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Modul 2

Das Dokument behandelt die molekularen Bausteine des Lebens wie Nukleinsäuren und Proteine. Es erklärt die Struktur und Funktion von DNA, RNA und Proteinen. Weiterhin werden Prozesse wie die DNA-Replikation, der Zellzyklus und die Vererbung beschrieben. Zusätzlich werden Themen wie Viren, die Trisomie 21 und DNA-Schädigungen behandelt.

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Modul 2

Das Dokument behandelt die molekularen Bausteine des Lebens wie Nukleinsäuren und Proteine. Es erklärt die Struktur und Funktion von DNA, RNA und Proteinen. Weiterhin werden Prozesse wie die DNA-Replikation, der Zellzyklus und die Vererbung beschrieben. Zusätzlich werden Themen wie Viren, die Trisomie 21 und DNA-Schädigungen behandelt.

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MODULSKRIPT & LERNZIELE

1. SEMESTER
M02 – BAUSTEINE DES LEBENS

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Inhaltsverzeichnis

Woche 1: „Nukleinsäuren“ ..........................................................................................................................6!


1 Bausteine des Lebens ............................................................................................................................................................. 6!
1.1 Stoffklassen der Biomoleküle & deren Funktionen ............................................................................... 6!
1.2 Funktion von Biopolymeren aufgrund der beteiligten Bausteine ................................................ 6!
2 Struktur & Funktion von Nukleotide und DNA ..................................................................................................... 7!
2.1 Bausteine der Nukleinsäuren und deren Verknüpfungen .................................................................. 7!
2.2 chemische Struktur von Purin- & Pyrimidinbasen ................................................................................. 7!
2.3 H-Brücken & Basenpaarung als Grundlagen der räuml. DNA-Doppelhelix ........................ 7!
2.4 Basensequenz als Schlüssel zur Aminosäurenkodierung ................................................................. 8!
2.5 strukturelle Unterschiede von DNA & RNA .................................................................................................. 8!
2.6 Phosphorsäureanhydrid- vs. Phosphorsäureesterbindung in Nucleotiden ........................... 9!
2.7 energiereiche Verbindungen am Bsp. Adenosintriphosphat (ATP).............................................. 9!
2.8 Funktion von ATP und cyclischem AMP (cAMP) ...................................................................................... 9!
3 Schädigungen der DNA ........................................................................................................................................................... 9!
3.1 Definitionen ............................................................................................................................................................................ 9!
3.2 Formen DNA-schädigender Einflüsse ............................................................................................................ 10!
3.3 Mechanismen der DNA-Schädigung ................................................................................................................ 10!
3.4 molekulare & zelluläre Folgen der DNA-Schädigung ....................................................................... 10!
3.5 Mehrstufenkonzept der Kanzerogenese/Mehrschritt-Karzinogenese ...................................... 11!
4 Zellzyklus, Vererbung, Chromosomen ....................................................................................................................... 11!
4.1 Phasen des Zellzyklus ............................................................................................................................................... 11!
4.2 Mitose ...................................................................................................................................................................................... 12!
4.3 Meiose ..................................................................................................................................................................................... 12!
4.4 Grundzüge der DNA-Replikation ......................................................................................................................... 12!
4.5 Struktur eines Chromosoms .................................................................................................................................. 13!
4.6 Stammbaumdiagnostik/Vererbungsmodi...................................................................................................... 13!
5 Historische & ethische Aspekte der Genetik...................................................................................................... 14!
5.1 Definitionen & Gendiagnostik-Gesetz (Zweck, Anwendungsbereiche, etc) ....................... 14!
5.2 Grenzen der genetischen Diagnostik .............................................................................................................. 14!
5.3 Entwicklungsschritte der Genetik (Zeitleiste) ......................................................................................... 15!
6 Viren ................................................................................................................................................................................................... 15!
6.1 Strukturbestandteile & morphologische und genetische Klassifikationskriterien ...... 15!
6.2 Möglichkeiten & Grenzen der Sichtbarmachung von Viren........................................................... 16!
6.3 virusspezifische Genomreplikation ................................................................................................................... 16!
7 Trisomie 21 (Morbus Down – nach John Langdon-Down) ..................................................................... 16!
7.1 phänotypische Stigmata............................................................................................................................................ 16!
7.2 Möglichkeiten & Bedeutung der Pränataldiagnostik .......................................................................... 17!
7.3 Formen der Trisomie 21 und deren molekulargenetische Entstehung ............................... 17!
8 DNA-Präparation – Praktikum: „Genetischer Fingerabdruck“ ............................................................... 17!
8.1 Grundprinzipien der Präparation genomischer DNA ........................................................................... 17!
8.2 Durchführungsschritte einer PCR (Polymerase Chain Reaction) .............................................. 17!
8.3 interindividuelle Variabilität des humanen Genoms & deren biologische Bedeutung
(Beispiel: D1S80 Genlokus) ............................................................................................................................................ 18!

Woche 2: „Proteine“ ..................................................................................................................................... 18!


9 Aminosäuren & Proteine als funktionelle Einheit .......................................................................................... 18!
9.1 Aufbau/Struktur & gemeinsame Eigenschaften der Aminosäuren .......................................... 18!
9.2 Funktionen & grundlegende chemische Reaktionen von proteinogenen AS .................... 19!

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9.3 Strukturhierarchie der Proteine .......................................................................................................................... 19!
9.4 Peptidbindungen/Amide (Eigenschaften, Entstehung, Spaltung) & Carbonsäure und
Amine ................................................................................................................................................................................................ 20!
9.5 Struktur-Wirkungs-Beziehung in globulären & fibrillären Proteinen.................................... 20!
9.6 funktionelle Gruppen der 21 proteinogenen Aminosäuren ........................................................... 21!
10 Struktur & Funktion von Enzymen ........................................................................................................................... 22!
10.1 Bedeutung der räuml. Struktur für enzymatische Aktivität (Bsp. Serinproteasen) 22!
10.2 bildgebende Verfahren zur Proteinstrukturanalyse .......................................................................... 23!
10.3 Prinzip der molekularen Erkennung bei der Protein-Ligand-Wechselwirkung.......... 23!
10.4 Quantifizierung der Affinität von Enzymsubstraten.......................................................................... 24!
11 Intra- & Intermolekulare Wechselwirkungen ................................................................................................. 24!
11.1 Denaturierung ................................................................................................................................................................ 24!
11.2 Cofaktoren & prosthetische Gruppen........................................................................................................... 24!
11.3 Beeinflussung der Wasserlöslichkeit von Proteinen ...................................................................... 24!
11.4 kovalente & nicht-kovalente Bindungen & Wechselwirkungen .............................................. 25!
11.5 Bindungsprinzipien innerhalb von Proteinen ......................................................................................... 25!
12 Labortechnische Methoden – Praktikum: „Proteine“ ................................................................................. 25!
12.1 Vor- & Nachteile der Methoden zur Trennung von Proteinen.................................................. 25!
12.2 Ausfällung von Proteinen ..................................................................................................................................... 25!
12.3 Methoden zur Proteinquantifizierung ........................................................................................................... 26!
13 Sichelzellanämie.................................................................................................................................................................... 26!
13.1 Allgemeines..................................................................................................................................................................... 26!
13.2. klinische Manifestationen der Sichelzellanämie............................................................................... 26!
13.3 langfristige Behandlungskonzepte................................................................................................................. 26!
13.4 Auswirkung der Aminosäuresequenzänderung auf die Hämoglobineigenschaften . 26!
13.5 Mechanismen des Funktionsverlusts von mutierten Proteinen .............................................. 27!
14 Proteine als Drugtargets – Einführung in die Pharmakologie .......................................................... 27!
14.1 Definitionen ...................................................................................................................................................................... 27!
14.2 Peptid-/Proteingruppen & deren Funktion als Drugtargets....................................................... 27!
14.3 Wirkungen von Pharmaka auf Drugtargets ............................................................................................ 27!
14.4 medikamentöse Regulation der Peptide/Proteine (Bsp.: ACE-Hemmer gegen
arterielle Hypertonie) ........................................................................................................................................................... 28!

Woche 3: „Kohlenhydrate“ ....................................................................................................................... 28!


15 Monosaccharide & Glucose ........................................................................................................................................... 28!
15.1 Einteilung der Monosaccharide ....................................................................................................................... 28!
15.2 Bedeutung der Glucose .......................................................................................................................................... 29!
15.3 Verknüpfung von Monosacchariden zu Oligo-/Polysacchariden ............................................ 29!
15.4 Chiralität und Isomeriearten als Ursache struktureller Vielfalt ........................................... 30!
15.5 reversibler Vorgang der Cyclisierung & Konsequenzen für Reaktionen........................... 31!
15.6 Darstellungsweisen der Strukturformeln der Kohlenhydrate................................................... 31!
15.7 Redoxreaktion der Aldehydgruppe ................................................................................................................ 31!
15.8 Struktur, Funktion & Aktivierung von Monosacchariden .............................................................. 32!
15.8.1 Struktur & Funktion (Glucose, Galaktose, Fructose, Mannose).......................................... 32!
15.8.2 Aktivierung der Monosaccharide ................................................................................................................ 33!
16 Di- & Polysaccharide ......................................................................................................................................................... 33!
16.1 Struktur & Vorkommen bestimmter Disaccharide ............................................................................ 33!
16.2 Struktur & Funktion wichtiger Homoglykane ........................................................................................ 34!
16.3 Glykogensynthese & Glykogenabbau ........................................................................................................... 34!
17 Heterogylkane .......................................................................................................................................................................... 35!
17.1 Modifizierungsmöglichkeiten von Kohlenhydraten............................................................................ 35!

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17.2 Bindungsmöglichkeiten von Kohlenhydraten an Proteine ........................................................... 36!
17.3 Einteilung, prinzipieller Aufbau & Funktion von Heteroglykanen an Beispielen ...... 36!
18 Laborchemische Glucoseanalyse – Praktikum „Glucose und andere Kohlenhydrate“ ... 37!
18.1 Messprinzipien der Glucosebestimmung im Blut & Urin ............................................................ 37!
18.1.1 amperometrisches Messverfahren zur Bestimmung der Blut-
Glucosekonzentration ........................................................................................................................................................... 37!
18.1.2 Teststreifen zur Bestimmung der Glucosekonzentration im Urin ..................................... 37!
18.2 Prinzip des oralen Glucosetoleranztests & dessen diagnostische Anwendung......... 37!
18.3 Normwerte der Glucosekonzentration im Blut & Urin ................................................................... 38!
18.4 Durchführung der Fertigkeiten aus 18.1 .................................................................................................. 38!
19 klassische Galaktosämie ................................................................................................................................................ 38!
19.1 Allgemeines..................................................................................................................................................................... 38!
19.2 klinische Symptome .................................................................................................................................................. 39!
19.3 Therapieoption ............................................................................................................................................................... 39!
19.4 Krankheitsverlauf ........................................................................................................................................................ 39!
20 Diabetes mellitus Typ I & Typ II ............................................................................................................................... 39!
20.1 Differenzierung der Diabetes-Varianten nach Pathomechanismen & klinischem
Erscheinungsbild ..................................................................................................................................................................... 39!
20.2 grundlegende Therapiemöglichkeiten .......................................................................................................... 40!
20.3 hormonelle Regulation der Blutzuckerhomöostase ......................................................................... 41!

Woche 4: „Lipide“ .......................................................................................................................................... 42!


21 Lipide als bioaktive Naturstoffe................................................................................................................................ 42!
21.1 Lipidklassifizierungen .............................................................................................................................................. 42!
21.3 biologische Rolle medizinrelevanter Lipide........................................................................................... 43!
21.4 Grundprinzipien der Biosynthese ausgewählter Lipidmediatoren ......................................... 44!
22 Chemie der Triacylglyzerole & Phospholipide ................................................................................................ 44!
22.1 wichtige Fettsäuren................................................................................................................................................... 44!
22.2 Bildung & Spaltung von Carbon- & Phosphorsäureestern ......................................................... 44!
22.3 Eigenschaft von Kohlenstoff-Einfachbindungen/-Doppelbindungen ................................... 45!
22.4 Aktivierung von Carbonsäuren durch Coenzym A & Funktion von Acyl- bzw.
Acetyl-CoA .................................................................................................................................................................................... 45!
22.5 Funktion von NAD+/NADH & NADP+/NADPH als Redoxsysteme ............................................ 45!
23 Synthese, Umbau, Abbau & Ausscheidung verschiedener Lipide ................................................... 46!
23.1 Prinzipien der Biosynthese von Fettsäuren ............................................................................................ 46!
23.1.1 Modifizierung der Fettsäure-Synthase-Produkte............................................................................ 46!
23.2 Prinzipien des Abbaus von Fettsäuren ...................................................................................................... 47!
23.2.1 Besonderheiten beim Fettsäureabbau .................................................................................................... 47!
23.3 Biosynthese von Cholesterol .............................................................................................................................. 48!
23.4 Funktionen von Fettsäuren & Cholesterol ............................................................................................... 48!
23.5 Ausscheidungsmöglichkeiten bestimmter Lipide............................................................................... 49!
23.6 Acetyl-CoA also Intermdiat................................................................................................................................. 49!
24 Biochemie der Lipide & Beziehung zur Arteriosklerose ......................................................................... 49!
24.1 Aufbau & Funktion humaner Lipoproteine............................................................................................... 49!
24.2 chemische Strukturmerkmale von Cholesterol & Cholesterolestern ................................. 50!
24.3 unterschiedliche Funktionen von LDL & HDL beim Cholesteroltransport ...................... 50!
24.4 Prinzip & Regulation der zellulären Aufnahme von LDL über LDL-Rezeptor .............. 51!
24.5 kausale Beteiligung von Lipoproteinen (v.a. LDL, HDL) an der Pathogenese der
Arteriosklerose .......................................................................................................................................................................... 52!
25 Ernährung .................................................................................................................................................................................... 52!
25.1 Ernährungsprotokolle............................................................................................................................................... 52!

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25.2 Realität vs. Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) .......... 52!
25.3 günstige Verteilung der Nahrungsfette anhand der Ernährungspyramide .................... 53!
25.4 physiologische Funktionen mehrfach ungesättigter Fettsäuren ............................................ 53!
26 Lipidanalytik im Serum & Praktikum „Lipide“................................................................................................ 53!
26.1 Einteilung von Lipidstoffwechselstörungen............................................................................................ 53!
26.2 Vor- & Nachteile der direkten & indirekten Verfahren zur LDL-
Cholesterinbestimmung ...................................................................................................................................................... 54!
26.3 Grundprinzipien der Phonometrie & Fluorimetrie in der automatisierten Lipid-
Analytik ........................................................................................................................................................................................... 54!
26.4 Normwerte von Cholesterol & Triacylglyzerolen im Blut ............................................................ 54!
26.5 Quantifizierung von Cholesterol im Blut mit der Teststreifenmethode ............................ 54!
26.6 Funktion von Gallensäure bei der enzymatischen Lipidhydrolyse im GI-Trakt ......... 55!
26.7 nass-chemische Bestimmung von Cholesterol mit Hilfe des Photometers ................. 55!
27 Adipositas.................................................................................................................................................................................... 55!
27.1 Therapieziele & -möglichkeiten für Patienten mit metabolischem Syndrom .............. 55!
27.2 Adipositas als grundlegende Ursache von chronischen Zivilisationskrankheiten .. 55!
27.3 metabolisches Syndrom ......................................................................................................................................... 56!

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Woche 1: „Nukleinsäuren“
1 Bausteine des Lebens
1.1 Stoffklassen der Biomoleküle & deren Funktionen

• Zellbestandteile: Wasser 70%, Proteine & Aminosäuren 16%, DNA & RNA & Nukleotide
8%, Kohlenhydrate 3%, Lipide 2%, anorganische Ionen 1%, Sonstige 0,4%

Aufbau Funktion
Nukleinsäure Einfachzucker, Phosphorsäureester, DNA/mRNA: Erbinformationsträger;
Nukleinbase; unverzweigte Ketten andere RNA-Formen zur Regulation,
Katalyse, usw.
Proteine 20 Standard-Aminosäuren in Katalyse (Enzyme), Strukturbildung,
unverzweigten Ketten verknüpft; Transport, Speicherung, Bewegung,
Immunabwehr, Signalübertragung,
Poren/Kanäle, Wachstumskontrolle
Kohlenhydrate Polysaccahride bestehen aus Mono- Monosaccharide: Energiequelle,
/Disaccahriden, die über glykosidische Ausgangsstoffe für Zellbausteine, Di-,
Bindungen verbunden sind. Oligo, & Polysaccharide)
Polysaccharide: Energiespeicher,
Strukturmaterial; Zusammen mit
Proteinen können sie Schutzfunktion,
Signal- & Erkennungssequenzen, und
spezielle Funktionen ausbilden
Lipide Heterogene Stoffklasse mit der Energiespeicher, Strukturelement,
gemeinsamen Eigenschaft, schlecht in Isolator, Signalmolekül, spezifische
Wasser löslich zu sein (hydrophob); meist Funktionen
aus einfachen Bausteinen
zusammengesetzt

1.2 Funktion von Biopolymeren aufgrund der beteiligten Bausteine

• Def. Biopolymer: verzweigte oder aus Ketten bestehende chemische Verbindung, die
aus sich wiederholenden Untereinheiten besteht
• Aminosäuresequenz bewirkt bestimmte räuml. Faltung (aufgrund von H-Brücken,
intramolekularen Wechselwirkungen etc.) -> hohe strukturelle Vielfalt; Faltung/Struktur
bewirkt unterschiedliche Funktion
• Seitenketten von eigentlich „Wendeltreppen-artigem“ Rückgrat der Proteine sorgen für
chem. Eigenschaften (s. Abb)
• Beweglichkeit der Moleküle (aufgrund ihrer winzigen Größe) ist wichtig für ihre
Funktionalität
• Monomere (=Bausteine) werden unter Energieaufwand und Wasserabspaltung
(Kondensation) zu Biopolymeren zusammengesetzt; die Gegenreaktion ist der freiwillige
Abbau durch Hydrolyse

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2 Struktur & Funktion von Nukleotide und DNA


2.1 Bausteine der Nukleinsäuren und deren Verknüpfungen
Nukleotid
• Nukleotide:
s. Abb; Nukleobase unter Wasserabspaltung (Kondensation)
über N-glykosidische Bindung an 1’ Position von Ribose
gebunden; Phosphat über Phosphatsäureesterbindung an 5’
Position der Ribose gebunden
• DNA – 2-Desoxyribose; RNA – D-Ribose
WICHTIG: bei Desoxyribose fehlt nur ein O (!)
• Nukleinsäure ist ein Biopolymer aus mehreren
Nukleotiden (=Polynukleotid)
• Nukleotide ebenfalls in energiereichen
Verbindungen (ATP, Acetyl-CoA), als Coenzyme &
Signalmoleküle (cAMP)
• Phosphorsäurediesterbindung (s. 2.6) verknüpft über Phosphat
Nukleosid
5’ mit 3’ C-Atom der Nukleotide

Nomenklatur:
Nukleobase Nukleosid
Purinbasen A - Adenin Adenosin
G - Guanin Guanosin
Pyrim idinbasen C - Cytosin Cytidin
U - Uracil Uridin
T - Thymin Thymidin
• In Verbindung mit 2-Desoxyribose => Desoxyadenosin, Desoxyguanosin,...
• Gesamtes Nukleotid: Desoxyadenosin-monophosphat)

2.2 chemische Struktur von Purin- & Pyrimidinbasen

• Pyrimidinbasen:
Einfachring; Heterocyclen, da
neben C und H noch andere
Elemente vorhanden sind
• Purinbasen:
Doppelringring; Heterocyclen
• In tRNA kommen noch
weitere modifizierte Basen vor

2.3 H-Brücken & Basenpaarung als Grundlagen der räuml. DNA-Doppelhelix

• Watson-Crick-Basenpaarung, in der immer Purin- mit


Pyrimidinbase verknüpft ist (2 H-Brücken A – T; 3 H-Brücken
G – C); dadurch werden komplementäre Basen in den
antiparallel verlaufenden Strängen gegenüber geordnet
=> H-Brücken bringen jedoch wenig Stabilität
• Umgebende Lösung: Wechselwirkung mit Wasser (Hydrathülle)
• Stapelwechselwirkung: Wechselwirkungen der !- Elektronen der
planaren, übereinander gestapelten Basen („!- stacking“); G-C-
reche Abschnitte sind stabiler als A-T-reiche Abschnitte
=> Strangtrennung durch unterschiedliche Schmelzverhalten ermöglicht

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• Meist liegt die DNA als B-Helix vor


- antiparallel verlaufende Stränge in rechtsgängiger Helix
(eine Windung ca. 10,5 Basenpaare)
- dadurch, dass die komplementären Basen der beiden
Stränge nicht im 180° Winkel zueinander stehen (s. Abb),
entstehen große und kleine Furchen, welche die DANN-
Sequenz durch Proteine auch von außen erkennbar machen
• Konformation der DNA durch Sequenz-induzierte Beugung (z.B.
Serie von A-T-Paaren bildet Krümmung) und Protein-induzierte Beugung
(Proteininteraktion bewirkt Konformationsänderung)

2.4 Basensequenz als Schlüssel zur Aminosäurenkodierung

DNA --------------------> RNA --------------------> Protein/Aminosäurenreihenfolge


Transkription Translation

• Genetischer Code:
Sequenz von drei aufeinander folgenden Nukleotiden („Basentriplett“) die eine bestimmte Aminosäuren
- universal: gilt für fast alle Lebewesen
- degeneriert: es gibt mehrere Basentripletts für jede Aminosäure
- konservativ: oftmals codieren die ersten beiden Basen bereits für die korrekte AS
- kommafrei & nicht überlappend: Tripletts reihen sich genau aneinander
• mRNA sozusagen Spiegelschrift der Codons der DNA -> Anticodon der tRNA entspricht
demnach wieder dem ursprünglichen Codon auf der DNA

2.5 strukturelle Unterschiede von DNA & RNA

DNA RNA
Nukleobasen Adenin, Guanin, Cytosin, Thymin Adenin Guanin, Cytosin, Uracil;
modifizierte Basen
=> strukturelle Diversität
Zucker 2-Desoxyribose D-Ribose
Basenpaarung Watson-Crick-Basenpaarung Neben der W-C-Basenpaarung auch
noch andere Paarungen
=> strukturelle Diversität
Struktur Doppelhelix, die in dieser Stabilität Meist nur als Einzelstrang
nur durch Desoxyribose vorliegen
kann
Funktion Speicherung der Erbinformation Funktionelle Vielfalt (durch
strukturelle Vielfalt):
- mRNA: Informationsträger
- rRNA: Strukturkomponente,
katalytische Aktivität
- tRNA: Adapter
- weitere Formen: Regulation,
Struktur, Katalyse

• Def. Genom (Erbgut):


- Gesamtmenge der DNA einer Zelle, die die vollständige
genetische Information des
Organismus enthält
- praktisch in jeder Zelle vorhanden
- menschliches Genom ca. 3 Mill. Basenpaare
- humanes Genom:
=> 2% der DNA wird in Proteine umgesetzt

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• Def. Gen:
- DNA-Abschnitt, der für die Synthese eines Proteins/verschiedener Proteinvarianten (Spleißen), einer rRNA
oder einer tRNA erforderlich ist
- menschliches Genom ca. 30000 Gene
• Transposon: „Springendes Gen“; codieren Enzyme zur Transposition (z.B. zur Unterbrechung anderer
Gene); DNA: cut +paste; RNA: copy + paste
• Pseudogene: Aufbau wie normale DNA, jedoch wird kein funktionales Protein mehr codiert

2.6 Phosphorsäureanhydrid- vs. Phosphorsäureesterbindung in Nucleotiden

• Phosphorsäureanhydridbindung:
Phosphorsäure + Phosphorsäure -> Phosphorsäureanhydrid + H O 2

- sehr energiereiche Verbindung; vgl. ATP


• Phosphorsäureesterbindung:
Phosphorsäure + Alkohol -> Phosphorsäureester + H O 2

vgl. Nukleotide
• Phosphorsäurediesterbindung:
Phosphat ist über zwei einfachgebundene, einfach negative O-Atome mit zwei Molekülen verestert (vgl.
Nukleinsäure)

2.7 energiereiche Verbindungen am Bsp. Adenosintriphosphat (ATP)

• Die beiden Phosphorsäureanhydridbindung des ATP sind


sehr energiereich, da die Phosphatreste trotz sich
abstoßender negativer Ladungen zusammengehalten
werden
• ATP verfügt über ein hohes Gruppenübertragungspotential
(d.h. hohe Fähigkeit chemische Energie in Bindung zu speichern)
• Verbindung, deren Hydrolyse mit ΔG0’ < 25kJ/mol verbunden ist

2.8 Funktion von ATP und cyclischem AMP (cAMP)

• ATP bildet die „Energiewährung“ des Organismus (vgl. 2.7); energetische Kopplung
macht die Energieübertragung vom Speichermedium dorthin, wo sie benötigt wird,
möglich
• cAMP dient als second messenger innerhalb von Zellen; empfängt ein Rezeptor in der
Zellmembran ein Signal durch einen first messenger (bspw. ein Hormon), wird das
Signal innerhalb der Zelle über cAMP weitergeleitet (z.B. als allosterischer Effektor eines
Enzyms)

3 Schädigungen der DNA


3.1 Definitionen

• Def. Primäre Karzinogene:


krebserzeugend ohne metabolische Aktivierung
können beide als Initiator wirken (vgl. 3.4)
• Def. Sekundäre Karzinogene/Prokarzinogene:
krebserzeugend erst durch Biotransformation
• Def. Kokarzinogene:
direkte Erhöhung karzinogener Effekte, durch Förderung der metabolischen Aktivierung
der Prokarzinogene (=Karzinogenaktivierung/metabolische Aktivierung)
• Def. Promotoren:
indirekte Erhöhung karzinogener Effekte durch Proliferationsreiz (Zellteilung); greifen DNA
nicht an

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• Def. Genotoxizität:
Bezeichnung für die Schädigung des Erbguts, also für erbgutverändernde,
krebserzeugende Wirkungen eines Stoffes

3.2 Formen DNA-schädigender Einflüsse

• induziert (exogene/äußere Faktoren):


(1) chemische Karzinogene (durch chemische Substanzen):
Bsp. Benzopyren: enzymatisch aktiviertes Prokarzinogen wird nicht (wie gewöhnlich) für die Ausscheidung hydrolysiert,
sondern bindet kovalent an Guanin. Folglich lagert sich der planare Komplex in die DNA-Helix und es kommt zur Struktur
& Konformitätsänderung der DNA
Bsp. Nitrosamine: Alkylierung (=Übertragung eines angehängten Alkyls auf ein anderes Molekül) der Basen möglich
=> andere Basenpaarung: G-C wird zu methylG-T

(2) physikalische Karzinogene (durch Strahlen):


Bsp. UV-Licht: DNA & RNA absorbieren UV-Licht (260 nm) und es kommt zur
Anregung der !-Elektronen der Nukleobasen, wodurch sich zwei benachbarte
Thyminbasen verbinden -> Dimerisierung
=> DNA-Funktionalität gestört; Reparaturenzyme können den Fehler beheben

(3) biologische Karzinogene (durch Viren):


Bsp: HPV:
1. Virale DNA gelangt ins Wirtsgenom
2. Onkogene werden permanent gebildet
3. eines der Onkogene bindet an p53 und inaktiviert dieses
• spontan (endogene/innere Faktoren):
spontane Schädigung durch Hydrolyse, Oxidation oder andere Basenmodifikation
(ca. 20000 Veränderungen pro Zelle pro Tag)
• (Absichtliche DNA-Schädigung bspw. durch Chemotherapie)
Bsp. Cisplatin: Medikament ist Chelatkomplex und kann 2x Cl- als Ligand ablösen und danach Stickstoffatome der Nukleobasen koordinativ binden, wodurch
zwei Basen verknüpft werden

3.3 Mechanismen der DNA-Schädigung

• Hydrolyse-Reaktion/Hydrolyse von Nukleobasen:


durch hydrolytische Desaminierung wird aus Cytosin Uracil;
In der DNA ist kein Uracil enthalten – Thymin besitzt zur Erkennung eine zusätzliche Methylgruppe; das „falsch
entstandene“ Uracil kann ausgetauscht werden. In RNA ist Uracil enthalten, weshalb „falsch entstandenes“ Uracil nicht
erkannt wird.
=> andere Basenpaarung: C-G wird zu U-A
• Modifikation der Basen:
Alkylierung, Dimerisierung (vgl. 3.2)
Oxidation der Nukleobasen durch H2O2 oder Radikale
=> andere Basenpaarung: G-C wird zu oxoG-C/oxoG-A
• Interkalation:
teilweise planares Molekül mit delokalisierten !!-Elektronen lagert sich zwischen die
Nukleobasen, wodurch es bei der Replikation zu einer Rastermutation kommt

3.4 molekulare & zelluläre Folgen der DNA-Schädigung

• Numerische Chromosomenaberration: einzelne Chromosomen liegen zu oft/nicht vor;


Chromosomensatz ist verdoppelt
• Strukturelle Chromosomenaberration: Deletion, Duplikation, Inversion, Translokation, Punktmutation
• Folgeschäden können sein...
- metabolische Veränderungen
- Onkogenaktivierung (Gen aktiviert, welches ein krebsförderndes Protein codiert)
- Tumorsupressorgeninaktivierung (Gen inaktiviert, welches ein Protein zur Tumorsupression codiert)
- Immortalisierung (Unsterblichkeit der Zellen, wodurch sie sich immer weiter vermehren können)

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3.5 Mehrstufenkonzept der Kanzerogenese/Mehrschritt-Karzinogenese

1. Exposition/Genotoxischer Stress
- chemische, physikalische, biologische Karzinogene
- Initiator: Substanz, die eine irreversible Schädigung auslösen kann; viele Initiatoren sind
auch Promotoren
2. Tumorinitiation
- irreversible DNA-Schädigung; bis zur Onkogenaktivierung ist Reparatur/Apoptose
möglich; Enyzm p53 = „Wächter des Genoms“, Tumorsupressorgen
3. Tumorpromotion
- alle krebsfördernden Vorgänge und Einflüsse, die die Proliferation (Zellteilung)
beschleunigen; langfristige Exposition mit Initiator reicht auch
- Promotor: s. 3.1; reversible Aktionen; bestimmter Dosisschwellenwert notwendig;
erhöht die Proliferation
4. Tumorprogression
- Verlust weiterer Wachstumskontrollen; Primärtumor erst bösartig, wenn er
Nachbarzellen „angreift“ & Metastasierung

4 Zellzyklus, Vererbung, Chromosomen


4.1 Phasen des Zellzyklus

• Mitose-Phase:
Zellkern wird in zwei Tochterzellkerne mit identischem diploiden Ein-
Chromatid-Chromosomensatz geteilt; Organellen & Plasma teilt sich
ebenfalls auf (= Zytokinese)
• G1-Phase (mind. 9-12h):
Zellwachstum; Entscheidung zwischen Zellteilung & G - 0

Phase/Differenzierung (-> keine weitere Zellteilung, Zelle soll sich


differenzieren)
• Synthese-Phase (7-10h):
DNA-Replikation; aus diploidem Ein-Chromatid-Chromosomensatz
wird diploider Zwei-Chromatid-Chromosomensatz
• G2-Phase (ca. 4h):
Wachstum, Kontrolle & Korrektur der DNA

=> G1 + S + G2 = Interphase

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4.2 Mitose

• Prophase:
Chromosomen werden komprimiert & mikroskopisch
sichtbar
• Prometaphase:
Kernhülle beginnt sich aufzulösen; Chromosomen
wandern Richtung Äquatorialebene
• Metaphase:
Chromosomen liegen in kompaktester Form in der
Äquatorialebene (=Metaphaseplatte)
• Anaphase:
Zentromere teilen sich & jedes Chromatid eines
Chromosoms wird zu einem der Pole gezogen
• Telophase:
an den Zellpolen liegt nun je ein Ein-Chromatid-
Chromosomensatz vor; die Kernmembranen bilden
sich aus; auf der ursprünglichen Äquatorialebene
entsteht eine Zellmembran, die die Zelle in zwei Zellen
spaltet

4.3 Meiose

• Ziel der Meiose sind Zellen mit haploidem Ein-Chromatid-Chromosomensatz; erst


Reduktionsteilung, dann Mitose
• Interchromosomale Rekombination:
In der Metaphase I lagern sich homologe Chromosomen zusammen und werden in der Anaphase zu den
Polen gezogen; hierfür gibt es bei 23 Chromosomenpaaren 2 mögliche Verteilungen
23

• Intrachromosomale Rekombination:
durch Crossing-over in der Metaphase I, also die Chiasmabildung/Überlagerung von homologen
Abschnitten kommt es zu einer weiteren Erhöhung der genetischen Variabilität (! störungsanfällig)
• Bei der Bildung weiblicher Gameten entstehen nicht wie beim männlichen Individuum 4
Keimzellen, sondern nur eine Eizelle. Die anderen drei sog. Polkörperchen sterben ab.
Das liegt daran, dass die Eizelle mehr Energie und Zytoplasma benötigt, als ein
einzelnes Spermium im Vergleich

4.4 Grundzüge der DNA-Replikation

• Findet in der S-Phase statt; ist semikonservativ (=neue Doppelstränge enthalten je einen
ursprünglichen und einen neuen DNA-Strang)

(1) Topoisomerase verhindert Verdrillung der Helix


(2) Helicase entwindet die Helix & öffnet die Replikationsgabel, welche von bindenden Proteinen
offen gehalten wird
(3) DNA-Polymerasen lagern sich an durch DNA-Primasen durch Primer markierte Stellen an
(4) DNA-Polymerase ∝ liest Leitstrang in 3’-5’-Richtung & synthetisiert komplementären neuen
Strang in 5’-3’-Richtung
(5) DNA-Polymerase ! liest Folgestrang in 3’-5’-Richtung & synthetisiert komplementären neuen
Strang in 5’-3’-Richtung

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(6) Folgestrang kann demnach nur Abschnittweise (Okazaki-Fragmente) synthetisiert werden


(7) Ligase verbindet die einzelnen Okazaki-Fragmente

4.5 Struktur eines Chromosoms

• Zentromer: hält Chromatiden zusammen


• Telomere: Enden der DNA/Chromosomen aus nicht
codierenden, sich wiederholenden Abschnitten;
Genomstabilität; „verhindern ewiges älter werden“

4.6 Stammbaumdiagnostik/Vererbungsmodi

• Konsanguinität (Blutsverwandtschaft) durch


Doppelstrich
• autosomal rezessiver, autosomal-dominanter, X-
chromosomal (gonosomal) rezessiver, X-chromosomal
dominanter Vererbungsmodus
-> Gründe für Erkrankung einer Tochter bei gonosomal-rezessivem
Erbgang:
(1) Neumutation, (2) Vater erkrankt, Mutter Konduktorin, (3) Turner-
Syndrom (=nur ein X-Chromosom)
• Mendelsche Regeln:
(1) Uniformitätsregel: Nachkommen homozygoter
Individuen sind geno- & phänotypisch gleich (uniform);
P-> F1
(2) Spaltungsregel: Kreuzt man die F1 (Heterozygoten),
so kommt statistisch die phänotypische Aufteilung 3:1
zustande; bei kodominanten/intermediären Erbgängen
1:2:1
(3) Neukombinationsregel: Kreuzt man für zwei
Merkmale unterschiedlich homozygote Individuen (P)
und danach deren Nachfahren (F1), so können beide
Merkmale unabhängig von einander vererbt
werden/neue Kombinationen in F2 auftreten.
Ratio: 9:3:3:1
• Kodominante Vererbung: im Heterozygoten prägen
sich zwei Allele phänotypisch gleich
stark/nebeneinander aus
• Intermediäre Vererbung: es kommt zu einer Mischform der beiden Merkmalsarten
• Pseudodominanz: autosomal-rezessiver Erbgang, bei dem (oftmals bei Konsanguinität)
Merkmal in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auftritt (-> wirkt dominant)
• genetische Heterogenität: Sachverhalt, dass Mutationen unterschiedlicher Loci zu
ähnlichen/gleichen Phänotypen führen können

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• reduzierte Penetranz: Anteil der betroffenen Mutationsträger ist nicht gleich der
Gesamtheit der Mutationsträger
• variable Expressivität: unterschiedlicher Schweregrad der phänotypischen Ausprägung
eines Merkmals

5 Historische & ethische Aspekte der Genetik


5.1 Definitionen & Gendiagnostik-Gesetz (Zweck, Anwendungsbereiche, etc)

• Def. Genetik: Lehre von der Abstammung


• Def. Eugenik: Lehre von der guten Abstammung; qualitative Bevölkerungspolitik mit
dem Ziel den Genpool der Gesellschaft zu verbessern; medizinische Deutung von
sozialen Problemen, sowie soziale Ungleichheit und Angst nach dem WWI alle „guten“
Gene verloren zu haben
• Sozialdarwinismus: Übertragung von Darwinismus (Evolutionslehre) auf menschliche
Gesellschaft
• Zweck des Gendiagnostik-Gesetzes
- Voraussetzungen für genetische Untersuchungen, die anzuwendenden Analysen und
die Verwendung der genetischen Proben & Daten regeln
- Einhaltung staatlicher Aufgaben zum Schutz des Rechts auf informationelle
Selbstbestimmung & Schutz der Menschenwürde durch Verhinderung einer
Benachteiligung aufgrund genetischer Eigenschaften

• Anwendungsbereiche des Gendiagnostik-Gesetzes


- genetische Untersuchungen/Analysen bei geborenen Menschen, Embryonen & Feten
zu med. Zwecken, zur Klärung der Abstammung und im Versicherungsbereich und
Arbeitsleben
- KEINE ANWENDUNG für Forschungszwecke, Strafverfahren, im Rahmen des
Infektionsschutzgesetzes, Analyse erworbener genetischer Veränderungen (z.B. Krebs)

• Weiteres
- nur durch Arzt (bei begründetem Verdacht) bzw. Facharzt für Humangenetik (bei
Schwangerschaft & zukünftigen Krankheiten) nach nicht-direktivem Aufklärung &
schriftlicher Einwilligung durchzuführen
- Proben müssen nach Diagnostik vernichtet werden
- nur bestimmte Verfahren zur pränatalen Diagnostik nach heutigem Wissenstand dürfen
durchgeführt werden; keine Verfahren zu Krankheiten, die erst nach dem 18. Lebensjahr
ausbrechen

• Ethikkommission, Gesetze zur Regulation der Eingriffe & Ärztl. Leitlinien sind wichtige
Komponenten der genetischen Diagnostik

5.2 Grenzen der genetischen Diagnostik

• Untersuchungen nur für bestimmte Mutationen möglich; um am häufigsten auftretenden


Erbkrankheiten zu erkennen
• Oftmals noch nicht komplett erforschte polygene Krankheiten
• Epigenetischer Einfluss kann nicht vorhergesehen werden/ist nicht ausreichend
erforscht

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5.3 Entwicklungsschritte der Genetik (Zeitleiste)

1859: Charles Darwins Evolutionstheorie „On the Origin of Species“


1866: Gregor Mendel präsentiert in „Versuche über Pflanzenhybride“ die Mendelschen Gesetze
1900: Wiederentdeckung der Mendelschen Regeln
1909: Begriff Gen wird eingeführt
1911-1919: Hunt et al. bestätigen die Chromosomentheorie m. H. von Drosophila
1920er-1930er: Einrichtung von Lehrstühlen zur Eugenik; Zwangsterilisationsgesetze nicht nur in
Deutschland; nationalsozialistische Rassenhygiene
1940er: Entwicklung der Ein-Gen-ein-Enzym-Hypothese (heute Ein-Gen-Ein-Polypeptid)
1944: Avery et al. finden heraus, dass die DNA Träger der Erbsubstanz ist
1953: Doppelhelixstuktur der DNA durch Watson & Crick
1956: Tjio & Levan entdecken, dass die menschliche Zelle 46 Chromosomen hat
1983: „Neuentdeckung“ der PCR
2003: Sequenzierung der menschlichen DANN im Rahmen des Humangenomprojekts

6 Viren
6.1 Strukturbestandteile & morphologische und genetische Klassifikationskriterien

• Def.: (lat. das Gift) obligate intrazelluläre Parasiten bestehend aus Nukleinsäure, Proteinen
(teilweise mit Lipidhülle) und haben keinen eigenen Stoffwechsel

• Klassifikation:
(1) Wirtspezifität: a) Befall von Bakterien (Bakteriophagen), b) Algen-/Pilzbefall, c)
Pflanzenbefall, d) Tier-/Menschenbefall
(2) Genom:
a) DNA-Genom: Einzel- oder Doppelstrang (ds), linear oder zirkulär, Einzelstrang (ss) positive oder negative
Polarität
b) RNA-Genom: Einzel- oder Doppelstrang, kontinuierlich oder segmentär, Einzelstrang positive oder negative
Polarität
(3) Capsidstruktur: aus virus-codierten Proteinen; Ikosaeder (Rotationssymmetrie) oder
helikale Symmetrie
(4) Membranhülle (fakultativ): Membran der Wirtszelle, die beim Ausschleusen
‚mitgenommen’ wurde; eingelagerte Proteine sind virus-codiert; dient zum Schutz
vor Immunabwehr

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6.2 Möglichkeiten & Grenzen der Sichtbarmachung von Viren

• Lichtmikroskopie:
Viren sind für die klassische Lichtmikroskopie zu klein (nur 18-450 nm)
• Elektronenmikroskopie: durch die kürzere Wellenlänge & daraus resultierender Auflösung
sind Viren sichtbar
• Röntgenstrahlung/NMR: s. 11.2

6.3 virusspezifische Genomreplikation

(1) negative ss-DNA & positive ss-RNA enthalten Basenfolge in 5’-3’-Richtung der späteren mRNA
(2) bei positiver ss-DNA & negativre ss-RNA ist die Basenfolge komplementär zur späteren mRNA
=> positiv ≙ sense, negativ ≙!antisense
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• DNA-abhängige Variante:
- virale ds-DNA wird über Wirts-DNA-Polymerasen repliziert & bei neg. Polarität durch
Wirts-RNA-Polymerase, bei pos. Polarität durch Virus-RNA-Polymerase exprimiert
- virale negative ss-DNA wird durch Wirts-DNA-Polymerasen zu Doppelstrang
vervollständigt und „normal“ repliziert/exprimiert
• RNA-abhängige Variante:
- virale positive, ss-RNA codiert u.a. für RNA-Polymerase, welche negativen
Matrizenstrang zur weiteren Synthese positiver RNA synthetisiert. Positive ss-RNA
entspricht der mRNA, welche direkt am Ribosom translatiert werden kann
- bei viraler negativer, ss-RNA bildet eine mitgeführte RNA-Polymerase einen RNA-
Doppelstrang, welcher zur Replikation & Proteinsynthese dient
• reverse Transkriptase ermöglicht ss-RNA in RNA/DNA-Hybridstrang und dann in
ds-DNA umzuwandeln; sie ist ein vom Virus mitgeführtes Enzym

7 Trisomie 21 (Morbus Down – nach John Langdon-Down)


7.1 phänotypische Stigmata

1. Kraniofaziale Stigmata
• Mongoloide Lidachsen: „schiefstehende“ Augen; Lidachse „von lateral-kranial nach medial-kaudal“
• Protrusion der Zunge: Vortreten/Rausstehen der Zunge
• Epikanthus medialis: Hautfalte an der Augeninnenseite
• Brushfield-Flecken: kreisförmig angeordnete, weiße-graue Flecken im Außenbereich der Iris
2. Sonstige Stigmata
• Vierfingerfurche: senkrecht zu den Fingern liegende, palmare Beugefalte
• Sandalenlücke: Vergrößerter Abstand zw. erster & zweiter Zehe
• Muskelhypotonie: verminderter Muskeltonus
• Trinkschwäche: oftmals Saugschwäche aufgrund des verminderten Muskeltonus
3. Organmanifestation (meist operativ korrigierbar)
• Herzfehler: 40%; v.a. Atriumseptumdefekt und/oder Atrio-ventrikulärer Septumdefekt
• Duodenalatresie: 12%; Verschluss oder nicht-Anlage im Duodenum
• Mentale Retardierung/Psychomotorische Entwicklungsstörung: „Meilensteine“ (Krabbeln,
Laufen, Reden) werden später erreicht; aber schnelleres Altern (s. auch Demenz) bspw.
Hörbeeinträchtigung, Katarakt (Linsentrübung), Depressionen
• Morbus Hirschsprung: 8%; Fehlen von Nervenzellen im Enddarm -> Engstellung & Obstipation
4. Häufige Zusatzerkrankungen/-symptome
• Diabetes Typ I, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Hypothyreose, Epilepsie, Infekte, Leukämie, Alzheimer-
Demenz
• Sinn für Harmonie (sowohl in Gruppe als auch musikalisch), spontane Fröhlichkeit

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7.2 Möglichkeiten & Bedeutung der Pränataldiagnostik

• Ultraschall: (Pränataldiagnostik ab 11. SSW) zwei „Blasen“ sichtbar; mit Fruchtwasser gefüllter Magen +
Duodenalatresie; Nackenfaltentransparenz = Nackenödem -> begründeter Verdacht, daher Empfehlung
zur Amniocentese
• Amniocentese: Fruchtwasseruntersuchung (Infektionsrisiko, da Punktion der Fruchtblase) zur
Chromosomenanalyse
• Chorionzottenbiopsie: Biopsie der Chorionzotten (extrafetales Gewebe, welches genetisch identisch
mit dem Gewebe des Fötus ist) -> Chromosomenanalyse
• Triple-Test: Untersuchung des mütterlichen Bluts auf bestimmte Eiweiße lässt Aussage über bestimmte
Krankheiten des Embryos zu (vor 10. SSW möglich)

7.3 Formen der Trisomie 21 und deren molekulargenetische Entstehung

• Hauptrisikofaktor ist das Alter der Mutter (mit 40 J. 10 mal höher als mit 20 J.;
exponentiell steigend)
• Männer öfter betroffen als Frauen; Häufigkeit 1:700
• Monosomie embryonal letal, Trisomie 13 & 18 verstirbt 90% im 1. Lebensjahr, Trisomie 21 lebensfähig

Freie Trisomie:
• drei freie Chromosomen #21 (94% der Fälle)
• Entstehung durch Non-Disjunction in Meiose -> alle Körperzellen betroffen

Translokationstrisomie:
• normales Chromosom #21-Paar, wobei ein zusätzliches Stück an einem anderen
Chromosom angehängt ist; dieses Stück liegt demnach insgesamt 3 Mal vor (ca. 4%
der Fälle)
• hohes Wiederholungsrisiko (!), genetische Untersuchung der Eltern notwendig

Mosaik-Trisomie 21:
• durch Non-Disjunction in früher Mitose entstehen parallel zu normalen Zellen, Zellen mit
Trisomie 21; Entstehung eines Mosaiks, wobei die Ausprägung der Merkmale von der
Zahl der disomen Zellen abhängig ist (1-2% der Fälle)

8 DNA-Präparation – Praktikum: „Genetischer Fingerabdruck“


8.1 Grundprinzipien der Präparation genomischer DNA

• Ziel: gezielte Isolation & Aufbereitung von DNA aus Körperzellen


• Zerstörung der Kernhülle & Denaturierung: Detergenz-haltige Pufferlösung zerstört die
Kernhülle; Proteine und genomische DNA werden durch Erhitzen denaturiert

8.2 Durchführungsschritte einer PCR (Polymerase Chain Reaction)

• benötigtes Material: Matrizen-DNA, welche den zu vervielfältigenden Abschnitt enthält; je


ein Primer (Basenpaare müssen bekannt sein) für 3’ bzw. 5’ Ende des Genlokus (jedoch je ein Primer pro DNA-
Strang) – Wichtig: lang genug, damit sie nur an diesen Genlokus binden; nicht zu lang, damit die annealing-Temp. Unterhalb der
Arbeitstemperatur der Polymerase liegt;
thermostabile DNA-Polymerase (bspw. Taq); ausreichend
Desoxy-Nucleotidtriphosphate (dNTPs) als Bausteine für neu entstehende Stränge;
Puffer zum sicherstellen des pH-Optimums der DNA-Polymerase

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1. Melting:
ca. 94°C -> Trennen/Denaturieren der komplementären DNA-Stränge und Primer (H-
Brücken zw. den Nukleotidbasen werden gelöst)
2. Annealing:
Primer-spezifische Temperatur (meist 5°C unterhalb des Temp.-Optimums der Polymerase), sodass sich
Primer an zu amplifizierende Sequenz binden
3. Elongation:
ca. 72°C -> DNA-Polymerase synthetisiert die kompletten Doppelstränge vom 3’-OH-
Ende der Primer an
• im ersten Zyklus „schießt“ die Polymerase noch weit über das eiogentliche Ende der Sequenz hinaus
(Ende wird durch die Zeit bestimmt, in der die Temperatur konstant ist); ab dem 2. Zyklus, in dem die
entstandenen Stränge in die andere Richtung amplifiziert werden, bilden sind nur noch gleichlange,
genau die Sequenz enthaltende Doppelstränge
• Vermehrung = 2 (n = Anzahl der Zyklen)
n

8.3 interindividuelle Variabilität des humanen Genoms & deren biologische Bedeutung
(Beispiel: D1S80 Genlokus)

• Hoch repetetive Sequenzen, deren Anzahl an Wiederholungen zwischen den Individuen


variiert (10 bis 107 Wdh. – => Polymorphismus: Auftreten mehrerer Genvarianten/Allele),
liegen meist im Bereich des Zentromers oder der Telomere

D1S80 Genlokus:
• Polymorpher VNTR auf Chromosom 1 mit einer 16 Nukleotide langen Coresequenz
• 29 Allele (14-42 Wiederholungen), wobei Allel 1 und Allel 7 bei Europäern die häufigsten
sind
• 80 % sind Heterozygot für diesen Genlokus
• Zero-Repeat-Einheit (142bp) welche vor und nach dem Lokus liegt, dient zum Ansatz
von Primern
• Mutationen einzelner Basenpaare innerhalb der Repeats stören den
Längenpolymorphismus nicht

Mutationen & Rekombination erhalten die Diversität des Genpools, indem Vor- der Nachteile für
die Individuen entstehen; diese evolutive Wirkung ist von großer biologischer Bedeutung

Woche 2: „Proteine“
9 Aminosäuren & Proteine als funktionelle Einheit
9.1 Aufbau/Struktur & gemeinsame Eigenschaften der Aminosäuren

• alle proteinogene Aminosäuren sind !-Aminosäuren, da Aminogruppe


am 1. C-Atom nach der Carbonsäure hängt; AS unterscheiden sich in
ihren Seitenketten (Konstitutions-/Strukturisomerie); ca. 100000
verschiedene Proteine im Menschen
• Dipeptid: 2 AS, Tripeptid: 3 AS, Oligopeptid: 2-9 AS, Polypeptid: 10-100 AS, Protein: > 100 AS
• AS sind Ampholyte, da Carbonsäure als Säure und
Aminogruppe als Base reagiert; in neutrale,
wässriger Lösung liegen AS als Zwitterion vor
• pKs-Wert: (1) Je kleiner, desto stärker die Säure; (2)
ist der pH-Wert der Lösung gleich dem pKs-Wert,
so liegt die Hälfte der Säure dissoziiert vor; (3) für
Basen wird der pKs-Wert der konjugierten Säure
angegeben (Je größer dieser pK -Wert, desto stärker die konjugierte Base)
s

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• Isoelektrischer Punkt (pI-Wert) entspricht dem pH-Wert, bei dem die Konzentration der
neutralen Form (Zwitterion) maximal ist (arithmetisches Mittel der beiden pKs-Werte)
• !-Aminosäuren sind chiral und liegen in der L-Form vor (Ausnahme: Glycin ist nicht
chiral); !-C-Atom ist Chiralitätszentrum, da asymmetrisches C-Atom

9.2 Funktionen & grundlegende chemische Reaktionen von proteinogenen AS

Funktionen:
• Bausteine der Aminosäuren
• Energiequelle
• spezielle Funktionen: Transporter von NH2-Gruppen, Neurotransmitter, Hormone,
Synthesevorstufen (bspw. Nukleotide, Biogene Amine), Stickstoffstoffwechsel

Grundlegende chemische Reaktionen:


• Kondensationsreaktion als Peptidbindung zur Verknüpfung zweier Aminosäuren (s. 9.4)
- unter Wasserabspaltung wird die Carboxylgruppe mit der Aminogruppe verknüpft
• Transaminierung als reversible Übertragung einer ∝-Aminogruppe, wodurch ∝-
Ketosäure entsteht (Enzym: Transaminase mit Cofaktor PALP)

• Decarboxylierung (CO2-Abspaltung) zur Bildung biogener Amine

9.3 Strukturhierarchie der Proteine

• Primärstruktur:
Sequenz/Reihenfolge einzelner Aminosäuren (AS) in Polypeptidketten; AS werden vom N-Terminus (Ende
mit freier Aminogruppe NH2) zum C-Terminus (Ende mit freier Carboxylgruppe COOH) synthetisiert und sind über
Peptidbindungen miteinander verknüpft
• Sekundärstruktur:
Anordnung der AS-Kette in rechtsgängiger !-Helix oder !-
Faltblatt, wobei diese Strukturen durch undefinierte
Bereiche verbunden sind (dies sind oftmals „induzierte“/„besondere“
Bereiche, welche sich erst
bei Signalen vollständig ausbilden)
! -Helix: H-Bindungen zwischen CO-Gruppe und NH-
Gruppe, der AS, die in linearer Sequenz 4 AS weiter vorne
liegt; pro Windung 3,6 AS-Reste
!-Faltblatt: paralleles & antiparalleles !-Faltblatt möglich,
wobei benachbarte Stränge durch H-Brücken
untereinander stabilisiert werden
• Tertiärstruktur:
- Anordnung von Elementen der Sekundärstruktur, wobei AS-Reste, welche in linearer Sequenz weit
voneinander entfernt liegen, Bindungen untereinander ausbauen;
- Wichtige Bindungstypen (vgl. 11.4) der Tertiärstruktur: H-Brücken, hydrophobe Wechselwirkungen/Van-der-
Waals-Kräfte, Ionenbindungen, Disulfidbrücken (Intrakettung) zw. Schwefelatomen der Cysteinylreste (unter
Wasserabspaltung entstehen diese, die Tertiärstruktur stabilisierenden Bindungen; Redoxreaktion)
- „Tim-Barrel“ bezeichnet eine Tertiärstruktur, in der innen !-Faltblätter und außen !-Helices liegen
- bestimmte strukturelle Bereiche, die eine eigene funktionelle/semi-funktionelle Untereinheit bilden,
werden Domäne/Module genannt
• Quartärstruktur:
räumliche & funktionelle Anordnung von Untereinheiten der Tertiärstruktur zu einem polymeren
Molekülkomplex; v.a. hydrophobe Wechselwirkungen und Tertiärstruktur-bildende Dindungen sorgen für
Stabilität; Interkettung im Sinne von Disulfidbrücke zwischen zwei Untereinheiten
-> Quartärstruktur ist Komplex aus nicht-kovalent verbundenen Peptidketten

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9.4 Peptidbindungen/Amide (Eigenschaften, Entstehung, Spaltung) & Carbonsäure und


Amine

• unter Wasserabspaltung wird die Carboxylgruppe mit der Aminogruppe verknüpft


• kovalente Bindung zw. einzelnen Aminosäuren (endergon; die Spaltung durch Hydrolyse wird
enzymatisch beschleunigt)
• partieller Doppelbindungscharakter (Mesomerie) ->
planare, nicht drehbare/unflexible Verbindung, welche
dem Polypeptidrückgrat Stabilität verleiht
• H-Brücken zwischen den Peptidbindungen sorgen für
Sekundärstruktur (s. 9.3 – Akzeptorgruppe –OH; Donatorgruppe -NH)
• meist in der trans-Form, nicht in der cis-Form

Carbonsäure:
• Carbonsäuren unter physiologischen Bedingungen
weitgehend deprotoniert (negativ geladen)
• Schwache Säure (Protonendonator), stark
polarisiert, H-Brücken-Ausbildung (einfache Carbonsäuren wasserlöslich)

Amine:
• Amine unter physiologischen Bedingungen weitgehend protoniert (positiv geladen)
• Schwache Base (Protonenakzeptor), polarisiert (EN N > C), H-Brücken-Ausbildung
(einfache Amine wasserlöslich)

9.5 Struktur-Wirkungs-Beziehung in globulären & fibrillären Proteinen

• Fibrilläre Proteine: meist Stütz-/Gerüstfunktion (bspw. Kollagen), da faserartige, meist


hydrophobe Molekülstruktur mit hoher Zugfestigkeit/Elastizität durch „ineinander
verwobene“ !-Helices
• Globuläre Proteine: Tertiär-/Quartärstruktur annähernd kugelförmig; meist gut
wasserlöslich, da hydrophobe AS-Reste durch korrekte Konformation als Kernregion
des Proteins vorliegen und die polaren Seitenketten an der Außenseite mit
Wassermolekülen eine Hydrathülle bilden => gute Wasserlöslichkeit

• Entstehung der nativen Struktur


• Chaperone halten AS-Kette während der Proteinbiosynthese so lange aufgefaltet,
bis sich diese korrekt falten kann (im wässrigen Zytosol werden hydrophobe Seitenketten
gebunden/gestüzt)
• Partiell gefaltetes Intermediat (nicht komplett gefaltetes Protein + Chaperone) wird, sollte es sich
nicht fertig ausbilden, mit Hilfe von TRiC + ATP zur korrekten Faltung angeregt
• Inkorrekte Faltung führt letztendlich zur Proteolyse (Abbau) oder zur Bildung von
Proteinaggregaten

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9.6 funktionelle Gruppen der 21 proteinogenen Aminosäuren

1. Unpolare Seitenketten (keine funktionellen Gruppen; aliphatische Kohlenwasserstoffkette)

2. Polare, ungeladene Seitenketten (funktionelle Gruppen sind Hydroxylgruppe (OH) & Amidgruppe (CONH2))

3. Aromatische Seitenketten

4. Saure Seitenketten (funktionelle Gruppe Carbonsäure (COOH/COO-) -> polar & negativ)

-> bei pH 7 negativ geladen

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5. Basische Seitenketten (funktionelle Gruppe Amin (NH2) -> polar & positiv)

-> bei pH 7 positiv geladen

6. Schwefelhaltige Aminosäuren 7. Rest

Selenocystein: umgewandeltes Cystein


mit SeH statt SH

Kategorien:
• Nach Notwendigkeit, diese über die Nahrung aufzunehmen
- essentiell: Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin, Isoleucin, Lysin, Leucin, Methionin
- semi-essentiell (abhängig von Alter/Wachstumsphase) – aus essentiellen umbaubar
ODER noch nicht selbst synthetisierbar
- nicht-essentiell
• Nach Eigenschaften der Seitenkette (Seitenketten bestimmt Struktur & Funktion der Proteine)
unpolar/polar, geladen/ungeladen, sauer/basisch, groß/klein, aliphatisch/aromatisch
=> unter physiologischen Bedingungen (pH=7) sind basische AS positiv, saure AS negativ geladen

AS mit unpolaren/aromatischen Resten sind hydrophob


AS mit polaren/sauren/basischen Resten sind hydrophil

10 Struktur & Funktion von Enzymen


10.1 Bedeutung der räuml. Struktur für enzymatische Aktivität (Bsp. Serinproteasen)

• Tertiär- & Quartärstruktur sind Grundlage enzymatischer Aktivität; Enzyme notwendig,


Reaktionsbedingungen sind intrazellulär (wässriges Medium, konstante/r Temp., Druck
& pH) schlecht & Regulation und Geschwindigkeit der Reaktionen

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Serinprotease: Aufgabe ist die Hydrolyse von Peptidbindungen


• im aktiven Zentrum liegt eine katalytische
Triade aus Aspartat, Histidin und Serin
(1) nach Bindung des Substrats wird H-
Atom der OH-Gruppe von Serin auf
Histidin übertragen
(2) O-Atom von Serin greift C-Atom der
Peptidbindung an (=nukleophiler Angriff),
wodurch C-terminales Peptidsegment
(Amin) frei wird und das Intermediat
kovalent in Esterbindung zurückbleibt
(3) Histidin nimmt erneut ein H-Atom
(diesmal von Wasser) auf; Intermediat
geht Verbindung ein und löst sich vom
Serin, welches in den Ausgangszustand
zurückkehrt, indem es ein H-Atom von
Histidin aufnimmt
• die räumliche Lage in Form einer
katalytischen Triade ist für den Prozess
demnach sehr wichtig

10.2 bildgebende Verfahren zur Proteinstrukturanalyse

• Auflösungsvermögen des Lichtmikroskops nur ca. 0,5 µm


• Röntgenstrukturanalyse:
Röntgenstrahlen werden durch das Objekt (=Kristall; mehrere gleich angeordnete Proteine) gebeugt & über
Detektor und Computer wird ein Beugungsbild berechnet (Auflösungsvermögen: < 0,1nm) ->
Elektronendichte muss berechnet werden
• Kernspinresonanzmethoden (NMR):
- Atomkerne rotieren um eigene Achse (=Kernspin), wobei bewegte Ladung immer ein Magnetfeld erzeugt
- durch starkes, äußeres Magnetfeld richten sich die Kernspins parallel oder antiparallel aus -> anhand von
Absorption von Radiowellen kann Orientierung gemessen werden => in wässriger Lösung möglich, große
Proteinmenge erforderlich
• Kryo-Elektronenmikrwikioskopie:
Aufnahmen aus verschiedenen Richtungen ermöglichen Tomografie (-> 3D-Bild)
=> geringe Probenmenge & in wässriger Lösung möglich; Auflösung im Vgl. schlecht

10.3 Prinzip der molekularen Erkennung bei der Protein-Ligand-Wechselwirkung

• Substratspezifität: induced fit-Mechanismus (Bindung des Ligands bewirkt als Voraussetzung für
die Katalyse eine Konformationsänderungen des Enzyms) als Erweiterung des Schlüssel-Schloss-
Prinzips (Ligand muss in aktives Zentrum/Bindungstasche passen/zu diesem komplementär sein)
• Wirkungsspezifität: unterschiedliche Enzyme können gleiches Substrat unterschiedlich
umsetzen
• Konformationsänderungen beruhen auf unterschiedlichen Atomanordnungen in Folge
von Drehungen um C-C-Einfachbindungen
• Annäherungseffekte (korrekte Orientierung, hohe Konzentration) & Stabilisierung des
Übergangszustands (Säure-Basen-Katalyse, kovalente Katalyse) ermöglichen
Reaktionsbeschleunigung

! ! 23
!
!

10.4 Quantifizierung der Affinität von Enzymsubstraten

• Km-Wert: Michaelis-Menten-Konstante
=> KM-Wert des Enzyms entspricht der Substratkonzentration,
bei der die halbmaximale Umsetzungsgeschwindigkeit erreicht
ist, und beschreibt somit seine Substrataffinität
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• Kd-Wert: = !"##$%"&'"$(#)$(#'&('*
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=> Affinität entspricht der Konzentration an Liganden, um 50%
der Liganden am Protein gebunden zu haben

niedrige Affinität -> hohe Kd/großer KM-Wert hohe Affinität -> niedrige Kd/kleiner KM-Wert

11 Intra- & Intermolekulare Wechselwirkungen


11.1 Denaturierung

• Def.: Strukturänderung eines Proteins infolge veränderter Umgebungsbedingungen,


wobei die biologische/spezifische Funktion verloren geht, die Primärstruktur aber
erhalten bleibt (keine Proteolyse)
• je nach Protein & Denaturierungsmethode reversibel (nicht-kovalente Bindungen gelöst) oder
irreversibel (kovalente Bindungen gelöst)
• (1) Spaltung der intramolekularen Bindungen (-> Entfaltung); (2) Bildung neuer Bindungen (->
Zufallsknäuel, meist Verlust von Wasserlöslichkeit: Aggregation)
• Einflussfaktoren: (1) Temperatur: beeinflusst alle nicht-kovalenten Bindungen (vgl. 11.4), (2) pH-Wert:
Protonierung von H-Brücken, Deprotonierung ionischer Bindungen, (3) org. Lösungsmittel: betroffen sind
hydrophobe Wechselwirkungen, H-Brücken, ionische Bindungen, (4) Detergentien, (5) Schwermetallionen:
bspw. Hg in Wechselwirkungen mit S in Cys & Zertörung Disulfidbrücken

11.2 Cofaktoren & prosthetische Gruppen

• Def.: nicht-Proteine-Hilfsstoffe, die für die Funktion des Proteins benötigt werden
• Apoprotein/Apoenzym: Protein/Enzym ohne Cofaktor
• Holoprotein/Holoenzym: Protein/Enzym mit Cofaktor (erst Holoenzym ist katalytisch aktiv)

Cofaktoren:
1. Cosubstrate/Coenzyme: vorübergehend/reversibel, nicht-kovalent gebundene org. Moleküle, die am
katalytischen Zyklus teilnehmen und verändert werden (Regeneration notwendig)
2. Prosthetische Gruppe: dauerhaft/fest ans aktive Zentrum gebundene org. Moleküle, die wichtig für
Struktur & Funktion des Enzyms ist
3. Metallion: oft Spurenelemten, die fest an das Protein gebunden sind

11.3 Beeinflussung der Wasserlöslichkeit von Proteinen

• Proteinstruktur: globulär meist gut löslich (hydrophile Seitenketten außen), fibrillär meist schlecht löslich;
Konformationen können sich in Löslichkeit unterscheiden (z.B. Prionen)
• Proteinkonzentration: geringere Löslichkeit bei hohen Konzentrationen (Konkurrenz um Lösungsmittel)
• Ionenstärke (Salzkonzentration): hohe Salzkonzentration bewirkt schlechtere Hydratisierung des
Proteins („Aussalzen“ - vgl. 12.2); geringe Salzkonzentrationen verbessern Wasserlöslichkeit durch größere
Hydrathülle („Einsalzen“)
• Temperatur: tiefere Temperatur bewirkt geringere Löslichkeit
• pH-Wert: geringste Löslichkeit am Isoelektrischen Punkt, da keine Nettoladung; in saurem/alkalischem
Milieu sind Aminosäurereste protoniert bzw. deprotoniert

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11.4 kovalente & nicht-kovalente Bindungen & Wechselwirkungen

kovalente Bindungen:
• Gemeinsames Elektronenpaar im Sinne vom Teilen der Elektronen durch 2 Atome
• Peptidbindung ist sehr stabile kovalente Bindung
• Disulfidbrücken außerhalb der Zellen zwischen zwei Cystein Seitenketten (Redoxreaktion)

nicht-kovalente Bindungen:
• Ionenbindung aufgrund von EN-Differenz; pH-abhängig (Transfer von Elektronen von einem auf das
andere Atom)
• Wasserstoffbrückenbindung
• Van-der-Waals-Kräfte: Induktion eines temporären Dipols in apolaren Gruppen
• Hydrophobe Wechselwirkungen
• Chelatkomplex mit Metallionen
• !-stacking zwischen aromatischen Seitenketten

11.5 Bindungsprinzipien innerhalb von Proteinen

• ionische Wechselwirkungen: starke, ungerichtete Anziehungskräfte zw. Kationen & Anionen, wobei diese im
Körper gelöst (Hydrathülle) vorliegen
• hydrophobe Wechselwirkungen: Ziel des Wassers ist der Entropiegewinn (= Chaoszunahme), weshalb
hydrophobe Moleküle „zusammengetrieben“ werden (Abstoßungskräfte des Wassers), um deren Oberfläche zu
verringern. Mit verringerter Oberfläche wird weniger H2O in Ordnung gehalten, was energetisch günstiger ist.
• Van-der-Waals-Bindungen: auf Basis fluktuierender Elektronen in apolaren Verbindungen entstehen temporär
Ladungsunterschiede mit negativen und positiven Teilladungen (temporäre Dipole); nun entstehen für Sekundenbruchteile
schwache, intermolekulare Bindungen
• Wasserstoffbrückenbindungen: Voraussetzung ist Akzeptor mit freiem Elektronenpaar & Donor mit H-Atom;
H-Atom bleibt beim Donor, tritt jedoch auch in Wechselwirkung mit dem freien Elektronenpaar

12 Labortechnische Methoden – Praktikum: „Proteine“


12.1 Vor- & Nachteile der Methoden zur Trennung von Proteinen

Elektrophorese Gelfiltration/Gelchromatografie
Vorteile - Trennung nach Ladungsträgern - Trennung nach Teilchengröße
- analytische Trennung: relativer - präparative Trennung möglich, um
Proteinanteil gereinigtes Protein für Folgeuntersuchungen
zu erhalten
Nachteile - unspezifische Proteinbestimmung (nur - Trennung nicht nach Ladungsträgern
qualitativer Proteinnachweis) möglich
- Trennung nicht nach Teilchengröße
möglich
Anwendung in der Medizin - Serumproteinelektrophorese (für - Trennung von nieder- & hochmolekularen
spezifische Bestimmung sind Antikörper Proteinen
nötig): bspw. bei Leber- oder - Molekulargewichtsbestimmung
Nierenschäden

12.2 Ausfällung von Proteinen


• Säure/Basen-Ausfällung:
durch Protonierung/Deprotonierung (Folge: Aufheben der H-Brücken & Ionischen Bindungen =
intramolekulare Wechselwirkungen werden gestört) entfaltet sich das Protein bis auf seine Primärstruktur;
nach außen gelangte hydrophobe Seitenketten lagern sich in der wässrigen Lösung zusammen, es kommt
zur Aggregatbildung und zur Ausfällung
• Salzausfällung:
die hohe Salzkonzentration führt dazu, dass sich in wässriger Lösung Hydrathüllen um die Salzionen lagern,
sodass „keine Hydrathüllen mehr für die Proteine übrig sind“; durch Konkurrenz um Hydrathüllen liegen jetzt
polare Seitenketten am Protein frei und es kommt zur Ausfällung (intermolekulare Wechselwirkungen)

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!
!

12.3 Methoden zur Proteinquantifizierung

• Biuret-Methode: Cu2+-Ionen reagieren mit Peptidbindungen der Amine; eine


fotometrische Messung der blauvioletten Lösung erlaubt Rückschlüsse auf den
Gesamtproteingehalt
• ELISA (immunologische Methode): erlaubt die quantitative Bestimmung eines einzelnen
Proteins in einem Gemisch, da spezifische Protein-Antikörper-Komplexe ausgebildet
werden, welche detektiert werden können.

13 Sichelzellanämie
13.1 Allgemeines

• Def. Anämie: Verringerung der Hämoglobinkonzentration unter die Altersnorm


• Sichelzellkrankheit: autosomal-rezessiver Erbgang; häufigste Erbkrankheit der Welt (v.a.
Asien, Afrika, Mittelmeerraum)
• Heterozygoten haben „gewissen“ Schutz vor Malaria tropica
• Hämoglobinopathie: (1) Qualitative Störung: Mutation in Protein-codierendem Bereich;
(2) Quantitative Störung: Mutation in regulatorischem Bereich
• „rotes Blutbild“:
a) Anzahl (Zellzahl/µl)
b) Volumenanteil der Erys am Vollblut (Hämatokrit)
c) Volumen der einzelnen Zelle (MCV = Mittleres Zellvolumen)
d) Variationsbreite der Volumina (RDW)
e) Hämoglobingehalt des Blutes (Hb)
f) Hämoglobingehalt des einzelnen Erys (MCH)
g) Hämoglobinkonzentration im einzelnen Ery (MCHC)

13.2. klinische Manifestationen der Sichelzellanämie

• Anämie: chronische Anämie durch verkürzte Erythrozytenlebensdauer (Hämolyse = Auslösen


der Ery-Membran im Gefäßsystem) -> Ikterus, Bilirubinurie, Anämie
• Schmerzkrisen: extreme Schmerzen meist in Extremitäten durch Knochenmarksinfarkte
ausgelöst; Bauchschmerzen durch Ischämie des Darms; Berührungsempfindlichkeit
• Hypoxämie: Sauerstoffmangel im arteriellen Blut
• Neben Schmerzkrisen meist Fieber und hoher CRP-Anstieg, Vitamin-D-Mangel
• Splenomegalie bei Kleinkindern als Akutkomplikation; später sehr kleine Milz (Langzeitkomplikation)
• Sichelzellförmige Erythrozyten (sauerstoffarm) können Gefäßverschlüsse (Vasookklusion) bewirken; zwar sehr kleine
Infarkte, aber Wiederholungen schädigen Organe trotzdem

13.3 langfristige Behandlungskonzepte

• Allogene Stammzelltransplantation: einzige kurative Therapieform (ca. 95% Heilungserfolg)


• Chronisches Transfusionsprogramm: Einfachtransfusionen als Akuttherapie; Chronisches
Transfusionsprogramm 1 mal pro Monat als Austauschtransfusion
• Prophylaxe: Penicillinprophylaxe (wegen Milzbelastung), Impfungen, Flüssigkeitszufuhr (Erhalt
Blutflusseigenschaften), Wärmeerhalt (Vasodilatation), medikamentöse Behandlung mit
Hydroxycarbamid (Erhöhung HbF)

13.4 Auswirkung der Aminosäuresequenzänderung auf die Hämoglobineigenschaften

• aufgrund einer Punktmutation wird an Position 6 der ! -Globulin-


Einheit Valin (hydrophobe AS) anstelle von Glutamat (hydrophile AS)
eingesetzt (-> HbS)
• Moleküle aggregieren zu fadenförmigen Polymeren (Polymerisation),
wodurch die typische Sichelzell-Form entsteht

! ! 26
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• im Desoxy-Hämoglobin kommt es durch die Sauerstoffabgabe zur


Konformationsänderung, sodass eine weitere hydrophobe
Seitenkette an die Oberfläche gelangt; diese lagert sich mit dem hydrophoben Valin
zusammen

Folgen für die Hämoglobineigenschaften


• verringerte Löslichkeit
• kürzere Lebensdauer, da Sichellzellen in der Milz erkannt und abgebaut werden
• verringerte O2-Affinität
• Instabilität

13.5 Mechanismen des Funktionsverlusts von mutierten Proteinen

• Instabilität: bspw. durch fehlende H-Brücken, da falsche AS codiert wurde, ist Struktur instabil;
infolgedessen Bilden sich nicht alle anderen Bindungen aus; „Chaperone sortieren Protein aus“
• Aggregatbildung: bspw. durch hydrophobe Wechselwirkungen von nun außen liegenden Seitenketten
kommt es zur Aggregation
• veränderte 3D-Struktur: ist die Tertiär-/Quartärstruktur eines Enzyms/Proteins gestört, kann die
Funktionalität nicht mehr vollständig oder sogar überhaupt nicht mehr vorhanden sein (bspw. durch
fehlende Bindearme oder umgeformte Bindungstaschen)
• Fehlgefaltete Proteine, die nicht abgebaut werden, bilden häufig Aggregate und lösen
hierdurch Krankheiten aus

14 Proteine als Drugtargets – Einführung in die Pharmakologie


14.1 Definitionen

• Pharmakon: (= Wirkstoff) Substanz, die mit Lebewesen wechselwirkt;


Wertende Betrachtung a) Arzneimittel b) Gift (abhängig von Stoff & Dosis)
• Pharmakologie: Lehre von der Wirkung der Substanzen auf Lebendiges; Lehre von den
Arzneistoffen (CAVE Pharmazie: zugrundeliegende Wissenschaft & chemische
Komponenten des Pharmakons
• Pharmakodynamik: Wirkungen des Pharmakons auf das Lebewesen
• Pharmakokinetik: Wirkungen des Lebewesens auf das Pharmakon
• Agonist: Ligand, welcher durch Bindung eine Wirkung auslöst
• Antagonist: hemmt Agonisten in seiner Wirkung, ohne selbst eine Wirkung auszulösen

14.2 Peptid-/Proteingruppen & deren Funktion als Drugtargets

• Enzyme
• Membranproteine & Zytoskelettbausteine
• Rezeptoren: Signalerkennung; a) Ionotrope Rezeptoren, b) Metabotrope Rezeptoren, c) Kinase-
gekoppelte Rezeptoren, d) Steroidrezeptoren (meist im Zellkern)
• Ionenkanäle
• Transkriptionsfaktoren
• Transport von schlecht wasserlöslichen Stoffen: Hämoglobin zum O2-Transport
• Hormone: Signaltransduktion zw. verschiedenen Zellen

14.3 Wirkungen von Pharmaka auf Drugtargets

• Kompetitiver Antagonist:
Antagonist in Konkurrenz mit dem Agonisten im dieselbe Bindungsstelle; Hemmung abhängig von der
Konzentration beider „Parteien“

! ! 27
!
!

• Nicht-kompetitiver Antagonist:
Antagonist bindet an anderer Stelle als Agonist, wodurch dessen Wirkung unabhängig von der vorliegenden
Konzentration gehemmt wird
• bei reversible Bindung lässt die Wirkung des Pharmakons schneller nach, bei
irreversibler Bindung muss bspw. der Rezeptor neu synthetisiert werden, um die
Wirkung des Pharmakons zu beenden
• Penicillin:
Penicillin hemmt den Aufbau der bakteriellen Zellwand, da Bakterien mit der Zellwand eine Struktur
besitzen, die im menschlichen Körper nicht vorkommt; hemmt Peptidverknüpfungen
• Erythropoetin:
Hormonsynthese in der Niere bei Hypoxämie -> regt Erythropoese (Synthese Erythrozyten), Thrombopoese (Synthese
Thrombozyten) an & hemmt Apoptose; rekombinantes humanes Erythropoetin (humanes Gen in Bakterium), welches bei
renaler Anämie appliziert wird (Ziel: Hb 11-12 g/dl)
• Insulin:
rekombinant synthetisiertes Insulin bindet an Rezeptor, wodurch Glucosetransporter aktiviert wird und
Glucose in die Zelle gelangt
• Diazepam:
!-Aminobuttersäure (GABA) Rezeptoren, welche aus 5 Substrukturen bestehen; an eine davon kann GABA
binden, wodurch Cl einströmt und die Zelle weniger erregbar ist
-

-> Diazepam imitiert GABA und wird zur Therapie von Angstzuständen & epileptischen Anfällen genutzt
• Hämoglobin:
Bei Eisenmangelanämie kann anorganisches Eisen(II)-Sulfat oder Eisen(III)-Hydroxid-Saccharose-Komplex
substituiert werden

14.4 medikamentöse Regulation der Peptide/Proteine (Bsp.: ACE-Hemmer gegen arterielle Hypertonie)

Angiotensinogen (Glykoprotein) aus der Leber wird im Plasma


durch Renin zu Angiotensin I umgewandelt,
indem N-terminales Dekapeptid abgespalten wird

Enzym ACE (Angiotensin Konversionsenzym = Metalloproteinase) verkürzt Angiotensin I um


weitere zwei Aminosäuren -> Entstehung Angiotensin II

durch Bindung an Angiotensin-Rezeptor bewirkt Angiotensin II eine Vasokonstriktion


& sekundär über die Stimulation zur Ausschüttung von Aldosteron & Adiuretin
eine verringerte Flüssigkeitsausscheidung in der Niere durch Salzretention

• ACE-Hemmer/Inhibitoren bewirken Blutdrucksenkung, indem sie als kompetetive


Antagonisten mit einer Carboxylgruppe an ein Zink-Ion im aktiven Zentrum des Enzyms
ACE binden -> Angiotension I kann somit nicht mehr vom ACE umgesetzt werden und
die Blutdruck steigernde Wirkung von Angiotensin II bleibt aus

Woche 3: „Kohlenhydrate“
15 Monosaccharide & Glucose
15.1 Einteilung der Monosaccharide

Einteilung nach Strukturmerkmalen:


• Def. Monosaccharide: mind. 3 (max. 9) C-Atome als Grundgerüst mit mehreren Hydroxylgruppen und
einer Carbonylgruppe am 1. C-Atom (-> Aldehyd) oder 2. C-Atom (-> Keton; Rest muss immer C-Atom enthalten)
- kurzkettige Aldehyde & Ketone sind wasserlöslich; im Allgemeinen Carbonylgruppe polar & H-Brücken-Akzeptor
• Aldose: Monosaccharid mit Aldehyd (-> Aldehyde sind sehr reaktiv und giftig)

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!
!

• Ketose: Monosaccharid mit Keton


• Furanose: Fünfringe
• Pyranose: Sechsringe (meist stabiler als Fünfringe)
-> viele Monosaccharide können unabhängig davon, ob es Pentosen, Hexosen o.Ä.
sind, Furanosen und Pyranosen ausbilden

Einteilung nach Kettenlänge:


• Zahl der C-Atome
3 -> Triose 4 -> Tetrose 5 -> Pentose 6 -> Hexose
=> Namen kombinierbar: bspw. Aldohexose, Ketopentose

15.2 Bedeutung der Glucose

• Energieträger: wichtiger Energieträger, dessen Energie über Stoffwechselprozesse auf ATP übertragen
werden kann; Energiebedarf fast aller Lebewesen wird direkt/indirekt von der Sonne gedeckt
• Metabolit: (Def.: Substanz, welche als Zwischenstufe oder Abbauprodukt von Stoffwechselvorgängen im
Organismus entsteht); im Rahmen der Photosynthese (6 CO + 6 H O -> Glucose + 6 O ) wird
2 2 2

Sonnenenergie in chemische Energie umgewandelt; biol. Oxidation anderer Lebewesen kann diese chem.
Energie nutzen
• Baustein: Glucose als Monosaccharide ist Grundbaustein von Di-/Oligo- & Polysacchariden; bspw. von
Cellulose (häufigstes Biomolekül auf der Erde)
• Glykosylierung: Bildung von glykosidischen Bindungen, enzymkatalysiert (d.h. kontrolliert) & reversibel
• Glykation: unkontrollierte Bindung von Kohlenhydraten an Proteine; Reaktion des offenkettigen
Kohlenhydrats ohne Enzymbeteiligung und irreversibel
• Ringform für !-D-Glucose besonders stabil, da alle großen Restgruppen in der
Ringebene (planar) liegen können (u.a. deshalb Prozente wie in 15.4); außerdem keine giftige
Aldehydgruppe mehr vorhanden

15.3 Verknüpfung von Monosacchariden zu Oligo-/Polysacchariden

• 2 Bausteine -> Disaccharid; 3 B. -> Trisaccharid; 4-10 B. -> Oligosaccharid; >10 -> Polysaccharid
• Polysaccharide (Glykane) sind Biopolymere aus Monosaccharid-Bausteinen, die über O-
gylkosidische Bindungen verknüpft sind (dienen als Strukturmaterial, Reservestoffe,
etc.); aufgrund der vielen OH-Gruppen können im Gegensatz zu Nukleinsäuren & Proteinen Verzweigungen ausgebaut
werden; Polysaccharide können außerdem N- oder O-glykosidisch an Proteine (Glykoprotein) und Lipide (Glykolipid)
geknüpft sein (dann jedoch meistens als !-glykosidisch)
• Homogylkane: Polysaccharid aus dem gleichen Monomeretyp aufgebaut; linear oder verzweigt
• Heteroglykane: Polysaccharid aus unterschiedlichen Monomeretypen ausgebaut; linear oder verzweigt
Meist kovalent mit Proteinen oder Lipiden verknüpft
Glykosidische Bindung:
• mit „aktiviertem“ Zucker (s.15.8.2), enzymatischer Aktivität (bei pH 7) & Wasserabspaltung
(Kondensation) kann glykosidische Bindung geknüpft werden (freiwilliger Abbau unter Hydrolyse;
bei pH 7 ohne Enzyme nur sehr langsam)
• anomeres OH ist reaktiver als alkoholisches OH, weshalb die Bindung meist am
anomeren OH erfolgt

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!
!

15.4 Chiralität und Isomeriearten als Ursache struktureller Vielfalt

• vier verschiedene Reste an einem C-Atom


-> chirales/asymmetrisches C-Atom; Unterscheidung D- &
L-Form (im menschl. Körper Kohlenhydrate immer D-Form, AS immer
L-Form); Nomenklatur: Stellung der OH-Gruppe am „untersten“ C-Atom
entscheidet über L-/D-Form
• Enantiomere:
Zwei Isomere, die sich wie Bild und Spiegelbild zueinander
verhalten; alle Chiralitätszentren sind gespiegelt (Bsp.: D-
Glucose & L-Glucose)
• Diastereomere:
Moleküle mit zwei oder mehr chrialen C-Atomen,
die sich nicht wie Bild & Spiegelbild
zueinander verhalten; gleiche Konstitution,
aber unterschiedliche Konfiguration (Bsp.: D-
Glucose & D-Galactose)
Konstitution: Menge & Art der Bindungen;
Konfiguration: räuml. Struktur ohne drehbare Bindungen;
Konformation: räuml. Struktur mit drehbaren Bindungen
• Konstitutionsisomere:
Moleküle gleicher Summenformel mit
unterschiedlicher Reihenfolge/Verknüpfung
der Atome innerhalb des Moleküls (Bsp.: Glucose & Fructose)
• Epimere:
Stereoisomere, die sich in der Konfiguration an nur einem Stereozentrum unterscheiden
• Anomere:
Ringförmige Kohlenhydrate, die sich in ihrer Konfiguration am ehemaligen Carbonyl-C-
Atom unterscheiden; durch Ringschluss entsteht ein weiteres Chiralitätszentrum am
anomeren C-Atom; in wässriger Lösung liegen die Anomere im Gleichgewicht vor
(Mutarotation)

• Strukturelle Vielfalt in Polysacchariden demnach durch unterschiedliche


Monosaccharide, unterschiedliche Verknüpfung & unterschiedliche Modifikation von
Monosacchariden

! ! 30
!
!

15.5 reversibler Vorgang der Cyclisierung & Konsequenzen für Reaktionen

• Glucose kann über die OH-Gruppen des 1. und 5.-C-Atoms einen Ring schließen
(Cyclisierung), da sich die Aldehydgruppe mit einer Alkoholgruppe zu einem Halbacetal
verbindet
(=intramolekulare Acetalisierung/Reaktion der
Carbonylgruppe mit alkoholischer OH-Gruppe)
• der Ringschluss und die α - & ! -
Konfiguration liegen im Gleich-
gewicht vor (vgl. Prozent-zahlen
15.4)
• das anomere C ist nun ein weiteres
Chiralitätszentrum, wobei das
angehängte OH reaktiver ist, als ein
Alkohol; in der Haworth-Formel
zeigt das anomere OH bei der !-Glucose nach oben, bei der α-Glucose nach unten
• Floh-Merksatz: „Was bei Fischer links, ist oben bei Haworth“
• erst das reaktive, anomere OH ermöglicht die glykosidischen Bindungen zwischen den
Monosachariden
• Keto-Enol-Tautomerie:
Umlagerung (Isomerisierung) von Ketonen und
Aldehyden durch Verschiebung eines H-Atoms;
macht reversible Umwandlung von Aldosen zu
Ketosen möglich
(WICHTIG: unter physiologischen Bedingungen
nur enzymatisch katalysiert (Isomerasen) Aldose -> Ketose
möglich)

15.6 Darstellungsweisen der Strukturformeln der Kohlenhydrate

Fischer-Projektion: Haworth-Formel: Konstitutionsformel (Sessel):

- Methode zur eindeutigen Abbildung chiraler - Methode zur Abbildung ringförmiger - realistische (gewinkelte) Anordnung der
Moleküle Kohlenhydrate Atome
- am stärksten oxidiertes C-Atom steht oben - Sauerstoff im Ring zeigt nach hinten - Sessel so geklappt, dass möglichst viele
(Nomenklatur s. 15.4) (Furanosen) bzw. nacht rechts oben Substituenten äquatorial stehen
- Keilstrichformel: ausgefüllte Keile ragen auf (Pyranosen)
einen zu, gestrichelte Keile ragen nach hinten - Floh-Regel (s.15.5)
weg
- waagrechte Bindungen zeigen nach vorne;
senkrechte Bindungen zeigen nach hinten

15.7 Redoxreaktion der Aldehydgruppe

• die Aldehydgruppe an C1 kann enzymatisch


zu einer Carbonsäure oxidiert werden (aus D-
Glucose + O2 + H2O -> D-Gluconsäure + H2O2 (s.
Praktikumsskript S. 5))

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• über weitere Zwischenstufen können Elektronen freigesetzt werden, welche zur


amperometrischen Blutzuckermessung (Stromfluss steigt proportional mit der
Glucosekonzentration) genutzt werden können
• wird das Molekül an C6 oxidiert, so entstehen Uronsäuren (bspw. Glucuronsäure)

15.8 Struktur, Funktion & Aktivierung von Monosacchariden


15.8.1 Struktur & Funktion (Glucose, Galaktose, Fructose, Mannose)

Glucose (Traubenzucker:
• Struktur:
- Hexopyranose (C6H12O6)
- meist D-Glucose
- Aldose (Halbazetal in Ringform)
• Funktion:
- häufigstes Monosaccharid
- universeller Energielieferant (-> ATP; Gehirn & Erys brachen Glucose)
- Energiespeicherung (Glykogen)
- Baustein in Oligo- & Polysacchariden
- Biosynthese anderer Monosaccharide (Ribose, Galactose, Lactose ( ), Mannose)

Galaktose:
• Struktur:
- Hexopyranose (C6H12O6)
- meist D-Galaktose
- Aldose (Halbazetal in Ringform)
- C4-Epimer der D-Glucose
• Funktion:
- Energiequelle (v.a. bei Kindern)
- Baustein in Oligo- & Polysacchariden
- Nahrungsbestandteil (v.a. in Laktose)

Fruktose (Fruchtzucker):
• Struktur:
- Hexofuranose (C6H12O6)
- meist D-Fructose
- Ketose (Halbazetal in Ringform)
- anomeres OH am C2
• Funktion:
- Insulin-unabhängiger Metabolismus; Abbau vorwiegend in der Leber
- Energielieferant
- Nahrungsbestandteil (Obst; v.a. in Saccharose)

Mannose:
• Struktur:
- Hexofuranose (C6H12O6)
- meist D-Mannose
- Aldose (Halbazetal in Ringform)
- C2-Epimer der D-Glucose
• Funktion:
- Wichtiger Bestandteil vieler Glykoproteine

=> All diese Zucker können aus Glucose bzw. intrazellulär aus Glucose-6-Phosphat (damit sie die Zelle nicht wieder verlassen kann) hergestellt werden;
Isomerase: wandelt Isomere ineinander um
Mutase: versetzt funktionelle Gruppe innerhalb eines Moleküls
Epimerase: wechselt die Epimere aktivierter Zucker

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15.8.2 Aktivierung der Monosaccharide

allgemeine Aktivierungsreaktion:

Monosaccharid-1-Phosphat + NTP -> NDP-Monosaccharide + Pyrophosphat

Glucose-6-Phosphat (Glucose beim „Betreten“ der Zelle von Hexokinase phosphoryliert) wird durch Mutase in Glucose-1-Phosphat
umgewandelt; bevorzugtes Nukleosidtriphosphat ist Uridintriphosphat, welches unter Abspaltung von Pyrophosphat (= zwei
Phosphatresten) an Glucose-1-Phosphat gebunden wird; es entsteht UDP-Glucose

• das aktivierte UDP-Monosaccharid kann nun unter Abspaltung von UDP eine
glykosidische Bindung ausbauen; im Falle einer O-glykosidischen Bindung zwischen
zwei Monosacchariden muss nur eines der beiden aktiviert sein

16 Di- & Polysaccharide


16.1 Struktur & Vorkommen bestimmter Disaccharide

Maltose (Malzzucker):
• Struktur:
- Glucose und Glucose; ∝-1,4-glykosidisch
• Vorkommen/Funktion:
- Geringere Süßkraft als Saccharose
- intestinale Entstehung aus Stärke (Enzym: Amylase)
- intestinale Hydrolyse zu Glucose (Enzym: Maltase)
- Bier brauen

Isomaltose:
• Struktur:
- Glucose und Glucose; ∝-1,6-glykosidisch
• Vorkommen/Funktion:
- intestinale Entstehung aus Stärke (Enzym: Amylase)
- intestinale Hydrolyse zu Glucose (Enzym: Maltase)

Saccharose (Rohrzucker):
• Struktur:
- Glucose und Fructose; ∝1-!2-glykosidisch
• Vorkommen/Funktion:
- hohe Süßkraft; Vorkommen Rohr-/Rübenzucker
- Intestinale Hydrolyse (Enzym: Saccharase)
- wichtige Energiequelle

Laktose (Milchzucker):
• Struktur:
- Galaktose und Glucose; !-1,4-glykosidisch
• Vorkommen/Funktion:
- 50% der Saccharose Süßkraft; Vorkommen in Milch
- Intestinale Hydrolyse (Enzym: Lactase)
- wichtige Energiequelle in der Säugephase

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!
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16.2 Struktur & Funktion wichtiger Homoglykane

Stärke:
• Struktur:
- 20 % Amylose: Glucose und Glucose linear
∝ -1-4-glykosidisch; helikale Struktur aus bis zu
5000 Monosacchariden
- 80% Amylopektin: Glucose und Glucose verzweigt
∝ -1-4-glykosidisch mit ∝ -1-6-glykosidischer
Verzweigung ca. alle 25 Glucosereste; bis zu 106
Monosccharide
• Funktion:
- Reserve-Polysaccharid der Pflanzen

Glykogen:
• Struktur:
- Glucose und Glucose verzweigt ∝-1-4-glykosidisch mit ∝-1-6-glykosidischer
Verzweigung ca. alle 10 Glucosereste; bis zu 50000 Monosaccharide
- Zentrales Protein Glykogenin (sozusagen am Anfang der Polysaccharidekette)
• Funktion:
- Reserve-Polysaccharid der Säugetiere (-> Blutzucker-Homöostase)
- im Vgl. zu Fett ist Glykogen ein kurzfristiger, schnell mobilisierbarer auch anaerob
Energie bringender Speicher
- meistes Glykogen in Leber (ca. 150g -> 10% des Organgewichts) und Muskeln (ca. 250g -> bis zu
1% des Gesamtmuskelmasse)
- Glykogen ist osmotisch nicht aktiv

Zellulose:
• Struktur:
- Glucose und Glucose linear !-1-4-glykosidisch (-> Cellobiose); bis zu 15000
Monosaccharide
- Fadenförmige/fibrilläre Strukturen durch übereinander gelagerte
Polysaccharidketten, welche über H-Brücken untereinander verbunden sind
• Funktion:
- Strukturmaterial der pflanzlichen Zellwand
- für Menschen Ballaststoff

16.3 Glykogensynthese & Glykogenabbau

Glykogensynthese im Cytosol:

1. Isomerisierung von Glucose-6-Phosphat zu Glucose-1-Phosphat


(Phosphoglucomutase versetzt Phosphatrest von C6 an C1)

2. Bildung von UDP-Glucose/Aktivierung der Glucose


(Glucose-1-Phosphat wird mit Hilfe der
Glucose-1-Phosphat-UTP-Transferase zu UDP-Glucose)

3. Biosynthese der linearen Polysaccharidkette


(Schlüsselenzym Glykogensynthase bildet O-glykosidischdae Bindungen unter UDP-Abspaltung, wobei bereits
Starterglykogen (entweder Glucosekette oder Glycogenin) vorhanden sein muss)

4. Biosynthese der Verzweigungsstellen


(Branching Enzyme transferieren ein 6-7 Monosaccharide umfassendes terminales Kettenstück auf die OH-Gruppe des C6-Atoms
eines weiter innen liegenden Glucoserestes; am „neuen“ Strang kann die Glykogensynthase ebenfalls arbeiten)

! ! 34
!
!

Glykogenabbau (Glykogenolyse) im Cytosol:

1. Phosphorolytische Spaltung der linearen Ketten


(Schlüsselenzym Glykogenphosphorylase Spaltet die ∝-1-4-glykosidischen Bindungen mit Phosphorsäure, wobei der Abbau 4
Glucosereste vor einer Verzweigung endet; als Produkt entsteht Glucose-1-Phosphat)

2. Abbau der Verzweigungsstellen


(Debranching Enzyme als bifunktionelle Enzyme transferieren Trisaccharide der Verzweigungsstelle ans Ende der linearen Kette,
welche hier weiter abgebaut werden können; der ∝-1-4-glykosidisch gebundene Glucoserest wird (ebenfalls durch die Debranching
Enzyme) hydrolytisch gespalten, wodurch ein freies Glucosemolekül entsteht)

3. Isomerisierung von Glucose-1-Phosphat zu Glucose-6-Phosphat


(=> direktes Endprodukt der Glykodenolyse ist 90% Glucose-1-Phosphat,
welches zu Glucose-6-Phostphat umgebaut wird)

17 Heterogylkane
17.1 Modifizierungsmöglichkeiten von Kohlenhydraten

• Aminierung:
durch Transaminierung (Übertragung einer Aminogruppe) kann aus
Glucose-6-Phosphat (da es intrazellulär passiert) Glucosamin (GlcN)
synthetisiert werden (= Aminozucker), welches positiv geladen ist;
normalerweise dient die AS Glutamin als „Donator“ des NH2
• Acetylierung:
desweiteren kann GlcN mit Acetyl-CoA acetlyiert werden (kovalente Bindung),
wodurch neutrales N-Acetyl-Glucosamin (GlcNAc) entsteht
• Sulfatierung:
Veresterung von Kohlenhydraten mit bei pH 7 stark negativ geladener,
„aktivierter“ Schwefelsäure (PAPS); modifiziertes AMP dient als Carrier
des Sulfatrestes, welcher an OH oder NH2 gehängt wird (dabei wird je ein H entfernt)
• „saure Zucker“
- durch Oxidation der CH2OH-Gruppe entsteht COOH- bzw. bei pH 7 meist
deprotoniert COO--Gruppe
- Sialinsäure: stark negativ geladener, mehrfach modifizierter Komplex, welcher meist
am Ende von Kohlenhydratketten als Abbauschutz dient

-> im Allgemeinen können eine/mehrere der OH-Gruppen durch andere Substituenten ersetzt werden

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17.2 Bindungsmöglichkeiten von Kohlenhydraten an Proteine

O-glykosidische Bindung:
• Bindung unter Wasserabspaltung zwischen anomerem OH und OH-Gruppe einer AS
(normalerweise Serin oder Threoninseitenkette)
• Saccharidkette entsteht erst am Protein (Ort: Golgi-Apparat)
N-glykosidische Bindung:
• Bindung (wie bei Nucleosiden) unter Wasserabspaltung zwischen anomerem OH und
Amidstickstoff der Asparaginseitenkette (Erkennungssequenz: Asn-X-Ser(Thr))
• Saccharidkette wird auf Dolicholphosphat auf der ER-Membran zusammengesetzt,
klappt dann ins ER-Lumen um und wird dort auf das Protein (Asparaginseitenkette)
übertragen/N-glykosidisch gebunden;
• bei Glykoproteinen häufiger als O-glykosidische Bindung

17.3 Einteilung, prinzipieller Aufbau & Funktion von Heteroglykanen an Beispielen

• Strukturelle Diversität (Art, Modifikation & Anzahl der Monomere, Bindungstypen, Bindungsstellen,
Linearität/Verzweigungen, etc.) ist Grundlage der verschiedenen Funktionen
• Glykoproteine: großer Proteinanteil, geringer Kohlenhydratanteil (5-20 Monomere, verzweigte
Ketten); (bspw. Membran- & Plasmaproteine, Glykokalix)
• Glykolipide: normalerweise nur Oligosaccharide angehängt; Cerebroside (nur ein Kohlenhydratrest)
& Ganglioside (komplexer Kohlenhydratrest)
• Peptidoglykane: Kohlenhydrate durch Peptide verdunden; in Zellwänden von Bakterien
• Glykosaminglykan (GAG):
- Gruppe saurer Heteroglykane (viele negative Ladungen) aus repetitiven Disacchariden
- linear, langkettig (-> voluminös; hohe Wasserbindungskapazität)
- bestehend aus Uronsäure (meist Glucuronsäure) und Aminozucker (häufig N-acetyliert)
• Proteoglykane: kovalente Bindung sulfatierter Glykosaminglykane (GAG) mit Proteinen
verbunden (lange Zuckerketten mit geringem Proteinanteil); (bspw. in extrazellulärer Matrix mit viel Wasser)

AB0-Blutgruppensubstanzen:
• Determinierung des AB0-Blutgruppensystems leitet
sich von der Präsenz unterschiedlicher Antigene auf
der Membran der Erythrozyten (auch Endothelzellen,
Thrombozyten, etc.) ab; Personen mit Blutgruppe und damit
Antigen A haben Antikörper für B im Blut (!)
• Oberflächen-Antigene sind Glykolipide, deren
Glykokalix als „Erkennung“ nach extrazellulär ragt;
je nachdem welches Enzym expremiert wird, werden
die unterschiedlichen Antigene ausgebildet (bei AB liegen
beide Antigene auf den Zellmembranen vor)
• die Basis der Antigene ist identisch, wobei bei
A-Antigen N-Acetyl-glucosamin, bei B-Antigen Galactose angehängt ist (s. Abb)

Hyaluronsäure:
• proteinfreies, nicht sulfatiertes, sehr langes (bis zu 50000 Disaccharid-Wdh.) Glykosaminglykan
• Funktion: extrem guter Wasserspeicher; nicht-komprimierbares, viskoses Gel
-> Hyaluronat kommt frei in Knorpelsubstanz vor; in der Orthopädie wird Hyaluronsäure als Therapie bei Arthrose genutzt
• Vorkommen: Knorpel/Bandscheiben, Gelenkflüssigkeit, Glaskörper des Auges,
extrazelluläre Matrix (EZM)

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Heparin:
• sehr stark sulfatiertes Glukosaminglykan mit hoher negativer Ladungsdichte
• abwechselnd D-Glucosamin mit D-Glucuronsäure oder L-Iduronsäure vernüpft
• körpereigen kommt es nur in den Mastzellen vor; kommt nicht in EZM vor
• Funktion: Gerinnungshemmung durch Wirkungsverstärkung von Antithrombin
(stark negatives Heparin bindet an Antithrombin, welches stark beschleunigt an aktive Gerinnungsfaktoren bindet -> Hemmung
der Blutgerinnung)

18 Laborchemische Glucoseanalyse – Praktikum „Glucose und andere Kohlenhydrate“


18.1 Messprinzipien der Glucosebestimmung im Blut & Urin
18.1.1 amperometrisches Messverfahren zur Bestimmung der Blut-Glucosekonzentration

• Kapillarblut gelangt auf dem Teststreifen in Kontakt mit Glucosehydrogenase, wobei D-


Glucose zu Gluconolacton oxidiert wird; Coenzym PPQ wird dabei zu PPQH2 reduziert
• über Zwischenstufen werden Elektonen freigesetzt, deren Stromfluss an der
Goldelektrode proportional zur Glucosekonzentration steigt
• das Gerät zeigt die Glucosekonzentration in mmol/l oder mg/dl an (Umrechnungsfaktor 18)
=> schnelle, quantitative Methode

18.1.2 Teststreifen zur Bestimmung der Glucosekonzentration im Urin

• der Teststreifen enthält zwei Enzyme und weitere Reagenzien, welche in der Harnlösung
zunächst gelöst werden
• Glucose-Oxidase (GOD) oxidiert Glucose zu Gluconsäure, wobei Wasserstoffperoxid
entsteht: D-Glucose + O2 + H2O -> D-Gluconsäure + H2O2
• Peroxidase (POD) reduziert Wsserstoffperoxid zu Wasser, wobei ein farbloser
Redoxindikator zu einem farbigen Produkt oxidiert: H2O2 + Farbstoff(red) -> Farbstoff(ox) + 2 H2O
• Menge des gebildeten Farbstoffes ist proportional zur umgesetzten Glucosemenge
=> schnelle, semiquantitative Methode

18.2 Prinzip des oralen Glucosetoleranztests & dessen diagnostische Anwendung

• mit dem oralen Glucosetoleranztest (oGTT) wird die Fähigkeit des Körpers untersucht,
eine vorgegebene Menge Glucose in einer bestimmten Zeit aus dem Blut in die
Kohlenhydrat- & Fettspeicher zu überführen
• Proband muss 10-16h nüchtern sein; nach initialer BZ-Messung trinkt der Proband ein
Mono-/Oligosaccharidgemisch (75g Kohlenhydrate, 300ml Flüssigkeit) innerhalb von 5
Minuten
• Nach 60 und 120 Minuten wird der BZ erneut gemessen

Ergebniseinteilung in 3 Gruppen:
Zeitpunkt Normal gestörter oGTT Diabetes mellitus
Nüchtern 3,3 – 5,5 mmol/l 5,5 – 6,7 mmol/l > 6,7 mmol/l
1h nach Glucosetrunk 8-10 mmol/l
2h nach Glucosetrunk < 7mmol/l 7,8 – 11,1 mmol/l > 11,1 mmol/l

• diagnostisch wird der oGTT angewendet bei:


- Übergewicht & art. Hypertonie (prophylaktisch)
- zur Abklärung subklinischer Diabetes mellitus (Frühstadium)

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18.3 Normwerte der Glucosekonzentration im Blut & Urin

• Blutzuckerspiegel beim gesunden Menschen: 3,3 – 5,5 mmol/l bzw. 60-100 mg/dl
-> Nervengewebe, Nebennierenmark & Erythrozyten sind direkt abhängig von Glucose
• Transportmaximum der Niere für die Rückresorption von Glucose ist 8-10 mmol/l,
weshalb bei höheren Glucosekonzentrationen im Blut auch Glucose in den Urin gelangt
-> Glucosurie; als physiologisch gilt Nüchternurin-Glucosewerte von unter 15 mg/dl, wobei die
Normwerte alters- & Nierenfunktions-abhängig sind
• Diabetes mellitus liegt vor, wenn (Glucosespiegel im venösen Blutplasma gemessen)...
...an zwei Zeitpunkten Nüchternblutzucker ≥ 7 mmol/l (126 mg/dl)
...Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl) zwei Stunden nach Start oGTT
...an zwei Zeitpunkten Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl)
...zusätzlich kann HbA1C-Wert (glykiertes Hämoglobin) bestimmt werden: ≥ 6,5% (≥ 48 mmol/l)
< 5,7% vermutlich kein Diabetes; bei Ergebnis dazwischen ist oGTT indiziert

18.4 Durchführung der Fertigkeiten aus 18.1

BZ-Messung:
• Finger waschen; ersten Blutstropfen abwischen & nur vorsichtig ausstreichen

Harnglucose-Teststreifen:
• Streifen in Lösung halten (1 Sek.); Flüssigkeit abstreifen; Ergebnis nach 30 Sek. ablesen

19 klassische Galaktosämie
19.1 Allgemeines

• autosomal-rezessiver Erbgang (Inzidenz: 1:30000 bis 1:60000 in Europa)


-> wird in Deutschland im Neugeborenenscreening (36-72h postnatal) abgeklärt
• Enzymdefekt: Mutation führt zu defekter Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase (GALT)
• in Folge der Anhäufung von Galaktose-1-Phosphat, welche toxisch wirkt, in Leber,
Gehirn, Niere & Erythrozyten
• Energiemangel, da 50% der Laktose-Bestandteile nicht zur Energiegewinnung genuztzt
werden kann
• Galaktose & Galaktose-1-Phosphat im Blut erhöht; Galaktose & Galaktitol im Urin

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19.2 klinische Symptome

• Trinkunlust, Lethargie
• Erbrechen, Durchfälle
• Hepatomegalie mit Gerinnungsstörung
• Ikterus; erhöhter Bilirubinwert (Hyperbilirubinämie) aufgrund von Leberschädigung
• untherapiert neonatal: Gedeihstörung, Leberversagen, Sepsis, Tod

-> Symptome treten 1-2 Tage nach erster Milchmahlzeit auf

19.3 Therapieoption

• einzige Therapieoption:
- sofortiger Stopp der Laktosezufuhr
- lebenslange, galaktosefreie (also auch laktosefreie) Diät
- CAVE: viele Medikamente und Hygieneartikel (Zahnpasta, Körperpflege) enthalten Laktose
- Calcium-Substitution & ggf. Hormon-Substitution
• Photo- und Infusionstherapie (blaues Licht verändert Bilirubin, sodass es wasserlöslich
• Supportivtherapie:
- Phototherapie: blaues Licht verändert Bilirubin, sodass es wasserlöslich abgebaut werden kann
- Infusionstherapie: Austausch des Blutes; ggf. FFP (Fresh Frozen Plasma) zur Behandlung der Gerinnungsstörung
- Antibiose: Vorbeugung einer Sepsis

19.4 Krankheitsverlauf

• trotz Therapie können die Störungen im Galaktose-Stoffwechsel schwerwiegende


Erkrankungen nach sich ziehen:
- mentale Retardierung unterschiedlichen Ausmaßes
- Sprachentwicklungsverzögerung (ca. 60% der Pat.)
- Ataxie (unkontrollierte, überschüssige Bewegung), Tremor (zittern)
- Hypergonadotroper Hypogonadismus (fast nur Mädchen betroffen; Ovarialinsuffizienz -> nicht
selbstständig einsetzende Pubertät bis zu Infertilität)
- Osteopenie (als Vorstufe der Osteoporose)
- Katarakt

20 Diabetes mellitus Typ I & Typ II


20.1 Differenzierung der Diabetes-Varianten nach Pathomechanismen & klinischem
Erscheinungsbild

• Diagnostik: Krankheitstypische Symptome (Durst, Harndrang, Infektionen, ggf. Gewichtsverlust)


+ Labordiagnostik (s. 18.3)
• Primärer Diabetes mellitus teilt sich in Typ I und Typ II; sekundärer Diabetes mellitus (auch Typ III
genannt; < 1% der Pat.) für Diabetes als Folgeerkrankung o.Ä.; bspw. Pankreaserkrankungen, medikamentös induziert,
endokrine Erkrankungen mit Hypercortisolismus (bspw. Cushing-Syndrom)

Pathomechanismen:
• Typ I
- autoimmune Zerstörung der !-Zellen im Pankreas -> starkem bis absolutem Insulinmangel
- Insulin-abhängiger Rezeptor (GLUT-4) für Glucoseaufnahme in Fett- & Muskelzellen wird nicht mehr
aktiviert; ausbleibende hormonelle Insulinwirkung führt zur gesteigerten Glykogenolyse & verminderter
Glykogensynthese
=> Anstieg des Blutzuckerspiegels

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- Abbau von Proteinen & Fetten zur ersatzweisen Energiegewinnung führt zur Bildung von „sauren“
Ketonkörpern
=> Ketonämie, Ketonurie, metabolische Azidose
• Typ II
- verminderte Insulinsekretion durch !-Zellen des Pankreas (evtl. aufgrund von Fetteinlagerungen, die
außerdem in Leber und Muskeln Rezeptorempfindlichkeit vermindern) -> Insulin-Sekretionsstarre &
herabgesetzte Rezeptorempfindlichkeit haben BZ-Anstieg zur Folge
- vermehrte Insulinproduktion versucht das Ungleichgewicht auszugleichen
- langfristig kommt Insulinproduktion aufgrund hoher Glucose- & Fettsäurenspiegel im Blut zum Erliegen
(Glucolipotoxizität) -> !-Zellen gehen zugrunde

Klinisches Erscheinungsbild:
Typ I (T1DM) – (veraltet: juveniles Diabetes) Typ II (T2DM) – (veraltet: Alters-Diabetes)
meist junge, schlanke Patinen (< 40 J.) Häufig im höheren Lebensalter
rascher Beginn der Symptomatik & Beschweren !!! schleichender Verlauf
Abnahme/Komplettverlust der Insulinproduktion Insulinwerte von leicht erniedrigt bis erhöht
-> sofortige Insulintherapie indiziert -> verschiedene Therapiemöglichkeiten (s. 20.2)
Weitere Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Milde Symptomatik; Diagnostik meist erst nach
Polyurie, Gewichtsverlust, starker Durst, Folgeerkrankungen
Muskelschwäche, Infektionen, Sehstörungen
Ätiologie: vermutlich multifaktoriell bedingte Ätiologie: Kombination aus genetischen Einflüssen &
Autoimmunreaktion (wahrscheinlich viral, auch Umweltfaktoren
genetisch)
Akutkomplikation: ketoazidotisches Coma diabeticum Akutkomplikation: hyperosmolares Coma diabeticum
Pat. meist mit metabolischem Syndrom (abdominelle
Adipositas, Hypertonie, Hypertriglyzeridämie, erhöhte BZ-
Werte/Diabetes); Bewegungsmangel

Langzeit-Folgen:
• Blutglucose reagiert nicht-enzymatisch mit Proteinen (bspw. Hämoglobin -> glykiertes
Hämoglobin; HbA1C-Wert); auch andere Proteine in Gefäßmembran o.Ä. betroffen
• Mikrovaskulär: Neuropathie, Nephropathie, Retinopathie
• Makrovaskulär: Gefäßstenosen/-okklusionen -> KHK, MI; pAVK, Nekrosen; Schlaganfall
• Diabetisches Fußsyndrom: Folge mikro- & makrovaskulärer Schädigungen; Verminderung von
Schmerzempfingen & Durchblutung führt zu erhöhter Infektions- & Verletzungs-/Nekrosegefahr
Therapie: Antibiose zur Ulkusprophylaxe, tägliche Inspektion & sorgfältige Hygiene

20.2 grundlegende Therapiemöglichkeiten

Ernährung:/Diät
• Typ I
- keine Ernährungsverbote
- Abschätzung der Kohlenhydratmenge (1 BE = 10-12g Kohlenhydrate)
• Typ II
- Kalorienreduktion (v.a. bei Insulinresistenz); Vermeidung großer Kohlenhydratmengen &
Reduktion des viszeralen Bauchfetts
- allg. gesunde Ernährungsform: 10-20% Proteine; 25-35% Fette (überwiegend ungesättigte
Fettsäuren); 45-60% Kohlenhydrate (reichlich Ballaststoffe & niedriger glykämischer Index)

Bewegung:
• Muskelarbeit fördert die Aufnahme von Glucose -> Senkung des Blutzuckerspiegels
• Typ II Diabetiker als Therapie zur Gewichts-/Fettreduktion

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Medikamente:
• Typ I
- Insulintherapie
• Typ II
- Metformin (orales Antidiabetikum) bewirkt Glucoseaufnahme in der Peripherie, indem
Glykogenolyse & Gluconeogenese in der Leber gehemmt wird
- Acarbose (orales Antidiabetikum), welches die Glucoseaufnahme aus dem Darm nach den
Mahlzeiten verlangsamt
- Sulfonylharnstoffe & prandiale Glucoseregulatoren regen !-Zellen zur Insulinsekretion
an
- Inkretinbasierte Therapie (gastrointestinales Hormon) führt zur Nahrungsabhängigen
Insulinsekretion; außerdem Senkung des HbA1C-Wertes & leichte Gewichtsreduktion
- Insulin zur Therapie im späteren Verlauf des Typ II

20.3 hormonelle Regulation der Blutzuckerhomöostase

Insulin:
• Synthese in den !-Zellen der Langerhansschen Inseln des Pankreas
Gen sequenziert Präproinsulin („Prä“-Signalsequenz dafür sorgt, dass das Protein ins ER gelangt, wo sie selbst entfernt wird); intramolekulare
Wechselwirkungen im Proinsulin in Form von Disulfidbrücken verbinden „Schleifen“, welche danach im Golgi-Apparat
getrennt werden -> Disulfidbrpcken verbinden A- & B-Ketten & reifes Insulin gelangt über Vesikel ins Blut (s. Püschel S. 575)
• Freisetzung bei ansteigendem Blutzuckerspiegel (Sekretion durch die !-Zellen bei steigendem Glucose
in ATP Umsatz; dieser aktiviert Kaliumkanäle -> Kaliumausstrom -> Calciumeinstrom -> Vesikel mit Insulin verschmelzen
mit Membran der !!-Zellen)
• Steigernde/Aktivierende Wirkung:
- Glykogensynthese & Glykolyse im Skelettmuskel
- Triaglycerinsynthese im Fettgewebe
- Glykogensynthese in Leber
- Proteinbiosynthese
• Hemmende Wirkung:
- Lipolyse im Fettgewebe
- Glykogenolyse in Leber & Skelettmuskeln
- Glukoneogenese in Leber
• Insulin bindet an Insulinrezeptoren, welche Insulin-abhängige Glucosetransporter 4
(GLUT-4 in Fett- & Muskelzellen) aktiviert, sodass Glucose in Fett- & Muskelzellen transportiert
wird; weiterer Einbau von GLUT-4 in Zellmembran wird ebenfalls induziert
• Insulinrezeptoren der Leber veranlassen Glykogensynthese; Glucoseaufnahme mit
GLUT-2 ist hier jedoch nicht Insulin-abhängig

Glukagon:
• Synthese in den !-Zellen der Langerhansschen Inseln des Pankreas
• Freisetzung bei sinkendem Blutzuckerspiegel (Freisetzung wird durch Insulinpräsenz
gehemmt – Insulin als Antagonist)
• Wirkung in der Leber: Hemmung der Glykogensynthese; Steigerung der Glykogenolyse
& Glykoneogenese mit Freisetzung der Glucose und einhergehendem Anstieg des
Blutzuckerspiegels

Cortisol:
• Steroidhormon (Lipid), welches in der Nebennierenrinde synthetisiert wird
• wirkt zusammen mit Glucagon antagonistisch auf Insulin
• unterstützt Proteolyse & Lipolyse zur Bereitstellung alternativer Energiequellen
• stimuliert die Gluconeogenese und hemmt den Einbau von GLUT-4 in die Membranen
=> Blutzuckerspiegel wird oben gehalten

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Woche 4: „Lipide“
21 Lipide als bioaktive Naturstoffe
21.1 Lipidklassifizierungen

Allgemeines:
• strukturell sehr heterogene Naturstoffe mit oftmals amphiphilem Charakter
• Gemeinsamkeit der meisten Lipide ist die schlechte Wasserlöslichkeit
• in Wasser kommt es zur nicht-kovalenten Polymerbildung

Klassifizierung:
• Fettsäurederivate:
- alle Lipide, die Acylketten enthalten
Einteilung der Fettsäuren (Monocarbonsäuren)
-> Kettenlänge: kurzkettig (C4-8), mittelkettig (C9-14), langkettig (C15-22)
-> Anzahl/Geometrie von Doppelbindungen: keine (Δ0), eine (Δ1), mehrere (Δ2-Δ6)
-> Position von Doppelbindungen: bspw. ω-6 -> 6 C-Atome vom Omegaende aus, liegt die erste
Doppelbindung (Omegaende ist hier Methylgruppe); Konfiguration der Doppelbindungen i.d.R. immer gleich (zwischen
C=C immer 2 C-C), weshalb die erste Doppelbindung vom Omegaende doe Lage der anderen festlegt
- Subklassen: freie Fettsäuren, Glyzerolipide, Sphingolipide, Saccharolipide, Wachse
• Isoprenoide/Isoprenderivate:
- alle Lipide, die über den sog. „Isoprenweg“ synthetisiert werden können
-> Synthese aus Isoprenderivaten: IPP & DMAPP
- Isopren = 2-Methyl-1,3-butadien
- Steroide = zyklische Isoprenoide; Terpene = lineare Isoprenoide
• Polyketide/Polyketidderivate:
- strukturell sehr heterogene Stoffklasse, die im menschl. Körper nicht nativ vorkommt;
wichtig für Arzneimittel (!)
- Synthese als Polymerisierung von C2- oder C3-Körpern („Polyketidweg“), wobei bei
der Synthese aller Polyketide Zwischenprodukte mit Polyketidstruktur entstehen

21.2 Bestandteile medizinisch bedeutsamer Lipide

• Triazylglyzerole:
- 3 Fettsäuren an Glyzerol gebunden

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• Diazylglyzerole:
- 2 Fettsäuren an Glyzerol gebunden
• Phospholipide:
- Glyzerophospholipide: Glyzerol + 2 Fettsäuren + Phosphatgruppe (=
Phosphatidsäure) + organische Base (vornehmlich Cholin, Ethanolamin, Inositol, Serin)
- Sphingophospholipid: s.u.
• Sphingolipide:
- Sphingosin ist ein zweiwertiger Aminoalkohol mit
langkettiger, einfach ungesättigter Kohlenwasserstoffkette;
amphiphiles Molekül (!)
- Ceramid: Sphingosin über Amingruppe mit Fettsäure
verbunden
- Sphingophospholipid: Sphingosin + Fettsäure (wie bei
Ceramid), wobei ein Ligand (z.B. Cholin) über Phosphatrest mit
einer OH-Gruppe verbunden ist
- Glycosphingolipid: Sphingosin + Fettsäure (wie bei
Ceramid), wobei Zuckermolekül ! -glykosidisch an eine OH-
Gruppe gebunden ist; Cerebroside -> einzelnes Zuckermolekül;
Ganglioside -> mehrere Zuckermoleküle

• Plasmalogene:
- Bestandteile sind Glyzerol, eine Fettsäure, ein
Alkenol, eine Phosphatgruppe und Cholin
• Isoprenoide:
- bestehend aus langkettigen Isoprenoidketten

21.3 biologische Rolle medizinrelevanter Lipide

• Triazylglyzerole:
- effektive Energiespeicher, da Kohlenstoffatome maximal reduziert vorliegen, lässt sich
mit ihnen durch Energiestoffwechsel (Oxidation) viel Energie gewinnen
=> hoher spezifischer Energiegehalt
- gute Mobilisierbarkeit
- hormonelle Steuerung
• Diazylglyzerole:
- intrazellulärer Botenstoff (second messenger), die bei Zellstimulation aus den
Phospholipiden der Membran gebildet werden (sie aktivieren Proteinkinase C -> Veränderung des Zell-
Funktionszustandes)

• Phospholipide:
- Strukturelement von Membranen; amphiphiler Charakter (hydrophile Kopfgruppe &
hydrophobe Fettsäuren) führen zur spezifischen Zusammenlagerung im wässrigen Milieu
- diverse Botenstoffe werden aus den Phospholipiden der Biomembran gebildet
- ebenfalls Bestandteil von Lipoproteinen
• Sphingolipide:
- Sphingophospholipide sind ebenfalls Membranbestandteile
- Glykosphingolipide kommen überwiegend im ZNS vor
• Cholesterolderivate:
- Transport- & Speicherform von Cholesterol
- Transport durch Veresterung von Fettsäure mit OH-Gruppe, wodurch Molekül maximal
hydrophob wird
- Energiespeicher in Zellvakuolen; bei Freisetzung dienst Cholesterol als Vorstufe von
Steroidhormonen (Aldosteron, Östron, Testosteron, Cortisol)

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21.4 Grundprinzipien der Biosynthese ausgewählter Lipidmediatoren

Steroidhormone:
• Def.: zyklische Lipidhormone, die aus Cholesterol gebildet werden, den Na+-Haushalt
und das BZ-Gleichgewicht regulieren und als Sexual- & Schwangerschaftshormon
wirken
• endogene Synthese in bestimmten Hormon-produzierenden Zellen (z.B. Gonaden,
Nebennierenrinde)
• über Acetyl-CoA werden Fette/Kohlenhydrate/AS zu Mevalonsäure umgebaut; diese
wird zu Squalen (organische ungesättigte Verbindung C30H50) und daraufhin zu Cholesterol
umgewandelt, welches als Basis der Steroidhormone dient
Eikosanoide (Eicos = 20):
• Def.: zyklische bzw. lineare Lipidhormone, die aus Arachidonsöure gebildet werden
• Metaboliten des Cyclooxygenase-Wegs (COX) sind zyklische Eicosanoide (Prostaglandine,
Thromboxane, Prostacycline)
-> aliphatische Arachidonsäure wird zyklisiert -> Prostanring
-> COX1 zur Synthese physiologischer Prostaglandine; COX2 zur Synthese inflammatorischer Prostaglandine
(pathologische Prozesse)
• Metaboliten des Lipoxygenase-Wegs (LOX) sind lineare Eicosanoide (Leukotriene, Lipoxine)
• nachdem freie Arachidonsäure (C20:Δ4) durch Phospholipase A2 aus
Membranproteinen gewonnen ist, wird diese in einer Oxidationreaktion (+ O2) über COX
oder LOX umgebaut

22 Chemie der Triacylglyzerole & Phospholipide


22.1 wichtige Fettsäuren

• Stearinsäure:
- gesättigte Fettsäure (C18)
• Ölsäure:
- einfach ungesättigte Fettsäure (C18:1 Δ9 ω-9)
• Linolsäure:
- mehrfach ungesättigte Fettsäure (C18:2 Δ9,12 ω-6)
- essentielle Fettsäure
• Linolensäure:
- mehrfach ungesättigte Fettsäure (C18:2 Δ9,12,15 ω-3)
- essentielle Fettsäure
-> Merksatz: Anzahl der Silben (Öl, Linol, Linolen) = Anzahl der Doppelbindungen

22.2 Bildung & Spaltung von Carbon- & Phosphorsäureestern

Carbonsäureester:
• Veresterung entspricht einer Kondensation
• hydrolysierbar; Spaltung von Estern mit
Wasser (= Verseifung)
• begrenzt wasserlöslich, da unpolarer als Carbonsäure & kaum H-Brücken ausgebildet
werden

Phosphorsäureester:
• Phosphorylierung (Veresterung); meist bei ATP
• hydrolysierbar (Dephosphorylierung)

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22.3 Eigenschaft von Kohlenstoff-Einfachbindungen/-Doppelbindungen

• unter Abspaltung von 2 H-Atomen können Doppelbindungen zwischen den C-Atomen


entstehen;
konjugierte Doppelbindung: durch eine Einfachbindung getrennte Doppelbindung
isolierte Doppelbindung: durch mehrere Einfachbindungen getrennte Doppelbindung
• Doppelbindungen können in cis- oder trans-Form vorliegen (vgl. 25.4)
• Doppelbindungen sind reaktiver als Einfachbindungen; die Drehbarkeit im Vergleich zu
Einfachbindungen ist jedoch reduziert
• gesättigte Fettsäuren besitzen keine Doppelbindungen, wodurch ihre
Monocarbonketten sehr gerade verlaufen & und sie sich dicht
gepackt aneinanderlagern können
=> solche Lipide sind bei Raumtemperatur fest & heißen Fette
• ungesättigte Fettsäuren besitzen eine oder mehrere Doppelbindungen, „Knicke“ in den
Monocarbonketten entstehen; ein dichtes aneinanderlagern ist nicht mehr möglich
=> solche Lipide sind bei Raumtemperatur flüssig & heißen Öle

22.4 Aktivierung von Carbonsäuren durch Coenzym A & Funktion von Acyl- bzw. Acetyl-CoA

• Coenzym A kann mit seiner Thiolgruppe sehr energiereiche Verbindungen eingehen und
damit Essigsäure/Ethansäure (-> Aceytl-CoA) oder andere Carbonsäuren (-> Acyl-CoA) unter
Wasserabspaltung & ATP-Verbrauch „aktivieren“
• Acetyl-CoA („aktivierte Essigsäure“):
- wichtigstes Intermediat im Zellstoffwechsel von Kohlenhydraten, Lipiden & Aminosäuren (v.a. im
Citratzyklus – vgl. 23.6);
- Energiegewinnung durch den Abbau in Citratzyklus & Atmungskette
- Auf- & Abbau von Fettsäuren
- hohes Gruppenübertragungspotential durch die freiwerdende Energie der Thioester-Verbindung
- die der Hydrolyse des Thioesters wird mehr Energie als bei einem Carbonsäureester frei, da keine
Mesomerie-Stabilität haben
• Acyl-CoA („aktivierte Fettsäure“):
- ebenfalls sehr energiereiche Verbindung mit hohem Gruppenübertragungspotential
- Synthese bspw. von Triacylglyzerolen

22.5 Funktion von NAD+/NADH & NADP+/NADPH als Redoxsysteme

• NAD+/NADH dient zur Elektronenübertragung (inkl. Protonen) in


katabolen Reaktionen
- Transport von H+ & e- zur inneren Mitochondrienmembran (Atmungskette)
- 2 e- & ein H+ werden an NAD+ gebunden (Reduktion/Hydrierung); zweites H+
„schwimmt“ im Cytosol mit
• NADP+/NADPH dient als Elektronenüberträger (inkl. Protonen) in
anabolen Reaktionen
Aufbau: eine OH-Gruppe des Adenin-nahen Riboserings ist durch Phosphatgruppe
ersetzt
• die Coenzyme werden in Zwischenschritten von
Redoxketten genutzt; Redoxketten sind hintereinander
geschaltete Redoxreaktionen, um Elektronen bis auf den
terminalen Akzeptor zu übertragen

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23 Synthese, Umbau, Abbau & Ausscheidung verschiedener Lipide


23.1 Prinzipien der Biosynthese von Fettsäuren

• die Biosynthese von Fettsäuren findet im Cytosol statt


• Aceytl-CoA, was fast nur in Mitochondrien vorliegt, wird dort mit Oxalacetet zu Citrat,
welches ins Cytosol befördert werden kann; dort wird Citrat wieder gespalten
• Ergebnis der Biosynthese sind langkettige, gesättigte C18-Fettsäuren

23.1.1 Modifizierung der Fettsäure-Synthase-Produkte

• cytosolische FS-Synthase synthetisiert maximal C18-Fettsäuren; Fettsäure-Elongasen im


endoplasmatischen Retikulum katalysieren die Kettenverlängerung am Carboxylende mit
Malonyl-CoA-Resten, sodass auch C20-/C22-Fettsäuren synthetisiert werden können
• zur Synthese ungesättigte Fettsäuren gibt es Desaturasen im endoplasmatischen
Retikulum, die cis-Doppelbindungen in die gesättigten FS einbauen können
(Mensch hat Δ5-, Δ6- und Δ9-Desaturasen, was erklärt, warum es essentielle FS gibt)

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23.2 Prinzipien des Abbaus von Fettsäuren

• der Fettsäure-Abbau findet größtenteils in Mitochondrien statt

23.2.1 Besonderheiten beim Fettsäureabbau

• bei ungradzahligen FS bleibt nach dem letzten Zyklus ein C3-Metabolit (Propionyl-CoA) übrig;
dieser wird Biotin-abhängig zu einem C4-Metaboliten aufgebaut, welcher zu
Succinyl-CoA umgebaut werden kann -> Succinyl-CoA wird im Citratzyklus genutzt
• cis-Doppelbindungen können in der !-Oxidation nicht abgebaut werden, weshalb diese
(zusätzlich an unpassenden Stellen liegende Doppelbindungen, da immer C2-Verkürzung) durch Isomerasen zu
trans-Doppelbindungen umgelagert werden
• die β-Oxidation in Peroxisomen dient nicht der Energiegewinnung und wird meist nur
genutzt um langkettige FS zu kürzen (nicht vollständig abzubauen)

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23.3 Biosynthese von Cholesterol

• die Cholesterolbiosynthese findet größtenteils im endoplasmatischen Retikulum statt

• Regulation der Cholesterol-Synthese erfolgt am Schlüsselenzym HMG-CoA-Reduktase;


deren Aktivität ist von Steroiden reguliert und kann von Medikamenten wie Statinen als
HMG-CoA-Reduktase-Hemmer inhibiert werden, um den Cholesterolspiegel zu senken

23.4 Funktionen von Fettsäuren & Cholesterol

• Nahrungsbestandteil:
- Lipide (v.a. Triacylglyzerole) sind in verschiedensten Formen Bestandteile der Nahrung; wichtigste
Nahrungsbestandteile sind die essentiellen Fettsäuren, die der Körper nicht selbständig synthetisieren kann
- fast alle Lipide müssen im Darm mit Hilfe exokriner Pankreasenzyme gespalten werden, bevor sie über
das Darmepithel resorbiert werden können
• Energiespeicher:
- Triacylglyzerole sind effektive (hoher spezifischer Energiegehalt), gut mobilisierbare (Hormonsteuerung), wasserfreie
Energiespeicher
- in kleinen intrazellulären Depots sind Triacylglyzerole als langfristige Energiespeicher hinterlegt
- außerdem als Fettgewebe zur Polsterung von Organen & zum Kälteschutz
• Membranbaustein:
- amphiphile Lipide (Phospholipide, Gylcolipide bzw. meist Sphingolipide, Cholesterol) dienen als Bausteine
der Biomembran (Lipid-bilayer)
- Phospholipide bilden das Grundgerüst der Biomembran, wobei als Sphingolipid meist Sphingomyelin (v.a.
in Myelinscheiden der Nerven) verbaut wird
• Hormonvorstufe:
- Arachidonsäure (im Körper aus Linolsäure synthetisierbar) als Ausgangssubstanz der Eicosanoide und damit
wichtiger Signalstoffe (Prostaglandine, Leukotriene, Thromboxane)
• Cholesterol als Ausgangssubstanz aller Steroidhormone

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23.5 Ausscheidungsmöglichkeiten bestimmter Lipide


• Sterangerüst des Cholesterols (und der auf Basis von Cholesterol entstehenden Steroidhormonen) kann im
menschlichen Körper nicht weiter abgebaut werden (-> kein Energielieferant!)
• Umwandlung zu Gallensäuren macht die Ausscheidung über Galle & folglich Stuhl
möglich, ABER: ca. 80% der Gallensäuren werden im Dünndarm wieder resorbiert
(entero-hepatischer Kreislauf)
=> Ausscheidung ist ineffektiv, Mensch hat eine Ausscheidungsschwäche für Cholesterol
• einige Steroidhormone können als Abbauprodukte auch über den Harn abgegeben werden

23.6 Acetyl-CoA also Intermdiat

• Acetyl-CoA ist das wichtigste Intermediat im


Zellstoffwechsel
• der Abbau von Pyruvat aus der Glykolyse zu
Acetyl-CoA ist irreversibel, da das Enzym für
die Rückreaktion fehlt
-> über Zwischenschritte können KH zu FS
umgebaut werden, ein Wiederaufbau von KH
aus Acetyl-CoA ist jedoch nicht möglich

24 Biochemie der Lipide & Beziehung zur Arteriosklerose


24.1 Aufbau & Funktion humaner Lipoproteine

Chylomikronen:
• Transport von im Darm resorbierten Fetten (fast nur Triacylglyceride) über Lymphe ins Blut
• in Mukosazellen des Darms wird Apolipoprotein im rauen ER, Lipidanteil im glatten ER
zusammengeführt
• Lipid/Protein-Verhältnis von 99:1; Triacylglyzerolreiches Lipoprotein

VLDL (Very Low Density Lipoproteine):


• Transport von Triacylglyzerolen von der Leber in die Peripherie
• Lipid/Protein-Verhältnis von 90:10; Triacylglyzerolreiches Lipoprotein

LDL (Low Density Lipoproteine):


• Transport von Cholesterol(-estern) & Triacylglyerolen von der Leber in extrahepatisches
Gewebe (Anteport)
• Apolipoprotein B100 als Bestandteil
• Lipid/Protein-Verhältnis von 80:20; Triacylglyzerolarmes Lipoprotein

HDL (High Density Lipoproteine):


• Transport von überschüssigem Cholesterol aus der Peripherie zur Leber
=> reverser Cholesteroltransport (v.a. durch HDL3)
• Lipid/Protein-Verhältnis von 50:50; Triacylglyzeroarmes Lipoprotein

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Allgemeiner Aufbau eines Lipoproteins mit hydrophobem Kern und hydrophiler Außenhüllen,
wobei es sich um nicht-kovalent gebundene Lipid-Protein-Aggregate handelt, die den
Fettembolie-freien Transport im wässrigen Medium Blut ermöglichen.
=> Neben dem Transport besteht die Aufgabe des Apolipoproteins außerdem noch darin, als
Ligand an Lipoprotein-Rezeptoren zu binden, sodass der gesamte Komplex in die Zelle
transportiert wird (s. 24.4)
- die Übergänge zwischen den Klassen sind fließend
- Albumin als Plasmaprotein dient zum Transport von freien Fettsäuren im Blut

24.2 chemische Strukturmerkmale von Cholesterol & Cholesterolestern

Cholesterol:
• Sterangerüst aus drei 6er-Ringen (A-, B-, C-Ring)
und einem 5er-Ring (D-Ring)
• hydrophile OH-Gruppe am A-Ring
• hydrophobe Seitenkette am D-Ring
• intrazellulär katalysiert ACAT die Veresterung; extrazellulär
katalysiert LCAT die Veresterung
Cholesterolester:
• Cholesterol + Fettsäure sind an der OH-Gruppe verbunden
• es entsteht ein extrem hydrophobes Molekül, welches als
Transportform im Kern von Lipoproteinen dient; liegt auch
intrazellulär als Lipiddepot vor
-> kommt niemals in Biomembranen vor!

24.3 unterschiedliche Funktionen von LDL & HDL beim Cholesteroltransport

• Chylomikronen gelangen über die Lympe (Ductus thoracicus) ins Blut, sodass Fettembolien
bei sehr fettiger Nahrung verhindert werden
LDL („Low Density Lipoprotein“):
• LDL kann von LDL-Rezeptoren
aufgenommen werden und
versorgt das extrahepatische
Gewebe mit Cholesterol &
Triacylglyerolen
HDL („High Density Lipoprotein “):
• reverser Cholesteroltransport
führt überschüssiges Choles-
terol aus der Peripherie zurück
zur Leber
-> die Ausscheidung über Gallensäure ist
ineffektiv, da 80% im Darm wieder resorbiert wird

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• HDL kann Triacylglyzerole & Cholesterolerster zwischen den verschiedenen


Lipoproteinen umverteilen
• 80% des Cholesterols werden endogen synthetisiert, nur 20% stammen aus der
Nahrung

24.4 Prinzip & Regulation der zellulären Aufnahme von LDL über LDL-Rezeptor

R4- & R5-Domäne des in der Zellmembran


verankerten LDL-Rezeptor sind für die
Ligandbindung (ApoB100) zuständig (reversibel & pH-
abhängig)

der gesamte Komplex gelangt durch Rezeptor-


vermittelte Endozytose in die Zelle
(=Endosom/coated vesicles), wo er mit einem
Lysosom (enthält Abbauenzyme) verschmilzt

Ligand & Rezeptor dissoziieren wegen des niedrigen


pH-Wertes (entsteht durch Protoneneinstrom), woraufhin die
Rezeptoren in Vesikeln zurück zur Membran
transportiert werden (LDL-Rezeptor-Recycling)

beim Abbau von ApoB100 entstehende AS gelangen


in den zellulären Aminosäurepool & werden zur
Proteinbiosynthese genutzt; von LDL-Esterlipide
(Phospholipide, Triacylglyzerole, Cholesterolester) werden
Fettsäuren abgespalten, die der Energiegewinnung dienen (!-Oxidation)

Cholesterol wird...
a) in ER-Membran eingelagert
-> Regulierender Charakter (s.u.)

b) mit Schlüsselenzym ACAT zu Cholesterolestern umgebaut


-> Anlage als intrazelluläres Cholesteroldepot,
welches bei Energiemangel abgerufen werden kann
c) Einbau in die Zellmembran
-> HDL transportiert Cholesterol zurück zur Leber

Regulation der Cholesterolhomöostase:


• eine hohe zelluläre Cholesterolkonzentration (und die Bindung ans ER) bewirken...
...verminderte Expression der HMG-CoA Reduktase (-> verringerte endogene Cholesterolsynthese)
...Aktivierung der ACAT, wodurch mehr Colesterol aus der Zelle ausgeschleust bzw. verestert im Depot gespeichert wird
...verminderte Expression des LDL-Rezeptor-Gens
...verminderten Einbau/Rücktransport des LDL-Rezeptors in die/zur Biomembran

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24.5 kausale Beteiligung von Lipoproteinen (v.a. LDL, HDL) an der Pathogenese der
Arteriosklerose

erhöhter LDL-Cholesterol-Spiegel im Blut führt dazu, dass v.a. (vermutlich durch Radikale) oxidiertes
LDL-Cholesterol durch kleine Schäden in der tunica intima in den Zwischenraum von tunica
intima & tunica media gelangen

gewisse LDL-Konzentration kann durch ebenfalls steigende HDL-Konzentration noch


ausgeglichen werden, da HDL Cholesterol aufnehmen und zur Leber zurückführen kann

Makrophagen nehmen mit Scavenger-Rezeptoren, welche keiner Regulation/Rückkopplung


unterliegen, jegliches LDL/modifizierte LDL auf (Phagozytose)

wachsende Makrophagen werden zu Schaumzellen (makroskopisch als Fettstreifen sichtbar), welche sich
zu großen Plaques ansammeln; durch Gefäßdilatation wird der Innendurchmesser und somit
der Blutfluss vorerst konstant gehalten

freie Lipidtropfen aus rupturierten Makrophagen im Extrazellularraum können nicht mehr


abgebaut werden (stabiler Plaque: dicke, stabile Kappe; instabiler Plaque: Ruptur-anfällige, dünne Kappe)

Vergrößerung des Plaques hat letztendlich Stenose und damit einhergehenden punktuell
höheren Blutdruck zur Folge; zudem führt Calcium-Einlagerung zur Verhärtung und
Verminderung der Flexibilität

Plaqueruptur kann zusammen mit Thrombus zum vollständigen Gefäßverschluss führen

• unbeeinflussbare Risikofaktoren:
- Geschlecht (Männer eher gefährdet), Lebensalter, genetische Veranlagung
• beeinflussbare Risikofaktoren:
- Risikofaktoren I.°: Dyslipidämie, Rauchen, art. Hypertonie, Diabetes mellitus
- Risikofaktoren II.°: Bewegungsmangel, Stress, Übergewicht/Adipositas
=> Risikofaktoren potenzieren sich!

25 Ernährung
25.1 Ernährungsprotokolle

• das Ernährungsprotokoll dient dem Patienten zum einen als Gedankenstütze zum
Erfassen der Ernährungsgewohnheiten, zum anderen hilft es (zusammen mit dem Arzt)
zu reflektieren & aufzuzeigen schlechter Essgewohnheiten
• versteckte Kalorien & Fette werden „entdeckt“
• Selbstkontrolle/-reflexion wird erleichtert
• Therapie kann konkret angesetzt werden

25.2 Realität vs. Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Empfehlungen für eine gesunde Ernährung:


• 50-55% Kohlenhydrate, 15-20% Proteine (max. 1g/kgKG), 30% Fette (% der Gesamtenergiezufuhr
pro Tag)
• Alkohol: Männer < 20g/d; Frauen < 10 g/d (entspricht ca. 500ml bzw. 250 ml Bier)
• Obst: max. 300g/d; Gemüse: mind. 300-400 g/d; Fisch ca. 2 mal pro Woche
• Cholesterol: max. 300 mg/d

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Realität (Stand: Deutschland, 2012):


• es wird zu viel, zu fett- & zuckerreich gegessen
• Fettqualität & Menge ungünstig
• hoher Fleischkonsum & Verzehr zuckerreicher Getränke
• Gemüsekonsum steigt an

25.3 günstige Verteilung der Nahrungsfette anhand der Ernährungspyramide

• gute Fettqualität (Leinöl, Rapsöl, Walnüsse) bei einfach/mehrfach ungesättigten FS


Verhältnis ω-6- zu ω-3-Fettsäuren sollte ca. < 5:1 sein
• trans-Konfiguration von mehrfach ungesättigten FS oftmals in industriell hergestellten
Fettprodukten (Fetthärtung, Erhitzen) erhöht den LDL-Spiegel im Blut (2% erhöhte Zufuhr -> 23 %
erhöhtes KHK-Risiko)
• Fette sollten zu 50% aus sichtbaren Fetten (Margarine, Öl) & zu 50% aus versteckten Fetten
bestehen
=> empfohlen wird Lein-/Rapsöl; tierische FS sollten durch pflanzliche FS ersetzt werden
• ausgehend von 30% Fett (s.o.):
max. 7-10% gesättigte FS
10-16% einfach ungesättigte FS
7-10% mehrfach ungesättigte FS

25.4 physiologische Funktionen mehrfach ungesättigter Fettsäuren

• Bausteine von Biomembranen, Signalmolekülen & fettlöslicher


Vitamine (E,D,K,A)
• ungesättigte Fettsäuren (bspw. Pflanzenöle) liegen nativ in der cis-Form vor (vgl. 22.3)
• essentielle Fettsäuren: vom Körper nicht synthetisierbar, da Doppelbindung mehr als 9 C-Atome vom
Carboxylende der FS entfernt liegt; semi-essentielle FS sind FS, die aus essentiellen FS vom Körper gebaut werden
können
• Eikosanoide aus ω-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend, antithrombotisch &
vasodilatierend, wohingegen Eikosanoide aus ω-6-Fettsäuren entgegengesetzte
Wirkungen haben können

26 Lipidanalytik im Serum & Praktikum „Lipide“


26.1 Einteilung von Lipidstoffwechselstörungen

isolierte Hypercholesterinämie:
• hohe Blut-Cholesterinwerte (> 200 mg/dl)
• eher genetische Komponente (vgl. POL-Fall)
• Ansprechen auf Allgemeinmaßnahmen oft schlecht; max. Senkung Cholesterinwert um 10-15%

isolierte Hypertriglyzeridämie:
• nur Triacylglyzerole im Blut erhöht
• sehr selten; eher sekundäre Komponente (Adipositas, Fehlernährung, Diabetes, Erkrankungen)
• i.d.R. helfen Allgemeinmaßnahmen (Ernährungsumstellung, Sport, Gewichtsreduktion) hervorragend

kombinierte Hyperlipidämie:
• Cholesterol & Triacylglyzerole im Blut erhöht
• eher sekundäre Komponente (Adipositas, Fehlernährung, Diabetes, Erkrankungen)
• i.d.R. helfen Allgemeinmaßnahmen (Ernährungsumstellung, Sport, Gewichtsreduktion) hervorragend

=> Cholesterin birgt ein deutlich höheres kardiovaskuläres Risiko als Triacylglyzerole

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26.2 Vor- & Nachteile der direkten & indirekten Verfahren zur LDL-Cholesterinbestimmung
direkte LDL-Cholesterinbestimmung indirekte LDL-Cholesterinbestimmung
Vorteile - günstig & automatisiert Einfach, kostenlos & in vielen Studien erprobt
- sehr genaues Ergebnis, keine Abhängigkeit von
anderen Messdaten
Nachteile - ungültig bei TG > 400 mg/dl
- Ergebnis ist nur ein Näherungswert für die LDL-
Cholesterolkonzentration, da die VLDL-Konzentration
nur geschätzt wird
• direktes Verfahren: Hemmung/Ausfällung anderer Lipoproteine -> direkte Messung der LDL-
Cholesterinkonzentration
• indirektes Verfahren: Berechnung der LDL-Konzentration mit der Friedewaldformel
LDL-Cholesterin = Gesamtcholesterin – HDL-Cholesterin – Triglyceridwert/X
(Einheit mg/dl X = 5; Einheit mmol/l X = 2,2)

26.3 Grundprinzipien der Phonometrie & Fluorimetrie in der automatisierten Lipid-Analytik

Photometrie:
• Färbung der Flüssigkeit ist proportional zur
Stoffkonzentration; bei bestimmter Wellenlänge kommt
es zur Absorption, wobei diese umso stärker ist, je höher die Stoffkonzentration ist
(Lambert-Beer-Gesetz als Grundlage)

Fluorimetrie:
• Licht regt Moleküle auf höheres Energielevel an, wobei Energie in vorm von Licht-
Emission direkt wieder abgegeben wird (Energie etwas geringer, daher längere Wellenlänge)
• quantitative & qualitative Bestimmung von Substanzen; 100-mal empfindlicher als
Photometrie

26.4 Normwerte von Cholesterol & Triacylglyzerolen im Blut


Parameter Normwerte erhöhtes Risiko
Gesamtcholesterol < 200 mg/dl (5,2 mmol/l) > 230 mg/dl (6,2 mmol/l)
mit bis zu 2 RF < 160 mg/dl (4,2 mmol/l) > 200 mg/dl (5,2 mmol/l)
viele RF bzw. KHK < 130 mg/dl (3,4 mmol/l) > 170 mg/dl (4,5 mmol/l)
LDL-Cholesterol < 160 mg/dl (4,0 mmol/l) > 190 mg/dl (4,7 mmol/l)
mit bis zu 2 RF < 130 mg/dl (3,4 mmol/l) > 155 mg/dl (3,9 mmol/l)
mit manifester KHK < 100 mg/dl (2,6 mmol/l) > 120 mg/dl (3,1 mmol/l)
HDL-Cholesterol ≥ 40 mg/dl (1,1 mmol/l) < 35 mg/dl (0,9 mmol/l)
LDL/HDL-Quotient ≤ 3,5
Triglyzeride < 150 mg/dl (1,74 mmol/l) > 200 mg/dl (2,3 mmol/l)

26.5 Quantifizierung von Cholesterol im Blut mit der Teststreifenmethode

1. Cholesterolester + H2O werden durch Cholesterinesterase zu Cholesterol + Fettsäuren


2. Cholesterol + O2 werden durch Cholesterin-Oxidase zu Cholest-4-en-3-on + H2O2
3. H2O2 + CHromogen werden durch Peroxidase zu Farbkomplex + H2O

=> die Farbintensität steigt direkt proportional mit der Cholesterol-Konzentration und kann
photometrisch oder mittels Teststreifen gemessen werden; auf dem Teststreifen werden zunächst die
zellulären Blutbestandteile herausgesiebt, woraufhin die Reaktionen ablaufen können

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26.6 Funktion von Gallensäure bei der enzymatischen Lipidhydrolyse im GI-Trakt

• 80% der Nahrungsfette sind Triacylglyzerole, welche durch die Pankreaslipase


hydrolytisch gespalten werden (FS an Postition1 & 3 werden gespalten -> 2x FS, 1x !-Monoacylglyzerol)
• unpolare, hydrophobe TAG bilden im wässrigen Darmlumen große Fetttröpfchen, deren
„Angriffsfläche“ für Lipase verhältnismäßig klein ist
• Gallensäuren wirken nun als Emulgatoren, legen sich aufgrund ihres amphiphilen
Charakters um die TAG und bilden mit ihnen feintropfige Mizellen
• die kleinen Mizellen (mit vorteilhaftem Oberflächen-Volumen-Verhältnis) erleichtern nun
die hydrolytische Spaltung durch die Lipase
• Emulgator-Mizellen unterstützen zudem die Resorption im Darmepithel
• Gallensäure besteht hauptsächlich aus Cholsäure & Chenodesoxycholsäure

26.7 nass-chemische Bestimmung von Cholesterol mit Hilfe des Photometers

1. ein Reagenzglas mit 0,02ml Blutserum und 1ml Cholesterolreagenz (enthält entsprechende
Enzyme aus 26.5) sowie ein Reagenzglas mit 1ml Cholesterolreagenz und 0,02ml
destilliertem Wasser
2. gut mischen und 15 min bei Raumtemperatur stehen lassen
3. photometrische Messung bei Wellenlänge 500nm (0-Abgleich mit Aqua dest.)
- Extinktionen von Leerwert (Mischung 2) & Analysenprobe (Mischung 1) erheben
4. Cholesterolkonzentration in mmol/l = 7,45 * (ExtinktionAnalyse - ExtinktionLeerwert)

27 Adipositas
27.1 Therapieziele & -möglichkeiten für Patienten mit metabolischem Syndrom

Wichtig ist die grundlegende Verhaltensänderung und die Stabilisierung des Gewichtes
1. Verhaltensänderung & Psychologische Betreuung: Motivation zum aktiven Lebensstil; Selbstkontrolle/-
einschätzung
2. Ernährungsumstellung: Verminderung der Kalorienzufuhr; ausgewogene Ernährung (Ernährungspyramide)
3. Bewegung: Erhöhung des Kalorienverbrauchs, Erhöhung des Ruheumsatzes durch aufgebaute Muskelmasse
4. Medikamente/Operationen: Angriffspunkt ist limbischer Kortex (u.a. Xenical, CM3, Rimunabal), CAVE:
Nebenwirkungen; Operationen neben Bauchfettentfernung Magenbypass-/Magenband-OP

Therapieziele:
• Erhöhung von Selbstakzeptanz, Mobilität, Leistungsfähigkeit, Lebensqualität &
Verbesserung der Zukunftschancen
• Reduktion von Körperfett, Mortalität, Medikamenteneinnahme

27.2 Adipositas als grundlegende Ursache von chronischen Zivilisationskrankheiten

• Def. Adipositas: eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts ( 20% / 30% über
dem normalen Anteil)
• Def. Zivilisationskrankheit: Krankheiten, deren Inzidenz sehr wahrscheinlich mit Lebensgewohnheiten von
Industrieländern in Zusammenhang steht; wichtige ZK, die mit Adipositas assoziiert werden (s.u. Unterstreichung)
• BMI, Waist-Hip-Ratio & Tallienumfang als Grundlage der diagnostischen Erhebung
(Adipozyten des viszeralen Fettgewebes sind hormonell aktiv & birgen das kardiovaskuläre Risiko);
Untergewicht bei BMI > 18,5; Übergewicht ab BMI ≥ 25; Adipositas I° bei BMI 30-34,9; Adipositas II° bei BMI 35-39,9;
Adipositas III° bei BMI ≥ 40

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Adipositas wird mit einer Reihe meist chronisch verlaufenden, alle physiologischen &
psychischen Systeme betreffenden Folgeerkrankungen assoziiert:
• Kardiovaskuläre Erkrankungen (art. Hypertonie, KHK, (P)AVK, Arteriosklerose)
• Metabolisches & hormonelles System (Diabetes mellitus Typ II, Hyperurikämie, Metabolisches Syndrom)
• Hämostase
• Respiratorisches System (Schlafapnoe; erschwerte Atmung)
• Gastrointestinales System (nicht-alkoholische Fettleber)
• Haut
• Bewegungsapparat (Überbelastung, Arthrose)
• Neoplasie

Ursachen von Adipositas:


• Genetische Prädispostion
• Lebensstil (falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Stress)
• Essstörungen/psychische Störungen
• Endokrine Erkrankungen
• Medikamenteneinnahme
• Sonstiges (Schwangerschaft, Immobilisierung)

27.3 metabolisches Syndrom

• das metabolische Syndrom (MetS) gilt als Komplex verschiedener, in Beziehung


zueinander stehender kardiovaskulärer Risikofaktoren;
Hauptfaktoren sind abdominelle Adipositas, art. Hypertonie, Insulinresistenz,
Fettstoffwechselstörung/Dyslipidämie

Diagnostik des metabolischen Syndroms (3 der Kriterien müssen vorliegen):


• Abdominelle Adipositas
Taillenumfang > 102 cm; > 88cm
• Hypertriglyzeridämie
TAG ≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l) bzw. spezielle Behandlung der Fettstoffwechselstörung
• HDL-Erniedrigung
HDL-Wert < 40 mg/dl (1,03 mmol/l); < 46 mg/dl (1,29 mmol/l)
• arterielle Hypertonie
RR sys. ≥ 130 mmHg; RR dia. ≥ 85 mmHg
• Insulinresistenz/Diabetes mellitus Typ II/erhöhte Nüchternblutglucose
≥ 110 mg/dl (5,6 mmol/l)

Zusammenhänge bezüglich des kardiovaskulären Risikos

• hyperkalorische Ernährung und dadurch ausgelöste Adipositas wird versucht durch


vermehrte Insulinproduktion zu kompensieren
-> LZ: Rezeptorsensitivität & Insulin-produktion der !-Zellen nehmen ab
• Adipozyten des viszeralen Fettgewebes werden von Insulin nicht mehr inhibiert
-> hormonell aktiv & verstärkter Lipolyse (Freisetzung atherogener Lipide)
• vermehrte Gluconeogenese & Glykogenolyse in der Leber, da inhibitorische
Insulinwirkung ausbleibt
• freie Fettsäuren werden vermehrt zu VLDL umgebaut (Dyslipidämie), welche Cholesterol von
HDL übernehmen und als LDL in die Peripherie transportieren
-> Anstieg des atherogenen LDLs; Verminderung des anti-atherogenen HDLs

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