Naturwissenschaftliches Grundpraktikum
Physik I
Versuch M 1
Federpendel
1. Hook`sches Gesetz
2. Federschwingung
3. Aufgaben
Hinweis: Für die Durchführung aller Messaufgaben benötigen Sie die Anleitung
zur Fehlerrechnung
Material und Geräte:
• 1 großer Stativfuß
• 1 kleiner Stativfuß
• Stativstange 1,20 m
• Hakenmuffe
• 1 Schraubenfeder (D = 3 N/m)
• 4 Gewichtstücke mit Haken, 50 g, 1 x 25 g
• 1 digitale Handstoppuhr (0,01s)
• 1 Maßstab 1 m
• 1 Zeiger für Maßstab
• 1 rote Aufbewahrungsbox
• Laborwaage
Verbrauchsmaterial:
• Millimeterpapier (A4)
1. Das Hook'sche Gesetz
Greift an einem elastischen Körper eine Kraft an, so dehnt sich der Körper in Richtung der
angreifenden Kraft. Elastisch bedeutet, dass mit dem Verschwinden der Kraft der Körper in
seine ursprüngliche Gestalt zurückkehrt. Bei zu großen Kräften, also Kräften außerhalb
des elastischen Bereiches, tritt eine dauerhafte Verformung ein, die der Körper auch nach
dem Verschwinden der Kraft beibehält.
Innerhalb dieser Elastizitätsgrenze beschreibt das Hook'sche Gesetz den Zusammenhang
zwischen der angreifenden Kraft und der Verlängerung des Körpers (Bild 1).
Nach Hook gilt: Die Längenausdehnung ist proportional zur wirkenden Kraft.
Bild 1: Längenausdehnung dx einer Feder durch die Gewichtskraft F
Wird eine Feder mit der Gewichtskraft F belastet, so verlängert sie sich um dx :
F ~ dx
Mit der Proportionalitätskonstanten D , die als Federkonstante bezeichnet wird, ergibt sich
die mathematische Formulierung des Hook'schen Gesetzes:
F = D ⋅ dx
Aus diesem linearen Zusammenhang folgt für die Federkonstante:
F N
D= D in
dx m
Jede Feder hat ihre charakteristische Federkonstante, die angibt, um wieviel sich diese
Feder unter einer Kraft ausdehnt bzw. welche Kraft nötig ist, um eine bestimmte
Ausdehnung zu erreichen. Beispielsweise wird eine Feder mit D = 2 N/m durch die Kraft
F = 2 N um dx = 1 m gedehnt; man kann auch sagen: zur Dehnung dieser Feder um
dx = 1 m ist eine Kraft von 2 N nötig. Dieses Beispiel zeigt: je stabiler eine Feder, desto
größer ist ihre Federkonstante.
Aus dem Hook'schen Gesetz ergibt sich eine statische Methode zur Bestimmung der
Federkonstanten: man misst die Federdehnung dx bei verschiedenen Belastungen F.
2. Federschwingung
2.1 Bewegungsgleichung der Federschwingung
Eine durch Belastung gedehnte Feder befindet sich, solange sie in Ruhe ist, in einem
Gleichgewichtszustand: die Gewichtskraft Fm der Masse m wird durch die rücktreibende
Federkraft F kompensiert.
Bild 2: Eine durch Belastung gedehnte Feder
Eine weitere Auslenkung der Feder um x vergrößert nach Hook die rücktreibende
Federkraft F und die Last wird in Richtung der Gleichgewichtslage beschleunigt. Überlässt
man das System Masse-Feder nach einer solchen Auslenkung sich selbst, so vollführt es
vertikale Schwingungen.
Die Größen , die den Bewegungszustand der angehängten Masse beschreiben, also ihre
Beschleunigung a, ihre Geschwindigkeit v und ihr Ort x (gemessen als Auslenkung aus der
Ruhelage) sind damit zeitabhängige Größen: x = x (t), v = v (t), a = a (t) .
Die Berechnung dieser Größen erfolgt mit Hilfe der Bewegungsgleichung des Systems.
Üblicherweise erhält man die Bewegungsgleichung aus der Grundgleichung der Mechanik:
F = m ⋅ a = m ⋅ x
Die Kraft F auf die Masse wird hier durch die Federkraft F = − D ⋅ x bewirkt. Das Minus-
zeichen resultiert aus der Richtung der Federkraft: sie ist rücktreibend und wirkt entgegen
der Richtung der Auslenkung x . Als Bewegungsgleichung des Systems ergibt sich somit:
− D ⋅ x = m ⋅ x m ⋅ x + D ⋅ x = 0
D
x + ⋅x =0
m
Diese Differenzialgleichung 2. Ordnung beschreibt die freie, ungedämpfte Schwingung und
wird bekanntlich gelöst durch einen harmonischen Ansatz:
x (t ) = x0 ⋅ sin (ω ⋅ t )
Dabei sind:
x0 = Schwingungsamplitude, also die max. Auslenkung oder Anfangsauslenkung
D
ω = Kreisfrequenz der Schwingung mit ω=
m
2 ⋅π
Für die Kreisfrequenz gilt allgemein: ω=
T
Aufgelöst nach der Schwingungsdauer T, die auch als Periode bezeichnet wird, ergibt sich
Die bekannte "Thomson'sche Schwingungsformel":
m
T = 2 ⋅π ⋅
D
Diese Schwingungsformel bietet nun eine dynamische Methode zur Bestimmung der
Federkonstanten: bei bekanntem (!) m misst man die Schwingungsdauer T.
2.2 Mitschwingende Federmasse
Durch die umfangreiche Messreihe, die Sie zwecks Nachprüfung der Aussagen der
Fehlertheorie aufnehmen (siehe Aufgabenstellung unter 3), haben Sie eine sehr gute
Zeitmessung für die Schwingungsdauer T. Wenn Sie diesen Wert für T, zusammen mit der
Masse m des Gewichtsstückes in die Thomson'sche Schwingungsformel einsetzen und die
Federkonstante berechnen, so werden Sie schnell feststellen, dass Ihr so ermittelter Wert
für D erheblich von dem Wert abweicht, den Sie nach der statischen Methode bestimmt
haben.
Die Ursache für diese Differenz wird deutlich, wenn man sich das schwingende System,
bestehend aus Feder und angehängter Masse, genauer betrachtet. Es schwingt nämlich
nicht nur die Lastmasse, sondern auch ein erheblicher Teil der Feder.
In der Bewegungsgleichung steht die Masse m, die auch wieder in der Thomson'schen
Schwingungsgleichung auftaucht. Dieses m muss aber gleich der gesamten bewegten
Masse sein (Bewegungsgleichung !). Bezeichnet man die Lastmasse mit mL und die
mitschwingende Federmasse mit mF , so gilt für die gesamte bewegte Masse m:
m = mL + mF
Damit lautet die Thomson'sche Schwingungsformel für das System aus Lastmasse und
Feder, hier in quadrierter Form:
m 4 ⋅π 2
T 2 = 4 ⋅π 2 ⋅ = ⋅ (mL + mF )
D D
Der lineare Zusammenhang zwischen T² und m bzw. zwischen T² und mL ergibt in der
grafischen Darstellung immer eine Gerade (Bild 3):
Bild 3: Grafische Darstellung der Funktion T 2 = f (m L )
Die Gerade im Diagramm T² gegen mL geht nicht durch den Ursprung, denn auch ohne
Lastmasse, also mit mL = 0, sorgt die mitschwingende Federmasse mF für eine von Null
verschiedene Schwingungsdauer T.
Erst wenn man eine negative Lastmasse von der Größe der mitschwingenden Federmasse
anhängen könnte, also mit mL = - mF , dann wäre die gesamte bewegte Masse m = 0
und damit auch die Schwingungsdauer T = 0 . Dies lässt sich natürlich nicht experimentell
realisieren, aber man kann im Diagramm T² gegen mL die Gerade so extrapolieren, bis sie
für T² = 0 die x-Achse schneidet. Dieser Schnittpunkt markiert dann den Zustand
verschwindender Gesamtmasse und wegen mL = - mF liefert er einen Wert für die
mitschwingende Federmasse.
Auch die Federkonstante lässt sich aus dem gemessenen Diagramm bestimmen.
Aufgrund des linearen Zusammenhangs zwischen T² und mL gilt für die Steigung c der
Geraden:
4 ⋅π 2 4 ⋅π 2
c= D=
D c
Die mitschwingende Federmasse mF lässt sich auch theoretisch herleiten
(siehe W. Walcher : Praktikum der Physik , 6. Auflage 1989, S. 90).
Aus einer Betrachtung der kinetischen Energie der Federschwingung kann man ableiten,
dass die mitschwingende Federmasse gleich 1/3 der Gesamtmasse M der Feder ist:
1
mF = ⋅ M
3
3. Aufgaben
1. Statische Bestimmung der Federkonstanten
Ausgehend vom unbelasteten Zustand wird die Feder schrittweise mit dem
50g- Gewichtsstücken belastet und dabei jeweils die Federlänge gemessen
(Maximale Federbelastung: 200 g !).
Achten Sie auf möglichst parallaxenfreie Ablesung am Maßstab.
Auswertung:
1.1 Tabelle mit der Federbelastung F (g = 9.81 m/s²) und dem zugehörigen dx.
1.2 Diagramm F gegen dx. Die Messpunkte liegen mit einer gewissen Streuung auf
einer Geraden. Aus der Steigung berechnen Sie die Federkonstante.
1.3 Grafische Fehlerbetrachtung
Eine Fehlerangabe für die Steigung erhält man in der Weise, dass man nach
Augenmaß die steilste und die flachste Gerade durch die Messpunkte legt. Daraus
ergibt sich ein minimaler bzw. maximaler Wert für D. Aus der Differenz Dmax - Dmin
erhält man eine sinnvolle Fehlerangabe für die grafisch ermittelte Federkonstante:
±
1
(Dmax − Dmin )
2
Dieses grafische Verfahren zur Bestimmung von D lässt sich auch numerisch exakt
durchführen und heißt lineare Regression. Geeignete Programme berechnen nach
Eingabe der Messwertepaare (F|dx) die Geradensteigung und deren Fehler.
2. Überprüfung der Aussagen der Fehlerrechnung
Am Beispiel der Federschwingung sollen Sie die Aussagen der Theorie der
Fehlerrechnung ausführlich überprüfen. Dazu wird die Feder mit 50g belastet, von Hand
aus der Ruhelage ausgelenkt (mittlere Auslenkung, ca. 15 cm ) und dann die Periode T mit
der Handstoppuhr gemessen.
Achten Sie darauf, die vollständige Periode bzw. Schwingung zu messen: etwa vom
Durchgang durch die Ruhelage über oberen und unteren Umkehrpunkt bis zum erneuten
Durchgang durch die Ruhelage. Oder besser: von einem Umkehrpunkt bis zum erneuten
Durchgang durch diesen Umkehrpunkt (Umkehrpunkte sind vom Auge besser zu fixieren).
Zur Fehlerminimierung wird die Schwingungsdauer von 10 Perioden , also 10 T gestoppt.
Die Fehler beim Stoppen verteilten sich dann auf 10 Perioden.
Aus Gründen der Statistik brauchen Sie viele Messwerte. Nehmen Sie deshalb eine
Messreihe mit 200 Messungen der zehnfachen Periode auf. Viel Spaß!
Auswertung:
2.1 Tabelle zur Auszählung der Messreihe
1. Spalte: Messwerte, Start mit kleinstem Messwert, in 1/100 s - Schritten aufwärts
2. Spalte: Strichliste
3. Spalte: Häufigkeit in 1/100 s - Intervall
4. Spalte: Intervallgrenzen von zusammengefassten 3/100 s - Intervallen
5. Spalte: Häufigkeit in den 3/100 s - Intervallen
1. Spalte 2. Spalte 3. Spalte 4. Spalte 5. Spalte
8.69 1
8.70 8.685 - 8.714 : 2
8.71 1
8.72 2
8.73 1 8.715 - 8.744: 6
8.74 3
... ...
...
2.2 Grafische Darstellung der Häufigkeiten für die 3/100 s - Intervalle in Form eines
Histogramms
x-Achse: 1 cm = Intervall von 3/100s; nur Schwerpunkte der Intervalle bezeichnen
y-Achse: 1 cm = 4 Ereignisse
2.3 Berechnung von Mittelwert T , Standardabweichung s und mittlerer Fehler des
Mittelwertes s für die gesamte Messreihe.
2.4 Überprüfen Sie die Verteilung der Einzelwerte.
Dazu berechnen Sie die Grenzen der Intervalle 10 ⋅T ± σ , 10 ⋅ T ± 1.96 ⋅ σ ,
10 ⋅ T ± 2 ⋅ σ , 10 ⋅ T ± 2,58 ⋅ σ und 10 ⋅ T ± 3 ⋅ σ .
Zählen Sie aus, wieviel Messwerte Ihrer Reihe in diesen Intervallen liegen und
vergleichen Sie diese Resultate mit den theoretischen Vorhersagen.
Tabelle: Intervalle; gemessene Häufigkeit absolut und prozentual; theoretischer
Sollwert
2.5 Untersuchen Sie, wie T , s und s von der Anzahl der Messungen abhängt.
Dazu teilen Sie die ersten 100 Messwerte ihrer Reihe in 5 Gruppen zu je 20 Werten auf
und berechnen für jede dieser Gruppe T , s und s . Ergebnis-Tabelle!
Wiederholen Sie diese Auswertung, indem Sie die 100 Messwerte in 2 Gruppen zu
je 50 Werten zusammenfassen.
Berechnen Sie T , s , s für die gesamten 100 Messwerte.
Wie wirkt sich diese Veränderung der Anzahl Ihrer Daten auf T , s, s aus?
2.6 Wiederholen Sie Aufgabe 2.4 getrennt für die Gruppe der ersten 20 Messwerte,
die Gruppe der ersten 50 Messwerte und die 100er Gruppe.
Ab wie viel Messwerten erkennen Sie eine statistische Verteilung?
3.1 Dynamische Bestimmung der Federkonstanten
Messen Sie die Schwingungsdauer T für die belastete Feder. Lastmasse 25g, 50g, 75g,
100g, 125g und 150g.
Messreihen zu je 10 Einzelmessungen; Messungen immer 10 Perioden.
Aus der grafischen Darstellung T² gegen mL bestimmen Sie mF und D.
Die Fehlerbetrachtung für mF und D erfolgt wieder grafisch aus der steilsten
bzw. flachsten Geraden.
Vergleichen Sie diese Federkonstante mit dem statisch bestimmten Wert für D.
Prüfen Sie durch Wiegen nach, ob die theoretisch abgeleitete mitschwingende
Federmasse mF mit dem experimentellen Wert übereinstimmt.
3.2 Fehlerfortpflanzungsgesetz
Bestimmen Sie D nach der Thomson'schen Schwingungsformel allein mit den Werten der
Statistik-Messreihe, also T und der Lastmasse mL.
Berechnen Sie den Fehler von diesem D, in dem Sie die noch nicht berücksichtigte
mitschwingende Federmasse mF als mittleren Fehler s m der Lastmasse mL betrachten.
Stimmt dieses D im Rahmen der Fehler mit den vorher bestimmten Werten überein?