnis oder gar ge- leisten. Anwendungen, bei denen die qualifizierte elek-
gen den Willen der Nutzenden ist im Vergleich zu allen tronische Signatur genutzt wird, werden voraussichtlich
bisher verfügbaren Modellen erheblich erschwert. über Standard- oder Komfortlesegeräte zu verwenden
sein.
Es ist sichergestellt, dass alle Informationen und
Übertragungen mit modernen, dauerhaft wirksamen und Damit nachvollziehbar und eindeutig verknüpft ist die
international anerkannten Verschlüsselungsverfahren si- Integrität des Computers des Bürgers. Entsprechende Si-
cher geschützt werden. Der neue elektronische Personal- cherungsmaßnahmen sind allerdings bereits heute drin-
ausweis ist mit physikalischen und elektronischen Si- gend angeraten, wenn Onlinetransaktionen oder vertrau-
cherheitsmerkmalen auf höchstem technologischem liche Kommunikation durchgeführt werden. Der Schutz
Niveau ausgestattet. des eigenen Computers vor Schadprogrammen mithilfe
Auch unter Berücksichtigung der Schnelligkeit von von Antivirenprogrammen und Firewalls verdient nicht
technischen Innovationen ist über die gesamte Gültig- erst mit der Nutzung des neuen Ausweises besondere
keitsdauer von zehn Jahren sichergestellt, dass die tech- Aufmerksamkeit. Die wichtigsten Hinweise, um das oh-
nische Aufwandsschwelle für Fälschungs- oder Verfäl- nehin deutlich verbesserte Schutzniveau auch verbrau-
schungsversuche sowie auch sogenannte Hacking- cherseitig weiter zu erhöhen, sind für jeden im Internet
Angriffe auf den Chip im Personalausweis ausreichend abrufbar. Gerade in Verbindung mit der Einführung zum
hoch ist. Ich teile ausdrücklich die Einschätzung der 1. November sollte auf die zahl- und umfangreichen Hil-
christlich-liberalen Bundesregierung, dass so die Wahr- festellungen und Informationsangebote nochmals ver-
scheinlichkeit, dass die Algorithmen des neuen Perso- mehrt hingewiesen werden.
nalausweises vor Ablauf der Gültigkeitsdauer von zehn
In vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern
Jahren nicht mehr sicher sind, vernachlässigbar gering
aus meinem Bundeswahlkreis gewinne ich diesbezüglich
ist.
zunehmend den Eindruck, dass sowohl das Interesse als
Am 15. Oktober dieses Jahres wurden die vom Bun- auch das Wissen über die Chancen des neuen Personal-
desministerium des Innern beauftragten Begleitstudien ausweises stetig wachsen. Deshalb habe ich die Hoff-
vorgestellt. Die umfangreichen Tests im Vorfeld der Ein- nung, dass sich – eine entsprechende Verbreitung vo-
führung bestätigen die positive Prognose hinsichtlich des rausgesetzt – die allein im vergangenen Jahr durch das
hohen Schutzniveaus. Seit Oktober 2009 erprobten und Bundeskriminalamt veröffentlichte Zahl von 6 800 ver-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7377
(A) zeichneten Fällen des digitalen Identitätsdiebstahls er- Personalausweis und somit eine modernes Identitätsdo- (C)
heblich reduzieren wird. kument. Das ist nichts Neues, sondern das Produkt eines
sehr aufwendigen Gesetzgebungsvorhabens, das die
Wie ich bereits in meiner letzten Rede zum elektroni- Große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode
schen Personalausweis ausgeführt habe, ist mir, als Be- erfolgreich durchgeführt hat. – Mit diesem Satz habe ich
richtererstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für meine letzte Rede zu diesem Antrag begonnen, dabei
den Bereich des Datenschutzes im Innenausschuss des bleibt es auch jetzt. Mit seriösem politischem Handeln
Deutschen Bundestages, selbstverständlich der Aspekt hat dieser Antrag jedenfalls nichts mehr zu tun, schon
der Datensicherheit ein besonderes Anliegen. Sollten gar nicht zu diesem Zeitpunkt, eine Woche vor Einfüh-
technische Innovationen in der Zukunft die Sicherheit rung. Wer fünf Tage vor Einführung des neuen Auswei-
bestehender Konzepte unterminieren, wird damit aber ses mit diesem Antrag daherkommt und die Einführung
auch die Weiterentwicklung der Sicherheitstechnologien verhindern will, dem spreche ich ein seriöses politisches
einhergehen. Zu diesem bisher nicht vorhersehbaren Zeit- Anliegen ab.
punkt werden die zuständigen Behörden, insbesondere
das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstech- Sie machen wieder auf Protestkultur, um kurzfristig
nik, entsprechende Anpassungen vornehmen müssen politisches Kapital aus Stimmungen und Ängsten in der
und dies selbstverständlich auch tun. Bevölkerung zu schlagen. Ihre Regierungsfähigkeit stel-
len Sie so nicht unter Beweis – ganz im Gegenteil.
Mit der näherrückenden Einführung wird die große Würde man dem Antrag der Grünen folgen und das ge-
Zahl von Einsatzmöglichkeiten, die der neue Personal- samte Projekt jetzt einstampfen, hätte man nicht nur
ausweis bietet und bieten wird, immer deutlicher. Zahl- mehrere Hundert Millionen Euro sinnlos in den Sand ge-
reiche Wirtschaftsunternehmen haben bereits angekün- setzt, sondern auch keine Lösung für eine sichere Identi-
digt oder begonnen, innovative Dienste zu entwickeln fizierung im elektronischen Geschäftsverkehr geschaf-
und dem Verbraucher anzubieten. Mit der erhöhten Si- fen. Ihr Vorschlag, die Einführung einer eigenständigen
cherheit und Praxisnähe wird somit auch ein erheblicher Karte, der sogenannten Wolfgang-Wieland-Gedächtnis-
Komfortgewinn in verschiedenen Lebensbereichen ein- karte – ich habe hierzu bereits Stellung genommen –, zu
hergehen. Einfacheres Anmelden bei Portalen oder prüfen, zeigt Ihre mangelnde Problemlösungskompe-
Shops oder vereinfachte Schadensmeldung bei den Ver- tenz. So wird allenfalls das Portemonnaie dicker, aber
sicherern ist hier sicher erst der Anfang einer sehr wahr- kein praxistaugliches Ausweisdokument für das Internet
scheinlichen Erfolgsgeschichte. Entscheidend in diesem geschaffen.
Zusammenhang ist, dass den Verbraucherinnen und Ver-
brauchern der Mehrwert nicht nur in Bezug auf soge- Mit dem neuen scheckkartengroßen Ausweis wird ein
(B) nannte E-Government-Szenarien, sondern auch für wei- Standard-Identitätsnachweis für die Onlinewelt bereitge- (D)
tere Lebensbereiche deutlich wird. Davon bin ich stellt, den die Bürgerinnen und Bürger sowohl gegen-
allerdings fest überzeugt. über Behörden als auch gegenüber privatwirtschaftli-
chen Dienstleistern nutzen können – natürlich freiwillig,
Der Ausweisinhaber selbst behält die volle Kontrolle genauso wie auch die Abgabe der Fingerabdrücke frei-
darüber, welche seiner persönlichen Daten an den An- willig ist. Zu den verschieden Funktionen des Ausweises
bieter übermittelt werden. Aufgrund seines Sicherheits- habe ich bereits mehrfach hier im Plenum ausgeführt;
konzeptes hilft der neue Personalausweis, Internetkrimi- das möchte ich an dieser Stelle nicht wiederholen.
nalität zu bekämpfen und das Vertrauen der Bevölkerung
in elektronische Transaktionen zu steigern. Nicht zuletzt Die Umstellung vom alten auf den neuen Personal-
für den Jugendschutz sind erhebliche Verbesserungen zu ausweis läuft weitgehend reibungslos; das hören wir aus
erwarten. Prozesse wie Login, Adressverifikation und der Verwaltung. Das ist für ein solches Mammutprojekt
Altersnachweis können wirtschaftlicher und schneller nicht selbstverständlich. Außerdem wird das neue Doku-
realisiert werden. Meiner Überzeugung nach werden ment von vielen Bürgerinnen und Bürgern sehr positiv
sich die massiven Vorteile dieses neuen Ausweises angenommen. Hieran konnten auch die zum Teil absur-
schnell verbreiten. den Schauermärchen über vermeintliche Sicherheitslü-
cken nichts ändern. Es ist dem Bürger klar, dass er EC-
Wenn die Verfahren institutionalisiert sind und eine Karten und PIN getrennt halten muss. Es ist dem Bürger
gewisse Schwelle der Verbreitung überschritten ist, wer- klar, dass er beim Onlinebanking Firewall und Antivi-
den auch von Ihnen von Bündnis 90/Die Grünen diese rensoftware braucht, und es wird dem Bürger erklärt,
zahlreichen Vorteile nicht mehr zu leugnen sein. dass dieses Schutzniveau auch für die besonderen Funk-
Der neue Personalausweis ist eine Innovation, die tionen des E-Personalausweises gelten muss.
über eine zeitgemäße Neuauflage eines Ausweisdoku- Über die angeblichen Sicherheitsrisiken wurde in den
ments weit hinausgeht. Die Sicherheitsbedenken sind Medien viel berichtet. Das ist nichts Neues; wir hatten
weitestgehend unbegründet. Bürgerrechte werden in kei- viele dieser Diskussionen bereits bei der Einführung des
ner Weise beschnitten, und ich hoffe sehr, dass die Bür- elektronischen Reisepasses. Klar ist aber auch, dass die
gerinnen und Bürger schnell die Chancen dieses Viel- Einführung neuer Technologien immer mit gewissen Ri-
zweckwerkzeuges kennen- und schätzen lernen. siken verbunden ist. Auch wenn es die Grünen nicht in-
teressiert: Nur so ist technischer Fortschritt möglich.
Frank Hofmann (Volkach) (SPD): Wir bekommen Beim elektronischen Personalausweis sind die Risiken
ab dem 1. November 2010 den neuen elektronischen jedoch überschau- und beherrschbar. Diese Einschät-
7378 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) zung wird von den Grünen jetzt wohl nicht mehr geteilt. Nicht zuletzt meine eigene Fraktion, die FDP, hat sich (C)
Die Grünen sind da flexibel, mal dafür, mal ein bisschen lange Zeit den Kopf zerbrochen, ob die Vorteile und
dafür und jetzt eben dagegen. Dass sich eine solche Ein- Nutzen des neuen Ausweises den notwendigen Aufwand
stellung dauerhaft auszahlt, halte ich für fragwürdig. zur Absicherung der gespeicherten Daten rechtfertigen.
Wir beantworten diese Frage heute mit einem kritischen
Zu den beschriebenen Sicherheitsproblemen im Ein- Ja. Denn der elektronische Personalausweis verfügt
zelnen. Die Meldung des Chaos Computer Club lautete, – wie übrigens selbst kritischste Experten wie zum Bei-
die PIN würde beim einfachen Lesegerät über die Tasta- spiel der Chaos Computer Club bestätigen – über ein
tur eingegeben und könne so mittels eines Trojaners aus- sehr hohes Sicherheitsniveau. Alle gespeicherten Daten
gelesen werden. Diese Key-Logger-Problematik ist nun auf dem Ausweis sind auf sicherheitstechnisch hohem
wirklich ein alter Hut und zeigt sich so auch beim ganz Niveau verschlüsselt.
normalen Onlinebanking. Auch hier kann man den An-
wender nicht völlig aus seiner Verantwortung entlassen. Dennoch möchte ich selbstverständlich bestehende
So ist es nötig, den PC im Hinblick auf die Firewall und Gefahrenquellen nicht verschweigen. Sie liegen in der
die Antivirensoftware auf dem neuesten Stand zu halten. – technischen Umgebung des Ausweises sowie beim Nut-
Dieses Problem zeigt sich jedoch nur bei Lesegeräten zer. So können die Zugangsdaten theoretisch und mit
der Basisversion. Dort muss man die PIN über die PC- großem Aufwand ausgespäht werden, wenn ein Aus-
Tastatur eingeben. So kann die Zahlenkombination weisinhaber ein Lesegerät ohne Tastatur benutzt und da-
leichter durch Spähsoftware von Hackern abgegriffen rüber hinaus seine Zugangsdaten per Tastatur auf einem
werden. Hier kann sich auch die Bundesregierung, die Computer eingibt, der nicht vor Virenangriffen geschützt
die Basisgeräte mit Steuergeldern kostenlos unters Volk ist und dessen Betriebssystem seit langem nicht mehr ak-
bringt, nicht aus Ihrer Verantwortung verabschieden. Es tualisiert wurde. Das Bundesamt für Sicherheit in der In-
ist nötig, dass die Verwender eine Handreichung und formationstechnik, BSI, hat aber keine Anhaltspunkte
Unterstützung beispielsweise durch das Bundesamt für dafür, dass bei einem normal geschützten Computer das
Sicherheit in der Informationstechnologie bekommen, Abfangen der PIN möglich ist. Jeder heimische PC mit
um so der Gefahr von Hacker-Angriffen wirksam ent- einem gängigen kostenlosen Virenscanner und aktuali-
gegnen zu können. Noch besser wäre es allerdings, wenn sierten Versionen von Browser und Betriebssystem da-
die Bundesregierung darauf hinarbeiten würde, nur si- gegen ist weitestgehend vor Datenklau geschützt.
chere Geräte mit eingebauter Tastatur in Verkehr zu brin-
gen. Aber ein gewichtiger Grund für die Nichteinfüh- Diese sicherheitstechnische Minimalanforderung an je-
rung ist das nicht. den Internetnutzer ist aber unabhängig von der Nutzung
eines elektronischen Personalausweises eine Selbstver-
Auch hier zeigt sich, dass die Bundesregierung mit ständlichkeit. Wer im Internet unterwegs ist und beim Ein- (D)
(B)
der konkreten Umsetzung eines, wie ich stets betont kaufen Bankdaten preisgibt, wer per E-Mail Privates aus-
habe, richtigen Projekts zum Teil überfordert ist. Dies tauscht, wer beruflich Dienstliches verschickt: Jeder
konnte man auch bei der Gebührenverordnung für den Internetnutzer muss heute Sorge dafür tragen, dass er
Personalausweis sehen, bei der das Innenministerium sich vor dem Ausspähen seiner Daten schützt. Dies
konzeptlos vorgegangen ist. Im Ergebnis müssen nun Ju- sollte so selbstverständlich sein wie das Abschließen der
gendliche und Kommunen die Zeche zahlen. Auch eigenen Haustür, wenn man die Wohnung verlässt. Alles
hierzu habe ich bereits ausführlich Stellung genommen. andere ist fahrlässig. Deswegen setze ich mich unabhän-
gig von der Einführung des elektronischen Personal-
Ich kann den Grünen nur raten: Machen Sie keine tak- ausweises schon lange dafür ein, dass wir die Medien-
tischen Spielchen bei sinnvollen Projekten wie diesem. bildung aller Bürgerinnen und Bürger fördern, vom
Nutzen Sie Ihre neugewonnene Motivation aus dem ak- Kindergarten an bis ins hohe Alter. Denn mit einem vor-
tuellen Umfragehoch, und setzen Sie sich mit dem Total- handenen Bewusstsein um die potenziellen Risiken jeder
versagen der schwarz-gelben Bundesregierung auseinan- Nutzung des Internets und einem vernünftigen Maß an
der. Hier ist berechtigte Kritik angebracht. Wachsamkeit lassen sich die allermeisten Risiken im
Netz so gut wie ausschließen.
Manuel Höferlin (FDP): Je näher die Einführung des
elektronischen Personalausweises rückt, desto hekti- Ich will aber hier nicht nur über die natürlichen Risi-
scher – und vor allem unsachlicher – wird die Debatte ken eines jeden technischen Produktes sprechen, son-
um ihn geführt. Dies ist besonders bedauerlich, weil eine dern auch die Fortschritte bei der Dokumentensicherheit
kritische Auseinandersetzung aller Beteiligten mit die- des neuen Ausweises aufzeigen. Durch die Verwendung
sem neuen Instrument des Meldewesens heute und in eines biometrischen Passfotos wird die Verwendung des
Zukunft unabdingbar ist. Anstelle von Panikmache, Ausweises durch andere Personen als den rechtmäßigen
Halbwahrheiten und Fehlinformationen muss Aufklä- Besitzer zusätzlich erschwert; die Fingerabdrücke, deren
rung über die technischen, wirtschaftlichen und Büro- Aufnahme freiwillig ist, sind ein zusätzliches, nicht
kratie reduzierenden Funktionen des elektronischen Per- fälschbares Instrument, das den Missbrauch des Auswei-
sonalausweises treten. ses weiter reduziert. Die Nutzung der freiwilligen elek-
tronischen Funktionen des Ausweises gelingt nur, wenn
Mit gutem Recht sorgen sich Bürgerinnen und Bür- sowohl der Ausweis als auch die Anmeldedaten vorlie-
ger, die sogenannte „Netzgemeinde“ und – oftmals et- gen; das heißt, ein verlorener oder gestohlener Ausweis
was durchsichtig – die Vertreter der Parteien um die Si- allein stellt kein größeres Risiko dar, solange nicht die
cherheit der persönlichen Daten auf dem neuen Ausweis. persönlichen Zugangsdaten vorliegen. Hier unterschei-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7379
(A) det sich der neue Ausweis nicht von einer EC-Karte, bei konstruktiven und kritischen Begleitung der Einfüh- (C)
der auch jeder weiß, dass sie niemals mit der Geheim- rungsphase des elektronischen Personalausweises dazu
zahl zusammen aufbewahrt werden darf. bei, dass wir die Chancen des neuen Ausweises in seiner
ganzen Bandbreite nutzen und Risiken rechtzeitig erken-
Vielfach ist Kritik an dem höheren Preis des elektro-
nen!
nischen Personalausweises zu vernehmen. Wir Liberale
nehmen diese Kritik ernst. Dem höheren Preis, der auf
die zehnjährige Geltungsdauer des Ausweises übrigens Jan Korte (DIE LINKE): Die Einführung dieses un-
gerade einmal 2 Euro pro Jahr ausmacht, steht aber auch ausgereiften Pfusch-Persos ist hochgradig sicherheitsge-
ein ungleich höheres Maß an Möglichkeiten des neuen fährdend und verantwortungslos. Auch wenn es bei der
Ausweises gegenüber. So ermöglicht die zweifelsfreie Politik dieser Bundesregierung eigentlich nicht anders
Identifizierung des Ausweisbesitzers neue Möglichkei- zu erwarten war, müssen wir heute feststellen, dass Sie
ten im Bereich des E-Government und des Handels. Der beim elektronischen Personalausweis leider völlig bera-
neue Ausweis kann dazu beitragen, dass zum Beispiel tungsresistent sind. Sie kommen einfach nicht von ihrem
behinderte Menschen, für die der Gang ins Rathaus, zur Biometrie-Trip herunter. Völlig dogmatisch hält der
Krankenkasse oder zum Einkaufen nur schwer oder gar Bundesinnenminister an einem seiner Lieblingsspiel-
nicht möglich ist, neue Teilhabemöglichkeiten eröffnet zeuge fest. Niemand scheint ihn bei seinem Treiben auf-
werden, wenn sie mehr Angelegenheiten selbst und si- halten zu können. Koste es, was es wolle, werden seit
cher online regeln können. Auch für Bürgerinnen und Jahren die aberwitzigsten biometrietechnischen Spiele-
Bürger im ländlichen Raum kann eine sichere Online- reien aus dem Bundesamt für Sicherheit in der Informa-
Identifizierung unzählige Wege und Kilometer sparen. tionstechnik gegen jeden Rat und jede Expertise durch-
Last, but not least: Wer kann heute voraussagen, wie geboxt. So ist es auch beim neuen Personalausweis, ganz
wir in zehn Jahren leben werden? Welche Verwaltungs- gleich, ob Verbraucherschützer die Kosten bemängeln
vorgänge, welche Geschäftsmodelle, welche Arbeits- und Datenschützer und Computerexperten massive Si-
plätze werden sich komplett ins Internet verlagert ha- cherheitsbedenken äußern, ganz gleich, ob Forscher zu
ben? Mit dem elektronischen Personalausweis schaffen dem Ergebnis kommen, dass der neue Personalausweis
wir die Voraussetzung dafür, dass Deutschland mit dem noch völlig unausgereift ist und massive Sicherheitslü-
technischen Fortschritt mithalten kann. Wir eröffnen uns cken aufweist oder fast alle Nutzungsszenarien nur den
Optionen, ohne heute schon entscheiden zu müssen, wel- Diensteanbietern und meist nicht dem Endnutzer helfen.
che wir nutzen wollen und werden. Es wäre töricht, auf
diese Chancen zu verzichten. So wird also am kommenden Montag, am 1. Novem-
ber, der neue elektronische Personalausweis kommen.
(B) Für all diejenigen, bei denen die Skepsis vor dem (D)
Das ist bedauerlich, und ich kann nur hoffen, dass sich
neuen Ausweis überwiegt, sei nochmals klipp und klar noch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger in den
erwähnt: Abgesehen vom biometrischen Passbild sind letzten Wochen und Monaten einen der bisherigen Per-
alle neuen und zusätzlichen Funktionen des elektroni- sonalausweise besorgt haben. Die Bundesregierung ließ
schen Personalausweises freiwillig. Fingerabdrücke allen verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bür-
müssen nicht abgegeben werden. Der innenliegende gern, die verhindern wollten, diesen Pfusch-Perso die
Chip kann deaktiviert werden. Die digitale Signatur
nächsten zehn Jahre mit sich herumtragen zu müssen, ja
muss ohnehin gesondert aufgebracht werden; niemand
nur diese Wahl.
erhält diese unwissentlich oder gegen seinen Willen.
Wer zunächst den Ausweis nicht vollumfänglich nutzen Nachdem sich die FDP im Juli von ihren sehr ver-
will, kann auch später noch die elektronischen Funktio- nünftigen Positionen aus der letzten Legislaturperiode
nen aktivieren lassen. verabschiedet hatte, war klar, wo das hier enden würde.
Die FDP lehnt deshalb die Forderung der Grünen, auf In ihrem damaligen Antrag „Keine Einführung des elek-
die Einführung des elektronischen Personalausweises zu tronischen Personalausweises“ forderte die FDP noch
verzichten, entschieden ab. ganz richtig, dass der Deutsche Bundestag die Einfüh-
rung des elektronischen Personalausweises ablehnen
Ich möchte dennoch gerne kurz auf die zweite Forde- solle, weil die umfangreiche Erfassung und Speicherung
rung der Grünen eingehen. Anstelle des elektronischen der biometrischen Daten zur elektronischen Identifizie-
Personalausweises solle die Einführung einer Identifika- rung nicht notwendig sei und mehr Nachteile als Vorteile
tionskarte für den Onlinehandel geprüft werden. Dazu mit sich bringe. Damals kamen Sie, liebe Kolleginnen
kann ich nur sagen: Die Bundesregierung denkt weder und Kollegen von der FDP, zu dem Ergebnis, dass die
über die Einführung einer „Bundes-Shopping-Card“ zwangsweise Verwendung von biometrischen Daten al-
nach, noch wird sie das unter liberaler Beteiligung je tun. ler Bundesbürger unverhältnismäßig sei. Ihr Parlamenta-
Aus Steuergeldern soll nach Auffassung der Grünen ein rischer Geschäftsführer, Herr Ahrendt, forderte selbst
nur für das Einkaufen im Internet zu nutzendes Produkt
vor einem halben Jahr noch, der Staat müsse sich bei sei-
entwickelt werden. Diese Forderung ist grotesk und be-
ner Datensammelwut zurücknehmen und deshalb die
weist die haushaltspolitische Verantwortungslosigkeit
Entscheidung für den Ausweis korrigieren. Davon ist
der Grünen.
jetzt nirgendwo mehr die Rede. Man kann sich des Ein-
Ich lade heute alle Fraktionen des Deutschen Bundes- drucks nicht erwehren, dass hier eine kollektive Gehirn-
tages ein: Tragen Sie in den nächsten Jahren mit einer wäsche durch ihren Koalitionspartner stattgefunden hat.
7380 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Innenminister Thomas de Maizière wird nach wie vor sen konnte: Bei der Billigvariante kann Schadsoftware, (C)
nicht müde, zu erklären, dass „dieser neue Personalaus- etwa ein sogenannter Trojaner, die sechsstellige PIN
weis … die sicherste elektronische Identitätskarte, die es mitlesen. Von den zehn beim Fraunhofer-Institut für Of-
auf dem Markt gibt“, sei. Wenn das stimmt, wirft das fene Kommunikationssysteme gelisteten Herstellern
nicht gerade ein gutes Licht auf die Anbieter von elek- stellen nur zwei auch die sicherste Variante, den Kom-
tronischen Identitätskarten. Bedauerlicherweise sind bei fortleser, her. Aber, wie gesagt, diese Komfortleser sind
hoheitlichen Dokumenten die von Ihnen immer so ge- bislang noch überhaupt nicht zertifiziert und für den
priesenen Marktgesetze außer Kraft gesetzt: Wenn der Markt zugelassen. Dabei braucht man ein Gerät der
letzte alte Personalausweis abgelaufen ist, gibt es prak- höchsten Sicherheitsklasse, will man alle angepriesenen
tisch eine gesetzliche Verpflichtung zum Besitz von un- Fähigkeiten des neuen Personalausweises nutzen: Die
ausgereiften Pfuschprodukten. Unterschriftsfunktion, mit der man online Dokumente
rechtsverbindlich unterzeichnen kann, wird nur mit ei-
Aber schauen wir uns den derzeitigen Stand einmal nem Komfortleser für mehr als 150 Euro möglich sein.
etwas genauer an. Für Onlineangebote bietet der neue Das heißt also: Sicherheit wird es beim nPA vorerst nicht
Personalausweis einige zusätzliche Optionen: eine elek- geben; denn von den einzig erhältlichen Lesegeräten rät
tronische Identitätsbestätigung, eID, eine kostenpflich- die Bundesregierung aus Sicherheitsgründen ab.
tige, digitale Signatur, QES, zum elektronischen Unter-
schreiben und eine Pseudonymfunktion zur Bestätigung Aber zurück zum Mantra des Innenministers. Selbst
der Person, ohne persönliche Informationen von sich wenn man naiverweise annimmt, dass der neue Perso-
preisgeben zu müssen. Um diese Funktionen nutzen zu nalausweis zum jetzigen Zeitpunkt sicher ist, dann stellt
können, braucht man spezielle Lesegeräte, über die der sich doch die Frage, wie lange das so bleiben wird. Auch
Ausweis mit einem Computer verbunden wird. Dies noch so sichere technische Systeme werden inzwischen
birgt jedoch ein großes Sicherheitsproblem, da viele in ziemlich kurzen Zeiträumen überwunden. Da wäre es
Computer ungenügend geschützt sind. Deutschland be- naiv, anzunehmen, dass dies nun ausgerechnet bei die-
fand sich Anfang des Jahres auf der Rangliste der Länder sem Produkt, dessen Überwindung Kriminellen unge-
mit den meisten infizierten Rechnern auf Platz drei. ahnte Möglichkeiten bietet, anders sein sollte.
Nach Schätzungen von IT-Sicherheitsexperten sollen
mehrere Hunderttausend Rechner in Deutschland von Es muss hier auch noch einmal festgehalten werden,
sogenannten illegalen Botnetzen genutzt werden. Auf dass die angeblich fehlende Sicherheit des jetzigen Per-
den infizierten und gekaperten Rechnern befinden sich sonalausweises Ihnen nur als populärer Vorwand für ein
ohne Wissen der Benutzerinnen und Benutzer Schadpro- Projekt diente, das die Bürgerinnen und Bürger nie ge-
gramme, mit deren Hilfe die Ressourcen des PCs von braucht und auch nicht gewollt haben. Es ging und geht
(B) Kriminellen unbemerkt genutzt und auch PINs von Ihnen um die Schaffung eines Marktes für biometrische (D)
Bankkonten ausgeforscht werden können. Die Sorge um Techniken, um ihre möglichst umfassende Einführung
die Sicherheit der persönlichen Daten ist in Deutschland und darum, einen großen Teil der Entwicklungskosten
also zu Recht groß. Einer aktuellen Studie des IT-Dienst- via Steuergelder und Gebühren den Bürgerinnen und
leisters Unisys zufolge würden jedoch nur wenige Bür- Bürgern in Rechnung zu stellen. Dafür nehmen Sie sogar
ger für mehr Schutz auch einen größeren Aufwand be- eklatante Risiken in Kauf und zwingen die Bürgerinnen
treiben. 72 Prozent, der in dieser Studie in Deutschland und Bürger in eine biometrische Marktgemeinschaft.
Befragten, machen sich ernsthaft Sorgen um einen mög- Auch wer ganz sicher gehen will und die auf den Markt
lichen Identitätsdiebstahl. Dennoch hielten sich die per- geworfenen unsicheren Billigprodukte von Lesegeräten
sönlichen Anstrengungen für die eigene Datensicherheit nicht nutzen will, wer weiß, dass eine nichtprofessio-
in Grenzen. Nur 37 Prozent der Befragten würden zum nelle, gängige Sicherheitsstruktur des privaten PCs nie
Beispiel schwer zu knackende Passwörter nutzen und sie ganz sicher sein kann, wer die teuren und heute halb-
regelmäßig ändern, und 19 Prozent hält ihre Antiviren- wegs sicheren Komfortlesegeräte nicht kaufen kann oder
software nicht auf dem aktuellen Stand. In einer solchen will, wer aus diesen guten, vernünftigen Gründen be-
Situation Pflichtdokumente mit einem Identitätsschlüs- stimmte Funktionen des nPA nicht benutzen will, der fi-
sel für Internetgeschäfte und E-Government zu verknüp- nanziert trotzdem das ganze Projekt mit, weil jede und
fen und dabei den Bürgerinnen und Bürgern auch noch jeder verpflichtet ist, einen Personalausweis zu benut-
Sicherheit vorzugaukeln, ist hochgradig unverantwort- zen. Hier wird bewusst und zwangsweise eine unsichere
lich. Technik auf Kosten der kritischen Nutzerinnen und Nut-
Wenn man aber versucht, durch die Hardware einem zer eingeführt.
Missbrauch möglichst gut vorzubeugen, sollte man laut Eine solche Politik lehnen wir strikt ab. Identitäts-
Innenministerium einen vom Bundesamt für Sicherheit schlüssel für Internet und E-Government dürfen auf kei-
in der Informationstechnik, BSI, zertifizierten Standard- nen Fall mit Pflichtdokumenten kombiniert werden. Der
oder besser noch Komfortleser benutzen. Doch die der- Antrag der Grünen hat daher unsere volle Unterstützung.
zeit zur Verfügung stehenden Lesegeräte sind Mangel-
ware: Bislang sind überhaupt erst drei Modelle offiziell
zertifiziert, von deren Benutzung das Bundesinnen- Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
ministerium aber aus Sicherheitsgründen abrät, da alle Nächste Woche soll es nun so weit sein: Der vom Bun-
drei Geräte nur Basisleser sind, deren Sicherheitspro- desinnenminister gepriesene neue Personalausweis
bleme der Chaos Computer Club erst kürzlich nachwei- kommt in die Ämter. Dort teilt man die Begeisterung des
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7381
(A) Ministers keineswegs; denn vor Ort bedeutet der neue eben nicht. Niemand kann seriös für zehn Jahre die Si- (C)
Ausweis vor allem höhere Kosten und mehr Arbeit. cherheit garantieren; das lässt die rasante technische Ent-
wicklung nicht zu. Also müsste man, bei entsprechend
Landauf, landab rechnen die Kämmerer mit roten hohen Kosten, die Karte häufiger austauschen. Die ho-
Zahlen. Von den drastisch gestiegenen Gebühren von hen Anschaffungskosten entstehen übrigens allen, auch
28,80 Euro, die von den Bürgerinnen und Bürgern zu denen, die von den neuen Funktionen keinen Gebrauch
zahlen sind, gehen gerade einmal sechs Euro an die machen wollen.
kommunalen Ämter. Die rechnen aber mit zehn bis 15
Euro anfallenden Kosten. Für den neuen Ausweis Wie praktisch die neue Karte sein wird, hängt zudem
braucht es nämlich zwei- bis viermal so viel Beratungs- sehr stark von der Akzeptanz bei den Unternehmen ab.
zeit wie für den bisherigen; entsprechend ist der Perso- Die Bundesregierung hat uns jüngst gesagt, noch nicht
nalbedarf. Und da sind die Kosten für neue Computer, zwei Dutzend würden sich dafür interessieren, und dieje-
Anpassung der Einrichtung, Verkabelung, Beschaffung nigen, die dies interessiert, stellen fest: Um die sichere
von ausreichenden Sicherheitsschränken und nicht zu- Übertragung zu gewährleisten, muss in teure Infrastruk-
letzt die Schulung des Personals noch gar nicht mit ein- tur oder entsprechende Dienstleistungen investiert wer-
gerechnet. Faktisch subventionieren die Kommunen je- den. Ich bin skeptisch, ob kleine und mittelständische
den Ausweis nach eigenen Angaben mit bis zu neun Unternehmen sich das leisten können und leisten werden
Euro – und das in Zeiten knapper Kassen, die von und ob damit der Nutzen wirklich so groß ist.
Schwarz-Gelb noch weiter geleert werden. Auch die Hohe Kosten, unklarer Nutzen, ungewisse Sicherheit –
Bürgerinnen und Bürger haben nicht „mehr netto“, son- das sind drei Argumente, die dafür sprechen, den Aus-
dern zahlen, auch wenn sie die neuen Funktionen gar weis Ausweis sein zu lassen, also beim bisherigen Perso-
nicht haben wollen, fast 20 Euro mehr für ihren Aus- nalausweis zu bleiben. Die eID-Funktion sollte besser
weis. – Das ist die eine Subvention, um den neuen Aus- auf einer separaten Karte eingeführt werden. Dann kann
weis so schnell wie möglich unters Volk zu bringen. sich dafür entscheiden – und bezahlen –, wer will.
Die zweite Subvention sind die Lesegeräte. Der Bund
verschenkt handliche kleine Kartenleser, mit denen die
elektronische Identifikationsfunktion vom heimischen Anlage 15
PC aus genutzt werden kann. Schade nur, dass man hier Zu Protokoll gegebene Reden
ausnahmsweise mal gespart hat und nur Geräte der un-
tersten Sicherheitsstufe verteilt. Die lassen auf schlecht zur Beratung:
geschützten Computern – und von denen gibt es Hun- – Beschlussempfehlung und Bericht: Deutsch-
(B) derttausende – Datendieben die Hintertür weit offen. lands Verantwortung für die Gesundheit in (D)
Das hat auch eine Studie ergeben, die das BMI selbst be- Entwicklungsländern – Vernachlässigte
auftragt hatte. Eine Alternative gibt es allerdings kaum: Krankheiten bekämpfen, Kinder- und Müt-
Die ins Feld geführten sichereren Leser mit entsprechen- tersterblichkeit verringern und Globalen
der Zertifizierung des BSI sind noch gar nicht auf dem Fonds stärken
Markt.
– Antrag: „Global Health Governance“ stär-
Das führt zu den konkreten fachlichen Bedenken. Zu- ken – Gesundheitsversorgung in Entwick-
nächst: Ist dieser Ausweis nötig? Als neue Version des lungs- und Schwellenländern voranbringen
Personalausweises sicher nicht. Das jetzige Modell ist
fälschungssicher, wie uns auch der sonst nicht zum Aus- (Tagesordnungspunkt 22 a und b)
räumen von Sicherheitsbedenken neigende BKA-Präsi-
dent bestätigt hat. Als Personalausweis ist das neue Mo- Sabine Weiss (Wesel I) (CDU/CSU): Gesundheit in
dell eher unsicherer; da bleibt die Gefahr des den Entwicklungsländern – darüber sind wir uns sicher
unbefugten, heimlichen Auslesens der Daten auf dem schnell einig – ist nach wie vor ein Thema, bei dem noch
RFID-Chip. Warum auch der Fingerabdruck gespeichert dringender Handlungsbedarf besteht. Nach wie vor ster-
werden kann, bleibt das Geheimnis der Regierung. Sie ben jährlich 8 Millionen Kinder an vermeidbaren Krank-
hat offenbar keinen wirklichen Grund zur Erhebung des heiten, bevor sie das fünfte Lebensjahr vollendet haben.
Abdrucks; sonst wäre die Speicherung verpflichtend. Wo Nach wie vor sterben 350 000 Frauen an Geburtskompli-
aber kein Grund genannt werden kann, muss der Staat kationen, die eigentlich mit relativ wenig Aufwand ver-
auf die Erfassung verzichten. mieden werden können. Ich will hier gar nicht tiefer in
die Analyse gehen; das alles haben wir in unseren Unter-
Bis hierhin also nichts Neues durch den neuen Aus-
lagen, und das ist in dem heute vorliegenden Antrag der
weis. In der Tat neu ist die elektronische Identifikations-
SPD ja auch in allen Einzelheiten detailliert dargelegt
funktion. Damit soll man sich gegenüber zertifizierten
und analysiert.
Onlinehändlern ausweisen können. Das hat ein paar
Fußangeln in Sicherheitsfragen – die Problematik der Wir sind uns einig, dass hier Handlungsbedarf gege-
Lesegeräte habe ich genannt –, auch wenn hier im We- ben ist, und dem stellen wir uns: Weltweite Gesundheit
sentlichen mit wirklich aktueller Sicherheitstechnik ge- ist ein Schwerpunktthema der deutschen Entwicklungs-
arbeitet wurde. Nur: Aktuell bleibt nicht aktuell. Der zusammenarbeit. Auch international ist das Thema Ge-
Ausweis soll zehn Jahre gelten. Für einen Personalaus- sundheit endlich weiter ins Zentrum gerückt. Zunächst
weis ist das richtig, aber für ein sensibles IT-Produkt hatten wir alle mit Sorge zur Kenntnis genommen, dass
7382 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) die Millenniumsziele vier und fünf zu denen gehörten, in ben und dass ich nicht die Verantwortung dafür überneh- (C)
denen bislang noch am wenigsten Fortschritte erzielt men möchte, dass Menschen wieder am HIV-Virus ster-
werden konnten. Aber tatsächlich ist es in diesem Jahr ben, weil wir unsere Finanzierung zurückgezogen haben.
endlich gelungen, diese „vergessenen Ziele“ ganz oben
auf die internationale Tagesordnung zu setzen. Diese Diskussion haben wir leidenschaftlich geführt,
und das Ergebnis kann sich sehen lassen: 200 Millionen
Beim G-8-Gipfel und auf der New Yorker Konferenz Euro im kommenden Jahr und Verpflichtungsermächti-
zum Stand der Millenniumsziele standen die Fragen der gungen in gleicher Höhe für 2012 und 2013. Damit ist
weltweiten Gesundheit immer wieder an prominenter Deutschland nach wie vor der drittgrößte Geber welt-
Stelle, und da wurde nicht nur diskutiert, da sind auch weit. Das sollten wir zur Kenntnis nehmen und nicht so-
ganz handfeste Beschlüsse gefasst worden. Auf dem fort wieder kleinreden. 600 Millionen für drei Jahre, das
G-8-Gipfel gab es die Muskoka-Initiative mit der Zu- sind keine Peanuts, und das ist keine nationale Schande.
sage, zwischen 2011 und 2015 5 Milliarden US-Dollar 600 Millionen Euro sind eine Menge Geld, und damit
zusätzlich für die Verbesserung der Mütter- und Kinder- wird weltweit eine Menge Gutes bewirkt. Natürlich ist
gesundheit auszugeben. Klares Ziel ist es, die Kinder- mehr schöner. Wem sage ich das? Mehr Geld ist immer
sterblichkeit um 1,3 Millionen Leben zu verringern, die gut und hilfreich; auch mir fielen sofort etliche Bereiche
Müttersterblichkeit um zusätzliche 64 000 Leben zu sen- ein, wo ich zugunsten der Weltgesundheit Gelder um-
ken und 12 Millionen Paaren die Möglichkeit zu geben, schichten würde. Wir alle wünschen uns unbegrenzte
selbstbestimmt zu verhüten. Mittel; aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.
Auf dem MDG-Gipfel wurde die 40-Milliarden-Dol- Seien wir ehrlich: Vor dem Hintergrund der Schulden-
lar-Strategie der Vereinten Nationen zur Erreichung der bremse und mit Blick auf die streckenweise drastischen
Millenniumsziele vier und fünf formuliert – ein Aktions- Kürzungen in anderen Etats kann sich der Etat für die
plan, der in beispielhafter Weise auf das Zusammenspiel Entwicklungszusammenarbeit nicht nur sehen lassen; es
von Staaten, nichtstaatlichen Organisationen und Zivil- ist sogar ein guter Haushalt. Zusammen mit dem Bil-
gesellschaft setzt. In der Tat muss dies Hand in Hand ge- dungshaushalt ist der Bereich der wirtschaftlichen Zu-
hen; das Thema Gesundheit ist nicht erfolgreich von sammenarbeit und Entwicklung der einzige, der nicht
oben herab zu regeln. Hier kann jeder selbst Verantwor- nur nicht gekürzt wurde, hier gibt es sogar eine, wenn
tung übernehmen, und wir müssen dafür sorgen, dass auch kleine, Steigerung. Das zeigt den Stellenwert des
dies auch den Menschen in den armen Ländern möglich Themas, das zeigt den Einsatz der Kolleginnen und Kol-
wird. legen im Ausschuss, das zeigt den Einsatz des Ministers,
und das sollten Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von
Deutschland hat in diesem Sommer ebenfalls kon- der Opposition, dann auch einmal positiv zur Kenntnis
(B) krete Zusagen gegeben: Zusätzlich zu den bisher jährlich nehmen. (D)
300 Millionen Euro für MDG 4 und MDG 5 werden wir
in den kommenden fünf Jahren im Rahmen der Mus- Bei der Einbringung Ihres Antrags habe ich schon ge-
koka-Initiative noch einmal 400 Millionen Euro für sagt: Wenn man die finanziellen Bedürfnisse Ihrer
mehr Gesundheit weltweit zur Verfügung stellen. 34 Forderungen grob überschlägt, hätten Sie diese selbst
in Zeiten von Rot-Grün nicht durchsetzen können. Das
Ich sage daher: Dieser Sommer 2010 war ein guter Gleiche gilt für Ihre Forderungen nach mehr Geld für
Sommer für die Gesundheit von Kindern und Müttern. den Globalen Fonds und im Entwicklungsetat allgemein.
Dieser Sommer war ein guter Sommer für die Schwächs- Das lässt sich wohlfeil fordern; aber wenn es um die
ten und Verletzlichsten auf unserer Erde. Vergessen wir Durchsetzung geht, dann haben wir uns doch mit unse-
nicht: Die Folgen der Weltwirtschaftskrise waren und ren Haushältern und mit nicht minder berechtigten Be-
sind die unangenehmen Wegbegleiter bei allen politi- gehrlichkeiten der anderen Fachressorts auseinanderzu-
schen Entscheidungen, national wie international, und setzen. Wenn Sie dann einmal ehrlich sind, dann wissen
dies wird sich in den nächsten Jahren auch nicht so Sie quer durch die Fraktionen: Die Nachrichten vom
schnell ändern. Wenn es in einer solchen Situation ge- Sommer 2010 sind gute Nachrichten für die Gesundheit
lingt, nicht nur den Status quo zu halten, sondern sogar weltweit.
noch mehr Mittel bereitzustellen, dann ist das eine gute
Nachricht für die weltweite Gesundheit, und dies lassen Herzlichen Dank an alle, die hierzu beigetragen ha-
wir uns auch nicht kleinreden. ben, hier im Parlament, im Ministerium, aber auch und
besonders bei unseren Partnern in den NGOs, den Kir-
Sie, meine Damen und Herren von der Opposition,
chen und den Entwicklungshilfeträgern vor Ort.
versuchen, uns in eine Ecke zu drängen, in der wir uns
quasi herzlos und kalt aus der Verantwortung für den
Globalen Fonds stehlen wollen. Das will ich so nicht un- Sibylle Pfeiffer (CDU/CSU): Neben der Würde des
kommentiert stehen lassen, weil es nicht der Wahrheit Menschen sind die körperliche Unversehrtheit und die
entspricht. Natürlich ist der Globale Fonds keine heilige eigene Gesundheit das höchste Grundrecht, das wir be-
Kuh. Man darf seine Wirksamkeit hinterfragen und so- sitzen. Um das zu gewährleisten, brauchen wir ein funk-
gar kritisch überprüfen, ob das Geld, das wir Jahr für tionierendes Gesundheitswesen. Doch gerade das fehlt
Jahr dort hineingeben, auch gut angelegtes Geld ist. Das in vielen Ländern. Daher sind der Aufbau und die Unter-
ist weder herzlos noch kalt, sondern unsere Aufgabe als stützung von funktionierenden Gesundheitsstrukturen in
verantwortliche Politikerinnen und Politiker. Aber ich den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusam-
sage auch, dass wir derzeit kein besseres Instrument ha- menarbeit einer der Schwerpunkte unserer Arbeit. Das
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7383
(A) BMZ hat dazu ein eigenes Sektorkonzept erarbeitet, und dern Subsahara-Afrikas und Südasiens. Dass vor dieser (C)
auch unsere Durchführungsorganisationen messen dem menschlichen Katastrophe die Welt nicht die Augen ver-
Recht auf Gesundheit eine hohe Bedeutung zu. Doch lei- schließt, ist richtig und nachvollziehbar.
der stößt unsere Arbeit oftmals an Grenzen: Mit unseren
begrenzten Mitteln schaffen wir es nicht immer, die Part- Das kaum vorhandene medizinische nationale Fach-
nerländer beim Aufbau ihrer Gesundheitssysteme so er- personal arbeitet oft in Projekten der NROs oder der in-
folgreich zu unterstützen, wie wir alle uns das wünschen. ternationalen Geber, und das häufig für Gehälter, die
Die Gründe dafür sind von Land zu Land, von Region zu weit über dem Landesüblichen liegen, oder es wandert
Region unterschiedlich. gar in den reichen „Norden“ ab. Bei unserer Arztdichte
muss man auch den eigenen Anspruch an das deutsche
Leider wird in der deutschen Debatte dieses Thema Gesundheitswesen einmal kritisch hinterfragen. Im Er-
auf Fragen der Wirkstoffforschung und Arzneimittel- gebnis fehlt den staatlichen Gesundheitssystemen somit
preise oder die Rolle der internationalen Institutionen das Personal, um wenigstens eine flächendeckende Ba-
und Organisationen verkürzt. Das ist zweifelsohne sehr sisversorgung für die eigene Bevölkerung organisieren
wichtig; aber selbst unter idealtypischen Bedingungen zu können, durch die eine Vielzahl Menschenleben ge-
hätte ich immer noch gewaltige Probleme in den Län- rettet würde. Projekte von außen können das nicht leis-
dern vor Ort. Daher ist die zentrale Frage wie in vielen ten, da sie örtlich begrenzt sind, mitunter nur bestimmte
anderen Sektoren der Entwicklungszusammenarbeit medizinische Indikationen behandeln oder nur einen ge-
auch: Sind die Partnerländer vor Ort sowohl in der Lage ringen Teil der Bevölkerung erreichen.
als auch willens, ihre Aufgaben wahrzunehmen und ent-
sprechende Politiken umzusetzen? Denn es gibt viele Mein Appell richtet sich daher an ein Umdenken über
Faktoren, die den Aufbau funktionierender Gesundheits- unsere Art der Unterstützung. Wir müssen die Strukturen
systeme behindern, manche sind hausgemacht, in eini- in den Partnerländern verbessern und sie so in die Lage
gen Fällen müssen wir uns – auch die Zivilgesellschaft – versetzen, funktionierende Gesundheitssysteme aufzu-
an die eigene Nase fassen. bauen. Alle Hilfe von außen und Projekte der Zivilge-
sellschaft können das nicht ersetzen, sondern nur ergän-
Den Ministerialbehörden der Partnerländer fehlen oft- zen. Um das zu erreichen, braucht es viel Zeit, Beratung
mals das Personal, die Strukturen, die Haushaltsmittel und Geldmittel und eine internationale Abstimmung der
und manchmal leider auch – ich sage es einmal euphe- Geber, internationaler Organisationen und NROs. In na-
mistisch – der politische Wille, um mit Unterstützung tionalen Alleingängen sind unser Einfluss und unsere
der Gebergemeinschaft ein flächendeckendes Gesund- Wirkung begrenzt.
heitssystem aufzubauen. Sie sind überfordert und kaum
in der Lage, langfristige und tragfähige Konzepte zu ent- Aber auch die WHO muss dringend reformiert wer-
(B)
werfen und dann auch umzusetzen. Trotz all der Erfolge den, um eine zentralere Rolle zu spielen. In Fragen der (D)
beispielsweise bei der Erforschung neuer Wirkstoffe Effizienz ist das Wirken der WHO alles andere als opti-
fehlt es dann an den Strukturen vor Ort, um diese auch mal. Ich kann daher einigen Passagen im Antrag der
effektiv zur Bekämpfung der sogenannten vernachläs- Grünen durchaus zustimmen. Nur: Mir fehlt hier die
sigten Krankheiten einsetzen zu können. Hinzu kommen klare Aufforderung an die nationalen Regierungen der
Faktoren wie Armut, Hunger und fehlende finanzielle Entwicklungsländer, auch ihre Hausaufgaben zu ma-
Ressourcen, die für humanitäre Katastrophen Ursache chen; denn auch sie tragen eine große Mitverantwortung
und Folge zugleich sind. für die Schwierigkeiten, vor denen wir stehen.
Vor über zwei Jahren haben wir im Bundestag schon Doch trotz aller Hiobsbotschaften gibt es auch Indizes
über diesen Teufelskreislauf diskutiert. Ich zitiere: und Meldungen, die Mut machen. So stieg die gesund-
„Krankheiten sind nicht nur die Folge der Armut, son- heitsrelevante Entwicklungszusammenarbeit, ODA, von
dern auch deren Ursache. Arme Menschen werden weltweit knapp 7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf
krank, und kranke Menschen werden arm.“ Doch diesen mehr als 17 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008. Da-
Teufelskreislauf zu durchbrechen, ist unheimlich schwer. durch konnte beispielsweise die Kindersterblichkeit trotz
Ohne die Schaffung eines entsprechenden Gesundheits- erheblicher regionaler Unterschiede weltweit deutlich
systems wird wirtschaftlicher Aufschwung verhindert, abgesenkt werden: zwischen 1990 und 2007 um 27 Pro-
und ohne wirtschaftlichen Aufschwung gibt es kaum zent.
Aussicht auf eine funktionierende Krankenversorgung
für eine ganze Gesellschaft. Dadurch entsteht menschli- Vor allem die Länder Subsahara-Afrikas haben den
ches Leid gerade im ländlichen Raum der ärmsten Län- Anschluss aber noch nicht geschafft, und die menschli-
der, welches internationale Nichtregierungsorganisatio- chen Katastrophen, die sich dort abspielen, sind Grund
nen und die Gebergemeinschaft lindern wollen. Sie genug, weiter in den Sektor Gesundheit zu investieren.
bauen örtliche Krankenstationen auf, kümmern sich um Denn sie sind eine moralische Katastrophe für den Rest
die Behandlung von Epidemien oder die Versorgung von der Menschheit.
jungen Müttern und ihren Kindern. Doch trotz aller Be-
mühungen sterben jedes Jahr fast 9 Millionen Kleinkin- Karin Roth (Esslingen) (SPD): Der Antrag der SPD,
der an Krankheiten, die größtenteils vermeidbar wären – den wir heute beraten, ist ein Arbeitsprogramm für eine
sogar mehr als an HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose, notwendige, kohärente und zielorientierte Gesundheits-
auf die sich die Debatte manchmal konzentriert. Über politik für die Entwicklungsländer, um die gesundheits-
7 Millionen dieser Opfer stammen aus den ärmsten Län- bezogenen Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 auch
7384 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) nur annähernd erreichen zu können. Der Bundesregie- Instrument hierzu sind die sogenannten Produktentwick- (C)
rung würde es nicht schaden, sich an diesem Antrag zu lungspartnerschaften.
orientieren.
Immerhin – das möchte ich ausdrücklich als positiv
Bei Regierungsantritt hieß es, Gesundheit sei ein erwähnen – ist das Forschungsministerium jetzt in die
Schwerpunkt in der künftigen Entwicklungszusammen- Förderung der Produktentwicklungspartnerschaften ein-
arbeit. Was das bedeutete, hat man gesehen: Sofort soll- gestiegen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Aber was für
ten dem Globalen Fonds die für 2010 zugesagten Mittel ein zögerlicher, halbherziger Anfang. Die Summen, die
gestrichen werden. Und so ging es weiter. Ab 2012 soll- Sie dafür vorsehen, sind gemessen am Bedarf und im in-
ten die bisherigen 200 Millionen Euro jährlich wegfal- ternationalen Vergleich sehr, sehr bescheiden. Daher for-
len. Nur Protest von NGOs und Opposition hat die Ko- dern wir eine erhebliche Aufstockung der Gesamtmittel.
alition, den Minister und die Bundeskanzlerin vor einer
internationalen Blamage bewahrt. Jetzt sind im Haushalt Es geht hier nicht nur um die Entwicklung ganz neuer
immerhin Verpflichtungsermächtigungen für die Jahre Medikamente, sondern auch um eine Verbesserung der
2012 und 2013 jeweils in Höhe von 200 Millionen Euro Effizienz. Wenn Sie eine Therapie haben, die über Wo-
eingestellt. chen eine regelmäßige Einnahme verlangt, können Sie
sich in etwa vorstellen, was im Feld passiert. Geforscht
Mittelstreichung, Brechen von internationalen Zusa- werden muss daher auch an Therapien, die kürzer,
gen, fehlende Konzepte und Orientierungslosigkeit schneller und mit geringeren Nebenwirkungen laufen.
kennzeichnen das Agieren des Ministers im Bereich der
Entwicklungszusammenarbeit insgesamt und im Ge- Ebenso wichtig wie die Entwicklung neuer Medika-
sundheitsbereich insbesondere. Monate nach der Zusage mente und Impfstoffe ist der Zugang zu preiswerten Ge-
der Kanzlerin auf dem G-8-Gipfel in Kanada, 80 Millio- nerika und Medikamenten. Das TRIPS-Abkommen hat in
nen Euro pro Jahr für die Bekämpfung von Mütter- und Verbindung mit der Doha-Erklärung die richtigen Voraus-
Kindersterblichkeit zusätzlich bereitzustellen, weiß man setzungen geschaffen. Jetzt muss die Bundesregierung
im Ministerium nicht, wie man diese Zusage realisiert. aber dafür Sorge tragen, dass nicht plötzlich durch soge-
Man hat schlicht keine Ahnung. Und so geht es weiter. nannte TRIPS-plus-Abkommen genau dieser Geist un-
Dabei ist es ganz einfach, liebe Kolleginnen und Kolle- terlaufen wird. Ich fordere die Bundesregierung noch
gen von der Regierungskoalition. Mit diesem Antrag ha- einmal nachdrücklich dazu auf, beispielsweise beim
ben Sie ein Arbeitsprogramm, dass Sie Punkt für Punkt kurz vor dem Abschluss stehenden EU-Indien-Handels-
abarbeiten könnten. Ich weiß, dass in Ihren Reihen als abkommen streng darauf zu achten, dass in der Frage der
Gegenargument zu dem Antrag lediglich die angeblich Generika keine Rückschritte zugunsten der Pharmain-
dustrie und zulasten der Gesundheit von Millionen Be-
(B) fehlende Gegenfinanzierung genannt wird. Lesen Sie dürftigen gemacht wird. (D)
den ganzen Antrag; auch zu diesem Punkt werden Sie
Vorschläge finden, wie zum Beispiel die Einführung ei- Wenn wir auch nur annähernd die gesundheitsbezoge-
ner Finanztransaktionsteuer auch zur Finanzierung der nen Millenniumsziele erreichen wollen, müssen wir han-
Entwicklungszusammenarbeit. deln und Geld in die Hand nehmen. Das Ziel einer ODA-
Ich möchte hier einige Punkte herausgreifen. Der Quote von 0,51 Prozent für 2010 wurde weit verfehlt.
Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose Wir müssen die WHO stärken und reformieren, damit sie
und Malaria ist eines der effizientesten und wirksamsten wieder die Leitfunktion in globalen Gesundheitsfragen
Instrumente zur Bekämpfung der drei großen Krankhei- übernehmen kann. Wir müssen den Partnerländern dabei
ten, die jedes Jahr Millionen Menschenleben kostet. Es helfen, ihre Gesundheitssysteme auf- und auszubauen.
ist eine deutlich höhere Unterstützung notwendig, um Wir müssen mehr Gesundheitspersonal ausbilden und
Menschenleben zu retten; dabei bleiben wir. Eine ähnli- verhindern, dass es nach Europa oder sonstwohin ab-
che Wirkung im Kampf gegen die „großen Drei“ kann wandert. Wir müssen den Zugang zu Medikamenten ver-
man nicht mit bilateralen Instrumenten, wie von Minis- bessern, die Effizienz steigern und neue Medikamente
ter Niebel angestrebt, erreichen. Der Globale Fonds ist entwickeln.
eines der Argumente, warum das verbohrte Beharren auf Zu all den notwendigen Schritten gibt es sowohl be-
eine Mittelverteilung von zwei Drittel bilateral zu einem währte Instrumente und Maßnahmen als auch neue und
Drittel multilateral weder zielführend noch ergebnisori- innovative. In unserem Antrag haben wir Ihnen die not-
entiert ist. Das sagen nicht nur wir; das können Sie auch wendigen und machbaren Schritte aufgezeigt und auch
im neuen DAC-Peer-Review nachlesen – vielleicht glau- zur Finanzierung entsprechende Vorschläge wie die Fi-
ben Sie ja dem. Auch ein gebetsmühlenartiges Wieder- nanztransaktionsteuer gemacht. Jetzt sind Sie am Zuge.
holen, dass dies im Koalitionsvertrag stünde, gibt dem Handeln Sie, denn es geht um die Glaubwürdigkeit
Ganzen keinen wirklichen Sinn. Deutschlands in der Welt.
Zweitens. Verfügbarkeit und Zugang zu Medikamen-
ten ist für die Bekämpfung der Krankheiten entschei- Helga Daub (FDP): Gesundheit in den Entwick-
dend. Die vernachlässigten Krankheiten fordern in den lungsländern ist ein Thema in der Entwicklungspolitik,
Entwicklungsländern Millionen von Toten, insbesondere das erfreulicherweise immer mehr in den Focus des Inte-
von Kindern. Daher sind die Forschung und die Ent- resses rückt. Das zeigt unter anderem die Einsetzung des
wicklung entsprechender Medikamente und Impfstoffe Unterausschusses Gesundheit in den Entwicklungslän-
von essenzieller Bedeutung. Ein besonders effizientes dern – ein Zeichen des Willens, diesen Bereich zum Er-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7385
(A) folg zu führen. Das heißt, der Deutsche Bundestag er- Widersprechen möchte ich Ihrer Forderung, „auf eu- (C)
kennt die Bedeutung des Themas und will sich den ropäischer Ebene dafür Sorge zu tragen, dass nicht wei-
drängenden Fragen zur Gesundheitsversorgung in Ent- terhin unter Berufung auf das TRIPS-Abkommen Gene-
wicklungsländern nachdrücklich widmen. rika, die sich lediglich im Transit befinden, beschlag-
nahmt werden“. Hier bleiben wir bei unserer Ablehnung;
In der Zielsetzung sind wir uns oft über die Fraktions- denn Beschlagnahmungen von Generika im deutschen
grenzen hinaus näher, als man glauben könnte. Der hier Transit sind sinnvoll, wenn der dringende Verdacht be-
vorliegende Antrag der SPD-Fraktion ist ein gutes Bei- steht, dass diese eine Fälschung sein könnten. Das gilt
spiel hierfür, auch wenn er in einigen Punkten bereits auch dem Schutz der Empfänger. Die Vorgehensweise
veraltet ist. Ich meine damit zum Beispiel die Forderun- bleibt nötig, um sicherzustellen, dass keine gesundheits-
gen zwei und drei, die das Vorfeld des Milleniumgipfels gefährdenden Medikamente in Umlauf geraten.
und der Wiederauffüllungskonferenz für den Global
Fund in New York betreffen. Hier konnten wir im Zuge Erlauben Sie mir noch ein Wort zur ODA-Quote. Wir
der Haushaltsberatungen schon wichtige Schritte gehen; haben schon so viel darüber gesprochen, diskutiert und
wir alle hoffen, dass der Antrag des AWZ, den Global uns auch Unsachliches dazu an den Kopf werfen lassen
Fund auch im Bundeshaushalt 2011 und darüber hinaus müssen. Noch einmal: Diese Bundesregierung hat sich
mit 200 Millionen Euro für die nächsten Jahren zu unter- von Beginn an der ODA-Quoten-Herausforderung ge-
stützen, den Haushaltsausschuss passieren wird. stellt; sie kennt die Problematik, weiß, wie – ich möchte
hier unseren Minister zitieren – „sportlich“ diese He-
Die FDP-Fraktion teilt, wie Sie wissen, viele Ansich- rausforderung ist. Leider blenden Sie, liebe Kolleginnen
ten, insbesondere was die Forschung bei vernachlässigten und Kollegen der SPD, wie so oft auch in diesem Antrag
Krankheiten oder die Rolle der Bekämpfung von Tuber- völlig aus, dass die Verantwortung der letzten elf Jahre
kulose, Malaria und Aids bei der Senkung der Kinder- in ihren Reihen lag. Das Ziel teilen wir, aber einseitige
und Müttersterblichkeit, zweier wesentlicher Millenium Schuldzuweisungen nicht. Es wäre besser gewesen, der
Development Goals – die Ziele vier und fünf –, spielt. Versuchung zu widerstehen, in diesem Antrag gebets-
Die Rückschlüsse und Forderungen, die die SPD in die- mühlenartig die ODA-Quote zu wiederholen.
sem Antrag zieht bzw. stellt, sind allerdings nur bedingt
teilbar. Wir hatten in der letzten AWZ-Sitzung ja ausrei- Somit wird die FDP-Fraktion, trotz vieler inhaltlicher
chend Gelegenheit, uns über die Forderungen, die in die- Gemeinsamkeiten, die wir mit der SPD bezüglich der
sem Antrag aufgelistet sind, zu unterhalten. Verbesserung der Gesundheit in Entwicklungsländern
haben, diesem Antrag nicht zustimmen können.
Der GFATM ist zweifellos ein wichtiges Instrument Ich komme nun zum zweiten Antrag, den wir heute
(B) zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Tuberku- hier debattieren, zu dem Antrag der Grünen zum Thema (D)
lose. Doch eine Verengung und alleinige Konzentration „Global Governance stärken“. Herr Kekeritz, Sie und
auf den GFATM im Kampf gegen diese Krankheiten Ihre Kollegen haben hier einen fachlich und sachlich gu-
wird den Gegebenheiten vor Ort nicht gerecht. Auch ten Antrag formuliert, dem wir in vielen Punkten zustim-
darf man bei aller Wertschätzung nicht den kritischen men könnten. Sie beschreiben zu Recht den Handlungs-
Blick verlieren. Auch wir schätzen die Arbeit des Global bedarf bezüglich Koordination, Übersichtlichkeit und
Fund; aber man muss darauf achten, ihn nicht zum „All- Effizienz innerhalb der WHO und ihre zukünftige Rolle
heilmittel“ zu stilisieren. Der GFATM ist ein Instrument, betreffend. Auch Ihrer Aufforderung, die WHO möge
das ambulante Hilfe leistet, aber weniger dazu geeignet ihre Kooperation mit der WTO, World Trade Organisa-
ist, gesundheitliche Basisversorgung und Infrastruktur tion, und der WIPO, World Intellectual Property Organi-
zu gewährleisten. Hier will die Bundesregierung mit den sation, verstärken, stimmen wir, ergänzt um die
bilateralen Projekten, die Deutschland in den Partnerlän- UNCTAD, United Nations Conference on Trade and De-
dern durchführt, langfristige Strukturen schaffen, die velopment, zu.
selbsttragende Gesundheitsversorgung sichern kann.
Dieser Antrag wäre in vielen Punkten grundsätzlich
Nicht zuletzt muss natürlich auch auf die Haushalts- zustimmungsfähig, wäre nicht die völlige Konzentration
lage geachtet werden, die derzeit keinerlei Erhöhungen auf die WHO. Selbst bei deren Reformierung und Stär-
über das Maß hinaus duldet. So wünschenswert eine kung würden wir uns das Recht vorbehalten, auch bilate-
deutliche Finanzierungserhöhung für viele gute Organi- rale Unterstützung im Gesundheitsbereich zu leisten.
sationen wäre – solange wir nicht den Goldschatz am Natürlich wollen wir als drittgrößter Geber zum regulä-
Ende des Regenbogens gefunden haben, bleiben diese ren Haushalt der Weltgesundheitsorganisation diese vo-
Forderungen Wunschdenken, die bei manchem Ihrer ranbringen und nutzen, um essenzielle Beiträge zur Ver-
Kollegen bis hin zur unseriösen Gaukelei reichen. besserung der Weltgesundheit zu leisten.
Liebe Frau Roth, die SPD weist in ihrem Antrag zu Wo wir als FDP großen Handlungsbedarf sehen, ist in
Recht auf die bedeutende Rolle der Forschung hin, deren der Umsetzung der gesteckten Ziele und in gewisser
Ziel die Entwicklung von neuen und effizienteren Thera- Weise auch in Bezug auf die Maßnahmen. Finanzierung
pien ist. Seien Sie versichert: Da stehen wir Seite an von Gesundheit ist für uns ein produktives Investment,
Seite. Wir wollen auch darauf drängen, dass dieser so das dem Dreiklang von Armutsbekämpfung, Menschen-
wichtige Bereich stärker gefördert wird, um somit auch rechten und Wirtschaftswachstum zugutekommt. Nur
die großen Forschungspotenziale zu nutzen, die wir hier gesunde Menschen sind in der Lage, sich selbst zu hel-
in Deutschland haben. fen. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass dort,
7386 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) wo Regierungen noch nicht einmal in der Lage sind, eine Sterben weggeschickt werden müssen, weil kein Geld (C)
Basisgesundheitsversorgung zu gewährleisten, viele pri- mehr für die nötigen Medikamente vorhanden ist.
vate und gemeinnützige Projekte bei der Bereitstellung
Ärzte ohne Grenzen hat diesen Umstand folgender-
von Absicherung gegen Gesundheitsrisiken einen wich-
maßen kommentiert: „Der heutige Tag markiert einen
tigen Beitrag leisten. Damit ist die Zusammenarbeit mit
traurigen Wendepunkt im Kampf gegen Aids, Tuberku-
Nichtregierungsorganisationen und dem Privatsektor in
lose und Malaria. Die führenden Politiker der Welt ha-
Deutschland und in den Partnerländern zentral für den
ben heute den Globalen Fonds offiziell unterfinanziert.
Erfolg unserer Politik. Die Rolle der WHO als Koordi-
Diese Entscheidung wird dazu führen, dass Millionen
nator darf hier nicht unter-, aber auch nicht überschätzt
Menschen an Krankheiten sterben werden, die behandel-
werden. Es ist bekannt, dass das BMZ und wir als FDP-
bar wären.“ Es ist wirklich erbärmlich: Die Bundesregie-
Fraktion auch die bilaterale Hilfe für effizient halten und
rung heuchelt auf dem Millenniumsgipfel in New York
einen multilateralen Abfluss von Geldern an die WHO in
internationale Verantwortung. Frau Merkel erklärt voll-
einer Struktur, wie Sie sie andeuten, skeptisch betrach-
mundig, sich natürlich weiter mit voller Kraft für die
ten.
Millenniumsziele einzusetzen. Ein paar Wochen später,
Wie gesagt, trotz einiger inhaltlicher Differenzen ha- wenn es konkret wird, tut sie das Gegenteil. Na ja, der
ben Sie mit diesem Antrag wichtige Punkte in die parla- deutsche Sitz im Sicherheitsrat war da wohl schon in tro-
mentarische Diskussion eingebracht. Ich freue mich sehr ckenen Tüchern. Wen kümmern da die Versprechungen
auf die weiteren Diskussionen zu diesem wichtigen von gestern?
Thema und die weitere Beschäftigung mit diesem An- Zu einigen im vorliegenden SPD-Antrag enthaltenen
trag. Forderungen möchte ich noch einige Worte sagen:
Seit nunmehr 16 Jahren gilt die Faustregel, dass maxi-
Niema Movassat (DIE LINKE): Nächste Woche mal ein Drittel der deutschen Entwicklungszusammen-
werde ich mit dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusam- arbeit in multilaterale Projekte fließen soll. Gerade ange-
menarbeit und Entwicklung nach Lesotho reisen. Leso- sichts des großen Erfolgs multilateraler Initiativen im
tho ist ein Beispiel für die dramatische Lage im Bereich Gesundheitsbereich ist dies völlig überholt. Die Koali-
der Gesundheit in Entwicklungsländern. 23 Prozent der tion und Herr Niebel haben das leider immer noch nicht
Menschen dort leiden an HIV/Aids; die durchschnittli- verstanden.
che Lebenserwartung liegt gerade einmal bei circa
35 Jahren. Lesotho ist dabei nur ein trauriges Beispiel Die Fraktion Die Linke unterstützt die Forderung
von vielen. nach mehr öffentlicher Unterstützung für die Forschung
zu vernachlässigten Krankheiten. Die Linke hat bereits
(B) Wir beraten heute den Antrag der SPD zum Thema (D)
2009 in einem Antrag die Bundesregierung aufgefordert,
„Gesundheit in Entwicklungsländern“. Dieser enthält mindestens 10 Prozent der für die „Pharmainitiative“
ganze 34 Forderungen an die Bundesregierung. Ich finde verausgabten Mittel für die Erforschung vernachlässigter
es sehr positiv, dass die SPD sich so eingehend mit dem Krankheiten und Armutskrankheiten vorzusehen. Gene-
Thema beschäftigt; das möchte ich hier einmal festhal- rell muss die Bundesregierung endlich mehr Geld für öf-
ten. Einige Forderungen bezüglich des Globalen Fonds, fentliche Forschung in diesem Bereich in die Hand neh-
denen sich Die Linke vorbehaltlos anschließen konnte, men.
sind allerdings mittlerweile überholt. So hat die Wieder-
auffüllungskonferenz für den Globalen Fonds zur Be- Wir begrüßen außerdem, dass die Bundesregierung
kämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose Anfang endlich in die Förderung von Produktentwicklungspart-
dieses Monats nicht zur notwendigen Mittelaufstockung nerschaften einsteigt, wobei die Ausgrenzung von Aids
geführt. und Tuberkulose hierbei ein Fehler ist. Die ausgelobten
Fördermittel für 2011 in Höhe von 7 Millionen Euro
Deutschland hätte sich hier fast völlig vor der Weltge- können nur ein erster Schritt sein. Zum Vergleich: 2008
meinschaft blamiert. Erst nach großem öffentlichen wurden für Produktentwicklungspartnerschaften im Be-
Druck ist Entwicklungsminister Niebel zurückgerudert reich vernachlässigter Krankheiten insgesamt 390 Mil-
und hat den deutschen Beitrag nicht, wie ursprünglich lionen Euro aufgewendet.
von ihm vorgesehen, ab 2012 gestrichen, sondern auf
Zur verbesserten Forschung an vernachlässigten
dem jetzigen Niveau von 200 Millionen Euro jährlich
Krankheiten ist weiterhin die Schaffung eines For-
beibehalten. Diese Summe ist dennoch alles andere als
schungspools nötig, durch den auch die Hersteller von
rühmlich, um nicht zu sagen, jämmerlich. Deutschland
Medikamenten für die Erreichung der Gesundheitsmil-
hätte zumindest eine Verdopplung seiner Beiträge bis
lenniumsziele in die Pflicht genommen werden könnten.
2013 zusagen müssen. Denn nur um eine Fortsetzung
der bisherigen Arbeit zu gewährleisten, wären insgesamt Last, but not least möchte ich auf einen zentralen Un-
mindestens 13 Milliarden US-Dollar nötig gewesen. Zur terschied zwischen der SPD und der Linken eingehen,
Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele im Ge- was das grundsätzliche Herangehen an das Thema „Ge-
sundheitsbereich wären sogar 17 Milliarden US-Dollar sundheit in Entwicklungsländern“ angeht. In der Jakarta-
erforderlich. Insgesamt hat der Globale Fonds aber am Deklaration von 1997 heißt es, dass „Frieden, Schutz,
Ende nur 11,7 Milliarden US-Dollar an Zusagen erhal- Bildung, soziale Sicherheit, soziale Beziehungen, Ernäh-
ten. Dies bedeutet im Klartext, dass in den nächsten Jah- rung, Einkommen, das Empowerment von Frauen, ein
ren etwa Aids-Patientinnen und -patienten schlicht zum stabiles Ökosystem, nachhaltiger Ressourcenverbrauch,
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7387
(A) soziale Gerechtigkeit, Respekt vor den Menschenrechten Die derzeitigen Strukturen der Global Health Gover- (C)
und Gerechtigkeit“ Voraussetzungen für Gesundheit nance sind zu unübersichtlich und ineffizient, um effek-
sind. Die Deklaration benennt Armut als größte Gefahr tive Gesundheitssysteme aufbauen zu können. Unzählige
für die Gesundheit. Dem stimmen wir voll zu. Die im Organisationen arbeiten nebeneinander her, kämpfen um
vorliegenden Antrag geforderte Gesundheitssystemför- Geld und Aufmerksamkeit und treiben ihre Programme
derung wird ohne Frieden und soziale Gerechtigkeit voran. Dies erschwert die Umsetzung nationaler Strate-
nicht erfolgreich sein. Da die SPD diese Aspekte völlig gien zur Entwicklung eigener, auf die Situation des jewei-
außen vor gelassen hat, können wir dem Antrag leider ligen Landes zugeschnittener Gesundheitsprogramme, die
nicht zustimmen und werden uns enthalten. den individuellen Interessen des jeweiligen Landes ge-
recht werden.
Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wir
Wir brauchen also, um die Ziele zu erreichen, eine
debattieren heute über die globale Gesundheit. Das
bessere globale Koordination. Die Gebergemeinschaft
heißt, wir sprechen weder ausschließlich über die WHO
noch über den Globalen Fonds noch über irgendeine an- muss mit den jeweiligen nationalen Regierungen ge-
dere der unzähligen globalen Gesundheitsorganisatio- meinsam Programme, Konzepte und Strategien zum
nen, sondern wir haben inhaltliche Ziele. Diese sind im Aufbau von Gesundheitssystemen vorantreiben. Dabei
Antrag der SPD gut nachvollziehbar erläutert: For- wird die Eigenverantwortung der Partnerländer gestärkt.
schung zu vernachlässigten Krankheiten und die Be- Die zentrale, koordinierende Rolle in diesem Prozess
kämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria müs- kann nur die WHO übernehmen.
sen intensiver erfolgen, und die Verbesserung von Es versteht sich von allein, dass auch die WHO selbst
Mütter- und Kindergesundheit muss mehr in den Fokus reformiert werden muss. Dies haben wir in unserem An-
der Anstrengungen gestellt werden, um nur die wichtigs- trag ausdrücklich betont. Unabhängig davon bleibt
ten Schlagworte zu nennen. All diese Punkte erläutert jedoch richtig, dass nur die WHO die demokratische Le-
der Antrag der SPD mit vielen Details. gitimation bzw. das alleinige Mandat der Weltgemein-
Trotzdem werden wir uns enthalten. Zum einen ist der schaft, also der UN hat, die „leitende und koordinierende
Antrag in Teilen veraltet, gerade was die MDG-Konfe- Stelle des internationalen Gesundheitswesens“ zu sein.
renz und die Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Genau so wurde es der WHO bei ihrer Gründung in die
Fonds angeht. Vor allem aber haben wir bei einigen Verfassung geschrieben.
wichtigen Details des Antrags eine andere Position, zum
Beispiel was die Höhe der Forderungen beim Globalen Wir haben in unserem Antrag ganz konkrete Vor-
Fonds angeht. Wir plädieren hier für 300 Millionen Euro schläge gemacht, wie es gelingen kann, eine koordinierte
(B) pro Jahr, nicht für 420 Millionen Euro wie die SPD. Am und kohärente globale Gesundheitspolitik zu organisie- (D)
relevantesten ist für uns jedoch, dass nicht der Globale ren. Zum einen hat die WHO bislang kaum ihre Kompe-
Fonds der zentrale Akteur der internationalen Gesund- tenz genutzt, internationale Verträge zu initiieren. Denk-
heitspolitik werden soll, sondern die Weltgesundheits- bar wäre die Aushandlung eines völkerrechtlichen
organisation. Vertrags, der die WHO als Koordinatorin der globalen
Gesundheitsinitiativen bekräftigt und die vielen Akteure
Ich gehe davon aus, dass wir uns alle der Zielsetzung dazu verpflichtet, ihre Programme unter der Leitung der
des SPD-Antrages anschließen. Diesen Konsens teilen WHO zu harmonisieren. Es müssen konkrete Mechanis-
wir mit den unzähligen nationalen und internationalen men geschaffen werden, wie die Koordinierung durch
Gesundheitsinitiativen, die jeden Tag dafür kämpfen, die WHO aussehen könnte. Dabei muss das Mitsprache-
dass sich die globale Gesundheitssituation verbessert. recht aller Beteiligten sichergestellt sein. Ein neu zu
Gerade aus diesem Grund ist es jedoch unabdingbar, gründendes Komitee C, zu den existierenden Komitees
dass wir die vorhandenen Kräfte bündeln, um die glo- A und B, könnte diese Arbeit leisten. Dieses Komitee
bale Gesundheitspolitik effizienter zu gestalten. Um das wäre bei der Weltgesundheitsversammlung angesiedelt,
zu erreichen, fordert die SPD in ihrem Antrag, sogar di- würde den Initiativen eine Plattform geben, sich zu prä-
rekt im Titel, die Stärkung des Globalen Fonds. Der sentieren, und gleichzeitig verbindliche Abstimmungen
Fonds ist ohne Zweifel ein wichtiger Akteur der globa- ermöglichen.
len Gesundheitsarchitektur; aber er ist nur einer unter
vielen. Wir Grünen plädieren hingegen dafür, vor allem Dies sind ganz konkrete Ansätze, die wir alle voran-
die WHO in ihrer politischen Stellung zu stärken, um treiben sollten, um unsere gemeinsamen Ziele letztlich
dort eine Koordination der globalen Gesundheitsinitiati- zu erreichen. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung bei die-
ven anzusiedeln. sem Anliegen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7389
(A) BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms Markus Grübel Matthias Lietz (C)
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler Manfred Grund Dr. Carsten Linnemann
Monika Grütters Patricia Lips
Kerstin Andreae
Nein Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Dr. Jan-Marco Luczak
Marieluise Beck (Bremen)
Guttenberg Dr. Michael Luther
Volker Beck (Köln)
CDU/CSU Olav Gutting Karin Maag
Cornelia Behm
Florian Hahn Hans-Georg von der Marwitz
Birgitt Bender Ilse Aigner
Alexander Bonde Holger Haibach Andreas Mattfeldt
Peter Altmaier Dr. Stephan Harbarth Stephan Mayer (Altötting)
Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer
Ekin Deligöz Jürgen Hardt Dr. Michael Meister
Dorothee Bär Gerda Hasselfeldt Dr. Angela Merkel
Katja Dörner Thomas Bareiß
Hans-Josef Fell Dr. Matthias Heider Maria Michalk
Norbert Barthle Mechthild Heil Dr. h. c. Hans Michelbach
Dr. Thomas Gambke Günter Baumann
Kai Gehring Frank Heinrich Dr. Mathias Middelberg
Ernst-Reinhard Beck Rudolf Henke Philipp Mißfelder
Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Britta Haßelmann Michael Hennrich Dietrich Monstadt
Manfred Behrens (Börde) Jürgen Herrmann Marlene Mortler
Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Winfried Hermann Ansgar Heveling Dr. Gerd Müller
Dr. Christoph Bergner Ernst Hinsken Stefan Müller (Erlangen)
Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Ulrike Höfken Peter Hintze Nadine Schön (St. Wendel)
Steffen Bilger Christian Hirte Dr. Philipp Murmann
Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Bärbel Höhn Robert Hochbaum Bernd Neumann (Bremen)
Peter Bleser Karl Holmeier Michaela Noll
Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
Thilo Hoppe Franz-Josef Holzenkamp Dr. Georg Nüßlein
Wolfgang Börnsen Joachim Hörster Franz Obermeier
Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Katja Keul Anette Hübinger Henning Otte
Wolfgang Bosbach
Memet Kilic Thomas Jarzombek Dr. Michael Paul
Norbert Brackmann
Sven-Christian Kindler Dieter Jasper Rita Pawelski
Klaus Brähmig
Maria Klein-Schmeink Dr. Franz Josef Jung Ulrich Petzold
Michael Brand
Ute Koczy Andreas Jung (Konstanz) Dr. Joachim Pfeiffer
Dr. Reinhard Brandl
Tom Koenigs Dr. Egon Jüttner Sibylle Pfeiffer
Helmut Brandt
Sylvia Kotting-Uhl Bartholomäus Kalb Beatrix Philipp
Dr. Ralf Brauksiepe
Oliver Krischer Hans-Werner Kammer Ronald Pofalla
Dr. Helge Braun
Agnes Krumwiede Heike Brehmer Steffen Kampeter Christoph Poland
(B) Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus Alois Karl Ruprecht Polenz (D)
Stephan Kühn Gitta Connemann Bernhard Kaster Eckhard Pols
Renate Künast Alexander Dobrindt Siegfried Kauder (Villingen- Daniela Raab
Markus Kurth Thomas Dörflinger Schwenningen) Thomas Rachel
Undine Kurth (Quedlinburg) Marie-Luise Dött Volker Kauder Dr. Peter Ramsauer
Monika Lazar Dr. Thomas Feist Dr. Stefan Kaufmann Eckhardt Rehberg
Nicole Maisch Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter Katherina Reiche (Potsdam)
Agnes Malczak Ingrid Fischbach Eckart von Klaeden Lothar Riebsamen
Jerzy Montag Hartwig Fischer (Göttingen) Ewa Klamt Josef Rief
Kerstin Müller (Köln) Dirk Fischer (Hamburg) Volkmar Klein Klaus Riegert
Beate Müller-Gemmeke Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke Dr. Heinz Riesenhuber
Ingrid Nestle Land) Julia Klöckner Johannes Röring
Dr. Konstantin von Notz Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig Dr. Norbert Röttgen
Omid Nouripour Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen Dr. Christian Ruck
Friedrich Ostendorff Herbert Frankenhauser Dr. Kristina Schröder Erwin Rüddel
Dr. Hermann Ott Dr. Hans-Peter Friedrich Manfred Kolbe Albert Rupprecht (Weiden)
Brigitte Pothmer (Hof) Dr. Rolf Koschorrek Anita Schäfer (Saalstadt)
Tabea Rößner Michael Frieser Hartmut Koschyk Dr. Wolfgang Schäuble
Claudia Roth (Augsburg) Erich G. Fritz Thomas Kossendey Dr. Annette Schavan
Krista Sager Dr. Michael Fuchs Michael Kretschmer Dr. Andreas Scheuer
Manuel Sarrazin Hans-Joachim Fuchtel Dr. Günter Krings Karl Schiewerling
Elisabeth Scharfenberg Alexander Funk Rüdiger Kruse Norbert Schindler
Christine Scheel Ingo Gädechens Bettina Kudla Tankred Schipanski
Dr. Gerhard Schick Dr. Thomas Gebhart Dr. Hermann Kues Georg Schirmbeck
Dr. Frithjof Schmidt Norbert Geis Günter Lach Christian Schmidt (Fürth)
Dorothea Steiner Alois Gerig Dr. Karl A. Lamers Patrick Schnieder
Dr. Wolfgang Strengmann- Eberhard Gienger (Heidelberg) Dr. Andreas Schockenhoff
Kuhn Michael Glos Andreas G. Lämmel Dr. Ole Schröder
Hans-Christian Ströbele Peter Götz Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte
Dr. Harald Terpe Dr. Wolfgang Götzer Ulrich Lange Uwe Schummer
Markus Tressel Ute Granold Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am
Jürgen Trittin Reinhard Grindel Paul Lehrieder Rhein)
Daniela Wagner Hermann Gröhe Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif
Wolfgang Wieland Michael Grosse-Brömer Ingbert Liebing Johannes Selle
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7391
(A) Reinhold Sendker Dagmar Wöhrl Elke Hoff Dr. Birgit Reinemund (C)
Dr. Patrick Sensburg Dr. Matthias Zimmer Birgit Homburger Dr. Peter Röhlinger
Bernd Siebert Wolfgang Zöller Dr. Werner Hoyer Dr. Stefan Ruppert
Thomas Silberhorn Willi Zylajew Heiner Kamp Björn Sänger
Johannes Singhammer Michael Kauch Frank Schäffler
Jens Spahn FDP Dr. Lutz Knopek Christoph Schnurr
Carola Stauche Pascal Kober Jimmy Schulz
Dr. Frank Steffel Jens Ackermann Dr. Heinrich L. Kolb Marina Schuster
Erika Steinbach Christian Ahrendt Gudrun Kopp
Christine Aschenberg- Dr. Erik Schweickert
Christian Freiherr von Stetten Sebastian Körber Werner Simmling
Dieter Stier Dugnus Holger Krestel
Daniel Bahr (Münster) Judith Skudelny
Gero Storjohann Patrick Kurth (Kyffhäuser) Dr. Hermann Otto Solms
Stephan Stracke Florian Bernschneider Heinz Lanfermann
Claudia Bögel Joachim Spatz
Max Straubinger Sibylle Laurischk Dr. Max Stadler
Karin Strenz Nicole Bracht-Bendt Harald Leibrecht
Klaus Breil Torsten Staffeldt
Thomas Strobl (Heilbronn) Sabine Leutheusser- Dr. Rainer Stinner
Lena Strothmann Rainer Brüderle Schnarrenberger
Angelika Brunkhorst Stephan Thomae
Michael Stübgen Lars Lindemann Florian Toncar
Dr. Peter Tauber Ernst Burgbacher Christian Lindner
Marco Buschmann Serkan Tören
Antje Tillmann Dr. Martin Lindner (Berlin) Johannes Vogel
Dr. Hans-Peter Uhl Sylvia Canel Michael Link (Heilbronn)
Helga Daub (Lüdenscheid)
Arnold Vaatz Dr. Erwin Lotter Dr. Daniel Volk
Volkmar Vogel (Kleinsaara) Reiner Deutschmann Oliver Luksic
Dr. Bijan Djir-Sarai Dr. Guido Westerwelle
Stefanie Vogelsang Horst Meierhofer Dr. Claudia Winterstein
Andrea Astrid Voßhoff Patrick Döring Patrick Meinhardt
Mechthild Dyckmans Dr. Volker Wissing
Dr. Johann Wadephul Gabriele Molitor
Rainer Erdel Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Marco Wanderwitz Jan Mücke
Kai Wegner Jörg van Essen Petra Müller (Aachen)
Marcus Weinberg (Hamburg) Ulrike Flach Burkhardt Müller-Sönksen Enthalten
Peter Weiß (Emmendingen) Otto Fricke Dr. Martin Neumann
Sabine Weiss (Wesel I) Dr. Edmund Peter Geisen (Lausitz) CDU/CSU
Ingo Wellenreuther Dr. Wolfgang Gerhardt Dirk Niebel Josef Göppel
Karl-Georg Wellmann Hans-Michael Goldmann Hans-Joachim Otto Dr. Norbert Lammert
Peter Wichtel Heinz Golombeck (Frankfurt)
Annette Widmann-Mauz Miriam Gruß Cornelia Pieper
(B) FDP (D)
Klaus-Peter Willsch Joachim Günther (Plauen) Gisela Piltz
Elisabeth Winkelmeier- Dr. Christel Happach-Kasan Dr. Christiane Ratjen- Sebastian Blumenthal
Becker Manuel Höferlin Damerau Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Anlage 17
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3487) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Biblis A) (Tagesordnungspunkt 4 a)
(A) Ulrike Gottschalck Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Tom Koenigs (C)
Angelika Graf (Rosenheim) Bernd Scheelen Caren Lay Sylvia Kotting-Uhl
Kerstin Griese Marianne Schieder Ralph Lenkert Oliver Krischer
Michael Groschek (Schwandorf) Michael Leutert Agnes Krumwiede
Michael Groß Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Fritz Kuhn
Wolfgang Gunkel Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Stephan Kühn
Hans-Joachim Hacker Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Renate Künast
Bettina Hagedorn Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Markus Kurth
Klaus Hagemann Olaf Scholz Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg)
Hubertus Heil (Peine) Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Monika Lazar
Rolf Hempelmann Ewald Schurer Cornelia Möhring Nicole Maisch
Dr. Barbara Hendricks Frank Schwabe Kornelia Möller Agnes Malczak
Gustav Herzog Dr. Martin Schwanholz Niema Movassat Jerzy Montag
Gabriele Hiller-Ohm Rolf Schwanitz Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln)
Petra Hinz (Essen) Stefan Schwartze Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke
Frank Hofmann (Volkach) Dr. Carsten Sieling Petra Pau Ingrid Nestle
Dr. Eva Högl Sonja Steffen Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz
Christel Humme Peer Steinbrück Richard Pitterle Omid Nouripour
Josip Juratovic Dr. Frank-Walter Steinmeier Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff
Oliver Kaczmarek Christoph Strässer Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott
Johannes Kahrs Kerstin Tack Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer
Dr. h. c. Susanne Kastner Dr. h. c. Wolfgang Thierse Michael Schlecht Tabea Rößner
Ulrich Kelber Franz Thönnes Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg)
Hans-Ulrich Klose Wolfgang Tiefensee Dr. Ilja Seifert Krista Sager
Dr. Bärbel Kofler Rüdiger Veit Raju Sharma Manuel Sarrazin
Daniela Kolbe (Leipzig) Ute Vogt Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg
Fritz Rudolf Körper Dr. Marlies Volkmer Kersten Steinke Christine Scheel
Anette Kramme Andrea Wicklein Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick
Nicolette Kressl Heidemarie Wieczorek-Zeul Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt
Angelika Krüger-Leißner Waltraud Wolff Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner
Ute Kumpf (Wolmirstedt) Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann-
Christine Lambrecht Uta Zapf Kathrin Vogler Kuhn
Christian Lange (Backnang) Dagmar Ziegler Sahra Wagenknecht Hans-Christian Ströbele
Manfred Zöllmer Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe
Dr. Karl Lauterbach
Brigitte Zypries Harald Weinberg Markus Tressel
(B) Steffen-Claudio Lemme (D)
Katrin Werner Jürgen Trittin
Burkhard Lischka
DIE LINKE Jörn Wunderlich Daniela Wagner
Gabriele Lösekrug-Möller
Wolfgang Wieland
Kirsten Lühmann Jan van Aken
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms
Caren Marks Agnes Alpers
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler
Katja Mast Dr. Dietmar Bartsch
Hilde Mattheis Herbert Behrens Kerstin Andreae
Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald Marieluise Beck (Bremen) Nein
Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Volker Beck (Köln)
Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Cornelia Behm CDU/CSU
Franz Müntefering Christine Buchholz Birgitt Bender Ilse Aigner
Dr. Rolf Mützenich Eva Bulling-Schröter Alexander Bonde Peter Altmaier
Andrea Nahles Dr. Martina Bunge Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer
Manfred Nink Roland Claus Ekin Deligöz Dorothee Bär
Thomas Oppermann Sevim Dağdelen Katja Dörner Thomas Bareiß
Holger Ortel Dr. Diether Dehm Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Aydan Özoğuz Heidrun Dittrich Dr. Thomas Gambke Günter Baumann
Heinz Paula Werner Dreibus Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Johannes Pflug Dr. Dagmar Enkelmann Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Joachim Poß Klaus Ernst Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Dr. Wilhelm Priesmeier Wolfgang Gehrcke Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Florian Pronold Nicole Gohlke Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Dr. Sascha Raabe Annette Groth Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Mechthild Rawert Dr. Gregor Gysi Ulrike Höfken Steffen Bilger
Gerold Reichenbach Heike Hänsel Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Dr. Carola Reimann Dr. Rosemarie Hein Bärbel Höhn Peter Bleser
Sönke Rix Inge Höger Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
René Röspel Dr. Barbara Höll Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen
Dr. Ernst Dieter Rossmann Andrej Hunko Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Karin Roth (Esslingen) Ulla Jelpke Katja Keul Wolfgang Bosbach
Michael Roth (Heringen) Dr. Lukrezia Jochimsen Memet Kilic Norbert Brackmann
Marlene Rupprecht Katja Kipping Sven-Christian Kindler Klaus Brähmig
(Tuchenbach) Harald Koch Maria Klein-Schmeink Michael Brand
Anton Schaaf Jan Korte Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7393
(A) Helmut Brandt Andreas Jung (Konstanz) Ulrich Petzold Marcus Weinberg (Hamburg) (C)
Dr. Ralf Brauksiepe Dr. Egon Jüttner Dr. Joachim Pfeiffer Peter Weiß (Emmendingen)
Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb Sibylle Pfeiffer Sabine Weiss (Wesel I)
Heike Brehmer Hans-Werner Kammer Beatrix Philipp Ingo Wellenreuther
Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Ronald Pofalla Karl-Georg Wellmann
Gitta Connemann Alois Karl Christoph Poland Peter Wichtel
Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Ruprecht Polenz Annette Widmann-Mauz
Alexander Dobrindt Siegfried Kauder (Villingen- Eckhard Pols Klaus-Peter Willsch
Thomas Dörflinger Schwenningen) Daniela Raab Elisabeth Winkelmeier-
Marie-Luise Dött Volker Kauder Thomas Rachel Becker
Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann Dr. Peter Ramsauer Dagmar Wöhrl
Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer
Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller
Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt Lothar Riebsamen Willi Zylajew
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein Josef Rief
Land) Jürgen Klimke Klaus Riegert FDP
Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann
Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig Johannes Röring Christian Ahrendt
Herbert Frankenhauser Jens Koeppen Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg-
Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Kristina Schröder Dr. Christian Ruck Dugnus
(Hof) Manfred Kolbe Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster)
Michael Frieser Dr. Rolf Koschorrek Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider
Erich G. Fritz Hartmut Koschyk Anita Schäfer (Saalstadt) Sebastian Blumenthal
Dr. Michael Fuchs Thomas Kossendey Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel
Hans-Joachim Fuchtel Michael Kretschmer Dr. Annette Schavan Nicole Bracht-Bendt
Alexander Funk Dr. Günter Krings Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil
Ingo Gädechens Rüdiger Kruse Karl Schiewerling Rainer Brüderle
Dr. Thomas Gebhart Bettina Kudla Norbert Schindler Angelika Brunkhorst
Norbert Geis Dr. Hermann Kues Tankred Schipanski Ernst Burgbacher
Alois Gerig Günter Lach Georg Schirmbeck Marco Buschmann
Eberhard Gienger Dr. Karl A. Lamers Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel
Michael Glos (Heidelberg) Patrick Schnieder Helga Daub
Josef Göppel Andreas G. Lämmel Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann
Peter Götz Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai
(B) Dr. Wolfgang Götzer Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring (D)
Ute Granold Ulrich Lange Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Reinhard Grindel Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Hermann Gröhe Paul Lehrieder Rhein) Jörg van Essen
Michael Grosse-Brömer Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif Ulrike Flach
Markus Grübel Ingbert Liebing Johannes Selle Otto Fricke
Manfred Grund Matthias Lietz Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen
Monika Grütters Dr. Carsten Linnemann Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt
Dr. Karl-Theodor Freiherr Patricia Lips Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann
zu Guttenberg Dr. Jan-Marco Luczak Thomas Silberhorn Heinz Golombeck
Olav Gutting Dr. Michael Luther Johannes Singhammer Miriam Gruß
Florian Hahn Karin Maag Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Holger Haibach Hans-Georg von der Marwitz Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan
Dr. Stephan Harbarth Andreas Mattfeldt Dr. Frank Steffel Manuel Höferlin
Jürgen Hardt Stephan Mayer (Altötting) Erika Steinbach Elke Hoff
Gerda Hasselfeldt Dr. Michael Meister Christian Freiherr von Stetten Birgit Homburger
Dr. Matthias Heider Dr. Angela Merkel Dieter Stier Dr. Werner Hoyer
Mechthild Heil Maria Michalk Gero Storjohann Heiner Kamp
Frank Heinrich Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke Michael Kauch
Rudolf Henke Dr. Mathias Middelberg Max Straubinger Dr. Lutz Knopek
Michael Hennrich Philipp Mißfelder Karin Strenz Pascal Kober
Jürgen Herrmann Dietrich Monstadt Thomas Strobl (Heilbronn) Dr. Heinrich L. Kolb
Ansgar Heveling Marlene Mortler Lena Strothmann Gudrun Kopp
Ernst Hinsken Dr. Gerd Müller Michael Stübgen Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Peter Hintze Stefan Müller (Erlangen) Dr. Peter Tauber Sebastian Körber
Christian Hirte Nadine Schön (St. Wendel) Antje Tillmann Holger Krestel
Robert Hochbaum Dr. Philipp Murmann Dr. Hans-Peter Uhl Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Karl Holmeier Bernd Neumann (Bremen) Arnold Vaatz Heinz Lanfermann
Franz-Josef Holzenkamp Michaela Noll Volkmar Vogel (Kleinsaara) Sibylle Laurischk
Joachim Hörster Dr. Georg Nüßlein Stefanie Vogelsang Harald Leibrecht
Anette Hübinger Franz Obermeier Andrea Astrid Voßhoff Sabine Leutheusser-
Thomas Jarzombek Henning Otte Dr. Johann Wadephul Schnarrenberger
Dieter Jasper Dr. Michael Paul Marco Wanderwitz Lars Lindemann
Dr. Franz Josef Jung Rita Pawelski Kai Wegner Christian Lindner
7394 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Dr. Martin Lindner (Berlin) Dirk Niebel Christoph Schnurr Florian Toncar (C)
Michael Link (Heilbronn) Hans-Joachim Otto Jimmy Schulz Serkan Tören
Dr. Erwin Lotter (Frankfurt) Marina Schuster Johannes Vogel
Oliver Luksic Cornelia Pieper Dr. Erik Schweickert (Lüdenscheid)
Horst Meierhofer Gisela Piltz Werner Simmling Dr. Daniel Volk
Patrick Meinhardt Dr. Christiane Ratjen- Judith Skudelny Dr. Guido Westerwelle
Gabriele Molitor Damerau Dr. Hermann Otto Solms Dr. Claudia Winterstein
Jan Mücke Dr. Birgit Reinemund Joachim Spatz Dr. Volker Wissing
Petra Müller (Aachen) Dr. Peter Röhlinger Dr. Max Stadler Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Burkhardt Müller-Sönksen Dr. Stefan Ruppert Torsten Staffeldt
Dr. Martin Neumann Björn Sänger Dr. Rainer Stinner
(Lausitz) Frank Schäffler Stephan Thomae
Anlage 18
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3488) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Biblis B) (Tagesordnungspunkt 4 a)
Endgültiges Ergebnis Gabriele Fograscher Christian Lange (Backnang) Ulla Schmidt (Aachen)
Abgegebene Stimmen: 595; Dr. Edgar Franke Dr. Karl Lauterbach Silvia Schmidt (Eisleben)
davon Dagmar Freitag Steffen-Claudio Lemme Carsten Schneider (Erfurt)
Peter Friedrich Burkhard Lischka Olaf Scholz
ja: 274
Sigmar Gabriel Gabriele Lösekrug-Möller Swen Schulz (Spandau)
nein: 321 Michael Gerdes Kirsten Lühmann Ewald Schurer
Martin Gerster Caren Marks Frank Schwabe
Ja Iris Gleicke Katja Mast Dr. Martin Schwanholz
(B) Ulrike Gottschalck Hilde Mattheis Rolf Schwanitz (D)
SPD Angelika Graf (Rosenheim) Petra Merkel (Berlin) Stefan Schwartze
Kerstin Griese Ullrich Meßmer Dr. Carsten Sieling
Ingrid Arndt-Brauer
Michael Groschek Dr. Matthias Miersch Sonja Steffen
Rainer Arnold
Michael Groß Franz Müntefering Peer Steinbrück
Heinz-Joachim Barchmann
Wolfgang Gunkel Dr. Rolf Mützenich Dr. Frank-Walter Steinmeier
Doris Barnett
Hans-Joachim Hacker Andrea Nahles Christoph Strässer
Dr. Hans-Peter Bartels
Bettina Hagedorn Manfred Nink Kerstin Tack
Klaus Barthel
Klaus Hagemann Thomas Oppermann Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Sören Bartol
Hubertus Heil (Peine) Holger Ortel Franz Thönnes
Bärbel Bas
Rolf Hempelmann Aydan Özoğuz Wolfgang Tiefensee
Dirk Becker
Dr. Barbara Hendricks Heinz Paula Rüdiger Veit
Uwe Beckmeyer
Gustav Herzog Johannes Pflug Ute Vogt
Lothar Binding (Heidelberg)
Gabriele Hiller-Ohm Joachim Poß Dr. Marlies Volkmer
Gerd Bollmann
Petra Hinz (Essen) Dr. Wilhelm Priesmeier Andrea Wicklein
Klaus Brandner
Frank Hofmann (Volkach) Florian Pronold Heidemarie Wieczorek-Zeul
Willi Brase
Dr. Eva Högl Dr. Sascha Raabe Waltraud Wolff
Bernhard Brinkmann
Christel Humme Mechthild Rawert (Wolmirstedt)
(Hildesheim)
Josip Juratovic Gerold Reichenbach Uta Zapf
Edelgard Bulmahn
Oliver Kaczmarek Dr. Carola Reimann Dagmar Ziegler
Marco Bülow
Johannes Kahrs Sönke Rix Manfred Zöllmer
Ulla Burchardt
Dr. h. c. Susanne Kastner René Röspel Brigitte Zypries
Martin Burkert
Petra Crone Ulrich Kelber Dr. Ernst Dieter Rossmann
Lars Klingbeil Karin Roth (Esslingen) DIE LINKE
Dr. Peter Danckert
Martin Dörmann Hans-Ulrich Klose Michael Roth (Heringen) Jan van Aken
Elvira Drobinski-Weiß Dr. Bärbel Kofler Marlene Rupprecht Agnes Alpers
Garrelt Duin Daniela Kolbe (Leipzig) (Tuchenbach) Dr. Dietmar Bartsch
Sebastian Edathy Fritz Rudolf Körper Anton Schaaf Herbert Behrens
Siegmund Ehrmann Anette Kramme Axel Schäfer (Bochum) Matthias W. Birkwald
Dr. h. c. Gernot Erler Nicolette Kressl Bernd Scheelen Heidrun Bluhm
Petra Ernstberger Angelika Krüger-Leißner Marianne Schieder Steffen Bockhahn
Karin Evers-Meyer Ute Kumpf (Schwandorf) Christine Buchholz
Elke Ferner Christine Lambrecht Werner Schieder (Weiden) Eva Bulling-Schröter
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7395
(A) Dr. Martina Bunge Alexander Bonde Peter Aumer Florian Hahn (C)
Roland Claus Viola von Cramon-Taubadel Dorothee Bär Holger Haibach
Sevim Dağdelen Ekin Deligöz Thomas Bareiß Dr. Stephan Harbarth
Dr. Diether Dehm Katja Dörner Norbert Barthle Jürgen Hardt
Heidrun Dittrich Hans-Josef Fell Günter Baumann Gerda Hasselfeldt
Werner Dreibus Dr. Thomas Gambke Ernst-Reinhard Beck Dr. Matthias Heider
Dr. Dagmar Enkelmann Kai Gehring (Reutlingen) Mechthild Heil
Klaus Ernst Katrin Göring-Eckardt Manfred Behrens (Börde) Frank Heinrich
Wolfgang Gehrcke Britta Haßelmann Veronika Bellmann Rudolf Henke
Nicole Gohlke Bettina Herlitzius Dr. Christoph Bergner Michael Hennrich
Annette Groth Winfried Hermann Peter Beyer Jürgen Herrmann
Dr. Gregor Gysi Priska Hinz (Herborn) Steffen Bilger Ansgar Heveling
Heike Hänsel Ulrike Höfken Clemens Binninger Ernst Hinsken
Dr. Rosemarie Hein Dr. Anton Hofreiter Peter Bleser Peter Hintze
Inge Höger Bärbel Höhn Dr. Maria Böhmer Christian Hirte
Dr. Barbara Höll Ingrid Hönlinger Wolfgang Börnsen Robert Hochbaum
Andrej Hunko Thilo Hoppe (Bönstrup) Karl Holmeier
Ulla Jelpke Uwe Kekeritz Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp
Dr. Lukrezia Jochimsen Katja Keul Norbert Brackmann Anette Hübinger
Katja Kipping Memet Kilic Klaus Brähmig Thomas Jarzombek
Harald Koch Sven-Christian Kindler Michael Brand Dieter Jasper
Jan Korte Maria Klein-Schmeink Dr. Reinhard Brandl Dr. Franz Josef Jung
Katrin Kunert Ute Koczy Helmut Brandt Andreas Jung (Konstanz)
Caren Lay Tom Koenigs Dr. Ralf Brauksiepe Dr. Egon Jüttner
Ralph Lenkert Sylvia Kotting-Uhl Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb
Michael Leutert Oliver Krischer Heike Brehmer Hans-Werner Kammer
Stefan Liebich Agnes Krumwiede Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter
Ulla Lötzer Fritz Kuhn Gitta Connemann Alois Karl
Dr. Gesine Lötzsch Stephan Kühn Leo Dautzenberg Bernhard Kaster
Thomas Lutze Renate Künast Alexander Dobrindt Siegfried Kauder (Villingen-
Ulrich Maurer Markus Kurth Thomas Dörflinger Schwenningen)
Dorothée Menzner Undine Kurth (Quedlinburg) Marie-Luise Dött Volker Kauder
Cornelia Möhring Monika Lazar Dr. Thomas Feist Dr. Stefan Kaufmann
Kornelia Möller Nicole Maisch
Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter
Niema Movassat Agnes Malczak
(B) Ingrid Fischbach Eckart von Klaeden (D)
Wolfgang Nešković Jerzy Montag
Hartwig Fischer (Göttingen) Ewa Klamt
Thomas Nord Kerstin Müller (Köln)
Dirk Fischer (Hamburg) Volkmar Klein
Petra Pau Beate Müller-Gemmeke
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke
Jens Petermann Ingrid Nestle
Land) Julia Klöckner
Richard Pitterle Dr. Konstantin von Notz
Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig
Yvonne Ploetz Omid Nouripour
Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen
Ingrid Remmers Friedrich Ostendorff
Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser Manfred Kolbe
Paul Schäfer (Köln) Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Rolf Koschorrek
Michael Schlecht Brigitte Pothmer
Tabea Rößner (Hof) Hartmut Koschyk
Dr. Herbert Schui Michael Frieser Thomas Kossendey
Dr. Ilja Seifert Claudia Roth (Augsburg)
Manuel Sarrazin Erich G. Fritz Michael Kretschmer
Raju Sharma Dr. Michael Fuchs Dr. Günter Krings
Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg
Christine Scheel Hans-Joachim Fuchtel Rüdiger Kruse
Kersten Steinke Alexander Funk Bettina Kudla
Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick
Dr. Frithjof Schmidt Ingo Gädechens Dr. Hermann Kues
Alexander Süßmair Dr. Thomas Gebhart Günter Lach
Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner
Dr. Wolfgang Strengmann- Norbert Geis Dr. Karl A. Lamers
Frank Tempel Alois Gerig (Heidelberg)
Alexander Ulrich Kuhn
Hans-Christian Ströbele Eberhard Gienger Andreas G. Lämmel
Kathrin Vogler Michael Glos Dr. Norbert Lammert
Sahra Wagenknecht Dr. Harald Terpe
Markus Tressel Josef Göppel Katharina Landgraf
Halina Wawzyniak Peter Götz Ulrich Lange
Harald Weinberg Jürgen Trittin
Daniela Wagner Dr. Wolfgang Götzer Dr. Max Lehmer
Katrin Werner Ute Granold Paul Lehrieder
Jörn Wunderlich Wolfgang Wieland
Dr. Valerie Wilms Reinhard Grindel Dr. Ursula von der Leyen
Josef Philip Winkler Hermann Gröhe Ingbert Liebing
BÜNDNIS 90/ Matthias Lietz
Michael Grosse-Brömer
DIE GRÜNEN
Markus Grübel Dr. Carsten Linnemann
Kerstin Andreae Nein Manfred Grund Patricia Lips
Marieluise Beck (Bremen) Monika Grütters Dr. Jan-Marco Luczak
CDU/CSU
Volker Beck (Köln) Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Michael Luther
Cornelia Behm Ilse Aigner zu Guttenberg Karin Maag
Birgitt Bender Peter Altmaier Olav Gutting Hans-Georg von der Marwitz
7396 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Andreas Mattfeldt Georg Schirmbeck Wolfgang Zöller Harald Leibrecht (C)
Stephan Mayer (Altötting) Christian Schmidt (Fürth) Willi Zylajew Sabine Leutheusser-
Dr. Michael Meister Patrick Schnieder Schnarrenberger
Dr. Angela Merkel Dr. Andreas Schockenhoff FDP Lars Lindemann
Maria Michalk Dr. Ole Schröder Christian Lindner
Jens Ackermann
Dr. h. c. Hans Michelbach Bernhard Schulte-Drüggelte Dr. Martin Lindner (Berlin)
Christian Ahrendt
Dr. Mathias Middelberg Uwe Schummer Michael Link (Heilbronn)
Christine Aschenberg-
Philipp Mißfelder Armin Schuster (Weil am Dugnus Dr. Erwin Lotter
Dietrich Monstadt Rhein) Daniel Bahr (Münster) Oliver Luksic
Marlene Mortler Detlef Seif Florian Bernschneider Horst Meierhofer
Dr. Gerd Müller Johannes Selle Sebastian Blumenthal Patrick Meinhardt
Stefan Müller (Erlangen) Reinhold Sendker Claudia Bögel Gabriele Molitor
Nadine Schön (St. Wendel) Dr. Patrick Sensburg Nicole Bracht-Bendt Jan Mücke
Dr. Philipp Murmann Bernd Siebert Klaus Breil Petra Müller (Aachen)
Bernd Neumann (Bremen) Thomas Silberhorn Rainer Brüderle Burkhardt Müller-Sönksen
Michaela Noll Johannes Singhammer Angelika Brunkhorst Dr. Martin Neumann
Dr. Georg Nüßlein Jens Spahn Ernst Burgbacher (Lausitz)
Franz Obermeier Carola Stauche Marco Buschmann Dirk Niebel
Henning Otte Dr. Frank Steffel Sylvia Canel Hans-Joachim Otto
Dr. Michael Paul Erika Steinbach Helga Daub (Frankfurt)
Rita Pawelski Christian Freiherr von Stetten Reiner Deutschmann Cornelia Pieper
Ulrich Petzold Dieter Stier Dr. Bijan Djir-Sarai Gisela Piltz
Dr. Joachim Pfeiffer Gero Storjohann Patrick Döring Dr. Christiane Ratjen-
Sibylle Pfeiffer Stephan Stracke Mechthild Dyckmans Damerau
Beatrix Philipp Max Straubinger Rainer Erdel Dr. Birgit Reinemund
Ronald Pofalla Karin Strenz Jörg van Essen Dr. Peter Röhlinger
Christoph Poland Thomas Strobl (Heilbronn) Ulrike Flach Dr. Stefan Ruppert
Ruprecht Polenz Lena Strothmann Otto Fricke Björn Sänger
Eckhard Pols Michael Stübgen Dr. Edmund Peter Geisen Frank Schäffler
Daniela Raab Dr. Peter Tauber Dr. Wolfgang Gerhardt Christoph Schnurr
Thomas Rachel Antje Tillmann Hans-Michael Goldmann Jimmy Schulz
Dr. Peter Ramsauer Dr. Hans-Peter Uhl Heinz Golombeck Marina Schuster
Eckhardt Rehberg Arnold Vaatz Miriam Gruß Dr. Erik Schweickert
Katherina Reiche (Potsdam) Volkmar Vogel (Kleinsaara) Joachim Günther (Plauen) Werner Simmling
Lothar Riebsamen Stefanie Vogelsang Dr. Christel Happach-Kasan Judith Skudelny (D)
(B)
Josef Rief Andrea Astrid Voßhoff Manuel Höferlin Dr. Hermann Otto Solms
Klaus Riegert Dr. Johann Wadephul Elke Hoff Joachim Spatz
Dr. Heinz Riesenhuber Marco Wanderwitz Birgit Homburger Dr. Max Stadler
Johannes Röring Kai Wegner Dr. Werner Hoyer Torsten Staffeldt
Dr. Norbert Röttgen Marcus Weinberg (Hamburg) Heiner Kamp Dr. Rainer Stinner
Dr. Christian Ruck Peter Weiß (Emmendingen) Michael Kauch Stephan Thomae
Erwin Rüddel Sabine Weiss (Wesel I) Dr. Lutz Knopek Florian Toncar
Albert Rupprecht (Weiden) Ingo Wellenreuther Pascal Kober Serkan Tören
Anita Schäfer (Saalstadt) Karl-Georg Wellmann Dr. Heinrich L. Kolb Johannes Vogel
Dr. Wolfgang Schäuble Peter Wichtel Gudrun Kopp (Lüdenscheid)
Dr. Annette Schavan Annette Widmann-Mauz Dr. h. c. Jürgen Koppelin Dr. Daniel Volk
Dr. Andreas Scheuer Elisabeth Winkelmeier- Sebastian Körber Dr. Guido Westerwelle
Karl Schiewerling Becker Holger Krestel Dr. Claudia Winterstein
Norbert Schindler Dagmar Wöhrl Patrick Kurth (Kyffhäuser) Dr. Volker Wissing
Tankred Schipanski Dr. Matthias Zimmer Heinz Lanfermann Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 19
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3489) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Brunsbüttel) (Tagesordnungs-
punkt 4 a)
(A) Klaus Brandner Hilde Mattheis Herbert Behrens BÜNDNIS 90/ (C)
Willi Brase Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald DIE GRÜNEN
Bernhard Brinkmann Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Kerstin Andreae
(Hildesheim) Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Marieluise Beck (Bremen)
Edelgard Bulmahn Franz Müntefering Christine Buchholz Volker Beck (Köln)
Marco Bülow Dr. Rolf Mützenich Eva Bulling-Schröter Cornelia Behm
Ulla Burchardt Andrea Nahles Dr. Martina Bunge Birgitt Bender
Martin Burkert Manfred Nink Roland Claus Alexander Bonde
Petra Crone Thomas Oppermann Sevim Dağdelen Viola von Cramon-Taubadel
Dr. Peter Danckert Holger Ortel
Dr. Diether Dehm Ekin Deligöz
Martin Dörmann Aydan Özoğuz
Heidrun Dittrich Katja Dörner
Elvira Drobinski-Weiß Heinz Paula
Werner Dreibus Hans-Josef Fell
Garrelt Duin Johannes Pflug
Dr. Dagmar Enkelmann Dr. Thomas Gambke
Sebastian Edathy Joachim Poß
Klaus Ernst Kai Gehring
Siegmund Ehrmann Dr. Wilhelm Priesmeier
Wolfgang Gehrcke Katrin Göring-Eckardt
Dr. h. c. Gernot Erler Florian Pronold
Nicole Gohlke Britta Haßelmann
Petra Ernstberger Dr. Sascha Raabe
Annette Groth Bettina Herlitzius
Karin Evers-Meyer Mechthild Rawert
Dr. Gregor Gysi Winfried Hermann
Elke Ferner Gerold Reichenbach
Priska Hinz (Herborn)
Gabriele Fograscher Dr. Carola Reimann Heike Hänsel
Ulrike Höfken
Dr. Edgar Franke Sönke Rix Dr. Rosemarie Hein
Dr. Anton Hofreiter
Dagmar Freitag René Röspel Inge Höger Bärbel Höhn
Peter Friedrich Dr. Ernst Dieter Rossmann Dr. Barbara Höll Ingrid Hönlinger
Sigmar Gabriel Karin Roth (Esslingen) Andrej Hunko Thilo Hoppe
Michael Gerdes Michael Roth (Heringen) Ulla Jelpke Uwe Kekeritz
Martin Gerster Marlene Rupprecht Dr. Lukrezia Jochimsen Katja Keul
Iris Gleicke (Tuchenbach) Katja Kipping Memet Kilic
Ulrike Gottschalck Anton Schaaf Harald Koch Sven-Christian Kindler
Angelika Graf (Rosenheim) Axel Schäfer (Bochum)
Jan Korte Maria Klein-Schmeink
Kerstin Griese Bernd Scheelen
Katrin Kunert Ute Koczy
Michael Groschek Marianne Schieder
Caren Lay Tom Koenigs
Michael Groß (Schwandorf)
Ralph Lenkert Sylvia Kotting-Uhl
Wolfgang Gunkel Werner Schieder (Weiden)
Michael Leutert Oliver Krischer
Hans-Joachim Hacker Ulla Schmidt (Aachen)
Stefan Liebich Agnes Krumwiede
Bettina Hagedorn Silvia Schmidt (Eisleben)
(B) Carsten Schneider (Erfurt) Dr. Gesine Lötzsch Fritz Kuhn (D)
Klaus Hagemann Stephan Kühn
Hubertus Heil (Peine) Olaf Scholz Thomas Lutze
Ulrich Maurer Renate Künast
Rolf Hempelmann Swen Schulz (Spandau)
Markus Kurth
Dr. Barbara Hendricks Ewald Schurer Dorothée Menzner
Undine Kurth (Quedlinburg)
Gustav Herzog Frank Schwabe Cornelia Möhring
Monika Lazar
Gabriele Hiller-Ohm Dr. Martin Schwanholz Kornelia Möller Nicole Maisch
Petra Hinz (Essen) Rolf Schwanitz Niema Movassat Agnes Malczak
Frank Hofmann (Volkach) Stefan Schwartze Wolfgang Nešković Jerzy Montag
Dr. Eva Högl Dr. Carsten Sieling Thomas Nord Kerstin Müller (Köln)
Christel Humme Sonja Steffen Petra Pau Beate Müller-Gemmeke
Josip Juratovic Peer Steinbrück Jens Petermann Ingrid Nestle
Oliver Kaczmarek Dr. Frank-Walter Steinmeier Richard Pitterle Dr. Konstantin von Notz
Johannes Kahrs Christoph Strässer
Yvonne Ploetz Omid Nouripour
Dr. h. c. Susanne Kastner Kerstin Tack
Ingrid Remmers Friedrich Ostendorff
Ulrich Kelber Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Paul Schäfer (Köln) Dr. Hermann Ott
Lars Klingbeil Franz Thönnes
Michael Schlecht Brigitte Pothmer
Hans-Ulrich Klose Wolfgang Tiefensee
Dr. Herbert Schui Tabea Rößner
Dr. Bärbel Kofler Rüdiger Veit
Dr. Ilja Seifert Claudia Roth (Augsburg)
Daniela Kolbe (Leipzig) Ute Vogt
Raju Sharma Krista Sager
Fritz Rudolf Körper Dr. Marlies Volkmer
Dr. Petra Sitte Manuel Sarrazin
Anette Kramme Andrea Wicklein
Kersten Steinke Elisabeth Scharfenberg
Nicolette Kressl Heidemarie Wieczorek-Zeul
Christine Scheel
Waltraud Wolff Sabine Stüber
Angelika Krüger-Leißner Dr. Gerhard Schick
Ute Kumpf (Wolmirstedt) Alexander Süßmair
Dr. Frithjof Schmidt
Christine Lambrecht Uta Zapf Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner
Dagmar Ziegler Frank Tempel
Christian Lange (Backnang) Dr. Wolfgang Strengmann-
Manfred Zöllmer Alexander Ulrich
Dr. Karl Lauterbach Kuhn
Brigitte Zypries Kathrin Vogler
Steffen-Claudio Lemme Hans-Christian Ströbele
Burkhard Lischka Sahra Wagenknecht Dr. Harald Terpe
DIE LINKE Halina Wawzyniak
Gabriele Lösekrug-Möller Markus Tressel
Kirsten Lühmann Jan van Aken Harald Weinberg Jürgen Trittin
Caren Marks Agnes Alpers Katrin Werner Daniela Wagner
Katja Mast Dr. Dietmar Bartsch Jörn Wunderlich Wolfgang Wieland
7398 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Dr. Valerie Wilms Hermann Gröhe Matthias Lietz Reinhold Sendker (C)
Josef Philip Winkler Michael Grosse-Brömer Dr. Carsten Linnemann Dr. Patrick Sensburg
Markus Grübel Patricia Lips Bernd Siebert
Nein Monika Grütters Dr. Jan-Marco Luczak Thomas Silberhorn
Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Michael Luther Johannes Singhammer
CDU/CSU zu Guttenberg Karin Maag Jens Spahn
Olav Gutting Hans-Georg von der Marwitz Carola Stauche
Ilse Aigner Florian Hahn Andreas Mattfeldt Dr. Frank Steffel
Peter Altmaier Holger Haibach Stephan Mayer (Altötting) Erika Steinbach
Peter Aumer Dr. Stephan Harbarth Dr. Michael Meister Christian Freiherr von Stetten
Dorothee Bär Jürgen Hardt Dr. Angela Merkel Dieter Stier
Thomas Bareiß Gerda Hasselfeldt Maria Michalk Gero Storjohann
Norbert Barthle Dr. Matthias Heider Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke
Günter Baumann Mechthild Heil Dr. Mathias Middelberg Max Straubinger
Ernst-Reinhard Beck Frank Heinrich Philipp Mißfelder Karin Strenz
(Reutlingen) Rudolf Henke Dietrich Monstadt Thomas Strobl (Heilbronn)
Manfred Behrens (Börde) Michael Hennrich Marlene Mortler Lena Strothmann
Veronika Bellmann Jürgen Herrmann Dr. Gerd Müller Michael Stübgen
Dr. Christoph Bergner Ansgar Heveling Stefan Müller (Erlangen) Dr. Peter Tauber
Peter Beyer Ernst Hinsken Nadine Schön (St. Wendel) Antje Tillmann
Steffen Bilger Peter Hintze Dr. Philipp Murmann Dr. Hans-Peter Uhl
Clemens Binninger Christian Hirte Bernd Neumann (Bremen) Arnold Vaatz
Peter Bleser Robert Hochbaum Michaela Noll Volkmar Vogel (Kleinsaara)
Dr. Maria Böhmer Karl Holmeier Dr. Georg Nüßlein Stefanie Vogelsang
Wolfgang Börnsen Franz-Josef Holzenkamp Franz Obermeier Andrea Astrid Voßhoff
(Bönstrup) Joachim Hörster Dr. Johann Wadephul
Henning Otte
Wolfgang Bosbach Marco Wanderwitz
Anette Hübinger Dr. Michael Paul
Norbert Brackmann Kai Wegner
Thomas Jarzombek Rita Pawelski
Klaus Brähmig Marcus Weinberg (Hamburg)
Dieter Jasper Ulrich Petzold
Michael Brand Peter Weiß (Emmendingen)
Dr. Franz Josef Jung Dr. Joachim Pfeiffer
Dr. Reinhard Brandl Sabine Weiss (Wesel I)
Andreas Jung (Konstanz) Sibylle Pfeiffer
Helmut Brandt Ingo Wellenreuther
Dr. Egon Jüttner Beatrix Philipp
Dr. Ralf Brauksiepe Karl-Georg Wellmann
Bartholomäus Kalb Ronald Pofalla
Dr. Helge Braun Peter Wichtel
Hans-Werner Kammer Christoph Poland
Heike Brehmer Annette Widmann-Mauz
(B) Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Ruprecht Polenz (D)
Alois Karl Eckhard Pols Klaus-Peter Willsch
Gitta Connemann Elisabeth Winkelmeier-
Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Daniela Raab
Volker Kauder Thomas Rachel Becker
Alexander Dobrindt Dagmar Wöhrl
Thomas Dörflinger Dr. Stefan Kaufmann Dr. Peter Ramsauer
Roderich Kiesewetter Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer
Marie-Luise Dött Wolfgang Zöller
Dr. Thomas Feist Eckart von Klaeden Katherina Reiche (Potsdam)
Ewa Klamt Lothar Riebsamen Willi Zylajew
Enak Ferlemann
Ingrid Fischbach Volkmar Klein Josef Rief
Jürgen Klimke Klaus Riegert FDP
Hartwig Fischer (Göttingen)
Dirk Fischer (Hamburg) Julia Klöckner Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Axel Knoerig Johannes Röring Christian Ahrendt
Land) Jens Koeppen Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg-
Dr. Maria Flachsbarth Dr. Kristina Schröder Dr. Christian Ruck Dugnus
Klaus-Peter Flosbach Manfred Kolbe Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster)
Herbert Frankenhauser Dr. Rolf Koschorrek Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider
Dr. Hans-Peter Friedrich Hartmut Koschyk Anita Schäfer (Saalstadt) Sebastian Blumenthal
(Hof) Thomas Kossendey Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel
Michael Frieser Michael Kretschmer Dr. Annette Schavan Nicole Bracht-Bendt
Erich G. Fritz Dr. Günter Krings Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil
Dr. Michael Fuchs Rüdiger Kruse Karl Schiewerling Rainer Brüderle
Hans-Joachim Fuchtel Bettina Kudla Norbert Schindler Angelika Brunkhorst
Alexander Funk Dr. Hermann Kues Tankred Schipanski Ernst Burgbacher
Ingo Gädechens Günter Lach Georg Schirmbeck Marco Buschmann
Dr. Thomas Gebhart Dr. Karl A. Lamers Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel
Norbert Geis (Heidelberg) Patrick Schnieder Helga Daub
Alois Gerig Andreas G. Lämmel Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann
Eberhard Gienger Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai
Michael Glos Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring
Josef Göppel Ulrich Lange Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Peter Götz Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Dr. Wolfgang Götzer Paul Lehrieder Rhein) Jörg van Essen
Ute Granold Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif Ulrike Flach
Reinhard Grindel Ingbert Liebing Johannes Selle Otto Fricke
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7399
(A) Dr. Edmund Peter Geisen Sebastian Körber Burkhardt Müller-Sönksen Werner Simmling (C)
Dr. Wolfgang Gerhardt Holger Krestel Dr. Martin Neumann Judith Skudelny
Hans-Michael Goldmann Patrick Kurth (Kyffhäuser) (Lausitz) Dr. Hermann Otto Solms
Heinz Golombeck Heinz Lanfermann Dirk Niebel Joachim Spatz
Miriam Gruß Sibylle Laurischk Hans-Joachim Otto Dr. Max Stadler
Joachim Günther (Plauen) Harald Leibrecht (Frankfurt) Torsten Staffeldt
Dr. Christel Happach-Kasan Sabine Leutheusser- Cornelia Pieper Dr. Rainer Stinner
Heinz-Peter Haustein Schnarrenberger Gisela Piltz Stephan Thomae
Manuel Höferlin Lars Lindemann Dr. Christiane Ratjen- Florian Toncar
Elke Hoff Christian Lindner Damerau Serkan Tören
Birgit Homburger Dr. Martin Lindner (Berlin) Dr. Birgit Reinemund Johannes Vogel
Dr. Werner Hoyer Michael Link (Heilbronn) Dr. Peter Röhlinger (Lüdenscheid)
Heiner Kamp Dr. Erwin Lotter Dr. Stefan Ruppert Dr. Daniel Volk
Michael Kauch Oliver Luksic Björn Sänger Dr. Guido Westerwelle
Dr. Lutz Knopek Horst Meierhofer Frank Schäffler Dr. Claudia Winterstein
Pascal Kober Patrick Meinhardt Christoph Schnurr Dr. Volker Wissing
Dr. Heinrich L. Kolb Gabriele Molitor Jimmy Schulz Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Gudrun Kopp Jan Mücke Marina Schuster
Dr. h. c. Jürgen Koppelin Petra Müller (Aachen) Dr. Erik Schweickert
Anlage 20
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3490) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Isar 1) (Tagesordnungspunkt 4 a)
(A) Christoph Strässer Paul Schäfer (Köln) Friedrich Ostendorff Dr. Maria Flachsbarth (C)
Kerstin Tack Michael Schlecht Dr. Hermann Ott Klaus-Peter Flosbach
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Dr. Herbert Schui Brigitte Pothmer Herbert Frankenhauser
Franz Thönnes Dr. Ilja Seifert Tabea Rößner Dr. Hans-Peter Friedrich
Wolfgang Tiefensee Raju Sharma Claudia Roth (Augsburg) (Hof)
Ute Vogt Dr. Petra Sitte Krista Sager Michael Frieser
Dr. Marlies Volkmer Kersten Steinke Manuel Sarrazin Erich G. Fritz
Andrea Wicklein Sabine Stüber Elisabeth Scharfenberg Dr. Michael Fuchs
Heidemarie Wieczorek-Zeul Alexander Süßmair Christine Scheel Alexander Funk
Waltraud Wolff Dr. Kirsten Tackmann Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens
(Wolmirstedt) Frank Tempel Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart
Uta Zapf Alexander Ulrich Dorothea Steiner Norbert Geis
Dagmar Ziegler Kathrin Vogler Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig
Manfred Zöllmer Sahra Wagenknecht Kuhn Eberhard Gienger
Brigitte Zypries Halina Wawzyniak Hans-Christian Ströbele Michael Glos
Harald Weinberg Dr. Harald Terpe Josef Göppel
DIE LINKE Katrin Werner Markus Tressel Peter Götz
Jörn Wunderlich Jürgen Trittin Dr. Wolfgang Götzer
Jan van Aken
Agnes Alpers Daniela Wagner Ute Granold
BÜNDNIS 90/ Wolfgang Wieland Reinhard Grindel
Dr. Dietmar Bartsch
DIE GRÜNEN Dr. Valerie Wilms Hermann Gröhe
Herbert Behrens
Matthias W. Birkwald Kerstin Andreae Josef Philip Winkler Michael Grosse-Brömer
Heidrun Bluhm Marieluise Beck (Bremen) Markus Grübel
Steffen Bockhahn Volker Beck (Köln) Manfred Grund
Nein
Christine Buchholz Cornelia Behm Monika Grütters
Eva Bulling-Schröter Birgitt Bender CDU/CSU Dr. Karl-Theodor Freiherr
Dr. Martina Bunge Alexander Bonde zu Guttenberg
Roland Claus Viola von Cramon-Taubadel Ilse Aigner Olav Gutting
Sevim Dağdelen Ekin Deligöz Peter Altmaier Florian Hahn
Dr. Diether Dehm Katja Dörner Peter Aumer Holger Haibach
Heidrun Dittrich Hans-Josef Fell Dorothee Bär Dr. Stephan Harbarth
Werner Dreibus Dr. Thomas Gambke Thomas Bareiß Jürgen Hardt
Dr. Dagmar Enkelmann Kai Gehring Norbert Barthle Gerda Hasselfeldt
Klaus Ernst Katrin Göring-Eckardt Günter Baumann Dr. Matthias Heider
(B) Wolfgang Gehrcke Britta Haßelmann Ernst-Reinhard Beck Mechthild Heil (D)
Nicole Gohlke Bettina Herlitzius (Reutlingen) Frank Heinrich
Annette Groth Winfried Hermann Manfred Behrens (Börde) Rudolf Henke
Dr. Gregor Gysi Priska Hinz (Herborn) Veronika Bellmann Michael Hennrich
Heike Hänsel Ulrike Höfken Dr. Christoph Bergner Jürgen Herrmann
Dr. Rosemarie Hein Dr. Anton Hofreiter Peter Beyer Ansgar Heveling
Inge Höger Bärbel Höhn Steffen Bilger Ernst Hinsken
Dr. Barbara Höll Ingrid Hönlinger Clemens Binninger Peter Hintze
Andrej Hunko Thilo Hoppe Peter Bleser Christian Hirte
Ulla Jelpke Uwe Kekeritz Dr. Maria Böhmer Robert Hochbaum
Dr. Lukrezia Jochimsen Katja Keul Wolfgang Börnsen Karl Holmeier
Katja Kipping Memet Kilic (Bönstrup) Franz-Josef Holzenkamp
Harald Koch Sven-Christian Kindler Norbert Brackmann Joachim Hörster
Katrin Kunert Maria Klein-Schmeink Klaus Brähmig Anette Hübinger
Caren Lay Ute Koczy Michael Brand Thomas Jarzombek
Ralph Lenkert Tom Koenigs Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper
Michael Leutert Sylvia Kotting-Uhl Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung
Stefan Liebich Oliver Krischer Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz)
Ulla Lötzer Agnes Krumwiede Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner
Dr. Gesine Lötzsch Fritz Kuhn Heike Brehmer Bartholomäus Kalb
Thomas Lutze Stephan Kühn Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer
Ulrich Maurer Renate Künast Gitta Connemann Steffen Kampeter
Dorothée Menzner Markus Kurth Leo Dautzenberg Alois Karl
Cornelia Möhring Undine Kurth (Quedlinburg) Alexander Dobrindt Bernhard Kaster
Kornelia Möller Monika Lazar Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen-
Niema Movassat Nicole Maisch Marie-Luise Dött Schwenningen)
Wolfgang Nešković Agnes Malczak Dr. Thomas Feist Volker Kauder
Thomas Nord Jerzy Montag Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann
Petra Pau Kerstin Müller (Köln) Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter
Jens Petermann Beate Müller-Gemmeke Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden
Richard Pitterle Ingrid Nestle Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt
Yvonne Ploetz Dr. Konstantin von Notz Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein
Ingrid Remmers Omid Nouripour Land) Jürgen Klimke
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7401
(A) Julia Klöckner Eckhard Pols Marco Wanderwitz Gudrun Kopp (C)
Axel Knoerig Daniela Raab Kai Wegner Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Jens Koeppen Thomas Rachel Marcus Weinberg (Hamburg) Sebastian Körber
Dr. Kristina Schröder Dr. Peter Ramsauer Peter Weiß (Emmendingen) Holger Krestel
Manfred Kolbe Eckhardt Rehberg Sabine Weiss (Wesel I) Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Dr. Rolf Koschorrek Katherina Reiche (Potsdam) Ingo Wellenreuther Heinz Lanfermann
Hartmut Koschyk Lothar Riebsamen Karl-Georg Wellmann Sibylle Laurischk
Thomas Kossendey Josef Rief Peter Wichtel Harald Leibrecht
Michael Kretschmer Klaus Riegert Annette Widmann-Mauz Sabine Leutheusser-
Dr. Günter Krings Dr. Heinz Riesenhuber Klaus-Peter Willsch Schnarrenberger
Rüdiger Kruse Johannes Röring Elisabeth Winkelmeier- Lars Lindemann
Bettina Kudla Dr. Norbert Röttgen Becker Christian Lindner
Dr. Hermann Kues Dr. Christian Ruck Dagmar Wöhrl Dr. Martin Lindner (Berlin)
Günter Lach Erwin Rüddel Dr. Matthias Zimmer Michael Link (Heilbronn)
Dr. Karl A. Lamers Albert Rupprecht (Weiden) Wolfgang Zöller Dr. Erwin Lotter
(Heidelberg) Anita Schäfer (Saalstadt) Willi Zylajew Oliver Luksic
Andreas G. Lämmel Dr. Wolfgang Schäuble Horst Meierhofer
Dr. Norbert Lammert Dr. Annette Schavan FDP Patrick Meinhardt
Katharina Landgraf Dr. Andreas Scheuer Gabriele Molitor
Ulrich Lange Karl Schiewerling Jens Ackermann Jan Mücke
Dr. Max Lehmer Norbert Schindler Christian Ahrendt Petra Müller (Aachen)
Paul Lehrieder Tankred Schipanski Christine Aschenberg- Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Ursula von der Leyen Georg Schirmbeck Dugnus Dr. Martin Neumann
Ingbert Liebing Christian Schmidt (Fürth) Daniel Bahr (Münster) (Lausitz)
Matthias Lietz Patrick Schnieder Florian Bernschneider Dirk Niebel
Dr. Carsten Linnemann Dr. Andreas Schockenhoff Sebastian Blumenthal Hans-Joachim Otto
Patricia Lips Dr. Ole Schröder Claudia Bögel (Frankfurt)
Dr. Jan-Marco Luczak Bernhard Schulte-Drüggelte Nicole Bracht-Bendt Cornelia Pieper
Dr. Michael Luther Uwe Schummer Klaus Breil Gisela Piltz
Karin Maag Armin Schuster (Weil am Rainer Brüderle Dr. Christiane Ratjen-
Hans-Georg von der Marwitz Rhein) Angelika Brunkhorst Damerau
Andreas Mattfeldt Detlef Seif Ernst Burgbacher Dr. Birgit Reinemund
Stephan Mayer (Altötting) Johannes Selle Marco Buschmann Dr. Peter Röhlinger
Dr. Michael Meister Reinhold Sendker Sylvia Canel Dr. Stefan Ruppert
(B) Dr. Angela Merkel Dr. Patrick Sensburg Helga Daub Björn Sänger (D)
Maria Michalk Bernd Siebert Dr. Bijan Djir-Sarai Frank Schäffler
Dr. h. c. Hans Michelbach Thomas Silberhorn Patrick Döring Christoph Schnurr
Dr. Mathias Middelberg Johannes Singhammer Mechthild Dyckmans Jimmy Schulz
Philipp Mißfelder Jens Spahn Rainer Erdel Marina Schuster
Dietrich Monstadt Carola Stauche Jörg van Essen Dr. Erik Schweickert
Marlene Mortler Dr. Frank Steffel Ulrike Flach Werner Simmling
Dr. Gerd Müller Erika Steinbach Otto Fricke Judith Skudelny
Stefan Müller (Erlangen) Christian Freiherr von Stetten Dr. Edmund Peter Geisen Dr. Hermann Otto Solms
Nadine Schön (St. Wendel) Dieter Stier Dr. Wolfgang Gerhardt Joachim Spatz
Dr. Philipp Murmann Gero Storjohann Hans-Michael Goldmann Dr. Max Stadler
Bernd Neumann (Bremen) Stephan Stracke Heinz Golombeck Torsten Staffeldt
Michaela Noll Max Straubinger Miriam Gruß Dr. Rainer Stinner
Dr. Georg Nüßlein Karin Strenz Joachim Günther (Plauen) Stephan Thomae
Franz Obermeier Thomas Strobl (Heilbronn) Dr. Christel Happach-Kasan Florian Toncar
Henning Otte Lena Strothmann Heinz-Peter Haustein Serkan Tören
Dr. Michael Paul Michael Stübgen Manuel Höferlin Johannes Vogel
Rita Pawelski Dr. Peter Tauber Elke Hoff (Lüdenscheid)
Ulrich Petzold Antje Tillmann Birgit Homburger Dr. Daniel Volk
Dr. Joachim Pfeiffer Dr. Hans-Peter Uhl Dr. Werner Hoyer Dr. Guido Westerwelle
Sibylle Pfeiffer Arnold Vaatz Heiner Kamp Dr. Claudia Winterstein
Beatrix Philipp Volkmar Vogel (Kleinsaara) Michael Kauch Dr. Volker Wissing
Ronald Pofalla Stefanie Vogelsang Dr. Lutz Knopek Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Christoph Poland Andrea Astrid Voßhoff Pascal Kober
Ruprecht Polenz Dr. Johann Wadephul Dr. Heinrich L. Kolb
7402 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Endgültiges Ergebnis Hubertus Heil (Peine) Marlene Rupprecht Dr. Gregor Gysi
Abgegebene Stimmen: 592; Rolf Hempelmann (Tuchenbach) Heike Hänsel
davon Dr. Barbara Hendricks Anton Schaaf Dr. Rosemarie Hein
Gustav Herzog Axel Schäfer (Bochum) Inge Höger
ja: 269
Gabriele Hiller-Ohm Bernd Scheelen Dr. Barbara Höll
nein: 323 Petra Hinz (Essen) Marianne Schieder Andrej Hunko
Frank Hofmann (Volkach) (Schwandorf) Ulla Jelpke
Ja Dr. Eva Högl Werner Schieder (Weiden) Dr. Lukrezia Jochimsen
Christel Humme Ulla Schmidt (Aachen) Katja Kipping
SPD Josip Juratovic Silvia Schmidt (Eisleben) Harald Koch
Oliver Kaczmarek Carsten Schneider (Erfurt) Jan Korte
Ingrid Arndt-Brauer Olaf Scholz Katrin Kunert
Johannes Kahrs
Rainer Arnold Swen Schulz (Spandau) Caren Lay
Dr. h. c. Susanne Kastner
Heinz-Joachim Barchmann Ewald Schurer
Ulrich Kelber Ralph Lenkert
Doris Barnett Frank Schwabe
Lars Klingbeil Michael Leutert
Dr. Hans-Peter Bartels Dr. Martin Schwanholz
Hans-Ulrich Klose Stefan Liebich
Klaus Barthel Rolf Schwanitz
Dr. Bärbel Kofler Ulla Lötzer
Sören Bartol Stefan Schwartze
Daniela Kolbe (Leipzig) Dr. Gesine Lötzsch
Bärbel Bas Dr. Carsten Sieling
Fritz Rudolf Körper Thomas Lutze
Dirk Becker
Anette Kramme Sonja Steffen Ulrich Maurer
Uwe Beckmeyer
Nicolette Kressl Peer Steinbrück Dorothée Menzner
Lothar Binding (Heidelberg)
Angelika Krüger-Leißner Dr. Frank-Walter Steinmeier Cornelia Möhring
Gerd Bollmann
Ute Kumpf Christoph Strässer Kornelia Möller
Klaus Brandner
Christine Lambrecht Kerstin Tack Niema Movassat
(B) Willi Brase
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Wolfgang Nešković (D)
Bernhard Brinkmann Christian Lange (Backnang)
Dr. Karl Lauterbach Franz Thönnes Thomas Nord
(Hildesheim)
Steffen-Claudio Lemme Wolfgang Tiefensee Petra Pau
Edelgard Bulmahn
Burkhard Lischka Rüdiger Veit Jens Petermann
Marco Bülow
Gabriele Lösekrug-Möller Ute Vogt Richard Pitterle
Ulla Burchardt
Kirsten Lühmann Dr. Marlies Volkmer Yvonne Ploetz
Martin Burkert
Caren Marks Andrea Wicklein Ingrid Remmers
Petra Crone
Katja Mast Heidemarie Wieczorek-Zeul Paul Schäfer (Köln)
Dr. Peter Danckert
Hilde Mattheis Waltraud Wolff Michael Schlecht
Martin Dörmann
Petra Merkel (Berlin) (Wolmirstedt) Dr. Herbert Schui
Elvira Drobinski-Weiß
Ullrich Meßmer Uta Zapf Dr. Ilja Seifert
Garrelt Duin
Dr. Matthias Miersch Dagmar Ziegler Raju Sharma
Sebastian Edathy
Franz Müntefering Manfred Zöllmer Dr. Petra Sitte
Siegmund Ehrmann
Dr. Rolf Mützenich Brigitte Zypries Kersten Steinke
Dr. h. c. Gernot Erler
Andrea Nahles Sabine Stüber
Petra Ernstberger
Manfred Nink DIE LINKE Alexander Süßmair
Karin Evers-Meyer
Thomas Oppermann Dr. Kirsten Tackmann
Elke Ferner Agnes Alpers
Holger Ortel Alexander Ulrich
Gabriele Fograscher Dr. Dietmar Bartsch
Aydan Özoğuz Kathrin Vogler
Dr. Edgar Franke Herbert Behrens
Heinz Paula Halina Wawzyniak
Dagmar Freitag Matthias W. Birkwald
Johannes Pflug Harald Weinberg
Peter Friedrich Heidrun Bluhm
Joachim Poß Katrin Werner
Sigmar Gabriel Steffen Bockhahn
Dr. Wilhelm Priesmeier Jörn Wunderlich
Michael Gerdes Christine Buchholz
Martin Gerster Florian Pronold Eva Bulling-Schröter
Dr. Sascha Raabe BÜNDNIS 90/
Iris Gleicke Dr. Martina Bunge
Mechthild Rawert DIE GRÜNEN
Ulrike Gottschalck Roland Claus
Angelika Graf (Rosenheim) Gerold Reichenbach Dr. Diether Dehm Kerstin Andreae
Kerstin Griese Dr. Carola Reimann Heidrun Dittrich Marieluise Beck (Bremen)
Michael Groschek Sönke Rix Werner Dreibus Volker Beck (Köln)
Michael Groß René Röspel Dr. Dagmar Enkelmann Cornelia Behm
Wolfgang Gunkel Dr. Ernst Dieter Rossmann Klaus Ernst Birgitt Bender
Hans-Joachim Hacker Karin Roth (Esslingen) Nicole Gohlke Alexander Bonde
Klaus Hagemann Michael Roth (Heringen) Annette Groth Viola von Cramon-Taubadel
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7403
(A) Ekin Deligöz Thomas Bareiß Jürgen Hardt Stephan Mayer (Altötting) (C)
Katja Dörner Norbert Barthle Gerda Hasselfeldt Dr. Michael Meister
Hans-Josef Fell Günter Baumann Dr. Matthias Heider Dr. Angela Merkel
Dr. Thomas Gambke Ernst-Reinhard Beck Mechthild Heil Maria Michalk
Kai Gehring (Reutlingen) Frank Heinrich Dr. h. c. Hans Michelbach
Katrin Göring-Eckardt Manfred Behrens (Börde) Rudolf Henke Dr. Mathias Middelberg
Britta Haßelmann Veronika Bellmann Michael Hennrich Philipp Mißfelder
Bettina Herlitzius Dr. Christoph Bergner Jürgen Herrmann Dietrich Monstadt
Winfried Hermann Peter Beyer Ansgar Heveling Marlene Mortler
Priska Hinz (Herborn) Steffen Bilger Ernst Hinsken Dr. Gerd Müller
Ulrike Höfken Clemens Binninger Peter Hintze Stefan Müller (Erlangen)
Dr. Anton Hofreiter Peter Bleser Christian Hirte Nadine Schön (St. Wendel)
Bärbel Höhn Dr. Maria Böhmer Robert Hochbaum Dr. Philipp Murmann
Ingrid Hönlinger Wolfgang Börnsen Karl Holmeier Bernd Neumann (Bremen)
Thilo Hoppe (Bönstrup) Franz-Josef Holzenkamp Michaela Noll
Uwe Kekeritz Wolfgang Bosbach Joachim Hörster Dr. Georg Nüßlein
Katja Keul Norbert Brackmann Anette Hübinger Franz Obermeier
Memet Kilic Klaus Brähmig Thomas Jarzombek Henning Otte
Sven-Christian Kindler Michael Brand Dieter Jasper Dr. Michael Paul
Maria Klein-Schmeink Dr. Reinhard Brandl Dr. Franz Josef Jung Rita Pawelski
Ute Koczy Helmut Brandt Andreas Jung (Konstanz) Ulrich Petzold
Tom Koenigs Dr. Ralf Brauksiepe Dr. Egon Jüttner Dr. Joachim Pfeiffer
Sylvia Kotting-Uhl Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb Sibylle Pfeiffer
Oliver Krischer Heike Brehmer Hans-Werner Kammer Beatrix Philipp
Agnes Krumwiede Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Ronald Pofalla
Fritz Kuhn Gitta Connemann Alois Karl Christoph Poland
Stephan Kühn Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Ruprecht Polenz
Renate Künast Alexander Dobrindt Siegfried Kauder (Villingen- Eckhard Pols
Markus Kurth Thomas Dörflinger Schwenningen) Daniela Raab
Undine Kurth (Quedlinburg) Marie-Luise Dött Volker Kauder Thomas Rachel
Monika Lazar Dr. Thomas Feist Dr. Stefan Kaufmann Dr. Peter Ramsauer
Nicole Maisch Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter Eckhardt Rehberg
Agnes Malczak Ingrid Fischbach Eckart von Klaeden Katherina Reiche (Potsdam)
Jerzy Montag Ewa Klamt
Hartwig Fischer (Göttingen) Lothar Riebsamen
Kerstin Müller (Köln)
(B) Dirk Fischer (Hamburg) Volkmar Klein Josef Rief (D)
Beate Müller-Gemmeke
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke Klaus Riegert
Ingrid Nestle
Land) Julia Klöckner Dr. Heinz Riesenhuber
Dr. Konstantin von Notz
Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig Johannes Röring
Omid Nouripour
Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen Dr. Norbert Röttgen
Friedrich Ostendorff
Herbert Frankenhauser Dr. Kristina Schröder Dr. Christian Ruck
Dr. Hermann Ott
Dr. Hans-Peter Friedrich Manfred Kolbe Erwin Rüddel
Brigitte Pothmer
(Hof) Dr. Rolf Koschorrek Albert Rupprecht (Weiden)
Tabea Rößner
Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser Hartmut Koschyk Anita Schäfer (Saalstadt)
Krista Sager Erich G. Fritz Thomas Kossendey Dr. Wolfgang Schäuble
Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs Michael Kretschmer Dr. Annette Schavan
Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel Dr. Günter Krings Dr. Andreas Scheuer
Christine Scheel Alexander Funk Rüdiger Kruse Karl Schiewerling
Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens Bettina Kudla Norbert Schindler
Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart Dr. Hermann Kues Tankred Schipanski
Dorothea Steiner Norbert Geis Günter Lach Georg Schirmbeck
Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig Dr. Karl A. Lamers Christian Schmidt (Fürth)
Kuhn Eberhard Gienger (Heidelberg) Patrick Schnieder
Hans-Christian Ströbele Michael Glos Andreas G. Lämmel Dr. Andreas Schockenhoff
Dr. Harald Terpe Josef Göppel Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder
Markus Tressel Peter Götz Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte
Jürgen Trittin Dr. Wolfgang Götzer Ulrich Lange Uwe Schummer
Daniela Wagner Ute Granold Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am
Wolfgang Wieland Reinhard Grindel Paul Lehrieder Rhein)
Dr. Valerie Wilms Hermann Gröhe Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif
Josef Philip Winkler Michael Grosse-Brömer Ingbert Liebing Johannes Selle
Markus Grübel Matthias Lietz Reinhold Sendker
Manfred Grund Dr. Carsten Linnemann Dr. Patrick Sensburg
Nein Monika Grütters Patricia Lips Bernd Siebert
Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Jan-Marco Luczak Thomas Silberhorn
CDU/CSU
zu Guttenberg Dr. Michael Luther Johannes Singhammer
Ilse Aigner Florian Hahn Karin Maag Jens Spahn
Peter Aumer Holger Haibach Hans-Georg von der Marwitz Carola Stauche
Dorothee Bär Dr. Stephan Harbarth Andreas Mattfeldt Dr. Frank Steffel
7404 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(B) (D)
Anlage 22
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3492) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Neckarwestheim 1) (Tagesord-
nungspunkt 4 a)
(A) Anette Kramme Heidemarie Wieczorek-Zeul Alexander Süßmair Dr. Gerhard Schick (C)
Nicolette Kressl Waltraud Wolff Dr. Kirsten Tackmann Dr. Frithjof Schmidt
Ute Kumpf (Wolmirstedt) Frank Tempel Dorothea Steiner
Christine Lambrecht Uta Zapf Alexander Ulrich Dr. Wolfgang Strengmann-
Christian Lange (Backnang) Dagmar Ziegler Kathrin Vogler Kuhn
Dr. Karl Lauterbach Manfred Zöllmer Sahra Wagenknecht Hans-Christian Ströbele
Steffen-Claudio Lemme Brigitte Zypries Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe
Burkhard Lischka Harald Weinberg Markus Tressel
Gabriele Lösekrug-Möller DIE LINKE Katrin Werner Jürgen Trittin
Kirsten Lühmann Jörn Wunderlich Daniela Wagner
Jan van Aken
Caren Marks Wolfgang Wieland
Agnes Alpers
Katja Mast BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms
Dr. Dietmar Bartsch Josef Philip Winkler
Hilde Mattheis DIE GRÜNEN
Herbert Behrens
Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald Kerstin Andreae
Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Marieluise Beck (Bremen) Nein
Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Volker Beck (Köln)
Franz Müntefering Christine Buchholz Cornelia Behm CDU/CSU
Dr. Rolf Mützenich Eva Bulling-Schröter Birgitt Bender
Andrea Nahles Ilse Aigner
Dr. Martina Bunge Alexander Bonde Peter Altmaier
Manfred Nink Roland Claus Viola von Cramon-Taubadel
Thomas Oppermann Peter Aumer
Sevim Dağdelen Ekin Deligöz Dorothee Bär
Holger Ortel Dr. Diether Dehm Katja Dörner
Aydan Özoğuz Thomas Bareiß
Heidrun Dittrich Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Heinz Paula Werner Dreibus Dr. Thomas Gambke
Johannes Pflug Günter Baumann
Dr. Dagmar Enkelmann Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Joachim Poß Klaus Ernst Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Dr. Wilhelm Priesmeier Wolfgang Gehrcke Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Florian Pronold Nicole Gohlke Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Dr. Sascha Raabe Annette Groth Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Mechthild Rawert Dr. Gregor Gysi Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Gerold Reichenbach Heike Hänsel Ulrike Höfken Steffen Bilger
Dr. Carola Reimann Dr. Rosemarie Hein Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Sönke Rix Inge Höger Bärbel Höhn Peter Bleser
René Röspel Dr. Barbara Höll Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
(B) Dr. Ernst Dieter Rossmann Andrej Hunko Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen (D)
Karin Roth (Esslingen) Ulla Jelpke Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Michael Roth (Heringen) Dr. Lukrezia Jochimsen Katja Keul Wolfgang Bosbach
Marlene Rupprecht Katja Kipping Memet Kilic Norbert Brackmann
(Tuchenbach) Harald Koch Sven-Christian Kindler Klaus Brähmig
Anton Schaaf Jan Korte Maria Klein-Schmeink Michael Brand
Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl
Bernd Scheelen Caren Lay Tom Koenigs Helmut Brandt
Marianne Schieder Ralph Lenkert Sylvia Kotting-Uhl Dr. Ralf Brauksiepe
(Schwandorf) Michael Leutert Oliver Krischer Dr. Helge Braun
Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Agnes Krumwiede Heike Brehmer
Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus
Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Stephan Kühn Gitta Connemann
Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Renate Künast Leo Dautzenberg
Olaf Scholz Ulrich Maurer Markus Kurth Alexander Dobrindt
Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Undine Kurth (Quedlinburg) Thomas Dörflinger
Ewald Schurer Cornelia Möhring Monika Lazar Marie-Luise Dött
Frank Schwabe Kornelia Möller Nicole Maisch Dr. Thomas Feist
Dr. Martin Schwanholz Niema Movassat Agnes Malczak Enak Ferlemann
Rolf Schwanitz Wolfgang Nešković Jerzy Montag Ingrid Fischbach
Stefan Schwartze Thomas Nord Kerstin Müller (Köln) Hartwig Fischer (Göttingen)
Dr. Carsten Sieling Petra Pau Beate Müller-Gemmeke Dirk Fischer (Hamburg)
Sonja Steffen Jens Petermann Ingrid Nestle Axel E. Fischer (Karlsruhe-
Peer Steinbrück Richard Pitterle Dr. Konstantin von Notz Land)
Dr. Frank-Walter Steinmeier Yvonne Ploetz Omid Nouripour Dr. Maria Flachsbarth
Christoph Strässer Ingrid Remmers Friedrich Ostendorff Klaus-Peter Flosbach
Kerstin Tack Paul Schäfer (Köln) Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Michael Schlecht Brigitte Pothmer Dr. Hans-Peter Friedrich
Franz Thönnes Dr. Herbert Schui Tabea Rößner (Hof)
Wolfgang Tiefensee Dr. Ilja Seifert Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser
Rüdiger Veit Raju Sharma Krista Sager Erich G. Fritz
Ute Vogt Dr. Petra Sitte Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs
Dr. Marlies Volkmer Kersten Steinke Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel
Andrea Wicklein Sabine Stüber Christine Scheel Alexander Funk
7406 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Ingo Gädechens Bettina Kudla Norbert Schindler Angelika Brunkhorst (C)
Dr. Thomas Gebhart Dr. Hermann Kues Tankred Schipanski Ernst Burgbacher
Norbert Geis Günter Lach Georg Schirmbeck Marco Buschmann
Alois Gerig Dr. Karl A. Lamers Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel
Eberhard Gienger (Heidelberg) Patrick Schnieder Helga Daub
Michael Glos Andreas G. Lämmel Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann
Josef Göppel Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai
Peter Götz Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring
Dr. Wolfgang Götzer Ulrich Lange Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Ute Granold Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Reinhard Grindel Paul Lehrieder Rhein) Jörg van Essen
Hermann Gröhe Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif Ulrike Flach
Michael Grosse-Brömer Ingbert Liebing Johannes Selle Otto Fricke
Markus Grübel Matthias Lietz Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen
Manfred Grund Dr. Carsten Linnemann Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt
Monika Grütters Patricia Lips Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann
Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Jan-Marco Luczak Thomas Silberhorn Heinz Golombeck
zu Guttenberg Dr. Michael Luther Johannes Singhammer Miriam Gruß
Olav Gutting Karin Maag Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Florian Hahn Hans-Georg von der Marwitz Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan
Holger Haibach Andreas Mattfeldt Dr. Frank Steffel Heinz-Peter Haustein
Dr. Stephan Harbarth Stephan Mayer (Altötting) Erika Steinbach Manuel Höferlin
Jürgen Hardt Dr. Michael Meister Christian Freiherr von Stetten Elke Hoff
Gerda Hasselfeldt Dr. Angela Merkel Dieter Stier Birgit Homburger
Dr. Matthias Heider Maria Michalk Gero Storjohann Dr. Werner Hoyer
Mechthild Heil Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke Heiner Kamp
Frank Heinrich Dr. Mathias Middelberg Max Straubinger Michael Kauch
Rudolf Henke Philipp Mißfelder Karin Strenz Dr. Lutz Knopek
Michael Hennrich Dietrich Monstadt Thomas Strobl (Heilbronn) Pascal Kober
Jürgen Herrmann Marlene Mortler Lena Strothmann Dr. Heinrich L. Kolb
Ansgar Heveling Dr. Gerd Müller Michael Stübgen Gudrun Kopp
Peter Hintze Stefan Müller (Erlangen) Dr. Peter Tauber Sebastian Körber
Christian Hirte Nadine Schön (St. Wendel) Antje Tillmann Holger Krestel
Robert Hochbaum Dr. Philipp Murmann Dr. Hans-Peter Uhl Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Karl Holmeier Bernd Neumann (Bremen) Arnold Vaatz Heinz Lanfermann
(B) Volkmar Vogel (Kleinsaara) (D)
Franz-Josef Holzenkamp Michaela Noll Sibylle Laurischk
Joachim Hörster Dr. Georg Nüßlein Stefanie Vogelsang Harald Leibrecht
Anette Hübinger Franz Obermeier Andrea Astrid Voßhoff Sabine Leutheusser-
Thomas Jarzombek Henning Otte Dr. Johann Wadephul Schnarrenberger
Dieter Jasper Dr. Michael Paul Marco Wanderwitz Lars Lindemann
Dr. Franz Josef Jung Rita Pawelski Kai Wegner Christian Lindner
Andreas Jung (Konstanz) Ulrich Petzold Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Martin Lindner (Berlin)
Dr. Egon Jüttner Dr. Joachim Pfeiffer Peter Weiß (Emmendingen) Michael Link (Heilbronn)
Bartholomäus Kalb Sibylle Pfeiffer Sabine Weiss (Wesel I) Dr. Erwin Lotter
Hans-Werner Kammer Beatrix Philipp Ingo Wellenreuther Oliver Luksic
Steffen Kampeter Ronald Pofalla Karl-Georg Wellmann Horst Meierhofer
Alois Karl Christoph Poland Peter Wichtel Patrick Meinhardt
Bernhard Kaster Ruprecht Polenz Annette Widmann-Mauz Gabriele Molitor
Siegfried Kauder (Villingen- Eckhard Pols Klaus-Peter Willsch Jan Mücke
Schwenningen) Daniela Raab Elisabeth Winkelmeier- Petra Müller (Aachen)
Volker Kauder Thomas Rachel Becker Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Stefan Kaufmann Dr. Peter Ramsauer Dagmar Wöhrl Dr. Martin Neumann
Roderich Kiesewetter Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer (Lausitz)
Eckart von Klaeden Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller Dirk Niebel
Ewa Klamt Lothar Riebsamen Willi Zylajew Cornelia Pieper
Volkmar Klein Josef Rief Gisela Piltz
Jürgen Klimke Klaus Riegert FDP Dr. Christiane Ratjen-
Julia Klöckner Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann Damerau
Axel Knoerig Johannes Röring Christian Ahrendt Dr. Birgit Reinemund
Jens Koeppen Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg- Dr. Peter Röhlinger
Dr. Kristina Schröder Dr. Christian Ruck Dugnus Dr. Stefan Ruppert
Manfred Kolbe Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster) Björn Sänger
Dr. Rolf Koschorrek Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider Frank Schäffler
Hartmut Koschyk Anita Schäfer (Saalstadt) Sebastian Blumenthal Christoph Schnurr
Thomas Kossendey Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel Jimmy Schulz
Michael Kretschmer Dr. Annette Schavan Nicole Bracht-Bendt Marina Schuster
Dr. Günter Krings Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil Dr. Erik Schweickert
Rüdiger Kruse Karl Schiewerling Rainer Brüderle Werner Simmling
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7407
(A) Judith Skudelny Torsten Staffeldt Serkan Tören Dr. Guido Westerwelle (C)
Dr. Hermann Otto Solms Dr. Rainer Stinner Johannes Vogel Dr. Claudia Winterstein
Joachim Spatz Stephan Thomae (Lüdenscheid) Dr. Volker Wissing
Dr. Max Stadler Florian Toncar Dr. Daniel Volk Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 23
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3493) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Philippsburg 1) (Tagesordnungs-
punkt 4 a)
(A) Thomas Lutze Markus Kurth Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen- (C)
Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg) Marie-Luise Dött Schwenningen)
Dorothée Menzner Monika Lazar Dr. Thomas Feist Volker Kauder
Cornelia Möhring Nicole Maisch Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann
Kornelia Möller Agnes Malczak Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter
Niema Movassat Jerzy Montag Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden
Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln) Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt
Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein
Petra Pau Ingrid Nestle Land) Jürgen Klimke
Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner
Richard Pitterle Omid Nouripour Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig
Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff Herbert Frankenhauser Jens Koeppen
Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Kristina Schröder
Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer (Hof) Manfred Kolbe
Michael Schlecht Tabea Rößner Michael Frieser Dr. Rolf Koschorrek
Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg) Erich G. Fritz Hartmut Koschyk
Dr. Ilja Seifert Krista Sager Dr. Michael Fuchs Thomas Kossendey
Raju Sharma Manuel Sarrazin Hans-Joachim Fuchtel Michael Kretschmer
Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg Alexander Funk Dr. Günter Krings
Kersten Steinke Christine Scheel Ingo Gädechens Rüdiger Kruse
Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick Dr. Thomas Gebhart Bettina Kudla
Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt Norbert Geis Dr. Hermann Kues
Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner Alois Gerig Günter Lach
Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann- Eberhard Gienger Dr. Karl A. Lamers
Alexander Ulrich Kuhn Michael Glos (Heidelberg)
Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele Josef Göppel Andreas G. Lämmel
Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe Peter Götz Dr. Norbert Lammert
Harald Weinberg Markus Tressel Dr. Wolfgang Götzer Katharina Landgraf
Katrin Werner Jürgen Trittin Ute Granold Ulrich Lange
Jörn Wunderlich Daniela Wagner Reinhard Grindel Dr. Max Lehmer
Wolfgang Wieland Hermann Gröhe Paul Lehrieder
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms Michael Grosse-Brömer Dr. Ursula von der Leyen
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler Markus Grübel Matthias Lietz
Kerstin Andreae Manfred Grund Dr. Carsten Linnemann
(B) Marieluise Beck (Bremen) Nein Monika Grütters Patricia Lips (D)
Volker Beck (Köln) Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Jan-Marco Luczak
Cornelia Behm CDU/CSU zu Guttenberg Dr. Michael Luther
Birgitt Bender Ilse Aigner Olav Gutting Karin Maag
Alexander Bonde Peter Aumer Florian Hahn Hans-Georg von der Marwitz
Viola von Cramon-Taubadel Dorothee Bär Holger Haibach Andreas Mattfeldt
Ekin Deligöz Thomas Bareiß Dr. Stephan Harbarth Stephan Mayer (Altötting)
Katja Dörner Norbert Barthle Jürgen Hardt Dr. Michael Meister
Hans-Josef Fell Günter Baumann Gerda Hasselfeldt Dr. Angela Merkel
Dr. Thomas Gambke Ernst-Reinhard Beck Dr. Matthias Heider Maria Michalk
Kai Gehring (Reutlingen) Mechthild Heil Dr. h. c. Hans Michelbach
Katrin Göring-Eckardt Manfred Behrens (Börde) Frank Heinrich Dr. Mathias Middelberg
Britta Haßelmann Veronika Bellmann Rudolf Henke Philipp Mißfelder
Bettina Herlitzius Dr. Christoph Bergner Michael Hennrich Dietrich Monstadt
Winfried Hermann Peter Beyer Jürgen Herrmann Marlene Mortler
Priska Hinz (Herborn) Steffen Bilger Ansgar Heveling Dr. Gerd Müller
Ulrike Höfken Clemens Binninger Ernst Hinsken Stefan Müller (Erlangen)
Dr. Anton Hofreiter Peter Bleser Peter Hintze Nadine Schön (St. Wendel)
Bärbel Höhn Dr. Maria Böhmer Christian Hirte Dr. Philipp Murmann
Ingrid Hönlinger Wolfgang Börnsen Robert Hochbaum Bernd Neumann (Bremen)
Thilo Hoppe (Bönstrup) Karl Holmeier Michaela Noll
Uwe Kekeritz Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp Dr. Georg Nüßlein
Katja Keul Norbert Brackmann Joachim Hörster Franz Obermeier
Memet Kilic Klaus Brähmig Anette Hübinger Henning Otte
Sven-Christian Kindler Michael Brand Thomas Jarzombek Dr. Michael Paul
Maria Klein-Schmeink Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper Rita Pawelski
Ute Koczy Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung Ulrich Petzold
Tom Koenigs Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz) Dr. Joachim Pfeiffer
Sylvia Kotting-Uhl Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner Sibylle Pfeiffer
Oliver Krischer Heike Brehmer Bartholomäus Kalb Beatrix Philipp
Agnes Krumwiede Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer Ronald Pofalla
Fritz Kuhn Gitta Connemann Steffen Kampeter Christoph Poland
Stephan Kühn Leo Dautzenberg Alois Karl Ruprecht Polenz
Renate Künast Alexander Dobrindt Bernhard Kaster Eckhard Pols
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7409
(A) Daniela Raab Stephan Stracke Angelika Brunkhorst Dr. Erwin Lotter (C)
Thomas Rachel Max Straubinger Ernst Burgbacher Oliver Luksic
Dr. Peter Ramsauer Karin Strenz Marco Buschmann Horst Meierhofer
Eckhardt Rehberg Thomas Strobl (Heilbronn) Sylvia Canel Patrick Meinhardt
Katherina Reiche (Potsdam) Lena Strothmann Helga Daub Gabriele Molitor
Lothar Riebsamen Michael Stübgen Reiner Deutschmann Jan Mücke
Josef Rief Dr. Peter Tauber Dr. Bijan Djir-Sarai Petra Müller (Aachen)
Klaus Riegert Antje Tillmann Patrick Döring Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Heinz Riesenhuber Dr. Hans-Peter Uhl Mechthild Dyckmans Dr. Martin Neumann
Johannes Röring Arnold Vaatz Rainer Erdel (Lausitz)
Dr. Norbert Röttgen Volkmar Vogel (Kleinsaara) Jörg van Essen Dirk Niebel
Dr. Christian Ruck Stefanie Vogelsang Ulrike Flach Hans-Joachim Otto
Erwin Rüddel Andrea Astrid Voßhoff Otto Fricke (Frankfurt)
Albert Rupprecht (Weiden) Dr. Johann Wadephul Dr. Edmund Peter Geisen Cornelia Pieper
Anita Schäfer (Saalstadt) Marco Wanderwitz Dr. Wolfgang Gerhardt Gisela Piltz
Dr. Wolfgang Schäuble Kai Wegner Hans-Michael Goldmann Dr. Christiane Ratjen-
Dr. Annette Schavan Marcus Weinberg (Hamburg) Heinz Golombeck Damerau
Dr. Andreas Scheuer Peter Weiß (Emmendingen) Miriam Gruß Dr. Birgit Reinemund
Karl Schiewerling Sabine Weiss (Wesel I) Joachim Günther (Plauen) Dr. Peter Röhlinger
Norbert Schindler Ingo Wellenreuther Dr. Christel Happach-Kasan Dr. Stefan Ruppert
Tankred Schipanski Karl-Georg Wellmann Heinz-Peter Haustein Björn Sänger
Georg Schirmbeck Peter Wichtel Manuel Höferlin
Frank Schäffler
Christian Schmidt (Fürth) Annette Widmann-Mauz Elke Hoff
Christoph Schnurr
Patrick Schnieder Klaus-Peter Willsch Birgit Homburger
Jimmy Schulz
Dr. Andreas Schockenhoff Elisabeth Winkelmeier- Dr. Werner Hoyer
Marina Schuster
Dr. Ole Schröder Becker Heiner Kamp
Bernhard Schulte-Drüggelte Michael Kauch Dr. Erik Schweickert
Dagmar Wöhrl Werner Simmling
Uwe Schummer Dr. Matthias Zimmer Dr. Lutz Knopek
Armin Schuster (Weil am Pascal Kober Judith Skudelny
Wolfgang Zöller Dr. Hermann Otto Solms
Rhein) Willi Zylajew Dr. Heinrich L. Kolb
Detlef Seif Gudrun Kopp Joachim Spatz
Johannes Selle Dr. h. c. Jürgen Koppelin Dr. Max Stadler
FDP Torsten Staffeldt
Reinhold Sendker Sebastian Körber
Dr. Patrick Sensburg Jens Ackermann Holger Krestel Dr. Rainer Stinner
Bernd Siebert Christian Ahrendt Patrick Kurth (Kyffhäuser) Stephan Thomae
(B) Thomas Silberhorn Christine Aschenberg- Heinz Lanfermann Florian Toncar (D)
Johannes Singhammer Dugnus Sibylle Laurischk Serkan Tören
Jens Spahn Daniel Bahr (Münster) Harald Leibrecht Johannes Vogel
Carola Stauche Florian Bernschneider Sabine Leutheusser- (Lüdenscheid)
Dr. Frank Steffel Sebastian Blumenthal Schnarrenberger Dr. Daniel Volk
Erika Steinbach Claudia Bögel Lars Lindemann Dr. Guido Westerwelle
Christian Freiherr von Stetten Nicole Bracht-Bendt Christian Lindner Dr. Claudia Winterstein
Dieter Stier Klaus Breil Dr. Martin Lindner (Berlin) Dr. Volker Wissing
Gero Storjohann Rainer Brüderle Michael Link (Heilbronn) Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 24
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3494) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Unterweser) (Tagesordnungspunkt 4 a)
(A) Sigmar Gabriel Karin Roth (Esslingen) Ulla Jelpke Katja Keul (C)
Michael Gerdes Michael Roth (Heringen) Dr. Lukrezia Jochimsen Memet Kilic
Martin Gerster Marlene Rupprecht Katja Kipping Sven-Christian Kindler
Iris Gleicke (Tuchenbach) Harald Koch Maria Klein-Schmeink
Ulrike Gottschalck Anton Schaaf Jan Korte Ute Koczy
Angelika Graf (Rosenheim) Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Tom Koenigs
Kerstin Griese Bernd Scheelen Caren Lay Sylvia Kotting-Uhl
Michael Groschek Marianne Schieder Ralph Lenkert Oliver Krischer
Michael Groß (Schwandorf) Michael Leutert Agnes Krumwiede
Wolfgang Gunkel Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Fritz Kuhn
Hans-Joachim Hacker Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Stephan Kühn
Bettina Hagedorn Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Renate Künast
Klaus Hagemann Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Markus Kurth
Hubertus Heil (Peine) Olaf Scholz Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg)
Rolf Hempelmann Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Monika Lazar
Dr. Barbara Hendricks Ewald Schurer Cornelia Möhring Nicole Maisch
Gustav Herzog Frank Schwabe Kornelia Möller Agnes Malczak
Gabriele Hiller-Ohm Dr. Martin Schwanholz Niema Movassat Jerzy Montag
Petra Hinz (Essen) Rolf Schwanitz Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln)
Frank Hofmann (Volkach) Stefan Schwartze Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke
Dr. Eva Högl Dr. Carsten Sieling Petra Pau Ingrid Nestle
Christel Humme Sonja Steffen Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz
Josip Juratovic Peer Steinbrück Richard Pitterle Omid Nouripour
Oliver Kaczmarek Dr. Frank-Walter Steinmeier Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff
Johannes Kahrs Christoph Strässer Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott
Dr. h. c. Susanne Kastner Kerstin Tack Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer
Ulrich Kelber Dr. h. c. Wolfgang Thierse Michael Schlecht Tabea Rößner
Lars Klingbeil Franz Thönnes Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg)
Hans-Ulrich Klose Wolfgang Tiefensee Dr. Ilja Seifert Krista Sager
Dr. Bärbel Kofler Rüdiger Veit Raju Sharma Manuel Sarrazin
Daniela Kolbe (Leipzig) Ute Vogt Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg
Fritz Rudolf Körper Dr. Marlies Volkmer Kersten Steinke Christine Scheel
Anette Kramme Andrea Wicklein Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick
Heidemarie Wieczorek-Zeul Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt
Nicolette Kressl
Waltraud Wolff Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner
(B) Angelika Krüger-Leißner (D)
(Wolmirstedt) Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann-
Ute Kumpf
Uta Zapf Alexander Ulrich Kuhn
Christine Lambrecht
Dagmar Ziegler Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele
Christian Lange (Backnang)
Manfred Zöllmer Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe
Dr. Karl Lauterbach
Brigitte Zypries Harald Weinberg Markus Tressel
Steffen-Claudio Lemme
Katrin Werner Jürgen Trittin
Burkhard Lischka
DIE LINKE Jörn Wunderlich Daniela Wagner
Gabriele Lösekrug-Möller Wolfgang Wieland
Kirsten Lühmann Jan van Aken Dr. Valerie Wilms
Caren Marks BÜNDNIS 90/
Agnes Alpers Josef Philip Winkler
Katja Mast DIE GRÜNEN
Dr. Dietmar Bartsch
Hilde Mattheis Herbert Behrens Kerstin Andreae
Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald Marieluise Beck (Bremen) Nein
Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Volker Beck (Köln)
Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Cornelia Behm CDU/CSU
Franz Müntefering Christine Buchholz Birgitt Bender Ilse Aigner
Dr. Rolf Mützenich Eva Bulling-Schröter Alexander Bonde Peter Altmaier
Andrea Nahles Dr. Martina Bunge Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer
Manfred Nink Roland Claus Ekin Deligöz Dorothee Bär
Thomas Oppermann Sevim Dağdelen Katja Dörner Thomas Bareiß
Holger Ortel Dr. Diether Dehm Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Aydan Özoğuz Heidrun Dittrich Dr. Thomas Gambke Günter Baumann
Heinz Paula Werner Dreibus Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Johannes Pflug Dr. Dagmar Enkelmann Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Joachim Poß Klaus Ernst Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Dr. Wilhelm Priesmeier Wolfgang Gehrcke Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Florian Pronold Nicole Gohlke Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Dr. Sascha Raabe Annette Groth Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Mechthild Rawert Dr. Gregor Gysi Ulrike Höfken Steffen Bilger
Gerold Reichenbach Heike Hänsel Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Dr. Carola Reimann Dr. Rosemarie Hein Bärbel Höhn Peter Bleser
Sönke Rix Inge Höger Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
René Röspel Dr. Barbara Höll Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen
Dr. Ernst Dieter Rossmann Andrej Hunko Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7411
(A) Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp Michaela Noll Volkmar Vogel (Kleinsaara) (C)
Norbert Brackmann Joachim Hörster Dr. Georg Nüßlein Stefanie Vogelsang
Klaus Brähmig Anette Hübinger Franz Obermeier Andrea Astrid Voßhoff
Michael Brand Thomas Jarzombek Henning Otte Dr. Johann Wadephul
Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper Dr. Michael Paul Marco Wanderwitz
Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung Rita Pawelski Kai Wegner
Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz) Ulrich Petzold Marcus Weinberg (Hamburg)
Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner Dr. Joachim Pfeiffer Peter Weiß (Emmendingen)
Heike Brehmer Bartholomäus Kalb Sibylle Pfeiffer Sabine Weiss (Wesel I)
Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer Beatrix Philipp Ingo Wellenreuther
Gitta Connemann Steffen Kampeter Ronald Pofalla Karl-Georg Wellmann
Leo Dautzenberg Alois Karl Christoph Poland Peter Wichtel
Alexander Dobrindt Bernhard Kaster Ruprecht Polenz Annette Widmann-Mauz
Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen- Eckhard Pols Klaus-Peter Willsch
Marie-Luise Dött Schwenningen) Daniela Raab Elisabeth Winkelmeier-
Dr. Thomas Feist Volker Kauder Thomas Rachel Becker
Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann Dr. Peter Ramsauer Dagmar Wöhrl
Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer
Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller
Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt Lothar Riebsamen Willi Zylajew
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein Josef Rief
Land) Jürgen Klimke Klaus Riegert FDP
Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann
Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig Johannes Röring Christian Ahrendt
Herbert Frankenhauser Jens Koeppen Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg-
Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Kristina Schröder Dr. Christian Ruck Dugnus
(Hof) Manfred Kolbe Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster)
Michael Frieser Dr. Rolf Koschorrek Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider
Erich G. Fritz Hartmut Koschyk Anita Schäfer (Saalstadt) Sebastian Blumenthal
Dr. Michael Fuchs Thomas Kossendey Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel
Hans-Joachim Fuchtel Michael Kretschmer Dr. Annette Schavan Nicole Bracht-Bendt
Alexander Funk Dr. Günter Krings Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil
Ingo Gädechens Rüdiger Kruse Karl Schiewerling Rainer Brüderle
Dr. Thomas Gebhart Bettina Kudla Norbert Schindler Angelika Brunkhorst
(B) Norbert Geis Dr. Hermann Kues Tankred Schipanski Ernst Burgbacher (D)
Alois Gerig Günter Lach Georg Schirmbeck Marco Buschmann
Eberhard Gienger Dr. Karl A. Lamers Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel
Michael Glos (Heidelberg) Patrick Schnieder Helga Daub
Josef Göppel Andreas G. Lämmel Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann
Peter Götz Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai
Dr. Wolfgang Götzer Katharina Landgraf Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring
Ute Granold Ulrich Lange Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Reinhard Grindel Dr. Max Lehmer Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Hermann Gröhe Paul Lehrieder Rhein) Jörg van Essen
Michael Grosse-Brömer Dr. Ursula von der Leyen Detlef Seif Ulrike Flach
Markus Grübel Ingbert Liebing Johannes Selle Otto Fricke
Manfred Grund Matthias Lietz Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen
Monika Grütters Dr. Carsten Linnemann Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt
Dr. Karl-Theodor Freiherr Patricia Lips Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann
zu Guttenberg Dr. Jan-Marco Luczak Thomas Silberhorn Heinz Golombeck
Olav Gutting Dr. Michael Luther Johannes Singhammer Miriam Gruß
Florian Hahn Karin Maag Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Holger Haibach Hans-Georg von der Marwitz Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan
Dr. Stephan Harbarth Andreas Mattfeldt Dr. Frank Steffel Heinz-Peter Haustein
Jürgen Hardt Stephan Mayer (Altötting) Erika Steinbach Manuel Höferlin
Gerda Hasselfeldt Dr. Michael Meister Christian Freiherr von Stetten Elke Hoff
Dr. Matthias Heider Dr. Angela Merkel Dieter Stier Birgit Homburger
Mechthild Heil Maria Michalk Gero Storjohann Dr. Werner Hoyer
Frank Heinrich Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke Heiner Kamp
Rudolf Henke Dr. Mathias Middelberg Max Straubinger Michael Kauch
Michael Hennrich Philipp Mißfelder Karin Strenz Dr. Lutz Knopek
Jürgen Herrmann Dietrich Monstadt Thomas Strobl (Heilbronn) Pascal Kober
Ansgar Heveling Marlene Mortler Lena Strothmann Dr. Heinrich L. Kolb
Ernst Hinsken Dr. Gerd Müller Michael Stübgen Gudrun Kopp
Peter Hintze Stefan Müller (Erlangen) Dr. Peter Tauber Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Christian Hirte Nadine Schön (St. Wendel) Antje Tillmann Sebastian Körber
Robert Hochbaum Dr. Philipp Murmann Dr. Hans-Peter Uhl Holger Krestel
Karl Holmeier Bernd Neumann (Bremen) Arnold Vaatz Patrick Kurth (Kyffhäuser)
7412 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Heinz Lanfermann Gabriele Molitor Dr. Birgit Reinemund Dr. Max Stadler (C)
Sibylle Laurischk Jan Mücke Dr. Peter Röhlinger Torsten Staffeldt
Harald Leibrecht Petra Müller (Aachen) Dr. Stefan Ruppert Dr. Rainer Stinner
Sabine Leutheusser- Burkhardt Müller-Sönksen Björn Sänger Stephan Thomae
Schnarrenberger Dr. Martin Neumann Frank Schäffler Florian Toncar
Lars Lindemann (Lausitz) Christoph Schnurr Serkan Tören
Christian Lindner Dirk Niebel Jimmy Schulz Johannes Vogel
Dr. Martin Lindner (Berlin) Hans-Joachim Otto Marina Schuster (Lüdenscheid)
Michael Link (Heilbronn) (Frankfurt) Dr. Erik Schweickert Dr. Daniel Volk
Dr. Erwin Lotter Cornelia Pieper Werner Simmling Dr. Guido Westerwelle
Oliver Luksic Gisela Piltz Judith Skudelny Dr. Claudia Winterstein
Horst Meierhofer Dr. Christiane Ratjen- Dr. Hermann Otto Solms Dr. Volker Wissing
Patrick Meinhardt Damerau Joachim Spatz Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 25
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3495) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Flugzeugabstürze) (Tagesord-
nungspunkt 4 a)
Endgültiges Ergebnis Garrelt Duin Hans-Ulrich Klose Dr. Ernst Dieter Rossmann
Abgegebene Stimmen: 596; Sebastian Edathy Dr. Bärbel Kofler Karin Roth (Esslingen)
davon Siegmund Ehrmann Daniela Kolbe (Leipzig) Michael Roth (Heringen)
Dr. h. c. Gernot Erler Fritz Rudolf Körper Marlene Rupprecht
ja: 273
Petra Ernstberger Anette Kramme (Tuchenbach)
nein: 322 Karin Evers-Meyer Nicolette Kressl Anton Schaaf
(B) enthalten: 1 Elke Ferner Angelika Krüger-Leißner Axel Schäfer (Bochum) (D)
Gabriele Fograscher Ute Kumpf Bernd Scheelen
Ja Dr. Edgar Franke Christine Lambrecht Marianne Schieder
Dagmar Freitag Christian Lange (Backnang) (Schwandorf)
CDU/CSU Peter Friedrich Dr. Karl Lauterbach Werner Schieder (Weiden)
Sigmar Gabriel Steffen-Claudio Lemme Ulla Schmidt (Aachen)
Rüdiger Kruse Michael Gerdes Burkhard Lischka Silvia Schmidt (Eisleben)
Martin Gerster Gabriele Lösekrug-Möller Carsten Schneider (Erfurt)
SPD Iris Gleicke Kirsten Lühmann Olaf Scholz
Ingrid Arndt-Brauer Ulrike Gottschalck Caren Marks Swen Schulz (Spandau)
Rainer Arnold Angelika Graf (Rosenheim) Katja Mast Ewald Schurer
Heinz-Joachim Barchmann Kerstin Griese Hilde Mattheis Frank Schwabe
Doris Barnett Michael Groschek Petra Merkel (Berlin) Dr. Martin Schwanholz
Dr. Hans-Peter Bartels Michael Groß Ullrich Meßmer Rolf Schwanitz
Klaus Barthel Wolfgang Gunkel Dr. Matthias Miersch Stefan Schwartze
Sören Bartol Hans-Joachim Hacker Franz Müntefering Dr. Carsten Sieling
Bärbel Bas Bettina Hagedorn Dr. Rolf Mützenich Sonja Steffen
Dirk Becker Klaus Hagemann Andrea Nahles Peer Steinbrück
Uwe Beckmeyer Hubertus Heil (Peine) Manfred Nink Dr. Frank-Walter Steinmeier
Lothar Binding (Heidelberg) Rolf Hempelmann Thomas Oppermann Christoph Strässer
Gerd Bollmann Dr. Barbara Hendricks Holger Ortel Kerstin Tack
Klaus Brandner Gustav Herzog Aydan Özoğuz Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Willi Brase Gabriele Hiller-Ohm Heinz Paula Franz Thönnes
Bernhard Brinkmann Petra Hinz (Essen) Johannes Pflug Wolfgang Tiefensee
(Hildesheim) Frank Hofmann (Volkach) Joachim Poß Rüdiger Veit
Edelgard Bulmahn Dr. Eva Högl Dr. Wilhelm Priesmeier Ute Vogt
Marco Bülow Christel Humme Florian Pronold Dr. Marlies Volkmer
Ulla Burchardt Josip Juratovic Dr. Sascha Raabe Andrea Wicklein
Martin Burkert Oliver Kaczmarek Mechthild Rawert Heidemarie Wieczorek-Zeul
Petra Crone Johannes Kahrs Gerold Reichenbach Waltraud Wolff
Dr. Peter Danckert Dr. h. c. Susanne Kastner Dr. Carola Reimann (Wolmirstedt)
Martin Dörmann Ulrich Kelber Sönke Rix Uta Zapf
Elvira Drobinski-Weiß Lars Klingbeil René Röspel Dagmar Ziegler
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7413
(A) Manfred Zöllmer Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe Eberhard Gienger (C)
Brigitte Zypries Harald Weinberg Markus Tressel Michael Glos
Katrin Werner Jürgen Trittin Peter Götz
DIE LINKE Jörn Wunderlich Daniela Wagner Dr. Wolfgang Götzer
Jan van Aken Wolfgang Wieland Ute Granold
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms Reinhard Grindel
Agnes Alpers
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler Hermann Gröhe
Dr. Dietmar Bartsch
Herbert Behrens Kerstin Andreae Michael Grosse-Brömer
Markus Grübel
Matthias W. Birkwald Marieluise Beck (Bremen) Nein
Heidrun Bluhm Volker Beck (Köln) Manfred Grund
Steffen Bockhahn Cornelia Behm CDU/CSU Monika Grütters
Christine Buchholz Alexander Bonde Dr. Karl-Theodor Freiherr
Ilse Aigner zu Guttenberg
Eva Bulling-Schröter Viola von Cramon-Taubadel
Peter Altmaier Olav Gutting
Dr. Martina Bunge Ekin Deligöz
Peter Aumer Florian Hahn
Roland Claus Katja Dörner
Dorothee Bär Holger Haibach
Sevim Dağdelen Hans-Josef Fell
Thomas Bareiß Dr. Stephan Harbarth
Dr. Diether Dehm Dr. Thomas Gambke
Norbert Barthle Jürgen Hardt
Heidrun Dittrich Kai Gehring
Günter Baumann Gerda Hasselfeldt
Dr. Dagmar Enkelmann Katrin Göring-Eckardt
Ernst-Reinhard Beck Dr. Matthias Heider
Klaus Ernst Britta Haßelmann
(Reutlingen) Mechthild Heil
Wolfgang Gehrcke Bettina Herlitzius
Nicole Gohlke Manfred Behrens (Börde) Frank Heinrich
Winfried Hermann
Annette Groth Priska Hinz (Herborn) Veronika Bellmann Rudolf Henke
Dr. Gregor Gysi Ulrike Höfken Dr. Christoph Bergner Michael Hennrich
Heike Hänsel Dr. Anton Hofreiter Peter Beyer Jürgen Herrmann
Dr. Rosemarie Hein Bärbel Höhn Steffen Bilger Ansgar Heveling
Inge Höger Ingrid Hönlinger Clemens Binninger Ernst Hinsken
Dr. Barbara Höll Thilo Hoppe Peter Bleser Peter Hintze
Andrej Hunko Uwe Kekeritz Dr. Maria Böhmer Christian Hirte
Ulla Jelpke Katja Keul Wolfgang Börnsen Robert Hochbaum
Dr. Lukrezia Jochimsen Memet Kilic (Bönstrup) Karl Holmeier
Katja Kipping Sven-Christian Kindler Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp
Harald Koch Maria Anna Klein-Schmeink Norbert Brackmann Joachim Hörster
Jan Korte Ute Koczy Klaus Brähmig Anette Hübinger
(B) Katrin Kunert Tom Koenigs Michael Brand Thomas Jarzombek (D)
Caren Lay Sylvia Kotting-Uhl Dr. Reinhard Brandl Dr. Dieter Jasper
Ralph Lenkert Oliver Krischer Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung
Michael Leutert Agnes Krumwiede Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz)
Stefan Liebich Fritz Kuhn Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner
Ulla Lötzer Stephan Kühn Heike Brehmer Bartholomäus Kalb
Dr. Gesine Lötzsch Renate Künast Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer
Thomas Lutze Markus Kurth Gitta Connemann Steffen Kampeter
Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg) Leo Dautzenberg Alois Karl
Dorothée Menzner Monika Lazar Alexander Dobrindt Bernhard Kaster
Cornelia Möhring Nicole Maisch Thomas Dörflinger Volker Kauder
Kornelia Möller Agnes Malczak Marie-Luise Dött Siegfried Kauder (Villingen-
Niema Movassat Jerzy Montag Dr. Thomas Feist Schwenningen)
Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln) Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann
Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter
Petra Pau Ingrid Nestle Hartwig Fischer (Göttingen) Ewa Klamt
Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz Dirk Fischer (Hamburg) Eckart von Klaeden
Richard Pitterle Omid Nouripour Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein
Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff Land) Jürgen Klimke
Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner
Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig
Michael Schlecht Tabea Rößner Herbert Frankenhauser Jens Koeppen
Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg) Dr. Hans-Peter Friedrich Manfred Kolbe
Dr. Ilja Seifert Krista Sager (Hof) Dr. Rolf Koschorrek
Raju Sharma Manuel Sarrazin Michael Frieser Hartmut Koschyk
Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg Erich G. Fritz Thomas Kossendey
Kersten Steinke Christine Scheel Dr. Michael Fuchs Michael Kretschmer
Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick Hans-Joachim Fuchtel Dr. Günter Krings
Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt Alexander Funk Bettina Kudla
Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner Ingo Gädechens Dr. Hermann Kues
Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann- Dr. Thomas Gebhart Günter Lach
Alexander Ulrich Kuhn Norbert Geis Dr. Karl A. Lamers
Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele Alois Gerig (Heidelberg)
7414 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Andreas G. Lämmel Anita Schäfer (Saalstadt) Elisabeth Winkelmeier- Harald Leibrecht (C)
Dr. Norbert Lammert Dr. Wolfgang Schäuble Becker Sabine Leutheusser-
Katharina Landgraf Dr. Annette Schavan Dagmar Wöhrl Schnarrenberger
Ulrich Lange Dr. Andreas Scheuer Dr. Matthias Zimmer Lars Lindemann
Dr. Max Lehmer Karl Schiewerling Wolfgang Zöller Dr. Martin Lindner (Berlin)
Paul Lehrieder Norbert Schindler Willi Zylajew Michael Link (Heilbronn)
Dr. Ursula von der Leyen Tankred Schipanski Dr. Erwin Lotter
Ingbert Liebing Georg Schirmbeck FDP Horst Meierhofer
Matthias Lietz Christian Schmidt (Fürth) Patrick Meinhardt
Jens Ackermann
Dr. Carsten Linnemann Patrick Schnieder Gabriele Molitor
Christian Ahrendt
Patricia Lips Dr. Andreas Schockenhoff Jan Mücke
Christine Aschenberg-
Dr. Jan-Marco Luczak Nadine Schön (St. Wendel) Petra Müller (Aachen)
Dugnus
Dr. Michael Luther Dr. Ole Schröder Burkhardt Müller-Sönksen
Daniel Bahr (Münster)
Karin Maag Dr. Kristina Schröder Dr. Martin Neumann
Florian Bernschneider
Hans-Georg von der Marwitz (Wiesbaden) (Lausitz)
Sebastian Blumenthal
Andreas Mattfeldt Bernhard Schulte-Drüggelte
Claudia Bögel Dirk Niebel
Stephan Mayer (Altötting) Uwe Schummer
Nicole Bracht-Bendt Hans-Joachim Otto
Dr. Michael Meister Armin Schuster (Weil am
Klaus Breil (Frankfurt)
Dr. Angela Merkel Rhein)
Rainer Brüderle Cornelia Pieper
Maria Michalk Detlef Seif
Angelika Brunkhorst Gisela Piltz
Dr. h. c. Hans Michelbach Johannes Selle
Reinhold Sendker Ernst Burgbacher Dr. Christiane Ratjen-
Dr. Mathias Middelberg
Marco Buschmann Damerau
Philipp Mißfelder Dr. Patrick Sensburg
Dietrich Monstadt Bernd Siebert Sylvia Canel Dr. Birgit Reinemund
Marlene Mortler Thomas Silberhorn Helga Daub Dr. Peter Röhlinger
Dr. Gerd Müller Johannes Singhammer Reiner Deutschmann Dr. Stefan Ruppert
Stefan Müller (Erlangen) Jens Spahn Dr. Bijan Djir-Sarai Björn Sänger
Dr. Philipp Murmann Carola Stauche Patrick Döring Frank Schäffler
Bernd Neumann (Bremen) Dr. Frank Steffel Mechthild Dyckmans Christoph Schnurr
Michaela Noll Erika Steinbach Rainer Erdel Jimmy Schulz
Dr. Georg Nüßlein Christian Freiherr von Stetten Jörg van Essen Marina Schuster
Franz Obermeier Dieter Stier Ulrike Flach Dr. Erik Schweickert
Henning Otte Gero Storjohann Otto Fricke Werner Simmling
Dr. Michael Paul Stephan Stracke Dr. Edmund Peter Geisen Judith Skudelny
(B) Rita Pawelski Max Straubinger Dr. Wolfgang Gerhardt Dr. Hermann Otto Solms (D)
Ulrich Petzold Karin Strenz Hans-Michael Goldmann Joachim Spatz
Dr. Joachim Pfeiffer Thomas Strobl (Heilbronn) Heinz Golombeck Dr. Max Stadler
Sibylle Pfeiffer Lena Strothmann Miriam Gruß Torsten Heiko Staffeldt
Beatrix Philipp Michael Stübgen Joachim Günther (Plauen) Dr. Rainer Stinner
Ronald Pofalla Dr. Peter Tauber Dr. Christel Happach-Kasan Stephan Thomae
Christoph Poland Antje Tillmann Heinz-Peter Haustein Florian Toncar
Ruprecht Polenz Dr. Hans-Peter Uhl Manuel Höferlin Serkan Tören
Eckhard Pols Arnold Vaatz Elke Hoff Johannes Vogel
Daniela Raab Volkmar Vogel (Kleinsaara) Birgit Homburger (Lüdenscheid)
Thomas Rachel Stefanie Vogelsang Dr. Werner Hoyer Dr. Daniel Volk
Dr. Peter Ramsauer Andrea Astrid Voßhoff Heiner Kamp Dr. Guido Westerwelle
Eckhardt Rehberg Dr. Johann Wadephul Michael Kauch
Dr. Claudia Winterstein
Katherina Reiche (Potsdam) Marco Wanderwitz Dr. Lutz Knopek
Dr. Volker Wissing
Lothar Riebsamen Kai Wegner Pascal Kober
Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Josef Rief Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Heinrich L. Kolb
Klaus Riegert Peter Weiß (Emmendingen) Gudrun Kopp
Dr. Heinz Riesenhuber Sabine Weiss (Wesel I) Dr. h. c. Jürgen Koppelin Enthalten
Johannes Röring Ingo Wellenreuther Sebastian Körber
Dr. Norbert Röttgen Karl-Georg Wellmann Holger Krestel CDU/CSU
Dr. Christian Ruck Peter Wichtel Patrick Kurth (Kyffhäuser) Josef Göppel
Erwin Rüddel Annette Widmann-Mauz Heinz Lanfermann
Albert Rupprecht (Weiden) Klaus-Peter Willsch Sibylle Laurischk
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7415
(A) Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe Peter Götz Dr. Max Lehmer (C)
Harald Weinberg Markus Tressel Dr. Wolfgang Götzer Paul Lehrieder
Katrin Werner Jürgen Trittin Ute Granold Dr. Ursula von der Leyen
Jörn Wunderlich Daniela Wagner Reinhard Grindel Ingbert Liebing
Wolfgang Wieland Hermann Gröhe Matthias Lietz
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms Michael Grosse-Brömer Dr. Carsten Linnemann
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler Markus Grübel Patricia Lips
Kerstin Andreae Manfred Grund Dr. Jan-Marco Luczak
Marieluise Beck (Bremen) Nein Monika Grütters Dr. Michael Luther
Volker Beck (Köln) Dr. Karl-Theodor Freiherr Karin Maag
Cornelia Behm CDU/CSU zu Guttenberg Hans-Georg von der Marwitz
Birgitt Bender Olav Gutting Andreas Mattfeldt
Ilse Aigner Florian Hahn Stephan Mayer (Altötting)
Alexander Bonde Peter Altmaier
Viola von Cramon-Taubadel Holger Haibach Dr. Michael Meister
Peter Aumer Dr. Stephan Harbarth Dr. Angela Merkel
Ekin Deligöz Dorothee Bär
Katja Dörner Jürgen Hardt Maria Michalk
Thomas Bareiß Gerda Hasselfeldt Dr. h. c. Hans Michelbach
Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Dr. Thomas Gambke Dr. Matthias Heider Dr. Mathias Middelberg
Günter Baumann Mechthild Heil Philipp Mißfelder
Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Katrin Göring-Eckardt Frank Heinrich Dietrich Monstadt
(Reutlingen) Rudolf Henke Marlene Mortler
Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Bettina Herlitzius Michael Hennrich Dr. Gerd Müller
Veronika Bellmann Jürgen Herrmann Stefan Müller (Erlangen)
Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Priska Hinz (Herborn) Ansgar Heveling Dr. Philipp Murmann
Peter Beyer Ernst Hinsken Bernd Neumann (Bremen)
Ulrike Höfken Steffen Bilger
Dr. Anton Hofreiter Peter Hintze Michaela Noll
Clemens Binninger
Bärbel Höhn Christian Hirte Dr. Georg Nüßlein
Peter Bleser
Ingrid Hönlinger Robert Hochbaum Franz Obermeier
Dr. Maria Böhmer
Thilo Hoppe Karl Holmeier Henning Otte
Wolfgang Börnsen
Uwe Kekeritz Franz-Josef Holzenkamp Dr. Michael Paul
(Bönstrup)
Katja Keul Joachim Hörster Rita Pawelski
Wolfgang Bosbach
Memet Kilic Anette Hübinger Ulrich Petzold
Norbert Brackmann
Sven-Christian Kindler Thomas Jarzombek Dr. Joachim Pfeiffer
Klaus Brähmig
Maria Anna Klein-Schmeink Michael Brand Dr. Dieter Jasper Sibylle Pfeiffer
(B) Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl Dr. Franz Josef Jung Beatrix Philipp (D)
Tom Koenigs Helmut Brandt Andreas Jung (Konstanz) Ronald Pofalla
Sylvia Kotting-Uhl Dr. Ralf Brauksiepe Dr. Egon Jüttner Christoph Poland
Oliver Krischer Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb Ruprecht Polenz
Agnes Krumwiede Heike Brehmer Hans-Werner Kammer Eckhard Pols
Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Daniela Raab
Stephan Kühn Gitta Connemann Alois Karl Thomas Rachel
Renate Künast Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Dr. Peter Ramsauer
Markus Kurth Alexander Dobrindt Volker Kauder Eckhardt Rehberg
Undine Kurth (Quedlinburg) Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen- Katherina Reiche (Potsdam)
Monika Lazar Marie-Luise Dött Schwenningen) Lothar Riebsamen
Nicole Maisch Dr. Thomas Feist Dr. Stefan Kaufmann Josef Rief
Agnes Malczak Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter Klaus Riegert
Jerzy Montag Ingrid Fischbach Ewa Klamt Dr. Heinz Riesenhuber
Kerstin Müller (Köln) Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden Johannes Röring
Beate Müller-Gemmeke Dirk Fischer (Hamburg) Volkmar Klein Dr. Norbert Röttgen
Ingrid Nestle Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke Dr. Christian Ruck
Dr. Konstantin von Notz Land) Julia Klöckner Erwin Rüddel
Omid Nouripour Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig Albert Rupprecht (Weiden)
Friedrich Ostendorff Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen Anita Schäfer (Saalstadt)
Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser Manfred Kolbe Dr. Wolfgang Schäuble
Brigitte Pothmer Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Rolf Koschorrek Dr. Annette Schavan
Tabea Rößner (Hof) Hartmut Koschyk Dr. Andreas Scheuer
Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser Thomas Kossendey Karl Schiewerling
Krista Sager Erich G. Fritz Michael Kretschmer Norbert Schindler
Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs Dr. Günter Krings Tankred Schipanski
Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel Bettina Kudla Georg Schirmbeck
Christine Scheel Alexander Funk Dr. Hermann Kues Christian Schmidt (Fürth)
Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens Günter Lach Patrick Schnieder
Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart Dr. Karl A. Lamers Dr. Andreas Schockenhoff
Dorothea Steiner Norbert Geis (Heidelberg) Nadine Schön (St. Wendel)
Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder
Kuhn Eberhard Gienger Katharina Landgraf Dr. Kristina Schröder
Hans-Christian Ströbele Michael Glos Ulrich Lange (Wiesbaden)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7417
(A) Bernhard Schulte-Drüggelte Peter Wichtel Heinz Golombeck Hans-Joachim Otto (C)
Uwe Schummer Annette Widmann-Mauz Miriam Gruß (Frankfurt)
Armin Schuster (Weil am Klaus-Peter Willsch Joachim Günther (Plauen) Cornelia Pieper
Rhein) Elisabeth Winkelmeier- Dr. Christel Happach-Kasan Gisela Piltz
Detlef Seif Becker Heinz-Peter Haustein Dr. Christiane Ratjen-
Johannes Selle Dagmar Wöhrl Manuel Höferlin Damerau
Reinhold Sendker Dr. Matthias Zimmer Elke Hoff Dr. Birgit Reinemund
Dr. Patrick Sensburg Wolfgang Zöller Birgit Homburger Dr. Peter Röhlinger
Bernd Siebert Willi Zylajew Dr. Werner Hoyer Dr. Stefan Ruppert
Thomas Silberhorn Heiner Kamp Björn Sänger
Johannes Singhammer FDP Michael Kauch Frank Schäffler
Jens Spahn Dr. Lutz Knopek Christoph Schnurr
Carola Stauche Jens Ackermann Pascal Kober
Christian Ahrendt Jimmy Schulz
Dr. Frank Steffel Dr. Heinrich L. Kolb Marina Schuster
Erika Steinbach Christine Aschenberg- Gudrun Kopp
Dugnus Dr. Erik Schweickert
Christian Freiherr von Stetten Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Daniel Bahr (Münster) Werner Simmling
Dieter Stier Sebastian Körber
Florian Bernschneider Judith Skudelny
Gero Storjohann Holger Krestel
Sebastian Blumenthal Dr. Hermann Otto Solms
Stephan Stracke Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Max Straubinger Claudia Bögel Heinz Lanfermann Joachim Spatz
Karin Strenz Nicole Bracht-Bendt Sibylle Laurischk Dr. Max Stadler
Thomas Strobl (Heilbronn) Klaus Breil Harald Leibrecht Torsten Heiko Staffeldt
Lena Strothmann Rainer Brüderle Sabine Leutheusser- Dr. Rainer Stinner
Michael Stübgen Angelika Brunkhorst Schnarrenberger Stephan Thomae
Dr. Peter Tauber Ernst Burgbacher Lars Lindemann Florian Toncar
Antje Tillmann Marco Buschmann Christian Lindner Serkan Tören
Dr. Hans-Peter Uhl Sylvia Canel Dr. Martin Lindner (Berlin) Johannes Vogel
Arnold Vaatz Helga Daub Michael Link (Heilbronn) (Lüdenscheid)
Volkmar Vogel (Kleinsaara) Reiner Deutschmann Dr. Erwin Lotter Dr. Daniel Volk
Stefanie Vogelsang Dr. Bijan Djir-Sarai Oliver Luksic Dr. Guido Westerwelle
Andrea Astrid Voßhoff Patrick Döring Horst Meierhofer Dr. Claudia Winterstein
Dr. Johann Wadephul Mechthild Dyckmans Patrick Meinhardt Dr. Volker Wissing
Marco Wanderwitz Rainer Erdel Gabriele Molitor Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Kai Wegner Jörg van Essen Jan Mücke
Marcus Weinberg (Hamburg) Ulrike Flach Petra Müller (Aachen)
(B) Peter Weiß (Emmendingen) Otto Fricke
Enthalten (D)
Burkhardt Müller-Sönksen
Sabine Weiss (Wesel I) Dr. Edmund Peter Geisen Dr. Martin Neumann
CDU/CSU
Ingo Wellenreuther Dr. Wolfgang Gerhardt (Lausitz)
Karl-Georg Wellmann Hans-Michael Goldmann Dirk Niebel Josef Göppel
Anlage 27
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3497) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Streichung Haftungsverlagerung)
(Tagesordnungspunkt 4 a)
(A) Wolfgang Gunkel Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Fritz Kuhn (C)
Hans-Joachim Hacker Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Stephan Kühn
Bettina Hagedorn Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Renate Künast
Klaus Hagemann Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Markus Kurth
Hubertus Heil (Peine) Olaf Scholz Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg)
Rolf Hempelmann Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Monika Lazar
Dr. Barbara Hendricks Ewald Schurer Cornelia Möhring Nicole Maisch
Gustav Herzog Frank Schwabe Kornelia Möller Agnes Malczak
Gabriele Hiller-Ohm Dr. Martin Schwanholz Niema Movassat Jerzy Montag
Petra Hinz (Essen) Rolf Schwanitz Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln)
Frank Hofmann (Volkach) Stefan Schwartze Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke
Dr. Eva Högl Dr. Carsten Sieling Petra Pau Ingrid Nestle
Christel Humme Sonja Steffen Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz
Josip Juratovic Peer Steinbrück Richard Pitterle Omid Nouripour
Oliver Kaczmarek Dr. Frank-Walter Steinmeier Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff
Johannes Kahrs Christoph Strässer Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott
Dr. h. c. Susanne Kastner Kerstin Tack Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer
Ulrich Kelber Dr. h. c. Wolfgang Thierse Michael Schlecht Tabea Rößner
Lars Klingbeil Franz Thönnes Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg)
Hans-Ulrich Klose Wolfgang Tiefensee Dr. Ilja Seifert Krista Sager
Dr. Bärbel Kofler Rüdiger Veit Raju Sharma Manuel Sarrazin
Daniela Kolbe (Leipzig) Ute Vogt Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg
Fritz Rudolf Körper Dr. Marlies Volkmer Kersten Steinke Christine Scheel
Anette Kramme Andrea Wicklein Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick
Nicolette Kressl Heidemarie Wieczorek-Zeul Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt
Angelika Krüger-Leißner Waltraud Wolff Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner
Ute Kumpf (Wolmirstedt) Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann-
Christine Lambrecht Uta Zapf Alexander Ulrich Kuhn
Christian Lange (Backnang) Dagmar Ziegler Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele
Dr. Karl Lauterbach Manfred Zöllmer Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe
Steffen-Claudio Lemme Brigitte Zypries Harald Weinberg Markus Tressel
Burkhard Lischka Katrin Werner Jürgen Trittin
DIE LINKE Jörn Wunderlich Daniela Wagner
Gabriele Lösekrug-Möller
Wolfgang Wieland
Kirsten Lühmann Jan van Aken
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms
(B) Caren Marks Agnes Alpers (D)
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler
Katja Mast Dr. Dietmar Bartsch
Hilde Mattheis Herbert Behrens Kerstin Andreae
Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald Marieluise Beck (Bremen) Nein
Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Volker Beck (Köln)
Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Cornelia Behm CDU/CSU
Franz Müntefering Christine Buchholz Birgitt Bender Ilse Aigner
Dr. Rolf Mützenich Eva Bulling-Schröter Alexander Bonde Peter Altmaier
Andrea Nahles Dr. Martina Bunge Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer
Manfred Nink Roland Claus Ekin Deligöz Dorothee Bär
Thomas Oppermann Sevim Dağdelen Katja Dörner Thomas Bareiß
Holger Ortel Dr. Diether Dehm Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Aydan Özoğuz Heidrun Dittrich Dr. Thomas Gambke Günter Baumann
Heinz Paula Werner Dreibus Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Johannes Pflug Dr. Dagmar Enkelmann Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Joachim Poß Klaus Ernst Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Dr. Wilhelm Priesmeier Wolfgang Gehrcke Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Florian Pronold Nicole Gohlke Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Dr. Sascha Raabe Annette Groth Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Mechthild Rawert Dr. Gregor Gysi Ulrike Höfken Steffen Bilger
Gerold Reichenbach Heike Hänsel Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Dr. Carola Reimann Dr. Rosemarie Hein Bärbel Höhn Peter Bleser
Sönke Rix Inge Höger Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
René Röspel Dr. Barbara Höll Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen
Dr. Ernst Dieter Rossmann Andrej Hunko Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Karin Roth (Esslingen) Ulla Jelpke Katja Keul Wolfgang Bosbach
Michael Roth (Heringen) Dr. Lukrezia Jochimsen Memet Kilic Norbert Brackmann
Marlene Rupprecht Katja Kipping Sven-Christian Kindler Klaus Brähmig
(Tuchenbach) Harald Koch Maria Anna Klein-Schmeink Michael Brand
Anton Schaaf Jan Korte Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl
Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Tom Koenigs Helmut Brandt
Bernd Scheelen Caren Lay Sylvia Kotting-Uhl Dr. Ralf Brauksiepe
Marianne Schieder Ralph Lenkert Oliver Krischer Dr. Helge Braun
(Schwandorf) Michael Leutert Agnes Krumwiede Heike Brehmer
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7419
(A) Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Eckhard Pols Karl-Georg Wellmann (C)
Gitta Connemann Alois Karl Daniela Raab Peter Wichtel
Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Thomas Rachel Annette Widmann-Mauz
Alexander Dobrindt Volker Kauder Dr. Peter Ramsauer Klaus-Peter Willsch
Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen- Eckhardt Rehberg Elisabeth Winkelmeier-
Marie-Luise Dött Schwenningen) Katherina Reiche (Potsdam) Becker
Dr. Thomas Feist Dr. Stefan Kaufmann Lothar Riebsamen Dagmar Wöhrl
Enak Ferlemann Roderich Kiesewetter Josef Rief Dr. Matthias Zimmer
Ingrid Fischbach Ewa Klamt Klaus Riegert Wolfgang Zöller
Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden Dr. Heinz Riesenhuber Willi Zylajew
Dirk Fischer (Hamburg) Volkmar Klein Johannes Röring
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke Dr. Norbert Röttgen FDP
Land) Julia Klöckner Dr. Christian Ruck Jens Ackermann
Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig Erwin Rüddel Christian Ahrendt
Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen Albert Rupprecht (Weiden) Christine Aschenberg-
Herbert Frankenhauser Manfred Kolbe Anita Schäfer (Saalstadt) Dugnus
Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Rolf Koschorrek Dr. Wolfgang Schäuble Daniel Bahr (Münster)
(Hof) Hartmut Koschyk Dr. Annette Schavan Florian Bernschneider
Michael Frieser Thomas Kossendey Dr. Andreas Scheuer Sebastian Blumenthal
Erich G. Fritz Michael Kretschmer Karl Schiewerling Claudia Bögel
Dr. Michael Fuchs Dr. Günter Krings Norbert Schindler Nicole Bracht-Bendt
Hans-Joachim Fuchtel Rüdiger Kruse Tankred Schipanski Klaus Breil
Alexander Funk Bettina Kudla Georg Schirmbeck Rainer Brüderle
Ingo Gädechens Dr. Hermann Kues Christian Schmidt (Fürth) Angelika Brunkhorst
Dr. Thomas Gebhart Günter Lach Patrick Schnieder Ernst Burgbacher
Norbert Geis Dr. Karl A. Lamers Dr. Andreas Schockenhoff Marco Buschmann
Alois Gerig (Heidelberg) Nadine Schön (St. Wendel) Sylvia Canel
Eberhard Gienger Dr. Norbert Lammert Dr. Ole Schröder Helga Daub
Michael Glos Katharina Landgraf Dr. Kristina Schröder Reiner Deutschmann
Peter Götz Ulrich Lange (Wiesbaden) Dr. Bijan Djir-Sarai
Dr. Wolfgang Götzer Dr. Max Lehmer Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring
Ute Granold Paul Lehrieder Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Reinhard Grindel Dr. Ursula von der Leyen Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Hermann Gröhe Ingbert Liebing Rhein) Jörg van Essen
(B) Michael Grosse-Brömer Matthias Lietz Detlef Seif Ulrike Flach (D)
Markus Grübel Dr. Carsten Linnemann Johannes Selle Otto Fricke
Manfred Grund Patricia Lips Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen
Monika Grütters Dr. Jan-Marco Luczak Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt
Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Michael Luther Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann
zu Guttenberg Karin Maag Thomas Silberhorn Heinz Golombeck
Olav Gutting Hans-Georg von der Marwitz Johannes Singhammer Miriam Gruß
Florian Hahn Andreas Mattfeldt Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Holger Haibach Stephan Mayer (Altötting) Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan
Dr. Stephan Harbarth Dr. Michael Meister Dr. Frank Steffel Heinz-Peter Haustein
Jürgen Hardt Dr. Angela Merkel Erika Steinbach Manuel Höferlin
Gerda Hasselfeldt Maria Michalk Christian Freiherr von Stetten Elke Hoff
Dr. Matthias Heider Dr. h. c. Hans Michelbach Dieter Stier Birgit Homburger
Mechthild Heil Dr. Mathias Middelberg Gero Storjohann Dr. Werner Hoyer
Frank Heinrich Philipp Mißfelder Stephan Stracke Heiner Kamp
Rudolf Henke Dietrich Monstadt Max Straubinger Michael Kauch
Michael Hennrich Marlene Mortler Karin Strenz Dr. Lutz Knopek
Jürgen Herrmann Dr. Gerd Müller Thomas Strobl (Heilbronn) Pascal Kober
Ansgar Heveling Stefan Müller (Erlangen) Lena Strothmann Dr. Heinrich L. Kolb
Ernst Hinsken Dr. Philipp Murmann Michael Stübgen Gudrun Kopp
Peter Hintze Bernd Neumann (Bremen) Dr. Peter Tauber Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Christian Hirte Michaela Noll Antje Tillmann Sebastian Körber
Robert Hochbaum Dr. Georg Nüßlein Dr. Hans-Peter Uhl Holger Krestel
Karl Holmeier Franz Obermeier Arnold Vaatz Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Franz-Josef Holzenkamp Henning Otte Volkmar Vogel (Kleinsaara) Heinz Lanfermann
Joachim Hörster Dr. Michael Paul Stefanie Vogelsang Sibylle Laurischk
Anette Hübinger Rita Pawelski Andrea Astrid Voßhoff Harald Leibrecht
Thomas Jarzombek Ulrich Petzold Dr. Johann Wadephul Sabine Leutheusser-
Dr. Dieter Jasper Dr. Joachim Pfeiffer Marco Wanderwitz Schnarrenberger
Dr. Franz Josef Jung Sibylle Pfeiffer Kai Wegner Lars Lindemann
Andreas Jung (Konstanz) Beatrix Philipp Marcus Weinberg (Hamburg) Christian Lindner
Dr. Egon Jüttner Ronald Pofalla Peter Weiß (Emmendingen) Dr. Martin Lindner (Berlin)
Bartholomäus Kalb Christoph Poland Sabine Weiss (Wesel I) Michael Link (Heilbronn)
Hans-Werner Kammer Ruprecht Polenz Ingo Wellenreuther Dr. Erwin Lotter
7420 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Oliver Luksic Gisela Piltz Judith Skudelny Dr. Claudia Winterstein (C)
Horst Meierhofer Dr. Christiane Ratjen- Dr. Hermann Otto Solms Dr. Volker Wissing
Patrick Meinhardt Damerau Joachim Spatz Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Gabriele Molitor Dr. Birgit Reinemund Dr. Max Stadler
Jan Mücke Dr. Peter Röhlinger Torsten Heiko Staffeldt
Enthalten
Petra Müller (Aachen) Dr. Stefan Ruppert Dr. Rainer Stinner
Burkhardt Müller-Sönksen Björn Sänger Stephan Thomae CDU/CSU
Dr. Martin Neumann Frank Schäffler Florian Toncar
(Lausitz) Christoph Schnurr Serkan Tören Josef Göppel
Dirk Niebel Jimmy Schulz Johannes Vogel
Hans-Joachim Otto Marina Schuster (Lüdenscheid)
(Frankfurt) Dr. Erik Schweickert Dr. Daniel Volk
Cornelia Pieper Werner Simmling Dr. Guido Westerwelle
Anlage 28
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmungen über die Änderungsanträge (Drucksachen 17/3498, 17/3499, 17/3527,
17/3539, 17/3531, 17/3532, 17/3533, 17/3534, 17/3535, 17/3536, 17/3537 und 17/3538) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Elften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes
– Streichung Übertragung auf Biblis B
– Streichung Übertragung Neu auf Alt
– Einfügung Entsorgungsnachweis
– Brokdorf
– Emsland
– Grafenrheinfeld
(B) – Grohnde (D)
– Gundremmingen B
– Gundremmingen C
– Isar 2
– Neckarwestheim 2
– Philippsburg 2
(Tagesordnungspunkt 4 a)
Endgültiges Ergebnis Lothar Binding (Heidelberg) Dr. Edgar Franke Frank Hofmann (Volkach)
Abgegebene Stimmen: 600; Gerd Bollmann Dagmar Freitag Dr. Eva Högl
davon Klaus Brandner Peter Friedrich Christel Humme
Willi Brase Sigmar Gabriel Josip Juratovic
ja: 274
Bernhard Brinkmann Michael Gerdes Oliver Kaczmarek
nein: 323 (Hildesheim) Martin Gerster Johannes Kahrs
enthalten: 2 Edelgard Bulmahn Iris Gleicke Dr. h. c. Susanne Kastner
Marco Bülow Ulrike Gottschalck Ulrich Kelber
Ja Ulla Burchardt Angelika Graf (Rosenheim) Lars Klingbeil
Martin Burkert Kerstin Griese Hans-Ulrich Klose
SPD Petra Crone Michael Groschek Dr. Bärbel Kofler
Dr. Peter Danckert Michael Groß Daniela Kolbe (Leipzig)
Ingrid Arndt-Brauer Martin Dörmann Wolfgang Gunkel Fritz Rudolf Körper
Rainer Arnold Elvira Drobinski-Weiß Hans-Joachim Hacker Anette Kramme
Heinz-Joachim Barchmann Garrelt Duin Bettina Hagedorn Nicolette Kressl
Doris Barnett Sebastian Edathy Klaus Hagemann Angelika Krüger-Leißner
Dr. Hans-Peter Bartels Siegmund Ehrmann Hubertus Heil (Peine) Ute Kumpf
Klaus Barthel Dr. h. c. Gernot Erler Rolf Hempelmann Christine Lambrecht
Sören Bartol Petra Ernstberger Dr. Barbara Hendricks Christian Lange (Backnang)
Bärbel Bas Karin Evers-Meyer Gustav Herzog Dr. Karl Lauterbach
Dirk Becker Elke Ferner Gabriele Hiller-Ohm Steffen-Claudio Lemme
Uwe Beckmeyer Gabriele Fograscher Petra Hinz (Essen) Burkhard Lischka
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7421
(A) Gabriele Lösekrug-Möller DIE LINKE Jörn Wunderlich Daniela Wagner (C)
Kirsten Lühmann Wolfgang Wieland
Jan van Aken
Caren Marks BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms
Agnes Alpers
Katja Mast DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler
Dr. Dietmar Bartsch
Hilde Mattheis Herbert Behrens Kerstin Andreae
Petra Merkel (Berlin) Matthias W. Birkwald Marieluise Beck (Bremen) Nein
Ullrich Meßmer Heidrun Bluhm Volker Beck (Köln)
Dr. Matthias Miersch Steffen Bockhahn Cornelia Behm CDU/CSU
Franz Müntefering Christine Buchholz Birgitt Bender
Dr. Rolf Mützenich Ilse Aigner
Eva Bulling-Schröter Alexander Bonde Peter Altmaier
Andrea Nahles Dr. Martina Bunge Viola von Cramon-Taubadel
Manfred Nink Peter Aumer
Roland Claus Ekin Deligöz Dorothee Bär
Thomas Oppermann Sevim Dağdelen Katja Dörner Thomas Bareiß
Holger Ortel Dr. Diether Dehm Hans-Josef Fell Norbert Barthle
Aydan Özoğuz Heidrun Dittrich Dr. Thomas Gambke Günter Baumann
Heinz Paula Werner Dreibus Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck
Johannes Pflug Dr. Dagmar Enkelmann Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen)
Joachim Poß Klaus Ernst Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde)
Dr. Wilhelm Priesmeier Wolfgang Gehrcke Bettina Herlitzius Veronika Bellmann
Florian Pronold Nicole Gohlke Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner
Dr. Sascha Raabe Annette Groth Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer
Mechthild Rawert Dr. Gregor Gysi Ulrike Höfken Steffen Bilger
Gerold Reichenbach Heike Hänsel Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger
Dr. Carola Reimann Dr. Rosemarie Hein Bärbel Höhn Peter Bleser
Sönke Rix Inge Höger Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer
René Röspel Dr. Barbara Höll Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen
Dr. Ernst Dieter Rossmann Andrej Hunko Uwe Kekeritz (Bönstrup)
Karin Roth (Esslingen) Ulla Jelpke Katja Keul Wolfgang Bosbach
Michael Roth (Heringen) Dr. Lukrezia Jochimsen Memet Kilic Norbert Brackmann
Marlene Rupprecht Katja Kipping Sven-Christian Kindler Klaus Brähmig
(Tuchenbach) Harald Koch Maria Anna Klein-Schmeink Michael Brand
Anton Schaaf Jan Korte Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl
Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Tom Koenigs Helmut Brandt
Bernd Scheelen Caren Lay Sylvia Kotting-Uhl Dr. Ralf Brauksiepe
(B) Marianne Schieder Ralph Lenkert Oliver Krischer Dr. Helge Braun (D)
(Schwandorf) Michael Leutert Agnes Krumwiede Heike Brehmer
Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus
Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Stephan Kühn Gitta Connemann
Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Renate Künast Leo Dautzenberg
Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Markus Kurth Alexander Dobrindt
Olaf Scholz Ulrich Maurer Undine Kurth (Quedlinburg) Thomas Dörflinger
Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Monika Lazar Marie-Luise Dött
Cornelia Möhring Nicole Maisch Dr. Thomas Feist
Ewald Schurer
Kornelia Möller Agnes Malczak Enak Ferlemann
Frank Schwabe
Niema Movassat Jerzy Montag Ingrid Fischbach
Dr. Martin Schwanholz
Wolfgang Nešković Kerstin Müller (Köln) Hartwig Fischer (Göttingen)
Rolf Schwanitz
Thomas Nord Beate Müller-Gemmeke Dirk Fischer (Hamburg)
Stefan Schwartze
Petra Pau Ingrid Nestle Axel E. Fischer (Karlsruhe-
Dr. Carsten Sieling Jens Petermann Dr. Konstantin von Notz Land)
Sonja Steffen Richard Pitterle Omid Nouripour Dr. Maria Flachsbarth
Peer Steinbrück Yvonne Ploetz Friedrich Ostendorff Klaus-Peter Flosbach
Dr. Frank-Walter Steinmeier Ingrid Remmers Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser
Christoph Strässer Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer Dr. Hans-Peter Friedrich
Kerstin Tack Michael Schlecht Tabea Rößner (Hof)
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Dr. Herbert Schui Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser
Franz Thönnes Dr. Ilja Seifert Krista Sager Erich G. Fritz
Wolfgang Tiefensee Raju Sharma Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs
Rüdiger Veit Dr. Petra Sitte Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel
Ute Vogt Kersten Steinke Christine Scheel Alexander Funk
Dr. Marlies Volkmer Sabine Stüber Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens
Andrea Wicklein Alexander Süßmair Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart
Heidemarie Wieczorek-Zeul Dr. Kirsten Tackmann Dorothea Steiner Norbert Geis
Waltraud Wolff Frank Tempel Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig
(Wolmirstedt) Alexander Ulrich Kuhn Eberhard Gienger
Uta Zapf Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele Michael Glos
Dagmar Ziegler Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe Peter Götz
Manfred Zöllmer Harald Weinberg Markus Tressel Dr. Wolfgang Götzer
Brigitte Zypries Katrin Werner Jürgen Trittin Ute Granold
7422 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Reinhard Grindel Ingbert Liebing Armin Schuster (Weil am Mechthild Dyckmans (C)
Hermann Gröhe Matthias Lietz Rhein) Rainer Erdel
Michael Grosse-Brömer Dr. Carsten Linnemann Detlef Seif Jörg van Essen
Markus Grübel Patricia Lips Johannes Selle Ulrike Flach
Manfred Grund Dr. Jan-Marco Luczak Reinhold Sendker Otto Fricke
Monika Grütters Dr. Michael Luther Dr. Patrick Sensburg Dr. Edmund Peter Geisen
Dr. Karl-Theodor Freiherr Karin Maag Bernd Siebert Dr. Wolfgang Gerhardt
zu Guttenberg Hans-Georg von der Marwitz Thomas Silberhorn Hans-Michael Goldmann
Olav Gutting Andreas Mattfeldt Johannes Singhammer Heinz Golombeck
Florian Hahn Stephan Mayer (Altötting) Jens Spahn Miriam Gruß
Holger Haibach Dr. Michael Meister Carola Stauche Joachim Günther (Plauen)
Dr. Stephan Harbarth Dr. Angela Merkel Dr. Frank Steffel Dr. Christel Happach-Kasan
Jürgen Hardt Maria Michalk Erika Steinbach Heinz-Peter Haustein
Gerda Hasselfeldt Dr. h. c. Hans Michelbach Christian Freiherr von Stetten Manuel Höferlin
Dr. Matthias Heider Dr. Mathias Middelberg Dieter Stier Elke Hoff
Mechthild Heil Philipp Mißfelder Gero Storjohann Birgit Homburger
Frank Heinrich Dietrich Monstadt Stephan Stracke Dr. Werner Hoyer
Rudolf Henke Marlene Mortler Max Straubinger Heiner Kamp
Michael Hennrich Dr. Gerd Müller Karin Strenz Michael Kauch
Jürgen Herrmann Stefan Müller (Erlangen) Thomas Strobl (Heilbronn) Dr. Lutz Knopek
Ansgar Heveling Dr. Philipp Murmann Lena Strothmann Pascal Kober
Ernst Hinsken Bernd Neumann (Bremen) Michael Stübgen Dr. Heinrich L. Kolb
Peter Hintze Michaela Noll Dr. Peter Tauber Gudrun Kopp
Christian Hirte Dr. Georg Nüßlein Antje Tillmann Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Robert Hochbaum Franz Obermeier Dr. Hans-Peter Uhl Sebastian Körber
Karl Holmeier Arnold Vaatz
Henning Otte Holger Krestel
Franz-Josef Holzenkamp Volkmar Vogel (Kleinsaara)
Dr. Michael Paul Patrick Kurth (Kyffhäuser)
Joachim Hörster Stefanie Vogelsang
Rita Pawelski Heinz Lanfermann
Anette Hübinger Andrea Astrid Voßhoff
Ulrich Petzold Sibylle Laurischk
Thomas Jarzombek Dr. Johann Wadephul
Dr. Joachim Pfeiffer Harald Leibrecht
Dr. Dieter Jasper Marco Wanderwitz
Sibylle Pfeiffer Sabine Leutheusser-
Dr. Franz Josef Jung Kai Wegner
Beatrix Philipp Schnarrenberger
Andreas Jung (Konstanz) Marcus Weinberg (Hamburg)
Dr. Egon Jüttner Ronald Pofalla Lars Lindemann
Christoph Poland Peter Weiß (Emmendingen) Christian Lindner
(B) Bartholomäus Kalb Sabine Weiss (Wesel I) (D)
Hans-Werner Kammer Ruprecht Polenz Dr. Martin Lindner (Berlin)
Eckhard Pols Ingo Wellenreuther Michael Link (Heilbronn)
Steffen Kampeter Karl-Georg Wellmann
Alois Karl Daniela Raab Dr. Erwin Lotter
Thomas Rachel Peter Wichtel Oliver Luksic
Bernhard Kaster Annette Widmann-Mauz
Volker Kauder Dr. Peter Ramsauer Horst Meierhofer
Eckhardt Rehberg Klaus-Peter Willsch Patrick Meinhardt
Siegfried Kauder (Villingen- Elisabeth Winkelmeier-
Schwenningen) Katherina Reiche (Potsdam) Gabriele Molitor
Lothar Riebsamen Becker Jan Mücke
Dr. Stefan Kaufmann Dagmar Wöhrl
Roderich Kiesewetter Josef Rief Petra Müller (Aachen)
Klaus Riegert Dr. Matthias Zimmer Burkhardt Müller-Sönksen
Ewa Klamt
Dr. Heinz Riesenhuber Wolfgang Zöller Dr. Martin Neumann
Eckart von Klaeden
Johannes Röring Willi Zylajew (Lausitz)
Volkmar Klein
Jürgen Klimke Dr. Norbert Röttgen Dirk Niebel
Dr. Christian Ruck FDP Hans-Joachim Otto
Julia Klöckner
Axel Knoerig Erwin Rüddel Jens Ackermann (Frankfurt)
Jens Koeppen Albert Rupprecht (Weiden) Christian Ahrendt Cornelia Pieper
Manfred Kolbe Anita Schäfer (Saalstadt) Christine Aschenberg- Gisela Piltz
Dr. Rolf Koschorrek Dr. Wolfgang Schäuble Dugnus Dr. Christiane Ratjen-
Hartmut Koschyk Dr. Annette Schavan Daniel Bahr (Münster) Damerau
Thomas Kossendey Dr. Andreas Scheuer Florian Bernschneider Dr. Birgit Reinemund
Michael Kretschmer Karl Schiewerling Sebastian Blumenthal Dr. Peter Röhlinger
Dr. Günter Krings Norbert Schindler Claudia Bögel Dr. Stefan Ruppert
Bettina Kudla Tankred Schipanski Nicole Bracht-Bendt Björn Sänger
Dr. Hermann Kues Georg Schirmbeck Klaus Breil Frank Schäffler
Günter Lach Christian Schmidt (Fürth) Rainer Brüderle Christoph Schnurr
Dr. Karl A. Lamers Patrick Schnieder Angelika Brunkhorst Jimmy Schulz
(Heidelberg) Dr. Andreas Schockenhoff Ernst Burgbacher Marina Schuster
Dr. Norbert Lammert Nadine Schön (St. Wendel) Marco Buschmann Dr. Erik Schweickert
Katharina Landgraf Dr. Ole Schröder Sylvia Canel Werner Simmling
Ulrich Lange Dr. Kristina Schröder Helga Daub Judith Skudelny
Dr. Max Lehmer (Wiesbaden) Reiner Deutschmann Dr. Hermann Otto Solms
Paul Lehrieder Bernhard Schulte-Drüggelte Dr. Bijan Djir-Sarai Joachim Spatz
Dr. Ursula von der Leyen Uwe Schummer Patrick Döring Dr. Max Stadler
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7423
(A) Torsten Heiko Staffeldt Johannes Vogel Dr. Volker Wissing Enthalten (C)
Dr. Rainer Stinner (Lüdenscheid) Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Stephan Thomae Dr. Daniel Volk CDU/CSU
Florian Toncar Dr. Guido Westerwelle Josef Göppel
Serkan Tören Dr. Claudia Winterstein Rüdiger Kruse
Anlage 29
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3528) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Bundesratszustimmung) (Ta-
gesordnungspunkt 4 a)
(A) Caren Lay Oliver Krischer Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner (C)
Ralph Lenkert Agnes Krumwiede Heike Brehmer Bartholomäus Kalb
Michael Leutert Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer
Stefan Liebich Stephan Kühn Gitta Connemann Steffen Kampeter
Ulla Lötzer Renate Künast Leo Dautzenberg Alois Karl
Dr. Gesine Lötzsch Markus Kurth Alexander Dobrindt Bernhard Kaster
Thomas Lutze Undine Kurth (Quedlinburg) Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen-
Ulrich Maurer Monika Lazar Marie-Luise Dött Schwenningen)
Dorothée Menzner Nicole Maisch Dr. Thomas Feist Volker Kauder
Cornelia Möhring Agnes Malczak Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann
Kornelia Möller Jerzy Montag Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter
Niema Movassat Kerstin Müller (Köln) Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden
Wolfgang Nešković Beate Müller-Gemmeke Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt
Thomas Nord Ingrid Nestle Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein
Petra Pau Dr. Konstantin von Notz Land) Jürgen Klimke
Jens Petermann Omid Nouripour Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner
Richard Pitterle Friedrich Ostendorff Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig
Yvonne Ploetz Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser Jens Koeppen
Ingrid Remmers Brigitte Pothmer Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Kristina Schröder
Paul Schäfer (Köln) Tabea Rößner (Hof) Manfred Kolbe
Michael Schlecht Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser Dr. Rolf Koschorrek
Dr. Herbert Schui Krista Sager Erich G. Fritz Hartmut Koschyk
Dr. Ilja Seifert Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs Thomas Kossendey
Raju Sharma Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel Michael Kretschmer
Dr. Petra Sitte Christine Scheel Alexander Funk Dr. Günter Krings
Kersten Steinke Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens Rüdiger Kruse
Sabine Stüber Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart Bettina Kudla
Alexander Süßmair Dorothea Steiner Norbert Geis Dr. Hermann Kues
Dr. Kirsten Tackmann Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig Günter Lach
Frank Tempel Kuhn Eberhard Gienger Dr. Karl A. Lamers
Kathrin Vogler Hans-Christian Ströbele Michael Glos (Heidelberg)
Halina Wawzyniak Dr. Harald Terpe Josef Göppel Andreas G. Lämmel
Harald Weinberg Markus Tressel Peter Götz Katharina Landgraf
Katrin Werner Jürgen Trittin Dr. Wolfgang Götzer Ulrich Lange
Jörn Wunderlich Daniela Wagner Ute Granold Dr. Max Lehmer
(B) Wolfgang Wieland (D)
Reinhard Grindel Paul Lehrieder
BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms
Hermann Gröhe Dr. Ursula von der Leyen
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler
Michael Grosse-Brömer Ingbert Liebing
Kerstin Andreae Markus Grübel Matthias Lietz
Marieluise Beck (Bremen) Nein Manfred Grund Dr. Carsten Linnemann
Volker Beck (Köln) Monika Grütters Patricia Lips
Cornelia Behm CDU/CSU Dr. Karl-Theodor Freiherr Dr. Jan-Marco Luczak
Birgitt Bender Ilse Aigner zu Guttenberg Dr. Michael Luther
Alexander Bonde Peter Altmaier Olav Gutting Karin Maag
Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer Florian Hahn Hans-Georg von der Marwitz
Ekin Deligöz Dorothee Bär Holger Haibach Andreas Mattfeldt
Katja Dörner Thomas Bareiß Dr. Stephan Harbarth Stephan Mayer (Altötting)
Hans-Josef Fell Norbert Barthle Jürgen Hardt Dr. Michael Meister
Dr. Thomas Gambke Günter Baumann Gerda Hasselfeldt Maria Michalk
Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck Dr. Matthias Heider Dr. h. c. Hans Michelbach
Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen) Mechthild Heil Dr. Mathias Middelberg
Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde) Frank Heinrich Philipp Mißfelder
Bettina Herlitzius Veronika Bellmann Rudolf Henke Dietrich Monstadt
Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner Michael Hennrich Marlene Mortler
Priska Hinz (Herborn) Peter Beyer Jürgen Herrmann Dr. Gerd Müller
Ulrike Höfken Steffen Bilger Ansgar Heveling Stefan Müller (Erlangen)
Dr. Anton Hofreiter Clemens Binninger Ernst Hinsken Nadine Schön (St. Wendel)
Bärbel Höhn Peter Bleser Peter Hintze Dr. Philipp Murmann
Ingrid Hönlinger Dr. Maria Böhmer Christian Hirte Bernd Neumann (Bremen)
Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen Robert Hochbaum Michaela Noll
Uwe Kekeritz (Bönstrup) Karl Holmeier Dr. Georg Nüßlein
Katja Keul Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp Franz Obermeier
Memet Kilic Norbert Brackmann Joachim Hörster Henning Otte
Sven-Christian Kindler Klaus Brähmig Anette Hübinger Dr. Michael Paul
Maria Klein-Schmeink Michael Brand Thomas Jarzombek Rita Pawelski
Ute Koczy Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper Ulrich Petzold
Tom Koenigs Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung Dr. Joachim Pfeiffer
Sylvia Kotting-Uhl Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz) Sibylle Pfeiffer
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7425
(A) Beatrix Philipp Christian Freiherr von Stetten Rainer Brüderle Patrick Meinhardt (C)
Ronald Pofalla Dieter Stier Angelika Brunkhorst Gabriele Molitor
Christoph Poland Gero Storjohann Ernst Burgbacher Jan Mücke
Ruprecht Polenz Stephan Stracke Marco Buschmann Petra Müller (Aachen)
Eckhard Pols Max Straubinger Sylvia Canel Burkhardt Müller-Sönksen
Daniela Raab Karin Strenz Helga Daub Dr. Martin Neumann
Thomas Rachel Thomas Strobl (Heilbronn) Reiner Deutschmann (Lausitz)
Eckhardt Rehberg Lena Strothmann Dr. Bijan Djir-Sarai Dirk Niebel
Katherina Reiche (Potsdam) Michael Stübgen Patrick Döring Hans-Joachim Otto
Lothar Riebsamen Dr. Peter Tauber Mechthild Dyckmans (Frankfurt)
Josef Rief Antje Tillmann Rainer Erdel Cornelia Pieper
Klaus Riegert Dr. Hans-Peter Uhl Jörg van Essen Gisela Piltz
Dr. Heinz Riesenhuber Arnold Vaatz Ulrike Flach Dr. Christiane Ratjen-
Johannes Röring Volkmar Vogel (Kleinsaara) Otto Fricke Damerau
Dr. Norbert Röttgen Stefanie Vogelsang Dr. Edmund Peter Geisen Dr. Birgit Reinemund
Dr. Christian Ruck Andrea Astrid Voßhoff Dr. Wolfgang Gerhardt Dr. Peter Röhlinger
Erwin Rüddel Dr. Johann Wadephul Heinz Golombeck Dr. Stefan Ruppert
Albert Rupprecht (Weiden) Marco Wanderwitz Miriam Gruß Björn Sänger
Anita Schäfer (Saalstadt) Kai Wegner Joachim Günther (Plauen) Frank Schäffler
Dr. Wolfgang Schäuble Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Christel Happach-Kasan Christoph Schnurr
Dr. Annette Schavan Peter Weiß (Emmendingen) Heinz-Peter Haustein Jimmy Schulz
Dr. Andreas Scheuer Sabine Weiss (Wesel I) Manuel Höferlin Marina Schuster
Karl Schiewerling Ingo Wellenreuther Elke Hoff Dr. Erik Schweickert
Norbert Schindler Karl-Georg Wellmann Birgit Homburger Werner Simmling
Tankred Schipanski Peter Wichtel Heiner Kamp Judith Skudelny
Georg Schirmbeck Annette Widmann-Mauz Michael Kauch Dr. Hermann Otto Solms
Christian Schmidt (Fürth) Klaus-Peter Willsch Dr. Lutz Knopek Joachim Spatz
Patrick Schnieder Elisabeth Winkelmeier- Pascal Kober Dr. Max Stadler
Dr. Andreas Schockenhoff Becker Dr. Heinrich L. Kolb Torsten Staffeldt
Dr. Ole Schröder Dagmar Wöhrl Gudrun Kopp Dr. Rainer Stinner
Bernhard Schulte-Drüggelte Dr. Matthias Zimmer Dr. h. c. Jürgen Koppelin Stephan Thomae
Uwe Schummer Wolfgang Zöller Sebastian Körber Florian Toncar
Armin Schuster (Weil am Willi Zylajew Holger Krestel Serkan Tören
Rhein) Patrick Kurth (Kyffhäuser) Johannes Vogel
Detlef Seif FDP Heinz Lanfermann
(B) (Lüdenscheid) (D)
Johannes Selle Jens Ackermann Sibylle Laurischk Dr. Daniel Volk
Reinhold Sendker Christian Ahrendt Harald Leibrecht Dr. Claudia Winterstein
Dr. Patrick Sensburg Christine Aschenberg- Sabine Leutheusser- Dr. Volker Wissing
Bernd Siebert Dugnus Schnarrenberger Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Thomas Silberhorn Daniel Bahr (Münster) Christian Lindner
Johannes Singhammer Florian Bernschneider Dr. Martin Lindner (Berlin)
Jens Spahn Sebastian Blumenthal Michael Link (Heilbronn) Enthalten
Carola Stauche Claudia Bögel Dr. Erwin Lotter
CDU/CSU
Dr. Frank Steffel Nicole Bracht-Bendt Oliver Luksic
Erika Steinbach Klaus Breil Horst Meierhofer Dr. Norbert Lammert
Anlage 30
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3529) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Streichung § 7 d) (Tagesord-
nungspunkt 4 a)
(A) Marco Bülow Thomas Oppermann Dr. Diether Dehm Dr. Thomas Gambke (C)
Ulla Burchardt Holger Ortel Heidrun Dittrich Kai Gehring
Martin Burkert Aydan Özoğuz Werner Dreibus Katrin Göring-Eckardt
Petra Crone Heinz Paula Dr. Dagmar Enkelmann Britta Haßelmann
Dr. Peter Danckert Johannes Pflug Klaus Ernst Bettina Herlitzius
Martin Dörmann Joachim Poß Wolfgang Gehrcke Winfried Hermann
Elvira Drobinski-Weiß Dr. Wilhelm Priesmeier Nicole Gohlke Priska Hinz (Herborn)
Garrelt Duin Florian Pronold Annette Groth Ulrike Höfken
Sebastian Edathy Dr. Sascha Raabe Dr. Gregor Gysi Dr. Anton Hofreiter
Siegmund Ehrmann Mechthild Rawert Heike Hänsel Bärbel Höhn
Dr. h. c. Gernot Erler Gerold Reichenbach Dr. Rosemarie Hein Ingrid Hönlinger
Petra Ernstberger Dr. Carola Reimann Inge Höger Thilo Hoppe
Karin Evers-Meyer Sönke Rix Dr. Barbara Höll Uwe Kekeritz
Elke Ferner René Röspel Andrej Hunko Katja Keul
Gabriele Fograscher Dr. Ernst Dieter Rossmann Ulla Jelpke Memet Kilic
Dr. Edgar Franke Karin Roth (Esslingen) Dr. Lukrezia Jochimsen Sven-Christian Kindler
Peter Friedrich Marlene Rupprecht Katja Kipping Maria Klein-Schmeink
Sigmar Gabriel (Tuchenbach) Harald Koch Ute Koczy
Michael Gerdes Anton Schaaf Jan Korte Tom Koenigs
Martin Gerster Axel Schäfer (Bochum) Katrin Kunert Sylvia Kotting-Uhl
Iris Gleicke Bernd Scheelen Caren Lay Oliver Krischer
Ulrike Gottschalck Marianne Schieder Ralph Lenkert Agnes Krumwiede
Angelika Graf (Rosenheim) (Schwandorf) Michael Leutert Fritz Kuhn
Michael Groschek Werner Schieder (Weiden) Stefan Liebich Stephan Kühn
Michael Groß Ulla Schmidt (Aachen) Ulla Lötzer Renate Künast
Hans-Joachim Hacker Silvia Schmidt (Eisleben) Dr. Gesine Lötzsch Markus Kurth
Bettina Hagedorn Carsten Schneider (Erfurt) Thomas Lutze Undine Kurth (Quedlinburg)
Klaus Hagemann Olaf Scholz Ulrich Maurer Monika Lazar
Hubertus Heil (Peine) Swen Schulz (Spandau) Dorothée Menzner Nicole Maisch
Rolf Hempelmann Ewald Schurer Cornelia Möhring Agnes Malczak
Dr. Barbara Hendricks Frank Schwabe Kornelia Möller Jerzy Montag
Gustav Herzog Dr. Martin Schwanholz Niema Movassat Kerstin Müller (Köln)
Gabriele Hiller-Ohm Rolf Schwanitz Wolfgang Nešković Beate Müller-Gemmeke
Stefan Schwartze Thomas Nord Ingrid Nestle
Petra Hinz (Essen)
Dr. Carsten Sieling Petra Pau Dr. Konstantin von Notz
(B) Frank Hofmann (Volkach) (D)
Sonja Steffen Jens Petermann Omid Nouripour
Dr. Eva Högl
Peer Steinbrück Richard Pitterle Friedrich Ostendorff
Christel Humme
Dr. Frank-Walter Steinmeier Yvonne Ploetz Dr. Hermann Ott
Josip Juratovic
Christoph Strässer Paul Schäfer (Köln) Brigitte Pothmer
Oliver Kaczmarek
Kerstin Tack Michael Schlecht Tabea Rößner
Johannes Kahrs
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Dr. Herbert Schui Krista Sager
Dr. h. c. Susanne Kastner Manuel Sarrazin
Ulrich Kelber Franz Thönnes Dr. Ilja Seifert
Wolfgang Tiefensee Raju Sharma Elisabeth Scharfenberg
Lars Klingbeil Christine Scheel
Hans-Ulrich Klose Rüdiger Veit Dr. Petra Sitte
Ute Vogt Kersten Steinke Dr. Gerhard Schick
Dr. Bärbel Kofler Dr. Frithjof Schmidt
Daniela Kolbe (Leipzig) Dr. Marlies Volkmer Sabine Stüber
Andrea Wicklein Alexander Süßmair Dorothea Steiner
Fritz Rudolf Körper Dr. Wolfgang Strengmann-
Anette Kramme Heidemarie Wieczorek-Zeul Dr. Kirsten Tackmann
Waltraud Wolff Frank Tempel Kuhn
Nicolette Kressl Hans-Christian Ströbele
Angelika Krüger-Leißner (Wolmirstedt) Alexander Ulrich
Uta Zapf Kathrin Vogler Dr. Harald Terpe
Ute Kumpf Markus Tressel
Christine Lambrecht Dagmar Ziegler Halina Wawzyniak
Manfred Zöllmer Harald Weinberg Jürgen Trittin
Christian Lange (Backnang) Daniela Wagner
Dr. Karl Lauterbach Brigitte Zypries Katrin Werner
Jörn Wunderlich Wolfgang Wieland
Steffen-Claudio Lemme Dr. Valerie Wilms
Burkhard Lischka DIE LINKE
BÜNDNIS 90/ Josef Philip Winkler
Gabriele Lösekrug-Möller Jan van Aken
Kirsten Lühmann DIE GRÜNEN
Agnes Alpers
Caren Marks Dr. Dietmar Bartsch Kerstin Andreae Nein
Katja Mast Herbert Behrens Marieluise Beck (Bremen)
Hilde Mattheis CDU/CSU
Matthias W. Birkwald Volker Beck (Köln)
Petra Merkel (Berlin) Heidrun Bluhm Cornelia Behm Ilse Aigner
Ullrich Meßmer Steffen Bockhahn Birgitt Bender Peter Altmaier
Dr. Matthias Miersch Christine Buchholz Alexander Bonde Peter Aumer
Franz Müntefering Eva Bulling-Schröter Viola von Cramon-Taubadel Dorothee Bär
Dr. Rolf Mützenich Dr. Martina Bunge Ekin Deligöz Thomas Bareiß
Andrea Nahles Roland Claus Katja Dörner Norbert Barthle
Manfred Nink Sevim Dağdelen Hans-Josef Fell Günter Baumann
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7427
(A) Ernst-Reinhard Beck Dr. Matthias Heider Dr. h. c. Hans Michelbach Thomas Strobl (Heilbronn) (C)
(Reutlingen) Mechthild Heil Dr. Mathias Middelberg Lena Strothmann
Manfred Behrens (Börde) Frank Heinrich Philipp Mißfelder Michael Stübgen
Veronika Bellmann Rudolf Henke Dietrich Monstadt Dr. Peter Tauber
Dr. Christoph Bergner Michael Hennrich Marlene Mortler Antje Tillmann
Peter Beyer Jürgen Herrmann Dr. Gerd Müller Dr. Hans-Peter Uhl
Steffen Bilger Ansgar Heveling Stefan Müller (Erlangen) Arnold Vaatz
Clemens Binninger Ernst Hinsken Nadine Schön (St. Wendel) Volkmar Vogel (Kleinsaara)
Peter Bleser Peter Hintze Dr. Philipp Murmann Stefanie Vogelsang
Dr. Maria Böhmer Christian Hirte Bernd Neumann (Bremen) Andrea Astrid Voßhoff
Wolfgang Börnsen Robert Hochbaum Michaela Noll Dr. Johann Wadephul
(Bönstrup) Karl Holmeier Dr. Georg Nüßlein Marco Wanderwitz
Wolfgang Bosbach Franz-Josef Holzenkamp Franz Obermeier Kai Wegner
Norbert Brackmann Joachim Hörster Henning Otte Marcus Weinberg (Hamburg)
Klaus Brähmig Anette Hübinger Dr. Michael Paul Peter Weiß (Emmendingen)
Michael Brand Thomas Jarzombek Ulrich Petzold Sabine Weiss (Wesel I)
Dr. Reinhard Brandl Dieter Jasper Dr. Joachim Pfeiffer Ingo Wellenreuther
Helmut Brandt Dr. Franz Josef Jung Sibylle Pfeiffer Karl-Georg Wellmann
Dr. Ralf Brauksiepe Andreas Jung (Konstanz) Beatrix Philipp Peter Wichtel
Dr. Helge Braun Dr. Egon Jüttner Ronald Pofalla Annette Widmann-Mauz
Heike Brehmer Bartholomäus Kalb Christoph Poland Klaus-Peter Willsch
Ralph Brinkhaus Hans-Werner Kammer Eckhard Pols Elisabeth Winkelmeier-
Gitta Connemann Steffen Kampeter Daniela Raab Becker
Leo Dautzenberg Alois Karl Thomas Rachel Dagmar Wöhrl
Alexander Dobrindt Bernhard Kaster Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer
Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen- Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller
Marie-Luise Dött Schwenningen) Lothar Riebsamen Willi Zylajew
Dr. Thomas Feist Volker Kauder Josef Rief
Enak Ferlemann Dr. Stefan Kaufmann Klaus Riegert FDP
Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter Dr. Heinz Riesenhuber Jens Ackermann
Hartwig Fischer (Göttingen) Eckart von Klaeden Johannes Röring Christian Ahrendt
Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt Dr. Norbert Röttgen Christine Aschenberg-
Axel E. Fischer (Karlsruhe- Volkmar Klein Dr. Christian Ruck Dugnus
Land) Jürgen Klimke Erwin Rüddel Daniel Bahr (Münster)
(B) Dr. Maria Flachsbarth Julia Klöckner Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider (D)
Klaus-Peter Flosbach Axel Knoerig Anita Schäfer (Saalstadt) Sebastian Blumenthal
Herbert Frankenhauser Jens Koeppen Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel
Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Kristina Schröder Dr. Annette Schavan Nicole Bracht-Bendt
(Hof) Manfred Kolbe Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil
Michael Frieser Dr. Rolf Koschorrek Karl Schiewerling Rainer Brüderle
Erich G. Fritz Hartmut Koschyk Norbert Schindler Angelika Brunkhorst
Dr. Michael Fuchs Thomas Kossendey Tankred Schipanski Ernst Burgbacher
Hans-Joachim Fuchtel Michael Kretschmer Georg Schirmbeck Marco Buschmann
Alexander Funk Dr. Günter Krings Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel
Ingo Gädechens Rüdiger Kruse Patrick Schnieder Helga Daub
Dr. Thomas Gebhart Bettina Kudla Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann
Norbert Geis Dr. Hermann Kues Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai
Alois Gerig Günter Lach Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring
Eberhard Gienger Dr. Karl A. Lamers Uwe Schummer Mechthild Dyckmans
Michael Glos (Heidelberg) Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel
Josef Göppel Andreas G. Lämmel Rhein) Jörg van Essen
Peter Götz Dr. Norbert Lammert Detlef Seif Ulrike Flach
Dr. Wolfgang Götzer Katharina Landgraf Johannes Selle Otto Fricke
Ute Granold Ulrich Lange Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen
Reinhard Grindel Dr. Max Lehmer Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt
Hermann Gröhe Paul Lehrieder Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann
Michael Grosse-Brömer Dr. Ursula von der Leyen Thomas Silberhorn Heinz Golombeck
Markus Grübel Ingbert Liebing Johannes Singhammer Miriam Gruß
Manfred Grund Matthias Lietz Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Monika Grütters Dr. Carsten Linnemann Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan
Dr. Karl-Theodor Freiherr Patricia Lips Dr. Frank Steffel Heinz-Peter Haustein
zu Guttenberg Dr. Jan-Marco Luczak Erika Steinbach Manuel Höferlin
Olav Gutting Karin Maag Christian Freiherr von Stetten Elke Hoff
Florian Hahn Hans-Georg von der Marwitz Dieter Stier Birgit Homburger
Holger Haibach Andreas Mattfeldt Gero Storjohann Heiner Kamp
Dr. Stephan Harbarth Stephan Mayer (Altötting) Stephan Stracke Michael Kauch
Jürgen Hardt Dr. Michael Meister Max Straubinger Dr. Lutz Knopek
Gerda Hasselfeldt Maria Michalk Karin Strenz Pascal Kober
7428 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Dr. Heinrich L. Kolb Dr. Erwin Lotter Gisela Piltz Dr. Hermann Otto Solms (C)
Gudrun Kopp Oliver Luksic Dr. Christiane Ratjen- Joachim Spatz
Dr. h. c. Jürgen Koppelin Horst Meierhofer Damerau Dr. Max Stadler
Sebastian Körber Patrick Meinhardt Dr. Birgit Reinemund Torsten Staffeldt
Holger Krestel Gabriele Molitor Dr. Peter Röhlinger Dr. Rainer Stinner
Patrick Kurth (Kyffhäuser) Jan Mücke Dr. Stefan Ruppert
Stephan Thomae
Heinz Lanfermann Petra Müller (Aachen) Björn Sänger
Frank Schäffler Florian Toncar
Sibylle Laurischk Burkhardt Müller-Sönksen
Harald Leibrecht Dr. Martin Neumann Christoph Schnurr Serkan Tören
Sabine Leutheusser- (Lausitz) Jimmy Schulz Johannes Vogel
Schnarrenberger Dirk Niebel Marina Schuster (Lüdenscheid)
Christian Lindner Hans-Joachim Otto Dr. Erik Schweickert Dr. Daniel Volk
Dr. Martin Lindner (Berlin) (Frankfurt) Werner Simmling Dr. Claudia Winterstein
Michael Link (Heilbronn) Cornelia Pieper Judith Skudelny Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 31
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag (Drucksache 17/3530) der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und
FDP: Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Streichung Enteignung) (Tages-
ordnungspunkt 4 a)
(A) DIE LINKE BÜNDNIS 90/ Dr. Valerie Wilms Hermann Gröhe (C)
DIE GRÜNEN Josef Philip Winkler Michael Grosse-Brömer
Jan van Aken
Markus Grübel
Agnes Alpers Kerstin Andreae
Nein Manfred Grund
Dr. Dietmar Bartsch Marieluise Beck (Bremen)
Herbert Behrens Monika Grütters
Volker Beck (Köln)
Matthias W. Birkwald CDU/CSU Dr. Karl-Theodor Freiherr
Cornelia Behm
Heidrun Bluhm zu Guttenberg
Birgitt Bender Ilse Aigner
Steffen Bockhahn Olav Gutting
Alexander Bonde Peter Altmaier
Christine Buchholz Florian Hahn
Viola von Cramon-Taubadel Peter Aumer
Eva Bulling-Schröter Holger Haibach
Ekin Deligöz Dorothee Bär
Dr. Martina Bunge Katja Dörner Dr. Stephan Harbarth
Thomas Bareiß Jürgen Hardt
Roland Claus Hans-Josef Fell Norbert Barthle Gerda Hasselfeldt
Sevim Dağdelen Dr. Thomas Gambke Günter Baumann Dr. Matthias Heider
Dr. Diether Dehm Kai Gehring Ernst-Reinhard Beck Mechthild Heil
Heidrun Dittrich Katrin Göring-Eckardt (Reutlingen) Frank Heinrich
Werner Dreibus Britta Haßelmann Manfred Behrens (Börde) Rudolf Henke
Dr. Dagmar Enkelmann Bettina Herlitzius Veronika Bellmann Michael Hennrich
Klaus Ernst Winfried Hermann Dr. Christoph Bergner Jürgen Herrmann
Wolfgang Gehrcke Priska Hinz (Herborn)
Nicole Gohlke Peter Beyer Ansgar Heveling
Ulrike Höfken Steffen Bilger
Annette Groth Dr. Anton Hofreiter Ernst Hinsken
Dr. Gregor Gysi Clemens Binninger Peter Hintze
Bärbel Höhn Peter Bleser
Heike Hänsel Ingrid Hönlinger Christian Hirte
Dr. Rosemarie Hein Dr. Maria Böhmer Robert Hochbaum
Thilo Hoppe Wolfgang Börnsen
Inge Höger Uwe Kekeritz Karl Holmeier
Dr. Barbara Höll (Bönstrup) Franz-Josef Holzenkamp
Katja Keul Wolfgang Bosbach
Andrej Hunko Memet Kilic Joachim Hörster
Ulla Jelpke Norbert Brackmann
Sven-Christian Kindler Anette Hübinger
Dr. Lukrezia Jochimsen Klaus Brähmig
Maria Klein-Schmeink Thomas Jarzombek
Katja Kipping Michael Brand
Ute Koczy Dieter Jasper
Harald Koch Dr. Reinhard Brandl
Tom Koenigs Dr. Franz Josef Jung
Jan Korte Helmut Brandt
Sylvia Kotting-Uhl Andreas Jung (Konstanz)
Katrin Kunert Dr. Ralf Brauksiepe
Oliver Krischer Dr. Egon Jüttner
Caren Lay Dr. Helge Braun
Agnes Krumwiede Heike Brehmer Bartholomäus Kalb
Ralph Lenkert Hans-Werner Kammer
(B) Michael Leutert
Fritz Kuhn Ralph Brinkhaus (D)
Stephan Kühn Gitta Connemann Steffen Kampeter
Stefan Liebich Alois Karl
Renate Künast Leo Dautzenberg
Ulla Lötzer Bernhard Kaster
Dr. Gesine Lötzsch Markus Kurth Alexander Dobrindt
Undine Kurth (Quedlinburg) Thomas Dörflinger Siegfried Kauder (Villingen-
Thomas Lutze Schwenningen)
Ulrich Maurer Monika Lazar Marie-Luise Dött
Nicole Maisch Dr. Thomas Feist Volker Kauder
Dorothée Menzner Dr. Stefan Kaufmann
Cornelia Möhring Agnes Malczak Enak Ferlemann
Jerzy Montag Ingrid Fischbach Roderich Kiesewetter
Kornelia Möller Eckart von Klaeden
Niema Movassat Kerstin Müller (Köln) Hartwig Fischer (Göttingen)
Beate Müller-Gemmeke Dirk Fischer (Hamburg) Ewa Klamt
Wolfgang Nešković
Ingrid Nestle Axel E. Fischer (Karlsruhe- Jürgen Klimke
Thomas Nord
Dr. Konstantin von Notz Land) Julia Klöckner
Petra Pau
Omid Nouripour Dr. Maria Flachsbarth Axel Knoerig
Jens Petermann
Richard Pitterle Friedrich Ostendorff Klaus-Peter Flosbach Jens Koeppen
Yvonne Ploetz Dr. Hermann Ott Herbert Frankenhauser Dr. Kristina Schröder
Ingrid Remmers Brigitte Pothmer Dr. Hans-Peter Friedrich Manfred Kolbe
Paul Schäfer (Köln) Tabea Rößner (Hof) Dr. Rolf Koschorrek
Michael Schlecht Claudia Roth (Augsburg) Michael Frieser Hartmut Koschyk
Dr. Herbert Schui Krista Sager Erich G. Fritz Thomas Kossendey
Dr. Ilja Seifert Manuel Sarrazin Dr. Michael Fuchs Michael Kretschmer
Raju Sharma Elisabeth Scharfenberg Hans-Joachim Fuchtel Dr. Günter Krings
Dr. Petra Sitte Christine Scheel Alexander Funk Rüdiger Kruse
Kersten Steinke Dr. Gerhard Schick Ingo Gädechens Bettina Kudla
Sabine Stüber Dr. Frithjof Schmidt Dr. Thomas Gebhart Dr. Hermann Kues
Alexander Süßmair Dorothea Steiner Norbert Geis Günter Lach
Dr. Kirsten Tackmann Dr. Wolfgang Strengmann- Alois Gerig Dr. Karl A. Lamers
Frank Tempel Kuhn Eberhard Gienger (Heidelberg)
Alexander Ulrich Hans-Christian Ströbele Michael Glos Andreas G. Lämmel
Kathrin Vogler Dr. Harald Terpe Josef Göppel Dr. Norbert Lammert
Halina Wawzyniak Markus Tressel Peter Götz Katharina Landgraf
Harald Weinberg Jürgen Trittin Dr. Wolfgang Götzer Ulrich Lange
Katrin Werner Daniela Wagner Ute Granold Dr. Max Lehmer
Jörn Wunderlich Wolfgang Wieland Reinhard Grindel Paul Lehrieder
7430 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Dr. Ursula von der Leyen Dr. Andreas Scheuer Dagmar Wöhrl Patrick Kurth (Kyffhäuser) (C)
Ingbert Liebing Karl Schiewerling Dr. Matthias Zimmer Heinz Lanfermann
Matthias Lietz Norbert Schindler Wolfgang Zöller Sibylle Laurischk
Dr. Carsten Linnemann Tankred Schipanski Willi Zylajew Harald Leibrecht
Patricia Lips Georg Schirmbeck Sabine Leutheusser-
Dr. Jan-Marco Luczak Christian Schmidt (Fürth) FDP Schnarrenberger
Dr. Michael Luther Patrick Schnieder Lars Lindemann
Jens Ackermann
Karin Maag Dr. Andreas Schockenhoff Christian Lindner
Christian Ahrendt
Hans-Georg von der Marwitz Dr. Ole Schröder Dr. Martin Lindner (Berlin)
Bernhard Schulte-Drüggelte Christine Aschenberg-
Andreas Mattfeldt Dr. Erwin Lotter
Uwe Schummer Dugnus
Stephan Mayer (Altötting) Oliver Luksic
Dr. Michael Meister Armin Schuster (Weil am Daniel Bahr (Münster)
Florian Bernschneider Horst Meierhofer
Maria Michalk Rhein) Patrick Meinhardt
Dr. Mathias Middelberg Detlef Seif Sebastian Blumenthal
Claudia Bögel Gabriele Molitor
Philipp Mißfelder Johannes Selle Jan Mücke
Dietrich Monstadt Reinhold Sendker Nicole Bracht-Bendt
Klaus Breil Petra Müller (Aachen)
Marlene Mortler Dr. Patrick Sensburg Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Gerd Müller Thomas Silberhorn Rainer Brüderle
Angelika Brunkhorst Dr. Martin Neumann
Stefan Müller (Erlangen) Johannes Singhammer (Lausitz)
Nadine Schön (St. Wendel) Jens Spahn Ernst Burgbacher
Marco Buschmann Dirk Niebel
Dr. Philipp Murmann Carola Stauche Hans-Joachim Otto
Bernd Neumann (Bremen) Dr. Frank Steffel Sylvia Canel
Helga Daub (Frankfurt)
Michaela Noll Erika Steinbach Cornelia Pieper
Dr. Georg Nüßlein Christian Freiherr von Stetten Reiner Deutschmann
Dr. Bijan Djir-Sarai Gisela Piltz
Franz Obermeier Dieter Stier
Patrick Döring Dr. Christiane Ratjen-
Henning Otte Gero Storjohann
Mechthild Dyckmans Damerau
Dr. Michael Paul Stephan Stracke
Rainer Erdel Dr. Birgit Reinemund
Rita Pawelski Max Straubinger
Jörg van Essen Dr. Peter Röhlinger
Ulrich Petzold Karin Strenz
Ulrike Flach Dr. Stefan Ruppert
Dr. Joachim Pfeiffer Thomas Strobl (Heilbronn)
Sibylle Pfeiffer Lena Strothmann Otto Fricke Björn Sänger
Beatrix Philipp Michael Stübgen Dr. Edmund Peter Geisen Frank Schäffler
Ronald Pofalla Dr. Peter Tauber Dr. Wolfgang Gerhardt Christoph Schnurr
Christoph Poland Antje Tillmann Hans-Michael Goldmann Jimmy Schulz
Ruprecht Polenz Dr. Hans-Peter Uhl Heinz Golombeck Marina Schuster
(B) Eckhard Pols Arnold Vaatz Miriam Gruß Dr. Erik Schweickert (D)
Daniela Raab Volkmar Vogel (Kleinsaara) Joachim Günther (Plauen) Werner Simmling
Thomas Rachel Stefanie Vogelsang Dr. Christel Happach-Kasan Judith Skudelny
Eckhardt Rehberg Andrea Astrid Voßhoff Heinz-Peter Haustein Dr. Hermann Otto Solms
Katherina Reiche (Potsdam) Dr. Johann Wadephul Manuel Höferlin Joachim Spatz
Lothar Riebsamen Marco Wanderwitz Elke Hoff Dr. Max Stadler
Josef Rief Kai Wegner Birgit Homburger Torsten Staffeldt
Klaus Riegert Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Werner Hoyer Dr. Rainer Stinner
Dr. Heinz Riesenhuber Peter Weiß (Emmendingen) Heiner Kamp Stephan Thomae
Johannes Röring Sabine Weiss (Wesel I) Michael Kauch Florian Toncar
Dr. Norbert Röttgen Ingo Wellenreuther Dr. Lutz Knopek Serkan Tören
Dr. Christian Ruck Karl-Georg Wellmann Pascal Kober Johannes Vogel
Erwin Rüddel Peter Wichtel Dr. Heinrich L. Kolb (Lüdenscheid)
Albert Rupprecht (Weiden) Annette Widmann-Mauz Gudrun Kopp Dr. Daniel Volk
Anita Schäfer (Saalstadt) Klaus-Peter Willsch Dr. h. c. Jürgen Koppelin Dr. Claudia Winterstein
Dr. Wolfgang Schäuble Elisabeth Winkelmeier- Sebastian Körber Dr. Volker Wissing
Dr. Annette Schavan Becker Holger Krestel Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Anlage 32
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag der Fraktion der SPD zum Gesetzentwurf
der Bundesregierung über den Entwurf eines Haushaltsbegleitgesetzes 2011 (HBeglG 2011) (Tagesord-
nungspunkt 7)
(A) Edelgard Bulmahn Thomas Oppermann Dr. Dagmar Enkelmann Wolfgang Börnsen (C)
Marco Bülow Holger Ortel Klaus Ernst (Bönstrup)
Ulla Burchardt Aydan Özoğuz Wolfgang Gehrcke Wolfgang Bosbach
Martin Burkert Heinz Paula Nicole Gohlke Norbert Brackmann
Petra Crone Johannes Pflug Annette Groth Klaus Brähmig
Dr. Peter Danckert Joachim Poß Dr. Gregor Gysi Michael Brand
Martin Dörmann Dr. Wilhelm Priesmeier Heike Hänsel Dr. Reinhard Brandl
Elvira Drobinski-Weiß Florian Pronold Dr. Rosemarie Hein Helmut Brandt
Garrelt Duin Dr. Sascha Raabe Inge Höger Dr. Ralf Brauksiepe
Sebastian Edathy Mechthild Rawert Dr. Barbara Höll Dr. Helge Braun
Siegmund Ehrmann Gerold Reichenbach Andrej Hunko Heike Brehmer
Petra Ernstberger Dr. Carola Reimann Ulla Jelpke Ralph Brinkhaus
Karin Evers-Meyer Sönke Rix Dr. Lukrezia Jochimsen Gitta Connemann
Elke Ferner René Röspel Katja Kipping Leo Dautzenberg
Gabriele Fograscher Dr. Ernst Dieter Rossmann Harald Koch Thomas Dörflinger
Dr. Edgar Franke Karin Roth (Esslingen) Katrin Kunert Marie-Luise Dött
Peter Friedrich Michael Roth (Heringen) Caren Lay Dr. Thomas Feist
Michael Gerdes Marlene Rupprecht Ralph Lenkert Enak Ferlemann
Martin Gerster (Tuchenbach) Michael Leutert Ingrid Fischbach
Iris Gleicke Anton Schaaf Stefan Liebich Hartwig Fischer (Göttingen)
Ulrike Gottschalck Axel Schäfer (Bochum) Ulla Lötzer Dirk Fischer (Hamburg)
Angelika Graf (Rosenheim) Bernd Scheelen Dr. Gesine Lötzsch Axel E. Fischer (Karlsruhe-
Kerstin Griese Marianne Schieder Thomas Lutze Land)
Michael Groschek (Schwandorf) Dorothée Menzner Dr. Maria Flachsbarth
Michael Groß Werner Schieder (Weiden) Cornelia Möhring Klaus-Peter Flosbach
Wolfgang Gunkel Ulla Schmidt (Aachen) Kornelia Möller Herbert Frankenhauser
Hans-Joachim Hacker Silvia Schmidt (Eisleben) Niema Movassat Dr. Hans-Peter Friedrich
Bettina Hagedorn Carsten Schneider (Erfurt) Wolfgang Nešković (Hof)
Klaus Hagemann Swen Schulz (Spandau) Thomas Nord Michael Frieser
Hubertus Heil (Peine) Ewald Schurer Petra Pau Erich G. Fritz
Rolf Hempelmann Frank Schwabe Jens Petermann Dr. Michael Fuchs
Dr. Barbara Hendricks Rolf Schwanitz Richard Pitterle Hans-Joachim Fuchtel
Gustav Herzog Stefan Schwartze Yvonne Ploetz Alexander Funk
Dr. Carsten Sieling Ingrid Remmers Ingo Gädechens
Gabriele Hiller-Ohm
Sonja Steffen Paul Schäfer (Köln) Dr. Thomas Gebhart
(B) Petra Hinz (Essen) (D)
Peer Steinbrück Michael Schlecht
Frank Hofmann (Volkach) Norbert Geis
Christoph Strässer Dr. Herbert Schui
Dr. Eva Högl Alois Gerig
Kerstin Tack Dr. Ilja Seifert
Christel Humme Eberhard Gienger
Dr. h. c. Wolfgang Thierse Raju Sharma
Josip Juratovic Michael Glos
Franz Thönnes Dr. Petra Sitte
Oliver Kaczmarek Josef Göppel
Wolfgang Tiefensee Sabine Stüber
Johannes Kahrs Peter Götz
Rüdiger Veit Alexander Süßmair
Dr. h. c. Susanne Kastner Dr. Kirsten Tackmann Dr. Wolfgang Götzer
Ulrich Kelber Ute Vogt Ute Granold
Dr. Marlies Volkmer Alexander Ulrich
Lars Klingbeil Kathrin Vogler Reinhard Grindel
Dr. Bärbel Kofler Andrea Wicklein Hermann Gröhe
Heidemarie Wieczorek-Zeul Halina Wawzyniak
Daniela Kolbe (Leipzig) Harald Weinberg Michael Grosse-Brömer
Fritz Rudolf Körper Waltraud Wolff Markus Grübel
(Wolmirstedt) Katrin Werner
Anette Kramme Jörn Wunderlich Manfred Grund
Nicolette Kressl Uta Zapf Monika Grütters
Angelika Krüger-Leißner Dagmar Ziegler Dr. Karl-Theodor Freiherr
Ute Kumpf Manfred Zöllmer Nein zu Guttenberg
Christine Lambrecht Brigitte Zypries Olav Gutting
Christian Lange (Backnang) CDU/CSU Florian Hahn
Dr. Karl Lauterbach DIE LINKE Holger Haibach
Ilse Aigner
Steffen-Claudio Lemme Jan van Aken Peter Altmaier Dr. Stephan Harbarth
Burkhard Lischka Agnes Alpers Peter Aumer Jürgen Hardt
Gabriele Lösekrug-Möller Herbert Behrens Thomas Bareiß Gerda Hasselfeldt
Kirsten Lühmann Matthias W. Birkwald Norbert Barthle Dr. Matthias Heider
Caren Marks Heidrun Bluhm Günter Baumann Mechthild Heil
Katja Mast Steffen Bockhahn Ernst-Reinhard Beck Frank Heinrich
Hilde Mattheis Christine Buchholz (Reutlingen) Rudolf Henke
Petra Merkel (Berlin) Eva Bulling-Schröter Manfred Behrens (Börde) Michael Hennrich
Ullrich Meßmer Dr. Martina Bunge Veronika Bellmann Jürgen Herrmann
Dr. Matthias Miersch Roland Claus Dr. Christoph Bergner Ansgar Heveling
Franz Müntefering Sevim Dağdelen Peter Beyer Ernst Hinsken
Dr. Rolf Mützenich Dr. Diether Dehm Steffen Bilger Peter Hintze
Andrea Nahles Heidrun Dittrich Clemens Binninger Christian Hirte
Manfred Nink Werner Dreibus Peter Bleser Robert Hochbaum
7432 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010
(A) Karl Holmeier Henning Otte Dr. Johann Wadephul Sabine Leutheusser- (C)
Franz-Josef Holzenkamp Dr. Michael Paul Marco Wanderwitz Schnarrenberger
Joachim Hörster Rita Pawelski Kai Wegner Lars Lindemann
Anette Hübinger Ulrich Petzold Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Martin Lindner (Berlin)
Thomas Jarzombek Dr. Joachim Pfeiffer Peter Weiß (Emmendingen) Michael Link (Heilbronn)
Dieter Jasper Sibylle Pfeiffer Sabine Weiss (Wesel I) Dr. Erwin Lotter
Dr. Franz Josef Jung Beatrix Philipp Ingo Wellenreuther Oliver Luksic
Andreas Jung (Konstanz) Ronald Pofalla Karl-Georg Wellmann Horst Meierhofer
Dr. Egon Jüttner Christoph Poland Peter Wichtel Patrick Meinhardt
Bartholomäus Kalb Ruprecht Polenz Annette Widmann-Mauz Gabriele Molitor
Hans-Werner Kammer Eckhard Pols Klaus-Peter Willsch Jan Mücke
Steffen Kampeter Daniela Raab Elisabeth Winkelmeier- Petra Müller (Aachen)
Alois Karl Thomas Rachel Becker Burkhardt Müller-Sönksen
Bernhard Kaster Dr. Peter Ramsauer Dagmar Wöhrl Dr. Martin Neumann
Volker Kauder Eckhardt Rehberg Dr. Matthias Zimmer (Lausitz)
Dr. Stefan Kaufmann Katherina Reiche (Potsdam) Wolfgang Zöller Dirk Niebel
Roderich Kiesewetter Lothar Riebsamen Willi Zylajew Hans-Joachim Otto
Eckart von Klaeden Josef Rief (Frankfurt)
Ewa Klamt Klaus Riegert FDP Cornelia Pieper
Volkmar Klein Dr. Heinz Riesenhuber Gisela Piltz
Jens Ackermann Dr. Christiane Ratjen-
Jürgen Klimke Johannes Röring Christian Ahrendt
Julia Klöckner Dr. Norbert Röttgen Damerau
Christine Aschenberg- Dr. Birgit Reinemund
Axel Knoerig Dr. Christian Ruck Dugnus
Jens Koeppen Erwin Rüddel Dr. Peter Röhlinger
Daniel Bahr (Münster) Dr. Stefan Ruppert
Dr. Kristina Schröder Albert Rupprecht (Weiden) Florian Bernschneider
Manfred Kolbe Anita Schäfer (Saalstadt) Björn Sänger
Sebastian Blumenthal Frank Schäffler
Dr. Rolf Koschorrek Dr. Wolfgang Schäuble Claudia Bögel
Hartmut Koschyk Dr. Annette Schavan Christoph Schnurr
Nicole Bracht-Bendt Jimmy Schulz
Thomas Kossendey Dr. Andreas Scheuer Klaus Breil
Michael Kretschmer Karl Schiewerling Marina Schuster
Rainer Brüderle Dr. Erik Schweickert
Dr. Günter Krings Norbert Schindler Angelika Brunkhorst
Rüdiger Kruse Tankred Schipanski Werner Simmling
Ernst Burgbacher Judith Skudelny
Bettina Kudla Georg Schirmbeck Marco Buschmann Dr. Hermann Otto Solms
Dr. Hermann Kues Christian Schmidt (Fürth) Sylvia Canel Joachim Spatz
(B) Dr. Karl A. Lamers Patrick Schnieder Helga Daub (D)
Dr. Max Stadler
(Heidelberg) Dr. Andreas Schockenhoff Reiner Deutschmann Torsten Staffeldt
Andreas G. Lämmel Dr. Ole Schröder Dr. Bijan Djir-Sarai Dr. Rainer Stinner
Dr. Norbert Lammert Bernhard Schulte-Drüggelte Patrick Döring Stephan Thomae
Katharina Landgraf Uwe Schummer Mechthild Dyckmans Florian Toncar
Ulrich Lange Armin Schuster (Weil am Rainer Erdel Serkan Tören
Dr. Max Lehmer Rhein) Jörg van Essen Johannes Vogel
Paul Lehrieder Detlef Seif Ulrike Flach (Lüdenscheid)
Dr. Ursula von der Leyen Johannes Selle Otto Fricke Dr. Daniel Volk
Ingbert Liebing Reinhold Sendker Dr. Edmund Peter Geisen Dr. Guido Westerwelle
Matthias Lietz Dr. Patrick Sensburg Dr. Wolfgang Gerhardt Dr. Claudia Winterstein
Dr. Carsten Linnemann Bernd Siebert Hans-Michael Goldmann Dr. Volker Wissing
Patricia Lips Thomas Silberhorn Heinz Golombeck Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Dr. Jan-Marco Luczak Johannes Singhammer Miriam Gruß
Dr. Michael Luther Jens Spahn Joachim Günther (Plauen)
Karin Maag Carola Stauche Dr. Christel Happach-Kasan Enthalten
Hans-Georg von der Marwitz Dr. Frank Steffel Heinz-Peter Haustein
Andreas Mattfeldt Erika Steinbach Manuel Höferlin BÜNDNIS 90/
Stephan Mayer (Altötting) Christian Freiherr von Stetten Elke Hoff DIE GRÜNEN
Dr. Michael Meister Dieter Stier Birgit Homburger Volker Beck (Köln)
Maria Michalk Gero Storjohann Dr. Werner Hoyer Cornelia Behm
Dr. h. c. Hans Michelbach Stephan Stracke Heiner Kamp Birgitt Bender
Dr. Mathias Middelberg Max Straubinger Michael Kauch Alexander Bonde
Philipp Mißfelder Karin Strenz Dr. Lutz Knopek Viola von Cramon-Taubadel
Dietrich Monstadt Thomas Strobl (Heilbronn) Pascal Kober Ekin Deligöz
Marlene Mortler Lena Strothmann Dr. Heinrich L. Kolb Katja Dörner
Dr. Gerd Müller Michael Stübgen Gudrun Kopp Hans-Josef Fell
Stefan Müller (Erlangen) Dr. Peter Tauber Dr. h. c. Jürgen Koppelin Dr. Thomas Gambke
Nadine Schön (St. Wendel) Antje Tillmann Sebastian Körber Kai Gehring
Dr. Philipp Murmann Dr. Hans-Peter Uhl Holger Krestel Katrin Göring-Eckardt
Bernd Neumann (Bremen) Arnold Vaatz Patrick Kurth (Kyffhäuser) Britta Haßelmann
Michaela Noll Volkmar Vogel (Kleinsaara) Heinz Lanfermann Bettina Herlitzius
Dr. Georg Nüßlein Stefanie Vogelsang Sibylle Laurischk Winfried Hermann
Franz Obermeier Andrea Astrid Voßhoff Harald Leibrecht Priska Hinz (Herborn)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7433
(A) Ulrike Höfken Oliver Krischer Ingrid Nestle Dr. Frithjof Schmidt (C)
Dr. Anton Hofreiter Agnes Krumwiede Dr. Konstantin von Notz Dorothea Steiner
Bärbel Höhn Fritz Kuhn Omid Nouripour Dr. Wolfgang Strengmann-
Ingrid Hönlinger Stephan Kühn Friedrich Ostendorff Kuhn
Thilo Hoppe Renate Künast Dr. Hermann Ott Hans-Christian Ströbele
Uwe Kekeritz Markus Kurth Brigitte Pothmer Dr. Harald Terpe
Katja Keul Undine Kurth (Quedlinburg) Tabea Rößner Markus Tressel
Memet Kilic Monika Lazar Claudia Roth (Augsburg) Daniela Wagner
Sven-Christian Kindler Nicole Maisch Krista Sager Wolfgang Wieland
Maria Klein-Schmeink Agnes Malczak Manuel Sarrazin Dr. Valerie Wilms
Ute Koczy Jerzy Montag Elisabeth Scharfenberg Josef Philip Winkler
Tom Koenigs Kerstin Müller (Köln) Christine Scheel
Sylvia Kotting-Uhl Beate Müller-Gemmeke Dr. Gerhard Schick
Anlage 33
Endgültiges Ergebnis
der namentlichen Abstimmung über den Änderungsantrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
zum Gesetzentwurf der Bundesregierung: Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2010 (JStG 2010) (Tages-
ordnungspunkt 9)
(A) Dr. Gregor Gysi Oliver Krischer Marie-Luise Dött Dr. Stefan Kaufmann (C)
Dr. Rosemarie Hein Agnes Krumwiede Dr. Thomas Feist Roderich Kiesewetter
Inge Höger Stephan Kühn Enak Ferlemann Eckart von Klaeden
Dr. Barbara Höll Renate Künast Ingrid Fischbach Ewa Klamt
Andrej Hunko Markus Kurth Hartwig Fischer (Göttingen) Volkmar Klein
Ulla Jelpke Undine Kurth (Quedlinburg) Dirk Fischer (Hamburg) Jürgen Klimke
Katja Kipping Monika Lazar Axel E. Fischer (Karlsruhe- Julia Klöckner
Harald Koch Nicole Maisch Land) Axel Knoerig
Ralph Lenkert Agnes Malczak Dr. Maria Flachsbarth Jens Koeppen
Michael Leutert Jerzy Montag Klaus-Peter Flosbach Dr. Kristina Schröder
Stefan Liebich Kerstin Müller (Köln) Herbert Frankenhauser Manfred Kolbe
Ulla Lötzer Beate Müller-Gemmeke Dr. Hans-Peter Friedrich Dr. Rolf Koschorrek
Dr. Gesine Lötzsch Ingrid Nestle (Hof) Hartmut Koschyk
Thomas Lutze Dr. Konstantin von Notz Michael Frieser Thomas Kossendey
Dorothée Menzner Omid Nouripour Erich G. Fritz Michael Kretschmer
Cornelia Möhring Friedrich Ostendorff Dr. Michael Fuchs Dr. Günter Krings
Kornelia Möller Brigitte Pothmer Hans-Joachim Fuchtel Rüdiger Kruse
Niema Movassat Tabea Rößner Alexander Funk Bettina Kudla
Wolfgang Nešković Claudia Roth (Augsburg) Ingo Gädechens Dr. Hermann Kues
Jens Petermann Krista Sager Dr. Thomas Gebhart Dr. Karl A. Lamers
Richard Pitterle Manuel Sarrazin Norbert Geis (Heidelberg)
Yvonne Ploetz Elisabeth Scharfenberg Alois Gerig Andreas G. Lämmel
Ingrid Remmers Christine Scheel Eberhard Gienger Dr. Norbert Lammert
Paul Schäfer (Köln) Dr. Gerhard Schick Michael Glos Katharina Landgraf
Dr. Herbert Schui Dr. Frithjof Schmidt Josef Göppel Ulrich Lange
Dr. Ilja Seifert Dorothea Steiner Peter Götz Dr. Max Lehmer
Raju Sharma Dr. Wolfgang Strengmann- Dr. Wolfgang Götzer Paul Lehrieder
Dr. Petra Sitte Kuhn Ute Granold Dr. Ursula von der Leyen
Sabine Stüber Hans-Christian Ströbele Reinhard Grindel Ingbert Liebing
Alexander Süßmair Dr. Harald Terpe Hermann Gröhe Matthias Lietz
Dr. Kirsten Tackmann Markus Tressel Michael Grosse-Brömer Dr. Carsten Linnemann
Alexander Ulrich Daniela Wagner Markus Grübel Patricia Lips
Kathrin Vogler Dr. Valerie Wilms Manfred Grund Dr. Jan-Marco Luczak
Halina Wawzyniak Josef Philip Winkler Monika Grütters Dr. Michael Luther
Harald Weinberg Dr. Karl-Theodor Freiherr Karin Maag
(B) Katrin Werner (D)
Nein zu Guttenberg Hans-Georg von der Marwitz
Jörn Wunderlich Olav Gutting Andreas Mattfeldt
CDU/CSU Florian Hahn Stephan Mayer (Altötting)
BÜNDNIS 90/ Holger Haibach Dr. Michael Meister
DIE GRÜNEN Ilse Aigner
Peter Altmaier Dr. Stephan Harbarth Maria Michalk
Volker Beck (Köln) Peter Aumer Jürgen Hardt Dr. h. c. Hans Michelbach
Cornelia Behm Thomas Bareiß Gerda Hasselfeldt Dr. Mathias Middelberg
Birgitt Bender Norbert Barthle Dr. Matthias Heider Philipp Mißfelder
Alexander Bonde Günter Baumann Mechthild Heil Dietrich Monstadt
Viola von Cramon-Taubadel Ernst-Reinhard Beck Frank Heinrich Marlene Mortler
Ekin Deligöz (Reutlingen) Rudolf Henke Dr. Gerd Müller
Katja Dörner Manfred Behrens (Börde) Michael Hennrich Stefan Müller (Erlangen)
Hans-Josef Fell Veronika Bellmann Jürgen Herrmann Nadine Schön (St. Wendel)
Dr. Thomas Gambke Dr. Christoph Bergner Ansgar Heveling Dr. Philipp Murmann
Kai Gehring Peter Beyer Ernst Hinsken Bernd Neumann (Bremen)
Katrin Göring-Eckardt Steffen Bilger Peter Hintze Michaela Noll
Britta Haßelmann Clemens Binninger Christian Hirte Dr. Georg Nüßlein
Bettina Herlitzius Peter Bleser Robert Hochbaum Franz Obermeier
Winfried Hermann Wolfgang Börnsen Karl Holmeier Henning Otte
Priska Hinz (Herborn) (Bönstrup) Franz-Josef Holzenkamp Dr. Michael Paul
Ulrike Höfken Wolfgang Bosbach Joachim Hörster Rita Pawelski
Dr. Anton Hofreiter Norbert Brackmann Anette Hübinger Ulrich Petzold
Bärbel Höhn Klaus Brähmig Thomas Jarzombek Dr. Joachim Pfeiffer
Ingrid Hönlinger Michael Brand Dieter Jasper Sibylle Pfeiffer
Thilo Hoppe Dr. Reinhard Brandl Dr. Franz Josef Jung Beatrix Philipp
Uwe Kekeritz Helmut Brandt Andreas Jung (Konstanz) Ronald Pofalla
Katja Keul Dr. Ralf Brauksiepe Dr. Egon Jüttner Christoph Poland
Memet Kilic Dr. Helge Braun Bartholomäus Kalb Ruprecht Polenz
Sven-Christian Kindler Heike Brehmer Hans-Werner Kammer Eckhard Pols
Maria Klein-Schmeink Ralph Brinkhaus Steffen Kampeter Daniela Raab
Ute Koczy Gitta Connemann Alois Karl Thomas Rachel
Tom Koenigs Leo Dautzenberg Bernhard Kaster Eckhardt Rehberg
Sylvia Kotting-Uhl Thomas Dörflinger Volker Kauder Katherina Reiche (Potsdam)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 68. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Oktober 2010 7435
(A) Lothar Riebsamen Thomas Strobl (Heilbronn) Marco Buschmann Horst Meierhofer (C)
Josef Rief Lena Strothmann Sylvia Canel Patrick Meinhardt
Klaus Riegert Michael Stübgen Helga Daub Gabriele Molitor
Dr. Heinz Riesenhuber Dr. Peter Tauber Reiner Deutschmann Jan Mücke
Johannes Röring Antje Tillmann Dr. Bijan Djir-Sarai Petra Müller (Aachen)
Dr. Norbert Röttgen Dr. Hans-Peter Uhl Patrick Döring Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Christian Ruck Arnold Vaatz Mechthild Dyckmans Dr. Martin Neumann
Erwin Rüddel Volkmar Vogel (Kleinsaara) Rainer Erdel (Lausitz)
Albert Rupprecht (Weiden) Stefanie Vogelsang Jörg van Essen Dirk Niebel
Anita Schäfer (Saalstadt) Andrea Astrid Voßhoff Ulrike Flach Hans-Joachim Otto
Dr. Wolfgang Schäuble Dr. Johann Wadephul Otto Fricke (Frankfurt)
Dr. Annette Schavan Marco Wanderwitz Dr. Edmund Peter Geisen Cornelia Pieper
Dr. Andreas Scheuer Kai Wegner Dr. Wolfgang Gerhardt Gisela Piltz
Karl Schiewerling Marcus Weinberg (Hamburg) Hans-Michael Goldmann Dr. Christiane Ratjen-
Norbert Schindler Peter Weiß (Emmendingen) Heinz Golombeck Damerau
Tankred Schipanski Sabine Weiss (Wesel I) Miriam Gruß Dr. Birgit Reinemund
Georg Schirmbeck Ingo Wellenreuther Joachim Günther (Plauen) Dr. Peter Röhlinger
Christian Schmidt (Fürth) Peter Wichtel Dr. Christel Happach-Kasan Dr. Stefan Ruppert
Patrick Schnieder Annette Widmann-Mauz Heinz-Peter Haustein Björn Sänger
Dr. Andreas Schockenhoff Klaus-Peter Willsch Manuel Höferlin Frank Schäffler
Dr. Ole Schröder Elisabeth Winkelmeier- Elke Hoff
Christoph Schnurr
Bernhard Schulte-Drüggelte Becker Birgit Homburger
Jimmy Schulz
Uwe Schummer Dagmar Wöhrl Dr. Werner Hoyer
Marina Schuster
Armin Schuster (Weil am Dr. Matthias Zimmer Heiner Kamp
Rhein) Dr. Lutz Knopek Dr. Erik Schweickert
Wolfgang Zöller Werner Simmling
Detlef Seif Willi Zylajew Pascal Kober
Johannes Selle Dr. Heinrich L. Kolb Judith Skudelny
Reinhold Sendker Gudrun Kopp Dr. Hermann Otto Solms
FDP Joachim Spatz
Dr. Patrick Sensburg Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Bernd Siebert Jens Ackermann Sebastian Körber Dr. Max Stadler
Thomas Silberhorn Christian Ahrendt Holger Krestel Torsten Staffeldt
Johannes Singhammer Christine Aschenberg- Patrick Kurth (Kyffhäuser) Dr. Rainer Stinner
Jens Spahn Dugnus Heinz Lanfermann Stephan Thomae
Carola Stauche Daniel Bahr (Münster) Sibylle Laurischk Florian Toncar
Dr. Frank Steffel Florian Bernschneider Harald Leibrecht Serkan Tören
(B) Erika Steinbach Sebastian Blumenthal Sabine Leutheusser- Johannes Vogel (D)
Christian Freiherr von Stetten Claudia Bögel Schnarrenberger (Lüdenscheid)
Dieter Stier Nicole Bracht-Bendt Lars Lindemann Dr. Daniel Volk
Gero Storjohann Klaus Breil Dr. Martin Lindner (Berlin) Dr. Guido Westerwelle
Stephan Stracke Rainer Brüderle Michael Link (Heilbronn) Dr. Claudia Winterstein
Max Straubinger Angelika Brunkhorst Dr. Erwin Lotter Dr. Volker Wissing
Karin Strenz Ernst Burgbacher Oliver Luksic Hartfrid Wolff (Rems-Murr)
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, [Link]
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, [Link]
ISSN 0722-7980