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Epochenüberblick

Das Dokument fasst die wichtigsten literarischen Epochen und Strömungen in Deutschland von etwa 750 bis 1920 zusammen. Es beschreibt für jede Epoche inhaltliche und formale Merkmale sowie bedeutende Autoren und Werke. Die Epochen werden chronologisch von Mittelalter über Renaissance, Barock, Aufklärung bis hin zu Expressionismus der Jahrhundertwende detailliert dargestellt.

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Epochenüberblick

Das Dokument fasst die wichtigsten literarischen Epochen und Strömungen in Deutschland von etwa 750 bis 1920 zusammen. Es beschreibt für jede Epoche inhaltliche und formale Merkmale sowie bedeutende Autoren und Werke. Die Epochen werden chronologisch von Mittelalter über Renaissance, Barock, Aufklärung bis hin zu Expressionismus der Jahrhundertwende detailliert dargestellt.

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Übersicht wesentlicher Literaturepochen

1. Mittelalter (750 – 1500)

Inhaltliche Merkmale
zunächst lateinisch-deutsche Glossare, dann geistliche Literatur; Kreuzdichtung, literarische Verar-
beitung der Ideale der ritterlichen Gesellschaft (êre, mâze, zuht);
Idealisierung der höfischen Dame in Minneliedern

Hauptvertreter und Werke


Malbergische Glossen (750);
Abrogans (764/72);
Hartmann v. Aue (1168 – 1120): Erec, Iwein;
Wolfram von Eschenbach (1170 – 1220): Parzival;
Walther von der Vogelweide (1170 – 1230): Lyrik

Formale Merkmale
Ritterliche Literatur wie z.B. Minnelyrik und Heldenepos;
Politische Spruchdichtung;
Passionsspiele

2. Renaissance und Reformation (1470 – 1600)

Inhaltliche Merkmale
Niedergang des Rittertums und Aufkommen des bürgerlichen Standes; mittelhochdeutsche Sprache
verschwunden, aus der sächsischen Kanzleisprache entwickelt sich das Heuhochdeutsche (Luthers
Bibelübersetzung);
Ideal höchster individueller Persönlichkeitsentfaltung nach antikem Vorbild;
humanistische Ideale

Hauptvertreter und Werke


Hans Sachs (1494 – 1576): Meisterlieder, Fastnachtspiele;
Volksbücher: Till Eulenspiegel, Faust;
Martin Luther (1483 – 1546): Bibelübersetzung;
Sebastian Brant (1458 – 1521): Narrenschiff

Formale Merkmale
Fastnachtsspiel;
Schwank;
Fabel;
Bibelübersetzung, Reformationsschriften;
Volksbuch

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3. Barock (1600 – 1720)

Inhaltliche Merkmale
Kriegserfahrung prägt antithetische Grundstimmung zwischen carpe diem (Genuss- und Lebensgier)
und der Orientierung an ewigen Werten;
Vergänglichkeit alles Irdischen (vanitas-Gedanke);
Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache;
Übertreibung und Schwulst;
Satire (z.B. Grimmelshausen) als Mittel zur Auseinandersetzung mit der Realität

Hauptvertreter und Werke


Andreas Gryphius (1616 – 1664): Sonette;
Martin Opitz (1597 – 1639): Buch von der Teutschen Poeterey;
Hofmann von Hofmannswaldau (1617 – 1679): Lyrik;
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1621 – 1676): Der abenteuerliche Simplicissimus

Formale Merkmale
Sonett;
Schelmenroman;
Antithetik als Strukturprinzip;
Erlebnislyrik;
Kirchenlied

4. Aufklärung (1720 – 1785)

Inhaltliche Merkmale
Verstand und Vernunft als Richtschnur in allen Bereichen;
Postulate: religiöse Toleranz, Gleichheit der Menschen, Kritik an absolutistischer Machtausübung;
Überwindung von Grenzen;
Glaube an die Erziehbarkeit und die Belehrbarkeit von Menschen;
Literatur mit erziehender Funktion;
naturwissenschaftliche Erkenntnisse gegen kirchliche Dogmen

Hauptvertreter und Werke


Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766): Versuch einer kritischen Dichtkunst;
Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769): Fabeln und Erzählungen;
Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781): Miss Sara Sampson, Nathan der Weise, Fabeln;
Christoph Martin Wieland (1733 – 1813): Geschichte des Agathon, Musarion

Formale Merkmale
Drama mit erziehender Funktion;
Bürgerliches Trauerspiel (Aufhebung der aristotelischen Ständeklausel); Fabel; Parabel (Ringpara-
bel);
Blankvers;
Aphorismus (knappe, inhaltsreiche Gedanken mit überraschender Wendung)

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5. Empfindsamkeit und Sturm und Drang (1740/67 – 1780/85)

Inhaltliche Merkmale
Schwärmerei, Tyrannenhass (Empfindsamkeit);
Freiheitsstreben;
Geniegedanke, grenzenloser Individualismus;
gegen Erstarrung der Vernunftherrschaft (Rousseau: Gefühl ist mehr als Denken);
radikale Weiterführung des Humanitätsgedankens;
Ambivalenz zwischen grenzenloser Hingabe und Selbstbehauptung

Hauptvertreter und Werke


Johann Gottfried Herder (1744 – 1803): Journal meiner Reise im Jahre 1769;
Jakob Michael Lenz (1751 – 1792): Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung;
Friedrich Maximilian Klinger (1752 – 1831): Sturm und Drang;
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832): Die Leiden des jungen Werthers, Gedichte;
Friedrich Schiller (1759 – 1805): Die Räuber

Formale Merkmale
Briefroman;
Erlebnislyrik;
freier Rhythmus in Gedichten;
natürliche Prosasprache;
Abkehr von den aristotelischen Einheiten (zahlreiche Schauplätze, lange Handlungsdauer, Aufgabe
der Ständeklausel)

6. Klassik (1786 – 1805)

Inhaltliche Merkmale
Ideal vollkommener Schönheit;
Harmonie und Ausgewogenheit;
hoher Wert des sittlichen Handelns;
Humanität und Toleranz;
kosmische Ordnung als Notwendigkeit;
Herausstellung des Erhabenen

Hauptvertreter und Werke


Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832): Iphigenie auf Tauris, Faust I und Faust II, Gedichte und
Balladen;
Friedrich Schiller (1759 – 1805): Über Anmut und Würde, Über die ästhetische Erziehung des Men-
schen;

Nachklassik:
Heinrich von Kleist (1777 – 1811): Der zerbrochene Krug, Michael Kohlhaas;
Friedrich Hölderlin (1770 – 1843): Der Tod des Empedokles;
Jean Paul (1763 – 1825): Flegeljahre, Siebenkäs

Formale Merkmale
Harmonie zwischen Aussage und Form als Ideal: Kunstballade;
Dinggedicht;
Gedankenlyrik;
Hymne;
Verwendung antiker Formen und Stilmittel;
Entwicklungsroman;
Ballade;
Ideendrama, analytisches Drama

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7. Romantik (1795 – 1835)

Inhaltliche Merkmale
Dichtung zusammen mit Malerei und Musik als Teil progressiver Universalpoesie (Schlegel);
Weg in das Innere des Menschen (Themen: Sehnsucht, Traum, Sinnlichkeit, Kindheit, auch Unter-
wegssein);
Sehnsucht nach enger Verbindung mit der Natur;
Wiederentdeckung der Tradition in Märchen und Volksbüchern – Verherrlichung des Mittelalters (als
letzte Universalkultur);
Romantische Ironie als Ausdruck des Widerspruchs zwischen Erstrebtem und Realem

Hauptvertreter und Werke


Joseph von Eichendorff (1788 – 1857): Gedichte;
E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822): Die Elixiere des Teufels;
Ludwig Tieck (1773 – 1853): Des Lebens Überfluss;
Novalis (1772 – 1801): Heinrich von Ofterdingen;
Clemens Brentano (1778 – 1842) und Achim von Arnim (1781 – 1831): Des Knaben Wunderhorn;
Adelbert von Chamisso (1781 – 1838): Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Formale Merkmale
Volkslied;
Lyrik (Sehnsucht nach enger Verbindung mit der Natur);
Fragment;
Kriminalgeschichte;
Leitmotiv

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8. Realistische Lyrik des 19. Jahrhunderts (1850 – 1890)

Inhaltliche Merkmale
Biedermeier:
unpolitische Richtung:
Selbstbescheidung und Mäßigung, Liebe zum Kleinen;
konservative Vorstellung befriedigt Bedürfnis nach Ruhe und privatem Glück

Vormärz / Junges Deutschland:


Ablehnung des Absolutismus, des Idealismus, der Klassik und Romantik;
Forderung nach Presse- und Meinungsfreiheit

Bürgerlicher Realismus:
Stoffe aus der Wirklichkeit;
distanzierte, mitunter künstlerische Umwandlung der Wirklichkeit durch humorvolle Betrachtung und
Metaphorik;
Thema: Beziehung des einzelnen Menschen zur Gesellschaft;
Mensch in Kausalkette schicksalhafter Faktoren

Hauptvertreter und Werke


Biedermeier:
Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848): Die Judenbuche;
Adalbert Stifter (1805 – 1868): Der Nachsommer;
Eduard Mörike (1804 – 1875): Mozart auf der Reise nach Prag

Vormärz / Junges Deutschland:


Georg Büchner (1813 – 1837): Dantons Tod, Woyzeck;
Heinrich Heine (1797 – 1856): Buch der Lieder
Bürgerlicher Realismus:
Theodor Fontane (1819 – 1898): Effi Briest;
Theodor Storm (1817 – 1888): Der Schimmelreiter;
Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898): Das Amulett;
Friedrich Hebbel (1813 – 1863): Agnes Bernauer

Formale Merkmale
Biedermeier:
Stimmungsbild; Novelle;
Reisebild; Dingsymbol

Vormärz / Junges Deutschland:


Flugschrift;
Offene Dramenform

Bürgerlicher Realismus:
(Gesellschafts-)Roman;
Novelle

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9. Lyrik der Jahrhundertwende (1890 – 1920)

Inhaltliche Merkmale
Naturalismus:
naturgetreue Abbildung ohne künstlerische Stilisierung oder metaphysische Überhöhung (Wahrheit
des Lebens);
radikale Objektivierung;
Arno Holz: naturalistische Kunst = Natur minus x (künstlerische Gestaltungsfähigkeit);
radikaler Determinismus und Positivismus

Impressionismus / Symbolismus:
Wiedergabe subjektiv-sinnlicher Eindrücke;
kritische Distanz zum Alltag;
Melancholie;
Suche nach dem inneren Zusammenhang zwischen den Dingen;
autonome Kunst;
Kunst gibt Halt in sinnentleerter Welt

Expressionismus:
Grunderfahrung: Entfremdung (Krieg, Stadt);
Ausdruck des inneren Erlebens, Pathos, Ekstase;
Kunst als rein geistiger Ausdruck innerlich geschauter Wahrheit;
Sehnsucht nach einer besseren Welt;
Protest gegen Kaisertum;
Forderung nach einem neuen Menschen;
Antimilitarismus

Hauptvertreter und Werke


Naturalismus:
Gerhart Hauptmann (1862 – 1946): Bahnwärter Thiel, Die Weber, Die Ratten;
Arno Holz (1863 – 1929) und Johannes Schlaf (1862 – 1941): Papa Hamlet

Impressionismus / Symbolismus:
Arthur Schnitzler (1862 – 1931): Leutnant Gustl;
Stefan George (1868 – 1933): Gedichte;
Rainer Maria Rilke (1875 – 1926): Gedichte

Expressionismus:
Georg Heym (1887 – 1912): Der Winter;
Georg Trakl (1887 – 1914): Gedichte;
Gottfried Benn (1886 – 1956): Morgue;
Georg Kaiser (1878 – 1945): Die Bürger von Calais

Formale Merkmale
Naturalismus:
Sekundenstil;
Zustandsdrama;
ausführliche Regieanweisungen;
naturgetreue Wiedergabe

Impressionismus / Symbolismus:
lautmalerische Sprache;
Handlung im Hintergrund;
absolutes Gedicht;
innerer Monolog als neue Erzählperspektive im Roman;
Dinggedicht

Expressionismus:
Chiffre;
Bruch mit sprachlichen und allgemeinen ästhetischen Konventionen;
Parabel

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10. Literatur des 20. Jahrhunderts

Inhaltliche Merkmale
Einteilung z.B. nach politischer Situation in: Weimarer Zeit, Literatur des Exils und der inneren Emig-
ration, Nachkriegsliteratur, Literatur in der DDR, Literatur in der BRD;
Reflexion der politischen Situation in der Literatur (z.B. äußere und innere Emigration, Umgang mit
der Zeit des Nationalsozialismus);
Poetik des „Kahlschlags“, „Trümmerliteratur“;
literarische Neuorientierung durch die Gruppe 47 (Richter, Andersch, Bachmann, Böll, Celan, Grass
u. a.);
Trennung von Politik und Literatur in den 50er Jahren;
Politisierung in den 60er Jahren;
„Neue Subjektivität“ in den 70er und 80er Jahren

Hauptvertreter und Werke


Thomas Mann (1875 – 1955): Buddenbrooks, Der Zauberberg;
Alfred Döblin (1878 – 1957): Berlin Alexanderplatz;
Stefan Zweig (1881 – 1942): Die Schachnovelle;
Carl Zuckmayer (1896 – 1977): Der Hauptmann von Köpenick;
Bertolt Brecht (1898 – 1956): Der gute Mensch von Sezuan, Galileo Galilei;
Werner Bergengruen (1892 – 1964): Der Großtyrann und das Gericht;
Wolfgang Borchert (1921 – 1947): Draußen vor der Tür;
Paul Celan (1920 – 1970): Mohn und Gedächtnis;
Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974): Gedichte;
Ingeborg Bachmann (1926 – 1973): Der gute Gott von Manhattan;
Ernst Jandl (1925 – 2000): Gedichte;
Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929): Gedichte;
Günter Grass (geb. 1927): Die Blechtrommel;
Reiner Kunze (geb. 1933): Die wunderbaren Jahre

Formale Merkmale
Experimentieren mit allen literarischen Formen, Entwicklung neuer Formen (episches Theater), Ver-
fremdungseffekt;
Kurzgeschichte als bedeutende Gattung nach dem Zweiten Weltkrieg;
Montagetechnik in Epik, Drama und Lyrik;
Groteske;
Konkrete Poesie;
Dokumentartheater;
Autobiografie;
Sciencefiction-Roman

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